Wien, 14. April 1917 - Hochgeehrter Herr ! Durch einen glücklichen Zufall habe ich ein Wunderwerk der Malerei aufgefunden, nämlich die eigenhändige unzweifelhaft echte Farbenskizze Tizians zum Petrus Martyr. Das herrliche kleine Bild ist noch zur genauen maltechnischen Untersuchung bei mir, und ich habe auch das weitere Verfügungsrecht darüber. Nun soll das Bild verkauft werden, das freilich ungewöhnlich teuer ist. Denn bei einem derlei einzig herrlichen Werk dessen grosse Ausführung bekanntlich (1867) durch Feuer vernichtet worden ist, kann die Taxierung nicht unter 200 000 K. herabgedrückt werden. In Vergleichung mit den Preisen von Bildern 3. u 4. Ranges von 10000-20000 K. , die heute gezahlt werden, wären eigentlich mehr als 300 000 K. ganz ange= messen. Echtheit glücklicher Weise beweisbar nach Tizian= schen Eigentümlichkeiten. Wollten Sie sich nicht um den Verkauf des Bildes annehmen , selbstverständlich gegen die üblichen Gebühren, die Sie beim Verkauf erhalten würden. Ich bitte recht sehr, mich so bald Frimmel Dr. Th. von Wien Geschr 16/4 17. 1917 14. April 16. " als möglich von der Höhe Ihrer Ansprüche und von Ihrer Stellungnahme zur Übernahme des Verkaufs zu unterrichten und zeichne in vollkommener Hochschätzung ganz ergeben Dr Theodor v. Frimmel. III. Baumanngasse 9. Bin jetzt etwas krank in der Atmung, sonst käme ich persönlich zu Ihnen. Die Rechnung wurde mittels Post- schecks beglichen.