Architekt Z. V. F. v. Gruber K. K. HOFRAT, K. U. K. O. PROF. D. R. WIEN, am 18. April 1916. IV./2, Johann Straußgasse 36 Hochgeehrter Herr! Beifolgend beehre ich mich Ihnen die Photografie Sr. Kaiserl Hoheit Erzherzog Friedrich zu senden, die ich von ihm eingerahmt, wie sie vorliegt, bekam. Die kleine Photografie dürfte 1-2 Jahre bevor ich ihm vorzutragen die Ehre hatte, auf= genommen worden sein, ich kaufte sie, da eine andere damals im Handel nicht zu haben war, der Erzherzog sah aber schon etwas älter aus. Wie ich mich eben aus dem Schematismus überzeugte, habe ich mich bezüglich seines Alters während der Jahre 1873-1876 ge= irrt, da er im Oktober 1873 bereits 17 Jahre alt war. Es fiel mit nachträglich ein, dass nach mir x) der damalige Custos der Albertina Dr. phil. Moritz Tausing dem Erzherzog Vor= träge über Geschichte der Malerei hielt. Vielleicht interessirt es Sie, dass es dem Erzherzog viel Freude machte, vom damaligen franzö= sischen Botschafter Grafen Vogué Komplimente über sein Wissen auf architekturgeschichtlichem Gebiete zu erhalten. Der Sach= verhalt war der folgende: x) d.h. nachdem ich meine Vorträge geschlossen hatte, von Herbst 1876 an, Graf Vogué hatte Syrien durchforscht und dort eine große Zahl von alten Steinbauten entdeckt, die bis dahin ganz unbekannt waren; er veröffentlichte darüber ein umfangreiches Werk, das in den 70er Jahren im Erscheinen begriffen war und von dem auch die Albertina ein Exemplar besass, so dass es mir möglich war den Erzherzog darüber zu unterrichten. Als nun Gf V. nach Wien als Botschafter kam, stellte er sich auch dem Ezh. vor und musste ihm dieser einen Gegenbesuch machen. Der Erzh. erinnerte sich nun an meinen Vortrag und verlegte den Gegenbesuch auf den Tag, an welchem ich zum näch= sten Vortrag kam, dann ersuchte er mich ihm rasch die Hauptverdiens= te und interessantesten Funde des Grafen zu wiederholen; unmittelbar darauf fuhr er zu diesem und sprach ihm seine Bewunderung aus, über dessen hochinteressanten Studien und Entdeckungen. Später erzählte mir dann der Erzh., dass Gf. V. über seine Kenntnisse ganz überrascht war und ihm sagte, dass er der einzige der hohen Herren Wiens sei, der seines Hauptlebens= werkes gedachte. Sollte mein altes Gehirn noch andere Erinnerungen an den Verkehr mit Sr. Kaiserl. Hoheit aufleuchten lassen, so werde ich mir erlauben Sie Ihen mitzuteilen. Mit dem Ausdrucke vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebenster F. v. Gruber