WIEN I. GETREIDEMARKT 10 den 28 November 1914. Hochverehrte gnädige Frau! Der Tod Ihres theuren Gatten, auf den wir ja leider schon seit langer Zeit gefaßt sein mußten, hat mich doch auf's Tiefste erschüttert; hat mich ja eine so langjährige Freundschaft und Verehrung mit ihm verbunden, sodass es mir sehr nahe geht, und unfassbar erscheint, dass eine so ausgezeichnete u. populare Persönlichkeit aus dem Leben scheiden mußte. Das Einzigtröstliche bei der Sache ist, dass er von einem ihn in der letzten Zeit sehr quälenden Leiden befreit wurde. Alle Freunde, und deren gabs unzählige, werden dem theuren Verstorbenen ein ewiges u. ehrendes Andenken bewahren. Zu diesen Freunden schmeichle ich mir in erster Reihe zu gehören. Eduard Kremser, wird nie vergessen werden, u. stets im Andenken seiner ihn verehren[den] großen Gemeinde fortleben. Empfangen Sie verehrteste Frau, u. alle Ihre lieben Verwandten den Ausdruck meines tief gefühltesten innigsten Beileides. Der liebe Gott tröste Sie in Ihrem großen Schmerze. Es grüßt Sie Alle Ihr mit Ihnen fühlender treu ergebenster Alfred Grünfeld Leider ist es mir morgen ganz unmöglich, meinem geliebten unvergesslichen Freunde die letzte Ehre zu erweisen, u. ich bitte daher sehr meine Abwesenheit beim Leichenbegängnisse zu entschuldigen.