STATISTIK JOURNAL WIEN 1/2015 statistik journal wien 1/2015 4 ELEMENTARE BILDUNG UND BETREUUNG IN WIEN Foto: Ingo Pertramer. Foto: PID/Votava. Mag. a Renate Brauner Vizebürgermeisterin und amtsführende Stadträtin für Finanzen, Wirtschaftspolitik und Wiener Stadtwerke StR Christian Oxonitsch Amtsführender Stadtrat für Jugend, Bildung, Information und Sport BILDUNG – VON ANFANG AN Nach aktuellen Prognosen werden 2029 in Wien wieder zwei Millionen Menschen leben. Um für eine prosperierende Zu­ kunft der Stadt zu sorgen, ist eine umfassende und qualita­ tiv hochwertige Bildung und Betreuung unserer Kinder von größter Wichtigkeit. Die frühkindliche Förderung und Unter­ stützung gibt dem Nachwuchs beste Bedingungen für einen erfolgreichen Start ins Leben. Die Erziehungsberechtigten werden durch vielfältige Bildungs- und Betreuungsangebote unterstützt, um optimale Voraussetzungen für eine Vereinbar­ keit von Familie und Beruf zu bieten. Mit dem 2009 eingeführten Gratiskindergarten hat die Stadt Wien eine deutliche Entlastung der Familien mit Kindern unter sechs Jahren vorgenommen – als einziges österreichisches Bundesland. Und: Die Bildung und Betreuung unserer Kinder wird auch in Zukunft oberste Priorität haben. Von 2009 bis 2014 ist das Angebot an elementaren Bildungsund Betreuungsplätzen in Wien um mehr als 20 Prozent ge­ stiegen. Der Erfolg unserer Bemühungen kann sich sehen lassen: die Barcelona-Ziele der Europäischen Union in Sa­ chen Kinderbetreuung hat Wien bereits übererfüllt. Die hohe Qualität und die Versorgungsdichte der Kinderbildungs- und Betreuungseinrichtungen sind einzigartig in Österreich. Der Ausbau und die Förderungen von Betreuungsmöglichkei­ ten beschränken sich jedoch nicht nur auf gemeindeeigene Bildungs- und Betreuungseinrichtungen der MA 10 – Wiener Kindergärten. Auch das private Angebot(Kindergärten, Kin­ dergruppen, Tageseltern etc.) wird unterstützt und gefördert, wodurch sich für die Erziehungsberechtigten und ihre Kinder ein vielfältiges Angebot verschiedenster Bildungs- und Be­ treuungsformen ergibt. Umfassende und qualitativ hochwertige Bildungs- und Betreu­ ungseinrichtungen sind für die Zukunft unserer Gesellschaft von zentraler Bedeutung – wird doch hier über die Zukunftschancen jedes einzelnen Kindes, und damit der Stadt mitentschieden. Wien hat deshalb in den vergangenen Jahren sein Bildungs­ und Betreuungsangebot für Kinder deutlich ausgebaut. Das vorliegende Statistik Journal fasst wichtige Daten der Kin­ derbildung und-betreuung in Wien zusammen und vergleicht diese auch mit anderen Bundesländern. Wir danken den Ma­ gistratsabteilungen 10(Wiener Kindergärten), 11(Amt für Ju­ gend und Familie) und 23(Wirtschaft, Arbeit und Statistik) für die Erstellung dieses Heftes. Foto: media wien. Foto: PID/Votava. Foto: media wien. Mag. a Daniela Cochlar Abteilungsleiterin der MA 10 – Wiener Kindergärten Mag. Johannes Köhler Abteilungsleiter der MAG ELF – Amt für Jugend und Familie Dipl.-Vw. Klemens Himpele Abteilungsleiter der MA 23 – Wirtschaft, Arbeit und Statistik VORWORT Für einen guten Start ins Leben unserer Kinder sind qualitativ hochwertige institutionelle Bildungs- und Betreuungseinrich­ tungen von großer Bedeutung. Die frühkindliche Förderung und soziale Integration stellen für jede Gesellschaft eine gro­ ße Verantwortung dar. Die Stadt Wien ist sich dieser Verant­ wortung bewusst und bietet den Wienerinnen und Wienern eine vielfältige Auswahl an Betreuungsformen, wodurch die unterschiedlichen Bedürfnisse von Kindern und Eltern berück­ sichtigt werden. Die Stadt Wien nimmt mit ihrem Angebot und den hohen Qualitätsstandards eine klare Vorreiterinnenrolle in Österreich ein. Die öffentliche Verwaltung, insbesondere die MA 10 und die MAG ELF, sind bestrebt auch weiterhin für ein hochwertiges Angebot in der Stadt zu sorgen. Der Ausbau der elementaren Bildungs- und Betreuungsein­ richtungen geht intensiv weiter. Auch in den nächsten Jahren werden durchschnittlich 3.000 Plätze pro Jahr geschaffen, vorwiegend im Kleinkinderbereich. Die aktuelle Bevölkerungs­ prognose der MA 23 zeigt eine wachsende Bevölkerung in den kommenden Jahrzehnten. Auch die Zahl der Kinder in unserer Stadt wird zunehmen. Daher sind auch in Zukunft weitere In­ vestitionen in die elementare Kinderbetreuung und-bildung wichtig und richtig. Die statistischen Daten, die in dieser Bro­ schüre aufbereitet wurden, stellen eindrucksvoll die Erfolge der Investitionen und Maßnahmen der vergangenen Jahre im Bereich des elementaren Bildungs- und Betreuungswesens in Wien dar. inHAlT Einleitung und vorwort 4 .......................................................................................................... GrundlaGen und GrundleGendes 8 .......................................................................................... Zusammenfassung der Ergebnisse 9 .............................................................................................. Wien ist anders – der Bildungsplan im„neuen“ Wiener Kindergartengesetz ..................................................... 9 umfassende förderung durch die Stadt Wien .................................................................................. 10 Mehr Kinder und wachsende gesellschaftliche Akzeptanz ..................................................................... 10 Plätze in der elementaren BildunG und BetreuunG .................................................................... 12 formen der Kinderbetreuung 13 .................................................................................................. das Platzangebot 14 .............................................................................................................. versorgungsquoten – Barcelona-Ziele erreicht ................................................................................. 20 Zukünftige Entwicklungen 22 ..................................................................................................... Qualitätssicherung 24 ............................................................................................................ Bundesländer im VerGleich 26 ............................................................................................... Tägliche Öffnungszeiten 27 ....................................................................................................... geöffnete Wochen und Schließtage pro Jahr 29 .................................................................................. vereinbarkeitsindikator für familie und Beruf .................................................................................. 30 finanzielle förderungen des Kindergartenbesuchs ............................................................................ 31 Kinder in der elementaren BildunG und BetreuunG .................................................................... 32 Betreute Kinder unter sechs Jahren ............................................................................................ 34 Welche faktoren beeinflussen die inanspruchnahme von externer Kinderbetreuung? ......................................... 36 das verpflichtende Kindergartenjahr .......................................................................................... 37 ganztägige Betreuung von Schulkindern ...................................................................................... 38 frühe sprachliche förderung 40 .................................................................................................. Kinder mit Behinderung und mit erhöhtem Betreuungsbedarf ................................................................. 40 der KinderGarten als arBeitsPlatz ....................................................................................... 41 Ausbildung von Elementarpädagoginnen und-pädagogen an der BAKiP ....................................................... 42 Personal in den elementaren Bildungs- und Betreuungseinrichtungen der Stadt Wien ......................................... 43 der Kindergarten – Ein Arbeitsplatz auch für Männer .......................................................................... 44 ausGaBen für elementare BildunG und BetreuunG ................................................................... 46 Ausgaben für den Betrieb der städtischen Kindergärten 47 ...................................................................... Ausgaben für die förderung von privaten Bildungs- und Betreuungseinrichtungen ............................................ 47 volkswirtschaftlicher nutzen der Ausgaben für Kinderbetreuung .............................................................. 48 datenquellen und Methoden 50 .................................................................................................. dienststellenbeschreibungen 51 .................................................................................................. impressum 54 .................................................................................................................... GRUNDLAGEN UND GRUNDLEGENDES 9 Der Kindergarten ist die erste Bildungseinrichtung im Leben von Kindern. Er bildet eine wichtige Basis für den späteren Bildungsweg und damit für die Zukunftschancen jedes Kin­ des. Besonderes Augenmerk muss daher auf Qualität in der Elementarpädagogik liegen. Der Wiener Bildungsplan ist die Grundlage für eine qualitätsvolle Bildungsarbeit in den Kin­ dergärten. Er wurde im Wiener Kindergartengesetz verankert. Mehrere Faktoren haben in den vergangenen Jahren die Zahl der Kinder in den elementaren Bildungs- und Betreuungsein­ richtungen ansteigen lassen: Das seit Jahren starke Bevölke­ rungswachstum Wiens bedingt auch einen kräftigen Anstieg der Zahl der Kinder unter sechs Jahren. Die Umsetzung des beitragsfreien Kindergartens für alle Wiener Kinder, kurze Zeit später die Einführung der Kindergartenpflicht für alle Fünfjäh­ rigen ab Herbst 2010 sowie ein gestiegenes gesellschaftliches Bewusstsein für die positiven Auswirkungen der frühkindlichen Bildung haben die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen ele­ mentaren Bildungs- und Betreuungsplätzen stetig erhöht. Für immer mehr Erziehungsberechtigte in Wien wird es immer selbstverständlicher, trotz Familie den Beruf ohne längere Unterbrechung weiter auszuüben. Das exzellente Wiener Kin­ derbetreuungsangebot ermöglicht es, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Familienfreundliche Öffnungszeiten für Berufstätige, Betreuung auch während der Ferienmonate, täg­ liches Mittagessen und bestens geschultes Personal schaffen dafür die notwendigen Bedingungen. Seit 2009 wurden über 17.500 neue Plätze geschaffen. Ende 2014 gab es in Wien erstmals über 100.000 bewilligte Plätze im städtischen und privaten Bereich, davon über 24.000 Plät­ ze für Kleinkinder. Auch in den kommenden Jahren wird wei­ terhin laufend in den Ausbau von neuen Kindergartenplätzen investiert, im Vordergrund stehen dabei vor allem Plätze für Kinder unter drei Jahren. Der Stadt Wien ist es als einzigem Bundesland schon vor eini­ gen Jahren gelungen, die Barcelona-Ziele zu erreichen: Die EUForderungen nach einer 33%igen Versorgungsquote für 0 bis unter 3-jährige Kinder und einer 90%igen Versorgungsquote für 3 bis 5-jährige Kinder wurden in Wien schon vor einigen Jahren erreicht. Durch den laufenden intensiven Ausbau hat Wien für Kinder bis zu drei Jahren derzeit eine Versorgungs­ quote von über 43%, ohne Einbeziehung der unter Einjähri­ gen von fast 65%. Die Versorgungsquote der 3- bis 5-jährigen Kinder liegt mittlerweile bei 106%(mehr Plätze als Kinder). Die Zahl der Kinder, die eine elementarpädagogische Wie­ ner Bildungseinrichtung besuchen, ist in der vergangenen Dekade um 35% auf knapp 90.000 gestiegen, der Zuwachs resultiert ausschließlich aus dem Anstieg der 0 bis 5-Jährigen. Kinder im Grundschulalter werden am Nachmittag seit einigen Jahren nicht nur in Horten sondern vermehrt in ganztägigen Schulformen betreut. Die Stadt gibt im Vergleich zu 2009 180 Millionen Euro mehr für Bildung und Betreuung im vorschulischen Bereich aus. Das jährliche Budget für die städtischen Kindergärten und die Förderung der privaten Einrichtungen wurde auf rund 780 Millionen Euro angehoben. Durch das beitragsfreie Angebot ersparen sich Eltern bis zu 3.000 Euro pro Jahr für einen Kin­ dergartenplatz. Das finanzielle Engagement der öffentlichen Hand in qualitativ hochwertige Bildungs- und Betreuungsein­ richtungen lohnt sich. Jeder investierte Euro wird der Gesell­ schaft auf vielfältigen Wegen zurückgegeben. In den städtischen Wiener Kindergärten sind derzeit rund 3.800 PädagogInnen und 2.900 AssistentInnen(darunter ins­ gesamt 100 Männer) aktiv beschäftigt. Um hochqualifizierte MitarbeiterInnen für die Wiener Kin­ dergärten auszubilden, betreibt die Stadt Wien eine eigene Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik. Mit neuen Aus­ bildungsmodellen legt Wien den Fokus verstärkt auf Erwach­ senenbildung. Als erstem Bundesland ist es Wien gelungen, mit der Novelle des Wiener Kindergartengesetzes, ab dem Kindergartenjahr 2013/2014 den Wiener Bildungsplan verpflichtend für alle Kin­ dergärten in Wien zu verankern. Dies ist ein Meilenstein in der Geschichte der elementaren Bildung, denn erstmals wird die Verpflichtung zur Vermittlung konkreter Bildungsinhalte per Gesetz festgeschrieben, mit dem Ziel einen einheitlichen Bildungsstandard in den Kin­ dergärten zu erreichen. Dadurch ist der Kindergarten als erste Bildungseinrichtung nun auch gesetzlich etabliert. Der Bildungsplan ist ein Instrument, das einen klar definierten Bildungsbegriff auf die pädagogische Praxis überträgt. Seine allgemeine Fassung erlaubt eine individuelle Konzeptentwick­ lung in jedem Kindergarten. Dies bedingt aber die Auseinan­ dersetzung mit Qualität nach innen und außen und forciert dadurch Qualitätsmanagement im Kindergarten. Das Ziel des Bildungsplans ist die Kompetenzförderung beim Kindergartenkind. Bildungsangebote werden so gestaltet, dass sie Interesse, Neugierde und Freude am Lernen wecken und dies auch erhalten bleibt. Die Kinder in den elementaren Bil­ 10 ELEMENTARE BILDUNG UND BETREUUNG IN WIEN dungseinrichtungen bekommen Impulse, Anregungen und Be­ gegnungen, die es ihnen ermöglichen, Menschlichkeit zu ent­ falten, Emanzipation im Denken zu entwickeln und Autonomie zu leben. Angebote in spielerischer Form lassen keinen Leis­ tungsdruck entstehen und motivieren die Kinder stets positiv. In der MAG ELF wurde eine Kindergarteninspektorin mit der Aufgabe betraut, die Kindergärten bei der Umsetzung des Bil­ dungsplans zu begleiten und zu unterstützen. So wird sicher­ gestellt, dass die Kinder von der Kleinkindergruppe über den Kindergarten bis zum Hort bestmöglich gefördert werden und für sie wichtige Kompetenzen entwickeln können. Diese Kin­ dergarteninspektorin legt das Hauptaugenmerk auf Beratung und Aufsicht bei der Ausstattung mit Bildungsmaterialien, der pädagogischen Planung und Dokumentation sowie der Um­ setzung einer effizienten Elternarbeit. Dafür wurden eigene Checklisten erarbeitet, die eine„Überprüfung“ und eine an­ schließende Evaluierung der Bildungsaufgaben eines Kinder­ gartens erleichtern. Zudem werden Beratungsgespräche oder Workshops für PädagogInnen angeboten. Die MAG ELF hat somit einen wesentlichen Anteil an der Qualitätssicherung in den Kindergärten und an der frühkindlichen Bildung in Wien. Die Magistratsabteilung 10 – Wiener Kindergärten unterstützt durch die Gewährung von Förderungen private Trägerorgani­ sationen und Tageseltern, die elementare Bildungs- und Be­ treuungsplätze in Wien anbieten. Die Fördermodelle sind pro Kind beziehungsweise im Hort pro Gruppe ausgerichtet. Die Vergabe von Förderungen im Rahmen des Modells„Bei­ tragsfreier Kindergarten“ hat zum Ziel, ein ausreichendes und möglichst beitragsfreies Angebot an Plätzen zu schaffen, das den Wiener Kindern ermöglicht, eine geeignete elementare Bildungs- und Betreuungseinrichtung zu besuchen. Die Förderung privater Kindergärten erfolgt durch einen Grundund einen Betreuungsbeitrag. Der Grundbeitrag wird den ge­ meinnützigen privaten BetreiberInnen für die Führung und Erhaltung der Einrichtungen zur Verfügung gestellt, der Be­ treuungsbeitrag ist dem einzelnen Kind gewidmet und wird – sofern die Anspruchsvoraussetzungen des„Beitragsfreien Kindergartens“ erfüllt sind – direkt der Trägerorganisation ausbezahlt. Ergänzt werden der Betreuungsbeitrag und der Grundbeitrag durch einen Verwaltungszuschuss, der an die gemeinnützigen TrägerInnen privater Kindergärten geleistet wird. Für besondere Zusatzleistungen wie Native Speaker, längere Öffnungszeiten oder spezielle pädagogische Konzep­ te können private Einrichtungen einen entsprechenden Be­ suchsbeitrag von den Eltern einheben. Im Jahr 2014 wurden 486 verschiedene private Trägerorgani­ sationen gefördert. Der Besuch städtischer Kleinkindergruppen, Kindergarten­ gruppen bzw. Familiengruppen ist für die Eltern(sofern die Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind) gebührenfrei. Ein­ zig der Essensbeitrag ist von den Eltern zu entrichten. Fa­ milien mit entsprechend geringem Einkommen können um eine Ermäßigung des Essensgeldes bei der MAG ELF ansu­ chen. Auch der Besuch jener Kinder, die die Anspruchsvor­ aussetzungen nicht erfüllen(weil entweder das Kind und/ oder kein Elternteil in Wien seinen Hauptwohnsitz hat), wird von der Stadt Wien insofern gefördert, als die veranschlag­ ten Elternbeiträge nur einen Teil der tatsächlich anfallenden Kosten decken. Wien wächst. Die Stadt befindet sich seit Jahren in einer demographischen Wachstumsphase, die sich aller Voraus­ sicht nach auch im nächsten Jahrzehnt fortsetzen wird. Das Ansteigen der Altersgruppe der 0 bis 5-jährigen Kinder von rund 100.000 zu Beginn des Jahres 2009 auf etwa 109.000 Kinder zum Jahresende 2014 ist in erster Linie durch die seit Jahren steigenden Geburtenzahlen bedingt. Gab es im Jahr 2009 etwas mehr als 17.000 Geburten, so waren es 2013 bereits knapp 18.700. Gemäß den Ergebnissen der Bevölke­ rungsprognose der MA 23 wird die Zahl der Geburten auch in den kommenden Jahren weiter zunehmen, auf etwa 20.000 Geburten im Jahr. Wien könnte also wieder ein ähnliches Ge­ burtenniveau erreichen wie in den 60er Jahren, der Zeit des Babybooms. Die Kommune steht dadurch vor der Herausfor­ derung, den stetig wachsenden Bedarf an elementaren Bil­ dungs- und Betreuungsplätzen in den kommenden Jahren zu decken. Parallel zum absoluten Zuwachs der 0 bis 5-jährigen Kin­ der steigt auch die Zahl jener Eltern, die das Angebot an Bildungs- und Betreuungseinrichtungen für ihre Kinder in Anspruch nehmen. Ein wachsendes gesellschaftliches Be­ wusstsein für die positiven Auswirkungen der frühkindli­ chen Bildung sowie die Zunahme der Erwerbstätigkeit von Eltern führen zu einer erhöhten Nachfrage nach Bildungs­ und Betreuungsplätzen. Unterstützt wird diese Entwicklung in Wien durch den beitragsfreien Kindergarten. Aus einer im Jahr 2013 durchgeführten Studie über die„Lebensqualität in Wien im 21. Jahrhundert“ geht hervor, dass die Wienerin­ nen und Wiener mit den elementaren Bildungs- und Betreu­ ungsangeboten, die im letzten Jahrzehnt ausgebaut wurden, durchaus zufrieden sind. GRUNDLAGEN UND GRUNDLEGENDES 11 Geburten in Wien, 1961 bis 2013 und Vorausschätzung bis 2044 25.000 20.000 15.000 10.000 5.000 1961 1966 1971 1976 1981 1986 1991 1996 2001 2006 2011 2016 2021 2026 2031 2036 2041 2044 Geburten Prognose MA 23 Quelle: Statistik Austria; MA 23, Wien Prognose 2014. Zufriedenheit mit der pädagogischen Qualität der Betreuung in Kleinkindergruppen und Kindergärten, 2013 2,4% 57,4% 26,9% 11,2% 2,1% 1= sehr zufrieden 2 3 4 gar nicht zufrieden Quelle: Sozialwissenschaftliche Grundlagenstudie Wien II. 8 ELEMENTARE BILDUNG UND BETREUUNG IN WIEN Foto: © Lsantilli Fotolia.com PLÄTZE IN DER ELEMENTAREN BILDUNG UND BETREUUNG 13 Kindergärten Kindergärten sind örtlich gebundene Einrichtungen, die zur re­ gelmäßigen Betreuung und Bildung von Kindern durch Fachkräf­ te während eines Teils des Tages bestimmt sind. Sie haben die Aufgabe, in Ergänzung zur Familie nach gesicherten Kenntnis­ sen und Methoden der Pädagogik die Entwicklung der Gesamt­ persönlichkeit jedes Kindes und seine Fähigkeiten zum Leben in der Gemeinschaft zu fördern und es in der Entwicklung seiner körperlichen, seelischen und geistigen Kräfte zu unterstützen. In einem Kindergarten können verschiedene Gruppen einge­ richtet werden: • Kleinkindergruppen für Kinder bis zum vollendeten 3. Lebensjahr, • Kindergartengruppen für Kinder vom vollendeten 3. Lebensjahr bis zum Beginn der Schulpflicht, • Hortgruppen für schulpflichtige Kinder, • Familiengruppen für Kinder bis zum Beginn der Schulpflicht und • Familiengruppen für 3 bis 10-jährige Kinder. Diese Gruppen können auch als Integrationsgruppen oder heilpädagogische Gruppen eingerichtet werden. jahr(Kleinkinder, Vorschulkinder und/oder Schulkinder) regelmäßig für einen Teil des Tages betreut werden, sofern dies nicht im Rahmen des Kindergartens- oder Schulbetriebs erfolgt. Die Kindergruppe wird von einer ausgebildeten Kindergrup­ penbetreuerin beziehungsweise einem ausgebildeten Kin­ dergruppenbetreuer geführt und darf höchstens 14 gleich­ zeitig betreute Tageskinder umfassen. Größe, Ausstattung und Einrichtung der Räumlichkeiten müssen auf das päda­ gogische Konzept, das Alter und die Bedürfnisse der Tages­ kinder ausgerichtet sein und die entsprechende Sicherheit aufweisen. Für den Betrieb einer Kindergruppe ist eine Bewilligung durch die Magistratsabteilung 11 – Amt für Jugend und Familie er­ forderlich. Tageseltern  Tagesmütter und Tagesväter betreuen in der eigenen Familie – im Regelfall neben den eigenen Kindern – zu bestimmten Zeiten Kinder von Eltern, die aus beruflichen oder anderen Gründen diese Aufgabe nicht selbst wahrnehmen können. Dies setzt das Einverständnis aller im gemeinsamen Haushalt lebenden Personen voraus. Bildung und Betreuung erfolgen durch ausgebildete Kinder­ gartenpädagogInnen, HortpädagogInnen, Sonderkindergar­ tenpädagogInnen oder SonderhortpädagogInnen nach den Grundsätzen des Wiener Bildungsplans. In jedem Kindergar­ ten gibt es eine pädagogische Leitung(Fachkraft mit mindes­ tens fünfjähriger Praxis), die für die Organisation, Administ­ ration und Koordination des Kindergartens zuständig ist. Ihr obliegt außerdem die Teamführung und sie trägt die pädago­ gische Verantwortung. Kindergärten können auch gemeinsam mit ganztägigen Schul­ formen als Campus betrieben werden. Kindergruppen Eine Kindergruppe ist eine Betreuungseinrichtung, in der Minderjährige(Tageskinder) bis zum vollendeten 16. Lebens­ Eltern von Tageskindern schätzen einerseits die Möglichkeit, Betreuungszeiten flexibel zu gestalten, andererseits die hohe Qualität der Betreuung durch die geringe Kinderanzahl. Die Kleingruppe von maximal fünf Kindern ist überschaubar. Die Betreuung von Kindern im Rahmen des„verpflichtenden Kindergartenjahres“ ist grundsätzlich möglich. In der Regel wechseln die Tageskinder, sobald sie das entsprechende Al­ ter erreicht haben, aber in eine Kindergruppe oder einen Kin­ dergarten. Tagesmütter und Tagesväter arbeiten auf Basis einer Tagesbe­ treuungsbewilligung, die bei Vorliegen aller rechtlichen, sozi­ alen und räumlichen Voraussetzungen erteilt wird. Die Quali­ tät der Betreuung ist durch eine solide Grundausbildung und regelmäßige Fortbildung gesichert. Die MAG ELF kontrolliert regelmäßig die Lebens- und Wohnverhältnisse. 14 ELEMENTARE BILDUNG UND BETREUUNG IN WIEN Von 2009 bis 2014 wurde das Angebot an elementaren Bil­ dungs- und Betreuungsplätzen für Kinder in Wien um mehr als 17.500 Plätze ausgebaut. Der Kindergartenbereich beinhaltet das Segment mit dem größten absoluten Zuwachs: die Familiengruppen wuchsen um 7.000 neue Plätze. Rund 4.100 Bildungs- und Betreu­ ungsplätze entstanden in den Kleinkindergruppen und wei­ tere 2.400 in Kindergartengruppen. Ausgehend von knapp 83.000 bewilligten Plätzen im Jahr 2009 ist deren Zahl nunmehr auf über 100.500 angewachsen, das entspricht einer Steigerung um über 21%. … nach der Betreuungsform 13.000 neue Bildungs- und Betreuungsplätze entstanden in Kindergärten, weitere 5.000 in den Kindergruppen, lediglich die Zahl der Hortplätze sank geringfügig. Im Zeitraum 2009–2014 abgenommen hat lediglich die Zahl der Betreuungsplätze für 6 bis 10-jährige Kinder. Die Hortplätze verringerten sich um rund 1.000, denn der Zu­ wachs an Betreuungsplätzen für Kinder im Volksschulalter findet sich seit einigen Jahren im Bereich der ganztägigen Schulformen: beim Ausbau von z. B. Ganztagesschulen oder Campusschulen. Bewilligte Kinderbetreuungsplätze in Wien, 2009–2014 120.000 100.000 80.000 82.985 100.583 60.000 40.000 20.000 2009 2010 2011 bei Kindergruppen und Tageseltern Quelle: MAG ELF. in Kindergärten in Horten 2012 2013 2014 PLÄTZE IN DER ELEMENTAREN BILDUNG UND BETREUUNG 15 Entwicklung der Bildungs- und Betreuungsplätze nach der Betreuungsform, 2009–2014 Gesamt Kleinkindergruppen Kindergartegruppen Familiengruppen 0–6 Familiengruppen 3–10 Horte Tageseltern Kindergruppen Jahr 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2009/14 Veränderung absolut 2009/14 Veränderung relativ 82.985 86.432 88.946 91.970 95.870 100.583 +17.598 9.195 9.775 10.371 11.076 12.166 13.366 +4.171 36.742 37.839 38.455 38.655 39.192 39.137 +2.395 9.350 11.111 11.761 13.149 14.644 16.364 +7.014 3.538 3.383 3.260 3.290 3.288 3.110 –428 20.347 20.278 20.417 19.924 19.542 19.252 –1.095 1.283 1.200 964 1.435 1.528 1.548 +265 2.530 2.846 3.718 4.441 5.510 7.806 +5.276 +21,2% +45,4%+6,5%+75,0% –12,1% –5,4%+20,7%+208,5% Quelle: MAG ELF; Berechnung MA 23. Absolute Entwicklung der Bildungs- und Betreuungsplätze nach der Betreuungsform, 2009–2014 45.000 40.000 35.000 30.000 25.000 20.000 15.000 10.000 5.000 Kindergartengruppen Horte Familiengruppen 0–6 Kleinkindergruppen Kindergruppen Familiengruppen 3–10 Tageseltern 2009 Quelle: MAG ELF. 2010 2011 2012 2013 2014 16 ELEMENTARE BILDUNG UND BETREUUNG IN WIEN Verteilung des Platzangebotes nach der Betreuungsform, 2014 3% 8% 2% 13% 39% 16% 19% Kindergartengruppen Horte Familiengruppen 0–6 Kleinkindergruppen Kindergruppen Familiengruppen 3–10 Tageseltern Quelle: MAG ELF. Mit zwei Fünftel finden sich die meisten Bildungs- und Betreuungsplätze in Kindergartengruppen, ein weiteres Fünftel in Horten. Die restlichen zwei Fünftel der Plätze verteilen sich auf Familiengruppen, Kleinkindergruppen, Kindergruppen und Tageseltern. … nach Trägerorganisationen Der größte Anteil der rund 100.500 Bildungs- und Betreuungsplätze wird von der Stadt Wien durch die Magistratsabteilung 10 – Wiener Kindergärten bereitgestellt. Die Anbieter aller übrigen Plätze sind private Organisationen und verschiedene Vereine. Zweitgrößte Trägerorganisation sind die„Wiener Kinderfreunde“, gefolgt von der„Vereinigung katholischer Kindertagesheime(KKTH)“, der„St. Nikolausstiftung“ und von„Kindern in Wien(KIWI)“. Die weiteren privaten Vereine und Institutionen bieten zusammen etwa ein Viertel der Plätzefür die frühkindliche Bildung und Betreuung an. Platzangebot in institutionellen elementaren Bildungs- und Betreuungseinrichtungen Wiens nach Trägerorganisationen, 2014 MA 10 – Wiener Kindergärten Wiener Kinderfreunde Kindergruppen Vereinigung katholischer KTHs St. Nikolausstiftung Kinder in Wien Andere private Einrichtungen Quelle: MAG ELF. 5.000 10.000 15.000 20.000 25.000 30.000 35.000 PLÄTZE IN DER ELEMENTAREN BILDUNG UND BETREUUNG 17 … nach Altersgruppen Kinder unter 3 Jahren sind Kleinkinder im Alter von 0 bis 2 Jah­ ren, beziehungsweise Kinder, die im aktuellen Betreuungs­ jahr den dritten Geburtstag feiern. Plätze für Kinder in dieser Altersgruppe stehen in Kleinkindergruppen, Familiengruppen für 0 bis 6-Jährige sowie Kindergruppen und bei Tageseltern zur Verfügung. Kinder bis zum Beginn der Schulpflicht sind Kindergarten­ kinder im Alter von 3 bis 5 Jahren, beziehungsweise Kinder, die im aktuellen Betreuungsjahr den sechsten Geburtstag feiern(verpflichtendes Kindergartenjahr). Plätze für Kinder in dieser Altersgruppe stehen in Kindergartengruppen, Fa­ miliengruppen für 0 bis 6-Jährige, Familiengruppen für 3 bis 10-Jährige sowie Kindergruppen und bei Tageseltern zur Verfügung. Plätze für Kinder mit Beginn der Schulpflicht(Schulkinder bis zu 10 Jahren) stehen in Horten, Familiengruppen für 3 bis 10-Jäh­ rige sowie Kindergruppen und bei Tageseltern zur Verfügung. Das Platzangebot wuchs in den Jahren 2009 bis 2014 sowohl für Kleinkinder als auch für Kindergartenkinder absolut um jeweils knapp 9.400 Plätze. In Relation zum jeweiligen Aus­ gangswert des Jahres 2009 bedeutet das für den Bereich der 3 bis 5-Jährigen einen Anstieg um 20%, für jenen der 0 bis unter 3-Jährigen aber einen Zuwachs von 64%(jeweils inklusive Ta­ geseltern und Kindergruppen). Die Zahl der klassischen Nachmittagsbetreuungsplätze für Kinder im Grundschulalter ist leicht gesunken. Dem Rückgang in den Horten steht allerdings eine positive Entwicklung in den ganztägig geführten Schulen gegenüber(siehe„Ganztä­ gige Betreuung von Schulkindern“ auf Seite 38). Entwicklung des Platzangebotes nach Altersgruppen, 2009–2014 Jahr 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2009/14 Veränderung absolut 2009/14 Veränderung relativ Gesamt 82.985 86.432 88.946 91.970 95.870 100.583 +17.598 Kleinkinder 0 bis unter 3-Jährige** 14.728 15.978 17.014 18.967 21.173 24.111 +9.383 +21,2% +63,7% Quelle: MAG ELF; Berechnung MA 23. * Inkl. Tageseltern und Kindergruppen. ** Gleichlautende Bezeichnung für„0 bis 2-jährige“ Kinder. *** In Horten und zu einem geringen Teil in Familiengruppen für 3 bis 10-Jährige. Platzangebot* für Kindergartenkinder 3 bis 5-Jährige 47.202 49.499 50.863 52.421 54.498 56.598 +9.395 +19,9% Schulkinder*** 6 bis 10-Jährige 21.055 20.955 21.069 20.582 20.200 19.874 –1.181 –5,6% 18 ELEMENTARE BILDUNG UND BETREUUNG IN WIEN Entwicklung des Platzangebotes für die verschiedenen Altersgruppen in allen Bildungsund Betreuungseinrichtungen(inkl. Tageseltern und Kindergruppen) 170% 160% 150% 140% 130% 120% 110% 100% 90% 80% Index 2009= 100 2009 2010 2011 2012 0 bis unter 3-Jährige Quelle: MAG ELF; Berechnung MA 23. 3 bis 5-Jährige 6 bis 10-Jährige(in Horten) 2013 Absolutes Platzangebot nach dem Zählbezirk, 2014 0 bis unter 3-jährige Kinder Angebotene Plätze Bis unter 50 50 bis unter 100 100 bis unter 150 150 bis unter 200 200 und mehr 2014 Quelle: MAG ELF; Berechnung MA 23. PLÄTZE IN DER ELEMENTAREN BILDUNG UND BETREUUNG 19 Absolutes Platzangebot nach dem Zählbezirk, 2014 3 bis 5-jährige Kinder Angebotene Plätze Bis unter 150 150 bis unter 300 300 bis unter 450 450 bis unter 600 600 und mehr Quelle: MAG ELF; Berechnung MA 23. 20 ELEMENTARE BILDUNG UND BETREUUNG IN WIEN nigen Jahren – als einziges österreichisches Bundesland – die Barcelona-Ziele für die Kinderbetreuung erfüllen. Die Barcelona-Ziele der EU definieren, dass für mindestens 90% der Kinder zwischen drei Jahren und dem Schulpflichtal­ ter und für mindestens 33% der Kinder unter drei Jahren Be­ treuungsplätze vorhanden sein sollen. Sie waren vom Euro­ päischen Rat im Jahr 2002 gegenüber den Mitgliedstaaten eingefordert worden und sind ein zentraler Bestandteil der europäischen Wachstums- und Beschäftigungsstrategie, die insbesondere zu mehr Gleichheit zwischen Männern und Frauen führen soll. Die Stadt Wien hat umgehend reagiert und den Ausbau von qualitativ hochwertigen elementaren Bildungs- und Betreu­ ungsplätzen weiter intensiviert. Trotz des starken Bevölke­ rungszuwachses und daraus resultierend einem deutlichen Anstieg der Kinder im Vorschulalter konnte Wien schon vor eiDie erfolgreichen Ausbaubemühungen werden auch in Zukunft weitergeführt, da der Bedarf an elementaren Bildungs- und Be­ treuungsplätzen – angetrieben durch das starke Wachstum der Stadt, das verpflichtende Kindergartenjahr und den beitrags­ freien Kindergarten in Wien – nach wie vor stark ansteigt. Mittlerweile geht das Angebot an bewilligten Bildungs- und Betreuungsplätzen in Wien weit über die Anforderungen des Barcelona-Ziels hinaus. Für Kindergartenkinder im Alter von 3 bis 5 Jahren hat Wien aktuell eine Versorgungsquote von 106% erreicht(mehr Plätze als Kinder), für Kleinkinder im Alter von 0 bis unter 3 Jahren eine Versorgungsquote von 43%. Unter Herausrechnung der unter einjährigen Kinder beträgt die Versorgungsquote für Kleinkinder von 1 bis un­ ter 3 Jahren 65%. Versorgungsquoten 2009 und 2014, Barcelona-Ziele 120% 100% 80% 60% 40% 20% 29% Barcelona-Ziel: 90% 43% 43% Barcelona-Ziel: 33% 65% 106% 95% Versorgungsquote Kleinkinder (0 bis unter 3-Jährige) 2009 2014 Quelle: MAG ELF; MA 23, Wiener Bevölkerungsregister. Versorgungsquote Kleinkinder über 1 Jahr (1 bis unter 3-Jährige) Versorgungsquote Kindergartenkinder (3 bis 5-Jährige) PLÄTZE IN DER ELEMENTAREN BILDUNG UND BETREUUNG 21 Anzahl der Kinder unter 3 Jahren und bewilligte Bildungs- und Betreuungsplätze 70.000 60.000 50.000 40.000 30.000 20.000 10.000 2009 2010 2011 1 bis unter 3-jährige Kleinkinder Kleinkinder unter 1 Jahr Quelle: MAG ELF; MA 23, Wiener Bevölkerungsregister. 2012 2013 2014 Betreuungsplätze für 0 bis unter 3-jährige Kinder Anzahl der Kinder von 3 bis 5 Jahren und bewilligte Bildungs- und Betreuungsplätze 70.000 60.000 50.000 40.000 30.000 20.000 10.000 2009 2010 2011 3 bis 5-Jährige Kinder Betreuungsplätze für 3 bis 5-jährige Kinder Quelle: MAG ELF; MA 23, Wiener Bevölkerungsregister. 2012 2013 2014 22 ELEMENTARE BILDUNG UND BETREUUNG IN WIEN Wien wächst und der Bedarf an Kindergartenplätzen steigt. Die 2014 in der MA 23 durchgeführte Bevölkerungsprognose errechnete bis zum Jahr 2024 einen Zuwachs von über 9.000 kleinen Wienerinnen und Wienern. Damit verändert sich in der kommenden Dekade auch der Bedarf an qualitativ hochwerti­ gen elementaren Bildungs- und Betreuungseinrichtungen. treuungsplätze für 3 bis 5-jährige Kinder in den Einrichtungen Wiens, das entspricht einer Versorgungsquote von 106%. • Möchte man die Versorgungsquote auch im Jahr 2024 bei den derzeit erreichten 106% halten, so muss das Platzan­ gebot in den kommenden zehn Jahren insgesamt um etwa 6.000 auf 62.500 anwachsen. Das entspricht einem Zu­ wachs von rund 10%. Laut Prognose steigt die Zahl der Kinder im Alter von 3 bis 5 Jahren von derzeit rund 53.000 auf knapp 59.000 Kinder an. Im Jahr 2014 gab es 56.598 bewilligte Bildungs- und Be­ • Werden im selben Zeitfenster keine zusätzlichen Plätze ge­ schaffen, so sinkt die Versorgungsquote von derzeit 106% auf 96% im Jahr 2024. Altersgruppe der 3 bis 5-jährigen Kinder und deren Versorgungsquote 2009–2014, Prognose 2024 70.000 60.000 50.000 95% 99% 100% 102% 104% 106% 40.000 30.000 20.000 49.664 53.315 10.000 106% 96% 58.979 31.12.2009 31.12.2010 31.12.2011 31.12.2012 3 bis 5-Jährige Kinder in Wien Versorgungsquote Quelle: MAG ELF; MA 23, Wiener Bevölkerungsregister, Wien Prognose 2014. 31.12.2013 31.12.2014 2024 PLÄTZE IN DER ELEMENTAREN BILDUNG UND BETREUUNG 23 Für die Altersgruppe der 0 bis unter 3-jährigen Kinder wird in der kommenden Dekade ein Anwachsen um 3.500 auf 59.500 Kinder prognostiziert. Die derzeitige Versorgungsquote be­ trägt – nach einem raschen Anstieg um 14 Prozentpunkte in den vergangenen fünf Jahren – mittlerweile 43%. Es ist davon auszugehen, dass über den absoluten Bevölkerungszuwachs hinaus auch der Anteil jener Kinder wächst, die das Angebot an Bildungs- und Betreuungseinrichtungen in Wien in An­ spruch nehmen. • Ein Konstanthalten der Versorgungsquote auf dem derzei­ tigen Niveau von 43% verlangt bis 2024 einen Zuwachs von 1.500 Bildungs- und Betreuungsplätzen auf insgesamt 25.500. • Werden zu den jetzt vorhandenen 24.000 keine neuen Plät­ ze geschaffen, sinkt die Versorgungsquote von derzeit 43% auf 41% im Jahr 2024 ab. • Strebt man hingegen eine Erhöhung der Versorgungsquote um beispielsweise um 10 Prozentpunkte auf 53% an, so müssten bis zum Jahr 2024 insgesamt rund 7.500 Bildungsund Betreuungsplätze mehr zur Verfügung stehen. Die Ge­ samtzahl würde sich damit auf 31.500 erhöhen. Altersgruppe der 0 bis unter 3-jährigen Kinder und deren Versorgungsquote 2009–2014, Prognose 2024 70.000 60.000 50.000 51.021 55.870 40.000 30.000 20.000 10.000 29% 31% 32% 35% 39% 43% 59.433 53% 43% 41% 31.12.2009 31.12.2010 31.12.2011 31.12.2012 0 bis 3-Jährige Kinder in Wien Versorgungsquote Quelle: MAG ELF; MA 23, Wiener Bevölkerungsregister, Wien Prognose 2014. 31.12.2013 31.12.2014 2024 24 ELEMENTARE BILDUNG UND BETREUUNG IN WIEN Um qualitätsvolle elementare Bildung und Betreuung anbie­ ten zu können, wird bereits bei der Errichtung von Bildungsund Betreuungseinrichtungen auf gute räumliche Strukturen geachtet. Die Begleitung bei der Errichtung und die laufenden Kontrollen tragen wesentlich dazu bei, dass in allen Einrich­ tungen in Wien ein Qualitätsstandard sichergestellt ist, der den gesellschaftlichen Entwicklungen und den modernen pä­ dagogischen Prinzipien – wie individuelle Förderung, Arbei­ ten in unterschiedlichen Gruppengrößen sowie selbstorgani­ siertes und offenes Lernen – entspricht. Durch altersadäquate Ausstattung der Räume, die den heutigen Bedürfnissen der Kinder angepasst ist, werden die bestmöglichen Betreuungsund Förderbedingungen geschaffen. Augenmerk wird dabei auch auf die Sicherheit der Kinder (zum Beispiel Vermeidung von Unfällen, Einhaltung der Brandschutzrichtlinien), die Gesundheit(zum Beispiel Auf­ enthalt an der frischen Luft, gesunde Ernährung, Bewegung und medizinische Maßnahmen) und Hygiene(zum Beispiel Küchenhygiene) gelegt. Anordnung entsprechender Maßnahmen die Sicherheit der Kinder gewährleistet. Durch laufende Aus- und Weiterbildung des Personals wird die Professionalität in der Bildung und Betreuung von Kindern ständig den aktuellen Richtlinien angepasst. Unangemeldete Qualitätskontrollen ermöglichen den Mitarbei­ terinnen und Mitarbeitern der MAG ELF einen guten Ein- und Überblick über die tatsächlichen Bedingungen in der Bildungs­ einrichtung. Das Erleben des Alltags in der Gruppe ermöglicht die Kontrolle über die Umsetzung des pädagogischen Konzepts inklusive Bildungsplan und die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben. Bei Bedarf wird fachliche Unterstützung angeboten. Kinder sollen in elementaren Bildungs- und Betreuungsein­ richtungen einen Ort vorfinden, wo durch Begegnung mit Ver­ schiedenartigkeit die Voraussetzung geschaffen wird, sich mit vielfältigen Lebenskonzepten auseinanderzusetzen und wo sie die Möglichkeit haben, sich kontinuierlich zu entwickeln, Erfahrungen zu sammeln, Kompetenzen zu erlangen und ih­ ren Bedürfnissen entsprechend gefördert zu werden. Die MAG ELF weist Betreiber von elementaren Bildungs- und Betreuungseinrichtungen stets darauf hin, wie wichtig gutes Beschwerdemanagement und Transparenz in der Elternarbeit sind. Kommt es an einem Standort doch zu Beschwerden oder Mängeln, wird durch sofortige Erhebung des Sachverhalts und Die Kontrollorgane der MAG ELF statteten im Jahr 2014 den Kinderbetreuungseinrichtungen rund 3.000 unangemeldete Besuche ab. Bei diesen Qualitätskontrollen wird neben der Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben auch die Umsetzung des pädagogischen Konzepts vor Ort überprüft. PLÄTZE IN DER ELEMENTAREN BILDUNG UND BETREUUNG 25 Anzahl der unangemeldeten Qualitätskontrollen in Bildungs- und Betreuungseinrichtungen durch die MAG ELF, 2009 bis 2014 3.500 3.000 2.710 3.003 2.500 2.000 2.230 1.975 2.137 2.189 1.500 1.000 500 2009 Quelle: MAG ELF. 2010 2011 2012 2013 2014 Organisation der Qualitätskontrolle Regelmäßige unangemeldete Qualitätskontrollen Kontrolle der Umsetzung des pädagogischen Konzeptes und des Bildungsplanes Schaffung von guten Rahmen­ bedingungen bei der Errichtung von Kinderbetreuungseinrichtungen Beschwerdemanagement Qualitätssicherung Beratung und Begleitung von Betreibern Einbeziehung von Sachverständigen Aus- und Fortbildung zur Umsetzung der Standards Quelle: MA G E LF. Förderung von Integration 12 ELEMENTARE BILDUNG UND BETREUUNG IN WIEN Foto: © Oksana Kuzmina Fotolia.com BUNDESLÄNDER IM VERGLEICH 27 Die elementare Bildung und Betreuung der Kinder liegt in Österreich in der Kompetenz der Länder. Die Leistungen, die die einzelnen Bundesländer in diesem Bereich erbringen, sind daher recht unterschiedlich. Österreichweit einzigartig ist der in Wien beitragsfreie Besuch für alle 0 bis 5-jährigen Kinder seit Herbst 2009(Beitragsfreier Kindergarten). Nur der Essensbeitrag und spezielle Zusatzangebote sind zu bezahlen. Ein gut strukturiertes Fördersystem ermöglicht es auch privaten Kindergärten, Kindergruppen und Tageseltern, zu einem Großteil beitragsfreie Bildungs- und Betreuungsplätze anbieten zu können. Darüber hinaus gibt es seit Herbst 2009 eine Förderung des Essensbeitrags für Eltern und Familien mit geringem Einkommen. Die Öffnungszeiten und Mittagspausen von elementaren Bildungs- und Betreuungseinrichtungen haben unmittelbaren Einfluss auf die Vollzeiterwerbstätigkeit der Eltern. Wien ist das einzige Bundesland, in dem es für über 95% der Eltern, deren Kinder einen Kindergarten oder eine Kindergruppe besuchen, möglich ist einer Vollzeitbeschäftigung nachzugehen. Ihre Kinder befinden sich in Einrichtungen mit qualifiziertem Personal, die mindestens 47 Wochen im Kindergartenjahr, wöchentlich werktags von Montag bis Freitag mindestens 45 Stunden, an vier Tagen pro Woche mindestens 9,5 Stunden geöffnet haben und ein Mittagessen anbieten. Betrachtet man die täglichen Uhrzeiten, zu denen die Kindergärten geöffnet(sowie geschlossen) werden, sieht man klar, dass den Müttern und Vätern in Wien die Bildungs- und Betreuungseinrichtungen deutlich früher zur Verfügung stehen als in den anderen Bundesländern. Über 40% der Einrichtungen in Wien öffnen vor 6:30 Uhr, weitere 24% vor 7:00 Uhr. Um diese Zeit sind in den übrigen Bundesländern erst knapp über 15% der Einrichtungen geöffnet. Rund 60% öffnen dort ihre Pforten erst zwischen 7:00 und 7:30 Uhr. Zu dieser Zeit sind in Wien bereits 93% aller Bildungs- und Betreuungseinrichtungen geöffnet. Lange Tagesöffnungszeiten der Kindergärten erleichtern den Müttern und Vätern den Alltag bzw. machen eine Vollzeitbeschäftigung überhaupt erst möglich. Über 90% der Bildungsund Betreuungseinrichtungen in Wien haben zehn oder mehr Stunden geöffnet, fast die Hälfte sogar zwölf oder mehr Stunden. In Wien schließen annähernd alle Kindergärten(rund 97%) frühestens um 17:00 Uhr. Zu dieser Zeit haben bereits 70% der Einrichtungen in den anderen Bundesländern geschlossen. Knapp ein Fünftel der Kindergärten in den übrigen Bundesländern sind nur Halbtags-Einrichtungen, die spätestens um 13:59 schließen. Bildungs- und Betreuungseinrichtungen nach dem Beginn der Öffnungszeit, 2013/14| in% 70 60 58,9 50 42,0 40 30 27,1 24,1 20 10 0,1 0,5 bis 5:59 14,1 2,3 6:00 6:30 bis 6:29 bis 6:59 7:00 bis 7:29 10,3 2,1 7:30 bis 7:59 1,4 3,1 8:00 bis 8:59 9,5 0,4 0,0 9:00 bis 9:59 1,6 0,0 10:00 bis 10:59 0,5 11:00 bis 11:59 1,2 0,7 12:00 bis 12:59 0,1 0,0 nach 13:00 Bundesländer ohne Wien Quelle: Statistik Austria. Wien 28 ELEMENTARE BILDUNG UND BETREUUNG IN WIEN Bildungs- und Betreuungseinrichtungen nach geöffneten Stunden pro Betriebstag, 2013/14| in% 50 45,2 40 32,6 30 20 10,1 10 0,6 0,0 weniger als 4 2,4 0,1 4 bis unter 5 Bundesländer ohne Wien Quelle: Statistik Austria. 0,8 5 bis unter 6 Wien 22,9 0,8 6 bis unter 7 11,8 0,5 7 bis unter 8 13,7 1,3 8 bis unter 9 16,4 16,4 2,9 9 bis unter 10 10 bis unter 11 15,9 3,7 2,1 11 bis unter 12 12 und mehr Bildungs- und Betreuungseinrichtungen nach der Schließzeit, 2013/14| in% 60 50 40 52,4 42,3 30 20 19,3 23,0 10 4,7 0,2 0,0 0,0 11:59 12:00 und früher bis 12:59 0,2 13:00 bis 13:59 10,5 0,5 14:00 bis 14:59 8,3 0,3 15:00 bis 15:29 6,0 0,3 15:30 bis 15:59 11,9 0,8 16:00 bis 16:29 9,4 1,3 16:30 bis 16:59 17:00 bis 17:59 5,6 1,3 1,9 18:00 19:00 bis 18:59 und später Bundesländer ohne Wien Quelle: Statistik Austria. Wien BUNDESLÄNDER IM VERGLEICH 29 Wochen im Jahr nach einer alternativen Betreuung für ihre Kinder umsehen. In Wien haben mehr als 9 von 10 Kindergärten das ganze Jahr über geöffnet oder sind maximal eine Woche lang geschlossen. Eltern, deren Kinder in den anderen Bundesländern betreut werden, müssen sich hingegen oft für viele Im Durchschnitt haben Wiener Kindergärten weniger als vier Tage pro Kalenderjahr geschlossen. Am anderen Ende des Rankings liegt Vorarlberg, dessen Betreuungseinrichtungen durchschnittlich(in Werktagen gerechnet) über zwei Monate geschlossen sind. Bildungs- und Betreuungseinrichtungen nach geöffneten Wochen, 2013/14| in% 100 80 92,6 60 40 20 0,2 0,4 34–36 2,3 0,1 37–38 13,7 0,2 39–40 Bundesländer ohne Wien Quelle: Statistik Austria. Wien 3,4 0,4 41–42 12,2 0,5 43–44 26,9 1,2 45–46 20,0 3,0 47–48 13,1 1,6 49–50 8,2 51–52 Durchschnittliche Schließtage in den Bundesländern, 2013/14 Wien 3,8 Steiermark 28,4 Salzburg 28,5 Niederösterreich 28,9 Kärnten 32,4 Oberösterreich 32,6 Burgenland 35,2 Tirol 37,5 Vorarlberg Quelle: Statistik Austria. 5 10 15 20 25 30 35 40 47,4 45 30 ELEMENTARE BILDUNG UND BETREUUNG IN WIEN Wien ist das einzige Bundesland, in dem die Mehrheit der be­ rufstätigen Erziehungsberechtigten Vollzeit arbeiten kann, so sie dies möchten. Ein exzellentes elementares Bildungs- und Betreuungsangebot ermöglicht es, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Familienfreundliche Öffnungszeiten für Berufstätige, Betreuung auch während der Ferienmonate, täg­ liches Mittagessen und bestens geschultes Personal schaffen die notwendigen Bedingungen. • durch qualifiziertes Personal, • maximal 25 Werktage im Jahr geschlossen, • mindestens 45 Stunden wöchentliche Öffnungszeit, • werktags von Montag bis Freitag, • an vier Tagen pro Woche mindestens 9,5 Stunden geöffnet, • mit Angebot von Mittagessen. 95,2% aller Wiener Kinder unter sechs Jahren besuchten 2013/14 eine Bildungs- und Betreuungseinrichtung, die diesen VIF-Kriteri­ en entspricht. Damit konnte Wien das schon 2009/10 herausra­ gende Ergebnis um weitere 10 Prozentpunkte ausbauen. Die wesentlichen Kriterien für eine elementare Bildung und Betreuung, die den Bedürfnissen vollzeiterwerbstätiger Erzie­ hungsberechtigter entspricht, werden im Vereinbarkeitsindi­ kator für Familie und Beruf(VIF) zusammengefasst. Sie umfas­ sen eine Kinderbetreuung Im Bundesländervergleich weist Wien den bei weitem höchs­ ten Anteil auf, deutlich dahinter liegt mit großem Abstand die Steiermark an zweiter Stelle. Der geringste Anteil an Kin­ dern in VIF-konformen Betreuungseinrichtungen findet sich in Vorarlberg. Anteil der 0 bis 5-jährigen Kinder in Kinderbetreuungseinrichtungen* nach Vereinbarkeit mit der Berufstätigkeit der Eltern, 2013/14 Bundesland Österreich Wien Steiermark Salzburg Tirol Kärnten Burgenland Niederösterreich Oberösterreich Vorarlberg Kriterien der Betreuung mit einer Vollzeitbeschäfti­ gung der Eltern vereinbare Kinderbetreuung, in% nicht mit einer Vollzeitschäftigung der Eltern vereinbar, in% jedoch mindestens 6 Stunden täglich halbtägig untere Grenze der Vorgaben nicht erreicht 43,4 9,8 3,6 43,2 95,2 1,8 0,5 2,5 44,0 16,7 20,7 18,6 32,4 11,9 2,0 53,6 29,8 13,6 2,8 53,9 28,4 6,7 0,7 64,2 23,2 2,5 0,1 74,1 22,7 19,8 2,0 55,5 16,8 7,0 0,4 75,8 15,4 5,3 6,9 72,4 durch qualifiziertes Personal, mindestens 47 Wochen im Kindergartenjahr**, durch qualifiziertes Personal, mindestens 47 Wochen im Kindergartenjahr**, durch qualifiziertes Personal, mindestens 47 Wochen im Kindergartenjahr**, eine oder mehrere der vorangehenden Kriterien wurde nicht erfüllt. werktags von MO bis FR, werktags von MO bis FR, werktags von MO bis FR, mindestens 45 Stunden/Woche mindestens 30 Stunden/Woche mindestens 20 Stunden/Woche an vier Tagen wöchentlich mindestens 9½ Stunden, durchschnittlich 6 Stunden täglich, durchschnittlich 4 Stunden täglich. mit Angebot von Mittagessen. mit Angebot von Mittagessen. Quelle: Statistik Austria. * Gemäß Definition Art. 3 Z 1„öffentliche und private Kindergärten und Kinderkrippen sowie altersgemischte Gruppen... sowie Betriebskindergärten und Betriebskinderkrippen“; ohne Hortgruppen, in denen unter-6-Jährige(meist vorzeitig Eingeschulte) betreut werden. ** Kindergartenjahr: 1. September bis 31. August des Folgejahres. BUNDESLÄNDER IM VERGLEICH 31 Anteil der betreuten Kinder in Betreuungseinrichtungen, die mit den VIF-Kriterien übereinstimmen, 2009/10 und 2013/14 100% 80% 85,4 95,2 60% 40% 20% 44,0 5,6 32,4 27,6 Österreichischer Durchschnitt 2013/14 inklusive Wien: 43,4% 29,8 12,9 28,4 21,0 23,2 12,4 22,7 14,8 16,8 7,6 15,4 10,0 Wien Stmk Sbg T Ktn Bgld NÖ OÖ Vbg 2009/10 Quelle: Statistik Austria. 2013/14 Seit dem Betreuungsjahr 2009/10 ist der halbtägige Kindergartenbesuch(20 Stunden pro Woche ohne Mittagessen) im letzten Jahr vor dem Schuleintritt kostenlos für die Eltern(das verpflichtende Kindergartenjahr). Darüber hinaus bieten einige Bundesländer Förderungen des Kindergartenbesuchs an. Aber im Gegensatz zu den anderen Ländern ist nur in Wien der Besuch für alle Kinder vor Eintritt der Schulpflicht beitragsfrei. Kostenlose Kinderbetreuung in den Bundesländern, Betreuungsjahr 2014/15 Bundesland Wien Niederösterreich Burgenland Oberösterreich Steiermark Kärnten Salzburg Tirol Vorarlberg ganztags ja nein nein ja nein nein nein nein nein halbtags ja ja ja ja ja ja ja ja ja Mindestalter Anmerkung keine Beschränkung – 2½ Jahre Einkommensabhängige Förderungen sowohl für ganztägige Betreuung als auch den Besuch von Kindern unter 2,5 Jahren. 5 Jahre Rückerstattung der Elternbeiträge für den ganztägigen Bereich bis zu 45 Euro monatlich im Kindergarten bzw. bis zu 90 Euro in der Kleinkindergruppe. Die Höhe der Rückerstattung ist Sache der Gemeinden. 2½ Jahre – 5 Jahre Halbtagsbetreung(30 Stunden pro Woche) im letzten Kindergartenjahr gratis. Für Kinder im letzten Kindergartenjahr, die ein darüberhinausgehendes Betreuungsausmaß in Anspruch nehmen, sowie für Kinder ab dem 3. Geburtstag, gilt eine einkommensabhängige Staffelung der Elternbeiträge. 5 Jahre – 5 Jahre Förderungen der Ganztagesbetreuung(ab 31h Stunden pro Woche) mit 25 Euro pro Monat und der Halbtagsbetreuung (bis 30 Stunden pro Woche) mit 12,5 Euro pro Monat. Außerdem gibt es eine einkommensabhängige jährliche Förderung in Höhe von maximal 200 Euro(Betreuungszeit von bis zu 20 Wochenstunden) bzw. maximal 350 Euro(bei einer Betreuungszeit von 21 bis 40 Wochenstunden). 4 Jahre – 5 Jahre – Quelle: Landesregierungen der Bundesländer; help.gv.at. 26 ELEMENTARE BILDUNG UND BETREUUNG IN WIEN Foto: © Robert Kneschke Fotolia.com 34 ELEMENTARE BILDUNG UND BETREUUNG IN WIEN Mehr als 71.000 Wiener Kinder unter sechs Jahren besuchten im Herbst 2014 eine öffentliche oder private elementare Bildungs- und Betreuungseinrichtung. 90% dieser Kinder besuchen Kindergärten(Kindergartengruppen, Kleinkindergruppen oder Familiengruppen), 9% Kindergruppen und 1% wird von Tageseltern betreut. Die Zahl der betreuten Kinder ist in allen Altersjahrgängen angestiegen. Der Grund ist neben dem absoluten Zuwachs aufgrund des raschen Bevölkerungswachstums in Wien ein Anstieg jener Kinder, die das Angebot an Betreuungseinrichtungen in Wien in Anspruch nehmen. Betreute Kinder unter sechs Jahren nach der Betreuungsform, 2014/15 1% 9% 17% 71.000 Kinder unter 6 Jahren 24% 49% in Kindergartengruppen in Familiengruppen in Kleinkindergruppen in Kindergruppen bei Tageseltern 43.010 47.956 Quelle: MA 10. Betreute Kinder unter sechs Jahren nach Altersgruppen, Vergleich 2009/10 und 2014/15 60.000 50.000 40.000 30.000 20.000 10.000 369 1.255 4.521 8.511 10.300 13.449 13.809 15.833 14.944 16.358 14.257 15.765 15.190 23.215 0-Jährige 1-Jährige 2009/10 2014/15* Quelle: MA 10. * Vorläufige Daten für 2014/15. 2-Jährige 3-Jährige 4-Jährige 5-Jährige 0 bis unter 3-Jährige 3 bis 5-Jährige KINDER IN DER ELEMENTAREN BILDUNG UND BETREUUNG 35 Der Anteil der betreuten Kinder bezogen auf die gleichaltrige Wohnbevölkerung wird in den Betreuungsquoten angezeigt. In der Altersgruppe der 5-jährigen Kinder, die das verpflichtende Kindergartenjahr absolvieren, wurden jene mit genehmigten Ausnahmen(vorzeitig eingeschulte, in einem anderen Bundesland betreute etc.) herausgerechnet und eine kombinierte Betreuungsquote ermittelt. Grundsätzlich ist die Betreuungsquote bei den jüngeren Kindern niedriger als bei den älteren. Nahezu alle 4- und 5-jährigen Kinder besuchen einen Kindergarten oder eine vergleichbare Einrichtung, während die Situation bei Kleinkindern anders ist. Die Zahl der betreuten Kleinstkinder im Alter von unter einem Jahr ist mit 1.255 erwartungsgemäß eher niedrig, weist aber im Vergleich zu 2009/10 die höchste relative Steigerung von 240% auf. Die Betreuungsquote hat sich von 2% auf 7% ebenfalls mehr als verdreifacht. Der größte absolute Zuwachs findet sich mit einem Plus von 3.990 Kindern(oder 88%) in der Altersgruppe der 1-Jährigen, 2014/15 werden hier etwa 8.500 Kinder betreut. Die Entwicklung der Betreuungsquote der 1-jährigen Kinder verhält sich ähnlich, sie ist um drei Viertel oder knapp 20 Prozentpunkte angestiegen. 3.000 Kinder mehr umfasste die Gruppe der 2-jährigen Kinder, was einem Zuwachs von 30% entspricht. Die Betreuungsquote stieg im gleichen Zeitraum von 61% auf 73%. Auch in den Altersgruppen der 3-, 4- und 5-jährigen Kinder ist die Zahl der Kinder durchwegs gestiegen. Da hier die Betreuungsquoten auch fünf Jahre zuvor schon sehr hoch waren, resultiert der Zuwachs in erster Linie aus dem Bevölkerungswachstum Wiens. Kinderbetreuungsquoten nach Einzeljahren und Altersgruppen- Betreuungsjahre 2009/10 und 2014/15 20% 40% 60% 80% 100% 0-Jährige 2% 7% 1-Jährige 26% 45% 2-Jährige 61% 73% 3-Jährige 82% 88% 4-Jährige 91% 91% 5-Jährige* 92% 95% 2009/10 2014/15** Quelle: MA 10; MAG ELF; Berechnung MA 23. * Kombinierte Betreuungsquote(berücksichtigt genehmigte Ausnahmen). ** Vorläufige Daten für 2014/15. 36 ELEMENTARE BILDUNG UND BETREUUNG IN WIEN Entwicklung der Kinderbetreuungsquoten 2009 bis 2014 100% 90% 80% 70% 60% 50% 40% 30% 20% 10% 5-Jährige* 4-Jährige 3-Jährige 2-Jährige 1-Jährige 0-Jährige 2009/10 2010/11 2011/12 2012/13 Quelle: MA 10; MAG ELF; Berechnung MA 23. * Kombinierte Betreuungsquote(berücksichtigt genehmigte Ausnahmen). ** Vorläufige Daten für 2014/15. 2013/14 2014/15** Drei wesentliche Einflussfaktoren konnten identifiziert werden: Haushaltstyp, Erwerbsmodell und Alter der befragten Person. Im Rahmen einer Forschungskooperation der Stadt Wien mit der Universität Wien wurden 8.400 Wienerinnen und Wiener über die„Lebensqualität in Wien im 21. Jahrhundert“ telefonisch befragt. Diese mehrjährig angelegte Studie 1 (1995, 2003, 2008 und 2013) ermöglicht einen systematischen Vergleich über die zeitliche Entwicklung wichtiger Lebensbereiche. Eine der untersuchten Thematiken ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, diese beiden Faktoren stellen für viele Wienerinnen und Wiener die zwei wichtigsten Lebensbereiche dar. Neben dem Stand der allgemeinen Zufriedenheit mit den Wiener Kindergärten wurde insbesondere untersucht, welche Faktoren die Nutzung externer Kinderbetreuung für Kinder unter sechs Jahren am meisten beeinflussen. Grundsätzlich ist der Anteil jener Eltern, die externe Kinderbetreuung in Anspruch nehmen, zwischen 1995 und 2013 angestiegen. • Haushaltstyp: Die Möglichkeit zur qualifizierten Kinderbetreuung in einer elementaren Bildungs- und Betreuungseinrichtung Wiens ist für alleinerziehende Eltern und für Eltern in Paarhaushalten von wesentlicher Bedeutung. 88% der Ein-Eltern-Haushalte und 74% der Paarhaushalte mit Kindern unter sechs Jahren gaben an, das Angebot zu nutzen. Mit steigender Anzahl an erwachsenen Personen im selben Haushalt geht die Nutzung dann zurück. • Erwerbsmodell: In einem Paarhaushalt hängt die Inanspruchnahme von externer Kinderbetreuung zu einem großen Teil davon ab, ob beide Eltern erwerbstätig sind oder nicht. Die externe Kinderbetreuung ist dann am höchsten, wenn ein Elternteil Vollzeit und einer Teilzeit arbeitet(beinahe 90%), etwas geringer, wenn beide Vollzeit arbeiten(rund 79%). Ist ein Partner nicht berufstätig, so sinkt der Anteil an externer Kinderbetreuung. 1 Verwiebe, R. et al.(2014): Lebensqualität in Wien im 21. Jahrhundert. Sozialwissenschaftliche Grundlagenstudie Wien II. Endbericht. Universität Wien: Institut für Soziologie. KINDER IN DER ELEMENTAREN BILDUNG UND BETREUUNG 37 Bei Ein-Personen-Haushalten nutzen 91% der erwerbstäti­ gen und 72% der nicht erwerbstätigen Personen Kinderbe­ treuungseinrichtungen. • Alter der Eltern: Jüngere Eltern nutzen externe Kinderbe­ treuungsmöglichkeiten weniger als Ältere. Bei den jünge­ ren Erziehungsberechtigten unter 30 Jahren liegt der Anteil unter 60%, hingegen bei den 30 bis 44-Jährigen und den über 45-jährigen Eltern bei jeweils rund 78%. Es hat den Anschein, dass jüngere Eltern, die noch weniger im Berufs­ leben verankert sind, eher weniger externe Kinderbetreu­ ung in Anspruch nehmen. Bei den älteren Eltern wirkt sich möglicherweise der Geburtenaufschub in einen späteren Lebensabschnitt aus, da Ausbildung und Karriere nun weiter fortgeschritten sind. Dies könnte bedeuten, dass Kinderbetreuungseinrichtungen für ältere Eltern wichtiger sind als für jüngere. Als weniger bedeutsam hingegen erwiesen sich die Faktoren Bildung, Gebietstyp(z. B. große Wohnhausanlagen oder Ein­ familienhäuser etc.), Staatsbürgerschaft oder die berufliche Stellung. Die Zufriedenheit mit der externen Kinderbetreuung: Das Kin­ derbildungs- und Betreuungsangebot wird über die vergange­ nen zehn Jahre zunehmend positiver beurteilt. Vergaben im Jahr 2003 noch rund 19% der befragten Personen die Note 1, so sind es 2013 bereits 28%. Weitere 47% urteilten 2003 mit der Note 2, zehn Jahre später waren es 41%. Das bedeutet ei­ nen deutlichen Anstieg der sehr guten bis guten Bewertungen und wird in der Studie wie folgt formuliert:„… In Summe kann jedenfalls festgehalten werden, dass die Betreuungsangebote in Wien – vor allem für die jüngeren Kinder – in den letzten beiden Jahrzehnten ausgebaut wurden, und dass die Wiene­ rinnen und Wiener damit durchaus zufrieden sind.“ Um allen Kindern beste Bildungsmöglichkeiten und Start­ chancen in das weitere Bildungs- und spätere Berufsleben un­ abhängig von ihrer sozio-ökonomischen Herkunft zu bieten, ist seit Herbst 2010 der Besuch eines Kindergartens halbtags für alle 5-jährigen Kinder verpflichtend. Neben der Registrie­ rung aller Kinder im letzten Jahr vor der Schule werden auch die Anzeigen einer Ausnahme von der Besuchspflicht von der MAG ELF bearbeitet. Dazu zählen: • Betreuung durch Tagesmutter/-vater, • vorzeitiger Schulbesuch, • medizinische Gründe, • der Besuch einer Bildungseinrichtung in einem anderen Bundesland und • die Betreuung durch häusliche Erziehung. Besuchspflicht und Ausnahmen von der Besuchspflicht, 2013/2014 rund 16.300 913 Quelle: MAG ELF. Kinder, die das verpflichtende Kindergartenjahr absolvieren 731 vorzeitiger Schulbesuch in Kinderbetreuungseinrichtungen außerhalb Wiens in häuslicher Erziehung Unzumutbarkeit des Besuchs aus medizinischen Gründen in Betreuung durch Tageseltern 118 44 15 5 38 ELEMENTARE BILDUNG UND BETREUUNG IN WIEN Die Betreuung durch häusliche Erziehung kann dann erfolgen, wenn der Leitfaden„Kinder im Jahr vor dem Schuleintritt – Leitfaden für die häusliche Betreuung sowie die Betreuung durch Tageseltern“ eingehalten wird. Zu diesem Zweck ist es von Seiten der Erziehungsberechtigten erforderlich, neben ei­ ner Anzeige einer Ausnahme von der Besuchspflicht noch ein pädagogisches Konzept an die MAG ELF zu übermitteln. Diese Anzeigen werden individuell bearbeitet und dahingehend be­ urteilt, ob die häusliche Erziehung inhaltlich der Förderung in einem Kindergarten entspricht. Zu einer differenzierten Beurteilung der Qualität der häuslichen Erziehung besteht manchmal die Notwendigkeit, die Obsorge­ berechtigten und das Kind zu einem Gespräch in die MAG ELF einzuladen um offene Fragen zu beantworten und eventuelle Unklarheiten in Bezug auf den Leitfaden zu erläutern. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass sich Erziehungsberechtigte, die eine Ausnahme von der Besuchs­ pflicht zur Betreuung durch häusliche Erziehung anzeigen, sich auf dieses Jahr mit ihren Kindern sehr konkret und aus­ führlich vorbereiten und die Vorbereitung auf die Schule sehr gewissenhaft durchführen. Grundsätzlich gibt es zwei Arten der Nachmittagsbetreuung für Schulkinder: • außerschulische Kinderbetreuungseinrichtungen, das sind Horte und Familiengruppen und • ganztägige Schulformen wie Ganztagesschulen, Offene Schulen, Lern- und Freizeitklubs im Auftrag der Stadt Wien, sowie das Modell Campus. Horte und zu einem kleinen Teil auch Familiengruppen für 3 bis 10-Jährige sind Kinderbetreuungseinrichtungen für Volks­ schülerinnen und Volksschüler, die von der Stadt Wien oder von privaten Trägerorganisationen betrieben werden. Meist in der Nähe von Volksschulen, manchmal direkt im Schulge­ bäude selbst angesiedelt werden die Kinder nach Unterrichts­ schluss von ausgebildeten Hortpädagoginnen und-pädago­ gen betreut. Ganztägige Schulformen für die 6 bis 10-jährigen Schülerin­ nen und Schüler bieten neben dem Unterrichtsteil einen Be­ treuungsteil an. Dieser besteht aus der Lernzeit, Mittagessen und Freizeit und wird bei Bedarf bis 17:30 Uhr angeboten. Im Betreuungsteil sind sowohl Lehrerinnen und Lehrer der Schu­ le als auch Betreuerinnen und Betreuer der Stadt Wien tätig. In Ganztagsschulen unterliegen die Phasen von Unterrichtsund Betreuungsteil einem pädagogisch sinnvollen Wechsel („verschränkt“). Offene Schulen führen den Unterrichtsteil und den Betreu­ ungsteil in getrennter Abfolge durch. Im Anschluss an den Un­ terricht wechseln die Schülerinnen und Schüler in die Nach­ mittagsbetreuung. Es müssen nicht alle Kinder einer Klasse an der Nachmittagsbetreuung teilnehmen. Das Wiener Campusmodell ist eine Bildungseinrichtung, die Kindergarten-, Schul- und Freizeitpädagogik an einem Stand­ ort umfasst. Die Lern- und Freizeitklubs werden vom Verein„Wiener Kin­ der- und Jugendbetreuung“ betrieben und bieten Lern- und Freizeitbetreuung für Schulkinder bis 17:00 Uhr. In die Statistiken über verfügbare Plätze und betreute Kinder in den Wiener Kinderbildungs- und betreuungseinrichtungen fließen ausschließlich Angaben aus der außerschulischen Be­ treuung, also Horte und Familiengruppen ein, nicht aber die Zahl der betreuten Kinder in den ganztägigen Schulformen. Daher wird die Situation der Nachmittagsbetreuung von 6 bis 10-jährigen Kinder an dieser Stelle gesondert betrachtet. Fast 63% der 68.743 Wiener Schülerinnen und Schüler bis zur 4. Schulstufe wurden 2014/15 entweder in einem Hort bzw. einer Familiengruppe nachmittags betreut oder besuchten eine ganztägig geführte Schule. Damit liegt die aktuelle Be­ treuungsquote über den 61% des Jahres 2010/11 und belegt die erfolgreichen Bemühungen der Stadt Wien, die Möglich­ keiten der Betreuung von Kindern im Grundschulalter über das kräftige Bevölkerungswachstum hinaus auszubauen. Waren die Anteile zwischen schulischer Ganztagsbetreuung und außerschulischer Nachmittagsbetreuung im Betreuungs­ jahr 2010/11 noch recht ähnlich verteilt, so hat sich dieses Verhältnis in den vergangenen fünf Jahren deutlich verändert. Die Zahl der Kinder in Horten und Familiengruppen ist um knapp 1.000 oder 5% leicht gesunken, im Gegenzug erhöhte sich die Zahl der Kinder in der schulischen Ganztagesbetreu­ ung überaus kräftig um 4.400 oder 21%. KINDER IN DER ELEMENTAREN BILDUNG UND BETREUUNG 39 Nachmittagsbetreuung der Wiener Schulkinder bis zur 4. Schulstufe, 2014/15 25% 37% 68.743 Kinder 1% 1% 16% 20% Horte Offene Schulen Campus- u. Ganztagsschulen Lern- und Freizeitclubs Familiengruppen Nicht in Nachmittagsbetreuung Quelle: Stadtschulrat für Wien; MA 10. Zahl der Schulkinder in Nachmittagsbetreuung, 2010/11 bis 2014/15 50.000 40.000 30.000 20.000 10.000 2010/11 2011/12 2012/13 Kinder in schulischer Ganztagesbetreuung Quelle: Stadtschulrat für Wien; MA 10. Außerschulisch betreute Kinder 2013/14 2014/15 40 ELEMENTARE BILDUNG UND BETREUUNG IN WIEN Die MA 10 – Wiener Kindergärten setzt im Kontext der frühen sprachlichen Förderung zur Unterstützung des Erlernens der deutschen Sprache 125 SprachförderInnen zusätzlich zum Stammpersonal in den Kindergärten ein. Diese bringen selbst 25 verschiedene Sprachen mit, um die Kinder in ihrer Erst­ sprache abzuholen und eine Brücke zur deutschen Sprache zu bauen. Die SprachförderInnen sind in 136 Kindergarten-Standorten im städtischen Bereich und in 70 Kindergarten-Standorten im privatrechtlich organisierten Bereich eingesetzt, mit dem Ziel, die Kinder beim Erwerb der deutschen Sprache professionell zu unterstützen. Die sprachliche Bildung und Förderung findet im Alltag und durch zusätzliche Angebote statt. Sie orientiert sich an den Kompetenzen und Interessen der Kinder. 2013 wurden auf Basis einer standardisierten periodisch wiederholten Sprachstandserhebung rund 12.000 Kinder beobachtet. Bei 4.500 davon wurde ein erhöhter Förderbe­ darf festgestellt. Nach einem Jahr Förderung konnte bei ei­ ner zweiten Beobachtung festgestellt werden, dass bei rund der Hälfte der Kinder aufgrund der Förderung kein erhöhter Förderbedarf mehr besteht und somit die Fördermaßnahmen erfolgreich waren. Kinder sind einzigartig. Die aktuellen individuellen Interessen und Bedürfnisse der Kinder stehen im Mittelpunkt. Um ein hohes Ausmaß uneingeschränkter Teilhabe an elementarer Bildung zu verwirklichen, werden Kinder in ihrer jeweiligen Individualität wahrgenommen. Von den städtischen Kindergärten und Horten wird hier die außerordentliche Leistung erbracht, für die Bildung und Be­ treuung von Kindern mit Behinderungen bzw. erhöhtem Be­ treuungsbedarf jeweils das individuell bestmöglich passende Setting zu finden. 2014 bildeten und betreuten die städtischen Kindergärten und Horte 5.245 Kinder mit Behinderungen bzw. mit erhöh­ tem Betreuungsbedarf in 1.243 Gruppen. Davon waren 331 Gruppen geringerer Gruppengröße mit mehr Personal ausge­ stattet, wodurch ein noch besserer Betreuungsschlüssel er­ reicht wurde. Auch für 414 Kinder mit chronischen Erkrankungen wurden ganz individuell von den PädagogInnen und AssistentInnen Bedingungen geschaffen, die es ermöglichten, diese Kinder sicher und optimal zu begleiten. Unterstützt wurden alle Beteiligten von rund 50 SpezialistIn­ nen(PsychologInnen, Sonderkindergarten- und-hortpädago­ gInnen, SprachheilpädagogInnen sowie PhysiotherapeutIn­ nen) die mit Diagnostik, Beratung, Förderung und Therapie wesentlich zur optimalen Entfaltung des Entwicklungspoten­ zials der Kinder sowie zu einem qualitativ hochwertigen kos­ tenlosen Beratungsangebot für Eltern und Obsorgeberechtig­ te beitrugen. 32 ELEMENTARE BILDUNG UND BETREUUNG IN WIEN Foto: © Oksana Kuzmina Fotolia.com KINDER IN DER ELEMENTAREN BILDUNG UND BETREUUNG 33 In den vergangenen Jahren kam es in Wien zu einem starken Anstieg der Kinder in den elementaren Bildungs- und Betreuungseinrichtungen. Dies liegt zum einen am kräftigen Anstieg der absoluten Zahl von Kindern aller Jahrgänge bedingt durch das derzeit überaus starke Bevölkerungswachstum Wiens. Zeitgleich stieg der Anteil jener Kinder, die das Angebot an Betreuungseinrichtungen in Wien in Anspruch nehmen. Neben dem Anstieg der Erwerbstätigkeit von Eltern und dem verpflichtenden letzten Kindergartenjahr hat auch der beitragsfreie Kindergarten in Wien sowie ein gestiegenes gesellschaftliches Bewusstsein für die positiven Auswirkungen der frühkindlichen Bildung zu einem Anstieg der Nachfrage beigetragen. Während bei den 4- und 5-jährigen Kindern schon seit Jahren mehr als 90% einen Kindergarten besuchen, ist dieser Anteil bei Kleinkindern zwar noch deutlich geringer, aber seit Jahren massiv im Steigen begriffen. Die Zahl der Kinder, die in einer Wiener Bildungs- und Betreuungseinrichtung betreut werden, ist in den Jahren 2009 bis 2014 um 17% gestiegen, betrachtet man die vergangene Dekade, so zeigt sich ein Anstieg um 35%. Dafür verantwortlich ist der überaus kräftige Zuwachs der 0 bis 5-jährigen Kinder. Aufgrund des verstärkten Ausbaus der schulischen Ganztagesbetreuung sind die in Horten betreuten 6 bis 10-jährigen Kinder hingegen seit einigen Jahren leicht rückläufig. Kinder in Bildungs- und Betreuungseinrichtungen, 1989/90 bis 2014/15 (ab 2009/10 inkl. Tageseltern, Kindergruppen gesondert ausgewiesen) 54.169 63.828 76.278 89.194 100.000 80.000 60.000 40.000 20.000 1989/90 1990/91 1991/92 1992/93 1993/94 1994/95 1995/96 1996/97 1997/98 1998/99 1999/00 2000/01 2001/02 2002/03 2003/04 2004/05 2005/06 2006/07 2007/08 2008/09 2009/10 2010/11 2011/12 2012/13 2013/14 2014/15* Horte Kleinkindergruppen, Kindergärten und Familiengruppen Quelle: Statistik Austria, KTH; ab 2009/10 Anmeldestatistik der MA 10. * Vorläufige Daten für 2014/15 Tageseltern und Kindergruppen 42 ELEMENTARE BILDUNG UND BETREUUNG IN WIEN Die Stadt Wien betreibt eine eigene Bildungsanstalt für Kin­ dergartenpädagogik(BAKIP), um hochqualifizierte Mitarbei­ terInnen für die Wiener Kindergärten auszubilden. Seit 1978 befindet sich die„bakip21“ in der Patrizigasse in Floridsdorf. Sie hat sich als Bildungseinrichtung für elementarpädagogi­ sche Berufsfelder an diesem Standort etabliert und stellt seit über 30 Jahren ein Best-Practice-Modell für die Verbindung zwischen Theorie und Praxis dar. Die theoretischen Grundla­ gen, vermittelt in Unterrichtsgegenständen wie Pädagogik, Didaktik, Musikerziehung, Rhythmik, Kinder- und Jugendlite­ ratur, Bewegungserziehung und viele mehr, werden durch die begleitende Praxis in den Kindergärten verknüpft. An der bakip21 werden zwei unterschiedliche Ausbildungs­ modelle angeboten. Die„bakip ab 14“ ist ein Modell, das sich an 14-jährige Schüler und Schülerinnen richtet, die nach einer fünfjährigen Ausbildung mit Matura und Diplomprüfung zur Kindergartenpädagogin/zum Kindergartenpädagogen ab­ schließt. Diese Ausbildungsform wird mit je einer Klasse pro Jahrgang geführt. Die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass Erwachse­ ne ihre Berufswahl bewusster treffen, daher liegt der Ausbil­ dungsschwerpunkt an der bakip21 in der Kolleg-Ausbildung. Das Kolleg„Change“ dauert fünf Semester und richtet sich an Erwachsene nach der Matura bzw. Studien- oder Berufsreife­ prüfung. Ein weiterer positiver Effekt dieser Ausbildungsform ist, dass der Männeranteil höher ist als in der„bakip ab 14“. Der Anteil an männlichen Absolventen konnte in den letzten Jahren kontinuierlich gesteigert werden. Im Jahr 2012 waren es rund 5%, 2013 rund 7% und 2014 rund 10%. Insgesamt konnten die AbsolventInnenzahlen in den letzten Jahren mehr als verdoppelt werden. Haben im Jahr 2008, am Beginn der Ausbildungsinitiative, 90 AbsolventInnen die Aus­ bildung abgeschlossen, sind die Zahlen 2014(188) mehr als doppelt so hoch. Durch eine weitere Intensivierung der Ausbil­ dungsoffensive kann davon ausgegangen werden, dass sich die AbsolventInnenzahlen in den nächsten Jahren erhöhen werden. Ab dem Schuljahr 2015/16 wird am Standort eine dreijährige Ausbildung zur Assistenzpädagogin bzw. zum Assistenzpäd­ agogen angeboten. Die Ausbildung richtet sich an Personen ohne Matura bzw. Studien- oder Berufsreifeprüfung. In regelmäßigen Abständen wird an der bakip21 neben der Basisausbildung zur Kindergartenpädagogin/zum Kindergar­ tenpädagogen die Zusatzausbildung zur Sonderkindergarten­ pädagogin/zum Sonderkindergartenpädagogen und zur Hort­ pädagogin/zum Hortpädagogen angeboten. Jugendliche und erwachsene Frauen und Männer in Ausbildung an der bakip21 600 500 400 300 200 100 WS SS WS SS WS SS WS SS WS SS WS SS WS SS WS SS WS 2006/07 2007 2007/08 2008 2008/09 2009 2009/10 2010 2010/11 2011 2011/12 2012 2012/13 2013 2013/14 2014 2014/15 Erwachsene Quelle: MA 10. WS= Wintersemester SS= Sommersemester Jugendliche DER KINDERGARTEN ALS ARBEITSPLATZ 43 Absolventinnen und Absolventen der bakip21 250 200 207 197 188 150 100 90 146 105 106 50 2008 Quelle: MA 10. 2009 2010 2011 2012 2013 2014 In den Einrichtungen der MA 10 – Wiener Kindergärten waren im Herbst 2014 rund 7.600 MitarbeiterInnen beschäftigt, die überwiegende Mehrheit davon in unmittelbarem Kontakt mit den Kindern. Der Anteil an reinen Verwaltungsbediensteten abzüglich der MitarbeiterInnen im KundInnendienst, der sprachlichen Frühförderung, sowie PsychologInnen und SozialarbeiterInnen ist sehr gering. Der niedrige Anteil an reinem Verwaltungspersonal zeigt die besondere Effizienz des Verwaltungssystems der MA 10 – Wiener Kindergärten. Rund 70% der PädagogInnen der MA 10 haben ihren Hauptwohnsitz in Wien, weitere 27% in Niederösterreich bzw. 3% in den restlichen Bundesländern. Aktive MitarbeiterInnen in der MA 10 – Wiener Kindergärten, 2009 und 2014 500 1.000 1.500 2.000 KindergartenpädagogInnen KindergartenassistentInnen Verwaltungspersonal Mobile EntwicklungsförderInnen LehrerInnen ArbeiterInnen 2.500 3.000 3.500 2009 2014 Quelle: MA 10. 44 ELEMENTARE BILDUNG UND BETREUUNG IN WIEN Männliche Kindergartenpädagogen bereichern die Angebotsstruktur der elementaren Bildungs- und Betreuungseinrichtungen. Sie sind wichtige Vorbilder für unsere Kinder und können dazu beitragen, zeitgemäße Geschlechterbilder zu entwickeln. Dennoch ist unsere Kindergartenkultur noch immer weiblich geprägt. Erst 1980 wurde der bis dahin rein weibliche Beruf der Kindergärtnerin auch für Männer geöffnet und die BAKIPs begannen Burschen auszubilden. Doch nur ein kleiner Teil dieser Männer arbeitete nach der Ausbildung tatsächlich in der Kinderbetreuung. Viele Jahre und etliche Forschungsprojekte später führt die intensive Auseinandersetzung mit diesem Thema unter anderem zu der Erkenntnis, dass ein Ausbildungsbeginn mit 14 Jahren(BAKIP) für diese Zielgruppe zu früh ist. Will man die Zahl der Männer in der elementaren Bildung und Betreuung erhöhen, so müssen andere Wege der Ausbildung gefunden werden, die erwachsene Männer ansprechen. Genau dieser Weg wurde von der Stadt Wien beschritten. Durch neue Ausbildungsmöglichkeiten für Erwachsene und eine bewusste Haltung(„Willkommenskultur“) gegenüber männlichen Mitarbeitern im Kindergarten konnte der Anteil an Kindergartenpädagogen seit 2009 verdoppelt werden. Es ist wichtig, dass Kinder beide Rollenvorbilder auch im Kindergarten erleben. Auch im Ausbildungsbereich verändert sich das Geschlechterverhältnis stetig. Waren 2006/07 von den 535 Auszubildenden an der bakip21 lediglich 26 Männer(5%), so erhöhte sich dieses Verhältnis auf aktuell 8,7%(66 Männer und 693 Frauen). Interessant ist die jüngste Entwicklung, finden sich doch im Herbst 2014 unter den 165 neuen Studierenden am BAKIP-Kolleg 31 Männer. Das entspricht einem Männeranteil von 19%. Unter den mittlerweile 100 männlichen Kindergartenpädagogen, die bei der Stadt Wien beschäftigt sind, befindet sich auch ein Kindergartenleiter. Die neuen Ausbildungsmöglichkeiten für Erwachsene werden von erwachsenen Männern gut angenommen, im gleichen Zug verringert sich die Anzahl der männlichen Jugendlichen in der„bakip ab 14“. Männliche und weibliche Beschäftigte in den Kindergärten der Stadt Wien, 2009 und 2014 22 Männer 32 15.10.2009 Frauen 2.552 3.191 24 Männer 76 15.10.2014 Frauen 500 1.000 1.500 KindergartenassistentInnen Quelle: MA 10. KindergartenpädagogInnen 2.000 2.737 2.500 3.000 3.580 3.500 DER KINDERGARTEN ALS ARBEITSPLATZ 45 Jugendliche und erwachsene Männer in der Ausbildung an der bakip21 80 70 60 50 40 30 20 10 WS SS WS SS WS SS WS SS WS SS WS SS WS SS WS SS WS 2006/07 2007 2007/08 2008 2008/09 2009 2009/10 2010 2010/11 2011 2011/12 2012 2012/13 2013 2013/14 2014 2014/15 Alle Männer in Ausbildung Quelle: MA 10. WS= Wintersemester SS= Sommersemester Erwachsene Jugendliche Foto: © velazquez Fotolia.com DER KINDERGARTEN ALS ARBEITSPLATZ 41 AUSGABEN FÜR ELEMENTARE BILDUNG UND BETREUUNG 47 Geld, das in die qualitativ hochwertige Bildung und Betreu­ ung der Kinder unserer Stadt investiert wird, ist gut angelegtes Geld. Die Ausgaben der Stadt Wien für die städtischen Kin­ dergärten der MA 10 betrugen 2013 rund 400 Millionen Euro. Der größte Anteil davon(rund 307,5 Millionen Euro) entfiel auf Personalkosten für die über 6.600 aktiven PädagogInnen und AssistentInnen der städtischen Kindergärten, sowie das Ver­ waltungspersonal der MA 10 – Wiener Kindergärten. Die Aus­ gaben für den Betrieb der städtischen Kindergärten schlugen sich mit rund 68,1 Millionen Euro nieder, Investitionen mit rund 21 Millionen Euro. Das finanzielle Engagement der Stadt Wien beschränkt sich nicht nur auf die städtischen Kindergärten der MA 10, son­ dern erstreckt sich auch auf den privaten Bereich. Seit der Ein­ führung des beitragsfreien Kindergartens im September 2009 und der damit verbundenen Kostenübernahme der Stadt Wien stiegen die Ausgaben auf weit über 300 Millionen Euro jährlich. Mit der Investition dieser Fördermittel ermöglicht die Stadt Wien beitragsfreie beziehungsweise stark vergünstigte Bildung für die 46.000 Wiener Kinder in den privaten Betreu­ ungseinrichtungen. Ausgaben der Stadt Wien für den Betrieb der städtischen Kindergärten der MA 10, 2013 Art der Ausgaben Personal der MA 10 Betriebsausgaben* der MA 10 (für Betrieb und Instandhaltung) Investitionsausgaben** der MA 10 Gesamtausgaben für städtische Kindergärten Ausgaben in Mio. Euro 307,5 68,1 21,0 396,6 Quelle: MA 10. * In den Betriebskosten sind alle Kosten enthalten, die zur Führung und Aufrechterhaltung des Betriebes notwendig sind: Strom, Gas, Miete, Betriebsausstattung, Instandhaltungsarbeiten, Beauftragung von Fremdleistungen, Essen, Fahrzeugkosten, Versicherung, etc. ** In den Investitionskosten sind Ausgaben für Bauprojekte enthalten. Ausgaben der Stadt Wien für den Betrieb der städtischen Kindergärten der MA 10, 2013 5% 17% 396,6 Mio. € Personal Betriebsausgaben Investitionsausgaben 78% Quelle: MA 10. 48 ELEMENTARE BILDUNG UND BETREUUNG IN WIEN Ausgaben der Stadt Wien für Förderungen von Kindern in privaten elementaren Bildungs- und Betreuungseinrichtungen, in Mio. Euro 400 350 300 250 223,9 200 150 137,5 98,2 100 60,0 66,7 78,9 84,1 50 254,5 249,5 287,0 318,1 2003 Quelle: MA 10. * Prognose. 2004 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014* Im Zeitverlauf wird das große Engagement der Stadt Wien im Bereich der privaten Kindergärten sichtbar. Der starke Anstieg der Ausgaben ab dem Jahr 2009 erklärt sich aus der Einfüh­ rung des Gratiskindergartens mit 1. September 2009. Damit einhergehend wurde das Fördermodell für private Kindergar­ tenbetreiber von der bisherigen Gruppenförderung auf eine Förderung pro Kind umgestellt, was eine massive Erhöhung der Fördermittel mit sich brachte. Parallel zum wesentlichen Ziel der Betreuung von Kindern unter sechs Jahren – der frühkindlichen Bildung und Förderung – belegt eine Reihe von Studien 1 auch deren volkswirtschaftliche Bedeu­ tung. Die Sach- und Personalausgaben für den Betrieb der städti­ schen Kindergärten sowie die Förderungen für private Trägerorga­ nisationen bedeuten einerseits Kosten für die Kommune, setzen aber im Gegenzug eine Reihe überaus positiver ökonomischer Effekte für Familien und für die Gesamtwirtschaft in Gang. Sie sichern Arbeitsplätze, erhöhen die Einnahmen der öffentlichen Hand und tragen zur volkswirtschaftlichen Wertschöpfung bei. Von der außerhäuslichen Bildung und Betreuung der Kinder profitieren mehrere Gruppen: die Kinder selbst, deren Eltern, die Beschäftigten, die Unternehmen/die Wirtschaft und die öffentliche Hand. • Nutzen für die Kinder: Langfristige positive Bildungseffekte, Sprachförderung, gestärkte soziale Integration. Frühkindliche Bildung bietet den Kindern die Möglichkeit, sich mit Gleichaltrigen auszutauschen, fördert damit den Sozialisierungsfaktor in der kindlichen Entwicklung und unterstützt durch ein spielerisches Lernen deren Entfal­ tung. Diese positiven Einflüsse gemeinsam mit einer frühen sprachlichen Förderung haben einen hohen Einfluss auf die Bildungswege der Kinder und weisen signifikante Effekte auf die Wahl eines höheren Schultypus auf. • Nutzen für die Eltern: Erhöhung des Familieneinkommens, bessere Arbeitsmarktchancen, Erhöhung der sozialen Si­ cherheit. Keine oder nur kurze Unterbrechungen im Arbeitsverlauf ver­ bessern die persönliche Ausgangslage der Eltern auf dem 1 Siehe auch: AK Positionspapier(2013): Investiver Sozialstaat. Wachstum, Beschäftigung und finanzielle Nachhaltigkeit. Volkswirtschaftliche und fiskale Effekte des Ausbaus der Kinderbetreuung in Österreich. AK Europa. AUSGABEN FÜR ELEMENTARE BILDUNG UND BETREUUNG 49 Arbeitsmarkt auf lange Sicht, weil ihr berufliches Ausbil­ dungs- und Erfahrungswissen erhalten bleibt bzw. sogar noch erweitert werden kann. Elementare Bildungs- und Betreuungsplätze ermöglichen es Eltern berufstätig zu sein und ein möglicherweise schwieriger Wiedereinstieg nach vielen Jahren mit geringerem Lohn kann vermieden werden. Dank kürzerer Lücken im Erwerbsleben wird eine bessere Al­ tersabsicherung erreicht. Neben der Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften pro­ fitieren Unternehmen und Wirtschaft von der Kaufkraftsteige­ rung und den Sachausgaben der Kommune durch zusätzliche Wertschöpfungseffekte in verschiedenen Branchen. • Nutzen für die Kommune/die öffentliche Hand: Vermehrte Steuerleistungen und Sozialversicherungsbeiträge, Stand­ ortvorteile für die Stadt. Eine Erhöhung der Erwerbsbeteiligung und die gestiegenen Einkommen von einem oder beiden Elternteilen steigern die Kaufkraft der Familie, die wiederum in anderen Wirtschafts­ bereichen als Konsumausgaben wirksam wird. Die höhere Erwerbsbeteiligung der Eltern einerseits und die im Kindergartenbereich beschäftigten Personen anderer­ seits lukrieren zusätzliche Steuern(Lohnsteuer, Mehrwert­ steuer) und Sozialversicherungseinnahmen. • Nutzen für die Beschäftigten: Der Kindergarten als Arbeitge­ ber schafft Arbeitsplätze. Beschäftigte in Kinderbetreuungseinrichtungen verursachen nicht nur Personalkosten für den Erhalter. Aus unbezahlter Betreuungsarbeit in den einzelnen Haushalten entstehen bezahlte Arbeitsplätze, deren Einkommen die regionale Kauf­ kraft steigern, wodurch wiederum Arbeitsplätze geschaffen und gesichert werden. • Nutzen für Unternehmen und Wirtschaft: Wertschöpfungs­ effekte; qualifizierte MitarbeiterInnen, Standortvorteile. Qualitativ hochwertige elementare Bildungs- und Betreu­ ungseinrichtungen in ausreichender Zahl erhöhen die Le­ bensqualität einer Stadt oder Region. Damit leisten sie auch einen wichtigen Beitrag zur Erhöhung der Wettbewerbsfä­ higkeit des Wirtschaftsstandorts. Das Fazit der verschiedenen Untersuchungen über die wirt­ schaftlichen Effekte der elementare Bildungs- und Betreuungs­ einrichtungen lautet unisono: Ein finanzielles Engagement der öffentlichen Hand in qualitativ hochwertige Bildungs- und Be­ treuungseinrichtungen lohnt sich. Jeder investierte Euro wird der Gesellschaft auf vielfältigen Wegen zurückgegeben. 46 ELEMENTARE BILDUNG UND BETREUUNG IN WIEN Foto: © lotosfoto Fotolia.com 50 ELEMENTARE BILDUNG UND BETREUUNG IN WIEN DATENQUELLEN UND METHODEN Die hier publizierten Daten basieren zum überwiegenden Teil auf Informationen der Wiener Magistratsabteilungen MA 10 – Wiener Kindergärten, MAG ELF – Amt für Jugend und Familie und MA 23 – Wirtschaft, Arbeit und Statistik sowie der Bun­ desanstalt Statistik Austria. Daten zur Nachmittagsbetreuung in Schulen sowie Lern- und Freizeitklubs beruhen auf Anga­ ben des Stadtschulrates für Wien. Die Versorgungsquoten errechnen sich als Quotient des für eine Altersgruppe vorhandenen Platzangebotes in den Bil­ dungs- und Betreuungseinrichtungen und der gleichaltrigen Wohnbevölkerung. Grundlage der Berechnung für Wien sind die bewilligten Betreuungsplätze für eine bestimmte Alters­ gruppe lt. MAG ELF und der gleichaltrigen Wohnbevölkerung aus dem Wiener Bevölkerungsregister der MA 23. Die Daten über das Platzangebot und das verpflichtende Kin­ dergartenjahr beruhen jeweils auf den Angaben der MAG ELF. Das angeführte Platzangebot richtet sich nach der Anzahl der durch die MAG ELF bescheidmäßig bewilligten Plätze in Kin­ dergärten, Kindergruppen beziehungsweise bei Tageseltern. Ausnahmen von der Besuchspflicht zum verpflichtenden Kin­ dergartenjahr werden nach den Richtlinien des Wiener Früh­ förderungsgesetzes beurteilt. Angaben über die Anzahl der in den institutionellen Bildungs­ und Betreuungseinrichtungen sowie bei Tageseltern und Kin­ dergruppen betreuten Kinder basieren ab dem Betreuungsjahr 2009/2010 auf der Anmeldestatistik der MA 10 – Wiener Kin­ dergärten. Die Zahl der betreuten Kinder in den Jahren davor so­ wie die Angaben zum Bundesländervergleich sind der Kinderta­ gesheimstatistik der Bundesanstalt Statistik Austria entnommen. Die Kinderbetreuungsquoten für Wien berechnen sich als Quotient der in Bildungs- und Betreuungseinrichtungen be­ treuten Kinder gemäß den Anmeldedaten der MA 10 – Wiener Kindergärten und der gleichaltrigen Wohnbevölkerung lt. dem Wiener Bevölkerungsregister. Zur Ermittlung der kombinierten Betreuungsquoten für die 5-jährigen Kinder(verpflichtendes Kindergartenjahr) wurden die von der MAG ELF genehmigten Ausnahmen von der Besuchspflicht(vorzeitiger Schulbesuch, Besuch eines Kindergartens außerhalb Wiens, andere geneh­ migte Ausnahmen) in die Berechnung eingearbeitet. Die Betrachtung der möglichen künftigen Entwicklungen fußt auf den Ergebnissen der von der MA 23 durchgeführten Wien Prognose 2014. MAGISTRATSABTEILUNG 10 – Wiener Kindergärten MA 10 – Wiener Kindergärten 1030 Wien, Thomas-Klestil-Platz 11 Telefon:+43-1-277 55 55 E-Mail: post@ma10.wien.gv.at www.kindergaerten.wien.at Der Kindergarten ist die erste, elementare Bildungseinrich­ tung. In Wien werden jedem Kind von Anfang an bestmögliche Chancen auf Bildung ermöglicht- unabhängig von Einkom­ men, Beruf, Sprachkenntnissen und Herkunft der Eltern. Die MA 10- Wiener Kindergärten sorgt für qualitätsvolle ele­ mentare Bildung und Betreuung für Kinder in Wien • durch Beratung zu Fragen der Anmeldung und Platzvergabe in städtischen und privaten elementaren Bildungs- und Betreuungseinrichtungen • durch den Betrieb eigener Kindergärten und Horte • durch die Förderung privat organisierter Einrichtungen (Kindergärten, Horte, Kindergruppen, Tageseltern) Insgesamt arbeiten in der MA 10 rund 7.500 Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeiter in städtischen Kleinkindergruppen, Kinder­ gärten und Horten sowie an der bakip21(Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik der Stadt Wien), in der Verwaltung und in den Servicestellen an der Ermöglichung des Bildungsund Betreuungsangebotes für fast 100.000 Kinder in Wien. Frühkindliche Bildung sowie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Mütter und Väter wird an über 350 städtischen Standorten und durch rund 1.600 von der MA 10 geförderte, privatrechtlich organisierte Einrichtungen inklusive Kindergrup­ pen und Tageseltern ermöglicht. Die MA 10 stellt dadurch die Grundlage für ein vielfältiges und bedürfnisorientiertes Ange­ bot für ganz junge Kinder, für Kindergartenkinder und auch für die Freizeitbetreuung von Schulkindern zur Verfügung. • durch die Ausbildung von ElementarpädagogInnen. 52 ELEMENTARE BILDUNG UND BETREUUNG IN WIEN MAG ELF Amt für Jugend und Familie – Gruppe Recht 1030 Wien, Rüdengasse 11 Telefon:+ 43 1 4000-90923 Fax:+ 43 1 4000-99-90739 E-Mail: gr@ma11.wien.gv.at www.wien.gv.at/menschen/magelf Die MAG ELF ist speziell mit der Unterstützung von Familien und dem Schutz von Kindern und Jugendlichen beauftragt. Gleichzeitig versteht sie sich als Serviceeinrichtung für Famili­ en und bietet ein umfassendes Beratungsangebot. • Verpflichtendes Kindergartenjahr – Registrierung der Kin­ der im letzten Jahr in elementaren Bildungseinrichtungen https://www.wien.gv.at/amtshelfer/gesellschaft­soziales/ magelf/bewilligungsverfahren/kindergartenjahr.html Neben den Kinderschutzangeboten umfasst das Aufgabenge­ biet der Gruppe Recht in der MAG ELF die Bewilligung und Aufsichten in Kinderbetreuungseinrichtungen: • Bewilligung und Aufsicht von Kindergärten nach dem Wiener Kindergartengesetz(WKGG) und der Wiener Kinder­ gartenverordnung(WKGVO) http://www.wien.gv.at/amtshelfer/wirtschaft/gewerbe/ gruendung/soziales/kinder/kindergarten.html • Bewilligung und Aufsicht von Kindergruppen und Tages­ eltern nach dem Wiener Tagesbetreuungsgesetz(WTBG) und der Wiener Tagesbetreuungsverordnung(WTBVO) https://www.wien.gv.at/amtshelfer/gesellschaft­soziales/ magelf/bewilligungsverfahren/tagesmutter­tagesvater.html • Bewilligung der Essensbeitragsbefreiung in Kinderbetreu­ ungseinrichtungen für Krippen- und Kindergartenkinder https://www.wien.gv.at/amtshelfer/gesellschaft­soziales/ magelf/finanzielles/essensbeitrag.html • Gleichstellung einer im EU-Raum erworbenen Ausbildung für Sozialpädagogik/Sozialarbeit, Kindergartenpädago­ gik/Hortpädagogik https://www.wien.gv.at/amtshelfer/wirtschaft/  anerkennung/qualifikation/paedagogik/  gleichstellungsverfahren.html Insgesamt gibt es in Wien 1.034 Kindergärten, davon 351 städtische und 683 private. Weiters gibt es 586 Kindergrup­ pen und 330 Tageseltern. Im Rahmen des verpflichtenden Kindergartenjahres werden ca. 17.000 Kinder verwaltet. Rund 160 KindergartenpädagogInnen, die ihre Ausbildung im EU-Raum erworben haben, bekommen eine Berechtigung in Österreich arbeiten zu dürfen. Diese Aufgabenbereiche decken neben zwei JuristInnen, fünf SozialarbeiterInnen und sieben KindergarteninspektorInnen der Gruppe Recht in der MAG ELF ab. MAGISTRATSABTEILUNG 23 – Wirtschaft, Arbeit und Statistik MA 23 – Wirtschaft, Arbeit und Statistik 1020 Wien, Meiereistraße 7, Sektor B E-Mail: post@ma23.wien.gv.at www.wien.gv.at/kontakte/ma23 MA 23 – Wirtschaft, Arbeit und Statistik Der Bedarf an aktuellen Informationen wächst. Die Entwick­ lung zur Informations- und Wissensgesellschaft stellt die mo­ derne Verwaltung vor große Herausforderungen. Eine Grund­ voraussetzung für Empfehlungen und kritische Evaluierungen im Bereich Politik, Wirtschaft und Verwaltung ist daher die Bereitstellung von objektiven sachadäquaten Informationen. Die MA 23 bietet professionelle Dienstleistungen an, mit dem Ziel die Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Wien mit neu­ en Perspektiven zu unterstützen. Dezernat Forschung, Technologie und Innovation Mit dem Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstand­ ortes Wien zu erhöhen, werden Fragen zur wirtschaftlichen Entwicklung analysiert und inhaltliche Akzente zu Forschung, Technologie und Innovation gesetzt. Darüber hinaus wird die Wiener Fachhochschulförderung abgewickelt. • Wir erstellen gemeinsam mit externen Institutionen Wirt­ schaftspotenzialanalysen, etwa in den Bereichen Informa­ tions- und Kommunikationstechnologien, Life Sciences oder Photonik. tung von Landespolitik und Landesverwaltung in statistischen Belangen, das Anfertigen von fachspezifische Analysen und die Förderung der Zusammenarbeit zur statistischen Nutzung von Verwaltungsregistern. • Wir erheben, verarbeiten und analysieren statistische Informationen auf Basis bundes- und landesgesetzlicher Rechtsgrundlagen. • Wir erstellen fachspezifische Expertisen und veröffentli­ chen qualitätsgesicherte Informationen in unterschiedli­ chen Medien und Formen. • Wir positionieren uns als Statistik-Dienstleister im Magis­ trat und vertreten als Landesstatistik Wien die Interessen der Bundeshauptstadt in den Statistikorganisationen. Dezernat Wirtschaft Das Dezernat Wirtschaft bearbeitet die Themen Wirtschaft und Arbeitsmarkt, analysiert aktuelle Entwicklungen des Wirt­ schaftsstandortes Wien und erarbeitet konkrete Handlungs­ empfehlungen. • Wir konzipieren und unterstützen im Rahmen von Wett­ bewerbsverfahren innovative Projekte an den Wiener Fachhochschulen. Landesstatistik Wien und Dezernat Statistik Wien Die Statistik Wien bietet den Bürgerinnen und Bürgern, der Verwaltung, Wirtschaft und Politik ein breites Spektrum an statistischen Informationen über die demographische, sozi­ ale und ökonomische Situation der Bundeshauptstadt Wien. Wesentliche Aufgaben der Landesstatistik Wien sind die Bera­ • Wir analysieren die aktuelle konjunkturelle Entwicklung und wirtschaftliche Lage des Standorts Wien. • Wir beobachten regionalwirtschaftliche Entwicklungen unter besonderer Berücksichtigung der Wiener Unterneh­ mens- und Branchenstruktur. • Wir bearbeiten arbeitsmarktspezifische Themenfelder wie Beschäftigung, Qualifikation und Einkommen. 54 ELEMENTARE BILDUNG UND BETREUUNG IN WIEN IMPRESSUM Medieninhaber und Herausgeber Magistrat der Stadt Wien MA 23 – Wirtschaft, Arbeit und Statistik Für den Inhalt verantwortlich: Dipl.-Vw. Klemens Himpele Redaktion Dezernat Statistik Wien Meiereistraße 7, Sektor B, A-1020 Wien Telefon:+43-1-4000-83059 post@ma23.wien.gv.at http://www.wien.gv.at/kontakte/ma23 Redaktionsteam Mag. a Gerlinde Haydn(MA 23) Mag. Christian Fendt(MA 23) Die MA 23 bedankt sich für Beiträge aus den Fachdienststellen. Birgit Lasar(MA 10) Nicole Puszar(MA 10) Mag. Gernot Barton(MA 10) Mag. a Michaela Krejcir(MAG ELF) Marion Jost(MAG ELF) Gabriele Ehrenberger(MAG ELF) Elke Takacs(MAG ELF) Gestaltung, Herstellung, Satz MEDIAPROJECTS. DI Gernot Steindorfer A-7061 Trausdorf an der Wulka Bilder und Illustrationen Cover:© graphlight- Fotolia.com Druck AV+Astoria Druckzentrum, A-1030 Wien Offenlegung Statistische Analysen, welche die Stadt Wien betreffen. Rechtlicher Hinweis Die enthaltenen Daten, Tabellen, Grafiken, Bilder etc. sind urheberrechtlich geschützt. Haftungsausschluss: Wir übernehmen keine Haftung für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität des Inhaltes. Nachdruck nur mit Quellenangabe. ISBN 978-3-901945-19-9 Gedruckt in Österreich auf ökologischem Papier aus der Mustermappe von„ÖkoKauf Wien“, 8/2015. ISBN 978-3-901945-19-9 STATISTIK JOURNAL WIEN 1/2014 WIEN WÄCHST… Bevölkerungsentwicklung in Wien und den 23 Gemeinde- und 250 Zählbezirken WIEN 2014-2044 WIENER GEMEINDEBEZIRKE 2014-2034 WIENER ZÄHLBEZIRKE 2014-2024 STATISTIK  JOURNAL WIEN 1/2014  WIEN WÄCHST… Bevölkerungsentwicklung in Wien und den 23 Gemeinde- und 250 Zählbezirken WIEN 2014-2044 WIENER GEMEINDEBEZIRKE 2014-2034 WIENER ZÄHLBEZIRKE 2014-2024 Foto: PID/David Bohmann Mag. a Renate Brauner Vizebürgermeisterin und amtsführende Stadträtin für Finanzen, Wirtschaftspolitik und Wiener Stadtwerke VORWORT Öffentliche Daseinsvorsorge und öffentliche Infrastruktur sind wesentliche Bestandteile der hohen Lebensqualität in Wien. Wir sind stolz auf unsere Öffis, auf die lange Tradition des geförderten Wohnbaus und auf neue Errungenschaften wie den Gratiskindergarten. Um auch künftig qualitativ hochwertige öffentliche Infrastruktur anbieten zu können, muss die Stadt wissen, wie sich die Bevölkerung entwickelt: Mit wie vielen Kindern können wir rechnen und in welchen Stadtgebieten werden die Kindergartenplätze benötigt? Welchen Wohnungsbedarf gilt es abzudecken, wo sollten die Wohnungen entstehen und mit welchen Lebensformen ist zu rechnen? Wieviel Wasser wird täglich in der Stadt benötigt und wo? Diese Fragen lassen sich mit kleinräumigen Bevölkerungsprognosen beantworten. Hier werden demographische Prozesse kleinräumig beleuchtet, denn Maßnahmen im Bereich der Infrastruktur- und Stadtplanung können nur richtig gesetzt werden, wenn ausreichend qualitätsgesicherte Informationen über die zukünftige Bevölkerungsentwicklung zur Verfügung stehen. Denn es ist klar feststellbar: Wien wächst. Bereits im Jahr 2029 könnte die Donaumetropole die Grenze zu zwei Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern überschritten haben und in den darauffolgenden Jahren noch weiter wachsen. Mit diesem demographischen Befund lässt sich bereits heute der erwartbare Handlungsbedarf für die öffentliche Daseinsvorsorge skizzieren, denn die demographische Entwicklung wird sich auf zahlreiche Bereiche der Daseinsvorsorge auswirken. Neben der Wohnungs- und Verkehrsinfrastruktur, werden davon auch bildungs-, sozial- und wirtschaftspolitische Aspekte betroffen sein. Je nach Stadtteilgebiet sind die Handlungsfelder unterschiedlich und spezifisch. Eine weitere Herausforderung: Wien wird älter und jünger zugleich: Sowohl die Anzahl der Menschen, die das 75. Lebensjahr überschritten haben, als auch die Kinder und Jugendlichen unter 15 Jahren werden zahlenmäßig deutlich ansteigen. Die Entwicklungen sind in den einzelnen Stadtgebieten dabei durchaus unterschiedlich. Auch dafür brauchen wir gesicherte Daten, um die richtigen politischen Antworten geben zu können. Deshalb ist die vorliegende kleinräumige Bevölkerungsprognose der MA 23 nicht nur eine Arbeits- und Diskussionsgrundlage, sondern eine unersetzbare Orientierungshilfe für zukünftige Entscheidungen bei der Stadt- und Infrastrukturplanung. EDITORIAL Der Wunsch etwas über die Zukunft zu erfahren, ist schon sehr alt, wie die Bedeutung von Propheten und Orakel in früheren Kulturen zeigt. Wissen über die Zukunft ermöglicht, sich darauf einzustellen und entsprechende planerische Maßnahmen zu ergreifen. Prognosen kommt daher die wichtige Aufgabe zu, die Unsicherheiten über zukünftige Entwicklungen zu reduzieren und dadurch gegebenenfalls Entscheidungen rationaler treffen zu können. Insbesondere liefern Bevölkerungsprognosen Basisinformationen für politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Entscheidungsprozesse. Anhand dieser Informationen können die Auswirkungen heute bereits angelegter Strukturen und erkennbarer Veränderungen auf die künftige Bevölkerung verdeutlicht werden. Bevölkerungsprognosen und-projektionen basieren auf ex-post Analysen, Expertenmeinungen und daraus abgeleiteten Hypothesen über künftige demographische Trends. Zwischen natürlicher(Geburten und Sterbefälle) und regionaler Bevölkerungsdynamik (internationaler und interregionaler Wanderungen) bestehen zu einem bestimmten Ausmaß Zusammenhänge, doch sind diese hinsichtlich ihrer Kausalität nicht ausreichend evaluiert. Die Entwicklung von möglichen exogenen Einflussfaktoren auf die demographischen Prozesse selbst ist nicht leicht zu bestimmen. Man kann daher„lediglich“ Annahmen formulieren, welche Entwicklungen wahrscheinlich sind, z. B. Migrationsvolumina nach Herkunftsregion oder Neubautätigkeit in Wien. Es gibt im Grunde genommen keine „positiven“ oder„negativen“ Prognosen, sondern lediglich die Annahme„günstiger“ oder „kritischer“ Entwicklungen, aus welchen die demographischen Parameter mit hoher Wahrscheinlichkeit abgeleitet werden. Für die kleinräumige Bevölkerungsprognose für Wien 2014 bis 2034(2044) wurde erstmals die Bevölkerungsstruktur sowie alle demographischen Prozesse nach dem„foreign-born“ Konzept aufbereitet. Um eine weitgehende Konsistenz der Annahmenfindung zu gewährleisten, wurde im Rahmen eines Auftaktforums am 4. Dezember 2013 sowie in mehreren anschließenden Diskussionsforen die Annahmen sowie methodische und inhaltliche Aspekte mit Vertreterinnen und Vertretern aus dem Magistrat Wien sowie mit stadtnahen Institutionen einer ausführlichen Diskussion zugeführt. Ziel dieser Diskussionen war es, die Einflussfaktoren auf die demographischen Faktoren Fertilität, Mortalität und Migration zu bewerten, wobei die Bereiche„Zuwanderung aus dem Ausland“ sowie„Neubautätigkeit“ einen besonderen Schwerpunkt einnahmen. Wir bedanken uns bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Foren, die mit ihrem Fachwissen und Know-how wesentlich dazu beigetragen haben, die Unsicherheiten bei der Annahmenfindung etwas einzugrenzen. Ein besonderer Dank gilt zudem den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der MA 23, die an der Erstellung der Prognose beteiligt waren. Dipl.-Vw. Klemens Himpele Abteilungsleiter MA 23 Wirtschaft, Arbeit und Statistik Dr. Gustav Lebhart Leiter Landesstatistik Wien 6 WIEN WÄCHST… ZUSAMMENFASSUNG Die Bundeshauptstadt Wien ist das demographische Zentrum Österreichs und steht in den nächsten Jahrzehnten vor tiefgreifenden Veränderungen. Diese betreffen nicht nur das Niveau, sondern auch die Alters- und Herkunftsstruktur sowie deren regionale Gewichtung innerhalb Wiens. Die Ergebnisse der kleinräumigen Bevölkerungsvorausschätzung zeigen Folgendes: WIEN WÄCHST … UND DIE STADT WIEN KÖNNTE NOCH VOR 2030 DIE„2-MILLIONEN-GRENZE“ ÜBERSCHRITTEN HABEN. Die Bundeshauptstadt Wien wächst seit Jahren, was sich in den nächsten Jahren fortsetzen könnte. Bis zum Jahr 2024 könnte sich die Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner Wiens um 10% erhöhen und somit auf 1,952 Millionen Menschen angewachsen sein. Falls die hohe Zuwanderungsdynamik weiterhin die demographische Entwicklung determiniert, hat Wien im Jahr 2029 bereits die 2-Millionen-Grenze erreicht. Bis 2034 könnte die Bevölkerung mit Hauptwohnsitz in Wien auf 2,043 Millionen Menschen steigen, was einem Anstieg gegenüber 2014 von 15% entspricht. Die Einwohnerzahl Wiens könnte im Jahr 2044 mit 2,110 Millionen Menschen den bisherigen Höchststand aus dem Jahr 1910(2,084 Mio.) übertreffen und gegenüber dem Ausgangsjahr 2014 um fast ein Fünftel(+19%) der Bevölkerung zugenommen haben. WIEN WÄCHST … UND IN DEN KOMMENDEN JAHREN WIRD WIEN JÜNGER UND ÄLTER ZUGLEICH. Die Zukunft der Betreuungs- und Bildungseinrichtungen wird in den kommenden Jahren durch die steigende Zahl an Kindern und Jugendlichen geprägt sein. Die Alterskohorte der unter 15-Jährigen könnte bis zum Jahr 2024 um bis zu 16%(+40.000) steigen und am Ende des Prognosehorizonts im Jahr 2044 um weitere zwei Prozentpunkte(+18% bzw.+44.000) höher liegen. Bei den„jungen Erwachsenen“(15 bis 29 Jahre) wird der Zuwachs bis 2024 etwa 5%(+19.000) und in den darauffolgenden zwei Jahrzehnten der Anstieg insgesamt 12%(+44.000) betragen. Für die Bevölkerung im Alter von 30 bis unter 45 Jahren dürfte die Zunahme bis zum Jahr 2024 etwa 9%(+36.000) betragen. Für die Jahre 2024 bis 2044 wird ein schwacher Rückgang projiziert, wobei im Jahr 2044 die Alterskohorte noch um knapp 6%(+22.000) über dem Ausgangsjahr liegen dürfte. Auch Arbeitskräfte werden älter, d.h. die Belegschaften von älteren erwerbsfähigen Personen(45 bis 59 Jahre) werden in den nächsten drei Jahrzehnten um bis zu 10%(+38.000) stärker vertreten sein. Der Blick in die Zukunft macht deutlich, dass der demographische Alterungsprozess weiter fortschreitet. In den nächsten drei Jahrzehnten dürften Anteil und Zahl der„jungen Alten“ (60 bis 74 Jahre)(+26% bzw.+69.000 Personen) und der Hochbetagten(75 Jahre und älter)(+96% bzw. 118.000) deutlich zunehmen. Der Bevölkerungsanteil der 60- und Mehrjährigen würde demnach von 22%(2014) auf 27%(2044) steigen. WIEN WÄCHST … UND DIE BUNDESHAUPTSTADT ÖSTERREICHS IST UND BLEIBT EINE EUROPÄISCHE METROPOLE DER MIGRATION. In den letzten Jahren entfielen im langjährigen Durchschnitt rund 40% der internationalen Nettozuwanderung in Österreich auf die Bundeshauptstadt. Keine andere Stadt in Österreich ist von Migration in diesem Ausmaß betroffen. In den kommenden Jahren könnte Migration weiterhin der maßgebende demographische Faktor für die Bevölkerungsentwicklung Wiens sein. Rund zwei Drittel(69%) des zukünftigen Bevölkerungswachstums ist auf Zuwanderung aus dem In- und Ausland zurückzuführen. Für den Zeitraum 2014 bis 2044 beträgt die Nettozuwanderung aus dem In- und Ausland rund 231.000 Personen, davon entfallen rund 60%(140.000) auf die nächsten zehn Jahre. Entsprechend den Annahmen wird bis zum Jahr 2024 im Durchschnitt eine Nettozuwanderung aus dem Ausland von etwa 14.000 Personen pro Jahr prognostiziert, was dem Niveau der letzten Jahre entspricht. Die hohe Zuwanderung aus den letzten Jahren dürfte sich noch einige Jahre fortsetzen und dann mittelfristig abschwächen. Auch die Wanderungsbilanz mit den übrigen Bundesländern wird im Berechnungszeitraum insgesamt positiv sein. Mit der Zuwanderung aus dem Ausland wird auch ein wachsender„foreign-born“-Anteil einhergehen, zudem ziehen auch Personen mit ausländischem Geburtsort aus den anderen Bundesländern nach Wien. Im Jahr 2014 war ein Drittel der Wiener Bevölkerung(33% bzw. 582.000) im Ausland geboren. Entsprechend den Zuwanderungsannahmen könnte im Jahr 2024 die im Ausland geborene Bevölkerung Wiens bereits die 700.000-Marke überschritten haben. In den kommenden Jahren steigt der Anteil der„foreign-born“-Bevölkerung auf 36% und dürfte sich bis 2044 aufgrund des geringeren Zuwanderungsniveaus kaum ändern(36% bzw. 752.000). WIEN WÄCHST … UND DIE ZU ERWARTENDE BEVÖLKERUNGSDYNAMIK WIRD DIE DEMOGRAPHISCHE LANDSCHAFT WIENS NEU AKZENTUIEREN. Das Geburtenniveau von 1,4 Kindern je Frau wird im gesamten Prognosezeitraum als konstante Größe angenommen, da es seit mehr als drei Jahrzehnten auf diesem Niveau stabil ist und es keine erkennbaren Hinweise auf tiefgreifende Veränderungen gibt. In den kommenden Jahren ist mit einem Geburtenanstieg von 18.000 auf knapp 20.000 Geburten im Jahr zu rechnen, wobei das Geburtenniveau bis zum Ende des Prognosehorizonts stabil bei knapp unter 20.000 Geburten liegen wird. Es wird mit einem weiteren Anstieg der Lebenserwartung gerechnet. Im Jahr 2050 liegt die Lebenserwartung für neugeborene Mädchen im Schnitt bei 89 Jahren und für neugeborene Knaben bei 85 Jahren. Durch das Vorrücken von stark besetzten Alterskohorten sind in den kommenden Jahren leicht steigende Sterbefallzahlen zu erwarten, die im langjährigen Durchschnitt bis 2044 bei etwa 16.000 pro Jahr liegen werden. In den kommenden Jahren kann mit weiteren Geburtenüberschüssen gerechnet werden. Nach den Prognoseergebnissen könnte die positive Geburtenbilanz im Zeitraum 2014 bis 2044 rund ein Drittel(31%) des Bevölkerungszuwachses ausmachen. 7 8 WIEN WÄCHST… WIEN WÄCHST … UND DIE 23 WIENER GEMEINDEBEZIRKE SIND VON DER BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG BIS 2034 IN UNTERSCHIEDLICHEM AUSMAß BETROFFEN. Für die Gemeindebezirke, die keine nennenswerte Bautätigkeit aufweisen sowie stärkere Binnenwanderungsverluste bzw. einen Sterbeüberschuss zu verzeichnen haben, wird für den Zeitraum 2014 bis 2034 eine rückläufige(1. Innere Stadt(-11%), 13. Hietzing(-2%)) bzw. eine stagnierende Bevölkerungsentwicklung(19. Döbling(±0%)) vorausgeschätzt. Differenzierte Altersstrukturen und insbesondere die berücksichtigte mögliche Neubautätigkeit führen dazu, dass die Einwohnerentwicklung bis zum Jahr 2034 in den einzelnen Wiener Gemeindebezirken unterschiedlich verläuft. Deutlich unter dem Durchschnitt (+15%) dürfte das Bevölkerungswachstum in den Innenstadtbezirken(4. Wieden(+8%); 5. Margareten(+10%)) sowie in den gürtelnahen Stadtbezirken ausfallen(14. Penzing (+3%), 15. Rudolfsheim-Fünfhaus(+4%), 16. Ottakring(+9%) und 18. Währing(+5%)). Bis zum Jahr 2034 sind hohe Bevölkerungsgewinne vor allem in jenen Stadtteilgebieten zu erwarten, in denen in den nächsten Jahren eine hohe Neubautätigkeit stattfinden wird (2. Leopoldstadt(+21%), 10. Favoriten(+21%), 20. Brigittenau(+25%) sowie 22. Donaustadt(+36%)). WIEN WÄCHST … UND DIE ZU ERWARTENDE BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG BIS 2024 SETZT VIELSCHICHTIGE ENTWICKLUNGSPERSPEKTIVEN IN DEN 250 WIENER ZÄHLBEZIRKEN Das Bevölkerungswachstum zeigt eine gewisse räumliche Kontinuität, wobei die zentrale Komponente der demographischen Dynamik auf Zuwanderung und auf die Neubautätigkeit zurückzuführen ist. Für zwei Drittel(68% bzw. 170 Zählbezirke) der 250 Zählbezirke werden Einwohnerzuwächse prognostiziert, wobei eine stärkere Dynamik für die gesonderten Neubaugebiete vorausberechnet wird. Bis 2024 ist in einem Drittel(32%) aller Zählbezirke(80 von 250 Zählbezirken) ein Bevölkerungsverlust zu erwarten. Die zu erwartende kleinräumige Entwicklung arrondiert sich zu größeren zusammenhängenden Flächen, die neben dem 1. Wiener Gemeindebezirk den Westrand der Stadt sowie Teile im 21. und 22. Gemeindebezirk betreffen könnten. Der demographische Alterungsprozess betrifft in den nächsten Jahren jene Stadtteilgebiete, in denen Einfamilienhäuser sowie Wohnhausanlagen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts errichtet wurden. Davon sind Bezirksareale am westlichen Stadtrand sowie die Gemeindebezirke im Süden betroffen. Auffallend ist, dass die demographische Alterung in Teilen von Floridsdorf(21.) und in Teilen der Donaustadt(22.) eine flächendeckende Erscheinung sein wird. In den Innenstadtbezirken sowie in den gürtelnahen Stadtarealen dürfte die Bevölkerung aufgrund der Zuwanderung aus dem In- und Ausland und des Geburtenüberschusses sogar jünger werden. INHALT Vorwort 4 ............................................................................................. Zusammenfassung 6 ................................................................................. 1. BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG UND-TRENDS IN WIEN 2014 BIS 2044 ......................... 11 1.1 Bevölkerungsentwicklung in europäischen Stadtregionen ..................................... 12 1.2 Bevölkerungsvorausschätzung für Wien ....................................................... 12 1.2.1 Prognose 2014 bis 2024 .................................................................... 12 1.2.2 Projektion 2024 und 2034 ................................................................... 12 1.2.3 Modellfortschreibung 2034 bis 2044 ........................................................ 13 1.2.4 Zwischenfazit 13 ................................................................................ 1.3 Komponenten der Bevölkerungsentwicklung .................................................. 14 1.3.1 Natürliche Bevölkerungsbewegung .......................................................... 14 1.3.2 Räumliche Bevölkerungsbewegung .......................................................... 18 1.3.3 Bevölkerungsstruktur ........................................................................ 21 2. BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG IN DEN WIENER GEMEINDEBEZIRKEN 2014 BIS 2034 ........... 25 3. BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG IN DEN WIENER ZÄHLBEZIRKEN 2014 BIS 20 2 4 ................ 73 Bevölkerungsentwicklung ......................................................................... 74 Komponenten der Bevölkerungsdynamik 76 ......................................................... Alterung der Bevölkerung 78 .......................................................................... 4. ANNAHMEN 87 ..................................................................................... 4.1 Geburten und Fertilität ......................................................................... 88 4.2 Lebenserwartung und Mortalität ............................................................... 91 4.3 Zuwanderung aus den Bundesländern ......................................................... 92 4.4 Zuwanderung aus dem Ausland ............................................................... 93 4.5 Wegzüge in die Außenräume .................................................................. 98 4.6 Binnenwanderungsströme ..................................................................... 98 4.7 Neubautätigkeit 99 ............................................................................... 4.8 Anstalten 100 .................................................................................... 5. METHODIK 103 .................................................................................... 5.1 Prognosemodell 104 ............................................................................. 5.2 Prognosegebiete 104 ............................................................................ 5.3 Prognosehorizont 105 ............................................................................ 5.4 Prognoseparameter 106 .......................................................................... 5.4.1 Ausgangsbevölkerung 106 .................................................................... 5.4.2 Fertilität 106 ................................................................................... 5.4.3 Statustransfer der unter 1-Jährigen ........................................................ 107 5.4.4 Mortalität 107 .................................................................................. 5.4.5 Zuwanderung in das Prognosegebiet ...................................................... 107 5.4.6 Binnenwanderungsströme ................................................................. 108 5.4.7 Abwanderung in die Außenregionen ....................................................... 108 5.4.8 Neubautätigkeit 108 ........................................................................... 5.4.9 Anstaltsbevölkerung ....................................................................... 110 TABELLEN 111 ........................................................................................ Mitwirkende 143 ..................................................................................... Impressum 144 ...................................................................................... 9 12 WIEN WÄCHST… 1.1 BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG IN EUROPÄISCHEN STADTREGIONEN Wien war zu Beginn der 1950er-Jahre bis in die Mitte der 1970er-Jahre von einer relativ konstanten Bevölkerungsentwicklung geprägt. Bis zum Ende der 1980er-Jahre sank die Einwohnerzahl infolge hoher Geburtendefizite. Mit Ausnahme einer Stagnationsphase Mitte der 1990er-Jahre ist Wien in den letzten beiden Jahrzehnten insbesondere durch Zuwanderung aus dem Ausland stark gewachsen. Mit knapp 1,8 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner 1 ist Wien die bevölkerungsreichste Stadt Österreichs, die siebentgrößte Stadt der Europäischen Union sowie nach Berlin die zweitgrößte deutschsprachige Stadt noch vor Hamburg. Tabelle 1.1 Bevölkerungsentwicklung in europäischen Stadtregionen Stadtregion Jahr 2010 2025 Paris London Madrid Barcelona Berlin Rom Mailand Wien Birmingham Bukarest Hamburg Warschau Budapest München Sofia Prag Köln 9.958.000 8.607.000 5.764.000 5.057.000 3.423.000 3.333.000 2.940.000 2.385.000 2.291.000 1.947.000 1.777.000 1.724.000 1.664.000 1.300.000 1.212.000 1.160.000 1.037.000 10.036.000 8.618.000 5.935.000 5.183.000 3.436.000 3.330.000 2.938.000 2.496.000 2.323.000 1.949.000 1.792.000 1.736.000 1.655.000 1.318.000 1.236.000 1.159.000 1.061.000 http://www.unhabitat.org.jo/en/inp/Upload/1052216_Data%20tables.pdf Veränderung in% 0,78 0,13 2,97 2,49 0,38 -0,09 -0,07 4,65 1,40 0,10 0,84 0,70 -0,54 1,38 1,98 -0,09 2,31 1 Am 1. Jänner 2014 waren in Wien 1.774.829 Personen mit Hauptwohnsitz gemeldet. Zum gleichen Stichtag waren laut Bundesanstalt Statistik Österreich 1.766.746 aufrechte Hauptwohnsitzmeldungen in Wien registriert. Die Bevölkerungsdifferenz zum Wiener Bevölkerungsregister ist im Wesentlichen das Ergebnis der im Rahmen der Registerzählung 2011 durchgeführten Wohnsitzanalyse und der damit verbundenen Nichtanerkennung von sog. Klärungsfällen. Nach Berechnungen des Programms der Vereinten Nationen für menschliche Siedlungen(UN-Habitat) könnte die Stadtregion Wien bis zum Jahr 2025 das stärkste Bevölkerungswachstum der 17 größten Stadtregionen Europas aufweisen, gefolgt von den spanischen Metropolregionen Madrid und Barcelona. Für andere europäische Metropolen wie etwa Rom, Mailand oder Prag wird in den kommenden Jahren mit einer stagnierenden Bevölkerungsdynamik gerechnet. 1.2 BEVÖLKERUNGSVORAUSSCHÄTZUNG FÜR WIEN Bei Fortsetzung der demographischen Trends könnte in den nächsten Jahrzehnten die Bevölkerungszahl in Wien stark zunehmen. Entsprechend dem Prognosekonzept und der dahinter liegenden Annahmenfindung kann die Entwicklung des Bevölkerungsstandes in drei Phasen gegliedert werden: 1.2.1 Prognose 2014 bis 2024 2 Unter Berücksichtigung kleinräumiger Besonderheiten auf Ebene der 250 Zählbezirke sind Prognosen nur für einen Zeitraum von wenigen Jahren möglich. Nach den Prognoseergebnissen wird das Bevölkerungswachstum im kommenden Jahrzehnt rund 10% betragen. Im Jahr 2024 würden somit rund 1,952 Millionen Menschen in Wien leben. Dieser Bevölkerungsanstieg um rund 178.000 Personen stützt sich zu knapp 80% auf Zuwanderung aus dem In- und Ausland und zu einem Fünftel (21%) auf die positive Geburtenbilanz. 1.2.2 Projektion 2024 und 2034 3 Mittelfristig sind Veränderungen der Bevölkerungsdynamik nur schwer abzuschätzen. Die demographischen Muster aus der Referenzperiode erlauben nur mehr eine grobe Orientierung hinsichtlich des zukünftigen Wanderungsverhaltens. Der Projektionszeitraum ermöglicht jedoch noch 2 Im Prognosezeitraum 2014 bis 2024 stehen die Ergebnisse für die 250 Zählbezirke zur Verfügung. 3 Für den Projektionszeitraum 2024 bis 2034 werden die Prognoseergebnisse für die 23 Wiener Gemeindebezirke ausgewiesen. Bevölkerungsentwicklung und-trends in Wien 2014 bis 2044 13 eine gute Informationsbasis zu quantitativen Entwicklungen auf Ebene der 23 Wiener Gemeindebezirke. In der Projektionsphase ist weiterhin mit einem Bevölkerungswachstum zu rechnen, die jährlichen Zuwächse werden jedoch nicht mehr das Niveau der vorangegangen Jahre halten können. Die 2-Millionen-Grenze dürfte im Jahr 2029 erreicht werden. Die Zahl der Wiener Einwohnerinnen und Einwohner könnte bis 2034 auf 2,04 Millionen Personen steigen, was einem Anstieg gegenüber 2014 von 15% entspricht. 1.2.3 Modellfortschreibung 2034 bis 2044 4 Die Bevölkerungsfortschreibung soll einen globalen Ausblick auf die fernere Zukunft ermöglichen. Für diese Zeitspanne werden keine expliziten Annahmen im Bevölkerungsmodell berücksichtigt so dass lediglich ein möglicher Entwicklungspfad aufgezeigt wird. Die Ergebnisse der Bevölkerungsfortschreibung belegen, dass Wien weiterhin mit Bevölkerungszuwächsen rechnen kann. Das jährliche Wachstum wird im Schnitt jedoch nur mehr etwa 0,3% ausmachen. Am Ende des Zeithorizonts(2044) könnten etwa 2,11 Millionen Menschen in der Bundeshauptstadt residieren. 1.2.4 Zwischenfazit Die Bundeshauptstadt Wien befindet sich seit Jahren in einer demographischen Wachstumsphase, die sich in den nächsten drei Jahrzehnten fortsetzen könnte. Falls die hohe Zuwanderungsdynamik weiterhin die Bevölkerungsentwicklung determiniert, dürfte Wien bereits im Jahr 2029 die 2-Millionen-Grenze erreicht haben. Einer etwas stärkeren Zunahme bis 2024 stehen abgeschwächte Bevölkerungsgewinne bis 2034 gegenüber. Die Einwohnerzahl Wiens könnte im Jahr 2044 den bisherigen Höchststand von 2,084 Mio. aus dem Jahr 1910 übertreffen. 4 Die Modellfortschreibung für die Jahre 2034 bis 2044 ermöglicht einen Ausblick auf die fernere Bevölkerungsentwicklung nur mehr für das Bundesland Wien. Grafik 1.1 Bevölkerungsentwicklung in Wien 1961 bis 2013 und Vorausschätzung 2014 bis 2044 Quelle: MA 23(Wien Prognose 2014), Statistik Austria(Bundeslandprognose 2013) 2.200.000 2.000.000 1.800.000 1.600.000 1.400.000 1.200.000 1.000.000 1961 1971 Amtliche Statistik 1981 1991 MA 23 Prognose 2001 2011 2021 Statistik Austria 2031 2041 Grafik 1.2 Bevölkerungsentwicklung in Wien Bevölkerungsprognose und-projektion 2014 bis 2044 Quelle: MA 23(Wien Prognose 2014) 2.200.000 2.000.000 1.800.000 1.774.829 1.952.394 +10% 2.043.411 +15% 1.600.000 1.400.000 1.200.000 1.000.000 2014 2024 2034 2.110.212 +19% 2044 14 WIEN WÄCHST… 1.3 KOMPONENTEN DER BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG Eine entscheidende Komponente für die zukünftige Bevölkerungsentwicklung und -struktur in Wien wird die Zuwanderung aus dem In- und Ausland sein. Die Migrationsströme – also die Zu- und Wegzüge aus dem In- und Ausland – haben ein deutlich höheres Volumen als die natürlichen Bevölkerungsbewegungen. Bezogen auf die Nettogrößen wird sich das Bevölkerungswachstum zu etwa zwei Drittel aus der Wanderung und zu etwa einem Drittel aus der natürlichen Bevölkerungsbewegung zusammensetzen. Kurz- und mittelfristig hat die Wanderung demnach einen starken Einfluss auf die zukünftige Bevölkerungsentwicklung. Die natürlichen Bewegungen der Geburten- und Sterbefälle wirken langfristig stärker. 1.3.1 Natürliche Bevölkerungsbewegung Geburten | Die Generation der„Baby-Boomer“ aus den 1960er-Jahren kam in den 1990er-Jahren in jenes Alter, in dem die Frauen die meisten Kinder gebären – die Fertilität ist im Alter zwischen 25 und 35 Jahren am höchsten. Trotz niedriger Fertilität bedingte dieser„Echo-Effekt“ einen Anstieg der Geburtenzahlen in den 1990er-Jahren. Gegenwärtig ist die Baby-Boomer-Generation in den 40ern und 50ern und hat damit ihre reproduktive Lebensphase mehrheitlich abgeschlossen. In den letzten Jahren zeigte sich ein sinkender Fertilitätstrend bei im Ausland geborenen Müttern, und ein relativ konstantes Fertilitätsniveau bei im Inland geborenen Müttern. Faktum ist, dass seit Jahren steigende Geburtenzahlen registriert werden, obwohl das Fertilitätsniveau konstant blieb. Durch die Zuwanderung potentieller Mütter kann daher auch in den nächsten Jahren mit einem Anstieg der Geburtenzahlen auf knapp 20.000 Geburten pro Jahr gerechnet werden. Der Anstieg wird sich in Folge etwas abschwächen, könnte aber noch immer über dem Niveau der letzten Jahre liegen. Auch der in den vergangenen Jahren zu beobachtende Trend zur späteren Mutterschaft könnte sich in den nächsten Jahren fortsetzen, so dass das durchschnittliche Fertilitätsalter deutlich über dem 30. Lebensjahr liegen wird. Im Hinblick auf das relativ stabile Geburtenniveau der zurückliegenden Jahre wurde für die künftige Entwicklung mit einer annähernd konstanten Geburtenrate von 1,4 Kindern pro Frau ausgegangen. Sterbefälle | Im Vergleich zu früheren Generationen haben sich die Lebensumstände sowie die medizinische Versorgung der Bevölkerung weiter verbessert. Die Bundesanstalt Statistik Österreich geht daher von einer weiteren Zunahme der Lebenserwartung aus. Entsprechend wurde auch bei der kleinräumigen Bevölkerungsvorausberechnung von einer kontinuierlich ansteigenden Lebenserwartung ausgegangen und die Zielwerte für das Jahr 2050 von der Bundesanstalt Statistik Österreich von etwa 89 Jahren bei neugeborenen Mädchen und etwa 85 Jahren bei neugeborenen Knaben übernommen. Die steigende Lebenserwartung wirkt sich auch auf die Zahl der Sterbefälle aus. Die Zahl der Sterbefälle ist in den letzten Jahren stark gesunken. Dieser Trend erklärt sich im Wesentlichen durch den stetigen Anstieg der Lebenserwartung sowie durch die geringere Alterskohortenbesetzung im Hauptsterbealter. Diese Entwicklung dürfte sich in den nächsten Jahren nicht mehr fortsetzen. Durch das Vorrücken der starken Geburtenjahrgänge(„Baby-Boomer“) ist in den nächsten Jahrzehnten von einer relativ konstanten Sterbefallentwicklung auszugehen. Jährlich werden zwischen 15.800 und 16.500 Personen in Wien sterben. Geburtenbilanz | In den 1960er-Jahren befanden sich die stark besetzten Geburtenjahrgänge des Übergangs vom 19. zum 20. Jahrhundert im Sterbealter, weswegen die Geburtenbilanz trotz einer vergleichsweise hohen Anzahl an Lebendgeburten(„Babyboom“) stark negativ ausfiel. Die Geburtenbilanz, die Summe der Lebendgeborenen abzüglich der Zahl der Sterbefälle, war im Zeitraum ab 1961 über eine längere Periode hinweg stark negativ. Bevölkerungsentwicklung und-trends in Wien 2014 bis 2044 15 In den 1980er- und 1990er-Jahren standen leichte Schwankungen bei den Geburtenzahlen weiter sinkenden Sterbezahlen aufgrund der schwächer besetzten Jahrgänge der Bevölkerung im Alter von über 60 Jahren bei gleichzeitig steigender Lebenserwartung gegenüber. Dadurch verringerte sich das Geburtendefizit bis zur Jahrtausendwende. Die sinkenden Geburtenzahlen sind vermutlich auch mit der stärkeren Präferenz von Familien zum Eigenheim im Wiener Umland zu erklären. Die quantitative Zunahme der Frauen im gebärfähigen Alter trotz steigendem Fertilitätsalter und niedrigem Fertilitätsniveau führte schließlich zu einer deutlichen Verringerung des natürlichen Bevölkerungssaldos, der seit 2004 positiv ist. Grafik 1.3 Geburten in Wien 1961 bis 2013 und Vorausschätzung 2014 bis 2044 Quelle: MA 23(Wien Prognose 2014), Statistik Austria(Bundeslandprognose 2013) 25.000 20.000 15.000 10.000 5.000 0 1961 1971 1981 Amtliche Statistik 1991 MA 23 Prognose 2001 2011 2021 2031 Statistik Austria 2041 In der aktuellen Bevölkerungsprognose wird angenommen, dass sich dieser Trend fortsetzt. Die projizierten Werte markieren eine positive Geburtenbilanz, die im ersten Prognosejahrzehnt etwa ein Fünftel(21%) am Bevölkerungswachstum ausmacht und in Folge ein stärkeres demographisches Gewicht haben dürfte. Im gesamten Vorausberechnungszeitraum 2014 bis 2044 beträgt der Geburtenüberschuss insgesamt 104.000 Personen, was rund 31% des Bevölkerungszuwachses ausmacht. Im letzten Prognosejahrzehnt erklären die Geburtenüberschüsse sogar knapp die Hälfte (46%) des Bevölkerungswachstums. Zwischenfazit | Die natürlichen Bevölkerungsbewegungen sind auch auf die hohen Zuwanderungseffekte aus dem In- und Ausland zurückzuführen. Denn steigende Geburtenzahlen sind – bei gleichbleibender Fertilität – an die steigende Zahl der Elternjahrgänge gebunden. Bei den Sterbefällen ist in naher Zukunft keine gravierende Veränderung zu erwarten. Die zukünftige Sterbefallentwicklung ist das Ergebnis der steigenden Lebenserwartung, wobei die Wegzüge von älteren Personen einen geringen Einfluss auf die zukünftige Dynamik haben könnten. Nach den vorliegenden Erkenntnissen kann in den kommenden Jahren mit weiteren Geburtenüberschüssen gerechnet werden, die einen immer größeren Beitrag zum Bevölkerungswachstum leisten könnten. Grafik 1.4 Sterbefälle in Wien 1961 bis 2013 und Vorausschätzung 2014 bis 2044 Quelle: MA 23(Wien Prognose 2014), Statistik Austria(Bundeslandprognose 2013) 30.000 25.000 20.000 15.000 10.000 5.000 0 1961 1971 1981 Amtliche Statistik 1991 MA 23 Prognose 2001 2011 2021 2031 Statistik Austria Grafik 1.5 Geburtenbilanz in Wien 1961 bis 2013 und Vorausschätzung 2014 bis 2044 Quelle: MA 23(Wien Prognose 2014), Statistik Austria(Bundeslandprognose 2013 10.000 5.000 0 -5.000 -10.000 -15.000 1961 1971 1981 1991 2001 2011 Prognose 2021 2031 Amtliche Statistik MA 23 Statistik Austria 2041 2041 16 WIEN WÄCHST… Tabelle 1.2 Natürliche Bevölkerungsbilanz für Wien Geburten, Sterbefälle und natürlicher Bevölkerungssaldo 1996 bis 2043 Quelle: MA 23(Wien Prognose 2014), Statistik Austria(Statistik der natürlichen Bevölkerungsbewegung 1996 bis 2013) Jahr 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028 2029 2030 2031 2032 2033 2034 2035 2036 2037 2038 2039 2040 2041 2042 2043 2014-2043 Saldo Natürliche Bevölkerungsbilanz Geburten -3.104 -2.947 -2.847 -2.826 -2.041 -1.776 -488 -494 873 713 1.316 1.060 1.673 822 1.702 2.252 1.861 2.359 16.242 15.505 15.235 15.157 15.547 15.167 16.428 16.486 16.856 16.740 17.112 16.885 17.375 17.154 17.989 18.170 18.265 18.691 Prognoseergebnisse 2.996 3.283 3.524 3.710 3.869 3.987 4.062 4.106 4.121 4.091 4.019 3.924 3.825 3.700 3.566 3.444 3.326 3.219 3.121 3.051 2.985 2.945 2.940 2.967 3.014 3.075 3.147 3.224 3.292 3.350 18.737 19.013 19.277 19.488 19.655 19.782 19.869 19.929 19.956 19.953 19.927 19.885 19.833 19.773 19.714 19.655 19.602 19.554 19.513 19.481 19.453 19.441 19.443 19.455 19.476 19.504 19.536 19.571 19.609 19.647 103.881 587.733 Sterbefälle 19.346 18.452 18.082 17.983 17.588 16.943 16.916 16.980 15.983 16.027 15.796 15.825 15.702 16.332 16.287 15.918 16.404 16.332 15.742 15.730 15.753 15.778 15.785 15.795 15.807 15.823 15.836 15.862 15.908 15.960 16.009 16.074 16.148 16.212 16.276 16.335 16.392 16.430 16.468 16.496 16.502 16.488 16.462 16.429 16.389 16.348 16.317 16.297 483.852 Bevölkerungsentwicklung und-trends in Wien 2014 bis 2044 17 Tabelle 1.3 Wanderungsbilanz für Wien Geburten, Sterbefälle und natürlicher Bevölkerungssaldo 1996 bis 2043 Quelle: MA 23(Wien Prognose 2014), Statistik Austria(Wanderungsstatistik 1996 bis 2013) Jahr 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028 2029 2030 2031 2032 2033 2034 2035 2036 2037 2038 2039 2040 2041 2042 2043 2014-2043 insgesamt Wanderungsbilanz Ausland 6.293 1.631 4.224 9.111 7.460 12.210 21.488 17.094 19.658 17.181 6.772 10.809 7.445 8.878 10.977 11.821 22.314 22.711 6.453 2.222 5.667 8.452 8.417 16.380 19.598 18.640 23.537 20.407 8.900 12.611 9.804 6.939 8.692 10.403 19.121 22.342 Prognoseergebnisse 20.670 19.921 16.935 15.494 14.153 12.609 11.496 10.447 9.456 8.620 7.893 7.219 6.639 6.109 5.636 5.204 4.805 4.437 4.094 3.774 3.795 3.794 3.772 3.727 3.665 3.591 3.510 3.424 3.334 3.242 18.991 18.695 16.137 15.001 13.897 12.523 11.514 10.522 9.549 8.691 7.913 7.160 6.476 5.824 5.211 4.630 4.074 3.544 3.035 2.546 2.557 2.557 2.545 2.522 2.489 2.450 2.408 2.363 2.316 2.268 231.465 210.407 Rest-Österreich -160 -591 -1.443 659 -957 -4.170 1.890 -1.546 -3.879 -3.226 -2.128 -1.802 -2.359 1.939 2.285 1.418 3.193 369 1.679 1.226 798 492 256 86 -18 -75 -93 -72 -20 58 162 286 425 574 731 894 1.059 1.228 1.238 1.237 1.227 1.206 1.176 1.141 1.102 1.061 1.018 975 21.058 18 WIEN WÄCHST… 1.3.2 Räumliche Bevölkerungsbewegung Zuwanderung | In den letzten Jahren war eine hohe Zuwanderung aus dem Ausland zu verzeichnen, die im Wesentlichen auf die verstärkte Zuwanderung aus dem EUund EWR-Raum sowie von begünstigten Drittstaatsangehörigen(Familienangehörige von eingebürgerten Personen als„Echoeffekt“ vergangener Zuwanderung) zurückzuführen ist. Bei Betrachtung der letzten Jahrzehnte ist zu erkennen, dass die internationale Migration in den letzten Jahren (2002-2012) auf einem sehr hohen Niveau war. Rund 40% der internationalen Nettozuwanderung in Österreich entfiel auf die Bundeshauptstadt. Im Beobachtungszeitraum 2007 bis 2012 verzeichnete Wien im Durchschnitt rund 46.000 Zuzüge dem Ausland Es wird angenommen, dass in den nächsten 20 Jahren das Zuzugsvolumen aus dem Ausland von rund 52.000 im Ausgangsjahr auf knapp 39.000 zum Jahr 2034 verringert und anschließend konstant gehalten wird. Beim Zuzug aus den übrigen Bundesländern wird hingegen unterstellt, dass die rund 30.000 Zuzüge im gesamten Zeitraum unverändert fortgeschrieben werden. Insgesamt verringert sich bis 2034- gemäß den getroffenen Annahmen- das Zuzugsvolumen nach Wien von 82.000 auf rund 69.000(-16%) pro Jahr. 5 Abwanderung | Die Werte zu den Fortzügen wurden modellintern auf Basis der Wegzugswahrscheinlichkeiten errechnet, die als langjährige Durchschnitte zu interpretieren sind. Bezugnehmend auf die getroffenen Annahmen widerspiegeln die Prognosewerte eine konstante Entwicklung, die dem langjährigen Durchschnitt(2002 bis 2012) entspricht. Falls die hohe Lebensqualität, das bildungs- und forschungsorientierte Klima sowie die arbeits- und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Wien aufrecht erhalten werden können, würde dies ein stabiles Abwanderungsniveau zwischen 60.000 und 63.000 Fällen pro Jahr begründen. Die Abwanderung ins Ausland beträgt im langjährigen Durchschnitt(2014 bis 2044) rund 34.000, das Wegzugsvolumen in die anderen Bundesländer liegt bei knapp 29.000. 6 Wanderungsbilanz | Die Bevölkerungsentwicklung in Wien war in der Vergangenheit von internationaler Migration dominiert. In den letzten vier Jahrzehnten gab es auch kurze Perioden mit niedrigen oder sogar negativen Wanderungssalden, denen jedoch längere Perioden mit hohen Zuwanderungsüberschüssen folgten. Seit den 1980er-Jahren hat insbesondere die internationale Migration die demographische Entwicklung Wiens geprägt, da insgesamt rund 320.000 Menschen nach Wien migrierten. Wie in vielen anderen europäischen Staaten entwickelte sich auch in Österreich die Rotation von ausländischen Arbeitskräften(„Gastarbeitersystem“) zu einer dauerhaften Einwanderung. Das gilt insbesondere für jene Migrantinnen und Migratnen, die nach der Wirtschaftskrise im Jahr 1974 in Österreich bzw. in Wien blieben. Zwischen 1961 und 1973 sind nach Berechnungen der Bundesanstalt Statistik Österreich rund 106.000 Personen aus dem Ausland nach Wien zugewandert. Obwohl bis Mitte der 1980er-Jahre der Wanderungssaldo knapp negativ war, änderte sich die Zahl der ausländischen Staatsangehörigen kaum, da die fortgesetzte Abwanderung von„GastarbeiterInnen“ durch Familiennachzüge kompensiert wurde. Nach den politischen Umbrüchen in den mittel- und osteuropäischen Staaten stieg der Wanderungssaldo nach 1987 in wenigen Jahren um ein Vielfaches, was auch auf die Kriegsereignisse im ehemaligen Jugoslawien sowie auf die erhöhte Nachfrage nach ausländischen Arbeitskräften zurückzuführen war. Allein zwischen 1987 und 1993 stieg die Bevölkerung Wiens durch internationale Migration um etwa 97.000 Personen. Nach Einführung einer Quotenregelung Anfang der 1990er-Jahre verringerte sich der Wanderungssaldo bis zum Jahr 2001 auf etwa 5.000 Personen pro Jahr. 5 Nähere Erläuterungen im Kapitel 4. 6 Nähere Erläuterungen im Kapitel 4. Bevölkerungsentwicklung und-trends in Wien 2014 bis 2044 19 Entsprechend den Annahmen wird in den Jahren 2014 bis 2024 die Nettozuwanderung in Wien im Jahresdurchschnitt knapp unter 14.000 Personen liegen, was etwa dem Niveau der Jahre 2002 bis 2012 entspricht. Mittel- und langfristig wird unterstellt, dass sich das Zuzugsvolumen aus dem Ausland deutlich verringern könnte und somit eine Wanderungsbilanz auf deutlich niedrigerem Niveau zu erwarten ist(2024/2033:+5.600; 2034/2043: +3.500 jährlich). Begründet wird dies auch mit den demographischen Entwicklungen in den Hauptherkunftsländern. Die getroffenen Annahmen widerspiegeln die geo- und wirtschaftspolitischen Unsicherheiten und weisen für die kommenden Jahrzehnte auf einen rückläufigen Trend hin. 7 Durch die Zuwanderung aus den übrigen Bundesländern ergibt sich für die Bundeshauptstadt ein Verjüngungseffekt, da die nach Wien zuziehenden Personen(Stichwort: Bildungsmigration) im Durchschnitt deutlich jünger sind als die(z. B. ins Wiener Umland) Fortziehenden. Die errechneten Wanderungssalden aus Rest-Österreich werden im langjährigen Durchschnitt mit kurzen Unterbrechungen positiv sein. 8 Im gesamten Vorausberechnungszeitraum bis 2044 läge der Wanderungsüberschuss aus dem Ausland bei insgesamt 210.000 und aus dem übrigen Bundesgebiet bei 21.000 Personen. Grafik 1.6 Wanderungsbilanz in Wien 1961 bis 2013 und Vorausschätzung 2014 bis 2044 Quelle: MA 23(Wien Prognose 2014), Statistik Austria(Bundeslandprognose 2013) 25.000 20.000 15.000 10.000 5.000 0 -5.000 -10.000 1961 1971 1981 Amtliche Statistik MA 23 1991 2001 2011 Statistik Austria Prognose 2021 2031 Die jüngste Vergangenheit zeigt, dass die Migration der maßgebende Faktor für die Bevölkerungsentwicklung Wiens war. Die hohe Zuwanderung aus dem Ausland dürfte in den kommenden Jahren das demographische Regime dominieren, sich mittelfristig aber abschwächen. Zwischenfazit | Um die grundsätzlichen Unsicherheiten in der Einschätzung künftiger Wanderungsströme innerhalb eines Zeitkorridors einzugrenzen, wurde auf Basis der vergangenen Entwicklung eine Wanderungsvariante festgelegt. Bei der Annahmenfindung wurden der beobachtete langfristige Durchschnitt sowie die aus heutiger Sicht absehbaren Entwicklungen, die das künftige Wanderungsgeschehen beeinflussen können, berücksichtigt. Bei der Zuwanderung aus dem übrigen Bundesgebiet wurde hingegen der langjährige Durchschnitt des Migrationsvolumens unverändert fortgeschrieben. 7 Nähere Erläuterungen im Kapitel 4. 8 Nähere Erläuterungen im Kapitel 4. 2041 20 WIEN WÄCHST… Tabelle 1.4 Bevölkerungsbilanz für Wien Bevölkerungsveränderung nach Komponenten Quelle: MA 23(Wien Prognose 2014), Statistik Austria(Statistik der natürlichen Bevölkerungsbewegung 1996 bis 2013 und Wanderungsstatistik 1996 bis 2013) Jahr Jahresanfang Geburtenbilanz Bevölkerungskomponenten Wanderungsbilanz Bevölkerungsbilanz* Jahresende 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 1.539.002 1.542.191 1.540.875 1.542.252 1.548.537 1.553.956 1.571.123 1.592.846 1.610.410 1.632.569 1.652.449 1.661.246 1.671.221 1.680.135 1.689.995 1.702.855 1.717.084 1.741.246 -3.104 -2.947 -2.847 -2.826 -2.041 -1.776 -488 -494 873 713 1.316 1.060 1.673 822 1.702 2.252 1.861 2.359 6.293 1.631 4.224 9.111 7.460 12.210 21.488 17.094 19.658 17.181 6.772 10.809 7.445 8.878 10.977 11.821 22.314 22.711 3.189 -1.316 1.377 6.285 5.419 17.167 21.723 17.564 22.159 19.880 8.797 9.975 8.914 9.860 12.860 14.229 24.162 25.500 1.542.191 1.540.875 1.542.252 1.548.537 1.553.956 1.571.123 1.592.846 1.610.410 1.632.569 1.652.449 1.661.246 1.671.221 1.680.135 1.689.995 1.702.855 1.717.084 1.741.246 1.766.746 Prognoseergebnisse 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028 2029 2030 2031 2032 2033 2034 2035 2036 2037 2038 2039 2040 2041 2042 2043 1.774.829 1.798.496 1.821.702 1.842.162 1.861.367 1.879.391 1.895.989 1.911.550 1.926.103 1.939.683 1.952.394 1.964.307 1.975.452 1.985.917 1.995.728 2.004.931 2.013.580 2.021.712 2.029.369 2.036.585 2.043.411 2.050.191 2.056.931 2.063.644 2.070.339 2.077.019 2.083.686 2.090.343 2.096.992 2.103.619 2.996 3.283 3.524 3.710 3.869 3.987 4.062 4.106 4.121 4.091 4.019 3.924 3.825 3.700 3.566 3.444 3.326 3.219 3.121 3.051 2.985 2.945 2.940 2.967 3.014 3.075 3.147 3.224 3.292 3.350 20.671 19.922 16.935 15.494 14.154 12.611 11.497 10.447 9.458 8.620 7.893 7.220 6.640 6.110 5.637 5.205 4.806 4.438 4.094 3.775 3.796 3.795 3.772 3.728 3.666 3.592 3.511 3.425 3.335 3.243 23.666 23.205 20.459 19.205 18.023 16.597 15.559 14.553 13.578 12.711 11.912 11.144 10.465 9.810 9.203 8.648 8.132 7.657 7.215 6.825 6.780 6.740 6.712 6.695 6.680 6.667 6.658 6.648 6.627 6.593 1.798.496 1.821.702 1.842.162 1.861.367 1.879.391 1.895.989 1.911.550 1.926.103 1.939.683 1.952.394 1.964.307 1.975.452 1.985.917 1.995.728 2.004.931 2.013.580 2.021.712 2.029.369 2.036.585 2.043.411 2.050.191 2.056.931 2.063.644 2.070.339 2.077.019 2.083.686 2.090.343 2.096.992 2.103.619 2.110.212 * Statistische Korrektur 1996 bis 2013: Rechnerische Differenz zwischen Geburtenbilanz lt. Natürlicher Bevölkerungsbewegung und Geburtenbilanz lt. statistischem Bevölkerungsregister sowie Inkonsistenzbereinigungen der Bestands- und Bewegungsdaten aus dem Zentralen Melderegister. Rundungsdifferenzen bei Summen- und Differenzenbildung für die Jahre 2014 bis 2043 möglich Bevölkerungsentwicklung und-trends in Wien 2014 bis 2044 21 1.3.3 Bevölkerungsstruktur Altersstruktur | Neben der Entwicklung der Bevölkerungszahl ist für viele städtische Infrastrukturbereiche(Arbeitsmarkt, Bildung, …) die Entwicklung der Bevölkerungsstruktur von Bedeutung. Demographische Veränderungen bewirken durch die Komponenten der Fertilität, Mortalität und Migration eine Änderung der Altersstruktur. Veränderungen der Geburtenzahlen wirken sich unmittelbar und langfristig auf die Altersstruktur einer Bevölkerung aus. Neben dem niedrigen Fertilitätsniveau wird das Altern der Bevölkerung durch die steigende Lebenserwartung verstärkt. Die dritte Komponente betrifft das Verhältnis von Zu- und Abwanderung(Wanderungssaldo). Auf regionaler Ebene kann die Zu- oder Abwanderung die Altersverteilung der Wohnbevölkerung signifikant beeinflussen. Die Migration aus dem In- und Ausland hat einen großen Einfluss auf die Altersverteilung der Bevölkerung, da Migrationsentscheidungen stark altersspezifisch sind. Aufgrund der ausbildungs- und berufsbezogenen Zuwanderung nach Wien dominieren die 18- bis 35-Jährigen die Zuwanderung. Falls die getroffenen Trendannahmen in den nächsten Jahren eintreten sollten, dann könnte Wien in den nächsten drei Jahren bereits das demographisch jüngste Bundesland Österreichs sein. In den nächsten zehn Jahren wird es bei einer Zunahme der Gesamtbevölkerungszahl von 10% leichte Verschiebungen im Altersaufbau geben, die jedoch von unterschiedlicher Dynamik geprägt sein werden. Die Zahl der unter 15-Jährigen nimmt bis zum Jahr 2024 um etwa 16%(+40.000) zu. Mittelfristig dürfte die Gruppe der Kinder und Jugendlichen keine weiteren nennenswerten Zuwächse erfahren. In drei Jahrzehnten könnte die Zahl der unter 15-Jährigen insgesamt 296.000 betragen und somit knapp 18% über dem Ausgangsjahr 2014 liegen. Die Altersgruppe der 15- bis unter 30-Jährigen verzeichnet bis 2024 einen Zuwachs in Höhe von 5%(+19.000). Auch die für die Grafik 1.7 Altersgruppen in Wien 1961 bis 2013 und Vorausschätzung 2014 bis 2044 Quelle: MA 23(Wien Prognose 2014), Statistik Austria(1961 bis 2013) 500.000 400.000 300.000 200.000 100.000 0 1961 1971 0-14 Jahre 45-59 Jahre 1981 1991 15-29 Jahre 60-74 Jahre 2001 2011 30-44 Jahre 75+ Jahre Prognose 2021 2031 Grafik 1.8 Jugend- und Altenquotient in Wien 1961 bis 2013 und Vorausschätzung 2014 bis 2044 Quelle: MA 23(Wien Prognose 2014), Statistik Austria(1961 bis 2013, Bundeslandprognose 2013) 50 2041 40 30 20 10 0 1961 1971 1981 Amtliche Statistik(JQ) MA 23 2014(AQ) 1991 2001 2011 Amtliche Statistik(AQ) Statistik Austria 2013(JQ) Prognose 2021 2031 2041 MA 23 2014(JQ) Statistik Austria 2013(AQ) Erwerbstätigkeit relevanten Altersgruppen werden bis zum Jahr 2024 Zugewinne von 9%(30 bis 44 Jahre) und 6%(45 bis 59 Jahre) erfahren. Bis zum Jahr 2044 könnten insgesamt 832.000 Personen im Alter zwischen 30 und 59 Jahre sein, ein Plus gegenüber 2014(772.000) von 8%. Auffallend ist die Altersgruppe der„jungen Alten“(60 bis 74 Jahre), für die in den ersten Prognosejahren leichte Rückgänge zu erwarten sind. Das ist im Wesentlichen 22 WIEN WÄCHST… auf die schwächer besetzten Jahrgänge dieser Altersgruppe zurückzuführen. Am Ende des Prognosehorizonts dürfte die Altersgruppe der 60- bis 74-Jährigen um ein Viertel(+26% bzw.+69.000) größer sein. Die Zahl der Hochbetagten(75 Jahre und älter) verzeichnen im gesamten Zeitraum die stärkste Dynamik. Bereits im kommenden Jahrzehnt bis 2024 ist ein Anstieg von bis zu 37%(+46.000) zu erwarten. Insbesondere bei mittelfristiger Betrachtung könnten die Veränderungen noch gravierender sein, da in der dritten Prognosedekade die geburtenstarken Jahrgänge aus den 1960er-Jahren in das Seniorenalter rücken. Die Zahl der Hochbetagten könnte sich in den nächsten drei Jahrzehnten daher fast verdoppeln(+96%) und damit 240.000 Personen umfassen. Weitere Hinweise auf die Auswirkungen der demographischen Alterung ergeben sich anhand von Verhältniszahlen. Der Jugendquotient 9 ergibt sich aus dem quantitativen Verhältnis zwischen den 0- bis 19-Jährigen und den 20- bis 64-Jährigen. 9 Jugendquotient: Verhältnis der Anzahl der unter 20-Jährigen zur Anzahl der 20- bis 64-Jährigen. Grafik 1.9 Geschlechterverhältnis in Wien 1961 bis 2013 und Vorausschätzung 2014 bis 2044 Quelle: MA 23(Wien Prognose 2014), Statistik Austria(Bundeslandprognose 2013) 1.400 1.350 1.300 1.250 1.200 1.150 1.100 1.050 1.000 2014 2019 2024 2029 2034 Prognose 2039 Amtliche Statistik MA 23 Statistik Austria 2044 Der Altenquotient 10 ist der klassische Indikator für die demographische Alterung und gibt Aufschluss über den prozentualen Zuwachs der über 64-Jährigen. Der Altenquotient dürfte von 27%(2014) auf 37% (2044) ansteigen und damit das Niveau der 1970er-Jahre erreichen. Damit entfallen am Ende des Prognosezeitraums auf 100 Personen im Alter von 20 bis unter 64 Jahren 37 Seniorinnen und Senioren. Der Jugendquotient könnte sich im gleichen Beobachtungszeitraum von 30%(2014) auf 33%(2044) leicht erhöhen. Somit verändert sich auch das Verhältnis von Personen im Betreuungs-, Schul-, und Ausbildungsalter zur erwerbsfähigen Bevölkerung. Geschlechterverhältnisse | In Wien leben mehr Frauen als Männer. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Aus demographischer Sicht begründet sich der höhere Frauenanteil in erster Linie durch eine geringere Lebenserwartung der Männer. Der quantitative Unterschied nimmt im höheren Lebensalter zu. In den 1960er- und 1970erJahren zählte man noch über 1.250 Frauen auf 1.000 Männer, was Ausdruck der gravierenden Folgen der historischen Ereignisse im 20. Jahrhundert(Weltkriege) war. Das Geschlechterverhältnis(Frauen/Männer) hat sich in den letzten Jahren in Wien aber deutlich verringert. Diese Verschiebung der Relation kann im Wesentlichen auf die zunehmend stärkere Altersbesetzung von Männern zurückgeführt werden. Nach den Prognoseergebnissen dürfte sich bis zum Jahr 2020 das Verhältnis Frauen zu Männern noch weiter verringern und anschließend wieder geringfügig ansteigen. Der in Zukunft prognostizierte Frauenüberschuss hängt – wie in der Vergangenheit – vor allem mit deren höherer Lebenserwartung zusammen und geht auf das Konto des Geschlechtsverhältnisses der internationalen Zuwanderung. Die Verhältniszahl bei der im Inland Geborenen würde sich hingegen weiterhin verkleinern. 10 Altenquotient: Verhältnis der Anzahl der über 64-Jährigen zur Anzahl der 20- bis 64-Jährigen. Bevölkerungsentwicklung und-trends in Wien 2014 bis 2044 23 Geburtsland | Wien hatte und hat eine große Anziehungskraft für Menschen aus den Bundesländern und dem Ausland. Am Ende des 19. Jahrhunderts war der Zuzug aus den Ländern der Donaumonarchie so groß, dass weniger als die Hälfte der Bevölkerung gebürtige Wienerinnen und Wiener waren. In der Zwischenkriegszeit wuchs Wien hingegen fast ausschließlich durch Migration aus den Bundesländern. Nach dem Fall des„Eisernen Vorhangs“ Ende der 1980er-Jahre war Wien verstärkt von internationaler Migration betroffen. Durch die hohe Zuwanderung aus dem Ausland erhöhte sich in den letzten 25 Jahren die Zahl der im Ausland geborenen Bevölkerung in Wien von 15%(1988) auf 33%(2014). Tabelle 1.5 Herkunft der Wiener Bevölkerung Historischer Rückblick und Vorausschau Inland Jahr Insgesamt abs. Ausland abs. in% 1880 1923 1971 1988 2014 2024 2034 2044 704.756 1.865.780 1.570.291 1.361.759 1.774.829 1.952.394 2.043.411 2.110.212 403.123 1.309.038 1.367.351 1.161.222 1.192.580 1.249.358 1.307.237 1.358.056 301.633 556.742 202.940 200.537 582.249 703.036 736.174 752.156 42,8 29,9 13,0 14,8 32,8 36,0 36,0 35,6 Quellen: Stephan Sedlaczek: Die k.k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien. Ergebnisse der Volkszählung 1880, Band 2, Wien 1885, S. 104 – 107(1880); Bundesamt für Statistik, Statistische Nachrichten, III. Jahrgang, 1925, S. 104(1923); Statistisches Zentralamt(1971); Statistisches Zentralamt, Mikrozensus(1988); MA 23, Statistik Wien (2014 bis 2044). Zu Beginn des Jahres 2014 lebten 582.000 im Ausland geborene Personen in Wien, was einem Anteil von 33% an der Gesamtbevölkerung entspricht. Entsprechend der getroffenen Zuwanderungsannahmen dürfte das Wachstum der„foreign-born“Bevölkerung bis 2024 stärker akzentuiert sein und den„foreign-born“-Anteil auf etwa 36%(703.000) erhöhen. Bis 2024 könnte die Zahl der im Ausland Geborenen um ein Fünftel(+21%) zugenommen haben, während für die im Inland geborene Bevölkerung(+5%) ein deutlich geringeres Wachstum prognostiziert wird. Zwischen 2024 und 2034 ist mit einem weiteren Wachstum zu rechnen, jedoch auf deutlich niedrigerem Niveau. Die Ergebnisse der Projektion zeigen, dass die relative Zunahme bei beiden Bevölkerungsgruppen im Schnitt ähnlich hoch sein dürfte. Am Ende des Prognosehorizonts könnten rund 753.000 Einwohnerinnen und Einwohner im Ausland geboren sein, wobei deren Bevölkerungsanteil mit 36% unverändert bleibt bzw. sogar leicht sinkt. Zwischenfazit | Die Wiener Bevölkerungsstruktur wird seit Jahren durch Zuwanderung bestimmt und ist typisch für europäische Großstädte mit hoher Attraktivität für junge Erwachsene aus dem In- und Ausland. Für die nähere Zukunft ist eine weitere deutliche Zunahme bei der Zahl der im Ausland Grafik 1.10 Im Ausland geborene Bevölkerung Vorausschätzung 2014 bis 2044 Quelle: MA 23(Wien Prognose 2014), Statistik Austria(Bundeslandprognose 2013) 800.000 700.000 600.000 500.000 400.000 300.000 200.000 100.000 0 2014 2019 2024 2029 2034 MA 23 Statistik Austria MA 23(%) geborenen Bevölkerung zu erwarten. Das zu erwartende Einwohnerwachstum wirkt sich auch auf die einzelnen Altersgruppen aus. Da sich die Wanderungsprozesse auf bestimmte Altersgruppen konzentrieren, werden demographische Alterungsprozesse teilweise überlagert. Zudem sorgt die unterschiedliche Kohortenbesetzung für altersstrukturelle Differenzen beim„Durchaltern“ der entsprechenden Altersjahrgänge. Dies betrifft die markanten Jahrgänge einer Bevölkerungsstruktur, wie die historisch geprägten älteren Jahrgänge durch die Weltkriege oder die der„Baby-Boomer“. 37 36 35 34 33 32 31 2039 30 2044 Statistik Austria(%) Teil 1 BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG UND-TRENDS IN WIEN 2014 BIS 2044 26 WIEN WÄCHST… XXI. XIX. XVII. XVIII. XX. XXII. XIV. IX. XVI. VIII. VII. I. II. XV. VI. V. IV. III. XIII. XII. XI. XXIII. X. 1. INNERE STADT(1010 WIEN) Die Innere Stadt ist Teil des historischen Kerns der österreichischen Bundeshauptstadt Wien und nimmt eine Fläche von 2,9 km² bzw. 0,7% der Wiener Stadtfläche ein. Aufgrund seiner außerordentlichen Funktion als„Geschäfts- und Verwaltungsviertel“ sind in dieser zentralen Lage über 100.000 Erwerbstätige beschäftigt, so viele wie in keinem anderen Gemeindebezirk. 1 Bevölkerungsdynamik | Die prognostizierte Entwicklung ist auf die negative Geburtenbilanz zurückzuführen, die sich in den kommenden Jahren etwas verringern könnte. Die relativ niedrigen Binnenwanderungsverluste(gegenüber den anderen Gemeindebezirken) übersteigen in geringem Ausmaß die positiven Außenwanderungsgewinne. Wie in der Vergangenheit ist auch in den kommenden Jahren mit einem geringen Wanderungsdefizit zu rechnen. Bevölkerungsentwicklung | Die Innere Stadt nimmt aber auch eine demographische Sonderstellung ein. Seit dem Höchststand von fast 73.000 Einwohnerinnen und Einwohnern im Jahre 1880 ist die Bevölkerungsentwicklung rückläufig. Anfang 2014 wurde mit 16.434 Menschen mit Hauptwohnsitz der bisher niedrigste Wert registriert. Die Innere Stadt ist damit der bevölkerungsärmste Bezirk in Wien. Der jahrzehntelange Bevölkerungsrückgang dürfte sich auch in den nächsten Jahren fortsetzen. Bis 2024 wird für die Innere Stadt ein Rückgang von etwa 6% prognostiziert und die Einwohnerzahl könnte bis auf etwa 15.400 sinken – mit weiter fallender Tendenz bis 2034. 1 Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Innere_Stadt; Statistisches Jahrbuch Wien 2013 1. Innere Stadt Bevölkerungsentwicklung Quelle: Statistik Austria(Volkszählung 1910 bis 2011) MA 23(Wiener Bevölkerungsregister 2014 und Prognose bis 2034) 2034 2029 2024 2019 2014 14.628 14.927 15.396 15.958 16.434 Altersstruktur | Die Veränderung in der Altersstruktur dürfte insgesamt gering ausfallen. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen sowie der 75- und Mehrjährigen könnte in Zukunft deutlich stärker besetzt sein. Eine zahlenmäßig rückläufige Entwicklung verzeichnen hingegen die erwerbsfähige Bevölkerung sowie die Alterskohorte der 60- bis 75-Jährigen. Die Innere Stadt verzeichnet von allen Gemeindebezirken mit 32% den höchsten Anteil der über 60-Jährigen und dieser Wert dürfte sich bis 2034 nur mehr geringfügig auf 34% erhöhen. Bevölkerung nach Geburtsland | In Bezug auf die Herkunft der Bevölkerung könnte bis zum Ende des Projektionszeitraums die Zahl der im Ausland Geborenen von 5.452 auf knapp über 5.000 zurückgehen (-7%). Durch die negative Geburten- und Wanderungsbilanz dürfte die Zahl der in Österreich geborenen Bevölkerung ab 2025 unter die 10.000er-Marke fallen. Der „foreign-born“-Anteil erhöht sich entsprechend der zugrunde liegenden Annahmen und könnte in den nächsten Jahren bis auf knapp 35% ansteigen. 2011 2001 1991 1981 1971 1961 1951 1934 1910 0 10.000 16.374 17.056 18.002 19.537 25.169 32.243 34.654 39.963 20.000 30.000 40.000 53.326 50.000 60.000 Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirken 2014 bis 2034 27 1. Innere Stadt Bevölkerungsdynamik 2014 bis 2034 2032 2030 2028 2026 2024 2022 2020 2018 2016 2014 -240-160-80 0 Natürlicher Bevölkerungssaldo(Geburten minus Sterbefälle) Wanderungssaldo(Ausland/Österreich) Binnenwanderungssaldo(übriges Wien) 1. Innere Stadt Altersstruktur 2014/2034 in% 80 160 75+ 60-74 45-59 30-44 15-29 0-14 -45 -19,5 -28,4 -16,4 -0,3 -30-15 0 1. Innere Stadt Bevölkerungsstruktur 20.000 999.999 16.000 12.000 5.452 5.330 20,8 8,6 15 30 5.055 8.000 4.000 10.982 10.066 9.573 0 2014 2024 im Inland geboren im Ausland geboren 2034 Bevölkerung Männer Frauen im Inland geboren im Ausland geboren im Ausland geboren(%) 0-14 Jahre 15-29 Jahre 30-44 Jahre 45-59 Jahre 60-74 Jahre 75+ Jahre über 60-Jährige(%) Jugendquotient Altenquotient 2014 16.434 7.863 8.571 10.982 5.452 33,2 1.645 2.504 3.233 3.823 3.507 1.722 31,8 22,1 41,2 2024 15.396 7.409 7.987 10.066 5.330 34,6 1.828 2.405 2.893 3.213 2.967 2.089 32,8 27,6 44,1 2034 2014/34 14.628 7.019 7.608 -11,0 -10,7 -11,2 9.573 5.055 34,6 -12,8 -7,3 1,4 1.787 2.496 2.704 2.738 2.823 2.081 8,6 -0,3 -16,4 -28,4 -19,5 20,8 33,5 1,7 31,0 8,9 48,6 7,4 1. Innere Stadt Altersstruktur 2014 und 2034 95 2014 85 75 65 55 45 35 25 Mann 15 5 Frau 1,5 1,0 0,5 0,0 0,0 0,5 1,0 1,5 95 2034 85 75 65 55 45 35 25 Mann 15 5 Frau 1,5 1,0 0,5 0,0 0,0 0,5 1,0 1,5 im Inland geboren im Ausland geboren Quelle: MA 23 28 WIEN WÄCHST… 2. LEOPOLDSTADT(1020 WIEN) XXI. XIX. XVII. XVIII. XX. XXII. XIV. IX. XVI. VIII. VII. I. II. XV. VI. V. IV. III. XIII. XII. XI. XXIII. X. Leopoldstadt liegt zwischen der Donau und dem Donaukanal und nimmt eine Fläche von 19,2 km² bzw. 4,6% der Wiener Stadtfläche ein. Der Prater, ein beliebtes Ausflugs- und Erholungsgebiet, in dem sich mit dem Wiener Riesenrad auch ein Wahrzeichen Wiens befindet, nimmt flächenmäßig(27%) einen großen Teil des 2. Wiener Gemeindebezirks ein. Rund ein Fünftel des Stadtteils(21%) wird von Gewässern eingenommen. 2 Bevölkerungsentwicklung | In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sank die Bevölkerungszahl im Bezirk Leopoldstadt kontinuierlich, jedoch weniger stark als in anderen Innenstadtbezirken. In den letzten Jahren änderte sich dies und die Bevölkerung der Leopoldstadt wuchs. Anfang 2014 waren erstmals seit 1971 wieder mehr als 100.000 Personen registriert. Der 2. Wiener Gemeindebezirk wird voraussichtlich in den nächsten Jahren von einem starken Bevölkerungswachstum gekennzeichnet sein und könnte bis zu 20.000 Menschen dazugewinnen – ein Plus von 21%. 2 Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Leopoldstadt; Statistisches Jahrbuch Wien 2013 2. Leopoldstadt Bevölkerungsentwicklung Quelle: Statistik Austria(Volkszählung 1910 bis 2011) MA 23(Wiener Bevölkerungsregister 2014 und Prognose bis 2034) 2034 2029 2024 2019 2014 120.833 117.448 114.116 108.651 100.016 Bevölkerungsdynamik | Die natürliche Bevölkerungsbilanz bleibt im gesamten Prognosezeitraum aufgrund der konstant hohen Geburtenüberschüsse positiv. Neben den ausgewiesenen Neubaugebieten tragen Wanderungsgewinne aus dem Inund Ausland erheblich zum Bevölkerungswachstum bei. Altersstruktur | Alle Altersgruppen werden von der positiven Bevölkerungsentwicklung profitieren. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen könnte sich um ein Viertel (+26%) erhöhen. Bei den 30- bis 44-Jährigen dürfte der Anstieg(+7%) schwächer ausfallen, da in der zweiten Prognosehälfte ein rückläufiger Trend zu erwarten sein wird. Die demographische Alterung zeigt stärkere Akzente, die insbesondere von den geburtenstarken Jahrgängen der 1960er-Jahre getragen wird. Im Jahr 2034 dürfte etwa ein Viertel(23%) der Bevölkerung über 60-Jahre alt sein. Bevölkerung nach Geburtsland | Der Anteil der„foreign-born“-Bevölkerung liegt mit rund 39% deutlich über dem WienDurchschnitt(33%). Entsprechend den Annahmen ist mit einem quantitativen und relativen Anstieg zu rechnen. Am Ende des Projektionshorizonts würden über 50.000 Bewohnerinnen und Bewohner der Leopoldstadt im Ausland geboren sein, was einem Anteil an der gesamten Einwohnerzahl des Bezirks von 42% entspricht. 2011 2001 1991 1981 1971 1961 1951 1934 1910 0 35.000 70.000 96.113 90.922 93.542 95.892 102.730 108.144 106.809 135.655 105.000 140.000 162.442 175.000 210.000 Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirken 2014 bis 2034 29 2. Leopoldstadt Bevölkerungsdynamik 2014 bis 2034 2032 2030 2028 2026 2024 2022 2020 2018 2016 2014 -700 0 700 1.400 Natürlicher Bevölkerungssaldo(Geburten minus Sterbefälle) Wanderungssaldo(Ausland/Österreich) Binnenwanderungssaldo(übriges Wien) 2. Leopoldstadt Altersstruktur 2014/2034 in% 2.100 75+ 60-74 45-59 30-44 15-29 0-14 0 7,1 11,0 15 22,7 26,1 30 2. Leopoldstadt Bevölkerungsstruktur 150.000 999.999 120.000 37,9 50,4 45 60 2.800 75 90.000 60.000 38.508 47.688 50.315 30.000 61.508 66.428 70.517 0 2014 2024 im Inland geboren im Ausland geboren 2034 Bevölkerung Männer Frauen im Inland geboren im Ausland geboren im Ausland geboren(%) 0-14 Jahre 15-29 Jahre 30-44 Jahre 45-59 Jahre 60-74 Jahre 75+ Jahre über 60-Jährige(%) Jugendquotient Altenquotient 2014 2024 2034 2014/34 100.016 48.796 51.220 114.116 55.437 58.679 120.833 58.146 62.686 20,8 19,2 22,4 61.508 38.508 38,5 66.428 47.688 41,8 70.517 50.315 41,6 14,6 30,7 3,1 14.734 21.741 23.745 19.825 13.326 6.645 18.386 22.493 27.028 22.543 15.188 8.477 18.575 24.135 25.428 24.316 18.383 9.996 26,1 11,0 7,1 22,7 37,9 50,4 20,0 20,7 23,5 29,8 34,6 35,4 23,4 24,2 29,5 3,5 5,6 6,1 2. Leopoldstadt Altersstruktur 2014 und 2034 95 2014 85 75 65 55 45 35 25 Mann 15 5 Frau 1,5 1,0 0,5 0,0 0,0 0,5 1,0 1,5 95 2034 85 75 65 55 45 35 25 Mann 15 5 Frau 1,5 1,0 0,5 0,0 0,0 0,5 1,0 1,5 im Inland geboren im Ausland geboren Quelle: MA 23 30 WIEN WÄCHST… 3. LANDSTRASSE(1030 WIEN) XXI. XIX. XVII. XVIII. XX. XXII. XIV. IX. XVI. VIII. VII. I. II. XV. VI. V. IV. III. XIII. XII. XI. XXIII. X. Landstraße liegt im südöstlichen Zentrum der Stadt Wien und nimmt eine Fläche von 7,4 km² bzw. 1,8% der Wiener Stadtfläche ein. Mehr als die Hälfte(56%) sind als Bauflächen und etwa 15% als Grünflächen ausgewiesen. Auf dem Bezirksgebiet befinden sich verschiedene Sehenswürdigkeiten, wie das Schloss Belvedere, das Hundertwasser-Krawinahaus, aber auch zahlreiche Kulturinstitutionen und Botschaften sind in diesem Stadtteil beheimatet. 3 Bevölkerungsentwicklung | Die Landstraße hatte seit den 1960er-Jahren große Bevölkerungsverluste zu verzeichnen. Der Tiefststand wurde im Jahr 2001 mit etwa 81.000 Einwohnerinnen und Einwohnern erreicht. In den letzten Jahren wurden wieder Bevölkerungszuwächse verzeichnet. Anfang 2014 waren knapp über 87.000 Menschen mit Hauptwohnsitz registriert. Für den 3. Wiener Gemeindebezirk wird für die kommenden Jahre ein deutlicher Bevölkerungszuwachs prognostiziert. Bis Mitte der 2020er-Jahre könnte die Einwohnerzahl bereits knapp unter der 100.000er3 Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Landstraße; Statistisches Jahrbuch Wien 2013 3. Landstraße Bevölkerungsentwicklung Quelle: Statistik Austria(Volkszählung 1910 bis 2011) MA 23(Wiener Bevölkerungsregister 2014 und Prognose bis 2034) 2034 2029 2024 2019 2014 103.546 101.111 97.364 91.915 87.213 2011 2001 1991 1981 1971 1961 1951 1934 1910 0 35.000 84.527 81.287 84.336 85.887 102.025 114.572 117.948 145.963 166.981 70.000 105.000 140.000 175.000 210.000 Marke liegen. Die Bevölkerung könnte bis Ende des Prognosehorizonts deutlich um fast ein Fünftel(19%) auf damit auf über 103.000 Personen anwachsen. Bevölkerungsdynamik | Der Zuwachs um 19% ist insbesondere auf die Nettozuwanderung zurückzuführen, die in der zweiten Hälfte der Fortschreibung gemäß den Annahmen deutlich abnehmen wird. Das Niveau des Geburtenüberschusses könnte hingegen in den kommenden Jahren relativ konstant bleiben. Auffallend sind die starken Bevölkerungsgewinne in jenen Jahren, in denen Neubautätigkeiten stattfinden werden. Altersstruktur | Die Zahl der unter 15-Jährigen könnte auf knapp 15.000 steigen. Starke Zuwächse werden auch für die älteren Menschen sowie für die Hochbetagten prognostiziert, die den höchsten relativen Zuwachs aufweisen. Im Jahr 2034 dürfte bereits jeder Vierte(25%) über 60 Jahre alt sein. Während ein Anstieg beim Jugendquotienten zu erwarten sein wird, bleibt der Altenquotient in der ersten Prognosehälfte konstant und nimmt anschließend bis 2034 zu. Bevölkerung nach Geburtsland | Die Zahl der im Ausland geborenen Bewohnerinnen und Bewohner könnte sich bis zum Jahr 2034 um ein Viertel(+27%) erhöhen und auf über 38.000 Personen ansteigen. Die Zahl der in Österreich geborenen Bürgerinnen und Bürger nimmt ebenfalls zu, jedoch in einem geringeren Ausmaß (+15%). Am Ende des Prognosezeitraums liegt der„foreign-born“-Anteil bei 37% und somit nur zwei Prozentpunkte über dem Ausgangsjahr. Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirken 2014 bis 2034 31 3. Landstraße Bevölkerungsdynamik 2014 bis 2034 2032 2030 2028 2026 2024 2022 2020 2018 2016 2014 -1.200-600 0 600 Natürlicher Bevölkerungssaldo(Geburten minus Sterbefälle) Wanderungssaldo(Ausland/Österreich) Binnenwanderungssaldo(übriges Wien) 3. Landstraße Altersstruktur 2014/2034 in% 75+ 60-74 45-59 30-44 15-29 0-14 0 15,5 5,1 10,8 10 20 3. Landstraße Bevölkerungsstruktur 125.000 999.999 100.000 28,4 30 75.000 30.345 36.650 1.200 1.800 44,5 36,9 40 50 38.430 50.000 25.000 56.868 60.714 65.116 0 2014 2024 im Inland geboren im Ausland geboren 2034 Bevölkerung Männer Frauen im Inland geboren im Ausland geboren im Ausland geboren(%) 0-14 Jahre 15-29 Jahre 30-44 Jahre 45-59 Jahre 60-74 Jahre 75+ Jahre über 60-Jährige(%) Jugendquotient Altenquotient 2014 87.213 41.463 45.750 56.868 30.345 34,8 10.956 18.049 20.717 18.310 12.886 6.295 22,0 25,2 25,4 2024 2034 2014/34 97.364 46.746 50.619 103.546 49.601 53.945 18,7 19,6 17,9 60.714 36.650 37,6 65.116 38.430 37,1 14,5 26,6 2,3 14.381 18.371 22.920 19.694 14.168 7.831 14.996 19.999 21.765 21.146 16.542 9.098 36,9 10,8 5,1 15,5 28,4 44,5 22,6 24,8 31,5 33,4 26,4 31,2 2,8 8,2 5,8 3. Landstraße Altersstruktur 2014 und 2034 95 2014 85 75 65 55 45 35 25 Mann 15 5 Frau 1,5 1,0 0,5 0,0 0,0 0,5 1,0 1,5 95 2034 85 75 65 55 45 35 25 Mann 15 5 Frau 1,5 1,0 0,5 0,0 0,0 0,5 1,0 1,5 im Inland geboren im Ausland geboren Quelle: MA 23 32 WIEN WÄCHST… XXI. XIX. XVII. XVIII. XX. XXII. XIV. IX. XVI. VIII. VII. I. II. XV. VI. V. IV. III. XIII. XII. XI. XXIII. X. 4. WIEDEN(1040 WIEN) Die Wieden, der 4. Wiener Gemeindebezirk, ist ein dichtbesiedelter Stadtteil mit wenig Grünfläche. Seine Fläche beträgt nur 1,8 km², davon entfallen zwei Drittel(65%) auf Bauflächen und ein Viertel(25%) auf Grünflächen. Der Stadtteil gehört großteils zur Welterbestätte Historisches Zentrum von Wien. 4 Bevölkerungsentwicklung | Im Jahr 1961 lebten auf der Wieden rund 46.000 Personen. Wie in allen anderen Innenstadtbezirken auch folgte in den darauffolgenden Jahrzehnten ein Bevölkerungsrückgang. Seit 2001 verzeichnet der Gemeindebezirk wieder leichte Bevölkerungsgewinne, die sich in der nahen Zukunft fortsetzen könnten. Im Jahr 2014 wohnten knapp 32.000 Menschen auf der Wieden. Der prognostizierte Bevölkerungszuwachs bis zum Jahr 2034 dürfte mit rund 8% deutlich unter dem Wiener Durchschnitt(+15%) liegen. 4 Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Wieden; Statistisches Jahrbuch Wien 2013 4. Wieden Bevölkerungsentwicklung Quelle: Statistik Austria(Volkszählung 1910 bis 2011) MA 23(Wiener Bevölkerungsregister 2014 und Prognose bis 2034) 2034 2029 2024 2019 2014 34.567 33.980 33.654 33.190 31.947 Bevölkerungsdynamik | Die zukünftige demographische Entwicklung dürfte auch weiterhin von Zuwanderungsgewinnen geprägt sein. Die intraregionale Wanderungsverflechtung zu den übrigen Gemeindebezirken hingegen bilanziert im gesamten Zeitraum negativ. Für die Wieden tragen zudem geringe Geburtenüberschüsse zum Bevölkerungswachstum bei. Altersstruktur | Auf der Wieden werden deutliche Einwohnergewinne bei den Kindern und Jugendlichen vorausgeschätzt. Für die 15- bis 44-Jährigen sind minimale Einwohnerverluste nicht auszuschließen. Die ältere Bevölkerung wächst stark, wodurch der Altenanteil von 22% auf 26% ansteigen dürfte. Der Altenquotient dürfte in den ersten Jahren konstant bleiben und anschließend eine stärkere Dynamik erfahren. Bevölkerung nach Geburtsland | Für den 4. Gemeindebezirk zeigt sich, dass die Zahl der autochthonen Bevölkerung(Geburtsland Österreich) bis 2034 unverändert bei knapp 20.000 Personen fortgeschrieben wird. Bei der allochthonen Bevölkerung(im Ausland geboren) ist hingegen ein Anstieg um ein Fünftel(+20%) zu erwarten. Mit rund 14.000 Personen sind somit vier von zehn(41%) Personen im Ausland geboren. 2011 2001 1991 1981 1971 1961 1951 1934 1910 0 15.000 30.700 28.357 31.410 31.800 39.619 46.441 45.132 53.063 62.938 30.000 45.000 60.000 75.000 90.000 Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirken 2014 bis 2034 33 4. Wieden Bevölkerungsdynamik 2014 bis 2034 2032 2030 2028 2026 2024 2022 2020 2018 2016 2014 -400-200 0 200 Natürlicher Bevölkerungssaldo(Geburten minus Sterbefälle) Wanderungssaldo(Ausland/Österreich) Binnenwanderungssaldo(übriges Wien) 4. Wieden Altersstruktur 2014/2034 in% 75+ 60-74 45-59 3,9 30-44 -4,9 15-29 -1,0 0-14 -15 0 16,7 15 27,4 30 4. Wieden Bevölkerungsstruktur 40.000 999.999 32.000 24.000 11.677 13.591 400 600 41,6 45 60 14.068 16.000 8.000 20.270 20.063 20.499 0 2014 2024 im Inland geboren im Ausland geboren 2034 Bevölkerung Männer Frauen im Inland geboren im Ausland geboren im Ausland geboren(%) 0-14 Jahre 15-29 Jahre 30-44 Jahre 45-59 Jahre 60-74 Jahre 75+ Jahre über 60-Jährige(%) Jugendquotient Altenquotient 2014 31.947 15.172 16.775 20.270 11.677 36,6 3.689 6.928 7.506 6.640 4.838 2.346 22,5 23,7 25,9 2024 33.654 16.173 17.481 20.063 13.591 40,4 4.644 6.472 7.849 6.753 5.047 2.889 23,6 29,9 27,6 2034 2014/34 34.567 16.578 17.989 8,2 9,3 7,2 20.499 14.068 40,7 1,1 20,5 4,1 4.700 6.861 7.139 6.900 5.645 3.322 27,4 -1,0 -4,9 3,9 16,7 41,6 25,9 3,5 31,9 8,2 33,2 7,3 4. Wieden Altersstruktur 2014 und 2034 95 2014 85 75 65 55 45 35 25 Mann 15 5 Frau 1,5 1,0 0,5 0,0 0,0 0,5 1,0 1,5 95 2034 85 75 65 55 45 35 25 Mann 15 5 Frau 1,5 1,0 0,5 0,0 0,0 0,5 1,0 1,5 im Inland geboren im Ausland geboren Quelle: MA 23 34 WIEN WÄCHST… XXI. XIX. XVII. XVIII. XX. XXII. XIV. IX. XVI. VIII. VII. I. II. XV. VI. V. IV. III. XIII. XII. XI. XXIII. X. 5. MARGARETEN(1050 WIEN) Margareten, der 5. Wiener Gemeindebezirk, liegt innerhalb des sog. Wiener Gürtels. Die Bezirksfläche beträgt 2,0 km² mit einem geringen Anteil an Grünfläche(4%). Der Stadtteil gilt als Arbeiterbezirk und weist die höchste Einwohnerdichte in Wien (ca. 25.000 EinwohnerInnen/km²) auf. In Gürtelnähe befinden sich zahlreiche Gemeindebauten. 5 Bevölkerungsentwicklung | Im Jahr 1961 lebten im Bezirksgebiet noch rund 70.000 Menschen. In den darauffolgenden vier Jahrzehnten verringerte sich die Einwohnerzahl um ein Viertel(-24%) auf knapp 53.000. Im letzten Jahrzehnt verzeichnete Margareten wieder leichte Bevölkerungsgewinne, die auf die Zuwanderung aus dem Ausland zurückgeführt werden können. Die Bevölkerungsentwicklung dürfte in den nächsten Jahren weiterhin positiv verlaufen. Bis 2034 könnte der Bevölkerungsstand um etwa 5.000 Personen wachsen(+10%) und damit wieder das Niveau des Jahres 1971 erreicht haben. 5 Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Margareten; Statistisches Jahrbuch Wien 2013 5. Margareten Bevölkerungsentwicklung Quelle: Statistik Austria(Volkszählung 1910 bis 2011) MA 23(Wiener Bevölkerungsregister 2014 und Prognose bis 2034) 2034 2029 2024 2019 2014 59.692 58.586 57.527 56.462 54.153 Bevölkerungsdynamik | In Margareten dürfte in Zukunft sowohl die Geburten- als auch die Wanderungsbilanz mit den übrigen Bundesländern und dem Ausland positiv sein. Der intraregionale Wanderungssaldo mit den übrigen Gemeindebezirken bleibt hingegen im gesamten Zeitraum negativ. Altersstruktur | Die Entwicklung der Altersstruktur verläuft ähnlich wie auf der Wieden: Starke Zugewinne bei den unter 15-Jährigen und ein Rückgang der Einwohnerzahl bei den 15- bis 44-Jährigen. Für die 45- und Mehrjährigen wird bis 2034 ein Anstieg mit unterschiedlicher Dynamik projiziert. Der Anteil an Personen, die 60 Jahre und älter sind, erhöht sich von 19% (2014) auf 23%(2034). Entsprechend der prognostizierten Entwicklung ist mit einem Anstieg des Alten- und Jugendquotienten zu rechnen. Bevölkerung nach Geburtsland | Während sich die Zahl der in Österreich Geborenen in den nächsten Jahren nur unwesentlich erhöhen dürfte(+5%), steigt die Zahl der im Ausland Geborenen auf bis zu 26.000 Personen(+18%). Insbesondere in der ersten Hälfte des Prognosezeitraums erhöht sich der„foreign-born“-Anteil auf 44%, in weiterer Folge bis 2034 bleibt er beinahe unverändert. 2011 2001 1991 1981 1971 1961 1951 1934 1910 0 20.000 40.000 52.595 49.116 51.521 52.436 60.529 69.548 71.627 87.767 105.551 60.000 80.000 100.000 120.000 Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirken 2014 bis 2034 35 5. Margareten Bevölkerungsdynamik 2014 bis 2034 2032 2030 2028 2026 2024 2022 2020 2018 2016 2014 -1.000-500 0 500 Natürlicher Bevölkerungssaldo(Geburten minus Sterbefälle) Wanderungssaldo(Ausland/Österreich) Binnenwanderungssaldo(übriges Wien) 5. Margareten Altersstruktur 2014/2034 in% 1.000 1.500 75+ 60-74 45-59 30-44 -11,3 15-29 -5,6 0-14 -20 0 5. Margareten Bevölkerungsstruktur 75.000 999.999 60.000 29,6 17,0 32,0 20 40 58,2 60 80 45.000 30.000 22.226 25.457 26.312 15.000 31.927 32.070 33.381 0 2014 2024 im Inland geboren im Ausland geboren 2034 Bevölkerung Männer Frauen im Inland geboren im Ausland geboren im Ausland geboren(%) 0-14 Jahre 15-29 Jahre 30-44 Jahre 45-59 Jahre 60-74 Jahre 75+ Jahre über 60-Jährige(%) Jugendquotient Altenquotient 2014 54.153 26.585 27.568 31.927 22.226 41,0 6.562 12.629 14.101 10.643 7.041 3.177 18,9 23,6 20,2 2024 57.527 28.126 29.401 32.070 25.457 44,3 8.709 10.972 14.255 11.535 7.999 4.057 21,0 31,5 24,0 2034 2014/34 59.692 28.927 30.765 10,2 8,8 11,6 33.381 26.312 44,1 4,6 18,4 3,0 8.659 11.920 12.507 12.453 9.126 5.027 32,0 -5,6 -11,3 17,0 29,6 58,2 23,7 4,8 33,4 9,8 29,3 9,2 5. Margareten Altersstruktur 2014 und 2034 95 2014 85 75 65 55 45 35 25 Mann 15 5 Frau 1,5 1,0 0,5 0,0 0,0 0,5 1,0 1,5 95 2034 85 75 65 55 45 35 25 Mann 15 5 Frau 1,5 1,0 0,5 0,0 0,0 0,5 1,0 1,5 im Inland geboren im Ausland geboren Quelle: MA 23 36 WIEN WÄCHST… XXI. XIX. XVII. XVIII. XX. XXII. XIV. IX. XVI. VIII. VII. I. II. XV. VI. V. IV. III. XIII. XII. XI. XXIII. X. 6. MARIAHILF(1060 WIEN) Mariahilf, der 6. Wiener Gemeindebezirk, liegt innerhalb des sog. Wiener Gürtels zwischen der Shoppingmeile Mariahilferstraße im Norden und der Wienzeile im Süden und kann als erweitertes Stadtzentrum angesehen werden. Der Stadtbezirk nimmt mit einer Fläche von 1,5 km² rund 0,4% der Wiener Stadtfläche ein und ist durch eine hohe Bevölkerungsdichte gekennzeichnet. 6 Bevölkerungsentwicklung | Mariahilf war schon immer ein sehr dicht besiedeltes Stadtgebiet, das noch vor 100 Jahren doppelt so viele Einwohnerinnen und Einwohner zählte wie heute. Zwischen 1961 und 2011 sank die Bevölkerung um rund ein Drittel(-29%), von etwa 41.000 auf knapp über 29.000 Personen. Für die kommenden Jahre wird für den Gemeindebezirk ein sehr starkes Bevölkerungswachstum von bis zu 20% prognostiziert, d. h. im Jahr 2034 könnten schon über 36.000 Menschen ihren Wohnsitz im 6. Gemeindebezirk haben. 6 Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Mariahilf; Statistisches Jahrbuch Wien 2013 Bevölkerungsdynamik | Die Geburten- und Sterbefallentwicklung dürften bis 2034 zu einer positiven Geburtenbilanz führen. Die Zuwanderung aus dem In- und Ausland dürfte jedoch um ein Vielfaches höher liegen als das natürliche Bevölkerungswachstum. Wie in der Vergangenheit ziehen mehr Menschen aus diesem Stadtteil in einen anderen Wiener Gemeindebezirk. Altersstruktur | Bis zum Jahr 2034 könnte die Zahl der Kinder und Jugendlichen von 3.200 auf bis zu 5.000 Personen steigen. Eine negative Entwicklung wird nur für die Altersgruppe der 30- bis 44-Jährigen vorausgeschätzt, die zu einem bestimmten Ausmaß auf die höhere Wanderungsbereitschaft(innerhalb Wiens) zurückzuführen ist. Wie in den anderen Innenstadtbezirken wird die demographische Alterung klare Akzente setzen und der Altenanteil signifikant von 20%(2014) auf 25%(2034) steigen. Bevölkerung nach Geburtsland | In Mariahilf werden für beide Bevölkerungsgruppen Zuwächse prognostiziert, die quantitativ betrachtet ähnlich hoch ausfallen. Mit rund 14.000 Personen würde sich der „foreign-born“-Anteil von 35%(2014) auf 38%(2034) erhöhen. 6. Mariahilf Bevölkerungsentwicklung Quelle: Statistik Austria(Volkszählung 1910 bis 2011) MA 23(Wiener Bevölkerungsregister 2014 und Prognose bis 2034) 2034 2029 2024 2019 2014 36.659 35.420 34.339 32.902 2011 2001 1991 1981 1971 1961 1951 1934 1910 0 15.000 29.375 27.873 30.298 28.771 33.633 41.216 46.372 49.785 64.670 30.000 45.000 60.000 75.000 90.000 Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirken 2014 bis 2034 37 6. Mariahilf Bevölkerungsdynamik 2014 bis 2034 2032 2030 2028 2026 2024 2022 2020 2018 2016 2014 -700-350 0 350 Natürlicher Bevölkerungssaldo(Geburten minus Sterbefälle) Wanderungssaldo(Ausland/Österreich) Binnenwanderungssaldo(übriges Wien) 6. Mariahilf Altersstruktur 2014/2034 in% 750 1.050 75+ 60-74 45-59 30-44 15-29 0-14 -25 34,7 17,1 -2,6 4,2 0 25 50 80,5 60,5 75 100 6. Mariahilf Bevölkerungsstruktur 40.000 999.999 32.000 24.000 10.674 13.087 13.754 16.000 8.000 19.910 21.251 22.905 0 2014 2024 im Inland geboren im Ausland geboren 2034 Bevölkerung Männer Frauen im Inland geboren im Ausland geboren im Ausland geboren(%) 0-14 Jahre 15-29 Jahre 30-44 Jahre 45-59 Jahre 60-74 Jahre 75+ Jahre über 60-Jährige(%) Jugendquotient Altenquotient 2014 30.584 14.738 15.846 19.910 10.674 34,9 3.176 6.895 7.836 6.554 4.341 1.782 20,0 19,9 21,2 2024 34.339 16.679 17.659 21.251 13.087 38,1 4.849 6.456 8.448 7.036 5.004 2.544 22,0 29,2 24,7 2034 2014/34 36.659 17.718 18.940 19,9 20,2 19,5 22.905 13.754 37,5 15,0 28,9 2,6 5.097 7.186 7.636 7.676 5.846 3.217 60,5 4,2 -2,6 17,1 34,7 80,5 24,7 4,7 32,3 12,3 31,1 9,8 6. Mariahilf Altersstruktur 2014 und 2034 95 2014 85 75 65 55 45 35 25 Mann 15 5 Frau 1,5 1,0 0,5 0,0 0,0 0,5 1,0 1,5 95 2034 85 75 65 55 45 35 25 Mann 15 5 Frau 1,5 1,0 0,5 0,0 0,0 0,5 1,0 1,5 im Inland geboren im Ausland geboren Quelle: MA 23 38 WIEN WÄCHST… XXI. XIX. XVII. XVIII. XX. XXII. XIV. IX. XVI. VIII. VII. I. II. XV. VI. V. IV. III. XIII. XII. XI. XXIII. X. 7. NEUBAU(1070 WIEN) Neubau, der 7. Wiener Gemeindebezirk, ist mit einer Fläche von 1,6 km² der drittkleinste Bezirk und nimmt 0,4% der Fläche Wiens ein. Der Stadtteil wird überwiegend als Bau- und Verkehrsfläche genutzt, wobei knapp 3% als Grünfläche ausgewiesen werden. In diesem Bezirk gibt es bedeutende kulturelle Einrichtungen wie das Museumsquartier, das Volkstheater oder die Hauptbücherei Wien. 7 Bevölkerungsentwicklung | In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verringerte sich die Einwohnerzahl kontinuierlich und von 1961 bis 2011 beträgt der Rückgang rund 15.000 Personen bzw. 34%. Seit den 1980er-Jahren bleibt die Bevölkerung in Neubau relativ stabil mit einem Bevölkerungstand von etwa 30.000 Menschen. Die zukünftige Entwicklung zeigt einen positiven Trend mit einem Einwohnerzuwachs von 14%. Am Ende des Berechnungszeitraums könnten im Gemeindebezirk rund 35.000 Menschen leben. 7 Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Neubau; Statistisches Jahrbuch Wien 2013 7. Neubau Bevölkerungsentwicklung Quelle: Statistik Austria(Volkszählung 1910 bis 2011) MA 23(Wiener Bevölkerungsregister 2014 und Prognose bis 2034) 2034 2029 2024 2019 2014 35.503 34.754 34.142 33.129 31.155 Bevölkerungsdynamik | In den kommenden Jahren könnte Neubau von der internationalen Zuwanderung stark profitieren. Das Geburtenplus dürfte sich in der zweiten Hälfte des Prognosezeitraumes verringern. Wie auch in anderen Innenstadtbezirken ist die Wanderungsbilanz mit den übrigen Gemeindebezirken negativ, die bis zu zwei Drittel des positiven Außenwanderungssaldos ausmachen könnte. Altersstruktur | Die Altersstrukturentwicklung dürfte ähnlich ablaufen wie in den übrigen Innenstadtbezirken: Starkes Wachstum in den jüngeren Altersgruppen sowie der Bevölkerung ab dem 45. Lebensjahr, sowie geringfügige Einwohnerverluste der 15- bis 44-Jährigen. Die deutliche Zunahme bei den 60- und Mehrjährigen wird in Folge den Altenanteil um sechs Prozentpunkte auf 25%(2034) erhöhen. Bevölkerung nach Geburtsland | Die Ergebnisse der Bevölkerungsprognose zeigen eine starke Differenzierung zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen. Die Zahl der im Inland Geborenen bleibt über den gesamten Zeitraum weitgehend konstant. Entsprechend der demographischen Entwicklung dürfte sich jedoch der autochthone Bevölkerungsanteil von 66%(2014) auf 58%(2034) reduzieren. Der prognostizierte Zuwachs in Höhe von etwa 4.000 Personen für die im Ausland Geborenen, wird demnach ihr„Bevölkerungsgewicht“ auf fast 42%(2034) erhöhen. 2011 2001 1991 1981 1971 1961 1951 1934 1910 0 15.000 30.019 28.305 30.396 29.490 36.255 45.544 53.183 58.571 30.000 45.000 60.000 76.447 75.000 90.000 Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirken 2014 bis 2034 39 7. Neubau Bevölkerungsdynamik 2014 bis 2034 2032 2030 2028 2026 2024 2022 2020 2018 2016 2014 -600-300 0 300 Natürlicher Bevölkerungssaldo(Geburten minus Sterbefälle) Wanderungssaldo(Ausland/Österreich) Binnenwanderungssaldo(übriges Wien) 7. Neubau Altersstruktur 2014/2034 in% 600 900 75+ 60-74 45-59 30-44 15-29 0-14 -20 -13,1 -1,3 0 12,9 20 7. Neubau Bevölkerungsstruktur 40.000 999.999 39,9 74,8 53,5 40 60 80 32.000 24.000 10.587 13.888 14.881 16.000 8.000 20.568 20.254 20.623 0 2014 2024 im Inland geboren im Ausland geboren 2034 Bevölkerung Männer Frauen im Inland geboren im Ausland geboren im Ausland geboren(%) 0-14 Jahre 15-29 Jahre 30-44 Jahre 45-59 Jahre 60-74 Jahre 75+ Jahre über 60-Jährige(%) Jugendquotient Altenquotient 2014 31.155 14.904 16.251 20.568 10.587 34,0 3.168 7.060 8.373 6.613 4.169 1.772 19,1 19,1 19,8 2024 34.142 16.495 17.647 20.254 13.888 40,7 4.782 6.387 8.518 7.073 4.961 2.420 21,6 28,9 23,9 2034 2014/34 35.503 17.054 18.449 14,0 14,4 13,5 20.623 14.881 41,9 0,3 40,6 7,9 4.863 6.971 7.274 7.466 5.832 3.098 53,5 -1,3 -13,1 12,9 39,9 74,8 25,2 6,1 32,2 13,0 31,3 11,4 7. Neubau Altersstruktur 2014 und 2034 95 2014 85 75 65 55 45 35 25 Mann 15 5 Frau 1,5 1,0 0,5 0,0 0,0 0,5 1,0 1,5 95 2034 85 75 65 55 45 35 25 Mann 15 5 Frau 1,5 1,0 0,5 0,0 0,0 0,5 1,0 1,5 im Inland geboren im Ausland geboren Quelle: MA 23 40 WIEN WÄCHST… XXI. XIX. XVII. XVIII. XX. XXII. XIV. IX. XVI. VIII. VII. I. II. XV. VI. V. IV. III. XIII. XII. XI. XXIII. X. 8. JOSEFSTADT(1080 WIEN) Josefstadt ist mit 1,1 km² der flächenmäßig kleinste Bezirk und liegt im Zentrum der Stadt Wien. Im dicht verbauten Bezirk entfallen nur 2% der Bezirksfläche auf Grünland. In der Josefstadt gibt es zahlreiche Studierendenheime sowie kulturelle Sehenswürdigkeiten, u. a. das Vienna’s English Theatre, das älteste englischsprachige Theater Europas außerhalb Großbritanniens. 8 völkerungsstand auf knapp über 28.000 steigen würde und gegenüber dem Ausgangsjahr um 15% gestiegen wäre. Bevölkerungsdynamik | In der Josefstadt hat die natürliche Bevölkerungsbilanz nur einen geringen Anteil am Einwohnerzuwachs. Auch hier spielt die Zuwanderung aus dem In- und Ausland eine zentrale Rolle, die die Bevölkerungsverluste durch Abwanderung in die anderen Wiener Stadtgebiete mehr als kompensiert. Bevölkerungsentwicklung | Von 1961 bis 1981 verzeichnete die Josefstadt einen starken Einwohnerrückgang. In den letzten Jahren haben jedoch keine gravierenden Bevölkerungsveränderungen stattgefunden und die Einwohnerzahl lag im langjährigen Durchschnitt bei knapp unter 24.000. Falls die Zuwanderung aus dem Ausland in den kommenden Jahren weiterhin auf einem hohen Niveau bleibt, ist bis 2024 mit einem Bevölkerungswachstum von 11% zu rechnen – ein Plus von 2.700 Menschen. Bis zum Jahr 2034 könnte der Einwohnerzuwachs in der Josefstadt um weitere vier Prozentpunkte zunehmen, womit der Be8 Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Josefstadt; Statistisches Jahrbuch Wien 2013 8. Josefstadt Bevölkerungsentwicklung Quelle: Statistik Austria(Volkszählung 1910 bis 2011) MA 23(Wiener Bevölkerungsregister 2014 und Prognose bis 2034) 2034 2029 2024 2019 2014 28.373 27.736 27.220 26.422 24.591 Altersstruktur | Zuwächse wird der Stadtbezirk vor allem in der Altersgruppe der 0- bis 14-Jährigen sowie bei den 45- und Mehrjährigen verzeichnen, wobei insbesondere die Gruppe der Hochbetagten relativ stark wachsen wird. Der Anteil der über 60-Jährigen erhöht sich entsprechend der prognostizierten Entwicklung und dürfte im Jahr 2034 auf 23% steigen. Der Jugendquotient dürfte allerdings stärker ansteigen als der Altenquotient. Bevölkerung nach Geburtsland | Die Entwicklung nach dem Geburtsland zeigt, dass geringe Rückgänge(-2%) von Personen mit Geburtsland Österreich erwartet werden können, die im Wesentlichen nur die Frauen betreffen. Die Zahl der im Ausland geborenen Bevölkerung dürfte sich signifikant erhöhen und im Jahr 2034 über 12.300 betragen. Dadurch verändern sich die Bevölkerungsanteile gravierend. Am Ende könnte das Verhältnis zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen bei 56 zu 44 liegen. 2011 2001 1991 1981 1971 1961 1951 1934 1910 0 10.000 23.529 22.582 23.850 24.769 30.151 36.027 40.475 44.321 20.000 30.000 40.000 50.000 53.804 60.000 Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirken 2014 bis 2034 41 8. Josefstadt Bevölkerungsdynamik 2014 bis 2034 2032 2030 2028 2026 2024 2022 2020 2018 2016 2014 -600-300 0 300 Natürlicher Bevölkerungssaldo(Geburten minus Sterbefälle) Wanderungssaldo(Ausland/Österreich) Binnenwanderungssaldo(übriges Wien) 8. Josefstadt Altersstruktur 2014/2034 in% 75+ 60-74 45-59 30-44 15-29 0-14 -20 4,3 -4,6 0 19,6 17,8 20 8. Josefstadt Bevölkerungsstruktur 30.000 40 600 900 62,4 54,1 60 80 24.000 18.000 12.000 6.000 8.183 16.408 11.345 15.874 12.353 16.020 0 2014 2024 im Inland geboren im Ausland geboren 2034 Bevölkerung Männer Frauen im Inland geboren im Ausland geboren im Ausland geboren(%) 0-14 Jahre 15-29 Jahre 30-44 Jahre 45-59 Jahre 60-74 Jahre 75+ Jahre über 60-Jährige(%) Jugendquotient Altenquotient 2014 24.591 12.044 12.547 16.408 8.183 33,3 2.524 6.249 6.015 4.848 3.517 1.438 20,1 20,4 21,8 2024 27.220 13.377 13.842 15.874 11.345 41,7 3.668 5.678 6.893 5.260 3.707 2.013 21,0 28,8 23,6 2034 2014/34 28.373 13.860 14.513 15,4 15,1 15,7 16.020 12.353 43,5 -2,4 51,0 10,3 3.888 5.961 6.271 5.711 4.206 2.335 54,1 -4,6 4,3 17,8 19,6 62,4 23,1 2,9 31,6 11,2 28,3 6,5 8. Josefstadt Altersstruktur 2014 und 2034 95 2014 85 75 65 55 45 35 25 Mann 15 5 Frau 1,5 1,0 0,5 0,0 0,0 0,5 1,0 1,5 95 2034 85 75 65 55 45 35 25 Mann 15 5 Frau 1,5 1,0 0,5 0,0 0,0 0,5 1,0 1,5 im Inland geboren im Ausland geboren Quelle: MA 23 42 WIEN WÄCHST… XXI. XIX. XVII. XVIII. XX. XXII. XIV. IX. XVI. VIII. VII. I. II. XV. VI. V. IV. III. XIII. XII. XI. XXIII. X. 9. ALSERGRUND(1090 WIEN) Alsergrund, der 9. Wiener Gemeindebezirk, liegt im nördlichen Zentrum Wiens und mit einer Bezirksfläche von 3,0 km² gehört dieser zu den kleineren Stadtbezirken. Der Stadtteil ist großflächig mit universitären Einrichtungen sowie vom neuen Allgemeinen Krankenhaus bebaut. Der nordwestliche Teil des Bezirks ist hingegen ausschließlich durch Wohngebiete geprägt. 9 Bevölkerungsentwicklung | Die Bevölkerungsentwicklung im Alsergrund war in der Vergangenheit – wie in den anderen Innenstadtbezirken – durch signifikante Bevölkerungsverluste gekennzeichnet. Zwischen 1961 und 2011 ging die Zahl der Bewohnerinnen und Bewohner um knapp 26.000 Personen zurück. In den letzten Jahren stabilisierte sich die Einwohnerzahl, mit einer schwach positiven Tendenz. In der aktuellen Bevölkerungsevidenz sind bereits knapp über 41.000 Personen mit Hauptwohnsitz registriert. Für die kommenden Jahre kann, entsprechend der zugrundeliegenden Annahmen, ein Bevölkerungs9 Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Alsergrund; Statistisches Jahrbuch Wien 2013 9. Alsergrund Bevölkerungsentwicklung Quelle: Statistik Austria(Volkszählung 1910 bis 2011) MA 23(Wiener Bevölkerungsregister 2014 und Prognose bis 2034) 2034 2029 2024 2019 2014 46.961 46.222 44.792 43.160 41.101 zuwachs von bis zu 14% bzw. von bis zu 6.000 Menschen erwartet werden. Bevölkerungsdynamik | Im 9. Gemeindebezirk könnte das Geburtenplus bis Anfang 2020 leicht ansteigen und zeigt dann bis 2034 eine fallende Tendenz. Gemäß den Annahmen akzentuiert die Zuwanderung aus dem In- und Ausland auch wegen entsprechender Neubautätigkeit die demographischen Ereignisse. Die Binnenwanderungsverflechtung mit den Wiener Stadtbezirken dürfte insgesamt negativ bilanzieren. Altersstruktur | Die Zahl der Kinder und Jugendlichen sowie der Hochbetagten dürfte stark zunehmen. Die Altersgruppe der 15- bis 29-Jährigen könnte zahlenmäßig kleiner werden, während die Zahl der 30- bis 44-Jährigen – nach einem anfänglichen Anstieg – am Ende des Prognosezeitraums nicht über dem Ausgangniveau des Jahres 2014 liegt. Der Jugendquotient verändert sich stark und steigt von 22 auf 33. Beim Altenquotient dürfte der Anstieg etwas moderater ausfallen und noch deutlich unter dem Wien-Durchschnitt bleiben. Bevölkerung nach Geburtsland | In Zukunft sind Einwohnerzuwächse bei den im Ausland geborenen Personen sehr wahrscheinlich. Die Zahl dürfte sich um bis zu 6.000 Personen und somit der Bevölkerungsanteil von 35% auf knapp 44% erhöhen. Der Bevölkerungsanteil der autochthonen Bewohnerinnen und Bewohner verringert sich demnach von 65% auf 56%, wobei deren Bevölkerungszahl über den gesamten Zeitraum relativ konstant bei rund 26.000 Personen liegen dürfte. 2011 2001 1991 1981 1971 1961 1951 1934 1910 0 25.000 39.291 37.821 40.416 45.314 54.788 64.929 74.731 83.407 50.000 75.000 100.000 112.042 125.000 150.000 Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirken 2014 bis 2034 43 9. Alsergrund Bevölkerungsdynamik 2014 bis 2034 2032 2030 2028 2026 2024 2022 2020 2018 2016 2014 -700-350 0 350 Natürlicher Bevölkerungssaldo(Geburten minus Sterbefälle) Wanderungssaldo(Ausland/Österreich) Binnenwanderungssaldo(übriges Wien) 9. Alsergrund Altersstruktur 2014/2034 in% 75+ 60-74 45-59 30-44 15-29 -8,8 0-14 -15 0,4 0 9. Alsergrund Bevölkerungsstruktur 50.000 999.999 40.000 30.000 14.527 23,0 21,5 15 30 19.017 20.000 10.000 26.574 25.775 0 2014 2024 im Inland geboren im Ausland geboren 750 1.050 51,1 54,6 45 60 20.522 26.438 2034 Bevölkerung Männer Frauen im Inland geboren im Ausland geboren im Ausland geboren(%) 0-14 Jahre 15-29 Jahre 30-44 Jahre 45-59 Jahre 60-74 Jahre 75+ Jahre über 60-Jährige(%) Jugendquotient Altenquotient 2014 41.101 19.592 21.509 26.574 14.527 35,3 4.346 10.536 9.963 7.963 5.615 2.678 20,2 20,8 22,3 2024 44.792 21.641 23.151 25.775 19.017 42,5 6.438 8.845 11.524 8.447 6.091 3.447 21,3 30,1 24,5 2034 2014/34 46.961 22.609 24.351 14,3 15,4 13,2 26.438 20.522 43,7 -0,5 41,3 8,4 6.720 9.608 10.000 9.679 6.908 4.046 54,6 -8,8 0,4 21,5 23,0 51,1 23,3 3,1 33,1 12,4 29,3 7,0 9. Alsergrund Altersstruktur 2014 und 2034 95 2014 85 75 65 55 45 35 25 Mann 15 5 Frau 1,5 1,0 0,5 0,0 0,0 0,5 1,0 1,5 95 2034 85 75 65 55 45 35 25 Mann 15 5 Frau 1,5 1,0 0,5 0,0 0,0 0,5 1,0 1,5 im Inland geboren im Ausland geboren Quelle: MA 23 44 WIEN WÄCHST… XXI. XIX. XVII. XVIII. XX. XXII. XIV. IX. XVI. VIII. VII. I. II. XV. VI. V. IV. III. XIII. XII. XI. XXIII. X. 10. FAVORITEN(1100 WIEN) Der 10. Wiener Gemeindebezirk Favoriten liegt südlich der inneren Bezirke und reicht bis an die südliche Stadtgrenze. Mit 31,8 km² Fläche nimmt er 8% der Stadtfläche ein. Am westlichen Bezirksrand stehen kontrastreiche Bebauungen gegenüber. Im nördlichsten Teil des historischen Favoriten entsteht bis 2015 der neue Hauptbahnhof Wiens. Im Süden befinden sich ein Grüngürtel(46% der Bezirksfläche) mit ausgedehnten Parkanlagen und naturnahen Erholungsflächen sowie mit großen kommunalen Wohnhausanlagen. 10 Bevölkerungsentwicklung | In Favoriten nahm die Bevölkerung seit den 1960erJahren deutlich zu. Da im Bezirksgebiet genügend Flächen für Neubaugebiete vorhanden waren, ist die Einwohnerzahl zwischen 1961 und 2011 um insgesamt 32% gestiegen, wobei in den 1980er-Jahren keine signifikante Veränderung zu beobachten war. Mit über 185.000 registrierten Hauptwohnsitzen ist der Bezirk gegenwärtig der bevölkerungsreichste der Stadt. In den nächsten fünf Jahren wird voraussicht10 Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Favoriten; Statistisches Jahrbuch Wien 2013 lich die Marke von 200.000 überschritten sein und bis 2034 könnte die Einwohnerzahl in Favoriten insgesamt um ein Fünftel(21%) höher liegen und rund 225.000 Menschen hier wohnen. Bevölkerungsdynamik | Die demographische Entwicklung in Favoriten dürfte wie in den vorangegangenen Jahren sehr dynamisch sein. Es werden konstant über Jahre hinweg mehr Geburten als Sterbefälle prognostiziert. Die Zuwanderung könnte kumuliert bis zu 10% des Einwohnerstandes ausmachen. Die Neubautätigkeit in einigen Zählbezirken trägt insgesamt stark zum Bevölkerungswachstum bei. Altersstruktur | Bedingt durch die Migration sowie durch den Bezug neuer Wohnungen werden für alle Altersgruppen Anstiege prognostiziert. Die stärkere Zunahme bei den Hochbetagten ab 75 Jahre ist eine Folge der stärkeren Kohortenbesetzung sowie der steigenden Lebenserwartung. In den zwei Prognosejahrzehnten dürfte der Altenanteil nur um zwei Prozentpunkte auf 24% steigen. Der errechnete Jugendquotient(36) liegt über, der Altenquotient(31) unter dem Wien-Durchschnitt(Jugendquotient 34 bzw. Altenquotient 33). 10. Favoriten Bevölkerungsentwicklung Quelle: Statistik Austria(Volkszählung 1910 bis 2011) MA 23(Wiener Bevölkerungsregister 2014 und Prognose bis 2034) 2034 2029 2024 2019 2014 224.691 220.790 211.516 201.388 185.325 2011 2001 1991 1981 1971 1961 1951 1934 1910 0 50.000 177.989 150.648 147.636 147.101 153.695 134.761 115.324 166.486 159.241 100.000 150.000 200.000 250.000 Bevölkerung nach Geburtsland | Die Prognoseergebnisse signalisieren für die Zukunft Bevölkerungsgewinne für beide Bevölkerungsgruppen(Geburtsland Österreich/Geburtsland Ausland). Die Zahl der in Österreich Geborenen könnte sich bis 2034 um bis zu 18% erhöhen, ein Plus von etwa 30.000 Personen. Die Zahl der im Ausland geborenen Bevölkerung erhöht sich ebenfalls signifikant(+19.000). Entsprechend der prognostizierten Entwicklung dürfte der„foreign-born“-Anteil nur geringfügig auf 39% ansteigen. 300.000 Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirken 2014 bis 2034 45 10. Favoriten Bevölkerungsdynamik 2014 bis 2034 2032 2030 2028 2026 2024 2022 2020 2018 2016 2014 -1.600 0 1.600 3.200 Natürlicher Bevölkerungssaldo(Geburten minus Sterbefälle) Wanderungssaldo(Ausland/Österreich) Binnenwanderungssaldo(übriges Wien) 10. Favoriten Altersstruktur 2014/2034 in% 4.800 6.400 75+ 60-74 45-59 30-44 15-29 0-14 0 26,5 13,3 16,5 18,4 22,0 15 30 45 10. Favoriten Bevölkerungsstruktur 250.000 999.999 200.000 150.000 69.586 84.321 55,9 60 75 88.349 100.000 50.000 115.739 127.195 136.342 0 2014 2024 im Inland geboren im Ausland geboren 2034 Bevölkerung Männer Frauen im Inland geboren im Ausland geboren im Ausland geboren(%) 0-14 Jahre 15-29 Jahre 30-44 Jahre 45-59 Jahre 60-74 Jahre 75+ Jahre über 60-Jährige(%) Jugendquotient Altenquotient 2014 2024 2034 2014/34 185.325 90.499 94.826 211.516 102.548 108.968 224.691 108.039 116.652 21,2 19,4 23,0 115.739 69.586 37,5 127.195 84.321 39,9 136.342 88.349 39,3 17,8 27,0 1,8 28.805 37.438 40.441 38.371 27.623 12.647 33.840 42.501 46.754 41.383 29.405 17.633 35.134 44.328 47.100 43.473 34.935 19.721 22,0 18,4 16,5 13,3 26,5 55,9 21,7 22,2 24,3 33,4 35,5 36,1 26,9 26,8 31,3 2,6 2,7 4,4 10. Favoriten Altersstruktur 2014 und 2034 95 2014 85 75 65 55 45 35 25 Mann 15 5 Frau 1,5 1,0 0,5 0,0 0,0 0,5 1,0 1,5 95 2034 85 75 65 55 45 35 25 Mann 15 5 Frau 1,5 1,0 0,5 0,0 0,0 0,5 1,0 1,5 im Inland geboren im Ausland geboren Quelle: MA 23 46 WIEN WÄCHST… XXI. XIX. XVII. XVIII. XX. XXII. XIV. IX. XVI. VIII. VII. I. II. XV. VI. V. IV. III. XIII. XII. XI. XXIII. X. 11. SIMMERING(1110 WIEN) Der 11. Wiener Gemeindebezirk Simmering ist mit 23,3 km² der achtgrößte Wiener Gemeindebezirk und nimmt rund 6% der Fläche Wiens ein. Im Nordosten grenzt der Bezirk an den Donaukanal. Unter den Wiener Bezirken ist Simmering als klassischer Arbeiter- und Industriebezirk und als Standort des größten Friedhofs Österreichs, des Wiener Zentralfriedhofs, bekannt. Ein hoher Anteil des Bezirksgebietes ist Grünland (41%), rund die Hälfte davon entfällt auf landwirtschaftliche Nutzfläche. 11 Bevölkerungsentwicklung | Simmering gehört zu jenen Stadtbezirken, die seit 1961 Bevölkerungszuwächse zu verzeichnen haben. Vor allem in den letzten Jahren verzeichnete der Stadtteil enorme Zuwächse. Im Jahr 2014 wurde mit 93.600 Menschen der bisherige Höchststand erreicht. Der Trend der letzten Jahre dürfte sich in Zukunft fortzusetzen und im Jahr 2034 könnte der Bevölkerungsstand bei 105.000 Personen liegen. 11 Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Simmering; Statistisches Jahrbuch Wien 2013 11. Simmering Bevölkerungsentwicklung Quelle: Statistik Austria(Volkszählung 1910 bis 2011) MA 23(Wiener Bevölkerungsregister 2014 und Prognose bis 2034) 2034 2029 2024 2019 2014 104.993 103.702 102.165 100.061 93.600 Bevölkerungsdynamik | In Simmering werden bis 2034 jährlich Geburtenüberschusse zwischen 550 und 700 prognostiziert, Von hoher Relevanz ist die Zuwanderung nach Wien, die insbesondere in den ersten Prognosejahren für Simmering sehr hoch ausfallen könnte(2014/2034:+1.200/ Jahr). Trotz Neubautätigkeit in den ersten Jahren dokumentieren die Ergebnisse insgesamt leichte Bevölkerungsverluste gegenüber dem übrigen Stadtgebiet. Altersstruktur | Mit Ausnahme der Altersklassen der 60- und Mehrjährigen werden in allen Altersgruppen stagnierende bzw. schwache Einwohnerzuwächse vorausberechnet, auch auf Grund des Wegzugs von Familien mit Kindern. Während der Jugendquotient in den kommenden Jahren minimal zurückgehen dürfte, steigt der Altenquotient beträchtlich von 24 auf 32, da im Rahmen der demographischen Alterung stärker besetzte Altersgruppen nachrücken werden. Bevölkerung nach Geburtsland | Zwischen 2014 und 2034 könnte sich die Zahl der im Ausland geborenen Bevölkerung um etwa ein Drittel(+30% bzw.+8.700) erhöhen. Mit 38.000 Personen dürfte im Jahr 2034 der Bevölkerungsanteil bei 36% liegen. Die autochthonen Einwohnerinnen und Einwohner(im Inland geborene Bevölkerung) erfahren hingegen nur geringe Bevölkerungsgewinne(+4% bzw.+2.700). Damit verringert sich ihr Bevölkerungsgewicht im Jahr 2034 um vier Prozentpunkte auf 64%. 2011 2001 1991 1981 1971 1961 1951 1934 1910 0 25.000 91.087 76.901 67.045 66.026 57.738 48.590 43.317 44.258 43.111 50.000 75.000 100.000 125.000 150.000 Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirken 2014 bis 2034 47 11. Simmering Bevölkerungsdynamik 2014 bis 2034 2032 2030 2028 2026 2024 2022 2020 2018 2016 2014 -2.400-1.200 0 1.200 Natürlicher Bevölkerungssaldo(Geburten minus Sterbefälle) Wanderungssaldo(Ausland/Österreich) Binnenwanderungssaldo(übriges Wien) 11. Simmering Altersstruktur 2014/2034 in% 75+ 60-74 45-59 4,5 30-44 1,4 15-29 11,4 0-14 0,2 0 20 30,4 40 60 11. Simmering Bevölkerungsstruktur 125.000 999.999 100.000 75.000 29.498 36.378 2.400 3.600 75,0 80 100 38.217 50.000 25.000 64.102 65.787 66.776 0 2014 2024 im Inland geboren im Ausland geboren 2034 Bevölkerung Männer Frauen im Inland geboren im Ausland geboren im Ausland geboren(%) 0-14 Jahre 15-29 Jahre 30-44 Jahre 45-59 Jahre 60-74 Jahre 75+ Jahre über 60-Jährige(%) Jugendquotient Altenquotient 2014 2024 2034 2014/34 93.600 45.603 47.997 102.165 49.582 52.584 104.993 50.607 54.386 12,2 11,0 13,3 64.102 29.498 31,5 65.787 36.378 35,6 66.776 38.217 36,4 4,2 29,6 4,9 15.405 18.937 21.360 19.280 13.281 5.337 15.602 21.166 21.992 21.040 14.258 8.108 15.433 21.105 21.650 20.145 17.324 9.337 0,2 11,4 1,4 4,5 30,4 75,0 19,9 21,9 25,4 34,8 34,5 33,8 24,0 25,8 32,1 5,5 -1,0 8,2 11. Simmering Altersstruktur 2014 und 2034 95 2014 85 75 65 55 45 35 25 Mann 15 5 Frau 1,5 1,0 0,5 0,0 0,0 0,5 1,0 1,5 95 2034 85 75 65 55 45 35 25 Mann 15 5 Frau 1,5 1,0 0,5 0,0 0,0 0,5 1,0 1,5 im Inland geboren im Ausland geboren Quelle: MA 23 48 WIEN WÄCHST… XXI. XIX. XVII. XVIII. XX. XXII. XIV. IX. XVI. VIII. VII. I. II. XV. VI. V. IV. III. XIII. XII. XI. XXIII. X. 12. MEIDLING(1120 WIEN) Meidling ist der 12. Wiener Gemeindebezirk und liegt südwestlich des Stadtzentrums. Seine Fläche beträgt 8,1 km². Rund 60% der Bezirksfläche sind als Bauflächen ausgewiesen. Das Bezirksprofil beinhaltet dicht verbaute Arbeiterviertel, die näher zur Innenstadt liegen. Südwestlich ist der Stadtteil durch ein locker verbautes Baugebiet mit dem herrschaftlichen Schloss Hetzendorf gekennzeichnet. 12 Bevölkerungsentwicklung | Von 1961 bis 2001 war die demographische Lage des Bezirks durch geringe EinwohnerInnenverluste gekennzeichnet, wobei der Bevölkerungsstand zwischenzeitlich unter 80.000 Personen lag. In den letzten Jahren verzeichnete Meidling wieder Einwohnerzuwächse. In Zukunft ist mit einer Fortsetzung dieses Bevölkerungstrends zu rechnen. In den kommenden zwei Jahrzehnten könnten weitere 11.000 Personen(+12%) hinzukommen. Bis 2034 steigt die Einwohnerzahl damit auf rund 103.000 Personen. 12 Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Meidling; Statistisches Jahrbuch Wien 2013 12. Meidling Bevölkerungsentwicklung Quelle: Statistik Austria(Volkszählung 1910 bis 2011) MA 23(Wiener Bevölkerungsregister 2014 und Prognose bis 2034) 2034 2029 2024 2019 2014 102.710 100.669 98.820 95.550 91.344 Bevölkerungsdynamik | Für Meidling werden konstante Geburtenüberschüsse prognostiziert. Wie in den vorangegangenen Jahren kann kurz- und mittelfristig eine Nettozuwanderung auf hohem Niveau erwartet werden, die in weiterer Folge die Bevölkerungsstruktur nachhaltig prägen wird. Die Abwanderung in andere Gemeindebezirke führt zu entsprechenden Binnenwanderungsverlusten. Altersstruktur | Bis 2034 werden alle Altersgruppen wachsen, wobei eine höhere Dynamik bei Kindern und Jugendlichen sowie bei älteren Personen zu erwarten ist. Während der Zuwachs der jüngeren Alterskohorten wanderungsbedingt ist, erfolgt der Anstieg bei den höheren Jahrgängen im Wesentlichen durch steigende Lebenserwartung. Die Zahl der ab 60-Jährigen dürfte stärker wachsen als die erwerbsfähige Bevölkerung. Heute ist jeder Fünfte(21%) im Bezirk über 60 Jahre alt, in 20 Jahren dürfte es bereits jeder Vierte(25%) sein. Bevölkerung nach Geburtsland | Die Zahl der im Inland geborenen Bevölkerung (autochthone Bevölkerung) könnte in den kommenden Jahren um etwa 4%(+2.500) ansteigen und am Ende des Beobachtungszeitraums knapp 67.000 Personen betragen. Bei der allochthonen Bevölkerung (im Ausland geboren) ist der Anstieg mit fast 23% deutlich stärker, was letztlich ein Plus von etwa 7.000 Menschen bedeuten würde. Das Gewicht zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen(Geburtsland Österreich/Geburtsland Ausland) verschiebt sich entsprechend der demographischen Besetzung(60:40). 2011 2001 1991 1981 1971 1961 1951 1934 1910 0 25.000 50.000 88.503 78.275 79.610 79.408 85.500 89.854 83.743 109.538 106.531 75.000 100.000 125.000 150.000 Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirken 2014 bis 2034 49 12. Meidling Bevölkerungsdynamik 2014 bis 2034 2032 2030 2028 2026 2024 2022 2020 2018 2016 2014 -1.200-600 0 600 Natürlicher Bevölkerungssaldo(Geburten minus Sterbefälle) Wanderungssaldo(Ausland/Österreich) Binnenwanderungssaldo(übriges Wien) 12. Meidling Altersstruktur 2014/2034 in% 1.200 1.800 75+ 60-74 45-59 30-44 15-29 0-14 0 5,4 5,1 6,4 13,6 15 24,1 30 48,7 45 60 12. Meidling Bevölkerungsstruktur 125.000 999.999 100.000 75.000 33.313 39.297 40.827 75 50.000 25.000 64.102 65.787 66.776 0 2014 2024 im Inland geboren im Ausland geboren 2034 Bevölkerung Männer Frauen im Inland geboren im Ausland geboren im Ausland geboren(%) 0-14 Jahre 15-29 Jahre 30-44 Jahre 45-59 Jahre 60-74 Jahre 75+ Jahre über 60-Jährige(%) Jugendquotient Altenquotient 2014 91.344 43.967 47.377 58.031 33.313 36,5 13.492 19.156 20.464 18.813 13.046 6.373 21,3 31,0 25,4 2024 2034 2014/34 98.820 47.668 51.152 102.710 49.304 53.406 12,4 12,1 12,7 59.523 39.297 39,8 61.883 40.827 39,7 6,6 22,6 3,3 15.073 19.856 22.205 19.390 14.172 8.124 15.324 20.380 21.518 19.821 16.190 9.478 13,6 6,4 5,1 5,4 24,1 48,7 22,6 25,0 34,0 34,6 27,1 32,3 3,7 3,6 6,9 12. Meidling Altersstruktur 2014 und 2034 95 2014 85 75 65 55 45 35 25 Mann 15 5 Frau 1,5 1,0 0,5 0,0 0,0 0,5 1,0 1,5 95 2034 85 75 65 55 45 35 25 Mann 15 5 Frau 1,5 1,0 0,5 0,0 0,0 0,5 1,0 1,5 im Inland geboren im Ausland geboren Quelle: MA 23 50 WIEN WÄCHST… 13. HIETZING(1130 WIEN) XXI. XIX. XVII. XVIII. XX. XXII. XIV. IX. XVI. VIII. VII. I. II. XV. VI. V. IV. III. XIII. XII. XI. XXIII. X. Hietzing ist der 13. Wiener Gemeindebezirk und liegt am westlichen Stadtrand. Die Fläche beträgt 37,7 km². Mit einem Anteil von insgesamt rund 70% der Bezirksfläche hat Hietzing den größten Grünflächenanteil Wiens. Zum Bezirk gehören auch Teile des Wienerwaldes und der große Schlosspark von Schönbrunn, der am östlichen Bezirksrand angrenzt. Die bebauten Flächen konzentrieren sich vor allem im östlichen Stadtteil. 13 Bevölkerungsentwicklung | Im Jahr 1971 erreichte Hietzing mit 57.068 Menschen den bisher höchsten Bevölkerungsstand. Danach war die demographische Entwicklung relativ stabil, wobei eine rückläufige Einwohnerzahl bis zur Jahrtausendwende zu beobachten war(-7%). Der Bezirk verzeichnet seit 2001 wieder leichte Zuwächse. Anfang 2014 lag die Einwohnerzahl bei 51.557 Menschen. In Zukunft nimmt der Stadtteil eine Sonderstellung ein, da in den nächsten Jahren keine gravierende Veränderung zu erwarten ist. Die Bevölkerungszahl könnte leicht zurückgehen(-2%) 13 Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Hietzing; Statistisches Jahrbuch Wien 2013 13. Hietzing Bevölkerungsentwicklung Quelle: Statistik Austria(Volkszählung 1910 bis 2011) MA 23(Wiener Bevölkerungsregister 2014 und Prognose bis 2034) 2034 2029 2024 2019 2014 50.524 50.608 51.281 51.298 51.557 2011 2001 1991 1981 1971 1961 1951 1934 1910 0 15.000 50.626 49.580 54.909 55.331 57.068 54.191 46.995 44.157 34.883 30.000 45.000 60.000 75.000 90.000 und am Ende des Prognosehorizonts wieder das Bestandsniveau des Jahres 2011 erreicht haben. Bevölkerungsdynamik | Hietzing nimmt in Wien eine demographische Sonderstellung ein. Wie in den vorangegangenen Jahren kann mit einer Fortsetzung der Sterbeüberschüsse gerechnet werden. Der Anteil am Gesamtwanderungssaldo könnte auch in Zukunft bescheiden ausfallen. Und auch die Abwanderung ins übrige Stadtgebiet zieht – allerdings vergleichsweise geringe – EinwohnerInnenverluste nach sich. Altersstruktur | Nach den vorliegenden Ergebnissen sind nur für zwei Altersgruppen(15- bis 29-Jährige sowie die 75- und Mehrjährigen) geringe Zuwächse zu erwarten. Alle anderen Altersgruppen dürften in den nächsten Jahren Bevölkerungsverluste verzeichnen. Der Altenanteil in Hietzing liegt schon seit Jahren auf einem sehr hohen Niveau, der auch in Zukunft bestehen bleibt(31%) und damit deutlich über dem Wien-Durchschnitt(26%) liegt. Der Jugendquotient ändert sich im Prognosezeitraum kaum und der Altenquotient dürfte in den kommenden Jahren sinken und im Jahr 2034 fast wieder das Ausgangsniveau erreicht haben. Bevölkerung nach Geburtsland | Der prognostizierte Bevölkerungsverlust geht vor allem zu Lasten der im Inland geborenen Bevölkerung(-9% bzw.-3.500). Es ist davon auszugehen, dass die Zahl der im Ausland Geborenen(allochthone Bevölkerung) deutlich ansteigen wird und am Ende um ein Fünftel(+22% bzw.+2.500) zugenommen haben könnte. Damit würde sich der „foreign-born“-Anteil von 22%(2014) auf 27%(2034) erhöhen. Dieser Wert ist jedoch im Vergleich zum Wien-Durchschnitt (36%) immer noch relativ niedrig. Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirken 2014 bis 2034 51 13. Hietzing Bevölkerungsdynamik 2014 bis 2034 2032 2030 2028 2026 2024 2022 2020 2018 2016 2014 -900-600-300 0 Natürlicher Bevölkerungssaldo(Geburten minus Sterbefälle) Wanderungssaldo(Ausland/Österreich) Binnenwanderungssaldo(übriges Wien) 13. Hietzing Altersstruktur 2014/2034 in% 75+ 60-74 45-59 30-44 15-29 0-14 -30 -14,7 -4,4 -1,1 -7,3 -20-10 0 13. Hietzing Bevölkerungsstruktur 60.000 999.999 48.000 36.000 11.390 13.538 300 600 8,4 13,7 10 20 13.850 24.000 12.000 40.167 37.742 36.674 0 2014 2024 im Inland geboren im Ausland geboren 2034 Bevölkerung Männer Frauen im Inland geboren im Ausland geboren im Ausland geboren(%) 0-14 Jahre 15-29 Jahre 30-44 Jahre 45-59 Jahre 60-74 Jahre 75+ Jahre über 60-Jährige(%) Jugendquotient Altenquotient 2014 51.557 23.641 27.916 40.167 11.390 22,1 6.788 8.140 10.032 10.930 9.816 5.851 30,4 30,9 43,8 2024 51.281 24.045 27.236 37.742 13.538 26,4 6.359 9.557 9.717 10.556 8.414 6.678 29,4 29,8 38,4 2034 2014/34 50.524 23.830 26.693 -2,0 0,8 -4,4 36.674 13.850 27,4 -8,7 21,6 5,3 6.292 9.259 9.921 9.328 9.384 6.340 -7,3 13,7 -1,1 -14,7 -4,4 8,4 31,1 0,7 30,0-0,9 42,6-1,2 13. Hietzing Altersstruktur 2014 und 2034 95 2014 85 75 65 55 45 35 25 Mann 15 5 Frau 1,5 1,0 0,5 0,0 0,0 0,5 1,0 1,5 95 2034 85 75 65 55 45 35 25 Mann 15 5 Frau 1,5 1,0 0,5 0,0 0,0 0,5 1,0 1,5 im Inland geboren im Ausland geboren Quelle: MA 23 52 WIEN WÄCHST… XXI. XIX. XVII. XVIII. XX. XXII. XIV. IX. XVI. VIII. VII. I. II. XV. VI. V. IV. III. XIII. XII. XI. XXIII. X. 14. PENZING(1140 WIEN) Penzing ist der 14. Wiener Gemeindebezirk, liegt am westlichen Stadtrand und ist mit einer Fläche von 33,7 km² der viertgrößte Wiener Gemeindebezirk. Penzing nimmt somit rund 8% der Fläche Wiens ein. Der Stadtteil ist der Bezirk mit dem zweitgrößten Grünflächenanteil Wiens, der rund 60% der Bezirksfläche einnimmt. 14 Bevölkerungsdynamik | Für Penzing wird im gesamten Prognosezeitraum eine ausgeglichene natürliche Bevölkerungsentwicklung fortgeschrieben. Somit ist die Einwohnerentwicklung stark von der Zuwanderung aus dem übrigen Bundesgebiet sowie aus dem Ausland abhängig, die die intraregionalen Wanderungsverluste(gegenüber den anderen Gemeindebezirken) deutlich kompensieren. Bevölkerungsentwicklung | Die Einwohnerzahl in Penzing blieb seit 1971 beinahe unverändert. Nach dem Tiefstand im Jahr 2001 zeigte die Bevölkerungsentwicklung gemäß dem wienweiten Trend stärkere Einwohnerzuwächse. Im Jahr 2014 wurden für den 14. Gemeindebezirk bereits knapp 88.000 Personen mit Hauptwohnsitz registriert. In den kommenden Jahren ist jedoch nur mehr mit einem schwachen Bevölkerungsanstieg(+3%) zu rechnen. Der Bevölkerungsstand könnte im Jahr 2034 bei knapp über 90.000 liegen. 14 Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Penzing; Statistisches Jahrbuch Wien 2013 14. Penzing Bevölkerungsentwicklung Quelle: Statistik Austria(Volkszählung 1910 bis 2011) MA 23(Wiener Bevölkerungsregister 2014 und Prognose bis 2034) 2034 2029 2024 2019 2014 90.724 90.432 90.542 88.668 87.869 Altersstruktur | Die Altersstruktur verändert sich kaum. Nur die Zahl der Hochbetagten dürfte signifikant steigen. Einwohnerverluste verzeichnen zudem die Bevölkerung im Alter zwischen 30 bis 59 Jahren. Dies hat zur Folge, dass in den ersten Prognosejahren der Alten- und Jugendquotient relativ konstant bleibt. Ab Mitte der 2020erJahre zeigt die demographische Alterung einen stärkeren Einfluss auf die Bevölkerungsstruktur. Im Resultat dürften sich bis 2034 der Altenanteil(29%) und der Altenquotient(39) erhöhen. Bevölkerung nach Geburtsland | Die Zuwanderung trägt sehr zum Bevölkerungswachstum bei und lässt die Einwohnerzahl der im Ausland geborenen Bevölkerung bis 2034 um fast 21%(+5.000) steigen. Zwischen 2014 und 2034 wird für die im Inland Geborenen ein leichter Rückgang prognostiziert(-3% bzw.-2.000). Aus der Kombination dieser Bevölkerungsentwicklung erhöht sich der Anteil der im Ausland geborenen Bevölkerung bis zum Jahr 2034 auf 33% der Bezirksbevölkerung. 2011 2001 1991 1981 1971 1961 1951 1934 1910 0 20.000 40.000 60.000 84.871 78.180 80.820 78.996 81.310 86.656 83.319 98.123 84.925 80.000 100.000 120.000 Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirken 2014 bis 2034 53 14. Penzing Bevölkerungsdynamik 2014 bis 2034 2032 2030 2028 2026 2024 2022 2020 2018 2016 2014 -1.200-800 400 0 Natürlicher Bevölkerungssaldo(Geburten minus Sterbefälle) Wanderungssaldo(Ausland/Österreich) Binnenwanderungssaldo(übriges Wien) 14. Penzing Altersstruktur 2014/2034 in% 75+ 60-74 45-59 -10,3 30-44 -5,3 15-29 0-14 -15 0 8,5 4,8 4,6 15 30 14. Penzing Bevölkerungsstruktur 100.000 999.999 80.000 24.625 28.922 60.000 400 800 48,9 45 60 29.676 40.000 20.000 63.244 61.620 61.048 0 2014 2024 im Inland geboren im Ausland geboren 2034 Bevölkerung Männer Frauen im Inland geboren im Ausland geboren im Ausland geboren(%) 0-14 Jahre 15-29 Jahre 30-44 Jahre 45-59 Jahre 60-74 Jahre 75+ Jahre über 60-Jährige(%) Jugendquotient Altenquotient 2014 87.869 41.857 46.012 63.244 24.625 28,0 11.856 16.069 18.980 19.384 14.851 6.729 24,6 28,8 30,5 2024 90.542 43.316 47.225 61.620 28.922 31,9 12.581 16.698 18.916 18.551 14.536 9.259 26,3 31,6 32,4 2034 2014/34 90.724 43.252 47.472 3,2 3,3 3,2 61.048 29.676 32,7 -3,5 20,5 4,7 12.400 16.837 17.980 17.381 16.109 10.018 4,6 4,8 -5,3 -10,3 8,5 48,9 28,8 4,2 32,7 3,9 38,9 8,4 14. Penzing Altersstruktur 2014 und 2034 95 2014 85 75 65 55 45 35 25 Mann 15 5 Frau 1,5 1,0 0,5 0,0 0,0 0,5 1,0 1,5 95 2034 85 75 65 55 45 35 25 Mann 15 5 Frau 1,5 1,0 0,5 0,0 0,0 0,5 1,0 1,5 im Inland geboren im Ausland geboren Quelle: MA 23 54 WIEN WÄCHST… XXI. XIX. XVII. XVIII. XX. XXII. XIV. IX. XVI. VIII. VII. I. II. XV. VI. V. IV. III. XIII. XII. XI. XXIII. X. 15. RUDOLFSHEIM-FÜNFHAUS(1150 WIEN) Rudolfsheim-Fünfhaus ist der 15. Wiener Gemeindebezirk und liegt westlich des Stadtzentrums. Mit einer Fläche von 3,9 km² zählt er zum kleinsten Außenbezirk außerhalb des Gürtels mit einer hohen Bevölkerungsdichte. Der Stadtteil verfügt über einen geringen Grünlandanteil(13% der Bezirksfläche), wovon rund ein Drittel(31%) auf die Kleingärten(Schmelz) entfällt. 15 Bevölkerungsentwicklung | Im heutigen Bezirksgebiet von Rudolfsheim-Fünfhaus verzeichnete der Stadtteil im 20. Jahrhundert konstant Bevölkerungsverluste. Allein zwischen 1961 und 2011 ist die Einwohnerzahl um 24% gesunken, wobei der historische Tiefststand im Jahr 2001 erreicht wurde. Das letzte Jahrzehnt war jedoch von einer positiven Bevölkerungsentwicklung geprägt. Zwischen 2014 und 2034 wird das Bevölkerungswachstum deutlich unter dem Wien-Durchschnitt(+15%) liegen. Mit einem Plus von 4% könnte die Einwohnerzahl im Jahr 2034 nur um etwa 3.000 Personen höher liegen als heute. 15 Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Rudolfsheim-Fünfhaus; Statistisches Jahrbuch Wien 2013 15. Rudolfsheim-Fünfhaus Bevölkerungsentwicklung Quelle: Statistik Austria(Volkszählung 1910 bis 2011) MA 23(Wiener Bevölkerungsregister 2014 und Prognose bis 2034) 2034 2029 2024 2019 2014 78.704 78.345 76.819 77.061 75.612 Bevölkerungsdynamik | Für den 15. Gemeindebezirk werden bis 2034 Geburtenüberschüsse prognostiziert, die sich in den kommenden Jahren jedoch deutlich verringern könnten. Das Wanderungsplus entspricht dem Niveau der natürlichen Bevölkerungsbilanz und unterscheidet sich damit von den anderen Gemeindebezirken. Hohe Einwohnerverluste durch intrastädtische Abwanderung in andere Gemeindebezirke Wiens können für die nächsten Jahre nicht ausgeschlossen werden. Altersstruktur | Bis zum Jahr 2034 wird ein Rückgang für die Alterskohorte der 15- bis 44-Jährigen prognostiziert. In allen anderen Altersgruppen wächst die Einwohnerzahl, wobei der stärkste Anstieg bei den Hochbetagten ab 75 Jahren(+76%) zu erwarten sein wird. Auch der Zuwachs der „jungen Alten“ wird bewirken, dass der heute relativ niedrige Altenquotient von 19 auf 31 ansteigen wird. Der Jugendquotient steigt im Zeitraum von 20 Jahren auf 35, der durch den absoluten Zuwachs von Kindern und Jugendlichen zurückgeführt werden kann. Bevölkerung nach Geburtsland | Der 15. Gemeindebezirk hat mit 45% den höchsten„foreign-born“-Anteil in Wien. Laut den Prognoseergebnissen dürfte das Bevölkerungsgewicht der im Ausland geborenen Bevölkerung über den gesamten Zeitraum beinahe unverändert bleiben(46%). Aber auch die Zahl der autochthonen Einwohnerinnen und Einwohner(im Inland geboren) könnte in Zukunft ein leichtes Plus verzeichnen(+3%), wobei ihr Anteil geringfügig von 55% auf 54% abnimmt. 2011 2001 1991 1981 1971 1961 1951 1934 1910 0 35.000 71.286 64.898 69.309 70.066 78.981 94.100 106.127 130.448 145.694 70.000 105.000 140.000 175.000 210.000 Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirken 2014 bis 2034 55 15. Rudolfsheim-Fünfhaus Bevölkerungsdynamik 2014 bis 2034 2032 2030 2028 2026 2024 2022 2020 2018 2016 2014 -1-000-500 0 500 Natürlicher Bevölkerungssaldo(Geburten minus Sterbefälle) Wanderungssaldo(Ausland/Österreich) Binnenwanderungssaldo(übriges Wien) 15. Rudolfsheim-Fünfhaus Altersstruktur 2014/2034 in% 75+ 60-74 45-59 5,6 30-44 -11,2 15-29 -15,4 0-14 -20 0 24,4 17,5 20 40 15. Rudolfsheim-Fünfhaus Bevölkerungsstruktur 100.000 999.999 80.000 1.000 1.500 76,4 60 80 60.000 40.000 34.283 35.759 36.020 20.000 41.329 41.061 42.685 0 2014 2024 im Inland geboren im Ausland geboren 2034 Bevölkerung Männer Frauen im Inland geboren im Ausland geboren im Ausland geboren(%) 0-14 Jahre 15-29 Jahre 30-44 Jahre 45-59 Jahre 60-74 Jahre 75+ Jahre über 60-Jährige(%) Jugendquotient Altenquotient 2014 75.612 37.695 37.917 41.329 34.283 45,3 10.061 18.291 18.465 15.037 9.838 3.920 18,2 26,3 19,2 2024 76.819 37.627 39.192 41.061 35.759 46,5 12.013 14.579 18.525 15.230 10.930 5.543 21,4 33,0 24,8 2034 2014/34 78.704 38.069 40.635 4,1 1,0 7,2 42.685 36.020 45,8 3,3 5,1 0,4 11.817 15.468 16.390 15.880 12.234 6.914 17,5 -15,4 -11,2 5,6 24,4 76,4 24,3 6,1 35,1 8,8 31,1 11,9 15. Rudolfsheim-Fünfhaus Altersstruktur 2014 und 2034 95 2014 85 75 65 55 45 35 25 Mann 15 5 Frau 1,5 1,0 0,5 0,0 0,0 0,5 1,0 1,5 95 2034 85 75 65 55 45 35 25 Mann 15 5 Frau 1,5 1,0 0,5 0,0 0,0 0,5 1,0 1,5 im Inland geboren im Ausland geboren Quelle: MA 23 56 WIEN WÄCHST… XXI. XIX. XVII. XVIII. XX. XXII. XIV. IX. XVI. VIII. VII. I. II. XV. VI. V. IV. III. XIII. XII. XI. XXIII. X. 16. OTTAKRING(1160 WIEN) Ottakring ist der 16. Wiener Gemeindebezirk und liegt westlich vom Wiener Stadtzentrum. Der Bezirk erstreckt sich über 8,7 km², davon entfallen rund 52% auf Bau- und 30% auf Grünflächen. Im östlichen, zentrumsnahen Stadtteil befinden sich dicht bebaute Wohnviertel. Der westliche Bezirksrand ist von einer bürgerlichen Wohngegend geprägt, in der sich auch das Schloss Wilheminenberg befindet. 16 Bevölkerungsentwicklung | Im 20. Jahrhundert war die Bevölkerungsentwicklung von hohen Einwohnerverlusten geprägt. Im Jahr 2001 wurde mit rund 86.000 Menschen der bisherige Tiefststand erreicht. Im Zuge der verstärkten Zuwanderung nach Wien, stieg in den darauffolgenden Jahren die Einwohnerzahl beträchtlich. Für die Zukunft wird mit einem weiteren Bevölkerungsanstieg gerechnet und schon bald könnte die 100.000-Marke überschritten sein. Bis zum Jahr 2034 dürfte der Bevölkerungszuwachs (+9%) jedoch unter dem Wien-Durchschnitt (+15%) liegen. 16 Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Ottakring; Statistisches Jahrbuch Wien 2013 16. Ottakring Bevölkerungsentwicklung Quelle: Statistik Austria(Volkszählung 1910 bis 2011) MA 23(Wiener Bevölkerungsregister 2014 und Prognose bis 2034) 2034 2029 2024 2019 2014 108.909 107.160 106.319 104.909 99.742 Bevölkerungsdynamik | In Ottakring werden im gesamten Zeitraum mehr Geburten als Sterbefälle prognostiziert. Die Zuwanderung aus dem Bundesgebiet sowie aus dem Ausland dürfte die demographischen Ereignisse dominieren. Auffallend hoch sind die Einwohnerverluste, die durch die innerstädtische Abwanderung aus dem Bezirk resultieren; diese machen die positive Außenwanderungsbilanz bis zu 90% wett. Altersstruktur | Insgesamt sind die zu erwartenden Veränderungen der Altersstruktur nicht so stark ausgeprägt wie in anderen Gemeindebezirken. Ein Rückgang wird nur für die Altersgruppe der 30- bis 44-Jährigen prognostiziert, die verstärkt an den innerstädtischen Umzügen partizipieren. Man wird sich jedoch auch hier auf eine deutlich steigende Zahl älterer Bewohnerinnen und Bewohner einstellen müssen, die zu 72% für den Einwohnerzuwachs verantwortlich sind. Bevölkerung nach Geburtsland | Der 16. Gemeindebezirk weist einen überdurchschnittlichen hohen Anteil der„foreign-born“-Bevölkerung auf. Die Zahl könnte bis zum Jahr 2034 um bis zu 18%(+7.000) ansteigen und somit den„foreign born“-Anteil auf 42% erhöhen. Obwohl bis 2034 ein Zuwachs der im Inland geborenen Bevölkerung prognostiziert wird(+4%), dürfte deren Anteil auf etwa 58% sinken. 2011 2001 1991 1981 1971 1961 1951 1934 1910 0 35.000 70.000 95.694 86.149 88.933 88.587 101.017 110.809 117.962 150.379 179.045 105.000 140.000 175.000 210.000 Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirken 2014 bis 2034 57 16. Ottakring Bevölkerungsdynamik 2014 bis 2034 2032 2030 2028 2026 2024 2022 2020 2018 2016 2014 -1.600-800 0 800 Natürlicher Bevölkerungssaldo(Geburten minus Sterbefälle) Wanderungssaldo(Ausland/Österreich) Binnenwanderungssaldo(übriges Wien) 16. Ottakring Altersstruktur 2014/2034 in% 75+ 60-74 45-59 3,2 30-44 -3,8 15-29 2,3 0-14 -16 0 21,1 16,7 16 32 16. Ottakring Bevölkerungsstruktur 125.000 999.999 100.000 75.000 38.970 44.713 1.600 2.400 58,7 48 64 45.873 50.000 25.000 60.772 61.607 63.036 0 2014 2024 im Inland geboren im Ausland geboren 2034 Bevölkerung Männer Frauen im Inland geboren im Ausland geboren im Ausland geboren(%) 0-14 Jahre 15-29 Jahre 30-44 Jahre 45-59 Jahre 60-74 Jahre 75+ Jahre über 60-Jährige(%) Jugendquotient Altenquotient 2014 2024 2034 2014/34 99.742 48.807 50.935 106.319 51.803 54.516 108.909 52.687 56.222 9,2 7,9 10,4 60.772 38.970 39,1 61.607 44.713 42,1 63.036 45.873 42,1 3,7 17,7 3,0 13.831 21.357 23.472 20.672 14.315 6.095 16.278 20.929 24.202 21.243 15.377 8.290 16.143 21.838 22.582 21.333 17.340 9.672 16,7 2,3 -3,8 3,2 21,1 58,7 20,5 22,3 24,8 28,1 33,3 34,6 23,3 26,2 31,7 4,3 6,5 8,4 16. Ottakring Altersstruktur 2014 und 2034 95 2014 85 75 65 55 45 35 25 Mann 15 5 Frau 1,5 1,0 0,5 0,0 0,0 0,5 1,0 1,5 95 2034 85 75 65 55 45 35 25 Mann 15 5 Frau 1,5 1,0 0,5 0,0 0,0 0,5 1,0 1,5 im Inland geboren im Ausland geboren Quelle: MA 23 58 WIEN WÄCHST… XXI. XIX. XVII. XVIII. XX. XXII. XIV. IX. XVI. VIII. VII. I. II. XV. VI. V. IV. III. XIII. XII. XI. XXIII. X. 17. HERNALS(1170 WIEN) Hernals umfasst 11,4 km² und liegt im Nordwesten des Stadtgebietes. Der Stadtteil verfügt über mehrere ökologische Schutzgebiete, die 53% der Bezirksfläche ausmachen. Der östliche bzw. zentrumsnahe Teil des Bezirks ist durch eine hohe Bevölkerungsdichte gekennzeichnet, wogegen im westlichen Bezirksareal größere Anwesen und Gemeindebauten in Grünruhelage zu finden sind. 17 Bevölkerungsdynamik | Für Hernals kann in den kommenden Jahren ein stabiles Geburtenplus erwartet werden. Die Zuwanderung trägt wesentlich zum Bevölkerungswachstum bei, wobei sich entsprechend der Annahmen der Migrationsgewinn halbieren wird. Die Bilanz der innerstädtischen Wanderungsverflechtung dürfte negativ ausfallen und zu erheblichen Einwohnerverlusten führen, die unter dem Niveau der Nettozuwanderung aus den Außenräumen liegt. Bevölkerungsentwicklung | Die Bevölkerungsentwicklung zeigt seit den 1980erJahren keine gravierenden Veränderungen und der Bevölkerungsstand lag über viele Jahre bei rund 50.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Die stärkere Bevölkerungsdynamik der letzten Jahre führte zu einer entsprechenden Zunahme der Bevölkerung. Die Prognoseergebnisse verzeichnen einen Zuwachs von bis zu 6.000 Personen auf rund 61.000, was bis zum Jahr 2034 einen Anstieg von 11% bedeutet. 17 Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Hernals; Statistisches Jahrbuch Wien 2013 17. Hernals Bevölkerungsentwicklung Quelle: Statistik Austria(Volkszählung 1910 bis 2011) MA 23(Wiener Bevölkerungsregister 2014 und Prognose bis 2034) 2034 2029 2024 2019 2014 61.025 59.871 59.228 57.694 54.910 Altersstruktur | Der zu erwartende Einwohnerzuwachs wird bis 2034 vor allem von den Altersgruppen der 0- bis 14-Jährigen sowie der 60- und Mehrjährigen getragen (79% des Bevölkerungswachstums). Sowohl der Wert des Jugend- als auch des Altenquotienten wird sich in den nächsten Jahren erhöhen, aber immer noch unter dem gesamtstädtischen Niveau liegen. Bevölkerung nach Geburtsland | Sowohl die Zahl als auch der Anteil der Bevölkerung, die im Ausland geboren sind(allochthone Bevölkerung), könnte in den nächsten Jahren zunehmen. Insgesamt wird ein Anstieg von bis zu 23%(+4.500) prognostiziert, was den Bevölkerungsanteil von 36%(2014) auf 40%(2034) erhöhen würde. Die Einwohnerzahl der im Inland Geborenen dürfte im Jahr 2034 ebenfalls höher liegen und ein Plus von etwa 5%(+1.600) aufweisen. 2011 2001 1991 1981 1971 1961 1951 1934 1910 0 20.000 40.000 52.521 47.621 50.944 49.126 55.282 63.252 69.423 84.493 103.305 60.000 80.000 100.000 120.000 Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirken 2014 bis 2034 59 17. Hernals Bevölkerungsdynamik 2014 bis 2034 2032 2030 2028 2026 2024 2022 2020 2018 2016 2014 -1.000-500 0 500 Natürlicher Bevölkerungssaldo(Geburten minus Sterbefälle) Wanderungssaldo(Ausland/Österreich) Binnenwanderungssaldo(übriges Wien) 17. Hernals Altersstruktur 2014/2034 in% 1.000 1.500 75+ 60-74 20,7 45-59 7,2 30-44 0,7 15-29 3,6 0-14 0 16,8 15 30 17. Hernals Bevölkerungsstruktur 75.000 999.999 60.000 54,2 45 60 75 45.000 19.855 23.519 24.370 30.000 15.000 35.055 35.709 36.655 0 2014 2024 im Inland geboren im Ausland geboren 2034 Bevölkerung Männer Frauen im Inland geboren im Ausland geboren im Ausland geboren(%) 0-14 Jahre 15-29 Jahre 30-44 Jahre 45-59 Jahre 60-74 Jahre 75+ Jahre über 60-Jährige(%) Jugendquotient Altenquotient 2014 54.910 26.801 28.109 35.055 19.855 36,2 7.581 11.810 12.782 11.268 8.005 3.464 20,9 28,1 24,2 2024 59.228 28.950 30.278 35.709 23.519 39,7 8.866 11.755 13.635 11.890 8.381 4.701 22,1 32,6 25,9 2034 2014/34 61.025 29.671 31.354 11,1 10,7 11,5 36.655 24.370 39,9 4,6 22,7 3,8 8.851 12.230 12.868 12.076 9.659 5.341 16,8 3,6 0,7 7,2 20,7 54,2 24,6 3,7 33,4 5,3 30,9 6,7 17. Hernals Altersstruktur 2014 und 2034 95 2014 85 75 65 55 45 35 25 Mann 15 5 Frau 1,5 1,0 0,5 0,0 0,0 0,5 1,0 1,5 95 2034 85 75 65 55 45 35 25 Mann 15 5 Frau 1,5 1,0 0,5 0,0 0,0 0,5 1,0 1,5 im Inland geboren im Ausland geboren Quelle: MA 23 60 WIEN WÄCHST… 18. WÄHRING(1180 WIEN) XXI. XIX. XVII. XVIII. XX. XXII. XIV. IX. XVI. VIII. VII. I. II. XV. VI. V. IV. III. XIII. XII. XI. XXIII. X. Währing liegt im Nordwesten Wiens und erstreckt sich über 6,3 km². Mehr als die Hälfte(56%) der Bezirksfläche ist als Baufläche ausgewiesen, die überwiegend Wohnbaugebiete repräsentieren. Rund 27% sind Grünflächen mit einem hohen Anteil an Wäldern und einigen Parkanlagen. Der südöstliche Teil ist ein dicht verbautes Wohngebiet, während sich im Norden des Gemeindebezirks mehrere Villen aus der Gründerzeit befinden. 18 Bevölkerungsentwicklung | Im 20. Jahrhundert verzeichnete Währing konstante Einwohnerverluste und erreichte im Jahr 2001 den Tiefststand mit knapp 45.000 Menschen. Gegenwärtig sind rund 49.000 Personen mit Hauptwohnsitz registriert. Die Ergebnisse der Bevölkerungsprognose zeigen, dass in Zukunft mit keinen signifikanten Bevölkerungsgewinnen gerechnet werden kann. In den nächsten zwei Jahrzehnten dürfte sich die Einwohnerzahl um rund 2.500 Personen erhöhen(+5%) und am Ende des Berechnungszeitraumes rund 51.700 betragen. 18 Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Währing; Statistisches Jahrbuch Wien 2013 18. Währing Bevölkerungsentwicklung Quelle: Statistik Austria(Volkszählung 1910 bis 2011) MA 23(Wiener Bevölkerungsregister 2014 und Prognose bis 2034) 2034 2029 2024 2019 2014 51.662 51.019 50.913 50.668 49.046 2011 2001 1991 1981 1971 1961 1951 1934 1910 0 20.000 47.627 44.997 49.761 52.759 59.487 65.109 70.153 79.775 87.658 40.000 60.000 80.000 100.000 120.000 Bevölkerungsdynamik | Die zukünftige demographische Entwicklung sieht geringe Geburtenüberschüsse vor. Bei den Zuwanderungsgewinnen wird über den gesamten Zeitraum ein positives Niveau projiziert, das sich somit deutlich von der Vergangenheit unterscheidet. Aufgrund der relativ hohen Abwanderungstendenz in andere Wiener Gemeindebezirke sind keine gravierenden Wanderungsgewinne zu erwarten. Der schwache Einwohnerzuwachs wird insgesamt zu je 50% von der natürlichen und räumlichen Bevölkerungsbewegung getragen. Altersstruktur | Mit Ausnahme der 60- und Mehrjährigen dürften im Prognosezeitraum keine relevanten Altersstrukturverschiebungen eintreten. Kinder und Jugendliche sowie junge Erwachsene machen rund ein Drittel(30%) des Einwohnerzuwachses aus. Nur für die Altersgruppe der 30- bis 44-Jährigen kann ein Rückgang(-8%) nicht ausgeschlossen werden. Infolge dieser Veränderungen in der Altersstruktur könnte der Jugendquotient von 28 auf 32 und der Altenquotient von 29 auf 33 steigen. Beide Werte liegen in Zukunft im städtischen Durchschnitt. Bevölkerung nach Geburtsland | Das Bevölkerungsregime in Währing könnte zukünftig stärker von internationaler Zuwanderung geprägt sein. Das bedeutet, dass die Zahl der Allochthonen(im Ausland geboren) am Ende des Prognosezeitraums mit knapp 19.000 Personen bis zu einem Fünftel(+22%) höher liegen dürfte als heute. Dieser absolute Zuwachs führt, da die Einwohnerzahl der Autochthonen (im Inland geboren) tendenziell abnimmt (-2%), zu einem stärkeren“foreign born“Anteil, der im Jahr 2034 bei rund 36% liegen könnte. Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirken 2014 bis 2034 61 18. Währing Bevölkerungsdynamik 2014 bis 2034 2032 2030 2028 2026 2024 2022 2020 2018 2016 2014 -1.000-500 0 500 Natürlicher Bevölkerungssaldo(Geburten minus Sterbefälle) Wanderungssaldo(Ausland/Österreich) Binnenwanderungssaldo(übriges Wien) 18. Währing Altersstruktur 2014/2034 in% 1.000 1.500 75+ 60-74 45-59 30-44 15-29 0-14 -20 -7,7 -10 18. Währing Bevölkerungsstruktur 60.000 999.999 48.000 36.000 15.325 5,7 2,9 7,4 0 10 18.021 16,9 23,3 20 30 18.681 24.000 12.000 33.721 32.892 32.980 0 2014 2024 im Inland geboren im Ausland geboren 2034 Bevölkerung Männer Frauen im Inland geboren im Ausland geboren im Ausland geboren(%) 0-14 Jahre 15-29 Jahre 30-44 Jahre 45-59 Jahre 60-74 Jahre 75+ Jahre über 60-Jährige(%) Jugendquotient Altenquotient 2014 49.046 22.514 26.532 33.721 15.325 31,2 6.625 10.087 11.369 9.693 7.273 3.999 23,0 27,7 28,8 2024 50.913 23.948 26.965 32.892 18.021 35,4 7.360 9.895 11.359 10.404 7.137 4.759 23,4 32,1 28,2 2034 2014/34 51.662 24.417 27.244 5,3 8,5 2,7 32.980 18.681 36,2 -2,2 21,9 4,9 7.114 10.375 10.499 10.242 8.500 4.930 7,4 2,9 -7,7 5,7 16,9 23,3 26,0 3,0 32,5 4,8 33,0 4,2 18. Währing Altersstruktur 2014 und 2034 95 2014 85 75 65 55 45 35 25 Mann 15 5 Frau 1,5 1,0 0,5 0,0 0,0 0,5 1,0 1,5 95 2034 85 75 65 55 45 35 25 Mann 15 5 Frau 1,5 1,0 0,5 0,0 0,0 0,5 1,0 1,5 im Inland geboren im Ausland geboren Quelle: MA 23 62 WIEN WÄCHST… XXI. XIX. XVII. XVIII. XX. XXII. XIV. IX. XVI. VIII. VII. I. II. XV. VI. V. IV. III. XIII. XII. XI. XXIII. X. 19. DÖBLING(1190 WIEN) Döbling liegt im Nordwesten Wiens und seine Bezirksfläche beträgt 24,9 km². Davon entfallen fast die Hälfte auf Grünflächen(48%) und ein Drittel(36%) auf Bauflächen. Der Stadtbezirk gilt mit seinen Wienerwaldvillen ähnlich wie Währing und Hietzing als„Nobelbezirk“, aber auch zahlreiche Gemeindebauten wie der KarlMarx-Hof oder genossenschaftliche Wohnanlagen prägen den Stadtteil. Der Bezirk verfügt darüber hinaus über einen bedeutenden Weinanbau und die Wiener Heurigen werden nicht nur von den Wienerinnen und Wienern gerne besucht. 19 Bevölkerungsentwicklung | Döbling nimmt in Wien eine demographische Sonderstellung ein. Während im 20. Jahrhundert zahlreiche Wiener Gemeindebezirke hohe Bevölkerungsverluste hinnehmen mussten, verzeichnete der 19. Gemeindebezirk keine gravierenden Einwohnergewinne bzw.-verluste. Seit den 1980er-Jahren hat sich die Zahl der Bewohnerinnen und Bewohner nur unwesentlich verändert. Für die nächsten Jahre könnte sich die stabile 19 Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Döbling; Statistisches Jahrbuch Wien 2013 Entwicklung fortsetzen und am Ende des Prognosehorizonts mit knapp 70.000 das Niveau des Jahres 2014 widerspiegeln. Bevölkerungsdynamik | In Döbling wird seit Jahren eine negative Geburtenbilanz registriert. Auch in Zukunft ist mit Sterbeüberschüssen zu rechnen, die sich bis zum Ende des Prognosehorizonts verringern. Wie in anderen Gemeindebezirken hat die Zuwanderung ein hohes demographisches Gewicht und kompensiert die Geburtendefizite sowie die Bevölkerungsverluste durch die innerstädtische Abwanderung. Altersstruktur | Mit Ausnahme der Altersklasse der 15- bis 29-Jährigen sowie der Gruppe der Hochbetagten ist im Prognosezeitraum in allen Altersgruppen eine stabile bzw. rückläufige Tendenz zu erwarten. Der Altenanteil von 28% liegt gegenwärtig weit über dem Durchschnitt(22%). Dieser Wert wird bis 2034 geringfügig auf 29% ansteigen und damit den dritthöchsten Wert in Wien einnehmen. Der Altenquotient zeigt in der ersten Phase eine abnehmende Tendenz. Bis zum Jahr 2034, bleibt der Wert unter dem Ausgangsniveau. Der Jugendquotient bleibt im gesamten Zeitraum konstant. 19. Döbling Bevölkerungsentwicklung Quelle: Statistik Austria(Volkszählung 1910 bis 2011) MA 23(Wiener Bevölkerungsregister 2014 und Prognose bis 2034) 2034 2029 2024 2019 2014 69.795 69.363 69.778 70.652 69.774 2011 2001 1991 1981 1971 1961 1951 1934 1910 0 15.000 30.000 45.000 68.307 64.033 67.377 67.522 72.387 66.171 57.727 60.927 52.676 60.000 75.000 90.000 Bevölkerung nach Geburtsland | Mit einem „foreign-born“-Anteil von 28% liegt Döbling deutlich unter dem Wien-Durchschnitt (33%). Die zukünftige demographische Entwicklung sieht Einwohnerverluste bei der im Inland geborenen Bevölkerung vor(-7% bzw.-3.300) und stärkere Bevölkerungsgewinne(+17% bzw.+3.300) bei der im Ausland geborenen Bevölkerung. Der“foreignborn“-Anteil dürfte sich in den nächsten zwei Jahrzehnten auf bis zu 33%erhöhen. Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirken 2014 bis 2034 63 19. Döbling Bevölkerungsdynamik 2014 bis 2034 2032 2030 2028 2026 2024 2022 2020 2018 2016 2014 -1.000-500 0 500 Natürlicher Bevölkerungssaldo(Geburten minus Sterbefälle) Wanderungssaldo(Ausland/Österreich) Binnenwanderungssaldo(übriges Wien) 19. Döbling Altersstruktur 2014/2034 in% 1.000 1.500 75+ 60-74 45-59 -7,1 30-44 15-29 0-14 -10 -4,0 -5 0,4 -0,5 0 5,3 8,2 5 10 19. Döbling Bevölkerungsstruktur 80.000 999.999 64.000 48.000 19.768 22.512 23.062 15 32.000 16.000 50.006 47.266 46.734 0 2014 2024 im Inland geboren im Ausland geboren 2034 Bevölkerung Männer Frauen im Inland geboren im Ausland geboren im Ausland geboren(%) 0-14 Jahre 15-29 Jahre 30-44 Jahre 45-59 Jahre 60-74 Jahre 75+ Jahre über 60-Jährige(%) Jugendquotient Altenquotient 2014 69.774 32.111 37.663 50.006 19.768 28,3 9.355 12.326 14.180 14.114 12.115 7.684 28,4 30,8 40,4 2024 69.778 32.775 37.003 47.266 22.512 32,3 8.914 13.513 14.088 14.156 10.530 8.577 27,4 30,4 35,2 2034 2014/34 69.795 32.971 36.824 0,0 2,7 -2,2 46.734 23.062 33,0 -6,5 16,7 4,7 8.985 13.336 14.110 13.114 12.158 8.093 -4,0 8,2 -0,5 -7,1 0,4 5,3 29,0 0,6 30,6-0,2 38,6-1,8 19. Döbling Altersstruktur 2014 und 2034 95 2014 85 75 65 55 45 35 25 Mann 15 5 Frau 1,5 1,0 0,5 0,0 0,0 0,5 1,0 1,5 95 2034 85 75 65 55 45 35 25 Mann 15 5 Frau 1,5 1,0 0,5 0,0 0,0 0,5 1,0 1,5 im Inland geboren im Ausland geboren Quelle: MA 23 64 WIEN WÄCHST… XXI. XIX. XVII. XVIII. XX. XXII. XIV. IX. XVI. VIII. VII. I. II. XV. VI. V. IV. III. XIII. XII. XI. XXIII. X. 20. BRIGITTENAU(1200 WIEN) Die Brigittenau liegt auf einer Insel zwischen dem Donaukanal und der Donau im nordöstlichen Zentrum des Wiener Stadtgebietes. Mit einer Gesamtfläche von 5,7 km² zählt der Stadtteil zu den kleineren und dicht besiedelten Wiener Gemeindebezirken. Aufgrund der topographischen Lage entfallen rund 21% des Bezirksgebietes auf Gewässer. Bau- und Grünflächen nehmen nur einen geringen Teil der Bezirksfläche ein, wohingegen der Verkehrsflächenanteil mit 35% zu den höchsten in Wien zählt. 20 Bevölkerungsentwicklung | Die Bevölkerungsentwicklung in der Brigittenau verzeichnete in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts deutliche Bevölkerungsverluste. Ab 1950 waren keine gravierenden Veränderungen mehr zu beobachten, wobei das Jahr 1991 den bisherigen Tiefststand markierte. Die kommenden Jahre könnten für die Brigittenau stärkere Bevölkerungsgewinne vorsehen, die u. a. durch Zuzug in das Stadtentwicklungsgebiet Nordwestbahnhof 20 Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Brigittenau; Statistisches Jahrbuch Wien 2013 20. Brigittenau Bevölkerungsentwicklung Quelle: Statistik Austria(Volkszählung 1910 bis 2011) MA 23(Wiener Bevölkerungsregister 2014 und Prognose bis 2034) 2034 2029 2024 2019 2014 106.436 103.110 100.437 92.949 84.870 erklärt werden können. Insgesamt wird ein Anstieg von bis zu 25%(+21.000) projiziert. Bevölkerungsdynamik | Die zukünftige demographische Entwicklung wird von starken Geburtenüberschüssen geprägt sein, die rund ein Drittel(36%) des Bevölkerungswachstums ausmachen. Durch die geplante Neubautätigkeit überwiegen in einigen Jahren die Binnenwanderungsgewinne aus dem übrigen Stadtgebiet. Im gesamten Zeitraum dürfte jedoch die Binnenwanderungsverflechtung insgesamt zu einem geringen Einwohnerverlust(-1.500) führen. Altersstruktur | Das zu erwartende Bevölkerungswachstum wird bis 2034 alle Altersgruppen betreffen. Differenziert betrachtet zeigt sich eine starke Dynamik vor allem bei den Kindern und Jugendlichen sowie bei den„jungen Alten“ und Hochbetagten. Durch den Migrationseffekt bleiben die Kohorten bis zum 45. Lebensjahr relativ stark besetzt. Dies hat zur Folge, dass der Anteil der über 60-Jährigen an der Gesamtbevölkerung(23%) sowie der Altenquotient(29) deutlich unter dem Wien-Durchschnitt(33) bleiben. Bevölkerung nach Geburtsland | Die dynamische Einwohnerentwicklung könnte bei absoluter Betrachtung von beiden Bevölkerungsgruppen(Geburtsland Österreich/ Geburtsland Ausland) im gleichen Maß geprägt sein(je+10.000). Dadurch dürfte sich der Bevölkerungsanteil der im Ausland Geborenen in den kommenden Jahren nur geringfügig erhöhen und im Jahr 2034 bei 43% liegen. 2011 2001 1991 1981 1971 1961 1951 1934 1910 0 20.000 40.000 60.000 83.356 76.267 71.876 73.696 81.647 75.671 72.855 98.021 101.326 80.000 100.000 120.000 Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirken 2014 bis 2034 65 20. Brigittenau Bevölkerungsdynamik 2014 bis 2034 2032 2030 2028 2026 2024 2022 2020 2018 2016 2014 -1.600-800 0 800 Natürlicher Bevölkerungssaldo(Geburten minus Sterbefälle) Wanderungssaldo(Ausland/Österreich) Binnenwanderungssaldo(übriges Wien) 20. Brigittenau Altersstruktur 2014/2034 in% 1.600 2.400 75+ 60-74 45-59 30-44 15-29 0-14 0 35,2 21,8 17,7 17,2 32,8 15 30 45 20. Brigittenau Bevölkerungsstruktur 125.000 999.999 100.000 75.000 50.000 35.117 43.673 54,1 60 75 45.701 25.000 49.753 56.764 60.735 0 2014 2024 im Inland geboren im Ausland geboren 2034 Bevölkerung Männer Frauen im Inland geboren im Ausland geboren im Ausland geboren(%) 0-14 Jahre 15-29 Jahre 30-44 Jahre 45-59 Jahre 60-74 Jahre 75+ Jahre über 60-Jährige(%) Jugendquotient Altenquotient 2014 2024 2034 2014/34 84.870 41.505 43.365 100.437 48.907 51.530 106.436 51.455 54.981 25,4 24,0 26,8 49.753 35.117 41,4 56.764 43.673 43,5 60.735 45.701 42,9 22,1 30,1 1,6 12.438 18.669 19.351 17.188 11.723 5.501 16.145 20.689 23.574 19.409 13.173 7.447 16.524 21.885 22.777 20.928 15.846 8.476 32,8 17,2 17,7 21,8 35,2 54,1 20,3 20,5 22,9 30,0 34,7 35,4 24,0 24,0 28,6 2,6 5,4 4,6 20. Brigittenau Altersstruktur 2014 und 2034 95 2014 85 75 65 55 45 35 25 Mann 15 5 Frau 1,5 1,0 0,5 0,0 0,0 0,5 1,0 1,5 95 2034 85 75 65 55 45 35 25 Mann 15 5 Frau 1,5 1,0 0,5 0,0 0,0 0,5 1,0 1,5 im Inland geboren im Ausland geboren Quelle: MA 23 66 WIEN WÄCHST… XXI. XIX. XVII. XVIII. XX. XXII. XIV. IX. XVI. VIII. VII. I. II. XV. VI. V. IV. III. XIII. XII. XI. XXIII. X. 21. FLORIDSDORF(1210 WIEN) Floridsdorf erstreckt sich über eine Fläche von 44,4 km², davon entfallen je 41% auf Bau- und Grünflächen. Der Stadtbezirk zeichnet sich durch zahlreiche Erholungsgebiete wie die Alte Donau, die Donauinsel oder den Bisamberg aus. In der Zwischenund Nachkriegszeit wurden zahlreiche Gemeindebauten errichtet. Der Stadtteil zählt zu den begehrten Wohnbezirken mit gefördertem Wohnraum. 21 Bevölkerungsentwicklung | Floridsdorf verzeichnet in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stetig Einwohnerzuwächse, allein zwischen 1951 und 2001 um rund 47% auf über 128.000 Personen. Der Bevölkerungszuwachs war auch in den letzten Jahren markant. In den nächsten zwei Jahrzehnten ist mit einer Fortsetzung der positiven Bevölkerungsentwicklung zu rechnen. Bis 2034 könnte die Einwohnerzahl um weitere 16% auf knapp 173.000 Personen zugenommen haben. 21 Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Floridsdorf; Statistisches Jahrbuch Wien 2013 21. Floridsdorf Bevölkerungsentwicklung Quelle: Statistik Austria(Volkszählung 1910 bis 2011) MA 23(Wiener Bevölkerungsregister 2014 und Prognose bis 2034) 2034 2029 2024 2019 2014 172.580 171.619 162.808 158.075 149.101 Bevölkerungsdynamik | In Floridsdorf unterscheiden sich die demographischen Prozesse deutlich von den im Westen gelegenen Bezirken. In den kommenden Jahren sind Geburtenüberschüsse auf niedrigem Niveau zu erwarten. Die Nettomigration dürfte in der ersten Hälfte des Prognosezeitraums mit fallender Tendenz positiv ausfallen und anschließend leicht negativ bilanzieren. Das Bevölkerungswachstum wird vor allem durch Zuwanderung aus den anderen Gemeindebezirken getragen, die sich durch Neubautätigkeiten erklären lässt. Altersstruktur | Die Zahl der unter 45-Jährigen könnte aufgrund des Zuzugs vieler Familien in die neu entstehenden Wohnungen zunehmen. Der Jugendquotient bleibt über die Jahre hinweg konstant. Der Altenquotient zeigt hingegen in der zweiten Prognosehälfte einen deutlichen Anstieg und dürfte somit über dem Durchschnittswert von Wien liegen. Aufgrund der Altersstruktur kann bis 2034 mit einer stärkeren demographischen Alterung gerechnet werden. Bevölkerung nach Geburtsland | Das starke Bevölkerungswachstum dürfte von beiden Bevölkerungsgruppen getragen werden. Nach den Prognoseergebnissen würde die Einwohnerzahl der Autochthonen(Geburt in Österreich) um 12%(+13.100) auf knapp 125.000 steigen. Die allochthone Bevölkerungsgruppe(Geburt im Ausland) könnte mit etwa 50.000 Personen im Jahr 2034 einen Anstieg von bis zu 28%(+10.300) verzeichnen. Der„foreign-born“-Anteil dürfte somit auf 28% steigen, bleibt damit jedoch deutlich unter dem Wien-Durchschnitt(36%). 2011 2001 1991 1981 1971 1961 1951 1934 1910 0 35.000 143.962 128.231 119.415 116.033 105.510 80.839 68.204 89.848 62.154 70.000 105.000 140.000 175.000 210.000 Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirken 2014 bis 2034 67 21. Floridsdorf Bevölkerungsdynamik 2014 bis 2034 2032 2030 2028 2026 2024 2022 2020 2018 2016 2014 -800 0 800 1.600 Natürlicher Bevölkerungssaldo(Geburten minus Sterbefälle) Wanderungssaldo(Ausland/Österreich) Binnenwanderungssaldo(übriges Wien) 21. Floridsdorf Altersstruktur 2014/2034 in% 2.400 3.200 75+ 60-74 45-59 30-44 15-29 0-14 -20 -0,7 0 27,5 15,8 11,6 10,5 20 40 21. Floridsdorf Bevölkerungsstruktur 200.000 999.999 160.000 120.000 37.600 45.195 65,4 60 80 47.945 80.000 40.000 111.501 117.613 124.635 0 2014 2024 im Inland geboren im Ausland geboren 2034 Bevölkerung Männer Frauen im Inland geboren im Ausland geboren im Ausland geboren(%) 0-14 Jahre 15-29 Jahre 30-44 Jahre 45-59 Jahre 60-74 Jahre 75+ Jahre über 60-Jährige(%) Jugendquotient Altenquotient 2014 2024 2034 2014/34 149.101 71.655 77.446 162.808 78.116 84.692 172.580 82.448 90.132 15,7 15,1 16,4 111.501 37.600 25,2 117.613 45.195 27,8 124.635 47.945 27,8 11,8 27,5 2,6 22.826 28.396 30.477 33.432 23.827 10.143 24.079 30.991 33.702 33.998 24.708 15.331 25.234 31.690 35.299 33.200 30.382 16.776 10,5 11,6 15,8 -0,7 27,5 65,4 22,8 24,6 27,3 34,2 33,2 34,2 29,2 29,4 36,2 4,5 0,0 7,0 21. Floridsdorf Altersstruktur 2014 und 2034 95 2014 85 75 65 55 45 35 25 Mann 15 5 Frau 1,5 1,0 0,5 0,0 0,0 0,5 1,0 1,5 95 2034 85 75 65 55 45 35 25 Mann 15 5 Frau 1,5 1,0 0,5 0,0 0,0 0,5 1,0 1,5 im Inland geboren im Ausland geboren Quelle: MA 23 68 WIEN WÄCHST… XXI. XIX. XVII. XVIII. XX. XXII. XIV. IX. XVI. VIII. VII. I. II. XV. VI. V. IV. III. XIII. XII. XI. XXIII. X. 22. DONAUSTADT(1220 WIEN) Donaustadt befindet sich im Osten Wiens und ist mit seinen 102,3 km² der größte Wiener Gemeindebezirk. Nur 26% der Bezirksfläche wird als Bauland ausgewiesen. Grünflächen nehmen mehr als die Hälfte (56%) der Bezirksfläche ein, wobei der überwiegende Teil landwirtschaftlich genutzt wird. In diesem Bezirk befindet sich u.a. das Vienna International Centre, der Donauturm, die Seestadt Aspern sowie das Naherholungsgebiet im Wiener Donaubereich. Auch ein Teil des Nationalparks Donau-Auen liegt im Gebiet des 22. Bezirks. 22 Bevölkerungsentwicklung | Kein anderer Wiener Gemeindebezirk verzeichnete in den letzten Jahren ein so hohes Bevölkerungswachstum, wie die Donaustadt. Zwischen 1951 und 2011 hat sich die Einwohnerzahl verdreifacht und liegt gegenwärtig bei knapp 169.000 Personen. Schon in zehn Jahren könnten mehr als 200.000 Menschen in der Donaustadt leben. Unter den getroffenen Annahmen ist zwischen 2014 und 2034 mit einem Anstieg von 22 Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Donaustadt; Statistisches Jahrbuch Wien 2013 rund 34% zu rechnen, was ein Zuwachs von rund 57.000 Personen bedeutet. Bevölkerungsdynamik | Auch Donaustadt nimmt eine demographische Sonderstellung ein. Wie in der Vergangenheit sind in Zukunft Geburtenüberschüsse zu erwarten. Die negative Wanderungsbilanz mit Rest-Österreich und dem Ausland werden von den intraregionalen Wanderungsgewinnen mehr als aufgewogen. Durch die zukünftige Neubautätigkeit entstehen Zuzugsimpulse, wodurch der positive Gesamtwanderungssaldo in Zukunft weiterhin dem Niveau der letzten Jahre entsprechen würde. Altersstruktur | Die Zahl der unter 15-Jährigen steigt. Diese Entwicklung ist eine Folge der Zunahme der Zahl der Personen im Alter zwischen 20 und 45 Jahren – mithin der potentiellen Eltern. Grund hierfür ist vor allem der zu erwartende erhöhte Zuzug in die geplanten Neubaugebiete. Aber auch die Gruppe der älteren Generation wächst aufgrund der starken Kohorten der 1960erJahrgänge deutlich. Der Jugendquotient bleibt relativ stabil, während der Altenquotient ab Mitte der 2020er-Jahre stärker ansteigen wird. 22. Donaustadt Bevölkerungsentwicklung Quelle: Statistik Austria(Volkszählung 1910 bis 2011) MA 23(Wiener Bevölkerungsregister 2014 und Prognose bis 2034) 2034 2029 2024 2019 2014 225.819 215.661 203.383 184.859 168.665 2011 2001 1991 1981 1971 1961 1951 1934 1910 0 161.419 136.446 106.589 99.801 80.200 57.137 53.098 41.194 26.833 50.000 100.000 150.000 200.000 250.000 Bevölkerung nach Geburtsland | Rund 24% der Bevölkerung ist im Ausland geboren. Damit liegt der„foreign-born“-Anteil deutlich unter dem Wien-Durchschnitt(33%). Der prognostizierte Bevölkerungsanstieg zeigt sich insbesondere bei der im Inland geborenen Bevölkerung mit einem Zuwachs von rund einem Drittel(+30% bzw. +38.900). Aber auch für die allochthone Bevölkerungsgruppe(im Ausland geboren) werden hohe Zuwächse(+45% bzw. +18.300) prognostiziert. Im Jahr 2034 könnte etwa ein Viertel(26%) der Bevölkerung ihren Geburtsort im Ausland haben. 300.000 Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirken 2014 bis 2034 69 22. Donaustadt Bevölkerungsdynamik 2014 bis 2034 2032 2030 2028 2026 2024 2022 2020 2018 2016 2014 -2.400 0 2.400 4.800 Natürlicher Bevölkerungssaldo(Geburten minus Sterbefälle) Wanderungssaldo(Ausland/Österreich) Binnenwanderungssaldo(übriges Wien) 22. Donaustadt Altersstruktur 2014/2034 in% 75+ 60-74 45-59 30-44 15-29 0-14 0 53,1 17,7 29,1 30,1 22,8 25 50 75 22. Donaustadt Bevölkerungsstruktur 250.000 999.999 200.000 150.000 40.381 53.518 7.200 9.600 115,6 100 125 58.673 100.000 50.000 128.284 149.865 167.146 0 2014 2024 im Inland geboren im Ausland geboren 2034 Bevölkerung Männer Frauen im Inland geboren im Ausland geboren im Ausland geboren(%) 0-14 Jahre 15-29 Jahre 30-44 Jahre 45-59 Jahre 60-74 Jahre 75+ Jahre über 60-Jährige(%) Jugendquotient Altenquotient 2014 2024 2034 2014/34 168.665 80.721 87.944 203.383 97.052 106.332 225.819 107.070 118.748 33,9 32,6 35,0 128.284 40.381 23,9 149.865 53.518 26,3 167.146 58.673 26,0 30,3 45,3 2,0 27.740 31.119 36.682 38.645 25.456 9.023 30.942 39.143 43.399 44.399 29.393 16.107 34.056 40.495 47.354 45.479 38.984 19.451 22,8 30,1 29,1 17,7 53,1 115,6 20,4 22,4 25,9 36,1 33,5 34,3 24,9 25,7 32,9 5,4 -1,8 7,9 22. Donaustadt Altersstruktur 2014 und 2034 95 2014 85 75 65 55 45 35 25 Mann 15 5 Frau 1,5 1,0 0,5 0,0 0,0 0,5 1,0 1,5 95 2034 85 75 65 55 45 35 25 Mann 15 5 Frau 1,5 1,0 0,5 0,0 0,0 0,5 1,0 1,5 im Inland geboren im Ausland geboren Quelle: MA 23 70 WIEN WÄCHST… XXI. XIX. XVII. XVIII. XX. XXII. XIV. IX. XVI. VIII. VII. I. II. XV. VI. V. IV. III. XIII. XII. XI. XXIII. X. 23. LIESING(1230 WIEN) Der 23. Wiener Gemeindebezirk liegt im Südwesten Wiens und ist mit einer Fläche von 32,3 km² der fünftgrößte Stadtbezirk. Rund die Hälfte(53%) der Fläche von Liesing ist als Baufläche ausgewiesen und verfügt von allen Stadtbezirken über den größten Prozentanteil an Betriebsbaugebieten. Rund ein Drittel(31%) der Bezirksfläche wird von Grünflächen eingenommen. 23 Bevölkerungsentwicklung | Bis 1961 lag die Einwohnerzahl bei rund 40.000. Mit der Verbauung von Arealen zwischen den alten Dorfkernen mit modernen Wohnanlagen, stieg die Bevölkerung in den 1960er-Jahren rasant an und verzeichnete anschließend weitere Einwohnerzuwächse. Innerhalb der nächsten fünf Jahre dürfte die 100.000er-Marke überschritten werden. Bis 2034 wird ein Bevölkerungswachstum von 19% prognostiziert, ein Plus von rund 18.000 Menschen. 23 Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Liesing; Statistisches Jahrbuch Wien 2013 23. Liesing Bevölkerungsentwicklung Quelle: Statistik Austria(Volkszählung 1910 bis 2011) MA 23(Wiener Bevölkerungsregister 2014 und Prognose bis 2034) 2034 2029 2024 2019 2014 114.078 112.398 109.835 103.770 96.220 2011 2001 1991 1981 1971 1961 1951 1934 1910 0 25.000 41.762 36.947 39.739 38.047 50.000 94.456 84.716 81.853 72.998 65.164 75.000 100.000 125.000 150.000 Bevölkerungsdynamik | Auch Liesing entspricht demographisch nicht dem WienDurchschnitt. Für die kommenden Jahre ist mit einem Geburtendefizit zu rechnen, das ab Mitte der 2020er-Jahre relativ gering ausfallen könnte. Wanderungsgewinne mit den Bundesländern sowie mit dem Ausland dürften nur in den ersten Jahren zu erwarten sein. Danach werden negative Wanderungssalden projiziert. Wie auch im 21. und 22. Gemeindebezirk haben große Neubauprojekte großen Einfluss auf die demographische Entwicklung, da der Zuzug aus den übrigen Gemeindebezirken signifikant zum Bevölkerungswachstum beitragen wird. Altersstruktur | Die Zahl der Kinder und Jugendlichen wird aufgrund des Zuzugs vieler Familien in Neubaugebiete zunehmen. Bis zum Ende des Prognosezeitraumes dürfte auch die hochmobile Gruppe der 15- bis unter 30-Jährigen steigen. Aber auch die Gruppe der„jungen Alten“ wird in Zukunft stark vertreten sein. Die beschriebene Entwicklung spiegelt sich auch im Jugend- und Altenquotienten wider. Während der Jugendquotient bis 2034 relativ konstant bleibt, könnte der Altenquotient in den nächsten Jahren rückläufig sein und anschließend überdurchschnittlich stark ansteigen. Bevölkerung nach Geburtsland | Liesing weist derzeit mit 21% den niedrigsten „foreign-born“-Anteil in Wien auf. Das dürfte sich auch bis 2034 nicht ändern. Absolut betrachtet, weisen die Ergebnisse der Bevölkerungsprognose für beide Bevölkerungsgruppen(Geburtsland Österreich/Geburtsland Ausland) absolut ähnlich hohe Zuwächse auf. Am Ende des Prognosehorizonts könnte die allochthone Bevölkerung rund ein Viertel(26%) der Bezirksbevölkerung ausmachen. Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirken 2014 bis 2034 71 23. Liesing Bevölkerungsdynamik 2014 bis 2034 2032 2030 2028 2026 2024 2022 2020 2018 2016 2014 -1.000 0 1.000 2.000 Natürlicher Bevölkerungssaldo(Geburten minus Sterbefälle) Wanderungssaldo(Ausland/Österreich) Binnenwanderungssaldo(übriges Wien) 23. Liesing Altersstruktur 2014/2034 in% 3.000 4.000 75+ 60-74 45-59 30-44 15-29 0-14 0 14,0 5,4 17,3 13,0 15 28,3 30 45 23. Liesing Bevölkerungsstruktur 125.000 999.999 100.000 75.000 20.359 27.617 58,2 60 75 29.241 50.000 25.000 75.861 82.218 84.837 0 2014 2024 im Inland geboren im Ausland geboren 2034 Bevölkerung Männer Frauen im Inland geboren im Ausland geboren im Ausland geboren(%) 0-14 Jahre 15-29 Jahre 30-44 Jahre 45-59 Jahre 60-74 Jahre 75+ Jahre über 60-Jährige(%) Jugendquotient Altenquotient 2014 2024 2034 2014/34 96.220 45.344 50.876 109.835 51.973 57.862 114.078 53.788 60.290 18,6 18,6 18,5 75.861 20.359 21,2 82.218 27.617 25,1 84.837 29.241 25,6 11,8 43,6 4,5 14.268 15.935 19.341 21.337 17.496 7.843 15.711 20.327 22.363 22.792 16.970 11.674 16.127 20.438 22.685 22.485 19.937 12.406 13,0 28,3 17,3 5,4 14,0 58,2 26,3 26,1 28,4 33,5 33,0 33,3 35,2 32,8 38,1 2,0 -0,2 2,9 23. Liesing Altersstruktur 2014 und 2034 95 2014 85 75 65 55 45 35 25 Mann 15 5 Frau 1,5 1,0 0,5 0,0 0,0 0,5 1,0 1,5 95 2034 85 75 65 55 45 35 25 Mann 15 5 Frau 1,5 1,0 0,5 0,0 0,0 0,5 1,0 1,5 im Inland geboren im Ausland geboren Quelle: MA 23 Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirken 2014 bis 2034 25 Teil 2 BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG IN DEN WIENER GEMEINDEBEZIRKEN 2014 BIS 2034 74 WIEN WÄCHST… Bevölkerungsentwicklung Bis zum Jahr 2024 könnte die Bundeshauptstadt um 10% wachsen, d. h. weitere 178.000 Menschen werden ihren Hauptwohnsitz in Wien haben. Die zu erwartende Bevölkerungsentwicklung wird aber in Zukunft durch deutliche räumliche Unterschiede geprägt sein(Karte 3.1). Die von der Bevölkerungsprognose abgebildete Entwicklung ergibt für zwei Drittel(68% bzw. 170 Zählbezirke) der 250 Zählbezirke einen Zuwachs, der jedoch unterschiedlich ausfallen dürfte. Eine markante Steigerung der Bevölkerungszahl von über 20% verzeichnen jene Stadtquartiere, die in Zukunft durch eine verstärkte Neubautätigkeit und somit durch verstärkte Binnenzuzüge aus anderen Gemeindebezirken ausgelöst werden. Bis zum Jahr 2024 ist in einem Drittel (32%) aller Zählbezirke(80 von 250 Zählbezirken) mit einem Bevölkerungsverlust zu rechnen. Die zu erwartende kleinräumige Entwicklung arrondiert sich zu größeren zusammenhängenden Flächen, die neben dem 1. Wiener Gemeindebezirk den Westrand der Stadt sowie Teilräume im 21. und 22. Gemeindebezirk betreffen könnten. Das Bevölkerungswachstum in den Innenstadtbezirken zeigt seit Jahren eine räumliche Kontinuität, wobei die zentrale Komponente der demographischen Dynamik vor allem auf die Zuwanderung aus dem In- und Ausland zurückzuführen sein wird. Ein Bevölkerungszuwachs der im Inland geborenen Bevölkerung ist vor allem in den Neubaugebieten zu erwarten sowie in gürtelnahen Stadtgebieten(Karte 3.2). Die Zahl der im Ausland geborenen Bevölkerung wird sich gemäß den Wanderungsannahmen mit ganz wenigen Ausnahmen in ganz Wien erhöhen(Karte 3.3). Karte 3.1 Bevölkerungsentwicklung 2014 bis 2024 Relative Veränderung der Bevölkerung Quelle: MA 23, Kleinräumige Bevölkerungsprognose für Wien Prognosegebiete: 250 Zählbezirke Kartengrundlage: ViennaGIS Bearbeitung: T. Tranum Index(2014=100) unter 90 90< 100 100< 110 110< 120 120 und mehr Verkehr Straßen Grünlandnutzung Gewässer Naturraum WIEN GESAMT +10% (+177.600) Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Zählbezirken 2014 bis 2024 75 Karte 3.2 Bevölkerungsentwicklung 2014 bis 2024 Im Inland geborene Bevölkerung Quelle: MA 23, Kleinräumige Bevölkerungsprognose für Wien Prognosegebiete: 250 Zählbezirke Kartengrundlage: ViennaGIS Bearbeitung: T. Tranum 2014= 100(Index) 89 und weniger 90< 100 100< 110 110< 120 120 und mehr Verkehr Straßen Grünlandnutzung Gewässer Naturraum WIEN GESAMT +5% (+56.800) Karte 3.3 Bevölkerungsentwicklung 2014 bis 2024 Im Ausland geborene Bevölkerung Quelle: MA 23, Kleinräumige Bevölkerungsprognose für Wien Prognosegebiete: 250 Zählbezirke Kartengrundlage: ViennaGIS Bearbeitung: T. Tranum 2014= 100(Index) 89 und weniger 90< 100 100< 110 110< 120 120 und mehr Verkehr Straßen Grünlandnutzung Gewässer Naturraum WIEN GESAMT +21% (+120.800) 76 WIEN WÄCHST… Komponenten der Bevölkerungsdynamik Die Bevölkerungsdynamik ist das Resultat der natürlichen und räumlichen Bewegungen. Je nach Ausprägung der Geburten- und Wanderungsbilanz können sich acht verschiedene Konstellationen (Webb-Klassifikation) ergeben. Die kartographische Darstellung(Karte 3.4) macht die Ursachen der Bevölkerungsdynamik deutlich und zeigt, in welchen Stadtquartieren welche demographischen Prozesse die zukünftige Entwicklung prägen werden. Der demographische Befund zeigt, dass in Stadtteilgebieten mit hoher Zuwanderungs- und Neubauaktivität stärkere Einwohnerzuwächse zu erwarten sind. Bevölkerungsverluste hingegen sind in jenen Zählbezirken zu erwarten, wo Geburtendefizite und negative Wanderungssalden prognostiziert werden. Geburtenüberschüsse sind seit dem Jahr 2004 ein stabilisierendes Element der Bevölkerungsentwicklung. Wie in Karte 3.5 ersichtlich, werden in den nächsten Jahren für die meisten Zählbezirke im Innenstadtbereich sowie in den ausgewiesenen Neubaugebieten positive Geburtenbilanzen vorausberechnet. In 35 Zählbezirken dürfte der Geburtenüberschuss sogar höher liegen als der prognostizierte Wanderungsgewinn(Karte 3.4). Auffallend ist, dass neben dem 1. Wiener Gemeindebezirk vor allem Stadtgebiete im Wiener Westrand höhere Geburtendefizite bzw. Sterbeüberschüsse verzeichnen werden. Die stärkste Gewichtung auf die Bevölkerungsdynamik dürfte auch in Zukunft die Zuwanderung aus dem Inund Ausland haben(Karte 3.6). Die Bevölkerungsentwicklung wird aber auch verstärkt durch den innerstädtischen Zuzug in die Neubaugebiete akzentuiert. Davon profitieren vor allem Stadtquartiere in den Gemeindebezirken Favoriten, Brigittenau, Floridsdorf und Liesing. Aber auch in ausgewiesenen Stadtteilen in anderen Gemeindebezirken(Leopoldstadt, Landstraße, Simmering) dominiert der Neubauzuzug das Bevölkerungswachstum. Anders als bei der natürlichen Bevölkerungsveränderung dürften Wanderungsverluste nur in bestimmten Stadtteilen auftreten. Karte 3.4 Bevölkerungsentwicklung 2014 bis 2024 Komponenten der Bevölkerungsdynamik Quelle: MA 23, Kleinräumige Bevölkerungsprognose für Wien Prognosegebiete: 250 Zählbezirke Kartengrundlage: ViennaGIS Bearbeitung: T. Tranum Geburtenbilanz versus Wanderungsbilanz Geburtenüberschuss> Wanderungsverlust(14) Geburtenüberschuss> Wanderungsgewinn(35) Wanderungsgewinn> Geburtenüberschuss(94) Wanderungsgewinn> Sterbeüberschuss(27) Sterbeüberschuss> Wanderungsgewinn(14) Wanderungsverlust> Geburtenüberschuss(16) Sterbeüberschuss> Wanderungsverlust(30) Wanderungsverlust> Sterbeüberschuss(20) Verkehr Straßen Grünlandnutzung Gewässer Naturraum WIEN GESAMT +10% (+177.600) Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Zählbezirken 2014 bis 2024 77 Karte 3.5 Bevölkerungsentwicklung 2014 bis 2024 Geburtenbilanz Quelle: MA 23, Kleinräumige Bevölkerungsprognose für Wien Prognosegebiete: 250 Zählbezirke Kartengrundlage: ViennaGIS Bearbeitung: T. Tranum absolute Veränderung -101 und weniger -100< 0 0< 100 100< 500 500 und mehr Verkehr Straßen Grünlandnutzung Gewässer Naturraum WIEN GESAMT +37.700 (3.800/JAHR) Karte 3.6 Bevölkerungsentwicklung 2014 bis 2024 Wanderungsbilanz Quelle: MA 23, Kleinräumige Bevölkerungsprognose für Wien Prognosegebiete: 250 Zählbezirke Kartengrundlage: ViennaGIS Bearbeitung: T. Tranum absolute Veränderung -101 und mehr -100< 0 0< 100 100< 500 500 und mehr Verkehr Straßen Grünlandnutzung Gewässer Naturraum WIEN GESAMT +139.000 (14.000/JAHR) 78 WIEN WÄCHST… Alterung der Bevölkerung Die demographische Alterung ist ein Prozess, durch den sich die innere Zusammensetzung der Bevölkerung und insbesondere das Verhältnis der Alterskohorten zueinander über einen Zeitraum in bestimmter Weise verändert. Die Karte 3.7 soll die Veränderung der Alterszusammensetzung 1 zwischen 2014 und 2024 widerspiegeln. Es ist davon auszugehen, dass in naher Zukunft Wien demographisch jünger werden wird. Dies ist eine Folge der internationalen Migration sowie der altersspezifischen Binnenzuwanderung aus den übrigen Bundesländern. 1 In Anlehnung an die„Billeter-Maßzahl“, wurde ein Quotient aus der Differenz der 0- bis 19-Jährigen und der 65- und Mehrjährigen zur Bevölkerung der 20- bis 64-Jährigen für die Jahre 2014 und 2024 gebildet. Die Veränderung innerhalb dieses Zeitraumes spiegelt, je nach Ausgangsniveau, die Stärke der demographischen Alterungs- bzw. Verjüngungstendenz wider. In der Karte 3.8 wird die kleinräumige Verteilung des Jugendquotienten, das ist das Verhältnis der Anzahl der unter 20-Jährigen zur Anzahl der 20- bis 64-Jährigen, dargestellt. Die demographischen Veränderungen führen durch die prognostizierte Zunahme von Kindern und Jugendlichen zu einer Verjüngung der Bevölkerung, die sich in einem leicht steigenden Jugendquotienten zeigt. In Wien dürfte der Jugendquotient in jenen Zählbezirken höher liegen, die nicht nur eine positive Geburtenbilanz (z. B. Zählbezirke Favoriten bis Raxstraße(91002 bis 91010)) sondern auch familienbezogene Zuzüge vor allem in die Neubaugebiete verzeichnen(z. B. 91091 Hauptbahnhof – Sonnwendviertel und 92121 Shuttleworthstraße, 92221 Plankenmais, 92231 STAR 22). Der Altenquotient misst den Anteil der 65- und mehrjährigen Personen an den 20- bis unter 65-jährigen Personen, der in der Karte 3.9 dargestellt ist. Ein höherer Altenquotient ist in der Regel auf niedrige Fertilitätsraten zurückzuführen, die einen geringeren Bevölkerungsanteil in den jüngeren Altersklassen bewirken, aber auch auf den erheblichen Zuwachs der älteren Bevölkerung, welcher mit der steigenden Lebenserwartung bzw. mit der verstärkten Abwanderung jüngerer Personen zusammenhängen kann. Es zeigt sich ein höherer Altenquotient am Westrand Wiens sowie auffallend in einzelnen Zählbezirken(91013 Siedlung Wienerfeld, 91014 und 91020 Per-Albin-Hansson-Siedlung) im 10. Wiener Gemeindebezirk. Karte 3.7 Bevölkerungsentwicklung 2014 bis 2024 Altersdynamik Quelle: MA 23, Kleinräumige Bevölkerungsprognose für Wien Prognosegebiete: 250 Zählbezirke Kartengrundlage: ViennaGIS Bearbeitung: T. Tranum älter durchschnittlich jünger Verkehr Straßen Grünlandnutzung Gewässer Naturraum WIEN GESAMT 0-19-JÄHRIGE:+18% (+61.700) 20-64-JÄHRIGE:+7% (+83.500) 65 UND MEHRJÄHRIGE:+11% (+32.400) Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Zählbezirken 2014 bis 2024 79 Karte 3.8 Bevölkerungsentwicklung 2014 bis 2024 Jugendquotient 2024 Quelle: MA 23, Kleinräumige Bevölkerungsprognose für Wien Prognosegebiete: 250 Zählbezirke Kartengrundlage: ViennaGIS Bearbeitung: T. Tranum 24 und weniger 25< 30 30< 35 35< 40 40 und mehr Verkehr Straßen Grünlandnutzung Gewässer Naturraum WIEN GESAMT Jugendquotient 32,9 Karte 3.9 Bevölkerungsentwicklung 2014 bis 2024 Altenquotient 2024 Quelle: MA 23, Kleinräumige Bevölkerungsprognose für Wien Prognosegebiete: 250 Zählbezirke Kartengrundlage: ViennaGIS Bearbeitung: T. Tranum 4 und weniger 5< 10 10< 15 15< 20 20 und mehr Verkehr Straßen Grünlandnutzung Gewässer Naturraum WIEN GESAMT Altenquotient 27,5 80 WIEN WÄCHST… Karte 3.10 Bevölkerungsentwicklung 2014 bis 2024 0- bis 2-Jährige Quelle: MA 23, Kleinräumige Bevölkerungsprognose für Wien Prognosegebiete: 250 Zählbezirke Kartengrundlage: ViennaGIS Bearbeitung: T. Tranum absolute Veränderung -50 und weniger -49< 0 0< 50 50< 100 100 und mehr Verkehr Straßen Grünlandnutzung Gewässer Naturraum WIEN GESAMT +9% (+5.000) Karte 3.11 Bevölkerungsentwicklung 2014 bis 2024 3- bis 5-Jährige Quelle: MA 23, Kleinräumige Bevölkerungsprognose für Wien Prognosegebiete: 250 Zählbezirke Kartengrundlage: ViennaGIS Bearbeitung: T. Tranum absolute Veränderung -50 und weniger -49< 0 0< 50 50< 100 100 und mehr Verkehr Straßen Grünlandnutzung Gewässer Naturraum WIEN GESAMT +12% (+6.500) Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Zählbezirken 2014 bis 2024 81 Karte 3.12 Bevölkerungsentwicklung 2014 bis 2024 6- bis 9-Jährige Quelle: MA 23, Kleinräumige Bevölkerungsprognose für Wien Prognosegebiete: 250 Zählbezirke Kartengrundlage: ViennaGIS Bearbeitung: T. Tranum absolute Veränderung -50 und weniger -49< 0 0< 50 50< 100 100 und mehr Verkehr Straßen Grünlandnutzung Gewässer Naturraum WIEN GESAMT +18% (+11.700) Karte 3.13 Bevölkerungsentwicklung 2014 bis 2024 10- bis 14-Jährige Quelle: MA 23, Kleinräumige Bevölkerungsprognose für Wien Prognosegebiete: 250 Zählbezirke Kartengrundlage: ViennaGIS Bearbeitung: T. Tranum absolute Veränderung -50 und weniger -49< 0 0< 50 50< 100 100 und mehr Verkehr Straßen Grünlandnutzung Gewässer Naturraum WIEN GESAMT +21% (+16.400) 82 WIEN WÄCHST… Karte 3.14 Bevölkerungsentwicklung 2014 bis 2024 15- bis 19-Jährige Quelle: MA 23, Kleinräumige Bevölkerungsprognose für Wien Prognosegebiete: 250 Zählbezirke Kartengrundlage: ViennaGIS Bearbeitung: T. Tranum absolute Veränderung -50 und weniger -49< 0 0< 50 50< 100 100 und mehr Verkehr Straßen Grünlandnutzung Gewässer Naturraum WIEN GESAMT +25% (+22.100) Karte 3.15 Bevölkerungsentwicklung 2014 bis 2024 20- bis 29-Jährige Quelle: MA 23, Kleinräumige Bevölkerungsprognose für Wien Prognosegebiete: 250 Zählbezirke Kartengrundlage: ViennaGIS Bearbeitung: T. Tranum absolute Veränderung -50 und weniger -49< 0 0< 50 50< 100 100 und mehr Verkehr Straßen Grünlandnutzung Gewässer Naturraum WIEN GESAMT -1% (-2.800) Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Zählbezirken 2014 bis 2024 83 Karte 3.16 Bevölkerungsentwicklung 2014 bis 2024 30- bis 44-Jährige Quelle: MA 23, Kleinräumige Bevölkerungsprognose für Wien Prognosegebiete: 250 Zählbezirke Kartengrundlage: ViennaGIS Bearbeitung: T. Tranum absolute Veränderung -50 und weniger -49< 0 0< 50 50< 100 100 und mehr Verkehr Straßen Grünlandnutzung Gewässer Naturraum WIEN GESAMT +9% (+35.900) Karte 3.17 Bevölkerungsentwicklung 2014 bis 2024 45- bis 59-Jährige Quelle: MA 23, Kleinräumige Bevölkerungsprognose für Wien Prognosegebiete: 250 Zählbezirke Kartengrundlage: ViennaGIS Bearbeitung: T. Tranum absolute Veränderung -50 und weniger -49< 0 0< 50 50< 100 100 und mehr Verkehr Straßen Grünlandnutzung Gewässer Naturraum WIEN GESAMT +6% (+22.600) 84 WIEN WÄCHST… Karte 3.18 Bevölkerungsentwicklung 2014 bis 2024 60- bis 74-Jährige Quelle: MA 23, Kleinräumige Bevölkerungsprognose für Wien Prognosegebiete: 250 Zählbezirke Kartengrundlage: ViennaGIS Bearbeitung: T. Tranum absolute Veränderung -50 und weniger -49< 0 0< 50 50< 100 100 und mehr Verkehr Straßen Grünlandnutzung Gewässer Naturraum WIEN GESAMT +5% (+14.600) Karte 3.19 Bevölkerungsentwicklung 2014 bis 2024 75-Jährige und älter Quelle: MA 23, Kleinräumige Bevölkerungsprognose für Wien Prognosegebiete: 250 Zählbezirke Kartengrundlage: ViennaGIS Bearbeitung: T. Tranum absolute Veränderung -50 und weniger -49< 0 0< 50 50< 100 100 und mehr Verkehr Straßen Grünlandnutzung Gewässer Naturraum WIEN GESAMT +37% (+45.500) Teil 3 BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG IN DEN WIENER ZÄHLBEZIRKEN 2014 BIS 20 2 4 88 WIEN WÄCHST… 4.1 GEBURTEN UND FERTILITÄT In den Sozialwissenschaften wird seit Jahrzehnten über das zukünftige Fertilitätsniveau diskutiert. Es gibt einerseits Argumente, die zumindest in einigen europäischen Staaten für eine konstante bzw. stagnierende Fertilitätsentwicklung sprechen, andere wiederum halten einen weiteren Rückgang nicht für ausgeschlossen. Das demographische Bestandserhaltungsniveau von zwei Kindern pro Frau wird in Wien schon seit Jahrzehnten nicht mehr erreicht. Jede Bevölkerungskohorte durchläuft generative Norm- und Wertesysteme, die durch unterschiedliche Bildungs- und Berufs-, Partnerschafts- und Familienbiographien geprägt werden, und somit mögliche Hinweise in Bezug auf die Fertilitätsentwicklung geben können. 1 Eines der vorgebrachten Argumente diskutiert die Perspektiven-, Ressourcen- und Vereinbarkeitsproblematik, die auf eine spätere Selbstständigkeit junger Erwachsener und damit zu verminderter Familienbildung hinweist. Die Lebensentscheidungen(Bildung, Arbeitsmarkt und Familie) können zunehmend in einem immer kleiner werdenden biographischen Fenster realisiert werden, was sich u. a. im ansteigenden Alter der Mütter widerspiegelt. Andere Argumente beziehen sich auf die bildungs- und berufsbedingte Mobilität, die eine höhere Trennungswahrscheinlichkeit impliziert bzw. stabile Partnerschaften im reproduktiven Alter nicht immer begünstigt. Geburtenaufschub ist in diesem Zusammenhang auch mit höherem Risiko ungewollter Kinderlosigkeit verbunden. Auch der Anteil pluraler nicht-familialer Lebensformen ist in Wien relativ hoch. 1 Quellennachweis: DORBRITZ, J.(2010): Dimensionen der Kinderlosigkeit in Deutschland. In: Bevölkerungsforschung Aktuell 02/2011, S. 2-6. KLEIN, T.(2003): Die Geburt von Kindern in paarbezogener Perspektive. In: Zeitschrift für Soziologie, Jg.32, Heft 6. S. 506-527. Lucius&Lucius Verlag Stuttgart. PEUCKERT, R.(2008): Familienformen im sozialen Wandel. 7. Auflage. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. RILLE-PFEIFFER, C.(2007): Geburtenentwicklung und Kinderwunsch im europäischen Vergleich. Working Paper. Österreichisches Institut für Familienforschung. Wien. SOBOTKA, T.(2005): Fertility in Austria: An Overview. Vienna Yearbook of Population Research 2005, S. 243-259. ZEMAN K./ SOBOTKA T./ GISSER R./ WINKLER-DWORAK M./ LUTZ W.(2011): Geburtenbarometer Wien: Analyse der konvergenten Fertilität zwischen Wien und Österreich. VID Working Paper 07/2011. Auch die Entwicklung am Arbeitsmarkt hinsichtlich befristeter Dienstverhältnisse und prekärer Jobaussichten können die Chancen von Frauen auf Nachwuchs verringern. Frauen bekommen in atypischen Beschäftigungsformen seltener bis zum Alter von 35 Jahren das erste Kind als Frauen in Normalarbeitsverhältnissen. Die Wahrscheinlichkeit sinkt mit jedem Jahr in prekären Beschäftigungsverhältnissen im Vergleich zu den Frauen mit unbefristetem Dienstverhältnis. Nach drei Jahren sinkt die Wahrscheinlichkeit, das erste Kind vor dem 35. Geburtstag zu bekommen. Je länger eine Frau in prekären Jobs verbringt, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, mit 35 Jahren noch kinderlos zu sein. 2 Laut Statistik Austria lag allein in Österreich 2011 der Anteil an unselbstständig atypisch Beschäftigten bei 13%. Ein Drittel der erwerbstätigen Frauen(34%) arbeitet Teilzeit und mehr Frauen als Männer sind geringfügig beschäftigt. Insgesamt haben neun von zehn Männern (86%) und jede zweite Frau(51%) eine unbefristete Anstellung. 3 Wien zeichnet seit Jahrzehnten einen speziellen Fertilitätstrend. Seit den 1960erJahren liegt das Fertilitätsniveau in Wien deutlich unter dem Reproduktionsniveau von 2,1 Kindern, und seit Mitte der 1970erJahre liegt die Gesamtfertilitätsrate(GFR) in Wien konstant bei rund 1,4 Kindern pro Frau. Wien hat jedoch seit langem nicht mehr die in Relation niedrigsten Geburtenzahlen aller Bundesländer. Das Fertilitätsniveau hat sich in den letzten Jahren österreichweit angenähert. Während in den Bundesländern ein Rückgang der GFR zu beobachten war, verläuft die Fertilitätsentwicklung in Wien seit zwei Jahrzehnten relativ stabil. Anhaltspunkte für eine gravierende Änderung der Fertilitätsentwicklung sind für die Zukunft nicht zu erkennen. 2 STEELE E.J., GILES L.C., DAVIES M.J., MOORE V.M.(2013): Is precarious employment associated with women remaining childless until age 35 years? Results from an Australian birth cohort study. http://humrep.oxfordjournals.org/content/early/2013/11/15/ humrep.det407.abstract?sid=6b20a0da-9e5c-484f-9421307937456c14(Zugriff November 2013) 3 KNITTLER. K., STADLER B.(2012): Atypische Beschäftigung während der Krise nach soziodemographischen Merkmalen. In: Statistische Nachrichten 7/2012, S. 476-495. Annahmen 89 Für die Landesstatistik Wien erscheint daher die Annahme einer konstanten Fertilitätsentwicklung in Wien naheliegend. Die begründeten Annahmen beziehen sich einerseits auf die hohe Bildungs- und Arbeitsmarktpartizipation der Frauen sowie auf die damit verbundene Anpassung des Fertilitätsverhaltens an sozioökonomische Unsicherheiten. Denn niedriges Einkommen, höhere Bildungsansprüche(Investitionen in Kinder) sowie der Verlust des familiären Umfelds für die Kinderbetreuung können Hinweise auf den Aufschub und Verzicht auf Kinder sein. Das relativ niedrige Fertilitätsniveau der in Österreich geborenen Mütter korreliert mit dem steigenden Fertilitätsalter, das eine verstärkte Bildungsbeteiligung und somit einen Aufschub des Kindeswunsches impliziert. Die durchschnittliche GFR für Wien aus 2008-2012 beträgt 1,41. Für die Prognoseberechnung wird angenommen, dass dieser Wert auch in Zukunft unverändert bleibt. Das mittlere Fertilitätsalter wird kurz- und mittelfristig weiterhin zunehmen. Wir unterstellen in den ersten zehn Prognosejahren(2014 bis 2023) einen Anstieg des Fertilitätsalters um ein Jahr, d. h. für jedes neu zu berechnende Kalenderjahr haben wir die altersspezifische Fertilitätsrate(ASFR) um 1/10 verringert und den dabei subtrahierten Absolutbetrag zur nächsthöheren ASFR addiert. Daraus ergibt sich eine Verschiebung um ca. 0,1 Jahre pro Kalenderjahr. 4 Für die Projektionsperiode 2024 bis 2033 wird von einem schwächeren Anstieg des Fertilitätsalters ausgegangen, wobei die Abnahme der ASFR mit 1/20 angenommen wurde. Grafik 4.1 Gesamtfertilitätsrate in den Bundesländern Durchschnittliche Kinderzahl pro Frau Quelle: Statistik Austria 4 3 2 Wien 1 0 1961 1971 Burgenland Salzburg 1981 Kärnten Steiermark 1991 Niederösterreich Tirol 2001 2011 Oberösterreich Vorarlberg Tabelle 4.1 Fertilitätsniveau in Wien Nach Geburtsland der Mutter und Cluster Quelle: MA 23 Cluster Mittleres Fertilitätsalter Gesamtfertilitätsrate Cluster Mittleres Fertilitätsalter Gesamtfertilitätsrate Geburtsland Inland 123 29,9 29,6 32,9 1,23 1,06 1,09 Ausland 456 28,8 31,6 29,5 2,25 1,44 1,87 Anhand der Clusteranalyse wurden insgesamt sechs Fertilitätstypen ermittelt. 5 Mit der jeweils für das Jahr 2024 bzw. 2034 interpolierten GFR wurden die„verschobenen“ ASFR-Ergebnisse der einzelnen Cluster in weiterer Folge angepasst. 4 http://www.wegweiserkommune. de/global/methodik/Erlaeuterungen_Bevoelkerungsvorausberechnung_2030.pdf(Zugriff Februar 2014) 5 Nähere Erläuterungen im Kapitel 5. 90 WIEN WÄCHST… ASFR-insgesamt_08/12 ASFR-insgesamt_2023 ASFR-insgesamt_2033 ASFR-Inland_08/12 ASFR-Inland_2023 ASFR-Inland_2033 ASFR-Ausland_08/12 ASFR-Ausland_2023 ASFR-Ausland_2033 2008/12| Interpolation 2023 und 2033 Grafik 4.2 Altersspezifische Fertilitätsraten Nach Geburtsland der Mutter und Clusterzugehörigkeit Quelle: MA 23 0,16 0,12 0,08 0,04 Cluster-1_08/12 Cluster-1_2023 Cluster-1_2033 Cluster-2_08/12 Cluster-2_2023 Cluster-2_2033 Cluster-3_08/12 Cluster-3_2023 Cluster-3_2033 2008/12| Interpolation 2023 und 2033 0,00 15 17 19 21 23 25 27 29 31 33 35 37 39 41 43 45 47 49 0,16 0,12 0,08 0,04 Cluster-4_08/12 Cluster-4_2023 Cluster-4_2033 Cluster-5_08/12 Cluster-5_2023 Cluster-5_2033 Cluster-6_08/12 Cluster-6_2023 Cluster-6_2033 2008/12| Interpolation 2023 und 2033 0,00 15 17 19 21 23 25 27 29 31 33 35 37 39 41 43 45 47 49 0,16 0,12 0,08 0,04 0,00 15 17 19 21 23 25 27 29 31 33 35 37 39 41 43 45 47 49 Annahmen 91 4.2 LEBENSERWARTUNG UND MORTALITÄT In den letzten Jahrzehnten ist das Sterberisiko nicht nur bei Kindern und Jugendlichen, sondern auch im höheren Erwachsenenalter gesunken. Bei Säuglingen, Kindern und Jugendlichen ist die Sterblichkeit bereits so niedrig, dass sich in diesem Bereich künftig kaum noch Auswirkungen auf das Mortalitätsgeschehen und die Lebenserwartung ergeben werden. Dies führt zu einer kontinuierlich steigenden Lebenserwartung. Das Leben in Wien wurde aber nicht bloß„länger“ – es wurde im statistischen Sinn auch immer„sicherer“. Grafik 4.3 Altersspezifische Sterbewahrscheinlichkeiten Nach Geburtsland und Geschlecht Quelle: Statistik Austria 0,40 0,35 2014 0,30 0,25 0,20 0,15 0,10 0,05 Die regionalen Muster der Disparitäten in der Sterblichkeit haben sich in der Be0,00 1 11 21 31 41 51 61 71 81 91 obachtungsperiode(1988/94 als auch 2002/08) kaum verändert. Allerdings sind nicht nur die regionalen Abweichungen insMann(autochthon) Frau(autochthon) Mann(allochthon) Frau(allochthon) gesamt, sondern auch jene zu den Bundeslandmitteln kleiner geworden. Der Anstieg der Lebenserwartung fällt in der Prognose 0,40 0,35 2044 bei Frauen etwas schwächer aus als in den vorangegangenen Prognosen. Der Trend 0,30 zur Annäherung der Lebenserwartung der 0,25 Männer an die der Frauen hält in Wien an. Eine Annäherung der Lebenserwar0,20 tung zwischen den Geschlechtern hängt 0,15 im Wesentlichen auch vom individuellen Lebensstil und von sozioökonomischen 0,10 Faktoren ab. Biologische Faktoren dürften 0,05 eine Lebenserwartungsdifferenz zwischen den Geschlechtern von etwa ein bis zwei 0,00 1 11 21 31 41 51 61 71 81 91 Jahren bewirken. 6 Im Wesentlichen kann die Entwicklung der Sterblichkeitsverhältnisse und der Lebenserwartung durch geMann(autochthon) Frau(autochthon) Mann(allochthon) Frau(allochthon) sellschaftliche Faktoren erklärt werden. Die Methodenwahl sowie die Berücksichtigung von exogenen Einflüssen auf die Mortalität sind in Hinblick auf Bevölkerungsprognosen mit längeren Projektionszeiträumen wichtige Qualitätskriterien. Exogene Einflüsse(Stichwort: Lebensstil) gewinnen bei der Bewertung und Annahmensetzung zunehmend an Bedeutung, die Hinweise auf die Entwicklung der zukünftigen Lebenserwartung geben können. 6 LUY, M.(2002): Warum Frauen länger leben. Erkenntnisse aus einem Vergleich von Kloster- und Allgemeinbevölkerung, in: BIB Heft 106. 92 WIEN WÄCHST… Auswirkungen über den Verlauf der chronischen Krankheiten, also Erkrankungen mit einem erhöhten Sterblichkeitsrisiko, könnten für Kinder und Jugendliche langfristig eine kürzere Lebenserwartung als die Elterngeneration zur Folge haben. Die amtliche Statistik verfügt derzeit jedoch noch nicht über ausreichend evidenzbasierte Informationen, um diese gesundheitsrelevanten Auswirkungen auf die Lebenserwartung statistisch zu prüfen. In der aktuellen Prognosegeneration der Bundesanstalt Statistik Österreich werden Zielwerte der Lebenserwartung 2050 auf Basis von Expertenmeinungen angesetzt und die dazu gehörigen Sterbewahrscheinlichkeiten aus Modellsterbetafeln abgeleitet. Die ex-post Analysen belegen, dass die Lebenserwartung in den einzelnen Wiener Gemeindebezirken kaum differiert und die empirisch errechneten Abweichungen der Sterblichkeit in erster Linie auf die geringen Fallzahlen bei den Sterbefällen und Besetzungszahlen in den Altersgruppen zurückzuführen sind. Für die Extrapolation der Sterbewahrscheinlichkeiten und der daraus abgeleiteten Lebenserwartungen für die autochthone und allochthone Bevölkerung wird keine regionale Differenzierung für Wiener Gemeindebezirke vorgenommen. 4.3 ZUWANDERUNG AUS DEN BUNDESLÄNDERN Eine Fortschreibung der aus den letzten Jahren beobachteten Wanderungsverflechtungen zwischen den Regionen Österreichs stellt für das dynamische Wanderungsgeschehen in Ballungsräumen (große Städte und deren Umland) eine umstrittene Methodik dar. Die Bundesländerprognose der Bundesanstalt Statistik Österreich aus dem Jahr 2013 projiziert für Wien steigende Binnenwanderungsdefizite über den gesamten Prognosezeitraum. Wenn auch noch nicht von einer Trendwende gesprochen werden darf, belegen die aktuellen Ergebnisse der Wanderungsstatistik die Notwendigkeit differenzierter Analysen und inhaltlich modifizierter Annahmenfindung. Die Stadt Wien verzeichnet seit Jahren einen Wanderungsgewinn mit den Gebieten Österreichs außerhalb des Wiener Umlands. Diese stellten eine Gegenbewegung zu den insbesondere seit den 1990er-Jahren starken Wanderungsverlusten in das Wiener Umland dar und sorgten insgesamt für eine Abschwächung des negativen Binnenwanderungssaldos Wiens. Auch für die kommenden Jahre ist von einer Fortschreibung dieses gegensätzlichen Musters der Binnenwanderung auszugehen, da Wien nach wie vor als Standort höherer Bildung sowie als einzige internationale Metropole Österreichs mit einem entsprechenden Angebot an hoch qualifizierten Arbeitsplätzen eine hohe Attraktivität für Bildungssuchende aus dem übrigen Österreich aufweist. Was die interregionale Wanderungsverflechtung betrifft, verzeichnet die Bundeshauptstadt Wien Bevölkerungsverluste durch familienbezogene Abwanderung insbesondere ins Wiener Umland. Gleichzeitig migrieren vermehrt Personen aus anderen Bundesländern nach ihrem Schulbesuch nach Wien, um hier ihre arbeitsspezifische und universitäre Ausbildung fortzusetzen. Die„Bildungs- und Beschäftigungsmigration“ aus dem übrigen Bundesgebiet nach Wien nimmt im Wanderungsgeschehen eine hohe Relevanz ein und unterstreicht die Attraktivität Wiens als Ausbildungsstandort. Der abgeschwächte Abwanderungstrend aus Wien kann in diesem Zusammenhang auch als Indikator für höhere Trennungshäufigkeit von Paaren gelten, aber auch ein Hinweis auf die steigende Zahl von Alleinerziehenden sowie Singles und kinderlosen Paaren sein, da der Wegzug in der Vergangenheit durch die„klassische“ Familie geprägt war. Annahmen 93 Wien ist für verschiedene Bevölkerungsgruppen(FRUPPIEs, MUPPIEs, YETTIES, …) 7 ein attraktiver Standort, an dem vielschichtige bildungsspezifische und berufliche Möglichkeiten vorgefunden werden, die die Abwanderungstendenz aus Wien verringert. Und es ist nicht auszuschließen, dass auch zukünftig Ältere(Woopies) den Wiener Speckgürtel verlassen und ihre Pensionsjahre in der Stadt genießen wollen. Aber auch eine höhere Verkehrsdichte, die das Pendeln nach Wien erschwert, könnte sich auf die Abwanderungstendenzen in das Wiener Umland auswirken. Falls die verlangsamte Abwanderungsbewegung und der steigende Zuzug aus den Bundesländern anhält, kann für die Folgejahre weiterhin mit einer schwach positiven Binnenwanderungsbilanz oder zumindest mit nur leichten Suburbanisierungsverlusten gerechnet werden. Es wird angenommen, dass das Niveau des Migrationsvolumens der Jahre 2007/2012 mit etwa 30.000 Wanderungsfällen in den nächsten Jahren unverändert bleibt. Die Differenzierung des Volumens erfolgt nach Geschlecht und Geburtsland. 4.4 ZUWANDERUNG AUS DEM AUSLAND Welchen Variationsspielraum Wanderungen haben bzw. wie unvorhersehbar sie sein können zeigt die massive Zuwanderung im Zuge der geopolitischen Veränderungen in den osteuropäischen Staaten Anfang der 1990er-Jahre sowie durch die EU-Beitrittsländer im Jahr 2004. Des Weiteren gab es in jüngster Zeit im Rahmen der Registerzählung 2011(Wohnsitzprüfung) massive Melderegisterbereinigungen von Seiten der Stadt Wien. Tabelle 4.2 Zuzugsvolumina aus den Bundesländern Nach Geburtsland und Geschlecht Quelle: MA 23(2014-2033); Statistik Austria(2007/2012) Jahr 2007/12 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028 2029 2030 2031 2032 2033 … 2043 Insgesamt 30.823 30.000 30.000 30.000 30.000 30.000 30.000 30.000 30.000 30.000 30.000 30.000 30.000 30.000 30.000 30.000 30.000 30.000 30.000 30.000 30.000 … 30.000 aus anderem Bundesland 30.823 autochthon allochthon 22.138 8.686 Männer Frauen Männer Frauen 10.976 10.682 10.682 10.682 10.682 10.682 10.682 10.682 10.682 10.682 10.682 10.682 10.682 10.682 10.682 10.682 10.682 10.682 10.682 10.682 10.682 … 10.682 11.162 10.864 10.864 10.864 10.864 10.864 10.864 10.864 10.864 10.864 10.864 10.864 10.864 10.864 10.864 10.864 10.864 10.864 10.864 10.864 10.864 … 10.864 4.857 4.727 4.727 4.727 4.727 4.727 4.727 4.727 4.727 4.727 4.727 4.727 4.727 4.727 4.727 4.727 4.727 4.727 4.727 4.727 4.727 … 4.727 3.828 3.726 3.726 3.726 3.726 3.726 3.726 3.726 3.726 3.726 3.726 3.726 3.726 3.726 3.726 3.726 3.726 3.726 3.726 3.726 3.726 … 3.726 Diese wurden in der Wanderungsstatistik folglich zeitverzögert als Wegzug ins Ausland registriert und wirkten sich auf das Niveau der entsprechenden Jahre aus. Dennoch blieb in den letzten zehn Jahren mit wenigen Ausnahmen der Saldo aus Zuund Wegzügen im fünfstelligen Bereich. 7 FRUPPIEs(frustrated urban professional): unzufriedene, frustrierte Form des Yuppie(young urban professional= junge Erwachsene der berufstätigen, städtischen, oberen Mittelschicht); MUPPIEs(middle aged urban professionals): Berufstätige Großstadtmenschen mittleren Alters; SELPIEs(second life people): Ältere Generation; Umschreibung für die so genannten„neuen Alten“, die ihr zweites Leben genießen und über entsprechende Einkommen verfügen; WOOPIEs(weel-off older people): Wohlhabende ältere Leute; Gruppe der sich im Ruhestand befindlichen älteren Personen, die gesundheitsbewusst leben und die Vorzüge einer urbanen Infrastruktur zu schätzen wissen. Auch als„Best ager“ bekannt; YETTIEs(young, entrepreneurial, tech-based, twenty-something): ledige 20- bis 30-Jährige, die im IT-Umfeld tätig sind. Yetties zeichnen sich durch hohe Flexibilität und ausgeprägten Arbeitseinsatz aus. Sie gelten als die Nachfolger der Yuppies in den achtziger Jahren. Die größte Aufmerksamkeit bei Bevölkerungsprognosen wird in der Regel den Annahmen zur Außenwanderung gewidmet. Doch entzieht sich gerade diese Komponente weitgehend einer fundierten Annahmenfindung. Wanderungsbewegungen können im Gegensatz zur Entwicklung der Fertilität und der Mortalität nicht auf der Grundlage von biometrischen Parametern prognostiziert werden. Vielmehr werden die Wande- 94 WIEN WÄCHST… Grafik 4.4 Zuzugsvolumen aus dem Ausland Nach Jahresperioden Quelle: MA 23; Statistik Austria 60.000 50.000 40.000 44.705 46.272 Prognose 48.597 43.630 30.000 Projektion 39.349 35.610 20.000 10.000 0 2002-2006 2007-2012 2014/2018 2019/2023 2024/2028 2029/2033 rungsströme durch exogene(wirtschaftliche und politische) Rahmenbedingungen im Inland und in den jeweiligen Herkunftsländern bestimmt. Bei der Außenwanderungsdynamik sind demographische Faktoren sowie wirtschafts- und arbeitsmarktrelevante Faktoren in den Herkunftsländern zu beurteilen. Ebenso haben gesetzliche Bestimmungen auf Bundes- und Landesebene sowie auf europäischer Ebene Auswirkungen auf die internationalen Migrationsbewegungen. Die anhaltende sozioökonomische Attraktivität und hohe Lebensqualität Wiens insgesamt, die bereits vorhandenen und weiter wachsenden MigrantInnennetzwerke/Diasporas in Wien, die die Migration erleichtern und zum Teil erst begründen(z. B. Familiennachzug) und die steigende Nachfrage nach Arbeitskräften in bestimmten Branchen(z. B. Altenpflege, Saisonarbeit) sind„pull-Faktoren“ für Zuwanderung. Aber auch der zukünftige Stellenwert als Forschungs- und Wissenschaftsstandort kann kurz- und mittelfristig eine erhebliche Sogwirkung auf die internationale Migration haben. Zu den wichtigsten Rechtsvorschriften auf dem Gebiet der Einwanderung gehören: • Richtlinie 2003/86/EG betreffend das Recht auf Familienzusammenführung; • Richtlinie 2003/109/EG betreffend die Rechtsstellung der langfristig aufenthaltsberechtigten Drittstaatsangehörigen; • Richtlinie 2004/114/EG über die Zulassung von Drittstaatsangehörigen zur Absolvierung eines Studiums; • Richtlinie 2005/71/EG über ein besonderes Zulassungsverfahren für Drittstaatsangehörige zum Zwecke der wissenschaftlichen Forschung; • Richtlinie 2008/115/EG zur Rückführung illegal aufhältiger Drittstaatsangehöriger; • Richtlinie 2009/50/EG über die Bedingungen für die Einreise und den Aufenthalt hochqualifizierter Drittstaatsangehöriger Die in der vorliegenden Regionalprognose getroffenen Annahmen basieren auf einem Diskussionsprozess der MA 23 mit fachübergreifenden ExpertInnen aus anderen Dienststellen. Als Ausgangspunkt bei der Berechnung des Zuzugsvolumens wurde die Referenzperiode 2007/2012 der Migrationsstatistik herangezogen und eine Bewertung nach Herkunftsregionen vorgenommen. Die derzeitigen Rahmenbedingungen sprechen nach wie vor für eine höhere Mobilität aus dem EU-Raum. Das Zuzugsvolumen aus der Europäischen Union sowie aus den außereuropäischen Regionen dürfte kurz- und mittelfristig die Größenordnung der heutigen Auslandswanderung widerspiegeln. Die Attraktivität der Landeshauptstadt Wien mit ihren Hochschulen und ihrer wirtschaftlichen und innovativen Branchenvielfalt könnte für einen ausbildungs- und berufsbezogenen Zuzug aus dem Ausland auf relativ hohem Niveau bestehen bleiben. Die Wanderungsannahmen gehen von einem Mittelwert der vorangegangenen drei Jahre aus, wobei im ersten Jahrfünft das jährliche Zuzugsvolumen auf etwa 49.000 ansteigt. Kurzfristig dürfte sich der anhaltende Trend aus Deutschland und die Freizügigkeit der Arbeitnehmerinnen und Ar- Annahmen 95 beitnehmer aus den Staaten, die 2007 der EU beigetreten sind, stark positiv auswirken. Für die kommenden Jahre sind Wanderungsverflechtungen daher schwer abzuschätzen, weil sie in starkem Maße von der demographischen als auch wirtschaftlichen Entwicklung in den Herkunftsländern abhängen und die letztjährigen Wanderungsvolumina bis dahin voraussichtlich nicht mehr gelten. Ab Mitte der 2020erJahre wird von einer weiteren Verringerung des Zuzugsvolumens ausgegangen. Die zweite Hälfte des Prognosezeitraums liegt daher leicht unter dem Niveau der letzten Jahre und soll auf einen mittleren, aus der derzeitigen Situation als wahrscheinlich abgeleiteten Pfad hinweisen. Die demographischen Veränderungen innerhalb der europäischen Regionen dürften in den kommenden Jahren stark ausgeprägt sein. Das europäische Statistikamt EUROSTAT geht in seinen Prognosen bis 2030 davon aus, dass für drei Viertel aller Regionen die Zuwanderung die einzige Möglichkeit ist, dem Schrumpfen etwas entgegenzusetzen. Knapp 40 Prozent dieser Gebiete werden trotz Zuwanderung einen Bevölkerungsrückgang erleben. Die grundsätzlichen demographischen Veränderungen in Europa werden sich regional sehr unterschiedlich auswirken. Deutschland 8 wird weiterhin zu den größten Verlierern gehören, ebenso werden Rumänien und Bulgarien, Teile Polens sowie die noch weiter östlich gelegenen Nicht-EU-Länder an Bevölkerung verlieren. 9 Ceteris paribus, durch die demographische Entwicklung in Europa könnte mittel- bis langfristig das Zuwanderungspotenzial aus den bisherigen Herkunftsländern zurückgehen. Tabelle 4.3 Zuzugsvolumina aus dem Ausland Nach Geburtsland und Geschlecht Quelle: MA 23(2014-2033); Statistik Austria(2007/2012) Jahr 2007/12 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028 2029 2030 2031 2032 2033 … 2043 Insgesamt 46.271 50.174 50.378 48.292 47.492 46.647 45.461 44.566 43.637 42.684 41.803 40.968 40.129 39.330 38.542 37.776 37.030 36.302 35.592 34.901 34.227 … 34.227 aus anderem Bundesland 46.271 autochthon allochthon 4.439 41.832 Männer Frauen Männer Frauen 3.058 3.315 3.329 3.191 3.138 3.082 3.004 2.945 2.883 2.820 2.762 2.707 2.652 2.599 2.547 2.496 2.447 2.399 2.352 2.306 2.262 … 2.262 1.382 1.498 1.504 1.442 1.418 1.393 1.358 1.331 1.303 1.275 1.248 1.223 1.198 1.175 1.151 1.128 1.106 1.084 1.063 1.042 1.022 … 1.022 22.619 24.527 24.626 23.606 23.215 22.803 22.223 21.785 21.331 20.865 20.434 20.026 19.616 19.226 18.840 18.466 18.101 17.745 17.399 17.061 16.731 … 16.731 19.213 20.834 20.918 20.052 19.720 19.369 18.877 18.505 18.120 17.724 17.358 17.011 16.663 16.331 16.004 15.686 15.376 15.074 14.779 14.492 14.212 … 14.212 8 Statistisches Bundesamt Deutschland(2009): Bevölkerung Deutschlands bis 2060. 12. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung. Begleitmaterial zur Pressekonferenz am 18. November 2009 in Berlin 9 EUROSTAT(2013): EUROPOP2013- Bevölkerungsvorausschätzungen auf nationaler Ebene(Datenbank: Zugriff April 2014) 96 WIEN WÄCHST… Tabelle 4.4 Zuzugsvolumen nach Wien- Insgesamt Zuzug 1996 bis 2012 und Prognoseannahmen bis 2043 nach Außenräumen Quelle: MA 23(2014-2043); Statistik Austria(1996-2012) Jahr 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028 2029 2030 2031 2032 2033 2034 … 2043 Zuwanderungsvolumen insgesamt Ausland Rest-Österreich 43.537 21.504 22.033 45.320 22.864 22.456 46.386 24.822 21.564 52.244 28.179 24.065 51.058 27.934 23.124 60.145 35.919 24.226 69.219 42.468 26.751 69.803 45.213 24.590 76.136 51.231 24.905 72.383 46.367 26.016 65.235 38.247 26.988 70.407 41.629 28.778 69.850 41.480 28.370 73.959 42.830 31.129 77.441 46.186 31.255 80.474 48.845 31.629 90.441 56.661 33.780 keine Informationen zum Zeitpunkt der Datenaufbereitung 80.175 50.174 30.000 80.378 50.378 30.000 78.292 48.292 30.000 77.492 47.492 30.000 76.648 46.647 30.000 75.463 45.461 30.000 74.567 44.566 30.000 73.638 43.637 30.000 72.685 42.684 30.000 71.803 41.803 30.000 70.968 40.968 30.000 70.130 40.129 30.000 69.332 39.330 30.000 68.543 38.542 30.000 67.777 37.776 30.000 67.031 37.030 30.000 66.303 36.302 30.000 65.594 35.592 30.000 64.902 34.901 30.000 64.228 34.227 30.000 64.228 34.227 30.000 ……… 64.228 34.227 30.000 Annahmen 97 Tabelle 4.5 Wegzugsvolumen für Wien- Insgesamt Modellinterne Prognoseergebnisse nach Außenräumen aufgrund der vorgegebenen Zu- und Wegzugsraten Quelle: MA 23(2014-2043); Statistik Austria(1996-2012) Jahr 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028 2029 2030 2031 2032 2033 2034 2035 2036 2037 2038 2039 2040 2041 2042 2043 Wegzugsvolumen insgesamt Ausland Rest-Österreich 37.244 15.051 22.193 43.689 20.642 23.047 42.162 19.155 23.007 43.133 19.727 23.406 43.598 19.517 24.081 47.935 19.539 28.396 47.731 22.870 24.861 52.709 26.573 26.136 56.478 27.694 28.784 55.202 25.960 29.242 58.463 29.347 29.116 59.598 29.018 30.580 62.405 31.676 30.729 65.081 35.891 29.190 66.464 37.494 28.970 68.653 38.442 30.211 68.127 37.540 30.587 keine Informationen zum Zeitpunkt der Datenaufbereitung 59.505 31.184 28.321 60.457 31.683 28.774 61.357 32.155 29.202 61.998 32.490 29.508 62.494 32.751 29.744 62.852 32.938 29.914 63.070 33.052 30.018 63.191 33.116 30.075 63.227 33.135 30.093 63.183 33.111 30.072 63.075 33.055 30.020 62.910 32.969 29.942 62.691 32.854 29.838 62.433 32.718 29.714 62.140 32.565 29.575 61.826 32.400 29.426 61.497 32.228 29.269 61.155 32.049 29.106 60.807 31.866 28.941 60.453 31.681 28.772 60.432 31.670 28.762 60.433 31.670 28.763 60.455 31.682 28.773 60.500 31.705 28.794 60.562 31.738 28.824 60.636 31.777 28.859 60.717 31.819 28.898 60.803 31.864 28.939 60.893 31.911 28.982 60.984 31.959 29.025 98 WIEN WÄCHST… Grafik 4.5 Wegzugswahrscheinlichkeit 2007/2012 Alters- und Geschlechtsstruktur nach Geburtsland Quelle: MA 23; Statistik Austria Mann 95 85 75 65 55 45 35 25 15 0,6 0,4 im Inland geboren im Ausland geboren 0,2 5 0,0 0,0 0,2 Frau 0 ,4 0,6 4.5 WEGZÜGE IN DIE AUSSENRÄUME Die Verschiebung der Altersstruktur, d. h. die Zunahme des Anteils der Älteren sowie urbane Lebensstile dürften sich auf das zukünftige Abwanderungspotential auswirken. In der Annahmenfindung wird unterstellt, dass in Zukunft eine verstärkte Präferenzneigung zugunsten der urbanen Lebensweise zu erwarten sein wird. Das betrifft einerseits Singles und kinderlose Haushalte, für die der städtische Freizeitund Kommunikationswert einen hohen Stellenwert besitzt. Zudem ist der Anteil der Singlehaushalte in Wien mit 49% relativ hoch. Aber es ist auch davon auszugehen, dass mit zunehmendem Alter nicht nur die Mobilitätsbereitschaft abnimmt, sondern die Vorzüge der städtischen Infrastruktur im Gesundheits- und Kulturbereich hoch geschätzt wird. Gerade in Großstädten verzichten zudem immer mehr ältere Menschen auf den eigenen Pkw und sind vermehrt auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Die Höhe des Wegzugsvolumens ergibt sich aus der Besetzung der entsprechenden geschlechtsspezifischen Altersstruktur. Für die Abwanderung in die Außenräume wurden die Ergebnisse aus der Wanderungsstatistik für die Berichtsjahre 2007 bis 2012 zu Grunde gelegt. Die alters- und geschlechtsspezifischen Wegzugsraten ins Ausland bzw. in das übrige Bundesgebiet orientieren sich an dem Referenzzeitraum, wobei die demographische Struktur konstant für den gesamten Prognosezeitraum fortgeschrieben wurde. Bezug nehmend auf die hohe Lebensqualität der Stadt Wien, gepaart mit einer proaktiven Wohnraumpolitik sowie familien- und altersgerechter Standortförderung, wird in der Bevölkerungsprognose von einer schwach rückläufigen Abwanderungstendenz(-10% bis 2034) ausgegangen. Im Ergebnis erhöht sich aber das Wegzugsvolumen bis zum Ende des Prognosehorizonts aufgrund der zu erwartenden Altersstrukturgewichtung- um knapp 8% auf etwa 64.000 Wegzüge. 4.6 BINNENWANDERUNGSSTRÖME Mikrotheoretische Ansätze betrachten kleinräumige Wanderungsverflechtungen zusammengefasst als Folge von Entscheidungsfindungen individueller Personen und Haushalte. Obwohl die Mobilitätsvorgänge und die dahinterliegenden Faktoren relativ gut erklärt sind, können nur bedingt Rückschlüsse auf die Wanderungsannahmen getroffen werden. Die Auswertungen aus der Wanderungsstatistik belegen, dass in den einzelnen Lebensphasen ein bestimmtes alters- und geschlechtsspezifisches Wanderungsverhalten zu beobachten ist. Wanderungen zwischen den Gebietseinheiten des Untersuchungsraumes werden mit Hilfe altersspezifischer Wegzugsraten abgebildet, d.h. die Altersstruktur der Wanderungsströme wird sowohl von den Wanderungsraten als auch von der aktuellen Altersstruktur der Bevölkerung in Annahmen 99 den Gebietseinheiten bestimmt. Der Wegzug errechnet sich numerisch aus alters-, geschlechts- und richtungsspezifischen Abwanderungsraten sowie aus dem entsprechenden Altersaufbau der jeweiligen Wohnbevölkerung. Auf Grund der weitgehenden Konstanz in Bezug auf Volumen und Struktur dient die Wanderungsstatistik der Jahre 2007/2012 als Datengrundlage. Die Festlegung der Wanderungsverflechtungen erfolgt auf Basis der Zählbezirke, wobei im Ergebnis vier synthetische Raumtypen gebildet und auf deren Ebene die Annahmen für die Prognoseparameter festgelegt wurden. Für die Bevölkerungsvorausschätzung wurden allen Zählbezirken innerhalb eines Raumtyps konstante alters-, geschlechts- und herkunftsspezifische Wegzugsraten unterstellt und somit keine weiteren Modifikationen vorgenommen. 4.7 NEUBAUTÄTIGKEIT Eine besondere Herausforderung kleinräumiger Bevölkerungsprognosen ist, dass neben dem Bevölkerungsstand und der Bevölkerungsstruktur auf gesamtstädtischer Ebene auch die zukünftige Verteilung der Bevölkerung im Stadtgebiet zu prognostizieren ist. Hierfür ist es nicht nur erforderlich Geburten, Sterbefälle und Migrationsströme quantitativ zu verorten, vielmehr ist auch zu schätzen, wann und wo wie viele neue Wohnungen errichtet werden, welche von den Wienerinnen und Wienern der Zukunft bezogen werden können. Das auf die Bestandsgebiete verteilte Baugeschehen braucht dabei nicht näher untersucht zu werden; entscheidend ist, große Bauvorhaben zu erfassen bzw. jene Zählbezirke näher zu betrachten, in denen das erwartete zukünftige Baugeschehen in Summe ein besonders großes Gewicht gegenüber dem Bestand einnimmt. Die in die Neubauwohnungen einziehende Bevölkerung einer jeden Berechnungsperiode wird für jede Gebietseinheit berechnet und der Bevölkerung, die aufgrund der Entwicklungen, die ohne explizite Ausweisung von Neubautätigkeit zu erwarten wäre, hinzugefügt. Im Rahmen der Prognoseberechnung wird davon ausgegangen, dass(1) die NeuGrafik 4.6 Neubaubevölkerung in Wien 2007/2012 Alters- und Geschlechtsstruktur nach Geburtsland Quelle: MA 23 Mann 0,021 0,014 im Inland geboren im Ausland geboren 0,007 95 85 75 65 55 45 35 25 15 5 0,000 0,000 0,007 bauwohnungen umfangreicher Bauvorhaben in der gleichen Berechnungsperiode bezogen werden, in der sie bezugsfertig angeboten werden,(2) die demographische Struktur der NeubaubezieherInnen abhängig von der Neubausubstanz und(3) der aus dem Untersuchungsgebiet stammende Teil der Neubaubevölkerung Teilmenge des gesamten Binneneinzugs der jeweiligen Gebietseinheit ist. Die demographische Struktur der Neubaubevölkerung mit dem Referenzzeitraum 2007 bis 2012 wurde auf Datenbasis des Wiener Bevölkerungsregisters(Stichtag 1.10.2013) und des Gebäude- und Wohnungsregisters(Stichtag 1.4.2013) ausgewertet. In jenen Neubauten, die 2007 oder später errichtet wurden, hatten insgesamt 77.181 Personen einen aufrechten Hauptwohnsitz, davon entfallen 54.943 Personen zur autochthonen(71%) und 22.238 zur allochthonen(29%) Bevölkerung. Frau 0 ,014 0,021 100 WIEN WÄCHST… Grafik 4.7 Neubauvolumen 2014 bis 2033 Neubauten und Neubaubevölkerung Quelle: MA 18 und MA 23 200.000 150.000 165.321 100.000 50.000 78.900 0 Neubauwohnungen 2014-2023 Neubaubevölkerung Grafik 4.8 Anstaltsbevölkerung 2011 Altersstruktur nach Geburtsland Quelle: Statistik Austria(Registerzählung) Mann 900 600 im Inland geboren im Ausland geboren 300 95 85 75 65 55 45 35 25 15 5 00 135.464 64.470 2024-2033 Frau Im Zuge der von der MA 23 einberufenen Sub-Foren konnte die zukünftige Neubautätigkeit in Wien durch geeignete Algorithmen generiert werden, welche als Annahme – im Sinne einer Prognose als Wenn-Dann-Aussage – Verwendung finden kann. Es wird angenommen, dass für den Zeitraum 1.1.2014 bis 1.1.2024 insgesamt 79.000 Wohnungen neu zur Verfügung stehen werden. Für die Generierung der Neubaubevölkerung werden die Wohneinheiten mit dem Wohnungsbelagsfaktor aus dem jeweiligen Bezirk multipliziert, was in Summe über den gesamten Zeitraum rund 165.000 Personen ergibt. 4.8 ANSTALTEN Es wird angenommen, dass die demographische Struktur von Bevölkerungsgruppen in Anstaltshaushalten(Justizvollzugsanstalten, Altenheime, Studierendewohnheime, u. ä.) über Jahre hinweg weitgehend unverändert bleibt. Die Anstaltsbevölkerung wurde nach dem Geburtsland sowie alters- und geschlechtsspezifisch nach Zählbezirken differenziert betrachtet. Insgesamt konnten rund 30.800 Personen identifiziert werden, die zur jeweiligen alters- und geschlechtsspezifischen Bevölkerungsgruppe in Bezug gesetzt und prognosetechnisch von allen demographischen Prozessen ausgeschlossen wurden. Die Auswertung des Datenfiles„VZHaushalte“ der Registerzählung 2011, das der Landestatistik Wien zur Verfügung stand, ermöglichte somit eine annähernde Bestandsaufnahme der Ist-Situation. 300 600 900 Teil 4 ANNAHMEN 104 WIEN WÄCHST… Grafik 5.1 Prognosegebiete: Wiener Gemeindebezirke und Zählbezirke XXI. XIX. XVII. XVIII. XX. XIV. XIII. IX. XVI. VIII. I. VII. II. XV. VI. V. IV. III. XII. XI. XXII. XXIII. X. 5.1 PROGNOSEMODELL Die Software SIKURS bietet die Möglichkeit, verschiedene, methodisch unterschiedliche Prognosevarianten für die Modellrechnungen einzusetzen. Das hohe Maß an Methodenflexibilität wird durch eine streng modulare Struktur der eingesetzten mathematischen Algorithmen erreicht. Das SIKURS-Konzept ist ein stromorientierter Prognoseansatz, mit dem anhand von demographisch differenzierten Raten Bevölkerungsgrößen und-strukturen für alle definierten Gebietseinheiten berechnet werden. Diese Vorgehensweise ist möglich bei der Berechnung von Geburten und Todesfällen sowie bei Außenwegzügen und Binnenwanderung. Der Zuzug in die Gebietseinheiten wird nach einem anderen Vorgehen bestimmt: Zunächst wird das Volumen des Außenzuzugs in den Untersuchungsraum ermittelt, demographisch differenziert und auf die einzelnen Gebietstypen als Ziele der Außenwanderung verteilt. Anschließend wird mit dem aus der Binnenwanderungsmatrix berechneten Binnenzuzug der demographisch differenzierte Zuzug in einen Gebietstyp nach Maßgabe der durch Wegzug und Tod in den Gebietsteilen freigewordenen Wohnungen das Zuzugsvolumen auf die einzelnen Gebietseinheiten verteilt. Der technische Prognoseansatz folgt einem„bottom-up“-Prinzip, d. h. alle demographischen Prozesse erfolgen auf der niedrigsten räumlichen Ebene. Die Ergebnisse für größere räumliche Einheiten erfolgt durch Aggregation. Der methodische Prognoseansatz beinhaltet nur in zwei demographischen Bereichen einen„topdown“-Ansatz: Sowohl bei der Lebenserwartung als auch beim Zuzugsvolumen erfolgte die Festlegung der Modellparameter für das Bundesland Wien. 5.2 PROGNOSEGEBIETE Die Entscheidung darüber, welche räumlichen Einheiten als Gebietseinheiten den SIKURS-Modellrechnungen zugrunde liegen sollen, ist im Wesentlichen von der Datenlage und dem beabsichtigten Typus der Methodik 105 Modellrechnung abhängig. Gebietseinheiten sind die kleinsten räumlichen Recheneinheiten und spiegeln in der vorliegenden Bevölkerungsprognose die 250 Wiener Zählbezirke wieder. Damit ist sichergestellt, dass umfangreiche Prognose- bzw. Projektionsergebnisse kleinräumig für 250 Wiener Zählbezirke und aggregiert für 23 Wiener Gemeindebezirke vorliegen. 5.3 PROGNOSEHORIZONT Bevölkerungsprognosen beziehen sich auf Beobachtungen und Messungen über vergangene und gegenwärtige Komponenten der Bevölkerungsentwicklung. Auf dieser Basis werden quantitative oder qualitative Aussagen über zukünftige demographische Entwicklungen und Zustände dargestellt. Gleichzeitig sind Vorausschätzungen eine unsichere Angelegenheit, vor allem wenn sie sich auf eine fernere Zukunft beziehen. Zwar sind Bevölkerungsprognosen auf nationaler Ebene- unter Vernachlässigung von Katastrophen und anderen externen Schocks- für Zeiträume von etwa 15 bis 25 Jahren recht genau möglich, denn die Mehrzahl der Menschen, die in 20 Jahren in einem Gebiet leben wird, ist zum Prognosezeitpunkt ja bereits geboren. Etwas differenzierter verhält es sich jedoch bei regionalisierten Bevölkerungsvorausschätzungen. Je kleinräumiger, desto höher die Bedeutung von externen Faktoren. Während sich global zumeist ein leicht fassbares Bild der zukünftigen Entwicklung zeichnen lässt, können auf der kleinräumigen Ebene durchaus gegensätzliche Entwicklungspfade eintreten und die Ergebnisse der Vorausschätzung sind daher mit einer höheren Unsicherheit behaftet. Grafik 5.2 Prognosehorizonte und ihre Aussagekraft Prognosehorizont 10 20 30 40 50 60 70 80 90 Jahre Prognose Projektion Fortschreibung hoch Aussagekraft der Vorausberechnung niedrig Tabelle 5.1 Zeithorizonte für die kleinräumige Wiener Bevölkerungsvorausschätzung Zeithorizont Prognose 2014-2024 Projektion 2024-2034 Fortschreibung 2034-2044 • Ergebnisse liegen vor Wien • • • Raumbezug Gemeindebezirke • • Zählbezirke • In der aktuellen Bevölkerungsprognose für Wien stehen im Zeitraum 2014 bis 2024 die Ergebnisse für alle 250 Zählbezirke zur Verfügung. Für den Projektionszeitraum 2024 bis 2034 werden Prognoseergebnisse für die 23 Wiener Gemeindebezirke veröffentlicht. Die Modellfortschreibung bis 2044 ermöglicht einen Ausblick auf die fernere Bevölkerungsentwicklung für das Bundesland Wien. Planungsrelevante Aussagen zur Bevölkerungsentwicklung können nur für einen Zeitraum von einigen Jahren getroffen werden(=Prognose). Für längere Perioden können demographische Annahmen für regionale Einheiten nur noch Trends widerspiegeln(=Projektion). Bei sehr langen Prognosehorizonten werden die Parameter in der letzten Phase des Prognosehorizonts unverändert fortgeschrieben(=Modellfortschreibung). 106 WIEN WÄCHST… Grafik 5.3 Bevölkerungsstand am 1.1.2014 1.780.000 1.770.000 1.760.000 1.750.000 1.740.000 1.730.000 1.774.829 1.720.000 1.710.000 1.700.000 MA 23 1.766.746 Statistik Austria Tabelle 5.2 Methodik zur Fertilität Referenzzeitraum: Gebiet: Merkmal: Verfahren: Datenquelle: Geburten 2008-2012 250 Zählbezirke Altersspezifische Fertilitätsraten nach Geburtsland der Mutter Datenanalyse, Clusteranalyse und Interpolation 2013 bis 2033 Bevölkerungsstatistik 5.4 PROGNOSEPARAMETER 5.4.1 Ausgangsbevölkerung Die Ausgangsbevölkerung wird nach dem dichotomen Merkmal„im Inland geboren“ (authochton) und„im Ausland geboren“ (allochthon) unterschieden. Es handelt sich daher nicht um eine„Ausländerprognose“, die insbesondere von der Einbürgerungspolitik stark determiniert wird. Einbürgerungstrends zu projizieren würde aber auch bedeuten, künftige politische Rahmenbedingungen zu antizipieren. Demgegenüber bleibt das hier gewählte Merkmal„Geburtsland“ der jeweiligen Person lebenslang unverändert erhalten. 5.4.2 Fertilität Die Zahl der Geburten hängt maßgeblich von der jeweiligen Altersstruktur und den Geburtenziffern in den einzelnen Stadtteilgebieten ab. Aufgrund der relativ großen regionalen Unterschiede wurden für die Berechnung der künftigen Geburten die jeweiligen altersspezifischen Geburtenziffern des Durchschnitts der Jahre 2008 bis 2012 zugrunde gelegt. Die Analyse der Geburtenentwicklung und des Fertilitätsniveaus für die im In- und Ausland geborenen Frauen wurde auf Zählbezirksebene durchgeführt. Ein Zählbezirk repräsentiert somit einen Teil eines„Fertilitätsclusters“, d. h. innerhalb eines Wiener Gemeindebezirks können mehrere„Fertilitätscluster“ auftreten. Die Zahl der EinwohnerInnen im Wiener Bevölkerungsregister unterscheidet sich vom registergestützten Datenbanksystem der Bundesanstalt Statistik Österreich. Zum 1.1.2014 waren in Wien exakt 1.774.829 Personen mit Hauptwohnsitz gemeldet. Nach den Ergebnissen der Bundesanstalt Statistik Österreich waren in Wien 1.766.746 Personen zu diesem Stichtag registriert. Die Einwohnerdifferenz zum Wiener Bevölkerungsregister in Höhe von 8.083 Personen ist u.a. auch auf das Ergebnis der im Rahmen der Proberegisterzählung 2008 und Registerzählung 2011 durchgeführten Wohnsitzanalyse und der damit verbundenen Nichtanerkennung von sog. Klärungsfällen zurückzuführen. Von den insgesamt 52.749 Klärungsfällen waren 12.675 bzw. 24% Reklamationsfälle, von denen wiederum 6.298(50%) anerkannt wurden. Für alle Zählbezirke Wiens, untergliedert nach dem Geburtsland der Mutter, wurde für alle Einzeljahre und für den Durchschnitt der Jahre 2008 bis 2012 das mittlere Fertilitätsalter, die allgemeine Fruchtbarkeitsziffer(Lebendgeburten durch Anzahl Frauen im reproduktionsfähigen Alter 15 bis 49 Jahre), die altersspezifischen Geburtenraten und die Gesamtfertilitätsziffer berechnet. Mittels einer Hierarchischen Clusteranalyse unter Verwendung der Variablen„Mittleres Fertilitätsalter 2008-2012“ und„GFR 2008-2012“ konnten sechs Fertilitätstypen ermittelt werden, wobei sich je drei autochthone(im Inland geboren) und allochthone(im Ausland geboren) Cluster ergaben. Mit der jeweils für das Jahr 2024 bzw. 2034 interpolierten GFR wurden die „verschobenen“ ASFR-Ergebnisse der Methodik 107 einzelnen Cluster in weiterer Folge angepasst. 1 Tabelle 5.3 Methodik zur Mortalität 5.4.3 Statustransfer der unter 1-Jährigen Die prognostizierten Geburten von Frauen, die im Ausland geboren sind, unterliegen einem Bevölkerungsstatuswechsel, d. h. Lebendgeborene von im Ausland geborenen Müttern, erhalten einen autochthonen Status, da die Geburt – prognosetechnisch – im Inland stattfand. 5.4.4 Mortalität Für das Prognosemodell werden altersund geschlechtsspezifische Sterberaten (Sterbewahrscheinlichkeiten) verwendet, die die Zahl der im Laufe eines Prognosejahres Gestorbenen eines Geburtsjahrgangs bezogen auf die Bevölkerung des gleichen Geburtsjahrgangs am Anfang des Beobachtungszeitraumes angeben. Um die Zahl der Gestorbenen zu ermitteln wird die geschlechtsspezifische Jahrgangsstärke mit der jeweiligen Sterberate multipliziert. Sterbefälle Referenzzeitraum: Gebiet: Wien Merkmal: Sterbewahrscheinlichkeiten nach Alter, Geschlecht und Geburtsland Verfahren: Interpolation 2013 bis 2044 Datenquelle: Bundeslandprognose(Statistik Austria) Tabelle 5.4 Methodik zur Zuwanderung Zuwanderung Referenzzeitraum: 2007-2012 Gebiet: 250 Zählbezirke Merkmal: Allokationsquoten nach Geburtsland; Alters- und Geschlechtsstruktur nach Geburtsland; Zuzugsvolumen nach Geschlecht, Geburtsland und Außenraum Verfahren: Datenanalyse und Annahmenfindung Datenquelle: Wanderungsstatistik 5.4.5 Zuwanderung in das Prognosegebiet Bei Betrachtung der demographischen Parameter zeigt sich bei der Mortalität eine langfristig gleichförmige Entwicklung. Die Sterbewahrscheinlichkeiten für Wien orientieren sich daher nach der Bundesländerprognose aus dem Jahr 2013. Die Ausgangsdaten für die Jahre 2012 und 2050 wurden freundlicherweise von der Bundesanstalt Statistik Österreich zur Verfügung gestellt. In Anlehnung an die Prognoseparameter der Statistik Austria wird die Entwicklung der Wiener Lebenserwartung bis zum Jahr 2034 vorausgeschätzt. Die Interpolation zwischen den beiden Zeitpunkten erfolgte durch die Landesstatistik Wien. 1 Verwendetes Distanzmaß: Quadrierter Euklidscher Abstand; Verfahren: Ward-Methode; Nicht in die Clusteranalyse eingeschlossen wurden jene Zählbezirke(ZBZ), in denen in der Referenzperiode 2008 bis 2012 über die Jahre nicht mehr als 50 Frauen im Alter von 15-49 lebten sowie jene, deren Gesamtfertilität ganz besonders vom Gesamtbild abweicht(Ausreißer). Jenen ZBZ, die nicht in die Clusteranalyse aufgenommen wurden, wurde jenes Fertilitätsmuster zugewiesen, welches bei deren ZBZ-Nachbarn am häufigsten zu finden war oder die Daten doch plausibel angesehen wurden. Im Bevölkerungsprognosemodell wird der Zuzug aus den Außenregionen exogen vorgegeben. Der Zuzug aus den Außenregionen wird auf der Basis von Wanderungsvolumen, demographischen Quoten und Allokationsquoten berechnet. In der vorliegenden Bevölkerungsprognose wird der Zuzug getrennt nach Bevölkerungsgruppe und Geschlecht auf Basis des Referenzzeitraums 2007/2012 hochgerechnet. Die errechneten Zuzugsquoten zur Aufteilung des vorgegebenen Zuzugsvolumens auf die demographischen Gruppen basieren auf der Wanderungsstatistik. Die Aufteilung auf die 250 Zählgebiete erfolgt durch Allokationsquoten. Für die Berechnung der Allokationsquote wurden die Anteile der im Inland und der im Ausland geborenen Bevölkerung im jeweiligen Zählbezirk mit den Zuzügen aus Rest-Österreich sowie aus dem Ausland zu je 50% gewichtet. 108 WIEN WÄCHST… 5.4.6 Binnenwanderungsströme Für die Berechnung von Binnenwanderungsclustern wurde auf die multivariaten Verfahren der Faktoren- und Clusteranalyse zurückgegriffen. Es wurden als Merkmale das durchschnittliche„Zuzugs- und WegTabelle 5.5 Methodik zur Binnenwanderung Abwanderung Referenzzeitraum: 2008-2012 Gebiet: 250 Zählbezirke Merkmal: Binnenwegzugswahrscheinlichkeit nach Alter, Geschlecht und Geburtsland Verfahren: Datenanalyse, Faktoren- und Clusteranalyse Datenquelle: Wanderungsstatistik Tabelle 5.6 Methodik zur Abwanderung Abwanderung Referenzzeitraum: 2007-2012 Gebiet: Wien Merkmal: Wegzugswahrscheinlichkeiten nach Alter, Geschlecht und Geburtsland für zwei Außenräume Verfahren: Datenanalyse und Interpolation 2013 bis 2033 Datenquelle: Wanderungsstatistik Tabelle 5.7 Methodik zur Neubautätigkeit Neubaubevölkerung Referenzzeitraum: 2007-2012 Gebiet: 250 Zählbezirke Merkmal: Demographische Strukur der NeubaubezieherInnen nach Alter, Geschlecht und Geburtsland; Neubauvolumen Verfahren: Datenanalyse und Schätzung der Baulandpotenziale 2014 bis 2033 Datenquelle: AGWR, WBR und MA18(Baulandpotenziale) zugsvolumen“ im Beobachtungszeitraum sowie die„Wanderungseffektivität“ berücksichtigt. Die Faktorenanalyse führt im ersten Schritt zu einer Dimensionsreduktion, d.h. die Variation in einer Vielzahl von Variablen wird auf eine geringere Zahl von gemeinsamen Faktoren zurückgeführt. Zur Identifizierung der Raumtypen wurde anschließend eine Clusteranalyse durchgeführt. Die grundsätzliche Aufgabe einer Clusteranalyse besteht darin, Objekte entsprechend ihrer Ähnlichkeit bezüglich untersuchungsrelevanter Klassifizierungsmerkmale zu gruppieren. Zum einen wird angestrebt, dass die in einer einzelnen Teilgruppe zusammen gefassten Objekte einander möglichst ähnlich bzw. homogen sind. Zum anderen soll gewährleistet sein, dass die Unterschiede zwischen den Teilgruppen möglichst groß bzw. die Teilgruppen einander möglichst unähnlich bzw. heterogen sind. Als Ergebnis konnten schließlich vier Raumtypen klassifiziert werden. 5.4.7 Abwanderung in die Außenregionen Bei der Abwanderung aus Wien wurde nach den beiden Außenräumen(Rest-Österreich, Ausland) und den demographischen Merkmalen Alter, Geschlecht und Geburtsland unterschieden. Die Wegzugswahrscheinlichkeiten ergaben sich aus der Beobachtungsperiode 2007 bis 2012. Dabei werden für jede demographische Gruppe ziel- und quellortspezifische Wegzugswahrscheinlichkeiten vorgegeben. Das Wegzugsvolumen über die Grenzen des Wiener Stadtgebietes wird je Gebietseinheit auf der Basis von ziel- und quellortspezifischen Wegzugsraten prognosetechnisch errechnet. 5.4.8 Neubautätigkeit Die einziehende(Neubau-)Bevölkerung einer jeden Berechnungsperiode wird für jeden Zählbezirk ermittelt und zur Bevölkerung, die aufgrund der Entwicklungen, die ohne explizite Ausweisung von Neubautätigkeit zu erwarten wäre, hinzugefügt. Der aus dem Untersuchungsgebiet stammende Teil der Neubaubevölkerung ist dabei eine Teilmenge des gesamten Binneneinzugs der jeweiligen Gebietseinheit. Methodik 109 Voraussetzung dafür ist die Abschätzung der je Zählbezirk jährlich möglichen Fertigstellungen von Neubauwohneinheiten, welche unter Einbeziehung der Stadtplanungsdienststellen erfolgte. Die grundsätzliche Vorgehensweise wurde im Sub-Forum Neubau der MA 23 unter Einbeziehung der MD-BD, MA 18, MA 21, MA 25, MA 50, Wiener Wohnen und Wohnfonds Wien festgelegt. Als Grundlage dienen von der Stadtplanung gesammelte Einschätzungen über den möglichen Umfang und die frühestmögliche Fertigstellung von Wohnbauprojekten auf bekannten Baulandpotenzialflächen, wobei nur größere Projekte explizit als Input für das Prognosemodell benötigt werden. Diese Einschätzung wird mit zunehmender zeitlicher Entfernung der möglichen Fertigstellung, auch im Hinblick auf die zunehmende Unsicherheit verschiedener, für die Umsetzung der Vorhaben wichtiger Rahmenbedingungen, wie etwa auch der Infrastrukturbereitstellung, der Bodenmobilisierung etc. ungenauer. Eine Wien-weite Zusammenschau der Daten zeigt auch, dass sich bei ausschließlicher Heranziehung der angenommenen theoretisch frühestmöglichen Fertigstellungen teilweise erhebliche Spitzen in den Fertigstellungen ergäben, die deutlich über den Erfahrungswerten liegen. Aus diesem Grund sind gewisse Imputationen erforderlich, um die Daten für die Verwendung in einer kleinräumigen Bevölkerungsprognose aufzubereiten. In einem ersten Schritt werden die Wohnbaupotenziale für die Prognosephase (2014 bis 2024) ermittelt. Durch eine Aufteilung der Wohneinheiten der Baulandpotenziale dieser Periode auf längere Zeiträume(„Streckung“) beginnend mit dem Jahr ihrer frühestmöglichen Fertigstellung soll eine Reduzierung der Verteilungsspitzen erreicht werden, wobei die ersten Jahre des Prognosezeitraums unberührt bleiben, da von einer hohen Qualität der Einschätzungen für die nähere Zukunft auszugehen ist. Eine derartige Aufteilung auf mehrere Jahre kann beispielsweise dahingehend interpretiert werden, dass mit zunehmender Projektgröße die Wahrscheinlichkeit steigt, dass nicht alle Wohneinheiten gleichzeitig bezugsfertig werden. Ferner wird durch diese„Streckung“ auch das Risiko von Verzögerungen bei der Realisierung berücksichtigt. Diese Vorgaben aufgreifend, wurden in einem ersten Schritt die Wohneinheiten aller Potenziale mit einer frühestmöglichen Fertigstellung zwischen 2018 und 2023 gleichmäßig auf – je nach ihrer Größe – unterschiedlich lange Zeiträume aufgeteilt. Potenziale im Umfang von weniger als 300 Wohneinheiten wurden jeweils zur Hälfte auf das Jahr der frühestmöglichen Fertigstellung und das Folgejahr aufgeteilt, Potenziale im Umfang von 300 bis unter 800 Wohneinheiten auf einen Zeitraum von drei Jahren, solche von 800 bis unter 1.800 Wohneinheiten auf einen Zeitraum von vier Jahren und Potenziale von 1.800 und mehr Wohneinheiten auf einen Zeitraum von fünf Jahren. Die Potenziale der Jahre 2014 bis 2017 werden – entsprechend den Einschätzungen des Sub-Forum Neubau betreffend die höhere Datenqualität in der näheren Zukunft – nicht modifiziert. Mit diesen zeitlichen Streckungen werden die Unterschiede zwischen den Jahren merklich geglättet. Die sich noch immer einstellenden Niveaus von über 10.000 Wohneinheiten allein in diesem Segment des Wohnungsbaus(Neubau auf den bekannten größeren Potentialflächen der Stadtentwicklung) wurden infolge der im Rahmen der Erstellung des STEP 2025 erfolgten Analysen und Experteneinschätzungen als zu hoch angesehen, weshalb als nächster Schritt die Zahl der Wohneinheiten aller Potenziale durch Anwendung von jährlichen Korrekturfaktoren pauschal reduziert wird. Diese Faktoren könnten als durchschnittliche Realisierungswahrscheinlichkeit interpretiert werden. Zur Kontextualisierung dieser Zahlen ist anzumerken, dass laut STEP 2025 zwischen einem Drittel und knapp der Hälfte des Wohnbaus in der Weiterentwicklung des Gebäudebestandes bzw. Verdichtung des bebauten Gebiets(Baulücken, kleinere Interventionen in bestehenden Stadtvierteln, Dachausbauten etc.), Umnutzungen bestehender Gebäude sowie auf bisher nicht für Bebauung vorgesehenen Flächen realisiert werden wird. Teil 5 METHODIK 110 WIEN WÄCHST… Für die Formulierung der angesprochenen Korrekturfaktoren wird das Jahr 2014 als Referenzjahr herangezogen: Es wird angenommen, dass die Projekte mit frühestmöglicher Fertigstellung 2014 jedenfalls im bereits laufenden Jahr 2014 fertiggestellt werden können und somit das enthaltene Volumen für 2014(knapp 8.000 Wohneinheiten) als Referenz herangezogen werden kann. Die Korrekturfaktoren, die somit nur auf die Jahre 2015 bis 2023 anzuwenden sind, werden so festgelegt, dass sie einerseits die Größe der Abweichung des jeweiligen Jahreswerts vom Wert des Jahres 2014 berücksichtigen(Jahre mit größerer Abweichung von 2014 werden überproportional reduziert), und andererseits die Volumina der Jahre 2015 bis 2023 im Durchschnitt dem Volumen von 2014 entsprechen. Die Anwendung der Korrekturfaktoren bedeutet, dass(je nach Jahr) nur 60 bis 70% der nach dem ersten Korrekturschritt für das jeweilige Jahr vorgesehenen Wohneinheiten tatsächlich in das Prognosemodell einfließen. freigewordenen 30 bis 40% der dort zeitlich verorteten Potenziale. Letztere werden gleichmäßig auf das gesamte Jahrzehnt der Projektionsphase aufgeteilt. In Summe ergibt sich für die Projektionsphase eine rund 20%ige geringere Wohnbauproduktion im betrachteten Segment der größeren Neubauvorhaben auf bekannten Potenzialflächen. Wie auch in der Prognosephase ist davon auszugehen, dass ein erheblicher Teil der Wohnbauproduktion darüber hinaus im Bestand durch Umnutzungen(etwa von Büro- und Geschäftsflächen), An- und Ausbauten sowie Baulückenverbauung etc. realisiert wird. Es ist nicht damit zu rechnen, dass dieser Trend in den kommenden zwei Jahrzehnten für ganz Wien betrachtet nachlässt, obgleich räumliche Schwerpunktverschiebungen wahrscheinlich sind. Die von der vorliegenden Prognose mittelfristig(bzw. für die Projektionsphase) in Aussicht gestellte Verringerung der Bevölkerungszuwachsraten lässt somit eine korrespondierende Verringerung der Fertigstellungen gerechtfertigt erscheinen. Für den Zeitraum der Projektionsphase der Bevölkerungsprognose(2024 bis 2033) sind aufgrund des ferneren Zeithorizonts vergleichsweise deutlich weniger Wohnbaupotenziale explizit erfasst. Die vorliegenden Daten werden derselben„zeitlichen Streckung“ unterworfen, wie jene für die Prognosephase. Hinzu kommen dann noch(1.) jene Wohneinheiten, welche im Zuge der„Streckung“ aus der Prognosephase in die Projektionsphase verschoben wurden und(2.) die durch die Anwendung des Korrekturfaktors in der Prognosephase Tabelle 5.8 Methodik zur Anstaltsbevölkerung Anstaltsbevölkerung Referenzzeitraum: 2011 Gebiet: 250 Zählbezirke Merkmal: Bevölkerung nach Alter, Geschlecht und Geburtsland Verfahren: Datenanalyse Datenquelle: Registerzählung 2011 5.4.9 Anstaltsbevölkerung Bevölkerungsgruppen, die von allen demographischen Prozessen ausgeschlossen werden. Sie werden zu Beginn eines Prognoselaufes von der Ausgangsbevölkerung abgezogen und am Ende wieder zugeschlagen. Die alters- und geschlechtsspezifische Bevölkerungsstruktur folgender Anstaltshaushalte wurde für die Prognose berücksichtigt: • Person in Internat, Schüler- bzw. Studierendenwohnheim sowie in Heim für Berufstätige in Ausbildung • Person in Heil- und Pflegeanstalt sowie in Altersheim • Person in Einrichtung für Behinderte • Person in Einrichtung für Kinder und Jugendliche • Person in Kloster oder ähnlicher Anstalt • Person in Kaserne • Person in Justizvollzugsanstalt 111 Tabellen 112 WIEN WÄCHST… Bevölkerungsentwicklung in Wien nach Geburtsland und Geschlecht Jahr 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028 2029 2030 2031 2032 2033 2034 2035 2036 2037 2038 2039 2040 2041 2042 2043 2044 Bevölkerung zum 1.1. Geschlecht Gesamt Mann Frau Gesamt 1.774.829 1.798.496 1.821.702 1.842.162 1.861.367 1.879.391 1.895.989 1.911.550 1.926.103 1.939.683 853.877 866.130 878.018 888.282 897.776 906.546 914.472 921.785 928.517 934.695 920.952 932.366 943.685 953.879 963.591 972.845 981.518 989.765 997.586 1.004.988 1.192.580 1.197.363 1.202.565 1.207.922 1.213.506 1.219.280 1.225.166 1.231.150 1.237.198 1.243.278 1.952.394 1.964.307 1.975.452 1.985.917 1.995.728 2.004.931 2.013.580 2.021.712 2.029.369 2.036.585 940.392 945.661 950.525 955.039 959.215 963.093 966.715 970.105 973.287 976.282 1.012.002 1.018.646 1.024.927 1.030.879 1.036.513 1.041.837 1.046.865 1.051.607 1.056.082 1.060.303 1.249.358 1.255.409 1.261.416 1.267.382 1.273.283 1.279.112 1.284.873 1.290.562 1.296.182 1.301.733 2.043.411 2.050.191 2.056.931 2.063.644 2.070.339 2.077.019 2.083.686 2.090.343 2.096.992 2.103.619 2.110.212 979.124 982.003 984.913 987.856 990.834 993.844 996.878 999.934 1.003.009 1.006.096 1.009.185 1.064.287 1.068.188 1.072.018 1.075.787 1.079.505 1.083.175 1.086.807 1.090.410 1.093.983 1.097.523 1.101.027 1.307.237 1.312.603 1.317.853 1.323.016 1.328.117 1.333.171 1.338.189 1.343.185 1.348.166 1.353.124 1.358.056 davon geboren im … Inland Geschlecht in% Gesamt Mann Frau 67,2 574.336 618.244 582.249 66,6 577.632 619.731 601.134 66,0 581.095 621.470 619.137 65,6 584.552 623.371 634.239 65,2 588.065 625.441 647.861 64,9 591.612 627.668 660.111 64,6 595.151 630.015 670.823 64,4 598.687 632.464 680.399 64,2 602.207 634.991 688.906 64,1 605.697 637.581 696.405 64,0 609.149 640.210 703.036 63,9 612.554 642.855 708.897 63,9 615.910 645.506 714.036 63,8 619.219 648.163 718.535 63,8 622.468 650.815 722.444 63,8 625.664 653.447 725.819 63,8 628.819 656.054 728.707 63,8 631.936 658.626 731.149 63,9 635.016 661.166 733.187 63,9 638.063 663.670 734.852 64,0 641.094 666.143 736.174 64,0 644.071 668.532 737.588 64,1 647.000 670.853 739.078 64,1 649.893 673.124 740.627 64,1 652.761 675.357 742.221 64,2 655.610 677.561 743.848 64,2 658.441 679.748 745.496 64,3 661.256 681.929 747.158 64,3 664.059 684.106 748.826 64,3 666.847 686.277 750.494 64,4 669.614 688.442 752.156 Ausland Geschlecht in% Mann Frau 32,8 279.541 302.708 33,4 288.499 312.635 34,0 296.923 322.214 34,4 303.731 330.509 34,8 309.711 338.150 35,1 314.935 345.176 35,4 319.321 351.502 35,6 323.098 357.301 35,8 326.311 362.595 35,9 328.998 367.407 36,0 331.244 371.792 36,1 333.107 375.791 36,1 334.615 379.421 36,2 335.820 382.715 36,2 336.747 385.698 36,2 337.429 388.390 36,2 337.895 390.811 36,2 338.169 392.981 36,1 338.271 394.916 36,1 338.219 396.633 36,0 338.029 398.144 36,0 337.931 399.656 35,9 337.913 401.165 35,9 337.963 402.664 35,9 338.073 404.148 35,8 338.233 405.615 35,8 338.437 407.059 35,7 338.677 408.481 35,7 338.950 409.877 35,7 339.249 411.245 35,6 339.571 412.585 Tabellen 113 Bevölkerungsentwicklung in Wien nach Altersgruppen, Geschlecht und Geburtsland Jahr Bevölkerung zum 1.1. 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028 2029 2030 2031 2032 2033 2034 2035 2036 2037 2038 2039 2040 2041 2042 2043 2044 1.774.829 1.798.496 1.821.702 1.842.162 1.861.367 1.879.391 1.895.989 1.911.550 1.926.103 1.939.683 1.952.394 1.964.307 1.975.452 1.985.917 1.995.728 2.004.931 2.013.580 2.021.712 2.029.369 2.036.585 2.043.411 2.050.191 2.056.931 2.063.644 2.070.339 2.077.019 2.083.686 2.090.343 2.096.992 2.103.619 2.110.212 00-02 54.462 55.064 55.718 56.776 57.484 58.086 58.563 58.924 59.186 59.352 59.433 59.435 59.372 59.264 59.123 58.966 58.804 58.650 58.506 58.380 58.273 58.186 58.128 58.103 58.119 58.165 58.235 58.324 58.426 58.536 58.653 03-05 52.494 53.430 54.582 54.887 55.473 56.092 57.052 57.697 58.234 58.660 58.979 59.207 59.348 59.412 59.402 59.331 59.219 59.076 58.921 58.761 58.609 58.472 58.354 58.256 58.175 58.121 58.097 58.111 58.154 58.220 58.303 Altersgruppen(Männer und Frauen) 06-09 10-14 15-19 20-24 25-29 30-44 45-59 60-74 75+ 65.726 67.482 69.057 70.540 72.152 73.192 74.068 74.851 75.628 76.398 79.189 81.911 83.511 85.558 86.680 88.612 90.037 91.839 93.277 94.838 86.953 89.886 94.595 97.636 100.741 102.914 104.736 105.748 107.197 107.831 128.838 128.376 126.748 125.388 124.547 124.281 124.684 126.471 127.605 129.160 144.530 145.745 147.450 148.598 148.905 148.188 147.133 145.085 143.200 141.547 398.885 401.947 405.405 408.976 413.023 417.957 421.788 425.571 429.413 432.519 373.383 380.866 386.696 391.013 394.614 396.859 398.396 398.894 398.458 397.516 267.905 264.264 260.729 259.179 259.956 260.702 262.436 268.272 274.470 277.829 122.464 129.526 137.213 143.611 147.794 152.508 157.096 158.198 159.437 164.033 77.434 78.139 78.713 79.153 79.474 79.685 79.791 79.808 79.740 79.611 95.605 96.794 97.685 98.545 99.376 100.391 101.074 101.608 102.002 102.262 109.104 109.952 111.130 112.053 113.133 113.573 114.407 115.018 115.601 116.174 130.222 131.197 131.637 132.403 132.505 133.110 133.378 133.953 134.367 134.924 140.351 139.816 140.399 140.662 141.400 141.879 142.351 142.448 142.812 142.664 434.761 435.793 434.989 433.479 431.830 430.318 428.756 427.650 426.283 425.079 395.995 394.936 394.750 395.389 395.706 395.565 396.223 397.231 398.641 400.467 282.515 288.479 295.041 302.167 308.951 315.825 321.511 325.981 329.459 332.351 167.997 170.559 172.388 173.391 174.827 176.288 178.066 180.289 183.037 185.913 79.435 102.400 116.865 135.032 142.902 423.455 402.973 334.290 189.176 79.243 102.448 117.372 135.542 142.954 422.170 405.073 335.726 193.005 79.047 102.415 117.802 135.992 143.309 420.892 407.285 336.449 197.259 78.856 102.309 118.152 136.485 143.617 419.779 409.700 336.460 201.925 78.681 102.148 118.415 137.038 144.104 418.762 411.764 336.147 206.987 78.524 101.954 118.589 137.713 144.322 418.261 413.345 335.445 212.580 78.390 101.743 118.674 138.243 144.816 418.087 414.194 335.010 218.196 78.276 101.531 118.681 138.678 145.263 418.611 413.865 335.268 223.734 78.193 101.327 118.618 139.030 145.725 419.244 412.935 336.153 229.187 78.145 101.140 118.503 139.298 146.225 420.041 411.891 336.881 234.738 78.135 100.976 118.354 139.484 146.805 420.838 410.955 337.307 240.403 114 WIEN WÄCHST… Bevölkerungsentwicklung in Wien nach Altersgruppen, Geschlecht und Geburtsland Jahr Bevölkerung zum 1.1. 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028 2029 2030 2031 2032 2033 2034 2035 2036 2037 2038 2039 2040 2041 2042 2043 2044 853.877 866.130 878.018 888.282 897.776 906.546 914.472 921.785 928.517 934.695 940.392 945.661 950.525 955.039 959.215 963.093 966.715 970.105 973.287 976.282 979.124 982.003 984.913 987.856 990.834 993.844 996.878 999.934 1.003.009 1.006.096 1.009.185 00-02 28.422 28.670 28.839 29.204 29.567 29.878 30.125 30.312 30.447 30.532 30.574 30.575 30.542 30.485 30.412 30.331 30.247 30.166 30.092 30.026 29.970 29.925 29.895 29.883 29.891 29.916 29.953 29.999 30.052 30.110 30.171 03-05 27.105 27.393 28.004 28.255 28.499 28.668 28.997 29.321 29.597 29.816 29.980 30.097 30.170 30.202 30.196 30.159 30.100 30.026 29.945 29.861 29.782 29.711 29.649 29.599 29.557 29.529 29.517 29.526 29.548 29.583 29.627 06-09 33.602 34.416 35.156 35.900 36.680 37.137 37.615 37.941 38.289 38.550 38.927 39.281 39.574 39.799 39.963 40.069 40.122 40.128 40.091 40.022 39.930 39.829 39.726 39.627 39.537 39.455 39.386 39.328 39.285 39.262 39.258 10-14 40.486 41.933 42.661 43.543 43.941 44.807 45.368 46.173 46.855 47.688 48.029 48.519 48.893 49.283 49.582 49.956 50.296 50.565 50.762 50.891 50.957 50.978 50.957 50.900 50.814 50.711 50.600 50.489 50.383 50.287 50.202 Altersgruppen(Männer) 15-19 20-24 25-29 30-44 45-59 60-74 44.087 45.938 48.547 50.030 51.534 52.621 53.535 53.935 54.501 54.655 63.077 63.469 63.124 62.978 62.955 63.174 63.502 64.413 64.838 65.499 71.069 71.493 72.365 73.196 73.748 73.648 73.468 72.742 72.129 71.521 197.433 198.575 200.111 201.438 202.929 205.059 206.558 208.043 209.586 210.890 184.463 188.244 191.060 193.154 194.566 195.298 195.793 195.834 195.327 194.504 121.284 119.609 118.009 117.310 117.932 118.551 119.657 122.679 125.826 127.876 55.172 55.440 55.918 56.311 56.873 57.048 57.359 57.574 57.811 57.979 65.995 66.461 66.595 66.857 66.780 66.986 66.992 67.203 67.351 67.652 71.111 70.880 71.121 71.102 71.356 71.558 71.776 71.764 71.863 71.703 211.733 212.062 211.697 211.169 210.527 209.994 209.343 208.884 208.374 208.020 193.499 192.677 192.164 191.965 191.654 191.199 191.177 191.434 191.783 192.288 130.412 133.575 136.932 140.543 143.911 147.282 150.065 152.201 153.911 155.159 58.200 58.437 58.647 58.821 58.953 59.041 59.083 59.084 59.050 58.988 58.909 67.677 67.865 68.030 68.246 68.446 68.703 68.972 69.200 69.387 69.530 69.631 71.753 207.482 193.203 155.961 71.683 207.055 193.945 156.583 71.813 206.543 194.737 156.921 71.941 206.056 195.632 156.894 72.220 205.581 196.451 156.672 72.327 205.404 197.055 156.316 72.538 205.300 197.369 156.063 72.730 205.489 197.278 156.070 72.947 205.687 197.043 156.270 73.148 206.030 196.742 156.429 73.378 206.404 196.512 156.508 75+ 42.849 46.390 50.140 53.276 55.427 57.705 59.855 60.392 61.122 63.163 64.960 66.094 66.919 67.321 67.961 68.511 69.236 70.160 71.304 72.679 74.210 75.994 77.995 80.259 82.712 85.388 88.096 90.741 93.356 95.988 98.587 Tabellen 115 Bevölkerungsentwicklung in Wien nach Altersgruppen, Geschlecht und Geburtsland Jahr Bevölkerung zum 1.1. 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028 2029 2030 2031 2032 2033 2034 2035 2036 2037 2038 2039 2040 2041 2042 2043 2044 920.952 932.366 943.685 953.879 963.591 972.845 981.518 989.765 997.586 1.004.988 1.012.002 1.018.646 1.024.927 1.030.879 1.036.513 1.041.837 1.046.865 1.051.607 1.056.082 1.060.303 1.064.287 1.068.188 1.072.018 1.075.787 1.079.505 1.083.175 1.086.807 1.090.410 1.093.983 1.097.523 1.101.027 00-02 26.040 26.394 26.879 27.572 27.917 28.207 28.438 28.612 28.739 28.820 28.859 28.860 28.830 28.778 28.710 28.636 28.558 28.484 28.415 28.354 28.303 28.261 28.233 28.220 28.227 28.249 28.283 28.325 28.373 28.426 28.482 03-05 25.389 26.037 26.578 26.633 26.974 27.424 28.055 28.376 28.637 28.844 28.998 29.109 29.179 29.210 29.206 29.172 29.119 29.051 28.977 28.900 28.827 28.761 28.705 28.658 28.618 28.592 28.579 28.586 28.606 28.637 28.676 06-09 32.124 33.066 33.901 34.640 35.472 36.055 36.453 36.909 37.338 37.848 38.507 38.858 39.139 39.354 39.511 39.615 39.669 39.680 39.649 39.589 39.506 39.414 39.320 39.229 39.144 39.069 39.004 38.949 38.908 38.884 38.877 10-14 38.703 39.978 40.849 42.015 42.739 43.805 44.669 45.666 46.422 47.150 47.576 48.275 48.792 49.262 49.795 50.435 50.778 51.043 51.239 51.370 51.443 51.471 51.458 51.410 51.335 51.243 51.143 51.041 50.943 50.854 50.774 Altersgruppen(Frauen) 15-19 20-24 25-29 30-44 45-59 60-74 75+ 42.866 43.948 46.048 47.605 49.207 50.293 51.201 51.814 52.695 53.177 65.761 64.907 63.624 62.411 61.592 61.107 61.182 62.058 62.767 63.661 73.461 74.252 75.084 75.402 75.157 74.539 73.665 72.343 71.071 70.026 201.452 203.371 205.294 207.539 210.094 212.898 215.230 217.528 219.827 221.629 188.920 192.622 195.636 197.859 200.048 201.561 202.603 203.060 203.131 203.012 146.621 144.655 142.719 141.869 142.024 142.151 142.779 145.593 148.644 149.952 79.615 83.135 87.073 90.336 92.368 94.804 97.241 97.805 98.316 100.869 53.932 54.512 55.211 55.741 56.260 56.525 57.048 57.445 57.790 58.195 64.227 64.735 65.041 65.546 65.725 66.124 66.386 66.750 67.015 67.272 69.240 68.937 69.278 69.559 70.044 70.321 70.574 70.683 70.949 70.960 223.027 223.731 223.292 222.310 221.303 220.324 219.412 218.766 217.909 217.059 202.496 202.259 202.586 203.424 204.052 204.366 205.046 205.797 206.858 208.179 152.103 154.904 158.110 161.623 165.040 168.544 171.445 173.780 175.548 177.192 103.036 104.465 105.469 106.070 106.866 107.777 108.829 110.129 111.733 113.233 58.666 58.936 59.155 59.331 59.462 59.548 59.591 59.597 59.569 59.515 59.445 67.355 67.678 67.962 68.240 68.592 69.011 69.271 69.478 69.644 69.768 69.853 71.150 215.973 209.770 178.329 114.966 71.271 215.115 211.128 179.143 117.011 71.496 214.349 212.548 179.528 119.264 71.676 213.723 214.069 179.566 121.666 71.884 213.180 215.313 179.475 124.275 71.995 212.857 216.290 179.130 127.192 72.278 212.787 216.826 178.946 130.100 72.533 213.122 216.587 179.198 132.994 72.778 213.557 215.892 179.883 135.831 73.078 214.011 215.149 180.452 138.749 73.427 214.433 214.443 180.800 141.816 116 WIEN WÄCHST… Bevölkerungsentwicklung in Wien nach Altersgruppen, Geschlecht und Geburtsland Jahr Bevölkerung zum 1.1. 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028 2029 2030 2031 2032 2033 2034 2035 2036 2037 2038 2039 2040 2041 2042 2043 2044 1.192.580 1.197.363 1.202.565 1.207.922 1.213.506 1.219.280 1.225.166 1.231.150 1.237.198 1.243.278 1.249.358 1.255.409 1.261.416 1.267.382 1.273.283 1.279.112 1.284.873 1.290.562 1.296.182 1.301.733 1.307.237 1.312.603 1.317.853 1.323.016 1.328.117 1.333.171 1.338.189 1.343.185 1.348.166 1.353.124 1.358.056 00-02 52.197 53.137 54.029 55.178 55.913 56.540 57.042 57.427 57.712 57.902 58.005 58.028 57.986 57.898 57.777 57.640 57.497 57.361 57.235 57.126 57.036 56.957 56.902 56.877 56.893 56.939 57.010 57.098 57.200 57.311 57.427 03-05 47.889 48.725 49.931 50.486 51.365 52.212 53.283 53.991 54.589 55.073 55.450 55.734 55.929 56.045 56.085 56.063 55.999 55.903 55.794 55.678 55.569 55.464 55.368 55.284 55.209 55.157 55.134 55.149 55.192 55.257 55.340 06-09 58.176 59.386 60.356 61.493 62.982 64.053 65.167 66.251 67.329 68.366 69.567 70.400 71.097 71.655 72.091 72.415 72.631 72.753 72.789 72.760 72.682 72.572 72.443 72.307 72.173 72.046 71.932 71.829 71.751 71.706 71.696 Altersgruppen(im Inland geboren) 10-14 15-19 20-24 25-29 30-44 45-59 60-74 75+ 64.936 66.867 68.313 70.239 71.195 72.807 73.881 75.356 76.656 78.289 66.745 65.243 65.629 65.916 67.390 68.827 70.507 71.776 73.469 74.316 83.748 82.400 79.778 76.879 73.986 71.652 70.361 70.576 70.765 71.943 79.699 79.861 80.579 81.497 82.069 81.736 80.762 78.771 76.542 74.271 216.096 215.112 214.771 214.911 215.555 217.116 218.365 220.105 222.492 224.699 234.558 238.702 241.275 242.419 242.492 241.734 240.476 238.450 235.337 231.917 190.115 183.408 176.928 172.724 171.370 169.945 169.629 172.846 176.660 177.723 98.421 104.521 110.975 116.182 119.189 122.658 125.693 125.602 125.646 128.780 79.308 80.851 82.112 83.342 84.508 85.783 86.693 87.446 88.051 88.518 75.726 76.683 77.998 79.159 80.598 81.510 82.875 84.018 85.124 86.190 73.085 74.426 75.452 76.821 77.509 78.660 79.447 80.539 81.509 82.674 72.420 71.394 71.530 71.670 72.599 73.518 74.597 75.427 76.539 77.126 226.245 226.876 226.126 224.675 223.015 221.721 220.588 220.025 219.424 219.248 228.418 225.437 223.540 222.235 220.955 219.463 218.821 218.761 219.086 219.810 180.095 183.778 187.993 192.914 197.846 202.621 206.284 208.784 210.255 210.936 131.040 131.802 131.655 130.968 130.300 129.717 129.440 129.545 130.376 131.667 88.857 89.075 89.187 89.207 89.153 89.050 88.915 88.765 88.609 88.459 88.320 87.325 88.170 88.861 89.418 89.847 90.159 90.359 90.465 90.487 90.444 90.356 83.445 84.552 85.512 86.433 87.330 88.265 88.992 89.581 90.055 90.420 90.688 78.068 218.840 221.172 210.943 133.300 78.726 218.737 222.380 210.556 135.415 79.608 218.590 223.941 209.594 137.847 80.395 218.494 225.957 207.823 140.822 81.320 218.405 227.883 205.819 144.085 81.946 218.797 229.376 203.711 147.724 82.810 219.528 230.277 201.904 151.328 83.578 220.912 230.221 200.877 154.711 84.310 222.447 229.554 200.322 158.239 85.028 224.181 228.698 199.814 161.805 85.773 225.916 228.039 199.145 165.357 Tabellen 117 Bevölkerungsentwicklung in Wien nach Altersgruppen, Geschlecht und Geburtsland Jahr Bevölkerung zum 1.1. 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028 2029 2030 2031 2032 2033 2034 2035 2036 2037 2038 2039 2040 2041 2042 2043 2044 582.249 601.134 619.137 634.239 647.861 660.111 670.823 680.399 688.906 696.405 703.036 708.897 714.036 718.535 722.444 725.819 728.707 731.149 733.187 734.852 736.174 737.588 739.078 740.627 742.221 743.848 745.496 747.158 748.826 750.494 752.156 00-02 2.265 1.927 1.689 1.598 1.571 1.546 1.521 1.497 1.474 1.450 1.428 1.407 1.386 1.366 1.346 1.326 1.307 1.289 1.271 1.254 1.237 1.229 1.226 1.225 1.225 1.225 1.225 1.225 1.225 1.225 1.225 03-05 4.605 4.705 4.651 4.401 4.108 3.880 3.769 3.706 3.645 3.586 3.529 3.473 3.419 3.367 3.317 3.268 3.220 3.173 3.128 3.083 3.040 3.008 2.985 2.972 2.965 2.963 2.963 2.963 2.963 2.963 2.963 06-09 7.550 8.096 8.700 9.047 9.170 9.139 8.901 8.600 8.298 8.032 7.866 7.739 7.616 7.498 7.383 7.270 7.161 7.054 6.951 6.851 6.753 6.671 6.603 6.549 6.508 6.478 6.458 6.447 6.442 6.440 6.439 Altersgruppen(im Ausland geboren) 10-14 15-19 20-24 25-29 30-44 45-59 60-74 14.253 15.044 15.198 15.319 15.485 15.805 16.156 16.483 16.621 16.550 20.208 24.643 28.966 31.720 33.351 34.087 34.229 33.972 33.727 33.516 45.090 45.976 46.970 48.510 50.561 52.629 54.324 55.895 56.840 57.217 64.831 65.884 66.870 67.101 66.836 66.452 66.370 66.314 66.658 67.276 182.789 186.835 190.633 194.066 197.468 200.841 203.423 205.466 206.921 207.820 138.825 142.165 145.421 148.594 152.121 155.126 157.920 160.444 163.121 165.599 77.790 80.855 83.801 86.455 88.586 90.757 92.806 95.426 97.809 100.106 16.297 15.943 15.573 15.204 14.868 14.608 14.381 14.162 13.950 13.744 33.378 33.269 33.132 32.894 32.535 32.063 31.532 31.000 30.477 29.984 57.138 56.771 56.185 55.582 54.996 54.450 53.931 53.413 52.858 52.250 67.931 68.422 68.869 68.991 68.801 68.361 67.754 67.021 66.273 65.538 208.515 208.917 208.863 208.804 208.816 208.597 208.167 207.625 206.859 205.831 167.577 169.499 171.210 173.155 174.751 176.102 177.401 178.471 179.555 180.658 102.420 104.701 107.049 109.252 111.106 113.204 115.227 117.197 119.204 121.415 13.543 13.373 13.228 13.103 12.995 12.904 12.828 12.766 12.718 12.681 12.656 29.540 29.203 28.940 28.734 28.567 28.430 28.315 28.216 28.131 28.059 27.998 51.588 50.991 50.479 50.052 49.709 49.449 49.251 49.097 48.976 48.877 48.796 64.835 204.615 181.801 123.347 64.228 203.433 182.693 125.169 63.701 202.302 183.344 126.856 63.223 201.286 183.744 128.637 62.783 200.357 183.881 130.328 62.376 199.464 183.969 131.735 62.005 198.560 183.918 133.106 61.684 197.700 183.644 134.392 61.415 196.797 183.381 135.830 61.198 195.860 183.193 137.067 61.032 194.922 182.915 138.163 75+ 24.043 25.005 26.237 27.429 28.606 29.850 31.403 32.596 33.791 35.253 36.957 38.756 40.734 42.423 44.527 46.571 48.626 50.743 52.661 54.245 55.875 57.591 59.412 61.103 62.902 64.855 66.868 69.023 70.948 72.932 75.046 118 WIEN WÄCHST… Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirke 2014 bis 2034 WBR= Wiener Bevölkerungsregister Gemeindebezirk Wien 1. Innere Stadt 2. Leopoldstadt 3. Landstraße 4. Wieden 5. Margareten 6. Mariahilf 7. Neubau 8. Josefstadt 9. Alsergrund 10. Favoriten 11. Simmering 12. Meidling 13. Hietzing 14. Penzing 15. Rudolfsheim-Fünfhaus 16. Ottakring 17. Hernals 18. Währing 19. Döbling 20. Brigittenau 21. Floridsdorf 22. Donaustadt 23. Liesing Gemeindebezirk Wien 1. Innere Stadt 2. Leopoldstadt 3. Landstraße 4. Wieden 5. Margareten 6. Mariahilf 7. Neubau 8. Josefstadt 9. Alsergrund 10. Favoriten 11. Simmering 12. Meidling 13. Hietzing 14. Penzing 15. Rudolfsheim-Fünfhaus 16. Ottakring 17. Hernals 18. Währing 19. Döbling 20. Brigittenau 21. Floridsdorf 22. Donaustadt 23. Liesing WBR 2014 1.774.829 16.434 100.016 87.213 31.947 54.153 30.584 31.155 24.591 41.101 185.325 93.600 91.344 51.557 87.869 75.612 99.742 54.910 49.046 69.774 84.870 149.101 168.665 96.220 2021 1.911.550 15.712 111.093 94.264 33.374 56.902 33.506 33.650 26.763 43.538 205.393 101.685 97.026 51.255 89.536 77.035 105.631 58.390 50.762 70.272 96.427 162.366 190.821 106.149 2015 2016 1.798.496 1.821.702 16.300 101.647 88.515 32.274 54.644 31.082 31.555 25.141 41.504 190.745 95.087 92.005 51.450 87.855 75.727 101.354 55.588 49.310 69.839 85.851 151.494 171.919 97.610 16.291 102.796 89.222 32.491 55.141 31.574 31.951 25.472 41.998 192.723 98.168 93.122 51.357 88.096 76.224 102.130 56.204 49.749 70.595 87.113 153.896 176.133 99.257 Prognose 2022 2023 1.926.103 15.595 112.060 95.668 33.448 57.079 33.773 33.804 26.905 43.690 207.152 102.248 97.866 51.349 90.268 76.901 105.800 58.815 50.781 70.059 98.014 163.373 193.105 108.349 1.939.683 15.486 113.400 96.864 33.529 57.263 34.036 33.955 27.046 44.204 209.578 102.306 98.269 51.433 90.319 76.798 105.986 58.981 50.811 69.873 99.311 163.399 197.517 109.320 Prognose 2017 2018 2019 2020 1.842.162 1.861.367 1.879.391 1.895.989 16.187 104.889 90.074 32.740 55.688 32.083 32.360 25.816 42.525 196.294 99.063 94.408 51.496 88.188 76.698 103.219 56.770 50.232 70.813 89.325 155.077 177.661 100.555 16.060 107.333 90.990 32.996 56.033 32.473 32.649 26.145 42.813 199.382 99.155 94.979 51.335 88.344 76.705 104.025 57.258 50.456 70.668 91.388 155.746 181.141 103.294 15.958 108.651 91.915 33.190 56.462 32.902 33.129 26.422 43.160 201.388 100.061 95.550 51.298 88.668 77.061 104.909 57.694 50.668 70.652 92.949 158.075 184.859 103.770 15.838 109.814 92.634 33.305 56.729 33.235 33.492 26.617 43.385 203.359 100.740 96.197 51.180 88.800 77.198 105.474 57.968 50.752 70.509 94.944 160.316 189.533 103.970 2024 Projektion 2029 2034 1.952.394 15.396 114.116 97.364 33.654 57.527 34.339 34.142 27.220 44.792 211.516 102.165 98.820 51.281 90.542 76.819 106.319 59.228 50.913 69.778 100.437 162.808 203.383 109.835 2.004.931 14.927 117.448 101.111 33.980 58.586 35.420 34.754 27.736 46.222 220.790 103.702 100.669 50.608 90.432 78.345 107.160 59.871 51.019 69.363 103.110 171.619 215.661 112.398 2.043.411 14.628 120.833 103.546 34.567 59.692 36.659 35.503 28.373 46.961 224.691 104.993 102.710 50.524 90.724 78.704 108.909 61.025 51.662 69.795 106.436 172.580 225.819 114.078 Tabellen 119 Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirken nach Altersgruppen und 2014 bis 2034 1. Innere Stadt Jahr 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028 2029 2030 2031 2032 2033 2034 Stand zum 1.1. 16.434 16.300 16.291 16.187 16.060 15.958 15.838 15.712 15.595 15.486 15.396 15.278 15.170 15.066 14.990 14.927 14.874 14.821 14.757 14.691 14.628 0-2 369 369 379 381 379 378 376 373 371 369 367 363 360 356 354 353 351 350 349 348 347 3-5 338 362 364 363 365 371 372 370 368 366 365 363 360 358 356 354 353 352 351 349 347 6-9 408 409 431 443 459 478 480 482 485 491 494 490 488 485 484 482 482 481 479 477 475 10-14 530 523 535 541 523 525 546 563 571 583 602 609 612 615 621 625 623 622 621 619 617 Altersgruppen 15-19 20-24 25-29 582 893 1.029 602 896 1.016 634 879 1.045 654 855 1.036 674 847 1.018 669 830 999 659 831 994 662 837 967 664 840 945 649 849 933 647 840 917 662 830 909 677 830 907 683 828 906 695 816 912 711 816 906 720 828 902 726 841 903 731 847 903 736 856 892 738 868 890 30-44 3.233 3.167 3.111 3.065 3.041 3.031 2.989 2.957 2.924 2.913 2.893 2.873 2.847 2.803 2.788 2.775 2.770 2.762 2.745 2.732 2.704 45-59 3.823 3.764 3.741 3.715 3.642 3.574 3.499 3.429 3.382 3.297 3.213 3.132 3.051 2.996 2.933 2.887 2.844 2.797 2.763 2.749 2.738 60-74 3.507 3.441 3.366 3.263 3.197 3.118 3.073 3.046 3.019 2.976 2.967 2.949 2.958 2.954 2.957 2.957 2.934 2.914 2.903 2.863 2.823 75+ 1.722 1.752 1.806 1.872 1.915 1.986 2.018 2.026 2.025 2.060 2.089 2.097 2.081 2.081 2.073 2.062 2.067 2.072 2.067 2.071 2.081 Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirken nach Altersgruppen und 2014 bis 2034 2. Leopoldstadt Jahr 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028 2029 2030 2031 2032 2033 2034 Stand zum 1.1. 100.016 101.647 102.796 104.889 107.333 108.651 109.814 111.093 112.060 113.400 114.116 115.339 115.846 116.318 116.828 117.448 118.160 119.066 119.786 120.430 120.833 0-2 3.419 3.495 3.529 3.668 3.769 3.796 3.806 3.821 3.817 3.834 3.811 3.816 3.777 3.738 3.705 3.684 3.670 3.670 3.661 3.650 3.628 3-5 3.124 3.221 3.348 3.390 3.520 3.586 3.678 3.718 3.736 3.765 3.762 3.781 3.762 3.735 3.710 3.687 3.672 3.670 3.662 3.652 3.630 6-9 3.723 3.854 3.965 4.172 4.366 4.494 4.616 4.707 4.790 4.877 4.959 5.008 5.016 5.012 5.004 4.997 4.990 4.988 4.976 4.960 4.934 10-14 4.468 4.625 4.665 4.819 5.006 5.135 5.227 5.443 5.596 5.768 5.854 6.036 6.111 6.184 6.240 6.317 6.349 6.381 6.393 6.396 6.383 Altersgruppen 15-19 20-24 25-29 4.729 4.904 5.261 5.578 5.853 6.060 6.159 6.206 6.299 6.405 6.483 7.925 7.831 7.542 7.381 7.228 7.184 7.206 7.376 7.491 7.626 7.716 9.087 9.203 9.172 9.236 9.408 9.218 9.076 8.841 8.613 8.419 8.295 6.561 6.694 6.793 6.902 6.969 7.101 7.183 7.253 7.302 7.354 7.783 7.770 7.804 7.836 7.881 7.918 8.032 8.111 8.190 8.219 8.300 8.328 8.344 8.377 8.430 8.456 8.487 8.530 8.557 8.562 30-44 23.745 24.061 24.365 24.898 25.588 26.017 26.239 26.584 26.780 27.089 27.028 27.167 26.868 26.526 26.235 26.019 25.898 25.835 25.725 25.618 25.428 45-59 19.825 20.255 20.479 20.982 21.507 21.779 22.020 22.162 22.299 22.480 22.543 22.683 22.872 23.036 23.209 23.336 23.495 23.739 23.924 24.115 24.316 60-74 13.326 13.294 13.237 13.290 13.449 13.554 13.791 14.189 14.528 14.805 15.188 15.570 15.907 16.300 16.644 17.029 17.358 17.615 17.908 18.179 18.383 75+ 6.645 6.904 7.235 7.474 7.639 7.829 7.996 8.045 8.113 8.330 8.477 8.633 8.743 8.847 8.968 9.098 9.254 9.465 9.644 9.810 9.996 120 WIEN WÄCHST… Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirken nach Altersgruppen und 2014 bis 2034 3. Landstraße Jahr 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028 2029 2030 2031 2032 2033 2034 Stand zum 1.1. 87.213 88.515 89.222 90.074 90.990 91.915 92.634 94.264 95.668 96.864 97.364 97.633 98.571 99.464 100.570 101.111 101.721 102.300 102.747 103.144 103.546 0-2 2.505 2.671 2.725 2.857 2.878 2.897 2.901 2.957 2.993 3.011 2.984 2.945 2.950 2.952 2.967 2.945 2.932 2.921 2.908 2.896 2.888 3-5 2.412 2.456 2.519 2.489 2.631 2.708 2.831 2.896 2.951 2.992 2.993 2.975 2.983 2.985 3.000 2.991 2.983 2.972 2.952 2.932 2.916 6-9 2.776 2.935 3.068 3.189 3.240 3.348 3.370 3.511 3.685 3.797 3.919 3.932 3.973 4.006 4.042 4.043 4.042 4.035 4.023 4.006 3.987 10-14 3.263 3.382 3.438 3.541 3.693 3.823 3.973 4.180 4.291 4.429 4.485 4.602 4.721 4.873 4.990 5.114 5.154 5.187 5.203 5.208 5.205 Altersgruppen 15-19 20-24 25-29 3.633 3.901 4.174 4.395 4.485 4.609 4.666 4.747 4.843 4.969 5.048 5.142 5.282 5.351 5.466 5.513 5.627 5.719 5.833 5.906 6.000 6.372 6.247 6.017 5.878 5.834 5.858 5.948 6.129 6.283 6.339 6.370 6.360 6.393 6.445 6.532 6.573 6.642 6.723 6.746 6.804 6.833 8.044 7.887 7.832 7.664 7.587 7.426 7.271 7.171 7.089 7.030 6.952 6.923 7.002 7.081 7.137 7.146 7.146 7.142 7.142 7.152 7.165 30-44 20.717 21.033 21.079 21.347 21.562 21.800 21.894 22.309 22.671 22.932 22.920 22.728 22.700 22.617 22.633 22.455 22.325 22.234 22.070 21.914 21.765 45-59 18.310 18.675 18.906 19.052 19.203 19.286 19.357 19.542 19.647 19.758 19.694 19.700 19.801 20.000 20.212 20.374 20.518 20.640 20.825 20.982 21.146 60-74 12.886 12.756 12.647 12.611 12.642 12.785 12.920 13.292 13.686 13.894 14.168 14.392 14.739 15.074 15.394 15.638 15.917 16.155 16.319 16.454 16.542 75+ 6.295 6.572 6.817 7.052 7.235 7.374 7.503 7.529 7.529 7.713 7.831 7.935 8.027 8.079 8.198 8.320 8.435 8.572 8.726 8.891 9.098 Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirken nach Altersgruppen und 2014 bis 2034 4. Wieden Jahr 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028 2029 2030 2031 2032 2033 2034 Stand zum 1.1. 31.947 32.274 32.491 32.740 32.996 33.190 33.305 33.374 33.448 33.529 33.654 33.670 33.704 33.729 33.841 33.980 34.143 34.294 34.397 34.481 34.567 0-2 852 880 936 980 992 999 999 995 991 986 982 971 960 949 943 939 936 934 930 926 924 3-5 836 858 849 839 865 919 955 959 960 960 961 955 949 942 938 935 933 931 927 922 917 6-9 935 997 1.024 1.080 1.133 1.121 1.130 1.149 1.170 1.218 1.254 1.256 1.257 1.254 1.254 1.255 1.255 1.254 1.250 1.245 1.240 10-14 1.066 1.107 1.157 1.215 1.261 1.311 1.349 1.387 1.428 1.443 1.447 1.481 1.500 1.521 1.568 1.602 1.612 1.618 1.620 1.620 1.618 Altersgruppen 15-19 20-24 25-29 1.364 1.397 1.460 1.503 1.547 1.605 1.626 1.659 1.694 1.715 1.749 2.592 2.539 2.408 2.320 2.260 2.202 2.191 2.197 2.205 2.223 2.255 2.972 2.944 2.974 2.992 2.958 2.867 2.801 2.686 2.600 2.527 2.468 1.770 1.795 1.821 1.830 1.833 1.866 1.889 1.909 1.946 1.972 2.259 2.275 2.291 2.302 2.323 2.339 2.359 2.376 2.377 2.373 2.437 2.427 2.423 2.436 2.461 2.475 2.492 2.506 2.507 2.516 30-44 7.506 7.600 7.672 7.686 7.739 7.832 7.849 7.882 7.865 7.844 7.849 7.759 7.687 7.549 7.452 7.381 7.330 7.294 7.253 7.201 7.139 45-59 6.640 6.755 6.770 6.827 6.885 6.901 6.883 6.839 6.832 6.804 6.753 6.730 6.706 6.734 6.764 6.753 6.782 6.825 6.831 6.851 6.900 60-74 4.838 4.807 4.761 4.689 4.682 4.708 4.748 4.850 4.917 4.977 5.047 5.122 5.168 5.254 5.330 5.446 5.526 5.551 5.591 5.627 5.645 75+ 2.346 2.391 2.480 2.609 2.673 2.724 2.774 2.770 2.786 2.831 2.889 2.930 2.979 2.991 3.024 3.053 3.089 3.148 3.205 3.259 3.322 Tabellen 121 Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirken nach Altersgruppen und 2014 bis 2034 5. Margareten Jahr 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028 2029 2030 2031 2032 2033 2034 Stand zum 1.1. 54.153 54.644 55.141 55.688 56.033 56.462 56.729 56.902 57.079 57.263 57.527 57.581 57.855 58.106 58.320 58.586 58.897 59.183 59.377 59.534 59.692 0-2 1.670 1.742 1.861 1.953 1.948 1.945 1.929 1.907 1.884 1.861 1.843 1.811 1.794 1.776 1.758 1.744 1.736 1.728 1.717 1.706 1.699 3-5 1.427 1.562 1.589 1.620 1.685 1.796 1.869 1.864 1.852 1.838 1.827 1.804 1.791 1.777 1.761 1.748 1.738 1.729 1.716 1.703 1.691 6-9 1.608 1.652 1.738 1.854 1.970 2.049 2.100 2.189 2.247 2.337 2.404 2.395 2.388 2.378 2.365 2.352 2.342 2.331 2.315 2.297 2.280 10-14 1.857 1.974 2.035 2.123 2.142 2.200 2.277 2.368 2.486 2.547 2.636 2.738 2.827 2.886 2.970 3.030 3.035 3.031 3.020 3.005 2.989 Altersgruppen 15-19 20-24 25-29 2.318 2.325 2.471 2.570 2.716 2.766 2.836 2.864 2.912 2.917 2.948 2.992 3.065 3.155 3.199 3.268 3.362 3.438 3.488 3.554 3.597 4.560 4.380 4.137 3.964 3.793 3.738 3.674 3.700 3.717 3.789 3.807 3.828 3.845 3.874 3.871 3.882 3.916 3.964 4.018 4.039 4.081 5.751 5.654 5.507 5.358 5.174 5.000 4.841 4.624 4.453 4.291 4.217 4.134 4.145 4.151 4.194 4.207 4.235 4.246 4.257 4.245 4.241 30-44 14.101 14.214 14.426 14.577 14.638 14.717 14.674 14.600 14.499 14.381 14.255 14.049 13.843 13.596 13.378 13.198 13.067 12.931 12.777 12.638 12.507 45-59 10.643 10.811 10.876 10.968 11.088 11.176 11.286 11.333 11.391 11.472 11.535 11.591 11.697 11.843 11.917 12.016 12.104 12.238 12.325 12.383 12.453 60-74 7.041 7.058 7.098 7.176 7.323 7.408 7.508 7.709 7.844 7.886 7.999 8.104 8.227 8.376 8.528 8.672 8.807 8.882 8.958 9.058 9.126 75+ 3.177 3.272 3.404 3.526 3.555 3.666 3.736 3.744 3.794 3.942 4.057 4.136 4.233 4.294 4.380 4.468 4.555 4.666 4.786 4.905 5.027 Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirken nach Altersgruppen und 2014 bis 2034 6. Mariahilf Jahr 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028 2029 2030 2031 2032 2033 2034 Stand zum 1.1. 30.584 31.082 31.574 32.083 32.473 32.902 33.235 33.506 33.773 34.036 34.339 34.515 34.703 34.875 35.135 35.420 35.727 36.015 36.247 36.454 36.659 0-2 792 892 988 1.063 1.072 1.082 1.083 1.080 1.074 1.067 1.061 1.047 1.033 1.020 1.013 1.008 1.005 1.002 997 993 991 3-5 676 718 759 797 883 971 1.035 1.041 1.045 1.046 1.047 1.041 1.033 1.023 1.017 1.012 1.010 1.007 1.002 996 991 6-9 776 828 869 937 968 1.008 1.064 1.146 1.224 1.301 1.362 1.369 1.371 1.369 1.369 1.369 1.368 1.365 1.360 1.353 1.347 10-14 932 987 1.020 1.051 1.096 1.146 1.186 1.242 1.300 1.328 1.379 1.472 1.548 1.617 1.689 1.746 1.760 1.769 1.771 1.771 1.768 Altersgruppen 15-19 20-24 25-29 1.143 1.225 1.335 1.431 1.514 1.551 1.583 1.595 1.611 1.640 1.668 2.539 2.392 2.301 2.223 2.148 2.146 2.171 2.211 2.251 2.296 2.318 3.213 3.175 3.107 3.068 3.009 2.885 2.755 2.662 2.575 2.496 2.470 1.686 1.725 1.766 1.788 1.829 1.910 1.979 2.040 2.098 2.143 2.332 2.331 2.334 2.350 2.365 2.378 2.406 2.434 2.446 2.470 2.461 2.470 2.483 2.513 2.533 2.555 2.562 2.564 2.569 2.573 30-44 7.836 7.969 8.107 8.240 8.333 8.483 8.564 8.556 8.517 8.493 8.448 8.338 8.218 8.070 7.978 7.898 7.840 7.795 7.746 7.698 7.636 45-59 6.554 6.680 6.763 6.797 6.845 6.878 6.907 6.914 6.973 6.998 7.036 7.043 7.086 7.151 7.221 7.287 7.365 7.449 7.520 7.588 7.676 60-74 4.341 4.350 4.370 4.416 4.483 4.551 4.612 4.730 4.823 4.919 5.004 5.126 5.211 5.337 5.432 5.551 5.650 5.727 5.771 5.810 5.846 75+ 1.782 1.866 1.955 2.060 2.121 2.201 2.274 2.330 2.381 2.454 2.544 2.600 2.676 2.705 2.766 2.823 2.887 2.956 3.041 3.132 3.217 122 WIEN WÄCHST… Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirken nach Altersgruppen und 2014 bis 2034 7. Neubau Jahr 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028 2029 2030 2031 2032 2033 2034 Stand zum 1.1. 31.155 31.555 31.951 32.360 32.649 33.129 33.492 33.650 33.804 33.955 34.142 34.227 34.322 34.403 34.566 34.754 34.960 35.149 35.283 35.395 35.503 0-2 782 880 973 1.069 1.073 1.086 1.090 1.078 1.064 1.051 1.039 1.020 1.002 985 974 965 959 953 946 940 937 3-5 668 710 737 780 865 957 1.045 1.047 1.045 1.040 1.034 1.021 1.009 995 984 975 968 961 953 945 937 6-9 787 848 911 913 956 1.003 1.031 1.140 1.215 1.288 1.361 1.361 1.357 1.348 1.341 1.333 1.326 1.317 1.306 1.294 1.283 10-14 931 959 993 1.066 1.103 1.149 1.217 1.250 1.278 1.316 1.348 1.430 1.526 1.592 1.659 1.725 1.731 1.731 1.726 1.717 1.706 Altersgruppen 15-19 20-24 25-29 1.119 1.226 1.347 1.441 1.537 1.576 1.591 1.599 1.645 1.663 1.685 1.721 1.740 1.757 1.786 1.809 1.882 1.966 2.024 2.076 2.126 2.618 2.488 2.329 2.183 2.095 2.114 2.150 2.191 2.219 2.263 2.269 2.261 2.253 2.275 2.281 2.294 2.319 2.329 2.337 2.353 2.363 3.323 3.182 3.140 3.131 3.035 2.921 2.817 2.677 2.541 2.452 2.433 2.424 2.435 2.439 2.467 2.470 2.471 2.469 2.484 2.480 2.481 30-44 8.373 8.509 8.570 8.607 8.612 8.706 8.734 8.713 8.690 8.600 8.518 8.353 8.137 7.963 7.804 7.697 7.587 7.516 7.438 7.359 7.274 45-59 6.613 6.706 6.771 6.871 6.926 7.048 7.082 7.080 7.066 7.088 7.073 7.109 7.217 7.224 7.270 7.302 7.375 7.414 7.428 7.442 7.466 60-74 4.169 4.197 4.248 4.268 4.345 4.392 4.491 4.617 4.746 4.828 4.961 5.053 5.146 5.272 5.393 5.507 5.590 5.647 5.715 5.766 5.832 75+ 1.772 1.851 1.931 2.030 2.103 2.176 2.244 2.260 2.295 2.367 2.420 2.473 2.499 2.553 2.607 2.675 2.753 2.844 2.925 3.023 3.098 Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirken nach Altersgruppen und 2014 bis 2034 8. Josefstadt Jahr 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028 2029 2030 2031 2032 2033 2034 Stand zum 1.1. 24.591 25.141 25.472 25.816 26.145 26.422 26.617 26.763 26.905 27.046 27.220 27.289 27.368 27.436 27.576 27.736 27.914 28.075 28.189 28.282 28.373 0-2 604 669 723 776 795 808 814 817 818 818 818 811 803 795 790 787 785 781 776 771 767 3-5 537 576 578 616 664 715 758 771 779 784 790 789 788 785 783 783 783 782 778 774 768 6-9 654 695 742 752 770 796 807 865 906 949 990 1.003 1.011 1.015 1.021 1.026 1.031 1.034 1.033 1.031 1.028 10-14 729 775 822 853 910 951 992 1.005 1.035 1.044 1.071 1.103 1.158 1.196 1.238 1.277 1.295 1.308 1.316 1.322 1.325 Altersgruppen 15-19 20-24 25-29 1.011 1.085 1.165 1.249 1.302 1.341 1.366 1.394 1.406 1.441 1.470 2.529 2.408 2.270 2.162 2.058 1.971 1.949 1.946 1.970 1.988 1.999 2.709 2.734 2.715 2.679 2.676 2.654 2.569 2.474 2.384 2.290 2.208 1.494 1.498 1.517 1.525 1.544 1.575 1.621 1.656 1.690 1.719 2.005 2.015 2.010 2.027 2.045 2.062 2.065 2.073 2.072 2.078 2.161 2.132 2.130 2.136 2.141 2.149 2.160 2.155 2.159 2.165 30-44 6.015 6.237 6.372 6.549 6.653 6.757 6.836 6.871 6.879 6.887 6.893 6.855 6.765 6.661 6.602 6.545 6.497 6.440 6.387 6.330 6.271 45-59 4.848 4.948 5.018 5.038 5.101 5.143 5.178 5.191 5.210 5.216 5.260 5.261 5.294 5.333 5.363 5.405 5.472 5.537 5.611 5.660 5.711 60-74 3.517 3.530 3.483 3.478 3.497 3.483 3.485 3.550 3.622 3.677 3.707 3.764 3.833 3.913 3.985 4.048 4.097 4.147 4.154 4.184 4.206 75+ 1.438 1.483 1.583 1.663 1.719 1.804 1.863 1.879 1.896 1.953 2.013 2.043 2.070 2.081 2.103 2.136 2.168 2.201 2.249 2.290 2.335 Tabellen 123 Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirken nach Altersgruppen und 2014 bis 2034 9. Alsergrund Jahr 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028 2029 2030 2031 2032 2033 2034 Stand zum 1.1. 41.101 41.504 41.998 42.525 42.813 43.160 43.385 43.538 43.690 44.204 44.792 45.314 45.835 45.873 46.029 46.222 46.443 46.642 46.769 46.866 46.961 0-2 1.118 1.225 1.295 1.390 1.406 1.421 1.424 1.419 1.411 1.421 1.430 1.430 1.426 1.392 1.367 1.347 1.331 1.315 1.298 1.282 1.269 3-5 894 927 1.043 1.108 1.201 1.267 1.338 1.350 1.356 1.377 1.400 1.417 1.431 1.416 1.400 1.383 1.365 1.348 1.329 1.310 1.293 6-9 1.090 1.127 1.173 1.204 1.263 1.334 1.420 1.526 1.611 1.689 1.777 1.814 1.847 1.853 1.859 1.862 1.860 1.851 1.832 1.808 1.783 10-14 1.244 1.341 1.389 1.465 1.506 1.557 1.557 1.618 1.661 1.758 1.830 1.976 2.100 2.182 2.248 2.318 2.344 2.364 2.375 2.379 2.375 Altersgruppen 15-19 20-24 25-29 1.618 1.653 1.788 1.911 1.996 2.072 2.136 2.156 2.198 2.235 2.280 2.289 2.344 2.375 2.436 2.480 2.588 2.682 2.751 2.804 2.858 4.097 3.793 3.501 3.256 3.091 2.957 2.915 2.939 2.980 3.038 3.103 3.158 3.186 3.188 3.191 3.201 3.190 3.207 3.230 3.266 3.289 4.821 4.810 4.763 4.657 4.517 4.362 4.133 3.889 3.667 3.553 3.461 3.430 3.451 3.434 3.434 3.448 3.466 3.468 3.469 3.463 3.461 30-44 9.963 10.209 10.453 10.758 10.922 11.170 11.283 11.317 11.339 11.434 11.524 11.536 11.468 11.206 10.999 10.810 10.642 10.491 10.309 10.157 10.000 45-59 7.963 8.068 8.139 8.178 8.193 8.215 8.224 8.277 8.283 8.343 8.447 8.540 8.693 8.797 8.914 9.032 9.170 9.294 9.430 9.533 9.679 60-74 5.615 5.566 5.553 5.626 5.665 5.673 5.745 5.830 5.939 6.024 6.091 6.224 6.355 6.458 6.577 6.688 6.777 6.835 6.861 6.892 6.908 75+ 2.678 2.784 2.901 2.972 3.052 3.132 3.210 3.218 3.245 3.332 3.447 3.498 3.534 3.573 3.604 3.653 3.710 3.788 3.886 3.973 4.046 Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirken nach Altersgruppen und 2014 bis 2034 10. Favoriten Jahr 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028 2029 2030 2031 2032 2033 2034 Stand zum 1.1. 185.325 190.745 192.723 196.294 199.382 201.388 203.359 205.393 207.152 209.578 211.516 214.112 216.725 219.210 219.903 220.790 221.846 222.832 223.521 224.099 224.691 0-2 6.229 6.437 6.392 6.557 6.708 6.788 6.849 6.905 6.940 7.009 7.041 7.101 7.154 7.194 7.127 7.082 7.055 7.029 6.984 6.934 6.890 3-5 6.090 6.278 6.310 6.346 6.442 6.445 6.536 6.639 6.718 6.816 6.886 6.980 7.070 7.146 7.123 7.096 7.071 7.037 6.994 6.951 6.912 6-9 7.529 7.784 7.972 8.221 8.384 8.530 8.554 8.568 8.657 8.741 8.876 9.044 9.204 9.345 9.390 9.430 9.461 9.471 9.448 9.405 9.352 10-14 8.957 9.435 9.580 9.863 10.004 10.169 10.354 10.588 10.706 10.930 11.038 11.139 11.245 11.423 11.480 11.603 11.728 11.835 11.905 11.952 11.980 Altersgruppen 15-19 20-24 25-29 9.834 10.249 10.679 10.998 11.357 11.595 11.864 11.992 12.165 12.267 12.393 13.079 13.479 13.502 13.664 13.817 13.831 13.819 13.984 14.062 14.271 14.426 14.525 14.993 15.216 15.572 15.725 15.776 15.818 15.773 15.709 15.743 15.682 12.564 12.771 12.886 12.998 13.044 13.072 13.098 13.176 13.216 13.302 14.664 14.797 14.958 14.908 14.918 14.966 15.044 15.038 15.097 15.099 15.697 15.847 15.943 15.914 15.921 15.994 15.997 16.005 15.947 15.926 30-44 40.441 41.615 41.754 42.591 43.416 43.958 44.469 45.019 45.549 46.217 46.754 47.405 47.929 48.300 48.056 47.906 47.752 47.699 47.513 47.310 47.100 45-59 38.371 39.554 39.998 40.530 40.997 41.201 41.344 41.413 41.362 41.437 41.383 41.540 41.741 42.171 42.303 42.308 42.431 42.638 42.878 43.154 43.473 60-74 27.623 27.360 26.954 26.929 27.052 27.153 27.377 27.976 28.639 29.014 29.405 30.059 30.759 31.511 32.162 32.972 33.642 34.097 34.432 34.724 34.935 75+ 12.647 13.563 14.366 15.024 15.479 15.942 16.375 16.535 16.648 17.133 17.633 17.920 18.209 18.333 18.440 18.510 18.675 18.888 19.147 19.409 19.721 124 WIEN WÄCHST… Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirken nach Altersgruppen und 2014 bis 2034 11. Simmering Jahr 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028 2029 2030 2031 2032 2033 2034 Stand zum 1.1. 93.600 95.087 98.168 99.063 99.155 100.061 100.740 101.685 102.248 102.306 102.165 102.108 102.547 102.952 103.399 103.702 104.086 104.440 104.654 104.818 104.993 0-2 3.212 3.102 3.138 3.091 3.062 3.094 3.121 3.164 3.179 3.164 3.138 3.121 3.134 3.144 3.153 3.151 3.154 3.156 3.150 3.140 3.132 3-5 3.148 3.169 3.294 3.288 3.140 3.067 3.020 3.042 3.058 3.055 3.040 3.024 3.033 3.043 3.059 3.069 3.080 3.088 3.086 3.081 3.076 6-9 4.176 4.216 4.286 4.301 4.322 4.307 4.300 4.263 4.167 4.073 4.005 3.984 3.994 4.008 4.024 4.031 4.044 4.058 4.068 4.074 4.077 10-14 4.869 5.077 5.278 5.355 5.374 5.498 5.472 5.456 5.499 5.497 5.419 5.349 5.296 5.208 5.148 5.114 5.119 5.129 5.137 5.143 5.148 Altersgruppen 15-19 20-24 25-29 5.126 5.295 5.599 5.769 5.897 6.006 6.156 6.258 6.314 6.325 6.382 6.324 6.286 6.304 6.308 6.251 6.203 6.148 6.058 5.992 5.953 6.515 6.712 6.988 7.016 7.000 6.999 7.023 7.121 7.194 7.246 7.255 7.332 7.407 7.448 7.469 7.520 7.484 7.441 7.430 7.404 7.337 7.296 7.360 7.587 7.596 7.557 7.637 7.685 7.757 7.726 7.649 7.529 7.454 7.490 7.534 7.601 7.633 7.719 7.775 7.795 7.787 7.815 30-44 21.360 21.421 22.129 22.111 21.853 21.975 21.989 22.126 22.203 22.096 21.992 21.896 21.914 21.859 21.812 21.763 21.742 21.740 21.706 21.692 21.650 45-59 19.280 19.850 20.548 20.905 21.074 21.230 21.364 21.434 21.384 21.282 21.040 20.782 20.659 20.601 20.558 20.389 20.301 20.260 20.187 20.131 20.145 60-74 13.281 13.118 13.055 13.008 13.064 13.150 13.271 13.639 14.010 14.088 14.258 14.548 14.901 15.279 15.669 16.096 16.472 16.772 17.024 17.215 17.324 75+ 5.337 5.766 6.265 6.623 6.814 7.097 7.338 7.426 7.512 7.831 8.108 8.294 8.433 8.524 8.599 8.684 8.769 8.874 9.014 9.161 9.337 Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirken nach Altersgruppen und 2014 bis 2034 12. Meidling Jahr 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028 2029 2030 2031 2032 2033 2034 Stand zum 1.1. 91.344 92.005 93.122 94.408 94.979 95.550 96.197 97.026 97.866 98.269 98.820 98.956 99.399 99.810 100.198 100.669 101.209 101.714 102.080 102.393 102.710 0-2 2.955 2.948 3.005 3.051 3.065 3.079 3.097 3.124 3.148 3.142 3.143 3.118 3.111 3.102 3.092 3.086 3.085 3.082 3.071 3.058 3.048 3-5 2.818 2.831 2.838 2.901 2.909 2.948 2.965 3.001 3.036 3.048 3.065 3.056 3.057 3.055 3.051 3.052 3.055 3.057 3.051 3.042 3.032 6-9 3.569 3.597 3.688 3.722 3.788 3.778 3.812 3.854 3.899 3.945 3.972 3.986 4.011 4.029 4.042 4.053 4.064 4.072 4.072 4.069 4.064 10-14 4.150 4.372 4.447 4.585 4.607 4.681 4.718 4.792 4.821 4.861 4.893 4.906 4.940 4.978 5.030 5.063 5.103 5.137 5.158 5.172 5.180 Altersgruppen 15-19 20-24 25-29 4.614 4.648 4.946 5.126 5.274 5.386 5.552 5.612 5.716 5.722 5.768 6.881 6.862 6.716 6.641 6.566 6.504 6.438 6.571 6.641 6.711 6.781 7.661 7.606 7.757 7.896 7.860 7.804 7.769 7.620 7.520 7.395 7.307 5.773 5.807 5.801 5.825 5.841 5.861 5.887 5.914 5.954 5.971 6.854 6.885 6.942 6.928 6.952 6.962 6.978 6.954 6.950 6.944 7.178 7.226 7.239 7.285 7.335 7.418 7.451 7.486 7.462 7.465 30-44 20.464 20.564 20.727 21.066 21.114 21.319 21.504 21.766 22.012 22.093 22.205 22.094 21.987 21.890 21.793 21.749 21.681 21.689 21.646 21.590 21.518 45-59 18.813 19.002 19.180 19.338 19.477 19.469 19.474 19.465 19.501 19.462 19.390 19.292 19.312 19.340 19.327 19.315 19.416 19.495 19.603 19.667 19.821 60-74 13.046 12.972 12.866 12.863 12.978 13.118 13.205 13.543 13.848 13.965 14.172 14.430 14.695 14.994 15.278 15.557 15.752 15.907 16.005 16.141 16.190 75+ 6.373 6.604 6.951 7.220 7.342 7.464 7.665 7.678 7.722 7.925 8.124 8.268 8.366 8.440 8.546 8.666 8.810 8.960 9.120 9.290 9.478 Tabellen 125 Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirken nach Altersgruppen und 2014 bis 2034 13. Hietzing Jahr 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028 2029 2030 2031 2032 2033 2034 Stand zum 1.1. 51.557 51.450 51.357 51.496 51.335 51.298 51.180 51.255 51.349 51.433 51.281 51.069 50.888 50.712 50.639 50.608 50.615 50.621 50.590 50.550 50.524 0-2 1.375 1.283 1.200 1.147 1.150 1.160 1.166 1.186 1.205 1.221 1.222 1.220 1.221 1.223 1.230 1.238 1.246 1.254 1.259 1.263 1.268 3-5 1.408 1.395 1.380 1.349 1.272 1.207 1.150 1.165 1.183 1.200 1.206 1.208 1.209 1.207 1.211 1.218 1.227 1.236 1.243 1.249 1.254 6-9 1.770 1.814 1.841 1.856 1.834 1.829 1.813 1.728 1.680 1.635 1.587 1.591 1.597 1.602 1.610 1.618 1.626 1.634 1.641 1.649 1.657 10-14 2.235 2.197 2.181 2.248 2.257 2.282 2.323 2.377 2.359 2.354 2.344 2.277 2.195 2.145 2.100 2.062 2.074 2.087 2.097 2.106 2.113 Altersgruppen 15-19 20-24 25-29 2.337 2.462 2.590 2.646 2.693 2.711 2.671 2.656 2.710 2.722 2.727 2.748 2.780 2.749 2.735 2.728 2.676 2.609 2.566 2.526 2.490 2.798 2.901 2.949 2.987 3.082 3.147 3.202 3.277 3.296 3.329 3.325 3.277 3.243 3.267 3.266 3.267 3.284 3.311 3.287 3.271 3.262 3.005 3.062 3.159 3.310 3.314 3.371 3.413 3.437 3.443 3.500 3.505 3.508 3.528 3.510 3.522 3.529 3.511 3.496 3.517 3.513 3.508 30-44 10.032 9.831 9.636 9.549 9.440 9.425 9.391 9.452 9.586 9.674 9.717 9.714 9.715 9.691 9.701 9.730 9.791 9.855 9.883 9.902 9.921 45-59 10.930 11.062 11.147 11.237 11.267 11.222 11.144 11.066 10.935 10.767 10.556 10.402 10.190 10.033 9.898 9.757 9.639 9.518 9.420 9.358 9.328 60-74 9.816 9.415 9.055 8.765 8.548 8.349 8.227 8.246 8.342 8.356 8.414 8.470 8.598 8.759 8.896 9.060 9.189 9.289 9.348 9.397 9.384 75+ 5.851 6.027 6.219 6.401 6.478 6.597 6.680 6.666 6.611 6.673 6.678 6.654 6.613 6.526 6.470 6.402 6.352 6.332 6.329 6.318 6.340 Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirken nach Altersgruppen und 2014 bis 2034 14. Penzing Jahr 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028 2029 2030 2031 2032 2033 2034 Stand zum 1.1. 87.869 87.855 88.096 88.188 88.344 88.668 88.800 89.536 90.268 90.319 90.542 90.550 90.606 90.369 90.359 90.432 90.579 90.708 90.731 90.720 90.724 0-2 2.590 2.553 2.507 2.438 2.445 2.460 2.464 2.502 2.537 2.527 2.527 2.516 2.509 2.485 2.474 2.469 2.469 2.467 2.459 2.451 2.445 3-5 2.475 2.443 2.473 2.493 2.480 2.454 2.403 2.444 2.487 2.493 2.504 2.501 2.495 2.474 2.463 2.458 2.457 2.456 2.451 2.444 2.437 6-9 3.122 3.155 3.206 3.214 3.225 3.246 3.298 3.299 3.333 3.315 3.288 3.303 3.317 3.311 3.310 3.306 3.304 3.300 3.292 3.284 3.277 10-14 3.669 3.758 3.813 3.894 3.934 4.037 4.057 4.157 4.175 4.216 4.262 4.264 4.249 4.248 4.236 4.210 4.231 4.246 4.250 4.247 4.241 Altersgruppen 15-19 20-24 25-29 4.012 4.070 4.257 4.396 4.516 4.573 4.635 4.695 4.786 4.801 4.871 5.685 5.714 5.611 5.493 5.426 5.429 5.418 5.530 5.626 5.671 5.683 6.372 6.320 6.364 6.437 6.435 6.396 6.392 6.350 6.294 6.185 6.145 4.873 4.923 4.889 4.914 4.946 4.947 4.933 4.936 4.921 4.894 5.701 5.704 5.720 5.717 5.752 5.751 5.784 5.756 5.763 5.778 6.089 6.104 6.085 6.105 6.105 6.132 6.139 6.161 6.152 6.165 30-44 18.980 18.671 18.520 18.358 18.287 18.353 18.351 18.536 18.826 18.868 18.916 18.860 18.716 18.504 18.361 18.270 18.228 18.198 18.148 18.073 17.980 45-59 19.384 19.552 19.649 19.591 19.593 19.488 19.343 19.270 19.095 18.819 18.551 18.279 18.148 17.951 17.778 17.652 17.533 17.464 17.408 17.366 17.381 60-74 14.851 14.505 14.163 13.973 13.870 13.811 13.724 13.954 14.242 14.340 14.536 14.802 15.012 15.280 15.533 15.751 15.958 16.074 16.094 16.146 16.109 75+ 6.729 7.116 7.533 7.900 8.132 8.421 8.715 8.798 8.867 9.083 9.259 9.362 9.430 9.423 9.468 9.512 9.570 9.647 9.775 9.873 10.018 126 WIEN WÄCHST… Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirken nach Altersgruppen und 2014 bis 2034 15. Rudolfsheim-Fünfhaus Jahr 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028 2029 2030 2031 2032 2033 2034 Stand zum 1.1. 75.612 75.727 76.224 76.698 76.705 77.061 77.198 77.035 76.901 76.798 76.819 76.635 77.125 77.581 78.242 78.345 78.520 78.670 78.705 78.700 78.704 0-2 2.392 2.548 2.714 2.801 2.761 2.742 2.707 2.654 2.603 2.555 2.517 2.465 2.455 2.442 2.443 2.408 2.382 2.359 2.333 2.308 2.289 3-5 2.045 2.095 2.161 2.312 2.452 2.601 2.667 2.631 2.590 2.549 2.515 2.469 2.459 2.451 2.454 2.431 2.410 2.387 2.355 2.324 2.296 6-9 2.465 2.553 2.605 2.674 2.767 2.824 2.933 3.112 3.226 3.334 3.382 3.343 3.328 3.313 3.311 3.284 3.263 3.241 3.213 3.181 3.147 10-14 3.159 3.182 3.215 3.229 3.206 3.264 3.337 3.345 3.437 3.509 3.599 3.744 3.924 4.048 4.176 4.223 4.207 4.182 4.150 4.117 4.085 Altersgruppen 15-19 20-24 25-29 3.607 3.610 3.792 3.896 4.007 4.072 4.071 4.065 4.049 4.020 4.043 4.080 4.104 4.189 4.274 4.347 4.482 4.620 4.708 4.787 4.819 6.914 6.399 5.916 5.554 5.229 5.019 4.956 4.986 4.987 5.026 5.044 5.012 5.039 5.053 5.061 5.062 5.084 5.075 5.109 5.138 5.186 7.770 7.637 7.549 7.422 7.204 6.993 6.649 6.258 5.944 5.681 5.491 5.394 5.460 5.496 5.579 5.576 5.559 5.548 5.521 5.477 5.464 30-44 18.465 18.572 18.718 18.897 18.883 19.056 19.086 18.994 18.849 18.682 18.525 18.163 17.985 17.830 17.724 17.477 17.245 17.050 16.821 16.607 16.390 45-59 15.037 15.142 15.234 15.323 15.371 15.444 15.483 15.392 15.311 15.259 15.230 15.193 15.242 15.323 15.436 15.469 15.566 15.637 15.715 15.784 15.880 60-74 9.838 9.858 9.906 9.981 10.077 10.138 10.247 10.489 10.705 10.804 10.930 11.097 11.299 11.500 11.694 11.829 11.953 12.029 12.101 12.171 12.234 75+ 3.920 4.131 4.413 4.607 4.747 4.908 5.061 5.109 5.201 5.378 5.543 5.674 5.828 5.936 6.091 6.239 6.369 6.543 6.678 6.806 6.914 Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirken nach Altersgruppen und 2014 bis 2034 16. Ottakring Jahr 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028 2029 2030 2031 2032 2033 2034 Stand zum 1.1. 99.742 101.354 102.130 103.219 104.025 104.909 105.474 105.631 105.800 105.986 106.319 106.318 106.377 106.410 106.736 107.160 107.666 108.130 108.430 108.667 108.909 0-2 3.163 3.316 3.431 3.537 3.544 3.559 3.550 3.514 3.481 3.450 3.429 3.386 3.348 3.310 3.294 3.284 3.281 3.275 3.260 3.245 3.233 3-5 2.900 2.994 3.022 3.103 3.211 3.336 3.415 3.398 3.381 3.359 3.344 3.311 3.282 3.251 3.234 3.224 3.221 3.220 3.210 3.197 3.184 6-9 3.495 3.625 3.721 3.824 3.933 3.990 4.055 4.170 4.246 4.335 4.399 4.377 4.355 4.325 4.309 4.298 4.293 4.286 4.274 4.259 4.246 10-14 4.273 4.428 4.520 4.630 4.665 4.723 4.812 4.884 4.979 5.044 5.106 5.208 5.308 5.373 5.460 5.524 5.527 5.525 5.513 5.497 5.480 Altersgruppen 15-19 20-24 25-29 4.687 4.853 5.128 5.364 5.555 5.732 5.807 5.845 5.890 5.887 5.907 7.711 7.577 7.312 7.073 7.012 6.978 6.949 7.017 7.083 7.155 7.237 8.959 9.070 9.012 9.058 8.900 8.726 8.562 8.283 8.010 7.876 7.785 5.937 5.981 6.043 6.092 6.143 6.246 6.344 6.408 6.477 6.520 7.253 7.253 7.263 7.258 7.269 7.303 7.344 7.386 7.400 7.421 7.685 7.695 7.706 7.765 7.836 7.889 7.912 7.927 7.909 7.897 30-44 23.472 23.796 23.843 23.992 24.153 24.415 24.482 24.411 24.327 24.261 24.202 24.031 23.736 23.387 23.179 23.027 22.958 22.885 22.789 22.685 22.582 45-59 20.672 20.964 21.128 21.324 21.467 21.544 21.546 21.533 21.478 21.357 21.243 21.082 21.004 20.971 21.001 21.024 21.078 21.123 21.152 21.224 21.333 60-74 14.315 14.246 14.125 14.114 14.206 14.344 14.525 14.761 15.098 15.206 15.377 15.642 15.885 16.171 16.425 16.686 16.870 17.042 17.176 17.283 17.340 75+ 6.095 6.486 6.889 7.201 7.378 7.564 7.774 7.815 7.829 8.056 8.290 8.407 8.532 8.611 8.720 8.845 9.001 9.173 9.335 9.491 9.672 Tabellen 127 Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirken nach Altersgruppen und 2014 bis 2034 17. Hernals Jahr 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028 2029 2030 2031 2032 2033 2034 Stand zum 1.1. 54.910 55.588 56.204 56.770 57.258 57.694 57.968 58.390 58.815 58.981 59.228 59.264 59.331 59.383 59.600 59.871 60.189 60.483 60.686 60.853 61.025 0-2 1.742 1.774 1.824 1.865 1.876 1.882 1.877 1.881 1.884 1.870 1.860 1.838 1.819 1.800 1.793 1.790 1.790 1.790 1.785 1.780 1.778 3-5 1.587 1.650 1.665 1.705 1.730 1.774 1.803 1.819 1.830 1.826 1.825 1.811 1.796 1.780 1.772 1.768 1.768 1.769 1.766 1.761 1.756 6-9 1.996 2.025 2.082 2.118 2.150 2.188 2.206 2.262 2.292 2.328 2.359 2.361 2.357 2.348 2.345 2.342 2.342 2.340 2.334 2.328 2.324 10-14 2.256 2.401 2.459 2.517 2.587 2.634 2.668 2.709 2.774 2.783 2.822 2.851 2.895 2.910 2.946 2.978 2.994 3.003 3.003 3.000 2.994 Altersgruppen 15-19 20-24 25-29 2.556 2.579 2.778 2.901 3.017 3.087 3.175 3.211 3.250 3.289 3.314 3.324 3.336 3.370 3.378 3.407 3.440 3.483 3.499 3.525 3.546 4.253 4.186 4.011 3.907 3.877 3.876 3.827 3.908 3.964 4.008 4.035 4.075 4.077 4.083 4.108 4.126 4.141 4.152 4.175 4.174 4.184 5.001 5.074 5.091 5.039 4.915 4.842 4.752 4.613 4.518 4.441 4.407 4.331 4.345 4.350 4.384 4.408 4.461 4.478 4.489 4.496 4.500 30-44 12.782 12.808 12.985 13.167 13.335 13.423 13.483 13.584 13.673 13.648 13.635 13.556 13.420 13.264 13.164 13.116 13.082 13.057 12.988 12.919 12.868 45-59 11.268 11.494 11.586 11.674 11.751 11.862 11.900 11.943 11.954 11.912 11.890 11.851 11.795 11.802 11.811 11.799 11.795 11.871 11.934 12.014 12.076 60-74 8.005 7.937 7.884 7.867 7.896 7.879 7.881 8.029 8.212 8.293 8.381 8.505 8.658 8.814 8.994 9.175 9.343 9.435 9.520 9.578 9.659 75+ 3.464 3.660 3.840 4.010 4.124 4.248 4.394 4.430 4.463 4.584 4.701 4.762 4.832 4.862 4.904 4.962 5.034 5.106 5.193 5.278 5.341 Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirken nach Altersgruppen und 2014 bis 2034 18. Währing Jahr 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028 2029 2030 2031 2032 2033 2034 Stand zum 1.1. 49.046 49.310 49.749 50.232 50.456 50.668 50.752 50.762 50.781 50.811 50.913 50.848 50.814 50.774 50.872 51.019 51.209 51.384 51.490 51.573 51.662 0-2 1.476 1.517 1.540 1.598 1.589 1.579 1.562 1.543 1.525 1.509 1.497 1.475 1.456 1.438 1.429 1.424 1.422 1.420 1.416 1.412 1.410 3-5 1.439 1.437 1.470 1.443 1.486 1.503 1.539 1.524 1.508 1.493 1.483 1.465 1.449 1.432 1.422 1.416 1.412 1.410 1.405 1.399 1.394 6-9 1.707 1.730 1.775 1.852 1.885 1.914 1.909 1.915 1.947 1.953 1.985 1.966 1.947 1.928 1.916 1.908 1.901 1.895 1.886 1.877 1.870 10-14 2.003 2.107 2.140 2.189 2.228 2.254 2.270 2.325 2.349 2.395 2.395 2.427 2.431 2.456 2.464 2.491 2.485 2.476 2.464 2.452 2.440 Altersgruppen 15-19 20-24 25-29 2.043 2.202 2.393 2.505 2.607 2.707 2.782 2.793 2.809 2.827 2.841 3.763 3.565 3.452 3.345 3.233 3.233 3.267 3.341 3.381 3.431 3.491 4.281 4.226 4.210 4.268 4.265 4.124 3.963 3.836 3.711 3.593 3.563 2.841 2.881 2.893 2.931 2.929 2.968 2.980 3.001 3.005 3.020 3.529 3.527 3.528 3.537 3.552 3.551 3.586 3.600 3.621 3.613 3.551 3.580 3.589 3.628 3.672 3.721 3.733 3.736 3.737 3.742 30-44 11.369 11.436 11.494 11.485 11.470 11.545 11.524 11.477 11.449 11.434 11.359 11.210 11.055 10.905 10.791 10.724 10.656 10.627 10.593 10.550 10.499 45-59 9.693 9.853 10.027 10.268 10.398 10.448 10.516 10.518 10.513 10.443 10.404 10.344 10.328 10.297 10.281 10.241 10.265 10.274 10.220 10.206 10.242 60-74 7.273 7.074 6.940 6.845 6.774 6.751 6.734 6.833 6.956 7.018 7.137 7.251 7.390 7.555 7.744 7.950 8.095 8.214 8.357 8.459 8.500 75+ 3.999 4.164 4.307 4.432 4.521 4.611 4.685 4.657 4.634 4.714 4.759 4.787 4.770 4.752 4.729 4.712 4.731 4.769 4.812 4.856 4.930 128 WIEN WÄCHST… Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirken nach Altersgruppen und 2014 bis 2034 19. Döbling Jahr 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028 2029 2030 2031 2032 2033 2034 Stand zum 1.1. 69.774 69.839 70.595 70.813 70.668 70.652 70.509 70.272 70.059 69.873 69.778 64.837 69.426 69.277 69.288 69.363 69.496 69.624 69.687 69.733 69.795 0-2 1.884 1.813 1.766 1.751 1.747 1.752 1.754 1.752 1.752 1.753 1.757 1.756 1.756 1.756 1.763 1.773 1.785 1.796 1.803 1.810 1.817 3-5 1.915 1.837 1.898 1.890 1.828 1.753 1.725 1.718 1.714 1.714 1.718 1.719 1.721 1.722 1.730 1.739 1.752 1.763 1.772 1.778 1.785 6-9 2.483 2.528 2.572 2.559 2.537 2.500 2.477 2.433 2.380 2.307 2.284 2.280 2.279 2.281 2.290 2.302 2.316 2.331 2.343 2.353 2.364 10-14 3.073 3.167 3.212 3.224 3.188 3.276 3.245 3.237 3.223 3.227 3.154 3.112 3.080 3.035 2.980 2.966 2.974 2.984 2.995 3.007 3.019 Altersgruppen 15-19 20-24 25-29 3.200 3.341 3.551 3.691 3.808 3.841 3.898 3.892 3.882 3.845 3.901 3.865 3.852 3.836 3.847 3.794 3.769 3.747 3.709 3.661 3.640 4.401 4.430 4.461 4.451 4.454 4.499 4.537 4.603 4.647 4.709 4.718 4.727 4.716 4.689 4.730 4.711 4.708 4.698 4.700 4.657 4.725 4.782 4.990 5.109 5.113 5.120 5.082 4.997 4.931 4.894 4.893 4.891 4.924 4.937 4.987 5.005 5.043 5.044 5.043 5.017 5.038 30-44 14.180 14.045 14.110 14.102 14.047 14.042 14.049 13.988 14.027 14.047 14.088 14.070 13.984 13.923 13.929 13.938 13.976 14.047 14.081 14.103 14.110 45-59 14.114 14.398 14.674 14.765 14.783 14.797 14.738 14.666 14.507 14.319 14.156 13.972 13.811 13.684 13.500 13.395 13.296 13.191 13.130 13.111 13.114 60-74 12.115 11.612 11.246 10.949 10.726 10.523 10.329 10.419 10.505 10.505 10.530 10.655 10.891 11.128 11.411 11.648 11.872 12.024 12.098 12.138 12.158 75+ 7.684 7.886 8.114 8.322 8.437 8.549 8.676 8.566 8.491 8.553 8.577 8.516 8.400 8.261 8.163 8.074 8.003 7.988 8.016 8.056 8.093 Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirken nach Altersgruppen und 2014 bis 2034 20. Brigittenau Jahr 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028 2029 2030 2031 2032 2033 2034 Stand zum 1.1. 84.870 85.851 87.113 89.325 91.388 92.949 94.944 96.427 98.014 99.311 100.437 100.835 101.275 101.680 102.353 103.110 103.938 104.719 105.336 105.887 106.436 0-2 2.878 2.905 2.928 3.066 3.160 3.219 3.295 3.333 3.374 3.392 3.400 3.362 3.330 3.300 3.291 3.287 3.289 3.287 3.277 3.265 3.257 3-5 2.630 2.688 2.771 2.847 2.945 3.005 3.131 3.201 3.269 3.315 3.344 3.329 3.309 3.283 3.270 3.265 3.269 3.274 3.270 3.261 3.252 6-9 3.235 3.316 3.373 3.517 3.649 3.788 3.901 4.008 4.121 4.202 4.308 4.345 4.370 4.377 4.387 4.393 4.396 4.396 4.390 4.382 4.376 10-14 3.695 3.835 3.970 4.148 4.305 4.434 4.594 4.705 4.847 4.989 5.093 5.180 5.265 5.339 5.406 5.497 5.560 5.606 5.629 5.638 5.638 Altersgruppen 15-19 20-24 25-29 4.119 4.310 4.595 4.810 5.042 5.210 5.358 5.479 5.609 5.713 5.799 6.857 6.669 6.513 6.544 6.561 6.600 6.696 6.818 6.905 7.004 7.092 7.693 7.818 7.880 7.985 8.074 8.059 8.033 7.932 7.906 7.841 7.798 5.855 5.898 5.963 6.052 6.118 6.206 6.288 6.358 6.409 6.472 7.112 7.143 7.179 7.233 7.282 7.329 7.369 7.411 7.458 7.493 7.711 7.693 7.660 7.689 7.740 7.796 7.841 7.876 7.903 7.921 30-44 19.351 19.514 19.800 20.477 21.110 21.568 22.200 22.629 23.064 23.363 23.574 23.480 23.349 23.174 23.078 23.029 23.016 22.994 22.919 22.844 22.777 45-59 17.188 17.411 17.733 17.974 18.279 18.503 18.748 18.948 19.154 19.303 19.409 19.406 19.485 19.592 19.759 19.881 20.092 20.294 20.504 20.719 20.928 60-74 11.723 11.610 11.439 11.551 11.697 11.837 12.064 12.377 12.685 12.898 13.173 13.495 13.813 14.171 14.450 14.812 15.074 15.364 15.517 15.689 15.846 75+ 5.501 5.776 6.112 6.406 6.564 6.726 6.925 6.996 7.080 7.289 7.447 7.559 7.620 7.643 7.738 7.806 7.911 8.006 8.186 8.319 8.476 Tabellen 129 Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirken nach Altersgruppen und 2014 bis 2034 21. Floridsdorf Jahr 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028 2029 2030 2031 2032 2033 2034 Stand zum 1.1. 149.101 151.494 153.896 155.077 155.746 158.075 160.316 162.366 163.373 163.399 162.808 164.623 166.391 168.091 169.805 171.619 171.839 172.279 172.554 172.548 172.580 0-2 4.556 4.475 4.404 4.374 4.403 4.530 4.648 4.745 4.769 4.734 4.667 4.753 4.828 4.888 4.937 4.989 4.945 4.920 4.891 4.852 4.818 3-5 4.671 4.748 4.840 4.743 4.596 4.547 4.589 4.710 4.776 4.780 4.733 4.798 4.865 4.937 5.017 5.095 5.081 5.062 5.030 4.980 4.937 6-9 5.947 6.079 6.208 6.321 6.419 6.531 6.564 6.496 6.435 6.332 6.269 6.392 6.505 6.606 6.696 6.791 6.812 6.843 6.857 6.843 6.811 10-14 7.652 7.767 7.819 7.890 7.804 7.957 8.114 8.290 8.377 8.473 8.409 8.385 8.349 8.354 8.370 8.453 8.521 8.585 8.630 8.651 8.668 Altersgruppen 15-19 20-24 25-29 8.381 8.523 8.750 8.791 8.894 9.045 9.150 9.189 9.239 9.144 9.166 9.293 9.426 9.526 9.666 9.700 9.612 9.533 9.482 9.425 9.425 9.962 10.245 10.495 10.536 10.454 10.470 10.522 10.635 10.601 10.591 10.521 10.626 10.687 10.775 10.779 10.888 10.875 10.894 10.889 10.909 10.853 10.053 10.427 10.777 11.022 11.212 11.511 11.711 11.856 11.807 11.586 11.304 11.360 11.477 11.526 11.646 11.757 11.682 11.619 11.576 11.449 11.412 30-44 30.477 30.577 30.840 30.877 30.973 31.651 32.409 33.143 33.668 33.816 33.702 34.300 34.820 35.256 35.617 36.024 35.913 35.900 35.762 35.547 35.299 45-59 33.432 34.292 34.998 35.387 35.379 35.566 35.593 35.524 35.125 34.607 33.998 33.700 33.443 33.279 33.271 33.220 33.035 32.977 32.994 33.080 33.200 60-74 23.827 23.321 22.825 22.527 22.519 22.582 22.799 23.407 24.049 24.353 24.708 25.410 26.301 27.177 27.965 28.782 29.364 29.845 30.187 30.325 30.382 75+ 10.143 11.042 11.940 12.610 13.093 13.686 14.216 14.371 14.526 14.984 15.331 15.606 15.691 15.767 15.841 15.918 16.001 16.102 16.255 16.486 16.776 Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirken nach Altersgruppen und 2014 bis 2034 22. Donaustadt Jahr 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028 2029 2030 2031 2032 2033 2034 Stand zum 1.1. 168.665 171.919 176.133 177.661 181.141 184.859 189.533 190.821 193.105 197.517 203.383 207.568 209.780 212.616 214.252 215.661 216.898 217.402 219.775 222.809 225.819 0-2 5.204 4.963 4.898 4.816 4.963 5.122 5.341 5.345 5.418 5.622 5.906 6.069 6.098 6.170 6.173 6.169 6.155 6.105 6.175 6.281 6.378 3-5 5.511 5.566 5.732 5.579 5.406 5.351 5.474 5.522 5.613 5.809 6.073 6.268 6.364 6.479 6.502 6.495 6.478 6.425 6.472 6.560 6.660 6-9 7.619 7.731 7.798 7.749 7.915 7.968 8.101 7.942 7.805 7.860 8.113 8.368 8.525 8.704 8.818 8.908 8.968 8.966 9.024 9.107 9.193 10-14 9.406 9.622 9.807 9.934 10.061 10.297 10.398 10.457 10.545 10.731 10.850 10.957 10.938 10.925 10.943 11.040 11.185 11.283 11.462 11.654 11.826 Altersgruppen 15-19 20-24 25-29 10.086 10.314 10.581 10.604 10.785 10.939 11.189 11.234 11.383 11.553 11.859 10.495 11.098 11.615 11.910 12.110 12.318 12.537 12.517 12.518 12.736 13.035 10.538 10.806 11.380 11.659 12.253 12.733 13.313 13.387 13.584 13.850 14.249 11.930 12.017 12.139 12.200 12.141 12.124 12.041 12.028 12.109 12.260 13.240 13.267 13.380 13.363 13.406 13.329 13.302 13.424 13.579 13.632 14.416 14.374 14.388 14.327 14.258 14.223 14.100 14.233 14.400 14.602 30-44 36.682 36.725 37.125 36.800 37.342 38.141 39.251 39.431 40.082 41.526 43.399 44.717 45.176 45.827 46.049 46.145 46.128 45.891 46.257 46.832 47.354 45-59 38.645 39.904 41.201 41.891 42.642 43.292 44.000 44.034 44.000 44.119 44.399 44.526 44.483 44.594 44.432 44.329 44.328 44.236 44.471 44.926 45.479 60-74 25.456 25.197 24.946 24.782 25.056 25.338 25.769 26.555 27.434 28.270 29.393 30.514 31.640 32.821 33.993 35.073 36.049 36.916 37.716 38.412 38.984 75+ 9.023 9.993 11.051 11.937 12.608 13.361 14.158 14.396 14.724 15.440 16.107 16.563 16.897 17.189 17.452 17.698 17.932 18.136 18.513 18.949 19.451 130 WIEN WÄCHST… Bevölkerungsentwicklung in den Wiener Gemeindebezirken nach Altersgruppen und 2014 bis 2034 23. Liesing Jahr 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028 2029 2030 2031 2032 2033 2034 Stand zum 1.1. 96.220 97.610 99.257 100.555 103.294 103.770 103.970 106.149 108.349 109.320 109.835 110.997 111.396 111.780 112.227 112.398 112.649 113.164 113.576 113.956 114.078 0-2 2.695 2.608 2.562 2.547 2.700 2.710 2.709 2.830 2.951 2.988 2.993 3.042 3.045 3.049 3.054 3.044 3.041 3.054 3.063 3.069 3.060 3-5 2.945 2.911 2.943 2.887 2.894 2.810 2.755 2.867 2.979 3.034 3.064 3.123 3.134 3.137 3.144 3.137 3.132 3.140 3.146 3.152 3.145 6-9 3.856 3.986 4.009 4.071 4.216 4.169 4.127 4.085 4.107 4.090 4.086 4.170 4.215 4.255 4.288 4.301 4.305 4.317 4.323 4.328 4.320 10-14 4.772 4.892 5.017 5.178 5.218 5.311 5.349 5.461 5.540 5.613 5.568 5.547 5.468 5.435 5.417 5.413 5.463 5.519 5.560 5.590 5.601 Altersgruppen 15-19 20-24 25-29 4.834 5.111 5.320 5.407 5.665 5.759 5.806 5.944 6.122 6.082 6.154 6.227 6.249 6.246 6.285 6.229 6.172 6.107 6.074 6.054 6.046 5.399 5.565 5.822 6.046 6.373 6.379 6.459 6.637 6.743 6.860 6.902 6.962 6.983 7.041 6.981 7.006 7.016 7.040 7.037 7.057 6.999 5.702 5.960 6.226 6.404 6.694 6.762 6.734 6.995 7.230 7.322 7.270 7.370 7.359 7.310 7.364 7.361 7.349 7.387 7.438 7.390 7.393 30-44 19.341 19.375 19.566 19.775 20.515 20.574 20.537 21.226 21.933 22.219 22.363 22.639 22.672 22.679 22.708 22.642 22.634 22.722 22.727 22.781 22.685 45-59 21.337 21.728 22.130 22.376 22.745 22.794 22.767 22.920 23.054 22.974 22.792 22.778 22.693 22.637 22.548 22.395 22.324 22.321 22.368 22.425 22.485 60-74 17.496 17.040 16.561 16.206 16.211 16.058 15.911 16.231 16.622 16.730 16.970 17.297 17.652 18.069 18.497 18.901 19.222 19.502 19.705 19.842 19.937 75+ 7.843 8.436 9.101 9.659 10.064 10.443 10.816 10.953 11.067 11.408 11.674 11.841 11.925 11.921 11.941 11.969 11.990 12.053 12.135 12.268 12.406 Tabellen 131 ZBEZ 90101 90102 90103 90104 90105 90106 90107 90201 90202 90203 90204 90205 90206 90207 90208 90209 90210 90301 90302 90303 90304 90305 90306 90307 90308 90309 90310 90311 90401 90402 90403 90404 90501 90502 90503 90504 90601 90602 90603 90701 90702 90703 90704 90705 90801 90802 90803 90901 90902 90903 90904 Gesamt Bevölkerungssstand in den Wiener Zählbezirken 2014 und 2024 nach Geschlecht 2014 2024 Mann Geschlecht Frau Verhältnis Gesamt Mann Geschlecht Frau 3.860 1.569 2.118 1.563 2.119 2.553 2.652 13.687 11.274 12.492 14.867 9.050 6.937 13.156 2.345 16.207 1 11.137 8.809 6.157 10.716 8.115 15.093 5.319 1.685 8.719 7.912 3.551 2.328 10.253 12.387 6.979 11.418 19.662 16.685 6.388 7.438 9.473 13.673 5.488 2.979 4.870 9.945 7.873 5.689 11.283 7.619 8.477 11.128 4.376 9.544 1.842 726 1.028 746 1.013 1.198 1.310 6.766 5.628 6.033 7.263 4.389 3.327 6.581 1.097 7.711 1 5.362 4.127 2.849 5.158 3.836 7.124 2.466 832 4.098 3.952 1.659 1.114 4.958 5.824 3.276 5.532 9.716 8.210 3.127 3.576 4.670 6.492 2.662 1.423 2.310 4.708 3.801 3.143 5.253 3.648 4.028 5.358 2.047 4.621 2.018 843 1.090 817 1.106 1.355 1.342 6.921 5.646 6.459 7.604 4.661 3.610 6.575 1.248 8.496 5.775 4.682 3.308 5.558 4.279 7.969 2.853 853 4.621 3.960 1.892 1.214 5.295 6.563 3.703 5.886 9.946 8.475 3.261 3.862 4.803 7.181 2.826 1.556 2.560 5.237 4.072 2.546 6.030 3.971 4.449 5.770 2.329 4.923 1.096 1.161 1.060 1.095 1.092 1.131 1.024 1.023 1.003 1.071 1.047 1.062 1.085 999 1.138 1.102 1.077 1.134 1.161 1.078 1.115 1.119 1.157 1.025 1.128 1.002 1.140 1.090 1.068 1.127 1.130 1.064 1.024 1.032 1.043 1.080 1.028 1.106 1.062 1.093 1.108 1.112 1.071 810 1.148 1.089 1.105 1.077 1.138 1.065 3.587 1.460 2.023 1.436 2.052 2.374 2.464 17.604 12.966 13.363 17.994 9.271 8.181 14.447 3.813 16.476 11.414 9.024 6.534 12.214 8.606 15.580 8.844 3.018 8.736 9.087 4.308 2.560 10.966 12.840 7.288 11.882 20.058 18.534 7.053 8.630 10.655 15.054 5.825 3.165 5.170 11.367 8.616 7.588 12.104 7.528 9.123 13.219 4.494 9.873 1.729 693 977 687 983 1.125 1.215 8.527 6.404 6.475 8.835 4.499 3.912 7.145 1.789 7.851 5.516 4.275 3.085 5.963 4.104 7.431 4.219 1.495 4.143 4.486 2.029 1.239 5.315 6.133 3.486 5.761 9.840 9.085 3.440 4.200 5.253 7.226 2.832 1.520 2.476 5.472 4.196 3.991 5.748 3.638 4.379 6.469 2.142 4.796 1.858 767 1.046 749 1.069 1.249 1.249 9.077 6.563 6.888 9.159 4.772 4.269 7.302 2.024 8.625 5.898 4.749 3.449 6.251 4.502 8.149 4.625 1.523 4.593 4.600 2.279 1.321 5.651 6.707 3.802 6.121 10.218 9.449 3.613 4.430 5.402 7.827 2.994 1.645 2.694 5.895 4.420 3.597 6.356 3.890 4.744 6.750 2.352 5.077 Verhältnis 1.075 1.106 1.071 1.091 1.088 1.111 1.027 1.065 1.025 1.064 1.037 1.061 1.091 1.022 1.131 1.099 1.069 1.111 1.118 1.048 1.097 1.097 1.096 1.019 1.109 1.025 1.123 1.066 1.063 1.094 1.091 1.062 1.038 1.040 1.050 1.055 1.028 1.083 1.057 1.083 1.088 1.077 1.053 901 1.106 1.069 1.083 1.043 1.098 1.059 132 WIEN WÄCHST… ZBEZ 90905 90906 91001 91002 91003 91004 91005 91006 91007 91008 91009 91010 91011 91012 91013 91014 91015 91016 91017 91018 91019 91020 91021 91022 91023 91101 91102 91103 91104 91105 91106 91107 91108 91109 91110 91111 91112 91113 91201 91202 91203 91204 91205 91206 91207 91208 91209 91210 91211 91301 91302 Gesamt Bevölkerungssstand in den Wiener Zählbezirken 2014 und 2024 nach Geschlecht 2014 2024 Mann Geschlecht Frau Verhältnis Gesamt Mann Geschlecht Frau 5.400 2.176 1.872 19.641 7.197 8.252 17.740 12.613 12.472 9.855 4.835 17.350 8.994 2.535 5.051 4.291 5.973 5.945 874 4.390 2.697 9.564 6.541 6.725 9.918 2.147 13.859 16.573 4.591 11.065 323 6.503 821 2.467 25.405 4.703 445 4.698 4.064 17.427 5.079 9.091 8.402 9.220 6.621 4.532 8.034 9.571 9.303 450 6.081 2.529 1.009 936 9.897 3.507 4.234 8.834 6.405 6.022 4.956 2.308 8.368 4.370 1.259 2.329 2.041 2.839 2.860 434 2.107 1.289 4.360 2.986 3.332 4.826 1.106 6.749 8.261 2.298 5.360 169 3.009 401 1.199 12.064 2.440 277 2.270 2.005 8.436 2.474 4.507 4.038 4.536 3.036 2.244 3.859 4.603 4.229 213 2.761 2.871 1.167 936 9.744 3.690 4.018 8.906 6.208 6.450 4.899 2.527 8.982 4.624 1.276 2.722 2.250 3.134 3.085 440 2.283 1.408 5.204 3.555 3.393 5.092 1.041 7.110 8.312 2.293 5.705 154 3.494 420 1.268 13.341 2.263 168 2.428 2.059 8.991 2.605 4.584 4.364 4.684 3.585 2.288 4.175 4.968 5.074 237 3.320 1.135 1.157 1.000 985 1.052 949 1.008 969 1.071 988 1.095 1.073 1.058 1.014 1.169 1.102 1.104 1.079 1.014 1.084 1.092 1.194 1.191 1.018 1.055 941 1.053 1.006 998 1.064 911 1.161 1.047 1.058 1.106 927 606 1.070 1.027 1.066 1.053 1.017 1.081 1.033 1.181 1.020 1.082 1.079 1.200 1.113 1.202 5.634 2.448 9.641 22.298 7.224 9.868 19.783 15.130 12.883 11.422 4.841 18.817 8.703 2.638 4.538 3.947 6.922 6.475 633 4.954 5.854 8.559 7.538 8.074 10.774 3.542 16.570 18.058 4.928 11.206 236 6.288 1.106 2.396 25.072 7.842 287 4.634 5.356 19.447 5.382 9.931 9.167 9.978 6.410 5.024 7.749 10.145 10.231 300 6.145 2.685 1.170 4.596 11.050 3.499 4.930 9.728 7.511 6.205 5.654 2.310 9.093 4.179 1.299 2.107 1.885 3.283 3.101 305 2.379 2.795 3.913 3.525 3.975 5.227 1.740 8.038 8.914 2.419 5.394 123 2.933 526 1.177 11.911 4.027 169 2.209 2.647 9.390 2.619 4.880 4.431 4.881 2.993 2.468 3.720 4.864 4.777 141 2.878 2.949 1.278 5.045 11.248 3.724 4.938 10.055 7.619 6.679 5.768 2.530 9.724 4.524 1.339 2.431 2.062 3.639 3.375 328 2.575 3.059 4.646 4.014 4.099 5.547 1.802 8.532 9.144 2.508 5.812 113 3.354 580 1.219 13.161 3.814 118 2.425 2.709 10.057 2.763 5.051 4.737 5.097 3.417 2.557 4.029 5.281 5.454 159 3.267 Verhältnis 1.099 1.092 1.098 1.018 1.064 1.002 1.034 1.014 1.076 1.020 1.095 1.069 1.083 1.031 1.154 1.094 1.108 1.088 1.076 1.082 1.095 1.187 1.139 1.031 1.061 1.036 1.061 1.026 1.037 1.077 925 1.144 1.103 1.035 1.105 947 700 1.098 1.023 1.071 1.055 1.035 1.069 1.044 1.142 1.036 1.083 1.086 1.142 1.127 1.135 Tabellen 133 ZBEZ 91303 91304 91305 91306 91307 91308 91309 91310 91311 91401 91402 91403 91404 91405 91406 91407 91408 91409 91410 91411 91412 91501 91502 91503 91504 91505 91506 91507 91601 91602 91603 91604 91605 91606 91607 91608 91609 91610 91701 91702 91703 91704 91705 91706 91801 91802 91803 91804 91805 91901 91902 Gesamt Bevölkerungssstand in den Wiener Zählbezirken 2014 und 2024 nach Geschlecht 2014 2024 Mann Geschlecht Frau Verhältnis Gesamt Mann Geschlecht Frau 9.097 10.141 4.261 2.464 3.204 6.706 4.684 198 4.271 6.896 8.636 8.972 19.678 4.270 11.945 2.981 3.819 253 7.840 6.465 6.114 10.761 10.146 12.587 7.872 11.175 14.442 8.629 13.961 8.502 12.537 8.235 16.152 10.403 10.577 3.424 5.338 10.613 10.654 14.434 17.488 3.699 6.143 2.492 2.045 13.969 14.852 9.061 9.119 5.819 9.625 4.143 4.611 1.946 1.116 1.445 3.113 2.120 105 2.068 3.330 4.334 4.194 9.323 2.044 5.547 1.398 1.784 152 3.723 3.044 2.984 5.281 5.247 6.372 4.059 5.382 7.308 4.046 6.875 4.352 6.083 3.937 7.911 4.996 5.114 1.518 2.518 5.503 5.250 7.144 8.682 1.632 2.913 1.180 900 6.372 7.008 4.193 4.041 2.698 4.386 4.954 5.530 2.315 1.348 1.759 3.593 2.564 93 2.203 3.566 4.302 4.778 10.355 2.226 6.398 1.583 2.035 101 4.117 3.421 3.130 5.480 4.899 6.215 3.813 5.793 7.134 4.583 7.086 4.150 6.454 4.298 8.241 5.407 5.463 1.906 2.820 5.110 5.404 7.290 8.806 2.067 3.230 1.312 1.145 7.597 7.844 4.868 5.078 3.121 5.239 1.196 1.199 1.190 1.208 1.217 1.154 1.209 886 1.065 1.071 993 1.139 1.111 1.089 1.153 1.132 1.141 664 1.106 1.124 1.049 1.038 934 975 939 1.076 976 1.133 1.031 954 1.061 1.092 1.042 1.082 1.068 1.256 1.120 929 1.029 1.020 1.014 1.267 1.109 1.112 1.272 1.192 1.119 1.161 1.257 1.157 1.194 9.168 9.812 4.015 2.480 3.137 6.733 5.612 157 3.722 7.243 9.563 9.598 21.606 4.673 11.699 2.899 3.550 415 7.358 5.881 6.056 9.939 10.670 13.853 8.645 11.029 14.780 7.902 15.738 10.146 12.824 8.570 17.472 10.070 10.815 3.060 5.026 12.599 11.850 16.305 19.371 3.682 5.657 2.365 2.067 14.461 16.699 8.662 9.024 6.089 9.621 4.296 4.542 1.871 1.152 1.460 3.171 2.660 80 1.794 3.491 4.726 4.558 10.271 2.238 5.522 1.384 1.680 223 3.504 2.774 2.945 4.826 5.336 6.859 4.311 5.278 7.290 3.727 7.732 5.079 6.213 4.119 8.494 4.844 5.225 1.401 2.366 6.331 5.802 8.058 9.596 1.678 2.701 1.116 946 6.783 8.023 4.080 4.116 2.854 4.481 4.872 5.270 2.144 1.328 1.677 3.562 2.952 77 1.929 3.752 4.837 5.040 11.335 2.435 6.177 1.515 1.870 192 3.854 3.107 3.111 5.113 5.335 6.994 4.333 5.752 7.491 4.175 8.006 5.067 6.611 4.451 8.978 5.226 5.590 1.660 2.660 6.268 6.048 8.247 9.775 2.003 2.955 1.249 1.120 7.678 8.676 4.583 4.908 3.235 5.139 Verhältnis 1.134 1.160 1.146 1.153 1.148 1.124 1.110 969 1.075 1.075 1.023 1.106 1.104 1.088 1.118 1.095 1.113 863 1.100 1.120 1.056 1.060 1.000 1.020 1.005 1.090 1.028 1.120 1.035 998 1.064 1.080 1.057 1.079 1.070 1.185 1.124 990 1.042 1.024 1.019 1.194 1.094 1.119 1.184 1.132 1.081 1.123 1.193 1.133 1.147 134 WIEN WÄCHST… ZBEZ 91903 91904 91905 91906 91907 91908 91909 91910 92001 92002 92003 92004 92005 92006 92007 92008 92101 92102 92103 92104 92105 92106 92107 92108 92109 92110 92111 92112 92113 92114 92115 92116 92117 92118 92119 92120 92121 92122 92123 92124 92125 92126 92127 92128 92129 92130 92201 92202 92203 92204 92205 Gesamt Bevölkerungssstand in den Wiener Zählbezirken 2014 und 2024 nach Geschlecht 2014 2024 Mann Geschlecht Frau Verhältnis Gesamt Mann Geschlecht Frau 274 13.776 7.060 4.963 2.911 12.723 3.907 8.716 8.339 15.146 13.602 9.402 11.299 8.598 12.960 5.524 1.316 7.087 5.491 4.074 18.445 860 3.529 2.598 6.881 5.011 4.966 8.179 4.886 5.085 4.636 3.311 6.536 7.213 3.305 1.753 6.341 8.849 10.448 4.273 4.603 7.336 1.596 279 192 22 2.086 4.960 1.429 3.969 5.499 137 6.417 3.209 2.373 1.320 5.781 1.861 3.929 3.979 7.642 6.697 4.523 5.662 4.096 6.179 2.727 633 3.456 2.640 1.967 8.608 419 1.834 1.239 3.306 2.621 2.334 3.925 2.349 2.392 2.105 1.580 3.096 3.569 1.631 848 3.201 4.222 5.031 1.999 2.147 3.429 801 159 100 14 1.061 2.445 698 1.981 2.718 137 7.359 3.851 2.590 1.591 6.942 2.046 4.787 4.360 7.504 6.905 4.879 5.637 4.502 6.781 2.797 683 3.631 2.851 2.107 9.837 441 1.695 1.359 3.575 2.390 2.632 4.254 2.537 2.693 2.531 1.731 3.440 3.644 1.674 905 3.140 4.627 5.417 2.274 2.456 3.907 795 120 92 8 1.025 2.515 731 1.988 2.781 1.000 1.147 1.200 1.091 1.205 1.201 1.099 1.218 1.096 982 1.031 1.079 996 1.099 1.097 1.026 1.079 1.051 1.080 1.071 1.143 1.053 924 1.097 1.081 912 1.128 1.084 1.080 1.126 1.202 1.096 1.111 1.021 1.026 1.067 981 1.096 1.077 1.138 1.144 1.139 993 755 920 571 966 1.029 1.047 1.004 1.023 392 14.169 6.982 4.869 2.788 12.337 4.449 8.082 8.686 17.882 15.478 9.906 13.368 9.120 14.093 11.905 1.189 8.231 6.711 3.700 16.793 2.062 5.521 3.922 6.440 5.023 5.089 8.708 5.317 4.854 4.339 2.981 6.449 7.938 4.135 2.382 6.840 9.526 11.053 4.716 8.009 7.942 1.438 430 1.049 22 2.362 8.554 1.712 4.005 23.332 182 6.750 3.263 2.333 1.288 5.729 2.177 3.717 4.162 8.869 7.563 4.808 6.642 4.376 6.747 5.741 571 3.970 3.185 1.766 7.830 983 2.799 1.859 3.065 2.573 2.441 4.181 2.549 2.313 1.995 1.409 3.073 3.882 2.011 1.148 3.400 4.570 5.352 2.207 3.797 3.742 712 217 504 13 1.172 4.130 821 1.970 11.158 210 7.418 3.719 2.536 1.500 6.608 2.273 4.365 4.524 9.013 7.916 5.098 6.725 4.744 7.346 6.164 617 4.261 3.526 1.934 8.963 1.079 2.722 2.063 3.375 2.451 2.647 4.528 2.768 2.541 2.344 1.572 3.376 4.055 2.124 1.234 3.440 4.955 5.701 2.509 4.212 4.200 727 213 545 9 1.190 4.424 892 2.035 12.174 Verhältnis 1.151 1.099 1.140 1.087 1.164 1.153 1.044 1.174 1.087 1.016 1.047 1.060 1.013 1.084 1.089 1.074 1.081 1.073 1.107 1.095 1.145 1.097 973 1.109 1.101 953 1.085 1.083 1.086 1.099 1.175 1.116 1.099 1.045 1.056 1.075 1.012 1.084 1.065 1.137 1.109 1.122 1.021 982 1.083 731 1.015 1.071 1.087 1.033 1.091 Tabellen 135 ZBEZ 92206 92207 92208 92209 92210 92211 92212 92213 92214 92215 92216 92217 92218 92219 92220 92221 92222 92223 92224 92225 92226 92227 92228 92229 92230 92231 92232 92301 92302 92303 92304 92305 92306 92307 92308 92309 92310 92311 92312 92313 92314 92315 92316 92317 92318 92319 Gesamt Bevölkerungssstand in den Wiener Zählbezirken 2014 und 2024 nach Geschlecht 2014 2024 Mann Geschlecht Frau Verhältnis Gesamt Mann Geschlecht Frau 11.258 4.724 16.848 14.256 7.340 10.873 3.383 6.678 5.043 8.675 1.123 1.774 5.558 5.780 3.108 2.456 5.814 4.802 5.882 2.033 3.899 6.898 3.781 3.531 14 1.008 4.183 2.451 4.785 3.577 7.547 9.095 898 9.379 4.167 7.056 5.171 7.937 5.467 4.082 4.841 2.255 2.232 254 5.400 9.626 5.362 2.266 8.088 6.698 3.461 5.131 1.632 3.122 2.348 4.012 549 874 2.588 2.837 1.524 1.156 2.666 2.337 2.831 962 1.940 3.355 1.849 1.692 9 475 2.054 1.189 2.390 1.701 3.516 4.347 436 4.513 1.882 3.250 2.409 3.715 2.561 1.898 2.276 1.066 1.014 132 2.615 4.434 5.896 2.458 8.760 7.558 3.879 5.742 1.751 3.556 2.695 4.663 574 900 2.970 2.943 1.584 1.300 3.148 2.465 3.051 1.071 1.959 3.543 1.932 1.839 5 533 2.129 1.262 2.395 1.876 4.031 4.748 462 4.866 2.285 3.806 2.762 4.222 2.906 2.184 2.565 1.189 1.218 122 2.785 5.192 1.100 1.085 1.083 1.128 1.121 1.119 1.073 1.139 1.148 1.162 1.046 1.030 1.148 1.037 1.039 1.125 1.181 1.055 1.078 1.113 1.010 1.056 1.045 1.087 556 1.122 1.037 1.061 1.002 1.103 1.146 1.092 1.060 1.078 1.214 1.171 1.147 1.136 1.135 1.151 1.127 1.115 1.201 924 1.065 1.171 12.739 7.150 19.117 13.052 10.353 10.967 3.191 7.022 4.554 8.342 2.176 1.641 6.139 6.239 3.289 2.415 6.593 5.118 6.402 1.808 3.623 7.398 4.140 3.272 11 1.495 5.174 2.841 5.564 3.372 17.585 8.686 1.072 10.407 7.941 6.798 4.900 8.025 5.242 3.644 4.545 2.008 2.992 178 5.238 8.797 6.061 3.415 9.125 6.138 4.914 5.188 1.525 3.304 2.135 3.891 1.050 793 2.873 3.049 1.594 1.139 3.099 2.472 3.059 855 1.772 3.557 2.013 1.565 7 699 2.509 1.375 2.733 1.607 8.330 4.139 505 5.006 3.733 3.161 2.281 3.791 2.482 1.705 2.152 948 1.391 89 2.495 4.052 6.678 3.735 9.993 6.913 5.438 5.779 1.666 3.717 2.419 4.451 1.126 848 3.265 3.190 1.695 1.276 3.493 2.646 3.343 953 1.851 3.841 2.127 1.707 4 796 2.665 1.466 2.830 1.765 9.255 4.548 567 5.401 4.208 3.637 2.619 4.234 2.760 1.939 2.393 1.060 1.602 89 2.743 4.746 Verhältnis 1.102 1.094 1.095 1.126 1.107 1.114 1.092 1.125 1.133 1.144 1.073 1.069 1.136 1.046 1.063 1.120 1.127 1.070 1.093 1.115 1.045 1.080 1.057 1.091 640 1.138 1.062 1.066 1.035 1.098 1.111 1.099 1.124 1.079 1.128 1.151 1.148 1.117 1.112 1.138 1.112 1.117 1.152 1.007 1.099 1.171 136 WIEN WÄCHST… ZBEZ 90101 90102 90103 90104 90105 90106 90107 90201 90202 90203 90204 90205 90206 90207 90208 90209 90210 90301 90302 90303 90304 90305 90306 90307 90308 90309 90310 90311 90401 90402 90403 90404 90501 90502 90503 90504 90601 90602 90603 90701 90702 90703 90704 90705 90801 90802 90803 90901 90902 90903 90904 Bevölkerungssstand in den Wiener Zählbezirken 2014 und 2024 nach Geburtsland 2014 2024 Gesamt Inland Geburtsland Ausland in% Gesamt Inland Geburtsland Ausland 3.860 1.569 2.118 1.563 2.119 2.553 2.652 13.687 11.274 12.492 14.867 9.050 6.937 13.156 2.345 16.207 1 11.137 8.809 6.157 10.716 8.115 15.093 5.319 1.685 8.719 7.912 3.551 2.328 10.253 12.387 6.979 11.418 19.662 16.685 6.388 7.438 9.473 13.673 5.488 2.979 4.870 9.945 7.873 5.689 11.283 7.619 8.477 11.128 4.376 9.544 2.604 1.003 1.296 1.057 1.486 1.840 1.696 8.888 6.304 8.099 9.204 5.451 4.687 6.852 1.746 10.277 7.529 6.303 4.039 5.958 5.339 9.856 3.407 1.318 6.046 4.699 2.374 1.407 6.249 8.059 4.555 7.631 11.148 9.268 3.880 5.018 5.848 9.044 3.690 2.023 3.287 6.557 5.011 3.443 7.826 5.139 5.540 7.433 2.735 5.865 1.256 566 822 506 633 713 956 4.799 4.970 4.393 5.663 3.599 2.250 6.304 599 5.930 1 3.608 2.506 2.118 4.758 2.776 5.237 1.912 367 2.673 3.213 1.177 921 4.004 4.328 2.424 3.787 8.514 7.417 2.508 2.420 3.625 4.629 1.798 956 1.583 3.388 2.862 2.246 3.457 2.480 2.937 3.695 1.641 3.679 32,5 36,1 38,8 32,4 29,9 27,9 36,0 35,1 44,1 35,2 38,1 39,8 32,4 47,9 25,5 36,6 100,0 32,4 28,4 34,4 44,4 34,2 34,7 35,9 21,8 30,7 40,6 33,1 39,6 39,1 34,9 34,7 33,2 43,3 44,5 39,3 32,5 38,3 33,9 32,8 32,1 32,5 34,1 36,4 39,5 30,6 32,6 34,6 33,2 37,5 38,5 3.587 1.460 2.023 1.436 2.052 2.374 2.464 17.604 12.966 13.363 17.994 9.271 8.181 14.447 3.813 16.476 11.414 9.024 6.534 12.214 8.606 15.580 8.844 3.018 8.736 9.087 4.308 2.560 10.966 12.840 7.288 11.882 20.058 18.534 7.053 8.630 10.655 15.054 5.825 3.165 5.170 11.367 8.616 7.588 12.104 7.528 9.123 13.219 4.494 9.873 2.329 930 1.192 957 1.420 1.677 1.560 11.789 6.655 8.422 8.836 5.161 5.615 7.168 2.867 9.916 7.221 6.164 4.031 6.210 5.365 9.544 5.609 2.484 5.736 5.408 2.942 1.472 6.430 7.767 4.395 7.361 11.106 9.589 4.015 5.365 6.077 9.809 3.618 2.013 3.358 6.318 4.946 3.789 7.356 4.729 5.634 7.133 2.664 5.557 1.257 529 831 479 632 697 904 5.815 6.312 4.941 9.158 4.109 2.566 7.279 946 6.561 4.193 2.859 2.502 6.004 3.241 6.037 3.236 534 3.000 3.679 1.366 1.089 4.536 5.074 2.893 4.521 8.952 8.945 3.038 3.265 4.578 5.245 2.207 1.151 1.812 5.049 3.670 3.798 4.748 2.799 3.489 6.086 1.830 4.316 in% 35,1 36,3 41,1 33,3 30,8 29,4 36,7 33,0 48,7 37,0 50,9 44,3 31,4 50,4 24,8 39,8 36,7 31,7 38,3 49,2 37,7 38,7 36,6 17,7 34,3 40,5 31,7 42,5 41,4 39,5 39,7 38,1 44,6 48,3 43,1 37,8 43,0 34,8 37,9 36,4 35,0 44,4 42,6 50,1 39,2 37,2 38,2 46,0 40,7 43,7 Tabellen 137 ZBEZ 90905 90906 91001 91002 91003 91004 91005 91006 91007 91008 91009 91010 91011 91012 91013 91014 91015 91016 91017 91018 91019 91020 91021 91022 91023 91101 91102 91103 91104 91105 91106 91107 91108 91109 91110 91111 91112 91113 91201 91202 91203 91204 91205 91206 91207 91208 91209 91210 91211 91301 91302 Bevölkerungssstand in den Wiener Zählbezirken 2014 und 2024 nach Geburtsland 2014 2024 Gesamt Inland Geburtsland Ausland in% Gesamt Inland Geburtsland Ausland 5.400 2.176 1.872 19.641 7.197 8.252 17.740 12.613 12.472 9.855 4.835 17.350 8.994 2.535 5.051 4.291 5.973 5.945 874 4.390 2.697 9.564 6.541 6.725 9.918 2.147 13.859 16.573 4.591 11.065 323 6.503 821 2.467 25.405 4.703 445 4.698 4.064 17.427 5.079 9.091 8.402 9.220 6.621 4.532 8.034 9.571 9.303 450 6.081 3.570 1.431 1.108 10.282 4.247 3.790 9.582 5.845 7.618 5.126 3.286 11.017 6.323 1.729 3.999 3.481 4.437 4.971 798 3.723 2.217 7.444 5.303 3.435 5.978 1.292 8.662 9.716 2.997 8.243 265 4.897 709 1.965 18.760 2.856 267 3.473 2.283 10.042 3.097 5.073 5.207 5.393 4.756 2.861 5.240 6.691 7.388 334 4.526 1.830 745 764 9.359 2.950 4.462 8.158 6.768 4.854 4.729 1.549 6.333 2.671 806 1.052 810 1.536 974 76 667 480 2.120 1.238 3.290 3.940 855 5.197 6.857 1.594 2.822 58 1.606 112 502 6.645 1.847 178 1.225 1.781 7.385 1.982 4.018 3.195 3.827 1.865 1.671 2.794 2.880 1.915 116 1.555 33,9 34,2 40,8 47,7 41,0 54,1 46,0 53,7 38,9 48,0 32,0 36,5 29,7 31,8 20,8 18,9 25,7 16,4 8,7 15,2 17,8 22,2 18,9 48,9 39,7 39,8 37,5 41,4 34,7 25,5 18,0 24,7 13,6 20,3 26,2 39,3 40,0 26,1 43,8 42,4 39,0 44,2 38,0 41,5 28,2 36,9 34,8 30,1 20,6 25,8 25,6 5.634 2.448 9.641 22.298 7.224 9.868 19.783 15.130 12.883 11.422 4.841 18.817 8.703 2.638 4.538 3.947 6.922 6.475 633 4.954 5.854 8.559 7.538 8.074 10.774 3.542 16.570 18.058 4.928 11.206 236 6.288 1.106 2.396 25.072 7.842 287 4.634 5.356 19.447 5.382 9.931 9.167 9.978 6.410 5.024 7.749 10.145 10.231 300 6.145 3.408 1.378 7.037 11.498 4.146 4.397 10.106 6.951 7.310 5.483 3.255 10.892 6.017 1.706 3.490 3.166 5.027 5.180 585 3.910 4.361 6.524 5.861 3.920 6.372 2.339 10.015 9.974 3.113 8.182 199 4.583 904 1.771 17.735 3.503 190 3.280 2.625 10.757 3.348 5.292 5.302 5.475 4.392 3.038 5.001 6.663 7.630 234 4.316 2.226 1.070 2.604 10.800 3.077 5.471 9.677 8.180 5.574 5.938 1.585 7.925 2.685 933 1.048 782 1.895 1.295 48 1.044 1.493 2.034 1.677 4.154 4.402 1.203 6.555 8.084 1.815 3.024 37 1.705 202 625 7.338 4.339 97 1.354 2.731 8.690 2.035 4.638 3.865 4.502 2.019 1.986 2.747 3.482 2.601 66 1.829 in% 39,5 43,7 27,0 48,4 42,6 55,4 48,9 54,1 43,3 52,0 32,8 42,1 30,9 35,3 23,1 19,8 27,4 20,0 7,6 21,1 25,5 23,8 22,2 51,4 40,9 34,0 39,6 44,8 36,8 27,0 15,6 27,1 18,3 26,1 29,3 55,3 33,8 29,2 51,0 44,7 37,8 46,7 42,2 45,1 31,5 39,5 35,5 34,3 25,4 21,9 29,8 138 WIEN WÄCHST… ZBEZ 91303 91304 91305 91306 91307 91308 91309 91310 91311 91401 91402 91403 91404 91405 91406 91407 91408 91409 91410 91411 91412 91501 91502 91503 91504 91505 91506 91507 91601 91602 91603 91604 91605 91606 91607 91608 91609 91610 91701 91702 91703 91704 91705 91706 91801 91802 91803 91804 91805 91901 91902 Bevölkerungssstand in den Wiener Zählbezirken 2014 und 2024 nach Geburtsland 2014 2024 Gesamt Inland Geburtsland Ausland in% Gesamt Inland Geburtsland Ausland 9.097 10.141 4.261 2.464 3.204 6.706 4.684 198 4.271 6.896 8.636 8.972 19.678 4.270 11.945 2.981 3.819 253 7.840 6.465 6.114 10.761 10.146 12.587 7.872 11.175 14.442 8.629 13.961 8.502 12.537 8.235 16.152 10.403 10.577 3.424 5.338 10.613 10.654 14.434 17.488 3.699 6.143 2.492 2.045 13.969 14.852 9.061 9.119 5.819 9.625 6.668 7.901 3.423 1.919 2.470 5.319 3.758 165 3.684 4.685 4.680 6.261 13.204 3.464 8.637 2.135 3.135 201 6.120 5.610 5.112 6.421 4.982 6.227 3.928 6.588 7.536 5.647 7.625 3.884 8.085 5.265 9.672 6.936 7.048 2.876 4.651 4.730 6.266 8.080 10.854 3.001 4.912 1.942 1.476 9.437 9.130 6.817 6.861 4.270 6.612 2.429 2.240 838 545 734 1.387 926 33 587 2.211 3.956 2.711 6.474 806 3.308 846 684 52 1.720 855 1.002 4.340 5.164 6.360 3.944 4.587 6.906 2.982 6.336 4.618 4.452 2.970 6.480 3.467 3.529 548 687 5.883 4.388 6.354 6.634 698 1.231 550 569 4.532 5.722 2.244 2.258 1.549 3.013 26,7 22,1 19,7 22,1 22,9 20,7 19,8 16,7 13,7 32,1 45,8 30,2 32,9 18,9 27,7 28,4 17,9 20,6 21,9 13,2 16,4 40,3 50,9 50,5 50,1 41,0 47,8 34,6 45,4 54,3 35,5 36,1 40,1 33,3 33,4 16,0 12,9 55,4 41,2 44,0 37,9 18,9 20,0 22,1 27,8 32,4 38,5 24,8 24,8 26,6 31,3 9.168 9.812 4.015 2.480 3.137 6.733 5.612 157 3.722 7.243 9.563 9.598 21.606 4.673 11.699 2.899 3.550 415 7.358 5.881 6.056 9.939 10.670 13.853 8.645 11.029 14.780 7.902 15.738 10.146 12.824 8.570 17.472 10.070 10.815 3.060 5.026 12.599 11.850 16.305 19.371 3.682 5.657 2.365 2.067 14.461 16.699 8.662 9.024 6.089 9.621 6.232 7.258 3.069 1.818 2.282 5.054 4.270 135 3.073 4.675 4.883 6.467 13.687 3.594 7.995 2.065 2.745 324 5.500 4.872 4.813 5.850 5.115 6.663 4.345 6.269 7.702 5.116 8.089 4.705 7.955 5.177 10.005 6.426 7.016 2.458 4.207 5.569 6.463 8.431 11.854 2.842 4.373 1.745 1.387 9.125 9.678 6.224 6.479 4.248 6.308 2.936 2.554 946 662 855 1.679 1.341 22 649 2.568 4.681 3.131 7.919 1.079 3.704 834 804 92 1.857 1.009 1.243 4.089 5.556 7.190 4.299 4.761 7.078 2.786 7.649 5.441 4.869 3.393 7.467 3.644 3.799 602 818 7.030 5.386 7.874 7.517 840 1.284 619 680 5.336 7.021 2.438 2.546 1.841 3.313 in% 32,0 26,0 23,6 26,7 27,3 24,9 23,9 13,9 17,4 35,5 48,9 32,6 36,7 23,1 31,7 28,8 22,7 22,0 25,2 17,2 20,5 41,1 52,1 51,9 49,7 43,2 47,9 35,3 48,6 53,6 38,0 39,6 42,7 36,2 35,1 19,7 16,3 55,8 45,5 48,3 38,8 22,8 22,7 26,2 32,9 36,9 42,0 28,1 28,2 30,2 34,4 Tabellen 139 ZBEZ 91903 91904 91905 91906 91907 91908 91909 91910 92001 92002 92003 92004 92005 92006 92007 92008 92101 92102 92103 92104 92105 92106 92107 92108 92109 92110 92111 92112 92113 92114 92115 92116 92117 92118 92119 92120 92121 92122 92123 92124 92125 92126 92127 92128 92129 92130 92201 92202 92203 92204 92205 Bevölkerungssstand in den Wiener Zählbezirken 2014 und 2024 nach Geburtsland 2014 2024 Gesamt Inland Geburtsland Ausland in% Gesamt Inland Geburtsland Ausland 274 13.776 7.060 4.963 2.911 12.723 3.907 8.716 8.339 15.146 13.602 9.402 11.299 8.598 12.960 5.524 1.316 7.087 5.491 4.074 18.445 860 3.529 2.598 6.881 5.011 4.966 8.179 4.886 5.085 4.636 3.311 6.536 7.213 3.305 1.753 6.341 8.849 10.448 4.273 4.603 7.336 1.596 279 192 22 2.086 4.960 1.429 3.969 5.499 165 9.341 5.010 3.741 2.246 9.396 2.543 6.682 5.317 8.442 7.829 5.615 5.825 5.285 8.290 3.150 1.189 5.686 4.555 3.350 13.551 629 2.620 2.113 5.425 3.763 3.668 5.973 4.152 4.091 3.694 2.940 4.730 4.979 2.458 1.089 4.055 5.981 6.994 3.258 3.505 5.515 1.209 134 186 9 1.670 3.962 1.165 3.369 4.651 109 4.435 2.050 1.222 665 3.327 1.364 2.034 3.022 6.704 5.773 3.787 5.474 3.313 4.670 2.374 127 1.401 936 724 4.894 231 909 485 1.456 1.248 1.298 2.206 734 994 942 371 1.806 2.234 847 664 2.286 2.868 3.454 1.015 1.098 1.821 387 145 6 13 416 998 264 600 848 39,8 32,2 29,0 24,6 22,8 26,1 34,9 23,3 36,2 44,3 42,4 40,3 48,4 38,5 36,0 43,0 9,7 19,8 17,0 17,8 26,5 26,9 25,8 18,7 21,2 24,9 26,1 27,0 15,0 19,5 20,3 11,2 27,6 31,0 25,6 37,9 36,1 32,4 33,1 23,8 23,9 24,8 24,2 52,0 3,1 59,1 19,9 20,1 18,5 15,1 15,4 392 14.169 6.982 4.869 2.788 12.337 4.449 8.082 8.686 17.882 15.478 9.906 13.368 9.120 14.093 11.905 1.189 8.231 6.711 3.700 16.793 2.062 5.521 3.922 6.440 5.023 5.089 8.708 5.317 4.854 4.339 2.981 6.449 7.938 4.135 2.382 6.840 9.526 11.053 4.716 8.009 7.942 1.438 430 1.049 22 2.362 8.554 1.712 4.005 23.332 291 8.951 4.722 3.502 2.057 8.734 2.495 5.959 5.528 9.600 8.356 5.474 6.266 5.368 8.699 7.472 1.046 6.253 5.355 3.020 12.189 1.508 4.228 3.021 4.962 3.714 3.453 6.161 4.264 3.793 3.381 2.581 4.617 5.175 2.967 1.533 4.250 6.053 6.796 3.515 5.871 5.745 1.057 286 809 12 1.769 6.507 1.313 3.232 17.748 102 5.217 2.260 1.366 731 3.603 1.955 2.124 3.158 8.282 7.122 4.432 7.102 3.751 5.393 4.432 143 1.978 1.357 680 4.604 554 1.293 901 1.478 1.310 1.635 2.548 1.053 1.061 958 400 1.832 2.762 1.168 848 2.590 3.473 4.257 1.200 2.138 2.197 382 144 240 10 594 2.047 399 773 5.584 in% 26,0 36,8 32,4 28,1 26,2 29,2 43,9 26,3 36,4 46,3 46,0 44,7 53,1 41,1 38,3 37,2 12,0 24,0 20,2 18,4 27,4 26,9 23,4 23,0 23,0 26,1 32,1 29,3 19,8 21,9 22,1 13,4 28,4 34,8 28,3 35,6 37,9 36,5 38,5 25,5 26,7 27,7 26,5 33,5 22,9 45,6 25,1 23,9 23,3 19,3 23,9 140 WIEN WÄCHST… ZBEZ 92206 92207 92208 92209 92210 92211 92212 92213 92214 92215 92216 92217 92218 92219 92220 92221 92222 92223 92224 92225 92226 92227 92228 92229 92230 92231 92232 92301 92302 92303 92304 92305 92306 92307 92308 92309 92310 92311 92312 92313 92314 92315 92316 92317 92318 92319 Bevölkerungssstand in den Wiener Zählbezirken 2014 und 2024 nach Geburtsland 2014 2024 Gesamt Inland Geburtsland Ausland in% Gesamt Inland Geburtsland Ausland 11.258 4.724 16.848 14.256 7.340 10.873 3.383 6.678 5.043 8.675 1.123 1.774 5.558 5.780 3.108 2.456 5.814 4.802 5.882 2.033 3.899 6.898 3.781 3.531 14 1.008 4.183 2.451 4.785 3.577 7.547 9.095 898 9.379 4.167 7.056 5.171 7.937 5.467 4.082 4.841 2.255 2.232 254 5.400 9.626 8.888 3.845 11.409 10.333 4.956 7.783 2.318 4.952 4.369 6.570 892 1.517 4.534 4.052 2.286 1.944 4.515 3.743 4.765 1.770 3.265 5.764 3.081 2.762 10 667 2.477 1.842 3.397 2.982 5.633 6.923 720 7.089 3.351 5.624 4.159 6.066 4.344 3.501 4.031 1.860 1.794 172 4.435 7.938 2.370 879 5.439 3.923 2.384 3.090 1.065 1.726 674 2.105 231 257 1.024 1.728 822 512 1.299 1.059 1.117 263 634 1.134 700 769 4 341 1.706 609 1.388 595 1.914 2.172 178 2.290 816 1.432 1.012 1.871 1.123 581 810 395 438 82 965 1.688 21,1 18,6 32,3 27,5 32,5 28,4 31,5 25,8 13,4 24,3 20,6 14,5 18,4 29,9 26,4 20,8 22,3 22,1 19,0 12,9 16,3 16,4 18,5 21,8 28,6 33,8 40,8 24,8 29,0 16,6 25,4 23,9 19,8 24,4 19,6 20,3 19,6 23,6 20,5 14,2 16,7 17,5 19,6 32,3 17,9 17,5 12.739 7.150 19.117 13.052 10.353 10.967 3.191 7.022 4.554 8.342 2.176 1.641 6.139 6.239 3.289 2.415 6.593 5.118 6.402 1.808 3.623 7.398 4.140 3.272 11 1.495 5.174 2.841 5.564 3.372 17.585 8.686 1.072 10.407 7.941 6.798 4.900 8.025 5.242 3.644 4.545 2.008 2.992 178 5.238 8.797 9.745 5.393 12.922 9.235 7.159 7.498 2.119 4.989 3.849 6.105 1.628 1.378 4.855 4.154 2.335 1.888 4.858 3.831 4.951 1.543 2.952 5.949 3.210 2.479 8 1.137 3.129 2.037 3.743 2.573 12.821 6.326 856 7.473 6.034 5.150 3.807 5.750 4.009 2.981 3.575 1.577 2.253 132 4.177 6.945 2.995 1.757 6.196 3.817 3.194 3.469 1.072 2.033 704 2.237 548 263 1.283 2.085 954 527 1.735 1.288 1.451 265 671 1.449 931 793 3 358 2.045 804 1.820 799 4.764 2.360 216 2.934 1.907 1.648 1.093 2.275 1.233 663 970 431 740 46 1.061 1.852 in% 23,5 24,6 32,4 29,2 30,9 31,6 33,6 28,9 15,5 26,8 25,2 16,0 20,9 33,4 29,0 21,8 26,3 25,2 22,7 14,7 18,5 19,6 22,5 24,2 27,5 23,9 39,5 28,3 32,7 23,7 27,1 27,2 20,2 28,2 24,0 24,2 22,3 28,3 23,5 18,2 21,3 21,5 24,7 26,1 20,3 21,1 Tabellen 141 DIE 250 ZÄHLBEZIRKE WIENS 1. INNERE STADT 90101 90102 90103 90104 90105 90106 90107 Altstadt-Ost Stubenviertel Opernviertel Regierungsviertel Börseviertel Altstadt-West Altstadt-Mitte 2. LEOPOLDSTADT 90201 90202 90203 90204 90205 90206 90207 90291 90209 90291 Nordbahnhof Alliiertenviertel- Volkertviertel(Am Tabor) Augartenviertel Taborstraße Praterstraße Oberer Prater Stuwerviertel(Ausstellungsstraße) Unterer Prater Praterlände Freudenauer Hafen 3. LANDSTRASSE 90301 90302 90303 90304 90305 90306 90307 90308 90309 90310 90311 Weißgerber Landstraße Belvedere- Diplomatenviertel Fasangasse Rudolfstiftung- ehem. Rennwegkaserne Erdberg Erdberger Mais- St. Marx Arsenal Ungargasse Erdberger Lände- Altes Gaswerk Eurogate- Wildganshof- Friedhof St. Marx 4. WIEDEN 90401 90402 90403 90404 Technische Universität Argentinierstraße Wiedner Hauptstraße Schaumburgergrund 5. MARGARETEN 90501 90502 90503 90504 Margaretenplatz Matzleinsdorf Siebenbrunnenplatz Am Hundsturm 6. MARIAHILF 90601 Laimgrube 90602 Mollardgasse 90603 Stumpergasse 7. NEUBAU 90701 90702 90703 90704 90705 St. Ulrich Stiftskaserne Apollogasse Schottenfeld Neustiftgasse 8. JOSEFSTADT 90801 Laudongasse 90802 Josefstädter Straße 90803 Bennoplatz 9. ALSERGRUND 90901 90902 90903 90904 90905 90906 Lichtental- Spittelau Roßau Allgemeines Krankenhaus Nußdorferstr.- Volksoper- Sobieskiplatz Liechtensteinstraße Votivkirche- Altes AKH- Universitätsviertel 10. FAVORITEN 91091 91002 91003 91004 91005 91006 91007 91008 91009 91010 91011 91012 91013 91014 91015 91016 91092 91092 91019 91020 91021 91091 91023 Hauptbahnhof- Sonnwendviertel Gellertplatz Hebbelplatz Quellenplatz Arthaberplatz Erlachplatz Belgradplatz Triester Straße Franz-Josef-Spital Neerwindenplatz- Raxstraße Heuberggstätten Wienerberg West Siedlung Wienerfeld Per-Albin-Hansson-Siedlung Nord/West Laaer Berg Therme Wien- Kurpark- Goldberg Unterlaa Oberlaa Rothneusiedl Per-Albin-Hansson-Siedlung Ost Wienerberg Ost- Otto-Probst-Straße Humboldtplatz Eisenstadtplatz 11. SIMMERING 91101 91102 91103 91104 91105 91191 91192 91192 91109 91191 91193 91193 91113 Gasometer Alt-Simmering Enkplatz Geiselberg Hasenleiten Zentralfriedhof Oberer Simmeringer Haide E-Werk Simmering Untere Simmeringer Haide Leberberg Kaiserebersdorf Albern Simmeringer Bad 12. MEIDLING 91201 91202 91203 91204 91205 91206 91207 91208 91209 91210 91211 Gaudenzdorf Fuchsenfeld Meidlinger Friedhof Wilhelmsdorf Meidlinger Hauptstraße Tivoligasse Gatterhölzl Johann-Hoffmann-Platz- Euro Plaza (Oswaldgasse) Am Schöpfwerk Altmannsdorf Hetzendorf 13. HIETZING 91391 91302 91303 91392 91305 91306 91391 91308 91309 91392 91311 Schönbrunn Hietzing Auhofstraße Ober St. Veit Gemeindeberg- Jagdschloßgasse Lainz Maxing Speising Geriatriezentrum Am Wienerwald Lainzer Tiergarten Friedensstadt 14. PENZING 91401 91402 91403 91404 91405 91406 91407 91491 91491 91410 91411 91412 Breitensee Reinlgasse- An der Windmühle Penzing Unter-Baumgarten Am Ameisbach Ober-Baumgarten Hugo-Breitner-Hof Baumgartner Friedhof- Flötzersteig Am Steinhof Hütteldorf Wolfersberg Hadersdorf- Weidlingau 15. RUDOLFSHEIM-FÜNFHAUS 91501 91502 91503 91504 91505 91506 91507 Stadthalle- Nibelungenviertel Reithofferplatz Fünfhaus- Westbahnhof Sechshaus Rudolfsheim- Braunhirschen Johnstraße- Kardinal-Rauscher-Platz Auf der Schmelz 16. OTTAKTING 91601 91602 91603 91604 91605 91606 91607 91608 91609 91610 Neulerchenfeld Ludo-Hartmann-Platz Herbststraße- Bahnhof Ottakring Alt-Ottakring Wilhelminenstraße Sandleiten Joachimsthalerplatz Wilhelminenspital Wilhelminenberg Richard-Wagner-Platz 17. HERNALS 91701 91702 91703 91704 91705 91706 Dornerplatz Alt-Hernals Äußere Hernalser Hauptstraße Alszeile Dornbach Neuwaldegg 18. WÄHRING 91801 91802 91803 91804 91805 Währinger Cottage Gentzgasse Kreutzgasse Gersthof Pötzleinsdorf 19. DÖBLING 91901 91991 91991 91904 91905 91906 91907 91908 91909 91910 Nußberg- Kahlenbergerdorf Karl-Marx-Hof Heiligenstädter Lände Döblinger Hauptstraße Hohe Warte Grinzing Sievering In der Krim Döblinger Cottage Glanzing- Salmannsdorf 20. BRIGITTENAU 92001 92002 92003 92004 92005 92006 92007 92008 Kapaunplatz Zwischenbrücken Brigittaplatz Lorenz-Müller-Gasse Wallensteinstraße Wexstraße Höchstädtplatz Nordwestbahnhof 142 WIEN WÄCHST… DIE 250 ZÄHLBEZIRKE WIENS 21. FLORIDSDORF 92101 92102 92103 92104 92191 92191 92107 92108 92109 92110 92111 92193 92113 92194 92115 92116 92117 92118 92119 92192 92121 92122 92123 92124 92125 92126 92127 92192 92193 92194 Stammersdorf Heeresspital Hirschfeld Nordrandsiedlung Großfeldsiedlung Leopoldau Siemens City Gaswerk Leopoldau Schotterfeld- Heinz-Nittel-Hof Siedlung Siemensstraße Groß-Jedlersdorf Ödenburger Straße Strebersdorf Stebersdorf-Prager Straße Autokader Schwarzlackenau Neu-Jedlesee Alt-Jedlesee Koloniestraße Shuttleworthstraße Floridsdorf-Brünner Straße Floridsdorf-Am Spitz Donaufeld-Hoßplatz Donaufeld-Töllergasse Donaufeld-Veterinärmedizinische Universität Mühlschüttel Bruckhaufen Krankenhaus Nord Bahnhof Jedlersdorf Industriegebiet Strebersdorf 22. DONAUSTADT 92201 92202 92203 92204 92205 92206 92207 92208 92209 92210 92211 92212 92213 92214 92215 92216 92217 92218 92219 92220 92292 92222 92223 92224 92225 92291 92227 92228 92229 92291 92292 92232 Süßenbrunn Breitenlee Neu-Eßling Schafflerhof- Himmelteich Aspern Seestadt- Hausfeld Pirquetgasse- Heidjöchl- Lackenjöchl Spargelfeldstraße- Gewerbeparks Stadlau/Kagran Kagraner Platz- Rennbahnweg- Rinterzelt Eipeldauer Straße An der Oberen Alten Donau Kaisermühlen Lettenhaufen Zentrum Kagran Freihof-Siedlung Wohngebiet Neu-Kagran Industriegebiet Neu-Kagran Neuhaufen Mühlgrund- Neu-Stadlau Stadlau Hirschstetten Plankenmais Neu-Straßenäcker Aspern Spargelfeld- Heustadlmais Wulzendorf Biberhaufen Flugfeldstraße- Eßlinger Gartensiedlung Eßling Englisch Feld Lobau STAR 22 Donaucity- Donaupark 23. LIESING 92392 92302 92303 92304 92391 92391 92307 92308 92309 92310 92311 92312 92313 92314 92315 92316 92392 92318 92319 Inzersdorf Neu-Erlaa- Hungereck Schwarze Haide In der Wiesen Siebenhirten Industriezentrum Liesing Atzgersdorf Industriegebiet Breitenfurter Straße Steinberg Atzgersdorf-West- Höpflerbad Zentrum Liesing Rodaun Mauerberg Mauer Kroißberg Kalksburg- Kaltenleutgeben Blumental Draschegründe Wohnpark Alt-Erlaa MITWIRKENDE Die kleinräumige Bevölkerungsprognose für Wien wurde in der MA 23 von Dr. Lebhart(Projektleitung) in Zusammenarbeit mit Mag. a Haydn, MMag. Remmel, Herrn Tranum sowie von DI Horak(MA 18; Rotation in der MA 23) erstellt. Die Qualität einer Prognose steht und fällt mit der Qualität der Annahmen, weshalb es mehrere Foren gegeben hat. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieser Foren haben erheblich zum Entstehen dieser Bevölkerungsprognose beigetragen, wofür wir uns herzlich bedanken. MA 23 – Forum“Kleinräumige Bevölkerungsprognose” am 4. Dezember 2013 Ein besonderer Dank ergeht an die externen Vortragenden Mag. Bartl(Stadt Linz), Mag. Hanika(Bundesanstalt Statistik Österreich) und an Frau Wiener(Stadtsenatsverwaltung Berlin). Teilnehmerinnen und Teilnehmer: DI Weidinger(MD-OS), Hr. Starzinger(MD-OS), DI Oblak(MD-BD), DI in Kail(MD-BD), Mag. Hauswirth(GG BJIS), Fr. Reppe(GG WWS), Mag. a Miksits(MA 5), Mag. Barton(MA 10), Mag. Schutting(MA 10), Hr. Höflinger(MA 13), Fr. Rudy(MA 13), Mag. Burkhart(MA 15), Dr. Binder(MA 15), Mag. a Manolakos(MA 17), DI Horak(MA 18), Mag. Gielge(MA 18), DI in Nausch(MA 21), Mag. a Haydn(MA 23), Fr. Lukacsy(MA 23), MMag. Remmel(MA 23), Hr. Hofmann(MA 24), Mag. a Girardi-Hoog (MA 25), Fr. Bankel(MA 35), Hr. Bader(MA 56), Hr. Gmoser(MA 62), Mag. a Klötzl(Wien Holding GmbH) und Mag. Forstner(WAFF). Name Mag. Griebler Dipl.-Vw. Himpele Mag. Hanika Mag. Dr. Lebhart Mag. Bartl Fr. Wiener Institution Finanzdirektor, MA 5- Finanzwesen MA 23- Wirtschaft, Arbeit und Statistik Bundesanstalt Statistik Österreich MA 23- Wirtschaft, Arbeit und Statistik Stadt Linz Stadtsenatsverwaltung Berlin Präsentation Begrüßung Begrüßung Bundesländerprognosen und regionalisierte Bevölkerungsprognosen für Österreich Bevölkerungsprognosen für Stadtregionen: Wien- Zur Problematik objektivierender Analysen und normativer Annahmensetzung in der Bevölkerungsprognostik Bevölkerungsprognosen für Stadtregionen: Linz Bevölkerungsprognosen für Stadtregionen: Berlin MA 23- Sub-Forum“Zuwanderung aus dem Ausland” am 14. Februar 2014 Mit VertreterInnen aus der Stadtverwaltung wurde das zukünftige Potenzial des internationalen Zuwanderungsvolumens unter geo-, arbeitsmarkt- und sozialpolitischen Gesichtspunkten erörtert und mit jenem in der Hauptvariante der Bundesanstalt Statistik Österreich 2013 und der ÖROK-Prognose 2010 gegenübergestellt. Für die Diskussion bedanken wir uns bei Mag. a Manolakos(MA 17), Mag. Gielge(MA 18), DI Horak(MA 18), Hrn. Hofmann(MA 24), Fr. Strobl(MA 35), Mag. a Reisner(MA 35) und Dr. Fellner(MA 50). MA 23 – Sub-Forum“Neubautätigkeit” am 29. Jänner und 7. März 2014 Eine besondere Herausforderung stellen größere Neubauvorhaben dar, deren demographische Konsequenzen bei kleinräumigen Bevölkerungsvorausschätzungen gesondert zu berücksichtigen sind. In zwei Veranstaltungsrunden wurde das Wohnbaupotenzial der kommenden Jahre nach Zählbezirk kritisch evaluiert und für das Bevölkerungsprognosemodell abgestimmt. Für die Kooperation bedanken wir uns bei DI Oblak(MD-BD), DI Frey (MD-BD), Mag. Gielge(MA 18), DI Horak(MA 18), DI Mittringer(MA 18), DI Rosenberger (MA 18), DI Hrncir(MA 21), DI Hundstorfer(MA 21), DI in Madreiter(MA 21), DI Spritzendorfer(MA 21), DI in Toth(MA 21), Dr. Fellner(MA 50) und Hrn. Schneider(MA 50). IMPRESSUM Medieninhaber und Herausgeber Magistrat der Stadt Wien MA 23 – Wirtschaft, Arbeit und Statistik Für den Inhalt verantwortlich: Dipl.-Vw. Klemens Himpele Redaktion Stabsstelle Registerkoordination, Datenmanagement und Landesstatistik Meiereistraße 7 – Sektor B, A-1020 Wien E-Mail: statistik@ma23.wien.gv.at Internet: www.statistik.wien.at Projektteam Mag. Dr. Gustav Lebhart(Projektleitung) Mag. a Gerlinde Haydn MMag. Wolfgang Remmel DI Clemens Horak Dr. Reinhold Thur(Lektorat) Thomas Tranum(GIS) Gestaltung, Herstellung, Satz MEDIAPROJECTS. DI Gernot Steindorfer A-7061 Trausdorf an der Wulka Druck AV+Astoria Druckzentrum GmbH A-1030 Wien Offenlegung Statistische Analysen, welche die Stadt Wien betreffen. Rechtlicher Hinweis Die enthaltenen Daten, Tabellen, Grafiken, Bilder etc. sind urheberrechtlich geschützt. Haftungsausschluss: Wir übernehmen keine Haftung für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität des Inhaltes. Nachdruck nur mit Quellenangabe. ISBN 978-3-901945-15-1 Gedruckt in Österreich auf PEFC-zertifiziertem ökologischem Papier aus der Mustermappe von„ÖkoKauf Wien“, 8/2014. ISBN 978-3-901945-15-1 STATISTIK JOURNAL WIEN 2/2014 Gendersensible Statistik: Lebensrealitäten sichtbar machen STATISTIK  JOURNAL WIEN 2/2014 Gendersensible Statistik: Lebensrealitäten sichtbar machen Foto: PID/David Bohmann. Foto: PID/Kromus. Mag. a Renate Brauner Vizebürgermeisterin und amtsführende Stadträtin für Finanzen, Wirtschaftspolitik und Wiener Stadtwerke Sandra Frauenberger Amtsführende Stadträtin für Integration, Frauenfragen, KonsumentInnenschutz und Personal VORWORT Auch wenn in unserer Gesellschaft die rechtliche Gleichstellung von Frauen und Männern erkämpft wurde, ist es bis zur tatsächlichen Gleichstellung noch ein weiter Weg. Dafür sprechen klare Indizien wie z. B. die weiterhin zwischen den Geschlechtern bestehende Gehaltsschere. Um Realitäten verändern und klare politische Handlungen setzen zu können, muss die bestehende Problemlage analysiert werden: Valide Zahlen, Daten und Fakten sind der Ausgangspunkt, um Rahmenbedingungen zu verändern und entsprechende Fördermaßnahmen zu setzen. Deshalb ist es erforderlich, die Lebensrealitäten von Frauen und Männern in ihrer Gesamtheit zu betrachten und mögliche Einflussfaktoren auf die unterschiedliche gesellschaftliche Position von Frauen und Männern(bspw. das Angebot an Kinderbetreuung) zu berücksichtigen. Nur dann können aus den Daten möglichst objektive Handlungsempfehlungen abgeleitet werden. Die Stadt Wien hat in der Vergangenheit wichtige Schritte gesetzt, um heute gleich in mehrfacher Hinsicht eine Vorreiterinnenrolle bei der Umsetzung von Gleichstellungsmaßnahmen einzunehmen. So ist unter anderem eine eigene Dienststelle(Gleichbehandlungsbeauftragte der Stadt Wien) damit betraut, Verletzungen gegen das Gleichbehandlungsgebot im Magistrat festzustellen, die MA 57 – Frauenförderung und Koordinierung von Frauenangelegenheiten leistet wichtige Grundlagenforschung und Unterstützung für Frauen(Förderungen, Frauennotruf etc.) und das Dezernat Gender Mainstreaming unterstützt die Dienststellen bei der praktischen Einführung und Umsetzung von Gender Mainstreaming im Arbeitsalltag. Das im Magistrat fest verankerte Prinzip des Gender Budgetings wiederum stellt sicher, dass die finanziellen Mittel der Stadt auf ihre Auswirkungen auf die Geschlechter hin überprüft und gerecht verteilt werden. Das vorliegende Statistik Journal befasst sich mit Grundlagen und der Erstellung von Statistiken, die das Merkmal „Geschlecht“ als Ausgangspunkt haben. Denn wie sensibel der Bereich der Genderanalyse auch heute noch ist, zeigt sich beispielsweise an unsachlich und emotional geführten Debatten zum Thema Gender-Pay-Gap oder geschlechtergerechte Sprache. Gerade aus diesem Grund ist eine Publikation, die den aktuellen Wissensstand zu diesem Thema zusammenfasst und anhand konkreter Beispiele darstellt, besonders wertvoll. INHALT Vorwort 5 .......................................................................................................... Einleitung 8 ....................................................................................................... TEIL 1: METHODIK UND THEORIE 11 ................................................................................ METHODISCHE ASPEKTE BEI DER GENDERSENSIBLEN AUFBEREITUNG UND ANALYSE VON DATEN ...................................................................... 12 Datenerhebung 12 ................................................................................................. Datenaufbereitung und-analyse ................................................................................ 16 Entwicklung und Perspektiven gendersensibler Statistik ........................................................ 20 Fazit 23 ............................................................................................................ Literatur 24 ........................................................................................................ WARUM NICHT GLEICH? GESCHLECHTERSENSIBLE STATISTIK UND GLEICHSTELLUNGSMONITORING ALS INSTRUMENTE DER WIENER GLEICHSTELLUNGSPOLITIK ............................................................................. 26 Zum Verhältnis von Gleichstellungspolitik und Statistik ........................................................ 26 Gleichstellungsmonitoring: Ausgangslagen und Analysen 29 ..................................................... Gleichstellungsziele und Gleichstellungsindikatoren – ein schwieriges Verhältnis? ............................. 32 Der Wiener Gleichstellungsmonitor ............................................................................. 34 Literatur 37 ........................................................................................................ DIE BEDEUTUNG GENDERSENSIBLER STATISTIKEN FÜR GENDER MAINSTREAMING .................................................................... 38 Gender Mainstreaming im Magistrat der Stadt Wien ............................................................ 38 Engendering Statistics – gendersensible Daten im statistischen Mainstream ................................... 39 Sexcounting – Köpfezählen oder Genderstatistik? 42 ............................................................. Gendersensible Statistik – Notwendigkeiten und Herausforderungen .......................................... 47 Literatur 49 ........................................................................................................ TEIL 2: DATEN UND DOKUMENTATION .......................................................................... 51 DIE GESCHLECHTERVERTEILUNG IN AUSGEWÄHLTEN LEBENSPHASEN ............................................................................ 52 Die frühen Jahre 52 ................................................................................................ Die mittleren Jahre 66 .............................................................................................. Die späten Jahre 77 ................................................................................................ Zusammenfassung 84 ............................................................................................. Glossar 85 ......................................................................................................... Impressum 86 ..................................................................................................... EINLEITUNG Frauen verdienen weniger als Männer. Das ist ein einfacher Befund, der sich beim Austausch im Freundeskreis, bei der unterschiedlichen Pensionshöhe der eigenen Eltern, den wenigen Gesprächen am Arbeitsplatz über die Details am Lohnzettel und in den Steuerdaten der Behörden immer wieder bestätigt. Wie hoch ist dieser Unterschied genau, wie kann er erklärt werden? Unter anderem darauf soll die Statistik Antworten geben. Dieses bekannte Anwendungsbeispiel von Genderstatistik bzw. geschlechtersensibler/gendersensibler Statistik(s. Infokästchen) zeigt sehr anschaulich, welche Funktion Statistik hat: Sie bildet einen bestimmten Ausschnitt der Realität ab, und dies ist Gegenstand intensiver gesellschaftlicher Auseinandersetzungen. Genderstatistik und geschlechtersensible/gendersensible Statistik In diesem Journal werden die Begriffe„Genderstatistik“ und„geschlechtersensible/gendersensible Statistik“ als Synonym verwendet. Die Begriffe unterscheiden sich von einem reinen„Sexcounting“ oder„Köpfezählen“, bei dem lediglich Personendaten nach dem biologischen Geschlecht – Frauen/ Männer – getrennt erfasst und ausgewertet werden. Genderstatistiken bzw. geschlechtersensible/gendersensible Statistiken integrieren Erkenntnisse der Frauen- und Genderforschung in die Fragestellung der Statistik, z.B. bei der Überlegung, welche Daten erhoben werden und welche zusätzlichen Daten oder Indikatoren vielleicht notwendig sind um die realen Lebensverhältnisse von Frauen und Männern widerzuspiegeln. So gibt es unterschiedliche Ansichten darüber, wie der geschlechtsspezifische Einkommensunterschied adäquat berechnet werden sollte. Insbesondere geht es dabei – neben der Frage nach der geeigneten Datenquelle und Erhebungsmethode – auch darum, ob bzw. wie viel des Lohnunterschieds um geschlechtsspezifische Unterschiede in der Beschäftigungsstruktur bereinigt werden sollte. Denn einige Gründe für die Lohnunterschiede liegen auf der Hand: Frauen arbeiten häufig in schlechter bezahlten Berufen und Branchen als Männer und haben durch Betreuungstätigkeiten geringere Wochenarbeitszeiten und längere Karriere-Unterbrechungen. Manche argumentieren daher, dass nur der Betrag, welcher nach Abzug dieser„erklärbaren“ Faktoren übrig bleibe, auch als tatsächlicher Gender Pay Gap bezeichnet werden solle. Andere wiederum meinen, dass sich gesellschaftliche Umstände, wie die ungleiche Verteilung von unbezahlter Arbeit zwischen den Geschlechtern, oder die unterschiedliche Bewertung von „typischer Frauenarbeit“ und„typischer Männerarbeit“ auf strukturelle Benachteiligungen zurückführen lassen und das geschlechtsspezifische Lohngefälle wesentlich mitbedingen. Eine Bereinigung um diese Faktoren wäre rein rechnerischer Natur und würde nicht die tatsächlich vorhandenen Unterschiede widerspiegeln. Was als seriös berechenbarer Gender Pay Gap gilt, ist demnach auch eine Frage politischer Haltungen und zeigt, dass Statistik kein Gesamtbild der Wirklichkeit in Zahlen abbilden, sondern nur einen bestimmten Aspekt darstellen kann. Statistiken können aber Impulse anbieten, um die Situation von benachteiligten Bevölkerungsgruppen zu verbessern. Für die Politik dienen sie als wichtige Entscheidungsgrundlage und als Maßstab: Gibt es eine Annäherung an die politischen Ziele? Wirken die Förderungen, die Bildungsprogramme, die neuen Gesetze? Genderstatistik ist damit Basis und Begleitung für evidenzbasierte Gleichstellungspolitik. Statistik kann diese Aufgaben erfüllen, allerdings müssen hier jedoch methodische und definitorische Einschränkungen oder aber Gestaltungsfreiheiten mitbedacht werden. Sie kann – wie im obigen Beispiel zum Gender Pay Gap – bestimmte Ungleichheiten darstellen oder aber„herausrechnen“. Jeder Statistik geht eine Auswahl voran: Was ist relevant? Das wird gemessen und dem wird Aufmerksamkeit geschenkt. Für valide Genderstatistiken ist es daher wichtig, die dahinter liegenden Gleichstellungsziele offen zu legen und die methodische Herangehensweise zu begründen. Um diese Auswahl zu treffen ist es wichtig, dass relevante Akteurinnen und Akteure in Politik, Verwaltung und Wissenschaft zusammenarbeiten und ein wechselseitiger Austausch des Fachwissens im Gleichstellungsbereich und im Bereich statistischer Methoden und Analysen stattfindet. Von diesem Verständnis wird auch bei der Stadt Wien ausgegangen. Das Thema Genderstatistik wird in diesem Journal daher aus unterschiedlichen Perspektiven von Expertinnen und Experten aus den Bereichen Statistik, Frauenförderung und Gender Mainstreaming dargestellt. Der erste Teil des Journals beschäftigt sich mit inhaltlichen und methodischen Grundlagen sowie der adäquaten Interpretation und Analyse von Genderdaten: • Der Artikel von Eva Maltschnig, Ulrike Pailer, Gerald Sirlinger und Edith Waltner(MA 23 – Wirtschaft, Arbeit und Statistik und MA 24 – Gesundheits- und Sozialplanung) beschäftigt sich mit methodischen Aspekten bei der gendersensiblen Aufbereitung und Analyse von Daten. Darin wird unter anderem den Fragen nachgegangen, wie Lebensverhältnisse von Frauen und Männern messbar gemacht werden können, und was bei der Erhebung und Aufbereitung der Daten zu beachten ist. Im zweiten Teil des Journals werden gendersensible statistische Daten aus unterschiedlichen Bereichen der Demographie und Wirtschaft abgebildet und analysiert, wobei die Auswahl der dargestellten Lebensbereiche nach den Schwerpunktsetzungen der Magistratsabteilung 23 – Wirtschaft, Arbeit und Statistik erfolgte. Leider lässt gerade im Bereich der Wirtschaft die Datenlage noch viel zu wünschen übrig, nichtsdestotrotz gibt es hier Fortschritte: Erstmals können für das Bundesland Wien Daten zu Stundenlöhnen, Pensionsarten und dem Zeitaufwand für unbezahlte Arbeit dargestellt werden. Um die Lebensrealitäten von Frauen und Männern möglichst anschaulich zu präsentieren, werden geschlechtsspezifische Unterschiede in verschiedenen Lebensphasen dargestellt und Veränderungen in den letzten Jahrzehnten nachgezeichnet. • Stephanie Kiessling(MA 57 – Frauenförderung und Koordinierung von Frauenangelegenheiten) beschäftigt sich in ihrem Beitrag„Warum nicht gleich? Geschlechtersensible Statistik und Gleichstellungsmonitoring als Instrumente der Wiener Gleichstellungspolitik“ mit der Notwendigkeit von geschlechtersensiblen Daten für die Gleichstellungspolitik und GleichstellungsmonitoringSysteme. Sie geht dabei auf die Herausforderungen bei der Entwicklung und Interpretation von geeigneten Indikatoren ein und erläutert zentrale Überlegungen und Herangehensweisen bei der Erstellung des ersten Wiener Gleichstellungsmonitors. • Die Bedeutung gendersensibler Statistiken für Gen der Mainstreaming ist das Thema des Beitrags von Jana Schultheiß(Magistratsdirektion – Geschäftsbereich Organisation und Sicherheit, Dezernat Gender Mainstreaming). Sie betont darin die Wichtigkeit gendersensibler Daten für die Integration einer geschlechtsspezifischen Sichtweise in politische Konzepte und das Handeln der Verwaltung. Dabei geht sie der Frage nach, was„Gender“ im Mainstream der Statistik eigentlich bedeutet und welche Probleme sich bei der Erfassung dieser Kategorie ergeben. Teil 1 METHODIK UND THEORIE 12 STATISTIK JOURNAL WIEN Methodische Aspekte bei der gendersensiblen Aufbereitung und Analyse von Daten Eva Maltschnig, Ulrike Pailer, Gerald Sirlinger und Edith Waltner Frauen und Männer sind mit unterschiedlichen Lebensrealitäten konfrontiert. Der Zugang zu den Ressourcen der Gesellschaft ist zwischen den Geschlechtern ungleich verteilt, Frauen und Männer sind von politischen Maßnahmen unterschiedlich betroffen. Um die soziale Wirklichkeit abzubilden, Ungleichheiten zu identifizieren und Gleichstellungsmaßnahmen erarbeiten zu können, werden Daten benötigt. Dieses Sammeln und Aufbereiten von Daten – von der einfachen Gegenüberstellung der Geschlechter bis zu komplexen Indikatorensystemen – wird als gendersensible Statistik bezeichnet. Gendersensible Statistiken sollen eine„adäquate“ Wiedergabe der Lebenssituation von Frauen und Männern erreichen. Genau dieses Adäquationsproblem – also das Zusammenbringen von Realität und Statistik – stellt eine große Herausforderung für StatistikerInnen dar. Welche Merkmale sollen wie erhoben und welche Maßzahlen berechnet werden, um die Lebensverhältnisse von Frauen und Männern messbar zu machen und die Realität in Zahlen möglichst wirklichkeitsgetreu abzubilden? Im folgenden Beitrag geht es um diese aufgeworfenen Fragen: Zunächst erfolgt eine Darstellung über Erhebungsmethoden und Datenquellen sowie über Anforderungen an die Qualität der verwendeten Daten. Der nächste Teil widmet sich Möglichkeiten zur Datenaufbereitung und-analyse, beginnend mit der einfachen Aufschlüsselung von Daten nach dem Geschlecht bis hin zu komplexeren Indikatoren(sets) und Indizes. Danach werden wichtige Meilensteine bei der Entwicklung gendersensibler Statistik beschrieben sowie Perspektiven gendersensibler Statistik anhand aktueller Entwicklungen aufgezeigt. DATENERHEBUNG ERHEBUNGSMETHODEN Statistischen Analysen liegen Daten zu Grunde, die aus unterschiedlichen Datenquellen stammen und mit unterschiedlichen Methoden gesammelt und aufbereitet werden. Werden Daten eigens für einen bestimmten statistischen Untersuchungszweck erhoben, handelt es sich um eine primärstatistische Erhebung(Beispiel: Volkszählung). Die erhobenen Merkmale und deren Ausprägungen können dabei genau an die konkrete Fragestellung angepasst und eine hohe Übereinstimmung mit dem Untersuchungsziel erreicht werden. Eigene Erhebungen sind allerdings mit einem hohen budgetären und zeitlichen Ressourcenaufwand verbunden. Sekundärstatistische Erhebungen greifen auf bereits vorhandene Daten zurück, die aus anderen Quellen stammen und für andere Zwecke oder Fragestellungen erhoben wurden. Beispielsweise werden alle Verkehrsunfälle mit Personenschaden von der Bundespolizei im Rahmen der Erstellung von Verkehrsunfallanzeigen registriert. Wenn also eine statistische Analyse der Entwicklung der bei Verkehrsunfällen verletzten Personen durchgeführt werden soll, ist es nicht notwendig, diese Daten eigens zu erheben, sondern es kann auf die von den Polizeidienststellen erhobenen Daten zurückgegriffen werden. Sekundärstatistische Erhebungen sind daher kostengünstiger, es besteht dabei jedoch immer eine gewisse Diskrepanz zwischen den vorhandenen Merkmalen und den geeigneten statistischen Messgrößen. Derzeit geht der Trend in der Datenerhebung in Richtung Verwendung von vorhandenen Erhebungen bzw. von Administrativdaten. 1 In der Praxis werden die beiden Formen der Datenerhebungen häufig kombiniert angewendet, wobei Daten aus sekundärstatistischen Erhebungen als Basis für primärstatistische Erhebungen genutzt werden. An das obige Beispiel anknüpfend könnten zusätzlich die Einstellungen und Meinungen der Bevölkerung zur Verkehrssicherheit in einer Stadt durch eine gesonderte (d. h. primärstatistische) Befragung erhoben werden. 1 vgl. Hametner, Kristina(2005): 5. GENDERSENSIBLE STATISTIK: LEBENSREALITÄTEN SICHTBAR MACHEN 13 DATENQUELLEN Die amtliche Statistik – darunter werden die von offiziellen Institutionen(insbesondere von statistischen Ämtern) erhobenen Statistiken verstanden – verfügt über statistische Informationen aus primär- sowie sekundärstatistischen Erhebungen. Sie gehört zu den wichtigsten und häufig verwendeten Datenquellen. Auch internationale Organisationen(wie z. B. EUROSTAT, OECD oder UNO), Verbände und Kammern sowie Forschungsinstitute stellen umfangreiche Daten für Detailanalysen bzw. qualitative Fragestellungen zur Verfügung. Zu den relevantesten vorhandenen Datenerhebungen für gendersensible Fragestellungen zählen Volks- und Registerzählungen, Verwaltungsdaten und Haushaltsbefragungen: Volkszählungen versorgen die Verwaltung mit Informationen über die Bevölkerung und erfüllen damit eine der ältesten Aufgaben der amtlichen Statistik. Sie liefern wichtige demographische Merkmale, Informationen über Bildungsstand und Erwerbsstatus, den Weg zur Arbeits- bzw. Ausbildungsstätte und zu Haushaltsund Familientypen auf kleinräumiger Ebene. Alle Daten auf Personenebene sind nach dem Geschlecht und verschiedenen soziodemographischen Merkmalen(z. B. Alter und Staatsangehörigkeit) verfügbar und bieten daher die Möglichkeit für umfangreiche Analysen geschlechtsspezifischer Unterschiede. Verwaltungsdaten werden von öffentlichen Behörden im Allgemeinen nicht für statistische Zwecke erhoben, sondern als Grundlage für die Erfüllung ihrer Aufgaben gebraucht. Beispielsweise sind die Einkommensdaten des Hauptverbandes österreichischer Sozialversicherungsträger ein Nebenprodukt der administrativen Vorgänge rund um die Sozialversicherung. Sie entsprechen den spezifischen Informationsanforderungen der Sozialversicherung, sind für eine sozialwissenschaftliche Analyse aber nur mit Einschränkungen geeignet. Für die Sozialversicherung ist es zur Berechnung der Sozialversicherungsbeiträge nicht wesentlich, ob eine Person voll- oder teilzeitbeschäftigt arbeitet, sondern nur, ob sie eine bestimmte Verdienstgrenze überschreitet. Daher kann aus den Daten weder das Beschäftigungsausmaß noch der Stundenlohn entnommen werden. Entscheidender Vorteil ist das regelmäßige und kostengünstige Angebot an Daten, das meist für unterschiedliche regionale Ebenen verfügbar ist. Die Stadt Wien stellt im Rahmen des Projektes Open Government Data viele der im Rahmen ihrer Verwaltungstätigkeit erhobenen Daten zur Verfügung. Registerzählung 2011 Die in Österreich erstmals als Registerzählung durchgeführte„Volkszählung“ wurde zum Stichtag 31. 10. 2011 durchgeführt. Gesetzliche Grundlagen dafür sind die Verordnung(EG) Nr. 763/2008 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 9. Juli 2008 über Volks- und Wohnungszählungen und das Registerzählungsgesetz BGBl. I Nr. 33/2006 in der geltenden Fassung. Die Bundesanstalt Statistik Österreich stellt den Landesstatistischen Diensten für das jeweilige Bundesland anonymisierte Individualdaten aus der Registerzählung 2011 zur Verfügung. Die Überlassung der jeweiligen BundeslandDaten erfolgt als Leistung des Bundes im Rahmen der Vereinbarung nach Art. 15a B-VG. Open Government Data(OGD) Open Government Data(OGD) repräsentiert den offenen Zugang und die freie Weiter- und Wiederverwendung der Verwaltungsdaten. Verwaltungsdaten stellen eine wertvolle Ressource der öffentlichen Hand dar. Neben der Stärkung von Verwaltungstransparenz und Verantwortlichkeit soll eine stärkere Mitwirkungsmöglichkeit der Bürgerinnen und Bürger sowie eine wirkungsorientierte Effizienz von Verwaltungstätigkeiten erreicht werden. Durch die OGD-Strategie sind die Verwaltungsdaten zu einer Ressource für Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft geworden. Die Daten werden im OGD in maschinenlesbarer Form und kostenfrei zur freien Sekundärnutzung zur Verfügung gestellt. Die Bereitstellung erfolgt in Wien über ein eigenes Portal(https://open.wien.at), das einen Datenkatalog sowie zusätzliche Kontextinformationen umfasst. Haushaltsbefragungen erheben Informationen, die nicht oder nur beschränkt durch Verwaltungsdaten produziert, oder in Register eingetragen werden. Dabei wird eine Stichprobe(Teilerhebung) aus der Bevölkerung gezogen und die aus der Befragung gewonnenen Ergebnisse mittels statistischer Methoden auf die gesamte Wohnbevölkerung hochgerechnet. Die Daten werden nach unterschiedlichen Merkmalen erhoben, allerdings sind den Differenzierungsmöglichkeiten auf regionaler Ebene aufgrund der(zu kleinen) Stichprobengrößen häufig Grenzen gesetzt. 14 STATISTIK JOURNAL WIEN Ein Beispiel für eine solche Haushaltsbefragung ist die Arbeitskräfteerhebung im Rahmen des Mikrozensus durch die Bundesanstalt Statistik Österreich. Die Erhebung dient als Basis für international vergleichbare Daten zu Erwerbstätigkeit und Arbeitslosigkeit. Sie umfasst demographische Grunddaten, die auch Auskunft über Familien- und Haushaltsstruktur geben, sowie Fragen zur beruflichen Stellung, zum Wirtschaftszweig, zum Beruf und zu normaler und tatsächlich geleisteter Arbeitszeit. Ein weiteres Beispiel für Haushaltsbefragungen sind Zeitverwendungserhebungen: Hier werden Personen befragt, wie viel Zeit sie für unterschiedliche Tätigkeiten aufbringen. In Österreich fanden bisher drei Zeitverwendungserhebungen statt: 1981, 1992 und 2008/09. Bei der letzten Erhebung 2008/09 dokumentierten 8.200 Personen einen Tag lang jede Tätigkeit, die länger als 15 Minuten dauerte. Die Ergebnisse der Zeitverwendungserhebungen geben Aufschluss über das Ausmaß und die Verteilung von unbezahlter Arbeit, bezahlter Arbeit und Freizeit, und geben dadurch ein genaues Bild über die unterschiedlichen Lebensverhältnisse bzw.-situationen von Frauen und Männern. Für die gendersensible Statistik sind insbesondere Informationen zu unbezahlter Arbeit von großer Relevanz, da diese deutlich schlechter dokumentiert ist als bezahlte Arbeit. Geschlechtsspezifische Rollenbilder und die daraus resultierenden sozialen und ökonomischen Konsequenzen können dadurch abgeschätzt und sichtbar gemacht werden. DATENQUALITÄT Die gesammelten Daten müssen hohen Qualitätsansprüchen genügen und eine Vielzahl an Kriterien erfüllen, um die realen und vielfältigen Lebenslagen von Frauen und Männern angemessen darstellen zu können. Der Verhaltenskodex für Europäische Statistik 2 („European Statistics Code of Practice“) schreibt Grundsätze und Standards für die Produktion und Verbreitung hochwertiger Statistiken fest. Dabei sind unter anderem folgende Grundsätze zu beachten: • Relevanz: Relevante Daten werden aktuellen und sogar zukünftigen NutzerInnenanforderungen gerecht, produzieren also nicht am Bedarf vorbei, sondern sondieren gesellschaftlich oder wissenschaftlich wichtige Probleme und Fragestellungen. Bei der Genderstatistik geht es insbesondere auch darum, die Erkenntnisse aus 2 vgl. EUROSTAT(2011). der Frauen- bzw. Genderforschung, was die Auswahl an genderrelevanten Themenbereichen betrifft, in die Datenerhebung zu integrieren. • Genauigkeit und Zuverlässigkeit: Genaue Daten sind nah an der Wahrheit, d. h. die Schätzung sollte dicht am wirklichen Wert liegen. Der statistische Fehler(beispielweise aufgrund einer zu kleinen Stichprobe oder infolge von Antwortausfällen) sollte also gering sein und – was sehr oft vernachlässigt wird – bei der Publikation von Daten angegeben werden. • Aktualität und Pünktlichkeit: Aktuell sind Daten, wenn zwischen Erhebung und Veröffentlichung möglichst wenig Zeit vergeht. Pünktlichkeit bezieht sich auf Einhaltung von angekündigten Veröffentlichungsterminen bzw. gesetzlichen Vorgaben. • Verfügbarkeit und Klarheit: Besonders in der amtlichen Statistik ist wichtig, dass NutzerInnen einen einfachen, umfangreichen und kostengünstigen oder kostenlosen Zugang erhalten. Die Klarheit sorgt dafür, dass die Daten auch verstanden werden. Das wird durch zusätzliche Informationen über Konzepte und Methoden der Datengenerierung erreicht (Metadaten). Für die Erstellung gendersensibler Statistiken ist insbesondere auch relevant, dass die Daten nach unterschiedlichen Merkmalen(Geschlecht, Alter, Herkunft, Lebensweise etc.) differenzierbar sind. Für die Stadt Wien ist auch die Verfügbarkeit von ÖsterreichDaten auf Bundesländer- bzw. Bezirksebene wichtig. • Vergleichbarkeit: Daten sollten nicht nur in ihrem unmittelbaren Erhebungsbereich gelten, sondern darüber hinaus auch zeitlich und räumlich vergleichbar sein. Die Datenproduktion sollte daher möglichst einheitlich gestaltet und auf die Kontinuität der Ergebnisse geachtet werden. Dadurch können zeitliche Dynamiken erkannt und in Bezug zu anderen regionalen Einheiten gesetzt bzw. verortet werden. • Kohärenz: Unterschiedliche Datenquellen sollen für gleiche Fragen gleiche Ergebnisse aufweisen und miteinander verknüpfbar sein. Dadurch wird es der Nutzerin bzw. dem Nutzer ermöglicht, diese in Beziehung zu setzen und tiefere Einsichten in die Realität zu erhalten. Häufig liegen jedoch unterschiedlichen Daten verschiedene Konzepte und Methoden zugrunde, sodass sich für eine bestimmte Fragestellung durchaus differierende Antworten ergeben können(siehe Exkurs zum Beispiel Erwerbsquoten auf der folgenden Seite). GENDERSENSIBLE STATISTIK: LEBENSREALITÄTEN SICHTBAR MACHEN 15 Exkurs:„Wer hat recht?“ – Das Beispiel Erwerbsquoten Allen Ansprüchen an die Datenqualität zum Trotz steht für eine Fragstellung nicht immer ein allgemein gültiger und einheitlicher statistischer Wert zur Verfügung. Gerade im Bereich der Arbeitsmarktforschung stößt man bei der Datenrecherche relativ schnell auf unterschiedliche Ergebnisse für ein und denselben Indikator. Ein Blick auf untenstehende Grafik verdeutlicht dies. Auch die regionale Zuordnung der Erwerbstätigen kann das Ergebnis deutlich beeinflussen. So stellt sich die Frage, welche Personen in die Erwerbstätigkeit Wiens hineingerechnet werden sollen: alle Personen, die in Wien arbeiten, oder nur jene Personen, die in Wien wohnen und erwerbstätig sind(PendlerInnen)? Alleine diese Zuordnung macht schon eine Differenz von ca. 150.000 Personen aus. Je nach Datenquelle bzw. Berechnungsmethode liegt die Erwerbsquote der Frauen in Wien im Jahr 2011 zwischen 67,2% und 75,1%. Bei den Männern zählen in Wien zwischen 75,0% und 83,5% zur Kategorie der Erwerbspersonen(= Summe aus erwerbstätigen und arbeitslosen Personen). Welcher Wert ist denn nun der„richtige“? Eine Frage, die sich leider nicht so einfach beantworten lässt. Zumindest ist keine der Quoten grundlegend falsch. Denn sie beruhen alle auf einer einheitlichen Berechnungsformel: Erwerbsquote= Erwerbspersonen Wohnbevölkerung * 100 Wiener Erwerbsquote 2011 75,1 74,0 68,2 67,2 75,7 83,5 78,2 75,0 Frauen Männer WAFF*= Wiener ArbeitnehmerInnenFörderungsFonds BMASK*= Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz MZ AKE= Mikrozensus Arbeitskräfteerhebung aEST= abgestimmte Erwerbsstatistik Quelle: Statistik Austria, Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger, BMASK-Bali Web, Berechnungen: MA 23. * Eigenberechnung durch MA 23. Beide Quoten werden in dieser Form nicht bzw. nicht mehr publiziert. Die Differenzen ergeben sich aus vielen Detailaspekten. Ein grundlegender Unterschied besteht in der Zählweise von Erwerbstätigkeit. Diese kann in Köpfen aber auch in Beschäftigungsverhältnissen erfolgen. Hat eine Person beispielsweise statt einem 40-Stunden-Vollzeitjob zwei Teilzeitbeschäftigungen, wird sie je nach Erfassungsmethode ein Mal(Kopf) oder zwei Mal (Beschäftigungsverhältnisse) zur Erwerbstätigkeit gezählt. Zusätzlich muss geklärt werden welche Erwerbsformen überhaupt Berücksichtigung finden. Alle Quoten beinhalten die unselbstständige Beschäftigung. Doch manche zählen auch selbstständige und/oder geringfügige Beschäftigung hinzu. Doch auch wenn diese Fragen geklärt sind, können noch weitere Abgrenzungen innerhalb der berücksichtigten Gruppen (bspw. beim Alter) den Wert des Indikators beeinflussen. In der Regel sind Personen im Alter von 15–64 Jahren im erwerbsfähigen Alter. Doch hängt die Erwerbsaktivität der Personen deutlich von Alter und Geschlecht ab. Frauen zwischen 60 und 64 Jahren in der Berechnung zu berücksichtigen lässt die Quote im Vergleich mit jener der Männer deutlich sinken. Bei einem zurzeit gültigen Pensionsantrittsalter für Frauen von 60 Jahren scheint das Herausrechnen dieser Gruppe durchaus sinnvoll, wird aber nicht von allen Quellen so gehandhabt. Zu guter Letzt ergeben sich die Unterschiede auch aus der Erhebungsmethode der zugrundeliegenden Daten. Eine Befragung von Einzelpersonen kann andere Ergebnisse liefern als eine EDV-gestützte Auswertung von Administrativdaten, wie dies bei der Registerzählung 2011 erfolgt ist. Die Befragung kann unter anderem sozial erwünschte Antworten enthalten und somit auch auf falschen Angaben durch die befragten Personen beruhen. Zusätzlich enthält eine Befragung meist nur einen repräsentativen Ausschnitt von Personen, deren Ergebnisse auf eine Gesamtheit(bspw. die Wiener Bevölkerung) hochgerechnet werden müssen, was bei detaillierten Analysen zu einer Verzerrung der Ergebnisse führen kann. Ihr Vorteil liegt wiederum in der schnelleren Verfügbarkeit der Ergebnisse. Sie kann somit aktuellere Entwicklungen abbilden, als dies durch eine Vollerhebung der Fall wäre. Kurzum, es gibt keine„richtige“ Erwerbsquote. Je nach Fragestellung wird es aber wohl eine bestgeeignete Quote geben, die dabei hilft die Realität am ehesten abzubilden. 16 STATISTIK JOURNAL WIEN In der Praxis sind zu den gesuchten Themen und Fragestellungen oftmals entweder keine Daten vorhanden, oder die vorhandenen Daten weisen nicht die gewünschte Qualität auf. Fehlen Ressourcen oder Kompetenzen für eine eigene Erhebung, wird es mitunter notwendig sein, Kompromisse einzugehen und „zweitbeste anstatt gar keine Daten zu verwenden“ 3 . Beispielsweise wird es Fälle geben, in denen man sich für Daten entscheidet, die nicht über den Erhebungszeitraum vergleichbar sind oder die aus mehreren Quellen mit unterschiedlichen Grundgesamtheiten oder Konzeptionen stammen. Wichtig ist, solche Kompromisse zu dokumenteren: Bei der Publikation der Daten sind Einschränkungen unbedingt anzugeben (Metadaten), damit dies bei der Interpretation der Ergebnisse berücksichtigt werden kann. DATENAUFBEREITUNG UND-ANALYSE Eine gendersensible Datenaufbereitung kann in Form einer einfachen tabellarischen Darstellung von nach dem Geschlecht aufgeschlüsselten Daten oder aber in Form komplexerer Indikatoren(sets) und Indizes erfolgen. Welche Gestalt gendersensible Statistik in der Praxis annimmt, hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab. So bestimmen die konkrete Forschungsfrage, die Verfügbarkeit und Qualität der Daten darüber, welche Form der statistischen Datenaufbereitung zulässig und sinnvoll ist. Zudem ist es notwendig, die unterschiedlichen Verdichtungen von Informationen an die unterschiedlichen NutzerInnenbedürfnisse anzupassen. Für die Öffentlichkeit ist es notwendig, dass Daten und Indikatoren ohne viele Hintergrundinformationen leicht verständlich sind. Für den wissenschaftlichen Gebrauch sind hingegen Aufbereitungen vonnöten, die eine sehr breite Datenbasis verarbeiten und möglicherweise schwieriger zu verstehen sind, aber letztendlich ein differenzierteres Bild der Sachlage bieten. Allerdings steigt die Aussagekraft eines Indikators nicht automatisch mit der Menge an verarbeiteten Daten an, wenn diese nicht geeignet sind, den beschriebenen Sachverhalt besser darzustellen. SCHRITT 1: DATEN NACH GESCHLECHT AUSWEISEN Die einfachste und auch am weitesten verbreitete Form von gendersensibler Statistik ist das„Sex-Counting“, also das getrennte Ausweisen von Daten für 3 Pölsler, Gerlinde(2007): 48. Frauen und Männer. Diese Form der Datenaufbereitung kann als erster Schritt bzw. als Mindestanforderung für gendersensible Statistik bezeichnet werden. Zentrale Herausforderung in diesem Zusammenhang ist die Auswahl„welche Daten zu welchen Lebensbereichen benötigt werden, um die unterschiedlichen Lebensrealitäten von Frauen und Männern tatsächlich abzubilden“ 4 . Es geht also nicht nur darum, die vorhandenen Datenbestände durchgängig nach Geschlecht auszuweisen, sondern auch die Berücksichtigung von Themen und Bereichen, die bislang in Statistiken möglicherweise noch nicht erfasst waren. 5 Manchmal ergeben sich auch überraschende Effekte bei der gendersensiblen Auswertung und ermöglichen neue Blickwinkel auf Themen, die bisher noch nie unter dem Gesichtspunkt der Geschlechterdifferenzierung betrachtet wurden. Derzeit liegen für viele genderrelevante Themen und Fragestellungen noch keine oder wenig Daten vor(z. B. unbezahlte Arbeit oder familiäre Gewalt) bzw. werden diese immer noch nicht nach dem Geschlecht aufgeschlüsselt(z. B. Sparen oder Konsumausgaben privater Haushalte). Die Differenzierung der Daten nach dem Geschlecht bringt aber auch Probleme mit sich: Wird nur zwischen Frauen und Männern unterschieden, suggeriert dies, dass es sich um homogene Gruppen handelt. Unterschiede innerhalb der Gruppen werden nicht dargestellt und es besteht die Gefahr, dass Geschlechterstereotype fortgeschrieben werden. Außerdem sollte bei der Darstellung geschlechterdifferenzierter Daten auch darauf geachtet werden, dass die Werte für Frauen und Männer gleichwertig nebeneinander gezeigt werden. Werden nur die Werte der Frauen – wie früher üblich – als Teilmenge der Gesamtzahl(„davon Frauen“) präsentiert, wird einerseits die Vorstellung vom „Mann als Norm“ und der Frau als„davon abweichendes, Spezielles“ vermittelt und andererseits bleiben Männer damit unsichtbar und Spezifika möglicherweise unerkannt. 6 SCHRITT 2: GEGENÜBERSTELLUNG DER SITUATION VON FRAUEN UND MÄNNERN Ein weiterer Schritt zur gendersensiblen Datenanalyse besteht darin, die Werte von Frauen und Männern gesondert zu interpretieren, zueinander in Beziehung zu setzen und aussagekräftige Kenngrößen – sogenannte Indikatoren – zu bilden. 4 Hametner, Kristina(2005): 4. 5 vgl. Wroblewski, Angela/Leitner, Andrea/Steiner, Peter(2005): 8ff. 6 vgl. Pölsler, Gerlinde(2007): 96, GenderKompetenzZentrum(o.J). GENDERSENSIBLE STATISTIK: LEBENSREALITÄTEN SICHTBAR MACHEN 17 Indikatoren Indikatoren sind wichtige Kennzahlen bzw. Messgrößen, die Aussagen über einen komplexen Sachverhalt erlauben. Sie reduzieren die Komplexität eines Phänomens, indem sie mehrere Dimensionen eines Sachverhaltes in einer einzigen Zahl ausdrücken. Indikatoren übermitteln einen raschen Überblick über den Status quo des zu messenden Sachverhalts, zeichnen Entwicklungen nach und machen Trends sichtbar. Gleichstellungsindikatoren sollen Auskunft über die Lebenssituation von Frauen und Männern geben und eine Beurteilung ermöglichen, ob Maßnahmen erfolgreich waren oder Ziele erreicht wurden. Erwünschte und unerwünschte Entwicklungen sollen aufgezeigt und Veränderungen gemessen werden. Zu den nützlichsten Werkzeugen, um größere Datenmengen zu analysieren, gehört die Berechnung statistischer Lage-, Streuungsund Verteilungsmaße wie z. B. Mittelwerte. Zu den wichtigsten Mittelwerten gehören das arithmetische Mittel und der Median. sen, können durch die Berechnung von genderspezifischen Verhältniszahlen Unterschiede zwischen Frauen und Männern deutlicher dargestellt werden und die gendersensible Statistik wird dadurch aussagekräftiger. Wichtige Verhältniszahlen sind„Gender Gaps“ und„Gender Ratios“: Absoluter Gender Gap, relativer Gender Gap, Gender Ratio Der absolute Gender Gap drückt den(absoluten) Unterschied zwischen Frauen- und Männerwerten aus: Variante 1: Werte Männer – Werte Frauen Variante 2: Werte Frauen – Werte Männer Der relative Gender Gap zeigt den relativen, also prozentuellen Unterschied zwischen den Geschlechtern an: () Variante 1: Werte Männer – 1 Werte Frauen * 100 () Variante 2: Werte Frauen Werte Männer –1 * 100 Arithmetisches Mittel und Median Der arithmetische Mittelwert (meist als„Durchschnitt“ bezeichnet) ist der bekannteste und am häufigsten verwendete Mittelwert. Er wird berechnet aus der Summe aller Zahlenwerte, geteilt durch die Anzahl der Werte. Der Median (Zentralwert) ist jener Wert, der in der Mitte steht, wenn alle Zahlenwerte der Größe nach geordnet sind. Im Gegensatz zum arithmetischen Mittel ist er robuster gegenüber stark abweichenden Werten(„Ausreißern“). Relativ bekannte und allgegenwärtige Indikatoren sind relationale Maßzahlen, die zwei Bezugsgrößen durch eine einfache Rechenvorschrift miteinander verbinden. Durch Wortanhänge wie-anteil,-ziffer,-rate, -dichte oder-quote sind diese Verhältniszahlen leicht erkennbar. Beispiele sind einfache Prozentangaben, wie der MigrantInnenanteil in einer bestimmten Grundgesamtheit, die Arbeitslosenquote, die Bevölkerungsdichte in einem bestimmten Gebiet, Scheidungsraten, Geburtenziffern und viele andere mehr. Anstatt also lediglich die Daten nach dem Geschlecht auszuweiGender Ratios geben das Verhältnis der Geschlechter(bzw. Geschlechteranteile) zueinander wieder: Variante 1: Werte Männer Werte Frauen Variante 2: Werte Frauen Werte Männer Bei der Berechnung der Verhältniszahlen nach Variante 1 werden die Werte der Männer zu jenen der Frauen in Bezug gesetzt, bei Berechnung nach Variante 2 die Frauenwerte zu den Männerwerten. Die Wahl der jeweiligen Berechnungsart beeinflusst das Ergebnis: Sind die Männerwerte höher als die Frauenwerte, ist das Berechnungsergebnis nach Variante 1 eine höhere Zahl als nach Variante 2 und umgekehrt(siehe Zahlenbeispiel auf der nächsten Seite). Beide Berechnungsarten sind möglich, welche davon sinnvoll ist, hängt von der Fragestellung ab und was ausgesagt bzw. interpretiert werden soll. In der Tabelle auf der nächsten Seite werden diese Verhältniszahlen am Beispiel geschlechtsspezifischer Einkommensunterschiede für ganzjährig vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dargestellt. 18 STATISTIK JOURNAL WIEN Geschlechtsspezifische Einkommensunterschiede von Wiener ArbeitnehmerInnen (Durchschnittliche Bruttobezüge ganzjährig vollzeitbeschäftigter ArbeitnehmerInnen) Berechnungsvariante Variante 1: Frauenwerte als Bezugsgröße Variante 2: Männerwerte als Bezugsgröße Bruttobezüge Frauen Euro 40.972,50 40.972,50 Bruttobezüge Männer Euro 50.235,50 50.235,50 Absoluter Relativer Gender Gap Gender Gap Euro% + 9.263,– 9.263,+ 22,6% – 18,4% Gender Ratio % 1,2 0,8 Datenquelle: Statistik Austria, Lohnsteuerstatistik 2012, Berechnungen MA 23. In oben dargestelltem Beispiel(Tabelle) wird ein Sachverhalt – die Unterschiede zwischen den Einkommen von Frauen und Männern – richtig – aber auf unterschiedliche Weise dargestellt. Das Einkommen ganzjährig vollzeitbeschäftigter Wiener liegt um 9.263,– Euro über dem Einkommen der ganzjährig vollzeitbeschäftigten Wienerinnen(Variante 1) bzw. das Einkommen der Frauen liegt um 9.263,– Euro unter dem Einkommen der Männer(Variante 2). Die beiden Varianten unterscheiden sich beim absoluten Gender Gap also nur durch das Vorzeichen. Der relative Gender Gap beträgt+22,6% nach Variante 1 und –18,4% nach Variante 2. Anders formuliert: Männer verdienen um 22,6% mehr als Frauen, der Einkommensvorteil beträgt also rund 23%. Werden die Einkommen der Männer als Bezugsgröße gewählt, fällt der relative Einkommensunterschied kleiner aus. Nach Variante 2 beträgt der relative Gender Gap, also der Einkommensnachteil der Frauen 18,4%. Dies ist jene Variante, die üblicherweise zur Darstellung des Gender Pay Gap verwendet wird. Ausgedrückt in Gender Ratios beträgt das Einkommen der Männer das 1,2-Fache der Einkommen der Frauen(Variante 1) bzw. beträgt das Einkommen der Frauen ca. acht Zehntel von jenem der Männer(Variante 2). Konstrukte abgebildet werden, wie beispielsweise bei der Darstellung von Gleichstellung zwischen den Geschlechtern. Gleichstellung betrifft unterschiedliche gesellschaftliche Bereiche, daher ist es nicht möglich, dafür einen einzigen„Gleichstellungsindikator“ zu definieren. Dann braucht es zumindest ebenso viele Indikatoren, wie voneinander unabhängige Dimensionen(Teilaspekte). Dabei sollte darauf geachtet werden, dass die Indikatoren nicht voneinander abhängig sind und auf diese Weise ein Aspekt des zu untersuchenden Sachverhalts überbewertet wird. Gleichzeitig sollten alle zu untersuchenden Aspekte auch wirklich abgebildet und genügend Informationen über den zu messenden Sachverhalt bereitgestellt werden. Eine Indikatorenliste sollte jedenfalls überschaubar bleiben, um das Wesentliche nicht aus dem Blick zu verlieren. Je schlechter die ausgewählten Indikatoren den beschriebenen Sachverhalt messen, desto mehr verschiedene Indikatoren sind nötig, um eine vertretbare Messgenauigkeit zu erhalten. Hier gilt es ein gutes Mittelmaß zwischen einem Übermaß an Einzelinformationen und der nicht adäquaten Vereinfachung zu finden. Eine weitere Verdichtung von Informationen kann durch die Aggregation von Einzelindikatoren erfolgen, also durch das Zusammenrechnen mehrerer Indikatoren zu einem Index. Der Unterschied entsteht durch die Berechnungsweisen und zeigt wie wichtig es ist, als Produzentin bzw. Produzent von genderspezifischen Verhältniszahlen die gewählte Form der Berechnung zu erläutern bzw. als Nutzerin oder Nutzer dieser Form von Statistiken die Art der Berechnung zu hinterfragen. Ein genderspezifischer Index ist also eine Maßzahl, die aus mehreren genderspezifischen Statistiken und Indikatoren zusammengesetzt wird. Die Aggregation soll es ermöglichen, die teilweise gegenläufige Entwicklung der Geschlechterverhältnisse in verschiedenen Bereichen insgesamt zu bewerten. SCHRITT 3: ZUSAMMENFÜHRENDE BETRACHTUNG VERSCHIEDENER INHALTLICHER BEREICHE Index Um eine Gesamteinschätzung über einen komplexen Sachverhalt zur ermöglichen ist es sinnvoll, eine Auswahl von Schlüssel- bzw. Leitindikatoren zu einem „Indikatorenset“ zu treffen, die repräsentativ für bestimmte Entwicklungen ist. Mehrere Indikatoren werden immer dann benötigt, wenn mehrdimensionale Ein Index ist eine Maßzahl, die auf Basis mehrerer (gewichteter) Indikatoren zu einem einzigen Wert zusammengesetzt wurde. Indizes verdichten Informationen zu einer einzigen Zahl, deren Konstruktion und Gewichtung aber nicht mehr erkennbar sind. GENDERSENSIBLE STATISTIK: LEBENSREALITÄTEN SICHTBAR MACHEN 19 Um die arbeitsmarktpolitische Situation aus dem Blickwinkel des Gender Mainstreaming einschätzen und beobachten zu können, steht für Wien der so genannte„Gender Mainstreaming-Syndex“(„GM-Syndex“) zur Verfügung. Der GM-Syndex wird alle zwei Jahre berechnet und misst die Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Er setzt sich aus 20 Basisindikatoren zusammen, die jeweils gleich gewichtet sind und wiederum thematisch zu vier Gruppenindikatoren zusammengefasst werden: Erwerbschancen, Beschäftigung, Arbeitslosigkeit und Einkommen. Die Indikatoren nehmen einen Wert zwischen 0 und 100 an, je größer der Wert, desto größer sind die geschlechtsspezifischen Unterschiede im Beobachtungszeitraum. 7 Das Problem dabei ist: Nicht immer ist es positiv, wenn die Unterschiede kleiner werden, z. B. wenn auch Frauen häufiger arbeitslos sind oder Männer häufiger arm sind, dient das zwar der Gleichheit zwischen den Geschlechtern, ist aber trotzdem nicht wünschenswert. Zudem sind zugrundeliegende Entwicklungen(ohne zusätzliche Erläuterungen) nicht erkennbar. Untenstehende Grafik zeigt die Entwicklung des GMSyndex für Wien seit dem Jahr 2002. 8 Seit dem Jahr 2002 hat sich der Unterschied zwischen Frauen und Männern am Arbeitsmarkt leicht verringert. Der GMSyndex hat in diesem Zeitraum 2,3 Indexpunkte verloren und beträgt im Jahr 2011 25,8 Punkte. Allerdings ist 7 vgl. Holl, Jürgen/Prammer-Waldhör, Michaela/Städtner, Karin/Wagner-Pinter, Michael(2012b). 8 vgl. Holl, Jürgen/Prammer-Waldhör, Michaela/Städtner, Karin/Wagner-Pinter, Michael(2012a). diese Angleichung nicht bei allen untersuchten Indikatoren erfolgt. So sind die Werte für die beiden Indikatoren„Beschäftigung“ und„Arbeitslosigkeit“ gestiegen und deuten in diesen Bereichen auf größer werdende Unterschiede zwischen den Geschlechtern hin. Den größten Beitrag zur Ungleichheit zwischen Frauen und Männern liefert nach wie vor das Einkommen. Zum einen ist dies deshalb der Fall, weil 7 der 20 Basisindikatoren diesem Gruppenindikator zugeordnet sind und dieser daher mit 35% sehr stark gewichtet ist. Zum anderen lässt sich daraus auch ablesen, dass sich die Einkommensschere zwischen den beiden Geschlechtern in den vergangenen Jahren nur sehr langsam schließt. Indizes haben den Vorteil, dass sie in komprimierter Form Aussagen über komplexe Fragestellungen zulassen und vergleichbar machen. Gleichzeitig ist damit der Verlust der zugrundeliegenden Einzelinformationen verbunden, häufig ist auch die Konstruktion und Gewichtung nicht mehr nachvollziehbar, sodass sich viele Möglichkeiten des Irrtums und der Missinterpretation ergeben. Dabei spielen auch inhaltlichkonzeptionelle Überlegungen eine wichtige Rolle, da sich Anschauungen und Zielsetzungen auf die Indexkonstruktion und somit auf die gemessenen Ergebnisse auswirken. Die jeweiligen Ergebnisse sind also nicht als„neutral“ oder als eine„in Zahlen gegossenen Realität“ zu verstehen. Sie hängen vielmehr von den Sichtweisen jener Institutionen und Personen ab, die den Index konstruiert haben. 9 9 vgl. Leitner, Andrea/Walenta, Christa(2007): 15. Gender Mainstreaming Syndex- Gesamtbewertung für Wien Entwicklung des Unterschiedes zwischen Frauen und Männern am Arbeitsmarkt in einer Gesamtbetrachtung 28,1 27,0 27,7 28,1 28,3 28,1 27,0 27,2 25,7 25,8 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 Erwerbschancen Beschäftigung Arbeitslosigkeit Erwerbseinkommen Gesamtbewertung Anmerkung: Je größer der Indikatorwert, desto größer ist der Unterschied zwischen Frauen und Männern hinsichtlich ihrer Positionierung am Arbeitsmarkt in einer Gesamtbewertung. Quelle: Synthesis Forschung. 2010 2011 20 STATISTIK JOURNAL WIEN Diese bestimmen, welche Indikatoren und Maßzahlen in den jeweiligen Index einfließen und welche Bedeutung den verschiedenen Themenbereichen dabei eingeräumt wird. Unterschiedliche inhaltliche Konzepte bewirken, dass ein bestimmtes Phänomen auf unterschiedliche Weise gemessen wird. So gibt es eine Reihe an Indizes, die die Gleichstellung zwischen den Geschlechtern messen und zu teils sehr unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Die Vergleichbarkeit wird zusätzlich dadurch erschwert, dass die Indikatoren laufend an sich ändernde Verhältnisse anzupassen sind. Flexibilität und die Verbesserung der Güte des Index sprechen daher für den Austausch oder Wegfall von Einzelindikatoren bei der Zusammensetzung des Index. Die Beibehaltung der bisherigen Berechnungsweise und Zusammensetzung entspricht hingegen der Forderung nach Vergleichbarkeit über die Jahre hinweg und – wie bei der Bildung von Indikatoren öfters der Fall – widersprechen diese Forderungen einander. Eine allgemein gültige Regel für die Erstellung von Indikatoren gibt es nicht, weshalb die Entwicklung von geeigneten Maßzahlen und Messverfahren„erstmals ein kreativer Akt“ 10 bzw.„zuallererst eine Frage der sozialwissenschaftlichen Phantasie“ 11 sein kann. Nach einer UN-Definition 12 muss ein Indikator „SMART“(Specific, Measurable, Attainable, Relevant, Trackable) sein, d. h. ein guter Indikator ist: Methodische Fragen beziehen sich darauf, ob die Messinstrumente geeignet sind um bestimmte Sachverhalte zu messen, und ob die Messung den Anforderungen der Exaktheit, Objektivität und der Wiederholbarkeit entspricht. In weiterer Folge muss überlegt werden, in welcher Form die Messergebnisse geeignet aufbereitet werden können. Inhaltliche Fragen beschäftigen sich damit, inwieweit die Informationen unverzerrt abgebildet werden können und ob die unterschiedlichen Lebenslagen und Geschlechterrollen von Frauen und Männern wirklichkeitsgetreu abgebildet werden. Wichtig ist auch die Überprüfung, ob zeitliche und regionale Vergleiche möglich sind und ob die Indikatoren den Bedürfnissen der Nutzerinnen und Nutzer entsprechen. Die Erfüllung dieser vielfältigen Anforderungen ist nur durch eine Zusammenarbeit von Fachexpertinnen und -experten sowie einer Kooperation von Datenproduzentinnen und-produzenten mit den Datennutzerinnen und-nutzern erreichbar. ENTWICKLUNG UND PERSPEKTIVEN GENDERSENSIBLER STATISTIK MEILENSTEINE • S pecific – Spezifisch: … trifft eindeutig einen bestimmten Sachverhalt • M easurable – Messbar: … ist in der Lage Veränderungen zu messen • A ttainable – Erreichbar: … gibt erreichbare Ziele und eine klare Richtung vor • R elevant – Relevant: … ist relevant für die anstehende Fragestellung • T rackable – Auffindbar: … ist für die Beteiligten verfügbar und nachvollziehbar. Qualitätsaspekte von Indikatoren können also in vielerlei Hinsicht betrachtet werden. Das beginnt bei den Daten, setzt sich über methodische Fragen fort und reicht bis hin zu inhaltlichen Fragen. Was die Daten betrifft stellt sich zunächst die Frage, welche Themenbereiche relevant sind. Anschließend geht es darum zu ermitteln, ob die Daten dafür vorhanden sind und inwieweit diese den inhaltlichen und methodischen Anforderungen entsprechen. Für die Entwicklung von gendersensibler Statistik nehmen internationale Organisationen und einzelne Staaten eine wichtige Vorreiter-Rolle ein. Die UN-Weltfrauenkonferenzen befassten sich von Beginn an mit dem Thema, bereits bei der 1. Weltfrauenkonferenz in Mexiko im Jahr 1975 wurde der Bedarf an geschlechtsspezifischen Daten formuliert. 13 Statistics Sweden beschäftigte nicht nur seit 1983 als erstes nationales statistisches Amt Fachpersonal für Genderstatistik, sondern publizierte 1996 das oft zitierte Handbuch„Engendering Statistics. A Tool for Change“ 14 und leistete damit auch international einen wichtigen Beitrag zur praktischen Weiterentwicklung von Genderstatistik. 15 In den 1990er-Jahren bekam das Thema Genderstatistik durch die 4. UN-Weltfrauenkonferenz in Peking neue Aufmerksamkeit. Dabei wurde die„Erstellung und Veröffentlichung von nach Geschlecht aufgeschlüsselten Daten und Informationen für Planungs- und Bewer10 Meyer, Wolfgang(2004): 24. 11 Zapf, Wolfgang(1977) zit. in Meyer, Wolfgang(2004): 24. 12 vgl. United Nations Development Programme(2002): 11ff. 13 vgl. Pölsler, Gerlinde(2007): 9; Mecatti, Fulvia/Crippa, Franca/Farina, Patrizia(2012): 453. 14 Hedman, Brigitta/Perucci, Francesca/Sundström, Pehr(2006). 15 vgl. Pölsler, Gerlinde(2007): 10. GENDERSENSIBLE STATISTIK: LEBENSREALITÄTEN SICHTBAR MACHEN 21 tungszwecke“ als eigenes, strategisches Ziel verankert. Regionale, nationale und internationale Organisationen wurden dazu aufgefordert geschlechterdifferenzierte Daten zu erstellen und bestehende statistische Systeme zu adaptieren, um die Situation von Frauen und Männern beobachten und geschlechtsspezifische Unterschiede laufend analysieren zu können. 16 Die Zielsetzungen der Aktionsplattform von Peking setzten wichtige Impulse für internationale Organisationen, den Bedarf an gendersensiblen Statistiken als Teil von Gleichstellungsprogrammen zu formulieren. Die Messung von Gleichstellung ist ebenfalls vor allem auf internationaler Ebene vorangetrieben worden. Fulvia Mecatti, Franca Crippa und Patrizia Farina(University of Milan-Bicocca, ABCD – Inter-departmental Centre for Gender Issues Study) analysieren die wichtigsten bestehenden Gender-Indizes supranationaler bzw. internationaler Organisationen gereiht nach ihrer historischen Entwicklung und stellen dabei eine merkbare Entwicklung sowohl in inhaltlicher als auch methodischer Hinsicht fest. 17 Die bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen im Jahr 2000 verabschiedete„Millenium Declaration“ trug ebenfalls zur Entwicklung von Maßnahmen zur Erreichung von Geschlechtergleichstellung, aber auch zur Weiterentwicklung von gendersensibler Statistik bei. Eines der acht dort beschlossenen Milleniums-Entwicklungsziele(„Millenium Development Goals“) strebt explizit die Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern und die Stärkung der Rolle der Frau in der Gesellschaft an. Die Zielerreichung wird durch klar definierte, statistische Indikatoren überprüft, wobei sich auch bei anderen Entwicklungszielen (insbesondere bei den Themen Bildung und Gesundheitsversorgung) Genderindikatoren befinden. 18 AKTUELLE ENTWICKLUNGEN Die Weiterentwicklung gendersensibler Statistik erfordert einen kontinuierlichen Prozess laufender Integration von neuen Entwicklungen und Erkenntnissen. Die Vereinten Nationen spielen eine aktive Rolle, um diesen Prozess voranzutreiben. 2011 fasste die statistische Kommission der Vereinten Nationen den Entschluss, die führende Rolle ihrer statistischen Abteilung bei der Entwicklung von Genderstatistiken 16 vgl. United Nations(o.J.). 17 Für einen Überblick zur Entwicklung wichtiger internationaler Gender-Indizes siehe Mecatti, Fulvia/Crippa, Franca/Farina, Patrizia(2012): 455ff. 18 vgl. Mecatti, Fulvia/Crippa, Franca/Farina, Patrizia(2012): 453f, United Nations Economic Commission for Europe(UNECE) und World Bank Institute(2010): 7f. auszubauen. Als Ziele wurden genannt: bestehende Genderstatistiken überprüfen und daraus abgeleitet ein Minimalset an Genderindikatoren definieren, Handbücher und methodische Leitlinien erstellen und globale Aktivitäten zu diesem Thema koordinieren. 19 Die Überprüfung der Genderstatistiken verschiedener Staaten mittels Befragung brachte eine grundlegende Erkenntnis: Obwohl 68% der 126 antwortenden Staaten in ihren statistischen Stellen Genderstatistiken erstellen, weisen nur 15% der Staaten spezifische gesetzliche Bestimmungen dazu auf. Der Rest verweist wie Österreich auf Bestimmungen aus dem Gleichbehandlungsrecht oder Gesetze, die Statistik im Allgemeinen regeln. In traditionellen Bereichen wie z. B. Sterblichkeit, Bildung und Arbeitsmarkt werden in den meisten Fällen regelmäßige Genderstatistiken veröffentlicht, in anderen Bereichen wie z. B. Medien und Gewalt ist das deutlich seltener der Fall. Um die bestehenden Anstrengungen im Bereich Genderstatistik zu beschleunigen wurde von der statistischen Abteilung der Vereinten Nationen und UN-Women(United Nations Entity for Gender Equality and the Empowerment of Women) die„Evidence and Data for Gender Equality Initiative“ ins Leben gerufen. Diese ist für den Zeitraum zwischen 2012 bis 2015 angelegt und zielt darauf ab, eine Meta-Datenbank mit Indikatoren zu Bildung, Beschäftigung und Gesundheit zu erstellen, internationale Definitionen und Methoden zur Messung von Geschlechteranteilen bei Unternehmensleitungen und Vermögensbesitz zu erarbeiten und diese in ausgewählten Staaten zu testen. 20 Ein neues Genderstatistik-Handbuch wurde im Frühjahr 2012 präsentiert. 21 Das Online-Manual zeigt vor, wie eine Gender-Perspektive in verschiedene statistische Bereiche integriert, analysiert und präsentiert werden kann und richtet sich in erster Linie an Statistikerinnen und Statistiker in weniger entwickelten Ländern. 2013 wurde ein Leitfaden zur Erstellung von Statistiken zu Gewalt gegen Frauen veröffentlicht. 22 Auf EU-Ebene wurde im Rahmen des Aktionsplans, mit dem die Gleichstellungs-Strategie der EU-Kommission umgesetzt werden soll 23 , ein neuer Index zur Messung von Geschlechtergerechtigkeit geschaffen: der Gender 19 United Nations Economic and Social Council(2013): 2. 20 United Nations Economic and Social Council(2013): 2ff. 21 United Nations Statistics Division(o.J.). 22 United Nations Department of Economic and Social Affairs(2013). 23 COM(2010) 0491: Strategy for Equality between Women and Men“ bzw. SEC (2010) 1080: Actions to implement the Strategy for Equality between Women and Men 2010–2015. 22 STATISTIK JOURNAL WIEN Equality Index 24 . Er wurde vom europäischen Gleichstellungs-Institut(EIGE –European Institute for Gender 24 vgl. European Institute for Gender Equality- EIGE(2013). Equality) erarbeitet und im Juni 2013 präsentiert. Er soll Geschlechtergerechtigkeit auf EU-Ebene besser messbar machen und die Erfolge der Mitgliedsstaaten bei der Umsetzung ihrer Gleichstellungsprogramme zeigen. Exkurs: Ein neuer Index – Der Gender Equality Index Der Gender Equality Index misst die Gleichstellung von Frauen und Männern in der EU. Zielsetzung ist statistische Gleichheit, die in den Daten festgestellten Geschlechterunterschiede(„Gender Gaps“) werden daher in beide Richtungen, also unabhängig zu wessen(Un)Gunsten diese bestehen, berücksichtigt. Methodisch wird jedoch auch um den absoluten Wert korrigiert, um sicherzustellen, dass ein guter IndexWert sowohl einen niedrigen Gender Gap, als auch ein hohes Entwicklungsniveau abbildet. Ein guter IndexWert bei Lebenserwartung würde also bedeuten, dass die Lebenserwartung insgesamt hoch und der Unterschied zwischen Frauen und Männern gering ist. Die inhaltliche Breite, die der Index abbildet, ist bemerkenswert(siehe Abbildung). Verglichen mit bestehenden Gender-Indizes, wie dem Gender Development Index(3 Dimensionen und 3 Indikatoren) oder dem Global Gender Gap Index(4 Dimensionen und 14 Indikatoren), ist der Gender Equality Index mit 6 Dimensionen, 27 Indikatoren und 2 zusätzlichen Satelliten-Dimensionen deutlich umfassender. Bei der inhaltlichen Abgrenzung wird darauf Wert gelegt, dass es sich um Outcome-Variablen handelt, die einen gegebenen Status messen, und dass der Fokus bei Individuen auf Institutionen oder Staaten liegt. Bei einigen Indikatoren stellen sich methodische Probleme, allen voran bei jenen, die(mangels Alternativen) mit haushaltsbezogenen Einkommensdaten operieren und daher die individuelle Situation von Frauen und Männern schlecht abbilden können. Die zwei Satelliten-Dimensionen Gewalt und intersektionelle Ungleichheit(Mehrfachdiskriminierung) wurden in die inhaltliche Konzeption – aber nicht als Indikatoren bei der Indexbildung – herangezogen, da diese sich nur auf bestimmte Gruppen und nicht auf die Gesamtbevölkerung beziehen. Gewalt Arbeit (0,19) Intersektionelle Ungleichheit Gesundheit (0,10) Gender Equality Index (Gewichtung) Macht (0,19) Geld (0,15) Wissen (0,22) Zeit (0,15) Quelle: European Institut for Gender Equality – EIGE(2013). GENDERSENSIBLE STATISTIK: LEBENSREALITÄTEN SICHTBAR MACHEN 23 FAZIT Bis dato konnten einige wesentliche Fortschritte bei der Entwicklung gendersensibler Statistik erzielt werden. Statistische Ämter auf nationaler und regionaler Ebene berücksichtigen in zunehmendem Ausmaß die Kategorie Geschlecht in ihren Statistiken, und auch in der EU-Politik und anderen internationalen Organisationen wird die Entwicklung von gendersensiblen Statistiken vorangetrieben. So gilt es gegenwärtig bereits als common sense, dass es bei der Erstellung gendersensibler Statistiken nicht nur um das getrennte Ausweisen von Frauen und Männern geht, sondern auch um die Auswahl geeigneter Themenbereiche und um den jeweiligen Zielsetzungen entsprechende Indikatoren. Der Blick auf die Datenverfügbarkeit lässt die Fortschritte hingegen nur als relativ moderat erscheinen. Nach wie vor gibt es eine Reihe von Datenlücken und Qualitätsmängeln festzustellen. In manchen Bereichen fehlen Erhebungen überhaupt, in anderen mangelt es an Möglichkeiten zur Verknüpfung oder Aufschlüsselung der Daten nach Geschlecht, Region und anderen relevanten Merkmalen. Gender Themen werden derzeit noch zu wenig als Querschnittsmaterie berücksichtigt und immer noch gibt es„geschlechterblinde“ Bereiche, die über traditionelle Aspekte der Teilhabe von Frauen und Männern in der Gesellschaft hinausgehen und deren Geschlechterbezug daher nicht unmittelbar erkennbar ist. Dies ist beispielweise bei der Umweltpolitik der Fall, wo Klima und Gender meist als völlig unabhängige Themen dargestellt werden und Ressourcenverteilung und-verbrauch nicht nach dem Geschlecht erfasst bzw. ausgewiesen werden. Häufig führt die mangelhafte Datenlage dazu, dass der Fokus auf Erwerbstätigkeit bzw. auf die Phase der„aktiven Erwerbstätigkeit“ gelegt wird und unterschiedliche Lebenslagen und-zusammenhänge nicht berücksichtigt werden. 25 […], vorhandene Daten vielfältiger zu analysieren und nach weiteren Datenquellen zu suchen, eine aussagekräftige, konstante Datengrundlage zu schaffen, die auch kleinräumige Analysen für kleinere Bevölkerungsgruppen ermöglicht – und das im Zeitverlauf.“ 26 Dies gilt unverändert, wenn die Produktion von gendersensibler Statistik als kontinuierlichen Prozess verstanden wird. Dennoch – selbst inhaltliche und methodische Perfektion bei einem perfekten Datenangebot nützt nichts ohne das nötige politische Gewicht. Die Zahlen müssen relevant sein, um Wirkung zu entfalten. Während Veränderungen bei Schuldenstand oder Wirtschaftswachstum ganze Staatsapparate in Bewegung setzen, werden Gender Pay Gap oder die Unterrepräsentation von Frauen in Politik und Wirtschaft selten als ernsthaftes Problem wahrgenommen. Aufgabe der politischen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit Genderstatistik ist daher, die präsentierten Zahlen relevant zu machen. Gelingt das, kann Genderstatistik viele Möglichkeiten eröffnen. Angela Hariche und Karen Barnes Robinson bringen das in einem Blogbeitrag zum„Better Life Index“ der OECD anhand von Frauenquoten in der Wirtschaft auf den Punkt:„[I]f a country’s success was based on it, you can bet leaders would work a little harder to appoint women in top positions. If this indicator was important and recognised, imagine what might change.“ 27 26 Hametner, Kristina(2005): 6. 27 Hariche, Angela/Barnes Robinson, Karen(2013). Eine Herausforderung zur Weiterentwicklung gendersensibler Statistik besteht also weiterhin darin, ein deutlicheres Bild über die verschiedenen Lebenswelten von Frauen und Männern zu geben, aussagekräftige Indikatoren zu finden und die Inhalte hinter den Zahlen richtig zu erfassen. Dabei sei es, wie Kristina Hametner bereits im letzten Schwerpunktheft der Stadt Wien zu gendersensibler Statistik im Jahr 2005 formulierte, wichtig, die„richtigen Fragen zu stellen 25 vgl. Pölsler, Gerlinde(2007): 10f, Leitner, Andrea/Walenta, Christa(2007): 21ff, Me, Angela(2005): 3f. 24 STATISTIK JOURNAL WIEN LITERATUR European Institute for Gender Equality- EIGE(2013):„Gender Equality Index Report”, http://eige.europa.eu/ content/document/gender-equality-index-report[11.03.2014]. EUROSTAT(2011): Verhaltenskodex für europäische Statistiken, http://epp.eurostat.ec.europa.eu/cache/ ITY_OFFPUB/KS-32-11-955/DE/KS-32-11-955-DE.PDF[25.03.2014]. 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Geschlechtersensible Statistik und Gleichstellungsmonitoring als Instrumente der Wiener Gleichstellungspolitik Stephanie Kiessling 2010 wurde im rot-grünen Regierungsübereinkommen die Erstellung eines Wiener Gleichstellungsmonitors beschlossen, der als Grundlage für die stetige Weiterentwicklung von Frauenfördermaßnahmen in Wien dienen soll. 2014 wird der erste Wiener Gleichstellungsmonitor der Öffentlichkeit präsentiert. Im folgenden Artikel wird in einem ersten Schritt das grundlegende Verhältnis von Gleichstellungspolitik und(geschlechtersensibler) Statistik skizziert, sowie die notwendige wie sinnvolle Erweiterung in Richtung (Gleichstellungs-)Monitoring dargestellt. Auf Basis bestehender nationaler und internationaler MonitoringSysteme wird der Frage der Indikatorenentwicklung und deren mitunter problematischen Bezüge zu expliziten Gleichstellungszielen nachgegangen. Den Abschluss bildet die Erörterung der zentralen konzeptionellen Überlegungen und Herangehensweisen bei der Erstellung des ersten Wiener Gleichstellungsmonitors. lungsprozess im Magistrat in einer quasi konzertierten Aktion als Querschnittsmaterie von mehreren Stellen mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen parallel betrieben: 2005 wurde beispielsweise„Gender Budgeting“ in der Geschäftseinteilung des Magistrats verankert(der MA 5 – Finanzwirtschaft, Haushaltswesen und Statistik 2 zugewiesen) und seit 2006 wird eine entsprechende Genderanalyse im Budgetvoranschlag wie auch im Rechnungsabschluss ausgewiesen. Im selben Jahr wurde in der Magistratsdirektion die Projektstelle Gender Mainstreaming eingerichtet(seit 2011 Dezernat„Gender Mainstreaming“). 2010 wurde das seit 1. Mai 1996 wirksame Wiener Gleichbehandlungsgesetz(Gesetz über die Gleichbehandlung von Frauen und Männern und die Förderung von Frauen als Bedienstete der Gemeinde Wien) reformiert und 2011 die Dienststelle der Gleichbehandlungsbeauftragten eingerichtet die u. a. für das Wiener Gleichstellungsprogramm und seit 2012 für die Erstellung des„Berichts zur Einkommenstransparenz“ zuständig ist. ZUM VERHÄLTNIS VON GLEICHSTELLUNGSPOLITIK UND STATISTIK „Gleichstellung ist mehr als Gleichbehandlung und mehr als Gleichberechtigung. Gleichstellung ist die auf gleichen Rechten und gleichen Ressourcen basierende Partizipation beider Geschlechter in allen Bereichen der Gesellschaft. Die wesentlichen Strategien, um dieses Ziel zu erreichen, sind Frauenförderung, Gender Mainstreaming und Gender Budgeting.“ 1 Allen Programmen und Einrichtungen gemeinsam ist, dass sie für ihre Arbeit eine solide Datenbasis brauchen, um zu begründen, wenn Maßnahmen und Angebote der Stadt im Sinne der Geschlechtergerechtigkeit nachzujustieren sind, oder um einen allfälligen Bedarf überhaupt erst sichtbar zu machen. „Chancengleichheit darf nicht nur ein Schlagwort sein, sondern muss sich konkretisieren lassen mit Indikatoren, Zahlen und Zielen. Eine nachhaltige Gleichstellungspolitik ist auf diese Informationen angewiesen.“ 3 Die Stadt Wien bekennt sich als moderne Arbeitgeberin wie auch als kundinnen- und kundenorientiertes Dienstleistungsunternehmen zur umfassenden Gleichstellungspolitik in allen Bereichen. Betont wird dabei, dass Gleichstellung keine so genannte„Frauenfrage“ sei, sondern eine Frage der Menschenrechte ist. Erste Initiativen hierfür gehen auf den Beginn der 1990er Jahre, u.a. mit Gründung der Frauenabteilung der Stadt Wien im Jahr 1991, zurück(siehe Exkurs Gleichstellung in der Stadt Wien). Seit 2005 wird der GleichstelWichtig erscheint hier die Präzisierung von„Chancengleichheit“ auf„gleiche Verwirklichungschancen“, d. h. von den Bedingungen, die gegeben sein müssen, damit Individuen nicht nur formale, sondern auch tatsächliche Wahlmöglichkeiten haben. Dass diese„gleichen Verwirklichungschancen“ auch in Gesellschaften, die rechtlich die Gleichstellung von Frauen und Männern garantieren, nicht in allen Lebensbereichen gegeben sind, ist nach wie vor Anlass für viele emotionale und häufig unsachlich geführte Debatten, die 1 Feigl, Susanne(2012): 8. 2 Seit 10/2009: MA 5 – Finanzwesen. 3 Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend(2010): 4. GENDERSENSIBLE STATISTIK: LEBENSREALITÄTEN SICHTBAR MACHEN 27 eine Ungleichbehandlung aufgrund von Geschlecht bzw. Gendergaps grundsätzlich in Frage stellen. 4 So argumentiert auch Frauen- und Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger in der Einleitung zum„Integrations- und Diversitätsmonitor der Stadt Wien 2009-2011“, dass besonders emotional geführte Themenfelder, wie beispielsweise Fragen der Migration und Integration, einer„Ent-Emotionalisierung“ bzw. einer„Versachlichung“ der Debatte bedürfen.„‚Versachlichung‘ heißt in dem Kontext, die Datengrundlagen – wissenschaftlichen Qualitätskriterien entsprechend – so aufzubereiten und zu analysieren, dass die gesellschaftliche Realität abgebildet werden kann.“ 5 Eine Argumentation, die auch auf die so genannte„GenderDebatte“ übertragbar ist. Jede Auswahl von Daten und Indikatoren lenkt aber die Aufmerksamkeit und das Bewusstsein auf bestimmte Themen und spiegelt in diesem Sinne auch die spezifische Vorstellung von(integrations- oder gleichstellungs-)politisch relevanten Handlungsfeldern wider: 4 Zu aktuellen antifeministischen Debatten siehe: http://www.boell.de/de/ content/die-antifeministische-maennerrechtsbewegung[23.05.2014]. 5 Integrations- und Diversitätsmonitor(2011): 6. Exkurs: Gleichstellungsberichte und-programme in der Stadt Wien Die Stadt Wien kann auf eine lange Tradition in der Erstellung von Frauen- bzw. gleichstellungsspezifischen Berichten und Programmen zurückgreifen. Im Juni 1991 legte die erste Frauenstadträtin Christine Schirmer dem Wiener Gemeinderat den„1. Wiener Frauenbericht 1990“ vor, um die Notwendigkeit der Gründung einer eigenen Frauenabteilung zu untermauern. Deren Gründung wurde dann im Dezember 1991 vom Gemeinderat beschlossen. Ab 1993 erschienen regelmäßig der„Situationsbericht Frauen in Wien“(basierend auf Sekundärdatenanalysen) und von 1999–2010 das „Wiener Frauenbarometer“(Umfragen basiert), deren Erscheinen 2013/14 von der Erstellung des„Wiener Gleichstellungsmonitors“ unterbrochen wurde. Seit 2001 erscheint jährlich der„Frauenkulturbericht der Stadt Wien“, der die Kunst- und Kulturförderungen der Stadt Wien genderspezifisch auswertet. Auf Wiener Landesebene wurde im Juli 2005 Gender Budgeting in der Geschäftseinteilung für den Magistrat der Stadt Wien verankert und der Magistratsabteilung 5 – Finanzwesen zugewiesen. Die vollständige Integration von Gender Budgeting in den regulären Budgetkreislauf erfolgte mit dem im Herbst des Jahres 2005 fertig gestellten Voranschlag für das Jahr 2006. Seither werden alle Budgetansätze der Stadt Wien sowohl im Budgetvoranschlag als auch im entsprechenden Rechnungsabschluss hinsichtlich ihrer Gleichstellungsrelevanz analysiert und in einem eigenen Kapitel erörtert. Mit dem Wiener Gleichbehandlungsgesetz vom 1. Mai 1996 wurde die Frage der magistratsinternen Gleichstellung in den sogenannten„Gleichstellungsberichten“ sowie den„Frauenförderplänen“ dargestellt. Seit 2011 werden der„Gleichbehandlungsbericht“ sowie der„Bericht zum Gleichstellungsprogramm“(vormals „Frauenförderungspläne“) vom Team der Wiener Gleichbehandlungsbeauftragten erstellt. Das Gleichstellungsprogramm, das die bisherigen Frauenförderungspläne ablöst, ist ein gesetzlich verankertes Instrument mit klaren Zielen und Vorgaben zur Beseitigung von Benachteiligung von Frauen und sorgt für einen Ausgleich von bestehender struktureller und organisatorischer Ungleichbehandlung. Gemäß§ 38 W-GBG werden die Zielvorgaben des Gleichstellungsprogramms vom Bürgermeister für den Zeitraum von drei Jahren festgelegt. Seit 2012 werden zudem in jährlichen„Berichten zur Einkommenstransparenz“ die Gehälter der Bediensteten der Stadt Wien anonymisiert und nach Berufsfeldern und Geschlecht aufgeschlüsselt. Neben diesem umfangreichen magistratsinternen Berichtswesen zur Situation der Gleichstellung zwischen den Geschlechtern oder in Bezug auf die Gleichstellung von Frauen, existieren weitere Aktionspläne und Programme, die auf einer stärker maßnahmenorientierten Ebene das Thema Gleichstellung vorantreiben wollen, wie z. B. der„Gleichstellungsaktionsplan“ oder das „Wiener Programm für Frauengesundheit“(seit 1998). 28 STATISTIK JOURNAL WIEN „Bei der Arbeit mit Statistiken ist grundsätzlich zu berücksichtigen, dass Statistiken nicht als ‚in Zahlen gegossene Realität‘ zu verstehen sind, sondern selbst Wirklichkeit konstruieren. Als ein Mittel zur Reduktion der Komplexität sind sie immer durch Auswahl und Hervorhebungen gekennzeichnet, die ihre eigenen Realitäten schaffen. Gleichsam wie Landkarten benennen sie markante Punkte gesellschaftlicher Verhältnisse. Welche Aspekte hervorgestrichen werden, was weggelassen wird, welche Indikatoren und Maßzahlen verwendet werden, bestimmt das Abbild der Wirklichkeit. Sie sind weniger ‚hard facts‘, als sie gemeinhin gehandhabt werden, sondern bilden auch die dahinter liegenden Vorstellungen und Zielsetzungen der Personen oder Systeme ab, die sie entwickelt haben.“ 6 Trotz dieser ambivalenten Spannung gilt auch bzw. insbesondere für das Themenfeld Gleichstellung die Notwendigkeit von Daten und Fakten zur Versachlichung der Debatte(n), um auf Basis von Indikatoren, Zahlen und Zielen Geschlechtergerechtigkeit zu erreichen und gleiche Verwirklichungschancen realisieren zu können. Die amtliche Statistik – als zentrale Datenquelle für die benötigten Informationen – wird gemeinhin als die Wissenschaft vom Regierungsstaat definiert, der die Bevölkerung mit Hilfe der Statistik und der Wahrscheinlichkeit regieren will – so formulierte es auch der Wiener Gemeinderat 1862, als er das„statistische Bureau der Stadt Wien“ errichten ließ. Wenn die moderne Statistik aus dem Wunsch nach einem geeigneten Instrument zur Bevölkerungslenkung entstanden ist, zum Zwecke eines„guten Regierens“, wie es Michel Foucault 1978 beschreibt, so muss dies aus frauenpolitischer Perspektive um die Forderung nach einem„(geschlechter) gerechteren Regieren“ erweitert werden. Daten erheben, sammeln und auswerten soll weder Selbstzweck des statistischen Auftrages, noch – und dies vor allem in Bezug auf Gleichstellungsfragen – ein beliebiges Unternehmen sein. Zentral ist in unserem Zusammenhang vor allem die Frage, mit welchen konkreten Zielsetzungen Daten erhoben und ausgewertet werden. Die AutorInnen des Leitartikels, Angela Wroblewski, Andrea Leitner und Peter Steiner vom Institut für Höhere Studien, versuchten bereits damals mit dem Mythos aufzuräumen, geschlechtersensible Statistik sei das simple Differenzieren statistischer Informationen bzw. von Daten nach Geschlecht(„sex counting“ bzw. geschlechtersegregierte Daten). Vielmehr, so betonten sie, ging es auch um das Erfassen und Differenzieren nach weiteren, für das Geschlechterverhältnis relevanten Merkmale. Im Zentrum ihrer Argumentation steht der Prozesscharakter bei der Entwicklung von sinnvollen statistischen Datengrundlagen, die sowohl die Involvierung unterschiedlicher Akteurinnen und Akteure sowie grundlegende Kenntnisse des Geschlechterverhältnisses bedürfen, um in einem zweiten Schritt entsprechende Datenlücken festzustellen und zu erschließen. „Es geht eben nicht nur darum, bei vorhandenen Datengrundlagen Frauen und Männer getrennt auszuweisen, sondern darüber hinaus um die Veränderung des gesamten Prozesses der Datengewinnung und-aufbereitung. Zentrales Charakteristikum dieses Veränderungsprozesses ist, dass sowohl die AnwenderInnen als auch die ProduzentInnen dieser Statistiken einbezogen werden. Die Kooperation zwischen AnwenderInnen und ProduzentInnen von Daten sollte von Beginn an erfolgen, da die AnwenderInnen(ForscherInnen bzw. politische AkteurInnen) auf Basis des konkreten Forschungsinteresses bzw. der vorliegenden Problemstellung ihren Datenbedarf definieren. In vielen Fällen ist es für die Analyse hilfreich oder auch notwendig, Daten aus unterschiedlichen Quellen zu bearbeiten bzw. zusammenzuführen.“ 7 Geschlechtersensible Statistik bedeutet nicht nur die geschlechterdifferenzierte Erhebung und Auswertung von Daten, sondern auch eine kritisch-analytische Befragung zum spezifischen Entstehungskontext und zur Aussagekraft als solche: Statistische Daten für sich alleine haben noch keine spezifische Aussagekraft, erst im Zusammenhang mit dem gesellschaftlichen Kontext ergeben sie einen interpretierbaren Sinn. GESCHLECHTERSENSIBLE STATISTIK ALS BASIS FÜR EIN GLEICHSTELLUNGSMONITORING 2005 widmete die damalige MA 5 – Referat Statistik und Analyse ein Schwerpunktheft ihrer„Statistischen Mitteilungen“ dem Thema„Gendersensible Statistik“. Geschlechtssensible Statistik steuert aber nicht nur Daten zu einer„gerechteren Lenkung“ bei, sie vermag auch die Aufmerksamkeit selbst zu lenken. Indem in der Datenaufbereitung bestimmte Aspekte explizit ausgewiesen oder bei der Datenerhebung nach Merkmalen differenziert werden, die bis lang keine oder 6 Leitner, Andrea/Wroblewski, Angela(2011): 1f. 7 Wroblewski, Angela/Leitner, Andrea/Steiner, Peter(2005): 11. GENDERSENSIBLE STATISTIK: LEBENSREALITÄTEN SICHTBAR MACHEN 29 kaum Beachtung fanden, können marginalisierte Bevölkerungsgruppen in den Blick rücken, die zuvor unter eine indifferente Gesamtheit subsumiert wurden. Auch können mit der Diversifizierung scheinbar ganz natürlicher Merkmale wie zum Beispiel der dichotomen Kategorie„Geschlecht“ Geschlechteridentitäten aus ihrem biologistischen Kontext gelöst und als soziales Phänomen sichtbar gemacht werden(siehe dazu auch Beitrag von Jana Schultheiß in diesem Heft). Während sich mittlerweile zumindest die(dichotome) Erfassung der Kategorie„Geschlecht“ bei der Datenerfassung wie auch der Datenaufbereitung etabliert hat und die Sinnhaftigkeit geschlechtersegregierter Statistik an sich kaum angezweifelt wird, so kreisen aktuell die Diskurse zunehmend um Fragen der sinnvollen Nutzung ebensolcher Daten. Denn wie in allen Systemen, die mit Informationssammlung und-aufbereitung befasst sind, ist es von zentralem Interesse, wie aus der Vielzahl an Daten und Informationen die relevanten und wichtigen Aspekte ausgewählt und verständlich dargestellt werden können. Ein besonderes Steuerungsinstrument um den Blick noch fokussierter bzw. expliziter auf bestimmte Problemfelder zu lenken und diese durch eine kontinuierliche und systematische Beobachtung im Blickfeld der Aufmerksamkeit zu halten, ist das Datenmonitoring. Grundlage bzw. Ausgangslage für ein Monitoring stellen statistische Daten dar, die nach Geschlecht und weiteren relevanten Kategorien differenziert erfasst und als Indikatoren aufbereitet werden. „Indikatoren werden als Maßzahlen definiert, die nicht oder nur sehr schwer messbare Tatbestände oder Prozesse anzeigen. Sie dienen dazu, Beobachtungen zu klassifizieren, diese nicht beobachtbaren Phänomenen zuzuordnen und dadurch eine objektive Grundlage für die Bewertung der Phänomene zu erhalten. Indikatoren sind Hilfsmittel für die Identifikation von Problemen, für Veränderungen im Zeitverlauf, für die Fortschrittskontrolle oder zur Lösungsoptimierung. Sie lenken die Aufmerksamkeit auf Stärken und Schwächen der Beobachtungseinheiten.“ 8 gegen immer abhängig von den verfolgten Zielsetzungen und Vergleichsperspektiven.“ 9 Geschlechtersegregierte Daten alleine weisen also noch keinen Bezug zu konkreten(Gleichstellungs-)Zielen auf, Indikatoren hingegen gehen von vorab definierten Problemlagen und/oder Zielsetzungen aus. Dennoch werden in vielen empirischen Berichterstattungen zum Thema Gleichstellung geschlechtersegregierte Daten als „Gleichstellungsindikatoren“ bezeichnet. Werden Indikatoren dargestellt, so werden die zugrunde liegenden Ziel(-richtungen) selten dezidiert ausgewiesen. Hinweise auf die Ziele finden sich wenn, dann implizit in der Interpretation der Indikatoren. GLEICHSTELLUNGSMONITORING: AUSGANGSLAGEN UND ANALYSEN In Österreich gibt es mehrere unterschiedliche Gleichstellungsberichte bzw.-monitore, jedoch zumeist eingeschränkt auf spezielle Themenbereiche(Schwerpunkt Erwerbstätigkeit und Bildung), wie beispielsweise: • AK Wiedereinstiegsmonitor(seit 2013 jährlich) • Zahlen, Fakten, Analysen. Chancengleichheit an der Uni Graz(2010) • Gender Monitoring des zit. Die Technologieagentur der Stadt Wien GmbH(2008, 2010, ZIT FemPower Studie 2012) • Gender Mainstreaming Syndex – Beobachtungsmonitor für Gender Mainstreaming-Indikatoren der Arbeitsmarktpolitik(seit 2004 jährlich). Thematisch breiter aber nur auf regionaler Ebene gibt es beispielsweise • Frauenmonitor der Arbeiterkammer Oberösterreich (2007, 2009, 2010, 2011) • Indikatoren für die Gleichstellung von Frauen und Männern, Amt der Vorarlberger Landesregierung (2012). Mit dieser Definition unterscheiden sich Daten klar von Indikatoren: Daten sind somit Informationen, die an sich noch keine inhaltlichen Aussagen ermöglichen:„Für ihre Nutzung ist die Verknüpfung dieser Informationen mit einem sinnhaften Bezugsrahmen notwendig. Die Ausgestaltung von Indikatoren ist hinSeit 2011 erscheint der„Gender Index“ der Bundesministerin für Frauen und Öffentlichen Dienst im Bundeskanzleramt Österreich(seit 2014: Bundesministerium für Bildung und Frauen). Er enthält – in Fortführung des Frauenberichts 2010 – die wichtigsten Informationen zur Situation von Frauen und Männern in Öster8 Leitner, Andrea/Wroblewski, Angela(2011): 9. 9 Leitner, Andrea/Wroblewski, Angela(2011): 9. 30 STATISTIK JOURNAL WIEN reich und wird seitdem jedes Jahr in aktualisierter Form zur Verfügung gestellt. Generell handelt es sich beim „GenderIndex“ um geschlechtsdifferenziert aufbereitete, öffentlich zugängliche Statistiken zu ausgewählten Themenfeldern. Klar definierte Indikatoren mit Bezug zu Gleichstellungszielen im engeren Sinne finden sich nicht. Die Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Berichte verweisen auf das Fehlen einheitlicher Indikatoren auf Bundesländer und regionaler Ebene. Während in Deutschland 2007 ein„einheitliches Indikatorensystem für alle Bundesländer beschlossen[wurde], um den Stand und die Entwicklung in der Gleichstellungspolitik abbilden zu können“ 10 und 2009 der„1. Atlas zur Gleichstellung von Männern und Frauen“ herausgegeben wurde, der 30 Indikatoren für die Themenfelder Partizipation, Bildung, Erwerbsleben und Lebenswelt umfasst, stecken ähnliche Bestrebungen für Österreich mit dem GenderATlas 11 noch in der Startphase. Ein Vorteil der unterschiedlichen Monitoring-Systeme liegt wiederum darin, dass regionale Besonderheiten spezifischer und fokussierter dargestellt werden können. Aber auch in Deutschland werden die bundesweit definierten Indikatoren für regionale Besonderheiten adaptiert. Zum Teil aufgrund der unterschiedlichen Zuständigkeit können nicht alle der 30 Indikatoren auf die kommunale Ebene heruntergebrochen werden. Im Gleichstellungsbericht der Stadt Freiburg wurde „entlang der Datenlage versucht, entsprechende kommunale Handlungsfelder abzubilden“ und im Unterschied zum deutschen Gleichstellungsatlas auf beide Geschlechter fokussiert. In der Studie„Messung von Gleichstellung. Stand der Diskussion zu geschlechtersegregierten Daten, Gleichstellungsindikatoren und Gleichstellungsmonitoring“ (2011) gehen die Autorinnen Andrea Leitner und Angela Wroblewski der Frage nach, wie in internationalen und nationalen Kontexten Gleichstellungsberichte bzw. seltener-monitore konzipiert werden. Sie identifizieren fünf Modelle, die sich in zwei grobe Bereiche einteilen lassen: 10 Stadt Freiburg im Breisgau(2011): 1. 11 Das Projekt GenderATlas ist eine Kooperation zwischen der Technischen Universität Wien, der Universität Wien und dem ÖIR Projekthaus. Es wird im Rahmen des Förderprogramms FEMtech des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie gefördert.„Ziel des Projektes ist die Entwicklung eines ‚Genderatlas für Österreich‘, in dem Daten, Indikatoren, Informationen und Analysen zu den lebensweltlichen Realitäten von Frauen und Männern systematisch gesammelt, in ihrer räumlichen Dimension aufbereitet, visualisiert und einer breiten NutzerInnenbasis einfach zugänglich gemacht werden.“ Das zweijährig geplante Projekt startete im August 2013. Die Veröffentlichung des Atlas-Prototypen ist mit Frühjahr 2015 geplant. • Berichte, die auf geschlechtersegregierte Daten und Statistiken basieren, ohne ausgewiesene (Gleichstellungs-)Indikatoren zu beinhalten • Berichte bzw. Monitore, die mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen Gleichstellungsindikatoren entwickeln bzw. heranziehen: » für internationale Vergleiche » zur Erschließung neuer Bereiche » zur kontinuierlichen Beobachtung » für spezifische Zielsetzungen. Am Beispiel der Gleichstellungsindikatoren für internationale Vergleiche zeigen die Autorinnen, wie sehr Datenverfügbarkeit und Auswahl der Indikatoren die Ergebnisse in Bezug auf Gleichstellung bestimmen können, indem drei für den internationalen Vergleich bestimmte Indikatoren miteinander verglichen werden, der des EU-Gender Equality Index, der Gender Empowerment Measure(GEM) sowie Global Gender Gap des Weltwirtschafsforums. Die Konzeption und Struktur des EU-Gender Equality Index(EIGE) wird im Artikel zu methodischen Aspekten ausführlich dargestellt. Er umfasst sechs Domänen(Arbeit, Geld, Wissen, Zeit, Macht und Gesundheit) sowie zwei Satelliten-Domänen. Diese sind wiederum in Sub-Domänen untergliedert und fließen gewichtet mit insgesamt 30 Indikatoren in den Index ein. Erwähnenswert ist für diesen Index, dass er sich dezidiert an einem theoretischen Konzept von Gleichstellung orientiert, und zwar an dem von Nancy Fraser entwickelten Gleichheitsziel der Geschlechtergerechtigkeit(equity) und ihrem Modell der„Universellen Betreuungsarbeit“. 12 Der Gender Empowerment Measure setzt sich aus den drei Indikatoren des GDI(Gender-related Development Index, Index zur Entwicklung der Geschlechter) zusammen(Lebenserwartung, der Alphabetisierungsgrad, reale Kaufkraft pro Kopf) und ist um drei Indikatoren zur Messung der relativen Macht von Frauen und Männern im politischen Leben ergänzt(Geschlechterverhältnis in Verwaltungs- und Managementpositionen, in qualifizierten und technischen Berufen sowie in den Parlamenten). 12 Gemeint ist mit dem Konzept u.a. die„strukturell gestützte Öffnung sozialer Räume“(wie als solche die unbezahlt geleistete, familiäre Pflege- und Betreuungsarbeit), denn erst diese Öffnung„erschließt Frauen und Männern faktisch die gleiche Chance, Wertschätzung zu erlangen und ihre Art, Mensch zu sein, umfassend zum Ausdruck zu bringen.“ Wagner, Gabriele(2005): 149. GENDERSENSIBLE STATISTIK: LEBENSREALITÄTEN SICHTBAR MACHEN 31 Bei dem Global Gender Gap des Weltwirtschafsforums werden vier Themenbereiche(ökonomische Partizipation, Bildung, Gesundheit und politisches Empowerment) mit insgesamt 14 Indikatoren zu einem Index zusammengefasst. Diese Indikatoren messen jeweils den relationalen Gender Gap, das heißt den Frauenanteil im Verhältnis zum Männeranteil. Der konkrete Vergleich dieser drei Gleichstellungsindikatoren bzw.-indizes zeigt in unten stehender Abbildung eine durchaus unterschiedliche Reihung innerhalb von 15 ausgewählten EU-Staaten. So ist Österreich mit dem EIGE-Index auf Platz 14 relativ schlecht positioniert, während es bei den GEM bzw. Global Gender Gap-Index mit Platz 7 bzw. 9 deutlich besser abschneidet. Schweden belegt bei allen drei Indizes konstant den ersten Platz, eine große Varianz weisen auch England oder Belgien auf. Die unterschiedlichen inhaltlichen Konzeptionen(Fokus auf Differenz, Fokus auf Teilhabe usw.) sowie die als relevant betrachteten Faktoren(und deren regionale Ausprägungen) haben einen wesentlichen Einfluss auf das unterschiedliche Ranking: Der Aspekt der unbezahlten Arbeit findet beispielsweise nur in den EIGE-Index(Domäne Zeit) Eingang, spiegelt aber einen zentralen Aspekt in der Frage der Gleichstellung von Frauen und Männern in modernen Gesellschaften wider. Die Bewertung des Faktors„Gewalt“(zukünftig relevant für den EIGE-Index) und dessen widersprüchliche Bewertung im Rahmen der FRA-Studie wird weiter unten noch detaillierter beschrieben. Das Ranking der verschiedenen Gleichstellungsindizes verdeutlicht, wie unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie und aus welcher Perspektive Gleichstellung gemessen werden sollte bzw. welche Themenbereiche dafür relevant sind, zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Grundsätzlich halten die Autorinnen fest, dass Monitoring-Indikatoren, die spezifische Gleichstellungsziele verfolgen und Gleichstellung umfassender im Zeitverlauf darstellen, in den gefundenen Beispielen weitgehend fehlen. Abschließend resümiert das Autorinnenteam in Bezug auf ein zu entwickelndes Wiener Gleichstellungsmonitoring: „Ein Gleichstellungsmonitor im Sinne einer umfassenden Sammlung von geschlechtersegregierten Daten und ein Gleichstellungsindex auf Basis eines kompakten zielgerichteten Indikatorensystems stellen die beiden Pole von Möglichkeiten dar, die beide in dieser Extremform aus unserer Sicht nicht sinnvoll erscheinen. Was aus unserer Sicht für die Entwicklung eines Gleichstellungsmonitors wichtig wäre, ist die Entwicklung von Gleichstellungsindikatoren, die auf konkrete Zielsetzungen aufgebaut sind.(…) Damit ergibt sich aber die Notwendigkeit, die Ziele zu definieren, deren Erreichung durch den Monitor analysiert werden soll.“ 13 13 Leitner, Andrea/Wroblewski, Angela(2011): 43. Internationale Gleichstellungsbefunde im Vergleich Gleichstellungsranking 14 9 7 AT 11 66 4 33 BE DE 15 13 13 12 4 22 8 7 DK EL ES 4 3 2 FI 15 14 12 12 11 10 10 9 88 6 55 00 FR IE IT LU NL 11 10 7 13 9 5 111 PT SE UK Gender Equality Index Gender Empowerment Measure Global Gender Gap Quelle: IHS(2011), Daten: EC, UNDP, Weltwirtschaftsforum, in: Leitner, Andrea/Wroblewski, Angela(2011): 31. 32 STATISTIK JOURNAL WIEN GLEICHSTELLUNGSZIELE UND GLEICHSTELLUNGSINDIKATOREN – EIN SCHWIERIGES VERHÄLTNIS? Der Blick auf internationale Gleichstellungs-Monitore bzw.-berichte zeigt, dass sich nur wenige Beispiele finden lassen, bei denen – meist im Rahmen eines Gender Mainstreaming Prozesses – versucht wurde, Gleichstellungsziele verbindlich und umfassend zu formulieren. Ein positives Beispiel stellt das Gleichstellungsprogramm für Schweden dar, in dem 2006 im Reichstag definierte Gleichstellungsziele verabschiedet wurden: “ Overall objective: Women and men must have the same power to shape society and their own lives. Interim objectives: Equal division of power and influence between women and men. Women and men shall have the same rights and opportunities to be active citizens and to shape the conditions for decision-making. (…) Men’s violence against women must stop. Women and men, girls and boys, shall have equal rights and opportunities in terms of physical integrity.” 14 Für den Ersten Gleichstellungsbericht der Bundesrepublik Deutschland(2011) wurde von der den Bericht erstellenden Kommission ein Leitbild erarbeitet, an dem sich die Neuausrichtung der Institutionen langfristig orientieren und auf das die Politik schrittweise hinarbeiten sollte: „Wir streben eine Gesellschaft mit Wahlmöglichkeiten an. Die Beschäftigungsfähigkeit von Männern und Frauen wird durch eine gute Ausbildung gesichert. Sie werden befähigt, für ihren Lebensunterhalt selbst zu sorgen und auch eine eigene soziale Sicherung aufzubauen.(…)“ 15 „Wir gehen davon aus, dass nicht nur bei der Interpretation von Statistiken, sondern schon bei der Auswahl der Analysefelder, der Indikatoren und der verwendeten Daten es einen Unterschied macht, welche Gleichstellungsziele vertreten werden.“ 16 Das Offenlegen der impliziten(Wert-)Vorstellungen entlarvt aber auch den Mythos einer scheinbar neutralen und wertfreien Statistik als durchaus interessensgelenkt und positioniert. Aber auch aus methodischer Sicht wirft die Übersetzung allgemeiner, frauen- bzw. gesellschaftspolitischer Zielsetzungen in sozialwissenschaftlich bzw. statistisch messbare Konzepte und aussagekräftige Indikatoren eine Vielzahl von Problemen auf. So stellt sich beispielsweise im Zusammenhang mit so allgemeinen Zielsetzungen wie der schwedischen, dass die Gewalt von Männern gegen Frauen und Mädchen aufhören muss, die Frage, inwiefern z. B. eher das Sinken oder doch das Steigen von Anzeigen im Zusammenhang mit innerfamiliärer und/oder sexualisierter Gewalt ein guter Indikator für die Erreichung dieses gleichstellungspolitischen Ziels sein kann oder soll. Hier scheint eine Differenzierung in lang-, mittelund kurzfristige Zieldefinitionen sinnvoll. Denn das schwedische Beispiel zielt langfristig auf das Sinken der Gewalt gegen Frauen und Mädchen ab. Kurz- bzw. mittelfristig ist jedoch ein Ansteigen der Anzeigen in diesem Zusammenhang ein möglicher Indikator für eine erhöhte Sensibilisierung und Enttabuisierung des Themas in der Öffentlichkeit. Eindeutig ist ein solcher Zusammenhang jedoch nicht zu behaupten, sondern vermutlich erst retrospektiv im Zusammenspiel mit anderen Entwicklungen. Das Beispiel lässt erahnen, warum deklarierte Gleichstellungsziele selten zu finden sind: Ausformuliert werden die impliziten Normen und Wertvorstellungen, das dahinterliegende politische Verständnis(von z. B. Gleichstellung) sichtbar und damit auch angreifbar. In diesem Sinne betonen auch Leitner/Walenta in ihrem Text„Gleichstellungsindikatoren im Gender Mainstreaming“(2007) den zentralen Einfluss der jeweilig gleichstellungspolitischen Vorstellungen und Ziele für die Entstehung bzw. Auswahl geschlechtersensibler Statistik: Mitunter ist auch eine klare Eingrenzung der Phänomene, also anstatt„Gewalt gegen Frauen“ präziser „häusliche Gewalt“ oder„Gewalt durch Partner und Expartner“ hilfreich. Hierzu ist aber nicht nur das nach Geschlecht differenzierte Aufschlüsseln von Statistiken notwendig, sondern auch das Erfassen weitergehender Kategorien, die sich allerdings oft erst ex post und durch die gendersensible Analyse der in dem Themenfeld vorherrschenden Geschlechterverhältnisse ergeben. So ist die Darstellung von Gewaltopfern nach 14 Alpkvist, Catharina(2011): 5f. 15 Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend(2011): 5, 48 und 233. 16 Leitner, Andrea/Walenta, Christa(2007): 13. GENDERSENSIBLE STATISTIK: LEBENSREALITÄTEN SICHTBAR MACHEN 33 Geschlecht von Bedeutung, um überhaupt Aussagen über das Ausmaß bzw. die Anteile der von Gewalt betroffenen Frauen und Mädchen in einem bestimmten Zeitraum zu machen. Gilt das spezifische Interesse aber dem Bereich„häuslicher Gewalt“ oder noch eingegrenzter„Gewalt gegen Frauen von Partnern und Ex-Partnern“ wie dies beispielsweise für den Wiener Gleichstellungsmonitor definiert wurde(Sichtbarmachen und langfristiges Senken von(Ex-)Partnergewalt gegen Frauen), so braucht es weiterer Informationen über den Täter sowie über das Bekanntschafts- bzw. Verwandtschaftsverhältnis zwischen Opfer und Täter. Die polizeiliche Kriminalstatistik beispielsweise erfasst zur Täter-Opfer-Beziehung die Angaben einer familiären Beziehung entweder„in Hausgemeinschaft“ oder„ohne Hausgemeinschaft“ bzw. differenziert nach„Bekanntschaftsverhältnis“ oder„Zufallsbekanntschaft“. Die Erfassung dieser Informationen stellt vor den Diskussionen der 1970er- und 1980erJahre, in denen das Thema Gewalt gegen Frauen zentral als„häusliche Gewalt“ definiert wurde, eine wesentliche Errungenschaft dar, um empirisch valide Aussagen über das Ausmaß der von häuslicher Gewalt betroffenen Frauen und Mädchen machen zu können. Aus diesen Angaben lässt sich jedoch nicht destillieren, ob es sich bei dem Täter um den Vater, Ehemann, Bruder, Schwager oder Stiefbruder handelt. Dies ist problematisch, wenn das Erkenntnisinteresse den von(ex-)partnerschaftlicher Gewalt betroffenen Frauen und nicht dem Phänomen„häuslicher Gewalt“ gilt. Eine von der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie 2011 initiierte trans- und interdisziplinäre Arbeitsgruppe entwickelt in diesem Zusammenhang konkrete Vorschläge zur Kategorisierung von Täter-Opfer-Beziehungen in administrativen Datenerhebungen, um diese Erfassungs- bzw. Auswertungsproblematik hinsichtlich dieses Erkenntnisinteresses zu lösen:„Darüber hinaus ist mangels Auswertung der Verknüpfung der Merkmale Geschlecht und Alter der Tatverdächtigen mit den diesen zugeordneten ‚TäterOpfer-Beziehungen‘ aus der polizeilichen Kriminalstatistik weder ersichtlich, ob Tatverdächtige oder Opfer (überwiegend) derselben Generation angehören, noch, wie die Geschlechtsverteilung mit dem Auftreten einzelner Beziehungskategorien korreliert.“ Dies als Beispiel dafür, wie Diskurs- bzw. Fokusverschiebungen innerhalb eines Themas unmittelbare Wirkung auf die statistischen Erfassungssysteme haben bzw. haben können sowie vice versa. Für diese Diskussion relevant und sehr aktuell ist die 2014 von der European Union Agency for Fundamental Human Rights(FRA) veröffentlichte Studie zum Thema Gewalt gegen Frauen. 17 Für diese bisher umfangreichste EU-weite Erhebung wurden 42.000 mittels Zufallsstichprobe ausgewählte Frauen in Alter von 18 bis 74 Jahren in den 28 Mitgliedsstaaten zu ihren Erfahrungen mit körperlicher oder physischer, sexueller und psychischer Gewalt, einschließlich Vorfällen von Gewalt in der Partnerschaft(„häusliche Gewalt“), sowie zu Stalking, sexueller Belästigung und Missbrauch durch neue Medien, befragt. Neben den dramatischen Ergebnissen zu der/den vielseitigen Betroffenheit(en) von Gewalt fallen auch die teils gravierenden Länderunterschiede hinsichtlich der Prävalenz von Gewalt in der Erhebung ins Auge. Vor allem, weil unter anderem auch jene Länder negativ bewertet werden, von denen im Allgemeinen angenommen wird, dass sie in Bezug auf die Gleichstellung der Geschlechter besonders fortschrittlich seien und Gewalt gegen Frauen prioritär auf der politischen Agenda stehe, wie z. B. in Schweden oder anderen skandinavischen Ländern. Schweden liegt beispielsweise mit dem höchsten(„positiven“) EIGE-Score von 74,3 im Vergleich zum EU-Durchschnitt von 54,4(und Österreich mit 50,4) in der Gleichstellungsbewertung weit über(!) dem Durchschnitt bei der Betroffenheit von physischer und sexueller Gewalt durch(ehemalige) Partner oder andere Personen:“Member States scoring higher on the Gender Equality Index also tend to have a higher prevalence of physical and/or sexual violence against women since the age of 15.” 18 Im Bericht wird zu den Länderunterschieden explizit Bezug genommen:„So, wie sich amtliche Kriminalstatistiken von Land zu Land erheblich unterscheiden, ergeben sich häufig auch große Unterschiede zwischen den Ländern hinsichtlich der Häufigkeit von Gewalterfahrungen, wenn Menschen bei einer Erhebung zu Gewalterfahrungen befragt werden. Dies gilt für Straftaten allgemein, sowie für Gewaltübergriffe gegen Frauen, die eine besonders sensible Thematik für Befragungen darstellen.“ 19 Es werden fünf Gründe als mögliche Erklärungen ermittelt: Erstens, die je nach Land andere kulturell bedingte Bereitschaft von Frauen über Gewalterfahrungen offen zu sprechen. Zweitens, das Ausmaß von Gendergerechtigkeit: Je gerechter 17 Die EU-weite FRA-Erhebung geht auf eine Anfrage des Europäischen Parlaments nach Datenmaterial zu Gewalt gegen Frauen zurück, die der Rat der EU in seinen Schlussfolgerungen zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen in der EU ebenfalls aufgegriffen hat. 18 European Union Agency for Fundamental Human Rights(FRA)(2014): 31. 19 European Union Agency for Fundamental Human Rights(FRA)(2014): 15. 34 STATISTIK JOURNAL WIEN eine Gesellschaft ist, umso klarer wird Gewalt gegen Frauen als Problem erkannt. Drittens, das Ausmaß, in dem Frauen in einem Land Risikosituationen ausgesetzt sind, etwa wenn sie außerhäuslich arbeiten oder ausgehen, oder aber meist daheim sind. Viertens, die national unterschiedlichen Kriminalitätsraten sowie, fünftens, die in dem Land herrschenden Trinkgewohnheiten. 20 Mit diesen Hinweisen werden die Ergebnisse nicht relativiert sondern auf die unterschiedlichen Einflussfaktoren hingewiesen. Mit diesem Beispiel wird jedenfalls die immanente Problematik des„Messens“ sozial komplexer Phänomene verdeutlicht. Die Ergebnisse der FRA-Studie werden zukünftig in die Berechnung des EIGE-Index einfließen um die bis dahin datenmäßig nicht erfasste Domäne„Gewalt“ mit international vergleichbaren Daten zu untermauern. DER WIENER GLEICHSTELLUNGSMONITOR Die Erstellung eines Wiener Gleichstellungsmonitors wurde, wie eingangs bereits erwähnt, 2010 im rot-grünen Regierungsübereinkommen beschlossen. Die Frauenabteilung der Stadt Wien wurde im Frühjahr 2011 mit der Entwicklung und Konzeption eines solchen Monitors beauftragt, im Herbst 2014 wird der Gleichstellungsmonitor präsentiert. Vor dem Hintergrund der hier skizzierten Fragestellungen und Empfehlungen entschied sich die mit der Konzeption betraute Steuerungsgruppe 21 für einige zentrale Grundlegungen, sowohl hinsichtlich der Themenbreite und Definition von Gleichstellungszielen, als auch in Bezug auf die leitenden Prinzipien, v. a. bei der Darstellung von Differenzen und Zusammenhängen, die hier abschließend kurz vorgestellt werden. ZIELE, THEMEN UND SPEZIFIKA DES WIENER GLEICHSTELLUNGSMONITORS Entsprechend seiner etymologischen Bedeutung 22 soll der Wiener Gleichstellungsmonitor durch systematische und kontinuierliche Datenbeobachtung auf relevante Entwicklungen im Gleichstellungsprozess aufmerksam machen und notwendige Korrekturen ein20 European Union Agency for Fundamental Human Rights(FRA)(2014): 16. 21 Die Steuerungsgruppe besteht seit März 2012 fix aus drei Vertreterinnen der Frauenabteilung(Karin Tertinegg, Martina K. Sommer, Stephanie Kiessling) und je einer Vertreterin der MD-OS Projektstelle Gender Mainstreaming (Jana Schultheiß) sowie der MA 23(Edith Waltner). 22 Der Begriff Monitor leitet sich aus dem lateinischen„monere“ ab, was ermahnen oder auf etwas aufmerksam machen bedeutet, vgl. Leitner, Andrea/ Wroblewski, Angela(2011): 7. mahnen. Im Mittelpunkt steht die Beobachtung des Fortschritts und der Qualität des(Gleichstellungs-) Prozesses, um diesen in die gewünschte Richtung zielgerichtet steuern zu können und möglichst frühzeitig unerwünschte Entwicklungen zu erkennen. Die Themenfelder des Wiener Gleichstellungsmonitors sind dabei bewusst breit gewählt, um die Erschließung neuer und relevanter Themenfelder zu ermöglichen, die auch über das unmittelbare Handlungsfeld der Stadt Wien hinausgehen. Dem Anspruch der Relevanz genügend, decken die Themen einerseits gleichstellungspolitisch zentrale, quasi„neuralgische“ Bereiche ab – wie Bildung oder unbezahlte und bezahlte Arbeit. Andererseits werden unter innovativen Gesichtspunkten Themenfelder beleuchtet, die bis dato noch wenig unter einer gleichstellungspolitischen Perspektive analysiert wurden, wie beispielsweise die Themen Sport, Umwelt oder Medien. Für die(schlussendlich elf) identifizierten Themenfelder 23 wurden vorab gleichstellungsrelevante Bereiche identifiziert bzw. ausgewählt und konkrete Gleichstellungsziele formuliert. Die leitende Frage für die Entwicklung der Ziele und Handlungsfelder war eine ambitionierte, nämlich„Was wollen wir(in Bezug auf die Gleichstellung von Frauen und Männern) durch ein Monitoringsystem wissen bzw. erfahren?“ und nicht die auf die konkrete Datenverfügbarkeit schielende Frage „Was können wir wissen?“ Der Entwicklung der über 70 Gleichstellungsziele lag in diesem Sinne ein breites Verständnis von Gleichstellung zugrunde, das unterschiedliche Facetten und Lebensbereiche umfassen sollte, um über die üblicherweise berücksichtigten Themen und Indikatoren hinauszudenken und sich nicht auf statistisch gut erfasste Bereiche zu konzentrieren. Denn während in einigen Bereichen aufgrund einer vergleichbar guten Datenqualität und-dichte auf ein ganzes Set von Indikatoren bzw. ein breites Spektrum an möglichen Herangehensweisen zurückgegriffen werden kann(besonders für die breit diskutierten Themenfelder wie bezahlte Arbeit, Einkommen, Bildung usw.), liegen für andere Themenfelder keine oder wenige und selten Wien spezifische Daten vor(Bsp. unbezahlte Arbeit, Medien, Sport, Freizeit, Gewalt). Dies ist oftmals eine weitere Argumentationslinie, warum diese Themen keinen Eingang in die klassischen Gleichstellungsberichte oder -monitore finden – neben dem Einwand, Themenfelder wie„Gewalt“ oder„Gesundheit“ an sich seien bereits 23 Die finalen Themenfelder für den Monitor sind: Politische Partizipation, Freizeit und Sport, Kunst und Medien, Einkommen, Wohnen und Öffentlicher Raum, Umwelt und Mobilität, Gesundheit, Soziale Sicherheit und Armut, Aus- und Weiterbildung, Gewalt sowie bezahlte und unbezahlte Arbeit. GENDERSENSIBLE STATISTIK: LEBENSREALITÄTEN SICHTBAR MACHEN 35 so umfassend und vielschichtig, dass sie eines eigenen Monitorings bedürf(t)en. Die in diesen Themenfeldern formulierten Gleichstellungsziele streben einerseits konkret die Veränderung von Entscheidungskriterien, wie die Verankerung von Gender-Kompetenz in den jeweiligen Themenfeldern und damit eine nachhaltige Veränderung bestehender Geschlechterhierarchien in eben diesen Feldern an. „Es geht also um die Veränderung von Machtpositionen, das Aufweichen von Rollenstereotypen und die Umgestaltung von gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, sodass der Zugang zu den jeweiligen Themen für alle Personen unabhängig von sozialen Charakteristika und Lebensrealitäten gegeben ist,“ wie es auch in der Einleitung zum Wiener Gleichstellungsmonitor formuliert wird. Es wurde andererseits bei der Entwicklung der Gleichstellungsziele zudem auf Ergebnisziele fokussiert um gleichstellungspolitisch relevante Entwicklungen in den ausgewählten Bereichen sichtbar zu machen und nicht, um Projekte oder Maßnahmen der Stadt Wien oder einzelner Dienststellen zu evaluieren. Mit seiner thematischen Breite geht der Wiener Gleichstellungsmonitor auch weit über den unmittelbaren Wirkungskreis der Stadt Wien und ihrer Dienststellen und Unternehmungen hinaus. Um die Breite und Vielfalt des Gleichstellungsthemas in seiner Komplexität darzustellen wurde auch die Option eines indexbasierten Monitorings verworfen und damit auf eine Vergleichbarkeit mit anderen(nationalen und internationalen) Monitoring-Systemen verzichtet. Als zentraler Nachteil eines indexbasierten Gleichstellungs-Monitorings wurde dabei bewertet, dass Wiener Spezifika und Besonderheiten nicht entsprechend berücksichtigt oder erfasst werden können, die gerade im Zusammenhang mit einer aktiv betriebenen Gleichstellungspolitik von besonderer Bedeutung sind. Um beispielsweise das für das Monitoring formulierte Gleichstellungsziel:„Erhöhung der Partizipation von Frauen und Integration von GenderKriterien in der Stadtplanung“ messbar zu machen, ist die Berücksichtigung der konkreten Organisation von Wettbewerbsverfahren der Stadt Wien(z. B. für den geförderten Wohnbau(Wohnfonds Wien), zur Gestaltung von öffentlichen Parkanlagen, des öffentlichen Raumes usw.), d. h. die Struktur der jeweiligen Entscheidungsgremien, von evidenter Bedeutung(Berücksichtigung von Genderexpertise oder Frauenanteil in den Jurys). Doch selbst das ambitionierteste Monitoring ist ein begrenztes System wenn der Prämisse gefolgt werden soll, dass„Monitoring die Kunst[ist], mit kleinstmöglichem Aufwand die notwendigen Informationen zusammen zu tragen, um rechtzeitig richtungsweisende Entscheidungen zu treffen“ 24 . Daher mussten auch innerhalb der Themenfelder Einschränkungen getroffen werden, um den Rahmen(auch im Sinne der Zumutbarkeit) eines lesbaren Monitors nicht zu sprengen, was eine Fokussierung auf besonders interessierende Aspekte zur Folge hatte. Auf Basis dieses umfassenden Sets an definierten Gleichstellungszielen wurde das Institut für Höhere Studien beauftragt, in einem mehrmonatigen Diskussionsprozess mit ExpertInnen innerhalb und außerhalb des Magistrats diese Ziele für ein Monitoring zu operationalisieren und nochmals auf die zentralen Aspekte in den Themenfeldern hin zu bündeln und zu konkretisieren. Die zentrale Herausforderung lag damit darin, eine Balance zwischen der Themenvielfalt und einer überschaubaren Anzahl von Indikatoren herzustellen. Mit der Entscheidung kein indexbasiertes Monitoring zu betreiben, schloss sich die Steuerungsgruppe des Gleichstellungsmonitors auch den konzeptionellen Überlegungen des Wiener Integrations- und Diversitätsmonitors an. 25 Dieser stellte im Entwicklungsprozess, vor allem hinsichtlich der Problematik valider Daten und ihrer Differenzierbarkeit, eine wichtige inhaltliche Bezugnahme dar, werden hier doch ähnliche Problemstellungen aufgeworfen, wenn auch vor den jeweilig unterschiedlichen theoretischen Auseinandersetzungen. Während im Integrationskontext die Definition bzw. Erfassung der Zielgruppe – wer ist überhaupt eine Migrantin bzw. ein Migrant? – und ihre Repräsentation in Datensätzen zentral ist(Staatsbürgerschaft vs. Geburtsland/Herkunft vs. Bildungs-Inoder-Ausländerin bzw. die Kombination dieser Merkmale) und eine möglichst treffsichere Differenzierung der Gruppe nach Migrationshintergründen(1. und 2. Generation), so erscheint das Erfassen der Zielgruppe beim Thema„Geschlecht“ – vor dem Hintergrund einer(noch/nur) zweigeschlechtlich konstruierten Welt differenziert nach„Frauen“ und Männern“ – noch vergleichsweise einfach, wenn auch noch nicht in allen relevanten Bereichen befriedigend etabliert. 26 Aber bereits auf der nächsttieferen analytischen Ebene, der 24 DEZA 2003: 68. 25 Im Unterschied zum alle zwei Jahre erscheinenden Integrations- und Diversitätsmonitor wurde jedoch für den Gleichstellungsmonitor ein dreijähriger Erscheinungsrhythmus gewählt, u.a. weil die beobachteten Phänomene als relativ träge vermutet und aussagekräftige Veränderungen erst über längere Beobachtungszeiträume sichtbar werden. 26 Die Öffnung der(Register-)Daten oder anderer Wien-spezifischer Erhebungen für ein möglicherweise drittes oder alternatives Geschlecht ist aktuell(leider) noch kein Diskussionspunkt. 36 STATISTIK JOURNAL WIEN Auswertung von Daten nach(gleichstellungs-)relevanten Subgruppen wie AlleinerzieherInnen, MigrantInnen usw., stößt ein ehrgeiziges Monitoringsystem an die Grenzen der Aussagekraft der Daten, die oft eine Analyse der Daten nach den im Folgenden skizzierten Prinzipien nicht oder nur sehr eingeschränkt zulassen. PRINZIPIEN FÜR DEN WIENER GLEICHSTELLUNGSMONITOR Während die Diskussion der Wiener Gleichstellungsziele also ein primär(gleichstellungs-)politischer Prozess war, der intensiv auf einer fachlichen Ebene geführt wurde, standen im Prozess der Indikatorenentwicklung sozialwissenschaftliche Kriterien wie Qualität, Sachlichkeit, Angemessenheit und nicht zuletzt deren Verfügbarkeit im Vordergrund. 27 Während diese Kriterien jedoch für alle sozialwissenschaftlich-empirischen Arbeiten Gültigkeit haben, gelten für das Wiener Gleichstellungsmonitoring weiter spezifische Prinzipien, die die Auswahl und Entwicklung der Indikatoren maßgeblich beeinflusst haben, wie sie detailliert auch in der Einleitung zum Gleichstellungsmonitor erörtert werden: Die Benachteiligungen von Frauen in den unterschiedlichsten Lebensbereichen war der zentrale Ausgangspunkt für die Entwicklung der Gleichstellungsziele und Indikatoren. Für die Auswahl der aufgenommenen Aspekte war die Problemrelevanz für Frauen und nicht ein allfälliger Nachholbedarf von Männern ausschlaggebend. Die Darstellung der einbezogenen Gleichstellungsaspekte im Monitor erfolgt aber grundsätzlich als Geschlechterverhältnis, um die gesamte(Un-) Verhältnismäßigkeit sichtbar zu machen. Insofern zeichnen sich alle Indikatoren durch ihre Gleichstellungsrelevanz aus. Allgemeine Ziele, die keine Gleichstellungsrelevanz(in Bezug auf die Benachteiligung von Frauen) aufweisen, wurden nicht berücksichtigt. Der Fokus auf die Benachteiligungsstrukturen zwischen den Geschlechtern bedeutet nicht, dass Frauen (oder Männer) als homogene Gruppe definiert werden. Der Wiener Gleichstellungsmonitor versucht, Frauen und Männer in ihrer Vielschichtigkeit und Diversität zu erfassen und darzustellen. Nicht immer ist die Differenz zwischen den Geschlechtern die primär relevante bzw. aussagekräftige, viele gleichstellungsrelevante Unterschiede zeigen sich erst in der differenzierten Analyse bestimmter Subgruppen, wie sich z. B. beim Thema Wohnen die Subgruppe der Alleinerziehenden oder der Menschen(Frauen wie Männer) mit Migrationshintergrund als besonders benachteiligt zeigt. Doch der Anspruch der Intersektionalität, d.h. die durchgängige Analyse nach weiteren Differenzierungsdimensionen um das Zusammenwirken unterschiedlicher Strukturkategorien darzustellen, scheitert bei der empirischen Analyse oftmals an zu kleinen Stichproben, oder überhaupt an der fehlenden Erfassung der relevanten Kategorien(Alter, gesundheitliche Beeinträchtigungen, Migrationshintergrund usw.). Schlussendlich ist ein zentrales Anliegen des Monitors das Sichtbarmachen von Datenlücken. Wie oben skizziert, wird für den Wiener Gleichstellungsmonitor ausschließlich auf verfügbare Datengrundlagen zurückgegriffen. Die Indikatorenentwicklung stößt dabei häufig an Grenzen, weil Daten mitunter keine Information über Geschlecht oder andere soziale Merkmale enthalten, die Daten die Lebensrealität von Frauen nicht adäquat abbilden oder diese nicht so aufbereitet sind, dass geschlechtsspezifische Auswertungen gemacht werden können. Diese Datenlücken werden im Monitor explizit thematisiert, um eine Grundlage für die Weiterentwicklung von Datengrundlagen und Indikatoren zu liefern. Der Wiener Gleichstellungsmonitor versucht eine Brücke zwischen gleichstellungspolitisch relevanten und gleichstellungspolitisch interessanten aber noch wenig erforschten Themen zu schlagen und die inhaltlichen Verwobenheiten und Wechselwirkungen sichtbar zu machen. Dabei wird das Monitoring als ein beständiger Prozess verstanden, der nicht auf den einmal entwickelten Indikatoren verharrt, sondern durch das Monitoring selbst die notwendigen Adaptionen von Indikatoren und ggf. auch von Gleichstellungszielen vornimmt. „Gleichstellungsindikatoren sind damit auch ein Teil eines Doing-Gender-Prozesses, die soziale Wirklichkeit konstruieren und damit auch Geschlechterverhältnisse bestimmen, indem Geschlechterstereotypen reproduziert oder verstärkt werden oder ihnen entgegen gearbeitet wird.“ 28 27 Des Weiteren ausschlaggebend für die Indikatorenentwicklung war die Nutzung verfügbarer, d.h. bereits vorhandener Datenquellen, deren kontinuierliche Verfügbarkeit, sowie der Wienbezug der Daten bzw. die Auswertbarkeit für Wien. 28 Leitner, Andrea/Wroblewski, Angela(2011): 1. GENDERSENSIBLE STATISTIK: LEBENSREALITÄTEN SICHTBAR MACHEN 37 LITERATUR Agentur der Europäischen Union für Grundrechte(FRA)(2014): Gewalt gegen Frauen: eine EU-weite Erhebung. Ergebnisse auf einen Blick, Amt für Veröffentlichungen, Luxemburg, http://fra.europa.eu/sites/default/files/fra2014-vaw-survey-at-a-glance-apr14_de.pdf[23.05.2014]. Alpkvist, Catharina 2011: Gender Mainstreaming in Sweden. Paper for the workshop“Implementation of gender mainstreaming” in Brussels, 17-18 May 2011, within the project“Exchange of good practices on gender equality”, http://ec.europa.eu/justice/gender-equality/files/exchange_of_good_practice_be/se_discussion_ paper_en.pdf[23.05.2014]. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend(2010): Atlas zur Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland, Berlin, http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Broschuerenstelle/Pdf-Anlagen/ atlas-gleichstellung-deutschland,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf[23.05.2014]. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend(2011): Neue Wege – Gleiche Chancen. Gleichstellung von Frauen und Männern im Lebensverlauf. 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Leitner, Andrea/ Walenta, Christa(2007): Gleichstellungsindikatoren im Gender Mainstreaming, in: abz*austria im Rahmen der EQUAL-Entwicklungspartnerschaft Qualitätsentwicklung Gender Mainstreaming(Hg.in): Qualitätsentwicklung Gender Mainstreaming, Band 5 – Indikatoren, Wien, 11-54. Leitner, Andrea/ Wroblewski, Angela(2011): Messung von Gleichstellung. Stand der Diskussion zu geschlechtersegregierten Daten, Gleichstellungsindikatoren und Gleichstellungsmonitoring, Studie im Auftrag der Frauenabteilung der Stadt Wien(MA57), Wien. Stadt Freiburg im Breisgau(2011): Bericht zur Gleichstellung von Frauen und Männern in Freiburg im Breisgau 2011, Freiburg, http://www.freiburg.de/pb/site/Freiburg/get/documents/freiburg/daten/statistik/statistik_ veroeffentlichungen_gleichstellungsbericht-2011-NIEDRIG.pdf[15.7.2014]. Wagner, Gabriele(2005): Die zwei Seiten der Anerkennung – Geschlechtergerechtigkeit und die Pluralisierung sozialer Wertschätzung, in: Heitmeyer, Wilhelm/ Imbusch, Peter(Hg.) Integrationspotenziale einer modernen Gesellschaft, Wiesbaden, 133-155. Wroblewski, Angela/ Leitner, Andrea/ Steiner, Peter(2005): Gendersensible Statistik – Vom Sex-Counting zur Genderanalyse, in: Statistische Mitteilungen der Stadt Wien, Heft 1,2/2005, Wien, 7-45. 38 STATISTIK JOURNAL WIEN Die Bedeutung gendersensibler Statistiken für Gender Mainstreaming Jana Schultheiß Die Strategie des Gender Mainstreaming zielt im Kern darauf ab, eine geschlechtsspezifische Sichtweise in alle politischen Konzepte und auch in alle Ebenen des Verwaltungshandelns zu integrieren. Genderaspekte sind jedoch nicht immer und von vorneherein offensichtlich. Hier bieten gendersensibel erhobene Statistiken eine wichtige Grundlage, denn sie können bestehende gesellschaftliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern abbilden und sind eine wesentliche Voraussetzung dafür, Ungleichheiten zu erkennen. Der vorliegende Beitrag beleuchtet die Bedeutung gendersensibler Statistik für die Umsetzung von Gender Mainstreaming am Beispiel der Stadt Wien und geht zudem der Frage nach, was„Gender“ im Mainstream der Statistik eigentlich bedeutet. Zentral wird eine theoretische Auseinandersetzung mit der Frage sein, was eigentlich Genderstatistiken sind. In der Praxis handelt es sich meistens um Personendaten, die nach dem biologischen Geschlecht – Frauen/Männer – getrennt erfasst und ausgewertet werden. Unter dem Begriff„Gender“ wird jedoch im Unterschied zum biologischen Geschlecht(englisch „sex“) das„soziale, kulturell geprägte“ oder auch „anerzogene“ Geschlecht verstanden. Und dies ist statistisch nicht oder nur sehr schwer erfassbar. In der Fachdiskussion wird unter dem Begriff der„Genderstatistik“ heute meistens dennoch mehr verstanden als die oben erwähnte Segregation der Personenstatistiken nach Frauen und Männern. Erkenntnisse der Frauen- und Genderforschung werden in die Fragestellung der Statistik integriert, was Auswirkungen auf deren Gestaltung hat. Von diesem Verständnis wird auch bei der Stadt Wien ausgegangen. Dennoch lohnt sich ein Blick auf die dahinter stehende theoretische Debatte für ein besseres Verständnis des Konzeptes von „Gender“ und für die Herausforderungen im Bereich gendersensibler Statistik. GENDER MAINSTREAMING IM MAGISTRAT DER STADT WIEN Ziel von Gender Mainstreaming ist es die ein Geschlecht strukturell benachteiligenden Unterschiede, etwa in den sozioökonomischen Lebensrealitäten, abzubauen, Chancengerechtigkeit zu gewährleisten und rollenstereotypes Verhalten und tradierte Erwartungshaltungen aufzubrechen. Es geht auch immer darum, bestehende gesellschaftliche Machtverhältnisse und unterschiedliche Partizipationsmöglichkeiten von Frauen und Männern sichtbar zu machen. Die von der Gesellschaft normierten Geschlechterrollen werden dabei als veränderbar und sich auch tatsächlich verändernd angenommen. 1 Dementsprechend müssen sich auch Strukturen und Institutionen verändern bzw. bestehen hier Wechselwirkungen. Dezidiert kein Ziel von Gender Mainstreaming ist es – wie häufig unterstellt – jegliche Unterschiede zwischen Frauen und Männern aufzuheben. Im Magistrat der Stadt Wien ist Gender Mainstreaming seit 2000 verankert; 2005 wurde es mit der damaligen Projektstelle, dem heutigen Dezernat Gender Mainstreaming, institutionell in der Magistratsdirektion angesiedelt. Im Dezernat Gender Mainstreaming wird von der These ausgegangen, dass die Lebensrealitäten und Chancen in der Gesellschaft für Frauen und Männer immer noch verschieden sind. Deshalb sollen bei allen Entscheidungen, Projekten und Vorhaben der Verwaltung die unterschiedlichen Interessen und Bedürfnisse von Frauen und Männern berücksichtigt werden. Unter diesen Voraussetzungen führt die Anwendung von Gender Mainstreaming dazu, dass die Produkte und Dienstleistungen der Stadt Wien dazu beitragen, die Gleichstellung von Frauen und Männern in Wien zu fördern. 2 Um die(unterschiedlichen) Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger zu erfassen bedarf es geschlechtersensibel erhobener und ausgewerteter Daten und entsprechender Analysen. Dies können Zufriedenheitsbefragungen sein, aber auch Nutzungsstatistiken, die mit Genderkompetenz 3 ausgewertet werden. Wenn etwa Mädchen einen Sportplatz oder Park weniger nutzen als Burschen, kann das an fehlenden sportlichen Angeboten oder z. B. einfach an fehlenden Umkleideräumen für Mädchen 1 Eckstein, Kirstin(2007): 180f. 2 Stadt Wien(2011): 4. 3 „Unabhängig von Alter, Einkommen, Bildungsstand, Herkunft und Familiensituation werden an Frauen und Männer noch immer unterschiedliche Erwartungen gestellt, und sie haben unterschiedliche Möglichkeiten und Grenzen. Personen mit Genderkompetenz verfügen über die Sensibilität, diese Unterschiede wahrzunehmen und sind bereit, weiteres Wissen zu erwerben und dieses im eigenen Arbeitsbereich anzuwenden“, Stadt Wien(2011): 41. GENDERSENSIBLE STATISTIK: LEBENSREALITÄTEN SICHTBAR MACHEN 39 liegen. Die Daten können Unterschiede aufzeigen und eine Entscheidungsgrundlage bieten, auf der Maßnahmen und Produkte treffsicherer gestaltet werden. Diese stärkere Zielgruppenorientierung führt im besten Falle dazu, dass die Angebote insgesamt besser und effizienter werden, da die Dienstleistungen konkreter für unterschiedliche Bedürfnisse geplant werden. 4 Aufgrund seiner zentralen Bedeutung handelt es sich beim Prinzip der geschlechterbezogenen Datenerhebung und-analyse auch um einen der fünf Gender Mainstreaming-Grundsätze für die Arbeit im Magistrat; neben den Grundsätzen der Verwendung einer geschlechtergerechten Sprache, dem gleichen Zugang für Frauen und Männer zu Dienstleistungen, der ausgeglichenen Beteiligung von Frauen und Männern bei Entscheidungen und der Integration von Gleichstellung in die Steuerungsinstrumente. 5 Auch für das gesetzlich verpflichtende Gender Budgeting 6 sind geschlechtersegregierte Daten eine wesentliche Grundlage. Bei der Umsetzung von Gender Budgeting in der Stadt Wien werden die geplanten Nutzerinnen- und Nutzerzahlen relevanter Maßnahmen im Voranschlag angegeben(wer soll mit der Maßnahme erreicht werden?) und im Rechnungsabschluss den tatsächlichen Nutzerinnen- und Nutzerzahlen, ebenfalls getrennt nach Geschlecht, gegenübergestellt. Indikatoren sollen den Gleichstellungserfolg der umgesetzten Maßnahmen sichtbar machen. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass gendersensible Statistiken notwendig sind, um immer noch bestehende Unterschiede in den Lebensrealitäten von Frauen und Männern zu erkennen(etwa mittels Indikatoren oder umfassenderen Monitoren, vergleiche dazu Kiessling in diesem Heft) und in der Folge Maßnahmen entsprechend zielgruppengerecht zu gestalten. Hedman et al. weisen in diesem Zusammenhang auf die besondere Bedeutung von Genderstatistiken hin, da Geschlechterverhältnisse oft falsch wahrgenommen würden. So würden Menschen in Ländern, in denen Gesetze und andere Regelungen Gleichstellung und Menschenrechte garantieren häufig dazu tendieren zu glauben, dass Gleichstellung tatsächlich schon erreicht ist und die bestehenden Diskriminierungen unterschätzen.„And wrong perceptions prevent people from changing the situation“. 7 In vielen Bereichen ist es notwendig eine„Geschlechterblindheit“ zu überwinden. Darunter ist zu verstehen, dass Geschlecht als Variable ignoriert wird und Themen oder Fachbereiche als geschlechtslos oder geschlechtsneutral dargestellt werden, die es meistens eben nicht sind. Geschlechtersensible Statistiken können helfen diese „Blindheit“ oder Ausblendung des Strukturmerkmals Geschlecht zu hinterfragen. ENGENDERING STATISTICS – GENDERSENSIBLE DATEN IM STATISTISCHEN MAINSTREAM Auf internationaler Ebene und insbesondere seitens der Vereinten Nationen(UN) wird das Thema geschlechtersensible Statistik seit einigen Jahrzehnten verfolgt (siehe hierzu Maltschnig et al. in diesem Heft) und es existiert mittlerweile eine Vielzahl an Handbüchern und online-Tools. 8 Hier wird geschlechtersensible Statistik meistens als umfassender Prozess beschrieben, der weit mehr umschließt als Daten nur nach dem Geschlecht zu differenzieren. Vielmehr sind alle Phasen im statistischen Produktionsprozess betroffen, was etwa in einem online-Tool der UN so zusammengefasst wird: „Integrating a gender perspective into data collection goes beyond recording the sex of the respondent(or household member, reference person, or head of the household, for that matter). It entails a review of the data collection process in all its stages – from the selection of topics to be covered by the survey or census, to questionnaire or form design, sample design, selection and training of interviewers and supervisors, data collection in the field, data coding and data editing – and paying attention to all factors that could potentially lead to a gender bias in the data.“ 9 Es geht also darum, die Geschlechterperspektive in alle Bereiche von der Themenauswahl über die Form der Erhebung und die Fragenbogen und Interviewgestaltung bis zur Datenerhebung und-aufbereitung zu integrieren. Ein idealtypischer Prozess zur Produktion von„Genderstatistiken“ wird im Handbuch„Engendering Statistics. A Tool for Change“ dargestellt 10 , das bereits 1996 von Statistics Sweden herausgegeben wurde und bis heute als zentrales Grundlagenwerk der ge4 Jary, Karin(2013): 10. 5 Stadt Wien(2011): 9. 6 Art. 13(3) des Bundes-Verfassungsgesetzes lautet„Bund, Länder und Gemeinden haben bei der Haushaltsführung die tatsächliche Gleichstellung von Frauen und Männern anzustreben.“ 7 Hedman, Birgitta/ Perucci, Francesca/ Sundström, Pehr(1996): 41. 8 Als Beispiele seien genannt: United Nations Statistics Division: Gender Statistics Manual. Integrating a gender perspective into statistics, http:// unstats.un.org/unsd/genderstatmanual/Default.aspx[16.01.2014] oder United Nations Economic Commission for Europe(UNECE): Gender Statistics, http://www.unece.org/stats/gender/[16.01.2014]. 9 United Nations Statistics Division. 10 Hedman, Birgitta/ Perucci, Francesca/ Sundström, Pehr(1996): 8ff. 40 STATISTIK JOURNAL WIEN schlechtersensiblen Statistik gilt. Die Autorinnen und Autoren haben einen mehrstufigen Prozess entwickelt, in dem insbesondere der Identifizierung von Fragestellungen und Bedürfnissen ein großer Stellenwert eingeräumt wird. In diesem Zusammenhang wird auch die Notwendigkeit des Austausches zwischen Statistikproduzentinnen und-produzenten(„Producer“) und Anwenderinnen und Anwendern(„User“) als zentraler Punkt in der Entwicklung geschlechtersensibler Statistiken betont: der konkrete Datenbedarf muss artikuliert und von den Produzentinnen und Produzenten erfasst werden können. Auch das Problem von Datenlücken wird aufgegriffen und die Erfordernisse, neue Daten Genderstatistik Der Produktionsprozess zu erheben oder auch verschiedene Datenquellen zu kombinieren um Statistiken zu verbessern, dargestellt. Hedman et al. beschreiben die Produktion von„Genderstatistiken“ als„never ending process“: zum einen ist es ein kontinuierlicher Prozess neue Entwicklungen in die gesamte amtliche Statistik zu integrieren. Zudem liefern neue Daten den Anwenderinnen und Anwendern immer neue Erkenntnisse über die Lebensbedingungen von Frauen und Männern und dies kann wieder zu einem neuen Bedarf an Daten führen. 11 11 Hedman, Birgitta/ Perucci, Francesca/ Sundström, Pehr(1996): 11. NutzerInnen von Statistik Probleme und Fragestellungen zu Genderthemen in der Gesellschaft ..................... Identifizieren Kooperation Erfordernisse zur Verbesserung der Situation von Frauen und Männern ..................... Identifizieren ProduzentInnen von Statistik Gleichstellungsziele Bedarf an Datenmaterial Relevante Daten und Indikatoren ..................... Spezifizieren ..................... Identifizieren ........................ Auflisten Verfügbare Statistik Datenlücken ... Identifizieren Quellen ........................................ Identifizieren Datenqualität Mögliche Quellen .. Recherchieren Bedarf zur Verbesserung von Inhalt, Maßnahmen, Konzepten und Klassifikationen ... Spezifizieren Neue Daten ...... Sammeln Datenauswahl ............... Zusammenstellen Analyse ...................... Analysieren Präsentation ..................... Präsentieren Veröffentlichung ................... Veröffentlichen © Statistics Sweden, Gender Statistics; Deutsche Übersetzung: MA 23. Quelle: Hedman, Birgitta/Perucci, Francesca/Sundström, Pehr(1996): 8. GENDERSENSIBLE STATISTIK: LEBENSREALITÄTEN SICHTBAR MACHEN 41 „ALL STATISTICS ON INDIVIDUALS SHOULD BE COLLECTED BY SEX.(…) ALL STATISTICS SHOULD REFLECT GENDER ISSUES“ 12 Dass die Erstellung von Genderstatistiken das gesamte System der amtlichen Statistik betrifft ist ein zentraler Punkt im schwedischen Handbuch: Konzepte und Methoden der Datenerhebung und-präsentation müssen Genderaspekte reflektieren und alle Faktoren, die einen Genderbias produzieren können, berücksichtigen. 13 Es geht also um ein Mainstreaming bzw. um ein Engendering der gesamten Statistik. Dies entspricht grundsätzlich dem oben erwähnten Gender Mainstreaming-Grundsatz über geschlechterbezogene Datenerhebungen und Datenanalysen im Magistrat der Stadt Wien: alle Personen-Daten sollen nach Geschlechtern getrennt aufbereitet und auf mögliche weitere Genderaspekte geprüft werden, und nicht nur beispielsweise jene Daten, die direkt für die konkrete Frauen- und Gleichstellungspolitik relevant sind. Gleichstellungs- und Genderaspekte müssen in allen Themenbereichen mitbedacht und analysiert werden. Darüber hinaus soll aber auch„Gender“ in den Mainstream der Statistik gebracht werden. Dies wird auch durch das Konzept des„Engendering“ deutlich. Hier geht es darum, eine Geschlechterperspektive und/ oder-sensibilität in bestehende Bereiche oder Politikfelder, wie der Statistik oder häufig der Makroökonomie, zu integrieren um deren Geschlechterblindheit zu überwinden. Ziel ist die Reformulierung eines konkreten Bereichs, hier der Statistik, aus der Geschlechterperspektive. 14 Ein wichtiger Punkt bei Statistiken ist etwa, Faktoren, die einen Genderbias produzieren können zu identifizieren und zu berücksichtigen. Unter einem Genderbias wird ein geschlechtsbezogener Verzerrungseffekt verstanden, durch den Daten und Forschungsergebnisse(nachteilig) beeinflusst werden können. Die drei häufigsten Formen des Genderbias sind nach dem „GenderKompetenzZentrum“ 15 : der Androzentrismus, Geschlechterinsensibilität und doppelte Bewertungsmaßstäbe. Androzentrismus in der Forschung bedeutet, dass Probleme und Sichtweisen(implizit) aus einer 12 Hedman, Birgitta/ Perucci, Francesca/ Sundström, Pehr(1996): S.42. 13 Hedman, Birgitta/ Perucci, Francesca/ Sundström, Pehr(1996): S.42. 14 Çaglar, Gülay(2009): 17. 15 Das„GenderKompetenzZentrum“ wurde 2003 von Prof. in Dr. in Susanne Baer, LL.M. an der Humboldt-Universität Berlin gegründet. Zentrale Aufgabe war die Begleitung von Gender Mainstreaming und gleichstellungspolitischer Strategien der deutschen Bundesregierung. Seit 2010 wird das Projekt in Selbstständigkeit fortgeführt, seit 2011 als Einrichtung des Vereins Gender/Queer e.V. Die Homepage bietet ein umfassendes Angebot und Nachschlagewerk für viele Themen im Bereich Gender Mainstreaming. http://www.genderkompetenz.info/ [21.01.2014]. männlichen Perspektive untersucht werden, obwohl es sich um Fragen handelt, die Frauen gleichermaßen betreffen. Dies kann im Bereich der Daten heißen, dass Frauen in der Erhebung ausgelassen werden oder unterrepräsentiert sind, die Ergebnisse aber auf Frauen und Männer geschlossen werden(etwa ein Problem, wenn Medikamente nur an Männern getestet werden, aber gleichermaßen auch von Frauen eingenommen werden). Ein Genderbias liegt aber auch vor, wenn in Studien über Alleinerziehende nur Daten von Frauen erhoben werden. Mit Geschlechtsinsensibilität ist Geschlechterblindheit gemeint – das Geschlecht wird in der Forschung als Variable ignoriert. Dies kann der Fall sein, wenn der Haushalt als kleinste Einheit untersucht und dadurch die Geschlechterbeziehungen innerhalb des Haushaltes ausgeblendet werden. Aber auch die häufige Nichtthematisierung von unbezahlter Arbeit und ihrer Verteilung ist ein typisches Beispiel für Geschlechterinsensibilität in der Arbeitsmarktforschung. Unter doppelten Bewertungsmaßstäben ist zu verstehen, dass bei Frauen und Männern identische Eigenschaften oder Verhaltensweisen unterschiedlich beurteilt oder untersucht werden, etwa durch den Einfluss von Stereotypen. Ein Beispiel für eine unterschiedliche Beurteilung wäre, wenn Kinderbetreuungspflichten bei Frauen als normal und positiv, bei Männern aber als abweichendes Verhalten dargestellt würden. 16 Hedman et al. führen eine Menge weiterer Punkte an, bei denen Genderaspekte übersehen und gesellschaftliche Genderstereotype in der Statistikerstellung reproduziert werden können. Dies geht von der Zusammensetzung von Stichproben, über die verwendete Sprache in Konzepten und Fragebögen, der Festlegung von Referenzzeiträumen und der Gender- oder Nichtgendersensibilität von Interviewerinnen und Interviewern bis zur Auswahl der Respondentinnen und Respondenten. 17 So ist ein Mindestmaß an Genderkompetenz bei Interviewerinnen und Interviewern notwendig um bei bestimmten Themenbereichen keine Stereotype zu reproduzieren, oder es sollte bedacht werden, dass Respondentinnen und Respondenten unterschiedliche Angaben machen können, je nachdem, ob das Interview alleine geführt wird oder ob weitere Haushaltsmitglieder anwesend sind. Ein Beispiel für die Bedeutung der Festlegung von Referenzzeiträumen kann sein, dass Frauen und Männer in unterschiedlichem Ausmaß an saisonaler Arbeit beschäftigt sein können, was wiederum Auswirkungen auf die Forschungsergebnisse haben kann etc. 16 vgl. zu diesem Absatz: GenderKompentenzZentrum(a). 17 Hedman, Birgitta/ Perucci, Francesca/ Sundström, Pehr(1996): 60f. 42 STATISTIK JOURNAL WIEN Ein Bewusstsein über die aufgeführten Punkte zum Genderbias und der Reproduktion von Stereotypen und entsprechende Gegenmaßnahmen können insgesamt zu einer Erhöhung der Qualität von Statistiken führen, wie etwa in einem Genderstatistik-Handbuch der United Nations Economic Commission for Europe (UNECE) und des World Bank Institute betont wird. Denn mithilfe von Genderstatistiken können die Lebensrealitäten der gesamten Bevölkerung besser beschrieben werden:„gender statistics have an important role in improving the whole statistical system, pushing it to describe more accurately and fully the activities and characteristics of the whole population, which is made of women and men“. 18 SEXCOUNTING – KÖPFEZÄHLEN ODER GENDERSTATISTIK? Wie eingangs beschrieben wird im Unterschied zum biologischen Geschlecht unter dem Begriff„Gender“ das„soziale, kulturell geprägte“ oder auch„anerzogene“ Geschlecht verstanden. Gender bezieht auch die Erziehung und Sozialisation nach bestimmten Geschlechterrollen und gesellschaftliche Erwartungen an Frauen und Männer ein. In der Praxis werden die Begriffe„Geschlecht“ bzw.„Sex“ und„Gender“ jedoch häufig vermischt oder synonym verwendet. Dies kann zu Verwirrungen und Missverständnissen führen, da hinter den verschiedenen Begriffen auch unterschiedliche Konzepte stehen. Gerade der weithin etablierte Begriff der„Genderstatistik“ ist auf diese Problematik hin zu hinterfragen. In den allermeisten Fällen handelt es sich bei„Genderstatistiken“ um Daten, die nach dem biologischen Geschlecht(Frauen/Männer) getrennt erfasst und ausgewertet werden. Die Kategorie oder Variable„Gender“ im oben beschriebenen Sinn ist als solche nicht oder nur sehr schwer erfassbar. 19 Auch Corner hält„Gender“ für keine brauchbare Kategorie um Statistiken oder statistische Variablen zu definieren, da Genderaspekte von verschiedenen Betrachterinnen und Betrachtern unterschiedlich eingeschätzt werden können. Sie hält fest:„gender statistics are disaggregated by sex and not by gender“ 20 . tischen Gründen, wie der Machbarkeit, in Datenerhebungen und-auswertungen gleichzusetzen sind. So steht etwa Döring dem Argument, das biologische Geschlecht als Stellvertreter für das soziale Geschlecht zu erheben,„da die meisten Personen auch gemäß ihres biologischen Geschlechts geschlechtsspezifisch sozialisiert werden, sodass mit der Abfrage des biologischen Geschlechts bereits annäherungsweise auch das soziale Geschlecht erfasst sei“ sehr kritisch gegenüber. Sie sieht hier die Gefahr, dass in der Sozialforschung die Konstruktion des sozialen Geschlechts letztlich doch ausgeblendet wird und das biologische Geschlecht auch dann als Erklärungsfaktor gilt, wenn er„tatsächlich gar nichts erklärt“. 21 Corner weist hingegen auf den starken Zusammenhang von „sex“ und„gender“ im Alltagsleben hin. Sie führt als einen der wesentlichen Gründe für das Interesse an geschlechtersegregierten Daten an, die Geschlechterunterschiede von Frauen und Männern bzw. Mädchen und Jungen, wie bei der Erwerbsbeteiligung oder der Bildungsstufe, zu einem bestimmten Zeitpunkt offenzulegen, die Folge der„Genderunterschiede“ in ihren Lebensverläufen sind. So sind beispielsweise die niedrigeren Erwerbsbeteiligungsraten von Frauen ein Ergebnis der Rolle, die dem sozialen Geschlecht „Frau“ zugeschrieben wird(Frauen bleiben eher als Männer bei der Kindererziehung zuhause). 22 Ein Blick auf die die Erwerbs- und Teilzeitquoten der 25- bis 49-jährigen Frauen und Männer mit und ohne Kinder in Österreich scheint Corners These zu bestätigen. Hier wird das nach wie vor gelebte traditionelle männliche Familienernährermodell bzw. seine modernere Form mit einer Frauenteilzeitbeschäftigung sehr deutlich: während die Erwerbsquoten von Frauen und Männern ohne Kinder nahezu angeglichen um die 90% liegen, steigen sie bei Männern mit Kindern auf ca. 97%, bei Frauen mit Kindern sinken sie auf ca. 80%. Männer erhöhen ihre Erwerbsbeteiligung also sogar beim Vorhandensein von Kindern. Noch deutlicher wird das Bild beim Blick auf die Teilzeitquoten: liegt diese bei Frauen ohne Kinder bei ca. 30%, steigt sie auf über 70% bei Frauen mit Kindern an. Bei Männern hingegen reduziert sich die ohnehin geringere Teilzeitquote von ca. 8% sogar noch um drei Prozentpunkte, wenn Kinder vorhanden sind. Es ist mitunter eine schwierige Debatte, inwieweit das biologische und das soziale Geschlecht aus pragma18 United Nations Economic Commission for Europe(UNECE). und World Bank Institute(2010): 7. 19 vgl. Eckstein, Kirstin(2007): 181. 20 Corner, Lorraine(o.J.): 4. 21 Döring, Nicola(2013): 104. 22 Corner, Lorraine(o.J.): 4. GENDERSENSIBLE STATISTIK: LEBENSREALITÄTEN SICHTBAR MACHEN 43 Erwerbsquoten und Teilzeitquoten der 25- bis 49-Jährigen mit/ohne Kinder unter 15 Jahren seit 1995 in Österreich 100 80 60 40 20 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 Erwerbsquote Männer ohne Kinder unter 15 Jahren Erwerbsquote Männer mit Kindern unter 15 Jahren Erwerbsquote Frauen ohne Kinder unter 15 Jahren Erwerbsquote Frauen mit Kindern unter 15 Jahren(exkl. Elternkar.) Quelle: Statistik Austria, Arbeitskräfteerhebung 2013. Teilzeitquote Männer ohne Kinder unter 15 Jahren Teilzeitquote Männer mit Kindern unter 15 Jahren Teilzeitquote Frauen ohne Kinder unter 15 Jahren Teilzeitquote Frauen mit Kindern unter 15 Jahren(exkl. Elternkar.) DAS PROBLEM VON KATEGORISIERUNGEN UND DER HETERONORMATIVITÄT Grundsätzlich ist bei der Arbeit mit gendersensiblen Daten die Bildung von starren Kategorien, also„die Frauen“ und„die Männer“ immer auch kritisch zu hinterfragen. Da„Kategorien Vorstellungen über die Existenz homogener Gruppen produzieren“ können sie erst recht zur Förderung und Weiterbildung von Stereotypen und Vorurteilen über Gruppen beitragen. 23 Es ergibt sich schnell eine scheinbar paradoxe Situation, wenn im Bereich von Gleichstellungs- und insbesondere auch Diversitätspolitik, Differenzen und Zuschreibungen von Stereotypen durch die Bildung von Kategorien verstärkt werden, anstatt sie aufzulösen oder zu überwinden. Im Gegensatz zur individuellen Diskriminierung sind strukturelle Benachteiligungen jedoch nur durch die Bildung von Gruppen und der Gegenüberstellung zu anderen Gruppen möglich. Deshalb ist eine Kategoriebildung mittelfristig zu Analysezwecken unausweichlich, um Ungleichheiten sichtbar zu machen, um die Unterschiede langfristig abzubauen und damit auch die Notwendigkeit von Kategorien zu überwinden. Hofmann hält beispielsweise bei aller Problematik auch fest, dass Kategorisierungen„eine wesentliche Orientierungsfunktion[erfüllen], indem sie Komplexität reduzieren und Handlungsfähigkeit im Alltag herstellen“. 24 Hanappi-Egger führt aus, dass Kategorien zur Analyse wichtig sind. Dies muss allerdings verstanden werden und im Bewusstsein bleiben: sie sind„als Analyserahmen zu verstehen und nicht als Handlungsanleitung, die in der Tat zu einer Reproduktion führen würde“. 25 Wichtig ist, die Kategorien und ihre Konstruktion immer auch kritisch zu hinterfragen bzw. transparent zu machen, dass es sich eben um Analysekonstruktionen handelt. Dies gilt auch für die häufig immanente Annahme von„Heteronormativität“, die im Wesentlichen Heterosexualität als Norm festlegt und damit einhergehend ein binäres Geschlechtersystem postuliert. Demnach gibt es genau zwei biologische, eindeutig voneinander abgrenzbare Geschlechter. 23 Hofmann, Roswitha(2012): 31. 24 Hofmann(2012): 32. 25 Hanappi-Egger, Edeltraud(2012): 196. 44 STATISTIK JOURNAL WIEN Exkurs: neuere, wissenschaftliche Ansätze zur Erfassung der Kategorie„Gender“ 1 Nicola Döring veröffentlichte kürzlich einen Artikel, in dem sie sich mit der Problematik der Operationalisierung von Geschlecht in sozialwissenschaftlichen Fragebögen auseinandersetzt. Neben der Kritik an der herkömmlichen Darstellung der Variable„Geschlecht“ mit zwei Antwortmöglichkeiten(„weiblich“/„männlich“) bei der einfachen Abfrage des Geschlechts in Fragebögen(Einzel-Items) liefert sie auch Ansätze,„Gender“ als Kategorie zu fassen. Durch die Tatsache, dass„Geschlecht“ in Fragen mittels EinzelItem meistens als dichotome Variable(„männlich“ oder„weiblich“) erhoben wird, werden die methodisch verlangten Kriterien der Eindeutigkeit, Exklusivität und Exhaustivität von nominalskalierten Variablen 2 nicht erfüllt. So wird nicht eindeutig klar, was unter Geschlecht zu verstehen ist, es kann sowohl das biologische als auch das soziale Geschlecht gemeint sein. Aus einer queer-theoretischen Perspektive ist auch die Exklusivität (jede Person muss in eine Variablen-Ausprägung fallen) nicht gegeben, da sich Personen auch als weiblich und männlich oder als weder weiblich noch männlich definieren können. So ist auch die Exhaustivität(jede Merkmalsausprägung muss abgedeckt sein) nicht gegeben, da sich etwa intersexuelle bzw. intergeschlechtliche und transsexuelle bzw. transidente Personen nicht zuordnen können. Döring verweist auf Erkenntnisse der Gender- und Queerforschung, wonach bei beiden Dimensionen von Geschlecht, also auch der biologischen, von mehr als zwei Ausprägungen auszugehen ist. Dies verdeutlicht sie am Beispiel von Geschlechtsüberprüfungstests im Sport, bei denen es bei mehreren Tests einer Person zu uneinheitlichen Ergebnissen kommen kann. Ein pragmatischer Lösungsansatz wäre ein halboffenes Item mit drei Antwortalternativen auf die Frage nach dem Geschlecht(männlich, weiblich, anderes, und zwar: …). Kritikpunkte sind jedoch zu bedenken, wie etwa die Hierarchisierung der Anordnung erst Männer, dann Frauen dann„die“ Anderen, die gesellschaftliche Machtverhältnisse unkritisch widerspiegelt und auch die symbolische Ausgrenzung von Personen über das Wort„anderes“. Zudem besteht das Problem, dass während geschlechtssensible Befragte mehr als zwei Antwortmöglichkeiten erwarten, die Ankreuzmöglichkeit„anderes“ für nicht-sensibilisierte Personen eine Irritation oder Provokation darstellen 1 Der Exkurs beruht auf einer Zusammenfassung des Artikels von Döring, Nicola(2013): Zur Operationalisierung von Geschlecht im Fragebogen: Probleme und Lösungsansätze aus Sicht von Mess-, Umfrage-, Gender- und Queer-Theorie, in: Gender. Zeitschrift für Geschlecht, Kultur und Gesellschaft. 2 Nominalskalierte Variablen werden durch Bezeichnungen messbar gemacht (Beispiel: Religionszugehörigkeit). Zwischen den Merkmalsausprägungen besteht keine Rangfolge. kann. Dies kann bewusst gewünscht sein, es kann aber auch zu unerwünschten Wirkungen wie der Ablehnung oder unsinnigen Beantwortung des Fragebogens führen. Zudem darf die Anonymität der Befragten nicht gefährdet sein und Personen nicht ungewollt geoutet werden. Weiters ist der Informationsnutzen der Erfassung zu hinterfragen, denn bei einer normalen Stichprobengröße, werden in der Regel so wenige Personen„anderes“ ankreuzen, dass weitere Auswertungen nicht möglich sind und die Fälle aus der Analyse ausgeschlossen werden. Auch„Gender“ kann nicht nur binär(entweder feminine oder maskuline Geschlechtsrolle) dargestellt werden, da es sich um ein mehrdimensionales Konstrukt handelt, in das u. a. das Geschlechterrollenverhalten, der Geschlechtsausdruck oder auch die geschlechterpolitische Identität fällt. Entsprechend gibt es (relativ) zeitstabile aber auch situationsabhängige Zustände. Die Operationalisierung des„sozialen Geschlechts“ ist daher sehr schwierig. Nach Döring ist sie ebenfalls – am ehesten – mit einem halboffenen Item oder mit einem völlig offenen Statement/Item(etwa„Hinsichtlich meiner Geschlechterrolle definiere ich mich…“) möglich. Neben dem hohen Auswertungsaufwand gelten ähnliche Probleme, wie oben beschrieben. Messtheoretische Probleme sind die Herstellung der Eindimensionalität, die Vorgabe erschöpfender und trennscharfer Items und möglicherweise Datenschutzprobleme.„Geboten ist eine differenzierte und ausdrückliche Erhebung des sozialen Geschlechts“ nach Döring„immer dann, wenn soziale Geschlechtseffekte im Kontext der Forschungsfrage theoretisch begründet eine Rolle spielen und es vermieden werden soll, Geschlechterstereotype zu reifizieren.“ 3 Weiters stellt Döring die Möglichkeit vor, das(soziale) Geschlecht als kontinuierliche Variable über Skalen zu erheben. Hier wird nicht gefragt ob sich eine Person als maskulin oder feminin einordnet, sondern in welchem Maße sie sich jeweils auf einem Kontinuum einordnet. Dies wird anhand mehrerer Fragen ermittelt. Skalen haben jedoch den Nachteil, dass sie den Fragebogen deutlich verlängern (eine Gender-Skala umfasst i.d.R. 20 bis 60 Items): Dies wird oft als für die Befragten nicht zumutbar eingeschätzt bzw. besteht die Gefahr, dass die Antwortsorgfalt sinkt. Zudem existiert derzeit nur eine begrenzte Zahl verfügbarer Gender-Skalen; neue zu entwickeln ist sehr aufwendig. Die Instrumentenentwicklung wird von Döring als noch nicht ausreichend eingeschätzt. 3 Döring, Nicola(2013): 107. GENDERSENSIBLE STATISTIK: LEBENSREALITÄTEN SICHTBAR MACHEN 45 Es ist nicht abzustreiten, dass nach Geschlecht segregierte Daten die Annahme eines binären Geschlechtersystems verstärken können. Es wird dennoch von ihrer Notwendigkeit und Wichtigkeit ausgegangen. Derzeit werden die u.a. von Döring aufgezeigten methodischen Probleme als zu groß angesehen, um eine Umsetzung der Öffnung der binären Zuordnung des Geschlechts in der amtlichen Statistik möglich zu machen. Zudem ist es fraglich, ob die mitunter kleinen Fallzahlen und daraus abgeleitete Schlüsse nicht eher zu Stigmatisierungen führen können und dadurch die negativen Folgen die positiven Effekte, wie das Sichtbarmachen der Verschiedenheit von Menschen, überwiegen können. Die Alternative, wie etwa aus einer queer-theoretischen Sichtweise manchmal formuliert, bewusst auf die Erfassung des Geschlechts zu verzichten 26 , wird aber auch abgelehnt. Die Gefahr, damit eine Geschlechterblindheit und das Verkennen struktureller Benachteiligung einer großen gesellschaftlichen Gruppe, der Frauen, zu erzeugen, wird als zu groß eingeschätzt. Genderkompetenten Personen ist diese Problematik sehr wohl bewusst und der Abbau von Diskriminierungen und Ungleichbehandlungen von transsexuellen bzw. transidenten Personen und die Förderung einer selbstbestimmten Lebensweise sind wichtige Ziele – auch unabhängig von Statistiken. 27 Aktuelle Diskussionen in Europa über eine mögliche rechtliche Anerkennung eines dritten Geschlechts und damit einer weiteren Kategorie und deren teilweise erste Umsetzung – auch in anderen Teilen der Welt – sind jedenfalls weiter zu beobachten. 28 GENDERSTATISTIK MEINT MEHR ALS REINES KÖPFEZÄHLEN… In der Fachdebatte hat sich der Begriff der Genderstatistik mit dem Bewusstsein der eigentlichen sprachlichen und konzeptionellen Unterschiede zwischen „sex“ und„gender“ etabliert. Es wird aber vom oben – etwa in den Definitionen der UN-Organisationen – beschriebenen, umfassenden Verständnis ausgegangen, das eine Genderperspektive in allen Phasen des statistischen Produktionsprozesses einfordert. Eine Abgrenzung besteht im Verständnis vieler Fachexpertinnen und Fachexperten zum sogenannten„sexcounting“ oder – im Versuch einer sinnesgleichen Übersetzung –„Köpfezählen“, bei dem lediglich bestehende Personenstatistiken nach Frauen und Männern im Sinne des biologischen Geschlechts differenziert werden. In einem umfassenden Verständnis von Genderstatistik werden Erkenntnisse der Frauen- und Genderforschung in die Fragestellung der Statistik integriert, z.B. bei der Überlegung, welche Daten erhoben werden, und welche zusätzlichen Daten vielleicht notwendig sind um die realen Lebensverhältnisse von Frauen und Männern mit der Statistik widerzuspiegeln. Ein bekanntes aber dennoch gutes und wichtiges Beispiel ist die Erwerbsbeteiligung von Frauen und Männern. Im Sinne eines reinen sexcounting würden hier die Zahlen der Erwerbspersonen und Erwerbstätigen sowie die entsprechenden Raten nach den Geschlechtern getrennt ausgewiesen. Mit einem Grundwissen an Gleichstellungspolitik wird jedoch schnell klar, dass dies unzureichend ist, um das Ausmaß der Erwerbsbeteiligung richtig einzuordnen. So sind etwa Daten über das Arbeitszeitvolumen(Vollzeit, Teilzeit – wiederum aufgeteilt nach dem Ausmaß – oder Vollzeitäquivalente) dringend notwendig. Je nach Art der Fragestellung sind zudem Daten über die Qualität der Erwerbsarbeit (prekäre Beschäftigung, Befristungen, Niedriglohnbereich vs. Normalarbeitsverhältnis), Verteilung der unbezahlten Arbeit oder auch die öffentlich verfügbaren Kinderbetreuungsplätze von Interesse. Letztere ist selbst wieder ein gutes Beispiel für eine Genderstatistik im weiteren Sinne. So reicht es nicht aus lediglich die Quote der betreuten Kinder auszuweisen, sondern es sollten die Daten auch nach dem Umfang der Betreuungszeiten, Schließtage im Jahr, Schließzeiten während der Mittagspausen etc. betrachtet werden, um letztlich die Frage beantworten zu können, ob das Angebot an Kinderbetreuung eine Vollzeitbeschäftigung beider Elternteile möglich macht. Zudem bedeutet ein umfassendes Verständnis von Genderstatistik auch geeignete Indikatoren zu verwenden(bekannt sind hier etwa der Gläserne Decke Index, der Dissimilaritätsindex oder in Wien der Gender Mainstreaming Syndex 29 ) und neue, für den konkreten Bedarf relevante Indikatoren zu entwickeln(vgl. hierzu Maltschnig et al. und Kiessling in diesem Heft). Von diesem Verständnis von„Genderstatistik“ wird auch bei der Stadt Wien ausgegangen:„Eine Genderstatistik spiegelt die Lebensverhältnisse von Frauen und Männern wider“ 30 . Es wird der pragmatische Ansatz der Differenzierung von Statistiken nach dem biologischen Geschlecht – beim Bewusstsein der Pro26 Döring, Nicola(2013): 102. 27 vgl. hierzu etwa die Arbeit der Wiener Antidiskriminierungsstelle für gleichgeschlechtliche und transgender Lebeweisen: http://www.wien.gv.at/queerwien/ wa.htm[12.12.2013]. 28 Stadt Wien, WASt(2013): 28. 29 vgl. zu diesen Indikatoren die Homepage der MA 23„Gender Indikatoren – Statistiken“: http://www.wien.gv.at/statistik/gender/indikatoren/index.html [10.01.2014]. 30 Stadt Wien(2011): 17. 46 STATISTIK JOURNAL WIEN blematik der Kategorisierungen und der unterschiedlichen„sex“-„gender“-Konzepte – erweitert um zusätzliche Daten, die fundierte Genderanalysen ermöglichen, verfolgt. So können bestehende Unterschiede zwischen den Geschlechtern aufgedeckt, strukturelle und gesellschaftliche Benachteiligungen sichtbar gemacht und Maßnahmen hiernach ausgerichtet werden. Oft ist es zielführend auch weitere Daten zu erfassen, wie das Alter, den sozioökonomischen Hintergrund, etwaigen Migrationshintergrund oder auch den Bildungsstand. Nur so können die Lebensrealitäten von Frauen und Männern umfassend widergespiegelt werden. Diese Verschränkung von Kategorien, auch als Intersektionalität bekannt, ist auch sehr wichtig um mehrdimensionale Diskriminierung aufzuzeigen. 31 „Die Frauen“ und„die Männer“ sind keine in sich homogenen Kategorien. Mitunter sind beispielweise die Unterschiede zwischen Frauen mit Kindern und Frauen ohne Kinder größer als zwischen Frauen und Männern, wie etwa das obige Beispiel zu den Erwerbs- und Teilzeitquoten zeigt. Auch bei der statistischen Erfassung von Mehrfachdiskriminierungen muss jedoch darauf geachtet werden, dass die Datenmenge ausreichend groß bleibt um qualitative und repräsentative Aussagen treffen zu können. Andernfalls sollte auf diese Darstellungen verzichtet werden und besser auf qualitative Forschungsmethoden zurückgegriffen werden. Dieses Argument darf allerdings nicht als Vorwand dienen, um nicht weitere Daten in diesen Bereichen zu erheben. 31 GenderKompetenzZentrum(b). Exkurs: Forschung im Bereich der Intrahaushaltsverteilung Ein Sondermodul der EU-SILC Erhebung 1 2010 lieferte erstmals Daten, die Informationen über die Einkommensverteilung und Entscheidungsfindung innerhalb von Haushalten bzw. Partnerschaften ermöglichen. Mader et al. haben diese Daten ausgewertet und können für Österreich aufzeigen, dass(nur) 57% der befragten Paare finanzielle Entscheidungen im Allgemeinen gemeinsam treffen. Bei einer genaueren Betrachtung der Art der Ausgaben wird deutlich, dass Entscheidungsfindungen innerhalb von Haushalten häufig nach stereotypen Mustern erfolgen. So sind etwa Frauen häufiger für Entscheidungen im Bereich „alltägliche Einkäufe“ und Ausgaben„für Kinder im Haushalt“(allein) zuständig. Spannend ist auch die 1 Bei der EU-SILC Erhebung handelt es sich um eine zentrale Grundlage für die Sozialstatistik in der EU. Die Erhebung wird jährlich durchgeführt und liefert Informationen über Einkommen und Lebensbedingungen der Privathaushalte. So steht die Abkürzung SILC für„Community Statistics on Income an Living Conditions“. Erkenntnis, dass bei einem Viertel der befragten Paare Uneinigkeit darüber bestand, wer die finanziellen Entscheidungen trifft; die Angaben der beiden PartnerInnen waren also widersprüchlich. Dies verdeutlicht zum einen die mitunter neuen Herausforderungen an Erhebungsinstrumente und Fragebogenentwicklungen und zeigt auf, dass Machtbeziehungen und-verteilungen innerhalb von Haushalten ein durchaus komplexes Thema sind. Mader et al. kommen auch zu dem Ergebnis, dass die in der Ökonomie und Statistik häufig getroffene Annahme, dass Personen in einem Haushalt gleichermaßen über die Ressourcen verfügen können, aufgrund der Ergebnisse ihrer Forschung mit den SILC-Daten zurückgewiesen werden muss. Diese ersten Erkenntnisse machen jedenfalls die Notwendigkeit weiterer Erhebungen und(getrennter) Befragungen von Einzelpersonen in Haushalten und ihrer Analyse im Rahmen von Intrahaushaltsverteilungen deutlich. Quelle: Mader, Katharina/Schneebaum, Alyssa/Skina-Tabue, Magdalena/Till-Tenschert, Ursula(2012): Intrahaushaltsverteilung von Ressourcen. Geschlechtsspezifische Verteilung von Einkommen und Entscheidungsmacht, in: Statistische Nachrichten 12/2012, 983–994. GENDERSENSIBLE STATISTIK: LEBENSREALITÄTEN SICHTBAR MACHEN 47 GENDERSENSIBLE STATISTIK – NOTWENDIGKEITEN UND HERAUSFORDERUNGEN Die Erstellung gendersensibler Daten ist, wie Statistik im Allgemeinen, immer als dynamischer Prozess zu verstehen: mit der Zeit tritt ein Bedarf an Veränderungen und Neuerungen auf, da etwa neue soziale Phänomene auftreten, neue gesellschaftspolitische Themen relevant werden oder andere politische Fragestellungen gestellt werden. Dies wird etwa im Bereich der geschlechtsspezifischen Gewaltstatistik deutlich(vgl. hierzu den entsprechenden Abschnitt im Artikel von Stephanie Kiessling) oder in den letzten Jahren in der Zunahme von prekären Beschäftigungsverhältnissen oder so genannten„working poor“, Menschen, die zwar einer Erwerbsarbeit nachgehen, aber dennoch nur ein Einkommen erzielen, das unter der Armutsgrenze liegt. Zudem bestehen in der geschlechtersensiblen Statistik noch große, bereits bekannte methodische Herausforderungen, wie insbesondere die Tatsache, dass viele Daten nur auf der Ebene von Haushalten und nicht nach Einzelpersonen erhoben werden. Speziell in der Sozialstatistik, die Themen wie Armut oder Vermögensverteilung beleuchtet, können so geschlechtersegregierte Daten und Aussagen nur für Einpersonenhaushalte dargestellt werden. Paar- oder Mehrpersonenhaushalte werden als eine Einheit betrachtet. Verteilungen oder Machtbeziehungen zwischen den Personen innerhalb des Haushaltes bleiben ausgeblendet, er bleibt eine„Black Box“. Dies macht geschlechtersensible Analysen und Aussagen in diesen gesellschaftspolitisch relevanten Themen nur sehr bedingt möglich. Hier lohnt sich aktuell ein Blick auf Forschungen im Bereich der Intrahaushaltsverteilung(siehe Exkurs auf Seite 46). GENDERSENSIBLE STATISTIK IN DER STADT WIEN Einleitend wurde beschrieben wie wichtig nach Geschlecht segregierte Daten für Gender Mainstreaming in der Stadt Wien sind. Dies gilt einerseits für frauen- und gleichstellungsspezifische Untersuchungen, wie etwa den Gleichstellungsmonitor oder auch die Einkommensberichte der Stadt Wien. Zudem ist aber auch hier der„Mainstream“-Ansatz von zentraler Bedeutung: in allen Themenbereichen und Politikfeldern sollten zumindest die Personen-Daten prinzipiell nach Geschlecht getrennt erhoben und ausgewertet werden und nicht etwa nur in den Bereichen, in denen Geschlechterunterschiede schon bekannt sind oder angenommen werden. Es ist nicht immer im Vorhinein offensichtlich, wo die Unterschiede liegen. Zudem werden Nutzerinnen- und Nutzerstatistiken und Zielindikatoren jährlich für die verpflichtenden Gender Budgeting Berichte benötigt. Die Praxis zeigt, dass es nicht immer ohne Weiteres und sofort möglich ist qualitativ hochwertige Gleichstellungsindikatoren zu entwickeln und Daten zu liefern. Es ist jedoch unumgänglich die Thematik ernst zu nehmen und in diese Richtung zu arbeiten. Wichtig sind dabei das wechselseitige Grundlagenwissen von Fachexpertinnen und-experten sowie ein regelmäßiger Austausch. So ist es notwendig, dass Statistikerinnen und Statistiker und Datenexpertinnen und-experten in den Abteilungen die Wirkungsmacht des Strukturmerkmals Geschlecht in der Gesellschaft bewusst ist um den Bedarf an nach Geschlechtern segregierten Daten und geschlechtersensiblen Statistiken zu verstehen. Zudem ist ein Gleichstellungsgrundlagenwissen bei der Erstellung und Analyse von Statistiken, wie etwa die divergierende Verteilung bezahlter und unbezahlter Arbeit und die Wichtigkeit von Kinderbetreuungseinrichtungen hilfreich. Umgekehrt sollten Gleichstellungs- und Genderexpertinnen und -experten im Magistrat über ein Mindestmaß an Methoden- bzw. statistischem Analysewissen verfügen, um aus Daten(die richtigen) entscheidungsrelevanten Informationen generieren zu können. Zudem ist es förderlich, wenn verschiedene Datenquellen eingeordnet und beispielsweise unterschiedliche Ergebnisse von Indikatoren verstanden werden können, wie etwa die vielen Aussagen über„den“ geschlechtsspezifischen Einkommensunterschied(siehe hierzu den Exkurs auf Seite 48). 32 Letztendlich ist der ständige Austausch auf allen relevanten Ebenen – Politikerinnen und Politiker, Führungskräfte in der Verwaltung, Wissenschafterinnen und Wissenschafter, Fachexpertinnen und-experten und Statistikerinnen und Statistiker – notwendig, um den Bedarf von und Anforderungen an(gendersensible(r)) Statistik deutlich zu machen, Möglichkeiten zu diskutieren und die entsprechenden Daten zu liefern 33 . 32 vgl. auch: Hedman, Brigitta et al(1996): 6. 33 vgl. auch Fürst, Ernst(2013): 27 und Jary(2013): 46. 48 STATISTIK JOURNAL WIEN Abschließend bleibt zu betonen, dass es sich bei geschlechtersensiblen Daten und Genderstatistiken nicht um einen Selbstzweck oder ein Ziel an sich handelt. Es muss vielmehr darum gehen, gemeinsam geeignete Daten und Indikatoren zu finden, um für Politik und Verwaltung aufzuzeigen, an welchen Schrauben gedreht werden muss, um gesellschaftliche Veränderungen im Sinne von Verbesserungen, wie der Verminderungen von Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten, zu ermöglichen. 34 34 Jary, Karin(2013): ebd. Exkurs:„DER“ geschlechtsspezifische Einkommensunterschied Beim geschlechtsspezifischen Einkommensunterschied, auch„Gender Pay Gap“ genannt, handelt es sich wohl um einen der bekanntesten Indikatoren aus dem Bereich geschlechtssensibler Statistik. Zumeist wird er wie folgt berechnet: () Einkommen(Frauen) – 1 Einkommen(Männer) * 100 Das Ergebnis ist eine Prozentzahl. Die entsprechende Aussage lautet: Frauen verdienen um X% weniger (bzw. mehr) als Männer. den die ganzjährig vollzeitbeschäftigten Personen herangezogen, um Verzerrungen durch Teilzeit- und saisonale Beschäftigung zu vermeiden. Dabei muss jedoch bedacht werden, dass so ein großer Teil der Frauen nicht berücksichtigt wird bzw. Frauen strukturell benachteiligende Merkmale ausgeklammert werden. Weitere Unterschiede können sich durch die variierende Betrachtung von Median oder Durchschnittseinkommen ergeben bzw. ob Wohn- oder Arbeitsort der Beschäftigten herangezogen wird und es stellt sich die Frage, ob Brutto- oder Nettoeinkommen verglichen werden. Die Höhe des Einkommensunterschieds hängt von den unterschiedlichen Bemessungsgrundlagen und der Datenquelle ab. Deshalb gibt es auch nicht„DEN“ einen Einkommensunterschied in Österreich. Zum einen macht es einen Unterschied, ob Stunden-, Monats- oder Jahreseinkommen verglichen werden. Dann stellt sich die Frage, welche Personen in die Berechnung aufgenommen werden: alle unselbstständig Beschäftigten? Oder nur diejenigen, die Vollzeit arbeiten? Häufig werFür Wien sind als Datenquellen im Wesentlichen die von Statistik Austria durchgeführte Verdienststrukturerhebung sowie administrative Daten(Lohnsteuerstatistik, Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger) relevant. Das errechnete Ausmaß an geschlechtsspezifischen Einkommensunterschieden ist jeweils von der gewählten Datenquelle, deren Einkommensbegriffen und den Berechnungsmodellen abhängig(s. Tabelle). Geschlechtsspezifische Einkommensunterschiede in Wien im Vergleich(2010) Durchschnittliche Bruttojahreseinkommen(Lohnsteuerstatistik) Unselbstständig Beschäftigte Unselbstständig Beschäftigte: ganzjährig Vollzeit Beitragspflichtige Monatseinkommen(Hauptverband d. österr. Sozialversicherungsträger) Unselbstständig Beschäftigte: Arithmetisches Mittel Unselbstständig Beschäftigte: Medianwerte Bruttostundenverdienste exkl. Mehr- und Überstunden, Medianwerte(Statistik Austria) Unselbstständig Beschäftigte Unselbstständig Beschäftigte: Vollzeit 26,3% 20,0% 19,8% 21,9% 16,3% 14,7% Quellen: Statistik Austria, Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger; Berechnung: MA 23. Anmerkung: Der Einkommensunterschied wurde berechnet als prozentueller Unterschied zwischen den Einkommen von Frauen und Männern, gemessen am Einkommen der Männer. GENDERSENSIBLE STATISTIK: LEBENSREALITÄTEN SICHTBAR MACHEN 49 LITERATUR Çaglar, Gülay(2009): Engendering der Makroökonomie und Handelspolitik. Potenziale transnationaler Wissensnetzwerke, Wiesbaden. Corner, Lorraine(o.J.): From Margins to Mainstream. From Gender Statistics to Engendering Statistical Systems, UNIFEM in Asia-Pacific& Arab States., http://www.unwomen-eseasia.org/projects/eeg/ecogov-apas/ EEGKnowledgeBase/EngenderingNSS/Margins2Mainstream.pdf[15.01.2014]. Döring, Nicola(2013): Zur Operationalisierung von Geschlecht im Fragebogen: Probleme und Lösungsansätze aus Sicht von Mess-, Umfrage-, Gender- und Queer-Theorie, in: Gender. Zeitschrift für Geschlecht, Kultur und Gesellschaft, 2/13, 5.Jg., Opladen, 94-113. Eckstein, Kirstin(2007): Gender-Statistiken. Sichtbarmachen von Machtverhältnissen und Messung von Gleichstellungserfolgen, in: Die Grünen Linz(Hg.): Frauen- Macht- Zukunft, Wien, 179-204. Fürst, Ernst(2013): Landesstatistik im Fokus – zwischen Verwaltung und Dienstleistung, in: Stadt Wien: 150 Jahre Statistik Wien. Amtliche Statistik im Wandel, Statistik Journal Wien 1/2013, Wien, 24-27. GenderKompentenzZentrum(a): Geschlechtsbezogener Verzerrungseffekt(Gender Bias), erarbeitet von Jutta Kühl. http://www.genderkompetenz.info/w/files/gkompzpdf/gender_bias.pdf[10.12.13]. GenderKompetenzZentrum(b): Optimale Datenqualität: Gender-kompetent. http://www.genderkompetenz. info/genderkompetenz-2003-2010/handlungsfelder/datenstatistik/datenqualitaet/optimal[15.01.2014]. Hanappi-Egger, Edeltraud(2012): Die Rolle von Gender und Diversität in Organisationen: Eine organisationstheoretische Einführung, in: Bendl, Regine/Hanappi-Egger, Edeltraud/Hofmann, Roswitha(Hg): Diversität und Diversitätsmanagement, Wien, 175-201. Hedman, Brigitta/Perucci, Francesca/Sundström, Pehr(1996): Engendering Statistics. A Tool for Change, Statistics Sweden. http://www.forschungsnetzwerk.at/downloadpub/gender_1996_statistics_601.pdf[15.01.2014]. Hofmann, Roswitha(2012): Gesellschaftstheoretische Grundlagen für einen reflexiven und inklusiven Umgang mit Diversitäten in Organisationen, in: Bendl, Regine/Hanappi-Egger, Edeltraud/Hofmann, Roswitha(Hg): Diversität und Diversitätsmanagement, Wien, 23-60. Jary, Karin(2013): ZAHLEN ZÄHLEN. Über die Bedeutung von Zahlen, Daten und Fakten in der Verwaltungssteuerung, in: Stadt Wien: 150 Jahre Statistik Wien. Amtliche Statistik im Wandel, Statistik Journal Wien 1/2013, Wien, 44-46. Stadt Wien(2011): Gender Mainstreaming – leicht gemacht. Praxistipps für mehr Gleichstellung im Magistrat, Wien. Stadt Wien(2013), WASt: Trans*Identitäten, Wien. United Nations Economic Commission for Europe(UNECE) und World Bank Institute(2010): Developing Gender Statistics: A Practical Tool, Genf.http://www.unece.org/fileadmin/DAM/stats/publications/Developing_ Gender_Statistics.pdf:[15.01.2014]. United Nations Economic Commission for Europe(UNECE): Gender Statistics.http://www.unece.org/stats/ gender/[16.01.2014]. United Nations Statistics Division: Gender Statistics Manual. Integrating a gender perspective into statistics, http://unstats.un.org/unsd/genderstatmanual/Default.aspx“[16.01.2014]. Wroblewski, Angela/Leitner, Andrea/Steiner, Peter(2005): Gendersensible Statistik – Vom Sex-Counting zur Genderanalyse, in: Stadt Wien: Statistische Mitteilungen der Stadt Wien. Heft 1,2/2005, Wien, 7-45. GENDERSENSIBLE STATISTIK: LEBENSREALITÄTEN SICHTBAR MACHEN 51 Teil 2 DATEN UND DOKUMENTATION 52 STATISTIK JOURNAL WIEN Die Geschlechterverteilung in ausgewählten Lebensphasen Alexander Göltz, Gabriel Hilbrand, Gustav Lebhart und Edith Waltner Jede demographische Kohorte durchläuft generative Norm- und Wertsysteme, die durch unterschiedliche Bildungs- und Berufs-, Partnerschafts- und Familienbiographien geprägt werden und Hinweise auf die Entwicklung der Bevölkerungsstruktur geben können. Was lässt sich aber aus der Geschlechterverteilung – dem zahlenmäßigen Verhältnis von Frauen zu Männern – in einer Bevölkerungsgruppe tatsächlich ablesen? Welche Entwicklungstendenz zeigt die Geschlechterproportion in verschiedenen Lebenslagen auf und wie können unausgeglichene Geschlechtsverteilungen erklärt werden? Die Antworten und Begründungen sind vielfältig. Die Menschen haben ein biologisches Geschlecht (engl.„sex“) und ein soziales, gesellschaftlich konstruiertes Geschlecht(engl.„gender“), das durch soziodemographische Einflüsse und kollektive Normen beeinflusst wird. Mögliche Ursachen sind einerseits auf individuelle Perspektiven für Lebenspläne zurückzuführen, andererseits können gesellschaftliche Rollenbilder maßgeblich für eine unausgewogene Geschlechterproportion sein. Wichtige Einflussfaktoren auf die Geschlechterproportionen in verschiedenen Altersgruppen sind zudem die alters- und geschlechtsselektiven Unterschiede bei der Sterblichkeit und im Wanderungsverhalten. Mit dem Geschlecht werden also einerseits biologische Parameter verknüpft, andererseits spielen soziale und ökonomische Einflussfaktoren eine wesentliche Rolle. Im Folgenden wollen wir aus einer geschlechterdifferenzierten Perspektive punktuelle Unterschiede und Entwicklungen in unterschiedlichen Lebensphasen aufzeigen und anhand von statistischen Daten aus verschieden Bereichen der Demographie und Wirtschaft 1 darstellen. Die einzelnen Abschnitte beschreiben die verschiedenen Lebensphasen, beginnend mit den„jungen Jahren“(Alter: bis 29 Jahre), über die „mittleren Jahre“(Alter: 30 bis 59 Jahre) bis hin zu den „späten Jahren“(Alter: ab 60 Jahre). Zur besseren Orientierung wird die jeweils im Fokus stehende Lebensphase bei den Grafiken besonders hervorgehoben. DIE FRÜHEN JAHRE … BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG UND-STRUKTUR In den letzten Jahrzehnten blieb die Bevölkerung der 0- bis 29-Jährigen – absolut betrachtet – in Wien nahezu unverändert und lag im langjährigen Durchschnitt pro Geschlecht bei etwa 270.000 Personen. Kennzeichnend für diese Alterskohorte ist gegenwärtig der quantitativ hohe Anteil der 25- bis 29-Jährigen, der etwa dem Ausmaß der Baby-Boom-Jahrgänge entspricht, und die erhöhten Geburtenzahlen aus dem letzten Jahrzehnt, die auf die Migration nach Wien zurückzuführen sind. Das Geschlechterverhältnis der unter 30-Jährigen ist relativ ausgeglichen und veränderte sich im Zeitraum von 50 Jahren nicht gravierend. Im Zeitraum von 1961 bis 2012 kamen durchschnittlich auf 1.000 neugeborene Mädchen etwa 1.060 Knaben, d. h. seit Jahrzehnten ist ein konstanter„Knabenüberschuss“ zu beobachten(Geschlechterproportion: 0,514). Der leichte Knabenüberschuss in den ersten Lebensjahren ist biologisch bedingt und die Säuglingssterblichkeitsrate 2 war in den vergangenen Jahren bei fallender Tendenz nur geringfügigen Schwankungen unterworfen. Bei den Knaben liegt der Wert seit Jahrzehnten etwas höher und unterschritt 2012 erstmals den Wert von fünf Promille. Bei Säuglingen, Kindern und Jugendlichen ist die Sterblichkeit bereits auf ein Minimum gesunken, sodass sich in diesem Bereich kaum noch Auswirkungen auf das Mortalitätsgeschehen und die Lebenserwartung ergeben werden. Im Jahr 2012 liegt die Lebenserwartung bei neugeborenen Knaben bereits bei rund 77,1 Jahren und bei neugeborenen Mädchen bei 82,3 Jahren. Die Lebenserwartung bei Geburt stieg für beide Geschlechter beträchtlich, wobei der Unterschied zwischen den Geschlechtern sich auf 5,2 Jahre(1961: 6,6 Jahre) verringerte. Bemerkenswert ist, dass sich seit 1961 die Lebenserwartung bei 0-jährigen Knaben um 10,4 Jahre erhöhte und der Anstieg bei den Mädchen um etwa ein halbes Jahr geringer ausfiel. 1 Die Auswahl der dargestellten Lebensbereiche erfolgte nach derzeitigen Arbeitsschwerpunkten der Magistratsabteilung 23 – Wirtschaft, Arbeit und Statistik. 2 Gestorbene im ersten Lebensjahr bezogen auf 1.000 Lebendgeborene. GENDERSENSIBLE STATISTIK: LEBENSREALITÄTEN SICHTBAR MACHEN 53 Über die Zeit betrachtet ändert sich das Geschlechterverhältnis im Kindes- und Jugendalter kaum. Da die altersspezifischen Sterberaten 3 und die relative„Übersterblichkeit“ 4 bei jungen Männern jedoch deutlich höher sind als bei gleichaltrigen Frauen, verringert sich aber der quantitative Unterschied in den einzelnen Lebensjahren. Am größten ist diese Übersterblichkeit der Männer zwischen dem 15. und 24. Lebensjahr, was auf die höhere Unfall- und Suizidsterblichkeit in diesem Alter zurückzuführen ist. 3 Gestorbene auf 1.000 Personen derselben Altersgruppe. 4 Sterberate der Männer dividiert durch die Sterberate der Frauen. Bereits ab dem 20. Lebensjahr dreht sich das Geschlechterverhältnis zugunsten der Frauen. Es überrascht nicht, dass junge Erwachsene eine deutlich höhere Migrationsneigung aufweisen als andere Altersgruppen. Hohe Werte konzentrieren sich im Alter zwischen 18 und 29 Jahren. Die Zusammensetzung der Altersstruktur nach Geschlecht wird besonders ab dem 18. Lebensjahr auch durch ein erhöhtes bildungsund arbeitsorientiertes Mobilitätsverhalten geprägt, die zu einer weiteren Verschiebung der Geschlechterproportionen in den einzelnen Jahrgängen führt. Die Zuwanderung aus dem übrigen Bundesgebiet nach Geschlechterverhältnis Absolute Differenz: Anzahl Frauen abzüglich Anzahl Männer 160.000 140.000 120.000 100.000 80.000 60.000 40.000 20.000 0 –20.000 1961 1971 1981 1991 0 bis 29 Jahre 30 bis 59 Jahre 60 Jähre und älter Quelle: Statistik Austria, Bevölkerungsfortschreibung, Statistik des Bevölkerungsstandes, Berechnungen MA 23. Relative Übersterblichkeit der Männer Sterberate der Männer dividiert durch die Sterberate der Frauen 4,5 4,0 3,5 3,0 2,5 2,0 1,5 1,0 0,5 0,0 1961 1971 1981 1991 0 Jahre 1 bis 29 Jahre 30 bis 59 Jahre 60 Jähre und älter Quelle: Statistik Austria, Statistik der natürlichen Bevölkerungsbewegung, Berechnungen MA 23. 2001 2001 2011 2011 54 STATISTIK JOURNAL WIEN Wien sowie die Abwanderung in die Umlandgemeinden skizzieren seit Jahren ein typisches Altersprofil, wobei es zwei Migrationsmotive zu unterscheiden gilt: die familienbezogene Abwanderung, die für einen negativen Saldo bei den Kleinkindern verantwortlich zeichnet, und die bildungs- und arbeitsmotivierte Zuwanderung, die ab dem 18. Lebensjahr stark positiv bilanziert. Ein signifikanter Unterschied der Zuwanderungspräferenz zwischen den Geschlechtern zeigt sich nicht, wobei der Zuzug bei Frauen in jüngeren Jahren etwas stärker ausgeprägt ist. Die Wanderungsbilanz mit dem Ausland ist seit Jahren für alle Altersjahrgänge positiv. Seit 2007 entfallen knapp 90% des Gesamtwanderungssaldos auf die Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen(Frauen: 85%; Männer: 95%). Aber im Vergleich zu den Männern bleiben in dieser Altersgruppe deutlich mehr Frauen(56%) in Wien wohnhaft. Das heißt, die Wanderungsmotive der 18- bis 29-jährigen Frauen sind auch durch zunehmende Bildungs- und Erwerbspartizipation zu erklären. BILDUNGSSTAND UND-STRUKTUR Der demographische Wandel verändert das Geschlechter- und Generationenverhältnis. Er fordert nicht nur die Bildungseinrichtungen heraus, sondern auch die Wirtschafts- und Arbeitswelt ist einem permanenten Wandel unterworfen, aus den veränderte Anforderungen an die Einzelne bzw. den Einzelnen und an das Bildungssystem resultieren. Im Bildungsbereich spielen vielschichtige Faktoren wie familiäres Umfeld, sozioökonomischer Hintergrund sowie individuelle Präferenzen eine Rolle. Das Zusammenwirken dieser Faktoren kann relativ komplexe geschlechtsspezifische Bildungsresultate hervorbringen. In Wien besuchen etwa 225.000 Schülerinnen und Schüler eine der 688 Schulen. Die Auswertung der Daten 5 zeigt, dass in den letzten Jahren die Beteiligung von Kindern in„allgemein bildenden Pflichtschulen“ aufgrund der Bevölkerungsentwicklung relativ konstant geblieben ist. In den Volksschulen ist die Geschlechterproportion unverändert geblieben und entspricht etwa dem Geburtenverhältnis. Nur in den Haupt- und Sonderschulen zeigt der langjährige Vergleich eine abnehmende Zahl an Schülerinnen und Schüler, wobei hier im Geschlechterverhältnis ein signifikanter Knabenüberhang besteht. Eine gravierende Veränderung zeigt die geschlechtsspezifische Entwicklung in der Schulform„allgemein bildende höhere Schule“. Waren noch bis in den 1960er-Jahren deutlich mehr männliche Jugendliche in diesem Schultyp registriert, hat sich das Geschlechterverhältnis in den 1980er-Jahren umgekehrt.„Berufsbildende höhere Schulen“ werden nach wie vor von mehr männlichen Jugendlichen besucht, wobei insbesondere im Schultyp„technisch-gewerbliche höhere Schulen“ signifikant höhere Anteilswerte festzustellen sind. Für „kaufmännische höhere Schulen“ entscheiden sich hingegen immer noch mehr Schülerinnen. Viele Eltern wünschen sich für ihr Kind als Schulform den Besuch eines Gymnasiums und damit die Voraus5 Datenquelle: Statistik Austria. Neben der Schulstatistik liefert die Registerzählung 2011 eine aktuelle Bestandsaufnahme über den Bildungsstand der Wiener Bevölkerung. Wanderungsdynamik 2007 bis 2012 800 600 400 200 0 –200 –400 0 Jahre 10 Jahre 20 Jahre 30 Jahre 40 Jahre 50 Jahre 60 Jahre 70 Jahre Außenwanderungssaldo Frauen Außenwanderungssaldo Männer Quelle: Statistik Austria, Wanderungsstatistik, Berechnung MA 23. Binnenwanderungssaldo Frauen 80 Jahre 90 Jahre 100 Jahre Binnenwanderungssaldo Männer GENDERSENSIBLE STATISTIK: LEBENSREALITÄTEN SICHTBAR MACHEN 55 setzung für ein Studium an der Universität oder eine andere qualifizierte Berufsausbildung. Doch nicht alle können die gymnasiale Schullaufbahn mit der Matura abschließen. Die Verlustraten der Schülerinnen und Schüler des Schuljahres 2007/08 in Eintrittsstufen der Oberstufe der„allgemein bildenden höheren Schule“ bis zum Schuljahr 2012/13 zeigen, dass rund 32% die Ausbildung an Wiener Schulen wechseln oder abbrechen. Dabei gibt es ein deutliches Geschlechtsgefälle: Mehr Schüler(36%) als Schülerinnen(28%) wechseln in eine andere schulische Ausbildung(auch innerhalb der Oberstufenformen der allgemein bildenden höheren Schule) oder brechen diese ab. Die Zahl der Studienabschlüsse(Erst- und Zweitabschlüsse) an Wiener Universitäten erhöhte sich seit dem Studienjahr 2002/03(9.700) um mehr als das Zweifache auf rund 21.300(2012/13). Diese Zunahme lässt sich im Wesentlichen durch die steigende Zahl an Studentinnen und Studenten in den letzten zehn Jahren erklären. Aber auch die Umstellung vom Diplomstudium auf das Bachelor-/Mastersystem ermöglicht schnellere Erst- als auch Zweitabschlüsse. Im Studienjahr 2012/13 haben etwa 10.900 Frauen und 6.200 Männer einen Erstabschluss(v. a. Bachelor bzw. Magister) an einer Wiener Universität erreicht. Erstmals liegt der Frauenanteil über der 60%-Marke. Beim Masterabschluss sind die Geschlechteranteile relativ ausgeglichen(1.536 Frauen und 1.547 Männer), das Doktoratsstudium wird jedoch noch von mehr Männern(616) abgeschlossen. Der Frauenanteil(46% bzw. 523 Frauen) ist aber gegenüber dem Studienjahr 2002/03(43%) größer geworden. 6 6 Datenquelle: unidata. Statistik-Datenbank des Wissenschaftsministeriums; Beim Studienjahr 2012/13 handelt es sich um vorläufige Zahlen. Schülerinnen und Schüler in Wien nach Schultypen und Geschlecht 2012/13 SchülerInnen nach Geschlecht Schultyp Insgesamt Schülerinnen Schüler Schülerinnen Schüler abs.% Schultypen insgesamt Allgemein bildende Pflichtschulen Volksschulen Hauptschulen Neue Mittelschulen Sonderschulen Polytechnische Schulen Allgemein bildende höhere Schulen insgesamt Unterstufe darunter Modellversuch NMS an AHS Oberstufe Sonstige allgemein bildende(Statut-)Schulen Berufsschulen Gewerbliche und kaufmännische Berufsschulen Land- und forstwirtschaftliche Berufsschulen Berufsbildende mittlere Schulen Technisch-gewerbliche mittlere Schulen Kaufmännische mittlere Schulen Wirtschaftsberufliche mittlere Schulen Sozialberufliche mittlere Schulen Land- und forstwirtschaftliche mittlere Schulen Sonstige berufsbildende(Statut-)Schulen Berufsbildende höhere Schulen Technisch-gewerbliche höhere Schulen Kaufmännische höhere Schulen Wirtschaftsberufliche höhere Schulen Land- und forstwirtschaftliche höhere Schulen Lehrerbildende mittlere Schulen Lehrerbildende höhere Schulen Schulen im Gesundheitswesen Akademien im Gesundheitswesen 225.645 98.654 64.426 20.971 7.657 2.941 2.659 59.608 33.807 2.664 25.801 4.435 21.541 21.541 – 7.297 2.835 2.947 1.255 260 – 1.800 24.082 13.501 7.582 2.869 130 1.591 2.820 3.817 – 111.538 46.593 31.173 9.671 3.547 1.092 1.110 31.838 17.516 1.271 14.322 2.250 8.556 8.556 – 3.414 648 1.673 862 231 – 1.112 11.643 4.431 4.841 2.307 64 549 2.624 2.959 – 114.107 52.061 33.253 11.300 4.110 1.849 1.549 27.770 16.291 1.393 11.479 2.185 12.985 12.985 – 3.883 2.187 1.274 393 29 – 688 12.439 9.070 2.741 562 66 1.042 196 858 – 49,4 47,2 48,4 46,1 46,3 37,1 41,7 53,4 51,8 47,7 55,5 50,7 39,7 39,7 – 46,8 22,9 56,8 68,7 88,8 – 61,8 48,3 32,8 63,8 80,4 49,2 34,5 93,0 77,5 – 50,6 52,8 51,6 53,9 53,7 62,9 58,3 46,6 48,2 52,3 44,5 49,3 60,3 60,3 – 53,2 77,1 43,2 31,3 11,2 – 38,2 51,7 67,2 36,2 19,6 50,8 65,5 7,0 22,5 – Quelle: Statistik Austria. Anmerkung: NMS= Neue Mittelschule, AHS= Allgemein bildende höhere Schule. 56 STATISTIK JOURNAL WIEN Was den Bildungsstand betrifft, so ist ein klarer Trend zu einer höheren Bildung in jungen Jahren zu erkennen(siehe Seite 68). In Wien gibt es insgesamt einen hohen Anteil an Frauen mit Pflichtschulabschluss als höchster abgeschlossener Ausbildung, wobei Frauen unter 30 Jahren geringere Anteile verzeichnen. Über einen Lehrabschluss verfügen hingegen vor allem die Männer. Mehr Frauen als Männer haben eine berufsbildende mittlere Schule, die berufsbildende höhere Schule und eine allgemein bildende höhere Schule abgeschlossen. Bei den Tertiärabschlüssen ist ihr Anteil sogar signifikant höher, wobei es bei der Wahl der Studienrichtung nach wie vor große geschlechtsspezifische Unterschiede gibt. Frauen belegen in erster Linie geisteswissenschaftliche Studien, während Männer am häufigsten technische Studien wählen. Belegte Studien in Wien an öffentlichen Universitäten im Wintersemester 2012/13 Hauptstudienrichtung (Fach 1) Insgesamt Insgesamt Theologie Rechtswissenschaften Sozial- und Wirtschaftswissenschaften Medizin Geisteswissenschaften Geistes- und Naturwissenschaften Naturwissenschaften Technik Montanistik Bodenkultur Veterinärmedizin Musik Darstellende Kunst Bildende und angewandte Kunst Studium irregulare/nicht zuordenbar Quelle: Statistik Austria. 23.114 79 2.056 4.484 559 6.805 7 3.648 3.287 – 1.410 178 176 17 247 161 Erstzugelassene Studierende Geschlecht Frauen Männer Frauen abs.% 13.459 39 1.258 2.356 292 5.019 4 2.257 1.071 – 700 125 97 7 145 89 9.655 40 798 2.128 267 1.786 3 1.391 2.216 – 710 53 79 10 102 72 58,2 49,4 61,2 52,5 52,2 73,8 57,1 61,9 32,6 – 49,6 70,2 55,1 41,2 58,7 55,3 Männer 41,8 50,6 38,8 47,5 47,8 26,2 42,9 38,1 67,4 – 50,4 29,8 44,9 58,8 41,3 44,7 Ausbildungsbereiche an Wiener Fachhochschulen im Wintersemester 2012/13(Stichtag: 15.11.2012) Ausbildungsbereich Insgesamt Insgesamt Gesundheitswissenschaften Militär- und Sicherheitswissenschaften Naturwissenschaften Sozialwissenschaften Technik, Ingenieurwissenschaften Wirtschaftswissenschaften Quelle: uni:data. 5.366 380 25 124 353 2.124 2.360 StudienanfängerInnen Geschlecht Frauen Männer Frauen abs.% 2.250 320 – 79 246 401 1.204 3.116 60 25 45 107 1.723 1.156 41,9 84,2 0,0 63,7 69,7 18,9 51,0 Männer 58,1 15,8 100,0 36,3 30,3 81,1 49,0 GENDERSENSIBLE STATISTIK: LEBENSREALITÄTEN SICHTBAR MACHEN 57 FAMILIEN- UND HAUSHALTSSTRUKTUR 7 Im langjährigen Vergleich zeigt sich, dass Frauen und Männer immer später das Elternhaus verlassen. Diese verzögerte„Abnabelung“ vom Elternhaus zählt zu den markantesten Veränderungen der Lebensformen beider Geschlechter. Dies führt letztlich dazu, dass junge Frauen immer später mit ihrem Partner oder ihrer Partnerin zusammenziehen. Dies gilt ebenso für Männer, aber im Unterschied zu den jungen Frauen starten die Männer noch später in die Selbstständigkeit. Von den 25-jährigen Männern lebt im Jahr 2011 jeder vierte(25,7%) als Kind im elterlichen Haushalt, bei den 25-jährigen Frauen ist das nur bei jeder sechsten(17,2%) der Fall. Das mittlere Erstheiratsalter hat sich in Wien deutlich erhöht. Männer in Wien heiraten heutzutage im 7 2013 wurden in Wien 159 eingetragene Partnerschaften begründet. Da diese Möglichkeit der Lebensform erst seit 1.1.2010 besteht, sind keine langjährigen Zeitvergleiche möglich. In weiterer Folge werden hier daher nur heterosexuelle Paare berücksichtigt. Schnitt mit 32 Jahren. Und auch bei Frauen ist das Heiratsalter mittlerweile auf knapp 30 Jahre gestiegen. Damit lassen sich Frauen und Männer in Wien im Vergleich zum Jahr 1971 fast sieben Jahre mehr Zeit, bis sie vor das Standesamt treten. Die Ursachen für den Anstieg des Heiratsalters können mit einer höher qualifizierten und damit auch länger dauernden Berufs- und Studienausbildung, was in der Regel einen Aufschub der Familiengründung zur Folge hat, begründet werden. Auch der Anstieg des Durchschnittsalters bei der Geburt eines Kindes ist als Indiz für einen anhaltenden Geburtenaufschub in der reproduktiven Lebensphase zu bewerten. Die anhaltend niedrige Fertilitätsrate in Wien(1981–2012: 1,37 Kinder pro Frau) ist ein demographischer Indikator, der auch vor dem Hintergrund der veränderten Rolle der Frau in der Gesellschaft, auf die Veränderungen im Arbeitsmarkt, auf veränderte Prioritätensetzungen von Frauen und Männern sowie auf die(fehlende) private und institutionelle Unterstützung kritisch bei Fertilitätsannahmen für Bevölkerungsprognosen zu evaluieren ist. Fertilitäts- und Heiratsalter 33 30 28 25 23 20 1971 1981 1991 Durchschnittliches Fertilitätsalter Durchschnittliches Erstheiratsalter(Frauen) Quelle: Statistik Austria, Statistik der natürlichen Bevölkerungsbewegung. Anmerkung: Erstheiratsalter vor dem 50. Geburtstag. 2001 2011 Durchschnittliches Erstheiratsalter(Männer) 58 STATISTIK JOURNAL WIEN Aber auch„nicht-klassische“ Lebensformen, wie nichteheliche Lebensgemeinschaften, Singlehaushalte und Alleinerziehende, gewinnen zunehmend in jungen Jahren an Bedeutung. Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die überwiegende Mehrheit der unter 30-Jährigen ledig ist und eine Lebensgemeinschaft ohne Kinder die häufigste Lebensform für beide Geschlechter darstellt. Geschiedene und Verwitwete betreffen in jungen Jahren nur eine Minderheit. Die Unterschiede beim Familienstand zeigen sich insbesondere beim Verlauf nach dem Alter. Da Männer bei der Eheschließung älter sind als Frauen, ist der Anteil verheirateter Männer im Vergleich zu den gleichaltrigen Frauen niedriger. Einen besonderen Aspekt bietet der Blick auf die Lebensgemeinschaften ohne Kinder, die sich seit 1971 in Wien verfünffacht haben. Im Jahr 2011 lebten knapp 32.000 Personen bis zum 30. Lebensjahr in diesen nicht-ehelichen Verhältnissen, die mehrheitlich Frauen(57%) betroffen haben. Ein ähnliches Geschlechterverhältnis zeigt sich bei Verheirateten ohne Kinder(59%). Die sich ändernden Gesellschaftsformen – also die Formen des Zusammenlebens der Menschen – führen zu einem tief greifenden Wandel der Familien- und LeFamilien- bzw. Personenstand (in%), N= 1.468.052 100 75 50 25 0 15 Jahre 25 Jahre 35 Jahre 45 Jahre 55 Jahre ledig(Frauen) ledig(Männer) verheiratet(Frauen) verheiratet(Männer) verwitwet(Frauen) verwitwet(Männer) Quelle: Statistik Austria, Registerzählung 2011, Berechnungen MA 23. Singlehaushalte Frauen und Männer ab dem 16. Lebensjahr(in%), N= 1.463.525 70 60 50 40 30 20 10 0 15 Jahre 25 Jahre 35 Jahre 45 Jahre Frauen Männer Quelle: Statistik Austria, Registerzählung 2011, Berechnungen MA 23. 55 Jahre 65 Jahre 75 Jahre geschieden(Frauen) geschieden(Männer) 65 Jahre 75 Jahre 85 Jahre 95 Jahre 85 Jahre 95 Jahre GENDERSENSIBLE STATISTIK: LEBENSREALITÄTEN SICHTBAR MACHEN 59 bensformen. Eine Besonderheit in der Entwicklung stellen die Einpersonenhaushalte dar: Von den 837.478 Privathaushalten ist fast jeder zweite(45%) ein„Singlehaushalt“. Junge Männer und Frauen unterscheiden sich in der frühen Singlehaushaltsphase jedoch nur marginal. Der relativ hohe Anteil bei den Einpersonenhaushalten bei jungen und mittleren Altersgruppen ist hauptsächlich auf den stärker werdenden Trend zu Lebensgemeinschaften mit separater Haushaltsführung und zu einem bestimmten Ausmaß auf die damit verbundene höhere berufliche Mobilität zurückzuführen. ERWERBSSTATUS Der Übergang von einer Ausbildung in den Arbeitsmarkt stellt eine Schlüsselphase in der Erwerbsbiographie junger Erwachsener dar. Der gewählte Schultyp und erworbene Qualifikationen beeinflussen dabei maßgeblich den Einstieg in die berufliche Karriere. Durch registerbasierte Daten können Erwerbskarrieren von in Österreich wohnhaften Personen nach dem Abgang aus einer formalen Bildungseinrichtung statistisch ausgewertet werden. Die Auswertungen über den Arbeitsmarktstatus der unter 30-jährigen Wienerinnen und Wiener 18 Monate nach einem Bildungsabschluss zeigen, dass sich der höchste Anteil von„in Ausbildung“ befindlichen Personen erwartungsgemäß bei den Absolventinnen und Absolventen der Pflichtschule finden: Fast 9 von 10 Jugendlichen(87%) machen eineinhalb Jahre nach dem Pflichtschulabschluss weiterhin eine Ausbildung. Während nur ca. 4% der Lehrabsolventinnen und-absolventen weiterhin in Ausbildung sind, bleibt eine Mehrheit der Jugendlichen mit einem Abschluss einer mittleren und höheren Schule und auch ein hoher Anteil der Hochschulabsolventinnen und-absolventen 18 Monate nach dem Abschluss im formalen Ausbildungssystem. Bei den Hochschulabsolventinnen und-absolventen ist zu berücksichtigen, dass viele Studierende nach dem Abschluss des Bakkalaureatsstudiums die Ausbildung mit einem Masterstudium fortsetzen. Jugendliche mit einer abgeschlossenen Lehre weisen 18 Monate nach ihrem Abschluss die höchsten Anteile beim Status „Erwerbstätigkeit“ auf. Deutlich geringer sind die Erwerbstätigenanteile bei Jugendlichen mit einem Abschluss einer mittleren oder höheren Schule und bei Hochschulabsolventinnen und-absolventen. Die Geschlechterunterschiede sind in den einzelnen Kategorien vergleichsweise gering. Bei Personen mit einem Abschluss einer mittleren und höheren Schule ist der Anteil der Frauen, die 18 Monate nach dem Abschluss erwerbstätig sind, höher als bei den Männern, zudem gehört bei den Männern ein höherer Anteil zu den Nicht-Erwerbspersonen. Bei den Hochschulabsolventinnen und-absolventen ist der Anteil der erwerbstätigen Frauen ebenfalls höher, während bei den Männern ein höherer Anteil in Ausbildung verbleibt. Wohin nach der Ausbildung? Arbeitsmarktstatus von unter 30-jährigen Wienerinnen und Wienern(in%), 18 Monate nach Bildungsabschluss 100 7 90 8 80 70 60 50 87 40 87 30 20 10 52 0 51 Frauen Männer Pflichtschule 13 12 44 14 17 68 67 Frauen Männer Lehrausbildung 11 17 61 58 23 26 22 Frauen Männer Mittlere und höhere Schulen Erwerbstätigkeit AMS Vormerkung in Ausbildung Nicht-Erwerbspersonen/im Ausland Quelle: Statistik Austria, Bildungsbezogenes Erwerbskarrierenmonitoring, Schuljahr 2009/10. 17 14 40 49 2 2 41 35 Frauen Männer Hochschule 60 STATISTIK JOURNAL WIEN NICHT-ERWERBSTÄTIGKEIT UND UNBEZAHLTE ARBEIT Von der gesamten Wohnbevölkerung Wiens im Alter von 15 bis 29 Jahren zählen 41% der Frauen und 36% der Männer zu den Nicht-Erwerbspersonen(d.h. sie sind weder erwerbstätig noch arbeitslos). Diese Anteile sind in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen, wobei es sich dabei in erster Linie um Personen in Ausbildung handelt, aber auch um„sonstige Nicht-Erwerbspersonen“. Die geschlechtsspezifischen Unterschiede beim Erwerbsstatus sind in dieser Altersgruppe vergleichsweise gering, sehr stark ausgeprägt sind diese jedoch bei der Verteilung unbezahlter Arbeit. Junge Frauen im Alter zwischen 15 und 29 Jahren verrichten durchschnittlich rund 3 Stunden unbezahlte Arbeit pro Tag. Bei derselben Altersgruppe beträgt im Vergleich dazu der durchschnittliche tägliche Zeitaufwand bei den jungen Männern mit rund 1 Stunde nur ein Drittel davon. Nicht-Erwerbspersonen Wiener Wohnbevölkerung ab 15 Jahren, die weder erwerbstätig noch arbeitslos ist(in%) 15 bis 29 Jahre 24,7 22,6 0,1 16,3 0,2 13,2 30 bis 59 Jahre 5,7 0,8 4,6 0,6 15,3 9,7 60 plus 0,0 0,0 85,1 80,9 5,2 0 10 20 30 40 50 60 70 80 Frauen/Männer in Ausbildung Frauen/Männer mit Pensionsbezug Frauen/Männer – Sonstige Nicht-Erwerbspersonen Quelle: Statistik Austria, Registerzählung 2011. Anmerkung: Sonstige Nicht-Erwerbspersonen sind ausschließlich im Haushalt Tätige und Personen, die sich nicht in Ausbildung befinden, keine österreichische Pension beziehen und nicht erwerbstätig oder arbeitslos sind. 9,5 90 100 Unbezahlte Arbeit Durchschnittlicher täglicher Zeitaufwand(Mo–So) von WienerInnen ab 10 Jahren(in Stunden und Minuten) 10 bis 29 Jahre 59 Minuten 3 Stunden 3 Minuten 30 bis 59 Jahre 4 Stunden 26 Minuten 3 Stunden 2 Minuten 60 plus 5 Stunden 3 Stunden 8 Minuten 0 Stunden 1 Stunde 2 Stunden 3 Stunden 4 Stunden 5 Stunden 6 Stunden Frauen Männer Quelle: Statistik Austria, Zeitverwendungsstudie 2008/09, Berechnungen MA 23. Anmerkung: Unbezahlte Arbeit umfasst Haushaltsführung, Kinderbetreuung, Betreuung und Pflege von erwachsenen Haushaltsmitgliedern, Freiwilligenarbeit, ehrenamtliche Tätigkeit und Vereinstätigkeit. GENDERSENSIBLE STATISTIK: LEBENSREALITÄTEN SICHTBAR MACHEN 61 ERWERBSTÄTIGKEIT Die Lehre ist traditionell eine männlich dominierte Ausbildungsform: Von den insgesamt 18.226 Lehrverhältnissen in Wien entfielen im Jahr 2013 ca. 38% auf junge Frauen und ca. 62% auf junge Männer. Die unterschiedlichen Präferenzen zeigen sich sehr deutlich bei der Wahl des Lehrberufes: Von den zehn am häufigsten gewählten Lehrberufen weisen nur FriseurInnen und Bürokauffrauen/-männer einen überdurchschnittlichen Frauenanteil auf. Relativ ausgeglichen sind die Geschlechteranteile im Einzelhandel. Alle anderen der zehn häufigsten Lehrberufe sind männlich dominiert. Insbesondere technische Lehrberufe weisen nach wie vor einen sehr geringen Frauenanteil auf: Dieser liegt in den Lehrberufen Elektrotechnik, Fahrzeugtechnik und Installationsund Gebäudetechnik sogar nur bei 2 bis 3%. Berufswahl von Lehrlingen Die zehn am häufigsten gewählten Lehrberufe in Wien(Geschlechteranteile in%) Insgesamt 38 62 18.226 Einzelhandel 54 46 2.491 Bürokauffrau/-mann 71 29 1.604 Elektrotechnik 3 97 1.199 Kraftfahrzeugtechnik 3 FriseurIn und PerückenmacherIn Köchin/Koch 23 Installations- und Gebäudetechnik 2 Restaurantfachfrau/-mann 38 97 83 98 77 62 1.040 17 1.005 765 730 471 Elektronik 9 91 403 Metalltechnik 10 90 0 20 40 60 Frauenanteil Männeranteil Quelle: Wirtschaftskammer, Lehrlingsstatistik, Stichtag 31.12.2013, Berechnungen MA 23. 384 80 100 Zahl der Lehrverhältnisse 62 STATISTIK JOURNAL WIEN Die männliche Dominanz bei den Lehrverhältnissen wirkt sich auf die Beschäftigungsquote 8 aus, die bereits in den jüngsten Erwerbsjahren(bei den 15- bis 18-Jährigen) bei den Männern geringfügig über jener der Frauen liegt. Der Präsenz- und Zivildienst trägt ebenfalls dazu bei, dass sich die Beschäftigungsquo8 Anteil Erwerbstätige an der Bevölkerung. te der Männer ab 18 Jahren stärker erhöht als bei den Frauen. Anfang 20 sind die Beschäftigungsquoten der Frauen und Männer sehr ähnlich und entwickeln sich ab einem Alter von Mitte 20 stärker auseinander. Vor allem die Elternkarenz trägt zu Niveauunterschieden bei: Werden nur„aktiv“ Beschäftigte in der Beschäftigungsquote berücksichtigt, wirkt sich das auf die Beschäftigungsquote der Frauen aus, bei den Männern sind die Quoten hingegen nahezu ident. Beschäftigungsquote Anteil Erwerbstätige an der Wiener Wohnbevölkerung in Einzeljahren(in%) 90 80 70 60 50 40 30 20 10 0 15 Jahre 20 Jahre 25 Jahre 30 Jahre 35 Jahre 40 Jahre 45 Jahre 50 Jahre 55 Jahre 60 Jahre Beschäftigungsquote Frauen Aktive Beschäftigungsquote Frauen Beschäftigungsquote Männer(inklusive Präsenz-/Zivildienst) Aktive Beschäftigungsquote Männer(inklusive Präsenz-/Zivildienst) Aktive Beschäftigungsquote Männer(exklusive Präsenz-/Zivildienst) Quelle: Statistik Austria, Registerzählung 2011, Berechnungen MA 23. Anmerkung: Bei der aktiven Beschäftigungsquote werden Personen in Mutterschutz, Karenz, bei Waffen- oder Kaderübungen des Bundesheeres und bei längerem Krankenstand nicht zu den Erwerbstätigen gezählt. GENDERSENSIBLE STATISTIK: LEBENSREALITÄTEN SICHTBAR MACHEN 63 Ähnliches gilt auch für die Einkommen unselbstständig Beschäftigter: Der Einkommensnachteil der Frauen bei den 15- bis 29-Jährigen ist mit rund 17%(bzw. der Einkommensvorteil der Männer mit rund 20%) beträchtlich. Im Vergleich zur Altersgruppe der 30- bis 59-Jährigen ist er aber noch erheblich geringer(23% Einkommensnachteil der Frauen bzw. 30% Einkommensvorteil der Männer). Die Auswertung der Lohnsteuerstatistik für die Lehrlinge zeigt, dass bereits bei der Höhe der Lehrlingsentschädigungen geschlechtsspezifische Unterschiede bestehen, die abhängig vom jeweiligen Wirtschaftszweig ein unterschiedliches Ausmaß annehmen. Bei den acht Wirtschaftszweigen mit den meisten Lehrlingen beträgt das Jahresmedianeinkommen 9 von weiblichen Lehrlingen zwischen 9 Der Median ist jener Wert, bei dem die Hälfte aller Einkommen darüber bzw. darunter liegen. Lohnsteuerpflichtige Einkommen Bruttojahreseinkommen von lohnsteuerpflichtigen Personen mit Wohnsitz in Wien nach Einzeljahren(Medianwerte in EUR) 45.000 40.000 35.000 30.000 25.000 20.000 30 bis 59 Jahre Pay Gap= 23,4% ab 60 Jahre Pay Gap= 33,9% 15.000 10.000 5.000 15 bis 29 Jahre Pay Gap= 16,7% 0 15 Jahre 25 Jahre 35 Jahre 45 Jahre 55 Jahre 65 Jahre 75 Jahre 85 Jahre 95 Jahre Frauen Männer Quelle: Statistik Austria, Lohnsteuerstatistik 2012, Berechnungen MA 23. Anmerkung: Medianeinkommen der lohnsteuerpflichtigen Personen(ArbeitnehmerInnen und PensionistInnen) mit ganzjährigen Bezügen exkl. Pflegegeldbezug. Der Pay Gap ist der prozentuelle Unterschied zwischen den lohnsteuerpflichtigen Bezügen von Frauen und Männern, gemessen an den Bezügen der Männer. 64 STATISTIK JOURNAL WIEN 3.835 EUR und 9.497 EUR, bei den männlichen Lehrlingen ist die Spanne größer mit Jahresmedianeinkommen zwischen 3.865 EUR und 11.241 EUR. Lediglich im Bereich„Erziehung und Unterricht“ und in der öffentlichen Verwaltung gibt es kaum geschlechtsspezifische Einkommensunterschiede. Bei den restlichen Branchen reichen die geschlechtsspezifischen Einkommensunterschiede von einem Einkommensvorteil der jungen Frauen von rund 10% im Bereich der „sonstigen Dienstleistungen“ 10 bis zu einem Einkommensnachteil der weiblichen Lehrlinge von fast 28% im Bereich der„freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen“. 10 Unter den Wirtschaftsbereich„sonstige Dienstleistungen“ fallen Interessensvertretungen und kirchliche bzw. religiöse Vereinigungen, die Reparatur von Datenverarbeitungsgeräten und Gebrauchsgütern sowie sonstige überwiegend persönliche Dienstleistungen(wie z. B. Wäscherei und chemische Reinigung, Frisör- und Kosmetiksalons). Einkommen von Lehrlingen Bruttojahreseinkommen der Lehrlinge mit Wohnsitz in Wien nach Wirtschaftszweigen(Auswahl),(Medianwerte in EUR) Handel; Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen 9.126 9.825 7,1% Erziehung und Unterricht 3.835 3.865 0,8% Bau 9.497 11.241 15,5% Beherbergung und Gastronomie 9.206 9.117 –1,0% Herstellung von Waren 9.199 10.839 15,1% Öffentliche Verwaltung, Verteidigung; Sozialversicherung 9.199 9.564 3,8% Erbringung von sonstigen Dienstleistungen 6.632 6.026 –10,1% Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen 0 2.000 4.000 7.860 6.000 8.000 10.848 10.000 27,5% 12.000 Frauen Männer Quelle: Statistik Austria, Lohnsteuerstatistik 2012, Berechnungen MA 23. Anmerkung: Medianeinkommen der Lehrlinge mit ganzjährigen Bezügen unabhängig vom Lehrjahr. Wirtschaftszweige lt. ÖNACE 2008, Auswahl der acht dargestellten Wirtschaftszweige nach den häufigsten Fallzahlen. Der Wirtschaftsbereich„sonstige Dienstleistungen“ umfasst Interessensvertretungen und kirchliche/religiöse Vereinigungen, die Reparatur von Datenverarbeitungsgeräten und Gebrauchsgütern sowie sonstige überwiegend persönliche Dienstleistungen(wie z. B. Wäscherei und chemische Reinigung, Frisör- und Kosmetiksalons). Der Pay Gap ist der prozentuelle Unterschied zwischen den lohnsteuerpflichtigen Bezügen von Frauen und Männern, gemessen an den Bezügen der Männer. Pay Gap GENDERSENSIBLE STATISTIK: LEBENSREALITÄTEN SICHTBAR MACHEN 65 ARBEITSLOSIGKEIT Die altersspezifischen Arbeitslosenquoten zeigen, dass das Risiko arbeitslos zu sein, für junge Menschen besonders hoch ist. Die Arbeitslosenquote der Männer zeigt einen u-förmigen Verlauf, das bedeutet, dass Männer am Beginn(aber auch am Ende) des Erwerbslebens mit einem besonders hohen Arbeitslosigkeitsrisiko konfrontiert sind. Bei den Frauen ist der u-förmige Verlauf nur schwach erkennbar und die Arbeitslosenquote entwickelt sich im Altersverlauf deutlich konstanter. Folglich ergeben sich bei den altersspezifischen Arbeitslosenquoten der jungen Männer im Vergleich zu den jungen Frauen teilweise recht hohe geschlechtsspezifische Unterschiede mit bis zu 7 Prozentpunkten. Die Arbeitslosenquote der Frauen ist hierbei in sämtlichen Altersgruppen niedriger als jene der Männer. Seit dem Jahr 2008 ist die Zahl der Arbeitslosen(inkl. SchulungsteilnehmerInnen) in der Altersgruppe zwischen 15 und 29 Jahren im Vergleich zum Jahr 2013 bei den Frauen mit 43% und bei den Männern mit 46% ähnlich stark gestiegen. Die Zahl beträgt im Jahr 2013 bei den Frauen rund 15.500 und bei den Männern rund 21.900. Der Anteil der SchulungsteilnehmerInnen liegt bei den Frauen wie auch bei den Männern bei rund einem Drittel. Arbeitslosenquote Anteil vorgemerkter, arbeitsloser Personen am Arbeitskräftepotenzial in Einzeljahren(in%) 25 20 15 10 5 0 15 Jahre 20 Jahre 25 Jahre 30 Jahre 35 Jahre 40 Jahre 45 Jahre 50 Jahre 55 Jahre 60 Jahre Frauen Männer Quelle: AMS/Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger(baliweb), Jahresdurchschnitt 2013. Anmerkung: Die Arbeitslosenquote wurde gemäß nationaler Berechnungsweise ermittelt. Das Arbeitskräftepotenzial bezieht sich auf arbeitslose Personen (Wohnort Wien) und unselbstständig Beschäftigte(Arbeitsort Wien). Arbeitslosigkeit Vorgemerkte Arbeitslose und Personen in AMS-Schulungen mit Wohnort in Wien 80.000 70.000 60.000 50.000 40.000 30.000 20.000 10.000 0 156 24.430 10.825 2008 +45% +44% +43% Frauen 15 bis 29 Jahre Quelle: AMS(baliweb). Frauen 30 bis 59 Jahre 229 35.293 15.497 2013 Frauen ab 60 Jahre 1.880 32.325 +56% +39% 15.025 +46% 2008 Männer 15 bis 29 Jahre Männer 30 bis 59 Jahre 2.939 44.997 21.864 2013 Männer ab 60 Jahre 66 STATISTIK JOURNAL WIEN DIE MITTLEREN JAHRE … BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG UND-STRUKTUR Insgesamt leben derzeit im Durchschnitt rund 750.000 Wienerinnen und Wiener im Alter zwischen 30 und 59 Jahren in Wien. Das Geschlechterverhältnis ist gegenwärtig ausgeglichen, nachdem zuvor eine langjährige Konvergenz festzustellen war. Hervorzuheben ist, dass diese Alterskohorte von zwei zentralen demographischen Ereignissen gekennzeichnet ist, und zwar von der„Baby-Boom Generation“(45 bis 55 Jahre) und von der Zuwanderung junger Menschen seit Ende der 1980er-Jahre, die heute zwischen 30 und 45 Jahre alt sind. Die Sterbewahrscheinlichkeit der Männer ist mit großer zeitlicher Stabilität in dieser Lebensphase erheblich größer als die der Frauen. In den letzten fünf Jahrzehnten erhöhte sich die fernere Lebenswertung der 30-Jährigen beträchtlich sowohl für Männer(2012: 48,1 Jahre) als auch für Frauen(2012: 52,9 Jahre) um mehrere Jahre. Trotz dieser positiven Entwicklung liegt die relative Übersterblichkeit der Männer in dieser Alterskohorte seit Jahrzehnten etwa doppelt so hoch, was letztlich die niedrigere Lebenserwartung erklärt. Geschlechterverhältnis Absolute Differenz: Anzahl Frauen abzüglich Anzahl Männer 160.000 140.000 120.000 100.000 80.000 60.000 40.000 20.000 0 –20.000 1961 1971 1981 1991 0 bis 29 Jahre 30 bis 59 Jahre 60 Jähre und älter Quelle: Statistik Austria, Bevölkerungsfortschreibung, Statistik des Bevölkerungsstandes, Berechnungen MA 23. Relative Übersterblichkeit der Männer Sterberate der Männer dividiert durch die Sterberate der Frauen 4,5 4,0 3,5 3,0 2,5 2,0 1,5 1,0 0,5 0,0 1961 1971 1981 1991 0 Jahre 1 bis 29 Jahre 30 bis 59 Jahre 60 Jähre und älter Quelle: Statistik Austria, Statistik der natürlichen Bevölkerungsbewegung, Berechnungen MA 23. 2001 2001 2011 2011 GENDERSENSIBLE STATISTIK: LEBENSREALITÄTEN SICHTBAR MACHEN 67 Das interregionale Mobilitätsverhalten der 30- bis 45-Jährigen ist im Wesentlichen von wohnungsorientierten Motiven gekennzeichnet und ist ein zentraler Bestandteil der Suburbanisierung. Diese Migrationsform entsteht vor allem dann, wenn nach der Geburt des Kindes ein entsprechendes Wohnumfeld gesucht wird. Ältere Kinder verringern die Mobilitätsbereitschaft ihrer Eltern. Ab einem Alter von 40 Jahren ist insgesamt eine Abnahme der Wanderungsintensität zu beobachten. Da Frauen und Männer sich bei Weitem nicht so stark in ihrem Migrationsverhalten unterscheiden wie die verschiedenen Altersgruppen, handelt es sich hierbei oftmals um Haushaltsentscheidungen. Seit Jahren ziehen mehr Menschen ab dem 30. Lebensjahr ins Umland als nach Wien, wobei der negative Saldo bei den Frauen etwas stärker ausfällt als bei den Männern. Nach dem 40. Lebensjahr verringert sich aufgrund der familiären Situation sowie durch die berufliche Stellung die Wanderungsintensität(sowohl bei der Binnen- als auch bei der Außenwanderung) für beide Geschlechter. BILDUNGSSTAND UND-STRUKTUR Diese Lebensphase ermöglicht einen fast abgeschlossenen Überblick über den derzeitigen Bildungsstand der Wiener Bevölkerung. Im Vergleich zu den Männern verzeichnen Frauen einen höheren Anteil an Pflichtschulabschlüssen und einen deutlich niedrigeren Anteil an Lehrabschlüssen. Aber sowohl bei den jungen Erwachsenen als auch bei den 30- bis 59-Jährigen verfügen mehr Frauen als Männer über einen Sekundarund Tertiärabschluss. Historisch betrachtet zeigt sich, dass das Bildungsniveau der Wienerinnen und Wiener deutlich gestiegen ist, was insbesondere auf den Anstieg bei den Abschlüssen der berufsbildenden mittleren und höheren Schulen sowie auf die Beendigung der universitären Ausbildung zurückzuführen ist. Insgesamt hat sich der Anteil bei den Frauen mit universitärem oder vergleichbarem Abschluss seit 1971 verachtfacht, bei den Männer verdreifacht(siehe Seite 68). Wanderungsdynamik 2007 bis 2012 800 600 400 200 0 –200 –400 0 Jahre 10 Jahre 20 Jahre 30 Jahre 40 Jahre 50 Jahre 60 Jahre 70 Jahre Außenwanderungssaldo Frauen Außenwanderungssaldo Männer Quelle: Statistik Austria, Wanderungsstatistik, Berechnung MA 23. Binnenwanderungssaldo Frauen 80 Jahre 90 Jahre 100 Jahre Binnenwanderungssaldo Männer 68 STATISTIK JOURNAL WIEN Höchster Bildungsabschluss Frauen ab 15 Jahren(in%), N= 772.915 100 75 50 25 0 15 Jahre 25 Jahre 35 Jahre 45 Jahre 55 Jahre 65 Jahre 75 Jahre 85 Jahre 95 Jahre+ Pflichtschule Lehre BMS/BHS/AHS Hochschule Quelle: Statistik Austria, Registerzählung 2011, Berechnungen MA 23. Anmerkungen: BMS= Berufsbildende mittlere Schule, BHS= Berufsbildende höhere Schule, AHS= Allgemein bildende höhere Schule. Hochschule umfasst auch Kollegs und hochschulverwandte Lehranstalten. Höchster Bildungsabschluss Männer ab 15 Jahren(in%), N= 695.137 100 75 50 25 0 15 Jahre 25 Jahre 35 Jahre 45 Jahre 55 Jahre 65 Jahre 75 Jahre 85 Jahre 95 Jahre+ Pflichtschule Lehre BMS/BHS/AHS Hochschule Quelle: Statistik Austria, Registerzählung 2011, Berechnungen MA 23. Anmerkungen: BMS= Berufsbildende mittlere Schule, BHS= Berufsbildende höhere Schule, AHS= Allgemein bildende höhere Schule. Hochschule umfasst auch Kollegs und hochschulverwandte Lehranstalten. GENDERSENSIBLE STATISTIK: LEBENSREALITÄTEN SICHTBAR MACHEN 69 FAMILIEN- UND HAUSHALTSSTRUKTUR Diese Lebensphase verbringen die meisten Frauen und Männer als(Ehe-)Paare. Der Anteil bei Geschiedenen liegt bei Frauen um fünf Prozentpunkte höher als bei Männern. Die häufigste familiale Lebensform stellen Lebensgemeinschaften mit Kindern dar. Das traditionelle Familienmodell(Ehepaar mit Kind) tritt besonders im Altersbereich von 30 bis 50 Jahren auf. Betrachtet man über einen längeren Zeitraum das Alter der Mutter, so stieg der Anteil von über 30-jährigen Frauen mit Lebendgeborenen und überschritt im Jahr 2012 bereits die 50%-Marke. Analog zum steigenden Erstheiratsalter stieg auch das durchschnittliche Scheidungsalter der Wiener Bevölkerung. Frauen lösen im Durchschnitt ihre Ehe im Alter von 40 Jahren, Männer im Alter von 43 Jahren. Somit trennen sich Männer in Wien um 6,5 Jahre und Frauen um 6,2 Jahre später als im Jahr 1985. Im Bundesländervergleich hat Wien mit knapp 50% außerdem die höchste Gesamtscheidungsrate. Bei den Haushalten fällt auf, dass Männer mittleren Alters öfter einen Einpersonenhaushalt führen als Frauen. Ab dem 55. Lebensjahr leben hingegen Frauen häufiger in Singlehaushalten. Familien- bzw. Personenstand (in%), N= 1.468.052 100 75 50 25 0 15 Jahre 25 Jahre 35 Jahre 45 Jahre 55 Jahre ledig(Frauen) ledig(Männer) verheiratet(Frauen) verheiratet(Männer) verwitwet(Frauen) verwitwet(Männer) Quelle: Statistik Austria, Registerzählung 2011, Berechnungen MA 23. Singlehaushalte Frauen und Männer ab dem 16. Lebensjahr(in%), N= 1.463.525 70 60 50 40 30 20 10 0 15 Jahre 25 Jahre 35 Jahre 45 Jahre Frauen Männer Quelle: Statistik Austria, Registerzählung 2011, Berechnungen MA 23. 55 Jahre 65 Jahre 75 Jahre geschieden(Frauen) geschieden(Männer) 65 Jahre 75 Jahre 85 Jahre 95 Jahre 85 Jahre 95 Jahre 70 STATISTIK JOURNAL WIEN ERWERBSSTATUS Bei den Frauen mittleren Alters ist die Erwerbsbeteiligung seit 1971 deutlich gestiegen und wird zunehmend zur Normalität. Während im Jahr 1971 bei der Volkszählung noch 61% der 30- bis 59-jährigen Frauen zu den Erwerbspersonen(Erwerbstätige und Arbeitslose) zählen, sind es im Jahr 2011 bereits 79%. Diese Steigerung ist insbesondere auf die vermehrte Erwerbsbeteiligung von Müttern zurückzuführen. Bei den Männern ist der gegenteilige Effekt erkennbar: Im Jahr 1971 gehörten noch 95% der Männer mittleren Alters zu den Erwerbspersonen, im Jahr 2011 beträgt der äquivalente Anteil 85%(siehe Grafik unten). Erwerbsstatus Wiener Wohnbevölkerung ab 15 Jahren(in%) 100 80 35 2 60 40 63 20 Frauen(15 bis 29 Jahre) 35 33 32 3 88 62 59 60 41 7 52 Männer(15 bis 29 Jahre) 20 1 26 27 27 5 7 10 79 69 66 63 0 1971 100 80 39 60 1 40 60 20 1981 1991 2001 Frauen(30 bis 59 Jahre) 34 26 22 7 26 64 67 71 2011 22 7 72 1971 5 1 1981 1991 2001 Männer(30 bis 59 Jahre) 688 4 8 10 94 90 84 82 0 1971 100 1981 1991 2001 Frauen(ab 60 Jahre) 2011 1971 1981 1991 2001 Männer(ab 60 Jahre) 80 60 95 97 98 97 95 40 83 92 93 91 20 0 5 1971 3 1981 2 1991 3 2001 5 2011 17 1971 8 1981 6 1991 Erwerbstätige(Frauen/Männer) Arbeitslose(Frauen/Männer) Nicht-Erwerbspersonen(Frauen/Männer) Quelle: Statistik Austria, Volkszählungen 1971 bis 2001, Registerzählung 2011. Anmerkung: Erwerbsstatus 1971 bis 1991 nach dem Lebensunterhaltskonzept, ab 2001 nach dem Labour-Force-Konzept. 1 8 2001 36 8 55 2011 15 8 77 2011 86 1 13 2011 GENDERSENSIBLE STATISTIK: LEBENSREALITÄTEN SICHTBAR MACHEN 71 NICHT-ERWERBSTÄTIGKEIT UND UNBEZAHLTE ARBEIT Der Anteil der Wohnbevölkerung mittleren Alters, der zu den Nicht-Erwerbspersonen gehört, nähert sich bei den Frauen und Männern im Zeitverlauf an. Im Jahr 2011 sind das lt. Registerzählung 22% der weiblichen und 15% der männlichen Wohnbevölkerung. Ein Großteil davon entfällt auf die Gruppe der„sonstigen NichtErwerbspersonen“, die auch ausschließlich im Haushalt tätige Personen enthält. Der tägliche Zeitaufwand für unbezahlte Arbeit beträgt bei Frauen durchschnittlich 4,5 Stunden, bei den Männern liegt der Zeitaufwand bei 3 Stunden. Im Vergleich zu den jungen Jahren verbringen Frauen und Männer damit mehr Zeit, um unbezahlte Arbeit zu verrichten. Der Unterschied beim Zeitaufwand zwischen den Geschlechtern ist in dieser Altersgruppe zwar etwas geringer als bei den jüngeren Personen, ist aber immer noch beträchtlich. Nicht-Erwerbspersonen Wiener Wohnbevölkerung ab 15 Jahren, die weder erwerbstätig noch arbeitslos ist(in%) 15 bis 29 Jahre 24,7 22,6 0,1 16,3 0,2 13,2 30 bis 59 Jahre 5,7 0,8 4,6 0,6 15,3 9,7 60 plus 0,0 0,0 85,1 80,9 5,2 0 10 20 30 40 50 60 70 80 Frauen/Männer in Ausbildung Frauen/Männer mit Pensionsbezug Frauen/Männer – Sonstige Nicht-Erwerbspersonen Quelle: Statistik Austria, Registerzählung 2011. Anmerkung: Sonstige Nicht-Erwerbspersonen sind ausschließlich im Haushalt Tätige und Personen, die sich nicht in Ausbildung befinden, keine österreichische Pension beziehen und nicht erwerbstätig oder arbeitslos sind. 9,5 90 100 Unbezahlte Arbeit Durchschnittlicher täglicher Zeitaufwand(Mo–So) von WienerInnen ab 10 Jahren(in Stunden und Minuten) 10 bis 29 Jahre 59 Minuten 3 Stunden 3 Minuten 30 bis 59 Jahre 4 Stunden 26 Minuten 3 Stunden 2 Minuten 60 plus 5 Stunden 3 Stunden 8 Minuten 0 Stunden 1 Stunde 2 Stunden 3 Stunden 4 Stunden 5 Stunden 6 Stunden Frauen Männer Quelle: Statistik Austria, Zeitverwendungsstudie 2008/09, Berechnungen MA 23. Anmerkung: Unbezahlte Arbeit umfasst Haushaltsführung, Kinderbetreuung, Betreuung und Pflege von erwachsenen Haushaltsmitgliedern, Freiwilligenarbeit, ehrenamtliche Tätigkeit und Vereinstätigkeit. 72 STATISTIK JOURNAL WIEN ERWERBSTÄTIGKEIT Generell haben sich die Beschäftigungsquoten von Frauen und Männern in den letzten Jahrzehnten stark angenähert. Die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei den Beschäftigungsquoten 11 weiten sich vor allem während der so genannten„Familienphase“ (Mitte 20 bis Mitte 40) aus. Bei den Frauen ist in diesem Lebensabschnitt ein deutlicher Unterschied zwischen der„Beschäftigungsquote(insgesamt)“ und der„aktiven Beschäftigungsquote“ 12 erkennbar, mit einem Ausmaß von bis zu 8 Prozentpunkten. Bei den Männern ist der Unterschied zwischen der„Beschäftigungsquote(insgesamt)“ und der„aktiven Beschäftigungsquote“ hingegen so gering, dass dieser auf der Grafik(siehe unten) nicht erkennbar ist. Zwischen den Frauen und Männern unterscheiden sich die aktiven Beschäftigungsquoten in dieser Phase mit bis zu 15 Prozentpunkten. Ab Mitte 40 weichen die aktiven Beschäftigungsquoten weder bei Frauen noch bei den Männern von den Beschäftigungsquoten insgesamt ab und liegen wieder auf ähnlichem Niveau. 11 Anteil Erwerbstätige an der Bevölkerung. 12 Bei der Berechnung der aktiven Beschäftigungsquote werden Personen in Mutterschutz, Karenz, bei Waffen- oder Kaderübungen des Bundesheeres und bei längerem Krankenstand nicht zu den Erwerbstätigen gezählt. Die Arbeitszeit ist neben der Erwerbsquote ein weiterer wichtiger Indikator, um das Ausmaß der Integration von Frauen und Männern in den Arbeitsmarkt beurteilen zu können. Die Teilzeitquote bei den erwerbstätiBeschäftigungsquote Anteil Erwerbstätige an der Wiener Wohnbevölkerung in Einzeljahren(in%) 90 80 70 60 50 40 30 20 10 0 15 Jahre 20 Jahre 25 Jahre 30 Jahre 35 Jahre 40 Jahre 45 Jahre 50 Jahre 55 Jahre 60 Jahre Beschäftigungsquote Frauen Aktive Beschäftigungsquote Frauen Beschäftigungsquote Männer(inklusive Präsenz-/Zivildienst) Aktive Beschäftigungsquote Männer(inklusive Präsenz-/Zivildienst) Aktive Beschäftigungsquote Männer(exklusive Präsenz-/Zivildienst) Quelle: Statistik Austria, Registerzählung 2011, Berechnungen MA 23. Anmerkung: Bei der aktiven Beschäftigungsquote werden Personen in Mutterschutz, Karenz, bei Waffen- oder Kaderübungen des Bundesheeres und bei längerem Krankenstand nicht zu den Erwerbstätigen gezählt. GENDERSENSIBLE STATISTIK: LEBENSREALITÄTEN SICHTBAR MACHEN 73 gen Frauen zeigt eine steigende Entwicklung und liegt laut Arbeitskräfteerhebung im Jahr 2013 bei 37%. Bei Frauen, die Kinder unter 15 Jahren haben, liegt der Anteil deutlich höher, bei über 50%. Männer haben in allen Altersgruppen eine niedrigere Teilzeitquote. Während aber Frauen mit Kindern unter 15 Jahren deutlich höhere Teilzeitquoten aufweisen als Frauen ohne Kinder(2013: 54% bzw. 20%), wirkt sich die Elternschaft bei Männern offenbar sogar gegenteilig auf die Teilzeitquote aus: Männer mit Kindern unter 15 Jahren sind seltener teilzeitbeschäftigt als Männer ohne Kinder unter 15 Jahren(2013: 9% bzw. 11%). Die geschlechtsspezifischen Unterschiede hinsichtlich des Arbeitszeitarrangements zeigen sich auch deutlich anhand der Daten über die tatsächlich geleistete Wochenarbeitszeit von Frauen und Männern. Rund ein Drittel der erwerbstätigen Männer geben bei der Arbeitskräfteerhebung an, in der jeweiligen Befragungswoche unter 36 Stunden gearbeitet zu haben, bei den Frauen trifft das auf ungefähr die Hälfte zu. Umgekehrt geben auch ein Drittel der erwerbstätigen Männer an, länger als 40 Stunden gearbeitet zu haben, bei den Frauen ist der Anteil deutlich niedriger und liegt bei 15%. Teilzeitquoten Anteil teilzeiterwerbstätiger Personen mit Wohnort Wien an den Erwerbstätigen im Alter von 30 bis 59 Jahren(in%) 60 50 40 44 30 29 20 22 10 5 0 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 Frauen insgesamt Männer insgesamt Frauen mit Kindern unter 15 Jahren Männer mit Kindern unter 15 Jahren Frauen ohne Kinder unter 15 Jahren Männer ohne Kinder unter 15 Jahren Quelle: Statistik Austria, Arbeitskräfteerhebung diverse Jahrgänge, Berechnungen MA 23. 54 2012 37 29 11 11 9 2013 Wochenarbeitszeit Erwerbstätige mit Wohnort Wien im Alter von 30 bis 59 Jahren(in%) 40 35 30 25 20 19 15 14 10 5 0 Bis 11 Stunden 13 7 12 bis 24 Stunden 21 10 25 bis 35 Stunden 36 31 36 bis 40 Stunden 26 13 41 bis 59 Stunden 7 2 60 und mehr Stunden Frauen Männer Quelle: Statistik Austria, Arbeitskräfteerhebung 2013, Berechnungen MA 23. Anmerkung: Erwerbstätige ohne Personen in Elternkarenz. Bei der Wochenarbeitszeit handelt es sich um die tatsächlich geleistete Arbeitszeit in der Referenzwoche der Befragung. 74 STATISTIK JOURNAL WIEN Erwerbstätige Frauen und Männer sind unterschiedlich in den verschiedenen Berufsgruppen vertreten. Während Frauen vor allem bei Büro- und Dienstleistungsberufen überrepräsentiert sind, sind die Männeranteile bei Handwerkstätigkeiten sowie bei Maschinen- und Montageberufen überproportional hoch. Es handelt sich dabei um eine grobe Einteilung der Berufsgruppen; je stärker differenziert die Berufsgruppen aber betrachtet werden, desto stärker ist auch das Ausmaß der geschlechtsspezifischen Spaltung des Arbeitsmarktes in„Frauenberufe“ und„Männerberufe“ erkennbar. Die empirische Evidenz zeigt, dass mit der Teilung in „Frauen- und Männerberufe“ auch eine vertikale Dimension verbunden ist, d.h. Frauen und Männer sind auch auf den verschiedenen Hierarchieebenen des Arbeitsmarktes unterschiedlich repräsentiert. So sind Frauen und Männer nicht entsprechend ihres Beschäftigtenanteils in den oberen Hierarchieebenen vertreten, sondern offenbar stoßen Frauen hier immer noch an die sogenannte„gläserne Decke“. Während der Frauenanteil an allen Erwerbstätigen bei 48% liegt, beträgt dieser bei den Leitungsfunktionen nur 38% und bei den Führungskräften nur 34%. Berufliche Tätigkeiten Erwerbstätige mit Wohnort Wien im Alter von 30 bis 59 Jahren(Geschlechteranteile in%) 100 80 66 60 40 34 20 0 Führungskräfte 53 47 54 46 73 27 61 39 90 10 88 12 52 48 Akademische Technische Berufe(und gleichrangige nichttechnische) Berufe Bürokräfte Berufe Dienstleistungsberufe Handwerksberufe BedienerInnen von Hilfsarbeitskräfte und VerkäuferInnen Anlagen und Maschinen und Montageberufe Frauenanteil Männeranteil Quelle: Statistik Austria, Arbeitskräfteerhebung 2013, Berechnungen MA 23. Anmerkung: Berufliche Tätigkeiten gemäß Berufsklassifikation ISCO 08(ohne Streitkräfte und Land- und Forstwirtschaft). Die gläserne Decke Erwerbstätige mit Wohnort Wien im Alter von 30 bis 59 Jahren(Geschlechteranteile in%) Frauenanteil Erwerbstätige Leitungsfunktionen Führungskräfte 38 34 48 Erwerbstätige 52 Männeranteil Leitungsfunktionen 62 Führungskräfte 66 0 10 20 30 40 50 60 70 Quelle: Statistik Austria, Arbeitskräfteerhebung 2013, Berechnungen MA 23. Anmerkung: Eine Leitungsfunktion umfasst die Anleitung und Beaufsichtigung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und bezieht sich nur auf unselbstständig Beschäftigte. Führungskräfte wurden gemäß Berufsklassifikation ISCO 08 eingestuft. GENDERSENSIBLE STATISTIK: LEBENSREALITÄTEN SICHTBAR MACHEN 75 Die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern werden im mittleren Lebensabschnitt deutlich größer als zu Beginn der Erwerbskarriere. Der Einkommensnachteil der Frauen beträgt lt. Lohnsteuerstatistik für die 30- bis 59-Jährigen ca. 23%. Im Alter von Mitte 30 bis 40 sind die Unterschiede besonders hoch: Der Einkommensnachteil der Frauen liegt hier bei bis zu 32% – oder umgekehrt berechnet – der Einkommensvorteil der Männer beträgt bis zu 46%. Zu einem Teil sind diese Einkommensunterschiede auf das Beschäftigungsausmaß bzw. im Speziellen auf die Entscheidung für Teilzeitarbeit zurückzuführen. Eine Analyse der Bundesanstalt Statistik Österreich 13 auf Basis der Stundenlöhne laut Verdienststrukturerhebung zeigt jedoch, dass auch unabhängig vom Beschäftigungsausmaß ein beträchtliches Lohngefälle zwischen Frauen und Männern besteht. Der größte Teil des„erklärbaren“ Lohnunterschiedes ist der Analyse zufolge auf die unterschiedliche Verteilung der Frauen auf die Branchen und Berufe zurückzuführen. 13 vgl. Geisberger/Glaser:„Geschlechtsspezifische Verdienstunterschiede. Analysen zum ‚Gender Pay Gap‘ auf Basis der Verdienststrukturerhebung 2010“, in: Statistische Nachrichten 3/2013, 215–226. Lohnsteuerpflichtige Einkommen Bruttojahreseinkommen von lohnsteuerpflichtigen Personen mit Wohnsitz in Wien nach Einzeljahren(Medianwerte in EUR) 45.000 40.000 35.000 30.000 25.000 20.000 15.000 10.000 5.000 0 15 Jahre 15 bis 29 Jahre Pay Gap= 16,7% 25 Jahre 30 bis 59 Jahre Pay Gap= 23,4% 35 Jahre 45 Jahre 55 Jahre ab 60 Jahre Pay Gap= 33,9% 65 Jahre 75 Jahre 85 Jahre 95 Jahre Frauen Männer Quelle: Statistik Austria, Lohnsteuerstatistik 2012, Berechnungen MA 23. Anmerkung: Medianeinkommen der lohnsteuerpflichtigen Personen(ArbeitnehmerInnen und PensionistInnen) mit ganzjährigen Bezügen exkl. Pflegegeldbezug. Der Pay Gap ist der prozentuelle Unterschied zwischen den lohnsteuerpflichtigen Bezügen von Frauen und Männern, gemessen an den Bezügen der Männer. Pay Gap Einkommen nach Berufsgruppen Bruttostundenlöhne von unselbstständig Beschäftigten nach Berufsgruppe(Medianwerte in EUR) Führungskräfte Akademische Berufe TechnikerInnen und gleichrangige nichttechnische Berufe Bürokräfte und verwandte Berufe Dienstleistungsberufe und VerkäuferInnen Handwerks- und verwandte Berufe BedienerInnen von Anlagen und Maschinen und Montageberufe Hilfsarbeitskräfte Frauen Männer 0 24,55 17,56 15,81 13,82 14,19 9,37 9,68 11,86 13,61 10,79 12,99 7,93 9,44 19,21 22,10 5 10 15 20 25 30 34,02 35 27,8% 20,6% 17,7% 2,6% 3,1% 12,9% 16,9% 16,0% 40 Quelle: Statistik Austria, Verdienststrukturerhebung 2010, Sonderauswertung für Wien, Berechnungen MA 23. Anmerkung: Bruttostundenverdienste ohne Mehr- und Überstunden(enthalten sind hingegen Zuschläge für Nacht-, Schicht, Sonn- und Feiertagsarbeit). Ohne Lehrlinge und öffentlicher Dienst. Berufsgruppe nach der Klassifikation Ö-ISCO 08. Der Pay Gap ist der prozentuelle Unterschied zwischen den Stundenlöhnen von Frauen und Männern, gemessen an den Stundenlöhnen der Männer. 76 STATISTIK JOURNAL WIEN In Wien betragen laut der letzten Verdienststrukturerhebung die Medianwerte für die Stundenlöhne der Frauen für die unterschiedlichen Berufsgruppen zwischen 7,9 und 24,6 Euro. Bei den Männern betragen diese zwischen 9,4 und 34,0 Euro, womit sich Einkommensnachteile für Frauen von rund 3%(Bürokräfte) bis hin zu 28%(Führungskräfte) ergeben. ARBEITSLOSIGKEIT Die Unterschiede bei den Arbeitslosenquoten von Frauen und Männern im mittleren Erwerbsalter sind vergleichsweise gering und weiten sich erst mit dem steigenden Alter. Insgesamt beträgt die Zahl der Arbeitslosen inklusive Schulungsteilnehmerinnen und Schulungsteilnehmer im Jahr 2013 bei den 30- bis 59-jährigen Frauen rund 35.300, bei den Männern rund 45.000. Zwischen 2008 und 2013 stieg die Anzahl der Arbeitslosen(inklusive Schulungsteilnehmerinnen und Schulungsteilnehmer) bei den Frauen um 44%, und damit stärker als bei den Männern mit 39%. Ungefähr ein Viertel der arbeitslosen Frauen nimmt an Schulungsmaßnahmen des AMS teil, bei den Männern liegt der Anteil bei 18%. Arbeitslosenquote Anteil vorgemerkter, arbeitsloser Personen am Arbeitskräftepotenzial in Einzeljahren(in%) 25 20 15 10 5 0 15 Jahre 20 Jahre 25 Jahre 30 Jahre 35 Jahre 40 Jahre 45 Jahre 50 Jahre 55 Jahre 60 Jahre Frauen Männer Quelle: AMS/Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger(baliweb), Jahresdurchschnitt 2013. Anmerkung: Die Arbeitslosenquote wurde gemäß nationaler Berechnungsweise ermittelt. Das Arbeitskräftepotenzial bezieht sich auf arbeitslose Personen (Wohnort Wien) und unselbstständig Beschäftigte(Arbeitsort Wien). Arbeitslosigkeit Vorgemerkte Arbeitslose und Personen in AMS-Schulungen mit Wohnort in Wien 80.000 70.000 60.000 50.000 40.000 30.000 20.000 10.000 0 156 24.430 +45% +44% 10.825 2008 +43% 229 35.293 15.497 2013 Frauen 15 bis 29 Jahre Quelle: AMS(baliweb). Frauen 30 bis 59 Jahre Frauen ab 60 Jahre 1.880 32.325 +56% +39% 2.939 44.997 15.025 +46% 2008 Männer 15 bis 29 Jahre Männer 30 bis 59 Jahre 21.864 2013 Männer ab 60 Jahre GENDERSENSIBLE STATISTIK: LEBENSREALITÄTEN SICHTBAR MACHEN 77 DIE SPÄTEN JAHRE … BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG UND-STRUKTUR Seit 1961 ist sowohl die Zahl als auch der relative Anteil der 60- und Mehrjährigen in Wien rückläufig, wobei in den letzten Jahren der relative Anteil bei Männern leicht zunahm. Diese demographische Entwicklung der Bevölkerung zeigt sich auch im Durchschnittsalter, das von 42,6 auf 41,1 gesunken ist. Wien wurde demographisch gesehen jünger. Obwohl seit Ende der 1990er-Jahre die absolute Zahl der 60und Mehrjährigen wieder leicht ansteigt, blieb deren Anteil an der Gesamtbevölkerung konstant bei etwa 22%. Insgesamt zählen derzeit etwa 390.000 Personen zu dieser Altersgruppe. Die Geschlechterproportion zeichnet im höheren Erwachsenenalter ein klares Bild. Der höhere Frauenanteil ist nicht nur auf die unterschiedliche Lebenserwartung zurückzuführen, sondern die ungleiche Verteilung spiegelt die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs wider, die sich in den kommenden Jahren zunehmend abschwächen wird. In den letzten Jahrzehnten zeigt sich bereits, dass der „Frauenüberschuss“ im Alter abgenommen hat, was in den nächsten Jahrzehnten zu einer Angleichung der Geschlechterproportion führen kann. Die Lebenserwartung der Menschen im höheren Erwachsenenalter ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegen. Von dieser Entwicklung profitierten Frauen und Männer in gleicher Weise: So stieg die weitere Lebenserwartung 60-Jähriger seit dem Jahr 1961 bei den Männern und bei den Frauen um knapp sechs Jahre. Eine 60-jährige Frau hat derzeit eine weitere Lebenserwartung von 25 Jahren. Die Restlebenserwartung eines gleichaltrigen Mannes liegt bei 21 Jahren. Aufgrund der gestiegenen Lebenserwartung hat auch die statistische Wahrscheinlichkeit zugenommen, ein höheres Alter zu erreichen. Im Vergleich zu den Frauen ist die Sterberate bei Männern bzw. die relative Übersterblichkeit der Männer auch in den späteren Lebensjahren deutlich höher. Geschlechterverhältnis Absolute Differenz: Anzahl Frauen abzüglich Anzahl Männer 160.000 140.000 120.000 100.000 80.000 60.000 40.000 20.000 0 –20.000 1961 1971 1981 1991 0 bis 29 Jahre 30 bis 59 Jahre 60 Jähre und älter Quelle: Statistik Austria, Bevölkerungsfortschreibung, Statistik des Bevölkerungsstandes, Berechnungen MA 23. 2001 2011 78 STATISTIK JOURNAL WIEN Die Wanderungsbeteiligung der älteren Bevölkerung spielt in Wien eine untergeordnete Rolle. Trotzdem lassen sich geschlechtsspezifische Unterschiede erkennen. Auffallend ist, dass Männer viel früher und vermehrt ins Ausland migrieren als Frauen. Die Ruhestandswanderung ins übrige Bundesgebiet führt seit Jahren zu einer negativen Wanderungsbilanz, wobei Frauen im höheren Alter deutlich stärker partizipieren als Männer. wahrnehmen konnten, sich an einer Universität einzuschreiben. Dieser Geschlechterunterschied ist bei der älteren Bevölkerung besonders sichtbar: Rund 16% der Männer ab 60 Jahren haben einen Tertiärabschluss, bei den Frauen beträgt der äquivalente Anteil nur rund 8% (siehe Seite 68). FAMILIEN- UND HAUSHALTSSTRUKTUR BILDUNGSSTAND UND-STRUKTUR Jede dritte Frau(35%) und nur jeder sechste Mann (17%) ab dem 60. Lebensjahr haben einen Pflichtschulabschluss als höchste abgeschlossene Ausbildung. Insgesamt verfügen in Wien mehr Männer(57%) als Frauen(52%) über einen Sekundarabschluss. Dieser manifestiert sich in dieser Altersgruppe, wobei hier insbesondere der hohe Anteilswert an Lehrabschlüssen ausschlaggebend ist. Die Ergebnisse belegen eindeutig, dass Männer früher im Vergleich zu Frauen viel häufiger die Möglichkeit Der Gegensatz der Lebensformen von Frauen und Männern im Alter ist beträchtlich. Männer leben bis ins hohe Alter in Partnerschaft. Dieses Abbild der unterschiedlichen Lebenserwartungen von Frauen und Männern hat weit reichende Auswirkungen, z. B. auf die Unterstützung bei Pflegebedürftigkeit. So können pflegebedürftige Männer im höheren Lebensalter vielfach auf die Hilfe ihrer Partnerin zurückgreifen, während Frauen viel seltener Betreuung durch den Ehemann erwarten können. Während noch ein hoher Anteil der Männer bis ins hohe Alter in einer Partnerschaft lebt, verbringen Frauen ihren Lebensabend vielfach als Alleinlebende. Wanderungsdynamik 2007 bis 2012 800 600 400 200 0 –200 –400 0 Jahre 10 Jahre 20 Jahre 30 Jahre 40 Jahre 50 Jahre 60 Jahre 70 Jahre Außenwanderungssaldo Frauen Außenwanderungssaldo Männer Quelle: Statistik Austria, Wanderungsstatistik, Berechnung MA 23. Binnenwanderungssaldo Frauen 80 Jahre 90 Jahre 100 Jahre Binnenwanderungssaldo Männer GENDERSENSIBLE STATISTIK: LEBENSREALITÄTEN SICHTBAR MACHEN 79 Familien- bzw. Personenstand (in%), N= 1.468.052 100 75 50 25 0 15 Jahre 25 Jahre 35 Jahre 45 Jahre 55 Jahre ledig(Frauen) ledig(Männer) verheiratet(Frauen) verheiratet(Männer) verwitwet(Frauen) verwitwet(Männer) Quelle: Statistik Austria, Registerzählung 2011, Berechnungen MA 23. Singlehaushalte Frauen und Männer ab dem 16. Lebensjahr(in%), N= 1.463.525 70 60 50 40 30 20 10 0 15 Jahre 25 Jahre 35 Jahre 45 Jahre Frauen Männer Quelle: Statistik Austria, Registerzählung 2011, Berechnungen MA 23. 55 Jahre 65 Jahre 75 Jahre geschieden(Frauen) geschieden(Männer) 65 Jahre 75 Jahre 85 Jahre 95 Jahre 85 Jahre 95 Jahre 80 STATISTIK JOURNAL WIEN ERWERBSSTATUS Aufgrund des unterschiedlichen gesetzlichen Pensionsalters von Frauen und Männern ist der Anteil der Erwerbspersonen ab 60 Jahren bei den Männern (14%) erwartungsgemäß höher als bei den Frauen (5%). Der Großteil der Personen ab 60 Jahren sind der Gruppe der„Nicht-Erwerbspersonen“ zuzuordnen, das sind im Jahr 2011 bei den Frauen 95% und bei den Männern 86%. Im Vergleich zu den vergangenen Jahrzehnten sind hier keine größeren Veränderungen bemerkbar(siehe Seite 70). NICHT-ERWERBSTÄTIGKEIT UND UNBEZAHLTE ARBEIT 212.186 Frauen und 137.877 Männer ab 60 Jahren (95% der Frauen und 86% der Männer) gehören zu den Nicht-Erwerbspersonen. Auffallend ist, dass es Nicht-Erwerbspersonen Wiener Wohnbevölkerung ab 15 Jahren, die weder erwerbstätig noch arbeitslos ist(in%) 15 bis 29 Jahre 24,7 22,6 0,1 16,3 0,2 13,2 30 bis 59 Jahre 5,7 0,8 4,6 0,6 15,3 9,7 60 plus 0,0 0,0 85,1 80,9 5,2 0 10 20 30 40 50 60 70 80 Frauen/Männer in Ausbildung Frauen/Männer mit Pensionsbezug Frauen/Männer – Sonstige Nicht-Erwerbspersonen Quelle: Statistik Austria, Registerzählung 2011. Anmerkung: Sonstige Nicht-Erwerbspersonen sind ausschließlich im Haushalt Tätige und Personen, die sich nicht in Ausbildung befinden, keine österreichische Pension beziehen und nicht erwerbstätig oder arbeitslos sind. 9,5 90 100 Unbezahlte Arbeit Durchschnittlicher täglicher Zeitaufwand(Mo–So) von WienerInnen ab 10 Jahren(in Stunden und Minuten) 10 bis 29 Jahre 59 Minuten 3 Stunden 3 Minuten 30 bis 59 Jahre 4 Stunden 26 Minuten 3 Stunden 2 Minuten 60 plus 5 Stunden 3 Stunden 8 Minuten 0 Stunden 1 Stunde 2 Stunden 3 Stunden 4 Stunden 5 Stunden 6 Stunden Frauen Männer Quelle: Statistik Austria, Zeitverwendungsstudie 2008/09, Berechnungen MA 23. Anmerkung: Unbezahlte Arbeit umfasst Haushaltsführung, Kinderbetreuung, Betreuung und Pflege von erwachsenen Haushaltsmitgliedern, Freiwilligenarbeit, ehrenamtliche Tätigkeit und Vereinstätigkeit. GENDERSENSIBLE STATISTIK: LEBENSREALITÄTEN SICHTBAR MACHEN 81 21.335 Frauen(das sind 10% der weiblichen NichtErwerbspersonen ab 60 Jahren) und 8.401 Männer (das sind 6% der männlichen Nicht-Erwerbspersonen ab 60 Jahren) gibt, denen kein Pensionsbezug zugeordnet werden kann und die daher als„sonstige NichtErwerbspersonen“ gezählt werden. Was die Erledigung unbezahlter Arbeit betrifft, bringen ältere Personen deutlich mehr Zeit dafür auf als in jüngeren Jahren. Frauen ab 60 Jahren verwenden täglich durchschnittlich 5 Stunden dafür, bei den Männern ist der durchschnittliche Zeitaufwand für unbezahlte Arbeit mit 3 Stunden um fast 2 Stunden geringer. ERWERBSTÄTIGKEIT Bei den Männern liegt die Erwerbsquote mit 60 Jahren bei 47% und sinkt auf 18% im 65. Lebensjahr. Im Vergleich dazu liegt diese bei den Frauen – trotz des bereits erreichten gesetzlichen Pensionsalters – mit 60 Jahren bei 22% und beträgt im 65. Lebensjahr 9%. Werden die aktiven Bezüge(aus unselbstständiger Arbeit) und die Pensionsbezüge zusammengerechnet, ergibt sich für die Altersgruppe der Personen ab 60 ein Gender Pay Gap 14 von 33,9%. Im Vergleich zu den Einkommensbezügen aus aktiver Erwerbstätigkeit weisen die Pensionsbezüge stärkere geschlechtsspezifische Unterschiede auf. Bei einem Bruttomedianeinkommen der Pensionistinnen von 14.449 Euro und der Pensionisten von 25.467 Euro ergibt sich ein Einkommensnachteil von 43% für Frauen. Bei den Pensionsbezügen, die aus Erwerbsarbeit resultieren (Alterspension, Ruhegenuss für BeamtInnen), sind die Einkommensbenachteiligung im Erwerbsleben, das durchschnittlich geringere Arbeitszeitausmaß und Versicherungslücken aufgrund von Betreuungstätigkeiten ausschlaggebend für die niedrigeren Pensionsbezüge der Frauen. Der Gender Pay Gap bei der Alterspension beträgt 45%, beim Ruhegenuss der BeamtInnen liegt er hingegen nur bei 4%. Bei der Witwen- und Witwerpension übersteigen die Bezüge der Frauen jene der Männer, was darin begründet ist, dass sich diese aus den jeweiligen Einkommensbeitragsleistungen der verstorbenen Ehepartnerin bzw. des verstorbenen Ehepartners errechnen. 14 Der Gender Pay Gap stellt den prozentualen Einkommensunterschied von Frauen gemessen am Einkommen der Männer(=Einkommensnachteil der Frauen) dar. Beschäftigungsquote Anteil Erwerbstätige an der Wiener Wohnbevölkerung in Einzeljahren(in%) 90 80 70 60 50 40 30 20 10 0 15 Jahre 20 Jahre 25 Jahre 30 Jahre 35 Jahre 40 Jahre 45 Jahre 50 Jahre 55 Jahre 60 Jahre Beschäftigungsquote Frauen Aktive Beschäftigungsquote Frauen Beschäftigungsquote Männer(inklusive Präsenz-/Zivildienst) Aktive Beschäftigungsquote Männer(inklusive Präsenz-/Zivildienst) Aktive Beschäftigungsquote Männer(exklusive Präsenz-/Zivildienst) Quelle: Statistik Austria, Registerzählung 2011, Berechnungen MA 23. Anmerkung: Bei der aktiven Beschäftigungsquote werden Personen in Mutterschutz, Karenz, bei Waffen- oder Kaderübungen des Bundesheeres und bei längerem Krankenstand nicht zu den Erwerbstätigen gezählt. 82 STATISTIK JOURNAL WIEN Lohnsteuerpflichtige Einkommen Bruttojahreseinkommen von lohnsteuerpflichtigen Personen mit Wohnsitz in Wien nach Einzeljahren,(Medianwerte in EUR) 45.000 40.000 35.000 30.000 25.000 20.000 30 bis 59 Jahre Pay Gap= 23,4% ab 60 Jahre Pay Gap= 33,9% 15.000 10.000 5.000 15 bis 29 Jahre Pay Gap= 16,7% 0 15 Jahre 25 Jahre 35 Jahre 45 Jahre 55 Jahre 65 Jahre 75 Jahre 85 Jahre 95 Jahre Frauen Männer Quelle: Statistik Austria, Lohnsteuerstatistik 2012, Berechnungen MA 23. Anmerkung: Medianeinkommen der lohnsteuerpflichtigen Personen(ArbeitnehmerInnen und PensionistInnen) mit ganzjährigen Bezügen exkl. Pflegegeldbezug. Der Pay Gap ist der prozentuelle Unterschied zwischen den lohnsteuerpflichtigen Bezügen von Frauen und Männern, gemessen an den Bezügen der Männer. Einkommen von Pensionistinnen und Pensionisten Bruttojahreseinkommen von PensionistInnen mit Wohnsitz in Wien nach Pensionsart(Auswahl),(Medianwerte in EUR) 40.000 35.000 Pay Gap= 4% 30.000 25.000 Pay Gap= 43% Pay Gap= 45% 20.000 15.000 10.000 5.000 Pay Gap= 17% Pay Gap= –15% Pay Gap= –1% 0 Gesamt Invaliditätspension Alterspension Witwen-/Witwerpension Waisenpension Ruhegenuss(BeamtInnen) Frauen Männer Quelle: Statistik Austria, Allgemeiner Einkommensbericht 2012, Sonderauswertung für Wien(Berichtsjahr 2011), Berechnungen MA 23. Anmerkung: Ohne Personen, die mehr als eine Pension beziehen. Auswahl der fünf dargestellten Pensionsarten mit den häufigsten Fallzahlen. Der Pay Gap ist der prozentuelle Unterschied zwischen den Pensionen von Frauen und Männern, gemessen an den Pensionen der Männer. GENDERSENSIBLE STATISTIK: LEBENSREALITÄTEN SICHTBAR MACHEN 83 ARBEITSLOSIGKEIT Dem u-förmigen Verlauf der altersspezifischen Arbeitslosenquote der Männer zufolge ist das Risiko für ältere Männer arbeitslos zu sein überdurchschnittlich hoch. Die Arbeitslosenquoten bei den 60- bis 64-jährigen Männern liegen zwischen 14% und 22%. Da bei den Frauen ist das gesetzliche Pensionsalter bereits erreicht wurde, ist die Arbeitslosenquote in diesem Lebensalter derzeit kein relevanter Indikator. Arbeitslosenquote Anteil vorgemerkter, arbeitsloser Personen am Arbeitskräftepotenzial in Einzeljahren(in%) 25 20 15 10 5 0 15 Jahre 20 Jahre 25 Jahre 30 Jahre 35 Jahre 40 Jahre 45 Jahre 50 Jahre 55 Jahre 60 Jahre Frauen Männer Quelle: AMS/Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger(baliweb), Jahresdurchschnitt 2013. Anmerkung: Die Arbeitslosenquote wurde gemäß nationaler Berechnungsweise ermittelt. Das Arbeitskräftepotenzial bezieht sich auf arbeitslose Personen (Wohnort Wien) und unselbstständig Beschäftigte(Arbeitsort Wien). 84 STATISTIK JOURNAL WIEN ZUSAMMENFASSUNG In diesem Teil des Journals wurde das zahlenmäßige Verhältnis von Frauen und Männern für verschiedene Lebenslagen und Bereiche dargestellt, um Rückschlüsse auf Unterschiede und Entwicklungen in Bezug auf die Lebensrealitäten von Frauen und Männern zu ermöglichen. Bezug nehmend auf den demographischen Wandel zeigen geschlechterbezogene Gesichtspunkte, wie eng diese mit der Bevölkerungskomposition sowie mit der Bildungs- und Lebensgestaltung verbunden ist. Die Kontextuierung dieser Querschnittsdimensionen ermöglicht einen Einblick in genderrelevante Aspekte und zeigt, dass die klassischen Lebensphasen die Biographien der Menschen in vielfältiger Weise prägen. Besonders im Kontext der Diskussion um die Folgen des demographischen Wandels zeigen sich in bestimmten bildungsspezifischen Instanzen bei Kindern und Jugendlichen noch immer gravierende Unterschiede. Aber auch im tertiären Bildungsbereich zeigen sich in Bezug auf die gewählte Studienrichtung nach wie vor gender-relevante Aspekte. Die sich ändernden Gesellschaftsformen – also die Formen des Zusammenlebens der Menschen – haben zu einem tief greifenden Wandel der Familien- und Haushaltsstrukturen geführt. Eine wesentliche Veränderung der Lebensformen betrifft z.B. die eigene Haushaltsgründung, die von Frauen früher durchgeführt wird. Der in der Vergangenheit beobachtete Rückgang der Haushaltsgröße dürfte sich auch in Zukunft fortsetzen, wobei zunehmend Frauen im hohen Lebensalter in Single-Haushalten leben werden. Im Bereich des Arbeitsmarktes sind unterschiedliche Tendenzen in Bezug auf die Gleichstellung zwischen den Geschlechtern ablesbar. Einerseits belegt die Entwicklung der Beschäftigungsquoten, dass Frauen immer stärker am Erwerbsleben teilnehmen und der gesellschaftliche Wandel offensichtlich zu einer Veränderung des klassischen„Familienernährer-Modells“ geführt hat. Andererseits zeigen die Ergebnisse der Zeitverwendungsstudie, dass bestimmte klassische Rollenmuster in Bezug auf die Verteilung von unbezahlter Arbeit eine erstaunliche Persistenz aufweisen. So verbringen Frauen in allen Lebensphasen deutlich mehr Zeit für Tätigkeiten im Haushalt, für die Betreuung von Kindern und älteren Pflegebedürftigen sowie für die Erledigung sonstiger ehrenamtlicher bzw. freiwilliger Arbeit. Mittlerweile dürfte sich für Frauen also weniger die Frage stellen, ob sie einer außerhäuslichen Erwerbstätigkeit nachgehen wollen, sondern unter welchen Bedingungen sie diese ausüben können. Teilzeitarbeit gilt als Möglichkeit, Beruf und Familie besser zu vereinbaren, wobei dies hauptsächlich von Frauen in Anspruch genommen wird. Als stabiles Phänomen erweisen sich die anhaltend hohen geschlechtsspezifischen Einkommensunterschiede, ebenso wie die Teilung des Arbeitsmarktes in so genannte„Frauenberufe“ und„Männerberufe“. In Bezug auf den letztgenannten Punkt ist in absehbarer Zeit nicht mit großen Veränderungen zu rechnen, da – zwar nicht was das Bildungsniveau, wohl aber was die fachspezifische Art der Ausbildung betrifft – weiterhin sehr große Unterschiede bestehen, die sich im Berufsleben fortsetzen. GENDERSENSIBLE STATISTIK: LEBENSREALITÄTEN SICHTBAR MACHEN 85 GLOSSAR Arbeitskräfteerhebung | Die Arbeitskräfteerhebung ist eine regelmäßig durchgeführte repräsentative Stichprobenbefragung von privaten Haushalten. Sie wird EU-weit durchgeführt und ermöglicht einen internationalen Vergleich über Erwerbstätigkeit und Arbeitslosigkeit. Als erwerbstätig gelten nach dem Labour Force-Konzept alle Personen, die in der Referenzwoche (die Woche vor dem Befragungszeitpunkt) mindestens eine Stunde gegen Bezahlung gearbeitet haben oder als Selbstständige oder mithelfende Familienangehörige arbeiteten. Als arbeitslos gilt, wer in diesem Sinne nicht erwerbstätig ist, aktive Schritte zur Arbeitssuche tätigt und kurzfristig zu arbeiten beginnen kann. Arbeitslosenquote | Die Registerquote als nationale Arbeitslosenquote basiert auf den beim Arbeitsmarktservice(AMS) vorgemerkten Arbeitslosen und den beim Hauptverband der Sozialversicherungsträger erfassten unselbstständig Beschäftigten. Sie entspricht dem Anteil der vorgemerkten Arbeitslosen am Arbeitskräftepotential(unselbstständig Beschäftigte plus vorgemerkte Arbeitslose). Beschäftigungsquote/Beschäftigungsquote aktiv | Die Beschäftigungsquote gibt den Anteil der Erwerbstätigen an der Wohnbevölkerung an. Bei der aktiven Beschäftigungsquote werden Personen in Mutterschutz, Karenz, bei Waffen- oder Kaderübungen des Bundesheeres und bei längerem Krankenstand nicht zu den Erwerbstätigen gezählt. chisch gegliedert in Berufshauptgruppen,-gruppen, -untergruppen und-gattungen. Derzeit gültig ist die Version 2008. Median | Der Median teilt einen Datensatz in zwei Hälften, so dass die eine Hälfte der Werte kleiner als der Median ist, und die andere größer. ÖNACE 08 | ÖNACE bezeichnet die österreichische Version der europäischen Systematik der Wirtschaftstätigkeiten(NACE= Nomenclature générale des activités économiques dans les Communautés européennes). Sie ist hierarchisch gegliedert in Abschnitte, Unterabschnitte, Abteilungen, Gruppen, Klassen und Unterklassen. Derzeit gültig ist die Version 2008. Registerzählung | Im Gegensatz zu den bis 2001 durchgeführten Volkszählungen werden bei der Registerzählung die Informationen nicht von den BürgerInnen eingeholt, sondern beruhen auf der Zusammenführung von anonymisierten Daten aus Verwaltungsregistern. Sterberate | Sterbefälle bezogen auf 1.000 Personen der Wohnbevölkerung. Teilzeitquote | Die Teilzeitquote wird auf Basis der Arbeitskräfteerhebung berechnet und bezeichnet den Anteil jener Erwerbstätigen, die bei der Frage nach Vollzeit- oder Teilzeitbeschäftigung eine Teilzeiterwerbstätigkeit angeben. Durchschnittliches Fertilitätsalter | Arithmetisches Mittel der Altersverteilung der einjährigen Fertilitätsraten(Lebendgeborene nach Alter der Mütter auf 1.000 Frauen gleichen Alters). Erstheiratsalter | Alter, in dem ledige Brautleute im Durchschnitt des jeweiligen Jahres zum ersten Mal eine Ehe schließen. Erwerbspersonen | Die Zahl der Erwerbspersonen ergibt sich aus der Summe der Erwerbstätigen und der Arbeitslosen. Übersterblichkeit(Männer) | Sterberate der Männer dividiert durch die Sterberate der Frauen. Wanderungsbilanz | Differenz aus der Zahl der Zuzüge und der Wegzüge in bzw. aus einer Raumeinheit innerhalb eines Zeitraums. In der Bevölkerungsstatistik unterscheidet man zwischen Außen- und Binnenwanderung. Unter Außenwanderung werden die Wanderungsbewegungen gegenüber dem Ausland verstanden und unter Binnenwanderung die Wanderungsbewegungen gegenüber dem österreichischen Inland, also gegenüber den acht Bundesländern. Geschlechterproportion | Gibt das Verhältnis der Anzahl von Frauen und der Anzahl von Männern in der Bevölkerung an. ISCO 08 | ISCO bezeichnet die internationale Standardklassifikation der Berufe(ISCO). Sie ist hierarZeitverwendungserhebung | Die Zeitverwendungserhebung wurde im Rahmen der Mikrozensus-Befragung durchgeführt. Es wurden alle im Haushalt lebenden Personen ab 10 Jahren ersucht, einen Tag lang ein Tagebuch zu führen, in das alle Tätigkeiten eingetragen wurden, die länger als eine ¼-Stunde dauern. 86 STATISTIK JOURNAL WIEN IMPRESSUM Medieninhaber und Herausgeber Magistrat der Stadt Wien MA 23 – Wirtschaft, Arbeit und Statistik Für den Inhalt verantwortlich: Dipl.-Vw. Klemens Himpele Redaktion Dezernat Wirtschaft Wien Stabsstelle Registerkoordination, Datenmanagement und Landesstatistik Meiereistraße 7, Sektor B, A-1020 Wien Telefon:+43-1-4000-83059 post@ma23.wien.gv.at http://www.wien.gv.at/kontakte/ma23 Redaktionsteam Mag. Dr. Gustav Lebhart Mag. a Edith Waltner MMag. Peter Wieser Gestaltung, Herstellung, Satz MEDIAPROJECTS. DI Gernot Steindorfer A-7061 Trausdorf an der Wulka Bilder und Illustrationen Cover:© Wiener Linien, Johannes Zinner Druck Wograndl Druck A-7210 Mattersburg Offenlegung Statistische Analysen, welche die Stadt Wien betreffen. Rechtlicher Hinweis Die enthaltenen Daten, Tabellen, Grafiken, Bilder etc. sind urheberrechtlich geschützt. Haftungsausschluss: Wir übernehmen keine Haftung für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität des Inhaltes. Nachdruck nur mit Quellenangabe. ISBN 978-3-901945-14-4 Gedruckt in Österreich auf PEFC-zertifiziertem ökologischem Papier aus der Mustermappe von„ÖkoKauf Wien“, 9/2014. ISBN 978-3-901945-14-4 STATISTIK JOURNAL WIEN 2/2014 Gender-sensitive statistics: Making life’s realities visible statistik journal wien 2/2014 Gender-sensitive statistics: Making life’s realities visible Image: PID/David Bohmann. Image: PID/Kromus. Renate Brauner Deputy Mayor and Executive City Councillor for Finance, Economic Affairs and Vienna Public Utilities Sandra Frauenberger Executive City Councillor for Integration, Women‘s Issues, Consumer Protection and Personnel PREFACE Even if legal equality of men and women has been achieved in our society in theory, equality in real life is still a long way off. There are undeniable indicators that this is the case, such as the pay gap that still exists between men and women. To be able to change the status quo and take targeted political action, it is necessary to first analyse the existing situation with respect to the problem: reliable facts, figures and data provide the starting point for driving change and taking supportive action. That is why we need to take a look at the realities of the lives of women and men in their entirety, taking into account the factors that might potentially impact the differences they face as regards their situation within society (for instance with respect to child care opportunities). Only if we do so can we then derive the most objective recommendations for action possible from such data. The City of Vienna has already taken important steps in the past that underpin its pioneering role in the implementation of gender equality today. A special unit(City of Vienna Equal Opportunities Advisers) is tasked with identifying violations of the equal treatment principle within the Vienna City Administration; the Department for the Promotion and Co-ordination of Women‘s Issues(MA 57) of the Vienna City Administration provides important basic research and support for women(grants, women’s helpline, etc.), while the Office for Gender Mainstreaming assists the various departments when it comes to introducing and implementing gender mainstreaming in their dayto-day work. The principle of gender budgeting, which is firmly established within the Vienna City Administration, ensures that municipal funds are assessed for gender impacts and distributed in a fair and well-balanced manner. This issue of the Vienna Statistics Journal explains what statistics hinging on gender are based on and how they are produced. Recent debates on the gender pay gap or on gender-sensitive language, which were highly emotional and far from objective, show what a sensitive field gender analysis still is today. All of this makes a publication that summarises the most recent state of knowledge on this subject and provides real-life examples all the more valuable. CONTENTS Preface 5 .......................................................................................................... Introduction 8 ..................................................................................................... METHODOLOGY ASPECTS IN THE GENDER-SENSITIVE PRESENTATION AND ANALYSIS OF DATA ......................................................................... 10 Data collection 10 ................................................................................................. Data presentation and analysis ................................................................................. 14 Development and perspectives of gender-sensitive statistics ................................................... 18 Conclusion 21 ..................................................................................................... Bibliography 22 .................................................................................................... EQUALS AFTER ALL? GENDER-SENSITIVE STATISTICS AND EQUALITY MONITORING AS INSTRUMENTS IN THE CITY OF VIENNA’S EQUALITY POLICY ........................................................................ 24 On the relationship between equality policies and statistics ................................................... 24 Equality monitoring: status quo and analyses .................................................................. 27 Equality objectives and equality indicators – a difficult relationship? ........................................... 30 The Vienna Equality Monitor 32 .................................................................................... Bibliography 35 .................................................................................................... THE SIGNIFICANCE OF GENDER-SENSITIVE STATISTICS FOR GENDER MAINSTREAMING ...................................................................... 36 Gender mainstreaming in the Vienna City Administration ....................................................... 36 Engendering statistics – gender-sensitive data in the statistical mainstream ................................... 37 Sex counting – headcounts or gender statistics? ............................................................... 40 Gender-sensitive statistics – necessities and challenges ....................................................... 44 Bibliography 47 .................................................................................................... Credits 49 .......................................................................................................... INTRODUCTION Women earn less than men. This simple observation will be confirmed time and again, whether you are talking among friends, looking at the different amounts of retirement pension your parents receive, discussing – on rare occasions – pay slips details at work or reviewing public tax information. How big is this gap exactly, and how can it be explained? This is one of the questions statistics are supposed to provide an answer to. This well-known example of applied gender statistics or gender-sensitive statistics(see box) illustrates very well what the purpose of statistics is – to map a certain section of real life. And doing so gives rise to a lot of heated debate within society. Gender statistics and gender-sensitive statistics This issue of the Vienna Statistics Journal uses the terms‘gender statistics’ and‘gender-sensitive statistics’ synonymously. These terms differ from mere ‘sex counting’ or‘head counting’, where personal data are just recorded and evaluated separately by biological sex(women/men). Gender statistics or gender-sensitive statistics combine findings of women’s studies and gender research with statistics problems, for instance considering which data to collect and which additional data or indicators might be necessary to portray the real-life circumstances of women and men. There are differing opinions on how to adequately calculate the gender-related income gap. Apart from what data source and what data collection method to use, the question is also whether and by how much the pay gap should be adjusted for gender-specific structural differences in employment. Some reasons for the observed differences in pay are obvious: women tend to work in lower-paying jobs and sectors than men. Given the time they invest in caring activities, women often work fewer hours per week and have longer gaps in their careers. Consequently, some people argue that only the amount remaining after these‘easilyexplained’ factors have been deducted should be referred to as actual gender pay gap. Others, however, argue that certain social parameters, such as the unequal distribution of unpaid work between the genders or the different value attached to‘typical women’s work’ and‘typical men’s work’, are the result of structural discrimination and a major cause underpinning the gender pay gap. Adjusting the figures by these factors, they say, would be nothing but a calculation move and would not provide a true portrayal of the differences actually found in real life. Thus what can or cannot be reasonably regarded as gender pay gap is also a question of political opinion. This goes to show that statistics cannot provide a comprehensive picture of reality translated into figures, but merely mirror a certain aspect of it. However, what statistics can do is offer a stimulus for improving the lot of disadvantaged population groups. They serve as a key basis for political decision-making and as a measure of the extent to which political objectives have been reached, of whether grants, educational programmes or new laws have had the desired effects. Gender statistics therefore both underpin and accompany policies for equal opportunities based on factual evidence. While statistics are up to this task, it is still necessary to also consider both limitations and leeway with respect to methodologies and definitions. as became clear in the gender pay gap example above, statistics can highlight certain inequalities or take them out of the equation. any kind of statistics will thus be preceded by a choice, the choice of what is relevant and what is not. What is relevant will be measured, what is relevant will draw attention. To come up with reliable gender statistics, it is therefore crucial to disclose the underlying equality objectives and to justify the methodology used. for this choice to be made, it is pivotal that the stakeholders from the spheres of politics, government and science collaborate and that expertise on equality as well as on statistical methods and analyses is mutually shared between all of them. This is the understanding based on which the city of Vienna has approached this issue. consequently, the topic of gender statistics in this issue of the Vienna Statistics Journal will be addressed from different angles by experts from the fields of statistics, promotion of women, and gender mainstreaming. The key aspects covered with respect to gender data are basic methodology and contents as well as adequate interpretation and analysis. • The article authored by Eva Maltschnig, Ulrike Pailer, Gerald Sirlinger and edith Waltner(Department for economic affairs, labour and Statistics(Ma 23) and Department for health care and Social Welfare Planning (Ma 24) of the Vienna city administration) deals with the methodological aspects of gender-sensitive data presentation and analysis. Some of the questions addressed are how the living conditions of men and women can be measured and what factors have to be taken into account in data collection and presentation. • In her contribution“Equals after all? Gender-sensi tive statistics and equality monitoring as instruments in the city of Vienna’s equality policy”, Stephanie Kiessling(Department for the Promotion and co-ordination of Women’s Issues(Ma 57) of the Vienna city administration) addresses the need for gender-sensitive data as a basis for equality policies and equality monitoring systems. Kiessling writes about the challenges involved in developing and interpreting suitable indicators and explains the key considerations and approaches underpinning the creation of the first Vienna equality Monitor. • The focus of the contribution by Jana Schultheiß (chief executive Office – executive Group for Organisation and Security, Office for Gender Mainstreaming) is on the significance of gender-sensitive statistics for gender mainstreaming. She outlines the importance of gender-sensitive data for integrating a gender-specific view into political concepts and government administration action. In doing so, she examines the question of what gender actually means in the mainstream of statistics and what problems arise in collecting this kind of data. 10 STATISTIK JOURNAL WIEN Methodology aspects in the gender-sensitive presentation and analysis of data Eva Maltschnig, Ulrike Pailer, Gerald Sirlinger and Edith Waltner Women and men are faced with different realities in their lives. Access to resources in society is distributed unequally between the sexes, and women and men are affected differently by political measures. To be able to map social reality as it is, to identify inequalities and to develop strategies to promote equality, data is needed. Collecting and presenting data – which includes simple comparisons by sex as well as complex systems of indicators – is referred to as gender-sensitive statistics. The purpose of gender-sensitive statistics is to‘adequately’ reflect the living conditions of women and men. And it is this very term – adequacy, the bringing together of real life and statistics – that presents the greatest challenge for statisticians. What attributes are to be surveyed and how? What measures are to be calculated to make the lives of women and men amenable to measurement and to have reality reflected as truly as possible in figures? be achieved. However, conducting one’s own primary surveys requires a lot of resources, in terms of both budget and time. Secondary statistical data surveys rely on existing data that originates from other sources and are collected for other purposes or questions. An example would be that all traffic accidents involving personal injury are recorded by the federal police forces within the scope of the process of producing traffic accident reports. So if you wanted to carry out a statistical analysis of the number of persons injured in traffic accidents, it would not be necessary to collect such data specifically and separately, as you can rely on the data collected by the police. For this reason, secondary statistical data collection is more cost-effective; however, there is always a certain degree of discrepancy between the existing attributes and the most suitable statistical measures. Currently, the trend in data collection is towards using existing survey data or administration data. 1 The following paper addresses these questions. First of all, we present data collection methods and data sources and describe the quality requirements the data in question have to meet. The next part is dedicated to possibilities for data presentation and analysis, ranging from the simple breakdown of data by sex or gender to more complex(sets of) indicators and indices. Then the paper goes on to describe key milestones in the development of gender-sensitive statistics as well as perspectives for gender-sensitive statistics based on current trends. DATA COLLECTION COLLECTION METHODS Statistical analyses are based on data coming from different data sources, with different methods being used to collect and present them. The data collection for a specific statistical purpose is referred to as primary statistical data collection(example: census). The attributes examined and their variations can be adapted precisely to the specific question at issue, and a high match rate with the objective of the survey can In practice, the two types of data collection are frequently combined, with secondary statistical data being used as the basis for primary statistical data collection. Following on from the example above, a separate(i.e. primary statistical) survey might additionally examine the views and attitudes of the population on traffic safety in a particular city. DATA SOURCES Official statistics – a term describing statistics produced by official institutions(in particular statistics offices) – rely on statistical information from both primary and secondary statistical surveys. These statistics are the most important and most frequently used data sources. International organisations(such as EUROSTAT, the OECD or the UN), associations and professional organisations as well as research institutes make a host of data available for detailed analyses or questions of a qualitative nature. Census and registerbased data, administration data and household surveys count among the most relevant data collections to gender-sensitive questions: 1 cf. Hametner, Kristina(2005): 5. GENDER-SENSITIVE STATISTICS: MAKING LIFE’S REALITIES VISIBLE 11 Population censuses provide the public administration with information about the population, thus fulfilling one of the oldest tasks of official statistics. They supply crucial demographic attributes, information about education and employment, journey to place of work or education and on household and family types on a small-scale level. As all personal data are available, broken down by gender and various sociodemographic attributes(such as age and nationality), they offer a potential for comprehensive analyses of gender-based differences. Administration data are collected by public authorities not primarily for statistical purposes, but as a basis for delivering their functions. An example: the income data collected by the Main Association of the Austrian Social Security Organisations are a byproduct of the administrative procedures having to do with social security. These data conform to the social security system’s specific information requirements and thus lend themselves to sociological analysis only with certain limitations. For the social security organisations to be able to calculate social security contributions, it does not matter whether a person is working full time or part time, but only whether or not he or she exceeds a certain income threshold. Consequently, it is not possible to derive the extent of employment or pay-per-hour from such data. A key advantage of such material is that the data are available at regular intervals and low cost and in most cases cover different regional levels. Within the scope of the Open Government Data project, the City of Vienna makes a lot of the data it collects within the course of discharging its administrative tasks publicly available. Household surveys collect information that is not produced in administration data or recorded in registers at all or only to a limited extent. The method consists in drawing a sample of the population and then extrapolating the findings from the survey to the entire resident population using statistical methods. While the data are surveyed by different attributes, the possibilities for differentiation on the regional level are frequently limited given the(too small) size of the sample. 2011 register-based census The first‘population census’ in Austria carried out in the form of a register-based census took place on 31 October 2011. The legal provisions underpinning this survey are Regulation(EC) No 763/2008 of the European Parliament and of the Council of 9 July 2008 on population and housing censuses and the Austrian Act on Register-Based Censuses(Registerzählungsgesetz), Federal Law Gazette BGBl. I No. 33/2006, as amended. Statistics Austria(Bundesanstalt Statistik Österreich) makes anonymised personal data from the 2011 register-based census available to the provincial statistical services of each federal province in Austria. Making the data for each province available is a federal government service provided under Article 15a of the Federal Constitution(Bundesverfassungsgesetz, B-VG). Open Government Data(OGD) Open Government Data(OGD) stands for open access and free use and reuse of administration data. Administration data constitute a valuable public sector resource. In addition to strengthening transparency in administration activities and accountability, the aim is to ensure better opportunities for citizens’ participation as well as improved effectiveness and efficiency in public administration work. The OGD strategy has turned administration data into a resource for government, business and academia. The OGD project data are made available for secondary use in machine-readable format and free of cost. In Vienna, a dedicated portal (https://open.wien.at) offering a data catalogue and additional context information provides access to these data. 12 STATISTIK JOURNAL WIEN An example of such a household survey is the labour force survey conducted by Statistics Austria within the framework of the so-called microcensus. This survey serves as the basis for an international data comparison on employment and unemployment. It comprises basic demographic data that also supply information on family and household structures, job position, industry sector, occupation as well as regular and actual number of hours worked. Another example of household surveys are surveys on people’s use of time, where respondents are asked how much time they invest in different activities. So far, three time use surveys have taken place in Austria: in 1981, 1992 and 2008/09. In the last survey in 2008/09, 8,200 persons documented, for a whole day, all activities taking more than 15 minutes to perform. The results of time use surveys supply information on the extent and distribution of unpaid work, paid work and leisure time, thus providing an accurate picture of the different living conditions and situations of women and men. What is particularly relevant to gender-sensitive statistics is information on unpaid work, as this tends to be much less well documented than paid work. This enables the assessment and highlighting of gender-specific role stereotypes and the resulting social and economic consequences. DATA QUALITY The collected data must satisfy stringent quality requirements and meet a multitude of criteria to be able to adequately depict the many different situations in the real lives of women and men. The European Statistics Code of Practice 2 provides principles and standards for the production and dissemination of highquality statistics. Some of these principles are: • Relevance: Relevant data meet the needs of current and even future users, i.e. they do not ignore demand, but examine problems and questions of an important social or scientific nature. In gender statistics, it is also very important to integrate the findings from women’s and gender research in respect of gender-relevant topics into the data collection process. tual value. The statistical error rate(for instance due to an insufficiently large sample or due to lack of responses) should be low and be disclosed upon data publication, a principle that is frequently neglected. • Timeliness and punctuality: Data are timely when the time elapsing between their collection and their publication is as short as possible. Punctuality refers to compliance with announced publication dates or statutory requirements. • Accessibility and clarity: In official statistics, it is particularly important that users have simple, comprehensive and low-cost or freeof-charge access to data. Clarity implies that the data are presented in a clear and understandable form. To achieve this goal, it is necessary to provide additional information about concepts and methods of data generation(metadata). In the context of gender-sensitive statistics, it is especially important that the data can be broken down by different attributes(gender, age, origin, lifestyle, etc.). To the City of Vienna, it is also important that Austrian data are available at province or district level. • Comparability: Data should be valid not only immediately within the area they are collected, but also ensure comparability across time and space. Consequently, data production should be as uniform as possible, with attention being paid to continuity of outcomes. This makes it possible to identify changes over time and correlate them with those of other regional entities. • Coherence: Different data sources should produce identical outcomes for identical questions and it should be possible to combine them. This enables users to correlate these outcomes and gain deeper insights into reallife situations. However, different data are frequently based on different methods and concepts, so that certain questions might well yield differing answers(see example on labour market participation rates). • Accuracy and reliability: Accurate data portray reality in a reliable manner, i.e. estimations should be as close as possible to the ac2 cf. EUROSTAT(2011). GENDER-SENSITIVE STATISTICS: MAKING LIFE’S REALITIES VISIBLE 13 Who is right – the participation rates example In spite of all the requirements defined for data quality, it is not always possible to come up with one generally applicable and uniform statistical value for a given problem or question. In labour market research, for instance, a data search will rather quickly yield different results for one and the same indicator. The chart below illustrates this situation: Participation rate Vienna 2011 75.1 74.0 68.2 67.2 75.7 83.5 78.2 75.0 Women Men Abbreviations: WAFF= Vienna Employment Promotion Fund BMASK= Austrian Federal Ministry of Labour, Social Affairs and Consumer Protection MC LFS= Microcensus labour force survey RC= register-based census Source: Statistics Austria, Main Association of the Austrian Social Security Organisations; BMASK Bali Web, computed by: Municipal Department 23. Depending on the data source or calculation method used, the participation rate for women in Vienna in 2011 is somewhere between 67.2% and 75.1%. As for men in Vienna, between 75.0% and 83.5% fall into the category of‘labour force’(= total made up of gainfully employed and unemployed persons). Now which value is the‘right’ one? This is a question to which, unfortunately, there is no simple answer. One thing that can be said is that at least none of the figures is basically wrong, as they are all based on a uniform calculation formula: Participation rate= labour force resident population * 100 The differences result from a host of detailed aspects. For instance, there is a fundamental difference in the way that the labour force is counted. You can count by heads, but you can also count by employment. Depending on which method is used, a person having two part-time jobs instead of one 40-hour full-time job will be counted once(head) or twice(employment) for the same purpose. The regional allocation of the labour force may also have a significant impact on the outcome. If you want to determine the labour force in Vienna, you have to ask yourself who should be included: everybody who works in Vienna or just those people who live in Vienna and are gainfully employed(what about commuters)? This allocation alone will account for a difference of some 150,000 persons. In addition, you will have to clarify which types of employment should be included. All the rates include employees. But some will also include self-employed persons and/or those in minor or marginal employment. But even after resolving such issues, further differentiation within the groups then taken into account(for instance by age) has the potential for impacting the value of the indicator. As a rule, people within an age range of 15-64 years are considered to be of working age. Yet labour market participation is significantly dependent on age and gender. Including women between 60 and 64 in the calculation will considerably reduce the rate by comparison with that of men. Given the retirement age of 60 years for women, as currently applicable in Austria, it seems entirely adequate to leave out this group, but not all data sources will do so. And finally, differences will also result from the method used to collect the underlying data. Interviewing individuals may yield quite different outcomes than running a computerised evaluation of administrative data, the method used in the register-based census in 2011. A questionnaire may also produce answers that are considered socially acceptable and may thus be based on inaccurate information being supplied by the respondents. Furthermore, a survey will in most cases cover only a representative sample of individuals and the outcomes will have to be extrapolated to refer to a larger universe (for instance, the population of Vienna). In the case of detailed analyses, this may contort the outcomes. The advantage of such surveys is of course that the outcomes will be available much faster, enabling them to map more up-to-date trends than would be possible with the help of full-scale surveys. To put it briefly: there is no‘right’ participation rate. However, depending on the question asked, there will always be a rate best suited for the specific purpose and capable of portraying reality as accurately as possible. 14 STATISTIK JOURNAL WIEN In practice, there will frequently be either no data available at all for given issues and questions or the available data will not feature the required quality level. Faced with a lack of resources or authority for conducting a survey of one’s own, one may be required to compromise and use the‘second-best’ data instead of not having any data at all. 3 There will be cases where you opt for data that are not comparable over the given period of time or that come from several different sources with different universes or underlying concepts. What is important is to document any such compromises you may have made. When publishing the data, you should always indicate the applicable restrictions(metadata) so they can be taken into account in any interpretation of the outcomes. which data are needed for which areas of life in order to actually map the different realities women and men are faced with. 4 So this is not merely about consistently separating existing data resources by sex, but also about taking account of issues and areas that may not have been accounted for in statistics at all so far. 5 Sometimes, the gender-sensitive evaluation of data will have surprising effects and open up new perspectives on subjects that had never before been analysed from a gender differentiating angle. Currently, there are a lot of gender-relevant topics and issues for which there are no data or very few data available (e.g. unpaid work or domestic violence) or where such data are not yet being broken down by sex(e.g. saving behaviours or private household consumer spending). DATA PRESENTATION AND ANALYSIS Gender-sensitive data can be presented in simple tables showing the data broken down by sex or in the form of more complex(sets of) indicators and indices. What shape gender-sensitive statistics take on in practice is contingent on a multitude of factors. The research problem as well as the availability and quality of the data will govern which form of statistical data presentation is admissible and useful. In addition, it is necessary to adapt the various kinds of aggregations of information to different user needs. The general public needs to be able to easily understand data and indicators without too much background information. For scientific applications, however, it will be necessary to use presentations that process a broad data resource and might be more difficult to comprehend, but in the end provide a more differentiated picture of the facts. However, it needs to be noted that the informative value of an indicator will not increase automatically along with the volume of data being processed, if such data are not capable of providing a better description of the facts at hand. STEP 1: DATA PRESENTATION BY SEX The easiest and therefore most widely used type of gender-sensitive statistics is‘sex counting’, i.e. showing data for women and men separately. This type of data presentation may be referred to as a first step in or a minimum requirement for gender-sensitive statistics. The key challenge in this context is to select However, differentiating data by sex will also entail problems. If you differentiate only between women and men, this fact suggests that these are both homogeneous groups. Differences within each group are not shown, and there is a risk that gender stereotypes will just be propagated. In presenting gender-differentiated data, attention should also be paid to showing values for women and men on a par with one another. If – as used to be common practice – the values for women are shown only as a subset of the total(‘of which women’), this will convey the idea of men being the norm and women being something that deviates from the norm and will mean making men as such invisible and possibly losing sight of specifics. 6 STEP 2: COMPARISON OF THE SITUATION OF WOMEN AND MEN A further step in gender-sensitive data analysis is to interpret the values for women and men separately, to correlate them and to generate informative indicators. Indicators Indicators are important measures that make it possible to say something about a complex set of facts. They help reduce the complexity of a given phenomenon by expressing the multiple dimensions of such phenomenon in a single figure. Indicators permit a quick overview of the status quo of the phenomenon to be measured; they map developments and make trends visible. 3 cf. Pölsler, Gerlinde(2007): 48. 4 cf. Hametner, Kristina(2005): 4. 5 cf. Wroblewski, Angela/Leitner, Andrea/Steiner, Peter(2005): 8 et seq. 6 cf. Pölsler, Gerlinde(2007): 96, Gender Competence Center(no date). GENDER-SENSITIVE STATISTICS: MAKING LIFE’S REALITIES VISIBLE 15 The purpose of equality indicators is to provide information about the situation of women and men in life and to permit an assessment as to whether or not actions taken were successful or objectives have been attained. They are to highlight desirable and undesirable developments and make changes measurable. One of the most useful tools for analysing larger data volumes is to calculate statistical location, dispersion and distribution measures, such as means. The most important means include the arithmetic mean and the median. Arithmetic mean and median The arithmetic mean (which is frequently also referred to as average) is the most widely known and most frequently used mean. It is calculated by dividing the sum of all numerical values by the number of those values. The median is the value separating the higher half of a range of numerical values ordered by size from the lower half. In contrast to the arithmetic mean, it is more robust in the presence of outlier values. Relatively well-known and ubiquitous indicators are correlation measures that correlate two reference values through a simple calculation rule. Word combinations with terms such as rate, figure, density or ratio make them easy to spot. Examples include simple percentage values, such as the rate of migrants within a certain universe, the unemployment rate, the population density in a given area, divorce rates, birth rates and many more. So instead of just showing data by gender, it is possible, by calculating gender-specific ratios, to highlight differences between women and men more clearly, thus making gender-sensitive statistics more informative. Key ratios include gender gaps and gender ratios: Absolute gender gap, relative gender gap, gender ratio The absolute gender gap shows the difference(in absolute terms) between values for women and values for men: Variant 1: Values for men – values for women Variant 2: Values for women – values for men The relative gender gap shows the difference between the sexes in relative, i.e. percentage, terms: () Variant 1: values for men values for women –1 * 100 () Variant 2: values for women values for men –1 * 100 Gender ratios reflect the relationship between the sexes(or the shares of each sex): Variant 1: Values for men values for women Variant 2: Values for women values for men When calculating ratios based on variant 1, the values for men are correlated with those for women; when calculating ratios based on variant 2, the values for women are correlated with those for men. The choice of calculation method will impact the outcome: If the values for men are higher than the values for women, the calculation result for variant 1 will be a higher number than the one for variant 2 and vice versa(see example next page). Both calculation methods are valid, but which of them should be used in a given case depends on the question being examined and the information to be provided or interpreted. 16 STATISTIK JOURNAL WIEN Gender-specific income differences for employees in Vienna (Average gross earnings for people in full-year full-time employment) Calculation variant Variant 1: Values for women as reference Variant 2: Values for men as reference Gross earnings Gross earnings Absolute women men gender gap EUR EUR EUR 41,973.40 41,973.40 51,223.80 51,223.80 + 9,250.40 - 9,250.40 Relative gender gap % + 22.0% - 18.1% Gender ratio 1.2 0.8 Data source: Statistics Austria, wage tax statistics 2013, calculations by MA 23. The table above presents these different ratios based on an example of gender-specific income differences for persons in full-time full-year employment. A set of facts – the differences in income between women and men – is presented correctly, but in different ways. The income of full-year full-time male employees in Vienna is EUR 9,250.40 higher than the income of full-year full-time female employees in Vienna(variant 1) or the income of women is EUR 9,250.40 lower than the income of men(variant 2). As concerns the absolute gender gap, the only difference between the two variants is the sign. Under variant 1, the relative gender gap is+22.0%; under variant 2, it is –18.1%. Or, to put it differently: Men earn 22.0% more than women, their income advantage thus amounts to 22%. However, when you use the income of men as reference, the relative income difference will be smaller. Under variant 2, the relative gender gap, i.e. the income disadvantage of women, is 18.1%. This is the variant commonly used to present the gender pay gap. In terms of gender ratios, the income of men is 1.2 times the income of women(variant 1) or the income of women amounts to about eight tenths of that of men(variant 2). tors as there are independent dimensions(aspects) to the problem. In this context, attention should be paid to not using indicators that are dependent on one another, as this will lead to overrating the importance of a single aspect of the situation to be surveyed. At the same time, you should also make sure that all aspects requiring to be examined are actually included and that sufficient information is provided on the facts to be measured. In any event, a list of indicators should remain clear and manageable so as not to lose sight of the essentials. The less suited the selected indicators are to measure the described phenomena, the more different indicators will be needed to obtain a reasonable amount of measuring accuracy. What is important in this context is to find a good balance between excessive detail and inadequate simplification. Individual indicators can be aggregated to obtain a more condensed view of the information; this means that several indicators will be combined to form an index. A gender-specific index thus is a measure made up of several gender-specific statistics and indicators. The purpose of aggregation is to provide an overall evaluation of partially opposed trends in gender relations in different domains. The difference is caused by the calculation methods used. This shows how important it is for producers of gender-specific ratios to explain, and for users of such types of statistics to question, which method of calculation was used. STEP 3: SUMMARY VIEW OF DIFFERENT DOMAINS Index An index is a measure combining several(weighted) indicators in one single value. Indices aggregate information in a single figure, but more or less hide the way they are structured and weighted. To get an overall view of a complex situation, it is useful to select a‘set’ of key indicators that are representative of certain developments. Any attempt to portray multidimensional constructs, such as equality between the sexes, will always require multiple indicators. As equality touches upon diverse social domains, it is not possible to define just one single‘equality indicator’. Instead, you will need at least as many indicaThe so-called Gender Mainstreaming Syndex(GM Syndex) permits assessing and observing the labour market situation in Vienna from a gender mainstreaming angle. Calculated every two years, the GM Syndex measures the differences between men and women. It is made up of 20 base indicators, each of them weighted identically. These are combined into four group indi- GENDER-SENSITIVE STATISTICS: MAKING LIFE’S REALITIES VISIBLE 17 cators by domain covered: employment opportunities, employment, unemployment and earned income. The indicators take a value between 0 and 100; the higher the value, the greater the gender-related differences in the period under observation. 7 The problem with this measurement is the following: It is not always positive when differences decrease. For instance, when women become unemployed more often or men are at risk of poverty more frequently, this may well help gender equality, but is still not a desirable development. What is more, it is not possible to discern the underlying developments(without additional explanations). The chart below shows the development of the GM Syndex for Vienna since 2004. 8 Since 2004, the gap between women and men on the labour market has narrowed slightly. During this period, the GM Syndex lost 2.1 index points, standing at 25.5 points in 2013. However, this rise in equality has not been registered in all the indicators under examination. The values for the‘employment’ indicator have increased, which points towards growing gaps between the sexes. Income still accounts for the largest share in the inequality between women and men. One reason for this is that 7 out of the 20 base indicators belong in the category of this group indicator, which results in a very strong weighting at 35%. On the other hand, this also indicates that the income gap between the two genders has been closing only very slowly over these past few years. The benefit of indices is that they allow complex issues to be expressed in a highly condensed form and also to be compared. This goes hand in hand with a loss of the underlying detailed information. In many cases, it is also no longer verifiable how the index is composed and weighted, which gives rise to a vast potential for error and misinterpretation. Concept- and content-related considerations also play a key role, as opinions and objectives have an influence on the way an index is composed and thus also on the measurement results. Consequently, the given results cannot be considered to be‘neutral’ or‘reality translated into figures’. Quite on the contrary, they are contingent on the views held by the institutions and persons that created the index. 9 7 cf. Holl, Jürgen/Kernbeiß, Günter/Prammer-Waldhör, Michaela(2014b). 8 cf. Holl, Jürgen/Kernbeiß, Günter/Prammer-Waldhör, Michaela(2014a). 9 cf. Leitner, Andrea/Walenta, Christa(2007): 15. Gender Mainstreaming Syndex- total score for Vienna Development of the gap between women and men on the labour market overall 27.6 28.3 27.9 28.0 26.9 27,5 26.8 26.0 25.5 25.5 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 Employment opportunities Employment Unemployment Earned income Overall score Note: The higher the indicator figure, the larger the gap between women and men in respect of their positioning on the labour market overall. Source: Synthesis Forschung. 2013 18 STATISTIK JOURNAL WIEN These institutions and persons determine which indicators and measures will be included in the index in question and what significance will be attached to different domains. Differences in concept entail that a given phenomenon will be measured in different ways. There are a number of indices that measure gender equality, with sometimes highly divergent results. The lack of comparability is aggravated even more by the fact that the indicators have to be continually adapted to changing circumstances. In the interest of flexibility and an improvement of index quality, it is sometimes expedient to exchange or remove individual constituent indicators of an index. However, retaining the previous manner of calculation and composition will meet the requirement of comparability over time. As is frequently the case, these requirements are diametrically opposed where the composition of indices is concerned. There is no general rule for how to create indicators. For this reason, the development of suitable measures and measuring methods is“above all a creative act” 10 or“first and foremost a question of imagination in terms of sociology“ 11 . In accordance with a UN definition 12 , an indicator must be SMART(Specific, Measurable, Attainable, Relevant, Trackable). This means a good indicator is: • S pecific: … relates unequivocally to a given situation or phenomenon • M easurable:... is capable of measuring change • A ttainable: … sets attainable objectives and indicates a clear direction • R elevant: … is relevant to the question at hand • T rackable: … is available and trackable for the stakeholders. racy, objectivity and reproducibility. Then it needs to be considered in which form the measuring results can best be presented. Questions of content or substance are about in how far information can be mapped without distortions and whether or not the differences in the situations and gender roles of women and men are portrayed realistically. Another important aspect is to verify whether comparisons across time and space are possible and whether the indicators conform to the needs of the users. Meeting such a diverse range of requirements is only possible by relying on collaboration between subjectmatter experts and on cooperation between data producers and data users. DEVELOPMENT AND PERSPECTIVES OF GENDER-SENSITIVE STATISTICS MILESTONES International organisations and individual countries have been instrumental in spearheading the development of gender-sensitive statistics. The UN World Conferences on Women had this topic on the agenda right from the word go, starting with the first World Conference on Women held in Mexico in 1975 where the need for gender-specific data material was voiced. 13 Statistics Sweden is not only the first national statistics office to have employed designated expert staff for gender statistics since 1983, but also published the widely quoted handbook“Engen dering Statistics. A Tool for Change” 14 in 1996, making a key contribution at international level towards the further development of gender statistics in practice. 15 Indicator quality aspects can thus be viewed from lots of different angles, ranging from the data used to methodology questions to matters of content and substance. With respect to data, the first question to ask is what domains are relevant. Then it is important to find out whether data are available for this purpose and in how far these data meet the requirements in terms of contents and methodology. Methodology questions are about whether the measuring instruments are fit to measure certain phenomena and whether the measurement meets the criteria of accuIn the 1990s, the issue of gender statistics attracted renewed attention through the fourth UN World Conference on Women held in Beijing. A separate strategic objective adopted by this conference was to“generate and disseminate gender-disaggregated data and information for planning and evaluation.” Organisations at regional, national and international level were called upon to generate gender-disaggregated data and to adapt existing statistical systems so as to be able to monitor the situation of women and men and provide an ongoing analysis of gender-based differences. 16 10 English translation from Meyer, Wolfgang(2004): 24. 11 English translation from Zapf, Wolfgang(1977) cited in Meyer, Wolfgang(2004): 24. 12 cf. United Nations Development Programme(2002): 11 et seq. 13 cf. Pölsler, Gerlinde(2007): 9; Mecatti, Fulvia/Crippa, Franca/Farina, Patrizia (2012): 453. 14 Hedman, Brigitta/Perucci, Francesca/Sundström, Pehr(2006). 15 cf. Pölsler, Gerlinde(2007): 10. 16 cf. United Nations(no date). GENDER-SENSITIVE STATISTICS: MAKING LIFE’S REALITIES VISIBLE 19 The objectives of the Beijing Platform for Action provided an important impetus for international organisations to speak out for the necessity of gender-sensitive statistics as an element of equality programmes. The measurement of equality has likewise been advanced above all at international level. Fulvia Mecatti, Franca Crippa and Patrizia Farina(University of Milano-Bicocca, ABCD – Inter-departmental Research Centre for Gender Issues) analyse the most important existing gender indices prepared by supranational or international organisations sorted by order of historical development; they have observed a marked development both in terms of contents and methodology. 17 The Millennium Declaration adopted by the United Nations General Assembly in 2000 likewise contributed to developing measures to attain gender equality, but also to further developing gender-sensitive statistics. One of the eight Millennium Development Goals adopted on this occasion is to promote gender equality and empower women in society. Goal achievement is verified based on clearly defined statistical indicators, with gender indicators also present for other development goals (in particular those relating to education and health). 18 RECENT DEVELOPMENTS For gender-sensitive statistics to move forward, it is necessary to continually incorporate new trends and insights. The United Nations play a pro-active role in driving this process. In 2011, the United Nations Statistical Commission decided to expand the leading role of its Statistics Division in developing gender statistics. The following goals were laid down: review existing gender statistics and, based on the findings, derive a minimum set of gender indicators, prepare handbooks and methodological guidance and coordinate global activities in this domain. 19 tistics in general. In traditional areas, such as mortality, education and labour market, gender statistics are published regularly in most cases, while this is much less frequently the case in other domains, such as media and violence. With a view to pushing existing efforts in gender statistics, the United Nations Statistics Division and UN Women(United Nations Entity for Gender Equality and the Empowerment of Women) launched the Evidence and Data for Gender Equality Initiative. This initiative, which covers the period from 2012 to 2015, aims to compile a meta database of indicators on education, employment and health, to develop international definitions and methods for measuring gender participation in entrepreneurship and asset ownership and then test them in selected countries. 20 A new Gender Statistics Manual was presented in the spring of 2012. 21 This online manual shows how a gender perspective can be integrated into various fields of statistics and how gender statistics can be analysed and presented. The manual primarily targets statisticians in less developed countries. 2013 saw the publication of Guidelines for Producing Statistics on Violence against Women. 22 At EU level, the Actions to Implement the Strategy for Equality between Women and Men 23 included the creation of a new index for measuring gender equality – the Gender Equality Index 24 . Developed by the European Institute for Gender Equality(EIGE), it was presented in June 2013. The purpose of the index is to make gender equality more amenable to measurement at EU level and show the progress of Member States in implementing their equality programmes. Reviewing the gender statistics of different countries by means of questionnaires gave rise to a fundamental insight: Even though 68% of the 126 responding countries have gender statistics produced by their statistical systems, only 15% of the countries have specific legislation requiring such surveys to be conducted. Like Austria, the remaining countries refer to provisions under equality law or laws that govern sta17 For an overview of the development of important international gender indices, see Mecatti, Fulvia/Crippa, Franca/Farina, Patrizia(2012): 455 et seq. 18 cf. Mecatti, Fulvia/Crippa, Franca/Farina, Patrizia(2012): 453 et seq., United Nations Economic Commission for Europe(UNECE) and World Bank Institute (2010): 7 et seq. 19 cf. United Nations Economic and Social Council(2013): 2. 20 cf. United Nations Economic and Social Council(2013): 2 et seq. 21 United Nations Statistics Division(no date). 22 United Nations Department of Economic and Social Affairs(2013). 23 COM(2010) 0491: Strategy for Equality between Women and Men and/or SEC (2010) 1080: Actions to Implement the Strategy for Equality between Women and Men 2010–2015. 24 cf. European Institute for Gender Equality- EIGE(2013). 20 STATISTIK JOURNAL WIEN A new index – The Gender Equality Index The Gender Equality Index measures the equality of women and men in the EU. The objective here is statistical equality – the gender gaps identified in the data are therefore taken into consideration in whatever direction they point, i.e. regardless of to whose benefit or detriment they are found to be. In terms of methodology, a correction based on the respective absolute value was introduced to ensure that a favourable index value would measure both a small gender gap and a high level of achievement. For instance, a favourable index value for life expectancy would mean that life expectancy is high overall and the gap between women and men is small. The range of domains covered by the index is remarkable(see figure). In comparison with existing gender indices such as the Gender Development Index(3 dimensions and 3 indicators) or the Global Gender Gap Index(4 dimensions and 14 indicators), the Gender Equality Index, which features 6 domains, 27 indicators and two additional satellite domains, is far more comprehensive. With respect to domain segregation, attention is being paid to having only outcome variables that measure a given status and to placing the focus on individuals rather than institutions or states. Some indicators give rise to methodological problems, above all those which – due to a lack of alternative options – rely on household-related income data and are thus poorly equipped to map the individual situations of women and men. The two satellite domains of Violence and Intersecting inequalities(multiple discrimination) were included in the conceptual framework, but not used as indicators composing the index, as they relate only to certain groups and not to the total population. Violence Intersecting inquealities Health (0.10) Work (0.19) Gender Equality Index (weighting) Power (0.19) Money (0.15) Knowledge (0.22) Time (0.15) Source: European Institute for Gender Equality – EIGE(2013). GENDER-SENSITIVE STATISTICS: MAKING LIFE’S REALITIES VISIBLE 21 CONCLUSION So far, important progress has been made in some areas when it comes to developing gender-sensitive statistics. Statistics offices at national and regional level are more and more taking account of gender as a category in their statistics, and both the EU and other international organisations take actions to advance gender-sensitive statistics. It has meanwhile become established common knowledge that gender-sensitive statistics are not just about showing data for women and men separately, but also about selecting suitable domains and indicators that correspond to the respective objectives. However, a look at data availability reveals that progress has been attained only on a relatively moderate scale. There are still a number of data gaps and quality problems. In some areas, there are no surveys available at all, while in others, it is not possible to interrelate or break down the data by gender, region or other relevant attributes. Gender issues are still not being sufficiently seen as an overarching topic, and ‘gender-blind’ domains still remain which transcend the traditional aspects of the participation of women and men in society and whose relevance to gender equality is not immediately obvious. One such domain is environmental policy, where climate and gender are in most cases presented as entirely unrelated topics and where the distribution and use of resources is neither recorded nor shown by gender. Frequently, the lack of data results in the focus being put on paid work or on the‘active labour force participation’ phase in life, with differences in living conditions and circumstances not being taken into account. 25 tion groups – and that over time.” 26 This statement still stands, provided one regards the production of gender-sensitive statistics as a continuous process. And yet – even perfection in conceptualisation and methodology paired with an ideal data offer will have no effect without the necessary political backing. The figures must be relevant to be able to produce effects. While changes in debt levels or GDP growth will set whole government systems into motion, the gender pay gap or the underrepresentation of women in politics and business is very rarely perceived as a serious problem. The whole point of politics, academia and society becoming aware of and addressing the issue of gender statistics is to make the figures being presented count in real life. If this effort succeeds, gender statistics may open up many new possibilities and opportunities. In a blog article on the OECD’s Better Life Index, Angela Hariche and Karen Barnes Robinson, referring to the percentage of women in senior positions, come straight to the point:“[I]f a country’s success was based on it, you can bet leaders would work a little harder to appoint women in top positions. If this indicator was important and recognised, imagine what might change.“ 27 So one of the remaining challenges in the further development of gender-sensitive statistics is to present a more clear-cut picture of the different living conditions of women and men, to find informative indicators and to correctly reflect the facts behind the numbers. As Kristina Hametner already pointed out in the last focus publication by the City of Vienna on gender-sensitive statistics in 2005, it is important to “ask the right questions[...], to analyse the available data from many more different angles and to look for additional data sources, to create an informative, consistent data set that also permits smallscale analyses to be conducted on smaller popula25 cf. Pölsler, Gerlinde(2007): 10 et seq., Leitner, Andrea/Walenta, Christa (2007): 21 et seq., Me, Angela(2005): 3 et seq. 26 English translation from Hametner, Kristina(2005): 6. 27 Hariche, Angela/Barnes Robinson, Karen(2013). 22 STATISTIK JOURNAL WIEN BIBLIOGRAPHY European Institute for Gender Equality – EIGE(2013): Gender Equality Index Report, http://eige.europa.eu/ content/document/gender-equality-index-report[11/03/2014]. EUROSTAT(2011): The European Statistics Code of Practice, http://ec.europa.eu/eurostat/documents/3859598/5921889/KS-32-11-955-DE.PDF/ff672593-fd26-47a6-9c0c-7ccc5724e2f6[09/02/2015]. GenderCompetenceCenter(no date). Minimale DATA QUALITY: Sex Counting, http://www.genderkompetenz. info/genderkompetenz-2003-2010/handlungsfelder/datenstatistik/datenqualitaet/inimale-datenqualitaetsex-counting.html[03/03/2014]. 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Gender-sensitive statistics and equality monitoring as instruments in the City of Vienna’s equality policy Stephanie Kiessling In 2010, the coalition government programme for Vienna concluded between the Socialist Party and the Green Party contained a resolution to establish a Vienna Equality Monitor to serve as a basis for the continuous further development of women’s promotion measures in Vienna. In 2014, the first Vienna Equality Monitor was presented to the public. In a first step, this article outlines the fundamental relationship between equality policies and(gender-sensitive) statistics as well as its extension – a step that was both necessary and expedient – towards(equality) monitoring. Using existing national and international monitoring systems as a starting point, the article examines how indicators are developed and how they relate to explicit equality objectives, a relationship that is sometimes fraught with problems. In conclusion, it discusses the key conceptual ideas and approaches used in establishing the first Vienna Equality Monitor. ON THE RELATIONSHIP BETWEEN EQUALITY POLICIES AND STATISTICS “Equality is more than equal treatment and more than equal rights. Equality is the participation, based on equal rights and equal resources, of both genders in all areas and at all levels of society. Equality also implies a claim to equal standing and esteem. Women’s promotion, gender mainstreaming and gender budgeting are pivotal strategies in achieving this goal”. 1 Since 2005, equality within the City Administration has been an agenda pursued in parallel in a sort of concerted action approach by several units, all with a different focus. In 2005, for instance, gender budgeting was enshrined in the Vienna City Administration’s organisational chart(allocated to MA 5, the City of Vienna Department for Finance, Budget and Statistics 2 ) and, since 2006, a relevant gender analysis has been included in both the budget and the financial accounts. In the same year, the Gender Mainstreaming project unit(called the Office for Gender Mainstreaming since 2011) was set up within the Chief Executive Office. In 2010, the Vienna Equal Treatment Act(Gesetz über die Gleichbehandlung von Frauen und Männern und die Förderung von Frauen als Bedienstete der Gemeinde Wien), which had been in force since 1 May 1996, was amended, and in 2011, the Equal Opportunities Advisers unit was established, which, among other things, is in charge of the Vienna Equality Programme(Wiener Gleichstellungsprogramm) and, since 2012, responsible for drawing up the income transparency report(Bericht zur Einkommenstransparenz). What all these programmes and entities have in common is that they need sound and reliable data for their work, either to justify the readjustment of measures taken and services offered by the City of Vienna with a view to attaining gender equality or to highlight the need for such action. “Equality of opportunity must be more than just a catchphrase, it must be corroborated by indicators, figures and targets. For equality policies to be sustainable and effective, they need to be able to rely on such information.” 3 As both a modern-day employer and a customer-oriented service provider, the City of Vienna embraces comprehensive equality policies everywhere within its purview. What is emphasised in this context is that equality is not a so-called‘women’s issue’, but a human rights issue. First initiatives in this field date back to the beginning of the 1990s when, for instance, the City of Vienna Women’s Department was founded(1991, see box on City of Vienna equality reports and programmes). In this context, it seems important to specify more precisely that‘equality of opportunity’ is to be understood as‘equal opportunities in real life’, i.e. including the conditions that must be fulfilled to enable individuals to have not merely formal choices, but actual ones. The fact that this level of equality has not been achieved in all walks of life even in societies that guarantee the equality of women and men in law continues to give rise to many emotional and frequently strongly 1 English translation from Feigl, Susanne(2014): 10. 2 Since 10/2009: MA 5 – Financial Affairs. 3 English translation from German Federal Ministry of Family Affairs, Senior Citizens, Women and Youth(2010): 4. GENDER-SENSITIVE STATISTICS: MAKING LIFE’S REALITIES VISIBLE 25 biased debates that question gender-based discrimination or gender gaps on principle. 4 It is therefore not surprising that, in the foreword to the City of Vienna Integration and Diversity Monitor 20092011, Sandra Frauenberger, City Councillor for Integration and Women’s Issues, argues that in domains where public debate is particularly fraught with emotion, such as migration or integration, there is a strong need for de-emotionalisation or greater objectivity. In this context, this implies presenting and analysing the pertinent data, in conformity with scientific quality criteria, in such a manner that the real-life circumstances in our society can be portrayed as they are. 5 This line of argumentation also lends itself to the so-called gender debate. However, any choice made in respect of data and indicators will direct attention and awareness to specific areas, reflecting in this sense the specific conception of what are politically relevant fields of action, be it in the domains of integration or equality. 4 For information on current anti-feminist debates, see: http://www.boell.de/de/ content/die-antifeministische-maennerrechtsbewegung[23/05/2014]. 5 cf. Integration and Diversity Monitor(2011): 6. City of Vienna equality reports and programmes The City of Vienna can look back on a long tradition of reports and programmes relating to women and equality. In June 1991, Vienna’s first City Councillor for Women’s Issues, Christine Schirmer, presented the First Vienna Women’s Report 1990(1. Wiener Frauenbericht 1990) to the Vienna City Council in an effort to justify the need for establishing a separate unit in charge of women’s issues. In December 1991, the Vienna City Council then proceeded to adopt a resolution to this effect. From 1993, the Situation of Women in Vienna Report(Situationsbericht Frauen in Wien)(based on secondary data analysis) was published regularly as well as the Vienna Women’s Barometer(Wiener Frauenbarometer)(based on surveys) from 1999 to 2010. These publications were then superseded by the appearance of the Vienna Equality Monitor in 2013/14. The City of Vienna Women’s Culture Report(Frauenkulturbericht der Stadt Wien), which is dedicated to evaluating the City of Vienna’s art and culture grant and funding practices on a gender-specific basis, has been appearing annually since 2001. At the regional government level, gender budgeting was enshrined in the organisational chart of the Vienna City Administration and allocated to the Department for Financial Affairs(MA 5) in July 2005. The budget for 2006, which was completed in the fall of 2005, was the first one to fully integrate gender budgeting in the regular budgeting process. Ever since, all budgets prepared by the City of Vienna have been analysed for their relevance to equality, both at the preparatory stage and in the corresponding financial accounts. A separate chapter is dedicated to discussing this issue. The Vienna Equal Treatment Act of 1 May 1996 provided for the issue of equality within the City Administration to be addressed in so-called Equality Reports(Gleichstellungsberichte) and Women’s Promotion Plans (Frauenförderpläne). Since 2011, the Equal Treatement Report(Gleichbehandlungsbericht) and the Report on the Equality Programme(Bericht zum Gleichstellungsprogramm)(formerly Women’s Promotion Plans) have been drawn up by the Vienna Equal Opportunities Advisers team. The Equality Programme, which has come to replace the Women’s Promotion Plans, is an instrument created by law that provides for clear objectives and targets for the elimination of discrimination of women and ensures that any unequal treatment existing at structural and organisational level is counteracted. Pursuant to section 38 of the Vienna Equal Treatment Act, the Mayor sets the objectives and targets for the Equality Programme for a period of three years. Since 2012, annual reports on income transparency have been providing anonymised information on the wages and salaries of City of Vienna employees, broken down by occupation and gender. In addition to the comprehensive reporting on gender equality or women’s equality provided within the Vienna City Administration, further action plans and programmes are in place to advance the issue of equality on a more action-focused level, such as the Equality Action Plan(Gleichstellungsaktionsplan) or the Vienna Women’s Health Programme(Wiener Programm für Frauengesundheit)(since 1998). 26 STATISTIK JOURNAL WIEN “When working with statistics, one always needs to keep in mind that statistics cannot be understood as‘reality translated into figures’, but on the contrary play themselves a part in construing reality. As a tool for reducing complexity, they are characterised by choices and accentuations, which create realities of their own. Like maps, they mark salient points in social relations and circumstances. Which aspects are highlighted and which are left out, which indicators and measures are used will impact the portrayal of reality. Statistics are less of a hardfacts instrument than they are generally made out to be. They also mirror the underlying ideas and objectives of the persons or systems that developed them.” 6 In spite of this ambivalence, it is still necessary, and especially so for the domain of equality, to be able to rely on data and facts in order to make the debate(s) more objective, to achieve gender equality on the basis of indicators, figures and objectives, and to provide equal opportunities in real life. Official statistics – a central data source for the information needed for this purpose – is generally defined as the art of government by a state that wants to rule the population with the help of statistics and probabilities, at least this is how the Vienna City Council put it in 1862 when it established what was then called the City of Vienna Statistics Bureau. Assuming that modern statistics were born from the desire to have a suitable instrument for governing the population, for the purpose of‘governmentality’ as Michel Foucault put it in 1978, another arrow needs to be added to the quiver from a women’s policy perspective, and that is the demand for a more(gender) equitable form of governing. Surveying, collecting and evaluating data should be neither an end in itself nor a haphazard kind of undertaking – particularly not in the context of equality. The crucial question in our context is above all to know the specific objectives for which data are collected and evaluated. GENDER-SENSITIVE STATISTICS AS A BASIS FOR EQUALITY MONITORING In 2005, the former MA 5 Statistics and Analysis group dedicated a special issue of its“Statistischen Mitteilungen” bulletins to gender-sensitive statistics. Already then, the authors of the lead article, Angela Wroblewski, Andrea Leitner and Peter Steiner from the Vienna Institute for Advanced Studies(Institut für Höhere Studien) tried to do away with the myth that gender-sensitive statistics meant simply differentiating statistical information or data by sex(sex counting or sex-disaggregated data). Quite on the contrary, they pointed out, it was also about identifying and differentiating by other attributes that are relevant to the relationship between the sexes. The focal point of their line of argumentation is the process nature involved in developing useful statistical data sets; this requires different stakeholders to be involved as well as a sound knowledge of gender issues to ensure that, in a second step, data gaps can be identified and closed. “The task is not merely and simply to show the existing data sets disaggregated by women and men, but far beyond that, the task is to change the entire process of data collection and presentation. The key factor in this change process is that both, the users and the producers of the relevant statistics, need to be involved. Data users and data producers should collaborate right from the start, as the users(researchers or political stakeholders) define what data they need based on specific research interests or given problems. In many cases, it will be expedient or even necessary for analysis purposes to process or merge data from different sources.” 7 Gender-sensitive statistics does not only mean the mere sex-disaggregated collection and evaluation of data, but also includes criticism and analysis of the specific context and the informational value of the data as such. In themselves, statistical data do not yet have any specific informational value; they will make sense and lend themselves to interpretation only within the respective social context. However, gender-sensitive statistics not only contribute data for more‘equitable governance’, they are also capable by themselves of directing the focus of attention. By explicitly highlighting certain aspects in data preparation or differentiating by certain attributes not previously noticed or not noticed to any significant extent in data collection, statistics are able to place the focus of attention on marginalised population groups that previously were subsumed under an undifferentiated whole. Also, by diversifying seemingly natural attributes, such as the dichotomous category of sex or gender, statistics are capable of taking gender identities out of their biological context and making them visible as a social phenomenon(see also the article by Jana Schultheiß in this publication). While meanwhile 6 English translation from Leitner, Andrea/Wroblewski, Angela(2011): 1 et seq. 7 English translation from Wroblewski, Angela/Leitner, Andrea/Steiner, Peter (2005): 11. GENDER-SENSITIVE STATISTICS: MAKING LIFE’S REALITIES VISIBLE 27 at least the(dichotomous) category of‘sex’ has become an established principle in both data collection and data presentation and there is hardly any doubt being voiced any more about the usefulness of sexdisaggregated statistics as such, the debate is currently focussing more and more on questions of how such data can be put to a meaningful use. As in all systems where information is collected and presented, it is pivotal how the relevant and important aspects are selected from the enormous volume of data and information supplied and how they can be presented in a manner that users can understand. Data monitoring is a special tool that helps us direct our focus even more explicitly onto certain problem areas and keep them in focus through continuous and systematic observation. The basis or starting point for monitoring are statistical data that are collected disaggregated by sex and other relevant categories and are then transformed into indicators. “Indicators are measures that provide information on facts or processes that cannot be measured at all or only with great difficulty. Their purpose is to classify observations made, allocate them to phenomena that cannot be observed and in this way obtain an objective basis for assessing such phenomena. Indicators are tools that help identify problems and changes over time, monitor progress or optimise solutions. They focus the attention on the strengths and weaknesses of the items under observation.” 8 This definition shows that there is a clear distinction between data and indicators. Data correspond to information which, in itself, does not yet allow any conclusions to be drawn.“To be able to use such infor mation, it has to be interrelated within a meaningful frame of reference. The composition of indicators, on the other hand, is always dependent on the objectives being pursued and the perspectives for comparison being applied.” 9 Sex-disaggregated data alone thus do not yet relate to any concrete(equality) objectives, whereas indicators are based on pre-defined problems and/or objectives. However, many empirical reports on equality continue to refer to sex-disaggregated data as equality indicators. And when indicators are presented, the goals and objectives underpinning them are only rarely disclosed explicitly. If at all, hints as to what those goals and objectives are can only be found in the interpretation of such indicators. EQUALITY MONITORING: STATUS QUO AND ANALYSES In Austria, you can find several different equality reports and monitors, most of them, however, limited to special domains(focus on employment and education), such as: • Re-entry to the labour market monitor established by the Austrian Chamber of Labour(AK Wiedereinstiegsmonitor)(annually since 2013) • Figures, facts, analyses. Equal opportunities at Graz University(Zahlen, Fakten, Analysen. Chancengleichheit an der Uni Graz)(2010) • Gender monitoring. ZIT- The Technology Agency of the City of Vienna(Gender Monitoring des zit. Die Technologieagentur der Stadt Wien GmbH)(2008, 2010, ZIT FemPower Studie 2012) • Gender Mainstreaming Syndex – monitor for labour market policy gender mainstreaming indicators(annually since 2004). On a broader basis with respect to subject matter, but with merely regional application: • Women’s Monitor established by the Upper Austrian Chamber of Labour(Frauenmonitor der Arbeiterkammer Oberösterreich)(2007, 2009, 2010, 2011) • Indicators for the equality of women and men, Office of the Vorarlberg Provincial Government (Indikatoren für die Gleichstellung von Frauen und Männern, Amt der Vorarlberger Landesregierung) (2012) The Gender Index has been published by the Federal Minister for Women and Public Service at the Austrian Federal Chancellery since 2011(renamed Federal Ministry of Education and Women’s Affairs in 2014). Following on from the 2010 Women’s Report(Frauenbericht), this index provides key information on the situation of women and men in Austria and has been updated annually since its inception. In general, the Gender Index comprises gender-differentiated statistics on selected domains and is openly accessible to the public. However, it does not contain any clearly defined indicators with respect to equality objectives in the narrower sense of the term. 8 English translation from Leitner, Andrea/Wroblewski, Angela(2011): 9. 9 English translation from Leitner, Andrea/Wroblewski, Angela(2011): 9. 28 STATISTIK JOURNAL WIEN The multitude and variety of the available reports highlight the lack of uniform indicators at provincial and regional level. While in Germany a uniform system of indicators was introduced in 2007 for all federal states in order to allow mapping the status and progress in equality policies 10 and the First Gender Equality Atlas was published in 2009, comprising 30 indicators for the domains participation, education, employment and personal situation, similar efforts in Austria, such as the GenderATlas 11 , have only just taken off. The one advantage that those different monitoring systems have is that they are better suited to present regional particularities in a more specific and focussed manner. But in Germany, too, the indicators defined for the whole country are being adapted to suit regional particularities. Partly because competences are not allocated equally among local authorities, it is not possible to break all 30 indicators down to the local community level. The equality report produced by the city of Freiburg tried to“map equivalent community-level spheres of activity based on the given data” and, in contrast to the Germany-wide equality atlas, with a focus on both genders. In a study entitled“Measuring equality. State of the debate on gender-segregated data, equality indicators and equality monitoring”(Messung von Gleichstellung. Stand der Diskussion zu geschlechtersegregierten Daten, Gleichstellungsindikatoren und Gleichstellungsmonitoring)(2011), the authors – Andrea Leitner und Angela Wroblewski – examine how equality reports or, less frequently, equality monitors are designed in both international and national contexts. They identify five models, which can be roughly classified into two categories: • Reports based on sex-disaggregated data and statistics without containing explicit(equality) indicators. • Reports or monitors that develop or rely on equality indicators with different focal points: » for international comparison » for opening up new fields » for continuous monitoring » for specific objectives. Taking the equality indicators for international comparison as an example, the authors show how much data availability and indicator selection can impact the results in respect of equality. They compare three indicators explicitly intended for international comparison: the EU Gender Equality Index, the Gender Empowerment Measure(GEM) and the World Economic Forum’s Global Gender Gap Index. The concept and structure of the EU Gender Equality Index(EIGE) is explained in more detail in the article on methodology aspects. It covers six domains(work, money, knowledge, time, power and health) as well as two satellite domains. These domains are in turn divided into sub-domains, which all enter into the index, weighted and measured by a total of 30 indicators. What makes this index special is that it is explicitly based on a theoretical concept of equality, more precisely the goal of equity as developed by Nancy Fraser and the universal caregiver model. 12 The Gender Empowerment Measure is composed of the three GDI(Gender-related Development Index) indicators: life expectancy, literacy and real purchasing power per capita, supplemented by another three indicators intended to measure the relative political power of women and men(gender ratios in administrative and managerial positions, in professional and technical occupations and in parliaments). 10 cf. City of Freiburg im Breisgau(2011): 1. 11 The GenderATlas project is a cooperative venture involving the Vienna University of Technology, the University of Vienna and ÖIR Projekthaus. The Federal Ministry of Transport, Innovation and Technology sponsors the project within the scope of its FEMtech programme.“The aim of the project is to develop a gender atlas for Austria that systematically collects data, indicators, information and analyses on the real-life conditions experienced by women and men, presents and visualizes these findings in their spatial dimensions and makes them easily accessible to a broad user base.” The project, which was conceived for a two-year period, was launched in August 2013. The atlas prototype is expected to go live in the spring of 2015. 12 Among other things, this refers to the“structurally assisted opening of social spaces”(such as unpaid care activities in the family), because only this kind of opening will“provide women and men with genuinely equal opportunities to be appreciated and esteemed and to have a full range of possibilities to express their manner of being human”. English translation from Wagner, Gabriele(2005): 149. GENDER-SENSITIVE STATISTICS: MAKING LIFE’S REALITIES VISIBLE 29 The World Economic Forum’s Global Gender Gap Index examines four domains(economic participation, educational attainment, health and political empowerment) and integrates a total of 14 indicators in a composite index. These indicators each measure the relative gender gap, i.e. the share of women as compared to the share of men. The figure below illustrates that a comparison of these three equality indicators or indices results in decidedly different rankings for 15 selected EU member states. On the EIGE index, Austria occupies rank 14, a rather inglorious position, while it scores much better with rank 7 and rank 9 in the GEM and the Global Gender Gap Index, respectively. While Sweden comes first in all three indices, England and Belgium also present a wide range of variation. The differences in conceptualisation(focus on differences, focus on participation, etc.) as well as the factors being considered relevant (and their regional manifestations) have a major impact on the differences in ranking. While the aspect of unpaid work is a pivotal factor when it comes to equality between women and men in modern societies, it is reflected only in the EIGE index(time domain). The assessment of violence as a factor(relevant to the future EIGE index) and its inconsistent assessment in the FRA survey will be discussed in more detail below. The rankings produced by the various equality indices show that different ideas on how and from what angle equality should be measured or what domains are relevant for this purpose will lead to different outcomes. As a general statement, the authors find that, in the examples analysed, monitoring indicators that pursue specific equality objectives and present equality in a more comprehensive manner over time are still lacking for the most part. In conclusion, the authors comment as follows on the plans for the development of equality monitoring in Vienna: “An equality monitor, i.e. a comprehensive collection of sex-disaggregated data, and an equality index, i.e. an index based on a compact, goal-oriented indicator system, are the two opposite ends on the spectrum of potential solutions – and we find that neither of these extremes would be a good choice. What would be important in our view in plans for developing an equality monitor is to create equality indicators that are based on concrete objectives.(...) This, however, will make it necessary to first define the objectives the attainment of which the monitor is then supposed to analyse” 13 . 13 English translation from Leitner, Andrea/Wroblewski, Angela(2011): 43. Comparison of international equality findings Equality ranking 14 9 7 AT 11 66 4 33 BE DE 15 13 13 12 4 22 8 7 DK EL ES 4 3 2 FI 15 14 12 12 11 10 10 9 88 6 55 00 FR IE IT LU NL 11 10 7 13 9 5 111 PT SE UK Gender Equality Index Gender Empowerment Measure Global Gender Gap Source: IHS(2011), data: EC, UNDP, World Economic Forum, in: Leitner, Andrea/Wroblewski, Angela(2011): 31. 30 STATISTIK JOURNAL WIEN EQUALITY OBJECTIVES AND EQUALITY INDICATORS – A DIFFICULT RELATIONSHIP? A review of international equality monitors or reports shows that there are only very few examples where – mostly within the scope of a gender mainstreaming process – an attempt was made to formulate binding and comprehensive equality objectives. A positive example in this respect is Sweden’s equality programme. In 2006, the Swedish parliament adopted defined equality objectives: “Overall objective: Women and men must have the same power to shape society and their own lives. Interim objectives: Equal division of power and influence between women and men. Women and men shall have the same rights and opportunities to be active citizens and to shape the conditions for decision-making. (…) Men’s violence against women must stop. Women and men, girls and boys, shall have equal rights and opportunities in terms of physical integrity.” 14 The commission publishing the First Equality Report for the Federal Republic of Germany(Erster Gleichstellungsbericht)(2011) drew up guiding principles for the long-term reorientation of institutions and as objectives to be gradually attained through political action: “We strive for a society where people have choices. The employability of men and women is ensured by offering adequate education and training. People are enabled to earn their own living and to establish their own social security arrangements.(…)“ 15 This example gives us a first idea why explicitly defined equality objectives are few and far between. Once formulated, the implied norms and values, the underpinning political understanding(of, for instance, equality) will become apparent and thus also open to criticism. It is with this in mind that Leitner/Walenta, in their paper on “Equality indicators in gender mainstreaming”(Gleichs tellungsindikatoren im Gender Mainstreaming)(2007), underline the key influence the respective ideas and objectives of equality policy have on the development and/ or selection of gender-sensitive statistics: “Our basic assumption is that the choice of equality objectives will make a difference not only when it comes to interpreting statistics, but already when it comes to selecting the domains to be analysed, the indicators and the data to be used.” 16 However, disclosing these implicit ideas(and values) will also expose the myth that statistics are seemingly neutral and unbiased and show that they are indeed directed by particular interests and based on particular positions. From a methodology angle as well, it is quite problematic to translate general objectives in terms of women’s or social policies into concepts that are statistically or sociologically measurable and into indicators that have an informative value. If you take the example of the very general objective proposed by Sweden that men’s violence against women must stop, the question arises in how far, for instance, the decrease or rather the increase in the number of incidents of domestic and/or sexual violence reported to the police can or should be an adequate indicator for the attainment of this equality objective. In this context, it seems expedient to differentiate between long-term, medium-term and short-term objectives. The Swedish example aims at a long-term decline of violence against women and girls. But, in the short or medium term, an increase in the number of reports to the police in this context is a possible indicator for heightened awareness and more openness in the public debate of this issue. However, the existence of such a link cannot be asserted conclusively, but will probably be ascertainable only in retrospect and in interaction with other developments. Sometimes it also helps to clearly define the phenomenon in question, i.e. to say‘domestic violence’ or ‘violence committed by partners and ex-partners’ instead of‘violence against women’. For this purpose, it is not sufficient to break down statistics by gender, but it is also necessary to examine further categories beyond that. However, such categories will often become discernible only ex post facto and following a gendersensitive analysis of the gender ratios predominantly 14 Alpkvist, Catharina(2011): 5 et seq. 15 English translation from German Federal Ministry of Family Affairs, Senior Citizens, Women and Youth(2011): 5, 48 and 233. 16 English translation from Leitner, Andrea/Walenta, Christa(2007): 13. GENDER-SENSITIVE STATISTICS: MAKING LIFE’S REALITIES VISIBLE 31 found in that domain. Presenting data on victims of violence by gender is thus an important first step that will allow conclusions to be drawn about the extent or the percentages of women and girls exposed to violence over a given period of time. But if the specific research interest is‘domestic violence’ or, even more narrowly defined,‘violence against women committed by partners and ex-partners’, as defined for the Vienna Equality Monitor(making violence against women committed by(ex-)partners visible and reducing it over the long term), further information will be needed, about the perpetrator as well as about the relationship between perpetrator and victim(acquaintance, relative, etc.). Police crime statistics, for instance, record the following with respect to perpetrator-victim relationships: for family relationships, as either‘living in the same household’ or‘not living in the same household’, or otherwise differentiated by‘acquaintance’ or‘chance acquaintance’. Against the backdrop of the debate conducted in the 1970s and 1980s where violence against women was defined primarily as‘domestic violence’, the collection of such information constitutes a major achievement with a view to making empirically valid statements about the numbers of women and girls exposed to domestic violence. However, these data fail to supply information on whether the perpetrator is the father, husband, brother, brother-in-law or stepbrother of the victim. This is problematic if the interest in the findings is focused on women who are victims of violence by(ex-)partners and not on the phenomenon of domestic violence as such. A trans- and interdisciplinary working group set up by the Domestic Abuse Intervention Centre Vienna in 2011 is preparing specific proposals for the categorisation of perpetrator-victim relationships in administrative data surveys in an effort to resolve the collection and evaluation problems surrounding the focus of interest in respect of the findings.“Given that no eval uations are carried out on how the gender and age of suspected perpetrators tie in with the‘perpetrator-victim relationships’ assigned to them in the police crime statistics, it can neither be established whether suspects or victims(mostly) belong to the same generation nor how gender distribution correlates with the incidence of specific categories of relationships.” This is just one example of how shifts in discourse and focus within a given domain have or may have an immediate impact on statistical data collection and vice versa. A highly topical and relevant publication in this context is the survey on violence against women published by the European Union Agency for Fundamental Rights(FRA) in 2014. 17 For this most extensive EUwide survey conducted so far, 42,000 women aged 18 to 74 randomly selected in the 28 member states were asked about their experiences of physical, sexual and psychological violence, including incidents of intimate partner violence(‘domestic violence’), as well as stalking, sexual harassment, and the role played by new technologies in women’s experiences of abuse. What is particularly remarkable apart from the dramatic results on the many different ways women are exposed to violence are the sometimes major differences between countries in terms of the prevalence of violence. Remarkable above all because the negative assessments also concern countries that are generally assumed to be particularly advanced in gender equality issues and where violence against women is supposedly at the top of the political agenda, such as Sweden and other Scandinavian countries. Sweden, for example, which at 74.3 has the highest(‘favourable’) EIGE score when compared with the EU average of 54.4(or Austria at 50.4), ranks far above(!) the average in the equality ranking when it comes to the prevalence of physical and/or sexual violence against women by(ex) partners or other persons:“Member States scoring higher on the Gender Equality Index also tend to have a higher prevalence of physical and/ or sexual violence against women since[sic] the age of 15.” 18 The report explicitly addresses the differences between countries.“Just as official criminal justice data on recorded crime vary significantly between countries, there are often large differences between countries in levels of reported victimisation when people are interviewed for a victimisation survey. This applies to crime in general, and in particular to incidents of violence against women, which are particularly sensitive topics to talk about in a survey.“ 19 Five reasons are offered as possible explanations. First, in different countries, it may be more or less culturally acceptable for women to openly talk about experiences of violence. Second, the degree of gender equality: Incidents of violence against women are more likely to be openly addressed and challenged in societies with greater equality. Third, women’s exposure to risk situations, for instance whether they work outside the 17 The FRA EU-wide survey responds to a request for data on violence against women from the European Parliament, which the Council of the EU reiterated in its Conclusions on the eradication of violence against women in the EU. 18 European Union Agency for Fundamental Rights(FRA)(2014): 31. 19 European Union Agency for Fundamental Rights(FRA)(2014): 22. 32 STATISTIK JOURNAL WIEN home and go out and date or stay at home most of the time. Fourth, different overall levels of crime between countries, and, fifth, prevalent drinking patterns in a country. 20 This additional information is not meant to relativize the results, but to highlight different impacting factors. In any case, this example clearly illustrates the problems inherent in‘measuring’ socially complex phenomena. The results of the FRA survey will enter into the computation of the EIGE index in the future in an effort to supply internationally comparable data for the domain of violence, on which data had not been compiled so far. THE VIENNA EQUALITY MONITOR As already mentioned above, the decision to create a Vienna Equality Monitor was laid down in the coalition government programme in 2010. In the spring of 2011, the Vienna Women’s Department was tasked with developing and designing such a monitor, and in the fall of 2014, the Equality Monitor was presented to the public. Against the backdrop of the questions and recommendations outlined above, the steering group in charge of conceptual matters 21 decided on a few key principles, with respect to domain scope and definition of equality objectives as well as to guiding principles, especially in terms of how differences and interconnections are to be presented. These key principles are briefly explained below. OBJECTIVES, DOMAINS AND SPECIFIC ATTRIBUTES OF THE VIENNA EQUALITY MONITOR In keeping with the etymological meaning 22 of the term, the purpose of the Vienna Equality Monitor is, through systematic and continuous data monitoring, to draw attention to relevant trends in the process of attaining equality and to call for corrective action where necessary. The central focus is on monitoring the progress and quality of the(equality) process to enable the process to be specifically guided into the right direction and undesirable developments to be detected as early as possible. A deliberate choice has been made in having the Vienna Equality Monitor address a broad range of domains so that new and relevant areas can be tack20 cf. European Union Agency for Fundamental Rights(FRA)(2014): 25 et seq. 21 Since March 2012, the steering group has been made up of three permanent representatives from the Women’s Department(Karin Tertinegg, Martina K. Sommer, Stephanie Kiessling) and one representative each from the Gender Mainstreaming Office(Jana Schultheiß) and from Municipal Department 23(Edith Waltner). 22 The term‘monitor’ derives from the Latin verb‘monere’, which translates as ‘draw attention to something’, cf. Leitner, Andrea/ Wroblewski, Angela(2011): 7. led even if they exceed the immediate scope of action of the City of Vienna. In an effort to meet relevance requirements, these domains include central and critical equality policy issues, such as education or paid and unpaid work on the one hand, while on the other hand, true to the aspiration of embracing innovation, they also shed light on issues that so far have rarely been analysed from an equality angle, such as sports, the environment or the media. To arrive at(ultimately eleven) domains 23 , it was necessary beforehand to identify or select areas that are relevant to equality and formulate specific equality objectives. The key question for developing objectives and spheres of activity was a highly ambitious one:“What knowledge or experience(with respect to the equality of women and men) do we want a monitoring system to provide?”. Ambitious because it was not geared towards actual availability of data, as a question like“What can we know?” would have been. With this in mind, the drawing up of more than 70 equality objectives was based on a broad understanding of what equality should be, covering different aspects and areas of life. The aim was to think outside the box and go beyond the topics and indicators usually taken into account and to focus on areas that have not been adequately covered by statistics so far. For, while the relatively high quality and density of data available in some fields permits relying on a whole set of indicators or a broad range of potential approaches(particularly for widely discussed issues such as paid work, income, education, etc.), there are either no data at all or only very few data and hardly ever any Vienna-specific data available for others(such as unpaid work, media, sports, leisure time, violence). Often, this is another argument why such issues are not included in classic equality reports or monitors, apart from the argument that topics such as health or violence are so comprehensive and complex in themselves that they(would) require monitoring of their own. On the one hand, the equality objectives defined for these domains specifically aim to change the criteria used in decision-making, such as embedding gender competence in each of these domains, thereby achieving a sustainable change in the gender hierarchies currently in place there.“This is about chang ing positions of powers, about defying entrenched role stereotypes and reshaping the societal context 23 The final domains covered by the Monitor are: Political participation, leisure and sports, art and media, income, housing and public space, environment and mobility, health, social security and poverty, education, education and training, continued educuation, violence as well as paid and unpaid work. GENDER-SENSITIVE STATISTICS: MAKING LIFE’S REALITIES VISIBLE 33 in such a way that access to each of these domains is possible for everyone regardless of social attributes and living conditions”, as is stated in the introduction to the Vienna Equality Monitor. On the other hand, the focus in developing equality objectives was also on outcomes, with a view to making equality-relevant developments in the selected domains visible and not with a view to evaluating projects or activities undertaken by the City of Vienna or individual departments. Given the broad range of topics and domains covered, the Vienna Equality Monitor also goes far beyond the immediate purview of the City of Vienna, its departments and business enterprises. To be able to present the breadth and diversity of equality in its full complexity, the option of indexbased monitoring was deliberately dismissed, which meant foregoing comparability with other(national and international) monitoring systems. It was regarded as a key disadvantage of index-based equality monitoring that it would not be possible to record or take adequate account of attributes specific to Vienna, which are particularly relevant especially in connection with pro-active equality policies. An example: In order to make the defined equality objective “Increasing participation of women and integration of gender criteria in urban planning” measurable for the purpose of monitoring, it is of crucial importance to take account of how City of Vienna competitions(e.g. for publicly funded housing development(Wohnfonds Wien), design of public parks, public spaces, etc.) are actually organised, i.e. to look at how the respective decision-making bodies are structured(due consideration of gender expertise or proportion of women in the awarding juries). But even the most ambitious monitoring project constitutes a limited system if the principle to follow is that“monitoring[is] the art of collecting the necessary information with as little effort as possible in order to make landmark decisions in a timely manner” 24 . This is why certain restrictions had to be defined also within the relevant domains so as to keep the monitor‘readable’(within the bounds of reasonableness), which of course resulted in placing the focus on particularly interesting aspects. On the basis of this extensive set of defined equality objectives, the Vienna Institute for Advanced Studies was commissioned to conduct a debate with experts both inside and outside the Vienna City Administration over a period of several 24 English translation from Swiss Agency for Development and Cooperation (SDC/DEZA) 2003: 68. months in order to operationalize these objectives for the purpose of monitoring and to pool them and flesh them out once more with a focus on the central aspects of each domain. The key challenge therefore was to strike a balance between the variety of topics covered and a manageable number of indicators. With its decision not to use index-based monitoring, the Equality Monitor steering group was in agreement with the conceptual deliberations of the Vienna Integration and Diversity Monitor. 25 During the development process, the Integration and Diversity Monitor provided a key benchmark, especially in terms of the problems surrounding valid data and being able to differentiate between them, as the problems addressed were of a similar nature, even if against a backdrop of different theoretical approaches. While in the context of integration, a pivotal issue is to define or identify the target group – who exactly is a migrant? – and represent it in data sets(nationality vs. country of birth/origin vs. national or foreign by education or a combination of these features) and to differentiate the group as accurately as possible by migration backgrounds(first and second generation), defining the target group seems to be comparatively simple when it comes to gender – differentiated by women and men, given a world(still/only) construed on the basis of two sexes – even if such definition has not yet become sufficiently established in all relevant fields. 26 But already at the next level of analytical detail, when it comes to evaluating data by(equality-)relevant subgroups such as single parents, migrants, etc., any ambitious monitoring system will soon reach the limits of the informational value provided by its data. Frequently, these data will not lend themselves at all or only to a limited extent to an analysis conducted in line with the principles outlined below. 25 Unlike the Integration and Diversity Monitor, which is published biannually, the Equality Monitor has been designed to be published every three years, one of the reasons for this being that the phenomena under observation are assumed to be relatively stagnant and that significant change will become apparent only over longer periods of time. 26 Including a potential third or alternative gender into the(register) data and other Vienna-specific surveys is(unfortunately) not yet a matter under discussion at the moment. 34 STATISTIK JOURNAL WIEN PRINCIPLES FOR THE VIENNA EQUALITY MONITOR While the discussion surrounding Vienna’s equality objectives was primarily a(equality) political process conducted on an expert level, sociological criteria such as quality, objectivity, adequacy and, last but not least, availability, played a much greater role in the process of developing indicators. 27 These criteria apply to all sociological-empirical work, but the Vienna Equality Monitor relies on additional specific principles that had a major impact on the selection and development of indicators. This is discussed in detail in the introduction to the Equality Monitor. Ultimately, the Monitor also aims to make gaps in the data visible. As pointed out above, the Vienna Equality Monitor relies exclusively on existing data sets. In this context, indicator development will frequently reach its limits, as the data sometimes do not feature any information about gender or other social attributes, do not adequately map the realities of life women are faced with or are not edited in such a way that they would allow for gender-specific evaluations to be performed. These gaps in the data are explicitly addressed in the Monitor, so that both data and indicators can be further developed on the basis of such information. The discrimination of women in various areas of life was the central starting point for developing equality objectives and indicators. What was decisive for selecting particular aspects was that the problems were relevant to women, and not if there was any backlog experienced by men. However, the equality aspects included in the monitor are generally represented in the form of gender ratios so as to make the overall(dis) proportionality visible. In this respect, all indicators are relevant to equality. General objectives that have no relevance for equality(in regard to discrimination of women) were not taken into account. The focus on discriminatory structures between the sexes does not mean that women(or men, for that matter) are defined as a homogenous group. The Vienna Equality Monitor tries to capture and show women and men in all their multifacetedness and diversity. The difference between the sexes is not always the most informative or most highly relevant difference; many differences of relevance to equality will only become apparent after a differentiated analysis of certain subgroups. When you look at the domain of housing, for instance, the subgroup of single parents or people (women as much as men) from a migrant background turns out to be particularly disadvantaged. However, empirical analysis often fails to meet the aspiration of intersectionality, i.e. the consistent analysis for further dimensions of differentiation with a view to showing how different structural categories interact, because either the samples are too small or the relevant categories(age, health problems, migrant background, etc.) are not captured at all. The Vienna Equality Monitor tries to bridge the gap between topics that are relevant to equality policies and topics that, while interesting from an equality policy angle, have not been adequately researched until now. Moreover, it tries to show how issues are interwoven and interact with one another. In this respect, monitoring is regarded as a continuous process that will not stop once the proposed indicators have been defined, a process that in itself will drive the necessary adaptations of indicators and, where applicable, equality objectives. “Equality indicators are thus also an element of a doing-gender process; they construe social reality and determine gender ratios by reproducing or reinforcing gender stereotypes or counteracting them.” 28 27 What also played an important role in indicator development was the possibility to use available, i.e. already existing, data sources, the continuous availability of such data as well as the fact that the data related specifically to Vienna or lent themselves to evaluation under a Vienna perspective. 28 English translation from Leitner, Andrea/Wroblewski, Angela(2011): 1. GENDER-SENSITIVE STATISTICS: MAKING LIFE’S REALITIES VISIBLE 35 BIBLIOGRAPHY Alpkvist, Catharina(2011): Gender Mainstreaming in Sweden. 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Statistics that are based on gender-sensitive surveys provide an important basis in this context, as they are able to show existing differences between the sexes in society and serve as an essential prerequisite for identifying inequalities. This paper examines the significance of gender-sensitive statistics for implementing gender mainstreaming, taking the City of Vienna as an example, while also exploring the question of what‘gender’ really means in the mainstream of statistics. The key question, addressed from a theoretical angle, will be what the term gender statistics really means. In practice, it refers in most cases to personal data that are collected and evaluated disaggregated by biological sex, i.e. by women and men. However, unlike the biological‘sex’,‘gender’ is understood as the socially and culturally influenced gender or‘social gender’. And this kind of category is very difficult or even impossible to capture by statistics. Still, experts today understand the term gender statistics to mean more than just the disaggregation of personal data statistics based on the male/female attribute as mentioned above. Findings from women’s and gender research are integrated into the problems or questions examined by the statistics in question, which has impacts on what these statistics will look like. This is the understanding based on which the City of Vienna has approached this issue. Nevertheless, it is worthwhile to take a look at the underlying theoretical debate to arrive at a better understanding of the term‘gender’ and what challenges gender-sensitive statistics are faced with. GENDER MAINSTREAMING IN THE VIENNA CITY ADMINISTRATION The objectives of gender mainstreaming are to reduce differences that cause structural disadvantages for one gender, for instance where the socio-economic realities of life are concerned, to ensure equal opportunities and to demolish role stereotypes in behaviour and traditional expectations. One aim that is always part and parcel of gender mainstreaming is to make existing power relations in society and different opportunities for participation by women and men visible. It is presumed that the gender roles that are considered the norm in society can be changed and actually do change. 1 Accordingly, structures and institutions must also be amenable to change, as there are obvious interdependencies. In contrast to what is frequently being implied, it is definitely not an objective of gender mainstreaming to do away with any and all differences between women and men. Gender mainstreaming has been embraced by the Vienna City Administration since 2000. In 2005, institutional responsibility for this issue was assigned to the Chief Executive Office, to which the former Gender Mainstreaming project unit, now the Office for Gender Mainstreaming, reports. The Office for Gender Mainstreaming starts from the assumption that life’s realities and societal opportunities are still not the same for women and men. For this reason, all City Administration decisions, projects and undertakings should take the diverging interests and needs of women and men into account. With this in mind, applying gender mainstreaming will ensure that the products and services offered by the City of Vienna will contribute to furthering the equality of women and men in Vienna. 2 To be able to identify the(diverging) needs of female and male citizens, it is necessary to have data that were collected and evaluated from a gender-sensitive perspective as well as analyses with a corresponding focus on gender-sensitivity. This may take the form of satisfaction surveys, but also use statistics that are evaluated with the necessary gender competence 3 . For example, if girls use a sports facility or park less than boys, the reason may be a lack of adequate sports offerings or simply the fact that there are no changing rooms for girls. The collected data can highlight differences and provide a basis for informed decision-making that helps to better target activities and products to their poten1 cf. Eckstein, Kirstin(2007): 180 et seq. 2 cf. City of Vienna(2011): 4. 3 “Regardless of age, income, education, origin and family situation, women and men are still faced with different expectations and different opportunities and limitations. Persons who have gender competence are sensitive when it comes to identifying such differences and always prepared to acquire more knowledge and apply it in their field of work”, English translation from City of Vienna(2011): 41. GENDER-SENSITIVE STATISTICS: MAKING LIFE’S REALITIES VISIBLE 37 tial addressees. Ideally, stronger target group orientation will result in offers becoming better and more efficient overall, as it is possible to plan services specifically to meet different needs. 4 Given its pivotal role, the principle of gender-specific data collection and analysis is one of five gender mainstreaming principles defined by the Vienna City Administration for its work. The other principles are gender-sensitive language, equal access to services for women and men, equal participation of women and men in decision-making, and integration of equal treatment in steering processes. 5 Gender budgeting 6 , which is mandated by law, also needs sex-disaggregated data as a key basis. The City of Vienna implements gender budgeting in the following manner: the budget states the intended female and male users of relevant measures(who is the target audience of the measure?) and the financial accounts then compare this figure against the actual number of users, likewise disaggregated by sex. Indicators are provided to make the success of implemented measures visible in terms of gender equality. In summary, one can say that gender-sensitive statistics are necessary in order to identify the still existing differences in the lives of women and men(for instance, by means of indicators or more comprehensive monitors, see also Kiessling in this publication) and then design measures specifically for the relevant target groups. In this context, Hedman et al. point out the special significance of gender statistics, since the perception of gender roles is very often wrong. People living in countries where laws and other rules guarantee equality and human rights frequently tend to believe that equality has de facto been achieved and therefore underestimate existing discrimination.“And wrong perceptions prevent people from changing the situation”. 7 In many areas, there is still a need to overcome gender blindness. Gender blindness implies that gender is ignored as a variable and that domains or areas are shown as genderless or gender-neutral, while in fact, in most cases, they are not. Gender-sensitive statistics can help question such‘blindness’ or failure to recognise gender as a structural attribute. ENGENDERING STATISTICS – GENDER-SENSITIVE DATA IN THE STATISTICAL MAINSTREAM Internationally, and above all at the United Nations (UN), the issue of gender-sensitive statistics has been pursued for some decades(see also Maltschnig et al. in this publication). A large number of handbooks and online tools have meanwhile been created. 8 They frequently describe gender-sensitive statistics as a comprehensive process that covers a lot more than just differentiating data by sex. Quite on the contrary, it affects all stages of the statistics production process, as is stated, for instance, in a UN online tool:“Integrating a gender perspective into data collection goes beyond recording the sex of the respondent(or household member, reference person, or head of the household, for that matter). It entails a review of the data collection process in all its stages – from the selection of topics to be covered by the survey or census, to questionnaire or form design, sample design, selection and training of interviewers and supervisors, data collection in the field, data coding and data editing – and paying attention to all factors that could potentially lead to a gender bias in the data” 9 . So the gist of it is to integrate the gender perspective into all aspects, from topic selection to form of survey, questionnaire and interview design to data collection and presentation. The handbook“Engendering Statistics. A Tool for Change” 10 , which was published by Statistics Sweden as early as in 1996 and is still considered the fundamental work on gender-sensitive statistics, describes an ideal process for producing gender statistics. The authors of this publication developed a multi-stage process in which great attention is paid to identifying problems and needs. In this context, the need for an exchange between the producers and users of statistics is underlined as a major point in the development of gender-sensitive statistics: users must formulate their specific data demand and producers must be able to understand that demand. The issue of data gaps is addressed as well, as is the need to collect new data 4 cf. Jary, Karin(2013): 10. 5 cf. City of Vienna(2011): 9 6 Article 13(3) of the Austrian Federal Constitution reads:“Federation, provinces and municipalities must aim at the equal status of women and men in budget management.” 7 Hedman, Birgitta/ Perucci, Francesca/ Sundström, Pehr(1996): 41. 8 Here are a few examples: United Nations Statistics Division: Gender Statistics Manual. Integrating a gender perspective into statistics, http://unstats.un.org/ unsd/genderstatmanual/Default.aspx[16/01/2014] or United Nations Economic Commission for Europe(UNECE): Gender Statistics, http://www.unece.org/stats/ gender/[16/01/2014]. 9 United Nations Statistics Division. 10 Hedman, Birgitta/ Perucci, Francesca/ Sundström, Pehr(1996): 8 et seq. 38 STATISTIK JOURNAL WIEN or combine different data sources with a view to improving statistics. Hedman et al. describe the production of gender statistics as a never-ending process – it is a continuous process of integrating developments and improvements of gender statistics into the entire official statistical system. One statistical output of the production process creates a new insight of the situation of women and men and a new understanding of users’ needs. This in turn leads to new needs for gender statistics in the same area of concern or in new areas. 11 11 cf. Hedman, Birgitta/ Perucci, Francesca/ Sundström, Pehr(1996): 11. Gender Statistics The Production Process Users of statistics Problems and questions in gender issues in society ......................... Identify Cooperate Needs for improvement of the situation of women and men ......................... Identify Producers of statistics Goals for equal opportunities .......................... Specify Needs for statistics from different fields ......................... Identify Relevant statistics and indicators ............................. List Available statistics Data gaps ........ Identify Sources ............................................ Identify Quality relative to need Possible sources ..... Investigate Need for improvement of content, measures, concepts, classifications ........ Specify New data ......... Collect Statistics to be analysed ....................... Compile Analysis ......................... Analyse Presentation ......................... Present Dissemination ..................... Disseminate © Statistics Sweden. Gender Statistics. Source: Hedman, Birgitta/ Perucci, Francesca/ Sundström, Pehr(1996): 8. GENDER-SENSITIVE STATISTICS: MAKING LIFE’S REALITIES VISIBLE 39 “ALL STATISTICS ON INDIVIDUALS SHOULD BE COLLECTED BY SEX.(…) ALL STATISTICS SHOULD REFLECT GENDER ISSUES” 12 The fact that the production of gender statistics concerns the entire official statistical system is a key point made in the Swedish handbook. Concepts and methods used in data collection and presentation must adequately reflect gender issues and take into consideration all factors likely to produce gender-based bias. 13 What is called for then is mainstreaming or engendering the whole field of statistics. This ties in more or less with the above-mentioned gender mainstreaming principle of gender-specific data collection and analysis as applied by the Vienna City Administration. All personal data are to be presented disaggregated by sex and to be reviewed for potential further gender aspects, and this applies not just to data that are directly relevant to specific women’s and equality issues. Equality and gender aspects have to be taken into consideration and analysed in all domains. But beyond all that, gender is to become an integral element of the statistical mainstream. This is made very clear by the concept of engendering. The aim here is to integrate a gender perspective and/or gender sensitivity into existing domains or areas of political activity, such as statistics or, frequently, macroeconomics, in an effort to overcome gender blindness. A specific domain – statistics in this case – is to be redesigned from a gender perspective. 14 A crucial issue in statistics is to identify and take account of factors that may produce gender bias. Gender bias is a gender-based distortion likely to(negatively) impact data and research outcomes. According to the GenderCompetenceCenter 15 , the three most frequently found forms of gender bias are androcentrism, gender insensitivity and double standards. Androcentrism in research means that problems and views are(implicitly) investigated from a male perspective, even though the questions involved concern women in equal measure. With respect to data, this may entail that, even though women are being left out of or being underrepresented in data collection, the results are used to draw conclusions applicable to women and men alike(this may turn out to be a problem, for 12 Hedman, Birgitta/ Perucci, Francesca/ Sundström, Pehr(1996): p. 42. 13 cf. Hedman, Birgitta/ Perucci, Francesca/ Sundström, Pehr(1996): p. 42. 14 cf. Çaglar, Gülay(2009): 17. 15 The GenderCompetenceCenter was founded in 2003 by Prof. Susanne Baer, at Berlin’s Humboldt University. Its main task was to provide consulting to the German federal government on gender mainstreaming and gender equality strategies. Since 2010, the project has been continued autonomously, since 2011 as a facility operated by the Gender/Queer e.V. association. Its website provides a host of information on many topics in the field of gender mainstreaming.http://www. genderkompetenz.info/[21/01/2014]. instance, when medical drugs are tested only on men, but are taken by women as well). When studies on single parents only collect data on women, this also qualifies as gender bias. Gender insensitivity refers to the same thing as gender blindness – gender being ignored as a variable in research. This may happen when the smallest unit under investigation is a household, which makes gender relations within such households invisible. The frequent failure to address the issue of unpaid work and how it is distributed is another typical example of gender insensitivity in labour market research. Double standards means that identical characteristics or behaviours are assessed or investigated differently with women and men, often based on the influence of stereotypes. An example would be to portray childcare obligations as normal and positive for women, but as non-normal for men. 16 Hedman et al. list a host of other issues where gender aspects may be overlooked and gender stereotypes present in society may be reproduced in statistics. Potentials for bias range from the set-up of samples, the language used in concepts and questionnaires, the setting of reference periods or the existence or non-existence of gender sensitivity among interviewers up to the selection of respondents. 17 Interviewers need to have a minimum of gender competence to avoid reproducing stereotypes in respect of certain topics. It should also be taken into consideration that respondents may give different answers depending on whether they are interviewed alone or in the presence of other household members. An example involving reference periods would be that women and men might be employed in seasonal work to a different extent, which might then again impact the research outcomes, etc. Awareness of what has been said above about gender bias and the reproduction of stereotypes can, when combined with adequate counter measures, lead to an overall increase in the quality of statistics, as is pointed out for instance in a gender statistics manual published by the United Nations Economic Commission for Europe (UNECE) and the World Bank Institute. Gender statistics can contribute to providing a better description of life’s realities for the population as a whole:“Gender statis tics have an important role in improving the whole statistical system, pushing it to describe more accurately and fully the activities and characteristics of the whole population, which is made of women and men.” 18 16 cf. on this paragraph: GenderCompetenceCenter(a). 17 cf. Hedman, Birgitta/ Perucci, Francesca/ Sundström, Pehr(1996): 60 et seq. 18 United Nations Economic Commission for Europe(UNECE) and World Bank Institute(2010): 7. 40 STATISTIK JOURNAL WIEN SEX COUNTING – HEADCOUNTS OR GENDER STATISTICS? As described above, the term‘gender’, unlike the biological‘sex’, is understood to mean the socially and culturally influenced gender or‘social gender’. Gender also includes education and socialisation in line with defined gender roles and expectations that society has in respect of women and men. In practice, however, the terms‘gender’ and‘sex’ tend to be frequently mixed up or used synonymously. This may result in confusion and misunderstandings, as these different terms are underpinned by different concepts. The widely used term ‘gender statistics’ needs to be questioned specifically in this respect. In nearly all cases, gender statistics refer to personal data that are collected and evaluated disaggregated by biological sex, i.e. by women and men. The category or variable of‘gender’ with the meaning described above is, as such, very difficult to survey, if at all. 19 Corner, too, considers gender not as a very useful category for defining statistics or statistical variables, as gender aspects can be assessed very differently by different observers. She says:“Gender statistics are disaggregated by sex and not by gender”. 20 The debate as to how far biological sex and social gender have to be deemed identical in data collection and evaluation for pragmatic reasons, such as feasibility, is difficult at times. Döring, for instance, has a rather critical stance towards the argument of using biological sex as a representative of social gender“because most people are socialised in a gender-specific way based on their biological sex, so that surveying the biological sex will already cover social gender by approximation”. In doing so, she perceives the risk that the construction of social gender will ultimately be eliminated after all in sociological research and that biological sex will be used as an explanatory factor even if“in reality, it explains nothing at all”. 21 Corner, on the other hand, points out the close link between sex and gender in everyday life. For her, one of the main reasons for the interest in sex-disaggregated data is its capacity to reveal differences between women and men or girls and boys at a particular point in time, such as their average labour force participation or level of education, that are the result of gender differences in their lives. The lower labour force participation rates of women, she argues, are also the result of women’s different gender roles(women are more likely than men to stay out of the labour force to care for children). 22 A look at Austrian participation and part-time work rates of women and men aged 25 to 49 with and without children seems to corroborate Corner’s premise. The traditional family model with the man as sole breadwinner, which still exists, or its more modern version with women working part-time makes its presence felt very clearly: While participation rates of women and men without children are more or less the same at around 90%, they rise to about 97% for men with children while dropping to some 80% for women with children. Men will thus actually raise their participation rates when they have children. The picture for part-time work rates is even more revealing: For women without children, they are about 30%; for women with children, they increase to more than 70%. With men, on the other hand, the part-time rate, which at about 8% is very low anyway, drops by a further three percentage points when they have children. THE PROBLEM WITH CATEGORISATION AND HETERONORMATIVITY When working with gender-sensitive data, it is always necessary to look at the forming of rigid categories, such as‘women’ and‘men’, with a critical eye. As“cat egories produce beliefs in the existence of homogeneous groups”, they are all the more likely to promote and confirm stereotypes and prejudices relating to groups. 23 Very quickly, a seemingly paradox situation will develop when, in the context of equality and diversity policies, the forming of categories will reinforce differences and stereotypes instead of eliminating or overcoming them. However, in contrast to individual discrimination, structural disadvantages become discernible only when groups are formed and compared to other groups. For this reason, it is inevitable over the medium term to form categories for analysis purposes in an effort to make inequalities visible, to eliminate the differences over the long term and, by doing so, also overcoming the need for categories. Hofmann, for instance, points out that, in spite of all the problems involved in categorisations,“they [fulfil] a major orientation function by reducing com plexity and making action possible in everyday life.” 24 Hanappi-Egger explains that categories are important for analysis purposes. However, this is something that has to be understood and consciously applied – categories“need to be understood as analysis frameworks and 19 cf. Eckstein, Kirstin(2007): 181. 20 Corner, Lorraine(no date): 4. 21 English translation from Döring, Nicola(2013): 104. 22 cf. Corner, Lorraine(no date): 4. 23 cf. Hofmann, Roswitha(2012): 31. 24 English translation from Hofmann, Roswitha(2012): 32. GENDER-SENSITIVE STATISTICS: MAKING LIFE’S REALITIES VISIBLE 41 Participation and part-time rates of women and men aged 25 to 49 with/without children under 15 in Austria since 1995 100 80 60 40 20 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 Participation rate men without children under 15 Participation rate men with children under 15 Participation rate women without children under 15 Participation rate women with children under 15(excl. parental leave) Source: Statistics Austria- labour force survey 2013. Part-time rate men without children under 15 Part-time rate men with children under 15 Part-time rate women without children under 15 Part-time rate women with children under 15(excl. parental leave) not as instructions for action, which would indeed lead to reproduction”. 25 It is crucial to critically examine the categories and their construction and to make transparent what they are: constructions for analysis purposes. This applies also to the frequently inherent assumption of‘heteronormativity’, which basically defines heterosexuality as the norm, thus postulating a binary system of genders. Following along with this premise, there are then exactly two biological sexes, which can be unambiguously distinguished from one another. There is no denying the fact that sex-disaggregated data may corroborate the assumption that there is a binary system of sexes. Nevertheless, they are considered necessary and important. Currently, the methodological problems identified by, among others, Döring are regarded as too difficult to enable the binary assignment of sex in official statistics to be eliminated in practice. What is more, it is questionable whether the number of cases, which may sometimes be rather small, and the conclusions drawn from them will not 25 English translation from Hanappi-Egger, Edeltraud(2012): 196. rather result in stigmatisation, with the negative consequences possibly outweighing the positive effects, such as making diversity visible. Likewise, however, there is no general acceptance for the alternative sometimes proposed from a queer theory perspective, namely to deliberately refrain from capturing data on gender 26 . The risk that this would produce gender blindness and ignorance of the structural discrimination of a large group within society – women – is deemed too high. Gender-competent persons are well aware of these problems. The elimination of discrimination and unequal treatment of transsexual or trans persons and the promotion of a self-determined lifestyle are important objectives – also outside the field of statistics. 27 The current debate in Europe on the potential legal recognition of a third gender and thus a further category and first steps to implement it, at least in part, need to be further monitored – also in other parts of the world. 28 26 cf. Döring, Nicola(2013): 102. 27 cf. the work of the Vienna LGBT anti-discrimination office(Wiener Antidiskriminierungsstelle für gleichgeschlechtliche und transgender Lebensweisen): http:// www.wien.gv.at/menschen/queer/[11/02/2015]. 28 cf. City of Vienna, WASt(2013): 28. 42 STATISTIK JOURNAL WIEN Recent scientific approaches to capturing the category of‘gender’ 1 In 2013, Nicola Döring published an article in which she addresses the problems involved in operationalising sex in sociological questionnaires. Apart from criticising the conventional presentation of the variable‘sex’ with two possible replies(female/male) in a simple poll for sex in questionnaires(single items), she also presents approaches for defining‘gender’ as a category. The fact that sex is captured in questions using single items, in most cases as a dichotomous variable(male or female), fails to meet the criteria of unambiguousness, exclusivity and exhaustiveness, which nominal-scaled variables 2 have to meet under methodology requirements. Using this approach, it does not become unambiguously clear what is to be understood by the category, as it can refer both to biological sex and to social gender. From a queer theory perspective, exclusivity(each person has to fall into one of the manifestations of the variable) is also not achieved, as individuals may define themselves as female and male or neither female nor male. Exhaustiveness(each manifestation of the attribute must be covered) is likewise not fulfilled, as intersex or intergender or transsexual or trans persons cannot find themselves reflected in these categories. Döring refers to insights of gender and queer research according to which both dimensions, i.e. sex and gender, need to take account of more than two manifestations. As an example, she uses sex testing in sports, where several tests performed on one and the same individual may come up with different results. A pragmatic approach would be a semi-open-ended item with three alternative replies to the question for sex or gender (male, female, other, please specify:...). However, potential for criticism also needs to be taken into consideration, for instance the hierarchy inherent in the replies, male first, female next,‘the’ others last, which uncritically reflects existing power relations in society and also symbolically implies marginalisation through the use of the term‘other’. In addition, there is the problem that, while gender-sensitive respondents expect more than two possible reply options, the‘other’ option might be perceived as irritating or provocative by non-sensitised persons. While this may be a deliberate and desirable effect, it may also entail undesirable consequences, such as the ques1 This excursus is based on a summary of the article by Döring, Nicola(2013): Zur Operationalisierung von Geschlecht im Fragebogen: Probleme und Lösungsansätze aus Sicht von Mess-, Umfrage-, Gender- und Queer-Theorie, in: Gender. Zeitschrift für Geschlecht, Kultur und Gesellschaft. 2 Nominal-scaled variables are made measurable based on designations(e.g. religious affiliation). There is no ranking among the manifestations of the attribute. tionnaire being rejected or filled in with nonsensical information. Moreover, it must be ensured that the anonymity of those questioned is safeguarded and individuals are not unintentionally outed. Another issue to be questioned with such an approach is the informational benefit of capturing such data. Given a normal sample size, there will, as a rule, be so few people ticking‘other’ that further evaluations are not possible and these cases will have to be excluded from the analysis. ‘Gender’, too, can be represented not only in a binary manner(i.e. either feminine or masculine gender role), as it is a multi-dimensional construct that also includes gender role behaviour, gender expression or gender-political identity. Accordingly, there are(relatively) time-stable states, but also situation-related states. For this reason, it is very difficult to operationalize the‘social gender’. According to Döring, this, too, should most likely be resolved by means of a semi-openended item or a completely open-ended item(such as“With respect to my gender role, I define myself as....”). Apart from the increased effort needed for evaluation, this will give rise to similar problems as the ones described above. Methodological problems include one-dimensionality, the definition of exhaustive and distinctive items, and potentially also data protection. According to Döring, what is called for is“a differ entiated and explicit survey of social gender in all cases where social gender effects play a role within the context of the research question(justified by theory) and where it is important to avoid reifying gender stereotypes.” 3 In addition, Döring presents the option of capturing(social) gender as a continuous variable using scales. In this scenario, individuals are not asked to assign themselves to either the masculine or feminine categories, but rather where they see themselves situated on a continuum. Several questions have to be asked to determine this position. However, the disadvantage of scales is that they make questionnaires significantly longer(a gender scale will, as a rule, comprise 20 to 60 items). Often, this is regarded as unreasonable for respondents or harbouring the risk that less care will go into making the individual responses. Moreover, there is only a limited number of gender scales available at present and it takes a lot of time and effort to develop new ones. In Döring’s view, the relevant instruments have not been sufficiently developed yet. 3 English translation from Döring, Nicola(2013): 107. GENDER-SENSITIVE STATISTICS: MAKING LIFE’S REALITIES VISIBLE 43 GENDER STATISTICS IS MORE THAN MERE HEADCOUNTING... Among experts, the term gender statistics has become established along with the awareness of the linguistic and conceptual differences actually existing between sex and gender. The general understanding is the comprehensive one discussed above – such as defined by the UN organisations – that a gender perspective is called for in all stages of statistics production. For many experts in this field, a distinction must be made against so-called sex counting or head counting, where existing personal data statistics are merely differentiated by the categories of women and men as defined by biological sex. A more comprehensive view of gender statistics combines findings of women’s studies and gender research with statistics problems, for instance when considering which data to collect and which additional data might be necessary to map the real-life circumstances of women and men in statistics. A well-known, but still important and adequate example is labour force participation of women and men. Were we to apply mere sex counting, this would result in a disaggregated presentation by sex of the numbers of members of the labour force and employed persons and the corresponding ratios. To those with a basic knowledge of equality policies, it will quickly become clear that this is not sufficient to correctly assess the participation rate. What is urgently needed for this purpose are data on working times(full time, part time – in turn broken down by extent – or full-time equivalents). Depending on how the question is formulated, it is also of interest to have data on the quality of paid work(precarious employment, temporary employment, low-pay sector vs. normal employment), distribution of unpaid work or availability of public childcare facilities. The latter is in itself another good example of gender statistics in the widest sense of the term. It is not enough to show the rate of children being cared for, but the data should also be reviewed in terms of opening hours, number of days per year the facility is closed, lunch-hour closure times, etc., to ultimately be able to answer the question whether the available childcare offer enables both parents to work full time. Moreover, a comprehensive understanding of gender statistics also comprises the use of suitable indicators(well-known ones include the glass ceiling index, the dissimilarity index or the Vienna Gender Mainstreaming Syndex 29 ) and the development of new indicators that are relevant to specific demands(cf. Maltschnig et al. and Kiessling in this publication). This is the understanding based on which the City of Vienna has approached the issue of gender statistics.“Gender statistics reflect the living situa tions of women and men“ 30 . A pragmatic approach is used, i.e. differentiating statistics by biological sex – while being well aware of the problems of categorisation and the difference between the sex and gender concepts – while adding further data that will allow informed gender analysis. This makes it possible to identify existing gender differences, to highlight structural and social discrimination and to tailor measures based on this information. Frequently, it is expedient to capture further data, such as age, socio-economic background, migrant background, if any, or level of education. This is the only way to comprehensively reflect the lives of women and men. This intersectionality is also crucial for identifying multi-dimensional discrimination. 31 ‘Women’ and ‘men’ are no homogeneous groups in themselves. Sometimes the differences between women with children and women without children are greater than those between women and men, as shown by the above-mentioned example on labour force participation and part-time work. However, when trying to capture multiple discrimination in statistics, attention must also be paid to keeping the data volume adequately large to be able to draw qualitative and representative conclusions. If this is not possible, such data representations should be eliminated and qualitative research methods be chosen over them. However, this argument must not be used as a pretence for refraining from collecting additional data in these domains. 29 On these indicators, cf. the website of Municipal Department 23“Gender indicators – statistics”: http://www.wien.gv.at/statistik/gender/indikatoren/ index.html[10/01/2014]. 30 English translation from City of Vienna(2011): 17. 31 GenderCompetenceCenter(b). 44 STATISTIK JOURNAL WIEN GENDER-SENSITIVE STATISTICS – NECESSITIES AND CHALLENGES Producing gender-sensitive data, like producing statistics in general, needs to be understood as a dynamic process. Over time, there will be a need for change and innovation as new social phenomena appear, new socio-political topics gain in importance or different political questions present themselves. An example in point would be gender-related statistics on violence(cf. the relevant section in Stephanie Kiessling’s article) or the growth over the past few years in the number of precarious jobs or the so-called working poor, people who, while gainfully employed, still cannot obtain an income above the poverty line. In addition, gender-sensitive statistics are still facing well-known major challenges in terms of methodology, such as the fact that lots of data are captured only on a household level and not differentiated by individuals. Particularly in social statistics, which shed a light on topics such as poverty or distribution of wealth, it is thus only possible to present gender-disaggregated data and conclusions for single-person households, while households consisting of couples or more persons are regarded as a single unit. Distribution of resources or power relations among the household members remain undisclosed, the household acting as a black box. Given this situation, the scope for meaningful gender-sensitive analyses and conclusions is very limited in these sociopolitically highly relevant domains. It is worthwhile in this context to take a look at current research on intra-household distribution of resources(see box below). Research on intra-household distribution of resources A special module of the EU SILC survey 1 2010 for the first time supplied data informing on the distribution of income and on decision-making within households and/or partnerships. Mader et al. evaluated these data and found that, in Austria,(only) 57% of the couples interviewed generally make decisions on expenditure jointly. A closer look at the type of expenditure concerned shows that decision-making in households often follows stereotypical patterns. Women, for instance, are more frequently(solely) in charge of decisions on‘everyday shopping’ and expenditure‘for children living in the household’. It is also interesting 1 The EU SILC survey is a key basis for social statistics in the EU. The survey is conducted annually and provides information on income distribution and living conditions of private households. The abbreviation SILC stands for Statistics on Income and Living Conditions. to note that about a quarter of the couples interviewed disagreed on who is making decisions on expenditure; the responses provided by the partners were thus contradictory. This not only illustrates the new challenges in terms of survey instruments and questionnaire design, but also shows that power relations and distribution within households are a complex topic after all. Mader et al. also arrive at the conclusion that the assumption(frequently made in economics and statistics) that persons living in one household can dispose in equal measure of the available resources has to be refuted based on the results of their SILC data research. In any case, these first insights highlight the need for further surveys and(separate) interviews of individuals living in households and an analysis of the findings in terms of intra-household distribution of resources. Source: Mader, Katharina/Schneebaum, Alyssa/Skina-Tabue, Magdalena/Till-Tenschert, Ursula(2012): Intrahaushaltsverteilung von Ressourcen. Geschlechtsspezifische Verteilung von Einkommen und Entscheidungsmacht, in: Statistische Nachrichten 12/2012, 983–994. GENDER-SENSITIVE STATISTICS: MAKING LIFE’S REALITIES VISIBLE 45 GENDER-SENSITIVE STATISTICS IN THE VIENNA CITY ADMINISTRATION It was mentioned in the introduction how important sex-disaggregated data are for gender mainstreaming in the Vienna City Administration. This applies in equal measure to women- and equality-related research instruments, such as the Equality Monitor, and to the City of Vienna’s income reporting. What is important in all this is the mainstreaming approach: the aim is to collect and evaluate at least personal data disaggregated by sex in all domains and all fields of policy and not just in areas where gender differences are either already known or assumed to exist. Where these differences are is not always apparent right away. What is more, user statistics and target indicators are required on an annual basis for the mandatory gender budgeting reports. Experience has shown that it is not always possible to develop high-quality equality indicators and supply data immediately and readily. However, it is crucial to take these issues seriously and direct efforts this way. What is important in this context is that experts have at least fundamental knowledge of each other’s domains and engage in a regular exchange. Thus, statisticians and data experts in the various departments need to be aware of the social impact of gender as a structural attribute in order to understand the demand for gender-disaggregated data and gender-sensitive statistics. Fundamental knowledge of equality matters is also helpful when it comes to creating and analysing statistics, such as the unequal distribution of paid and unpaid work and the importance of childcare facilities. In turn, equality and gender experts within the administration should have at least a minimum of knowledge about statistical methods and analyses to be able to generate(the right) information for decisionmaking from the data. It is also expedient to be able to categorise different data sources and understand, for instance, the different results produced by indicators, such as the many conclusions on‘the’ gender pay gap(see box next page). 32 Ultimately, it is necessary to have a continuous exchange going on at all relevant levels – politicians, administration executives, academics, experts and statisticians – in order to highlight the need for and requirements of(gender-sensitive) statistics, discuss various possibilities and supply the corresponding data 33 . In conclusion, it should be underlined that gendersensitive data and gender statistics are not an end in themselves. The overarching aim must be to jointly find suitable data and indicators that will show the political leadership and the administration where to make adjustments to enable change in society for the better, such as a reduction of inequalities and inequities. 34 32 cf. also: Hedman, Brigitta et al.(1996): 6. 33 cf. also Fürst, Ernst(2013): 27 and Jary(2013): 46. 34 cf. Jary, Karin(2013): ibid. 46 STATISTIK JOURNAL WIEN ‘THE’ gender pay gap The gender pay gap is probably one of the most wellknown indicators from the field of gender-sensitive statistics. In most cases, it is computed as follows: () income(women) income (men) –1 * 100 The result is a percentage value. The conclusion to be drawn is: women earn X% less(or more) than men. The extent of the pay gap depends on the different assessment bases and the data sources used. This is why there is no ONE pay gap in Austria. For one thing, it makes a difference whether you compare hourly, monthly or annual pay. Then there is the question of who is going to be included in the computations: All employees? Or only those who work full time? Frequently, the population will be persons in full-year full-time employment, in an effort to avoid distortions from part-time and seasonal employment. With this approach, however, it has to be taken into consideration that a large part of women will not be included or that attributes that structurally disadvantage women will be excluded. Other differences may result from the different views on median or average income or on whether place of residence or place of work is used as a factor or whether gross or net income is to be compared. The key data sources for the City of Vienna are the structure of earnings survey conducted by Statistics Austria as well as administrative data(wage tax statistics, Main Association of the Austrian Social Security Organisations). The gender pay gap determined depends on the data source used, the underlying earned income concept and the computation models(see table). Gender pay differences in Vienna – a comparison(2010) Average gross annual earnings(wage tax statistics) Employees Employees: full-year full-time Monthly income subject to social security contributions (Main Association of the Austrian Social Security Organisations) Employees: Arithmetic mean Employees: Median Gross hourly pay excl. overtime, median(Statistics Austria) Employees Employees: full-time 26.3% 20.0% 19.8% 21.9% 16.3% 14.7% Sources: Statistics Austria, Main Association of the Austrian Social Security Organisations; computed by Municipal Department 23. Note: The pay gap was computed as the difference in per cent between the earnings of women and the earnings of men, based on the earnings of men. 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GENDER-SENSITIVE STATISTICS: MAKING LIFE’S REALITIES VISIBLE 49 CREDITS Owned and published by Vienna City Administration Municipal Department 23 – Economic Affairs, Labour and Statistics Responsible for the contents: Klemens Himpele Editorial office Office for Economic Affairs/ Dezernat Wirtschaft Register Coordination, Data Management and Provincial Statistics Unit/ Stabsstelle Registerkoordination, Datenmanagement und Landesstatistik Meiereistraße 7, Sektor B, A-1020 Vienna Phone:+43-1-4000-83059 post@ma23.wien.gv.at http://www.wien.gv.at/kontakte/ma23 Editors Gustav Lebhart Edith Waltner Peter Wieser Design, production, setting MEDIAPROJECTS. Gernot Steindorfer A-7061 Trausdorf an der Wulka Pictures and illustrations Cover:© Wiener Linien, Johannes Zinner Contents Statistical analyses relating to the City of Vienna. Legal information All data, charts, diagrams, pictures, etc. in this publication are copyrighted. Disclaimer: We do not assume any liability for the correctness, completeness and timeliness of the content. The publication or any part of it may be reproduced only when the source is clearly stated. ISBN 978-3-901945-20-5 Publication date: 9/2014(German print version), 8/2015(English online version). ISBN 978-3-901945-20-5 150 F JAHRE EST STATISTIK SCH WIEN RIFT statistik  journal wien 1/2013 150 Jahre Statistik Wien Amtliche Statistik im Wandel MA 23 – Wirtschaft, Arbeit und Statistik statistik journal wien 1/2013 150 Jahre Statistik Wien Amtliche Statistik im Wandel VORWORT Im Jahr 2012 blickte die amtliche Statistik in Wien auf eine 150-jährige Geschichte zurück. In der Gemeinderatssitzung vom 18. Februar 1862 wurde dem Gemeinderat berichtet, dass für ein Jahr ein statistisches Bureau der Stadt Wien errichtet werden soll und„statistische  Daten über alle für das Gemeindeleben der Stadt Wien bedeutsamen Zustände und Verhält­ nisse zu sammeln, zu ordnen und zu übersichtlichen Darstellungen zu verarbeiten, ...“ sind. Das thematische Arbeitsprogramm hat sich seit 150 Jahren kaum verändert. Die metho­ disch-technischen Anforderungen an die heutige amtliche Statistik waren und sind durch die Entwicklungen auf dem Gebiet der Informations- und Kommunikationstechnologie ständig im Wandel. Zudem gewinnen Verwaltungsdaten für die amtliche Statistik immer mehr an Bedeutung. Aber auch die statistischen Methoden wurden im Laufe der Zeit wei­ ter verfeinert, und das Arbeitsprogramm laufend an die sich ändernden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse angepasst. Die MA 23 – Wirtschaft, Arbeit und Statistik hat die Rolle der Statistik in der Verwaltung zum Thema einer Veranstaltung zum 150-jährigen Jubiläum der amtlichen Statistik in Wien gemacht. Am 13. November 2012 fand im Wiener Rathaus die Tagung zum Thema„150 Jahre Statistik Wien – Amtliche Statistik im Wandel: Fragen – Erkenntnisse – Herausfor­ derungen“ statt, bei dem Expertinnen und Experten aus den Bereichen Verwaltung, Wirt­ schaft und Wissenschaft miteinander über die Zukunft der amtlichen Statistik aus ihrer Perspektive referierten bzw. diskutierten. Die vorliegende Schrift zum 150. Geburtstag des Statistischen Amtes dokumentiert an­ hand der Vorträge der Referentinnen und Referenten bei der Tagung die Aufgabenfelder der amtlichen Statistik und statistischen Methodik im Wandel der Zeiten und skizziert zentrale Herausforderungen in Gegenwart und Zukunft. Darüber hinaus wurden alle Dienststellen des Magistrats eingeladen uns ihre Berührungspunkte mit der Statistik bzw. ihre Zusam­ menarbeit mit der MA 23 darzulegen. Die MA 23 – Wirtschaft, Arbeit und Statistik bedankt sich recht herzlich bei den ReferentIn­ nen und DiskutantInnen sowie bei den zahlreichen Gästen, die die Tagung gestaltet bzw. mitgetragen haben. Mag. Dr. Gustav Lebhart Leiter Landesstatistik Wien Dipl.-Vw. Klemens Himpele Leiter der Magistratsabteilung 23 INHALT Vorwort 4 ................................................................................... STATISTIK IN POLITIK UND VERWALTUNG, BEGRÜSSUNGSANSPRACHEN Mag. a Renate Brauner, Vizebürgermeisterin .............................................. 6 Dr. Erich Hechtner, Magistratsdirektor der Stadt Wien .................................... 8 Dipl.-Vw. Klemens Himpele, Leiter der Magistratsabteilung 23 ........................... 9 AMTLICHE STATISTIK IN ÖSTERREICH – KONTINUITÄT IM WANDEL REFERATE ZUR FACHTAGUNG – TEIL 1 Statistik in Österreich und Europa – Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft, Konrad Pesendorfer ............................................ 12 Statistische Methodik im Wandel der Zeit, Marcus Hudec ................................ 18 Landesstatistik im Fokus – zwischen Verwaltung und Dienstleistung, Ernst Fürst ........ 24 Diener zweier Herren? Aufgabenfelder der Wiener Kommunalstatistik im Wandel der Zeiten, Andreas Weigl .................................................... 28 STATISTIK IN DER VERWALTUNG – KONTINUITÄT IM WANDEL REFERATE ZUR FACHTAGUNG – TEIL 2 Wirtschaft und Arbeit – Herausforderungen an die Statistik, Klemens Himpele .......... 34 Quo vadis, Statistik Wien? Datenmanagement und Registernutzung im 21. Jahrhundert, Gustav Lebhart ..................................................... 38 ViennaGIS® – Grundlage für räumliche Statistik, Wolfgang Jörg ......................... 42 ZAHLEN ZÄHLEN. Über die Bedeutung von Zahlen, Daten und Fakten in der Verwaltungssteuerung, Karin Jary ................................................. 44 STATISTIK IM MAGISTRAT, BEITRÄGE VON DIENSTSTELLEN Magistratsabteilung 5 – Finanzwesen, Richard Neidinger ................................ 48 Magistratsabteilung 7 – Kultur, Bernhard Denscher ...................................... 50 Magistratsabteilung 10 – Wiener Kindergärten, Daniela Cochlar ......................... 52 Magistratsabteilung 18 – Stadtentwicklung und Stadtplanung, Thomas Madreiter und Johannes Gielge ................................................. 54 Magistratsabteilung 19 – Architektur und Stadtgestaltung, Franz Kobermaier ........... 56 Magistratsabteilung 22 – Umweltschutz, Karin Büchl-Krammerstätter und Silvia Kubu .. 58 Magistratsabteilung 25 – Stadterneuerung und Prüfstelle für Wohnhäuser, Bernhard Jarolim und Renate Kapelari ................................................... 60 Magistratsabteilung 49 – Forstamt und Landwirtschaftsbetrieb der Stadt Wien, Andreas Januskovecz 62 .................................................................... Magistratsabteilung 53 – Presse- und Informationsdienst, Oliver Stribl .................. 64 Magistratsabteilung 56 – Wiener Schulen, Robert Oppenauer ........................... 66 Magistratsabteilung 59 – Marktamt, Adelheid Sagmeister ............................... 68 Magistratsabteilung 60 – Veterinärdienste und Tierschutz, Walter Reisp ................. 70 Dienststellenbeschreibung .............................................................. 72 Impressum 73 .............................................................................. STATISTIK IN POLITIK UND VERWALTUNG BEGRÜSSUNGSANSPRACHEN 6 STATISTIK JOURNAL WIEN Mag. a Renate Brauner Vizebürgermeisterin Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kol­ leginnen, liebe Kollegen! Ich freue mich sehr, Sie heute zur Tagung „150 Jahre amtliche Statistik in Wien“ be­ grüßen zu dürfen. Die Aufgaben der amtlichen Statistik haben sich in den letzten 150 Jahren kaum verän­ dert, wohl aber die Zugänge und Methoden, welche immer weiter verfeinert und perfek­ tioniert wurden. Solides Wissen und valide Zahlen helfen dabei, erfolgreich für Wien zu arbeiten, um unter den Herausforderungen, die sicherlich auch in den nächsten Jahren nicht kleiner werden, die hohe Lebensquali­ tät für alle Wienerinnen und Wiener aufrecht zu erhalten und weiter zu verbessern. Gleich geblieben ist über die Jahre da­ her die hohe Bedeutung der Statistik als Grundlage für politische Entscheidungen, deren Rahmenbedingungen sich im Laufe der Zeit allerdings verändert haben. Die Entwicklung hin zur Informations- und Wissensgesellschaft zieht einen steigen­ den Bedarf an aktuellen und gesicherten Informationen nach sich. Diese Informa­ tionen werden nicht nur von der Politik, sondern auch von Zivilgesellschaft, Ver­ waltung und Wirtschaft genutzt: Stichworte der zunehmenden Informationsbereitstel­ lung sind die Begriffe„Open Government Data“ und„transparente Verwaltung“. Wozu dient nun die Statistik? • Welche Infrastruktur müssen wir planen? • Welche Bildungseinrichtungen werden benötigt? • Wie viele Plätze in Altersheimen braucht Wien? Die Bevölkerungsdaten sind darüber hin­ aus die Grundlage für den Finanzausgleich der Bundesländer und sie sind unverzicht­ bar bei der Durchführung von Wahlen. Um umweltpolitisch agieren zu können bedarf es messbarer Daten zum Ver­ brauch – auch von Flächen, zur Wasser­ versorgung, zur Mobilität, zur Energiever­ sorgung usw. Auf politischer Ebene sind derzeit Daten der Pendlerstatistik und Verkehrsdaten zentrales Gesprächsthema. Für sozialpolitische Maßnahmen benötigt die Politik Informationen über die Vertei­ lung von Einkommen und Vermögen, über die Anzahl und Zusammensetzung der Bezieherinnen und Bezieher von sozialen Transferleistungen und über die Gründe für den Bezug dieser Leistungen. Um wirtschaftspolitisch effektiv steuern zu können benötigt man wiederum Daten über die konjunkturelle Entwicklung, regi­ onalisierte Daten der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, Daten über Beschäfti­ gung und Löhne, die Preisentwicklung, zur Produktionsstruktur, sowie erneut Vertei­ lungsdaten. Bevölkerungs-, Wanderungs-, Geburts- und Sterbedaten bilden die Grundlage für de­ mografische Prognosen. Diese sind unab­ dingbar für die Stadtplanung und können zum Beispiel Antworten auf folgende Fra­ gen geben: • Wie viele Plätze zur Kinderbetreuung brauchen wir? • Welche Anstrengungen im Wohnungs­ bau sind notwendig? Schließich bieten Daten über Steuerein­ nahmen oder die Staatsverschuldung Grundlage für finanz- und wirtschaftspoli­ tische Entscheidungen. Diese Liste ließe sich fortsetzen, sie macht die zentrale Bedeutung der Statistik als Informationsquelle jedoch deutlich, stam­ men die Informationen doch überwiegend aus Daten der amtlichen Statistik. Dabei gibt es eine über viele Jahre bewährte Ar­ 150 JAHRE STATISTIK WIEN| BEGRÜSSUNGSANSPRACHEN 7 beitsteilung zwischen der Bundesebene – Statistik Austria – und der Gemeindeebe­ ne, der Statistik Wien. So werden die Daten für den Verbraucher­ preisindex durch die MA 23 erhoben(und an Statistik Austria übermittelt), ebenso – und hier freuen die aktuellen Daten die Vi­ zebürgermeisterin als Präsidentin des Tou­ rismusverbandes besonders – die Daten für die Nächtigungsstatistiken aller Wiener Beherbergungsbetriebe. Mit der Erhebung, Systematisierung und Veröffentlichung von statistischen Daten ist es jedoch nicht getan. Vielmehr gilt es, die Daten so aufzubereiten, dass sie eine brauchbare Entscheidungsgrundlage für die Politik bilden, und gestützt auf wissen­ schaftliche Erkenntnisse politische Ent­ scheidungen getroffen werden können. Die Gründung der neuen Magistratsabtei­ lung 23 hat ihre Bedeutung genau darin, in diesem Bereich noch besser zu werden und Datenaggregierung und ihre Analyse in Zukunft noch besser zu bündeln sowie Informationen noch zielgerichteter und kleinteiliger zur Verfügung zu stellen. Davon profitieren die Entscheidungsträ­ gerInnen in dieser Stadt, die Politik und Fachabteilungen, davon profitieren aber auch die Wienerinnen und Wiener. Ich wünsche Ihnen allen befruchtende und lebendige Vorträge und Diskussionen! 8 STATISTIK JOURNAL WIEN Dr. Erich Hechtner Magistratsdirektor der Stadt Wien Sehr geehrte Frau Vizebürgermeisterin, meine sehr geehrten Damen und Herren! Statistiken wird nicht selten mit einem ge­ wissen Misstrauen begegnet. Wer kennt nicht den berühmten Satz, dass keiner Sta­ tistik zu trauen sei, die man nicht selbst ge­ fälscht hat. Tatsächlich kommen aber keine moderne Gesellschaft, kein Staat, kein gro­ ßes Unternehmen und selbstverständlich keine Stadtverwaltung ohne umfassendes statistisches Datenmaterial aus. Statistik bildet eine völlig unverzichtbare Grundlage für strategische Planungen ebenso wie für viele operative Entscheidungen. Deshalb ist es so wichtig, über seriöse und verläss­ liche Daten zu verfügen, diese auf hohem methodischem Standard auszuwerten und für die NutzerInnen in adäquater Form auf­ zubereiten. Es geht um Qualitätssicherung, die vor dem Hintergrund sich ändernder Rahmenbedingungen und rasanter tech­ nologischer Entwicklungen eine ständige Herausforderung darstellt. Statistik ist in einer offenen demokratischen Gesellschaft keine Geheimwissenschaft. Die heutigen Informations- und Kommunikati­ onstechnologien machen es möglich, riesi­ ge Datenmengen so zugänglich zu machen, dass sich die interessierte Öffentlichkeit die für sie wichtigen Informationen punktgenau abholen kann. Eine Grenze muss hier selbst­ verständlich der Datenschutz ziehen. Mit der Open Government Initiative legt die Stadt Wien ihr Datenmaterial aber so weit wie mög­ lich offen. Damit entsteht für die Gesellschaft die Möglichkeit, aus und mit diesen Daten neue Anwendungen und neuen Nutzen zu kreieren. Wie zahlreiche Beispiele zeigen, ge­ schieht dies auch. Wien hat für diese Initiati­ ve international Anerkennung gefunden. Die Statistik Wien befindet sich auf hohem Ni­ veau und auf einem guten Kurs. 150 Jahre sind eine lange Geschichte und ein guter Grund, in festlichem Rahmen eine Standortbestimmung vorzunehmen. Dafür viel Erfolg und herzlichen Glückwunsch zum stolzen Jubiläum! 150 JAHRE STATISTIK WIEN| BEGRÜSSUNGSANSPRACHEN 9 Dipl.-Vw. Klemens Himpele Leiter der Magistratsabteilung 23 Sehr geehrte Frau Vizebürgermeisterin, sehr geehrter Herr Magistratsdirektor, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen! 150 Jahre Statistik Wien – schon diese Kontinuität der amtlichen Statistik macht ihre zentrale Bedeutung sichtbar. Seit der Einrichtung eines„Provisorischen Hilfsam­ tes der Gemeinde“ im Jahr 1862 gab es die amtliche Statistik in Wien – als Nebenamt, als Department, als Referat und als Magist­ ratsabteilung. Die Aufgaben der amtlichen Statistik haben sich in den letzten 150 Jahren nicht so sehr verändert – die techni­ schen und methodischen Herausforderun­ gen hingegen schon. Einerseits haben die neuen technischen Möglichkeiten – man denke nur an die Revolution der Informa­ tions- und Kommunikationstechnologie in den vergangenen zwanzig Jahren – vieles verändert, andererseits wurden auch die statistischen Methoden immer weiter ver­ feinert. Zudem haben sich auch die Frage­ stellungen der Gesellschaft in den vergan­ genen 150 Jahren weiterentwickelt. Die „amtliche Statistik im Wandel“ ist daher auch der Titel der heutigen Tagung, zu der auch ich Sie herzlich begrüßen darf. Frau Vizebürgermeisterin Brauner und Herr Magistratsdirektor Dr. Hechtner haben in ihren Grußworten bereits die Bedeutung der Statistik als Informationslieferantin für die Verwaltung und für die Politik he­ rausgestrichen. Mit diesen Themen wer­ den wir uns heute noch vertiefend ausei­ nandersetzen. Frau Vizebürgermeisterin Brauner hat in ihrer Begrüßungsrede auch deutlich gemacht, dass die Daten der Sta­ tistik im Bereich Wirtschaft und Arbeit un­ erlässlich sind. Schon an dieser Stelle soll gesagt sein, dass die seit 1. Jänner 2012 bestehende Magistratsabteilung 23 – Wirt­ schaft, Arbeit und Statistik genau diese Themen vereint und die Synergien in den Bereichen nutzen wird, um die Entschei­ dungsgrundlagen für Verwaltung und Poli­ tik weiter zu optimieren. Statistik – und das sage ich vor einem Pu­ blikum, in dem zahlreiche Statistikerinnen und Statistiker sitzen – ist bei vielen nicht sonderlich beliebt. Die zahlreichen mehr oder weniger originellen Zitate zur Statistik sind Legende – am bekanntesten dürfte ein Zitat sein, das – wohl fälschlicher Wei­ se – Winston Churchill zugeschrieben wird: „Traue  keiner  Statistik,  die  Du  nicht  selbst  gefälscht hast.“ Die„Beliebtheit“ der Statistik zeigt sich auch bei zahlreichen Studiengängen. Ich erinnere mich gerne an mein Studium der Volkswirtschaftslehre an der Universität zu Köln. Dieses Studium umfasste auch zwei Statistik-Vorlesungen, darüber hinaus spielte Statistik auch in anderen Fächern – etwa bei der Volkswirtschaftlichen Ge­ samtrechnung – eine Rolle. Unter den Stu­ dierenden galten diese Fächer als trocken, die Mehrheit der Studierenden machte die Prüfungen eher aus Pflicht denn als Kür und war froh, wenn es vorbei war. Sicher­ lich, die Materie ist mitunter schwierig und man muss sich diesen Herausforderungen auch stellen wollen. Und ganz zweifels­ ohne ist eine solide Methodenausbildung für Volkswirte unerlässlich – hier sind die Studierenden gefordert. Aber auch die Sta­ tistik-Lehrenden selbst sind hier gefordert. Messkonzepte, statistische Methoden – all das kann wunderbar praxisnah gelernt und gelehrt werden. Die amtliche Statistik stellt hierfür eine ganze Reihe an Daten zur Verfügung. Mein Eindruck war seinerzeit jedoch, dass die Ausbildung darauf oft nicht ausgelegt war, und die methodische Eleganz wichtiger war als die praktische Relevanz. Im Allgemeinen Statistischen Ar­ chiv fand vor einiger Zeit genau zu dieser Frage eine Debatte statt, losgetreten von Professor Peter von der Lippe und Dr. Sybil­ le Schmerbach. Sie haben das mit Blick auf die Statistik-Ausbildung von ÖkonomInnen wie folgt formuliert:„Wir halten den einge­ schlagenen  Weg,  Statistik  als  bloße  Re­ chenkunst und Mathematik ohne Bezug zur  Ökonomie  zu  präsentieren (…)  für  falsch.“ 10 STATISTIK JOURNAL WIEN Die Kritik der beiden zielt darauf, dass sich gute und schlechte Statistik in der Regel nicht dadurch unterscheidet, ob sie richtig gerechnet ist – das ist eine Grundvoraus­ setzung – sondern„womit(mit welchen Da­ ten?), wofür und mit welchen Ergebnissen (Bewertung ihrer Aussagefähigkeit) man statistische Berechnungen anstellt.“ Mir ist durchaus bewusst, dass die Ent­ wicklung statistischer Konzepte weit über die angewandte Statistik hinausgehen muss. Das Plädoyer von von der Lippe und Schmerbach zielte auch auf die Ausbil­ dung von Wirtschaftswissenschaftlerinnen und Wirtschaftswissenschaftlern. Und hier ist eine Zusammenarbeit der amtlichen Statistik als zentrale Datenlieferantin und der Wissenschaft sinnvoll und hilfreich Sehr geehrte Damen und Herren, Sie alle kennen die Bedeutung der Statistik. Man kann nützliche und interessante Infor­ mationen gewinnen, Verwaltungskosten reduzieren – Stichwort: Registerzählung und Stichprobenmethoden – und Ent­ scheidungsgrundlagen schaffen. Mit Sta­ tistiken können Ranglisten erstellt werden, so dass man auch weiß, warum Menschen so gerne in Wien leben. So hat UN-Habitat, das Programm der Vereinten Nationen für menschliche Siedlungen gerade festge­ stellt, dass Wien den höchsten City Produc­ tivity Index hat, auch andere statistische(!) Veröffentlichungen belegen regelmäßig die hohe Lebensqualität in Wien. Und sie zei­ gen uns auf, wo wir noch besser werden können. Auch das ist eine Anwendung von Statistiken. Die Herausforderungen vor denen die amtli­ che Statistik steht, sind vielfältig: Der Infor­ mationsbedarf steigt, die Datenmenge und die Geschwindigkeit der Datenverarbeitung nehmen kontinuierlich zu. Die amtliche Statistik ist gefordert, ihre hohen Qualitäts­ maßstäbe weiter zu entwickeln, Daten zeit­ nah und kleinteilig zur Verfügung zu stellen und Politik, Verwaltung und interessierten BürgerInnen zugänglich zu machen. Bei Fra­ gen der Analyse, der Auswertung, der Fest­ legung statistischer Methoden usw. ist die Magistratsabteilung 23 Dienstleisterin für andere Verwaltungsstellen. Ich darf mich bei allen, die die heutige Ver­ anstaltung ermöglicht haben, herzlich be­ danken. Dazu gehören die Referentinnen und Referenten des heutigen Tages, dazu gehören Sie alle hier im Publikum und dazu gehören die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Magistratsabteilung 23. Stellvertretend hierfür darf ich mich bei Dr. Lebhart bedanken, der viel Arbeit in den heutigen Tag investiert hat. Ich wünsche Ihnen und mir eine erkennt­ nisreiche und spannende Tagung. AMTLICHE STATISTIK IN ÖSTERREICH – KONTINUITÄT IM WANDEL REFERATE ZUR FACHTAGUNG – TEIL 1 AMTLICHE STATISTIK IN ÖSTERREICH – KONTINUITÄT IM WANDEL STATISTIK IN ÖSTERREICH UND EUROPA – HERAUSFORDERUNGEN DER GEGENWART UND ZUKUNFT 12 STATISTIK JOURNAL WIEN Statistik in Österreich und Europa – Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft Dr. Konrad Pesendorfer, Bundesanstalt Statistik Austria, Generaldirektion Die Bundesstatistik und die Landessta­ tistik sind in Österreich durch eine enge und freundschaftliche Kooperation ver­ bunden – dies zeigt sich nicht nur in der Geschichtsbetrachtung, die heute Thema und Anlass dieser Veranstaltung ist, son­ dern vor allem durch die alltägliche Praxis. Bundes- und Landesstatistik sind in vieler­ lei Hinsicht komplementär und decken in einer klaren organisatorischen Aufgaben­ zuordnung in Österreich somit ein statis­ tisches Spektrum ab, das sowohl Breite, als auch inhaltliche und regionale Tiefe ermöglicht. die Verbindungen mehrerer Dimensionen im Auge zu behalten: • Kein Europa ist ohne dessen Regionen denkbar, • keine Zukunft lässt sich ohne ein Ver­ ständnis für die Vergangenheit gestalten. Oder, um es mit Winston Churchill zu sa­ gen:„Je  weiter  man  zurückblicken  kann,  desto weiter wird man vorausschauen.“ Entstehungsgeschichte amtlicher Statistik in Österreich Es freut mich daher besonders, dass ich stellvertretend für die Bundesstatistik unseren Freunden der Statistik der Stadt Wien heute herzliche Glückwünsche zum 150. Geburtstag übermitteln darf. Da un­ sere Bevölkerungsprognosen ein ständig steigendes Lebensalter in verbessertem Gesundheitszustand voraussagen, sehe ich natürlich auch für die Statistik Wien nach 150 erfolgreichen Jahren eine rosige Zukunft voraus. Ich habe bei der Wahl des Vortragstitels für die heutige Veranstaltung bewusst ver­ sucht, eine zukunftsträchtige Note beizu­ mischen, weil sich bei aller Wertschätzung des bereits Erreichten unsere Aufmerksam­ keit und Energie, auch bei einem Festakt wie dem heutigen, auf die Herausforderun­ gen der Zukunft konzentrieren muss. Ein zweiter Aspekt, den ich meinen Ausfüh­ rungen voranstellen möchte, ist, dass es heute nicht mehr möglich ist, die Heraus­ forderungen einer Landes- oder Bundes­ statistik zu besprechen, ohne dabei die Europäische Dimension mit zu behandeln. Gleichzeitig wäre es kurzsichtig, Europäi­ sche Statistiken machen zu wollen, ohne dabei den Bedarf an Detailinformation über kleinräumige regionale Entwicklun­ gen zu berücksichtigen. Die Komplexität der Herausforderung liegt daher, sowohl in zeitlicher als auch in regionaler Hinsicht Die amtliche Bundesstatistik nimmt in Österreich ihren – vorerst noch zögerli­ chen – Anfang mit einem Kabinettsschrei­ ben aus dem Jahr 1829 von Kaiser Franz I. an Freiherrn von Baldacci, seinerseits Präsident des Generalrechnungsdirekto­ riums. Franz I. leitet dieses Scheiben mit den Worten ein:„Es  bestand  der  Antrag,  eine topographisch­statistische Anstalt in  meinem  Staatsrate  zu  errichten.  Mehrere  Gründe bestimmen Mich aber, diesem An­ trage keine Folge zu geben.“ Gleichzeitig anerkennt Franz I. aber, dass es„…für die  Zwecke  der  Verwaltung  ein  Bedürfnis  ist,  dass  die  tatsächlichen  Grundlagen  und  die  Ergebnisse  aller  Verwaltungszweige  gesammelt,  nach  richtigen  und  klaren  Einteilungsprinzipien  zusammengestellt,  und von Jahr zu Jahr nach den eingetrete­ nen Veränderungen  berichtiget,  erweitert  und benützbar gemacht werden.“ Franz I. überlässt die Umsetzung dieses Auftrags weitgehend Freiherrn von Baldacci, nennt aber drei Bedingungen: 1. Es dürfen keine zusätzlichen Perso­ nalanstellungen erfolgen, 2. es sollen keine Erhebungen veranlasst werden, die mit Aufsehen verbunden wären, 3. die Statistiken sollen nur einem kleinen Kreis von berechtigten Behörden oder Personen zugänglich gemacht werden. 150 JAHRE STATISTIK WIEN| REFERATE ZUR FACHTAGUNG – TEIL 1 13 1840 wird unter Ferdinand I. mit der k.k. Di­ rektion der Administrativen Statistik erst­ mals eine eigene Behörde„zur Sammlung,  Prüfung  und  materiellen  Zusammenstel­ lung  der  statistischen  Daten“ geschaffen. Unter dem legendären Leiter des statisti­ schen Amtes, Carl Freiherr von Czoernig konnte dann nicht nur das Erhebungsfeld von reinen Informationen von Verwaltungs­ behörden auf Befragungen im Bereich der Industrie und Landwirtschaft ausgeweitet, sondern auch zunehmend die Ablehnung des Kaisers gegen die Veröffentlichung der statistischen Tafel überwunden werden. 1848 konnten dann die bisher als Staats­ geheimnis geltenden Daten weitgehend veröffentlicht werden. bereits damals zu den Zielsetzungen der amtlichen Statistik zählte. Dazu kommen heute noch die Grundsätze • der Objektivität und Unparteilichkeit • die Entlastung der Auskunftspflichtigen und • die Vertraulichkeit von personenbezoge­ nen Daten. Diese Zielsetzungen und Grundsätze sind nicht isoliert zu betrachten, sondern ste­ hen im Einklang mit den Prinzipien des Code of Practice des Europäischen Sta­ tistischen Systems, der neben den Qua­ litätsgrundsätzen und Grundsätzen der Wirtschaftlichkeit vor allen jene der institu­ tionellen Unabhängigkeit hochhält. Ein nächster wichtiger Schritt der amt­ lichen Statistik bestand in der 1863 er­ folgten Gründung der k.k. Statistischen Zentralkommission. Durch die Besetzung der Statistischen Zentralkommission mit hohen Ministerialbeamten gelang die Verbindung zwischen Verwaltung und Statistik, Vertreter aus Wissenschaft und Praxis konnten der Kommission als Ex­ perten beigezogen werden. Neben das Prinzip der Veröffentlichung trat auch das Prinzip der Einheitlichkeit und der Vollständigkeit der Verwaltungsstatistik. Freiherr von Czoernig, der auch erster Vorsitzender der Statistischen Zentral­ kommission war, versuchte, die Qualität der Statistik durch die Heranbildung qua­ lifizierten Personals und die Abhaltung von Kursen zu verbessern. Grundsätze amtlicher Statistik Dieser Blick auf die Entstehungsgeschichte der amtlichen Statistik zeigt, dass die Grund­ sätze, die wir heute in unserem Bundessta­ tistikgesetz verankert haben, nämlich • das Veröffentlichungsprinzip, das heute zu einem wichtigen Gebot der amtlichen Statistik wurde, • das ständige Bestreben nach Qualitäts­ verbesserung, dem auch die Einhaltung international anerkannter wissenschaft­ licher Standards zuzuordnen ist, • die hohe Aktualität der Statistik Veränderungen im Umfeld Während die Zielsetzungen, die sich wäh­ rend und nach der Entstehungsgeschich­ te der amtlichen Statistik herausgebildet hatten, zunehmend zu einem stabilen Be­ standteil statistischen Schaffens geworden sind, hat sich das Umfeld für die statisti­ sche Praxis in der jüngeren Vergangenheit teils radikal verändert. Mit dem EU-Beitritt 1995 musste zuneh­ mend das statistische Lieferprogramm der Europäischen Union übernommen werden. Heute besteht das Arbeitsprogramm von Statistik Austria zu mehr als 90% aus An­ forderungen, die in Europäischen Rechts­ grundlagen verpflichtend vorgeschrieben werden. Dieser Zwang zur statistischen Erfassung weitreichender Phänomene un­ serer Gesellschaft hat nicht nur Entschei­ dungsträger mit Daten und Fakten über un­ ser Land konfrontiert und ermöglicht eine faktenbasierte Entscheidungsgrundlage; Mit europäisch harmonisierten Statistiken wird auch ein internationaler Vergleich, sog.„benchmarking“, mit anderen EU-Mit­ gliedsstaaten möglich. Die Ausgliederung der Bundesanstalt und die Schaffung einer neuen Rechtsgrundla­ ge mit dem Bundesstatistikgesetz im Jahr 2000 verankerte nicht nur die Unabhän­ gigkeit von Statistik Austria, sondern traf auch für die Finanzierung der Arbeiten Vor­ „Gewiss lässt sich die Welt nicht  allein mit Zahlen beschreiben.  Zahlen machen unsere Welt aber  begreifbar.“ STATISTISCHES BUNDESAMT  DEUTSCHLAND 14 STATISTIK JOURNAL WIEN Modern statisticians are familiar  with the notion that any finite  body of data contains only a  limited amount of information on  any point under examination; that  this limit is set by the nature of  the data themselves, and can­ not be increased by any amount  of ingenuity expended in their  statistical examination: that the  statistician‘s task, in fact, is limited  to the extraction of the whole of  the available information on any  particular issue.  R. A. FISHER sorge und ist über Aufsichtsgremien wie Sta­ tistik- und Wirtschaftsrat um eine enge Ver­ bindung zwischen amtlicher Bundesstatistik und Verwaltung und Wissenschaft bemüht. Über ein breites Angebot von veröffentlich­ ten statistischen Ergebnissen und dazugehö­ renden Metadaten sowie die Interaktion mit einer breiten Fachöffentlichkeit in insgesamt 15 Fachbeiräten ist für die breite Nutzbarma­ chung von Statistiken in Österreich gesorgt. 1. Herausforderungen in Bezug auf die Relevanz von Statistiken 2. Die Anforderungen und Weiterentwick­ lungen der Qualität von Statistiken 3. Herausforderungen in Bezug auf inte­ griertere Produktionsmethoden von Statistiken 4. Institutionelle Herausforderungen 1. Relevanz von Statistiken Wesentliche Veränderungen im Umfeld von Statistiken, sowohl auf europäischer, als auch auf nationaler und in letzter Kon­ sequenz auf regionaler Ebene, gehen von der derzeitigen Wirtschafts- und Finanzkri­ se aus. Da die Krise zunehmend zu einer Staatsschuldenkrise wurde, rücken Statis­ tiken zu den öffentlichen Finanzen immer mehr in den Mittelpunkt des Interesses. Die Einhaltung der Maastricht-Regeln lässt immer weniger Interpretationsspielräume offen, während die Finanzlage auf allen Ebenen der Verwaltung immer enger und damit der Sparzwang größer wird. Es geht darum, anhand statistischer Daten, Risiken besser und früher erkennen zu können. Die neue wirtschaftspolitische Governance setzt zunehmend auf eine Regelgebunden­ heit der Wirtschafts- und Finanzpolitik, bei der das Überschreiten bestimmter Schwel­ lenwerte mit immer höherem Automati­ onsgrad Strafzahlungen auslösen kann. Statistikern kommt in diesem Zusammen­ hang immer mehr die ungewollte Rolle von Schiedsrichtern zu, die zwischen guten und schlechten Schülern in der Klasse der EU-Mitgliedsstaaten entscheiden sollen. Mit diesen Veränderungen, die von der Wirtschaftskrise auf die amtliche Statistik ausgehen, komme ich auch schon zu den Herausforderungen, die ich für die Statistik in kurzer und mittlerer Frist sehe. Herausforderungen für die Statistik Die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft für die amtliche Statistik lassen sich aus meiner Sicht in vier Themenbe­ reiche einteilen, die aber wiederum un­ tereinander durch starke Abhängigkeiten gekennzeichnet sind: Die Produktion von Statistiken stellt keinen Selbstzweck dar, sondern muss das Ziel verfolgen, bestehende Informationsbe­ dürfnisse einer Gesellschaft bestmöglich abzudecken und künftige Informations­ anfordernisse ehestmöglich zu erkennen. Die Relevanz von Statistiken entsteht aber nicht nur durch die Breite und Treffsicher­ heit des Datenangebots, sondern besteht zunehmend auch in der zeitnahen Verfüg­ barkeit von Informationen. Die traditionelle Sichtweise, dass sich Statistikämter ausschließlich mit der Dar­ stellung von Fakten der Vergangenheit beschäftigen sollen, braucht vor dem Hin­ tergrund der zunehmenden Geschwindig­ keit von Entscheidungsabläufen in Politik und Wirtschaft eine grundlegende Über­ prüfung. Um relevant zu bleiben, müssen Statistikinstitute daher den Zeitabstand zwischen Berichtsperiode und Datenveröf­ fentlichung durch die Anwendung von mo­ dernen Schätzmethoden und das Ersetzen fehlender Informationen verkürzen. Aber auch nowcasts oder Prognosetätigkeit wird zunehmend zum Tagesgeschäft von Statis­ tikinstituten werden müssen. Ein zentraler Angelpunkt für Statistikinsti­ tute, ihrer Aufgabe als Informationsbereit­ steller gerecht zu werden, besteht in der in­ tensiven Kommunikation über das erstellte Produktportfolio. Hierbei geht es nicht nur um die Verwendung von modernen Informa­ tionsmedien, sondern vor allem auch um das Angebot von Interpretationshilfen zu dem veröffentlichten Statistikmaterial. Ein gut kommunizierendes Statistikinstitut konfron­ tiert die Öffentlichkeit nicht nur mit Tabel­ len und Zahlen, sondern verweist auch auf mögliche und unzulässige Interpretationen 150 JAHRE STATISTIK WIEN| REFERATE ZUR FACHTAGUNG – TEIL 1 15 dieser Zahlen, und stellt Querverbindungen zu statistischen Ergebnissen aus anderen Er­ hebungen oder Datenquellen her. 2. Qualität von Statistiken Qualität hat für Statistikinstitute immer eine ganz herausragende Bedeutung und jedes Statistikamt, wie auch Statistik Aus­ tria oder das gesamte Europäische Sta­ tistische System(ESS) spricht von hohen Qualitätsansprüchen. Dies hat damit zu tun, dass Statistiken einen hohen Grad an Glaubwürdigkeit aufweisen müssen, um von den Nutzerinnern und Nutzern akzep­ tiert zu werden. Verliert man das Vertrauen in die Qualität von Statistiken, entsteht ein fundamentales Problem von Relevanz für das Statistikinstitut. Über diesen bekannten und für ein Statistik­ institut selbstverständlichen Qualitätsan­ spruch hinausgehend, stehen Statistiken, die dem Monitoring von gesetzten politi­ schen Zielen dienen, unter besonders er­ höhter Aufmerksamkeit. Ein Beispiel dafür sind Statistiken zur öffentlichen Finanzge­ barung, insbesondere Zahlen zu Maastricht Defizit und Schuldenstand. Hier werden, insbesondere nach den Erfahrungen mit Griechenland, aber auch der Schuldenkrise in Europa im Allgemeinen, heute wesentlich höhere und strengere Qualitätsmaßstäbe angelegt als noch vor wenigen Jahren: Euro­ stat hat deutlich stärkere Prüfkompetenzen, es wird die Governance bei der Produktion von Defizit und Schuldenstandsdaten in jedem einzelnen EU-Mitgliedsstaat einer genauen Überprüfung unterzogen und in jährlich aktualisierten Handbüchern wer­ den genaue Anweisungen getroffen, wie die öffentliche Finanzgebarung regelkonform statistisch zu erfassen ist. Weitere Bereiche, in denen Statistiken zum Monitoring von vereinbarten politischen Ziel­ setzungen herangezogen werden, sind die Indikatoren zu den Europa 2020-Zielen. Auch dort ist der Qualitätsanspruch sehr hoch, da abgebildete Fortschritte oder Defizite hier nicht die Folge statistischer Artefakte sein sollten, sondern international vergleichbare Entwicklungen abgebildet werden sollen. 3. Integriertere Produktionsmethoden von Statistiken Obwohl die Frage der integrierten Statis­ tikproduktion eher für Insider der Statis­ tikproduktion von Interesse ist, möchte ich diesen Bereich dennoch nicht unerwähnt lassen. In den Anfängen der amtlichen Sta­ tistik diente das Statistische Bureau und die Direktion der administrativen Statistik hauptsächlich dazu, die Verwaltung durch Zusammenfassung der in den Behörden verfügbaren Informationen zu unterstüt­ zen. Später kam die Entwicklung von Um­ fragen und Direkterhebungen hinzu. Heute geht es darum, nicht nur vermehrt vorliegende Verwaltungsdaten für die Dar­ stellung statistischer Ergebnisse zu nutzen und damit die Respondenten zu entlasten, sondern vor allem auch darum, einmal er­ hobene Daten als Input für verschiedene Statistiken mehrfach nutzen zu können. Dies ist einerseits aufgrund einer beste­ henden Ressourcenknappheit geboten, andererseits kann eine integriertere Form der Statistikproduktion höherer Konsistenz verschiedener Statistiken und verbesserte Qualität zur Folge haben. In einer integrier­ ten Statistikproduktion werden Merkmale nur einmal erhoben und von mehreren Sta­ tistikzweigen aufgegriffen und verwendet – das ist das Prinzip eines data warehouse und die Überwindung eines Silo-artigen Produktionssystems. 4. Institutionelle Änderungen Das Europäische Statistische System hat durch die Manipulationen von Statistiken in Griechenland einen großen Reputations­ schaden erlitten. Die Schlussfolgerung aus diesen schmerzhaften Erfahrungen ist, dass die institutionelle Unabhängigkeit von Sta­ tistikinstituten eine unabdingbare Grundvo­ raussetzung für die Erstellung von Statistiken mit hoher Glaubwürdigkeit darstellt. Jegliche Eingriffsmöglichkeit interessensgetriebener Verantwortungsträger auf die Ergebnisse statistischer Produkte muss grundsätzlich ausgeschlossen bleiben – nur auf diese Art und Weise kann das Vertrauen in amtliche Statistiken gewährleistet werden. Statistik hilft uns wahrzunehmen,  was wir sonst gern übersehen. AXEL NOACK 16 STATISTIK JOURNAL WIEN The manipulation of statistical  formulas is no substitute for  knowing what one is doing. HUBERT M. BLALOCK Derzeit befindet sich die EU-Statistikver­ ordnung auf europäischer Ebene in Novel­ lierungsverhandlungen. Ein Hauptziel da­ bei ist, die institutionelle Unabhängigkeit von Statistikämtern zu stärken und besser zu verankern, um Fälle wie Griechenland in Zukunft zu vermeiden. Was hierbei zu beobachten ist, ist jedoch ein Auseinan­ derklaffen zwischen politischer Vorgabe und Verwaltungsrealität: Während die po­ litische Ebene und das Europäische Parla­ ment eine Stärkung der Autonomie der Sta­ tistikinstitute befürworten und einfordern, treten einzelne Verwaltungsstellen in man­ chen Mitgliedsstaaten unter Verwendung des Subsidiaritätsarguments vehement gegen einen Kontrollverlust über das Sta­ tistikamt auf. Wie die Debatte ausgehen wird, bleibt derzeit noch abzuwarten. Schlussbemerkung Sehr geehrte Damen und Herren, den Bo­ gen in dieser Festveranstaltung von den ge­ schichtlichen Wurzeln der amtlichen Statistik in Österreich zu spannen und die wesentli­ chen Herausforderungen für die Statistik in Gegenwart und Zukunft zu skizzieren, ohne dabei wesentlich Lücken und Unschärfen in der Darstellung zu hinterlassen, ist wahr­ scheinlich ein Ding der Unmöglichkeit und bedarf Ihrer großzügigen Nachsichtigkeit. Der Eindruck, den ich jedoch bei Ihnen hin­ terlassen möchte und den ich persönlich teile, ist, dass das Feld der Statistik nicht nur ein immens wichtiges, sondern auch ein ungemein spannendes ist. In diesem Sinne kann man Statistik Wien nicht nur zum 150. Geburtstag beglück­ wünschen, sondern vor allem zu einem ganz wichtigen Beitrag, den Sie in dieser Stadt und in unserem Land zu einem bes­ seren Verständnis von gesellschaftlichen Phänomenen leisten. Herzlichen Glückwunsch! 150 JAHRE STATISTIK WIEN| REFERATE ZUR FACHTAGUNG – TEIL 1 17 Wappensaal im Rathaus: Begrüßungsrede von Frau Vizebürgermeisterin Mag. a  Brauner Wappensaal im Rathaus: Vortrag von Dr. Pesendorfer AMTLICHE STATISTIK IN ÖSTERREICH – KONTINUITÄT IM WANDEL STATISTISCHE METHODIK IM WANDEL DER ZEIT 18 STATISTIK JOURNAL WIEN Statistische Methodik im Wandel der Zeit A.o. Univ.-Prof. Dr. Marcus Hudec, Universität Wien – Fakultät für Informatik Jubiläen bilden traditionell einen willkom­ menen Anlass zu einem Rückblick über historische Entwicklungen. Dabei steht man vor der Herausforderung in knapper Redezeit essentielle Entwicklungen und Weichenstellungen im Verlaufe einer lang­ jährigen Entwicklungsgeschichte aufzuzei­ gen und im Kontext der heutigen Zeit trans­ parent zu machen. Das Ansinnen vor dem Hintergrund 150 Jahre amtliche Statistik in Wien auch nur ansatzweise einen voll­ ständigen Überblick über den Wandel in der statistischen Methodik in dieser Zeit­ spanne wiedergeben zu wollen, muss von Grund auf zum Scheitern verurteilt sein. In diesem Sinne wollen wir in diesem Vortrag kursorische Streiflichter auf einige wenige aus der subjektiven Sicht des Referenten bedeutsame, die Arbeitsweisen der amt­ lichen Statistik massiv verändernde me­ thodische Innovationen und Paradigmen­ wechsel werfen und auch einen Ausblick auf künftige Entwicklungen wagen. Historische Wurzeln Die statistische Methodenlehre entspringt aus zwei vollkommen unterschiedlichen Quellen. Zum einen führte die Beschäfti­ gung mit Fragen der Chancen bei Glücks­ spielen zur Entwicklung der Wahrschein­ lichkeitstheorie, welche die Grundlage der modernen Inferenzstatistik bildet, zum anderen führte die Notwendigkeit der quantitativen Beschreibung von Staaten von alters her zur Entwicklung deskriptiver Methoden der Statistik. Dieser zweite An­ satz ist zumindest für die Entstehung der amtlichen Statistik naturgemäß von primä­ rer Bedeutung und kann ihrerseits durch zwei Hauptströme charakterisiert werden. Die unter dem Namen„politische Arithme­ tik“ subsummierten Ansätze der Bevölke­ rungsstatistik, die auf den Arbeiten von John Graunt(1620–1674), Edmond Halley (1656–1742) und Johann Peter Süßmilch (1707–1767) basiert, und der Staats­ beschreibung wie sie etwa von Gottfried Achenwalls(1719–1772) zur Zustandsbe­ schreibung(status> statistique) des Staa­ tes entwickelt wurde. Entwicklung stichproben­ basierter Statistik Für die historischen Vorläufer der amtli­ chen Statistik war die Vollerhebung von Po­ pulationen eine conditio sine qua non. Der Siegeszug der Statistik im 20. Jahrhundert, die sich in einer immer weiteren Nachfrage nach verlässlichen statistischen Befunden für Entscheidungsträger widerspiegelt, ist eng verknüpft mit der Verschmelzung der beiden ursprünglich isolierten Wurzeln der Statistik, welche einen echten Paradig­ menwechsel im Sinne von Kuhn auslöste und der Stichprobentechnik den Einzug in die statistischen Ämter ermöglichte. Der erste wichtige Proponent für diesen Paradigmenwechsel in den der amtlichen Statistik war der Norweger Anders Nicolai Kiær(1838–1919), der 1895 beim ISIMeeting in Bern erstmals ein Framework statistischer Methodik vorstellte, in wel­ chem die Stichprobentechnik zu einem zentralen Instrument wurde. Kiærs Haupt­ ansatz war dabei die Vorstellung, dass bei Teilerhebungen mittels Miniaturisierung einer Population im Sinne einer repräsen­ tativen Stichprobe wertvolle Ergebnisse gewonnen werden können. Motivation war dabei, dass der Effizienzgewinn durch Teil­ erhebungen es ermöglicht, das Spektrum statistischer Untersuchungen deutlich aus­ zuweiten. Wie häufig in der Wissenschaftsgeschichte waren die Reaktionen der Kollegenschaft auf diese innovative Idee zunächst durch­ gehend negativ. War doch die herrschende Lehrmeinung – geprägt von dem damals die amtliche Statistik dominierenden, aus der Buchhaltung übernommenen Streben nach Vollständigkeit und Korrektheit der Bücher –, dass Teilerhebungen niemals Vollerhebun­ gen ersetzen könnten. Dennoch vertrat Kiær diesen Ansatz bei den folgenden ISI-Mee­ 150 JAHRE STATISTIK WIEN| REFERATE ZUR FACHTAGUNG – TEIL 1 19 tings und fand in Caroll D. Wright(Gründer des U.S. Bureau of Labor Statistics) und später auch in Arthur L. Bowley erste Un­ terstützer. Eine wesentliche Bereicherung der Ideen von Kiær lieferte 1903 der eher unbekannte fran­ zösische Statistiker Lucien March, der in der Diskussion zu Kiærs Paper beim ISI-Meeting 1903 in Berlin erstmals Ideen zur randomi­ sierten Stichprobenziehung einbrachte. Mit diesem Vorschlag, der wissenschaftshisto­ risch als Meilenstein zu werten ist, kam es erstmals zum Brückenschluss zwischen der mathematisch fundierten Wahrscheinlich­ keitstheorie und der amtlichen Statistik. Die Verschmelzung dieser beiden Ideenwelten erwies sich für die Entwicklung der Methodo­ logie der gesamten Statistik im 20. Jahrhun­ dert als extrem fruchtbar. Die Idee das Kalkül des Zufalls für reprä­ sentative Schlüsse über Grundgesamthei­ ten heranzuziehen, war zum damaligen Zeitpunkt insofern revolutionär, als das Prinzip des Zufalls damals bei Weitem nicht jenen Raum in der Wissenschafts­ theorie einnahm wie heute. Erst viel später verhalfen die bahnbrechenden Erkennt­ nisse der Physik(Quantenmechanik, Ther­ modynamik) sowie der modernen Evoluti­ onsforschung zu einer breiten Akzeptanz stochastischer Gesetzmäßigkeiten. Dass der Gedanke randomisierter Stichproben zu Beginn des 20. Jahrhunderts bei den arrivierten Statistikern der damaligen Zeit auf Ablehnung stieß, ist nicht verwunder­ lich, bedenkt man, dass selbst Einstein noch 1926 in einem Brief an Max Born seine Skepsis gegenüber stochastischen Erklärungsmodellen in der Physik mit der berühmten Aussage„Gott  würfelt  nicht“  Ausdruck verlieh. Die unseres Wissens historisch erste em­ pirische Anwendung einer randomisierten Stichprobe war die sozialstatistische Stu­ die über Armut in Reading im Jahre 1912, welche der britische Statistiker Arthur L. Bowley durchgeführt hat. Bowleys Arbeiten führten letztlich dazu, dass sich das Internationale Statistische Institut 1924 dazu durchrang, eine Kom­ mission einzusetzen, die sich ernsthaft mit dem Anwendungspotential von Stichpro­ bentechniken auseinandersetzen sollte. Das beim ISI-Meeting in Rom 1925 veröf­ fentlichte Ergebnis führte zu einer Resoluti­ on, welche die Akzeptanz von Teilerhebun­ gen beinhaltete, wobei sowohl bewusste als auch randomisierte Auswahlverfahren inkludiert waren. Im folgenden Jahrzehnt wurden Teilerhe­ bungen auf Basis bewusster Auswahlver­ fahren in Dänemark(Jensen) und Italien (Gini) durchgeführt. Neben Bowley vertrat vor allem Margaret Hogg in den USA die Ansicht, dass nur randomisierte Stich­ proben einen Test auf Repräsentativität ermöglichen. Der Siegeszug randomisierter Stichprobentechniken Eine neue Ära läutete die bahnbrechende Arbeit von Jerzy Neyman„On the Two Diffe­ rent Aspects of the Representative Method: The Method of Stratified Sampling and the Method of Purposive Selection” 1934 ein. Neyman konnte in seinem Beitrag an Hand von praktischen Beispielen und mittels theoretischer Überlegungen schlüssig darlegen, dass durch Randomisierung im Vergleich zur bewussten Auswahl die He­ rausforderungen, mit denen Statistiker bei der Durchführung von Teilerhebungen konfrontiert waren, wesentlich besser be­ wältigt werden konnten. Für die weitere Entwicklung statistischer Methodik von entscheidender Bedeutung waren zwei theoretische Ergebnisse Neymans. Zum ei­ nen entwickelte er theoretische Konzepte, welche die Technik der Schätzung von Kon­ fidenzintervallen begründete. Zum ande­ ren durchbrach er mit seinen Ergebnissen die vorherrschende Meinung repräsenta­ tiver Stichproben, welche davon ausging, dass valide Stichprobenergebnisse nur dann möglich sind, wenn alle Elemente der Grundgesamtheit mit gleicher Inklusi­ onswahrscheinlichkeit in die Stichprobe gelangen können. Seine Ergebnisse über geschichtete Stichprobenverfahren bildeDefinition of Statistics: The science  of producing unreliable facts from  reliable figures. EVAN ESAR 20 STATISTIK JOURNAL WIEN ...while a man is an insoluble puz­ zle, in the aggregate he becomes  a mathematical certainty. You can,  for example, never foretell what  any one man will do, but you can  say with precision what an average  number will be up to. Individuals  vary, but percentages remain con­ stant. So says the statistician. SHERLOCK HOLMES ten die Grundlage für die Entwicklung de­ signbasierter Stichprobenverfahren. Die Diffusion von Neymans Ideen wurde da­ durch befruchtet, als W. Edwards Demming Neyman nach Washington DC einlud, wo er einen großen Einfluss auf die Entwicklung der amtlichen Statistik in den USA und so­ mit indirekt weltweit ausübte. In einem his­ torischen Rückblick begründen Duncan& Shelton in ihrem Buch„Revolution in Uni­ ted States Government Statistics“(1978) den großen Einfluss Neymans auf die Entwicklung der amtlichen Statistik mit „Neyman‘s ability to relate theory to practi­ ce  from  personal  experience  in  the  econo­ mic and social fields …“. Brückenschlag zur theoretischen Inferenzstatistik Wenn wir bislang hauptsächlich über die historische Entwicklung der stichproben­ basierten Methodik im Bereich der amtli­ chen Statistik reflektiert haben, so geschah dies primär deshalb, da sich erst durch die Arbeiten Neymans eine Verschränkung zwi­ schen den Problemstellungen empirischer Surveys und der theoretischen Inferenzsta­ tistik entwickelt hat. In den 30er-Jahren des vorigen Jahrhun­ derts entwickelten Kapazitäten wie Fis­ her, Hotelling, Wald, E. Pearson und eben Neyman in einem Wechselspiel zwischen praxisrelevanten Fragestellungen und ma­ thematischer Abstraktion die theoreti­ schen Grundkonzepte der modernen, allgemeinen Inferenzstatistik, welche in ihren Grundzügen bis heute die allgemei­ ne Basis der statistischen Methodenlehre bildet. Ausgehend von praktischen Prob­ lemen entwickelten diese genialen Vor­ denker ein einheitliches mathematisches Framework für optimale Entscheidungen unter Unsicherheit. für die Arbeit statistischer Ämter bildeten die Arbeiten von Cochran, der 1942 wich­ tige theoretische Ergebnisse zur Verhält­ nis- und Regressionsschätzung in finiten Grundgesamtheiten veröffentlichte, die Ergebnisse von Hansen und Hurwitz, die 1943 das Prinzip der größenproportio­ nalen Stichprobenziehung begründeten sowie der Beitrag von Horvitz und Thomp­ son, die 1952 ein allgemein anwendbares Schätzprinzip für designbasierte Stichpro­ ben entwickelten. Statistische Modellierung Die nächste wichtige Epoche der statis­ tischen Methodik läutete John W. Tukey (1962) mit seiner berühmten Arbeit„The Future of Data Analysis“ ein. Charakteris­ tisch für diese Ära ist die Abkehr von reiner mathematischer Theorie hin zur statisti­ schen Modellierung realer Problemstellun­ gen im Rahmen der angewandten Statistik. Ein wichtiger Meilenstein dieser Zeit ist die explizite Abgrenzung zwischen der klas­ sisch konfirmatorischen Analytik und der explorativen Datenanalyse. Von großer Bedeutung für die Anwendbarkeit statis­ tischer Modelle auf neue Fragestellungen sind insbesondere die diversen Weiterent­ wicklungen von Regressionsmodellen(Lo­ gistische Regression, Log-lineare Modelle, Generalized Linear Models, Generalized Additive Models, Proportional Hazard Re­ gression Models) sowie nichtparametri­ sche und robuste Techniken anzuführen. Aber auch die Entwicklung von Re-Samp­ ling Techniken und hier insbesondere das von Bradley Efron entwickelte BootstrapVerfahren stellen herausragende metho­ dische Entwicklungen dar. Als besonders prägende Persönlichkeiten sind neben Tu­ key und Efron an dieser Stelle die beiden britischen Statistiker David R. Cox und John Nelder zu nennen. Bis hin zum Beginn der 60er-Jahre erlebte diese Ära der theoretischen mathemati­ schen Statistik ihre Blütezeit und domi­ nierte die statistische Methodenlehre. Die wohl wichtigsten Beiträge im Bereich der Stichprobentheorie mit großer Relevanz Den theoretischen Konnex zwischen die­ sen Modellen der angewandten Statistik und der Survey-Statistik bildeten die Arbei­ ten von Royall(1970), der mit dem Prinzip des„Prediction Approach“ eine neue the­ oretische Fundierung bereits bekannter 150 JAHRE STATISTIK WIEN| REFERATE ZUR FACHTAGUNG – TEIL 1 21 Ergebnisse basierend auf dem Konzept einer unendlich großen Superpopulation gab. Das Konzept des„Model Based Infe­ rence“ eröffnet der amtlichen Statistik für die Analyse von erhobenen Stichproben­ daten die Nutzung eines weiten Methoden­ spektrums, welches ursprünglich in einem ganz anderen Kontext entwickelt wurde. Ein weiterer wichtiger Beitrag zur Methodik der amtlichen Statistik lieferte Rubin, der 1976 mit seinem Beitrag„Inference and Missing Data“ eine theoretische Fundie­ rung für den Umgang mit fehlenden Werten gab, auf deren Basis in der Folge systema­ tische Techniken zur Imputation entwickelt wurden. Einen anderen für die Methodik amtli­ cher Statistik relevanten Aspekt bildet die Entwicklung der Theorie der„small area estimates“ in den 80er-Jahren, welche in einem Übersichtsartikel von Gosh und Rao„Small Area Estimation: An Appraisal“ 1994 exzellent dokumentiert wird. Der Einfluss moderner Informationstechnologien Natürlich hat der Siegeszug moderner ITTechnik auch die Arbeitswelt der Statistik nachhaltig verändert. Zunächst ermög­ lichte die gestiegene Rechenperformance die Anwendung neuer flexiblerer statis­ tischer Modelle. Waren die Methodiker der theoretischen Ära oft zu restriktiven Modellannahmen(z. B. Linearität, Varianz­ homogenität) gezwungen, um analytische Lösungen zu erhalten, die mit den dama­ ligen Beschränkungen computationaler Techniken lösbar waren, konnte nunmehr ein wesentlich breiteres Modellspektrum abgedeckt werden. Die Anwendung itera­ tiver Lösungsalgorithmen zur Schätzung von Modellen ohne explizite analytische Lösung sowie Techniken der globalen Op­ timierung(z. B. Genetische Algorithmen, Simulated Annealing) eröffneten der sta­ tistischen Modellierung völlig neue Mög­ lichkeiten. Der Einsatz des Werkzeugs Computer, um aus Daten wertvolle Erkenntnisse ziehen zu können, führte aber auch zu neuen metho­ dischen Entwicklungen, die oft außerhalb der statistischen Community in interdiszi­ plinären, aber stark von der Informatik be­ einflussten Forschungsgebieten(Machine Learning, KDD knowledge discovery from databases, Data Mining) ihren Ursprung haben. Diese Methodologie ersetzt – ver­ einfacht dargestellt – stochastische Model­ le als Nukleus methodischer Überlegungen durch algorithmische Konzepte. Einer der ersten Statistiker, der die Mäch­ tigkeit dieser neuen datenanalytischen Möglichkeiten früh erkannte, war Leo Brei­ mann, der 1984 mit seinem Werk über Classification and Regression Trees eine neue Ära statistischer Modellierung be­ gründete und 2001 in einem viel beachte­ ten Artikel in Statistical Science„Statistical Modeling: The Two Cultures“ dieses neue Paradigma prägnant charakterisierte: „There  are  two  cultures  in  the  use  of  sta­ tistical modeling to reach conclusions from  data.  One  assumes  that  the  data  are  gen­ erated  by  a  given  stochastic  data  model.  The  other  uses  algorithmic  models  and  treats the data mechanism as unknown. …  If our goal as a field is to use data to solve  problems, then we need to move away from  exclusive dependence on data models and  adopt a more diverse set of tools.” Zu den wichtigsten Verfahren dieser stark von der Informatik beeinflussten Methodik zählen Neuronale Netzwerke, Rule Induc­ tion Methods oder auch Support Vector Machines. Einen weiteren wichtigen Aspekt bildet in diesem Kontext auch die EnsembleModellierung(z. B. Random Forests und Boosting-Techniken). Die Frage nach einem optimalen Modell wird hier zu Gunsten ei­ ner multiplen Modellierung verworfen. Versuch eines Ausblicks Die Leistungsfähigkeit moderner Informati­ onstechnologie und die Omnipräsenz von umfassenden Datenbanken in der öffent­ lichen Verwaltung und der modernen WirtAlles was lediglich wahrscheinlich  ist, ist wahrscheinlich falsch. RENÉ DESCARTES 22 STATISTIK JOURNAL WIEN schaft, werden die künftige Arbeitsweise der amtlichen Statistik signifikant beein­ flussen. Die Verfügbarkeit riesiger aller­ dings nicht primär für statistische Zwecke gesammelter Datenmengen stellt dabei neue Herausforderungen an die Datenmo­ dellierung. Mittels geeigneter Metadatenkonzepte und Methoden zur Sicherung der Datenqualität können registerbasierte Statistiken die Ar­ beitswelt der amtlichen Statistik schon in naher Zukunft nachhaltig verändern. Die von Statistik Austria durchgeführte Regis­ terzählung 2011, welche die klassische Volkszählung ablöste, stellt hier einen auch im internationalen Kontext markan­ ten Meilenstein dar. Effizienzdenken und der Wunsch nach Respondenten-Entlas­ tung, die bereits vor rund 100 Jahren der Stichprobentechnik zum Durchbruch ver­ halfen, sind auch heute wieder Hauptmo­ tivation für die Entwicklung von Techniken zur registerbasierenden Produktion von aussagekräftigen und qualitativ hochwer­ tigen Statistiken. Einen anderen Aspekt bildet das inhaltli­ che Streben nach neuen, kohärenten und relevanten Indikatoren-Systemen zur Mes­ sung realer Zustände unserer Gesellschaft und unserer Umwelt, was eine Kernaufgabe für die amtliche Statistik darstellt. Zwangs­ läufig wird die gestiegene Komplexität wirt­ schafts- und sozial- und umweltpolitischer Fragestellungen auch nach komplexeren, interdisziplinär vernetzten Modellen ver­ langen, welche ihrerseits neue methodi­ scher Ansätze und Herangehensweisen in der amtlichen Statistik bedingen werden. 150 JAHRE STATISTIK WIEN| REFERATE ZUR FACHTAGUNG – TEIL 1 23 Diskussionsrunde: Amtliche Statistik in Österreich – Kontinuität im Wandel  v.l.n.r.: Univ.­Doz. MMag Dr. Weigl, HR Dr. Fürst, A.o. Univ.­Prof. Dr. Hudec Diskussionsrunde: Statistik in der Verwaltung – Kontinuität im Wandel  v.l.n.r.: SR in  Jary, Dipl.­Vw. Himpele, Mag. Dr. Lebhart, Mag. Jörg AMTLICHE STATISTIK IN ÖSTERREICH – KONTINUITÄT IM WANDEL LANDESSTATISTIK IM FOKUS – ZWISCHEN VERWALTUNG UND DIENSTLEISTUNG 24 STATISTIK JOURNAL WIEN Landesstatistik im Fokus – zwischen Verwaltung und Dienstleistung HR Dr. Ernst Fürst, Amt der Oö. Landesregierung, Direktion Präsidium – Abteilung Statistik Moderne staatliche Gesellschaften brau­ chen zeitgemäße, leistungsfähige Verwal­ tungen. Verwaltungen erbringen Dienstleis­ tungen, welche der Markt den Bürgerinnen und Bürgern und der Allgemeinheit nicht gesichert anbieten kann. Die Produkte der amtlichen Statistik sind als solche Leis­ tungen einzustufen. Sie gewährleisten damit eine funktionierende Gesellschaft im Rahmen der Vorgaben der demokra­ tisch legitimierten Entscheidungsträger. Im Aufgabenbereich der Landesverwaltung wird diese Aufgabe von der Landesstatistik wahrgenommen. Warum Landesstatistik Die Anforderungen der Gesellschaft an den Staat werden immer komplexer und ändern sich immer rascher. Es ist daher notwendig, diese neuen Anforderungen zu erkennen und entsprechend darauf zu reagieren. Die amtliche Statistik leistet einerseits wesent­ liche Beiträge zur objektiven Beschreibung der Situation und erstellt andererseits die Grundlage für sachgerechte Entscheidun­ gen zur Bewältigung dieser Anforderungen. In Österreich ist das föderale Prinzip in der Bundesverfassung grundgelegt. Wesentli­ che Teile des Verwaltungshandelns liegen in der Kompetenz der Länder. Die Aufgaben sind vielfältig und viele Agenden werden in mittelbarer Bundesverwaltung durchgeführt, d.h. die Vollziehung von Bundesgesetzen wird durch Landesbehörden durchgeführt. Die Aufgabenbereiche der Landesverwal­ tung in einem groben Überblick: • Bildung und Gesellschaft • Gesundheit und Soziales, Wohnbau • Landesentwicklung und Raumordnung • Gemeinden • Natur und Umweltschutz • Sicherheit, inklusive Rechtssicherheit • Verkehr • Kultur Neben der Gesetzmäßigkeit der Verwaltung ist vor allem die Wirtschaftlichkeit der Ver­ waltung in das Zentrum der Beobachtung ge­ rückt. Die Bürgerinnen und Bürger erwarten, dass zielorientiert, zweckmäßig, transparent und sparsam vorgegangen wird. Die Statistik ist aufgerufen, ihren Beitrag dazu zu leisten. Dementsprechend vielfältig sind die Prob­ lemstellungen, welche von den landesstatis­ tischen Dienststellen zu bearbeiten sind. In Österreich bekennen wir uns zum Prinzip der Subsidiarität der Verwaltung. Subsidia­ rität verlangt ihrem Wesen nach, dass Auf­ gaben und Problemlösungen so weit wie möglich von der untersten Verwaltungs­ ebene übernommen wird, welche dazu in der Lage ist. Für die dezentrale Wahrneh­ mung von Aufgaben sprechen außerdem die Nähe zu den Entscheidungsträgern im Land sowie die besondere Regional- und Hintergrundkenntnis. Die Informationswe­ ge sind kurz und es kann rasch und punkt­ genau vorgegangen werden. Die Statistik als Aufgabe der staatlichen Verwaltung ist im Art. 10 B-VG und somit als Bundessache in Gesetzgebung und Vollzie­ hung geregelt. Im Art. 10 Abs. 1 Zif. 13 ist jedoch im Detail ausgeführt:„Bundessache in Gesetzgebung und Vollziehung ist das Volkszählungswesen, sowie – unter Wah­ rung der Rechte der Länder, im eigenen Be­ reich jegliche Statistik zu betreiben – sons­ tige Statistik, soweit sie nicht die Interessen eines einzelnen Landes betrifft …“. Den Län­ dern ist es somit frei gestellt, im Rahmen ih­ rer Aufgabenbereiche statistische Erhebun­ gen anzuordnen und sonstige statistische Tätigkeiten, die für die Landesverwaltung von Bedeutung sind oder sonst im Interesse des Landes liegen, zu betreiben. Organisation der landesstatistischen Einrichtungen Die amtliche Statistik in Österreich ist überaus zentral organisiert. Beinahe alle 150 JAHRE STATISTIK WIEN| REFERATE ZUR FACHTAGUNG – TEIL 1 25 Erhebungen, welche durch Bundesgesetze angeordnet sind, werden von der Bundes­ anstalt Statistik Österreich durchgeführt. Die Landesstatistiken bedienen sich bei ihrer Arbeit im Wesentlichen der amtlichen Daten der Bundesstatistik für das jeweilige Land. Es gibt dazu eine Kooperationsverein­ barung über den Zugang zu Daten der Bun­ desstatistik. Eine Analyse der Aufgaben­ felder im Zuge der Verwaltungsreform des Bundes hat gezeigt, dass es in Österreich keine Parallelitäten zwischen Bundes- und Landesstatistik gibt. Die organisatorische Einbindung der lan­ desstatistischen Dienststellen in die Ver­ waltung der Bundesländer ist unterschied­ lich ausgeprägt. Die landesgesetzlichen Rechtsvorschriften verlangen eine abge­ schlossene, in Statistikfragen weisungs­ freie Organisationseinheit, so dass die statistischen Erfordernisse zu Objektivität und zum Datenschutz gewährleistet sind. Alle Bundesländer verfügen über Landes­ statistikgesetze, welche die nationalen und internationalen Grundsätze der amtli­ chen Statistik gewährleisten. In den Bundesländern arbeiten insge­ samt rund 60 MitarbeiterInnen in sta­ tistischen Dienststellen. Die Mitarbei­ terInnenrelation von Landesstatistik zu Bundesstatistik beträgt 1 zu 10. Daraus kann man die zentrale Position der Bun­ desstatistik ermessen. Allen gemeinsam ist ihnen ein Schwerpunkt in der Bevöl­ kerungsstatistik und ihre zentrale Funk­ tion als Datendrehscheibe für die Dienst­ stellen des Landes. Durch vielfältige Kontakte mit Entschei­ dungsträgerInnen werden statistische Ex­ pertInnen gerne kurzfristig vor Entschei­ dungen eingebunden und haben so die Möglichkeit, durch Analysen und Prog­ nosen gestaltend mitzuwirken. Ebenfalls geschätzt wird bei den Entscheidungsträ­ gerInnen das proaktive Handeln der Exper­ tinnen und Experten im Bereich Statistik. Durch das antizipative Denken und durch szenarienbasierte Vorüberlegungen kön­ nen Problemstellungen der Zukunft rasch gelöst werden. Aufgaben der Landesstatistik Die landesstatischen Dienststellen haben im Wesentlichen drei Aufgabenbereiche abzudecken: Zum einen ist es die Sicherstellung der sta­ tistischen Grundversorgung des Landes. Die Statistik ist verantwortlich, dass ak­ tuelle und relevante Daten über das Land zur Verfügung stehen. Als zentraler Infor­ mationsdienstleister des Landes werden Daten über das Land und dessen Umfeld verwaltet und in geeigneter Weise für die Kunden aufbereitet. Die Datengewinnung erfolgt überwiegend durch den Zugang zu den Daten der amtlichen Bundesstatistik, andererseits durch Eigenerhebung, wenn keine ausreichenden Grundlagen zur Ver­ fügung stehen. Zum zweiten gewinnt die Erstellung von Entscheidungsgrundlagen für die Dienst­ stellen des Landes zunehmend an Bedeu­ tung. Statistik ist damit Dienstleister an den anderen Fachabteilungen des Landes. Vor allem Abteilungen mit Planungsaufgaben greifen verstärkt auf die statistischen Un­ terlagen zu. Mit den SpezialistInnen in den Fachabteilungen werden Problembereiche analysiert, Zustände statistisch erfasst und Entwicklungen aufgezeigt. Die Messung von Leistungseinsatz und deren Wirkung – der Wirtschaftlichkeitsmessung – wird im­ mer stärker nachgefragt. Die tiefgreifenden Kenntnisse über die Be­ völkerungsprognosen, deren Annahmen und Ergebnisse qualifizieren die landes­ statistischen Dienststellen als kompetente Partner für Zukunftsfragen des Landes. Die LandesstatistikerInnen sind in die Diskus­ sion der Annahmenfindung als Länderex­ pertInnen maßgeblich eingebunden, so dass die Ergebnisse der Prognosen kom­ petent beurteilt werden können. Es wird von einer wachsenden Bedeutung der amtlichen Statistik auf Landesebene ausgegangen. Durch die neuen Informa­ tionstechnologien stehen immer mehr Daten für statistische Analysen zur Ver­ fügung. Ob dadurch auch automatisch We must be careful not to confuse  data with the abstractions we use  to analyze them. WILLIAM JAMES 26 STATISTIK JOURNAL WIEN Statistics: the only science that  enables different experts using  the same figures to draw different  conclusion. EVAN ESAR der Informationsstand steigt, hängt nicht unerheblich von qualifizierter Darstellung der Daten und der statistischen Analyse ab. Sicher ist hingegen, dass die Politik und Verwaltung immer stärker gezwungen sind, ihr Handeln an definierten Zielen zu orientieren und Wirkungen nachzuweisen. Weiters ist davon auszugehen, dass die Öf­ fentlichkeit das Informationsangebot der amtlichen Statistik durch den einfacheren Zugang in verstärktem Maße nutzt. Im Rahmen der wirkungsorientierten Ver­ waltungsführung wird das Verwaltungs­ handeln als die Abfolge von fünf Vorge­ hensschritten gesehen. In allen Schritten hat die Statistik eine spezielle Aufgabe und einen wichtigen Input zu liefern. • Schritt 1: Erkennen der Bedürfnisse von Bürgerinnen und Bürgern sowie von Inter­ essensgruppen: Mit den statistischen Methoden der Mei­ nungsbefragung werden objektive Grund­ lagen über die Bedürfnislage der Bevölke­ rung erhoben. Die Kennzahlen zu Lebens­ qualität und Lebenszufriedenheit werden stärker denn je als Indikatoren zur Bedürf­ nislage verwendet. • Schritt 2: Öffentliche Interessen und ge­ sellschaftspolitische Ziele definieren: Wird ein Bedarf nach staatlichem Han­ deln anerkannt, werden sie zu öffentli­ chem Interesse erklärt. Zudem werden mögliche künftige Bedürfnisse von Poli­ tik und Verwaltung ergänzt. Auf Basis der öffentlichen Interessen werden in der po­ litischen Diskussion gesellschaftspoliti­ sche Ziele formuliert. Die Statistik liefert dazu die objektiven Fakten über Stand und Entwicklung von gesellschaftspoli­ tischen Problemstellungen und Mess­ kennzahlen zur Zielverfolgung. • Schritt 3: Erforderliche Maßnahmen, Pro­ dukte, Ressourcen(Planung): Ausgehend von den Zielen werden die Aufträge für staatliches Handeln festge­ legt. Dabei werden von der Statistik die Grundlagen zur Entscheidungsfindung für die bestgeeigneten Maßnahmen er­ stellt. Es ist abzuschätzen, welche Maß­ nahmen zweckmäßig sind und welche Produkte in welcher Menge und Qualität mit welchem Ressourceneinsatz zu plat­ zieren sind. Außerdem sind Entscheidun­ gen am zukünftigen Bedarf auszurichten. • Schritt 4: Umsetzung der Maßnahme, Messung von Produktausstoß bezie­ hungsweise Dienstleistung: Das Messen und Zählen ist eine der Grundaufgaben der Statistik. Die Leis­ tungserbringung wird durch die Statistik gemessen und in Kennzahlen auf den Punkt gebracht. • Schritt 5: Wirkung beim Kunden: Mit statistischen Methoden wird der Grad der Zielerreichung festgestellt und mit Hil­ fe von Wirkungskennzahlen Erfolg oder Nichterfolg sichtbar gemacht. Das Verwal­ tungshandeln wird damit evaluiert. KundInnen der Landesstatistik Unser Kundenkreis besteht in der Regel aus EntscheidungsträgerInnen in Politik, Ver­ waltung und Wirtschaft. Auf Grund der oben beschriebenen Aufgabenstellungen ergibt sich vor allem eine Nähe zu politischen Ent­ scheidungsträgerInnen und dem Landtag, sowie zu FachexpertInnen in den Fachdi­ rektionen. Vielfältige Kontakte gibt es auch mit Gemeinden, welche sehr oft ganz spezi­ fische Problemstellungen herantragen. Ge­ wünscht werden neben Daten und Zahlen auch vielfach Vergleiche und Erläuterungen. Im erweiterten Umfeld gibt es Kontakte mit landesnahen Einrichtungen, Kammern und Interessensvertretungen, sowie der Forschung und Wissenschaft. Nicht zuletzt nutzen viele Bürgerinnen und Bürger das reiche Datenangebot der Onlinedienste. Eine starke Kundenbindung erreicht man dadurch, in dem man attraktive Produkte leicht und bekömmlich zugänglich macht. Die Kundenorientierung ist somit ein we­ sentlicher Faktor zum Erfolg. Wir können niemandem die Entscheidung abnehmen, wir können sie aber leichter machen – auf der Basis gesicherter Daten. Eine wesent­ liche Komponente dabei spielen persönli­ che Kontakte und gegenseitiges Vertrauen. 150 JAHRE STATISTIK WIEN| REFERATE ZUR FACHTAGUNG – TEIL 1 27 Herausforderungen Es ist zweifellos eine Herausforderung, einen umfassenden, objektiven Befund über Gesell­ schaft und Wirtschaft in einem Land zu erstel­ len und aktuell zu halten. Da die Problemstel­ lungen immer vielfältiger und tiefgreifender werden, ist es unmöglich einen Befund vorrä­ tig zu halten, er muss in Teilbereichen immer neu gestaltet und interpretiert werden. Die Kunst der amtlichen StatistikerInnen ist es, aus Daten entscheidungsrelevante In­ formationen zu generieren. Dies gelingt am besten in enger Zusammenarbeit mit den ExpertInnen in den Fachabteilungen. Die StatistikerInnen sind PartnerInnen im Team und bringen dort ihr statistisches Know-how ein. Das Wissen über verfügbare Datenquel­ len und deren Nutzung, die Kenntnis über sachliche und regionale Zusammenhänge über das Fachgebiet hinaus machen die Sta­ tistikerInnen zu begehrten ProjektpartnerIn­ nen. Die Beschäftigung mit Prognosen und Vorausschätzungen schärfen den Blick für künftige Herausforderungen. Wenn es dann noch gelingt, komplexe Zusammenhänge einfach darzustellen, dann steht einer gu­ ten Entscheidung nichts mehr im Wege. Unser gemeinsames Ziel ist:„Österreich besser verstehen“. AMTLICHE STATISTIK IN ÖSTERREICH – KONTINUITÄT IM WANDEL DIENER ZWEIER HERREN? AUFGABENFELDER DER WIENER KOMMUNALSTATISTIK IM WANDEL DER ZEITEN 28 STATISTIK JOURNAL WIEN Diener zweier Herren? Aufgabenfelder der Wiener Kommunalstatistik im Wandel der Zeiten OMR Univ.-Doz. MMag. Dr. Andreas Weigl, MA 8 – Wiener Stadt- und Landesarchiv Vor 150 Jahren wurde mit der Einrichtung eines„Statistischen Bureaus“ im Magistrat der Stadt Wien die Wiener Kommunalsta­ tistik begründet. Die Gründung fiel in Wien wie in anderen europäischen Großstädten in eine Phase großer sanitärer Not, die in der Fachliteratur treffend auch als„urban penalty“ bezeichnet worden ist. Die städ­ tische Infrastruktur konnte dem enormen demographischen und industriell-gewerb­ lichen Wachstum kaum mehr genügen. Cholera-, Typhus-, Fleckfieber- und Blattern­ epidemien suchten die städtische Bevöl­ kerung daher in regelmäßigen Abständen heim. 1 Entsprechend sank die ohnehin niedrige Lebenserwartung weit unter das ländliche Niveau. 2 Um 1860 lag sie bei kaum 20 Jahren und selbst jene, die das Kinder- und Jugendalter überlebten, konn­ ten im Durchschnitt nicht einmal mit 50 Lebensjahren rechnen. 3 Es war daher wohl nicht ganz zufällig, dass zum ersten Leiter der Wiener Statistik der Mediziner und Me­ dizinalstatistiker Eduard Glatter berufen wurde. Neben seiner Tätigkeit im Magis­ trat lehrte Glatter an der Universität Wien öffentliche Gesundheitspflege, Heilgym­ nastik und Medizinalstatistik. 4 In seinen Publikationen befasste er sich dann auch schwerpunktartig mit der Morbidität und Mortalität der Wiener Bevölkerung, wie sie in traditionellen„medizinischen Topogra­ phien“ schon geraume Zeit üblich waren. 5 Die Sammlung von Daten zur natürlichen Bevölkerungsbewegung – insbesondere zur Mortalität aus Gründen der Seuchen­ prävention – stand angesichts der hohen Sterblichkeit nicht von ungefähr im Mit­ telpunkt des Interesses vor- und frühsta­ tistischer Erhebungen städtischer Obrig­ keiten. Daneben spielten fiskalische und militärische Zwecke eine zentrale Rolle. Zentralstaatliche Erhebungen in Form von Konskriptionen reichen bekanntlich in der Habsburgermonarchie bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts zurück. Diese Zählungen wurden über einen mehrmo­ natigen Zeitraum von einer kleinen Zahl von Konskriptionskommissaren durch „Haus zu Haus“-Begehung abgewickelt. 6 Für diese„Bevölkerungsevidenz“ war auf Wiener Ebene ab 1786 das Konskrip­ tionsamt zuständig, welches 1819 dem Magistrat unterstellt wurde. Gemeinsam mit dem 1847 mit ihm vereinten Totenbe­ schreibamt spielte es bei der Generierung von Bevölkerungsdaten für die staatliche Statistik eine wichtige Rolle, allerdings ohne selbst mit der Erstellung und Inter­ pretation von Statistiken befasst zu sein. 7 Damit war eine Konstellation geschaffen, die bis zu einem gewissen Grad bis in die Gegenwart bestehen blieb. Mit dem Regis­ terzählungsgesetz von 2006 8 sind es seit 2002 die für das Meldewesen zuständige Magistratsabteilung 62(Wahlen und ver­ schiedene Rechtsangelegenheiten) und die Magistratsabteilung 37(Baupolizei), die den wichtigsten Wiener Dateninput lie­ fern, jedoch nicht als statistische Abteilun­ gen anzusprechen sind. Es ist daher kaum zufällig, dass sich im Wiener Stadt- und Landesarchiv zwar ein interessanter Ak­ tenbestand im Konskriptionsamt über die Abwicklung der Volkszählungen der Jahre 1 Andreas Weigl, Sterblichkeit an epidemischen Krankheiten 1831–1873. In: Historischer Atlas von Wien 8. Lieferung, Karte 3.6.1/2, Wien 2002. 2 Gerry Kearns, The Urban Penalty and the Population History of England. In: Andres Brändström, Lars-Göran Tedebrand(Hg.), Society, Health and Population during the Demographic Transition, Stockholm 1988, 213-236; Jeffrey G. Williamson, Coping with city growth during the British industrial revolution, Cambridge 1990. 3 Andreas Weigl, Demographischer Wandel und Modernisierung in Wien(Kommentare zum Historischen Atlas von Wien 1), Wien 2000, 165. 4 August Hirsch(Hg.), Biographisches Lexikon der hervorragenden Aerzte aller Zeiten und Völker. Bd. 2. Wien-Leipzig 1885, 574. 5 [Eduard] Glatter, Beiträge zur ärztlichen Topographie Wiens mit besonderer Berücksichtigung der Mortalität im Jahre 1862, Wien 1864. 6 Anton Tantner, Die Volkszählungen. In: Sylvia Mattl­Wurm, Alfred Pfoser (Hg.), Die Vermessung Wiens. Lehmanns Adressbücher  1859–1942, 270­277. 7 Elfriede Sheriff, Die Ämter der Stadt Wien 1783–1848 in verwaltungsgeschichtlicher und personeller Hinsicht (ungedr.Diss.), Wien  1977, 87–95, 125f. 8 BGBl. I 33/06; I 125/09. 150 JAHRE STATISTIK WIEN| REFERATE ZUR FACHTAGUNG – TEIL 1 29 1857–1923 erhalten hat 9 , nicht jedoch im Statistischen Department oder im Sta­ tistischen Amt, dessen Archivbestand zu größeren Teilen Unterlagen zu den Statisti­ schen Jahrbüchern und Verwaltungsberich­ ten beinhaltet. 10 Da Ergebnisse statistischer Erhebungen bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts staatli­ cherseits als Arkanwissen gehütet wurden, gelang es erst 1829, Kaiser Franz I. von der Notwendigkeit der Schaffung eines zentral­ staatlichen statistischen Büros zu über­ zeugen. 11 Dieses Büro bzw. die spätere Direktion der administrativen Statistik sammelte Daten von den zuarbeitenden Lokalbehörden, die die Statistikprodukti­ on allerdings neben den normalen Amts­ geschäften betrieben. Mit diesem Problem war auch die Stadt Wien konfrontiert, wie sich auch aus dem Vorwort der in den Jah­ ren 1857 und 1860 erschienenen Hefte der ersten kommunalen Statistikpublika­ tion ablesen lässt. Dort wurde bedauernd festgestellt,„dass  das  umfangreiche  Ma­ teriale  grösstentheils  erst  angesammelt  werden  musste  und  dass  zur  Verarbeitung  desselben die damit betrauten städtischen  Beamten nur jene Zeit verwenden konnten,  welche  nicht  für  die  laufenden  Amtsge­ schäfte  in  Anspruch  genommen  wurde“. 12 Erst mit der 1863 ins Leben gerufenen „Statistischen Zentralkommission“ ent­ stand ein festes Bindeglied der staatlichen Statistik zu den zentralen und lokalen Verwaltungsstellen, welches eine enorme Ausweitung des statistischen Programms in den folgenden Jahrzehnten ermöglich­ te. 13 Eine Einbindung des neugeschaffe­ nen kommunalen„Statistischen Bureaus“ war damit jedoch noch keineswegs ge­ geben, wie dessen Leiter anlässlich der Volkszählung 1869 bedauernd feststellen musste:„Der  Umstand  aber,  daß  in  Folge  der  eigenthümlichen  Organisation  das  communal­statistische  Bureau  gar  keinen  Einfluß  auf  jene  Fragestellung  übte,  und  der  Act  der  Zählung  vom  Conscriptions­ amte  des  Magistrates  ausschließlich  im  Sinne  des  staatlichen  Regulatives,  also  ohne  Rücksicht  auf  die  specifischen  Ver­ hältnisse einer Residenzstadt bewirkt wur­ de“ wurde von Glatter daher auch für Er­ hebungslücken verantwortlich gemacht. 14 Die Geschichte der amtlichen Statistik im Wiener Magistrat beginnt in einer Zeit des Aufbruchs, einer Zeit, als die sich in Ansät­ zen entwickelnde kommunale Leistungs­ verwaltung ihre Leistungsnachweise der Öffentlichkeit nahe bringen wollte. 15 Un­ mittelbaren Anlass für die Gründung des Jahres 1862 bot daher nicht etwa, wie man vermuten könnte, die Abwicklung moder­ ner Volkszählungen, sondern die Abhal­ tung eines großen internationalen Kongres­ ses mit 543 Teilnehmern in Wien im Jahr 1857. 16 Prestigegründe waren es auch, die auf politischer Ebene eine Ausweitung der Aktivitäten des Büros als sinnvoll er­ scheinen ließen. So stellte Bürgermeister Eduard Uhl 1883 im Verwaltungsbericht fest, das„die  Gemeinde Wien ...  bisher  in  der  wissenschaftlichen  Verwertung  des  zu  Gebote  stehenden  Zählungsmaterials  nicht nur gegen die deutschen Großstädte,  sondern auch gegen einzelne Hauptstädte  Oesterreich=Ungarns  zurückgeblieben“  17 war. Die Präsentation einer Art in Zahlen ge­ gossenen Leistungsbilanz, die im erstmals 9 Wiener Stadt­ und Landesarchiv (WStLA), Konskriptionsamt, B56; A8; A53. 10 WStLA, MAbt. 121. 11  Wilhelm Zeller, Geschichte der zentralen amtlichen Statistik in Österreich. In: Österreichisches Statistisches Zentralamt (Hg.),  Geschichte und Ergebnisse der zentralen amtlichen Statistik in Oesterreich 1829­1979 (Beiträge zur österreichischen Statistik 550),  Wien 1979, 13­239, 16­39. 12  Präsidium des Gemeinderathes und Magistrats der k.k. Reichshaupt­ und Residenzstadt Wien (Hg.), Statistik der Stadt Wien. Heft 2,  Wien 1861, V. 13  Denkschrift der k.k. statistischen Zentralkommission zur Feier ihres fünfzigjährigen Bestandes, Wien 1913. 14  Ed. Glatter, Mittheilungen des statistischen Bureau’s der Stadt Wien. In: Wiener Kommunal­Kalender und Städtisches Jahrbuch 9  (1871), Wien 1871, 203­223, 203. 15  Vgl. dazu Hans Heinrich Blotevogel (Hg.), Kommunale Leistungsverwaltung und Stadtentwicklung vom Vormärz bis zur Weimarer  Republik (Städteforschung A 30), Köln­Wien 1990. 16  Wilhelm Winkler, 1857 – 1891 – 1913 – 1973. Wien viermal im Brennpunkt der internationalen Statistik. In: Mitteilungsblatt der  österreichischen Gesellschaft für Statistik und Informatik 3 (1973) Nr. 10, 21­30, 23 f.; Olga Lünemann, Entstehung und Werdegang  des Statistischen Amtes der Stadt Wien. In: Magistrat der Stadt Wien (Hg.), 100 Jahre Statistisches Amt der Stadt Wien. Festschrift  anlässlich der in der Gemeinderatssitzung vom 18. Februar 1862 beschlossenen Errichtung eines statistischen Bureaus der Stadt  Wien. Wien: Magistrat der Stadt Wien (1962), 33–43, 33 f. 17  Die Gemeinde­Verwaltung der Reichshaupt­ und Residenzstadt Wien in den Jahren 1880–1882. Wien 1884, 8. Das Wissen um Phänomene, die  sich einer statistischen Erfassung  entziehen, macht gelassen ge­ genüber falschen Sorgen über die  Allmacht der Zahlen oder gar der  Zahlensammler. EDZARD REUTER 30 STATISTIK JOURNAL WIEN Like dreams, statistics are a form   of wish fulfillment. JEAN BAUDRILLARD 1885 erschienenen„Statistischen Jahr­ buch“ ihre bis heute gültige Publikations­ form fand, bildete demnach ein wichtiges Aufgabenfeld der kommunalen Statistik. Ganz im Sinn einer Schau der kommunalen Leistungsverwaltung bezogen die Statisti­ schen Jahrbücher ihre Daten dann im hohen Maß aus Quellen kommunaler Verwaltungs­ tätigkeit. Demgegenüber machten sich die wenigen Statistiken, die anderen Quellen – staatlichen Volkszählungen, Statistiken der Militärbehörden oder etwa der Gewerbege­ nossenschaften – entstammten, nachran­ gig aus. 18 Seit ihrer Umwandlung in ein eigenständiges Department im Jahr 1876 war die kommu­ nale Statistik jedoch immer auch in die Or­ ganisation der staatlichen Großzählungen, vor allem der Volks- bzw. seit 2006/11 der Registerzählungen in Wien eingebunden. Ansprechpartner auf zentral- bzw. später bundesstaatlichen Ebene waren die k.k. statistische Zentralkommission, später das Bundesamt für Statistik, während der NSZeit das Berliner„Reichsamt für Statistik“, ab 1945 das Österreichische Statistische Zent­ ralamt bzw. ab dem Jahr 2000 die Bundesan­ stalt Statistik Austria. In der Praxis war diese Aufgabe nur durch Kooperation zwischen datenerfassenden Magistratsabteilungen (Bezirksämtern) und der statistischen Ab­ teilung möglich. Beispielsweise oblag, wie es im Verwaltungsbericht der Stadt Wien hieß, die Durchführung der Volkszählung des Jahres 1923 der Magistratsabteilung für Bevölkerungswesen und Wehrangelegen­ heiten(MA 50)„im  Einvernehmen  mit  der  Magistratsabteilung 51“(Statistik). 19 In Geschichte und Gegenwart der Wiener Sta­ tistik finden sich auch immer wieder biogra­ phische Bezugspunkte zwischen zentraler und kommunaler Ebene. 20 So begann etwa Walter Schiff(1866–1950) seine Karriere als Konzeptpraktikant bei der Statistischen Zentralkommission, bei der er bis 1908 be­ schäftigt war. Später wechselte er in das Arbeitsstatistische Amt im k.k. Handelsmi­ nisterium, um 1919 als Vizepräsident in das nunmehrige Bundesamt für Statistik zurück­ zukehren. 21 Knapp vor seiner Pensionierung stand er sogar wenige Monate an dessen Spitze. 22 Als Frühpensionist war er ab 1923 für das Statistische Amt der Stadt Wien bis zu seinem erzwungenen Ausscheiden im Jahr 1934 als Konsulent tätig. 23 Von der Bun­ des- in die Kommunalstatistik führte auch der Berufsweg von Ludwig Siegfried Rutsch­ ka(1904–1970). Rutschka war ab 1931 im Bundesamt für Statistik tätig. Nach dem Zweiten Weltkrieg leitete er die erste Nach­ kriegsvolkszählung, wechselte 1958 in das Statistische Amt der Stadt Wien, an dessen Spitze er von 1958 bis 1969 stand. 24 Die Frage der Verortung der Statistik in der kommunalen Verwaltung stellte sich für die Entscheidungsträger seit deren Gründung als ein nicht ganz einfaches Unterfangen. Das„Statistische Bureau“ wurde zunächst vorläufig als sogenanntes Nebenamt der damals erst in einer frühen Phase ihrer Ent­ wicklung befindlichen Gemeindeverwal­ tung eingerichtet. Ab 1876 bestand es als statistisches Departement, welches 1902 in die nunmehrige Magistratsabteilung XXI für Statistik umgewandelt wurde. 1948­ 2005 firmierte diese unter der Bezeich­ nung„Statistisches Amt“. Dieses wurde im Jahr 2005 aufgelöst und zunächst in die Magistratsabteilung 5(Finanzwirtschaft, Haushaltswesen und Statistik) integriert. Ab 1. 1. 2012 ist die Statistik nunmehr be­ kanntlich Bestandteil der neu gegründeten Magistratsabteilung 23, der Abteilung für 18  Magistrats=Abteilung XXI (Bearb.), Statistisches Jahrbuch der Stadt Wien 31 (1913). Wien 1916. 19  Magistrat der Stadt Wien (Hg.), Die Verwaltung der Bundeshauptstadt Wien in der Zeit vom 1. Jänner 1923 bis 31. Dezember 1928  unter den Bürgermeistern Jakob Reumann und Karl Seitz, Bd. 2, Wien 1933, 1887. 20  Andreas Weigl, Die statistische Vermessung der Stadt. In: Mattl­Wurm, Pfoser, Vermessung Wiens, 278­291, 282­287. 21  Reinhard Müller, Walter Schiff (1866–1950). Statistiker und Nationalökonom. In: Dora Schimanko, Warum so und nicht anders.   Die Schiffs: eine Familie stellt sich vor, Wien 2006, 160–169, 160–162. 22  Alexander Pinwinkler, Wilhelm Winkler (1884­1984) – eine Biographie. Zur Geschichte der Statistik und Demographie in Österreich  und Deutschland (Schriften zur Wirtschafts­ und Sozialgeschichte 75), Berlin 2003, 191. 23  M. Dippelreiter, Walter Schiff. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815­1950. Bd. 10, Wien 1994, 122 f.; Müller, Walter Schiff, 162. 24  Rosa Lebmann, Heimold Helczmanovski, Auf dem Gebiete der Bevölkerungsstatistik und Bevölkerungswissenschaft tätige Österreicher.  Eine Biographie und Bibliographie, Wien 1986, 154 f.; Gudrun Exner (unter Mitarbeit von Peter Schimany), Bevölkerungsstatistik und Bevöl­ kerungswissenschaft in Österreich 1938 bis 1955. Wien­Köln­Weimar 2007 (Schriften des Instituts für Demographie der Österreichischen  Akademie der Wissenschaften 21), 182 f. 150 JAHRE STATISTIK WIEN| REFERATE ZUR FACHTAGUNG – TEIL 1 31 Wirtschaft, Arbeit und Statistik. Nach den Geschäftsordnungen von 1891 und 1902 als jeweils eigenständiges, wenn auch kleines Department bzw. Abteilung beste­ hend, wechselte die Zuteilung zu den ab 1920 eingerichteten Geschäftsgruppen häufig. 1920-1934 gehörte die damali­ ge MA 51 der Geschäftsgruppe VII„All­ gemeine Verwaltungsangelegenheiten“ an, 1934-1939 der Geschäftsgruppe VI „Wirtschaftsamt“, 1939-1941 dem Haupt­ verwaltungs- und Organisationsamt 3, 1941-1945 als Abt. A 15 dem Amt für Be­ völkerungs- und Karteiwesen, 1945-1950 der Verw.Gr. VII, später Geschäftsgruppe XI bzw. X„Allgemeine Verwaltung“. 25 In der neueren Geschichte pendelte die Statistik zwischen Planung und Wirtschaft. 1969­ 1971, 1976-1983, 1991-1996 gehörte sie der neu geschaffenen Geschäftsgruppe „Planung“ an, 1971-1976 und ab 1996 der Geschäftsgruppe„Finanzen“. Ein Zwi­ schenspiel stellte 1983-1991 die Zugehö­ rigkeit zum„Konsumentenschutz“ dar. 26 An den in den Geschäftsordnungen fest­ gehaltenen Hauptaufgabengebieten der jeweiligen statistischen Einheiten im Magis­ trat der Stadt Wien, nämlich die Durchfüh­ rung der Volkszählungen und vergleichbarer gesamtstaatlicher Erhebungen auf lokaler Ebene, Veröffentlichung statistischer Pub­ likationen und des Verwaltungsberichtes änderte sich lange Zeit nichts Wesentliches. Allerdings steigerte sich bereits in der Zwischenkriegszeit die Bedeutung der Ab­ teilung für die Abwicklung wirtschaftssta­ tistischer Erhebungen. 27 So war die statis­ tische Abteilung intensiv mit Organisation und Erhebung der gewerblichen und land­ wirtschaftlichen Betriebszählung von 1930 befasst. 28 Nach 1945 waren es dann die Durchführung und Bearbeitung der Bausta­ tistik und vor allem konsum- und preissta­ tistischer Erhebungen, die wichtige zusätz­ liche Aufgabengebiete darstellten. Die seit April 1957 laufend durchgeführten Preiser­ hebungen in Wien durch das Statistische Amt bildeten eine unumgängliche Basis für die Einführung des Verbraucherpreisindex in Österreich. 29 Zudem waren es die Statis­ tik der natürlichen Bevölkerungsbewegung und die Krankenanstaltenstatistik, in de­ nen das Wiener Statistische Amt in die Er­ arbeitung bundesstatistischer Erhebungen involviert war. 30 Um die Jahrtausendwende kam es zu den bekannten größeren Verän­ derungen in Bezug auf die Organisations­ form der Bundesstatistik, den Bereich der Großzählungen, sowie einige der angeführ­ ten laufenden Erhebungen. Insgesamt ist es dadurch zu einer stärkeren Zentralisie­ rung der statistischen Tätigkeiten gekom­ men. Offen bleibt die Frage, ob die durch das Registerzählungsgesetz von 2006 in Gang gekommene Entwicklung zu einer markanten Gewichtsverschiebung in den Aufgaben der kommunalen Statistik bei­ tragen wird. Die Erfahrungen im Vorfeld der Proberegisterzählung 2006 und der Regis­ terzählung 2011 stützen das nur bedingt. Auch bleiben derzeit mit der Preis- und Tourismusstatistik wichtige regionale Er­ hebungen im bundesstatistischen Auftrag weiterhin im Aufgabenbereich der Wiener Statistik. Eine stärkere Hinwendung zur Analytik mit besonderer Berücksichtigung der Wirtschaftsstatistik ist jedoch unver­ kennbar und wird ja auch durch die Grün­ dung der MA 23 im Namen der Abteilung neuerdings dokumentiert. Seitens der staatlichen Statistik wollte man lange Zeit angesichts der geschilderten Aufgabenteilung methodisch eine über die deskriptive Statistik hinausgehende ana­ lytische Kompetenz der kommunalen Sta25  Felix Czeike, Peter Csendes, Die Geschichte der Magistratsabteilungen der Stadt Wien 1902­1970 (Wiener Schriften 33), Wien­München  1971, 14­59, 161. 26  Peter Csendes, Geschichte der Wiener Magistratsabteilungen in den Wahlperioden 1969 bis 2005 (Veröffentlichungen des Wiener  Stadt­ und Landesarchivs 13), Wien 2007, 141; Informationsdatenbank des Wiener Landtages und Gemeinderates, 17. Sitzung des  Gemeinderates vom 16.12.2011, 4748/2011. https://www.wien.gv.at/infodat/ergdt?detvid=98774 27  Czeike, Csendes, Magistratsabteilungen 1902–1970, 161 f.; Csendes, Magistratsabteilungen, 141. 28  Magistrat der Stadt Wien (Hg.), Die Verwaltung der Bundeshauptstadt Wien in der Zeit vom 1. Jänner 1929 bis 31. Dezember 1931  unter dem Bürgermeister Karl Seitz, Wien 1949, 1083 f. 29  Ludwig S. Rutschka, Kommunalstatistik in Österreich. In: 100 Jahre Statistisches Amt, 9­32, 23­28; Österreichisches Statistisches  Zentralamt (Bearb.), Die Entwicklung der Verbraucherpreise seit 1900 (Beiträge zur österreichischen Statistik 956), Wien 21990, 11­14. 30  Czeike, Csendes, Magistratsabteilungen 1902­1970, 162. Statistik ist ein Verfahren, welches  es gestattet, geschätzte Größen  mit der Genauigkeit von Hunderts­ telprozent auszudrücken. HELMAR NAHR 32 STATISTIK JOURNAL WIEN tistik kaum zusprechen. Erhellend sind in diesem Zusammenhang die Ausführungen des ehemaligen Vizepräsidenten des Sta­ tistischen Bundes- bzw. Zentralamtes Felix Klezl-Norberg(1885–1972) 31 , die dieser anlässlich des hundertjährigen Bestehens des Wiener Statistikamtes im Rahmen der kommunalstatistischen Tagung 1962 in seinem Festvortrag zum Thema„Staatliche und Kommunalstatistik“ machte. In diesem Vortrag wies er der Kommunalstatistik den Bereich der„Stadtkunde“ zu und bestritt die Notwendigkeit der Anwendung komplexerer statistischer Verfahren in ihrem Wirkungsbe­ reich. 32 Es gab jedoch durchaus schon früh Felder in denen es der Kommunalstatistik gelang, neue Standards zu setzen. So war es die Einführung von Bildstatistiken in denen die Wiener Statistik sogar eine Vorreiterrolle übernahm. Diese vom Sozialwissenschafter und-reformer Otto Neurath auf wissenschaft­ licher Basis begründete Darstellungsform fand rasch Eingang in die statistischen Pub­ likationen der Stadt. 33 Die Zusammenarbeit der beiden Institutionen fand in diversen Publikationen des„Roten Wien“ ihren Aus­ druck, u.a. in einem Begleitheft zur Ausstel­ lung„Wien und die Wiener“ aus dem Jahr 1927 34 , die im Messepalast stattfand. Die ab den späten 1960er-Jahren erfolgte Etablierung des Faches„Statistik“ an zahl­ reichen österreichischen Universitäten tat dann ein Übriges, um eine methodische Öffnung vorzubereiten und zu unterstüt­ zen. Insbesondere mit der technologischen Entwicklung verbunden ist zuletzt unzwei­ felhaft das moderne Registermanagement und die Entwicklung komplexerer Verfah­ ren zur Indikatorenentwicklung in den Mittelpunkt des Interesses von Nutzerin­ nen und Nutzern innerhalb und außerhalb der Wiener Politik und Verwaltung gerückt. Dennoch ergibt sich nach wie vor aus dem Aufgabenfeld der kommunalen Statistik ein nicht zu leugnendes von der Bundessta­ tistik teilweise abweichendes Methoden­ spektrum, jene Bundesstatistik, die ja so­ zusagen zumeist an der Datenquelle sitzt. Wenn die im Wiener Statistikgesetz vorge­ sehene Möglichkeit, Erhebungen im eige­ nen Wirkungsbereich durchzuführen, in Zu­ kunft stärker genutzt werden sollte, könnte dies sich jedoch gerade mit Bezug auf Methoden der induktiven Statistik ändern. Eine Aufgabe der Wiener Statistik seit ihrer Gründung war es immer auch, ein breiteres, an Statistik interessiertes Publikum zu in­ formieren. Mit dem„Statistischen Jahrbuch der Stadt Wien“ entstand ein eigenständi­ ges bis in die Gegenwart bestehendes Pe­ riodikum, welches allerdings ursprünglich auf Grund seiner Ausstattung und seines Preises nicht für ein größeres Publikum ge­ dacht war. Der voluminöse Jahrgang 1913 kam auf stolze 1024 Seiten, ein Umfang, den die kommunalen statistischen Periodi­ ka nie wieder erreichen sollten. Das popu­ läre Interesse an Statistiken bedienten ab den 1880er-Jahren Publikationen wie die „Statistischen Daten über die Stadt Wien“. Seit Mitte der 1920er-Jahre erschien mit den „Statistischen Taschenbüchern“ ein Nach­ folgeprodukt. Die Reihe der Statistischen Ta­ schenbücher bestand bis zum„Anschluss“ und wurde in der Zweiten Republik ab 1947 wieder aufgenommen, ehe sie 2005 durch ein entsprechendes„Internetangebot“ er­ setzt wurde. 35 Steigende Zugriffszahlen auf die Internetseiten der Wiener Statistik – die Zugriffe haben sich seit 2006 in etwa verdoppelt 36 – verweisen jedenfalls auch in Zukunft auf den Bedarf an quantitativen Informationen für eine interessierte Öffent­ lichkeit, die deutlich über den engen Kreis der Expertinnen und Experten hinausgeht. Insofern wird dieses traditionelle Aufgaben­ feld der kommunalen Statistik in Wien auch in Zukunft von Bedeutung sein. 31  Zur Person vgl. Exner, Bevölkerungsstatistik, 150–153. 32  Felz Klezl­Norberg, Staatliche Statistik und Kommunalstatistik. In: Statistisches Amt der Stadt Wien (Bearb.), Bericht 12. Kommunal­ statistische Tagung in Wien am 8. und 9. Mai 1962. Wien o. J, 27–37, 30 f. 33  Otto Neurath, Schwarzweißgraphik. In: Ders., Gesammelte bildpädagogische Schriften. Hg. von Rudolf Haller, Robin Kinross. Wien  1991, 51–55 (Nachdruck aus Österreichische Gemeinde­Zeitung 3 (1926), 334–338). 34  Gemeinde Wien, Wiener Arbeiterkammer und Sozialversicherungsinstitute auf der Ausstellung „Wien und die Wiener“ 1927. Statisti­ sche Bildtafeln des Gesellschafts­ und Wirtschaftsmuseums in Wien. Wien 1927 (SD aus der „Österreichischen Gemeindezeitung“). 35  Statistisches Amt der Stadt Wien (Hg.), Statistisches Taschenbuch für Wien 1926–1938, 1947–2005. Wien u. a. 1926–2005. 36  MA 23, unveröffentlichte Zugriffsstatistik. STATISTIK IN DER VERWALTUNG – KONTINUITÄT IM WANDEL REFERATE ZUR FACHTAGUNG – TEIL 2 STATISTIK IN DER VERWALTUNG – KONTINUITÄT IM WANDEL WIRTSCHAFT UND ARBEIT – HERAUSFORDERUNGEN AN DIE STATISTIK 34 STATISTIK JOURNAL WIEN Wirtschaft und Arbeit – Herausforderungen an die Statistik Dipl.-Vw. Klemens Himpele, MA 23 – Wirtschaft, Arbeit und Statistik, Dienststellenleiter Für Verwaltung und Politik ist die Bedeutung gesicherter Informationen alsEntscheidungs­ grundlage kaum zu überschätzen, hierbei spielen auch statistische Daten eine zentrale Rolle. Gerade im Bereich der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik sind die Daten von zen­ traler und zunehmender Bedeutung – ohne statistische Informationen wüssten wir nichts über die Entwicklung der Preise, wir hätten bestenfalls anekdotische Evidenz zur Frage der Produktionsstruktur, Arbeitslosigkeit und Beschäftigung wären nicht bekannt, die Entwicklung der Produktion von Waren und Dienstleistungen müsste geschätzt werden und vieles mehr. Im Bereich der Wirtschaft kann die amtliche Statistik auf eine lange Tradition mit gut erprobten Messkonzepten und Methoden zurückgreifen, die Daten der Wirtschaftsstatistik werden seit Jahrzehnten erstellt und dienen Entscheidungsträgerin­ nen und Entscheidungsträgern als Hilfe. Die­ se Informationen müssen auch künftig in der gewohnten Qualität zur Verfügung gestellt werden, gleichzeitig ändern oder erweitern sich jedoch die Anforderungen und Frage­ stellungen der Gesellschaft. Da die Statistik die Lebensrealitäten der Menschen wahr­ heitsgemäß darstellen soll, sind die sich ändernden Fragen von erheblicher Relevanz für Messkonzepte und für die Auswahl der zu erfassenden Daten. Eine zentrale Debatte betrifft dabei die Wohlstandsmessung: Der Zugang zur Frage, was Fortschritt und Wohl­ stand ist, wird heute deutlich breiter gefasst als in den vergangenen Jahrzehnten. So spielen etwa unterschiedliche Erwartungen an ein„gutes Leben“ ebenso eine Rolle wie neue sozialpolitische Herausforderungen und die Frage der Nachhaltigkeit. Hier muss die amtliche Statistik bestehende Konzepte ggf. erweitern oder erneuern, um die gestell­ ten Fragen zu beantworten. Erste Herausforderung: Messkonzepte zur Wohlstandsmessung Lassen Sie mich dies an einem Beispiel deut­ lich machen: Wenn das Bruttoinlandsprodukt sinkt, dann sind die Zeitungen und Nach­ richten voll mit entsprechenden Meldun­ gen. Ein wirtschaftlicher Abschwung betrifft uns schließlich alle, denn weniger Produk­ tion bedeutet auch weniger Arbeit und – wenn die Arbeit nicht umverteilt wird – eine höhere Arbeitslosigkeit. Wenn das BIP steigt, dann finden sich ebenfalls Berichte in den Medien. Dabei geht es dann oft um die Frage, ob das BIP ausreichend steigt oder ob der Anstieg als zu gering wahrge­ nommen wird. Das BIP ist zu einer Art Fie­ berkurve der wirtschaftlichen Entwicklung geworden – aber es misst nicht den Fort­ schritt oder den Wohlstand. Die war nie der Anspruch an das BIP, die mediale Interpre­ tation geht jedoch in genau diese Richtung: Steigt das BIP, dann steigt der Wohlstand, sinkt das BIP, dann sinkt der Wohlstand. Das Messkonzept des BIP – also: Was soll mit dem BIP eigentlich beschrieben werden – tritt aufgrund der Popularisierung dabei in den Hintergrund. Das Messkonzept des Bruttoinlandspro­ dukts wies schon immer Schwächen auf – und dies ist schon lange bekannt. Seit einigen Jahren findet sich nun eine ver­ stärkte Debatte darüber, wie eigentlich „Wohlstand“ zu messen ist – und damit verbunden die Frage, was Wohlstand ei­ gentlich ist. Das hat damit zu tun, dass Wohlstand schon länger nicht mehr nur als ökonomischer Wohlstand betrachtet wird. Zwar ist eine ökonomische Absiche­ rung eine zentrale Voraussetzung für ein „gutes Leben“, aber bei Weitem nicht die einzige. So belegt Wien etwa in der aktu­ ellen Mercer-Studie zur Lebensqualität zum vierten Mal in Folge den ersten Platz. Im Messkonzept von Mercer spielen dabei auch Fragestellungen wie die politische Stabilität, Sicherheit, persönliche Frei­ heiten, Bildungs- und Verkehrsangebote, medizinische Versorgung, Infrastruktur, öffentliche Dienstleistungen, Kultur und Unterhaltung, die Verfügbarkeit von Kon­ sumgütern, die Frage des Wohnens usw. 150 JAHRE STATISTIK WIEN| REFERATE ZUR FACHTAGUNG – TEIL 2 35 eine Rolle. In einer aktuellen Studie von UN-Habitat, dem Programm der Vereinten Nationen für menschliche Siedlungen, be­ legt Wien den ersten Platz bei einem City Productivity Index. Hier sind in die Bewer­ tung neben dem BIP pro Kopf auch Fragen der Verteilung, der Infrastruktur und der Umweltbedingungen eingeflossen. Schon diese Beispiele machen deutlich, dass die Frage, was als Fortschritt hin zu einer höheren Lebensqualität wahrgenommen wird, eben nicht ausschließlich an der Frage des BIP festgemacht werden kann. Und es wird deutlich, dass Wohlstands­ konzepte auch gesellschaftlichem Wandel unterworfen sind, da sich die Bedürfnisse der Menschen im Laufe der Zeit – und kor­ reliert mit der Frage der materiellen Absi­ cherung – ändern. Was aber ist nun die Schwäche des BIP mit Blick auf die Wohlstandsmessung? Das BIP misst den Wert aller im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen, sofern es sich um eine marktförmige Produktion handelt. Aus gleichstellungspolitischer Perspekti­ ve wird schon lange darauf hingewiesen, dass etwa unbezahlte Reproduktionsarbeit nicht in das BIP einfließt, sehr wohl aber Werte schafft. Das Bonmot, dass das BIP sinkt, wenn ein Pfarrer seine Haushälterin heiratet – und diese dann nicht mehr ent­ lohnt – dürfte fast jeder Ökonom und jede Ökonomin kennen. Umgekehrt steigt das BIP bei einem Verkehrsunfall, da eben ein neues Auto produziert werden muss, Poli­ zei und Rettung zum Einsatz kommen usw., gleiches gilt bei Naturkatastrophen. Das BIP ist also ein Konzept für die Messung markt­ förmiger Produktion von Waren und Dienst­ leistungen. Das Bedürfnis, andere Aspekte ebenfalls als zentrale Indikatoren einer Gesellschaft zu verankern, ist in den ver­ gangenen Jahren jedoch gestiegen. Bereits 2007 fand eine Konferenz der Europäischen Kommission zum Thema„Beyond GDP“ statt, der ehemalige französische Staats­ präsident Nicolas Sarkozy hat zudem eine Kommission unter dem Vorsitz von Joseph Stiglitz eingesetzt – insgesamt fünf Nobel­ preisträger gehörten der Kommission an – um neue Messkonzepte bzw. Vorschläge zur besseren Nutzung vorhandener Konzepte zu erarbeiten. Der Stiglitz-Sen-Fitoussi-Bericht erschien im Jahr 2009 und hat bis heute er­ hebliche Auswirkungen auf die Debatte zur Wohlstandsmessung. In einigen Ländern sind Datensets zur Messung von Wohlstand entwickelt und auch vorgestellt worden – auch in Österreich. Im Oktober 2012 hat Statistik Austria auf einer Konferenz eine neue Darstellung verschiedener Indikatoren angekündigt, die die Frage beantworten sol­ len, wie es Österreich geht. 1 Dabei werden Daten aus den Bereichen materieller Wohl­ stand, Lebensqualität und umweltorientier­ te Nachhaltigkeit bereitgestellt. Der materielle Wohlstand soll dabei nicht mehr nur durch das BIP, sondern etwa auch über die Verteilung des Einkommens, den Konsum der privaten Haushalte u.a. erfasst werden. Denn einerseits lässt sich feststellen, dass Österreich über ein hohes BIP pro Kopf verfügt, andererseits geht die Einkommensschere weiter auf und es gibt eine Ausgrenzungsgefährdung von – so Konrad Pesendorfer bei der Vorstellung von„Wie geht’s Österreich?“ – 1,4 Millio­ nen Menschen. Die Lebensqualität wird sicherlich auch über verfügbare Ressourcen bestimmt, es spielen aber auch andere Indikatoren eine Rolle. Genannt seien hier die Gesundheit, die Frage der Bildung und des Bildungs­ zugangs, die Frage der Sicherheit und die Frage der Wohnumgebung. Ebenfalls aufge­ nommen in die Darstellung von„Wie geht’s Österreich?“ wurden Umweltindikatoren. Dabei geht es um den Flächenverbrauch, den Energieverbrauch, den Anteil biologisch bewirtschafteter Flächen, Verkehr usw. Die Liste lässt sich fortsetzen, es sollte aber deutlich werden, dass Lebensquali­ tät eine vielschichtige Frage ist. Damit wird aber deutlich, dass die Frage, was Wohl­ stand ist, gesellschaftlich immer wieder neu verhandelt wird. Statistik Austria hat 1 Weitere Informationen finden sich auf der Internetseite von Statistik Austria: http://www.stat.at/web_de/statistiken/wie_gehts_oesterreich/index.html(Zugriff: 29.11.2012). Die Qualität eines Volkswirts  erkennt man daran, ob er in der  Lage ist, auch aus einer falschen  Statistik die richtigen Schlüsse   zu ziehen. HELMUT SCHLESINGER  36 STATISTIK JOURNAL WIEN There are two kinds of statistics,  the kind you look up, and the kind  you make up. REX STOUT zunächst nichts weiter gemacht, als beste­ hende Daten neu darzustellen. Daneben bleiben jedoch erhebliche Datenlücken, etwa zum Vermögen, bestehen. Eine erste Herausforderung an die amt­ liche Statistik ist es daher, bestehende Informationslücken zu schließen und Messkonzepte zu entwickeln, die die Vielfallt von„Wohlstand“ wiedergeben. Dabei darf die zentrale Rolle materieller Entwick­ lungen nicht ersetzt, sondern sie muss ergänzt werden. Zweite Herausforderung: Die richtigen Fragen mit den richtigen Daten beantworten Die Tatsache, dass bei der Frage der Wohl­ standsmessung auf zunehmend mehr Indi­ katoren zugegriffen werden kann, hat ihre Ursache auch in der zunehmenden Fülle an Informationen. Die Revolution der In­ formations- und Kommunikationstechno­ logie hat hier Spuren hinterlassen – eine Konsequenz daraus ist die verstärkte Nut­ zung von Registerdaten. Da so nicht mehr zu allen Fragestellungen, insbesondere der Volksbefragung, ressourcenintensive Erhe­ bungen durchgeführt werden müssen, und auf Grund der elektronischen Datenverar­ beitungsmöglichkeiten, sind mehr Infor­ mationen schneller verfügbar. Wir haben heute in vielen Bereichen nicht das Pro­ blem von zu wenig Information, sondern das Problem, die richtigen und gesicherten Informationen aus der Menge der Daten herauszufiltern. Hier spielt die amtliche Statistik schon immer eine zentrale Rolle. Daten wurden nie ausschließlich durch sta­ tistische Ämter erhoben – es sei nur auf die Veröffentlichungen der Wirtschaftsforschung verwiesen. Auch im Bereich außerhalb der Wissenschaft und der statistischen Ämter nimmt der Umfang der Datenerhebung zu. In dieser Gemengelage ist es umso wichtiger, dass die amtliche Statistik erstens an ihren Qualitätsstandards festhält, und zweitens die unüberschaubaren Datenmengen sor­ tiert und aufbereitet. Dabei werden sicher­ lich auch Methoden zur Bearbeitung unstruk­ turierter Daten an Bedeutung gewinnen. Die zweite Herausforderung der amtlichen Statistik besteht darin, die richtigen Fragen mit den richtigen Daten und Messkonzep­ ten zu beantworten und dabei eine hohe Qualität zu sichern. Dritte Herausforderung: Geschwindigkeit Die gegenwärtige Wirtschaftskrise hat die Notwendigkeit schneller wirtschaftspoli­ tischer Reaktionen noch einmal deutlich gemacht. Entscheidungen sind zeitnah zu treffen, das volatile Umfeld verlangt daher schnelle Informationen. Je früher Informa­ tionen verfügbar sind, desto früher können Entscheidungen in Politik und Verwaltung getroffen werden und desto effektiver dürf­ ten diese Entscheidungen sein. Hieraus ergibt sich eine gewisse Spannung zur For­ derung nach einer ausgezeichneten Daten­ qualität. Allerdings hat die Revolution der Informations- und Kommunikationstechno­ logie neue Möglichkeiten einer möglichst zeitnahen Verarbeitung von Daten eröffnet. Wurden früher handschriftlich ausgefüllte Datenbögen sortiert, gezählt, erneut sor­ tiert usw., so kommen zahlreiche Informa­ tionen heute elektronisch an und werden auch elektronisch weiterverarbeitet. Hier sind in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte erzielt worden, die Herausfor­ derung für die Zukunft besteht darin, die Veröffentlichungszeitpunkte soweit als möglich nach vorne zu verlegen, ohne dass die Datenqualität dadurch gefährdet wird. Die dritte Herausforderung der amtlichen Statistik mit Blick auf die Wirtschafts- und Arbeitsmarktdaten ist also das zeitnahe Bereitstellen gesicherter Informationen. Vierte Herausforderung: Kleinräumige Analysen Die erhebliche Ausweitung der technischen Möglichkeiten und die Weiterentwicklung statistischer Methoden führen dazu, dass Daten immer kleinräumiger verfügbar wer­ den. Die Informationen werden dabei zu­ nehmend regional zur Verfügung gestellt – etwa als regionalisiertes Bruttoinlands­ produkt(auf Ebene der Bundesländer) – 150 JAHRE STATISTIK WIEN| REFERATE ZUR FACHTAGUNG – TEIL 2 37 und auch die Nachfrage nach regionalisier­ ten Analysen nimmt kontinuierlich zu. Da­ bei ist die Gemeindeebene im Falle Wiens schon fast eine Selbstverständlichkeit, wiewohl auch hier noch Schwierigkeiten zu lösen sind. In manchen Bereichen sollen die Daten jedoch noch kleinräumiger zur Verfügung gestellt werden, um entspre­ chend politisch reagieren zu können. So sind kleinräumige Bevölkerungsvorausbe­ rechnungen eine zentrale Grundlage zum Planen der entsprechenden Infrastruktur. Kindergärten, Schulen, Straßen, Wohnun­ gen, Büros usw. sollen da gebaut werden, wo sie auch benötigt werden. Das Vorhan­ densein von kleinräumigen Informationen kann so eine elementare Grundlage etwa der Stadtplanung werden. Darüber hinaus sind ökonomische Informationen – etwa über regionale Einkommensverteilungen zur Planung und Umsetzung sozialpoli­ tischer Maßnahmen – von Interesse, die Beispiele lassen sich ausweiten. Im Bereich der regionalisierten Daten dürfte auch die Visualisierung großer Datenbestände ein Zukunftsthema sein. Das setzt aber sehr genaue Informationen voraus; hier reicht es oft nicht aus, auf Daten für Wien zu verwei­ sen. Vielmehr sollen die Informationen für Stadtviertel bereitgestellt und ausgewertet werden. Gerade dieser Punkt ist auch für die MA 23 eine große Aufgabe. Die vierte Herausforderung der amtlichen Statistik besteht also darin, kleinteilige In­ formationen zur Verfügung zu stellen. Zusammengefasst benötigt die Verwaltung und die Politik im Bereich der Wirtschafts­ und Arbeitsmarktstatistiken(und darüber hinaus) also die richtigen Daten so schnell und so genau wie möglich. Diese Heraus­ forderungen sind wahrlich nichts Neues. In der Einladung zur 150-Jahr-Feier der Sta­ tistik Wien hieß es daher auch:„Die Aufga­ ben der Statistik der Stadt Wien haben sich  seit 150 Jahren kaum verändert. Die metho­ disch­technischen  Anforderungen  an  die  heutige  amtliche  Statistik  waren  und  sind  jedoch  einem  stetigen  Wandel  unterwor­ fen. Die statistischen Methoden wurden im  Laufe der Zeit immer weiter verfeinert, und  das  Arbeitsprogramm  musste  laufend  an  die sich ändernden gesellschaftlichen und  wirtschaftlichen Anforderungen angepasst  werden.“  Erlaubt man sich einen kurzen Ausblick so steht für 2013 ein weiterer Schritt an, denn die Daten der erstmalig durchgeführten Registerzählung in Österreich werden dann zur Verfügung stehen. Verbunden mit den wirtschaftspolitischen und gesellschaftli­ chen Ansprüchen werden die Herausfor­ derungen an die Statistik jedenfalls nicht kleiner werden. Es bleibt dabei die Aufga­ be der Statistik, die Lebensrealitäten der Menschen wahrheitsgemäß darzustellen. Die neue Magistratsabteilung 23 wird sich den Herausforderungen, die Entschei­ dungsgrundlagen kontinuierlich zu verbes­ sern, stellen. Die Zusammenführung der Bereiche Wirtschaft und Statistik in einer Abteilung bietet hier die Chance, Informa­ tionen noch besser aufeinander abzustim­ men und so die Möglichkeiten der Statistik noch besser als bisher zu nutzen. Statistics are no substitute   for judgment. HENRY CLAY STATISTIK IN DER VERWALTUNG – KONTINUITÄT IM WANDEL QUO VADIS, STATISTIK WIEN? DATENMANAGEMENT UND REGISTERNUTZUNG IM 21. JAHRHUNDERT 38 STATISTIK JOURNAL WIEN Quo vadis, Statistik Wien? Datenmanagement und Registernutzung im 21. Jahrhundert Mag. Dr. Gustav Lebhart, MA 23 – Wirtschaft, Arbeit und Statistik, Leiter Landesstatistik Wien, Register-Koordinator Die Welt im 21. Jahrhundert wird zuneh­ mend von digitalisierten Informationen geprägt sein. In den letzten Jahren wurden weltweit etwa bis zu 200.000 SMS pro Sekunde und über 240 Billionen E-Mails täglich verschickt. Der weltweite Fotobe­ stand nimmt jährlich bis zu zehn Prozent zu und die Anzahl der Blogs im Internet hat die 100-Millionen-Grenze schon längst überschritten. Rund 1,8 Zettabyte digitale Daten wurden bisher durch Digitalisierung produziert. Und diese Datenmasse ver­ zeichnet jährlich starke Zuwachsraten und könnte sich in zwei Jahren bereits verdop­ pelt haben. Jedoch wird in Zukunft weiter­ hin nur ein sehr kleiner Anteil an Informa­ tionen strukturiert und datentechnisch für Statistiken zur Verfügung stehen. 1 Mit Informationen aus dem Netz werden zu­ nehmend voluminöse Geschäftsprozesse abgewickelt. Doch der scheinbar freie Da­ tenfluss auf den„Informationshighways“ birgt auch zahlreiche Risiken. Denn ge­ handelt werden heute vor allem Daten und Zahlen und keine realwirtschaftlichen Pro­ dukte. So erfolgen beispielsweise Trans­ aktionen an der Börse sekundenschnell und Algorithmen steuern den Finanzmarkt und entscheiden so über den kurzfristi­ gen Verlauf von Aktienkursen. Diese oft kontext(un)abhängige Datenmenge über­ fordert nicht nur die„einfachen“ Konsu­ mentInnen, sondern auch Bedienstete in Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung. Daten bilden das Fundament der amtli­ chen Statistik und sind somit ein wertvol­ ler Produktionsfaktor innerhalb der öffent­ lichen Verwaltung. Daten bilden auch die Grundlage für Information und Wissen. Information entsteht durch Transkription und Wertschöpfung durch die Umsetzung dieser Informationen in Handlungen und Planungen. Der Nutzen statistischer Daten und Informationen hängt jedoch immer davon ab, mit welcher Qualität die Nutze­ rInnen sie interpretieren, auswerten und verwenden, und mit welcher Kompetenz ableitend Konsequenzen gezogen werden. Amtliche Statistik darf daher nicht als eine Legitimation für bereits getroffene politi­ sche Entscheidungen, sondern als Control­ ling ihrer Wirkung und Wegweiser künftiger Entwicklung angesehen werden. Es ist also eine Aufgabe der amtlichen Statistik, sta­ tistische Informationen kontextualisiert und qualitätsgesichert zu den Entschei­ dungsträgerInnen in Politik, Wirtschaft und Verwaltung zur Verfügung zu stellen. Die zielgerichtete Beschaffung von In­ formationen wird zunehmend durch den Überfluss an verfügbaren Daten erschwert. In den kommenden Jahren und Jahrzehn­ ten werden in der öffentlichen Verwaltung, aber auch in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik der Informationsbedarf, die Infor­ mationsnachfrage sowie das Informations­ angebot nicht immer deckungsgleich sein. „Statistik Wien“ wird als Dienstleisterin gefordert sein, jene Informationen, die nachgefragt aber nicht angeboten werden, sowie Informationen, die angeboten, aber aus Unkenntnis der Verfügbarkeit oder aus Unkenntnis der Notwendigkeit nicht nach­ gefragt werden, in das statistische Portfo­ lio systematisch zu integrieren. Herausforderungen und Kernaufgaben Obwohl statistische Übersichten über Wien schon seit 1829 veröffentlicht wurden, beschloss der Wiener Gemeinderat erst im Jahr 1862 die Gründung eines statisti­ schen Büros. Die Aufgabe des damaligen statistischen Bureaus war es,„statistische  Daten über alle für das Gemeindeleben der  1 Hammerschmid, Martin (2012): Big Data: Das Öl des 21. Jahrhunderts.   Quelle: http://www.medianet.at/article/big­data­das­oel­des­21­jahrhunderts/ (Zugriff am 8.11.2012). 150 JAHRE STATISTIK WIEN| REFERATE ZUR FACHTAGUNG – TEIL 2 39 Stadt  bedeutsamen  Zustände  und  Verhält­ nisse zu sammeln, zu ordnen und zu über­ sichtlichen  Darstellungen  zu  verarbeiten,  um  zunächst  eine  sichere  Grundlage  für  die  Verwaltung  der  Gemeindeangelegen­ heiten  zu  liefern, ... .“  2 Damals wie heute setzt eine effektive und effiziente Verwal­ tung auf Zahlen, Daten und Fakten. Nicht nur die Beschaffung der relevanten Infor­ mation, sondern diese auch„kundenori­ entiert“ aufzubereiten, gehört zu den zen­ tralen Dienstleistungen eines statistischen Amtes. Jedoch ist heute, anders als etwa seit Gründung des statistischen Bureaus vor 150 Jahren, nicht der Mangel an rele­ vanten Daten das Hauptproblem, sondern eher die Flut von Zahlen, Daten und Fakten, die man heute nicht nur filtern und gewich­ ten, sondern auch in einem entsprechen­ den Kontext zur Verfügung zu stellen hat. Die Beschaffung und Bereitstellung von statistischen Informationen, die zukünftig vermehrt aus Verwaltungsregistern be­ zogen werden, sowie die kulturellen, so­ zialen und wirtschaftlichen Verhältnisse komplexitätsreduziert aufzubereiten, ist und bleibt die zentrale Kernaufgabe eines statistischen Amtes. Die amtliche Statistik steht im 21. Jahr­ hundert vor großen Herausforderungen. Die immer kürzere„Halbwertszeit“ von statistischen Informationen bedingt kon­ zeptive Überlegungen an die Infrastruktur der öffentlichen Verwaltung. Insbesonde­ re die Änderung der Personen- und Ad­ ressmerkmale erfordert eine permanente Aktualisierung und Ergänzung von Merk­ malsträgern in den einzelnen Verwaltungs­ registern. Damit kommt der Identifikation und Beschaffung von statistischen Daten eine immer größere Bedeutung zu. Durch den ständigen Prozess der Aktualisierung besteht jedoch auch die Gefahr, dass der Informationswert einem ständigen Wandel unterworfen ist. Da statistische Informati­ onen die Wirklichkeit als numerische Rea­ lität projizieren, ist eine qualitative sowie eine zeitlich aktuelle Datenaufbereitung von hoher Relevanz, um dem zeitlichen Informationswertverlust entgegenzuwir­ ken. Durch die ständig wachsende Menge an statistischen Informationen besteht jedoch in manchen Bereichen auch die Gefahr der informativen„Manipulation“. Dieses Problem kann durch unstrukturier­ te und definitorische Missverständnisse noch weiter verschärft werden, da die Heterogenität und Unschärfe der Daten­ produktion und der damit zusammenhän­ genden Messkonzepte auf nationaler wie internationaler Metadatenebene noch auf unzureichende Kontextualisierung der Metadaten basiert. Darüber hinaus be­ finden sich auch die Verwaltungsdaten in einem ständigen Wandel, die mit den neuen gesellschaftlichen Veränderungen Schritt halten müssen. Gerade im Bereich der vielfältigen Herausforderungen in Be­ zug auf die zunehmende Bedeutung von Verwaltungsregistern ist daher das Statis­ tikangebot einer ständigen Restrukturie­ rung unterworfen, wobei die anerkannten Prinzipien der amtlichen Statistik, dass sie nämlich interessensunabhängig, objektiv und nach wissenschaftlich-methodischen Grundsätzen zu arbeiten hat, unverändert geblieben sind. Neben der Erweiterung des statistischen Datenangebots und der qualitativen In­ formationsaufbereitung wird zunehmend deren Verfügbarkeit für die Öffentlichkeit an Bedeutung gewinnen(Stichwort: Open Government Data). Daher wird es auch immer wichtiger, dass nicht nur die Ergeb­ nisse, sondern auch die methodischen Verfahren und die Erhebungstechniken transparent vermittelt werden. Damit kann und wird das Misstrauen an der sachge­ rechten Entstehung und Legitimation der statistischen Informationen weitestgehend minimiert werden. Der Stellenwert statisti­ scher Daten und Informationen hängt je­ doch auch davon ab, mit welcher Kenntnis die NutzerInnen sie interpretieren, auswer­ ten und verwenden, und welche Schluss­ folgerungen daraus abgeleitet werden. 2 Lünemann, Olga (1962): Entstehung und Werdegang des statistischen Amtes der Stadt Wien. In: 100 Jahre Statistisches Amt der  Stadt Wien. Festschrift anlässlich der in der Gemeinderatsitzung vom 18. Februar 1862 beschlossenen Errichtung eines statistischen  Bureaus der Stadt Wien. S. 34, Magistrat der Stadt Wien, Wien. Mit Statistik kann man alles   beweisen, sogar die Wahrheit.  Also bin ich für Statistik. MARCEL REICH­RANICKI 40 STATISTIK JOURNAL WIEN Data! Data! Data! I can‘t make  bricks without clay! SHERLOCK HOLMES Mit der Offenlegung von statistischen In­ formationen für die Öffentlichkeit sind zudem zahlreiche Erwartungen geknüpft. Neben der Stärkung von Verwaltungstrans­ parenz und Verantwortlichkeit kann eine stärkere Mitwirkung der BürgerInnen sowie eine wirkungsorientierte Effizienz von Ver­ waltungstätigkeiten erreicht werden. Die Statistik Wien hat in Zukunft ihr eigenes Potential noch stärker in den Verwaltungs­ prozess einzubringen, als CompetenceCenter und Landesstatistik pro-aktiv die Datennutzung aus den Verwaltungsregis­ tern zu forcieren und ihre Bedeutung durch gesonderte Publikationstätigkeit stärker in das öffentliche Bewusstsein zu rücken. Datenmanagement und Registernutzung „Statistik Wien“ hat als öffentliche Dienst­ leisterin die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts bereits angenommen. Volks­ zählungen gehören der Vergangenheit an. Stattdessen stützt sich in Zukunft die the­ matische Wissensproduktion auf die intel­ ligente Ausschöpfung von Verwaltungsre­ gistern. Vor dem Hintergrund gesetzlicher Rahmenbedingungen wird die derzeitige Nutzung von Statistik- und Verwaltungsda­ ten im Magistrat Wien überprüft sowie Po­ tenziale zum Ausbau der magistratsweiten Registerlandschaft evaluiert. In Zusammen­ arbeit mit anderen Magistratsabteilungen werden Maßnahmen zur Qualitätssiche­ rung und Plausibilitätsprüfung gesetzt, um statistische Auswertungen sicherstellen zu können. Die jüngste Diskussion um Re­ gisteranwendungen, also die Nutzung von Verwaltungsdaten für Zwecke der amtlichen Statistik, erfordert zudem eine größere Transparenz in der Methodik, den Verfah­ ren und Erhebungstechniken, um Zweifel an der datenschutzgerechten Entstehung und Legitimation der statistischen Daten zu vermeiden. Dieser Umstand erfordert mittel- und langfristig eine einheitliche Implementierung harmonisierter Register­ funktionalitäten im Data-Warehouse, da das Bundesstatistikgesetz u.a. auch eine Mitwirkungsverpflichtung der registerfüh­ renden Stellen und der InhaberInnen von Verwaltungs- und Statistikdaten vorsieht. Verwaltungsdaten werden zunehmend von der amtlichen Statistik genutzt und die­ se Methode der Datengewinnung wird im 21. Jahrhundert an Bedeutung gewinnen. Magistratsweite Standards auf Basis von IKT-Richtlinien und Erlässen sollen gewähr­ leisten, dass statistische Informationen auf Basis anerkannter wissenschaftlicher Verfahren und einheitlicher Standards im Magistrat sicher gestellt werden. Diese Standards befinden sich in Übereinstim­ mung mit internationalen Grundsätzen, Leitlinien und Normen. Zu nennen sind insbesondere die gemeinsamen Quali­ tätsstandards, die die Statistischen Ämter in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union und das Statistische Amt der Euro­ päischen Gemeinschaften(EUROSTAT) im Rahmen des Verhaltenskodex vereinbart haben. 3 Und diese zentrale Aufgabe, Sta­ tistiken nach objektiven, signifikanten und relevanten Maßstäben aufzubereiten, wird von Statistik Wien wahrgenommen. Die zielgerichtete Beschaffung von statisti­ schen Informationen wird im 21. Jahrhun­ dert zunehmend durch den Überfluss an verfügbaren Daten erschwert. In den kom­ menden Jahrzehnten werden der Informa­ tionsbedarf, die Informationsnachfrage so­ wie das Informationsangebot nicht immer kongruent sein. Das Informationsbedürfnis bedeutet im übertragenen Sinn, dass im 21. Jahrhundert nur anhand einer metho­ disch-konzeptionellen Datenaufbereitung innovative Erkenntnisse garantiert werden können. Die amtliche Statistik wird in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts vor fol­ genden Herausforderungen stehen: • Eine zentrale Herausforderung für die kommenden Jahre besteht in der Da­ tenstandardisierung, Beschreibung der Datenobjekte sowie in der Nutzung von Verwaltungsdaten. Dies setzt eine Admi­ nistration von Metadaten voraus. Denn nur durch systematische Darstellung der 3 EUROSTAT (2011): Verhaltenskodex für Europäische Statistiken für die nationalen und gemeinschaftlichen statistischen Stellen.  Quelle: http://epp.eurostat.ec.europa.eu/cache/ITY_OFFPUB/KS­32­11­955/DE/KS­32­11­955­DE.PDF (Zugriff am 9.11.2012). 150 JAHRE STATISTIK WIEN| REFERATE ZUR FACHTAGUNG – TEIL 2 41 Metadaten können statistische Auswer­ tungen qualitätsgesichert aufbereitet werden. Ein Metadatenmanagement un­ terstützt die Datenmanagementprozes­ se innerhalb der Verwaltung, fördert die statistische Nutzbarkeit von registerba­ sierten Daten und führt letztlich zur kor­ rekten Evaluierung der Dokumentationsund Datenqualität. 4 • Die amtliche Statistik wird zunehmend zu einem„Data Warehouse“. Damit ist auch eine kontextorientierte Neuaus­ richtung zwischen ProduzentInnen und KonsumentInnen statistischer Daten not­ wendig. Die eindeutige Abgrenzung zwi­ schen den unterschiedlichen AnbieterIn­ nen von statistischen Dienstleistungen wird durch die Heterogenität der Anfor­ derungen erschwert. Die Frage, wie„amt­ lich“ die„amtliche Statistik“ überhaupt noch ist, wird kritisch zu stellen sein. Die Monopolstellung könnte verloren gehen und das Qualitätssiegel„amtliche Statis­ tik“ im 21. Jhdt. zunehmend an Bedeu­ tung verlieren. 5 • „Big-Data-Systeme“ und„Data Warehou­ ses“ stellen Wirtschaft und Verwaltung vor neuen Herausforderungen. Welchen Stellenwert werden Big-Data-Verfahren für die amtliche Statistik einnehmen? Und welche analytischen und methodi­ schen Verfahren sind anzuwenden, um aus der Datenflut den größtmöglichen (statistischen) Informationsgewinn zu generieren? Integriertes Datenmana­ gement wird für Statistik Wien eine we­ sentliche Voraussetzung sein, um dyna­ mische und komplexe Daten in Zukunft effizienter generieren zu können. Die amtliche Statistik, als eine verwaltungs­ orientierte Institution, wird ihre Rolle als neutrale„Daten- und Wissensfabrik“ stärker akzentuieren müssen. 6 • Die Anwendung von statistischen Verfah­ ren bei„Big Data“ und„Data Warehou­ ses“ setzt auch neues Fachwissen voraus, denn auch die Anwendung von Statistikverfahren ist bei der Komplexität von un­ strukturierten Datenmengen anspruchs­ voll. Neben neuen Technologien und Tools werden hochqualifizierte MitarbeiterIn­ nen(„data scientists“) benötigt, die diese Daten analysieren, neue Inhalte erkennen und daraus Informationen und Wissen generieren. Die amtliche Statistik verlangt nach einem neuen interdisziplinären Be­ rufsbild, das aus dem Datenwachstum kreativen Nutzen ziehen kann. 7 Strukturierte und unstrukturierte Daten sind allgegenwärtig. Daten bilden die Grundlage und Quelle von Information und Wissen. Wir nehmen bewusst oder unbewusst ständig Informationen auf, die wiederum im Alltag vom Einzelnen auf eine sehr unterschied­ liche Weise verarbeitet und zuzeiten auch zu Wissen nachhaltig generiert werden. Und ohne statistische Information würden wir letztlich auch keine emotionalen und rationalen Entscheidungen treffen können. Der Theaterkritiker und Schauspieler Hans Weigel bemerkte einst in seiner„kritischen Liebeserklärung“ an die Bundeshauptstadt: „Man  kann  über Wien  schreiben,  was  man  will, und es wird immer stimmen.” Nicht Be­ liebigkeit ist gemeint, sondern der Umgang mit Widersprüchlichkeit, mit dem vor allem die„Statistik Wien“ schon seit 150 Jahren vertraut ist. Wo Zahlen sind, ist Schönheit. PROCLUS DIADOCHUS  4 Dippold, Rolf | Meier, Andreas | Schnider, Walter | Schwinn, Klaus (2005): Unternehmensweites Datenmanagement. Von der Daten­ bankadministration bis zum Informationsmanagement. S. 97ff. Braunschweig/Wiesbaden 5 Litz, Hans Peter (2011): Amt und Erkenntnis – Institutionelle und methodologische Aspekte amtlich statistischer Begriffsbildung und  Datenproduktion. In: Fischer, Daniel |Bonß, Wolfgang |Augustin, Thomas | Bader, Felix | Pichlbauer, Michaela | Vogl, Dominikus (2011):  Uneindeutigkeit als Herausforderung – Risikokalkulation, Amtliche Statistik und die Modellierung des Sozialen. Universität der  Bundeswehr München: Neubiberg 2011. S. 103–116 6  Köhler, Benedikt (2008): Amtliche Statistik, Sichtbarkeit und die Herstellung von Verfügbarkeit. Berliner Journal für Soziologie. BJS 18  (2008) 1:73­98 7  Ortega, Ilias (2012): Was ein Spezialist für Big Data können muss. Quelle: http://www.computerwoche.de/a/was­ein­spezialist­fuer­ big­data­koennen­muss,2527247 (Zugriff am 15.11.2012) STATISTIK IN DER VERWALTUNG – KONTINUITÄT IM WANDEL VIENNAGIS ® – GRUNDLAGE FÜR RÄUMLICHE STATISTIK 42 STATISTIK JOURNAL WIEN ViennaGIS ® – Grundlage für räumliche Statistik Mag. Wolfgang Jörg, MA 14 – Automationsunterstützte Datenverarbeitung, Informations- und Kommunikationstechnologie, ViennaGIS Koordinator Stadt Wien Geschichtlicher Rückblick Im Jahr 1972, vor 40 Jahren, wurde die Machbarkeitsstudie und Marktanalyse„Gra­ fische Datenverarbeitung für geografische Anwendungen“ für den Magistrat der Stadt Wien in Auftrag gegeben. Damit wurde zu­ gleich der Grundstein für den Aufbau von ViennaGIS, dem Geografischen Informati­ onssystem der Stadt Wien gelegt. Zwei Jahre später wurde bereits das erste vollelektroni­ sche offline Digitalisiergerät von Österreich angeschafft und im Jahr 1976 mit der Digi­ talisierung des Räumlichen Bezugssystems Wien(RBW) begonnen. Im Jahr 1979 folgte das Projekt„Wiener Computerstadtkarte“, welches Jahre später die Mehrzweckkarte und das 3D Stadtmodell hervorbrachte. Der Begriff Geoinformationsystem wurde erstma­ lig mit der Installation der entsprechenden, leistungsfähigen GIS-Software geprägt, de­ ren Rollout 1990 und in den Folgejahren in den technischen Dienststellen des Magist­ rats startete. In über 30 Dienststellen wurden GIS-Arbeitsplätze zur Erfassung, Fortführung und Analyse von Geodaten implementiert. Im Gegensatz zu den damals schon im Einsatz befindlichen CAD-Arbeitsplätzen wurde bei ViennaGIS auf eine zentrale Datenhaltung bei gleichzeitiger dezentraler Datenführung größter Wert gelegt. Nur so konnte garantiert werden, dass alle GIS-NutzerInnen jederzeit auf die aktuellsten Daten Zugriff haben: der ViennaGIS Geodatenhaushalt war geboren. Mit dem Aufkommen der Internet-Tech­ nologie im Jahr 1995 konnte Wien mit ViennaGIS als erste aller österreichischen Behörden den ersten Online-Stadtplan publizieren, der das Kartenbild„live“ zur Laufzeit der Kartenanfrage generierte. ViennaGIS Geodatenhaushalt Die wichtigste ViennaGIS-Komponente bil­ den die Geodaten, die im ViennaGIS Geo­ datenhaushalt von allen Dienststellen des Magistrats abgerufen werden können. Der Geodatenhaushalt umfasst mehrere hun­ dert unterschiedliche Geodatensätze wie beispielsweise Wasserleitungen, Straßen­ belagsarten, Einbahnen, Schulstandorte, oder den Flächenwidmungs- und Bebau­ ungsplan. Der Großteil dieser Geodaten beruht auf den Geobasisdaten der Stadt­ vermessung, wie beispielsweise der Mehr­ zweckkarte oder dem 3D Stadtmodell. Für die Statistik von mit Abstand größter Be­ deutung ist das Räumliche Bezugssystem Wien(RBW). Wie der Name schon vermuten lässt, teilt das RBW das Wiener Stadtgebiet in räumliche Bezugseinheiten ein, die sich auf Gebiete bzw. Flächen sowie auf Straßen bzw. Straßenabschnitte beziehen. Statistik und Raumbezug De facto alle Statistiken weisen einen Raum­ bezug auf, sei es beispielsweise die Analyse von EinwohnerInnen pro Bezirk(Raumbe­ zug ist der Bezirk), die Beleuchtungsstärke pro Straßenabschnitt(Raumbezug ist der Straßenabschnitt) oder der Hausmüll je Zählgebiet(Raumbezug ist das Zählgebiet). Beispielsweise eine Statistik„Anzahl Wiener Bäume pro Hektar“ hingegen bezieht sich zwar auf den Ort Wien, lässt aber nur bedingt eine räumliche Analyse zu. Mit der Erzeugung eines regelmäßigen Gebietsrasters mit hek­ targroßen Zellen gewinnt auch diese Statistik schlagartig an Informationsgehalt. Regelmä­ ßige Gebietsraster sind in vielen Fällen sogar weit aussagekräftiger als vergleichsweise die Bezugseinheiten des RBW und mittlerweile fixer Bestandteil statistischer Analysen. Durch die Verknüpfung von Statistikdaten mit Geodaten wird Mehrwert generiert, den Statistiken für sich alleine – beispielswei­ se dargestellt in Form von Tabellen oder Diagrammen – nicht in Anspruch nehmen können. Dieser Mehrwert äußert sich in der erst dadurch möglichen räumlichen Wahrnehmung der statistischen Kennzah­ len: Durch die kartographische Darstel­ 150 JAHRE STATISTIK WIEN| REFERATE ZUR FACHTAGUNG – TEIL 2 43 lung werden räumliche Korrelationen und Abhängigkeiten sichtbar, die wiederum zu neuem Erkenntnisgewinn führen können. Geodaten spielen jedoch nicht nur bei der räumlichen Visualisierung von Statistiken eine entscheidende Rolle. Geodaten selbst sind auch eine unschätzbare Quelle für neue Statistiken. Einmal erfasste Geoda­ ten liefern mit Hilfe moderner Geoinforma­ tionssysteme, welche bei der Stadt Wien seit Jahren im Einsatz sind, auf Knopfdruck für die interne Verwaltung aber auch für die BürgerInnen relevante statistische Kenn­ zahlen, wie beispielweise den Zuwachs in Kilometer der pro Jahr pro Bezirk neu er­ richteten Radfahranlagen, die Anzahl der Bäume pro Straßenabschnitt, die Anzahl der Gebäude pro Schutzzone, das Flächen­ ausmaß von Naturschutzgebieten etc. Herausforderung: Datenmodelle Damit die Statistiken mit den Geodaten verknüpft werden können, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. Die wichtigste betrifft die Übereinstimmung des gemein­ samen Identifikationsschlüssels. Beispiels­ weise muss bei einer Bezirksstatistik der Identifikationsschlüssel„Bezirksnummer“ exakt gleich codiert sein, wie der entspre­ chende Code im Geodatensatz„Bezirke“. Auch wenn dies auf den ersten Blick trivial klingen mag, stellen derartige Anforderun­ gen bei der hochgradigen Dezentralisierung der Datenführungs-Workflows im Magistrat eine nicht zu unterschätzende Herausforde­ rung dar. Bewusstseinsbildung aber auch die Implementierung„intelligenter Workflows“ bei den Datenführungsprozessen sind unab­ dingbare Voraussetzung dafür. Auch der im Herbst 2012 ins Leben gerufene Lenkungs­ ausschuss„Registernutzung und Datenma­ nagement“ wird genau hier ansetzen. Geodaten-Nutzung maximieren Die ViennaGIS Geodaten sind eine wichtige Voraussetzung, um Mehrwert für die Statis­ tik zu generieren und um so manche Sta­ tistik überhaupt erst erstellen zu können. Um den Nutzen von Geodaten – auch für die Statistik – zu maximieren, muss der Zu­ gang zu den Geodaten maximiert werden. Auch wenn die ViennaGIS Geodaten über den ViennaGIS Geodatenhaushalt für die Geodaten führenden Dienststellen best­ möglich verfügbar sind, ist damit noch kei­ ne Nutzenmaximierung erreicht. Erst mit dem Bekenntnis der Stadt Wien zu Open Government Data(OGD) wurden die Weichen für eine uneingeschränkte Nut­ zung der für Statistiken relevanten Geoda­ ten gestellt. Spätestens seit Herbst 2012 können auch alle RBW-Gebiets-Geodaten, nämlich Bezirksgrenzen, Zählbezirksgren­ zen, Zählgebietsgrenzen sowie die RBWBlöcke über das Open Government Data Portal der Stadt Wien(data.wien.gv.at) weltweit auf Knopfdruck live aus dem Vi­ ennaGIS Geodatenverbund heruntergela­ den oder als Webservices in Applikationen eingebunden werden. Dieser freie OGD Zu­ gang zu ViennaGIS Geodaten eröffnet nun erstmalig auch die Chance, dass die offizi­ ellen Identifikationsschlüssel der Geoob­ jekte auch außerhalb der Stadtverwaltung Einzug halten und damit auch in Mehrwert­ produkten des Marktes integriert werden. Schlussfolgerung Geodaten eröffnen der Statistik neue, un­ erschöpfliche Möglichkeiten, sei es in der räumlichen Visualisierung oder aber in der Erkenntnisgewinnung räumlicher Korrelati­ onen. Die Stadt Wien hat mit dem Räum­ lichen Bezugssystem Wien(RBW) und weiteren Geodaten des ViennaGIS Geoda­ tenverbundes in den letzten Jahrzehnten die notwendigen Voraussetzungen ge­ schaffen, um derartige statistische Analy­ sen überhaupt erst zu ermöglichen. Mit der Öffnung dieser – auch für Statis­ tik relevanten – Geodaten im Rahmen der Open Government Data Initiative der Stadt Wien ist eine wichtige Rahmenbedingung für die Weiterentwicklung unserer Wissens­ gesellschaft geschaffen worden, nämlich der uneingeschränkte Zugang zu Informa­ tionen, deren kreative und zugleich profes­ sionelle Verarbeitung zwangsläufig neues Wissen als eine wichtige Schlüsselressour­ ce der Zukunft generieren wird. A statistical analysis, properly  conducted, is a delicate dissection  of uncertainties, a surgery of   suppositions. M. J. MORONEY STATISTIK IN DER VERWALTUNG – KONTINUITÄT IM WANDEL ZAHLEN ZÄHLEN. ÜBER DIE BEDEUTUNG VON ZAHLEN, DATEN UND FAKTEN IN DER VERWALTUNGSSTEUERUNG. 44 STATISTIK JOURNAL WIEN ZAHLEN ZÄHLEN. Über die Bedeutung von Zahlen, Daten und Fakten in der Verwaltungssteuerung. SR in Karin Jary, Leiterin der Gruppe Leitungsinstrumente, Magistratsdirektion der Stadt Wien, Geschäftsbereich Organisation und Sicherheit Der Doppelsinn der Bedeutung der Über­ schrift ist durchaus bewusst gewählt. In der Verwaltung sind Zahlen, Daten und Fakten wichtig. Einerseits geht es um die Erfassung von zählbaren Mengen und an­ dererseits um die Bedeutung dieser Zahlen im täglichen Handeln. Sei es als Basis für „ad hoc Entscheidungen“ oder als Grund­ lage für kurz- oder langfristige Planungen. Ganz generell geht es darum, dass die verwendeten Zahlen richtig und für die Beantwortung der entsprechenden Fra­ gestellung geeignet sein müssen. Zudem hat sich jedoch die Bedeutung von Zahlen, Daten und Fakten in der Verwaltungssteu­ erung in den vergangenen Jahren massiv erhöht. Der vorliegende Beitrag zeigt diese Entwicklung auch an Hand persönlicher Erfahrungen auf und weist auf die zentra­ le Bedeutung statistischer Abteilungen für eine moderne Verwaltung hin. Meine ersten Erfahrungen mit dem Thema „Bedeutung von Zahlen“ machte ich 1997 aus Dienststellensicht anlässlich einer um­ fassenden Organisationsanalyse, die im Magistrat durchgeführt wurde. Als Projekt­ leiterin in einer Dienststelle war es damals meine Aufgabe, gemeinsam mit den exter­ nen OrganisationsberaterInnen Grundla­ gen zu erarbeiten und die entsprechenden internen Prozesse zu koordinieren. Eine der mir gestellten Aufgaben war, die Anzahl der MitarbeiterInnen aufgabenbe­ zogen zu erheben. Die Klärung der Frage, ob damit z. B. die Anzahl der Dienstposten oder die Anzahl der Personen gemeint ist, war aus Dienststellensicht entscheidend – schließlich ging es dabei sowohl um eine transparente Bewertung der Leistung, als auch um den Vergleich mit anderen. Bereits zu diesem Zeitpunkt war klar, wie wichtig daher im ersten Schritt die Identifikation der richtigen Zahlen gemäß einer mög­ lichst präzisen Fragestellung ist. Gleicher­ maßen bedeutsam sind zudem die Art und Qualität der Informationen. Aussagekraft der Daten, Datenquellen, Betrachtungs­ zeiträume, Stichtage und Aktualität der Daten müssen als eindeutige Merkmale festgelegt und auch festgehalten werden, um das Zahlenmaterial als glaubhafte und verlässliche Informationsquelle verwen­ den zu können. Schon damals wurden mir die zentrale Bedeutung von Daten und die vielfältigen Herausforderungen im Umgang mit Statistiken bewusst. Strukturwandel in der Verwaltung Der in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts eingeleitete und in vielen Bereichen bereits erfolgreich vollzogene Strukturwandel von einer klassischen ob­ rigkeitsstaatlichen Verwaltung zu einer modernen Dienstleistungseinrichtung hat einen stetigen Entwicklungsprozess nach sich gezogen. Der eingeschlagene Wiener Weg der Verwaltungsmodernisierung ist geprägt durch die Einführung von Elemen­ ten des New Public Management. Ein wesentliches Merkmal für diesen Weg ist die Outputorientierung: das Handeln des Magistrats und seiner Dienststellen wird stärker an seinen Ergebnissen, seinen „Produkten“ für Bürgerinnen und Bürger, Wirtschaft, Gäste und andere Behörden sowie andere Dienststellen des Magistrats ausgerichtet. Kompetenzen wurden entzerrt und konzentriert und den Dienststellen in­ nerhalb eines festgelegten Rahmens ver­ stärkt dezentrale Ressourcenverantwortung übergeben. Damit verbunden ist eine weit­ gehende Eigenverantwortlichkeit, womit und wie sie ihre Aufgaben erfüllen. Inner­ halb der Dienststellen hatte dies zur Folge, dass sich die Dienststellenleitungen stärker auf ihre Führungsaufgaben und die Mitar­ beiterInnen auf die Aufgabenerledigung mit mehr Eigenverantwortung konzentrieren können. Die Verwaltungsspitze ist für die Vorgabe und Überprüfung von Leistungs­ 150 JAHRE STATISTIK WIEN| REFERATE ZUR FACHTAGUNG – TEIL 2 45 zielen der Dienststellen zuständig und trägt damit zentrale Steuerungsverantwortung. Strategische Ziele, die eine forcierte KundIn­ nenorientierung, die Einführung und Etab­ lierung betriebswirtschaftlicher Werkzeuge und Methoden, Effizienzsteigerungen und größere Flexibilität und Beschleunigung von Verwaltungsabläufen zum Inhalt haben, er­ fordern ihrerseits neue Formen der ergebnis­ orientierten magistratsinternen Steuerung. Dies hatte die Entwicklung entsprechender neuer Steuerungs- und Informationssys­ teme zur Folge. So wurden magistratsweit eine EDV-unterstützte Kosten- und Leis­ tungsrechnung und ein strategisches Con­ trollingsystem auf Basis jährlicher Zielver­ einbarungen eingeführt. Die Entwicklung von Kennzahlen und neue Formen des Berichtswesens waren ebenfalls damit ver­ bunden. Durch den Einsatz betriebswirt­ schaftlicher Werkzeuge und moderner Tech­ nologien haben Zahlen und Daten und die damit verbundenen neuen Auswertungs­ möglichkeiten in der Verwaltungssteuerung massiv an Bedeutung gewonnen. Datenmengen und Informationstechnologien Tatsächlich war und ist die Informations­ technologie ein wichtiger Treiber in der Verwaltungsmodernisierung. Verwaltungs­ abläufe und die Kommunikationsformen mit den Bürgerinnen und Bürgern und der Wirtschaft haben sich in den letzten Jahren dramatisch verändert. Neben zahlreichen Dienstleistungen, die orts- und zeitunge­ bunden abgewickelt werden, sind mittler­ weile auch umfangreiche Datensätze der Verwaltung verfügbar, die von Bürgerinnen und Bürgern selbst interpretiert und wei­ terverarbeitet werden können. Doch auch vor allem verwaltungsintern ist die Not­ wendigkeit gestiegen, aus der Fülle an Da­ ten die jeweils wichtigen steuerungsrele­ vanten Informationen für unterschiedliche Fragestellungen zu gewinnen. Neben der kennzahlenbasierten Feststellung von Er­ gebnis- und Zielerreichung in der Abwick­ lung von Verfahren, Prozessen, Projekten und im Rahmen der KundInnenkontakte werden Informationen für Planung, Ent­ scheidungsaufbereitung, Operationalisie­ rung von Organisationsentwicklungszielen und nicht zuletzt die Dienstleistungsab­ wicklung selbst abgeleitet, z. B.: • Zur Darstellung und Verfolgung von Kos­ ten und Kapazitäten im Bereich der Pro­ duktverantwortungen wurden Produkte definiert, sodass die Darstellung in Kosten und Leistungsstunden mithilfe der Kostenund Leistungsrechnung erfolgen kann. • Im Personalmanagement kann die Rek­ rutierung, Personalentwicklung, Kosten­ deckelung u. ä. zahlenmäßig abgebildet werden. • Mit Gender Mainstreaming und Gender Budgeting ist zu beurteilen, ob die Leis­ tungen der öffentlichen Verwaltung bei Frauen und Männern gleichermaßen an­ kommen. Das setzt differenziertere Da­ tenerhebungen voraus. • Nutzungsgrade diverser Dienstleistungs­ angebote werden ermittelt und liefern ent­ scheidende Informationen für das künftige Leistungsangebot des Magistrats. • Zudem sind richtig aufbereitete Informati­ onen essentiell für die Früherkennung und Frühwarnung von Systemzuständen in der Verwaltungsorganisation. Sie ermöglichen und bieten eine Grundlage für Vergleiche, Information, Kontrolle, Berichterstattung aber auch Öffentlichkeitsarbeit. Markant an der Entwicklung der letzten Jahre ist jedenfalls die rasant ansteigende Menge an Informationen. Die Datenmengen nehmen exponentiell zu und die Geschwin­ digkeit der Datenverarbeitung erhöht sich von Jahr zu Jahr. Während gegen Ende der neunziger Jahre die Datenverarbeitung noch am Anfang stand, geht es mittlerweile um BIG DATA: heute werden im Magistrat auf 23.000 PCs rund 869 Terabyte Daten jähr­ lich verarbeitet. Zur Illustration: Wenn man davon ausgeht, dass ein durchschnittliches Dokument mit 500 Kilobyte abgespeichert wird, würde das bei dieser Datenmenge rund 1,8 Milliarden Dokumente bedeuten oder etwa 58 Milliarden A4-Seiten. Statistik ist für mich das Informa­ tionsmittel der Mündigen. Wer mit  ihr umgehen kann, kann weniger  leicht manipuliert werden.   Der Satz: „Mit Statistik kann man  alles beweisen“ gilt nur für die  Bequemen, die keine Lust haben,  genau hinzusehen. ELISABETH NOELLE­NEUMANN 46 STATISTIK JOURNAL WIEN Die Zahl ist das Wesen aller Dinge. PYTHAGORAS VON SAMOS Damit könnte man mehr als 400-mal den Äquator mit Papier auslegen! Die Rolle der institutionalisierten Statistik Wenn neue Controllingsysteme oder Moni­ tore entwickelt werden, ist es von zentraler Bedeutung, frühzeitig auf die Fachkompe­ tenz von Statistikerinnen und Statistikern zurückzugreifen um die Kennzahlen so auszuwählen oder Indikatoren direkt so zu entwickeln, dass sie in der späteren Anwendung auch tatsächlich aufzeigen, was sie aufzeigen sollen. Durch die oben beschriebenen, gestiegenen Anforderun­ gen an Führungskräfte, in hoch komplexen Situationen und in immer kürzerer Zeit Ent­ scheidungen treffen zu müssen, kommt es auf möglichst aussagekräftige Daten an. Präzise ausgewählte Indikatoren sind ent­ scheidend. Und auch hier gilt oft: weniger ist mehr. Datenfluten helfen meist nicht, in kurzer Zeit steuerungsrelevante Entschei­ dungen zu treffen und werden schnell zu nicht genutzten Datenfriedhöfen. So ist, neben der Bereitstellung von Daten, auch die Unterstützung der Fachdienst­ stellen bei der Entwicklung von Indikato­ ren und der Auswahl von Kennzahlen eine wichtige Rolle der Statistikabteilung. Denn oft wird erst durch die Analyse von Daten mit geeigneten Indikatoren für die Fach­ bereiche deutlich, an welchen Schrauben gedreht werden muss, um verwaltungsin­ terne oder gesellschaftliche Veränderun­ gen(im Sinne von Verbesserungen, z. B. Verminderungen von Ungleichheiten/Un­ gerechtigkeiten) zu ermöglichen. Die Auswertung statistischer Daten und In­ dikatoren ermöglicht eine verbesserte Steu­ erung der Angebote der Stadt Wien. Denn nur wer die Zielgruppe möglichst genau kennt(etwa durch eine geschlechtssensible Betrachtung), kann Maßnahmen punktge­ nau ausrichten. Die Qualität der Leistung wird durch die Treffsicherheit erhöht. Nichts ist ineffizienter, als an den Bürgerinnen und Bürgern, die auf eine Leistung angewiesen sind, vorbeizuplanen. Dies hat auch vor dem Hintergrund knapper werdender Bud­ getmittel zunehmende Relevanz. Statistiken sollen Lebensrealitäten – etwa der Bürgerinnen und Bürger einer Stadt – möglichst genau abbilden. Die Art der Erhe­ bung von Daten, die Auswahl verschiedener Datenquellen, die unterschiedliche Aspekte auslassen oder auch besonders betonen, so­ wie die methodische Aufbereitung der Daten führen aber auch dazu, dass Realitäten teil­ weise konstruiert werden. Denn Zahlen drü­ cken nicht die Wirklichkeit aus, sondern sind ein Konstrukt, um unser Urteilsvermögen zu schärfen und ein Hilfsmittel zur Gewinnung neuer Erkenntnisse. Hier ist es besonders wichtig, in statistischen Fachabteilungen er­ fahrene Kolleginnen und Kollegen zu finden, mit denen offen etwa über Vor- und Nachtei­ le in der Erfassung von Daten, Erhebung von Indikatoren oder Auswahl von Datenquellen diskutiert werden kann, durch die eine se­ riöse Beratung und Unterstützung bei der Auswahl von Kennzahlen stattfindet und die qualitätsvolle Methodenarbeit sicherstellen. Eine weitere zentrale Aufgabe von Statistiken ist die Reduktion von Komplexitäten. Die­ se Aufgabe hat in den vergangenen Jahren durch zunehmende Informationsfluten und gestiegene Anforderungen an Führungs­ kräfte an Bedeutung gewonnen. Und eine Abschwächung dieser Entwicklung ist nicht abzusehen. Nahezu unerlässlich sind dabei kompetente KollegInnen in diesem Fach, die in der Lage sind, die notwendigen steu­ erungsrelevanten Daten bereitzustellen und helfen, aussagekräftige Daten aus der Infor­ mationsflut heraus zu destillieren ohne unzu­ lässige Weglassungen vorzunehmen. Denn Entscheidungen müssen selbstverständlich immer auf der Grundlage seriöser und nicht opportun erscheinender Daten getroffen werden. Die Zusammenarbeit von statisti­ schen Abteilungen, in denen Überblicke über vorhandene Daten und Datenquellen, hohe Methodenkompetenz und langjährige Erfah­ rungen im Umgang mit Statistiken vorliegen, mit den jeweiligen Fachabteilungen ist dabei von unschätzbarem Wert. Diese Erfahrungen konnten ich und meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den vergangenen Jahren mit dem Dezernat für Statistik der Stadt Wien machen. Hierfür möchten wir danken! Und wir freuen uns auf eine weiterhin produktive und konstruktive Zusammenarbeit. STATISTIK IM MAGISTRAT BEITRÄGE VON DIENSTSTELLEN MAGISTRATSABTEILUNG 5 FINANZWESEN 48 STATISTIK JOURNAL WIEN Magistratsabteilung 5 – Finanzwesen Richard Neidinger, Finanzdirektor Die Bedeutung der Statistik als Grundlage für finanzielle, wirtschaftspolitische und nicht zuletzt sozialpolitische Entscheidun­ gen kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Egal, ob es um Daten bezüglich der Beschäftigungsentwicklung und des Arbeitsmarkts, um demographische Verän­ derungen, Daten über die Ausbildung nach geographischen und demographischen Merkmalen oder Angaben über die Aus­ stattungskategorie, Eigentumsverhältnisse und Nutzfläche von Wohnungen geht: Die von der Statistik Wien erarbeiteten und zur Verfügung gestellten Daten bilden eine wichtige Informationsquelle nicht nur für die interessierten Bürgerinnen und Bürger, sondern vor allem auch für die Finanzver­ waltung der Stadt Wien. Die statistische Erfassung von Daten über die Wiener Bevölkerung, die Wie­ ner Wirtschaft, die Wiener Gebäude und Wohnungen, das Wiener Bildungs- und Gesundheitswesen sowie Wissenschaft, Forschung und Kultur bildet in einer ten­ denziell zunehmend komplexen und he­ terogenen Lebenswirklichkeit eine unab­ dingbare Voraussetzung beispielsweise zur Analyse des Arbeitskräfte- und Quali­ fikationsbedarfs der Wiener Wirtschaft, zur Entwicklung von Technologie-Netzwerken, und letztendlich zur Stärkung des Wirt­ schaftsstandortes Wien. Die Statistik Wien hat sich in den letzten Jahren aus diesen Gründen vom behördli­ che Aufgaben wahrnehmenden(Landes-) Amt für Statistik zu einem essentiellen Dienstleister für die Bürgerinnen und Bür­ ger, aber auch für die Institutionen der Stadt Wien entwickelt. Mit der Zusammen­ fassung verschiedener Wirtschafts- und Statistik-Bereiche in der mit Anfang des Jahres 2012 neu geschaffenen Magist­ ratsabteilung 23 – Wirtschaft, Arbeit und Statistik ist es – im Sinne der Bündelung von bestehenden Kräften – gelungen zwei wesentliche, zueinander komplementäre Aufgabenbereiche innerhalb einer Abtei­ lung zusammenzufügen: Aufbauend auf der Grundlage quantitativer Datenerhe­ bungen erfolgt die qualitative Konzeption zur Umsetzung wirtschaftspolitischer Maß­ nahmen. Die systematische Erfassung, Analyse und Bearbeitung in den verschie­ denen statistischen Bereichen bildet die Grundlage für die Koordination und Eva­ luierung von Umsetzungsmaßnahmen auf dem Arbeitsmarkt, dem Ausbildungssektor sowie der Wirtschafts- und Technologieför­ derung. Durch die Integration sowohl der quantita­ tiven, als auch der qualitativen Aspekte der Wirtschaftsentwicklung wird gewährleis­ tet, dass die von der Statistik aufbereiteten und zur Verfügung gestellten Daten best­ möglich zum Nutzen aller Wienerinnen und Wiener sowie der Wiener Wirtschaft in Kon­ zepte und Maßnahmen umgesetzt werden. Die statistischen Daten zu Beschäftigung, Bildung und Arbeitsmarkt liefern die Ba­ sis für Wirtschaftsförderungsmaßnahmen, Beschäftigungsinitiativen und Schritte zur gezielten Ausbildungsförderung. Quantita­ tive Daten über Pendlerströme bilden bei­ spielsweise eine wichtige Grundlage zur weiteren Attraktivierung des Öffentlichen Personennahverkehrs. Die Bevölkerungs­ entwicklung, Ausstattungskategorie, Woh­ nungsgröße und Nutzfläche stellen eine wesentliche Grundlage für die Planung der Stadtentwicklung dar. Besonders wichtig sind die statistischen Daten als Grundlage für die Finanzverwaltung zur Prognose über die zukünftige Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsverteilung, insbeson­ dere die erwartete Entwicklung der Alters­ struktur der Wiener Bevölkerung. In den letzten 150 Jahren hat sich die Statistik Wien als wichtige Institution etabliert. Ich bin überzeugt, dass die Anforderungen an die Exaktheit, den De­ taillierungsgrad und die Verknüpfungs­ möglichkeit – selbstverständlich unter Wahrung der datenschutzrechtlichen Be­ stimmungen – statistischer Daten ständig 150 JAHRE STATISTIK WIEN| BEITRÄGE VON DIENSTSTELLEN 49 steigen, da ohne hochwertige quantita­ tive Basis in einer in schnellem Wandel begriffenen, vielschichtigen Welt heutzu­ tage kaum noch seriöse Planungen und Entscheidungen für Personengruppen, geschweige denn für einen Millionenstadt wie Wien denkbar sind. Mit der Zuversicht, dass die Statistik Wien auch die kommenden Herausforderungen – den eigenen hohen Ansprüchen gerecht werdend – in bewährter Qualität zum Wohl aller in unserer Stadt lebenden Menschen meistern wird gratuliere ich der Statistik Wien herzlich zu ihrem runden Geburtstag! MAGISTRATSABTEILUNG 7 KULTUR 50 STATISTIK JOURNAL WIEN Magistratsabteilung 7 – Kultur OSR Mag. Dr. Bernhard Denscher, Dienststellenleiter 880 Stunden, das sind 110 Arbeitstage und immerhin 36,7 Tage Lebenszeit, wer­ de ich am Ende meiner Berufslaufbahn im Paternoster, also jenem altertümlichen Aufzug, den es im Wiener Rathaus immer noch gibt, verbracht haben – das rechnete mir ein älterer Kollege vor, als ich bei der Stadt Wien zu arbeiten begann. Abgese­ hen von der für mich damals eher trostlo­ sen Aussicht auf ein endloses Auf und Ab zeigt diese Geschichte, dass sich wohl zu allem eine Statistik anfertigen lässt – auch wenn deren tatsächlicher Nutzwert manch­ mal eher fragwürdig ist. Gerade im Bereich der Kultur kann man über die Sinnhaftigkeit von statistischen Berechnungen, insbesondere über Verglei­ che von Kulturausgaben, heftig diskutieren. Eine derartige, intensive Diskussion gab es Mitte der 1990er-Jahre zwischen VertreterInnen der Bundesländer und Repräsentan­ tInnen des Kulturministeriums anlässlich des geplanten Erscheinens einer vom Bund in Auftrag gegebenen Studie zur österrei­ chischen Kulturförderung. Die Bundes­ länder fanden ihre Leistungen im Bereich der Kultur nicht richtig dargestellt und kri­ tisierten, dass Budgets verglichen worden waren, die sehr Unterschiedliches beinhal­ teten und daher die Gegenüberstellungen nur zu falschen Schlüssen führen würden. Die LandeskulturreferentInnen beließen es jedoch nicht bei der Kritik, sondern setz­ ten eine Initiative, die eine konstruktive Lösung derartiger Probleme bringen sollte. Im Auftrag der Bundesländer entwickelte ein ausgewiesener Experte, nämlich Univ. Prof. Dr. Franz-Otto Hofecker vom Institut für Kulturmanagement und Kulturwissen­ schaft an der Universität für Musik und dar­ stellende Kunst in Wien, ein Verfahren, um die Vergleichbarkeit von Kulturausgaben der verschiedenen Gebietskörperschaften entscheidend zu verbessern. Prof. Hof­ ecker kreierte ein System mit zunächst 16 Hauptkategorien, die von„Museen, Archive, wissenschaftliche Förderungen“ über die verschiedenen Kunstsparten bis zu„Großveranstaltungen“ reichten und nannte dieses Schema LIKUS, was die Ab­ kürzung von„Länderinitiative Kulturstatis­ tik“ ist. Die Idee setzte sich durch, sowohl Bund als auch Bundesländer stellen mitt­ lerweile ihre Kulturausgaben nach LIKUS dar, und auch die„Geschäftsgruppe für Kultur“ der Stadt Wien tut dies seit 1998 in dem von ihr jährlich herausgegebenen „Kunst- und Kulturbericht“. Derzeit wer­ den in dem Wiener Bericht 15 Kategorien mit den jeweiligen Ausgaben aufgeführt, nämlich„Museen, Archive, Wissenschaft“, „Baukulturelles Erbe“,„Alltagskultur“,„Bi­ bliothekswesen“,„Musik“,„Theater, Mu­ siktheater, Tanz“,„Neue Medien“,„Film, Kino, Video“,„Bildende Kunst, Foto“,„Li­ teratur“,„Kulturinitiativen, Zentren“,„Aus­ bildung, Weiterbildung“,„Internationaler Kulturaustausch, Integration“,„Großveran­ staltungen“ und„Sonstige Förderungen“. Seit 1998 werden diese jährlichen Kul­ turberichte neben der Buchform auch im Internet publiziert und sind dort jederzeit unter http://www.wien.gv.at/kultur/abtei­ lung/kunstbericht.html einsehbar. Doch zur Kulturstatistik gehört nicht nur die finanzielle Komponente. Auch Besu­ cherstatistiken, Auslastungszahlen, die Zahl von Kunstankäufen oder Büchern sind wichtige Leistungsnachweise. Die Fülle der gesammelten Daten benötigt bisweilen eine tiefer gehende Analyse: So haben zum Beispiel zuletzt im Jahr 2009 die Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien, Brigitte Jank, und Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny beim„Institut für höhere Studien“ eine Untersuchung über den wirtschaftlichen Effekt der städ­ tischen Kulturförderung in Auftrag gege­ ben. Das Ergebnis war beeindruckend: Jeder Subventions-Euro kommt in der Wert­ schöpfung 2,3-fach zurück, wobei mit 326 Millionen Euro immerhin 70 Prozent der Wertschöpfung in Wien bleiben, der Rest kommt teilweise den Bundesländern zu­ gute und geht zum Teil ins Ausland. Vom 150 JAHRE STATISTIK WIEN| BEITRÄGE VON DIENSTSTELLEN 51 Großteil der Wiener Wertschöpfung profi­ tieren Künstlerinnen und Künstler, Verla­ ge, Bühnen- und Tontechnikunternehmen, Werbetreibende, Consulter und neben Druckereien, Hotellerie und Gastronomie auch das Baugewerbe. Mit den Subven­ tionen wurden in der Stadt nicht weniger als 6.700 Vollzeitarbeitsplätze geschaffen. Natürlich belebt das hoch qualitative Kul­ turangebot auch den Tourismus, zwei Drit­ tel der BesucherInnen der Stadt kommen, wie entsprechende Befragungen ergeben haben, aus kulturellem Interesse nach Wien. Einen wirtschaftlich besonders luk­ rativen Bereich der Kulturförderung stellt die Filmbranche dar, hier verzeichnet die Studie gar einen Wertschöpfungsfaktor von 3,4, was nur von der Musik mit 4,1 übertroffen wird. 2011 erbrachte eine von den Vereinigten Bühnen Wien in Auftrag gegebene Studie zum wirtschaftlichen Nutzen ihrer Aktivi­ täten ähnlich erfreuliche Ergebnisse. Auch bei den Vereinigten Bühnen kommt jeder Euro Subvention 2,3 Mal zurück, die Sub­ vention bringt für Wien rund 1.500 Jobs. 72,5 Prozent der Wertschöpfung bleiben dabei in der Bundeshauptstadt, mit 9,8 Prozent profitieren die Bundesländer. Aber auch intern wird in der Kulturabtei­ lung die eigene Arbeit in Form von genau­ en, den jeweiligen Produkten zugordneten Kostenrechnungen dokumentiert und ent­ sprechend ausgewertet. Die Magistratsab­ teilung 7 liegt mit Verwaltungskosten, die unter einem Prozent der zu vergebenden Subventionssumme ausmachen, im Ver­ gleich mit anderen fördernden Stellen sehr gut. Dies hat auch eine Querschnittsprü­ fung der österreichischen Filmförderung durch den Rechnungshof bestätigt, bei der das Filmreferat der Kulturabteilung der Stadt Wien als kostengünstigste Institution von 17 Filmförderstellen errechnet wurde. Dass Statistik nicht nur der Darstellung und Analyse von kulturellen Prozessen dient, sondern selbst Teil eines Kunstwerkes werden kann, zeigt eine Arbeit des inter­ national renommierten Künstlers Ken Lum, die sich in der Westpassage des Wiener Karlsplatzes, also in jener Unterführung, durch die man von der U-Bahn zur Seces­ sion kommt, befindet. Das Werk ist nach der Kreiszahl„Pi“ benannt, wobei Ken Lum diese Zahl mit insgesamt 478 Dezimal­ stellen darstellt. Das Hauptthema der Me­ dieninstallation allerdings ist die Statistik selbst. Auf 14 Spiegeln sollen ständig ak­ tualisierte, ernste und banale statistische Fakten auf LED-Anzeigen zum Nachdenken anregen. So findet man hier genaue Zah­ len zu den weltweiten Rüstungsausgaben, zu Landminenopfern, zu Kriegstoten, zum Wachstum der Sahara, aber auch zur ange­ fallenen Müllmenge in Wien, zu den in den Büchereien der Stadt entlehnten Büchern, zur Anzahl der verzehrten Schnitzel – und sogar dazu, wie viel Verliebte es in Wien pro Tag gibt(was für die erhebenden Statisti­ kerInnen wohl eine besondere Herausfor­ derung darstellen muss). Über die Intentio­ nen des Werkes sagte der im kanadischen Vancouver geborene Künstler anlässlich der Präsentation seiner Arbeit:„Mein Pro­ jekt  für  die  Karlsplatz­Passage  behandelt  das  Thema  Statistik  oder  genauer,  Facto­ ids‘, also (Quasi­)Tatsachen. ‚Factoids‘ sind  sich verändernde numerische Angaben, die  die  Welt,  nationale  und  regionale  soziale  Verhältnisse  auf  mathematisch­organische  Art beschreiben.“ Aus der Fülle vorhandener Daten eine sinn­ volle Auswahl zu finden und aus diesen „Factoids“ die entsprechenden Schlüsse und richtigen Erkenntnisse zu ziehen, ist naturgemäß auch für das Kulturmanage­ ment eine besondere Herausforderung. Die Statistik liefert dafür die notwendige Hilfestellung. MAGISTRATSABTEILUNG 10 WIENER KINDERGÄRTEN 52 STATISTIK JOURNAL WIEN Magistratsabteilung 10 – Wiener Kindergärten OMR in Mag. a Daniela Cochlar, Diensstellenleiterin Als vor 149 Jahren, im Jahre 1863, der erste Wiener Kindergarten seine Pforten öffnete, war das„statistische Bureau der Stadt Wien“ bereits ein Jahr in Betrieb. Und es sollte noch weitere 27 Jahre dauern, bis durch Eingemeindungen einiger Vororte im Jahr 1890 die ersten elf„Kinderbewah­ rungsanstalten“ in die städtische Verwal­ tung, und zwar in die Verwaltung der Schul­ abteilung, übergingen. 1960er-Jahre war vergangen. Wien galt als alte Stadt. Aber ganz abgesehen von den demographischen Analysen der Statistik, die den für Kindergärten Verantwortlichen mit Sicherheit geläufig waren, intensivierte die Stadt in ihre Kinder, öffnete Hortgrup­ pen für die Vormittagsbetreuung von Kin­ dergartenkindern und konnte bald eine in Österreich einzigartige Versorgung sicher­ stellen. 55 Jahre nach Gründung des statistischen Bureaus, im Jahre 1917, wurden die Kin­ dergärten vom damals neu errichteten Städtischen Jugendamt übernommen, wo sie nach dem 1. Weltkrieg als sozialpäda­ gogische Einrichtungen eine neue Bedeu­ tung erhielten. Es stand nun nicht mehr die Aufbewahrung der Kinder im Vorder­ grund, sondern der Anspruch, familiären Erziehungsnotständen frühzeitig entge­ genzuwirken, was einem wesentlichen Paradigmenwechsel im Umgang mit den Kindern entsprach, der in den kommenden Jahrzehnten noch weitere Veränderungen erfahren sollte, bis hin zum gegenwärtig pädagogischen Verständnis des Kindergar­ tens als Bildungseinrichtung. Ob im Jahr 1930, im 68. Gründungsjahr der Wiener Statistik, zur feierlichen Eröffnung des 100. städtischen Kindergartens im 16. Wiener Gemeindebezirk auch Vertreter des statis­ tischen Amtes anwesend waren, kann heu­ te nicht mehr nachvollzogen werden. Die statistischen Aufzeichnungen aus dieser Zeit belegen aber, dass es damals schon einen regen Austausch zwischen den Mit­ arbeiterInnen der städtischen Statistik und des städtischen Kinderbetreuungswesens gegeben hat. Als in den gesellschaftspolitisch spannen­ den 1970er-Jahren die Etablierung des Kin­ derbetreuungswesens weitere Fortschritte machte, und im Jahr 1977 erstmals jedem 5-jährigen Wiener Kind ein Betreuungs­ platz angeboten werden konnte, sah sich Wien bei den Geburtenzahlen einem histo­ rischen Tief gegenüber. Der Babyboom der Bis es im Jahr 2005 zur Gründung der Ma­ gistratsabteilung 10 – Wiener Kindergärten gekommen war, konnte die Wiener Statis­ tik bereits auf 143 Jahre ihres Bestehens zurückblicken. Heute bildet die Kinderta­ gesheimstatistik das Kernstück der Zusam­ menarbeit zwischen der in der MA 23 an­ gesiedelten Statistik Wien und der MA 10 – Wiener Kindergärten. Die Führung der Kindertagesheimstatistik wurde in den Jahren 1972/73 bis 2002/03 auf Basis einer Vereinbarung der Landes­ hauptleutekonferenz beschlossen. Ziel war es, über einheitliche und vergleichbare Daten zur Kinderbetreuungssituation in al­ len neun Bundesländern zu verfügen. Die primärstatistische Erhebung erfolgte durch die Statistik Austria mit Unterstützung der Bundesländer. Finanziert wurden die Leis­ tungen aus dem Globalbudget der Statistik Austria. Mit dem Erhebungsjahr 2003/04 ging die Verantwortung für die primärsta­ tistische Datenerhebung auf die Bundes­ länder über. Die Statistik wurde durch die Statistik Wien auf Basis der im Wiener Statistikgesetz festgeschriebenen Bestim­ mungen durchgeführt. Mit der Statistik Austria wurde ein Werkvertrag zur Durch­ führung einiger Dienstleistungen, wie zum Beispiel der Erstellung und Adressierung der Erhebungsformulare oder der Durch­ führung der Auswertungen, geschlossen. Die Kindergärten wurden zum freiwilligen Mitwirken angehalten, wobei die MA 10 – Wiener Kindergärten die Fragebögen im­ mer vollständig ausgefüllt an die Statistik Wien zurücksendete. Fehlende Angaben 150 JAHRE STATISTIK WIEN| BEITRÄGE VON DIENSTSTELLEN 53 von manchen privaten Kindergärten wurden durch die Statistik Wien mittels statistischer Verfahren ergänzt. Die Art. 15a B-VG-Vereinbarung„über den Ausbau des institutionellen Kinderbetreuungs­ angebotes und über die Einführung der ver­ pflichtenden frühen sprachlichen Förderung in institutionellen Kinderbetreuungseinrichtungen sowie Schaffung eines bundesweiten vorschu­ lischen Bildungsplanes“ bot der Kinderbe­ treuungsstatistik ab dem Jahr 2007/08 einen neuen rechtlichen Rahmen. Die Bundesländer verpflichteten sich in dieser Art. 15.a B-VGVereinbarung zur Erhebung von Daten, die auch als Basis für die Abrechnung des Bundeszu­ schusses für den Ausbau des institutionellen Kinderbetreuungsangebots herangezogen wur­ den. Diese neue, finanzwirksame Bedeutung der Kinderbetreuungsstatistik, erforderte eine weitere Verbesserung der Erhebungsqualität, weswegen die Statistik Wien und die MA 10 – Wiener Kindergärten in enger Zusammenarbeit neue Wege entwickelten, aus der für die Kinder­ gärten immer noch freiwilligen Erhebung eine nahezu tatsächliche Vollerhebung zu gestalten. Dazu wurde die primärstatistische Erhebung, die mittels Fragebögen an die Kindergärten aus­ geschickt und von diesen an die Statistik Wien retourniert wurden, durch eine sekundärsta­ tistische Erhebung aus den Verwaltungsdaten­ beständen der MA 10 – Wiener Kindergärten, abgelöst. Die Einführung des beitragsfreien Kindergartens spielte dabei insofern eine große Rolle, als dass Daten, die für die Abrechnung der privaten Kindergärten erforderlich waren, nun in der MA 10 vorlagen und anonymisiert für die Erstellung der Kinderbetreuungsstatistik gut herangezogen werden konnten. Durch die neue Methode kam es dabei nicht nur zu einer deut­ lichen Verbesserung der Datenqualität, sondern auch zu einer großen Entlastung der Kindergär­ ten, die nun nicht mehr mit dem Ausfüllen de­ taillierter Fragebögen befasst werden mussten. Viele der hunderten Millionen Arbeitsstunden, die seit Bestehen des städtischen Kinderbetreu­ ungswesens und der amtlichen Wiener Statistik in den beiden Abteilungen geleistet wurden, wurden gemeinsam geleistet. Auch wenn wir von den vielen Kolleginnen und Kollegen, unseren VorgängerInnen, die die beiden Dienststellen zu dem gemacht haben, was sie heute sind, nichts mehr wissen oder höchstens ein paar wenige Anekdoten kennen, so können wir uns dennoch einer gemeinsamen Geschichte bewusst sein, die zumindest auch die nächsten 150 Jahre wei­ tergeschrieben werden soll … und auch weiterge­ schrieben werden wird. In diesem Sinne wünscht die MA 10 – Wiener Kindergärten der Statistik Wien gutes Gelingen bei all ihren Vorhaben zum Wohle der Stadt und ihrer Kinder. MAGISTRATSABTEILUNG 18 STADTENTWICKLUNG UND STADTPLANUNG 54 STATISTIK JOURNAL WIEN Magistratsabteilung 18 – Stadtentwicklung und Stadtplanung Dipl.-Ing. Thomas Madreiter, Diensstellenleiter, und Ing. Mag. Johannes Gielge Zwischen Stadtplanung und Statistik be­ steht ein enger Zusammenhang: denn Zah­ len sind unerlässlich zur Darstellung von bestehenden Situationen und Trends, von damit verbundenen Herausforderungen und Handlungsoptionen sowie den vor­ aussichtlichen Wirkungen vorgeschlagener Maßnahmen. Letztere gehen allerdings über empirisch beobachtbare Daten hin­ aus und enthalten diverse Erfahrungswerte und begründbare Annahmen. Statistik bil­ det somit einen wesentlichen Ausgangs­ punkt für Planungsüberlegungen, welche zusätzlich den Umgang mit lückenhaften und unsicheren Informationen mit ein­ schließen. ner der amtlichen Statistik. Im Zentrum steht der Versuch, statistische Daten zu handlungsanleitenden Empfehlungen zu verdichten. Das ist einerseits methodisch schwierig, da Veränderungen im gesell­ schaftlichen Leben weder – wie bei einem Experiment – wiederholbar sind, noch ein­ zelne Ursachen isoliert werden können. Andererseits stellt man häufig fest, dass genau jene Daten, die für aussagekräfti­ ge Indikatoren nötig wären, fehlen. Denn Statistiken sind häufig – besonders seit Einführung der Register – eine Sekundär­ nutzung von Verwaltungsdaten, die für andere Zwecke generiert werden. Dazu ein einfaches Beispiel: Die MA 18 – Stadtentwicklung und Stadt­ planung arbeitet daher ständig mit der Wiener Landesstatistik zusammen. Neben der Nutzung vorhandener statistischer Daten generiert die MA 18 auch selbst Daten(z. B. über die Flächennutzung des Stadtgebiets oder über Verkehrsströme), die anderen Dienststellen zur Verfügung gestellt werden und in aggregierter Form auch Eingang in das Statistische Jahrbuch finden. Die Erfassung und Analyse erfolgt in der MA 18 allerdings kleinräumig(d. h. in Gebietseinheiten wie Baublöcken oder Rasterzellen) und unter methodischer Berücksichtigung räumlicher Nähe(Kon­ zentrationen). Wesentlich ist auch die Vi­ sualisierung der Daten in thematischen Karten und räumliche Analytik im GIS(Geo­ graphische Informationssysteme), wobei Veränderungen oder eine Verschneidung mehrerer Datensätze zu Indikatoren oft aussagekräftiger sind als eine Darstellung des Status quo auf Basis eindimensionaler Merkmalsausprägungen. Die Arbeitsweise des Referats Stadtfor­ schung und Raumanalyse unterscheidet sich also in mancherlei Hinsicht von je­ Wenn bei Verkehrsunfällen z. B. ein Rad­ fahrer verletzt wird, entstehen diverse Verwaltungsdaten: Polizeiprotokolle, ärzt­ liche Befunde, Zahlungsflüsse von Kran­ kenkassen oder anderen Versicherungen, evtl. Rechtstreitigkeiten etc. Der Vorfall ist also aktenkundig und es ist daher relativ einfach, solche Ereignisse zu zählen bzw. einem Ereignisort zuzuordnen. In der Zei­ tung wird dann berichtet, dass die Zahl der Fahrradunfälle gegenüber dem Vorjahr zugenommen hat. 1 Ist deshalb Radfahren gefährlicher geworden? Weit gefehlt – es hat nämlich zugleich die Bevölkerung zugenommen und auch die Radnutzung: kein Wunder also, wenn – ceteris paribus – mehr Unfälle passieren, von zufälligen Schwankungen einmal abgesehen. Vor allem aber: worin besteht die Handlungs­ relevanz dieser Information, soll man des­ halb nicht Rad fahren? Doch, aber wie man Radfahren sicherer machen kann, darüber liefert die o. a. statistische Information keinen Anhaltspunkt. Denn warum und wo Radfahren gefährlich ist, hängt von baulichen Eigenschaften des Verkehrsnet­ zes sowie von seiner Nutzung ab. Wo also befinden sich Unfallhäufungspunkte, wie 1 z. B. http://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/748751/Unfallbilanz_Mehr-tote-Radfahrer 150 JAHRE STATISTIK WIEN| BEITRÄGE VON DIENSTSTELLEN 55 sind diese baulich gestaltet(oder verän­ dert) worden, wie hängen Verkehrskon­ flikte mit der Intensität des Autoverkehrs zusammen, oder mit dem Verkehrsverhal­ ten der Beteiligten? Fragen über Fragen, zu denen die routinemäßig erstellten Sta­ tistiken meist nur lückenhafte Antworten bieten können. samt wesentlich steigern. Es wäre daher wünschenswert, diese frühzeitig über neue oder zu ändernde Datensammlungen zu informieren bzw. ihren Bedarf zu erheben. Für einen evtl. Mehraufwand bei Erfassung und Verarbeitung der Informationen muss natürlich eine kooperative Lösung gefun­ den werden. Bei wesentlichen Fragen der Stadtent­ wicklung treten regelmäßig ähnliche Da-tenlücken und methodische Schwie­ rig-keiten auf: wie groß ist der künftige Bedarf an Wohnungsneubau, welche zusätz-lichen Einrichtungen sind zu des­ sen Versorgung nötig und wo kann man sie kostengünstig herstellen, wo sind die Standortfaktoren für Wirtschaftsbetriebe ausreichend attraktiv, welcher Ausbau des U-Bahn-Netzes ist am sinnvollsten oder welche verkehrlichen Auswirkungen haben Maßnahmen wie z. B. die jüngste Ausdehnung der Parkraumbewirtschaf­ tung? Zu diesen Fragen liefert die amtliche Statistik ein wertvolles Grundgerüst an Informationen, das aber durch kleinräu­ mige Erhebungen und auch Befragungen ergänzt werden muss, um zu handlungs­ orientierten Empfehlungen zu gelangen. Als„Abfallprodukt“ entstehen dabei oft weitere offene Fragen – und Erkenntnisse darüber, welche Daten zu ihrer Beantwor­ tung gesammelt werden müssten. Daher möchte die MA 18 als Datennutzerin auch die Gelegenheit nützen, einige Wünsche zu formulieren, die sich nicht nur an die amtliche Statistik, sondern an alle Daten generierenden Dienststellen richten: Dialog mit potentiellen NutzerInnen: beim Sammeln von statistisch auswertbaren Verwaltungsdaten werden Entscheidungen über die(Nicht-)Erfassung von Merkmalen bzw. ihre Kategorisierung getroffen. Dabei stehen die Interessen der verwaltenden Dienststelle naturgemäß im Zentrum. Mit­ unter könnte aber eine andere Gliederung oder die Erfassung eines zusätzlichen Merkmals den potentiellen Mehrwert der Datensammlung für die Stadt Wien insge­ Kleinräumige Auswertbarkeit: eine Geore­ ferenzierung in einheitlicher Form(Adress­ code, RBW-Zuordnung, Koordinaten etc.) 2 ist die notwendige Voraussetzung für eine kleinräumige Auswertbarkeit aller Daten und sollte wenn möglich immer mitgeführt werden. Historisierung: um Veränderungen aus­ werten zu können, ist die Speicherung von Stichtagsabzügen notwendig. Dabei müs­ sen auch Veränderungen des räumlichen Bezugssystems mitgeführt werden, um Zeitreihen zu ermöglichen. Metadaten-Dokumentation: Erhebungsme­ thoden und Definitionen ändern sich im Lauf der Zeit, was zu Brüchen in Zeitrei­ hen führt. Das Wissen darüber ist jedoch häufig nur informell in den einschlägigen Dienststellen vorhanden und nicht ohne weiteres zugänglich. Daten nutzende Dienststellen können ohne diese Informa­ tion aber leicht zu Fehlschlüssen gelangen. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass abseits der gesetzlich verpflichten­ den Register die meisten Daten freiwil­ lig und mit erheblichem Aufwand für die ausführenden Dienststellen erzeugt wer­ den, und dort auch viel Know-how über die erfassten Merkmale sowie über deren Aussagekraft besteht. Kooperationen sind daher v. a. dann fruchtbar, wenn sie„auf gleicher Augenhöhe“ und zum gegensei­ tigen Nutzen geführt werden. In diesem Sinn bedankt sich die MA 18 bei ihren zahlreichen KooperationspartnerInnen – und ganz besonders bei der Wiener Lan­ desstatistik – für die gute Zusammenar­ beit, und wünscht ihr alles Gute zum heu­ rigen Jubiläum! 2 vgl.§ 1 AdrRegV(Adressregisterverordnung) bzw. Räumliches Bezugssystem Wien(MA 21) MAGISTRATSABTEILUNG 19 ARCHITEKTUR UND STADTGESTALTUNG 56 STATISTIK JOURNAL WIEN Magistratsabteilung 19 – Architektur und Stadtgestaltung SR Dipl.-Ing. Franz Kobermaier, Dienststellenleiter Gleich zu Beginn regt sich ein Widerspruch – Baukunst und Baukultur trifft auf nackte Zahlen! Architektur und Stadtgestaltung definiert sich über die Wahrnehmung von Bildern nicht über Tabellen. Emotionen ste­ hen der Rationalität gegenüber. Wie in allen Bereichen ist es aber in der Statistik möglich, alles doch darzustellen! Fasst man den Architekturbegriff noch wei­ ter – Architektur in der Stadtplanung – wird es noch konkreter: ohne Statistik können wir nicht planen. Grundlagendaten sind die wesentlichen Bausteine, auf denen Planungen aufset­ zen, und die Statistik leistet einen ganz entscheidenden Beitrag dafür. Zahlen, Daten und Fakten sind bei jeder Planung von Bedeutung und nach jeder Planung ist diese auch wieder ein Beitrag für eine neue Statistik im Rahmen von Evaluierungen. Was bedeutet das jetzt genau? Dazu einige Bespiele aus den vier Planungsbereichen der Magistratsabteilung 19: Statistik in der Stadterhaltung Die historische Bausubstanz spielt in Wien eine bedeutende Rolle. Seit der im Jahr 1972 beschlossenen Altstadterhaltungs­ novelle der Wiener Bauordnung kann die Stadt Wien unabhängig vom Denkmal­ schutz Schutzzonen festlegen und damit charakteristische Ensembles vor Abbruch oder Überformung schützen. Diese Schutz­ zonen werden von der Magistratsabteilung 19 vorgeschlagen und darüber statistische Daten erfasst. Derzeit gibt es in Wien 135 Schutzzonen mit 24.000 Gebäuden, das sind ca. 15% des Wiener Gebäudebe­ standes. Zusätzlich wird aufgenommen, in welcher Bauperiode die Gebäude errichtet wurden. In einer Bauperiodenkarte gibt es einen genauen Überblick in welcher Bauperiode die Gebäude errichtet wurden und die dahinter stehende Datenbank gibt Auskunft darüber, wie viele Gebäude in der jeweiligen Bauperiode errichtet wurden – z. B. aus der Barockzeit gibt es Wien noch einen Gebäudebestand von 580 Gebäu­ den in Schutzzonen. Zahlen und Fakten für die Gestaltung des öffentlichen Raumes Auch bei der Planung und Gestaltung von Straßen und Plätzen bieten statistische Grundlagen Planungssicherheit. Für wel­ che Bevölkerungsgruppen ist öffentlicher Raum zur Verfügung zu stellen: Wohnen in einem Gebiet hauptsächlich ältere Menschen? Wie viele Kinder werden den öffentlichen Raum nutzen? Mit welchen Fußgängerströmen ist zu rechnen? Wie viele Sitzbänke, Bäume als Schattenspen­ der sind künftig notwendig? – um nur ei­ nige zu nennen. Nach der Planung gibt es dann Aussagen und Statistiken wie viele Fußgängerzonen es in Wien gibt, wie groß diese sind, wie viele Sitzbänke, Bäume und sonstiges Mobiliar im öffentlichen Raum vorhanden sind. Ein Aspekt ist auch die Werbung im öffentlichen Raum: Wer­ beflächen sind im öffentlichen Raum nicht immer und überall gewünscht, ab einer gewissen Menge sind sie im Stadtbild eher störend als zuträglich. Dazu gibt es genaue Aufstellungen darüber, wo sich welche Art von Werbeträgern befinden. Dadurch kön­ nen Aussagen getroffen werden, wie viele Werbeanlagen und in welcher Dimension der öffentliche Raum noch verträgt. Viele Gutachten für das Stadtbild Die Magistratsabteilung 19 begutachtet aber auch alle Einreichungen zu Neu-, Zuund Umbauten für die zuständigen Behör­ den. Jedes Jahr werden mehr als 10.000 Gutachten und Stellungnahmen geschrie­ ben. Es wird genau erhoben, wie lange je­ der Akt in der Abteilung zur Stellungnahme liegt. Daraus ergibt sich ein statistischer Mittelwert einer Aktenverweildauer von weniger als einer Woche. Für die Planung der Ressourcen sind diese Zahlen eine 150 JAHRE STATISTIK WIEN| BEITRÄGE VON DIENSTSTELLEN 57 wichtige Grundlage. Die Statistik erlaubt uns zu schauen, wie viele Bauvorhaben jedes Jahr in jedem Bezirk eingereicht werden und welches die hauptsächlichen Ansuchen sind. Die besten fertig gestellten Gebäude werden jedes Jahr in einer Ausstellung gezeigt und es gibt eine Statistik darüber, welches Archi­ tekturbüro über die letzten Jahre die meisten Auszeichnungen bekommen hat. Planen wichtiger sozialer Infrastruktureinrichtungen Für die Planung von Schulen und Kinder­ gärten braucht die Magistratsabteilung 19 gemeinsam mit der Verwaltung der Schu­ len und Kindergärten die Angaben über die zukünftige Bevölkerungsentwicklung. Wie viele Klassen muss der künftige Schulbau beinhalten, für wie viele Gruppen muss der zu bauende Kindergarten geplant werden. In welchem Zeitraum wird die neue Schule oder der Kindergarten benötigt werden. Bei der Schulsanierung geht es vordergründig um Zahlen, da für die Sanierung sehr viel Geld von der Stadt Wien in die Hand ge­ nommen werden muss. Es geht dabei um Zeiträume und Verteilung. Dahinter steht aber ein ganz wichtiger architektonischer Aspekt – es geht um die Erhaltung wich­ tiger architektonischer Zeitzeugnisse, die behutsam saniert werden müssen. Da trifft die Baukultur wieder auf nackte Zahlen. Die Magistratsabteilung 19 wünscht alles Gute zu 150 Jahre Statistik Wien! Ohne Statistik wüssten wir nicht genug über unsere Stadt um gut genug planen zu können! MAGISTRATSABTEILUNG 22 UMWELTSCHUTZ 58 STATISTIK JOURNAL WIEN Magistratsabteilung 22 – Umweltschutz OSR in Ing. in Dr. in Karin Büchl-Krammerstätter, Dienststellenleiterin, und Ing. in Mag. a Silvia Kubu Statistik ist aus dem Alltag nicht wegzu­ denken, sie begleitet uns durch viele Le­ bensbereiche. Durch Statistik werden As­ pekte des täglichen Lebens anschaulicher, über längere Zeit vergleichbar und mitein­ ander korrelierbar. Auch im Umweltbereich werden seit Jahrzehnten Daten erhoben, statistisch ausgewertet und verglichen. Ein gutes Beispiel ist das Luftmessnetz der Wiener Umweltschutzabteilung – MA 22, das seit den 1970er-Jahren die Wiener Luft überwacht und in Berichten zur Luftgüte festhält. Die statistische Auswertung der Messdaten und der Vergleich über längere Zeiträume erlauben die langfristige Beob­ achtung der Luftqualität, das sogenannte Luftgüte-Monitoring. Diese Daten können mit anderen statistischen Daten, z. B. über Bevölkerungs- und Verkehrsentwicklung, die Beheizung von Gebäuden oder mit gesetzten Maßnahmen bzw. Ereignissen in Bezug gesetzt werden. Statistik funktio­ niert aber auch vorausschauend: Unter Be­ rücksichtigung von vorweg genommenen Entwicklungen diverser Emissionsquellen, wie Verkehr oder Industrie, sind Prognosen für die Zukunft möglich. Diese sind wiede­ rum ein unverzichtbares Instrument für die Planung von Maßnahmen zur Verbesse­ rung der Luftgüte. Viele dieser wichtigen Bezugsdaten werden laufend von der Sta­ tistik Wien erhoben. Der technische Fortschritt hat nicht nur neue Wege für die Luftmesstechnik geeb­ net, sondern auch Datenübertragung und Datenverarbeitung vereinfacht. Die Medi­ en für die statistische Auswertung und die Information der Bevölkerung haben sich ebenfalls geändert: Die Daten sind heute wesentlich rascher, leichter und umfassen­ der zugänglich als früher. Was heute als modernes Luftmessnetz der Wiener Umweltschutzabteilung – MA 22 bekannt ist, nahm in den 1970er-Jahren seinen Anfang: Luftschadstoffe wie Schwe­ feldioxid oder Staub, die Hauptursachen für„Smog“, wurden an einigen Messstellen durch Einzelanalysen erfasst und manuell ausgewertet. Die berechneten Ergebnisse wurden händisch in Tabellen eingetragen, statistisch Mittelwerte bestimmt und min­ destens einmal jährlich ein Bericht erstellt. In den 1980er-Jahren begann das Luft­ messnetz mit ersten Automatisierungs­ schritten: Die einzelnen Messstellen wurden über eine Festnetz-Telefonstand­ leitung mit einer Messnetzzentrale beim Wiener Rathaus verbunden. Erstmals wur­ den meteorologische Daten, wie Wind­ richtung oder Temperatur, miterfasst. Die statistische Auswertung der Messdaten er­ folgte ab hier einheitlich über Lochkarten­ systeme durch die heutige MA 14. Berich­ te wurden monatlich und jährlich erstellt. Schon damals wurden die Messdaten mit Ergebnissen der Statistik Wien oder mit bestimmten Ereignissen bzw. Maßnahmen in Bezug gesetzt. So zeigte sich, dass die damals gesetzten Maßnahmen zur Smog­ vermeidung, wie z. B. die Reduktion des Schwefelgehaltes von Brennstoffen tat­ sächlich, zu weniger Schwefeldioxid in der Luft führten. Archiviert wurden die Daten damals in Papierform. 1985 wurde die Wiener Umweltschutzab­ teilung – MA 22 von Bürgermeister Helmut Zilk mit der Errichtung eines modernen, automatischen Luftmessnetzes betraut. Zunächst wurden Messgeräte, Datenerfas­ sung und Datenübertragung, die nunmehr digital über eigene Server erfolgte, auf den neuesten Stand gebracht. Zusätzliche Messnetzstandorte und ein um Stickstoff­ oxide, Ozon und Kohlenmonoxid erweiter­ tes Spektrum an gemessenen Parametern folgten. Die statistische Auswertung wurde modernisiert, das Berichtswesen um ak­ tuelle Tagesberichte erweitert, die magist­ ratsweit verteilt und den BürgerInnen über Radio Wien kenntlich gemacht wurden. Die Daten wurden erstmals digital auf Ma­ gnetspulen archiviert. Wieder zeigte sich ein Zusammenhang der Messdaten mit 150 JAHRE STATISTIK WIEN| BEITRÄGE VON DIENSTSTELLEN 59 anderen statistischen Daten: Mehr Rauch­ gasreinigungsanlagen bei Großemittenten führten zu einer weiteren Reduktion von Schwefeldioxid, die„Pickerlpflicht“ für Kfz sorgte für mehr moderne, abgasarme Au­ tos und eine Abnahme der Kohlenmono­ xidbelastung der Wiener Luft. In den 1990er-Jahren schritt die Automati­ sierung der Datenerfassung,-übermittlung und-auswertung weiter voran, ebenso die der Information der BürgerInnen über die aktuelle Luftgüte oder auch im Falle einer Grenzwertüberschreitung. Waren die Luft­ messdaten zunächst über einen täglich von MitarbeiterInnen des Luftmessnetzes besprochenen Telefondienst abzuhören, folgte bald ein automatisiertes stündlich aktualisiertes System, das auch heute noch als„Ozonix“ zur Verfügung steht. Die Alar­ mierung der BürgerInnen z. B. bei Ozon­ alarm wurde ebenfalls modernisiert und beschleunigt. Die Schwellenwerte für OzonVorwarnung oder Ozonalarmierung basie­ ren übrigens ebenfalls auf statistischen Beobachtungen: Sie sind im Ozongesetz als Stundenmittelwerte festgeschrieben. Die Luftqualität hat sich auch weiter ver­ bessert, was, wie die Statistik zeigt, unter anderem auf Maßnahmen, wie den Ausbau des Fernwärmenetzes oder durch mehr neu­ zugelassene Kfz mit Katalysator in Folge der Katalysatorpflicht, zurückzuführen war. Die Datenarchivierung erfolgte nunmehr auf Magnetkassetten und auf CDs. Auch über die Jahrtausendwende hinaus gab es beim Luftmessnetz der MA 22 lau­ fend Modernisierungen und eine Aufrüs­ tung der Messstellen um weitere gemes­ sene Komponenten, wie Benzol, Feinstaub PM2,5(particulate matter 2,5 µm) oder PM10 inklusive deren Gehalt an Schwer­ metallen: Die moderne Messnetzzentrale verfügt über einen eigenen Serverraum, die Messstellen sind mit Telefonmodems mit Funkanbindung ausgestattet. Die Luftgütedaten sind so laufend aktuell verfügbar und können von interessierten BürgerInnen auch über das Internet abge­ rufen werden. Die statistischen Daten dazu werden in stündlich aktualisierter Form, in Tages-, Monats- und auch Jahresberichten angeboten. Das gibt einen guten Überblick über den Verlauf der Schadstoffkonzentra­ tionen über das ganze Jahr und unterstützt auch die Ursachenforschung: Die Statistik verrät, dass im Winter mehr Feinstaub in der Luft vorhanden ist, als in den anderen Jahreszeiten, verursacht wird er hauptsäch­ lich durch Ferntransport aber auch durch lokale Verkehrs- und Heizungsemissionen. Im Sommer sorgt die erhöhte Sonnenein­ strahlung eher für erhöhte Ozonwerte als in kühleren Monaten. Im Zuge des Monitorings der Wiener Luft werden, wie schon erwähnt, der Vergleich der statistisch erhobenen Schadstoffbe­ lastungen zwischen einzelnen Jahren und der Verlauf über die Jahre hinweg betrach­ tet. Darüber hinaus werden die Resultate mit anderen Statistikdaten in Bezug ge­ setzt um Zusammenhänge zu erkennen. Die Qualität der Wiener Luft ist hoch, was zahlreichen umgesetzten Maßnahmen, wie dem steten Ausbau des öffentlichen Verkehrs oder dem flächendeckenden An­ gebot an schwefelfreien Treibstoffen zu verdanken ist. Gut sichtbar werden diese Entwicklungen und Zusammenhänge je­ doch erst durch die Statistik, die vieles erkennbar, leichter mit anderen Daten ver­ netzbar und klarer überschaubar macht. Seit vielen Jahren ist die Statistik Wien der Wiener Umweltschutzabteilung eine wertvolle Begleiterin, herzlichen Dank und herzlichen Glückwunsch! MAGISTRATSABTEILUNG 25 STADTERNEUERUNG UND PRÜFSTELLE FÜR WOHNHÄUSER 60 STATISTIK JOURNAL WIEN Magistratsabteilung 25 – Stadterneuerung und Prüfstelle für Wohnhäuser SR Dipl.-Ing. Bernhard Jarolim, Diensstellenleiter, und OStBR in Dipl.-Ing. in Renate Kapelari Die Magistratsabteilung 25 – Stadterneue­ rung und Prüfstelle für Wohnhäuser(MA 25) bietet für die Wiener Bevölkerung fachliche Beratung und Service im Bereich der gesam­ ten Wohnbautechnik an. Insbesondere sind die fallbezogenen Gutachten im Bereich der Bau-, Energie- und Gebäudetechnik, des Denkmalschutzes, des Wohn- und Baurech­ tes, oft im Zusammenhang mit Förderungen oder Schlichtungsverfahren gefragt. Die Durchsetzung technischer Ersatzmaßnah­ men für ein sicheres Wohnumfeld gehört ebenfalls zum Aufgabenbereich der MA 25. 2008 wurde eine„Kompetenzstelle für bar­ rierefreies Planen, Bauen und Wohnen“ zwecks Unterstützung behindertengerechter Wohnungsumbauten eingerichtet. Abschlie­ ßend sei noch erwähnt, dass die MA 25 Auf­ traggeberin der„Wiener Gebietsbetreuung – Stadterneuerung“ ist, welche als aktive und bevölkerungsnahe Serviceeinrichtung zur Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität in Wiens Stadterneuerungsgebieten beiträgt. Hervorzuheben ist jedoch, dass die MA 25 Nutznießerin amtlicher Statistiken war und ist. So werden beispielweise bei der Vorbereitung der europaweiten Ausschrei­ bung der Wiener Gebietsbetreuung Daten zur Bevölkerungsentwicklung, sowie zur Wohn- und Lebensqualität benötigt. Statistisches Datenmaterial als wert­ volle Auskunftsquelle für die MA 25 Soziale, ökonomische und demogra­ phische Strukturveränderungen in der Gesellschaft beeinflussen seit jeher die Zielsetzungen der Wiener Stadterneue­ rung und damit die Aufgaben der Wiener Gebietsbetreuung. So wurden und wer­ den auch hinkünftig Bevölkerungsdaten der amtlichen Statistik sowie Grundlagen über den baulichen, sozialen und wirt­ schaftlichen Zustand eines Bezirkes bzw. eines Grätzels, sowie Kennzahlen über die Freiflächenversorgung, die Zielgebiete des Stadtentwicklungsplanes sowie innerstäd­ tische Wohnbaupotenziale zur Anpassung bzw. neuerlichen Festlegung von Einzugs­ gebieten und Aufgabenschwerpunkten der Gebietsbetreuung Stadterneuerung benötigt und berücksichtigt. Zudem haben sich die Daten aus den Volkszählungen der amtlichen Statistik bestens bewährt, um Erfolge der Wiener Stadterneuerung – über einen größeren Zeitraum betrachtet – anhand dieser fundierten Quellen darzu­ stellen und nachzuweisen. Bautechnische Daten der MA 25 als Informationsquelle Seit Jahren erfasst die MA 25 bei geför­ derten Wohnbauvorhaben verschiedene bautechnische Daten und stellt diese bei Bedarf anderen Dienststellen zur Verfü­ gung. Anlässlich ihrer Prüftätigkeit für die „Schlichtungsstelle“ der MA 50 hat die MA 25 einen umfangreichen Datenbestand über die Nutzflächenerfassung von Wiener Wohngebäuden erhoben. In letzter Zeit wird die MA 25, nachdem sie für die Förderung von solarthermischen Anlagen, Biomasseheizungsanlagen, Wär­ mepumpen, thermisch-energetischen Sa­ nierungen und Ökoförderungen im Neu­ baubereich zuständig ist, für Datenrecher­ chen bei Forschungsarbeiten und Markt­ untersuchungen kontaktiert. Als Beispiel hierfür sei eine seit 2010 jährlich erschei­ nende Studie der Technischen Universität Wien erwähnt. Diese untersucht im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Inno­ vation und Technologie die Marktentwick­ lung über innovative Energietechnologien in Österreich. Neue Wege der Datensammlung und Zusammenarbeit In unserer wissens- und qualitätsorientier­ ten Informationsgesellschaft nimmt der Be­ darf an statistischem Datenmaterial stän­ 150 JAHRE STATISTIK WIEN| BEITRÄGE VON DIENSTSTELLEN 61 dig zu. Die Stadt Wien hat den Vorteil, dass sie bereits eine Vielzahl an Daten in den di­ versen Dienststellen, Unternehmungen und Fonds erhebt. Diese sind jedoch in erster Linie auf die Bedürfnisse der einzelnen Or­ ganisationen abgestimmt. Die unterschied­ liche Datendichte und-qualität erschwert eine Zusammenführung dieser Daten. Zur Verbesserung der allgemeinen statistischen Serviceleistungen und Datenadministrati­ on unterstützt die Registerkoordination der Magistratsabteilung 23 – Wirtschaft, Arbeit und Statistik hier die einzelnen Einrichtun­ gen mit ihrem Fachwissen. Aktuell berät sie die MA 25 bezüglich einer Erhebung der Mietenentwicklung unter Be­ rücksichtigung der Anwendungsbereiche des Mietrechtgesetzes. Eines der Probleme ist, dass die vorhandenen Daten von un­ terschiedlichen Einrichtungen nicht zentral erfasst werden bzw. bekannt sind. Zudem basieren die derzeit durchgeführten Hoch­ rechnungen auf der letzten Volkszählung (2001) bzw. auf diversen Erhebungen(z. B. Mikrozensus), deren Datendichte sehr un­ terschiedlich ist. Um auf die steigenden Anforderungen als Prüf­ stelle für Wohnhäuser in der Zukunft besser vorbereitet zu sein, wird mit dem oben ange­ führten Projekt das Ziel verfolgt, – durch die Zurverfügungstellung von zentral auswertba­ ren Daten als zusätzliche Arbeitsgrundlage – sichere Rückschlüsse auf den in der Stadt Wien vorhandenen Wohnraum und auf das vorhandene Mietpreisniveau zu ziehen. über die Gesamtenergieeffizienz von Ge­ bäuden die Notwendigkeit der Einführung eines unabhängigen Kontrollsystems für die Kontrolle der Ausweise über die Ge­ samtenergieeffizienz festgelegt. Damit stellt sich die Notwendigkeit zur Schaffung einer Wiener Energieausweisdatenbank – einem Projekt, an deren Entwicklung auch die MA 25 gemeinsam mit anderen Magist­ ratsabteilungen beteiligt ist. Diese Datenbank soll in der Endausbau­ phase alle Gebäude auf dem Gebiet des Landes Wien umfassen und mit wichtigen Kennzahlen, wie z. B. den Heizwärme­ bedarf, Primärenergiebedarf, die CO 2 ­ Emissionen oder den Gesamt-Energieef­ fizienz-Faktor des Gebäudes hinterlegt werden. Ziel ist es, anhand dieser Kennzahlen einen guten Überblick über die energetische Qua­ lität der einzelnen Gebäude zu erhalten. Auf Basis statistischer Analysen könnten dann Verbesserungspotenziale sichtbar gemacht und Maßnahmen zur Steigerung der Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden geplant und durchgeführt werden. Open Data – Informationen ein Meilenstein in die Zukunft Ein wichtiger Meilenstein ist, dass die Stadt Wien seit 2011 öffentliche Datenbe­ stände im Interesse der Allgemeinheit als Open Data-Informationen frei zugänglich macht. Energieausweis Datenbank – ein Statistik-Projekt im Kontext mit der Europäischen Union Auf Gebäude entfallen derzeit rund 40% des Gesamtenergieverbrauchs der Europä­ ischen Union. Daher sind die Senkung des Energieverbrauchs und die Nutzung von Energie aus erneuerbaren Quellen im Ge­ bäudesektor wesentliche Maßnahmen zur Verringerung der Energieabhängigkeit und der Treibhausgasemissionen. Aufgrund dessen wurde in der Richtlinie der Europäischen Union vom Jahr 2010 Der vorliegende Open Government DataKatalog von Wien enthält bereits umfang­ reiches Datenmaterial in verschiedenen Formaten zur weiteren Verwendung und Bearbeitung, wobei dieses Angebot lau­ fend erweitert wird. Diesen Weg der freien Verfügbar- und Nutz­ barkeit von öffentlichen, qualitätsgesi­ cherten Daten – als wertvoller Beitrag zur vorteilhaften Entwicklung in Wien – wer­ den wir seitens der MA 25 mit unseren fachspezifischen Kenntnissen im Bereich des Wohnens und Wohnbaus auch in Zu­ kunft gerne unterstützen. MAGISTRATSABTEILUNG 49 FORSTAMT UND LANDWIRTSCHAFTSBETRIEB DER STADT WIEN 62 STATISTIK JOURNAL WIEN Magistratsabteilung 49 – Forstamt und Landwirtschaftsbetrieb der Stadt Wien SR Dipl-Ing. Andreas Januskovecz, Forstdirektor und Dienststellenleiter Wälder prägen das Stadtbild von Wien. Rund ein Fünftel der Stadtfläche ist mit Wald bedeckt. Die Wiener Wälder sind nicht nur Lebensraum für seltene Pflanzen und Tiere, sondern auch Naherholungsge­ biet und mitverantwortlich für die gute Le­ bensqualität in der Stadt. Hinter diesen Zahlen steht eine Vielfalt von Daten, von Informationen und Auswer­ tungen. Für einen modernen Forstbetrieb ebenso wie für eine grundverwaltende Dienststelle sind statistische Daten wich­ tige Entscheidungsgrundlagen und Argu­ mentationshilfen bei der täglichen Arbeit. Der flächenmäßig bedeutendere Anteil der„Wiener Wälder“ liegt jedoch nicht, wie vielleicht zu vermuten wäre, innerhalb der Stadtgrenzen, sondern weit außerhalb der 1,7-Millionenstadt in den niederöster­ reichischen und steirischen Kalkalpen. In den Schutzgebieten entspringen die zahl­ reichen Quellen, die Wien täglich mit fri­ schem Trinkwasser versorgen. Naturnahe, gesunde Wälder und ein Boden, der das Regenwasser optimal filtert und speichert, sind entscheidend für die hohe und oft unerreichte Qualität des Wiener Wassers. Rund 44.000 Hektar, und damit eine Flä­ che in etwa so groß wie Wien, betreut und bewirtschaftet die MA 49 – Forstamt und Landwirtschaftsbetrieb. Der Landwirtschaftsbetrieb der Stadt, der ebenfalls von der MA 49 verwaltet wird, betreibt heute zur Gänze biologisch-orga­ nischen Landbau innerhalb der Stadt und ist über die Landesgrenzen hinweg für sei­ ne ausgezeichneten Weine bekannt. Wien ist zu recht stolz auf seinen im in­ ternationalen Vergleich hohen Waldanteil von 18 Prozent und den Grünflächenteil von knapp 50 Prozent der Landesfläche. Auf Wiener Stadtgebiet befinden sich für die Wienerinnen und Wiener wichtige Er­ holungsgebiete. Bei der Arbeit für Wiens Wälder verfolgt das Forstamt die Grund­ sätze der naturnahen Waldwirtschaft: Die Baumarten werden aufgrund lokaler, natürlicher Gegebenheiten ausgewählt. Der Wald wird natürlich verjüngt. In Na­ turwaldreservaten, Kernzonen und Natur­ zonen des Nationalparks, kann sich der Wald natürlich entwickeln. Das beginnt bei der reinen Beschreibung der Verwaltungsflächen und Schutzgebie­ te, deren Flächenausmaß und Eigenschaf­ ten nicht zuletzt im Rahmen internationaler Konventionen und Organisationen wie NA­ TURA 2000 oder der IUCN und UNESCO von großer Bedeutung sind. Aber auch die Erholungsfunktion der Wie­ ner Grünräume hat einen direkten Bezug zu statistischen Daten. In mehreren Pro­ jekten wurden in den vergangenen Jahren Besucherzählungen und-befragungen in den Gebieten der MA 49 durchgeführt und die gewonnenen Daten anhand der Daten­ bestände der Statistik Wien, wie etwa Zahl der BewohnerInnen und Bevölkerungs­ struktur in den angrenzenden Siedlungs­ gebieten, analysiert und ausgewertet, um die Funktionalität und Ausgestaltung der bestehenden Grünräume mit Wegen, Rad­ routen, Erholungseinrichtungen u.v.m. an die Nutzergruppen anzupassen. Neue Wälder und Grünanlagen werden ent­ sprechend den übergeordneten Grün- und Freiraumkonzepten im Rahmen von mehr­ jährigen Landschaftsgestaltungsprojekten von der MA 49 geplant und errichtet. Pro Jahr werden über 10.000m² Wald in Wien neu gepflanzt. Das Anlegen und Gestalten neuer Grünräume ist ein wesentlicher Bestandteil der städtischen Umweltpolitik. Auch hier sind die Daten der Statistik Wien und daraus abgeleitete Prognosen wichtige Anhalts­ punkte für die Planung und Gestaltung. Auf der übergeordneten Ebene der Grünund Freiraumplanung ist bis zum Jahr 2014 Einiges zu planen: Gilt es doch, einen neuen 150 JAHRE STATISTIK WIEN| BEITRÄGE VON DIENSTSTELLEN 63 Stadtentwicklungsplan für Wien zu erarbei­ ten. Der STEP 2014 soll Strategien, Prinzipi­ en und Schwerpunkte formulieren, die die künftige Entwicklung und Qualität der Stadt maßgeblich mitbestimmen werden. Einige Prognosen sagen einen Anstieg der EinwohnerInnen in Wien von 1,7 auf 2 Milli­ onen EinwohnerInnen bzw. der Stadtregion von 2,6 auf knapp 3 Mio. EinwohnerInnen voraus. Vor dem Hintergrund einer wach­ senden Stadt ist die Betrachtung der Grünund Freiraumsituation in Wien ein wesent­ liches Element, um die Versorgungsqualität mit Grün- und Freiräumen und damit die Lebensqualität der unterschiedlichen Nut­ zerInnen sicherzustellen. Auch die Betrach­ tung verwandter Themen wie Umweltschutz, Landwirtschaft, Forstwirtschaft und überge­ ordnete Erholungsräume in der Region ist ein wichtiger Arbeitsschwerpunkt. Um weiterhin qualitätsvolle Angebote für 2 Mio. BewohnerInnen bereitzustellen, sind rechtzeitig Grundlagen und Entscheidungen hinsichtlich der grünen nötigen Infrastruk­ tur nötig. Wesentliche Fragestellungen werden dabei unter anderem sein: • Welche zusätzlichen Flächenbedarfe ergeben sich? • Welche zusätzlichen Kapazitäten, welche Änderungen bestehender Angebote sind notwendig? • Wie kann man Grün- und Freiräume besser vernetzen? • Welche Anforderungen hinsichtlich Flächenausmaß und Qualität sind zu beachten, damit Grünräume für möglichst alle Nutzergruppen attraktiv sind? Ein besonders komplexes Beispiel, was aus den vielfältigen Datenschätzen geschaffen werden kann, ist der für die vielfältigen Aufgabengebiete des Biosphärenparks Wienerwald relevante Wienerwaldatlas (Hrsg. Österr. Akademie der Wissenschaf­ ten), der die Entwicklung der Region Wie­ nerwald anhand des umfangreichen Da­ tenmaterials – von Bevölkerungs- über Siedlungsentwicklung bis hin zu Betriebs­ stätten und landwirtschaftlichen Flächen­ bilanzen – darstellt und daraus eine Fülle von für die kommunale Planung relevanten Informationen geschaffen hat. MAGISTRATSABTEILUNG 53 PRESSEUND INFORMATIONSDIENST 64 STATISTIK JOURNAL WIEN Magistratsabteilung 53 – Presse- und Informationsdienst Mag. Oliver Stribl, Dienststellenleiter Laut der Geschäftseinteilung des Magistrats der Stadt Wien ist die Magistratsabteilung 53 – Presse- und Informationsdienst mit vielfältigen Aufgaben der Kommunikations­ und Öffentlichkeitsarbeit betraut. Unter diese Aufgaben fallen unter anderem die Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit und Imagewerbung im In- und Ausland und die Koordination, Planung und Durchführung von Werbe- und PR-Maßnahmen, um nur zwei Punkte exemplarisch aus dem Aufga­ benportfolio des Presse- und Informations­ dienstes hervorzuheben. Kurz gefasst: Die Magistratsabteilung 53 gilt, sowohl nach außen hin, als auch innerhalb des Ma­ gistrats, als Kommunikationsexpertin der Stadt Wien. Die Rolle als Kommunikations­ expertin ist allerdings keine organisations­ bedingte Selbstverständlichkeit, sondern vielmehr das Resultat fundierter Kenntnisse über die sich bietenden, möglichen Wege der Kommunikation und einem ebenso exakten Wissen über die zu erreichenden Zielgruppen. Letztlich ist es natürlich eben­ so wichtig zu wissen, welche Inhalte zu welchem Zeitpunkt den Wienerinnen und Wienern vermittelt werden sollen. Es sind unter anderem statistische Daten welche einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass die Magistratsabteilung 53 – Presse- und Informationsdienst ihre Rolle als Kommuni­ kationsexpertin erfüllen kann. Die Wege der Kommunikation, also die Möglichkeiten die Wienerinnen und Wie­ ner zu informieren, und diese somit mit den Botschaften der Stadt Wien in ihren alltäglichen, individuellen Lebenswelten zu erreichen, unterliegen einem stetigen Wandel. Während uns der technische Fortschritt neue Wege zum Erreichen des Zieles eröffnet, werden dadurch tradierte Wege unter Umständen schwerer gangbar und verlieren zuweilen etwas von ihrer bis­ herigen Popularität. Die Verschiebung von Print zu Online und Web 2.0, insbesonde­ re(aber nicht ausschließlich) im Bereich der jüngeren Wienerinnen und Wiener, wäre ein Beispiel hierfür. Während vor 10 Jahren 33,5% der österreichischen Haus­ halte über einen Internetanschluss ver­ fügten, beläuft sich dieser Anteil im Jahr 2012 bereits auf 79,3% – ein Großteil der Bevölkerung ist somit bereits online erreichbar, während man vor 10 Jahren nur von einer solide ausgebauten, inno­ vationsfreudigen Minderheit sprechen konnte. Auch das Fernsehen, welches lan­ ge zu bestimmten Uhrzeiten eine beinahe ungeteilte Aufmerksamkeit genoss, muss sich diese nun mit anderen Medien tei­ len. Eine parallele und simultane Nutzung mehrerer Kanäle zur selben Zeit zeichnet sich mehr und mehr ab. Der Wandel inner­ halb der Medienlandschaft wird anhand dieser Beispiele offensichtlich. Kommuni­ kation an sich ist somit kein festgelegter Automatismus. Trotz guter Kenntnisse des Marktes reicht das auf Erfahrung basieren­ de„Gespür“ für Kommunikationswandel und Trends oft nicht aus, um bestimmten Entscheidungen die notwendige Sicher­ heit zu verleihen. Es gilt daher anhand von Zahlen, Daten und Fakten zu ermitteln: Was gibt es? Was davon wird tatsächlich und wie oft genutzt? Wie wird über wel­ chen Kanal kommuniziert? Was zeichnet sich für die Zukunft ab? Um uns selbst und auch anderen diese nicht unwesentlichen Fragen beantworten zu können, bedarf es regelmäßig durchgeführter Marktrecher­ chen, Marktanalysen und Reichweiten­ messungen, um die Zeichen der Zeit zu erkennen und nicht das Ziel, die umfas­ sende Information der Wienerinnen und Wiener, aufgrund althergebrachter Traditi­ onen und der vermeintlich leichter begeh­ baren Pfade aus den Augen zu verlieren. Das methodische Sammeln und Verwerten von Informationen ist somit in der moder­ nen Kommunikationsarbeit eine Grund­ voraussetzung dafür, sich zum richtigen Zeitpunkt der richtigen Kanäle bedienen zu können und Hypothesen über die rich­ tige Vorgehensweise zu verifizieren, oder gegebenenfalls auch zu falsifizieren. 150 JAHRE STATISTIK WIEN| BEITRÄGE VON DIENSTSTELLEN 65 Welche Kanäle bespielt werden sollen, hängt eng mit der Frage zusammen, wel­ che Zielgruppen man mit der jeweiligen Information erreichen möchte. Das Wort Zielgruppen weist bereits daraufhin, dass die Wienerinnen und Wiener nicht als ho­ mogene Masse begriffen werden können, sondern dass die Wiener Bevölkerung viel­ mehr eine heterogene Gruppe mit jeweils unterschiedlichen Informationsbedürfnis­ sen sowie Informationsinteressen darstellt und Informationen in logischer Folge auch auf unterschiedlichste Art und Weise kon­ sumiert werden. Für eine erfolgreiche Kom­ munikationsarbeit ist es wichtig, sich die­ ser Tatsache bewusst zu sein. Aus diesem Grund führt die Magistratsabteilung 53 – Presse- und Informationsdienst regelmä­ ßig Untersuchungen und Datenanalysen durch, um die einzelnen Gruppen im Detail zu identifizieren und anhand der richtigen Kanäle mit den richtigen Botschaften servi­ cieren zu können. Stellt sich nun beispiels­ weise heraus, dass Kommunikationskanal A überwiegend von Jugendlichen mit Mig­ rationshintergrund und Kommunikations­ kanal B überwiegend von Seniorinnen und Senioren ohne Migrationshintergrund ge­ nutzt wird, so wird eine Information, welche sich überwiegend an Jugendliche mit Mi­ grationshintergrund richten soll, natürlich eher über Kanal A als über Kanal B gespielt werden. Das gesicherte Wissen über die un­ terschiedlichen Zielgruppen und ihre jewei­ ligen Gewohnheiten hilft somit, die Effizienz bei der Wahl der Kommunikationskanäle zu steigern und Streuverluste zu minimieren. Ein weiteres, wichtiges Detail stellt in die­ sem Zusammenhang natürlich auch die zu vermittelnde Information dar. Auch hier un­ terscheiden sich die Zielgruppen deutlich. So kann eine Information für eine bestimm­ te Gruppe sehr interessant, für eine andere Gruppe allerdings nur von bedingtem Inte­ resse sein. Diesbezüglich sind Kenntnisse über die Interessen der einzelnen Zielgrup­ pen natürlich von entscheidender Bedeu­ tung, um einer Informationsüberflutung vorzubeugen, das Informationsinteresse zu erhalten und gegebenenfalls zu steigern. Weiters bieten entsprechende Zahlen und Daten wichtige Aufschlüsse darüber, wel­ che Informationen von den einzelnen Ziel­ gruppen angefragt beziehungsweise wel­ che Themen in Zukunft relevant sein werden und auch in welcher Form und optischen Anmutung diese aufbereitet werden sollten, um die entsprechende Aufmerksamkeit und Empfänglichkeit sicherzustellen. Nur an­ hand dieses Wissens können Informations­ bedürfnisse zeitnah befriedigt und frühzei­ tig Maßnahmen ergriffen werden, um erst gar keinen Informationsmangel entstehen zu lassen. Zusammengefasst zeigt sich, dass Zahlen, Daten und Fakten eine entscheidende Rol­ le für die Magistratsabteilung 53 – Presseund Informationsdienst für die Erfüllung ih­ rer Aufgaben darstellen. Nur anhand einer entsprechend gesicherten und qualitativ hochwertigen Datengrundlage ist es in der modernen Kommunikationsarbeit möglich die Realität einzufangen, allfällige Trends und Veränderungen in der Kommunikati­ onswelt festzustellen, die jeweiligen Ziel­ gruppen zu identifizieren und diese wie­ derum mit den für sie vorgesehenen und relevanten Informationen zu versorgen. Abschließend sei noch festgehalten, dass die Magistratsabteilung 53 – Presse- und Informationsdienst in ihrer Kommunikati­ onsarbeit von den uns durch die nunmeh­ rige Magistratsabteilung 23 – Wirtschaft, Arbeit und Statistik zur Verfügung gestell­ ten Daten sehr profitiert. Wir bedanken uns auf diesem Weg für die hervorragen­ de Zusammenarbeit und wünschen zum 150-jährigen Jubiläum der Statistik Wien alles Gute. MAGISTRATSABTEILUNG 56 WIENER SCHULEN 66 STATISTIK JOURNAL WIEN Magistratsabteilung 56 – Wiener Schulen OSR Mag. Robert Oppenauer, Dienststellenleiter Die Bereitstellung und Erhaltung von Schul­ raum ist ein wesentlicher Aufgabenbereich von Kommunen. So ist die Gemeinde Wien, vertreten durch die Magistratsabteilung 56 – Wiener Schulen, Erhalterin von rund 380 öffentlichen allgemein bildenden und be­ rufsbildenden Pflichtschulen. Dies umfasst die Volksschulen, Hauptschulen, Neuen Mittelschulen, Polytechnischen Schulen, Sonderschulen und die Berufsschulen. Die Gemeinde Wien ist damit als zweitgrößte Schulerhalterin Österreichs für die Bereit­ stellung der schulischen Infrastruktur für rund 100.000 Schülerinnen und Schüler und für rund 12.000 Lehrerinnen und Leh­ rer verantwortlich. Schulerhaltung muss zahlreiche Aspekte berücksichtigen und ist ein sich wandeln­ der Prozess. Für die Schülerinnen und Schüler sind dabei optimale Rahmenbe­ dingungen für einen erfolgreichen Unter­ richt zu schaffen. Neben ausreichendem und pädagogisch entsprechend ausgestat­ tetem Schulraum zählt dazu auch die Aus­ stattung mit jenen Unterrichtsmitteln, die für die Umsetzung der einzelnen Lehrplä­ ne der jeweiligen Schularten erforderlich sind. Die Ausstattung aller Wiener Pflichtschulen mit der entsprechenden Hard- und Software sei dabei ebenso erwähnt wie z. B. die Ausstattung mit Werkzeug und Nähmaschinen für den technischen und textilen Werkunterricht. Zusätzlich stellt die Stadt Wien den Schulen abhängig von der Schulart pro Schülerin und Schüler einen finanziellen Betrag für die Anschaf­ fung von Schreib- und Zeichenrequisiten, technisches und textiles Werkmaterial und dergleichen zur Verfügung. Bei den ganz­ tägigen Schulen – Ganztagsschule, Offene Schule und Campusmodell – sind zusätz­ lich entsprechende Ausgabenküchen und Speisesäle für die Mittagsverpflegung, Freizeiträume sowie Sport- und Spielplät­ ze zur Verfügung zu stellen. Um diesen Anforderungen gerecht zu wer­ den, muss Schulraumplanung anhand ge­ sicherter Informationen erfolgen. Basie­ rend auf Geburtenzahlen und der zu er­ wartenden Anzahl schulpflichtiger Kinder ist der Schulraumbedarf zu beurteilen und sind die entsprechenden Planungsschrit­ te rechtzeitig zu setzen bzw. strategische Entscheidungen vorausblickend zu tref­ fen. Dazu zählen neben dem Betrieb und der Sanierung bereits bestehender Schul­ standorte auch der Neubau von Schulen und die Erweiterung von Schulgebäuden in Form von Zubauten. Besonders hervorzu­ heben sind dabei das Schulsanierungspro­ gramm 2008 bis 2017 und die Entwicklung des neuen Bildungsmodells Campus, wel­ ches Kindergarten, Volkschule und allen­ falls auch Sekundarstufe unter einem Dach vereint. Zusätzlich werden bis zum Jahr 2022 insgesamt elf neue Schulstandorte, größtenteils in Form eines Campus, entste­ hen. Die Standorte richten sich nach den Zahlen der prognostizierten Bevölkerungsund Stadtentwicklung. Gleichzeitig sind die demographischen Entwicklungen der Wiener Bevölkerung zu berücksichtigen, die sich für die Schuler­ haltung auf die Verteilung der schulpflich­ tigen Kinder auf die einzelnen Wiener Ge­ meindebezirke fokussiert. Innerhalb des Wiener Gemeindegebietes besteht für die Eltern zwar die Möglichkeit ihre Kinder an der Wunschschule einzuschreiben, den­ noch müssen aber die bestehenden Be­ stimmungen der Schulsprengelzugehörig­ keit berücksichtigt werden. Nach diesen Bestimmungen umfasst der Schulsprengel der Volksschulen, der Hauptschulen, der Neuen Mittelschulen und der Allgemeinen Sonderschulen den Gemeindebezirk, in dem die Schule liegt, sowie die angrenzen­ den Gemeindebezirke. Damit verbunden ist das Recht auf Besuch einer dieser Schu­ len durch die dort wohnhaften Kinder und ist gleichzeitig entsprechend dem Wiener Schulgesetz auf den Schulweg der Kinder und/oder auf Geschwister Rücksicht zu nehmen, die bereits die Schule besuchen. Die durch die Statistik Wien zur Verfügung 150 JAHRE STATISTIK WIEN| BEITRÄGE VON DIENSTSTELLEN 67 gestellten aufbereiteten Schülerdaten für die einzelnen Wiener Gemeindebezirke stellen dabei ein wesentliches Instrument zur Feststellung demographischer Trends dar, Trends die strategische Entscheidun­ gen der Schulerhaltung ermöglichen und mitbestimmen. In enger Verbindung mit gesicherten Schü­ lerdaten zur Planung des Schulraumbe­ darfes stehen Entwicklungen, die die Gestaltung von Schulgebäuden und den Schulraumbedarf mitbestimmen. Ein kur­ zer Exkurs in die Historie zeigt, dass mit dem Reichsvolksschulgesetz von 1869 die Schulpflicht von sechs auf acht Jahre ver­ längert wurde und damit die achtjährige Schulpflicht eingeführt wurde. Gleichzeitig wurde die Klassenschülerzahl auf 80 Schü­ lerinnen und Schüler begrenzt. Eine Aus­ dehnung der Schulpflicht auf neun Jahre erfolgte 1962, also fast 100 Jahre später. Die Klassenschülerzahl wurde in weiterer Folge beginnend in den 1960er-Jahren kontinuierlich gesenkt. So sah das Wiener Pflichtschulorganisationsgesetz im Jahre 1963 für die Volksschulen und Hauptschu­ len eine maximale Klassenschülerzahl von 36 Schülerinnen und Schülern vor. Von 1976 bis 1986 erfolgte im Rahmen meh­ rerer Novellen zum Wiener Schulgesetz für diese Schulen eine Senkung der Klassen­ schülerhöchstzahlen von 36 auf 30 Schü­ lerinnen und Schüler. Seit 2007 normiert das Wiener Schulgesetz für die Wiener Volksschulen, Hauptschulen, Neuen Mit­ telschulen und Polytechnischen Schulen eine Klassenschülerhöchstzahl von 25 Schülerinnen und Schüler, für den Bereich der Sonderschulen gelten geringere Klas­ senschülerhöchstzahlen in Abhängigkeit der Behinderung. Ein exemplarischer Ver­ gleich zeigt, dass in den öffentlichen Volks­ schulen die durchschnittliche Klassen­ schülerzahl im Schuljahr 1970/71 noch 32,7 und im Schuljahr 2012/13 in den 1. bis 4. Klassen nur mehr 21,5 beträgt. Die durchschnittliche Klassenschülerzahl in den Hauptschulen betrug im Schul­ jahr 1969/70 31,1 und beträgt im Schul­ jahr 2012/13 in den 1. bis 4. Klassen der Hauptschulen/Neuen Mittelschulen nur mehr 21,5. Die laufende Senkung der Klassenschü­ lerzahlen bedeutet eine kontinuierliche Steigerung des Schulraumbedarfes. Die­ se Entwicklung musste bzw. muss im Schulbau bzw. auch im Rahmen von Sa­ nierungen stets berücksichtigt werden. Zusätzlich sind brandschutztechnische Regelungen bzw. Neuerungen, insbeson­ dere die Fluchtwegssituation betreffend, zu berücksichtigen und müssen bei der Schulraumgestaltung zur Sicherheit aller im Schulgebäude befindlichen Personen unbedingt in die Planungen einfließen und umgesetzt werden. Zusätzlich wird entsprechend der hohen Zustimmung der Wienerinnen und Wiener bei der Volksbe­ fragung 2010 der Ausbau der Ganztags­ schulen verstärkt umgesetzt. Der dadurch zusätzliche Raumbedarf ist ebenso im Rah­ men baulicher Entscheidungen zu berück­ sichtigen. Das Zusammenspiel von gesetz­ lichen, technischen, pädagogischen und gesellschaftspolitischen Bedingungen und Erfordernissen, unterstützt durch gesicher­ te Daten und Prognosen der Statistik Wien, ermöglichen eine erfolgreiche Umsetzung und vorausblickende Planung und runden das Spektrum aller zu berücksichtigen­ den Erfordernisse und Interessen zu einer ganzheitlichen Betrachtung ab. Die Magistratsabteilung 56 – Wiener Schu­ len darf sich daher anlässlich des 150-jäh­ rigen Bestehens der Statistik Wien für die Unterstützung bedanken und wünscht auch für die Zukunft viel Erfolg. MAGISTRATSABTEILUNG 59 MARKTAMT 68 STATISTIK JOURNAL WIEN Magistratsabteilung 59 – Marktamt Mag. a Adelheid Sagmeister, Marktamtsdirektorin und Dienststellenleiterin Gerade in einer Zeit, in der Information ein bedeutender wirtschaftlicher und gesell­ schaftlicher Faktor geworden ist, ist eine Dienststelle, die Statistiken führt, für das Wirken und Bestehen einer Stadtverwal­ tung unentbehrlich. Somit ist eine amtliche Statistik ein unver­ zichtbarer Teil des Informationssystems einer demokratischen Gesellschaft, die der Öffentlichkeit Daten über die wirtschaftli­ che, demographische, soziale und Umwelt­ situation zur Verfügung stellt, um den An­ sprüchen der Bürgerinnen und Bürger auf öffentliche Information zu entsprechen. Sie stellt aber auch eine Grundvorausset­ zung für das erfolgreiche Handeln im öf­ fentlichen Dienstleistungsbereich dar. von einerseits historischen Entwicklungen und andererseits Veränderungen inner­ halb der Gemeinde Wien unentbehrlich geworden. Diese statistischen Daten wer­ den zunehmend für die Verwaltungsarbeit gebraucht und sind damit auch für weitere Entscheidungen im täglichen Arbeitspro­ zess dienlich und notwendig. Die Vielfalt der Informationen der Magist­ ratsabteilung 23 über sämtliche Bereiche einer Stadtverwaltung – von Daten über Bevölkerung, Bildung, Gesundheit, Energie, Verkehr bis hin zu Wirtschaft und Umwelt – sind nicht nur im Hinblick auf die Menge und Qualität des Materials beeindruckend, sondern äußerst aufschlussreich über sämtliche Bereiche aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft in einer Weltstadt wie Wien. Ursprünglich vor allem für Verwaltungs­ zwecke und als politische Entscheidungs­ grundlage gedacht, hat sich„die Statistik“ in den letzten Jahrzehnten in zunehmen­ dem Maße in der breiten Öffentlichkeit ei­ nen„Fixplatz“ geschaffen. Dabei geht es sich nicht nur um das einfa­ che Herauslesen von Zahlen und Daten aus Listen und Tabellen, vielmehr ist Statistik im Bereich der öffentlichen Verwaltung zu einem Spiegel der enormen Leistungen der Stadt Wien und ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Wiener Bevölkerung, aber auch für Gäste und Besucher unserer Stadt, geworden. Wie wahrscheinlich für andere Magistrats­ dienststellen auch, ist die Arbeit der Ma­ gistratsabteilung 23 auch für die Magist­ ratsabteilung 59 – Marktamt im Erkennen Die Informationen, welche in leicht zugäng­ licher und verständlicher Form zur Verfü­ gung gestellt werden, können nur durch engagierte und bestens ausgebildete Fach­ kräfte im Bereich Statistik erbracht werden. Der enorme Informationsbedarf unserer Gesellschaft und die mittlerweile vorhan­ dene Informationsflut und die gestiegenen Anforderungen an EntscheidungsträgerIn­ nen ergeben die Notwendigkeit zur ra­ schen Bereitstellung relevanter Informatio­ nen und deren leichter Verarbeitung. Ich darf daher als Abteilungsleiterin und Direktorin des Wiener Marktamtes im Na­ men aller Bediensteten der Magistratsab­ teilung 59 zum Jubiläum„150 Jahre Statis­ tik Wien“ gratulieren, verbunden mit den besten Wünschen für eine weiterhin erfolg­ reiche Arbeit im Dienste unserer Stadt. 150 JAHRE STATISTIK WIEN| BEITRÄGE VON DIENSTSTELLEN 69 Podiumsdiskussion: Wozu Statistik? Fragen, Erkenntnisse, Herausforderungen aus der Praxis  v.l.n.r.: Mag. Dr. Scheiblecker, A.o. Univ.­Prof. Wagner­Pinter, Dipl.­Ing. Weidinger, Mag. a  Hlavac Wappensaal im Rathaus MAGISTRATSABTEILUNG 60 VETERINÄRDIENSTE UND TIERSCHUTZ 70 STATISTIK JOURNAL WIEN Magistratsabteilung 60 – Veterinärdienste und Tierschutz SR Dr. Walter Reisp, Dienststellenleiter Die Bedeutung für die statistische Auswer­ tung von Zahlen, Fakten und Daten gewinnt in den letzten Jahren in allen Bereichen des Tätigkeitsfeldes der Magistratsabtei­ lung 60 – Veterinärdienste und Tierschutz zunehmend an Bedeutung. In Zeiten der knapper werdenden Budgetmittel werden Leistungen der öffentlichen Hand zuneh­ mend hinterfragt. Die Unterstreichung der Leistungen einer Dienststelle und ihre Be­ deutung für die Bürgerinnen und Bürger kann nur dargestellt werden, wenn Zah­ lenmaterial über einen längeren Zeitraum dokumentiert wird. Mit Übernahme des Fundwesens durch den Magistrat wurde die Magistratsab­ teilung 60 mit der Durchführung der Un­ terbringung von verlorenen Heimtieren beauftragt. Gerade in diesem Bereich ist eine Erhebung von Zahlen, Fakten und Da­ ten in vielen Bereichen von großer Wich­ tigkeit. Aus der Auswertung von mehreren Jahren lässt sich eine Entwicklung able­ sen und entsprechende Schritte voraus­ schauend in die Wege leiten. Trends, in welche Richtung sich die Heimtierhaltung bezüglich gehaltener Tierarten entwickelt, sind ebenso erkennbar wie Kosten, die der öffentlichen Hand durch diese entste­ hen. So zeigt sich z. B., dass Reptilien in den letzten Jahren als Heimtiere immer beliebter werden. zeigt sich aber auch eine Entwicklung in Richtung moderner Kommunikationsme­ dien. Daraus lassen sich Erkenntnisse als moderner Dienstleister ableiten und entsprechende Schritte setzen. Gerade bei der Gestaltung der Homepage zeigen Zugriffsstatistiken sehr genau, welche Themen für die Besucherinnen und Besu­ cher von Interesse sind. Im Bereich von indexgebundenen Verträ­ gen ist die Erhebung der entsprechenden Zahlen ein unbedingt notwendiger Faktor, ohne den die Anpassung nicht möglich wäre. Die risikobasierte Auswertung von Zahlenmaterial ist auf dem Gebiet der Tierseuchenbekämpfung zwingend vorge­ schrieben. Aus diesen Daten lassen sich Entwicklungen ablesen und die Effektivität diverser Seuchenbekämpfungsprogramme auswerten. Gerade in diesem Tätigkeits­ bereich der Magistratsabteilung 60 ist die Datenauswertung von Zahlen aus dem gesamten europäischen Bereich ein uner­ lässlicher Parameter für die Erkennung, ob und vor allem in welcher Geschwindigkeit sich unterschiedliche Seuchen ausbreiten könnten. Die Früherkennung eventueller Gefahren für die Gesundheit des Tierbe­ standes kann dabei helfen, den wirtschaft­ lichen Schaden, der einer Volkswirtschaft durch zu späte Gegenmaßnahmen entste­ hen kann, einzudämmen. Auch bei dem effektiven Einsatz von Per­ sonalressourcen ist die statistische Aus­ wertung von Spitzenzeiten ein Faktor, der zunehmend an Bedeutung gewinnt. So lässt sich mit Hilfe von Zahlen belegen, zu welchen Zeiten die Tierschutz-Helpli­ ne am häufigsten in Anspruch genom­ men wird und die personelle Besetzung dementsprechend planen. Dies spielt auf der einen Seite Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für andere Tätigkeiten frei, auf der anderen Seite wird die Zufrie­ denheit von Anruferinnen und Anrufer durch kürzere Wartezeiten gesteigert. Es Aber auch in Bereichen, in denen die Be­ deutung der Aufzeichnung von Zahlen, Fak­ ten und Daten auf den ersten Blick nicht notwendig erscheint, bringt sie dennoch wichtige Erkenntnisse. So wurde in den letzten Jahren die Öffentlichkeitsarbeit der Abteilung mit Zahlenmaterial aufbereitet. Dabei wird erhoben, wie viele Personen eine Veranstaltung besucht haben, wie viele Broschüren ausgegeben wurden usw. Daraus lassen sich wichtige Trends für die weitere Gestaltung, die nachhaltige Wir­ kung sowie über die personelle Besetzung ableiten. 150 JAHRE STATISTIK WIEN| BEITRÄGE VON DIENSTSTELLEN 71 Gerade die Bedeutung der Erhebung von Zahlenmaterial bringt auch die größte Herausforderung mit sich. Je mehr Fakten erhoben und aufbereitet werden, umso schwieriger wird es, diese auszuwerten. Die Umsetzung der Erkenntnisse ist häu­ fig nicht durchführbar oder kann den Un­ mut diverser Interessensgruppen mit sich ziehen. Ebenso bindet die Verwaltung der Daten und deren Auswertung Ressourcen. Aus Sicht der Magistratsabteilung 60 – Veterinärdienste und Tierschutz lässt sich zusammenfassend sagen, dass die Erhe­ bung, Aufzeichnung und Auswertung von Zahlen, Fakten und Daten unerlässlich scheint und in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen wird. Allerdings ist darauf Bedacht zu nehmen, dies mit Au­ genmaß und in einem sinnvollen Rahmen durchzuführen. 72 STATISTIK JOURNAL WIEN MAGISTRATSABTEILUNG 23 WIRTSCHAFT, ARBEIT UND STATISTIK MA 23 – Wirtschaft, Arbeit und Statistik 1010 Wien, Volksgartenstraße 3 Dezernat Statistik Wien Auf Basis bundes- und landesgesetzlicher Rechtsgrundlagen werden durch das De­ zernat Statistik Wien statistische Informa­ tionen erhoben, verarbeitet, ausgewertet und veröffentlicht. Diese bieten den Bürge­ rinnen und Bürgern, der Verwaltung, Wirt­ schaft, Politik und Wissenschaft objektive Informationen über die demographische, soziale und wirtschaftliche Situation der Bundeshauptstadt Wien. • Wir positionieren uns als StatistikDienstleister im Magistrat und stellen als Landesstatistik Wien die Vertretung in den Statistikorganisationen sicher. • Wir entwickeln Qualitätskriterien in der Datenevaluierung und-erhebung und setzen strategische Standards im Daten­ management. • Wir etablieren das Internet als wichtige Distributionsplattform für unsere Kun­ dinnen und Kunden und erweitern damit das statistische Portfolio. www.wien.gv.at/statistik Dezernat Wirtschaft Das Dezernat Wirtschaft reflektiert Frage­ stellungen zu den Themen Wirtschaft und Arbeitsmarkt, analysiert aktuelle Entwick­ lungen des Wirtschaftsstandortes Wien und erarbeitet, unter Berücksichtigung der zur Verfügung stehenden statistischen Da­ ten, konkrete Handlungsempfehlungen. • Wir reflektieren arbeitsmarktspezifische Themenfelder wie Beschäftigung, Quali­ fikation und Einkommen. • Wir setzen uns mit budgetrelevanten Themen auseinander und stellen natio­ nale und internationale Vergleiche an. www.wien.gv.at/wirtschaft/standort Dezernat Forschung, Technologie und Innovation Das Dezernat analysiert Fragestellungen und entwickelt Handlungsvorschläge im Bereich Forschung, Technologie und In­ novation. Darüber hinaus wird die Wiener Fachhochschulförderung abgewickelt. • Wir erstellen gemeinsam mit externen Institutionen Wirtschaftspotentialanaly­ sen, etwa im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie, Life Scien­ ces oder Photonik und führen Projekte zur Weiterentwicklung des Wissen­ schafts- und Forschungsstandortes Wien durch. Hierzu gehört insbesondere die Innovationsstrategie für Wien. • Wir konzipieren und wickeln die Wiener Fachhochschulförderung ab und setzen dabei gezielte Impulse zum qualitätsori­ entierten Auf- und Ausbau der Wiener Fachhochschulen. • Wir führen die Angelegenheiten der Bund-Bundesländer-Kooperation For­ schung durch. www.wien.gv.at/forschung • Wir analysieren regionalwirtschaftliche Entwicklungen unter besonderer Berück­ sichtigung der Wiener Unternehmensund Branchenstruktur. 150 JAHRE STATISTIK WIEN| ANHANG 73 IMPRESSUM Medieninhaber, Herausgeber und Verleger Magistrat der Stadt Wien MA 23 Wirtschaft, Arbeit und Statistik Dezernat Statistik Wien Für den Inhalt verantwortlich: Mag. Dr. Gustav Lebhart Redaktion Dezernat Statistik Wien Volksgartenstraße 3, A-1010 Wien Telefon:+43-1-4000-88629 statistik@ma23.wien.gv.at www.statistik.wien.at Redaktionsteam Mag. Dr. Gustav Lebhart Dr. Reinhold Thur Gestaltung, Herstellung, Satz MEDIAPROJECTS. DI Gernot Steindorfer A-7000 Eisenstadt Bilder und Illustrationen Cover:© Georg Preissl- Fotolia.com Druck Wograndl Druck A-7210 Mattersburg Offenlegung Statistische Analysen, welche die Stadt Wien betreffen. Rechtlicher Hinweis Die enthaltenen Daten, Tabellen, Grafiken, Bilder etc. sind urheberrechtlich geschützt. Haftungsausschluss: Wir übernehmen keine Haftung für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität des Inhaltes. Nachdruck nur mit Quellenangabe. ISBN 978-3-901945-10-6 Gedruckt in Österreich Statistik Wien Die Aufgaben der Statistik der S tadt Wien haben sich seit 150 Jah- ­ ren kaum verändert. Die methodisch-technischen Anforderungen an die heutige amtliche Statistik waren und sind jedoch einem stetigen Wandel unterworfen. Die statistischen Methoden wurden im Laufe der Zeit immer weiter verfeinert, und das Arbeitsprogramm musste laufend an die sich ändernden gesellschaftlichen und wirtschaftli­ chen Anforderungen angepasst werden. Der Bedarf an aktuellen Informationen wächst. Die Entwicklung zur Informations- und Wissensgesellschaft stellt die moderne Verwal ­ tung vor große Herausforderungen. Die Bereitstellung von sachadä ­ quaten und objektiven Informationen ist daher eine Grundvoraus ­ setzung für Empfehlungen und kritische Evaluierungen im Bereich Politik, Wirtschaft und Verwaltung. Die MA 23 bietet professionelle Dienstleistungen an, mit dem Ziel die Entwicklung des Wirtschafts ­ standortes Wien mit neuen Perspektiven zu unterstützen. Auf Basis bundes- und landesgesetzlicher Rechtsgrundlagen werden durch das Dezernat Statistik Wien statistische Informationen erho ­ ben, verarbeitet, analysiert und veröffentlicht. Diese bieten den Bür­ gerinnen und Bürgern, der Verwaltung, Wirtschaft, Politik und Wis ­ senschaft objektive Informationen über die demographische, soziale und wirtschaftliche Situation der Bundeshauptstadt Wien. Wir positionieren uns als Statistik­ Dienstleister im Magistrat und stellen als Landesstatistik Wien die Vertretung in den Statistik­ organisationen sicher. Wir entwickeln Qualitätskriterien in der Datenevaluierung und -erhebung und setzen strategische Standards im Datenmanagement. Wir etablieren das Internet als wichtige Distributionsplattform für unsere Kundinnen und Kunden und erweitern damit das statistische Portfolio. www.wien.gv.at/statistik Tagungsbüro MA 23 – Wirtschaft, Arbeit und Statistik Volksgartenstraße 3 1010 Wien Telefon +43 1 4000 88615 Fax +43 1 4000 9988610 E-Mail: statistik@wien.gv.at * Anmeldung: http://www.wien.gv.at/statistik Anmeldeschluss: 9. November 2012 Tagungsort Rathaus, Wappensaal Eingang Lichtenfelsgasse, Aufgang Feststiege 2, 1. Stock IMPRESSUM Medieninhaber und Herausgeber: Magistrat der Stadt Wien, MA 23 – Wirtschaft, Arbeit und Statistik Für den Inhalt verantwortlich: Mag. Dr. Gustav Lebhart Gestaltung, Herstellung, Satz: MEDIAPROJECTS., DI Gernot Steindorfer, A-7000 Eisenstadt Coverbild: © Georg Preissl- Fotolia.com Druck: Wograndl Druck, A-7210 Mattersburg Offenlegung: Statistische Analysen, welche die Stadt Wien betreffen. Rechtlicher Hinweis: Alle Inhalte sind urheberrechtlich geschützt. Haftungsauschluss: Wir übernehmen keine Haftung für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität des Inhaltes. Nachdruck nur mit Quellenangabe. Quelle: © Stadt Wien – ViennaGIS 150 Jahre Statistik Wien Amtliche Statistik im Wandel Fragen–Erkenntnisse–Herausforderungen 13. November 2012 Fachtagung anlässlich des 150-jährigen Bestehens der amtlichen Statistik in Wien mit Beiträgen zu ihrer Geschichte, ihrer Entwicklung und den zukünftigen Herausforderungen für die Verwaltung MA 23 – Wirtschaft, Arbeit und Statistik 150 Jahre Statistik Wien Amtliche Statistik im Wandel Tagungsprogramm • 8:00 bis 9:00 Uhr Registrierung • 9:00 Uhr Eröffnung Statistik in Politik und Verwaltung Mag. a Renate Brauner Vizebürgermeisterin und amtsführende Stadträtin für Finanzen, Wirtschaftspolitik und Wiener Stadtwerke Dr. Erich Hechtner Magistratsdirektor der Stadt Wien Dipl. Vw. Klemens Himpele MA 23 – Wirtschaft, Arbeit und Statistik • 10:00 bis 12:30 Uhr Amtliche Statistik in Österreich: Kontinuität im Wandel Statistik in Österreich und Europa – Herausforderungen in Gegenwart und Zukunft Dr. Konrad Pesendorfer Bundesanstalt Statistik Österreich, Generaldirektion Statistische Methodik im Wandel der Zeit Ao.Univ.-Prof. Dr. Marcus Hudec Universität Wien – Fakultät für Informatik, Data Analytics and Computing Landesstatistik im Fokus – Zwischen Verwaltung und Dienstleistung Dr. Ernst Fürst Amt der Oö. Landesregierung, Direktion Präsidium – Abteilung Statistik Diener zweier Herren? Aufgabenfelder der Wiener Statistik im Wandel der Zeiten Univ.-Doz. MMag. Dr. Andreas Weigl MA 8 – Wiener Stadt- und Landesarchiv Tagungsprogramm • 12:30 bis 13:30 Buffet • 13:30 bis 15:00 Uhr Statistik in der Verwaltung: Kontinuität im Wandel Wirtschaft und Arbeit – Herausforderungen an die Statistik Dipl.-Vw. Klemens Himpele MA 23 – Wirtschaft, Arbeit und Statistik Quo vadis, Statistik Wien? – Datenmanagement und Registernutzung im 21. Jahrhundert Mag. Dr. Gustav Lebhart MA 23 – Wirtschaft, Arbeit und Statistik ViennaGIS ® – Grundlage für räumliche Statistik M ag. Wolfgang Jörg MA 14 – Automationsunterstützte Datenverarbeitung, Informations- und Kommunikationstechnologie Zahlen zählen. Über die Bedeutung von Zahlen, Daten und Fakten in der Verwaltungssteuerung Frau Karin Jary MD-OS – Gruppe Leitungsinstrumente • 15:00 bis 15:30 Kaffeepause • 15:30 bis 17:00 Podiumsdiskussion Wozu Statistik? Fragen, Erkenntnisse, Herausforderungen aus der Praxis DI Norbert Weidinger, MD-OS Mag. a Andrea Hlavac, MA 54 – Zentraler Einkauf Ao. Univ.-Prof. Dr. Michael Wagner-Pinter, Synthesis M ag. Dr. Marcus Scheiblecker, WIFO Frau Gabriele Füchsl, WKW Moderation: Frau Uschi Kainz, Wirtschaftsagentur Wien Historischer Rückblick Als im Jahr 1857 der Internationale Kongress für Statistik Wien als Ort für seine 3. Tagung wählte, nahm der Gemeinderat der Stadt Wien die Gelegenheit zum Anlass, erstmals eine„Statistik der Stadt Wien“ zu veröffentlichen. In der Gemeinderatssitzung vom 17. September 1861 wurde dem Antrag betreffend der Bildung eines statistischen Büros für die Stadt Wien, der 1. Sektion zur Prüfung und Berichter­ stattung zuzuweisen, stattgegeben. In der Gemeinderatssitzung vom 18. Februar 1862 wurde über das positive Ergebnis dieser Prüfung berichtet und festgehalten: „Es sei provisorisch für ein Jahr ein statistisches Bureau der Stadt Wien zu errichten, welches die Sammlung und Gruppierung der einlaufenden statistischen Daten zu leiten und zu besorgen hat, um dieselben sofort für den praktischen Dienst zu verwerthen, sohin aber auch nach dem Programme des internationalen statistischen Kongresses die Statistik der Stadt Wien für größere Zeitabschnitte zu bearbeiten.“ Im Jahr 1862 wurden – ohne einen Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben – statistische Ämter auch in Berlin und in Rom gegründet. Die Statistik Wien war im Laufe der Zeit infolge mehrerer Umorga­ nisationen von Magistratsabteilungen in verschiedenen Organisati­ onseinheiten beheimatet. 1862 1863 1876 1884 1893 1902 1920 1934 1939 1941 1945 1946 2005 2012 Provisorisches Hilfsamt der Gemeinde Definitives Nebenamt der Gemeindeverwaltung Magistratisches Departement für Statistik Departement III Departement II Magistratsabteilung XXI Magistratsabteilung 51 Magistratsabteilung 47 Magistratsabteilung HVO 3/III Magistratsabteilung A 15 Magistratsabteilung VII/6 Magistratsabteilung 66 Magistratsabteilung 5(Referat Statistik) Magistratsabteilung 23 ISBN 978-3-901945-10-6 Edition 1/2011 STATISTIK JOURNAL WIEN Forschung | Entwicklung | Bildung 4 Vorwort Qualifikation und Bildung als Grundlage für die Forschung Verlässliche Daten sind die Basis für Forschung und Entwicklung Die weltweit krisenhafte Wirtschaftssituation macht deutlich, dass der produzierende Bereich als Arbeitgeber zunehmend an Bedeutung verliert und sich die Beschäftigung auf wissensintensive, unternehmensnahe Dienstleistungen verengt. Dadurch steigen die Bedeutung des Wissens, des Angebotes an gut ausgebildetem Personal und des Grades der Innovationsorientierung der Wiener Unternehmen als wichtigste Standortbedingungen der kommenden Jahrzehnte. Daraus folgt aber auch, dass vereinte Anstrengungen nötig sind, um Bürgerinnen und Bürger vom Kindesalter an eine gleichberechtigte Teilhabe an der Wissensgesellschaft zu ermöglichen. Die bestmögliche Ausbildung und die Chance, lebenslang zusätzliche Qualifikationen zu erwerben, sind die beste Versicherung gegen mögliche zukünftige Krisen. Nur so können wir sicherstellen, dass der positive Einfluss von Qualifikation nicht nur den Menschen selbst zu Gute kommt, sondern dem gesamten Wirtschaftsstandort Wien. Als überzeugter Europäer weiß ich aus eigener Erfahrung, dass für einen Wirtschaftsstandort nicht nur fachliche Qualifikationen, sondern auch Sprachkenntnisse essentiell sind. Ich wünsche mir daher persönlich, dass Ausbildung, Qualifikation und Sprachenerwerb jenen Stellenwert erlangen, der für die Zukunftssicherung unserer Gesellschaft und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft unabdingbar ist. SR Mag. Martin Pospischill Abteilungsleiter der MA 27 – EU-Strategie und Wirtschaftsentwicklung Der statistischen Erfassung und Auswertung bildungs- und forschungsrelevanter Daten kommt im Zeitalter der Informations- und Wissensgesellschaft eine immer größere Bedeutung zu. Die Investition in Forschung und Entwicklung ist ein zentraler Maßstab für die Fähigkeit und Entschlossenheit von Regionen ihre Wissensbasis zu erhöhen. Investitionen in Forschung und Entwicklung hängen von verschiedenen Faktoren ab, die von Wirtschaftsaktivitäten und von(außer-)universitärer Grundlagenforschung, der angewandten Forschung und der experimentellen Entwicklung bestimmt werden. In der Lissabon-Strategie ist der Umfang der F&E-Investitionen einer von 14 Indikatoren für die Messung von Erfolg. Das Ziel für 2010 ist ein Investitionsniveau von mindestens drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts, von dem zwei Drittel durch die Wirtschaft finanziert werden sollen. Die Statistik belegt, dass Wien – gemessen an diesem Maßstab – eine ausgezeichnete Position in Österreich einnimmt. Mag. Dr. Gustav Lebhart Leiter des Referats Statistik und Analyse der MA 5 – Finanzwesen Vorwort Wien ist das Forschungszentrum Österreichs Forschung, Entwicklung und Bildung sind wichtige Triebfedern einer Stadt und Region. Nur durch innovative und gut ausgebildete Menschen, die dazu ermutigt werden ihre Ideen umzusetzen, kann eine wachsende Millionenstadt prosperieren und sich international durchsetzen. Schon jetzt zieht Wien viele junge Menschen aus dem Ausland an, die hier ihre Universitätsausbildung absolvieren und die das Leben nicht nur in Wirtschaft und Forschung, sondern auch kulturell und ideell bereichern. Der Förderung dieser Personen und Unternehmen kommt in Wien große Aufmerksamkeit zu. Über mehrere Schienen, wie über die ZIT – die Technologieagentur der Stadt Wien, den WWTF – Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds, die Kulturabteilung der Stadt Wien, die Wirtschaftsagentur Wien und die Kreativagentur departure werden unterschiedlichste Projekte gefördert und damit hoch qualifizierte Arbeitsplätze geschaffen und langfristig gesichert. Die vorliegende Publikation zeigt, dass Wien Österreichs Forschungszentrum ist und dass sich jede Anstrengung in Richtung Forschungsförderung – sowohl von Seiten der Stadtverwaltung als auch in Form von kreativem Schaffen Einzelner – mehrfach lohnt: für eine Stadt, die den Unternehmen hoch qualifizierte Arbeitsplätze bietet und für eine lebendige Szene sorgt. Mag. a Renate Brauner Vizebürgermeisterin und amtsführende Stadträtin für Finanzen, Wirtschaftspolitik und Wiener Stadtwerke Foto: Ernst Herold 3 Inhalt Inhalt Vorwörter 3 ........................................................................................................................................ Inhalt 5 ............................................................................................................................................... 1. Bildung 6 ......................................................................................................................................... � 1.1 Internationale und regionale Bildungsvergleiche 6 .................................................................................... � 1.2 Der Bildungsstand der Wohnbevölkerung in Wien und Österreich 8 ............................................................... � 1.3 Studienwahl und Studierende in Wien und Österreich 11 ............................................................................. 2. Forschung und Entwicklung(F&E) 15 ................................................................................................ 2.1 Forschungsausgaben in Wien, Bundesländervergleiche, Forschungsquoten 15 .................................................. 2.2 Die Finanzierung und Förderung der Forschung 20 .................................................................................... Erhebung über Forschung und Entwicklung – F&E-Statistik-Verordnung 2003 ......................................... 21 .... Die Innovationserhebung CIS 2008 22 .................................................................................................... Förderungen ausgewählter F&E-Förderungsinstitutionen 24 ........................................................................ 7. Rahmenprogramm für Forschung, technologische Entwicklung und Demonstration .................................... 26 2.3 Personal und Beschäftigung in F&E 29 .................................................................................................... Der Hauptstadteffekt in Wien, Vergleiche mit den Bundesländern .............................................................. 29 F&E-Beschäftigung in Wien 31 .............................................................................................................. Genderaspekte in der Forschung 32 ....................................................................................................... Beschäftigung und Genderaspekte an Universitäten 34 .............................................................................. F&E-Beschäftigung in den Unternehmen in Wien und Österreich ........................................................... 35 .... 3. Internationale Vergleiche 37 ............................................................................................................ 3.1 Internationale Vergleiche 37 ................................................................................................................. Anhang 40 .......................................................................................................................................... Impressum 50 ..................................................................................................................................... 5 6 1.1 Forschung| Entwicklung| Bildung 1. Bildung .1 Internationale und regionale Bildungsvergleiche Internationale und regionale Bildungsvergleiche Internationale Bildungsvergleiche sind immer sehr schwierig durchzuführen und mit Vorsicht zu genießen. Zu unterschiedlich sind die Bildungssysteme und die Arten der Abschlüsse. So ist sicher auch die schlechte Platzierung Österreichs zum Teil auf das ausgedehnte Fachschulwesen zurückzuführen, also berufsbildende Schulen, die nach fünf Jahren mit Matura abschließen und zugleich eine vollständige Berufsausbildung bieten(HTL, HAK, etc.), die aber nur als Sekundärabschluss (mittlere Bildungsstufe, Matura) und nicht als Tertiärabschluss(höchste Bildungsstufe, universitäre Ausbildung) gewertet werden. Eine vergleichbare Qualifikation könnte theoretisch in anderen Systemen als Tertiärausbildung gewertet werden. Andererseits zeigt sich – abgesehen von statistischen Unwägbarkeiten – auch, dass Bildung in Österreich immer noch stark vererbt wird, dass viele Bevölkerungsschichten quasi ausgeschlossen werden und dass wenige Möglichkeiten für einen sozialen Aufstieg durch eine bessere Bildung als das Elternhaus bestehen. Auch diese Effekte schmälern die Bildungsbeteiligung in Österreich. Die vorhandenen Potenziale werden nicht adäquat genutzt. In der Betrachtung der höchsten Bildungsabschlüsse in der OECD führt die Russische Föderation bei Weitem. Dort spielt die geschichtliche Entwicklung eine bedeutende Rolle. In früheren Jahrzehnten war die Qualität des russischen Bildungssystems bis auf einige Ausnahmen nicht sehr gut, viele Abschlüsse älterer Personen gründen sich auf Institute, die heute keine Chance mehr auf eine Akkreditierung als universitäre Einrichtung besäßen. In den vergangenen Jahren, besonders seit den politischen Umwälzungen, wurde massiv versucht, das Bildungssystem zu verbessern. Doch abgesehen davon hat das Streben nach einer guten Ausbildung nach wie vor Tradition. Derzeit legen über zwei Drittel eines Jahrgangs die Matura ab, davon gehen 70% auf eine Universität 1 . Abbildung 1.1.1 Personen im Alter von 25 bis 64 Jahren mit Tertiärabschluss(%) 2007 Russische Föderation Kanada Israel Japan Neuseeland USA Finnland Korea Norwegen Australien Estland Irland Dänemark Belgien Großbritannien Schweiz Schweden Niederlande Island Spanien OECD Durchschnitt Frankreich Luxemburg Deutschland Griechenland Slowenien Polen Ungarn Österreich Mexiko Slowakei 10 20 30 40 50 1 Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung Deutschland(Hg.): Informationen zur politischen Bildung(Heft 281): Russland: Kapitel Kultur und Bildungswesen, http://www.bpb.de/publikationen/GYH4NK.html[2011-03-24] 60 Quelle: OECD Factbook 2010: Economic, Environmental and Social Statistics. 1. Bildung 7 1.1 Grob und vereinfachend ausgedrückt spielen bei internationalen Bildungsvergleichen einige Faktoren eine Rolle: Neben der wirtschaftlichen Situation des Landes gibt es die Einflussfaktoren der statistischen Erfassung der Bildung, die traditionelle Bewertung der Bildung durch Politik und Bevölkerung und die Besonderheiten des Bildungssystems im allgemeinen, gesamtstaatlichen Bereich. Auf individueller Ebene bestimmen die Herkunft, die Bildung der Familie sowie die Motivation und der Ideenreichtum der Einzelpersonen, aber auch die Möglichkeiten der Verwirklichung dieser Bildungsziele im System im Wesentlichen die Bildungsbeteiligung der Bevölkerung. Weitere internationale Bildungsvergleiche auf regionaler Ebene scheitern aufgrund der schlechten Datenqualität der von Eurostat angebotenen Tabellen. So sind in Wien angeblich 132% der Bevölkerung zwischen 20 und 24 Jahren in tertiärer Ausbildung, ein Wert, der bezweifelt werden darf, selbst wenn der Indikator nur die Anzahl der Studierenden auf die Gesamtbevölkerung der Altersgruppe umlegen würde, ohne zu berücksichtigen, dass nicht alle Studierenden Wiens auch dort ihren Hauptwohnsitz haben. Wie der Indikator gebildet wird, verrät auch die Website von Eurostat nicht. Weiters fehlt in diesem Vergleich ganz Deutschland, das gerade bei Bildungsvergleichen eine wichtige Referenz für Österreich darstellt. 1 Daher wird hier ein innerösterreichischer Vergleich gebracht, dessen Datengrundlage tragfähiger ist. Auch innerhalb Österreichs gibt es Unterschiede in der Bildungsbeteiligung. Die Grafik zeigt, dass in Wien ein bedeutend größerer Anteil der jungen Menschen zwischen 18 und 25 Jahren ein Studium beginnt, als in den westlichen Bundesländern. Mit Ausnahme von Vorarlberg kann dies nicht mit fehlenden universitären Einrichtungen erklärt werden. Allerdings bedeutet der starke studentische Zuzug nach Wien auch eine höhere Erstimmatrikulationsquote an Universitäten und Fachhochschulen in Wien. Diese Personen haben ihre Reifeprüfung an ihrem bisherigen Wohnort in Österreich bzw. im Ausland abgelegt und zählen durch ihren neuen Wohnsitz in Wien zur Wohnbevölkerung, sofern sie ordnungsgemäß in Wien gemeldet sind. Dadurch sind sie in den Studierenden- und Erstimmatrikulationsquoten in Wien berücksichtigt, nicht aber in ihrem Herkunftsbundesland. Weiters zählen Studierende an Wiener Universitäten, die in anderen Bundesländern wohnen(vor allem Niederösterreich und Burgenland) zwar bei den Studierenden im Zähler zur Quote, aber nicht im Nenner, da sie nicht zur Wiener Wohnbevölkerung gehören. Welche Universität besucht wird, hängt auch vom Wohnort ab. Wiener Studierende bleiben fast ausschließlich in Wien, ebenso bleiben Studierende aus der Steiermark und Tirol eher an heimischen Universitäten. Studierende aus Oberösterreich inskribieren dagegen öfter an einer Wiener Universität als in Linz oder Salzburg, auch Kärntner und Salzburger Studierende verteilen sich eher auf andere Bundesländer und sind nicht so sehr auf ihr Heimatbundesland konzentriert. 29% aller österreichischen Studierenden kommen aus Wien. Studierendenquote(an öffentlichen Universitäten): Die Studierendenquote ist die Zahl der inländischen ordentlichen Studierenden an öffentlichen Universitäten bezogen auf die durchschnittliche inländische Bevölkerung im Alter von 18 bis 25 Jahren. Abbildung 1.1.2 Studierendenquoten an Universitäten und Fachhochschulen in% der inländischen Wohnbevölkerung im Alter von 18 bis 25 Jahren 2008 50  45  40  4,7  35  30   3,6  25  20  38,6  4,1  3,9  5,2  4,1  5,1  3,7  2,8  15  28,3 3,2  10  24,4  23,9  21,2  22,3  19,6  19,6  20,2  16,1  5  Wien Kärnten Österreich insg. Steiermark Burgenland Salzburg Niederösterr. Oberösterr. Tirol Vorarlberg Studierendenquote an Fachhochschulen Studierendenquote an Universitäten  Quelle: Statistik Austria- Bildung in Zahlen, Schlüsselindikatoren und Analysen 2008/09. 1 http://epp.eurostat.ec.europa.eu/tgm/table.do?tab=table&plugin=1&language=de&pcode=tgs00094[2011-03-24] 8 1.2 Forschung| Entwicklung| Bildung .2 Der Bildungsstand der Wohnbevölkerung in Wien und Österreich Der Bildungsstand der Wohnbevölkerung in Wien und Österreich Der Trend zum Studium manifestiert sich natürlich im Bildungsniveau der Bevölkerung, das seit 1971 deutlich höher geworden ist. Die AkademikerInnenquote in Österreich lag 1971 noch bei knapp 3%, während sie heute über 13% liegt. In Wien ist sie mit 20% im Bundesländervergleich mit Abstand am höchsten. Parallel dazu ist der Anteil der Personen ohne weitere Ausbildung nach der Pflichtschule in Österreich von 58% im Jahr 1971 auf 17% im Jahr 2008 gesunken, bei Frauen sank dieser Wert von 70% auf 22%. Alle anderen weiteren Ausbildungsvarianten wie Lehre und höhere Schulen gewannen an Bedeutung. Frauen verfügen zu 30% über einen Lehrabschluss, während 51% der Männer eine Lehre absolviert haben. Bei den Frauen zeigt sich, dass sie zwar unterschiedliche Ausbildungswege wählen, aber innerhalb einer Ausbildung konzentrieren sich die Interessen von Frauen auf wenige unterschiedliche Richtungen. Und da bewahrheiten sich durchaus die gängigen Klischees. 48% der Lehrabschlüsse 2010 bei den Frauen entfielen auf Einzelhandel, Bürokauffrau und Friseurin. Bei den Männern machen die häufigsten drei Berufe nur 25% der Abschlüsse aus: Elektrotechnik, Kraftfahrzeugtechnik und Installations- und Gebäudetechnik. Ähnliches zeigt sich auch in einer größeren Diversität bei der Studienwahl bei den Männern, die einer starken Konzentration der Frauen auf die Geisteswissenschaften gegenübersteht(siehe Abbildungen 1.3.1 und 1.3.2). Bei Matura und Studienabschlüssen an einer Universität, Fachhochschule oder einer hochschulverwandten Lehranstalt gibt es kaum Unterschiede bei den Geschlechtern. Insgesamt haben 27% der Männer und 29% der Frauen mindestens Matura bzw. ein Studium absolviert. Die Bildungsstruktur in Wien weicht stark vom österreichischen Durchschnitt ab. In Wien ist der Anteil von Universitätsabsolventinnen und-absolventen an den Personen zwischen 25 und 64 Jahren mit 20% deutlich höher als im Landesdurchschnitt(14%). Aber schon 1970 waren die Menschen in Wien deutlich besser gebildet als im restlichen Österreich. 1971 konnten 24% der Männer und 52% der Frauen nur Pflichtschulabschluss vorweisen, in Österreich(die Österreichwerte beinhalten auch Wien) waren diese Werte deutlich höher. Auch die Lehrausbildung hatte und hat in Wien eine deutlich geringere Bedeutung als in anderen Bundesländern, diese Ausbildungsform nimmt in Wien stetig ab, während sie in Österreich im Steigen begriffen ist. Die Verteilung der Personen mit den unterschiedlichen Bildungsabschlüssen in Wien ist natürlich nach Bezirken höchst unterschiedlich. Wie zu erwarten, sind in den innerstädtischen Bezirken sowie in Währing prozentuell die meisten AkademikerInnen zu Hause, während in den typischen ArbeiterInnenbezirken eher wenig AkademikerInnen leben. Ähnlich, aber komplementär verhält sich die Verteilung der PflichtschulabgängerInnen über die Stadt. Die höchsten Anteile weisen Favoriten, Rudolfsheim-Fünfhaus und die Brigittenau auf, die geringsten der 1., der 8. und der 13. Bezirk. AkademikerInnenquote: Anteil der Personen mit einem Abschluss einer Hochschule, Universität, Fachhochschule sowie einer hochschulverwandten Lehranstalt an der Gesamtbevölkerung in der jeweiligen Altersgruppe. Bildungsstandregister: Das Bildungsstandregister enthält Informationen über formale Bildungsabschlüsse der österreichischen Wohnbevölkerung im Alter von 15 Jahren und älter. Erstbefüllt wurde das Register mit den Daten über die höchste abgeschlossene Ausbildung aus der Volkszählung 2001. Aktualisiert wird es seither jährlich mit Abschlussdaten der österreichischen Schulen und Hochschulen, der Wirtschaftskammer(Lehrabschlüsse und Meisterprüfungen), der Landwirtschaftskammern(Meister- und Facharbeiterprüfungen) und des Bundesministeriums für Gesundheit(Diplomprüfungen im kardiotechnischen Dienst). Darüber hinaus meldet das Arbeitsmarktservice (AMS) jährlich Daten zur höchsten abgeschlossenen Ausbildung der LeistungsbezieherInnen. Aus dem Zentralen Melderegister wird die Information über die Wohngemeinde, die Staatsbürgerschaft und ein allfälliger akademischer Grad übernommen. Der Bildungsstand von Zuwanderinnen und Zuwanderern nach 2001, die keinen weiteren Abschluss in Österreich erworben haben und auch nicht beim AMS vorstellig wurden, wird geschätzt. 1. Bildung 9 1.2 Abbildung 1.2.1 Bildungsstand der Wohnbevölkerung in Österreich 1971 bis 2008 Männer 70  Abbildung 1.2.2 Bildungsstand der Wohnbevölkerung in Österreich 1971 bis 2008 Frauen 70  60  60  50  50  40  40  30  30  20  20  10  10  Pflichtschule  Lehre  Berufsbildende mittlere Schule Höhere Schule Hochschulverwandte Lehranstalten Universität, Hochschule, FH Quelle: Statistik Austria, � 1971 bis 2001 Volkszählung; � 2008 Mikrozensus, Jahresdurchschnitte � 1971 1981 1991 2001 2008 1971 1981 1991 2001 2008 (ohne Präsenz- und Zivildiener). Abbildung 1.2.3 Bildungsstand der Wohnbevölkerung in Wien 1971 bis 2008 Männer 70  Abbildung 1.2.4 Bildungsstand der Wohnbevölkerung in Wien 1971 bis 2008 Frauen 70  60  60  50  50  40  40  30  30  20  20  10  10  Pflichtschule  Lehre  Berufsbildende mittlere Schule Höhere Schule Hochschulverwandte Lehranstalten Universität, Hochschule, FH Quelle: Statistik Austria, ISIS-Datenbank Bevölkerungsstatistik, 1971 bis 2001 Volkszählungen, 1971 1981 1991 2001 2008 1971 1981 1991 2001 2008 2008 Bildungsstandregister. 10 1.2 Forschung| Entwicklung| Bildung Abbildung 1.2.5 AkademikerInnenanteil an der Bevölkerung im Alter von 25 bis 64 Jahren 2008 in% 1. Innere Stadt  8. Josefstadt  4. Wieden  9. Alsergrund  7. Neubau  18. Währing  13. Hietzing  6. Mariahilf  19. Döbling  3. Landstraße  5. Margareten  17. Hernals  2. Leopoldstadt  14. Penzing  Wien insgesamt  23. Liesing  16. Ottakring  15. Rudolfsheim­Fünfhaus  12. Meidling  20. Brigittenau  22. Donaustadt  21. Floridsdorf  10. Favoriten  11. Simmering  5 10 15 20 25 30 35 40 45 Quelle: Statistik Austria, Bildungsstandregister 2008. Abbildung 1.2.6 Anteil der Personen ohne weiterführende Ausbildung nach der Pflichtschule bzw. ohne Schulabschluss an der 25- bis 65-jährigen Wohnbevölkerung 2008 in% 15. Rudolfsheim­Fünfhaus  20. Brigittenau  10. Favoriten  16. Ottakring  12. Meidling  11. Simmering  5. Margareten  2. Leopoldstadt  17. Hernals  Wien insgesamt  21. Floridsdorf  3. Landstraße  14. Penzing  22. Donaustadt  23. Liesing  18. Währing  6. Mariahilf  9. Alsergrund  19. Döbling  7. Neubau  4. Wieden  8. Josefstadt  1. Innere Stadt  13. Hietzing  5 10 15 20 25 30 35 40 45 Quelle: Statistik Austria, Bildungsstandregister 2008. .3 Studienwahl und Studierende in Wien und Österreich 1. Bildung 11 1.3 Studienwahl und Studierende in Wien und Österreich Frauen und Männer treffen bei der Studienwahl immer noch unterschiedliche Entscheidungen. Der Anteil der GeisteswissenschafterInnen ist bei den Frauen mehr als doppelt so hoch wie bei den Männern. Bei den Technikstudien ist das Verhältnis umgekehrt und noch deutlicher: 23% der Männer und 6% der Frauen studieren an Technischen Universitäten. Relativ gleichmäßig beliebt bei Frauen und Männern sind die Rechtswissenschaften, die Medizin und Künste sowie die Bodenkultur. Die Residualkategorie„sonstige“ umfasst Studium irregulare, Montanwissenschaften, Theologie und Veterinärmedizin. 1971 waren die Geschlechterrollen noch stärker ausgeprägt als heute. Damals waren 42% der Studentinnen in den Geisteswissenschaften inskribiert und nur 13% der Männer. Sozial- und Wirtschaftswissenschaften haben bei Männern und Frauen einen Boom erfahren, der bei Frauen aber deutlich größer ausgefallen ist. Der Anteil der Studierenden der Wirtschaftswissenschaften betrug 1971 bei den Frauen 9% und ist auf 17% im Jahr 2009 gestiegen. Bei den Männern stieg dieser Anteil von 17% auf 21%. Das Engagement für Naturwissenschaften und Technikstudien ist interessanterweise bei beiden Geschlechtern jeweils praktisch gleich geblieben. Damals wie heute sind 23% aller studierenden Männer mit Technikstudien beschäftigt, von den Frauen studierten 1971 4% Technik und 2009 knapp 6%, eine nur unwesentliche Steigerung. Auch in naturwissenschaftlichen Fächern zeigt sich dasselbe Bild, die Anteile haben sich in den letzten vier Jahrzehnten kaum geändert. Auffallend ist, dass sich der Anteil an Medizinstudentinnen und-studenten von 12 bzw. 13% Anfang der 1970er auf 4% heute stark verringert hat, ein Umstand, der in den letzten Jahren auch auf die Studienplatzbeschränkung in Medizin zurückzuführen ist. Bei der Studienwahl wie auch bei der Lehrlingsausbildung zeigt sich, dass die Ausbildungswege der Frauen sich auf weniger Sparten konzentrieren als die der Männer. Bei den Frauen überwiegen die Geisteswissenschaften bei Weitem, die Studienwahl der Männer ist breiter gestreut. Die typischen Studienrichtungen mit starkem Frauenüberhang sind Sprachen(80% Frauen), Pädagogik, Ernährungswissenschaften, Pflegewissenschaften und Veterinärmedizin. In den Technik- und Montanistikstudien sind dagegen hauptsächlich Männer zu finden(80% und mehr). Besonders niedrige Frauenanteile von unter 6% weisen Maschinenbau, Elektrotechnik und Mechatronik auf. Im Medizinstudium ist das Geschlechterverhältnis mit 52% Frauenanteil recht ausgeglichen. Abbildung 1.3.1 Belegte Studien ordentlicher Studierender Studierende Männer 1971 und 2009 in% Abbildung 1.3.2 Belegte Studien ordentlicher Studierender Studierende Frauen 1971 und 2009 in% Geisteswissenschaften Sozial­ und Wirtschaftswissenschaften  Geisteswissenschaften Sozial­ und Wirtschaftswissenschaften  Sonstige Sonstige Bodenkultur Künste 40 30 20 10 Naturwissenschaften  Bodenkultur Technik Künste 40 30 20 10 Naturwissenschaften  Technik Humanmedizin Humanmedizin Rechtswissenschaften  Rechtswissenschaften  1971/72 2009/10 Quelle: Statistik Austria, Bildung in Zahlen 2008/09, Hochschulstatistik 2009/10 1971/72 2009/10 Quelle: Statistik Austria, Bildung in Zahlen 2008/09, Hochschulstatistik 2009/10 12 1.3 � Forschung| Entwicklung| Bildung In den letzten Jahren hat die Bildungsbeteiligung der jungen Menschen eine dramatische Veränderung erfahren: Die Anzahl der Studierenden hat stark zugenommen, was aber nicht auf einem verstärkten Zustrom an ausländischen Studierenden beruht, sondern auf einer viel größeren Anzahl an ÖsterreicherInnen, die die Universität besuchen. Die Einführung der Studiengebühren im Studienjahr 2001/02 führte zu einem starken Einbruch in den Studierendenzahlen. Erst 2009/10 wurde die Studierendenzahl von 2000/01 wieder übertroffen. Seit 1999 studieren mehr Frauen als Männer in Österreich. Dieser Überhang von Frauen vergrößerte sich seit dem Einbruch der Studierendenzahlen 2001/02 durch die Einführung der Studiengebühren laufend. Derzeit sind 54% der Studierenden Frauen, wobei keine Unterschiede im Frauenanteil bei in- und ausländischen Studierenden bestehen. Während Wien bei Universitätsstudien mit 60% aller Studierenden Österreichs die größte Bedeutung hat, sieht man, dass die Privatuniversitäten, besonders aber die Fachhochschulen sowie die Pädagogischen Hochschulen in den Bundesländern einen weitaus größeren Zulauf haben. In diesen Bereichen studieren nur ca. 30% aller Studierenden in Wien. Auch bei den Pädagogischen Hochschulen gibt es Unterschiede. In Wien werden diese in geringerem Maße zur Weiterbildung genützt als in Österreich insgesamt. Die Fachhochschulen werden eher von Männern bevorzugt mit 54% bzw. 57% Männeranteil in Österreich bzw. Wien, während – wenig überraschend – an Pädagogischen Hochschulen über drei Viertel der Studierenden Frauen sind. Mehrfachzählungen: Die Insgesamt-Zeile der Wiener Bildungseinrichtungen inkludiert Mehrfachzählungen, die dann auftreten, wenn eine Person an zwei oder mehreren Einrichtungen eingeschrieben ist, die aus Österreich insgesamt nicht. Für Österreich insgesamt betrifft das ca. 3.500 Personen, in Wien dürften es entsprechend weniger sein, die Zahl ist unbekannt, da im Unterschied zu den Österreichdaten für Wien keine Auswertung ohne Mehrfachzählungen vorliegt. Abbildung 1.3.3 Ordentliche Studierende an öffentlichen Universitäten in Österreich 1955/56 bis 2009/10 300.000  250.000  2008 Befreiung eines  Großteils der Studierenden von den Studiengebühren 2001 Einführung der Studiengebühren 200.000  150.000  1955/56 1960/61 1965/66 1970/71 1975/76 1980/81 1985/86 1990/91 1995/96 2000/01 2005/06 100.000  50.000  1972 Abschaffung der Studiengebühren Frauen Männer Quelle: Statistik Austria, Bildung in Zahlen 2008/09, Hochschulstatistik 2009/10 1. Bildung 13 1.3 Tabelle 1.3.1 Studierende in Österreich im Wintersemester 2009/10 Bildungseinrichtung Insgesamt* Öffentliche Universitäten Ordentliche Studierende Außerordentliche Studierende Privatuniversitäten Fachhochschulen Studierende- Fachhochschul-Studiengänge Studierende- Lehrgänge zur Weiterbildung Pädagogische Hochschulen** Studierende- Lehramt Studierende- Lehrgänge zur Weiterbildung Theologische Lehranstalten „Sonstige Bildungseinrichtungen (Lehrgänge universitären Charakters)” Studierende insgesamt Insgesamt Männer Frauen 332.624 273.542 255.561 17.981 5.829 36.914 36.085 829 15.691 9.521 8.116 192 3.989 154.270 127.514 118.327 9.187 2.566 19.973 19.527 446 3.426 2.094 1.594 141 2.159 178.354 146.028 137.234 8.794 3.263 16.941 16.558 383 12.265 7.427 6.522 51 1.830 inländische Studierende Insgesamt Männer Frauen 263.071 211.746 201.150 10.596 3.641 32.482 31.789 693 14.865 8.814 7.930 97 3.468 121.803 98.785 93.672 5.113 1.535 17.602 17.253 349 3.251 1.950 1.553 70 1.929 141.268 112.961 107.478 5.483 2.106 14.880 14.536 344 11.614 6.864 6.377 27 1.539 ausländische Studierende Insgesamt Männer Frauen 69.553 61.796 54.411 7.385 2.188 4.432 4.296 136 826 707 186 95 521 32.467 28.729 24.655 4.074 1.031 2.371 2.274 97 175 144 41 71 230 37.086 33.067 29.756 3.311 1.157 2.061 2.022 39 651 563 145 24 291 * Ohne Mehrfachzählung. ** Ohne Mehrfachzählung. Ohne Lehrgänge zur Fortbildung(weniger als 6 ECTS-Credits). Quelle: Statistik Austria, Hochschulstatistik 2009/10. Tabelle 1.3.2 Studierende an Wiener Bildungseinrichtungen im Wintersemester 2009/10 Bildungseinrichtung Insgesamt* Öffentliche Universitäten Ordentliche Studierende Außerordentliche Studierende Privatuniversitäten Fachhochschulen Studierende- Fachhochschul-Studiengänge Studierende- Lehrgänge zur Weiterbildung Pädagogische Hochschulen** Studierende- Lehramt Studierende- Lehrgänge zur Weiterbildung Theologische Lehranstalten „Sonstige Bildungseinrichtungen (Lehrgänge universitären Charakters)" Studierende insgesamt Insgesamt Männer Frauen 179.953 160.684 153.828 6.856 2.471 10.807 10.619 188 4.363 3.429 934 1.628 82.599 73.529 69.894 3.635 1.001 6.160 6.092 68 1.006 767 239 903 97.354 87.155 83.934 3.221 1.470 4.647 4.527 120 3.357 2.662 695 725 inländische Studierende Insgesamt Männer Frauen 139.896 123.438 119.938 3.500 1.255 9.756 9.588 168 3.947 3.029 918 1.500 64.459 56.662 54.962 1.700 479 5.568 5.507 61 915 679 236 835 75.437 66.776 64.976 1.800 776 4.188 4.081 107 3.032 2.350 682 665 ausländische Studierende Insgesamt Männer Frauen 40.057 37.246 33.890 3.356 1.216 1.051 1.031 20 416 400 16 128 18.140 16.867 14.932 1.935 522 592 585 7 91 88 3 68 21.917 20.379 18.958 1.421 694 459 446 13 325 312 13 60 * Einschließlich Mehrfachzählung. ** Einschließlich private Studiengänge. Ohne Lehrgänge zur Fortbildung(weniger als 6 ECTS-Credits). Quelle: Statistik Austria, Hochschulstatistik 2009/10. 14 1.3 � Forschung| Entwicklung| Bildung Von den 153.828 ordentlichen Studierenden im WS 2009/10 in Wien besitzen 22% eine nichtösterreichische Staatsbürgerschaft. Der Großteil von diesen, nämlich 88%, kommen aus Europa. Die häufigsten Herkunftsländer sind Deutschland mit 33% und Türkei und Italien mit jeweils ca. 6% aller ausländischen Studierenden. Wie erwartet machen die Studierenden aus Deutschland den größten Anteil an den ausländischen Studierenden aus, ihr Anteil an allen Studierenden in Wien macht aber nur 7% aus, das sind 11.185 Personen. Deutlich höher sind die Anteile der deutschen Studierenden an allen Studierenden in den Bundesländern, die direkt an Deutschland grenzen: In Innsbruck sind 13% der Studierenden Deutsche, in Salzburg 18%. Besonders ungleich über Österreich verteilt sind die Italienerinnen und Italiener. 15% aller Studierenden in Innsbruck sind aus Italien, in allen anderen Universitätsstätten macht ihr Anteil unter 2% aus. Dies beruht auf den vielen Südtiroler Studierenden, die im nahen Tirol in deutscher Sprache studieren können, wobei sie von den Behörden der Autonomen Provinz Bozen 1 sowie von der Universität Innsbruck 2 mit einem Büro für Südtirolagenden unterstützt werden. Tabelle 1.3.3 Ausländische ordentliche Studierende an öffentlichen österreichischen Universitäten im Wintersemester 2009/10 nach Staatsbürgerschaft Staaten Ordentliche Studierende insgesamt Inländische Studierende Ausländische Studierende Europäische Staaten darunter EU Deutschland Italien Bosnien und Herzegowina Türkei Polen Kroatien Slowakei Serbien Ungarn Bulgarien Rumänien Sonstige europäische Staaten Asiatische Staaten China(Volksrepublik) Iran Korea(Republik/Süd) Pakistan Japan Amerikanische Staaten USA Brasilien Kolumbien Mexiko Kanada Afrikanische Staaten Ägypten Nigeria Äthiopien Tunesien Kamerun Australien/Ozeanien Australien Neuseeland Ohne Angabe Insgesamt* 255.561 201.150 54.411 48.336 37.548 19.217 6.879 2.594 2.550 1.548 1.445 1.407 1.396 1.372 1.348 1.078 7.502 4.191 953 644 341 298 296 1.058 413 110 102 91 77 699 156 82 61 42 41 73 65 8 54 Klagenfurt 8.417 7.371 1.046 878 718 484 77 36 11 18 50 8 10 25 10 8 141 148 30 5 1 6 4 12 7 3 – – – 8 1 1 – – – – – – – Linz 16.479 14.961 1.518 1.147 747 341 29 97 110 38 48 19 32 32 41 65 295 239 108 25 5 12 5 72 18 4 2 17 7 58 22 3 8 3 5 2 2 – – Salzburg 16.027 11.571 4.456 4.038 3.626 2.820 281 44 83 78 50 27 53 40 27 44 491 285 76 17 60 7 48 91 49 9 3 12 3 35 3 9 1 1 1 5 3 2 2 Studienort Graz 41.775 36.275 5.500 4.798 3.090 1.375 462 724 79 75 402 43 188 200 59 92 1.099 468 76 52 53 69 42 149 63 25 8 18 5 71 19 9 6 1 4 14 12 2 – * Studierende mit Studien an verschiedenen Universitäten wurden nur einmal gezählt. Leoben 2.767 2.444 323 181 124 57 11 5 24 5 7 4 4 6 13 3 42 98 59 20 1 11 – 10 1 1 2 – 3 32 2 2 – – 9 1 1 – 1 Innsbruck 27.984 18.659 9.325 9.066 8.542 3.697 4.061 52 155 58 60 22 36 28 37 43 817 146 9 8 7 30 2 62 22 12 2 7 1 45 4 5 2 – – 1 – 1 5 Wien 153.828 119.938 33.890 29.753 21.963 11.185 2.151 1.680 2.179 1.332 858 1.342 1.094 1.088 1.195 864 4.785 2.902 622 543 223 164 198 678 260 57 87 37 59 461 106 56 44 38 25 50 47 3 46 Quelle: Statistik Austria, Hochschulstatistik 2009/10 1 www.provinz.bz.it/bildungsfoerderung/studieninformation/studieren-in-oesterreich.asp 2 www.uibk.ac.at/suedtirolagenden/ 2. Forschung und Entwicklung(F&E) .1 Forschungsausgaben in Wien, Bundesländervergleiche, Forschungsquoten 2. Forschung und Entwicklung(F&E) 15 2.1 Forschungsausgaben in Wien, Bundesländervergleiche, Forschungsquoten Am Beginn des Abschnitts über Forschung steht eine Darstellung der wichtigsten Daten in Wien und Österreich, danach folgen die Ausgaben für die Forschung, deren Herkunft und Einsatz in den verschiedenen Bereichen beleuchtet werden. Zusätzlich wird ein Vergleich der Entwicklung der Forschungsquoten in Wien und der Steiermark geboten, der die etwas höhere Forschungsquote der Steiermark gegenüber Wien relativiert. Wien ist das Zentrum der Forschung und experimentellen Entwicklung(F&E) in Österreich. 38% der in der Forschung Beschäftigten arbeiten in Wien und ebenso 38% aller F&E-Ausgaben werden in Wien getätigt. Der Frauenanteil bei den WissenschafterInnen ist in Wien mit 33% deutlich höher als in Österreich insgesamt mit 26%. 2,62 Mrd. Euro werden 2007 in Wien für Forschung ausgegeben, der größte Anteil davon(40% bzw. 1,05 Mrd.) stammt aus dem öffentlichen Sektor. Die Unternehmen tragen 947 Mio. bei und werden immer wichtiger, denn sie haben ihren Anteil an der Forschungsfinanzierung in den letzten fünf Jahren von 32% auf 36% erhöht, während andere Geldquellen(Ausland, EU) stagnierten oder zurück gingen. Forschung 2007- Fakten Mrd. EUR F&E-Ausgaben 2007 Forschungsquote F&E-durchführende Erhebungseinheiten Beschäftigte in der Forschung Vollzeitäquivalente Beschäftigte in der Forschung Kopfzahlen Davon WissenschafterInnen/ForscherInnnen Frauenanteil bei den WissenschafterInnen Anteil Wiens an Österreich bei Ausgaben und Beschäftigten Steigerung der F&E-Ausgaben von 2006 auf 2007, das sind absolut(Mio. EUR) Wien 2,62 3,25% 1.206 20.452 36.593 23.791 33% 38% 8% 188 Österreich 6,87 2,54% 4.009 53.252 89.458 53.590 26% 9% 549 Tabelle 2.1.1 Forschung und experimentelle Entwicklung(F&E): Erhebungseinheiten, Beschäftigte, Ausgaben, Finanzierung in Wien und Österreich 2007 Erhebungseinheiten, Beschäftigte, Ausgaben, Finanzierung Insgesamt Insgesamt Wissenschaftliches Personal Höher qualifiziertes nicht wissenschaftliches Personal Hilfspersonal Insgesamt Personalausgaben Laufende Sachausgaben Ausrüstungsinvestitionen Bauausgaben und Liegenschaftsankäufe Insgesamt Grundlagenforschung Angewandte Forschung Experimentelle Entwicklung Insgesamt Unternehmenssektor Öffentlicher Sektor insgesamt Bund Länder, inklusive Wien Gemeinden, ohne Wien Sonstige Privater gemeinnütziger Sektor Ausland, internationale Organisationen Europäische Union(EU) Wien F&E-durchführende Erhebungseinheiten 1.206 Beschäftigte- Vollzeitäquivalente 20.451,8 13.292,2 5.263,6 1.896,0 Ausgaben in Mio. EUR inkl. LKH 2.618,00 1.416,95 1.051,94 126,70 22,41 Ausgaben in Mio. EUR ohne LKH 2.571,30 521,90 911,62 1.137,78 Finanzierung der F&E-Ausgaben in Mio. EUR 2.618,00 946,86 1.048,31 820,03 83,58 0,64 144,07 18,16 553,98 50,69 Österreich Anteil Wiens an Österreich(%) 4.009 53.252,2 31.675,6 16.277,9 5.298,8 6.867,82 3.513,14 2.818,57 449,19 86,91 6.737,35 1.182,08 2.384,03 3.171,25 6.867,82 3.344,40 2.260,86 1.649,86 263,18 8,66 339,16 32,32 1.129,15 101,09 30,1 38,4 42,0 32,3 35,8 38,1 40,3 37,3 28,2 25,8 38,2 44,2 38,2 35,9 38,1 28,3 46,4 49,7 31,8 7,3 42,5 56,2 49,1 50,1 Quelle: Statistik Austria – Erhebung über Forschung und experimentelle Entwicklung, Sonderauswertung für Wien. 16 2.1 � Forschung| Entwicklung| Bildung Wien hat großen Anteil an der österreichischen Forschung. Mit 20% der Bevölkerung erwirtschaftet Wien 27% der österreichischen Wirtschaftsleistung und finanziert 38% der Forschungsgelder. Ebenso werden 38% der Forschungsgelder auch in Wien ausgegeben, wenn man wie in der gesamten vorliegenden Sonderauswertung für Wien, dem Hauptstandort der Unternehmen folgt. Der private gemeinnützige Sektor ist zu 56% in Wien konzentriert und auch die Hälfte aller EU-Gelder für Forschung in Österreich fließt nach Wien. Die Finanzierung ist und bleibt das größte Problem der Forschung, gleichzeitig ist sie aber der wichtigste Indikator zur Bewertung der Stellung der Forschung in einer Gesellschaft. Je besser die Forschung dotiert ist, desto mehr beschäftigungswirksame Impulse können gesetzt werden und desto größer ist die Erfolgswahrscheinlichkeit der Forschungseinrichtungen. Dabei sind nicht nur die absoluten Summen, sondern auch eine gewisse Kontinuität der Geldflüsse von Bedeutung. Zwei zentrale Player in der Wiener Forschungsförderung, ZIT und WWTF, stellen ihre Aktivitäten im Anhang näher dar. Der einfachste und am häufigsten verwendete Indikator im Bereich der Forschung ist die Forschungsquote. Sie beschreibt den Anteil der Forschungsausgaben am gesamten Bruttoinlandsprodukt einer Gebietseinheit – im Allgemeinen wird der Wert auf Staatenebene berechnet, oft gibt es aber Sonderauswertungen auf regionaler Ebene, in Österreich auf Basis der Bundesländer. Die in diesem Journal hauptsächlich verwendeten F&E-Erhebungen berücksichtigen in den hier vorliegenden Standardauswertungen nur den Hauptstandort der Forschungseinrichtung, das bedeutet, alle Daten werden dem Bundesland des Unternehmenssitzes zugeordnet, unabhängig davon, wo sich der tatsächliche Forschungsstandort befindet. Diese Methode trägt nicht dem Arbeitsort der ForscherInnen Rechnung, sondern dem Firmenstandort. Alle verfügbaren Daten über F&E, wie Beschäftigte oder auch die Ausgaben nach Sektoren werden nach diesem Prinzip nach dem Hauptstandort veröffentlicht. Die Forschungsquote(Anteil der Bruttoinlandsausgaben für F&E am Bruttoregionalprodukt) jedoch wird als einzige Ausnahme nach dem F&E-Standort der Unternehmen berechnet. Für alle anderen Sektoren gilt der Hauptstandort, nur die F&E-Ausgaben der Unternehmen werden den Vollzeitäquivalenten der Forschungseinrichtungen gemäß aufgeteilt. Durch viele Firmensitze und Konzernzentralen in Wien, die auch in anderen Bundesländern Forschungseinrichtungen betreiben, verschieben sich dadurch die F&E-Ausgaben von Wien weg in Richtung anderer Bundesländer. Der größte Verlierer dieser Berechnungsmethode nach den F&E-Standorten ist Wien, am meisten gewinnt die Steiermark(siehe Tabelle 2.1.2). Die Bundesländer mit den größten Forschungsausgaben sind mit großem Abstand Wien, gefolgt von der Steiermark und Oberösterreich. Die Steiermark übertrifft als einziges Bundesland mit einer Forschungsquote von 4,31% den Wiener Wert von 3,25%. Alle anderen Bundesländer liegen unter 3% Forschungsquote. Die Forschungsquoten in den beiden führenden Bundesländern Steiermark und Wien haben sich in den letzten Jahren unterschiedlich entwickelt. Während die Steiermark sehr dynamisch in Forschung investierte und die F&E-Quote stetig steigern konnte, fielen diese Änderungen in Wien vergleichsweise moderat aus. Wien hat in den letzten 5 Jahren die Forschungsquote um 0,23 Prozentpunkte gesteigert, die Steiermark hingegen um 0,64 Prozentpunkte. Der Rückstand Wiens hinter der Steiermark ist in diesem Zeitraum von einem halben Prozentpunkt auf mehr als einen Prozentpunkt gestiegen. Dabei muss man aber die Absolutzahlen im Auge behalten. Tabelle 2.1.2 Ausgaben für F&E nach Bundesländern sowie nach dem Hauptstandort bzw. F&E-Standort der Erhebungseinheiten 2007 Bundesländer Österreich insg. Burgenland Kärnten Niederösterreich Oberösterreich Salzburg Steiermark Tirol Vorarlberg Wien nach dem Hauptstandort in Mio. EUR 6.867,8 37,5 417,3 514,9 1.044,6 210,0 1.278,5 573,8 173,2 2.618,0 in% 100,0 0,5 6,1 7,5 15,2 3,1 18,6 8,4 2,5 38,1 nach den F&E-Standorten in Mio. EUR 6.867,8 35,6 379,0 576,3 1.084,9 241,4 1.460,1 571,4 172,5 2.346,6 in% 100,0 0,5 5,5 8,4 15,8 3,5 21,3 8,3 2,5 34,2 Quelle: Statistik Austria – Erhebung über Forschung und experimentelle Entwicklung, Sonderauswertung für Wien 2007. 2. Forschung und Entwicklung(F&E) 17 2.1 Das Bruttoregionalprodukt der Steiermark betrug 2007 34 Mrd. Euro, das Wiener BRP hingegen war mit 72 Mrd. Euro mehr als doppelt so groß, und das bei einer Bevölkerung, die nur 1,4-mal so groß ist wie die der Steiermark. Dementsprechend verhalten sich auch die Absolutzahlen der Forschungsausgaben, die in der Steiermark 1,5 Mrd. Euro betragen und in Wien 2,3 Mrd. Euro. Damit wird also in Wien mit Abstand am meisten Geld in die Forschung und – damit verbunden – in die Beschäftigung investiert. In Wien sind mit 20.452 Vollzeitäquivalenten (VZÄ) doppelt so viele Arbeitsplätze in der Forschung vorhanden, wie in der Steiermark mit 9.996 VZÄ(Beschäftigung siehe Abschnitt 2.3). Neben der Forschungsquote ist es auch interessant, die Forschungsausgaben auf die Anzahl der Erwerbspersonen bzw. die Wohnbevölkerung in einem Bundesland umzulegen. Dabei stechen Wien und Steiermark deutlich unter den anderen Bundesländern hervor. Mit 2.779 Euro Forschungsausgaben pro Erwerbsperson(Definition siehe unten) liegt Wien relativ knapp vor der Steiermark und diese wiederum weit vor den anderen Bundesländern. Bezieht man die F&E-Ausgaben auf die Wohnbevölkerung(Jahresdurchschnitt 2007), so fallen die Unterschiede ziemlich ähnlich aus, Wien liegt dabei um mehr als den Faktor 10 über dem Schlusslicht Burgenland und deutlich vor allen anderen Bundesländern. In der Reihung nach den Bundesländern zeigt sich dasselbe Muster wie bei der Forschungsquote: Wien und Steiermark liegen weit vorne, Tirol, Oberösterreich und Kärnten bilden das Mittelfeld und Vorarlberg, Salzburg, Niederösterreich und Burgenland sind deutlich unter den Werten der anderen Bundesländer. So zeigt jede der möglichen Betrachtungsweisen der F&E-Ausgaben ein unterschiedliches Bild. Bei den absoluten Ausgaben liegt Wien aufgrund seiner Größe und wirtschaftlichen Stärke, der Universitäten und Firmensitze unangefochten an der Spitze, bezieht man die Ausgaben auf die Bevölkerung oder die Erwerbspersonen liegt Wien deutlich knapper vor der Steiermark. Legt man die Forschungsausgaben auf die Wirtschaftsleistung um, berechnet also die Forschungsquote, dann liegt die Steiermark deutlich vor Wien. Labour Force-Konzept(LFK): Nach dem Labour Force-Konzept(LFK) gilt eine Person dann als erwerbstätig, wenn sie in der Referenzwoche der Befragung im Rahmen der Mikrozensuserhebungen mindestens eine Stunde als Unselbstständige, Selbstständige oder mithelfende Familienangehörige gearbeitet hat. Hat die Person nur aufgrund von Urlaub, Krankheit etc. nicht gearbeitet, geht aber ansonsten einer Arbeit nach, gilt sie ebenfalls als erwerbstätig. Personen in Elternkarenz und Kinderbetreuungsgeldbeziehende mit aufrechtem Dienstverhältnis, deren Karenzierung nicht länger als 22 Monate dauert, sowie Lehrlinge zählen ebenfalls zu den Erwerbstätigen, nicht hingegen Präsenz- und Zivildiener. Die Befragung erstreckt sich nur auf Erwerbstätige, die in Privathaushalten leben, also nicht auf jene in Anstaltshaushalten. Forschungsarten laut Frascati-Handuch: • Grundlagenforschung: Originäre Untersuchungen mit dem Ziel, den Stand des Wissens zu vermehren, ohne Ausrichtung auf ein spezifisches Ziel. • Angewandte Forschung: Originäre Untersuchungen mit dem Ziel, den Stand des Wissens zu vermehren, jedoch mit Ausrichtung auf ein spezifisches praktisches Ziel. • Experimentelle Entwicklung: Systematischer Einsatz des Wissens mit dem Ziel, neue oder wesentlich verbesserte Materialien, Vorrichtungen, Produkte, Verfahren oder Systeme hervorzubringen. (Quelle: http://www.statistik.at/web_de/Redirect/index.htm?dDocName=023994) Tabelle 2.1.3 Bruttoregionalprodukt und Forschungsausgaben nach Bundesländern 2004–2007 Bundesländer Österreich insg. Burgenland Kärnten Niederösterreich Oberösterreich Salzburg Steiermark Tirol Vorarlberg Wien BRP in Mio. EUR 235.819 5.585 13.628 36.583 37.555 16.679 29.684 20.305 10.835 64.965 2004 Bruttoinlandsausgaben für F&E in Mio. EUR 5.249,6 25,8 290,9 361,3 750,5 182,1 1.068,5 419,4 138,3 2.012,8 in% des BRP 2,23 0,46 2,13 0,99 2,00 1,09 3,60 2,07 1,28 3,10 BRP in Mio. EUR 256.162 5.751 14.779 39.666 42.303 18.349 32.135 22.590 11.757 68.832 2006 Bruttoinlandsausgaben für F&E in Mio. EUR 6.318,6 30,5 377,7 514,9 996,9 230,7 1.265,4 554,7 153,9 2.193,8 in% des BRP 2,47 0,53 2,56 1,30 2,36 1,26 3,94 2,46 1,31 3,19 BRP in Mio. EUR 270.782 6.059 15.563 42.303 44.748 19.618 33.909 23.866 12.429 72.288 2007 Bruttoinlandsausgaben für F&E in Mio. EUR 6.867,8 35,6 379,0 576,3 1.084,9 241,4 1.460,1 571,4 172,5 2.346,6 in% des BRP 2,54 0,59 2,44 1,36 2,42 1,23 4,31 2,39 1,39 3,25 Quelle: Statistik Austria – Erhebung über Forschung und experimentelle Entwicklung, Sonderauswertung für Wien 2004–2007. 18 2.1 Forschung| Entwicklung| Bildung Die Ausgaben nach Forschungsarten zeigen, dass die angewandte Forschung mit 12% das größte Wachstum zwischen 2006 und 2007 aufweist, gefolgt von der Grundlagenforschung mit 9%. Experimentelle Entwicklung weist eine vergleichsweise geringe Steigerung auf. Damit werden 2007 für experimentelle Entwicklung, also produktnahe Forschung, 44% aller Forschungsausgaben verwendet, für angewandte Forschung 36% und 20% für Grundlagenforschung. Im Hochschulsektor sieht die Sache natürlich anders aus: Hier hat die Grundlagenforschung die höchste Priorität, 48% der Forschungsgelder fließen in die Grundlagenforschung, 44% in die angewandte Forschung und nur 8% in experimentelle Entwicklung. Im Unternehmenssektor dominiert die experimentelle Entwicklung mit 68% der F&E-Ausgaben, mit nicht einmal 4% spielt die Grundlagenforschung kaum eine Rolle. Der Hochschulsektor gliedert sich in Universitäten, Universitätskliniken, Universitäten der Künste, die Akademie der Wissenschaften, Fachhochschulen und den sonstigen Hochschulsektor, der aus Privatuniversitäten und Pädagogischen Hochschulen besteht. Betrachten wir nun die wissenschaftlichen Universitäten Wiens: An den Wiener wissenschaftlichen Universitäten wurden 2007 ca. 777 Millionen Euro für Forschung aufgewendet, das sind 30% der gesamten Wiener Forschungsausgaben. Die beiden Forschungsfelder mit den meisten Ausgaben sind die Naturwissenschaften mit 30% und die Medizin mit 26%: Die technischen Wissenschaften sowie die Sozialwissenschaften können 14 bzw. 13% für sich beanspruchen (siehe Abbildung 2.1.4). Abbildung 2.1.1 F&E-Ausgaben nach Forschungsarten in sämtlichen Erhebungsbereichen in Wien 2007 Grundlagenforschung 20% Experimentelle Entwicklung 44% Forschungs­ ausgaben insg. €  2.571.298 Quelle: Statistik Austria, � Erhebung über Forschung und experimentelle Entwicklung, Sonderauswertung für Wien 2007. � Angewandte Forschung 36% Abbildung 2.1.2 Forschungsausgaben in EUR im Verhältnis zu Erwerbspersonen und Wohnbevölkerung(Jahresdurchschnitte) 2007 3.000 2.779 2.500 2.441 2.000 1.500 1.000 500 1.407 1.562 1.213 1.495 1.410 818 772 913 677 865 719 472 458 362 253 127 Wien Steiermark Tirol Oberösterr. Kärnten Vorarlberg Salzburg Niederösterr. Burgenland F&E­Ausgaben pro Erwerbs­ person (LFK) in Euro F&E­Ausgaben pro EinwohnerIn (Wohnbevölkerung) in Euro Quelle: Statistik Austria: Erhebung über Forschung und experimentelle Entwicklung 2007, Statistik des Bevölkerungsstandes Jahresdurchschnitt 2007, MikrozensusArbeitskräfteerhebung(Jahresdurchschnitt über alle Wochen) 2007. 2. Forschung und Entwicklung(F&E) 19 2.1 Tabelle 2.1.4 Ausgaben für F&E an den Universitäten in Wien nach Wissenschaftszweigen und Forschungsarten 2007 Wissenschaftszweige Naturwissenschaften Technische Wissenschaften Humanmedizin ohne Kliniken Kliniken Land- und Forstwirtschaft, Veterinärmedizin Sozialwissenschaften Geisteswissenschaften Insgesamt F&E durchführende Erhebungseinheiten 119 54 54 27 27 56 105 76 464 Ausgaben für F&E insgesamt 1.000 EUR 231.442 107.573 199.450 95.306 104.144 68.012 98.369 72.557 777.403 Grundlagenforschung 1.000 EUR 126.177 31.396 72.868 46.256 26.612 25.799 44.460 52.579 353.279 % 54,5 29,2 36,5 48,6 25,6 37,9 45,2 72,4 45,4 Davon für Angewandte Forschung 1.000 EUR 86.160 66.768 101.122 38.642 62.480 35.647 49.470 17.109 356.276 % 37,2 62,1 50,7 40,5 59,9 52,4 50,3 23,6 45,9 Experimentelle Entwicklung 1.000 EUR 19.105 9.409 25.460 10.408 15.052 6.566 4.439 2.869 67.848 % 8,3 8,7 12,8 10,9 14,5 9,7 4,5 4,0 8,7 Quelle: Statistik Austria – Erhebung über Forschung und experimentelle Entwicklung, Sonderauswertung für Wien 2007. Abbildung 2.1.3 F&E-Ausgaben in 1.000 EUR nach Sektoren und Forschungsarten in Wien 2007 1.600.000 1.400.000 1.200.000 1.000.000 1.053.811 800.000 72.187 600.000 400.000 200.000 369.398 403.659 52.050 Hochschulsektor 9.891 106.333 Sektor Staat 7.311 5.495 1.889 60.692 428.582 Privater gemeinnütziger Sektor Unternehmenssektor Experimentelle Entwicklung  Angewandte Forschung  Grundlagenforschung  Quelle: Statistik Austria – Erhebung über Forschung und experimentelle Entwicklung, Sonderauswertung für Wien 2007. Abbildung 2.1.4 Ausgaben für F&E(%) an den Universitäten in Wien nach Wissenschaftszweigen 2007 35  30  25  20  15  10  5  0  Natur­ wissenschaften Human­ medizin Technische Wissenschaften Sozial­ wissenschaften Geistes­ Land­ u. Forstwirtschaft, wissenschaften Veterinärmedizin Quelle: Statistik Austria – Erhebung über Forschung und experimentelle Entwicklung, Sonderauswertung für Wien 2007. 20 2.2 � Forschung| Entwicklung| Bildung .2 Die Finanzierung und Förderung der Forschung Die Finanzierung und Förderung der Forschung Die Finanzierung der F&E-Ausgaben bezeichnet die Herkunft der Gelder, das sagt aber nicht unbedingt alles darüber aus, in welchem Bereich sie eingesetzt werden. So finanziert sich natürlich jeder Bereich eher selbst, d.h., Gelder aus dem Unternehmenssektor werden zu 92% zur Finanzierung von Forschung in Unternehmen ausgegeben, und auch ein Großteil der aus dem Ausland kommenden Gelder wird im Unternehmenssektor eingesetzt, da es sich dabei meist um Zahlungen von Unternehmenszentralen an die heimischen Konzerntöchter handelt. Der öffentliche Sektor finanziert staatliche Forschungseinrichtungen und vor allem die Universitäten, welche auch einen Großteil der EU-Mittel für sich gewinnen können. Die Entwicklung der letzten Jahre zeigt die immer stärker werdende Bedeutung des Unternehmenssektors für die Forschungsfinanzierung. Insgesamt ist das Volumen aller Forschungsausgaben in Wien von 2,02 Mrd. in Jahr 2002 auf 2,62 Mrd. 2007 gewachsen. Diese Steigerung wurde aber rein vom Unternehmenssektor getragen, in allen anderen Sektoren sind deren Anteile gleich geblieben bzw. im Fall der Finanzierung aus dem Ausland wurden sie geringer. Ein Vergleich zwischen Wien und dem Rest Österreichs zeigt die starke Konzentration des öffentlichen Sektors in Wien. Fast die Hälfte dieser Ausgaben fließt nach Wien, ebenso verhält es sich mit den Geldern aus dem Ausland und von der EU. Das zeigt die starke Internationalisierung des Standortes Wien und die Bedeutung der Stadt als Forschungsmetropole. Allein der Unternehmenssektor ist zu einem deutlich stärkeren Ausmaß in den anderen Bundesländern aktiv. Bezüglich der Finanzierung ist der Unternehmenssektor eindeutig die treibende Kraft. 2007 wurden von Wiener Unternehmen und dem Ausland, worunter hauptsächlich ausländische Konzernzentralen fallen, die Forschung in den österreichischen Tochter- bzw. Partnerunternehmen finanzieren, rund 1,5 Mrd. Euro für Forschung und Entwicklung ausgegeben. Das sind 57% der insgesamt rund 2,6 Mrd. Euro, die in Wien von allen Sektoren zusammen ausgegeben werden. Mit über einer Milliarde Euro wird die Wiener Forschungslandschaft vom Sektor Staat finanziert. Der private gemeinnützige Sektor sowie EU-Förderungen haben zwar in einzelnen Bereichen durchaus ihre Bedeutung, fallen aber gegenüber den großen Finazierungsbereichen wenig ins Gewicht. Forschungsausgaben der Wiener Unternehmen: Wiener Unternehmen und der Bereich Ausland ohne EU haben 2007 1,5 Mrd. Euro für F&E ausgegeben. Das sind 57% der Wiener Forschungsausgaben. Abbildung 2.2.1 Finanzierung der F&E-Ausgaben in Mio. EUR nach Finanzierungsbereichen in Wien und Österreich 2007 3.000 2.500 2.000 1.500 1.000 2.398 500 947 1.213 1.048 Unternehmenssektor Öffentlicher Sektor 14 18 Privater gemein­ nütziger Sektor 575 554 Ausland, internat. Organisationen, ohne EU 50 51 EU Österreich ohne Wien Wien Quelle: Statistik Austria – Erhebung über Forschung und experimentelle Entwicklung, Sonderauswertung für Wien 2007. 2. Forschung und Entwicklung(F&E) 21 2.2 Daten über die Finanzierung der Forschungsausgaben und über die Herkunft der Förderungen stehen prinzipiell aus folgenden Quellen zur Verfügung: • � Erhebung über Forschung und Entwicklung aufgrund der F&E-Statistik-Verordnung 2003. Dabei handelt es sich um eine Vollerhebung, die die Unternehmen und Institutionen – auch die Kleinstunternehmen – zur Teilnahme verpflichtet. Aus ihr stammt ein Großteil der hier verwendeten Daten. • � Europäische Innovationserhebung(CIS 2008). Sie untersucht die Innovationstätigkeit von Unternehmen mit mindestens zehn Beschäftigten – Kleinstunternehmen fallen hier nicht darunter. Da die Wiener Wirtschaftsstruktur von kleinen Unternehmen geprägt ist, die eher dem Dienstleistungsbereich zuzuordnen sind, umfasst die Erhebung nur ca. 10% aller Wiener Unternehmen, in denen aber fast 80% der unselbstständig Beschäftigten arbeiten. Die Teilnahme an der Befragung ist freiwillig, weiters handelt es sich um eine Stichprobenerhebung mit einer für aussagekräftige Bundesländerdaten zu kleinen Stichprobe. • � Statistische Veröffentlichungen der großen österreichischen Förderinstitutionen, wie z. B. der FFG(Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft) oder des FWF(Fonds für wissenschaftliche Forschung). • � Statistische Veröffentlichungen des BMWF über die österreichische Beteiligung am 7. Rahmenprogramm für Forschung und technologische Entwicklung. Erhebung über Forschung und Entwicklung – F&E-Statistik-Verordnung 2003 Grundsätzlich werden Forschung, Entwicklung und Innovation einerseits durch den öffentlichen Sektor(Bund, Länder, Gemeinden) und die Europäische Union finanziert, andererseits – im Unternehmensbereich – aus eigenen Finanzmitteln und von ausländischen Konzernzentralen. Die Finanzierung der österreichischen Hochschulen erfolgt aus Bundesmitteln. Die Basisfinanzierung von Seiten des Bundes ist dabei in den letzten Jahren nur geringfügig gestiegen und wird auf der Grundlage von Leistungsindikatoren vergeben. Das heißt für die Universitäten, dass zunehmend Forschungsförderungen im Wettbewerb mit anderen, z. B. mit außeruniversitären Forschungsinstitutionen, eingeworben werden müssen. So finanzierte der Wiener Hochschulsektor 2007 seine Forschungsausgaben zu 76% aus Bundesmitteln, zu 5% aus Mitteln des Unternehmenssektors, zu 12% aus jenen der Forschungsförderungsgesellschaft, zu 3% aus EUFördertöpfen und zu 1,5% durch Förderungen des Landes Wien. Der Rest der Finanzmittel kommt aus dem Ausland, von internationalen Organisationen und vom privaten gemeinnützigen Sektor. Die Daten in Tabelle 2.2.1 zeigen bei der Forschungsfinanzierung in Wien einen Umstand sehr deutlich auf: Der öffentliche Sektor finanziert in Wien Forschungsausgaben von mehr als 1 Mrd. Euro(40% aller Wiener Forschungsausgaben). 72% der Gelder aus dem öffentlichen Sektor fließen– mit Wien als Österreichs größtem Universitätsstandort – natürlich in den Hochschulsektor. Der Unternehmenssektor liegt mit 36% Anteil an der Finanzierung der Forschungsausgaben an zweiter Stelle. Knapp 2% der Forschungsausgaben in Wien werden durch die EU finanziert. Hervorzuheben ist, dass der Unternehmenssektor die eigenen F&EAktivitäten – inkludiert man den Auslandsanteil – zu über 91% selbst finanziert. 8% der F&E-Ausgaben in Unternehmen werden durch den öffentlichen Sektor finanziert und nur 1% durch die EU. Das Land Wien finanzierte im Jahr 2007 mit 83,5 Mio. Euro ca. 3,2% der Wiener Forschungsausgaben. Der Großteil davon, nämlich 56%, wurde zur Finanzierung von Forschung an den Landeskrankenanstalten verwendet, 18% ergingen an den Sektor Staat 1 (ohne Landeskrankenanstalten), 15% an den Hochschulsektor und 11% an den Unternehmenssektor. In diesen Beträgen sind nicht nur die nicht rückzahlbaren Zuschüsse im Rahmen von Förderprogrammen inkludiert, sondern auch die Entgelte für im öffentlichen Auftrag durchgeführte Forschungsarbeiten. Forschung: In der Erhebung über Forschung und Entwicklung aufgrund der F&E-Statistik-Verordnung 2003 wird unter Forschung und experimenteller Entwicklung(F&E) Folgendes verstanden: Die schöpferische Tätigkeit, welche auf systematische Weise unter Verwendung wissenschaftlicher Methoden mit dem Ziel durchgeführt wird, den Stand des Wissens zu vermehren sowie neue Anwendungen dieses Wissens zu erarbeiten(Grundlagenforschung, angewandte Forschung, experimentelle Entwicklung). Finanzierung der F&E-Ausgaben Wiens: • 40% durch den öffentlichen Sektor • 36% durch Unternehmen • 21% durch das Ausland Forschungsfinanzierung durch die Stadt bzw. das Land Wien: Wien als Stadt und Land finanzierte 2007 83,5 Mio. Euro, das sind 3,2% der Wiener Forschungsausgaben. Davon gingen • 56% an die Landeskrankenanstalten • 18% an den Sektor Staat(ohne Landeskrankenanstalten) • 15% an den Hochschulsektor • 11% an die Unternehmen. 1 Bundesinstitutionen(unter Ausklammerung der im Hochschulsektor zusammengefassten), Landes-, Gemeinde- und Kammerinstitutionen, F&E-Einrichtungen der Sozialversicherungsträger, von der öffentlichen Hand finanzierte und/oder kontrollierte private gemeinnützige Institutionen sowie F&E-Einrichtungen der Ludwig Boltzmann-Gesellschaft; einschließlich Landeskrankenanstalten. Die Landeskrankenanstalten wurden nicht mittels Fragebogenerhebung erfasst, sondern es erfolgte eine Schätzung der F&E-Ausgaben durch Statistik Austria unter Heranziehung der Meldungen der Ämter der Landesregierungen. 22 2.2 Forschung| Entwicklung| Bildung Forschung im Sektor Staat, also in Bundes- und Landesinstitutionen, in F&E-Einrichtungen der Sozialversicherungsträger, der Ludwig Boltzmann-Gesellschaft, der Landeskrankenanstalten und anderen wird zu 78% wiederum vom öffentlichen Sektor finanziert. Der Unternehmenssektor übernimmt aber auch 14% der Finanzierung im Sektor Staat. Nur 5% der Forschung werden im Sektor Staat von der EU finanziert. In Absolutzahlen erhält der Sektor Staat ebensoviele EU-Mittel wie der Unternehmenssektor. Die Forschungsförderungen der Europäischen Union kommen in Wien zu 53% dem Hochschulsektor zugute. Mit jeweils 22% der EUGelder werden in Wien Forschungsausgaben im Sektor Staat und im Unternehmenssektor finanziert. Diese Ergebnisse stimmen auch mit den Zwischenauswertungen zum 7. Rahmenprogramm für Forschung und technologische Entwicklung überein: An den Hochschulsektor in Wien flossen bis dato 41% der Wiener EU-Fördermittel des 7. Rahmenprogramms(Stand 11/2010). Tabelle 2.2.1 Finanzierung der Ausgaben für F&E nach Sektoren in Wien 2007 Finanzierung der Ausgaben für F&E in Wien, 2007 F&E durchgeführt in den Sektoren/Bereichen Anzahl der F&E durchführenden Erhebungseinheiten Unternehmenssektor Öffentlicher Sektor Privater gemeinnütziger Sektor Ausland einschl. internationaler Organisationen (ohne EU) Bund * Länder ** Gemeinden ** Sonstige * Zusammen EU Insgesamt Hochschulsektor Sektor Staat Privater gemeinnütziger Sektor Unternehmenssektor Insgesamt 523 140 21 522 1.206 42.912 31.112 1.612 871.228 946.864 645.414 93.967 472 80.175 820.028 12.883 61.724 203 8.769 83.579 1.000 EUR 433 98.853 757.583 164 12.244 168.099 4 661 1.340 34 32.308 121.286 635 144.066 1.048.308 5.666 2.149 10.106 237 18.158 12.290 2.442 92 539.157 553.981 26.793 11.170 1.545 11.177 50.685 845.244 214.972 14.695 1.543.085 2.617.996 * Die Mittel der Forschungsförderungsfonds sowie die F&E-Finanzierung durch den Hochschulsektor sind in„Sonstige“ enthalten. ** Länder einschließlich Wien. Gemeinden ohne Wien. Quelle: Statistik Austria – Erhebung über Forschung und experimentelle Entwicklung, Sonderauswertung für Wien 2007. Die Innovationserhebung CIS 2008 Die bisher genannten Zahlen zur F&E-Finanzierung sind der Sonderauswertung Wien der Erhebung über Forschung und Entwicklung über das Berichtsjahr 2007 aufgrund der F&E-Statistik-Verordnung 2003 entnommen. Eine weitere Quelle ist die 6. Europäische Innovationserhebung(CIS 2008), die im Zeitraum 2006 bis 2008 bei österreichischen Unternehmen durchgeführt wurde. Eine Sonderauswertung für Wien liegt hier nicht vor, weswegen die aufgrund von Daten aus der CIS 2008 getätigten Aussagen für ganz Österreich gelten. Betont werden muss auch, dass es sich hier nicht um eine freiwillige Stichprobenerhebung handelt. Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten waren von der Erhebung gänzlich ausgenommen. Außerdem liegt der Fokus auf Innovationen, die zwar mit Forschung und experimenteller Entwicklung(F&E) verbunden sind, aber weit darüber hinausgehen. Erstmals wurde die CIS-Erhebung auf Basis der neuen ÖNACE 2008-Klassifikation durchgeführt, die nun Aussagen in den großen Sektoren der Wirtschaft erlaubt. Grundsätzlich hat sich der Anteil der österreichischen Unternehmen, die zwischen 2006 und 2008 Produkt- und Prozessinnovationen eingeführt haben, im Vergleich zur Erhebung CIS 2006, um 15% reduziert 1 . Allerdings liegt Österreich mit 56% Anteil der Unternehmen mit Innovationsaktivitäten an allen österreichischen Unternehmen über dem EU-27-Durchschnitt von 52%. Spitzenreiter im europäischen Ranking ist hier Deutschland mit 80% Anteil der Unternehmen mit Innovationsaktivitäten an allen deutschen Unternehmen. Wie bei allen(internationalen) Vergleichen muss man auch bei der CIS mit bedenken, dass die Ergebnisse der Erhebung auf der Selbsteinschätzung der Auskunft gebenden Person im Unternehmen beruhen. Da die Definition und Abgrenzung von Innovation nicht gerade einfach ist, müssen diese Effekte bei der Interpretation der Ergebnisse neben kulturellen Unterschieden in den verschiedenen Ländern berücksichtigt werden. Laut CIS 2008 Erhebung haben von den 6.744 Unternehmen, die in den Jahren 2006-2008 technologisch innovationsaktiv 2 waren, etwa 40% öffentliche Förderungen erhalten. Dieser Anteil ist bei Unternehmen mit 250 und mehr Beschäftigten höher(60%) als bei jenen mit 50 bis 249 Beschäftigten(48%) und mit 10 bis 49 Beschäftigten(34%). Das heißt, dass Förderungen von Innovationen anteilsmäßig hauptsächlich an Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten fließen. Lokale Akteure wie Länder und Gemeinden be1 Innovation. Statistik Austria: Ergebnisse der Sechsten Europäischen Innovationserhebung(CIS 2008). 2 Zu technischen Innovationen zählen Produkt- und/oder Prozessinnovationen und/oder laufende, noch nicht abgeschlossene und/oder abgebrochene Innovationsaktivitäten. 2. Forschung und Entwicklung(F&E) 23 2.2 mühen sich aber offensichtlich sehr, Förderungen an alle Betriebsgrößen relativ gleichmäßig fließen zu lassen. EU-Förderungen sind für innovative kleine Betriebe mit weniger als 49 Beschäftigten nur eine sehr nachrangige Option. Bundesförderungen bzw. jene von Fördereinrichtungen des Bundes(z. B. Forschungsförderungsgesellschaft) spielen dagegen für alle Betriebsgrößen die wichtigste Rolle bei der Lukrierung öffentlicher Förderungen für Produkt- oder Prozessinnovationen. Von den 6.744 hochgerechneten Unternehmen mit technologischen Innovationen erhielten 31% Förderungen vom Bund, 22% Förderungen von Ländern und Gemeinden und 9% von der Europäischen Union. Zu beachten ist dabei, dass ein Unternehmen Förderungen aus mehreren Fördertöpfen erhalten kann. Innerhalb der Wirtschaftszweige nach der ÖNACE 2008-Gliederung sind die Anteile der Förderungen allerdings sehr unterschiedlich verteilt. Bundesförderungen an innovative Unternehmen werden prozentuell über alle Wirtschaftszweige ziemlich gleichmäßig verteilt. Eine Ausnahme bildet allerdings der Dienstleistungssektor, der anteilsmäßig mit 17% nicht einmal die Hälfte der anderen Sektoren an Förderung vom Bund erhielt. Länder und Gemeinden engagieren sich sehr stark bei Förderungen von Unternehmen, die Waren produzieren sowie von Unternehmen im Bereich der Daseinsvorsorge(Wasserund Abwasserversorgung, Abfallentsorgung etc.). Auch die Europäische Union fördert nur 5% innovative Unternehmen im Dienstleistungssektor, Betriebe in der Energieversorgung und im Sektor Herstellung von Waren aber mehr als doppelt so häufig. Innovation: In der Europäischen Innovationserhebung(CIS 2008) wird mit dem Begriff„Innovation“ hantiert. Es werden hier unterschieden • Produktinnovation: Markteinführung einer neuen merklich verbesserten Ware oder Dienstleistung. Die Innovation muss neu für das Unternehmen sein, es muss nicht eine Marktneuheit sein. � • Prozessinnovation: Einführung einer neuen oder merklich verbesserten Fertigungsverfahrenstechnik oder eines neuen oder merklich verbesserten Verfahrens zur Erbringung einer Dienstleistung oder zum Vertrieb von Produkten. Die Innovation muss neu für das Unternehmen sein, es muss nicht eine Marktneuheit sein. � • Organisatorische Innovation: Neue organisatorische Methoden in der Geschäftspraxis, in der Arbeitsorganisation oder in den externen Beziehungen. Fusionen und Firmenübernahmen sind keine organisatorische Innovation. � • Marketinginnovation: Einführung eines neuen Marketingkonzeptes oder einer neuen Marketingstrategie. � Förderung von Dienstleistungssektor u. Sachgütererzeugung: Innovative Betriebe im Dienstleistungssektor werden am seltensten gefördert: • 53% der innovativen Unternehmen in der Sachgütererzeugung, aber nur • 26% der innovativen Unternehmen im Dienstleistungssektor erhalten öffentliche Förderungen � Abbildung 2.2.2 Herkunft öffentlicher Förderungen für technologische Innovationen nach Beschäftigungsgrößenklassen in%, 2006–2008 60 50 Abbildung 2.2.3 Herkunft öffentlicher Förderungen für technologische Innovationen nach Wirtschaftszweigen in%, 2006–2008 60 Mehrfachnennungen sind möglich, da ein Unternehmen Förderungen aus verschiedenen Töpfen beziehen kann. � 50 40 40 30 30 20 20 10 10 Bund 10–49 Beschäftigte  50–249 Beschäftigte  250 und mehr Beschäftigte  Länder, Gemeinden Europäische Union Quelle: Statistik Austria, Europäische Innovationserhebung(Community Innovation Survey CIS 2008). Bund Länder, Gemeinden Europäische Union Dienstleistungen n=3.178 Wasserversorgung, Abwasser­ und Abfallentsorgung und Beseitigung  von Umweltverschmutzungen n=80  Energieversorgung n=58  Herstellung von Waren n=3.380  Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden n=48 Quelle: Statistik Austria, Europäische Innovationserhebung(Community Innovation Survey CIS 2008). 24 2.2 Forschung| Entwicklung| Bildung Förderungen ausgewählter F&E-Förderungsinstitutionen � Bundesförderungen für wirtschaftsnahe Forschung in Österreich werden durch die 2004 gegründete Forschungsförderungsgesellschaft FFG vergeben. 2010 hat die FFG rund 3.000 Projekte unterstützt und mehr als 400 Mio. Euro an Fördergeldern zur Auszahlung gebracht. Inhaltlich ging es dabei um Förderungen in Form vom Innovationsscheck über das Kompetenzzentren-Programm COMET bis hin zu thematischen Programmen im Bereich Energie, Genomforschung oder auch Life Sciences. Die FFG bezieht ihre zu vergebenden Finanzmittel im Wesentlichen von BMVIT und BMWF, vom Klima- und Energiefonds, aus der Nationalstiftung sowie aus Haftungen. Rund zwei Drittel der FFG-Förderungen gehen an Unternehmen, etwa ein Fünftel an Forschungseinrichtungen und rund 12% an Hochschulinstitute 1 . Die drei Bundesländer Steiermark, Oberösterreich und Wien sind bereits mehrere Jahre jene Länder, in die die meisten FFG-Förderungen flossen. Der Anteil an der Gesamtförderung schwankt allerdings leicht: In diese drei Bundesländer flossen 2008 77%, 2009 noch 75% der FFG-Fördergelder, 2007 waren es 71%. 2010 verringerte sich der Anteil mit 70% allerdings wieder in etwa auf das Niveau von 2007. Von 2009 auf 2010 hielt Wien den Anteil an der Gesamtförderung gleich, der Steiermark gelang ein Plus von 2,3 Prozentpunkten und Oberösterreich musste ein Minus von 8,1 Prozentpunkten hinnehmen. Der anteilsmäßige Gewinner bei der Gesamtförderung von 2009 auf 2010 war allerdings Niederösterreich mit einem Plus von 3,6 Prozentpunkten. Die Anzahl der Beteiligungen konnte von Wien von 2009 auf 2010 um 2 Prozentpunkte gesteigert werden, in Oberösterreich und der Steiermark verringerte sich die Anzahl der Beteiligungen um 1 Prozentpunkt. Der Fonds für wissenschaftliche Forschung FWF ist Österreichs zentrale Einrichtung zur Förderung der Grundlagenforschung. Er vergibt auch den renommierten START-Preis(1,2 Mio. Euro auf sechs Jahre) und den Wittgensteinpreis(1,5 Mio. Euro auf fünf Jahre), der oft auch als„österreichischer Nobelpreis“ bezeichnet wird. Für die Grundlagenforschung war das Jahr 2009 allerdings kein gutes Jahr: Das Gesamtbewilligungsvolumen betrug 147,6 Mio. Euro und somit um 16% weniger als im Jahr 2008. 2010 stieg allerdings das Bewilligungsvolumen gegenüber dem Vorjahr um rund 24 Mio. Euro und lag damit nur 4 Mio. Euro unter dem Jahr 2008. FFG(Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft): Die FFG ist die nationale Förderstelle für wirtschaftsnahe Forschung in Österreich. Sie wurde 2004 gegründet und steht zu 100% im Eigentum der Republik Österreich. Träger der FFG sind das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie(BMVIT) und das Bundesministerium für Wirtschaft, Familien und Jugend(BMWFJ). Als Anbieter von Förderungsdienstleistungen ist die FFG aber auch im Auftrag anderer nationaler und internationaler Institutionen tätig. www.ffg.at FFG-Förderungen 2010: • Wien hat mit fast 35% den höchsten Anteil an Beteiligungen • Wien hält mit 25% Anteil an den Gesamtförderungen Platz 2 • Platz 1 bei Gesamtförderungen belegt die Steiermark mit 26% Anteil Tabelle 2.2.2 Anteile der Bundesländer in% an der FFG-Förderung 2007–2010 2007 2008 2009 2010 Bundesländer bzw. Ausland Anteil a. d. Gesamtförderung * (400,5 Mio. EUR) Anteil am Barwert ** (249 Mio. EUR) Anteil a. d. Beteiligungen (n=2.703) Anteil a. d. Gesamtförderung (545 Mio. EUR) Anteil am Barwert ** (421 Mio. EUR) Anteil an den Beteiligungen (n=5.088) Anteil a. d. Gesamtförderung * (504 Mio. EUR) Anteil am Barwert ** (368 Mio. EUR) Anteil a. d. Beteiligungen (n=5.220) Anteil a. d. Gesamtförderung * (552 Mio. EUR) Anteil am Barwert ** (429 Mio. EUR) Anteil a. d. Beteiligungen (n=5.545) Ausland Burgenland Kärntnen Niederösterreich Oberösterreich Salzburg Steiermark Tirol Vorarlberg Wien 001005 112112 975665 7 8 10 6 6 8 22 19 17 25 23 18 446224 25 25 20 30 32 21 555555 333322 24 28 31 22 23 30 * inkl. Haftungen und Darlehen ** Der Barwert entspricht jenem Betrag, der entsprechend EU-Formel tatsächlich den Firmen als Förderung verbleibt. Einzelprojektförderungen bestehen nämlich im Regelfall aus einem Zuschuss, einem Darlehen und einer Haftung. 1 1 4 8 26 4 24 5 2 25 1 Zahlen, Daten, Fakten 2010. FFG, Wien 2011 12014 11111 55544 8 11 12 13 11 21 16 18 15 14 35445 26 20 26 27 19 55555 23443 28 33 25 28 35 Quelle: Jahrespressekonferenz der FFG 2007, März 2008, FFG: Zahlen, Daten, Fakten 2008–2010. 2. Forschung und Entwicklung(F&E) 25 2.2 Bundesländer wie Wien – mit vielen Universitäten – haben bei FWFFörderungen einen nur schwer auszugleichenden Wettbewerbsvorteil. Dass Wien 2008 erstmals die 100-Millionen- Euro-Grenze an bewilligten Förderungen überschritten hat, ist allerdings erwähnenswert. Auch 2010 war dies wieder der Fall. Damit fließen in die Wiener Grundlagenforschung 59% der FWF-Mittel des Jahres 2010. Den zweiten Platz bei den FWF-Förderungen belegt Tirol(15%), den dritten Platz die Steiermark(13%). Gliedert man die Gesamtbewilligungssumme 2010, also 171,9 Mio. Euro, nach Forschungsstätten auf, so war die Universität Wien mit 38,3 Mio. Euro(22%) am erfolgreichsten. Danach folgen die Technische Universität Wien mit 19,5 Mio. Euro(11%) und die Medizinische Universität Wien mit 15,2 Mio. Euro(8,8%). Etwa 70 Mio. Euro der FWF-Förderungen flossen 2010 in den Bereich Life Sciences, was 40% der Gesamtförderungen ausmacht. Der Großteil der Förderungen im Life Sciences Bereich wurde für Grundlagenforschung in Biologie, Botanik und Zoologie verwendet. Fast gleich viel Fördervolumen – nämlich 68 Mio. Euro – ging in die naturwissenschaftlich-technische Grundlagenforschung. Hier vor allem in die Wissensgebiete Mathematik und Informatik bzw. Physik, Mechanik und Astronomie. Für Grundlagenforschung in den Geistes- und Sozialwissenschaften wurden 33,6 Mio. Euro an Förderungen ausgeschüttet, also ca. 20% der gesamten Förderbudgets von 2010. 8 Mio. Euro davon gingen in die Historischen Wissenschaften, der Rest relativ gleichmäßig verteilt an die anderen Fachgebiete der Geistes- und Sozialwissenschaften. Christian Doppler-Labors(CD-Labors) werden an Universitäten oder außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Zusammenarbeit mit Partnerinnen und Partnern aus der Wirtschaft für höchstens sieben Jahre eingerichtet. Seit der Gründung der Christian Doppler Forschungsgesellschaft im Jahr 1989 wurden insgesamt 104 CD-Labors, 41 davon in Wien, finanziert. Die Steiermark ist auch bei der Einrichtung von bisher 35 CD-Labors an vorderster Stelle dabei, gefolgt von Oberösterreich mit bisher 14 CD-Labors. Derzeit gibt es in Österreich 52 aktive CD-Labors, davon allein in Wien 22. Der Rest der CD-Labors ist bereits ausgelaufen. Die Technische Universität Wien und die Technische Universität Graz sind mit jeweils 19 jene Universitäten mit den meisten bisher geförderten CD-Labors. FWF(Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung): Der FWF ist Österreichs zentrale Einrichtung zur Förderung der Grundlagenforschung. Der FWF fördert Spitzenforschung durch Einzelprojektförderungen, Auszeichnungen und Preise, Spezialforschungsbereiche, � Doktoratsprogramme, Stipendien zur Förderung der internationalen Mobilität, Karriereentwicklung für Wissenschafterinnen u. v. m. � www.fwf.ac.at Christian Doppler Forschungsgesellschaft(CDG): Die CDG ist Österreichs traditionsreichstes Verbindungsglied zwischen Wirtschaft und Wissenschaft. Sie agiert durch die Förderung anwendungsorientierter Grundlagenforschung als Schnittstelle von Wirtschaft und Wissenschaft. Die Forschung wird an sogenannten Christian Doppler Labors(CD-Labors) durchgeführt, die zu 50% von der Wirtschaft und zu 50% von der öffentlichen Hand(Bundesministerium für Wirtschaft, � Familie und Jugend sowie der Österreichischen Nationalstiftung für Forschung, Technologie und Entwicklung) gefördert werden. CD-Labors werden an Universitäten oder außeruniversitären Forschungsinstitutionen auf maximal sieben Jahre eingerichtet, wobei der Unternehmenspartner das Forschungsthema vorgibt. www.cdg.ac.at � Tabelle 2.2.3 FWF-Förderung in Mio. EUR nach Bundesländern 2007–2010 Bundesländer Burgenland Kärnten Niederösterreich Oberösterreich Salzburg Steiermark Tirol Vorarlberg Wien k.A./Ausland Insgesamt 2007 0,00 0,63 1,71 11,92 8,78 19,94 25,41 0,01 93,95 0,98 163,3 2008 0,00 1,27 2,88 8,09 8,83 26,29 24,87 0,42 100,45 2,96 176,06 2009 0,0 0,4 0,7 7,9 4,9 18,2 18,6 0,0 95,0 1,9 147,6 2010 0,0 0,9 1,8 7,2 10,1 23,0 26,4 0,4 101,0 1,1 171,9 Quelle: FWF: Statistik 2007, Statistics Booklet 2008 und 2009, Jahresbericht 2010. 26 2.2 � Forschung| Entwicklung| Bildung 7. Rahmenprogramm für Forschung, technologische Entwicklung und Demonstration Die wichtigsten Instrumente der Europäischen Union zur Umsetzung der gemeinsamen Forschungs- und Technologiepolitik sind seit 1984 die EU-Rahmenprogramme für Forschung, technologische Entwicklung und Demonstration. Das derzeit 7. EU-Rahmenprogramm läuft von 2007 bis 2013 und hat ein Gesamtbudget von 50,5 Mrd. Euro zur Verfügung. Eine Auswertung im Mai 2011 – also nach etwa zwei Drittel der Laufzeit des 7. Rahmenprogrammes – umfasst 212 Ausschreibungen mit einem Budget von mehr als 20 Mrd. Euro. Österreichweit gibt es mit Zwischenstand Mai 2011 1.711 1 bewilligte Beteiligungen, mehr als die Hälfte davon(52%) entfällt auf Wiener Forschungseinrichtungen und forschende Unternehmen. An zweiter Stelle folgt die Steiermark mit 16%. Es gibt allerdings starke Schwankungen der Bewilligungsquoten der vier Säulen:„Menschen“ hat eine Bewilligungsquote von 27%, das heißt, etwa jedes vierte Projekt wird gefördert. Unter„Ideen“ wird nur jedes 10. Projekt gefördert und unter„Zusammenarbeit“ jedes 6. Projekt. Die meisten bewilligten österreichischen Beteiligungen kommen aus den Programmen Informations- und Kommunikationstechnologien (364), Gesundheit(179),Verkehr einschließlich Luftfahrt(138) und Umwelt inkl. Klimaforschung(129). In Summe kommen derzeit 69% aller bewilligten österreichischen Beteiligungen des 7. Rahmenprogrammes aus diesen vier Programmen, diese sind Teile des spezifischen Programmes„Zusammenarbeit“. 267 bewilligte Beteiligungen gibt es für Österreich in der Säule„Menschen“, die 15% aller österreichischen Beteiligungen ausmachen. 61% der bewilligten österreichischen Beteiligungen kommen aus universitären und außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Als größter österreichischer Universitätsstandort liegt Wien hier mit 552 Beteiligungen von österreichweit 1.034 an der Spitze. Im außeruniversitären Forschungsbereich können aber auch Bundesländer mit nur kleinen Universitätsstandorten punkten: NÖ kann hier 58 Beteiligungen vorweisen, die bis dato 45% der gesamten NÖ Fördermittel im 7. Rahmenprogramm lukrieren konnten. Doch auch in diesem Bereich liegt Wien mit 216 Beteiligungen weit voran. Zwei Wiener Universitäten belegen die ersten beiden Plätze bei der Anzahl an Beteiligungen: die TU Wien und die Universität Wien. Den dritten Platz belegt die TU Graz – womit sich bei der Reihung der drei Ersten im Vergleich zum 6. Rahmenprogramm nichts verändert hat. Die erfolgreichste außeruniversitäre Forschungseinrichtung ist das AIT 2 (Austrian Institute of Technology), das erfolgreichste Großunternehmen die AVL List GmbH Graz(Anstalt für Verbrennungskraftmaschinen) und das erfolgreichste Unternehmen aus dem KMU-Bereich ist die Firma Technikon Forschungs- und Planungsgesellschaft mbH Villach. Jene Institutionen, die in der Tabelle W19 in die„Restliche Kategorie“ fallen(u. a. Museen, EU-Institutionen, Vereine, ConsulterInnen) haben in Wien in Summe mehr erfolgreiche Beteiligungen an EUProjekten, als Großunternehmen und KMUs gemeinsam. Bewilligte Beteiligungen: 52% aller österreichischen bewilligten Beteiligungen kommen – nach zwei Drittel Laufzeit des 7. Rahmenprogrammes – aus Wien. Anzahl der Beteiligungen im 7. Rahmenprogramm in Wien: • Universitäten: 336 • außeruniversitäre Forschungseinrichtungen: 216 • KMUs: 117 • Großunternehmen: 40 Universitätsranking bei Beteiligungen im 7. Rahmenprogramm: 1. TU Wien 2. Universität Wien 3. TU Graz Abbildung 2.2.4 7. Rahmenprogramm – die vier wesentlichen Säulen Zusammenarbeit Gesundheit Lebensmittel, Landwirtschaft und Biotechnologie Informations- und Kommunikationstechnologien Nanowissenschaften, Nanotechnologien, Werkstoffe und neue Produktionstechnologien Energie Umwelt(einschließlich Klimawandel) Verkehr(einschließlich Luftfahrt) Sozial-, Wirtschafts- und Geisteswissenschaften Weltraum Sicherheit Ideen Pionierforschung Förderung der ForscherInnen-Mobilität und Erweiterung der Karriereperspektiven Menschen Kapazitäten Forschungsinfrastrukturen Forschung zugunsten von Kleinen und Mittleren Unternehmen(KMU) Wissensorientierte Regionen Forschungspotenzial Wissenschaft in der Gesellschaft Kohärente Entwicklung von Forschungspolitiken Internationale Zusammenarbeit Quelle: FFG, http://rp7.ffg.at/rp7_struktur 1 1.703 Projekte konnten eindeutig den jeweiligen Bundesländern zugewiesen werden, acht österreichische Beteiligungen konnten keinem Bundesland zugeordnet werden. 2 Frühere Austrian Research Centers(ARC), ursprünglich Forschungszentrum Seibersdorf. 2. Forschung und Entwicklung(F&E) 27 2.2 Tabelle 2.2.4 7. Rahmenprogramm: Bewilligte österreichische Beteiligungen nach Bundesland Bundesländer Burgenland Kärnten NÖ OÖ Salzburg Steiermark Tirol Vorarlberg Wien Summe pro Programm Spezifisches Programm Spezifisches Programm Spezifisches Programm Spezifisches Programm „Zusammenarbeit“„Ideen“„Menschen“„Kapazitäten“ 5 42 119 62 47 217 80 11 584 1.167 000 1 1 12 6 16 11 1 22 32 098 1 24 36 6 26 17 036 32 135 131 47 236 253 Summe Bundesländer 5 56 152 117 64 278 129 20 882 1.703 Anteil an den Beteiligungen Österreichs 0% 3% 9% 7% 4% 16% 8% 1% 52% 100% Quelle: PROVISO-Überblicksbericht 7.RP – Bundesländer(Datenstand 05/2011) Tabelle 2.2.5 7. Rahmenprogramm: Bewilligte österreichische Beteiligungen nach Bundesland und Organisationskategorie Bundesländer Burgenland Kärnten NÖ OÖ Salzburg Steiermark Tirol Vorarlberg Wien Summe Organisationskategorie Anteile in% Universitäten und Hochschulen 0 18 15 45 37 129 88 5 336 673 40% Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen 0 3 58 16 10 57 1 0 216 361 21% Großunternehmen Kleine und mittlere Unternehmen 05 12 21 11 28 17 28 38 38 46 3 33 77 40 117 131 293 8% 17% Restliche Kategorien 0 2 40 11 6 8 4 1 173 245 14% Summe Bundesländer 5 56 152 117 64 278 129 20 882 1.703 100% Quelle: PROVISO-Überblicksbericht 7.RP – Bundesländer(Datenstand 05/2011) Tabelle 2.2.6 7. Rahmenprogramm: Anteile der Förderungen nach Bundesland und Organisationskategorie in% Bundesländer Burgenland Kärnten NÖ OÖ Salzburg Steiermark Tirol Vorarlberg Wien Universitäten und Hochschulen – 34,0 15,0 34,0 54,0 50,0 77,0 31,0 42,0 Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen – 4,0 45,0 17,0 26,0 20,0 1,0 – 30,0 Großunternehmen Kleine und mittlere Unternehmen – 100,0 23,0 36,9 4,0 11,0 18,0 26,0 9,0 7,0 17,0 11,0 1,0 20,0 26,0 43,0 3,2 12,0 Restliche Kategorien – 2,0 25,0 5,1 4,0 2,0 1,0 – 13,1 Anteil an der Gesamtförderung Österreichs 0,2 3,4 9,7 5,3 3,6 19,0 9,1 0,6 48,6 Förderung in Mio. EUR 1,2 18,7 54,0 29,7 19,8 105,8 50,8 3,5 270,2 Quelle: PROVISO-Überblicksbericht 7. RP – Bundesländer(Datenstand 05/2011) 28 2.2 Forschung| Entwicklung| Bildung Wien hat 52% der österreichischen Beteiligungen am 7. Rahmenprogramm, das macht anteilsmäßig 49% der Förderungen, also der Mittelflüsse, aus. Dieses Verhältnis kehrt sich bei der Steiermark um: Dieses Bundesland hält 16% der österreichischen Beteiligungen und holt im Gegenzug 19% der Förderungen. Für Großunternehmen hat das 7. Rahmenprogramm eine eher geringe Bedeutung. Diese haben den geringsten Anteil aller Kategorien am Wiener EU-Fördermittelrückfluss. Da in Wien bloß 40 Beteiligungen von Großunternehmen vorliegen(das sind 4,5% der Wiener Beteiligungen), fließen hier auch nur 3% des Wiener Anteiles der Förderungen. Allerdings lag schon im 6. Rahmenprogramm der Anteil der Wiener Großunternehmen an den erfolgreichen Wiener Beteiligungen bei 4%. Österreichweit betrachtet kamen die Großunternehmen im 6. Rahmenprogramm auf 8,5% der bewilligten Beteiligungen. In Wien beteiligen sich viele Universitäten, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, KMUs und restliche Kategorien am 7. Rahmenprogramm, was den Anteil der Großunternehmen geringer aussehen lässt, weil Wiener Einrichtungen in den anderen Kategorien sehr breit gefächert Förderungen lukrieren können. Die Bundesländer Wien, Steiermark, Niederösterreich, Tirol, Kärnten und Salzburg konnten bisher im 7. Rahmenprogramm(das mit Ende 2010 vier Jahre lief) bereits mehr Fördermittel lukrieren, als im gesamten 6. Rahmenprogramm mit einer Gesamtlaufzeit von vier Jahren. Dies ist umso bemerkenswerter, als mit Stand November 2010 erst 44,7% des im 7. Rahmenprogramm vorhandenen Budgets der Säulen„Zusammenarbeit“,„Ideen“,„Menschen“ und„Kapazitäten“ vergeben war. Diese bewilligten Beteiligungen sind unter folgenden Rahmenbedingungen entstanden: Der Anteil österreichischer Beteiligungen an den bewilligten Beteiligungen der EU-27 liegt derzeit bei 2,9%. Er ist damit deutlich höher als der österreichische RSE-Anteil(Researchers, Scientists, Engineers- Vollzeitäquivalent) an dem RSE-Gesamtwert der EU-27-Länder von 2,3%. Kurz gesagt würde das Folgendes bedeuten: relativ weniger ForscherInnen haben relativ mehr bewilligte Beteiligungen zu Stande gebracht. Dies ist bisher auch Italien, Niederlande, Belgien, Griechenland und Irland gelungen. Ein umgekehrtes Verhältnis – also anteilsmäßig mehr ForscherInnen haben anteilsmäßig weniger bewilligte Beteiligungen erwirkt – liegt in den Ländern Deutschland, Frankreich, Polen, Finnland, Tschechien, Rumänien und der Slowakei vor. Ein ausgewogenes Verhältnis(also der Anteil der bewilligten Beteiligungen eines Landes an allen bewilligten Beteiligungen und RSEAnteil sind etwa gleich hoch) findet sich z. B. in Großbritannien, Spanien, Schweden und Dänemark. Bei der Anzahl der Beteiligungen konnten im Vergleich zum 6. Rahmenprogramm bisher nur die Bundesländer Kärnten und Salzburg einen höheren Wert erzielen. Vergleicht man die Summe der Österreichischen Beteiligungen des 6. Rahmenprogrammes(1.920) und des bisherigen 7. Rahmenprogrammes(1.711) und die bewilligten Förderungen(6. Rahmenprogramm für Österreich 424,4 Mio. Euro, 7. Rahmenprogramm für Österreich bisher 556 Mio. Euro) so ergibt sich, dass zwar die Anzahl der Beteiligungen derzeit noch nicht erreicht wurde, dass aber bereits jetzt die Höhe der Förderungen überschritten werden konnte. Ein weiterer Indikator für den Erfolg ist die Anzahl der Koordinatorinnen und Koordinatoren. Von den 212 bewilligten Koordinatorinnen und Koordinatoren in Österreich kommen 109 aus Wien. Am häufigsten übernimmt derzeit das AIT(ARCS, Arsenal) die Projektkoordination(13 Projekte), gefolgt von der Medizinischen Universität Wien, der TU Wien und der TU Graz mit jeweils elf Projekten. Gemessen am österreichischen Beitrag zum EU-Haushalt beträgt daher aus heutiger Sicht die Rückflussquote im 7. Rahmenprogramm 125%(6. Rahmenprogramm 117%, 5. Rahmenprogramm 104%). Tabelle 2.2.7 6. und 7. Rahmenprogramm(Stand 5/2011): � Förderungen in Mio. EUR � Bundesländer Burgenland Kärnten Niederösterreich Oberösterreich Salzburg Steiermark Tirol Vorarlberg Wien k.A. Summe 6. Rahmenprogramm 2003–2006 2,6 8,3 36,8 36,8 13,4 86,7 35,7 3,3 200,8 0,0 424,4 7. Rahmenprogramm 2007–2013 1,2 18,7 54,0 29,7 19,8 105,8 50,8 3,5 270,2 0,0 553,7 Quelle: PROVISO-Abschlussbericht 6. EU-Rahmenprogramm(11/2009), PROVISO-Überblicksbericht 7. RP – Bundesländer(Datenstand 5/2011) Tabelle 2.2.8 5., 6. und 7. Rahmenprogramm(Stand 5/2011): Bewilligte Beteiligungen in Österreich Bundesländer Burgenland Kärnten Niederösterreich Oberösterreich Salzburg Steiermark Tirol Vorarlberg Wien k. A. Summen 5. Rahmenprogramm 9 31 130 160 62 339 157 25 848 42 1.803 6. Rahmenprogramm 14 34 168 179 58 313 145 23 986 0 1.920 7. Rahmenprogramm 5 56 152 117 64 278 129 20 882 8 1.711 Quelle: 5. EU-Rahmenprogramm: Beteiligung und Erfolge der Bundesländer im Rahmenprogramm(Stand 2003), PROVISO-Abschlussbericht 6. EU-Rahmenprogramm(11/2009), PROVISO-Überblicksbericht 7. RP – Bundesländer(Datenstand 5/2011). .3 Personal und Beschäftigung in F&E 2. Forschung und Entwicklung(F&E) 29 2.3 Personal und Beschäftigung in F&E Der Hauptstadteffekt in Wien, Vergleiche mit den Bundesländern Die wirtschaftliche Struktur, der Arbeitsmarkt und die schulische Ausbildungssituation in Wien lassen sich auf Grund der Sonderstellung Wiens als einzige Großstadt Österreichs nicht eins zu eins mit den anderen österreichischen Bundesländern vergleichen. So ist die Wiener Wirtschaft seit Mitte der 90er Jahre mit einem ausgeprägten Deindustrialisierungsprozess konfrontiert 1 der bewirkt, dass ein Strukturwandel von der Sachgütererzeugung hin zum tertiären Sektor(Handel, Tourismus, Wirtschaftsdienstleistungen) zu verzeichnen ist. Wesentliche Unterscheidungsmerkmale des Wiener Arbeitsmarktes zu jenem der Bundesländer sind der hohe Anteil an ArbeitspendlerInnen, die große Bedeutung des öffentlichen Dienstes und der hohe Anteil an Personen mit Migrationshintergrund. So weisen 38,2% aller Wienerinnen und Wiener einen Migrationshintergrund 2 auf, der Österreichschnitt beträgt 18,6%. Der„Hauptstadteffekt“ zeigt sich auch in der Tatsache, dass Wien Standort von neun Universitäten, fünf Privatuniversitäten und sechs Fachhochschulen ist. Aber auch der außeruniversitäre Sektor ist für österreichische Verhältnisse in Wien stark präsent: Österreichische Akademie der Wissenschaften, AIT(Austrian Institute of Technology), Ludwig Boltzmann-Gesellschaft, Kompetenzzentren und viele außeruniversitäre Forschungsinstitute im Bereich der Life Sciences, Umwelt und Energie sowie Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften bereichern den Standort 3 . Die Wiener Unternehmen – vor allem die großen Unternehmen – tragen wesentlich zum Erfolg des Forschungsstandortes bei: Der Anteil der F&E-Ausgaben der Wiener„Top 10“ Unternehmen an den gesamten F&E-Ausgaben(Forschungskonzentration) im Wiener Unternehmenssektor betrug 2007 60%(etwa 930 Mio. Euro von 1,540 Mrd. Euro). Gesamtösterreichisch betrachtet beträgt der Anteil der„Top 10“ Unternehmen 19%(etwa 930 Mio. Euro von 4,850 Mrd. Euro). Alle Akteurinnen und Akteure gemeinsam tragen dazu bei, dass sich 30%, also 1.206 der 4.009 F&E-durchführenden Erhebungseinheiten Österreichs in Wien befinden. Auf den zweiten und dritten Plätzen folgen die Steiermark(719 F&E-durchführende Erhebungseinheiten) und Oberösterreich(710 F&E-durchführende Erhebungseinheiten). In diesen drei Bundesländern gemeinsam befinden sich zwei Drittel, das sind 2.635, der österreichischen forschenden Einrichtungen. Beachtlich war auch die Steigerung der Wiener F&E-durchführenden Erhebungseinheiten im Zeitraum 2004 bis 2007 um 20%. In absoluten Zahlen heißt das, dass innerhalb von 3 Jahren 200 Unternehmen bzw. Institutionen mehr in der Forschung tätig wurden 4 . Dieses wissensintensive Umfeld macht Wien zu einem idealen Betätigungsort für Forscherinnen und Forscher im Hochschulbereich, außeruniversitären und unternehmerischen Sektor. Vom Standpunkt der Wettbewerbsfähigkeit aus betrachtet, ist die Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte essentiell, da die Spezialisierung auf eher wissensintensive Produktions- und Dienstleistungsaktivitäten notwendig ist, um den Nachteil höherer Standortkosten in vielen Bereichen zu kompensieren 5 . Diese genannten Rahmenbedingungen bewirken, dass von den 53.252 Beschäftigten(in Vollzeitäquivalenten,VZÄ) in der Forschung in Österreich im Jahr 2007 20.452 in Wien tätig waren, das sind 38%. Im Österreichschnitt war in der F&E-Beschäftigung von 2004 auf 2007 eine Steigerung um 24% zu verzeichnen, für Wien fiel die Steigerung geringer aus: Hier waren es 18%. In diesem Zeitraum konnten die Bundesländer Oberösterreich, Niederösterreich und Kärnten – allerdings von deutlich geringerem Niveau aus als Wien – Spitzenwerte beim relativen Zuwachs verbuchen: zwischen 33% in Kärnten und fast 38% in Niederösterreich fielen die Steigerungsraten bei den Beschäftigten aus. Immer berücksichtigt werden muss allerdings das Ausgangsniveau des Wachstums: Dieses ist in Wien ein weitaus höheres, als in den anderen Bundesländern. Da aber nicht nur die Zahl der F&E-Beschäftigten als Richtschnur für die Beurteilung eines Forschungsstandortes herangezogen wird, sondern auch die Forschungsquote oder die Ausgaben für Forschung bezogen auf die Bevölkerung, kommt es – je nach Betrachtungsweise – zu unterschiedlichen Reihungen der Bundesländer, speziell bezogen auf Wien und die Steiermark. Auf diese Fragestellung wird im Kapitel 2.1 näher eingegangen. F&E-durchführende Erhebungseinheiten: In Wien befanden sich 2007 30% der österreichischen F&E- durchführenden Erhebungseinheiten. Von 2004 auf 2007 steigerte sicher deren Zahl um 200 auf 1.206. F&E-Beschäftigte: In Wien waren 2007 38%(20.452 VZÄ) der österreichweit 53.252 VZÄ in F&E beschäftigt. Die Steigerung von 2004 auf 2007 betrug 18%. 1 „Beschäftigungswirkungen innovations- und technologiepolitischer Maßnahmen“, KMU Forschung Austria, im Auftrag der MA 27, März 2007. � 2 Statistik Austria, Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung 2010. � 3 Der jährlich erscheinende Wissenschaftsbericht der Magistratsabteilung 7 – Kultur unter www.wien.gv.at/kultur/abteilung/kunstbericht.html zeigt eine umfangreiche Darstellung des Wissenschaftsstandortes Wien. 4 Die Umstellung von der Erfassung von Hauptstandort auf den F&E-Standort nur bei der Berechnung der F&E-Quote erfolgte von 1998 auf 2002. Alle anderen Merkmale wurden und werden nach dem Hauptstandort berechnet. 5 Dritter Bericht zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit Wiens, WIFO, 2010. Im Auftrag der MA 27, www.wien.gv.at/wirtschaft/eu-strategie/wirtschaft/downloadaw.html 30 2.3 Forschung| Entwicklung| Bildung An dieser Stelle sei auch eingefügt, dass aufgrund der objektiveren Vergleichbarkeit mit„Vollzeitäquivalenten“ gerechnet wird. Darunter versteht man die auf Normalarbeitszeit umgerechneten Beschäftigungsverhältnisse. Würde man mit„Kopfzahlen“ agieren, würden Teilzeit- und geringfügige Beschäftigungen gleichgewichtet mit Normalarbeitszeit gezählt werden. Das Verhältnis Vollzeitäquivalent zu Kopfzahlen sagt aber andererseits auch nichts über den Grad der Teilzeitbeschäftigung einer Qualifikationsgruppe oder in einem Sektor aus. Bei der Erhebung der F&E-Beschäftigung wird nämlich nach dem Ausmaß der F&E-Beschäftigung gefragt. Dies kann bei einer Vollzeit beschäftigten Person durchaus weniger als 100% sein. So wird beispielsweise eine Universitätsassistentin einen Teil ihrer Vollarbeitszeit mit Lehre, einen Teil mit Forschung aber auch mit administrativer Tätigkeit zubringen. Tabelle 2.3.1 F&E-durchführende Erhebungseinheiten – Bundesländervergleich Bundesländer Österreich Burgenland Kärnten Niederösterreich Oberösterreich Salzburg Steiermark Tirol Vorarlberg Wien 2004 3.442 50 162 354 606 189 634 298 142 1.007 2007 4.009 59 193 411 710 227 719 342 142 1.206 Steigerungsrate von 2004 auf 2007 in% 16 18 19 16 17 20 13 15 0 20 Quelle: Statistik Austria – Erhebung über Forschung und experimentelle Entwicklung, Sonderauswertung für Wien 2007. Tabelle 2.3.2 Beschäftigte in F&E – Bundesländervergleich, Vollzeitäquivalente Bundesländer Österreich Burgenland Kärnten Niederösterreich Oberösterreich Salzburg Steiermark Tirol Vorarlberg Wien 2004 42.891,2 327,7 1.900,5 3.106,5 5.910,3 1.524,3 8.016,6 3.477,3 1.244,7 17.383,3 2007 53.252,2 385,3 2.525,6 4.274,0 8.021,3 1.953,5 9.995,5 4.076,9 1.568,3 20.451,8 Steigerungsrate von 2004 auf 2007 in% 24 18 33 38 36 28 25 17 26 18 Quelle: Statistik Austria – Erhebung über Forschung und experimentelle Entwicklung, Sonderauswertung für Wien 2007. 2. Forschung und Entwicklung(F&E) 31 2.3 F&E-Beschäftigung in Wien In manchen Bereichen ist es allerdings angebracht von der objektiven Messgröße des Vollzeitäquivalents(VZÄ) abzuweichen und auch die Kopfzahlen, also die Anzahl der Menschen, die dahinter stehen, zu betrachten. Dies ist speziell interessant, wenn es um die Beantwortung der Fragestellung geht, in welchem Sektor in Wien die meisten F&E-Beschäftigten tätig sind. Betrachtet man die Vollzeitäquivalente, so ist dies eindeutig der Unternehmenssektor mit 56% der Wiener F&E-Beschäftigten, im Hochschulsektor sind 35% beschäftigt. Nimmt man aber die Kopfzahlen als Messgröße, so ist der Hochschulsektor mit fast 50% aller Wiener F&E-Beschäftigten der größte Arbeitgeber, der Unternehmenssektor bringt es nur auf knapp 40%. Unternehmenssektor und Hochschulsektor gemeinsam beschäftigten also neun von zehn Forscherinnen und Forschern, gerechnet in VZÄ. Sektor Staat und privater gemeinnütziger Sektor zusammen sind für eine/n von zehn VZÄ Forscherinnen und Forscher Arbeitgeber. Allen Sektoren in Wien ist gemeinsam, dass das wissenschaftliche Personal die zahlenmäßige Hauptgruppe der F&E-Beschäftigten darstellt: Im Unternehmenssektor dominieren sie mit 60%, das sind 6.814 VZÄ, im Hochschulsektor sogar mit 74%, was 5.343 VZÄ entspricht. Das Hilfspersonal stellt – mit Ausnahme des Sektors Staat – die kleinste Gruppe dar. Beim höherqualifizierten nichtwissenschaftlichen Personal besteht wiederum ein großer Unterschied zwischen Unternehmenssektor und Hochschulsektor. Im Unternehmenssektor ist diese Untergruppe der F&E-Beschäftigten offensichtlich gefragter als im Hochschulbereich. So sind 35%(3.958 VZÄ) der im Unternehmenssektor forschend Tätigen höherqualifiziertes nichtwissenschaftliches Personal, allerdings nur 14%(986 VZÄ) im Hochschulsektor. Wissenschaftliches Personal: 65% der F&E-Beschäftigten in Wien sind höchstqualifiziertes wissenschaftliches Personal. Der Österreichdurchschnitt beträgt 59%. Abbildung 2.3.1 Wiener Beschäftigte in F&E nach Sektoren, Vollzeitäquivalente, 2007 8.000  7.000  6.000  5.000  4.000  3.000  2.000  1.000  6.814  3.958  663  Unternehmenssektor 56% 5.343  986  875  Hochschulsektor 35% 1.049 291  350  Sektor Staat 8% 87  29  8  Privater gemeinnütziger Sektor 1% Wissenschaftliches Personal  Höherqual. nichtwissenschaftliches Personal  Hilfspersonal Quelle: Statistik Austria – Erhebung über Forschung und experimentelle Entwicklung, Sonderauswertung für Wien 2007. Abbildung 2.3.2 Wiener Beschäftigte in F&E nach Sektoren, Kopfzahlen, 2007 16.000  14.000  12.000  10.000  8.000  6.000  4.000  2.000  8.243  5.367  942  Unternehmenssektor 39,8% 13.321  2.600  2.224  Hochschulsektor 49,6% 2.072  817  776  Sektor Staat 10,0% 155  50  26  Privater gemeinnütziger Sektor 0,6% Wissenschaftliches Personal  Höherqual. nichtwissenschaftliches Personal  Hilfspersonal  Quelle: Statistik Austria – Erhebung über Forschung und experimentelle Entwicklung, Sonderauswertung für Wien 2007. 32 2.3 � Forschung| Entwicklung| Bildung Genderaspekte in der Forschung Die Daten zu den Beschäftigungszahlen und auch zu den F&E-durchführenden Erhebungseinheiten haben sich im Betrachtungszeitraum 2004 bis 2007 dynamisch entwickelt. Ob diese Dynamik auch Auswirkungen auf mehr Chancengleichheit zwischen Forscherinnen und Forschern hat, wurde in„Gender Diskurs 06“ 1 differenziert geprüft. Die positive Kernaussage für Österreich: eine hohe Wachstumsrate beim weiblichen wissenschaftlichen Personal zwischen 1998 und 2007 mit rund 148% und der damit verbundene Anstieg des Frauenanteils in dieser Beschäftigungskategorie. Im Vergleich dazu verlief der Anstieg der Wissenschafter mit 56% und aller Wissenschafterinnen und Wissenschafter mit 69% in der genannten Zeitspanne weniger rasant. Auch in Wien ist in absoluten Zahlen die Gruppe der Wissenschafterinnen(3.605 VZÄ) die größte, gefolgt vom weiblichen höherqualifizierten nichtwissenschaftlichen Personal(1.663 VZÄ) und vom weiblichen Hilfspersonal(1.067 VZÄ). In Anteilen an der jeweiligen Qualifikationsgruppe kehrt sich die Reihung allerdings um: Der Frauenanteil ist mit 56% beim Hilfspersonal am höchsten, gefolgt von 32% beim höherqualifizierten nichtwissenschaftlichen Personal und erst an dritter Stelle mit 27% beim wissenschaftlichen Personal. Erwähnenswert ist, dass die Frauenanteile in den jeweiligen Qualifikationsgruppen in Wien deutlich höher liegen als österreichweit betrachtet. Österreichweit ist der Frauenanteil beim Hilfspersonal 46%, beim höherqualifizierten nichtwissenschaftlichen Personal rund 23% und beim wissenschaftlichen Personal rund 21%. Beim Geschlechterverhältnis der Wiener F&E-Beschäftigten nach den Sektoren fällt prinzipiell auf, dass der F&E-Sektor nach wie vor ein männerdominierter Bereich ist. Diese Aussage trifft speziell auf den Unternehmenssektor zu, in dem nur jede fünfte F&E-Beschäftigte eine Frau ist. Dieser geringe Frauenanteil sollte auch immer unter dem Aspekt gesehen werden, dass der Unternehmenssektor 2007 ca. 1,5 Mrd. Euro an F&E-Ausgaben tätigte. Im Hochschulbereich wurden 2007 hingegen nur rund 0,8 Mrd. Euro für F&E ausgegeben. Zugespitzt formuliert: Forschende Frauen sind meist nicht dort anzutreffen, wo viel Geld in die Forschung fließt. Außerdem nimmt mit zunehmender hierarchischer Position in einem Unternehmen oder an einer Universität auch der Frauenanteil ab. Im Hochschulsektor und im Sektor Staat ist mit 44% bzw. 42% Frauenanteil im Jahr 2007 schon fast Gleichstand erreicht. Mit 62% Frauenanteil ist der private gemeinnützige Sektor zwar absoluter Spitzenreiter, aber mit absolut 123 F&E-Beschäftigten(VZÄ) in Wien in seiner Bedeutung vernachlässigbar. Frauenanteil an der gesamten F&E-Beschäftigung in Wien: 56% beim Hilfspersonal, 32% beim höherqualifizierten nichtwissenschaftlichen Personal, 27% beim wissenschaftlichen Personal. Forschungsausgaben in Unternehmen und Universitäten: • Wiener Unternehmenssektor: � 1,5 Mrd. Euro Forschungsausgaben – 21% Frauenanteil(VZÄ) � • Wiener Hochschulsektor: � 0,8 Mrd. Euro Forschungsausgaben – 44% Frauenanteil(VZÄ) � Abbildung 2.3.3 Frauen nach Beschäftigtenkategorien- Vollzeitäquivalente(VZÄ) Hilfspersonal 17% Höherqualifiziertes nichtwissenschaftliches Personal 26% 6.334 VZÄ Frauen Quelle: Statistik Austria – Erhebung über Forschung und experimentelle Entwicklung, Sonderauswertung für Wien 2007. Wissenschaftliches Personal 57% 1 Gender Diskurs 06, Februar 2010, www.femtech.at/fileadmin/downloads/Wissen/genderDiskurs/Factsheet-genderdiskurs_06.qxp.pdf 2. Forschung und Entwicklung(F&E) 33 2.3 Abbildung 2.3.4 Wiener Beschäftigte in F&E nach Qualifikation, Vollzeitäquivalente, 2007 14.000  12.000  10.000  27%  8.000  6.000  4.000  73%  32%  2.000  Wissenschaftliches Personal 68%  Höherqualifiziertes nichtwissen­ schaftliches Personal 56%  44%  Hilfspersonal Abbildung 2.3.5 Wiener Beschäftigte in F&E nach Sektoren und Geschlecht, Vollzeitäquivalente, 2007 14.000  12.000  10.000  21%  8.000  6.000  4.000  2.000  79%  Unternehmenssektor 44%  56%  Hochschulsektor 42%  58%  Sektor Staat 62%  38%  Privater gemeinnütziger Sektor Frauen Männer Quelle: Statistik Austria – Erhebung über Forschung und experimentelle Entwicklung, Sonderauswertung für Wien 2007. Frauen Männer Quelle: Statistik Austria – Erhebung über Forschung und experimentelle Entwicklung, Sonderauswertung für Wien 2007. 34 2.3 � Forschung| Entwicklung| Bildung Beschäftigung und Genderaspekte an Universitäten Wie schon im Kapitel Bildung sehr anschaulich dargestellt, konzentrieren sich Frauen bei der Studienwahl auf wenige Sparten, die nicht in den technischen und naturwissenschaftlichen Wissensbereichen angesiedelt sind. Die Wahl der Ausbildung spiegelt sich dann natürlich in der Beschäftigung wider. So sind zwar in den Naturwissenschaften und technischen Wissenschaften 44% der F&E-Beschäftigten an Universitäten zu finden, zugleich ist der Frauenanteil aber gerade hier mit 34% in den Naturwissenschaften und 23% in den technischen Wissenschaften auch am geringsten. Diese Zahlen beziehen sich jetzt über die Gesamtheit aller Qualifikationen, also auf das wissenschaftliche Personal, das höherqualifizierte nichtwissenschaftliche Personal und das Hilfspersonal. Gläsern, aber massiv scheint die Decke für Frauen dann in den wirklichen Spitzenpositionen zu werden: 2009 waren an der TU Wien bloß 7,6% Frauen als Professorinnen tätig 1 . Dieser Wert konnte aber 2010 auf 9,3% erhöht werden. Bei den AssistentInnen allerdings sank der Anteil von 21,7% im Jahr 2009 auf 20,8% im Jahr 2010. An zweiter Stelle der F&E-Beschäftigten an Wiener Universitäten steht die Humanmedizin einschließlich der Kliniken. Hier sind insgesamt 1.824 VZÄ beschäftigt mit einem beachtlichen Frauenanteil von 58%. Auch in den Wissenschaftszweigen Land- und Forstwirtschaft, Veterinärmedizin sowie in den Sozial- und Geisteswissenschaften ist mindestens die Hälfte der F&E-Beschäftigten weiblich. Abbildung 2.3.6 F&E-Beschäftigte an Wiener Universitäten nach Beschäftigungskategorie, VZÄ, 2007 6.000  5.000  4.000  35%  3.000  2.000  1.000  65%  Wissenschaftliches Personal 68%  32%  Höherqualifiziertes nichtwissen­ schaftliches Personal 66%  34%  Hilfspersonal Frauen Männer Quelle: Statistik Austria – Erhebung über Forschung und experimentelle Entwicklung, Sonderauswertung für Wien 2007. Abbildung 2.3.7 F&E-Beschäftigte in VZÄ an Universitäten nach Wissenschaftszweigen 2007 2.500  2.000  1.500  672  1.000  500  1.307  226  748  Naturwissen­ schaften Technische Wissenschaften 1.065  759  Human­ medizin 404  269  234  411  Land­ und Forstwirtschaft, Sozial­ Veterinärmedizin wissenschaften 304  295  Geisteswissen­ schaften Frauen Männer Quelle: Statistik Austria – Erhebung über Forschung und experimentelle Entwicklung, Sonderauswertung für Wien 2007. 1 www.tuwien.ac.at/dle/koostelle/daten_und_fakten/ – Koordinationsstelle für Frauenförderung und Gender Studies an der TU Wien. 2. Forschung und Entwicklung(F&E) 35 2.3 F&E-Beschäftigung in den Unternehmen in Wien und Österreich In Österreich gab es 2007 insgesamt 2.521 Unternehmen, die angaben Forschung und Entwicklung in ihrem Bereich durchzuführen. Davon ist rund ein Fünftel(522 Unternehmen) in Wien ansässig. Allerdings ist im Unternehmensbereich eine hohe F&E-Konzentration auf relativ wenige große Unternehmen zu verzeichnen. Am Standort Wien sind zwar viele Kleinstunternehmen, kleine und mittlere Unternehmen(441 KMU) und nur wenige Großunternehmen(81) im F&E-Bereich tätig, aber ins Gewicht bezüglich Beschäftigung und Ausgaben fallen nur die Großen. 195 forschende Unternehmen in Wien haben weniger als zehn Beschäftigte, sind also Kleinstunternehmen. Diese haben auch die geringste Anzahl von F&E-Beschäftigten – in Summe 441 VZÄ – und mit 39 Millionen Euro die geringsten F&E-Ausgaben. Im Durchschnitt kommen 2007 somit auf jedes forschende Kleinstunternehmen rund zwei VZÄ-Forscherinnen bzw.-Forscher und Ausgaben für Forschung von 200.000 Euro. Am anderen Ende der Reihung stehen die 23 größten F&E-betreibenden Unternehmen Wiens – jene mit 1.000 und mehr Beschäftigten – mit insgesamt 5.309 F&E-Beschäftigten und Ausgaben von 824 Mio. Euro. Das heißt wiederum, dass jedes dieser Unternehmen mit 1.000 und mehr Beschäftigten durchschnittlich 231 VZÄ-Forscherinnen und-Forscher beschäftigt und durchschnittlich fast 36 Mio. Euro für Forschung ausgibt. Sehr plakativ ausgedrückt kann man sagen: Jedes der 23 größten forschenden Unternehmen gab im Jahr 2007 für F&E fast genau so viel aus wie alle forschenden Kleinstunternehmen zusammen. Und weiter: Zwei der größten forschenden Unternehmen beschäftigen gemeinsam mehr F&E-Personal als die 195 Kleinstunternehmen. Insgesamt gibt es in Wien 522 forschende Unternehmen mit 11.435 VZÄ-Forscherinnen bzw.-Forschern. 28% der Unternehmen(145) entfallen auf die Sachgüterproduktion und 68%(353) auf den Dienstleistungssektor. Das heißt also, es gibt 2,4-mal mehr Unternehmen im Dienstleistungssektor als in der Sachgüterproduktion, in denen geforscht wird. Betrachtet man die Anzahl der VZÄ in diesen beiden Wirtschaftszweigen, ergibt sich ein völlig anderes Bild: In der Sachgütererzeugung arbeiten 63%(7.179 VZÄ) der Wiener betrieblichen F&E-Beschäftigten, im Dienstleistungssektor 37%(4.196 VZÄ). Durchschnittlich verfügt ein forschender Betrieb der Sachgüterproduktion über 50 VZÄ F&E-Personal, ein forschender Betrieb des Dienstleistungssektors hingegen nur über 12 VZÄ F&E-Personal. Nur 21% aller in Wiener Unternehmen tätigen VZÄ in Forschung und Entwicklung sind Frauen. Allerdings wird in der Sachgütererzeugung dieser Wert mit 17% Frauenanteil noch unterschritten. Etwas besser bestellt ist es um den Frauenanteil in forschenden Unternehmen des Dienstleistungssektors. Bloß in einer einzigen ÖNACE-Gruppe, die der Sachgütererzeugung zugerechnet wird, gibt es einen Frauenanteil von 62% VZÄ: in der Produktion pharmazeutischer Erzeugnisse. In der Gruppe„Geräte der Elektrizitätserzeugung,-verteilung u.Ä.“, die mit 3.187 VZÄ zahlenmäßig die meisten forschend Tätigen in der Sachgüterproduktion stellt, gibt es nur 12% Frauen. Wie bereits erwähnt, gibt es in forschenden Unternehmen des Dienstleistungssektors anteilsmäßig mehr Frauen, als in der Sachgütererzeugung. Allerdings gibt es keine einzige ÖNACE-Gruppe, in der Frauen die Mehrheit stellen würden. Die zahlmäßig größte ÖNACEGruppe im Dienstleistungssektor ist„Forschung und Entwicklung“ mit 1.178 VZÄ. Hier sind allerdings doch beachtliche 45% Frauen, was innerhalb des Dienstleistungssektors der Spitzenwert ist. Forschungsausgaben von Wiener Unternehmen: Wiener Unternehmen haben 2007 1,5 Mrd. Euro für F&E ausgegeben. Das sind fast zwei Drittel der Wiener Forschungsausgaben. Beschäftigung in der Sachgüterproduktion und im Dienstleistungssektor: • 28% der forschenden Unternehmen zählen zur Sachgüterproduktion und beschäftigen • 63% VZÄ der betrieblichen F&E-Beschäftigten 1 . • 68% der forschenden Unternehmen zählen zum Dienstleistungssektor und beschäftigen • 37% VZÄ der betrieblichen F&E-Beschäftigten. Frauenanteile in forschenden Unternehmen: • Dienstleistungssektor: 27% • Sachgütererzeugung: 17%. Mittlere, kleine und Kleinstunternehmen: Laut Amtsblatt der Europäischen Union vom 20.5.2003 gelten folgende Definitionen: (1) Die Größenklasse der Kleinstunternehmen sowie der kleinen und mittleren Unternehmen(KMU) setzt sich aus Unternehmen zusammen, die weniger als 250 Personen beschäftigen und die entweder einen Jahresumsatz von höchstens 50 Mio. EUR erzielen oder deren Jahresbilanzsumme sich auf höchstens 43 Mio. EUR beläuft. (2) Innerhalb der Kategorie der KMU wird ein kleines Unternehmen als ein Unternehmen definiert, das weniger als 50 Personen beschäftigt und dessen Jahresumsatz bzw. Jahresbilanz 10 Mio. EUR nicht übersteigt. (3) Innerhalb der Kategorie der KMU wird ein Kleinstunternehmen als ein Unternehmen definiert, das weniger als 10 Personen beschäftigt und dessen Jahresumsatz bzw. Jahresbilanz 2 Mio. EUR nicht überschreitet. (4) Als Großunternehmen zählen daher all jene, die 250 Personen und mehr beschäftigen und deren Jahresumsatz mehr als 50 Mio. EUR beträgt oder deren Jahresbilanzsumme sich auf mehr als 43 Mio EUR beläuft. 1 Forschende Unternehmen der Sachgüterproduktion und des Dienstleistungssektors ergeben gemeinsam nicht 100%, da sie gemeinsam 498 der 522 der Wiener forschenden Unternehmen ausmachen. 17 weitere entfallen auf das Bauwesen, der Rest auf„Land- und Forstwirtschaft, Fischerei“,„Bergbau“ und„Energie- und Wasserversorgung“. Diese können allerdings aus Geheimhaltungsgründen nicht gesondert ausgewiesen werden, sind jedoch in der Summe von 522 forschenden Unternehmen enthalten. Bei den VZÄ ergibt die Summe deshalb 100%(gerundet), da Unternehmen der Sachgüterproduktion und des Dienstleistungssektors bis auf 60 VZÄ so gut wie alle forschend Tätigen beschäftigen. 36 2.3 � Forschung| Entwicklung| Bildung Abbildung 2.3.8 Anzahl der Wiener F&E-durchführenden Erhebungseinheiten im Unternehmenssektor nach Beschäftigtengrößenklassen 2007 300  250  200  150  100  50  195 bis 9 Beschäftigte 144 10 bis 49 Beschäftigte 102  50 bis 249 Beschäftigte 58  250 bis 999 Beschäftigte 23  1.000 und mehr Beschäftigte Quelle: Statistik Austria – Erhebung über Forschung und experimentelle Entwicklung, Sonderauswertung für Wien 2007. Abbildung 2.3.9 Anzahl der VZÄ-Beschäftigten im Wiener Unternehmenssektor nach Beschäftigtengrößenklassen 2007 6.000  5.000  5.309  4.000  3.000  2.000  1.000  441  bis 9 Beschäftigte 1.003  10 bis 49 Beschäftigte 2.192  50 bis 249 Beschäftigte 2.491  250 bis 999 Beschäftigte 1.000 und mehr Beschäftigte Quelle: Statistik Austria – Erhebung über Forschung und experimentelle Entwicklung, Sonderauswertung für Wien 2007. Abbildung 2.3.10 F&E-Ausgaben Wiener Unternehmen in Mio. EUR nach Beschäftigtengrößenklassen 2007 900  824  750  600  450  300  308  274 150  39  98  bis 9 Beschäftigte 10 bis 49 Beschäftigte 50 bis 249 Beschäftigte 250 bis 999 Beschäftigte 1.000 und mehr Beschäftigte Quelle: Statistik Austria – Erhebung über Forschung und experimentelle Entwicklung, Sonderauswertung für Wien 2007. 3. Internationale Vergleiche .1 Neue Überschrift 3. Internationale Vergleiche 37 3.1 Internationale Vergleiche Wie bereits eingangs erwähnt, ist der Vergleich mit anderen Österreichischen Bundesländern aufgrund des Hauptstadtfaktors von Wien nicht immer inhaltlich sinnvoll. Im Auftrag der MA 27 – EU-Strategie und Wirtschaftsentwicklung wurde daher vom WIFO der„Dritte Bericht zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit Wiens“ erarbeitet. Indikatoren der regionalen Wettbewerbsfähigkeit, wie Produktivität, Beschäftigung und Arbeitsmarkt, demografische Effekte, Marktposition im internationalen Umfeld, etc. wurden mit 68 europäischen Großstädten verglichen. Zwei für den Forschungsstandort Wien aussagekräftige Diagramme wurden aus dieser Studie entnommen. Der Anteil der gesamten Ausgaben für F&E am Bruttoregionalprodukt lag im Jahr 2007 in Wien bei 3,6% 1 . Das liegt deutlich über dem Städtedurchschnitt von 2,1% und dem EU-27-Länderdurchschnitt von 1,85%. Dies ist zwar in erster Linie auf den universitären Sektor zurückzuführen, Wien liegt aber auch bei den F&EAusgaben im Unternehmenssektor mit 2,1% deutlich über dem Städtedurchschnitt von 1,3%. Ein Vergleich der F&E-Quote nach OECD-Staaten 2008 zeigt die relativ gute Platzierung Österreichs. Mit 2,67% liegt Österreich im oberen Viertel, gemeinsam mit den als innovativ und forschungsaktiv geltenden Staaten wie Finnland, Schweden, Schweiz, Dänemark, USA und Deutschland. Die österreichische, und insbesondere die Wiener F&E-Quote, liegen somit weit über dem EU-Schnitt von 1,92%. Der österreichische Wert ist zwar gut, droht aber zu stagnieren. In den Jahren von 2009 bis 2011 konnte die F&E-Quote Österreichs nicht mehr verbessert werden und liegt konstant bei 2,79% 2 . Abbildung 3.1.1 Europäische Großstädte im Vergleich: Ausgaben für F&E- Anteil am BIP in% 2007 Stuttgart  Copenhagen  Munich  Stockholm  Vienna  Helsinki  Berlin  Frankfurt  Paris (2004)  Prague  Lyon (2004)  Ø Städte  Hamburg  Madrid  Aix­Marseille (2004)  Ljubljana  Rome (2005)  Lisbon  Dusseldorf and Essen  Turin (2005)  Amsterdam (2003)  Rotterdam (2003)  Barcelona  Brussels  Budapest  Bucharest  Dublin  Brno  London inner  Milan (2005)  Warsaw  Manchester  Krakow  Sofia  Bratislava  London outer  Athens (2005)  1  2  3  4  5  2,1  1,9  1,9  1,9  1,9  1,8  1,8 1,7 1,7 1,6  1,5  1,5  1,4  1,3  1,3  1,3  1,2  1,2  1,1  1,1  1,1  0,9  0,9  0,8  0,8  0,7  2,6  2,5  EU­27: 1,85 3,6  3,4  3,4  3,1  3,1  4,3  4,2  5,1  6  5,9  7  Quelle: Eurostat, WIFO-Berechnungen. In Klammer: letztverfügbare Werte. Aus„Dritter Bericht zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit Wiens“, 2010, WIFO. 1 Die in der WIFO-Studie genannten 3,6% sind die offiziellen Daten von Eurostat(intramural F&E by sector of performance). Sie beziehen sich auf den UNTERNEHMENSSTANDORT. Die im Kapitel 2 genannten 3,25% stammen von der Statistik Austria und errechnen dieselbe Kennzahl für den FORSCHUNGSSTANDORT(sind also in regionaler Hinsicht genauer, wenn man tatsächlich messen will, wo die Forschung stattfindet- und nicht, von wo aus sie kontrolliert wird). Da eine durchgängige Statistik nach dem Forschungsstandort(und damit für die in der Studie verglichenen Stadtregionen) aber nicht zur Verfügung steht, musste im internationalen Vergleich auf die Statistik nach dem Unternehmensstandort zurückgegriffen werden. 2 Statistik Austria: Globalschätzung der F&E-Ausgaben in Österreich. www.statistik.at/web_de/presse/056131 38 3.1 � Forschung| Entwicklung| Bildung Auch die Zahl der angemeldeten Patente je Million Einwohnerinnen und Einwohner ist eine gängige Vergleichszahl zwischen Ländern und auch zwischen Metropolen. Aus diesem Indikator geht hervor, dass sich die Innovationsfähigkeit Wiens im Städtevergleich seit 1999 stark verbessert hat: Lag Wien im Jahr 1999 mit 136 Patentanmeldungen noch unter dem Städtedurchschnitt von 138, erhöhte sich im Jahr 2006 die Zahl der Patentanmeldungen auf 230 je Million EinwohnerInnen. In diesem Zeitraum erhöhte sich der Städtedurchschnitt nur geringfügig auf 152 Patentanmeldungen.Wien liegt mit diesem Wert auch deutlich über dem EU-27-Durchschnitt von 114 Patentanmeldungen im Jahr 2006. Diese Zahlen verdeutlichen die Wichtigkeit von Bildung für das Innovationssystem eines Landes. Die Bedeutung der höchst gebildeten Personen in einem Land liegt an deren Innovationsfähigkeit und Ideenreichtum. Nur durch bestens ausgebildete WissenschafterInnen, UnternehmerInnen und MitarbeiterInnen kann es Firmen und Universitäten gelingen, im internationalen Wettbewerb zu bestehen und wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Dabei geht es um Wissensund Technologiediffusion ebenso wie um Standortentscheidungen, Unternehmensgründungen und Forschungsaktivitäten. Parallel dazu ermöglicht nur ein weit ausgebautes und effektives Bildungssystem genügend Abschlüsse in den entscheidenden Studienrichtungen. Österreich hat sowohl beim Bildungssystem als auch bei jetzt aktiven Erwerbstätigen deutliches Potenzial zur Verbesserung. Das mittelmäßige Abschneiden Österreichs liegt zum einen an den nur in Österreich üblichen berufsbildenden höheren Schulen, mit deren AbsolventInnen teilweise auch hochqualifizierte Jobs besetzt werden, andererseits an der niedrigen AkademikerInnenquote und der weniger technisch-naturwissenschaftlichen Ausrichtung der Studierenden in Österreich. Eine tiefer gehende regionale Gliederung der Humanressourcen in Wissenschaft und Technik wird vom europäischen Statistikamt Eurostat zwar angeboten, die Qualität und die Reihung der einzelnen Regionen lässt allerdings zu viele Fragen offen, um den in diesem Journal gesetzten Qualitätsansprüchen gerecht zu werden. Humanressourcen in Wissenschaft und Technik(HRST): Als HRST bezeichnet man deren Anteil an der gesamten Erwerbsbevölkerung der Altersklasse 25-64 Jahre. Dieser Indikator gibt den Prozentsatz der zu HRST gehörenden Erwerbspersonen insgesamt in der Altersklasse 25 bis 64 Jahre an, d. h. derjenigen, die entweder einen wissenschaftlichtechnischen Studiengang des Tertiärbereichs erfolgreich abgeschlossen haben oder in einem wissenschaftlich-technischen Beruf tätig sind, der die oben genannten Qualifikationen normalerweise voraussetzt. Zur Messung der HRST werden weitgehend die Konzepte und Definitionen des Canberra-Handbuchs(OECD, Paris, 1995) herangezogen. Abbildung 3.1.2 Ausgaben für F&E in% des BIP in der EU und ausgewählten OECD-Ländern 2008 Finnland  Schweden  Schweiz  Dänemark  USA  Deutschland  Österreich  Island  Frankreich  Europäische Union (15 Länder)  Euroraum (16 Länder)  Belgien  Europäische Union (27 Länder)  Großbritannien  Niederlande  Slowenien  Norwegen  Luxemburg  Portugal  Tschechische Republik  Irland  Spanien  Estland  Italien  Russland  Ungarn  Kroatien  Litauen  Türkei  Lettland  Polen  Rumänien  Malta  Bulgarien  Slowakei  Zypern  0,5  1  1,5  2  2,5  3  2,11  2,01  1,96  1,96  1,92  1,77  1,76  1,65  1,64  1,56  1,50  1,47  1,45  1,35  1,29  1,23  1,03  1,00  0,90  0,80  0,73  0,61  0,60  0,58  0,57  0,47  0,47  0,43  3,00  2,87  2,77  2,68  2,67  2,65  3,5  4  3,72  3,68  Quelle: Eurostat 3. Internationale Vergleiche 39 3.1 Abbildung 3.1.3 Europäische Großstädte im Vergleich: Patentanmeldungen beim Europäischen Patentamt(EPA) je Million Einwohner Stuttgart  Munich  Stockholm  Frankfurt  Helsinki  Dusseldorf and Essen  Paris  Lyon  Vienna  Berlin  Hamburg  Ø Städte  Milan  Turin  Rotterdam  Amsterdam  Brussels  Aix­Marseille  Barcelona  Ljubljana  Dublin  Rome  Madrid  Manchester  Budapest  Prague  Bratislava  Brno  Athens  Lisbon  Sofia  Krakow  Warsaw  Bucharest  100  200  300  152  151  138  137  137  114  102  74  57  56  42  41  39  35  31  26  16  14  10  9  6  5  3  294  264  239  230  207  206  400  397  382  309  EU­27 (2006): 114 500  600  700  647  596  2006 1999 Quelle: Eurostat, WIFO-Berechnungen. � Aus„Dritter Bericht zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit Wiens“, 2010, WIFO. � Im Auftrag der MA 27. � Abbildung 3.1.4 Humanressourcen in Wissenschaft und Technik in% � Anteil an der 25- bis 64-jährigen Erwerbsbevölkerung 2009 � Schweiz  Dänemark  Norwegen  Niederlande  Finnland  Island  Schweden  Belgien  Estland  Luxemburg  Deutschland  Irland  Vereinigtes Königreich  Frankreich  Zypern  Litauen  Slowenien  Europäische Union (27 Länder)  Spanien  Österreich  Lettland  Tschechische Republik  Polen  Italien  Ungarn  Malta  Bulgarien  Slowakei  Griechenland  Kroatien  Rumänien  Portugal  Mazedonien  Türkei  10  20  30  40  50  60  24,1  23,5  23,4  20,7  54,5  51,8  51,3  50,9  50,7  50,0  49,6  48,2  45,6  45,5  44,8  44,7  44,4  43,2  43,0  41,7  40,6  40,1  39,0  39,0  38,9  37,9  34,9  34,3  33,2  32,3  32,2  32,0  31,8  31,6  Quelle: Eurostat 40 Forschung| Entwicklung| Bildung Methoden Methoden – Forschung Die Erhebungen über Forschung und Entwicklung werden auf der rechtlichen Grundlage der F&E-StatistikVerordnung 2003(BGBl. II 396/2003 vom 29. 8. 2003) entsprechend den internationalen Standards und Richtlinien(Frascati-Handbuch der OECD, letzte Fassung 2002; UNESCO-Empfehlung 1978) als primärstatistische Vollerhebungen über Forschung und experimentelle Entwicklung bei den F&E-ausführenden Institutionen in allen volkswirtschaftlichen Sektoren durchgeführt. Die Erhebung findet alle zwei Jahre statt und wird von Statistik Austria durchgeführt. Die Auswertung erfolgt nur bundesweit. Dabei werden Daten über die Beschäftigten, über die Ausgaben für F&E und die Finanzierung dieser Ausgaben sowie über die Art und Zielrichtung der F&E-Tätigkeiten erhoben. 2007 wurde auf den Erhebungsrhythmus der EU eingeschwenkt, daher gab es nach der Erhebung 2006 im Jahr 2007 wieder eine Erhebung. Die nächste F&E-Erhebung fand über das Berichtsjahr 2009 statt, erste Ergebnisse sind von Statistik Austria Ende 2011 zu erwarten. Die hier vorliegenden regionalen Daten beruhen auf Sonderauswertungen der F&E-Erhebung, die von der Landesstatistik Wien bei Statistik Austria beauftragt wurden. Durch die Durchführung der Erhebung als Vollerhebung mit gesetzlicher Auskunftspflicht ist die Responsequote der befragten Stellen sehr hoch, die Datenqualität ist deshalb als sehr gut einzustufen. Forschungsquote und Regionale Gesamtrechnung(RGR) Die RGR wird nach dem Konzept ESVG 95, VGRRevisionsstand: Juli 2008 erstellt. Das Bruttoregionalprodukt(BRP) ist das regionale Äquivalent zum Bruttoinlandsprodukt; es wird berechnet aus‘Bruttowertschöpfung zu Herstellungspreisen plus Gütersteuern minus Gütersubventionen’. Die Umsetzung der GAP-Reform(GAP= Gemeinsame Agrarpolitik) führte ab dem Berichtsjahr 2005 zu einem starken Einbruch bei den Gütersubventionen und damit auch bei der landwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung zu Herstellungspreisen. Da gemäß den EU-Vorgaben zur Berechnung des regionalen BIP das nationale BIP mit der Wertschöpfung zu Herstellungspreisen regionalisiert wird, hatte diese Umstellung Auswirkungen auf das BRP. Zur Berechnung der Forschungsquote werden die gesamten Forschungsausgaben nach dem Forschungsstandort(siehe unten) der Forschungseinrichtungen eines Bundeslandes bzw. Österreichs durch das jeweilige BRP bzw. BIP dividiert. Die Landeskrankenanstalten bzw. Landeskrankenhäuser werden nicht wie alle anderen Forschungseinrichtungen mittels Fragebogenerhebung erfasst, sondern Statistik Austria schätzt die F&E-Ausgaben unter Heranziehung der Meldungen der Ämter der Landesregierungen. Daher liegen keine Daten über Beschäftigte in F&E bzw. über eine Aufgliederung der F&E-Ausgaben nach Forschungsarten vor. Weiters wird die Anzahl der Erhebungseinheiten ohne die Landeskrankenanstalten angegeben. In den Gesamtausgaben und deren Finanzierung sind Aufwendungen für die LKH allerdings enthalten. Die F&E-Ausgaben der LKH in Wien betragen 2007 46,7 Mio. Euro, das sind 1,8% der Wiener Forschungsausgaben. Beim Personal in F&E unterscheidet man: • Wissenschaftliches Personal(AkademikerInnen, ForscherInnen), • Höherqualifiziertes nichtwissenschaftliches Personal(Maturantinnen u. Maturanten, TechnikerInnen, Laborantinnen u. Laboranten) und • Sonstiges Hilfspersonal. Der F&E-Bereich gliedert sich in vier Sektoren: • Der Hochschulbereich umfasst Wissenschaftliche Universitäten und Universitäten der Künste, Universitätskliniken, die Akademie der Wissenschaften, Fachhochschulen und Privatuniversitäten. • Unter Sektor Staat versteht man alle nichtuniversitären Bundes-, Landes-, Gemeinde- und Kammerinstitutionen, F&E-Einrichtungen der Sozialversicherungsträger, von der öffentlichen Hand finanzierte und/ oder kontrollierte private gemeinnützige Institutionen sowie F&E-Einrichtungen der Ludwig Boltzmann-Gesellschaft und Landeskrankenanstalten(LKH). • Der private gemeinnützige Sektor enthält private Institutionen ohne Erwerbscharakter mit vorwiegend privatem oder privatrechtlichem, konfessionellem oder sonstigem nicht öffentlichem Status. • Der Unternehmenssektor gliedert sich zwei Bereiche: Der kooperative Bereich beinhaltet Branchenforschungsinstitute bzw. Forschungsdienstleistungsinstitute, die auf die Bedürfnisse von Klein- und Mittelbetrieben ausgerichtet sind, um diese in ihren Forschungsaktivitäten zu unterstützen, wie z. B. Joanneum Research, Austrian Cooperative Research ACR, ARC Seibersdorf etc.Weiters zählen Kompetenzzentren wie K_plus und K_ind. zu diesem Bereich. Der firmeneigene Bereich umfasst alle für den Markt produzierenden Unternehmen des produzierenden Bereichs und des Dienstleistungsbereichs, zu dem auch Kraftwerksgesellschaften und ZiviltechnikerInnen gezählt werden. Anhang 41 � Der Standort der Erhebungseinheit ist gerade bei Bundesländervergleichen ein wichtiges Merkmal. Die hier vorliegenden Erhebungen berücksichtigen nur den Hauptstandort der Forschungseinrichtung, das bedeutet, alle Daten werden dem Bundesland des Unternehmenssitzes zugeordnet, unabhängig davon, wo sich der tatsächliche Forschungsstandort befindet. Diese Methode trägt nicht dem Arbeitsort der ForscherInnen Rechnung, sondern dem Firmenstandort. Die einzige Ausnahme bildet die Forschungsquote(Anteil der Bruttoinlandsausgaben für F&E am Bruttoregionalprodukt)- diese wird nach dem F&E-Standort der Unternehmen berechnet. Vollzeitäquivalente rechnen das Beschäftigungsausmaß der gesamten Belegschaft auf fiktive 40-Stunden-Posten um, während sich Kopfzahlen auf die tatsächlich beschäftigten Personen beziehen, unabhängig vom Beschäftigungsausmaß. Dabei werden auch vollzeitbeschäftigte Personen, die nur einen Teil ihrer Arbeitszeit mit Forschung verbringen, als z. B. 0,5 Vollzeitäquivalente gezählt. Ein Schluss von der Kopfzahl und der Zahl der Vollzeitäquivalente auf die Teilzeitquote oder das durchschnittliche Beschäftigungsausmaß ist daher nicht möglich. Methoden – Bildung Die gesetzliche Grundlage für die Schulstatistik, die Hochschulstatistik(Schülerinnen und Schüler, Studierende und Lehrpersonen), für Statistiken über den Personal-, Betriebs- und Erhaltungsaufwand und für das Register über den Bildungsstand der Wohnbevölkerung bildet das 2003 in Kraft getretene Bildungsdokumentationsgesetz(BilDokG), BGBl. I Nr. 12/2002. Nach einigen Änderungen in den letzten Jahren findet die gesamte Datensammlung der Schulstatistik auf Basis von Individualdaten bei Statistik Austria statt. Die einzelnen Merkmale, die dabei erhoben werden, sind Gegenstand mehrerer Verordnungen 1 . Der Stichtag ist jeweils der 1. Oktober des laufenden Jahres. Die gesetzlichen Grundlagen für die Hochschulstatistik sind im§9 des Bildungsdokumentationsgesetzes, BGBl.l Nr. 12/2002, geregelt. Die statistischen Daten werden durch Zusammenführung von Ergebnissen aus den primärstatistischen Erhebungen bei Studienbeginn mit den Daten aus der Gesamtevidenz der Studierenden(„GES“) des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung gewonnen. 1 a) Verordnung der Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur sowie des Bundesministers für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft zur Durchführung des Bildungsdokumentationsgesetzes(Bildungsdokumentationsverordnung, BGBl. II Nr. 499/2003 i.d.g.F.) b) Verordnung des Bundesministers für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft über Statistiken nach dem Bildungsdokumentationsgesetz für land- und forstwirtschaftliche Fach- und Berufsschulen(BGBl. II Nr. 58/2004) c) Verordnung der Bundesministerin für Gesundheit und Frauen über Stichtage und Berichtstermine nach dem Bildungsdokumentationsgesetz für Bildungseinrichtungen im Gesundheitsbereich(BGBl. II Nr. 492/2003) 42 Forschung| Entwicklung| Bildung Der Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds(WWTF) ist eine Förderungseinrichtung für Wissenschaft und Forschung in Wien. Die Aufgabe des WWTF ist es den Forschungsstandort Wien zu stärken und Wien als Stadt der Wissenschaft und Innovation deutlicher und international sichtbarer zu positionieren. Die Zielgruppe des WWTF umfasst sowohl universitäre und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, als auch einzelne ForscherInnen innerhalb Wiens. Der privat-gemeinnützig organisierte Fonds wurde 2001 von Bürgermeister Michael Häupl und dem damaligen Vizebürgermeister Bernhard Görg gegründet. Die Mittel des Fonds stammen aus der„Privatstiftung zur Verwaltung von Anteilsrechten“, in einer mittelfristigen Planungssicherheit kann der WWTF so mit einem Jahresbudget von 7 bis 10 Millionen Euro kalkulieren. Dazu kommen einzelne Programme, die von der Stadt Wien finanziert werden. Der Wissenschaftsförderer WWTF setzt seine Mittel ausschließlich innerhalb definierter thematischer Schwerpunkte und nach einem strengen Qualitätsansprüchen verpflichteten Vergabeverfahren ein. Durch die Förderung von Projekten von sichtbarer Größenordnung sowie durch das Herholen von hervorragenden internationalen WissenschafterInnen mit Stiftungsprofessuren nach Wien soll das wissenschaftliche Potenzial in und für Wien ausgebaut und hochqualitative und relevante Forschung gefördert werden. Im Zuge regelmäßig durchgeführter Ausschreibungen, so genannter Calls, werden jeweils die besten Projekte und Personen zur Förderung ausgewählt. Die Bewertung der eingereichten Vorhaben erfolgt nach höchsten internationalen Qualitätsstandards. Der WWTF verfolgt daher konsequent das Prinzip der ausschließlich internationalen Begutachtung von Anträgen: Zum einen werden pro Förderantrag mindestens zwei schriftliche Gutachten von internationalen FachexpertInnen eingeholt. Zum anderen wird für jeden Call eine Jury mit renommierten WissenschafterInnen und FachexpertInnen aus aller Welt besetzt, die dann auf Basis der eingelangten Gutachten und eigener Expertise eine Förderempfehlung ausspricht. Durch diese Vorgangsweise wird eine hohe Verfahrensqualität bei der Auswahl der Geförderten sichergestellt. In seiner Fördertätigkeit seit 2003 hat der WWTF bisher in siebzehn Ausschreibungen rund 65 Mio. Euro an Fördermitteln vergeben und damit 113 Projekte und sechs Stiftungsprofessuren im Rahmen der vier Schwerpunkte„Life Sciences“, „Mathematik und …“,„SciENCE for creative industries“ sowie„Informations- und Kommunikationstechnologien“ finanziert. Zu den bisherigen Ergebnissen der vom WWTF geförderten Forschungsprojekte und Stiftungsprofessuren zählen neben zahlreichen Publikationen in renommierten Zeitschriften wie„Nature“,„Science“ und„Cell“ auch bedeutende Karriereschritte für die beteiligten WissenschafterInnen sowie erste Patentanmeldungen. Weiters haben geförderte Vorhaben zur Etablierung neuer, auch universitätsübergreifender Forschungsstrukturen und –themen beigetragen. Nicht zuletzt wurde mehreren vom WWTF geförderten ForscherInnen ein ERC Grant zuerkannt, darunter Dr. Thomas Klausberger und Dr. Chris Oostenbrink, die vom WWTF im Rahmen von Stiftungsprofessur-Ausschreibungen kürzlich nach Wien geholt wurden. Der WWTF ist rasch ein beachteter Akteur in der Wiener und österreichischen Förderszene geworden. Als autonomer Fonds trägt er aktiv und wesentlich zum Gelingen der Wiener Forschungsund Innovationspolitik bei. Das zeigt sich in seiner Mitwirkung bei der Erarbeitung und Umsetzung der Wiener Strategie für Forschung, Technologie und Innovation, aber auch durch seine laufenden Förderausschreibungen: Neben den fondseigenen Initiativen wickelt der WWTF auch Förderprogramme für die Stadt Wien ab. Dabei handelt es sich um das„Impulsprogramm für die Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften“, um das Nachwuchsförderprogramm„Vienna Research Groups for Young Investigators“, sowie um die Infrastrukturförderungen im Rahmen des„Universitätsinfrastrukturprogramms“. Im Rahmen dieser drei Programme konnte der WWTF zusätzliche Förderungen in einer Gesamthöhe von mehr als 15 Mio. Euro vergeben. www.wwtf.at Anhang 43 Unterstützung von der Idee bis zur Vermarktung Die ZIT begleitet Wiener Unternehmen als Technologieagentur der Stadt Wien im gesamten Innovationsprozess: mit Beratungsangeboten, monetären Förderungen, technologiespezifischen Immobilien sowie Kommunikation der Innovationen Wiener Unternehmen. Im Jahr 2000 als Tochter der Wirtschaftsagentur Wien gegründet, konnte die ZIT bislang alleine durch die Calls rund 250 Projekte mit mehr als 40 Millionen Euro unterstützen. Dadurch wurden Gesamtinvestitionen von rund 130 Millionen Euro ausgelöst. Dienstleistungen. Von der Idee zum Projekt Ziel ist es, innovative Ideen von ihrem Entstehen, über ihre Weiterentwicklung und Umsetzung in Produkte und Services bis hin zur Vermarktung zu unterstützen. So stellen etwa die TechnologieberaterInnen für Unternehmen den Kontakt zu wissenschaftlichen PartnerInnen her. Durch die Initiative WienWin(www.wienwin.at) wiederum werden innovative Produkte und Dienstleistungen bei den EinkäuferInnen der Stadt Wien promotet. Förderungen. Vorsprung im Wettbewerb Um den technologiepolitischen Auftrag der Stadt bestmöglich erfüllen zu können, hat die ZIT ein umfassendes Förderungsprogramm entwickelt. Das Herzstück des Programms stellen die Calls dar – Förderwettbewerbe für betriebliche Forschung und Entwicklung. Jeder Call hat einen thematischen(z.B. Life Sciences, IKT, Umwelt, etc.) oder einen strukturellen(z.B. Frauen in der betrieblichen Forschung, Technologietransfer, etc.) Schwerpunkt. Immobilien. Raum für Ideen Kapital ist eine notwendige, aber keinesfalls eine hinreichende Bedingung für wirtschaftlichen Erfolg. Forschung, egal ob in Unternehmen oder in wissenschaftlichen Einrichtungen, braucht ein entsprechendes räumliches Umfeld. Oft stellt das Fehlen von passenden Forschungslabors, Studiooder Produktionsflächen einen Engpass in der Entwicklung eines Unternehmens dar. Die ZIT stellt deshalb im Sinne einer integrierten Technologiepolitik klar definierte und strategisch entwickelte themenspezifische Immobilien bereit. Wissenschaftskommunikation. Über Innovationen sprechen Um das Innovationspotenzial am Wirtschaftsstandort Wien insgesamt zu erhöhen, setzt die ZIT verstärkt Maßnahmen, die das Bewusstsein der Bevölkerung für Forschung, Entwicklung und Innovation erhöhen. Der Start des vierten Wiener Forschungsfestes anlässlich des Projekts„Forschungsfest on Tour“ in der Millennium City am 3. September 2011 war ein gelungener Auftakt für die Ausstellung über Forschung und Innovation aus Wien. Hunderte Wienerinnen und Wiener aller Altersgruppen besuchten die Wanderausstellung, die von Finanz- und Wirtschaftsstadträtin Vizebürgermeisterin Mag. a Renate Brauner eröffnet wurde. Diese Ausstellung bot Forschungsbegeisterten jeden Alters die Gelegenheit, den Alltag von morgen bereits heute zu erleben. Wie in den letzten drei Jahren zeigten Wiener Universitäten, Fachhochschulen und Unternehmen ihre spannendsten Innovationen und Forschungsergebnisse. www.zit.co.at 44 Forschung| Entwicklung| Bildung MA 7- Kultur Hauptaufgabe der Wissenschaftsförderung: Förderung der Wiener Wissensbasis Wissens- und Wissenschaftsförderung stehen vor der Aufgabe, Stärken und Schwächen der lokalen Wissenschaftslandschaft zu identifizieren und in der Folge Überlegungen anzustellen und Methoden zu entwickeln, um Stärken zu stärken und Schwächen auszuräumen. In den Natur- und technischen Wissenschaften haben sich Stärkefelder in den Life Sciences, in der Experimentalphysik, in einigen Bereichen der angewandten Mathematik, in der Krebsforschung, in der Herz-KreislaufForschung, u. a. herausgebildet. In den Geistes-, Kultur-, Kunst- und Sozialwissenschaften ist die „Landschaft“ exzellenter Forschung kleinteiliger: Stärkefelder zeichnen sich im Spannungsfeld von Kunst und kunst- und kulturwissenschaftlicher Reflexion, in einem Analysebereich ab, der sich auf bedeutende Vorläufer(Wiener Schule der Kunstgeschichte, Wiener Kreis, Wiener Schule der Nationalökonomie, Wiener Schule des Konstruktivismus) beziehen kann. Grundstrategie der Wissens- und Wissenschaftsförderungsarbeit • Wien stärkt die Qualitäten der Stadt gleichermaßen durch naturwissenschaftliche und technische Analysearbeit und durch kulturwissenschaftliche Reflexion. • Wien stärkt den Wissenschafts- und Forschungsstandort. • Wien fördert innovative Forschungen mit Anwendungsperspektiven, die dem Wirtschaftsstandort nützen. • Die Geistes-, Kultur-, Kunst- und Sozialwissenschaften, die in Wien immer in besonders enger Verbindung mit der Arbeit der KünstlerInnen standen, waren und sind Forschungsinstanzen, mit deren Hilfe aktuelle Entwicklungen in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur und Kunst analysiert, dokumentiert und zur Diskussion gestellt werden. • Wien würdigt mit deutlichen Förderungsschwerpunkten, Ausstellungen, Symposien und vielen anderen Initiativen, dass Identität, Mentalitäten, Stadtwissen und-gestalt durch die Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften wesentlich geprägt wurden. • Forschung und Wissenschaft haben ein ständig wachsendes Potenzial im Hinblick auf ihre Wirksamkeit. Es ist daher wichtig, die ethische Bewertungsarbeit hinsichtlich der Voraussetzungen, Bedingungen und Folgen von Wissenschaft und Forschung(mit einer deutlichen Foresight-Perspektive!) zu einem integralen Bestandteil der Forschungsarbeit zu machen. Wien unterstützt mit innovativen Ansätzen die Ethikdiskurse in den Wissenschaften. • � Die größere Wirksamkeit von Forschung fordert eine stärkere Kommunikation der Forschungsinhalte, Methoden und Möglichkeiten in der Öffentlichkeit. Aus diesem Grund wird die Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit mit einer Reihe von Programmen, aber auch mit den von der Kulturabteilung der Stadt Wien programmierten Wiener Vorlesungen unterstützt. Detailaufgaben Die Stärkung von Wissenschaft und Forschung ist ein Hauptkriterium des Erfolges im Bereich der Städtekonkurrenz. Diese Stärkungsarbeit agiert mit folgenden Detailstrategien: • Förderung der Universitäten und Fachhochschulen als Teil der urbanen Kultur, mit der Zielsetzung, sie in die Stadt„einzunisten“ und Wien als Universitäts- und Wissenschaftsstadt zu stärken; • Förderung der„besten Köpfe“ durch ein differenziertes Stipendienprogramm; • Förderung der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften zur Reflexion und Kritik von Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft. • Förderung wissenschaftlicher Exzellenz, die sich immer auf Personen und Strukturen bezieht, durch wettbewerbsorientierte Ausschreibungen der städtischen Wissenschaftsförderungsfonds; • Förderung einer ständigen Reflexion des Verhältnisses und der Wechselwirkungen zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft; • Unterstützung und Förderung der Herausbildung von Exzellenzclustern, um vorhandene Stärken weiter zu stärken und Schwächen zurückzudrängen. Anhang 45 � Förderungskriterien Bei der Bewertung der eingereichten Projekte finden folgende Kriterien Anwendung: • Das Projekt muss als aktuelles wissenschaftliches und relevantes Vorhaben erkennbar sein. Es sollte nicht um die Reproduktion von bereits Bekanntem, sondern um die Generierung von Neuem gehen. • Qualifikation der Projektwerberin bzw.des Projektwerbers: Aus den vorliegenden Unterlagen muss ersichtlich sein, dass sich die FörderungswerberInnen auf dem aktuellen Stand der Erkenntnisse der Fragestellungen und Methoden ihres Faches und des eingereichten Projektes befinden. • Qualifikation des Projektes: Aus den vorliegenden Unterlagen muss ersichtlich sein, dass sich das Projekt mit aktuellen und innovationsträchtigen Fragen beschäftigt und die dem Problemfeld und der Fachdisziplin entsprechenden Methoden gewählt wurden. • Die zu fördernden Projekte sollen – wenn es die wissenschaftliche Disziplin erlaubt – einen Bezug zu konkreten Wiener Problemen oder Wiener Forschungsfragen, d. h. zu Forschungsfeldern haben, in denen Wien als Forschungsgegenstand oder als Ort der Entwicklung wichtiger Forschungstraditionen eine bedeutende Rolle spielt. • Auch unkonventionelle Projekte, die interessante neue und originelle Perspektiven auf Probleme und Fragen eröffnen, und die an ihren Gegenstand völlig unorthodox herangehen, haben eine Chance, gefördert zu werden. Das Kriterium, das inhaltlich und methodisch unkonventionelle Projekte erfüllen müssen, besteht darin, dass ProjektwerberInnen glaubwürdig vermitteln können, dass sie mit ihrer Person(auch mit dem eingesetzten Zeitaufwand) konsequent hinter einer Fragestellung und einem Projekt zur Beantwortung dieser Fragestellung stehen. Aktuelle Agenda der Wissenschaftsförderung der Stadt Wien Wissenschaftsförderungen: • Projektbezogene Förderung großer Forschungsgesellschaften(u.a. ÖAW, Ludwig BoltzmannGesellschaft) • Förderung innovativer wissenschaftlicher Projekte wissenschaftlicher Vereine • Kooperationen mit den Universitäten(diverse Stiftungsprofessuren und Abstimmungsgespräche zu Fragen des Verhältnisses von Stadt und Universitäten) • Stipendienprogramme, Studienförderung(Master-, Doc-, Forschungsstipendien zur Wiener Knowledge Base, Wissenschaftsstipendien) • Publikationsförderung durch Druckkostenbeiträge und Förderungsankäufe • Initiativen an der Schnittstelle Wissenschaft/Öffentlichkeit zur Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Öffentlichkeit: Wiener Vorlesungen, University meets Public, Wissenschaftskompass, Wiener Forschungsfest • Weiterentwicklung des FTI-Prozesses der Stadt Wien • Erstellung des Wissenschaftsberichts der Stadt Wien für das Jahr 2011 Wissenschaftsförderungsfonds im Bereich der Geschäftsgruppe Kultur und Wissenschaft: • Fonds der Stadt Wien für innovative interdisziplinäre Krebsforschung www.wien.gv.at/kultur/abteilung/wissenschaftsfonds/krebsfonds.html • Hochschuljubiläumsstiftung der Stadt Wien www.wien.gv.at/amtshelfer/kultur/archiv/forschung/hochschuljubilaeumsstiftung.html • Jubiläumsfonds der Stadt Wien für die Österreichische Akademie der Wissenschaften www.wien.gv.at/kultur/abteilung/wissenschaftsfonds/akademie-wissenschaften.html • Ausschreibung 2010: Migration, kulturelle Diversität, Mehrfachidentität, Integration • Jubiläumsfonds der Stadt Wien für die Wirtschaftsuniversität Wien www.wien.gv.at/kultur/abteilung/wissenschaftsfonds/wirtschaftsuniversitaet.html • Viktor Frankl-Fonds zur Förderung einer sinnorientierten humanistischen Psychotherapie www.wien.gv.at/kultur/abteilung/wissenschaftsfonds/frankl.html www.kultur.wien.at 46 Forschung| Entwicklung| Bildung Die Wiener Fachhochschulförderung der MA 27 � Seit den 1990er Jahren gibt es in Österreich Fachhochschulen(FHs) als wichtige Ergänzung zu den Universitäten. Die Entwicklung einer wissensbasierten Gesellschaft stellt neue Anforderungen an Lernfähigkeit, Innovationskraft und die Vermittlung von Fachwissen. Gerade deshalb sind Talent und Kreativität der gut ausgebildeten Fachhochschulabsolventinnen und-absolventen für den Wirtschaftsstandort so wichtig und wertvoll. Die Stadt Wien hat das frühzeitig erkannt und die notwendigen Geldmittel zur Verfügung gestellt, um diese positive Entwicklung zu forcieren. Während zunächst vor allem das Wachstum des Wiener Fachhochschulsektors unterstützt wurde, setzt die Stadt Wien seit Einführung der Fachhochschul-Förderrichtlinie 2005 stärker auf die qualitative Konsolidierung des Studienangebots. Zusätzlich zur Bundesförderung erhalten die Wiener Fachhochschulerhalter Förderungen, um beantragte Projekte durchführen zu können sowie um Stiftungsprofessorinnen und-professoren anzustellen. Nachdem die Wiener Fachhochschulen in den Jahren 2005 bis 2009 mit insgesamt 15 Mio. Euro von der Stadt Wien subventioniert wurden, kam es im Rahmen der neuen Förderrichtlinie 2010(Laufzeit 2010 bis 2014) zu einer Erhöhung der Fördermittel um 20% auf insgesamt 18 Mio. Euro. Die Wiener FH-Förderung wird der MA 27- EUStrategie und Wirtschaftsentwicklung, Dezernat Arbeit und Wirtschaft, abgewickelt: www.wien.gv.at/wirtschaft/eu-strategie/ Durch die Förderstelle in der MA 27 werden im Rahmen von Ausschreibungen(„Calls“) die antragsberechtigten Wiener Fachhochschulerhalter eingeladen, Projektvorschläge zur Qualitätssicherung und Qualitätsverbesserung der Fachhochschul-Studiengänge zur Förderung einzureichen. Aus den eingereichten Projektvorschlägen werden von einer unabhängigen Jury die Besten ausgewählt, gereiht und unter Berücksichtigung des jeweils bereitgestellten Budgets zur Förderung vorgeschlagen. Seit 2005 wurden insgesamt 83 Projekte von der Stadt Wien gefördert, 33 davon sind bereits abgeschlossen. Themen der Calls waren beispielsweise: • Qualitätssicherung der Lehre, • Stiftungsprofessuren und Kompetenzteams für Lehre und Forschung, • Gender Mainstreaming, • Internationalisierung sowie • Startfinanzierung von technologiepolitisch wichtigen Studiengängen. Die Wiener Fachhochschulen Die Wiener Fachhochschulen zählten im Studienjahr 2010/11 10.949 Studierende, das ist fast ein Drittel der österreichweit 37.564 FH-Studierenden. Gesamt betrachtet entwickelte sich der FH-Bereich in den letzten Jahren sehr dynamisch. So hat sich die Zahl der FH-Studierenden im Vergleich zum Wintersemester 2002 von 4.095 auf 10.949 Studierende im Wintersemester 2010 mehr als verdoppelt. Auch der Frauenanteil wächst kontinuierlich. Über alle FH-Studiengänge betrachtet liegt in Wien der Frauenanteil bei 42%, österreichweit ist er mit 46% etwas höher. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die – bezogen auf die Studierendenzahlen – zweitgrößte FH, die Fachhochschule Technikum Wien, mit 3.073 Studierenden einen Frauenanteil von bloß 13,5% hat. Umso notwendiger und sinnvoller sind Förderungsmaßnahmen, die in allen Phasen Gender Mainstreaming – ebenso wie Diversity Management – mit einbeziehen. Die Fachhochschulförderung der Stadt Wien setzt hier Maßstäbe: Die Berücksichtigung von Gender-Mainstreaming ist ein„Knock-Out“-Kriterium bei der Förderungsbewilligung durch die Stadt Wien. Fachhochschule des bfi Wien www.fh-vie.ac.at Fachhochschule Campus Wien www.fh-campuswien.ac.at Fachhochschule Technikum Wien www.technikum-wien.at FH-Studiengänge der Wiener Wirtschaftskammer(FHW) www.fh-wien.ac.at Lauder Business School www.lbs.ac.at Ferdinand Porsche FernFH www.fernfh.at Anhang 47 Dadurch können die FH-Erhalter Erfahrungen in der Umsetzung geschlechtssensitiver Projekte sammeln. Daraus entstehen auch Vorteile bei der Einreichung um Fördermittel des Bundes oder der Europäischen Union. Im Studienjahr 2009/2010 haben in Österreich insgesamt 10.094 Studierende an FH-Studiengängen ihr Studium abgeschlossen, 2.492(25%) davon in Wien. Auffallend ist, dass bei den FHStudienabschlüssen – wie bei den Universitätsabschlüssen – der Frauenanteil an den technischen Disziplinen mit 17% sehr gering ist. Die Organisationsform des FH-Studiums ist eine nähere Betrachtung wert. So studieren österreichweit 35% der FH-Studierenden berufsbegleitend, nehmen also die Doppelbelastung von Beruf und Studium auf sich. In Wien ist dieser Anteil mit 48% noch höher. Eine mögliche Erklärung dafür wäre, dass in einer Großstadt die Vereinbarkeit von Studium und Beruf relativ leichter organisierbar ist. Studierende an Wiener Fachhochschul-Studiengängen Zeitreihe Wintersemester 2002–2010 Wintersemester 2010 2009 2008 2007 2006 2005 2004 2003 2002 Frauen 4.558 4.527 3.915 3.385 2.888 2.620 2.257 1.849 1.486 Studierende Männer 6.391 6.092 5.391 5.091 4.629 4.115 3.783 3.189 2.609 Quelle: uni:data 1 , Fachhochschulrat auf Basis BilDokVFH 2 Insgesamt 10.949 10.619 9.306 8.476 7.517 6.735 6.040 5.038 4.095 Frauen-/Männeranteile in% Frauen Männer 42 43 42 40 38 39 37 37 36 58 57 58 60 62 61 63 63 64 Studienabschlüsse an Wiener Fachhochschul-Studiengängen nach Ausbildungsbereichen 2009/2010 Ausbildungsbereiche Wirtschaftswissenschaften Technik, Ingenieurwissenschaften Gesundheitswissenschaften Naturwissenschaften Sozialwissenschaften Wien insgesamt Studienabschlüsse Frauen 326 195 231 26 216 994 Männer 391 962 52 21 72 1.498 Quelle: uni:data 1 , Fachhochschulrat auf Basis BilDokVFH 2 Insgesamt 717 1.157 283 47 288 2.492 Frauen-/Männeranteile in% Frauen 45 17 82 55 75 40 Männer 55 83 18 45 25 60 1 Datawarehouse Hochschulbereich 2 BidokVUni: Bildungsdokumentationsverordnung Universitäten. � 48 Forschung| Entwicklung| Bildung 1082 Wien, Schlesingerplatz 2 � Telefon:+42-1-4000-27007 � E-Mail: post@ma27.wien.gv.at � www.wien.gv.at/wirtschaft/eu-strategie � Die MA 27 ist eine Strategieabteilung im Bereich der Geschäftsgruppe Finanzen, Wirtschaftspolitik und Wiener Stadtwerke für EntscheidungsträgerInnen auf politischer Ebene und innerhalb des Magistrats der Stadt Wien. Die zentralen Themen der MA 27 sind: • Wien relevante strategische Fragen der EU • EU-Förderungen für das Wiener Stadtgebiet • EU-Förderungen mit internationaler Zusammenarbeit • Ausgabenkontrolle • Dienste von allgemeinem(wirtschaftlichem) Interesse – Daseinsvorsorge • Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandortes Wien(in den Bereichen Arbeitsmarkt, Wirtschaft, Technologie, Forschung und Innovation) • Wiener Fachhochschulförderung EU-Förderungen für das Wiener Stadtgebiet Derzeit wird das Förderprogramm„Regionale Wettbewerbsfähigkeit und integrative Stadtentwicklung in Wien 2007–2013“ mit 25 Millionen Euro EU-Förderung abgewickelt und betreut. Ziel ist die Stärkung der Wiener Wettbewerbsfähigkeit und die Verbesserung des städtischen Lebensraumes. www.eu.wien.at/ EU-Förderungen mit internationaler Zusammenarbeit Auch für die Abwicklung von internationalen EU Strukturfonds-Förderprogrammen – gefördert aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung(EFRE) – ist die MA 27 verantwortlich. An diesen Programmen sind – neben Wien – auch weitere Regionen aus Österreich und anderen EU-Mitgliedsstaaten beteiligt. www.wien.gv.at/wirtschaft/eu-strategie/ eu-foerderung/etz/projekte/index.html Daseinsvorsorge Der Bereich Daseinsvorsorge beschreibt die Aufgabe der öffentlichen Hand, jene grundlegenden Güter und Leistungen bereitzustellen, die Voraussetzung für das reibungslose gesellschaftliche Zusammenleben sind. Eine Einführung in die Thematik, Hintergrundinformationen, die Standpunkte der Stadt Wien sowie Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofes zum Thema sind auf der u. a. Internetseite ausführlich dargestellt. www.wien.gv.at/wirtschaft/eu-strategie/ daseinsvorsorge/index.html Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandortes Wien Aktuelle und absehbare wirtschaftliche Entwicklung des Wirtschaftsstandorts Wien werden analysiert, Informationen beschafft und aufbereitet, sowie ausgewählte Umsetzungsmaßnahmen koordiniert und abgewickelt. Studienergebnisse werden für EntscheidungsträgerInnen aufbereitet und Lösungsvorschläge erarbeitet. www.wien.gv.at/wirtschaft/eu-strategie/ wirtschaft/downloadaw.html Wiener Fachhochschulförderung Im Zeitraum 2000 bis 2009 wurden durch die Stadt Wien insgesamt 30,9 Millionen Euro für den Aus- und Aufbau von Fachhochschul-Studiengängen sowie für die Förderung von Projekten zur Verfügung gestellt. In der derzeitigen Förderperiode von 2010 bis 2015 steht ein Fördervolumen von 18 Millionen Euro zur Verfügung, das im Rahmen von Calls für innovative Projekte vergeben wird. Die MA 27 betreut die Wiener Fachhochschulförderung inhaltlich und organisatorisch. www.wien.gv.at/forschung/ institutionen/fh.html Anhang 49 MA 5- Finanzwesen, Referat Statistik und Analyse 1010 Wien, Volksgartenstraße 3 Telefon:+43-1-4000-88615 E-Mail: statistik@ma05.wien.gv.at www.wien.gv.at/statistik Die Entwicklung zur Informations- und Wissensgesellschaft stellt die Statistik Wien vor die Aufgabe, ihr eigenes Potenzial stärker in den allgemeinen Verwaltungsprozess einzubringen, auf sich aufmerksam zu machen sowie die Bedeutung ihrer Dienstleistung für die Verwaltung stärker in die Öffentlichkeit zu rücken. Auf Basis bundes- und landesgesetzlicher Rechtsgrundlagen werden durch die MA5 – Finanzwesen, Referat Statistik und Analyse(Landesstatistik Wien), statistische Informationen erhoben, verarbeitet, ausgewertet und veröffentlicht. Diese bieten den Bürgerinnen und Bürgern, der Verwaltung, Wirtschaft, Politik und Wissenschaft objektive Informationen über die demographische, soziale und wirtschaftliche Situation der Bundeshauptstadt Wien. Themenschwerpunkte Die Statistik Wien konzentriert sich in ihrer Tätigkeit als Landes- und Gemeindestatistik auf folgende Themenschwerpunkte: • Bevölkerungs- und Sozialstatistik, • Bildungs- und Gesundheitsstatistik, • Wirtschafts- und Arbeitsmarktstatistik, • Statistik im Erhebungsbereich. Die Bevölkerungs- und Sozialstatistik ermöglicht direkte Einblicke in zentrale Fragestellungen wie Bevölkerungsstruktur und –entwicklung und vermittelt statistische Inhalte qualitätsgesichert. Die Größe und Struktur der Einwohnerzahl sind u. a. abhängig von der Geburten-, und Sterbefallentwicklung sowie von den regionalen Wanderungsströmen. Diese Informationen sind auch im Rahmen der Finanzausgleichsverhandlungen von großer Bedeutung. Statistische Informationen in Bezug auf Bildung und Gesundheit stellen aggregierte Sachverhalte dar und besitzen durch Benchmarking sowie durch zusätzliche Qualitätskriterien eine besondere Aussagefähigkeit. Sie informieren in der Regel über einen wichtigen Bestandteil von Gesundheitsberichten und sind daher von hoher gesellschaftlicher Relevanz. Statistik zu Erwerbsbeteiligung(Beschäftigung) ist ein zentraler Bestandteil der Informationsgesellschaft. Der Wandel vom Male-BreadwinnerModell hin zu den aktuell extrem ausdifferenzierten Beschäftigungsformen bietet ein großes Potential an Analysemöglichkeiten. Insbesondere die Gender-Perspektive, also z. B. die Frage warum Frauen am Arbeitsmarkt Benachteiligung erfahren, spielt hier eine wichtige Rolle. Die Statistik Wien erfüllt den Auftrag der öffentlichen Hand und garantiert eine hohe Qualität bei der Durchführung der Erhebungen. Diese bleiben in Bezug auf die Erhebungstätigkeit, wie den Verbraucherpreisindex und die Tourismusstatistik, im Hintergrund. Doch diese und andere, nicht weniger eindrucksvolle Statistiken fallen nicht vom Himmel, sondern setzen eine organisatorische Infrastruktur sowie Investitionen in die statistische Datenaufbereitung und auswertung voraus. In ihrer Rolle als magistratsinterne Dienstleisterin betreut die Statistik Wien andere Dienststellen zu Fragen der Datenerhebung und-analyse sowie im Rahmen der Registerkoordination. Auch Anfragen von interessierten Bürgerinnen und Bürgern zu verschiedensten statistischen Themenbereichen werden beantwortet. Dabei spielt auch das umfangreiche statistische Archiv eine Rolle. www.wien.gv.at/statistik/ www.wien.gv.at/statistik/publikationen/ 50 Forschung| Entwicklung| Bildung Impressum Medieninhaber, Herausgeber und Verleger Magistrat der Stadt Wien MA 5- Finanzwesen Referat Statistik und Analyse F.d.I.v.: Mag. Dr. Gustav Lebhart Redaktion Referat Statistik und Analyse Volksgartenstraße 3, A-1010 Wien Telefon:+43-1-4000-88629 statistik@ma05.wien.gv.at www.statistik.wien.at Redakteurinnen Redaktionsleiterin Dipl.-Ing. in Mag. a Ulrike Pailer(MA 5) Telefon:+43-1-4000-88631 ulrike.pailer@wien.gv.at Dipl.-Ing. in Christine Wanzenböck(MA 27) Telefon:+43-1-4000-27025 christine.wanzenboeck@wien.gv.at www.wien.gv.at/wirtschaft/eu-strategie/ Nachdruck nur mit Quellenangabe. Gestaltung, Herstellung, Satz MEDIAPROJECTS. Dipl.-Ing. Gernot Steindorfer A-7061 Trausdorf a. d. Wulka Infografiken MEDIAPROJECTS. Coverbild © carlos castilla- Fotolia.com Druck AV+Astoria Druckzentrum GmbH, A-1032 Wien Offenlegung Statistische Analysen, welche die Stadt Wien betreffen. Rechtlicher Hinweis Die enthaltenen Daten, Tabellen, Grafiken, Bilder etc. sind urheberrechtlich geschützt. � Haftungsausschluss: Wie übernehmen keine Haftung für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität des Inhaltes. � Nachdruck nur mit Quellenangabe. � ISBN 978-3-901945-07-6 � Gedruckt in Österreich � In Koooperation mit ISBN 978-3-901945-07-6 Edition 1/2010 STATISTIK JOURNAL WIEN Kinderbetreuung in Wien Vorwort Für eine gute Zukunft unserer Kinder Nichts ist für unsere Zukunft als Gesellschaft so wichtig, wie eine gute und umfassende Betreuung unserer Kinder. Für die Stadt Wien steht das außer Frage. Gerade die frühkindliche Förderung und Unterstützung ist prägend für das ganze weitere Leben. Mit einem qualitätsorientierten und bedarfsgerechten Ausbau des Betreuungsangebots unterstützt die Stadt Wien die Erziehungsberechtigten bei der Bildung und Betreuung ihrer Kinder. In der vielfältigen Betreuungslandschaft stehen in der Bundeshauptstadt alleine für Kinder im Krippen- und Kindergartenalter rund 62.600 Plätze zur Verfügung. Dazu kommen rund 21.500 Hort- und Familiengruppenplätze für Schulkinder sowie ein immer größer werdendes Angebot an Nachmittagsbetreuung in Schulen, das aktuell von rund 19.100 Kindern der ersten bis vierten Klassen in Anspruch genommen wird. Der Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen in Wien geht stetig weiter. Wien wird in den nächsten Jahren sein Betreuungsnetz noch verdichten. Und das aus einer Position der Stärke heraus: Wir sind derzeit das einzige österreichische Bundesland, das die Barcelona-Ziele der Europäischen Union in Sachen Kinderbetreuung bereits heute annähernd erfüllt. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie kann nämlich nur dann funktionieren, wenn sich die Eltern auf ein qualitativ hochwertiges und von den Betreuungszeiten her umfassendes und stabiles Angebot verlassen können. Im Bereich der Kinderbetreuung beschränken sich die Leistungen der Stadt Wien nicht nur auf den Betrieb der gemeindeeigenen Kinderbetreuungseinrichtungen der MA 10- Wiener Kindergärten. Sie erstrecken sich vielmehr auch auf die zahlreichen Privat- und Vereinseinrichtungen. Die Stadt Wien wird alleine für diese Kinderbetreuungseinrichtungen laut Voranschlag im Jahr 2010 rund 224 Millionen Euro an Fördermitteln ausschütten. Die Einführung des Gratiskindergartens im September 2009, der im Rechnungsjahr 2010 erstmals voll zum Tragen kommen wird, bedeutet damit eine nachhaltige finanzielle Entlastung für Familien mit Kindern. Das ist die größte Entlastung des Mittelstandes seit vielen Jahrzehnten! Aber auch „als Arbeitgeber“ ist Kinderbetreuung ein wichtiger Faktor. So werden alleine in den Einrichtungen der MA 10- Wiener Kindergärten mehr als 6.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Das vorliegende Statistik Journal Wien fasst die Ergebnisse umfangreicher Recherchen zusammen und wurde in enger Zusammenarbeit zwischen dem Statistikreferat der MA 5- Finanzwesen, sowie der MA 10- Wiener Kindergärten und der MAG ELF erstellt, wofür ich mich an dieser Stelle herzlich bedanke. Mag. a Renate Brauner Vizebürgermeisterin und amtsführende Stadträtin für Finanzen, Wirtschaftspolitik und Wiener Stadtwerke Foto: Wolfgang Zajc 3 4 Vorwort Foto: Ludwig Schedl Christian Oxonitsch Amtsführender Stadtrat für Bildung, Jugend, Information und Sport Für Qualität und Vielfalt Die Arbeit, die in unseren Kindergärten geleistet wird, kann nicht hoch genug eingeschätzt werden: Denn gerade in den ersten Lebensjahren machen Kinder bedeutende – wenn nicht sogar die wichtigsten – Entwicklungsphasen durch. All jene, die sie dabei unterstützen und begleiten, tragen eine hohe Verantwortung und leisten gleichzeitig einen enorm wichtigen Beitrag für unsere Gesellschaft: Gilt es doch, die Kleinen in ihrem sozialen Verhalten, in ihrer Sprach- und Kommunikationsfähigkeit, ihrer Kreativität und Individualität bestmöglich zu fördern. Vieles, was wir in diesen ersten frühen Jahren lernen, bleibt und prägt uns ein Leben lang. Dank der engagierten Arbeit der Pädagoginnen und Pädagogen in unseren Einrichtungen haben Kinder in Wien die Chance, sich bestmöglich zu entwickeln – und zwar alle, sowohl die begabten als auch jene, die mehr Förderung brauchen! Die hohe Qualität und Vielfalt der Wiener Kinderbetreuungseinrichtungen ist österreichweit einzigartig. Die im Statistik Journal Wien festgehaltenen Daten und Fakten belegen dies eindrucksvoll! Wien hat auch als erstes Bundesland die hohen Standards seiner Kinderbetreuung verbindlich festgeschrieben und 2006 einen eigenen„Bildungsplan“ für seine Kindergärten entwickelt: Dabei geht es aber nicht primär um„Wissen“, sondern um die Gesamtpersönlichkeit eines Kindes. Im Herbst 2009 hat Wien dann einen weiteren wichtigen Schritt gesetzt und den beitragsfreien Kindergarten realisiert – in allen städtischen und einem Großteil der privaten Einrichtungen ist nun kein Besuchsbeitrag mehr zu bezahlen. Insgesamt investierte die Stadt im Jahr 2009 rund 466 Millionen Euro jährlich in die Kinderbetreuung. Im Jahr 2010, dem ersten Jahr in dem der Gratiskindergarten voll zur Geltung kommt, werden sich diese Investitionen noch deutlich erhöhen. Die Kinderbetreuung ist grundsätzlich ein Bereich, den es laufend weiterzuentwickeln gilt – das betrifft den Ausbau des Platzangebots ebenso wie die pädagogischen Konzepte. Wir werden auch weiterhin mit Hochdruck daran arbeiten, dass Wien bei der Kinderbetreuung auch in Zukunft am Ball bleibt, um das Beste für die Kinder und ihre Familien zu erreichen. Inhalt Inhalt Vorwort Frau Vizebürgermeisterin Mag. a Brauner ............................................................................. 3 Vorwort Herr Stadtrat Oxonitsch ................................................................................................ 4 Vorwörter MA 10- Wiener Kindergärten und MAG ELF ....................................................................... 6 Das Wichtigste zuerst ........................................................................................................ 7 1.1 1.2 1.3 1.4 1.5 Über 84.000 Betreuungsplätze für unsere Kinder in Wien ............................................................ 8 Umfassende Förderung durch die Stadt Wien ........................................................................ 10 Qualitätskontrolle ....................................................................................................... 10 Das Barcelona-Ziel ...................................................................................................... 12 Bundesländervergleich der Betreuungssysteme ...................................................................... 13 Informationen im Detail .................................................................................................. 15 2.1 Standorte der Kinderbetreuungseinrichtungen ....................................................................... 16 2.2 Platzangebot in Kinderbetreuungseinrichtungen ..................................................................... 20 2.3 Öffnungszeiten .......................................................................................................... 22 2.4 Integration .............................................................................................................. 24 2.5 Kinder in Kinderbetreuungseinrichtungen ............................................................................ 26 2.6 Tageseltern und Kindergruppen ....................................................................................... 29 2.7 Wo Kinder ihre Kindergartenpflicht ab September 2010 absolvieren werden ...................................... 29 2.8 Ganztägige Betreuung von Schulkindern ............................................................................. 30 2.9 Gesundheit .............................................................................................................. 31 2.10 Ausgaben ................................................................................................................ 32 2.11 Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik der Stadt Wien ......................................................... 34 Methoden, Glossar, Service .................................................................................................... 35 Impressum ...................................................................................................................... 41 5 6 Vorwort Foto: MA 10 Wiener Kindergärten/Irene Rohrmoser (Media Wien) Foto: Hausegger Mag. a Christine Spiess Abteilungsleiterin der MA 10- Wiener Kindergärten Mag. a Michaela Krejcir Stellvertretende Abteilungsleiterin der MAG ELF Der Kindergarten als erste institutionelle Bildungseinrichtung hat in den letzten Jahren immer mehr an Stellenwert und Aufmerksamkeit bekommen. Die enorme gesellschaftliche Verantwortung, die dem Kindergarten in der heutigen Zeit zum Wohle der Kinder zugesprochen wird, zeigt sich auch in Studien und Publikationen. Insbesondere die Stadt Wien nimmt österreichweit bezüglich Qualität und Angebot eine Vorreiterrolle ein. Da es mir ein persönliches Anliegen ist, die Errungenschaften dazustellen, freue ich mich besonders über die Erstellung dieses Journals und darf allen Beteiligten für die sehr gute Zusammenarbeit und ihr hohes Engagement bei der Erarbeitung danken. Die vorliegende statistische Aufstellung über die derzeitige Datenlage zeigt eindrucksvoll die erreichten Ziele im Wiener Kindergartenwesen. Für das Wohlergehen unserer Kinder ist die Qualität in der Betreuung und Bildung ausschlaggebend. In Wien wird eine breite Palette von Betreuungsformen angeboten, sodass den unterschiedlichen individuellen Bedürfnissen jedes Kindes entsprochen werden kann. Alle diese vielfältigen Betreuungsformen müssen hohe Qualitätsstandards erfüllen und im Rahmen der frühkindlichen Bildung die Entwicklung der Kinder und ihre soziale Integration kompetent fördern. Der MAG ELF ist es ein besonderes Anliegen diese qualitativ hochwertige Kinderbetreuung in Wien sicherzustellen. Das engagierte Team der MAG ELF unterstützt die Träger bei der Errichtung neuer Einrichtungen, begleitet sie beratend im Qualitätsentwicklungsprozess, und leistet somit wichtige Servicearbeit für die Wiener Kinder und ihre Familien. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle herzlich bedanken. Foto: Aramanda Fotolia.com 8 Das Wichtigste zuerst 1.1 Über 84.000 Betreuungsplätze für unsere Kinder in Wien Das Besondere der Kinderbetreuung in Wien ist das vielfältige Angebot an öffentlichen und privaten Kinderbetreuungseinrichtungen und die gute Zusammenarbeit beider Bereiche. Durch dieses System ist gewährleistet, dass den Eltern in der Bundeshauptstadt die größte Dichte an Kinderbetreuungseinrichtungen in ganz Österreich geboten wird. Allein in die Einrichtungen der MA 10- Wiener Kindergärten kommen täglich rund 34.600 Kinder, eine fast so große Anzahl wie die zwölftgrößte Stadt Österreichs – Steyr – Einwohnerinnen und Einwohner zählt. Täglich sind dort mehr als 6.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – Kindergartenpädagoginnen und Kindergartenpädagogen und Assistentinnen und Assistenten – im Einsatz, um den Kindern beste Bedingungen zu bieten. 13.000 Hände tragen, zeigen, machen, helfen mit und ebenso viele Augen wachen darüber, dass die Kinder bei ihren alltäglichen Erprobungen Fortschritte und positive Erfahrungen machen. Hohe Qualität in allen Bereichen gilt als Markenzeichen der städtischen Kleinkinderkrippen, Kindergärten und Horte. Die Pädagoginnen und Pädagogen bereiten ihre Arbeit mit den Kindern auf Grundlage wissenschaftlich fundierter Erkenntnisse und Methoden der Pädagogik vor. Für die fachliche und organisatorische Qualität trägt die Kindergartenleiterin bzw. der Kindergartenleiter die Verantwortung. Mit langjähriger praktischer Erfahrung managt die Leiterin oder der Leiter den Kindergartenbetrieb und hat auch für jedes Anliegen der Eltern ein offenes Ohr. Die Pädagoginnen und Pädagogen sowie Assistentinnen und Assistenten besuchen laufend Fortbildungen. Aber nicht nur in diesem Punkt nimmt Wien eine Vorreiterrolle ein. In punkto Öffnungszeiten und Spezialistinnen und Spezialisten hat Wien für Kinder und Eltern – ohne Mehrkosten – einzigartige Maßstäbe gesetzt, denn unser Ziel ist eine Pädagogik der Vielfalt, die eine Kultur der Akzeptanz und der demokratischen Gleichberechtigung von Menschen mit verschiedenen Lebenswelten entwickelt und pflegt. Die privaten Einrichtungen und Tageseltern bieten Betreuungsplätze für rund 47.600 Kinder, das übertrifft die kumulierte Bevölkerungszahl der Städte Wiener Neustadt und Schärding. Karte 1.1.1 Standorte aller Kinderbetreuungseinrichtungen in Wien Kinderbetreuungseinrichtungen der MA 10 - Wiener Kindergärten Kinderbetreuungseinrichtungen anderer Träger(Private, Vereine etc.) Quelle: MAG ELF, MA 14- ViennaGIS Das Wichtigste zuerst 9 Abbildung 1.1.1 Platzangebot in Wiener Kinderbetreuungseinrichtungen- bewilligte Plätze nach Trägerorganisationen- Mai 2010 40.000 35.000 36.416 30.000 25.000 20.000 15.000 10.000 5.000 11.589 12.938 11.337 3.979 1.799 1.828 2.944 1.230 1.1 Quelle: MAG ELF MA10 Wiener Kindergärten Kinderfreunde Kinder in Wien Kindercompany Kirchlic(hmeeKhirnerAdeenrdTbreerätergeeTrruoäurAgnlgtega-rsnoieWriisgnearatinincio-hsntaeuMtinnU)ogKneeUnn Kindergruppen Tageseltern In der Bundeshauptstadt Wien stehen insgesamt 84.060 Kinderbetreuungsplätze in Kinderbetreuungseinrichtungen zur Verfügung. Davon bietet die Stadt Wien als mit Abstand größte Trägerorganisation 36.416 Betreuungsplätze an. Die restlichen Plätze werden von privaten Trägerorganisationen und verschiedenen Vereinen angeboten. Abbildung 1.1.2 Platzangebot in Wiener Kinderbetreuungseinrichtungen- Anteil der bewilligten Plätze nach Trägerorganisationen- Mai 2010 Kindergruppen Tageseltern 1% Andere Trägerorganisationen 4% 14% Kirchliche Kinderbetreuungseinrichtungen (mehrere Trägerorganisationen) 15% 43% MA10- Wiener Kindergärten Alt-Wien- MUKU 2% Kindercompany 2% Kinder in Wien 5% 14% Kinderfreunde Quelle: MAG ELF Anteilig befinden sich rund 43% der Betreuungsplätze in Einrichtungen der Stadt Wien. Von kirchlichen(katholischen und evangelischen) Trägerorganisationen werden rund 15% des Platzangebotes zur Verfügung gestellt. 14% von den Wiener Kinderfreunden, die damit nach der Stadt Wien die zweitgrößte Trägerorganisation in der Bundeshauptstadt sind. Rund 5% der über 84.000 Betreuungsplätze befinden sich in Kindergruppen und bei Tageseltern. 10 1.2 1.3 Das Wichtigste zuerst Umfassende Förderung durch die Stadt Wien Die MA 10- Wiener Kindergärten ist für die Förderung der privaten Kinderbetreuungseinrichtungen in Wien zuständig. Etwas mehr als die Hälfte aller in Wien angebotenen Kinderbetreuungsplätze stellen private Betreiber zur Verfügung – ein Großteil von ihnen erhält von der Stadt Wien Fördermittel. Mit der Einführung des beitragsfreien Kindergartenbesuches fördert die MA 10 alle Wiener Kinder mit einem Betreuungsbeitrag pro Monat. Darüber hinaus erhalten gemeinnützige geführte Organisationen auch einen Grundbeitrag pro Kind und Monat sowie einen Verwaltungskostenzuschuss, der abhängig von der Anzahl der geführten Gruppen ist. Die MA 10 überprüft die Förderanträge nach den vom Wiener Gemeinderat beschlossenen Förderrichtlinien und weist zuerkannte Förderbeträge nach Abschluss entsprechender Übereinkommen gemeinsam mit der zuständigen Buchhaltung an. So wird beispielsweise bei Terminen vor Ort die Anwesenheit und der regelmäßige Besuch der Kinder in der privaten Betreuungseinrichtung und das eingesetzte Betreuungspersonal kontrolliert. Gleichzeitig sind die Einrichtungen verpflichtet, die Verwendung der erhaltenen Förderungen zu dokumentieren und den Vorteil an die Eltern weiterzugeben. Darüber hinaus dürfen keine Beiträge für den Besuch der privaten Einrichtung eingehoben werden, lediglich Zusatzleistungen wie längere Öffnungszeiten oder Native-Speaker Angebote können den Familien verrechnet werden. Ein weiteres Angebot der MA 10 ist die Beratung gemeinnütziger Träger bei der Errichtung neuer Kinderbetreuungseinrichtungen. Bei positiver Bedarfsprüfung werden diese neuen Projekte mit Bundes- und Landesmitteln unterstützt. Abbildung 1.2.1 Organisation der Förderung Schritt 1 MA 10 und Träger schließen Fördervertrag Schritt 2 Förderung auf Basis der Anmeldedaten Schritt 3 Gegenverrechnung auf Basis der Anwesenheit Schritt 4 Überprüfung der Mittelverwendung vor Ort Quelle: MA 10 Qualitätskontrolle Um qualitätsvolle Kinderbetreuung anbieten zu können wird bereits bei der Errichtung von Kinderbetreuungseinrichtungen auf gute räumliche Strukturen geachtet. Die Begleitung bei der Errichtung und die laufenden Kontrollen tragen wesentlich dazu bei, dass in allen Kinderbetreuungseinrichtungen in Wien ein Qualitätsstandard sichergestellt ist, der den gesellschaftlichen Entwicklungen und den modernen pädagogoischen Prinzipien – wie individuelle Förderung, Arbeiten in unterschiedlichen Gruppengrößen sowie selbstorganisiertes und offenes Lernen – entspricht. Durch altersadäquate Ausstattung der Räume, die den heutigen Bedürfnissen der Kinder angepasst ist, werden die bestmöglichen Betreuungs- und Förderungsbedingungen geschaffen. Augenmerk wird dabei auch auf die Sicherheit der Kinder (zum Beispiel Vermeidung von Unfällen, Einhaltung der Brandschutzrichtlinien), die Gesundheit(zum Beispiel Aufenthalt an der frischen Luft, gesunde Ernährung, Bewegung und medizinische Maßnahmen) und Hygiene(zum Beispiel Küchenhygiene) gelegt. Die MAG ELF weist Betreiber von Kinderbetreuungseinrichtungen stets darauf hin, wie wichtig gutes Beschwerdemanagement und Transparenz in der Elternarbeit ist. Kommt es an einem Standort doch zu Beschwerden oder Mängeln, wird durch sofortige Erhebung des Sachverhaltes und Anordnung entsprechender Maßnahmen die Sicherheit der Kinder gewährleistet. Durch laufende Aus- und Weiterbildung von Betreuungspersonal wird die Professionalität in der Betreuung von Kindern ständig den aktuellen Richtlinien angepasst. Durch unangemeldete Qualitätskontrollen erhalten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der MAG ELF einen guten Ein- und Überblick über die tatsächlichen Bedingungen in der Betreuungseinrichtung. Das Erleben des Alltags in der Gruppe ermöglicht die Kontrolle über die Umsetzung des pädagogischen Konzepts und die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben. Bei Bedarf wird fachliche Unterstützung angeboten. Kinder sollen in Betreuungseinrichtungen einen Ort vorfinden, wo durch Begegnung mit Verschiedenartigkeit eine Voraussetzung geschaffen wird, sich mit Vorurteilen auseinanderzusetzen und wo sie die Möglichkeit haben, sich kontinuierlich zu entwickeln, Erfahrungen zu sammeln, Kompetenzen zu erlangen und ihren Bedürfnissen entsprechend gefördert zu werden. Das Wichtigste zuerst Abbildung 1.3.1 Anzahl der unangemeldeten Qualitätskontrollen in Kinderbetreuungseinrichtungen durch die MAG ELF 2003 bis 2009 2.500 2.000 1.500 1.000 1.188 1.501 1.572 1.470 1.458 500 2.037 2.230 11 1.3 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 Die Kontrollorgane der MAG ELF statteten im Jahr 2009 den Kinderbetreuungseinrichtungen insgesamt 2.230 unangemeldete Besuche ab. Bei diesen Qualitätskontrollen wird neben der Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben auch die Umsetzung des pädagogischen Konzeptes vor Ort überprüft. Abbildung 1.3.2 Organisation der Qualitätskontrolle Kontrolle der Umsetzung des pädagogischen Konzeptes und des Bildungsplanes Regelmäßige, unangemeldete Qualitätskontrollen Schaffung von guten Rahmenbedingungen bei der Errichtung von Kinderbetreuungseinrichtungen Beschwerdemanagement Qualitätssicherung Beratung und Begleitung von Betreibern Einbeziehung von Sachverständigen Förderung von Integration Aus- und Fortbildung zur Umsetzung der Standards Die MAG ELF, der die Aufsicht über die Wiener Kinderbetreuungseinrichtungen obliegt, hält die Qualität in den Wiener Einrichtungen durch eine Vielzahl an Maßnahmen auf hohem Niveau. Quelle: MAG ELF Quelle: MAG ELF 12 1.4 Das Wichtigste zuerst Abbildung 1.4.1 Das Barcelona-Ziel- Zielerreichung Die Barcelona-Ziele der EU definieren, dass für mindestens 90% der Kinder zwischen drei Jahren und dem Schulpflichtalter und für mindestens 33% der Kinder unter drei Jahren Betreuungsplätze vorhanden sein sollen. 120% 100% 80% 60% 40% Barcelona-Ziel: 33% 20% beschlossener Ausbau aktuelles Angebot 2,3 28,4 3,5 42,3 5,3 Barcelona-Ziel: 90% 97,0 Versorgungsgrad Krippenkinder Versorgungsgrad Krippenkinder (ohne 0-Jährige) Versorgungsgrad Kindergartenkinder Bedingt durch das einkommensabhängige Kindergeld kehren Frauen früher in das Erwerbsleben zurück. Wien hat zeitgerecht auf diese Situation reagiert und baut schwerpunktmäßig gerade Plätze für Krippenkinder aus: Insgesamt gibt es in Wien derzeit 84.060 Betreuungsplätze im städtischen und privaten Bereich, davon entfallen insgesamt 14.466 Plätze auf Krippenkinder 4.873 städtische Plätze, 7.628 private Plätze sowie 981 Plätze in Kindergruppen und 984 Plätze bei Tageseltern. Damit verfügt Wien über den höchsten Versorgungsgrad aller Bundesländer. Durch den laufenden intensiven Ausbau bei den Plätzen für Krippenkinder nähert sich Wien Ende des Jahres dem „Barcelona-Ziel“, nämlich einem Versorgungsgrad von 33% für Krippenkinder. Ohne Berücksichtigung der 0-Jährigen, für die in der Realität nahezu keine Nachfrage nach Kinderbetreuung besteht, stehen in Wien für über 42% der Kinder im Krippenalter Betreuungsplätze zur Verfügung. Für Kindergartenkinder hat Wien das BarcelonaZiel schon längst erreicht. Quelle: MA 5, MA 10, MAG ELF Foto: Alena Ozerova Fotolia.com Das Wichtigste zuerst 13 1.5 Bundesländervergleich der Betreuungssysteme Kinderbetreuung liegt in Österreich im Kompetenzbereich der Länder. Deswegen sind die Leistungen, die einzelne Bundesländer erbringen, teilweise sehr unterschiedlich. Österreichweit einzigartig ist in Wien für alle null- bis sechsjährigen Kinder seit Herbst 2009 der Krippen- und Kindergartenbesuch beitragsfrei – nur der Essensbeitrag und spezielle Angebote sind zu bezahlen. Ein gut strukturiertes Fördersystem ermöglicht es auch privaten Kindergärten, Kindergruppen und Tageseltern zu einem Großteil beitragsfreie Plätze anzubieten. Zusätzlich können einkommensschwache Eltern und Familien seit Herbst 2009 eine Förderung des Essensbeitrages in Anspruch nehmen. Wien ist das einzige Bundesland, in dem die Mehrheit der berufstätigen Mütter Vollzeit arbeiten kann. Ein exzellentes Kinderbetreuungsangebot ermöglicht es, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Familienfreundliche Öffnungszeiten für Berufstätige, Betreuung auch während der Ferienmonate, tägliches Mittagessen und bestens geschultes Personal schaffen die notwendigen Bedingungen, um die Vereinbarkeit von Beruf und Kind leichter zu ermöglichen. Die hohe Frauen-Erwerbsquote in Wien von 76% unterstreicht das noch. Neben des Ausbaus an Betreuungsplätzen wird auch die Zahl des pädagogischen Personals erhöht, wobei Wien größten Wert auf die Ausbildung legt. Neben der 5-jährigen Ausbildung und dem 2-jährigen Kolleg an der Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik gibt es in Wien – als erstem Bundesland – seit 2008 zwei weitere Ausbildungsmöglichkeiten: die Modelle„Change“ und„Pick up“, die speziell für Umsteigerinnen und Umsteiger mit höherem Bildungsniveau und Kindergartenassistentinnen und-assistenten mit dem Wunsch nach Höherqualifizierung entwickelt wurden. Zudem hat Wien seit 2007 einen eigenen Bildungsplan für den Kindergarten, der im Buchhandel erhältlich ist und auch auf der Webseite der MA 10- Wiener Kindergärten als Download zur Verfügung steht. Tabelle 1.5.1 Kostenlose Kinderbetreuung in den Bundesländern- Betreuungsjahr 2009/10 Bundesland Wien Niederösterreich Burgenland Oberösterreich Steiermark Kärnten Salzburg Tirol ganztags ja nein ja ja ja nein nein nein Vorarlberg nein Teilzeit ja ja ja ja ja nein ja nein nein halbtags ja ja ja ja ja ja nein ja nein Mindest­alter keine Beschränkung 2½ Jahre 2½ Jahre 2½ Jahre 3 Jahre 3 Jahre 5 Jahre 4 Jahre Förderung Essensgeld einkommens­abhängig teilweise durch Gemeinden Anmerkung Keine Förderung für private Einrichtungen. Besuch wird bei unter 5-Jährigen mit bis zu 50  € pro Monat gefördert. Betreuung für 5- bis 6-Jährige in manchen Gemeinden gratis. Kaum Angebot für unter 4-Jährige. Abbildung 1.5.1 Anteil der Kinderbetreuungseinrichtungen, deren Öffnungszeiten mit einer Vollzeitbeschäftigung der Eltern vereinbar sind- Betreuungsjahr 2009/10 85,4% der in Wien betreuten Kinder befinden sich in Einrichtungen, deren Öffnungszeiten eine Vollzeitbeschäftigung der Eltern zulassen. 100% 90% 85,4 80% 70% 60% 50% 40% 30% 27,6 Österreichischer Durchschnitt inklusive Wien: 28,9% 21,0 20% 10% 14,8 12,9 12,4 10,0 7,6 5,6 Wien SBG KTN NÖ TIR BGL VBG OÖ STM Quelle: Statistik Austria Abbildung 1.5.2 Kinderbetreuungsquote der Krippenkinder Betreuungsjahr 2009/10 Quelle: MA 10 Aufgrund des vergleichsweise großen Angebots an Betreuungsplätzen für Krippenkinder liegt in Wien die Kinderbetreuungsquote für Kinder dieser Altersgruppe bei 26,8%. In keinem anderen Bundesland besuchen mehr Krippenkinder eine institutionelle Kinderbetreuungseinrichtung. Im österreichischen Durschschnitt beträgt die Betreuungsquote hier 15,8%. 30% 25% 20% 15% 10% 15,8 5% Österreich 26,8 Wien Quelle: MA 5, Statistik Austria 14 Das Wichtigste zuerst 1.5 Abbildung 1.5.3 Öffnungszeiten nach Wochen- Betreuungsjahr 2009/10 Österreich Burgenland Oberösterr. Vorarlberg Niederösterr. Steiermark 100% 90% 80% 70% 60% 50% 40% 30% 20% 10% 0% Tirol Kärnten Salzburg Wien Über 75% der Kinderbetreuungseinrichtungen in Wien haben an zumindest 51 Wochen im Jahr geöffnet. Der Anteil der Kinderbetreuungseinrichtungen, die weniger als 45 Wochen im Jahr geöffnet haben, beträgt lediglich 2,6%. 51 bis 52 Wochen 49 bis 50 Wochen 47 bis 48 Wochen 45 bis 46 Wochen bis zu 44 Wochen Quelle: Statistik Austria Abbildung 1.5.4 Öffnungszeiten in Stunden- Betreuungsjahr 2009/10 Österreich Burgenland Niederösterr. Oberösterr. 100% 90% 80% 70% 60% 50% 40% 30% 20% 10% 0% Tirol Vorarlberg Steiermark Kärnten Salzburg Wien zumindest 11 Stunden 9 bis 10 Stunden 7 bis 8 Stunden unter 7 Stunden Quelle: Statistik Austria Über 90% der Wiener Einrichtungen halten ihre Tore zumindest 9 Stunden täglich geöffnet, rund 57% davon sogar 11 Stunden oder länger. Der Anteil der Einrichtungen mit Öffnungszeiten unter 7 Stunden beträgt in Wien lediglich 2,5%. Foto: cantor paannatto Fotolia.com 16 Standorte 2.1 Standorte der Kinderbetreuungseinrichtungen Kinderbetreuung in institutionellen Einrichtungen(wie zum Beispiel Kindergartengruppen, Kleinkinderkrippen oder Horten) sowie in Kindergruppen und bei Tageseltern findet in Wien an rund 1.400 Standorten statt, wobei an den meisten dieser Standorte verschiedene Betreuungsformen für Kinder unterschiedlicher Altersgruppen vereint sind. So können an ein und demselben Standort, das heißt in einer Kinderbetreuungseinrichtung, zum Beispiel mehrere Krippengruppen, Kindergartengruppen und Hortgruppen geführt werden. Das beeindruckend eng geknüpfte Netz an Einrichtungen legt sich über das gesamte Wohngebiet der Stadt und bietet den Eltern und Kindern auch betreffend der Erreichbarkeit einen einzigartigen Komfort. Die folgenden Karten geben ein Bild darüber, wo sich für Kinder der verschiedenen Altersgruppen institutionelle Betreuungseinrichtungen befinden. Darüber hinaus werden auf der Karte der Seite 19 die Standorte der Kindergruppen und Tageseltern angeführt. Karten in höherer Auflösung können unter www.kindergaerten.wien.at abgerufen werden. Karte 2.1.1 Standorte der institutionellen Kinderbetreuungseinrichtungen für Krippenkinder- Mai 2010 Betreuungsplätze für Krippenkinder stehen in Krippengruppen, sowie Familiengruppen für 0- bis 6-Jährige zur Verfügung. Krippenkinder sind Kleinkinder im Alter von 0 bis 2 Jahren, beziehungsweise Kinder, die im aktuellen Betreuungsjahr den dritten Geburtstag feiern. Kinderbetreuungseinrichtungen der MA 10 - Wiener Kindergärten Kinderbetreuungseinrichtungen anderer Träger(Private, Vereine etc.) Quelle: MAG ELF, MA 14- ViennaGIS Standorte Karte 2.1.2 Standorte der institutionellen Kinderbetreuungseinrichtungen für Kindergartenkinder- Mai 2010 Betreuungsplätze für Kindergartenkinder stehen in Kindergartengruppen, sowie Familiengruppen für 0- bis 6-Jährige und Familiengruppen für 3- bis 10-Jährige zur Verfügung. Kindergartenkinder sind Kinder im Alter von 3 bis 5 Jahren, beziehungsweise Kinder, die im aktuellen Betreuungsjahr den sechsten Geburtstag feiern. Kinderbetreuungseinrichtungen der MA 10 - Wiener Kindergärten Kinderbetreuungseinrichtungen anderer Träger(Private, Vereine etc.) 17 2.1 Karte 2.1.1: Kinderbetreuung für Kleinkinder wird in Wien an 672 Standorten angeboten, wobei es sich bei 240 dieser Standorte um Einrichtungen der MA 10- Wiener Kindergärten handelt. Karte 2.1.2: Die Betreuung von Kindergartenkindern erfolgt an 832 Standorten. Bei 322 Standorten handelt es sich um städtische Einrichtungen. 124 Standorte werden von den Wiener Kinderfreunden betrieben. Verschiedene kirchliche(katholische und evangelische) Trägerorganisationen betreiben in Summe 125 dieser Einrichtungen. Quelle: MAG ELF, MA 14- ViennaGIS 18 Standorte 2.1 Karte 2.1.3 Standorte der institutionellen Kinderbetreuungseinrichtungen für die Betreuung von Schulkindern(Horte und Familiengruppen)- Mai 2010 Betreuungsplätze für Schulkinder stehen in Horten und Familiengruppen für 3- bis 10-Jährige, in denen eine gemeinsame Betreuung mit Kindergartenkindern erfolgt, zur Verfügung. Darüber hinaus erfolgt Nachmittagsbetreuung von Schulkindern auch an verschiedenen Schulen(siehe Seite 30). Kinderbetreuungseinrichtungen der MA 10 - Wiener Kindergärten Kinderbetreuungseinrichtungen anderer Träger(Private, Vereine etc.) Quelle: MAG ELF, MA 14- ViennaGIS Die Betreuung von Schulkindern in Hortgruppen beziehungsweise in geringerem Ausmaß in Familiengruppen, in denen Schulkinder gemeinsam mit Kindergartenkindern betreut werden, hat in Wien Tradition. Insgesamt stehen dafür 383 Einrichtungen zu Verfügung. Bei fast exakt der Hälfte dieser Kinderbetreuungseinrichtungen, in Summe 191, handelt es sich um städtische Einrichtungen der MA 10- Wiener Kindergärten. Informationen zur schulischen Nachmittagsbetreuung von Schülerinnen und Schülern, die im Zuge des Ausbaus ganztägiger Schulformen immer mehr an Bedeutung gewinnt, sind auf Seite 30 angeführt. Standorte Karte 2.1.4 Standorte der Kindergruppen und Tageseltern- Mai 2010 Die Betreuung in Kindergruppen und bei Tageseltern stellt eine Alternative zur Betreuung in institutionellen Einrichtungen dar. Bei Tageseltern werden ein oder mehrere Kinder im Familienverband der Tageseltern betreut. Kindergruppen werden auf Elterninitiative und unter wesentlicher Mitarbeit der Eltern geführt. In der Regel werden diese Einrichtungen von jüngeren Kindern besucht. Tageseltern Kindergruppen 19 2.1 Neben städtischen und privaten Kinderbetreuungseinrichtungen gibt es auch die Möglichkeit, eine Tagesmutter oder einen Tagesvater beziehungsweise eine Kindergruppe für die Betreuung des Kindes zu wählen. Insgesamt gibt es in Wien 266 Tageseltern und 219 Kindergruppen. Das Angebot von Kindergruppen und Tageseltern erfolgt dabei oft in räumlicher Ergänzung zur institutionellen Kinderbetreuung in Kleinkindergruppen, Kindergartengruppen oder Familiengruppen. Quealle: MAG ELF, MA 14- ViennaGIS 20 Platzangebot 2.2 Platzangebot in Kinderbetreuungseinrichtungen Abbildung 2.2.1 Entwicklung des Platzangebotes(in institutionellen Kinderbetreuungseinrichtungen, Kindergruppen und bei Tageseltern insgesamt)- 2005 bis 2010 90.000 85.000 80.000 75.000 70.833 70.000 72.345 74.286 77.343 79.998 84.060 82.986 65.000 01. 01. 2005 01. 01. 2006 01. 01. 2007 01. 01. 2008 01. 01. 2009 01. 01. 2010 01. 05. 2010 Quelle: MAG ELF Tabelle 2.2.1 Bewilligte Plätze nach Betreuungsform und Trägerorganisation- Mai 2010 Institution MA 10- Wiener Kindergärten Kinderfreunde Kinder in Wien Kindercompany Alt-Wien- MUKU Kirchliche Kinderbetreuungseinr. Sonstige Insgesamt insgesamt 36.416 11.589 3.979 1.799 1.828 12.938 15.511 84.060 Familiengruppen 0–6 1.343 932 2.891 393 117 1.453 2.533 9.662 bewilligte Plätze davon in/bei… Familiengruppen 3–10 Horten Kindergartengr. 2.107 9.440 19.101 274 2.740 5.683 - 863 225 115 95 821 314 181 797 95 4.965 5.752 713 2.014 4.649 3.618 20.298 37.028 Krippen 4.425 1.960 375 419 673 1.428 9.280 Kindergruppen 2.944 2.944 Tageseltern 1.230 1.230 Quelle: MAG ELF Die enorme Entwicklung des Platzangebotes lässt das Engagement der Stadt Wien in Sachen Kinderbetreuung erkennen. Innerhalb der letzten fünfeinhalb Jahre wurden über 13.000 neue Betreuungsplätze geschaffen. Dabei konnte sowohl bei den städtischen, als auch den privaten Einrichtungen ein starkes Plus verzeichnet werden. Nach den Kindergärten der Stadt Wien, mit aktuell rund 36.400 Betreuungsplätzen, sind die Wiener Kinderfreunde mit rund 11.600 Plätzen der zweitgrößte institutionelle Anbieter. Die in mehreren Organisationen vereinten kirchlichen(katholischen und evangelischen) Einrichtungen kommen auf rund 12.900 bewilligte Plätze. Bei den„Sonstigen“, in deren Gruppe hier kleinere Organisationen sowie verschiedene private Einrichtungen zusammengefasst wurden, stehen rund 15.500 Betreuungsplätze zur Verfügung. Rund 2.900 Plätze in Kindergruppen und 1.200 Plätze bei Tageseltern runden das breit gefächerte Angebot ab. Platzangebot Abbildung 2.2.2 Entwicklung des Platzangebotes nach Plätzen für Altersgruppen- 2005 bis Mai 2010 50.000 50.000 45.000 45.000 40.000 40.000 35.000 30.000 25.000 35.000 30.000 25.000 für Kindergartenkindefrür Kindergartenkinder für Schulkinder(in HofrüternSchulkinder (in Horten und Familiengruppen)und Familiengruppen) für Krippenkinder für Krippenkinder 20.000 20.000 15.000 15.000 10.000 10.000 5.000 5.000 50.000 45.000 40.000 35.000 30.000 25.000 20.000 15.000 10.000 5.000 Abbildung 2.2.3 Entwicklung des Platzangebotes nach der Trägerorganisation- 2005 bis Mai 2010 50.000 45.000 40.000 35.000 Wiener Kindergärten Wiener Kindergärten K30ir.c0h0li0che KinderbetreKuiurcnhgliscehinerKicihntduenrgbentreuungseinrichtungen (mehrere Trägerorgan(imsaethiornereen)Trägerorganisationen) K25in.d0e0r0freunde Kinderfreunde Sonstige inkl. KindergSruopnpsteigne inkl. Kindergruppen u2n0d.0T0a0geseltern Kinder in Wien und Tageseltern Kinder in Wien Kindercompany Kindercompany A15lt.-0W0i0en- MUKU Alt-Wien- MUKU 10.000 5.000 21 2.2 01. 01. 2005 01. 01. 2006 01. 01. 20057 01. 01. 20068 01. 01. 20079 01. 01. 200180 01. 05. 2010 01. 01. 2009 01. 01. 2010 01. 05. 2010 01. 01. 2005 01. 01. 2006 01. 01. 20057 01. 01. 20068 01. 01. 20079 01. 01. 200180 01. 05. 2010 01. 01. 2009 01. 01. 2010 01. 05. 2010 Quelle: MAG ELF In Absolutzahlen stieg die Zahl der bewilligten Plätze, entsprechend des spezifischen Bedarfs an Betreuungsplätzen für die unterschiedlichen Altersgruppen, stark an. Diese Entwicklung geht mit der Erreichung der im Barcelona-Ziele vereinbarten Versorgungsgrade einher. Von den im Mai 2010 bewilligten Plätze stehen 14.466 Plätze für Kinder im Krippenalter, 48.090 für Kinder im Kindergartenalter und 21.504 für Kinder im Hortalter zur Verfügung. Quelle: MAG ELF Die Absolutzahl der bewilligten Plätze stieg in den letzten Jahren bei allen großen Trägerorganisationen deutlich an. In der Gruppe der„Sonstigen“, in der hier kleinere Organisationen sowie verschiedene private Einrichtungen zusammengefasst wurden, entwickelte sich das Angebot von rund 9.600 auf über 15.500 Plätze, ein Erfolg, der auch auf das umfassende Förderwesen der Stadt Wien im Bereich der privaten Kinderbetreuungseinrichtungen zurückzuführen ist. Abbildung 2.2.4 Entwicklung des Platzangebotes nach Plätzen für Altersgruppen 130 Platzangebot für Schulkinder in 125 Kinderbetreuungseinrichtungen Platzangebot für Kindergartenkinder 120 Platzangebot für Krippenkinder Entwicklung der Anzahl der nachmittags in Schulen betreuten Kinder 115 110 105 100 95 (Index 2005= 100) Anteilig entwickelte sich die Anzahl der bewilligten Plätze für die Altersgruppen Krippenkinder, Kindergartenkinder und Hortkinder ausgehend vom 1. Jänner 2005 zwischen 18 und 20% nach oben. In der jüngeren Vergangenheit kam es dabei zu einem deutlich stärkeren Anstieg bei der Bewilligung von Plätzen für Kinder im Krippenalter. Der Anstieg des Platzangebotes für Hortkinder pendelte sich hingegen etwas ein, was auf den vermehrten Ausbau der Offenen Schulen bzw. Tagesheimschulen sowie Ganztagsschulen und der damit verbundenen Betreuung innerhalb der Schulen zurückzuführen ist. Quelle: MAG ELF, Stadtschulrat für Wien 01. 01. 2005 01. 01. 2006 01. 01. 2007 01. 01. 2008 01. 01. 2009 01. 01. 2010 01. 05. 2010 22 Öffnungszeiten 2.3 Öffnungszeiten Zu kurze Öffnungszeiten der Kinderbetreuungseinrichtungen können für Eltern zu einem existentiellen Problem werden, wenn dadurch einem Elternteil eine Berufstätigkeit erschwert wird. Doch auch finanziell abgesicherte Familien werden durch kurze Öffnungszeiten vor große organisatorische Probleme gestellt, wenn es zum Beispiel darum geht, den Nachwuchs über die Mittagszeit vom Kindergarten abzuholen, um ihn danach wieder dorthin zurück zu bringen. Wien verfügt über ein umfassendes Angebot an Kinderbetreuungseinrichtungen, deren Öffnungszeiten mit einer Vollzeitbeschäftigung der Eltern vereinbar sind. Über 85% der Kinder befinden sich in Einrichtungen, die an 4 Tagen die Woche zumindest 9½ Stunden geöffnet haben und über das gesamte Jahr für höchstens 5 Wochen schließen. Über 14% der Kinder befinden sich in Einrichtungen, die durchschnittlich mehr als 6 Stunden geöffnet haben. Nur ein verschwindend geringer Anteil der Einrichtungen hat ausschließlich halbtags geöffnet. Der Vergleich mit den Bundesländern zeigt hier drastische Unterschiede und ein starkes Ost-West-Gefälle, so befinden sich in Vorarlberg über 60% der Kinder in reinen Halbtageskindergärten, in Tirol immerhin noch 46,8%. Tabelle 2.3.1 Anteil der 0- bis 5-Jährigen Kinder in Kinderbetreuungseinrichtungen * nach Vereinbarkeit mit der Berufstätigkeit der Eltern Bundesland Österreich Wien Salzburg Kärnten Tirol Burgenland Vorarlberg Oberösterreich Steiermark Niederösterreich mit einer Vollbeschäftigung der Eltern vereinbare Kinderbetreuung in% nicht mit einer Vollbeschäftigung der Eltern vereinbar in% jedoch min. 6 Stunden täglich halbtägig unter den Grenzen der Förderung 28,9 85,4 27,6 21,0 12,9 12,4 10,0 7,6 5,6 14,8 Kriterien der Betreuung: • an vier Tagen wöchentlich mindestens 9½ Stunden und • min. 45 Stunden wöchentlich, • ganzjährig mit Unterbrechung von höchstens fünf Wochen im Kindergartenjahr, • werktags von Montag bis Freitag, • durch qualifiziertes Personal und • mit Angebot von Mittagessen. 53,0 14,1 60,8 66,9 39,8 80,2 26,6 82,6 51,5 73,2 Kriterien der Betreuung: • durchschnittlich 6 Stunden täglich und • mindestens 30 Stunden wöchentlich, • min. 30 Wochen im Kindergartenjahr, • werktags von Montag bis Freitag, • durch qualifiziertes Personal und • mit Angebot von Mittagessen. 18,0 0,5 11,6 12,1 46,8 7,2 60,9 9,8 42,9 12,0 Kriterien der Betreuung: • durchschnittlich vier Stunden täglich, • mindestens 20 Stunden wöchentlich, • min. 30 Wochen im Kindergartenjahr, • werktags von Montag bis Freitag und • durch qualifiziertes Personal. 0,2 0,0 0,0 0,0 0,6 0,2 2,6 0,0 0,0 0,0 *  Gemäß Definition Art. 4 Abs. 1 Z 1 der Art.15a B-VG Vereinbarung über den Ausbau des institutionellen Kinderbetreuungsangebots:„öffentliche und private Kindergärten/krippen sowie alterserweiterte Gruppen... sowie Betriebskindergärten/krippen“; ohne Hortgruppen, in denen unter 6-Jährige(meist vorzeitig Eingeschulte) betreut werden. Quelle: Statistik Austria Öffnungszeiten 23 2.3 Abbildung 2.3.1 Anteil der Kinder in Kinderbetreuungseinrichtungen(für Krippen- und Kindergartenkinder) deren Öffnungszeiten mit einer Vollzeitbeschäftigung der Eltern vereinbar sind- 2007/08 bis 2009/10 Steiermark 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% 4,2 5,0 5,6 Oberösterreich 6,8 7,6 7,6 Vorarlberg 8,9 9,4 10,0 Burgenland 6,5 11,6 12,4 11,4 Tirol 12,1 12,9 Niederösterreich 5,4 3,6 14,8 Kärnten Salzburg Wien Österreich 20,0 20,5 21,0 22,8 23,8 27,6 24,9 26,1 28,9 80,5 84,3 85,4 Innerhalb der letzten Jahre kam es in allen Bundesländern zu einem Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen, deren Öffnungszeiten mit einer Vollzeitbeschäftigung der Eltern vereinbar sind. In Wien wurde, ausgehend von einem sehr hohem Niveau, dieser Anteil binnen 2 Jahre noch um rund 5 Prozentpunkte auf aktuell 85,4 % erhöht. 2007/08 2008/09 2009/10 Quelle: Statistik Austria 24 2.4 Integration Schon im Kindergarten wird der Grundstein für das selbstverständliche Miteinander von Kindern mit und ohne Behinderung gelegt. Das gemeinsame Spielen und Lernen fördert soziale Fähigkeiten, die im späteren Leben ausschlaggebend für gesellschaftliche Toleranz, Akzeptanz und den Respekt für Menschen mit besonderen Bedürfnissen sind. Umgekehrt profitieren Kinder mit besonderen Bedürfnissen vom gemeinsam gelebten Alltag und erschließen sich im Kontakt mit ihren Spielgefährtinnen und Spielgefährten neue Lernwelten. Integrationsgruppen und Integrationsplätze In den städtischen Kinderbetreuungseinrichtungen werden rund 2.000 Kinder mit besonderen Bedürfnissen von Spezialistinnen und Spezialisten betreut. Die Stadt Wien betreibt 258 Integrationsgruppen(136 Kindergartengruppen und 122 Hortgruppen) mit rund 1.000 Integrationsplätzen an 125 Standorten (Stand Mai 2010). Die Anzahl der Kinder in Integrationsgruppen ist auf maximal 20 beschränkt. Davon sind drei bis sechs Kinder mit erhöhtem Förderbedarf untergebracht. Betreuungssituation in der Gruppe In einer Integrationsgruppe werden durchschnittlich vier Kinder mit Behinderung und 16 Kinder ohne Behinderung gemeinsam betreut. Die Gruppenräume und das Betreuerteam sind speziell auf die Bedürfnisse von Kindern mit Behinderung ausgerichtet. Die vielfältigen Zusatzausstattungen reichen von der Therapieschaukel bis hin zum Bällchenbad. Betreuungsteam in der Integrationskindergartengruppe: • Eine Kindergartenpädagogin beziehungsweise ein Kindergartenpädagoge • Eine Sonderkindergartenpädagogin beziehungsweise ein Sonderkindergartenpädagoge • Zwei Kindergartenassistentinnen beziehungsweise zwei Kindergartenassistenten Betreuungsteam im Integrationshort: • Eine Hortpädagogin beziehungsweise ein Hortpädagoge • Eine Sonderhortpädagogin beziehungsweise ein Sonderhortpädagoge • Zwei Hortassistentinnen beziehungsweise zwei Hortassistenten Zusätzlich stehen Spezialistinnen und Spezialisten des Fachbereiches Mobile Entwicklungsförderung für Kinder zur Verfügung. Diese stehen mit dem Einverständnis der Eltern in den Kindergärten mit Rat und Tat zur Seite, bieten aber auch in dreizehn Stellen für Entwicklungsförderung Beratung, Förderung und Behandlungen an: • Mobile Sonderkindergartenpädagoginnen beziehungsweise Sonderkindergartenpädagogen • Mobile Sonderhortpädagoginnen beziehungsweise Sonderhortpädagogen • Psychologinnen beziehungsweise Psychologen • Sprachheilpädagoginnen beziehungsweise Sprachheilpädagogen • Physiotherapeutinnen beziehungsweise Physiotherapeuten Bei der Einzelintegration von Kindern mit Behinderung in Kindergarten- und Hortgruppen kommen Spezialistinnen und Spezialisten des Fachbereiches Mobile Entwicklungsförderung für Kinder ebenfalls zum Einsatz. Heilpädagogische Gruppen Eine besondere Integrationsform sind die 29 Heilpädagogischen Gruppen. Diese sind räumlich und personell speziell auf Kinder mit schwersten Behinderungen abgestimmt. Maximal zwölf Kinder mit Mehrfachbehinderungen werden in diesen Gruppen umsorgt und gefördert. Betreuungsteam in der Heilpädagogischen Kindergartengruppe: • Zwei Sonderkindergartenpädagoginnen beziehungsweise zwei Sonderkindergartenpädagogen • Zwei Kindergartenassistentinnen beziehungsweise zwei Kindergartenassistenten Betreuungsteam in der Heilpädagogischen Hortgruppe: • Zwei Sonderhortpädagoginnen beziehungsweise zwei Sonderhortpädagogen • Zwei Hortassistentinnen beziehungsweise zwei Hortassistenten Vergabe von Plätzen für Kinder mit besonderen Bedürfnissen Integrationsplätze werden nach einem ausführlichen Gespräch mit Psychologinnen und Psychologen der Wiener Kindergärten vergeben. Dabei werden die Bedürfnisse des Kindes berücksichtigt und ein geeigneter Integrationsplatz vorgeschlagen. Foto: Gino Santa Maria Fotolia.com Karte 2.4.1 Standorte der Kinderbetreuungseinrichtungen für die Betreuung von Kindern mit besonderen Bedürfnissen(Integrations- und Heilpädagogische Einrichtungen)- Mai 2010 Kinderbetreuungseinrichtungen der MA 10- Wiener Kindergärten Kinderbetreuungseinrichtungen anderer Träger(Private, Vereine etc.) Integration 25 2.4 Quelle: MAG ELF, MA 14- ViennaGIS Betreuung von Kindern mit autistischer Wahrnehmung Mit der Gründung einer speziellen Einrichtung für Klein- und Schulkinder mit autistischer Wahrnehmung hat die Stadt Wien bereits 1983 eine wichtige Einrichtung geschaffen, um Kindern mit dieser Behinderung den Weg ins Leben zu erleichtern. Der Kindergarten und Hort mit angeschlossenem Bereich für Entwicklungsförderung in der Sobieskigasse 31 im 9. Bezirk ist ein Ort, an dem sich Kinder, die unter autistischer Wahrnehmung leiden, zu Hause fühlen und ihren Möglichkeiten entsprechend von Expertinnen und Experten begleitet und unterstützt werden. In Summe werden dort rund 70 Kinder betreut. Der Kindergarten ist weltweit der einzige, in dem Buben und Mädchen mit autistischer Wahrnehmung gemeinsam mit Kindern mit Lern- und Entwicklungsstörungen betreut werden und daneben spezielle autismusspezifische Hilfe erhalten. Im Rahmen eines verschränkten Modells – einer Kooperation zwischen den Wiener Kindergärten(MA 10) und dem Stadtschulrat für Wien – sind zudem spezielle Schulklassen für die älteren Kinder angeschlossen. Damit wird den Kindern ein behutsamer Übergang vom Kindergarten in die Schule ermöglicht und somit die Chancen für einen kontinuierlichen Bildungsweg eröffnet. Besondere Angebote im Kindergarten und Hort Sobieskigasse 31 • Psychologische Betreuung • Sonderpädagogische Beratung(sprachheilpädagogische Betreuung und Förderung, Physiotherapie) • Individuell abgestimmte Betreuung für Kindergartenkinder und Schulkinder • Involvierungs- und multifunktionelle Fördertherapie in Einzel- und Kleingruppen • Elternrunden 26 Kinder in Kinderbetreuungseinrichtungen 2.5 Kinder in Kinderbetreuungseinrichtungen Kinderbetreuungseinrichtungen als Lebensraum für die Kinder unserer Stadt, in dem sie ergänzend zur Familie jene Förderung erfahren, die sie für eine gesunde Entwicklung brauchen, bilden ein Fundament unseres Bildungssystems. Ein Fundament, das nicht nur durch die hohe Qualität, die geboten wird, sehr beeindruckt, sondern in Wien durchaus auch durch die Quantität. In Summe wurden im Betreuungsjahr 2009/10 rund 76.600 Kinder in Wiener institutionellen Kinderbetreuungseinrichtungen und Kindergruppen betreut. Zum Vergleich lebten in Villach, der siebentgrößten Stadt Österreichs, rund 59.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Die Anzahl der betreuten Kinder entwickelte sich innerhalb der letzten Jahre stetig nach oben. Neben steigenden Bevölkerungszahlen ist dieser Anstieg auch auf gesellschaftliche Veränderungen zurückzuführen, so stieg eben nicht nur die Absolutzahl der betreuten Kinder, sondern auch die Kinderbetreuungsquote, die ausdrückt, wie viele Kinder einer Altersgruppe im Vergleich zur gleichaltrigen Bevölkerung betreut werden. Die Kinderbetreuungsquote und die Erwerbsquote der Frauen beeinflussen sich dabei wechselseitig. Beide stiegen deutlich an. Abbildung 2.5.1 Betreute Kinder in institutionellen Kinderbetreuungseinrichtungen(Krippen, Kindergärten, Familiengruppen und Horten) und Kindergruppen- 1989/90 bis 2009/10 90.000 80.000 70.000 60.000 54.169 50.000 40.000 30.000 20.000 10.000 59.334 63.828 65.999 76.567 1989/90 1990/91 1991/92 1992/93 1993/94 1994/95 1995/96 1996/97 1997/98 1998/99 1999/00 2000/01 2001/02 2002/03 2003/04 2004/05 2005/06 2006/07 2007/08 2008/09 2009/10 Quelle: MA 5 In Wiener institutionellen Kinderbetreuungseinrichtungen und Kindergruppen wurden im Betreuungsjahr 2009/10 rund 76.600 Kinder betreut. Im Zeitvergleich bedeutet das einen Anstieg um mehr als 22.000 Kinder innerhalb der letzten zwei Dekaden, oder einen jährlichen Zuwachs von durchschnittlich 1.100 betreuten Kindern. Die Grafik veranschaulicht, dass diese Entwicklung jedoch nicht linear verlief. Deutliche Anstiege erfolgten vor allem zwischen 1991/92 und 1997/98, sowie ab 2003/04. Mit der Einführung des Gratiskindergartens im Jahr 2009/10 sowie des verpflichtenden letzten Kindergartenjahres ab dem Betreuungsjahr 2010/11 ist mit einem weiteren deutlichen Anstieg bei der Anzahl der betreuten Kinder zu rechnen. Durch die Bestimmung des§ 5 in der Wiener Kindertagesheimverordnung vom 8. Juli 2003 wurde ein Mindestausmaß von 3 m² an bespielbarer Bodenfläche für jedes in einer Gruppe betreute Kind festgelegt. Diese Einführung hatte eine Reduzierung der Höchstzahl der Kinder in einer Gruppe zur Folge. Kinder in Kinderbetreuungseinrichtungen 27 2.5 Abbildung 2.5.2 Betreute Kinder nach Betreuungsform *  - Betreuungsjahr 2009/10 * Kindergruppen entsprechend der Altersstruktur auf die Betreuungsformen aufgeteilt Abbildung 2.5.3 Betreute Kinder nach Trägerorganisation- Betreuungsjahr 2009/10 KrKiprpipepnen FaFmaimlieilniegnrugpruppepnen 121%2% KinKdinedrgeargrtaerntegnrugpruppepnen SoSnosntisgteigienkinl.kKl.inKdinedrgerugpruppepnen ohonhenTeaTgaegseslteelrtnern 161%6% 171%7% 484%8% KirKcihrclihclhicehKeinKdinedrbeerbtreetureuunugnsgesineriincrhictuhntugnegnen (m(emherehrerTeräTgräegroergoargnaisnaistiaotnioenne)n) 161%6% 454%5% MAM1A01-0W- Wienieenrer KinKdinedrgeärgrtäernten 232%3% HoHrtoerte (G(rGunrudngdegseasmatmhethite=it7=67.566.576)7) Quelle: MA 5 AltA-lWt-Wienie-nM- UMKUUKU2%2% KinKdinedrceorcmopmapnayn2y%2% KinKdinedreinr iWn Wienien 5%5% 141%4% KinKdinedrferrefurenudnede(G(rGunrudngdegseasmatmhethite=it7=67.566.576)7) Quelle: MA 5 48 % der insgesamt rund 76.600 betreuten Kinder besuchten im Betreuungsjahr 2009/10 eine Kindergartengruppe, 23 % eine Hortgruppe, 17 % eine Familiengruppe und 12% eine Krippengruppe. Kinder bei Tageseltern sind in dieser Darstellung nicht berücksichtigt. Nach Trägern wurden die meisten Kinder(rund 45 %) in Einrichtungen der MA 10- Wiener Kindergärten betreut. 14 % der Kinder besuchten eine Einrichtung der Wiener Kinderfreunde, 16 % eine kirchliche(katholische oder evangelische) Kinderbetreuungseinrichtung. In den weiteren großen Einrichtungen Kinder in Wien, Kindercompany und Alt-Wien- MUKU wurden in Summe noch rund 9% der Kinder betreut. Abbildung 2.5.4 Betreute Kinder nach Einzeljahren im Alter von 0 bis 5 Jahren- 2003/04 und 2009/10 insgesamt(0- bis 5-Jährige) 10.000 20.000 3- bis 5-Jährige 0- bis 2-Jährige 13.617 10.150 5-Jährige 14.864 13.139 4-Jährige 14.767 12.717 3-Jährige 13.305 11.664 2-Jährige 9.255 7.637 1-Jährige 4.068 2.359 0-Jährige 294 154 30.000 40.000 50.000 47.670 42.936 37.520 60.000 56.553 Die meisten der in Kinderbetreuungseinrichtungen betreuten Kinder sind jünger als 6 Jahre. In Summe sind die Besuchszahlen der 0- bis 2-Jährigen deutlich geringer, als jene der 3- bis 5-Jährigen. Insgesamt besuchten 2009/10 rund 14.900 5-Jährige und rund 14.800 4-Jährige eine Kinderbetreuungseinrichtung in Wien, jedoch nur rund 4.100 1-Jährige und knapp 300 0-Jährige. 2009/10 2003/04 Quelle: MA 5 28 Kinder in Kinderbetreuungseinrichtungen 2.5 Abbildung 2.5.5 Kinderbetreuungsquoten nach Einzeljahren(ohne Kinder bei Tageseltern)- Betreuungsjahre 2003/04 und 2009/10 3- bis 5-Jährige 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 87,2 82,8 100% 0- bis 2-Jährige 26,8 21,3 0- bis 5-Jährige 56,5 51,3 5-Jährige 92,3 88,3 4-Jährige 89,0 84,3 3-Jährige 80,4 76,0 2-Jährige 55,0 49,5 1-Jährige 0-Jährige 1,7 1,0 23,7 14,7 2009/10 2003/04 Quelle: MA 5 Die Kinderbetreuungsquote drückt den Anteil der betreuten Kinder im Vergleich zur gleichaltrigen Bevölkerung aus. Im Betreuungsjahr 2009/10, dem letzten Jahr vor der Einführung des verpflichtenden Kindergartenjahres, besuchten über 92 % der 5-jährigen Wienerinnen und Wiener eine Kinderbetreuungseinrichtung oder erste Klasse einer Schule(rd. 6 %). Insgesamt lag die Betreuungsquote der 3- bis 5-Jährigen bei über 87 %, jene der 0- bis 2-Jährigen bei annähernd 27 %. Generell gilt, dass mit steigendem Alter der Kinder auch die Betreuungsquote steigt. Beim Vergleich mit dem Basisjahr 2003/04 zeigt sich, dass die Kinderbetreuungsquoten in allen Altersgruppen angestiegen sind. Absolut gesehen fiel der Anstieg bei den 1-Jährigen am Stärksten aus. Der Anstieg erfolgte hier, entgegen jenem bei den anderen Altersgruppen, von einem deutlich niedrigerem Niveau. Tageseltern und Kindergruppen, Kindergartenpflicht 29 2.6 Tageseltern Kindergruppen Tagesmütter und Tagesväter betreuen in der eigenen Familie – im Regelfall neben den eigenen Kindern – zu bestimmten Zeiten Kinder von Eltern, die aus beruflichen oder anderen Gründen diese Aufgabe nicht selbst wahrnehmen können. Dies setzt das Einverständnis aller im gemeinsamen Haushalt lebenden Personen voraus. Eine Kindergruppe ist eine Betreuungseinrichtung, in der Minderjährige(Tageskinder) bis zum vollendeten 16. Lebensjahr(Kleinkinder, Vorschulkinder und/oder Schulkinder) regelmäßig und entgeltlich für einen Teil des Tages betreut werden, sofern dies nicht im Rahmen des Kindertagesheim- oder Schulbetriebes erfolgt. Eltern von Tageskindern schätzen einerseits die Möglichkeit, Betreuungszeiten flexibel zu gestalten, andererseits die hohe Qualität der Betreuung durch die geringe Kinderanzahl. Die Kleingruppe von maximal fünf Kindern ist überschaubar. Mit pädagogischem Wissen und Geschick können entwicklungsspezifische Bedürfnisse erkannt und altersadäquat auf sie eingegangen werden. Gemeinsames Essen, Spielen und Lernen, nach Maßgabe auch im Freien oder bei Ausflügen, vermitteln familiäre Geborgenheit – Alltagskompetenzen werden erlernt, die individuelle und soziale Entwicklung gefördert. Die Betreuung der Tageskinder geschieht im Einvernehmen mit den Erziehungsberechtigten. Für das Gelingen der Betreuung ist neben ausführlichen Eingangsgesprächen ein regelmäßiger Austausch unumgänglich. Die Kindergruppe wird von einer ausgebildeten Kindergruppenbetreuerin beziehungsweise einem ausgebildeten Kindergruppenbetreuer geführt und darf höchstens 14 gleichzeitig betreute Tageskinder umfassen. Größe, Ausstattung und Einrichtung der Räumlichkeiten müssen auf das pädagogische Konzept, das Alter und die Bedürfnisse der Tageskinder ausgerichtet sein und die entsprechende Sicherheit aufweisen. Pro Tageskind und Betreuungsperson müssen die Räumlichkeiten eine Fläche von mindestens vier Quadratmeter umfassen. Für den Betrieb einer Kindergruppe ist eine Bewilligung durch die MAG ELF Amt für Jugend und Familie erforderlich. Es gibt eine Vielzahl von Initiativen mit verschiedenen pädagogischen Schwerpunkten. Die Betreuung durch Tagesmütter und Tagesväter ist aufgrund ihrer Merkmale besonders für junge Kinder unter drei Jahren bestens geeignet. Bei Bedarf begleiten Tagesmütter und Tagesväter auch Vorschul- und Schulkinder. Die Betreuung von Kindern im Rahmen des„verpflichtenden Kindergartenjahres“ ist grundsätzlich möglich. In der Regel wechseln die Tageskinder, sobald sie das entsprechende Alter erreicht haben, aber in eine Kindergruppe oder einen Kindergarten. Tagesmütter und Tagesväter arbeiten auf Basis einer Tagesbetreuungsbewilligung, die bei Vorliegen aller rechtlichen, sozialen und räumlichen Voraussetzungen erteilt wird. Die Qualität der Betreuung ist durch eine solide Grundausbildung und regelmäßige Fortbildung gesichert. Die MAG ELF kontrolliert regelmäßig die Lebens- und Wohnverhältnisse. Eine wesentliche Funktion im Zusammenhang mit Qualitätskontrolle nehmen die Eltern der Tageskinder wahr, wenn sie ihr Kind zur Tagesmutter oder dem Tagesvater bringen und wieder abholen. Abbildung 2.6.1 Tageseltern in Wien- Mai 2010 Tageseltern angestellt 119 147 Quelle: MAG ELF Tageseltern freiberuflich tätig Tagesmütter und Tagesväter können ihre Betreuungstätigkeit sowohl freiberuflich als auch im Rahmen eines Angestelltenverhältnisses ausüben. In Wien überwiegt die Anzahl der freiberuflich tätigen Tageseltern. Sofern ein Fördervertrag mit der Stadt Wien abgeschlossen wurde, kann auch hier der beitragsfreie Kinderbetreuungsplatz mit geringen Zusatzkosten für die Eltern in Anspruch genommen werden. In Wien werden Tagesmütter und Tagesväter vom Wiener Hilfswerk, der Volkshilfe Wien und dem Verein Eltern für Kinder Österreich angestellt. 2.7 Wo Kinder ihre Kindergartenpflicht ab September 2010 absolvieren werden Abbildung 2.7.1 Anteil der Kinder nach Institutionen, in denen das verpflichtende Kindergartenjahr ab September 2010 absolviert wird Um allen Kindern beste Bildungsmöglichkeiten und Startchancen in das weitere Bildungs- und spätere Berufsleben unabhängig von ihrer sozioökonomischen Herkunft zu bieten, werden ab September 2010 Kinder im letzten Jahr vor der Schulpflicht zum Besuch von geeigneten Kinderbetreuungseinrichtungen verpflichtet. 0,01% 6,12% 1,70% Voraussichtlich werden im Kindergartenjahr 2010/2011 etwa 92 % dieser Kinder das verpflichtende Kindergartenjahr in einem Kindergarten oder einer Kindergruppe verbringen. Rund 6 % dieses Jahrganges haben sich für einen vorzeitigen Schulbesuch entschieden. Lediglich 1,6 % der Wiener Kinder nimmt die Möglichkeit einer Ausnahme von der Besuchspflicht, wie zum Beispiel Betreuung durch Tageseltern oder häusliche Erziehung, in Anspruch. 40,50% 1,60% 50,06% MA10- Wiener Kindergärten private Kinderbetreuungseinrichtungen Kindergruppen vorzeitiger Schulbesuch Sonstiges Tageseltern(0,01%) nicht darstellbar Quelle: MAG ELF 30 Ganztägige Betreuung von Schulkindern 2.8 Ganztägige Betreuung von Schulkindern Grundsätzlich gibt es zwei Arten der Nachmittagsbetreuung von Schulkindern. Einerseits die Betreuung in außerschulischen Einrichtungen, die in Kinderbetreuungseinrichtungen stattfindet, andererseits die Betreuung in schulischen Einrichtungen. Betreuung in Kinderbetreuungseinrichtungen erfolgt in Hortgruppen und zu einem kleinen Teil in Familiengruppen 3–10, wo Schulkinder zusammen mit Kindergartenkindern betreut werden. Diese Plätze sind für jene Kinder vorgesehen, die eine Halbtagsschule besuchen. Die Betreuung in Schulen erfolgt entweder in Ganztagesschulen, die eine umfassende Betreuung der Schülerinnen und Schüler von 08:00 bis ca. 16:00 Uhr(bei Bedarf bis 17:30 Uhr) anbieten, wobei Unterrichtseinheiten, Lernzeiteinheiten und Freizeiteinheiten in verschränkter Form in einem pädagogisch sinnvollen Wechsel stattfinden. Oder in Offenen Schulen beziehungsweise Tagesheimschulen. Hier wechseln die Schülerinnen und Schüler im Anschluss an den Unterricht in den Betreuungsteil, der etwa um 16:00 Uhr(bei Bedarf um 17:30 Uhr) endet. Im Gegensatz zur Ganztagsschule steht es den Eltern in diesem Modell frei, ihre Kinder zur Nachmittagsbetreuung anzumelden. Lern- und Freizeitclubs sind Einrichtungen der Stadt Wien, die, wie es der Name sagt, eine Lern- und Freizeitbetreuung für Schulkinder bis 17:00 Uhr anbieten. Abbildung 2.8.1 Nachmittagsbetreuung der Schulkinder der 1. bis 4. Klassen Volks- und Sonderschulen- Betreuungsjahr 2009/10 Ganztagsschulen 11% Offene Schulen bzw. Tagesheimschulen Lern- und Freizeitclubs 1% 18% 40% Quelle: MA 5, Stadtschulrat für Wien Horte 26% 4% Familiengruppen keine institutionelle Nachmittagsbetreuung Rund 61% der etwa 62.000 Wiener Schülerinnen und Schüler der 1. und 4. Klassen Volks- und Sonderschulen wurden 2009/10 Nachmittags entweder in Kinderbetreuungseinrichtungen oder in Schulen betreut. Die Anteile der außerschulisch und schulisch betreuten Kinder hielt sich dabei annähernd mit jeweils rund 30% die Waage. Karte 2.8.1 Standorte, an denen Nachmittagsbetreuung für Schulkinder angeboten wird(Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen)- Mai 2010 Nachmittagsbetreuung in Schulen Nachmittagsbetreuung in Kinderbetreuungseinrichtungen Quelle: MAG ELF, MA 14- ViennaGIS Gesundheit 31 2.9 Den städtischen Kinderbetreuungseinrichtungen ist eine gesunde Ernährung als wesentlicher Baustein für die gute Entwicklung der Kinder ein großes Anliegen. Beim Essen setzt man seit Jahren auf biologische Lebensmittel, viel frisches Obst und Gemüse. Wissenswertes zur Ernährung in den städtischen Kinderbetreuungseinrichtungen • In kaum einer europäischen Stadt ist der Anteil an biologisch erzeugten Lebensmitteln in Speisen, die in Kinderbetreuungseinrichtungen angeboten werden, so hoch. • Täglich werden rund 30.000 Mittagsmenüs mit weit über 50 % Anteil biologisch erzeugter Lebensmittel verspeist und rund 1.080.000 Stück Obst gegessen. • Die Menüs werden nach alters- und entwicklungsgerechten Grundsätzen mit einer Ernährungsphysiologin oder einem Ernährungsphysiologen konzipiert, frisch gekocht, rasch auf zwei bis vier Grad Celsius gekühlt und zweimal wöchentlich angeliefert. • Die vorgeschriebene Lagertemperatur wird bis zur Erwärmung der Speisen in der Kinderbetreuungseinrichtung lückenlos überwacht – alle wertvollen Inhaltsstoffe bleiben erhalten. • Konservierungs- und Farbstoffe sowie problematische Zusatzstoffe wie Glutamat werden nicht verwendet. • Alle neu entwickelten Menüs werden von Kindern verkostet und bewertet. • Gabelfrühstück und Jause sind möglichst saisonal ausgerichtet. In vielen Kindergärten haben die Pädagoginnen und Pädagogen mit den Kindern kleine Gemüsebeete oder Kräuterspiralen angelegt. • Durch Reduzierung des Energieverbrauches und Abfallvermeidung wird eine optimierte ökologische Ressourcensteuerung gewährleistet. Top bei Gesundheitschecks Die städtischen Kinderbetreuungseinrichtungen verstehen sich als erste Ansprechpartner für Eltern im Gesundheitsbereich und bieten ein dichtes Netz an Vorsorgeangeboten für die beste Entwicklung der Kinder an. Diese Serviceleistungen sind nicht mit Zusatzkosten verbunden und unterstützen besonders einkommensschwache Familien und Mehrkindfamilien. • Kostenlose Seh- und Hörtests für Kinder zwischen dem vierten und sechsten Lebensjahr in Kooperation mit dem Gesundheitsdienst der Stadt Wien(MA 15). • Kostenlose Untersuchungen der Sprach- und Sprechfähigkeit aller vierjährigen Kinder. Bewegungsoffensive Kinder brauchen Bewegung, damit sie sich gesund entwickeln und wohlfühlen können. In den Gärten und Bewegungsräumen der städtischen Kinderbetreuungseinrichtungen wird der natürliche Bewegungsdrang der Kinder auf spielerische Art und Weise unterstützt. Ob im Garten, bei Ausgängen oder im Raum: Laufen, Klettern, Balancieren und Werfen machen Spaß, der Kopf wird frei für Neues und der Körper fühlt sich wohl. Foto: Vedmochka Fotolia.com 32 Ausgaben 2.10 Ausgaben Tabelle 2.10.1 Ausgaben der Stadt Wien für den Betrieb der städtischen Kinderbetreuungseinrichtungen der MA 10- Wiener Kindergärten- 2009 Art der Ausgaben Insgesamt Personal+ Pensionen(MA 10 zentral) Betriebsausgaben der MA 10(zentral+ Bezirksausgaben für Betrieb und Instandhaltung) Investitionsausgaben der MA 10(zentral+ Rücklagenzuführung für Investitionen im Folgejahr) Ausgaben in Mio.  € 309,2 243,1 50,8 15,3 Quelle: MA 5 Abbildung 2.10.1 Ausgaben der Stadt Wien für den Betrieb der städtischen Kinderbetreuungseinrichtungen der MA 10- Wiener Kindergärten- 2009 15,3 Mio. € 50,8 Mio. € 243,1 Mio. € Personal und Pensionen Betrieb Investitionen Quelle: MA 5 Geld, das in die qualitativ hochwertige Betreuung und Bildung der Kinder unserer Stadt investiert wird, ist gut angelegtes Geld. Die Ausgaben der Stadt Wien betrugen für die städtischen Kinderbetreuungseinrichtungen der MA 10- Wiener Kindergärten, in denen rund 34.600 Kinder betreut werden, rund 310 Millionen Euro. Der größte Anteil davon mit rund 243 Millionen Euro entfiel auf Personal- und Pensionskosten für die über 5.500 aktiven sowie die pensionierten Betreuerinnen und Betreuer, Helferinnen und Helfer sowie das Verwaltungspersonal der MA 10- Wiener Kindergärten. Die Betriebsausgaben schlugen sich mit rund 50,8 Millonen Euro nieder, Investitionen mit rund 15,3 Millionen Euro. Tabelle 2.10.2 Ausgaben der Stadt Wien für Förderung von Kindern in privaten Einrichtungen Jahr 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010(Prognose) Ausgaben in Mio.  € 60,0 66,7 72,2 78,9 84,1 98,2 137,5 223,9 Quelle: MA 5 Das finanzielle Engagement der Stadt Wien beschränkt sich nicht nur auf die städtischen Kinderbetreuungseinrichtungen der MA 10- Wiener Kindergärten, sondern erstreckt sich auch auf den Bereich der privaten Kinderbetreuungseinrichtungen. Durch die Einführung des Gratiskindergartens im September 2009, und der damit verbundenen Kostenübernahme der Stadt Wien, stiegen die Ausgaben 2009 auf über 137 Millionen Euro an. Im Jahr 2010, das das erste„volle“ Wiener Gratiskindergartenjahr sein wird, werden seitens der Stadt voraussichtlich rund 224 Millionen Euro an private Kinderbetreuungseinrichtungen fließen. Der Benefit liegt in erster Linie bei den Familien, denen durch die Einführung des Gratiskindergartens Betreuungsgeld zur freien Disposition übrig bleibt. Die Stadt Wien fördert somit alle 84.060 Kinder. Ausgaben Abbildung 2.10.2 Ausgaben der Stadt Wien für Förderung von Kindern in privaten Einrichtungen 250 Mio. € 200 Mio. € 223,9 Mio. € 150 Mio. € 100 Mio. € 50 Mio. € 60,0 Mio. € 66,7 Mio. € 72,2 Mio. € 78,9 Mio. € 84,1 Mio. € 98,2 Mio. € 137,5 Mio. € 33 2.10 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 (Prognose) Quelle: MA 5 Die Grafik veranschaulicht das große Engagement der Stadt Wien im Bereich der privaten Kinderbetreuungseinrichtungen. Der starke Anstieg der Ausgaben im Jahr 2009 erklärt sich aus der Einführung des Gratiskindergartens seit 1. September 2009. Das Fördermodell für private Kindergartenbetreiber wurde dafür von der bisherigen Gruppenförderung auf eine Förderung pro Kind umgestellt, was eine massive Erhöhung der Fördermittel mit sich brachte. Im Jahr 2010, dem ersten Jahr in dem der Gratiskindergarten von Jänner bis Dezember angeboten wird, werden sich die Ausgaben der Stadt Wien in diesem Bereich voraussichtlich auf rund 224 Millionen Euro erhöhen. Abbildung 2.10.3 Ausgaben der Stadt Wien für schulische Nachmittagsbetreuung(ausgenommen Landeslehrerinnen und Landeslehrer) 25 Mio. € 20 Mio. € 15 Mio. € 10 Mio. € 5 Mio. € 15,2 Mio. € 16,0 Mio. € 19,5 Mio. € 2007 2008 2009 Quelle: MA 5 Auch bei der schulischen Nachmittagsbetreuung im Bereich der allgemein bildenden Pflichtschulen war 2009 ein großer Anstieg der Ausgaben der Stadt Wien zu beobachten, was auf den Ausbau der Offenen Schulen beziehungsweise Tagesheimschulen sowie der Ganztagsschulen zurückzuführen ist. 34 Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik der Stadt Wien(bakip21) X2.1X1 Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik der Stadt Wien Die Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik der StadtWien befindet sich seit 1978 in Wien – Floridsdorf, Patrizigasse 2. An diesem Standort hat sich die bakip21 als Bildungseinrichtung für sozialpädagogische Berufsfelder etabliert und stellt seit über 30 Jahren ein Best Practice-Modell für die Verbindung zwischen Theorie und Praxis dar. In Österreich haben Bildungsanstalten für Kindergartenpädagogik gemäß§ 94 unter Bedachtnahme auf§ 2 des Schulorganisationsgesetzes die Aufgabe, den Schülerinnen und Schülern sowie den Studierenden eine fundierte Allgemeinbildung und jene Haltungen und Fähigkeiten zu vermitteln, die für eine professionelle pädagogische Arbeit im Berufsfeld Kindergarten und Hort bei Absolvierung der zusätzlichen Ausbildung zur Erzieherin oder zum Erzieher an Horten(Hortpädagogik) erforderlich sind und sie zugleich zur Universitätsreife zu führen. Abbildung 2.11.1 Schülerinnen und Schüler sowie Studierende der bakip21- 2009/10 25 213 136 56 396 Fünfjährige Ausbildung für Elementarpädagogik Kindergartenpädagogin, Kindergartenpädagoge mit Reifeprüfung und Diplom Zielgruppe: Die bakip21 bietet Jugendlichen ab der neunten Schulstufe eine professionelle fünfjährige Ausbildung im Bereich der Elementarpädagogik für die Arbeit in Kindergärten, Kinderkrippen und Horten. Aufnahmevoraussetzungen sind ein positiver Abschluss der achten Schulstufe und die bestandene Eignungsprüfung. Abschluss der Ausbildung: Die Ausbildung schließt mit einer Reife- und Diplomprüfung zur Kindergartenpädagogin, zum Kindergartenpädagogen ab. Das Diplomprüfungszeugnis wird in der Europäischen Union anerkannt. Viersemestriges Kolleg für Elementarpädagogik(CLASSIC) Kindergartenpädagogin, Kindergartenpädagoge mit Diplom Zielgruppe sind Maturantinnen, Maturanten(Berufsreifeprüfung, Studienberechtigungsprüfung). Diese Basisausbildung ermöglicht eine weitere Ausbildung zur Sonderkindergartenpädagogin, zum Sonderkindergartenpädagogen, zur Horterzieherin, zum Horterzieher. Aufnahmevoraussetzungen sind die Reifeprüfung(Studienberechtigungs- oder Berufsreifeprüfung) und die bestandene Eignungsprüfung. Abschluss der Ausbildung: Die Ausbildungsdauer beträgt vier Semester und schließt mit einer Diplomprüfung zur Kindergartenpädagogin, zum Kindergartenpädagogen ab. Das Diplomprüfungszeugnis wird in der Europäischen Union anerkannt. Fünfsemestriges Kolleg für Elementarpädagogik(CHANGE) Kindergartenpädagogin, Kindergartenpädagoge mit Diplom Zielgruppe sind Arbeit suchende Maturantinnen, Maturanten(Berufsreifeprüfung, Studienberechtigungsprüfung), Wiedereinsteigerinnen, Wiedereinsteiger(nach einer Erwerbspause), Arbeit suchende Akademikerinnen, Akademiker(mit sozialpädagogischem Hintergrund), Migrantinnen, Migranten mit sehr guten Deutsch-Kenntnissen, Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter der Stadt Wien, Grundschulpädagoginnen, Grundschulpädagogen. Abschluss der Ausbildung: Die Ausbildungsdauer beträgt fünf Semester und schließt mit einer Diplomprüfung zur Kindergartenpädagogin, zum Kindergartenpädagogen ab. Das Diplomprüfungszeugnis wird in der Europäischen Union anerkannt. Es besteht eine fünfjährige Vertragsverpflichtung mit der Stadt Wien nach Abschluss der Ausbildung. Diese Basisausbildung ermöglicht eine weitere Ausbildung zur Sonderkindergartenpädagogin, zum Sonderkindergartenpädagogen, zur Horterzieherin und zum Horterzieher. Fünfjährige Ausbildung für Elementarpädagogik Viersemestriges Kolleg für Elementarpädagogik(CLASSIC) Fünfsemestriges Kolleg für Elementarpädagogik(CHANGE) Studienberechtigungsprüfung+ Fünfsemestriges Kolleg für Elementarpädagogik(PICK-UP) Aufbaulehrgang zur Sonderkindergartenpädagogin und zum Sonderkindergartenpädagogen Quelle: MA 10 Studienberechtigungsprüfung+ Fünfsemestriges Kolleg für Elementarpädagogik(PICK-UP) Kindergartenpädagogin, Kindergartenpädagogen mit Diplom Zielgruppe sind Kindergartenassistentinnen bzw. Kindergartenassistenten(mit dem Wunsch nach Höherqualifizierung), Arbeit suchende Interessentinnen bzw. Interessenten und Migrantinnen bzw. Migranten mit sehr guten Deutsch-Kenntnissen. Aufnahmevoraussetzungen sind ein positiver Abschluss der achten Schulstufe, weitere drei bzw. vier Jahre einer Ausbildung und die bestandene Eignungsprüfung. Abschluss der Ausbildung: Die Ausbildungsdauer beträgt insgesamt sieben Semester und schließt mit einer Diplomprüfung zur Kindergartenpädagogin, zum Kindergartenpädagogen ab. Das Diplomprüfungszeugnis wird in der Europäischen Union anerkannt. Es besteht eine fünfjährige Vertragsverpflichtung mit der Stadt Wien nach Abschluss der Ausbildung. Diese Basisausbildung ermöglicht eine weitere Ausbildung zur Sonderkindergartenpädagogin, zum Sonderkindergartenpädagogen, zur Horterzieherin und zum Horterzieher. Für das Schuljahr 2009/2010 ergibt sich eine Gesamtanzahl an Schülerinnen, Schülern und Studierenden von 826, davon 51 männliche. Das Kollegium setzt sich aus 87 Lehrkräften plus 1 Direktorin zusammen. Foto: Sandra Brunsch Fotolia.com 36 Methoden, Glossar, Service Durch weitreichende Umstellungen in der Erhebung bildet die vorliegende Publikation die Betreuungssituation in Wiener Kinderbetreuungseinrichtungen in einer noch nie dagewesenen hohen statistischen Qualität ab. Durch den Rückgriff auf Verwaltungsdatenbestände einiger der größten Wiener Kinderbetreuungsinstitutionen konnte zudem die Rezipientinnenbelastung und Rezipientenbelastung deutlich reduziert werden, da über 50.000 anonymisierte Kinderdatensätze nun erstmals nicht mittels schriftlicher Befragung, sondern direkt aus bestehenden Datenbanken ermittelt werden konnten. Das Referat Statistik und Analyse der MA 5- Finanzwesen bedankt sich bei den beteiligten Dienststellenleiterinnen und Dienststellenleitern sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Geschäftsgruppe Bildung, Jugend, Information und Sport, sowie bei allen externen Partnerinnen und Partnern für die vorbildliche Zusammenarbeit. Datenquellen Die hier publizierten Daten basieren großteils auf Informationen der Wiener Magistratsabteilungen MA 5(Finanzwesen- Referat Statistik und Analyse), MA 10(Wiener Kindergärten) und MAG ELF(Amt für Jugend und Familie). Das Kartenmaterial wurde durch das Referat ViennaGIS Dienste der MA 14(Automationsunterstützte Datenverarbeitung, Informations- und Kommunikationstechnologie) erstellt. Daten zur Nachmittagsbetreuung in Schulen sowie Lern- und Freizeitclubs beruhen auf Angaben des Stadtschulrates für Wien. Zur Berechnung der Betreuungsquoten wurden Daten des Bevölkerungsregisters POPREG der Bundesanstalt Statistik Österreich herangezogen. Standorte und Platzangebot Die Daten basieren auf Angaben der MAG ELF. Das angeführte Platzangebot richtet sich nach der Anzahl der durch die MAG ELF bescheidmäßig bewilligten Plätze in den Einrichtungen beziehungsweise bei den Tageseltern. Kinder in Einrichtungen Angaben über die Anzahl der in den institutionellen Kinderbetreuungseinrichtungen und Kindergruppen betreuten Kinder wurden dem Datensatz der Kinderbetreuungsstatistik der MA 5 entnommen, der im Betreuungsjahr 2009/10 zu 66,9 % als Sekundärstatistik aus Verwaltungsdatenbeständen der MA 10- Wiener Kindergärten, der Wiener Kinderfreunde, sowie Einrichtungen unter dem Dachverband der St. Nikolaus Privatstiftung generiert wurde und zu 33,1 % durch eine Primärerhebung mittels schriftlicher Befragung unter den restlichen Wiener Kinderbetreuungseinrichtungen gewonnen wurde. Fehlende Angaben wurden entsprechend vorliegender Basisinformationen der MAG ELF und nach statistischen Kriterien durch die MA 5 imputiert. Aufgrund des hohen Rücklaufs von insgesamt 81,9 % ist eine hohe Validität der Ergebnisse gewährleistet. Verpflichtendes Kindergartenjahr Betreuungsdaten zum verpflichtenden Kindergartenjahr wurden von der MAG ELF zur Verfügung gestellt. Die Daten wurden im Frühjahr 2010 im Rahmen einer Vollerhebung durch die Frage nach der ab September 2010 besuchten Einrichtung gewonnen. Ausgaben Angaben über Ausgaben wurden den Rechnungsabschlüssen der Stadt Wien entnommen. Methoden, Glossar, Service Familiengruppe 0–6 Familiengruppe 0–6 ist die Bezeichnung für eine Gruppenform in einer institutionellen Kinderbetreuungseinrichtung, in der Kinder bis zum Beginn der Schulpflicht betreut werden. Familiengruppe 3–10 Familiengruppe 3–10 ist die Bezeichnung für eine Gruppenform in einer institutionellen Kinderbetreuungseinrichtung, in der 3- bis 10-jährige Kinder betreut werden. Ganztagsschulen Die Ganztagsschulen bieten eine umfassende Betreuung der Schülerkinder von 08:00 bis 16:00 Uhr(bei Bedarf 17:30 Uhr), wobei Unterricht, Lernzeit, Freizeit und Aufsicht in verschränkter Form in einem pädagogisch sinnvollen Wechsel von Lehrerinnen und Lehrern(Unterricht) und/oder Betreuerinnen und Betreuern(Freizeit) geführt werden. Die Anmeldung für eine Ganztagsschule gilt für alle Tage der Woche und für die Dauer des Schulbesuchs(vier Jahre). Heilpädagogische Gruppe Heilpädagogische Gruppe ist die Bezeichnung für eine Gruppenform in einer institutionellen Kinderbetreuungseinrichtung, in der ausschließlich Kinder mit Behinderung betreut werden. Institutionelle Kinderbetreuungseinrichtung Unter einer institutionellen Kinderbetreuungseinrichtung ist eine örtlich gebundene Einrichtung zu verstehen, die zur regelmäßigen Betreuung, Erziehung und Bildung von Kindern durch Fachkräfte während eines Teiles des Tages bestimmt ist. In einer institutionellen Kinderbetreuungseinrichtung können folgende Gruppen eingerichtet sein: Kleinkinderkrippen(kurz: Krippen), Kindergartegruppen (kurz: Kindergarten), Familiengruppen 0–6, Familiengruppen 3–10, Integrationsgruppen, Heilpädagogische Gruppen. Für den Betrieb einer institutionellen Kinderbetreuungseinrichtung ist eine Bewilligung der MAG ELF Amt für Jugend und Familie erforderlich. Krippe Krippe(Kleinkinderkrippe) ist die Bezeichnung für eine Gruppenform in einer institutionellen Kinderbetreuungseinrichtung, in der Kinder in der Regel bis zum vollendeten 3. Lebensjahr betreut werden. Krippenkinder Unter Krippenkindern versteht man Kinder im Alter von 0 bis 2 Jahren, beziehungsweise jene Kinder, die im aktuellen Betreuungsjahr den dritten Geburtstag feiern und erst nach Ende des Betreuungsjahres von der Krippe in den Kindergarten wechseln. Integrationsgruppe Integrationsgruppe ist die Bezeichnung für eine Gruppenform in einer institutionellen Kinderbetreuungseinrichtung, in der Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam betreut werden. Kindergartengruppe Kindergartengruppe(Kindergarten) ist die Bezeichnung für eine Gruppenform in einer institutionellen Kinderbetreuungseinrichtung, in der Kinder vom vollendeten 3. Lebensjahr bis zum Beginn der Schulpflicht betreut werden. Kindergartenkinder Unter Kindergartenkindern versteht man Kinder im Alter von 3 Jahren bis zum Erreichen der Schulpflicht, wobei hier auch jene Kinder gemeint sind, die im aktuellen Betreuungsjahr den sechsten Geburtstag feiern. Kindergruppen Eine Kindergruppe ist eine erweiterte familienähnliche Betreuungsform und darf höchstens 14 gleichzeitig betreute Tageskinder umfassen. Die Kindergruppe wird von einer ausgebildeten Kindergruppenbetreuerin beziehungsweise einem ausgebildeten Kindergruppenbetreuer geführt. Es gibt eine Vielzahl von Initiativen mit verschiedenen pädagogischen Schwerpunkten. Für den Betrieb einer Kindergruppe ist eine Bewilligung durch die MAG ELF- Amt für Jugend und Familie erforderlich. Lern- und Freizeitclubs Diese Einrichtung der Stadt Wien bietet an vielen Schulen eine Lern- und Freizeitbetreuung bis 17:00 Uhr an. Der Club umfasst Lern- und Freizeitbetreuung und gegebenenfalls ein Mittagessen nach dem Unterricht. Die Betreuung erfolgt ausschließlich durch Betreuerinnen und Betreuer des Vereins„Wiener Kinder- und Jugendbetreuung“. Dieser ist für die Durchführung verantwortlich. Die Anmeldung gilt für das ganze Schuljahr und für alle Wochentage. MAG ELF Bezeichnung für die Magistratsabteilung 11- Amt für Jugend und Familie, zu deren Aufgaben unter anderem die Bewilligung und Aufsicht von Kinderbetreuungseinrichtungen zählt. Offene Schulen beziehungsweise Tagesheimschulen In Offenen Schulen beziehungsweise Tagesheimschulen ist der Unterricht und Betreuungsteil getrennt, d. h. im Anschluss an den Unterricht wechseln die Schulkinder in den Betreuungsteil, der etwa um 16:00 Uhr(bei Bedarf um 17:30 Uhr) endet. Im Gegensatz zur Ganztagsschule nehmen in diesem Modell nicht alle Kinder einer Klasse an der Nachmittagsbetreuung teil. Die Anmeldung erfolgt für mindestens 3 Wochentage und gilt in der Regel für ein Schuljahr. Tageseltern Die Tagesmutter beziehungsweise der Tagesvater betreut maximal fünf Kinder regelmäßig im eigenen Familienverband. Für die Betreuung von Tageskindern ist eine Bewilligung durch die MAG ELF- Amt für Jugend und Familie erforderlich. 37 38 Methoden, Glossar, Service MA 5- Finanzwesen Referat Statistik und Analyse 1010 Wien, Volksgartenstraße 3 Telefon:+43-1-4000-88615 E-Mail: statistik@ma05.wien.gv.at www.wien.gv.at/statistik Themenschwerpunkte Bevölkerungs-, Sozial-, Bildungs- und Gesundheitsstatistik Wirtschafts- und Arbeitsmarktstatistik Gesetzliche und statistische Erhebungen Archiv Die Einsichtnahme in das Archiv des Referats Statistik und Analyse kann Montag bis Freitag(werktags) in der Zeit von 09:00 bis 15:00 Uhr erfolgen. Um Voranmeldung wird gebeten. Anfragen Für Anfragen in statistischen Belangen wenden Sie sich bitte per E-Mail, Telefon oder persönlich an das Referat Statistik und Analyse. Sollten für die Anfragebeantwortungen Kosten anfallen, werden Sie vorab informiert. Magistratsinterne Dienstleistungen Registerkoordination Für magistratsinterne Dienstleistungen im Bereich der Datenerhebung und-analyse sowie zu Fragen zur Registerkoordination wenden Sie sich bitte an die zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder die Kanzlei. Die Kontaktinformationen entnehmen Sie bitte den magistratsinternen Medien. Publikationen Statistisches Jahrbuch der Stadt Wien 2009: D��ie��u�m��fangreiche statistische Publikation enthält eine Vielfalt an Daten aus den wesentlichen Lebensbereichen der Stadt. Diese Daten bieten Einblick in die gute Entwicklung Wiens im wirtschaftlich schwierigen Jahr 2008. Neben Tabellen und Abbildungen finden Sie Erläuterungen zu den Methoden und Quellen, erklärende Texte und Analysen, die das Datenangebot vertiefen. Ein farbliches Leitsystem führt durch fünf Themengruppen – Lebensraum, Menschen, Wirtschaft, Politik und öffentliche Verwaltung sowie Wien im Vergleich. Zusätzlich informieren 23 Bezirksporträts interessierte Bürgerinnen und Bürger über ihre unmittelbare Umgebung. Folder- Wien in Zahlen 2010: Die Broschüre fasst auf wenigen Seiten Basisinformationen aus den Bereichen Lebensraum Wien, Menschen, Wirtschaft, Politik und öffentliche Verwaltung in Wien zusammen. Mit einer Mischung aus Zahlen, grafischen Abbildungen und erläuternden Hinweisen ist sie eine hilfreiche Informationsquelle. Statistik Journal Wien: Die Journale widmen sich inhaltlichen Schwerpunkten und Spezialthemen. Nähere Informationen entnehmen Sie bitte der Website des Referats Statistik und Analyse der MA 5- Finanzwesen: www.wien.gv.at/statistik/publikationen.html Methoden, Glossar, Service 39 MA 10- Wiener Kindergärten 1030 Wien, Thomas-Klestil-Platz 11 Telefon:+43-1-277 55 55 E-Mail: post@ma10.wien.gv.at www.kindergaerten.wien.at Öffnungszeiten Ganzjährig Mo bis Fr von 06:30 Uhr bis 17:30 Uhr Bei Bedarf Mo bis Fr von 06:00 Uhr bis 18:00 Uhr Kleinkinderkrippen und Kindergärten Ganztägiger Besuch von 06:30 Uhr bis 17:30 Uhr Teilzeitbesuch mit Mittagessen von 06:30 Uhr bis 14:00 Uhr oder von 12:00 Uhr bis 17:30 Uhr Halbtägiger Besuch ohne Mittagessen von 08:00 Uhr bis 12:00 Uhr oder von 13:00 Uhr bis 17:00 Uhr Horte von 11:00 Uhr bis 17:30 Uhr Informationsbroschüren der Wiener Kindergärten können über das Infotelefon bestellt oder per Internet heruntergeladen werden. Anmeldung für einen Kinderbetreuungsplatz Die Anmeldung kann von den Eltern per Post, Fax oder Internet sowie persönlich in einer Servicestelle der Wiener Kindergärten(MA 10) vorgenommen werden. Bei jeder Anmeldung können zwei bevorzugte Betreuungseinrichtungen angegeben werden. Voraussetzung für den Erhalt eines beitragsfreien beziehungsweise geförderten Platzes ist der Hauptwohnsitz des Kindes und der Obsorgeberechtigten in Wien. Kriterien der Platzvergabe • Aufnahme in das elektronische Verzeichnis der Wiener Kindergärten. • Alter des Kindes(Fünf- bis Sechsjährige werden aufgrund des verpflichtenden letzten Kindergartenjahres vor der Schule bevorzugt behandelt). • Berufstätigkeit der Eltern(schriftlicher Nachweis vom Dienstgeber erforderlich). • Kinder, deren Geschwister bereits einen städtischen Kindergarten besuchen, erhalten den Vorzug, wenn die Eltern berufstätig sind. • Soziale Aspekte(Krisensituationen). • Nähe zum Wohnort beziehungsweise Arbeitsplatz. Der Zeitpunkt der Anmeldung innerhalb der Hauptanmeldezeit ist irrelevant. Die Plätze werden ausschließlich nach den oben genannten Kriterien vergeben. Hauptanmeldezeitraum im Jänner und Februar Im Jänner und Februar kann das Kind für eine städtische Kinderbetreuungseinrichtung im September desselben Jahres angemeldet werden. Für die Anmeldung ist die Bekanntgabe der Sozialversicherungsnummer des Kindes erforderlich. Die Verteilung der frei werdenden Plätze findet im Frühjahr aus allen bis dahin eingelangten Anmeldungen für das neue Betreuungsjahr statt. Bis spätestens Mai erhalten alle Eltern, die für September einen Platz brauchen, eine Verständigung in welcher städtischen Kinderbetreuungseinrichtung eine Betreuung für ihr Kind möglich ist. Alle Anmeldungen, die nicht für den Monat September sind, erhalten zwei Monate vor dem gewünschten Eintrittsdatum eine Verständigung. Wenn kein geeigneter Platz in einer städtischen Einrichtung angeboten werden kann, werden die Eltern bei der Suche nach einem Platz in privaten Kinderbetreuungseinrichtungen unterstützt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Servicestellen beraten gerne über die Angebotssituation in ganz Wien. Wer kurzfristig einen Platz benötigt, kann sich jederzeit auch während des Jahres an die Servicestelle wenden. Das Angebot freier Betreuungsplätze ist dann jedoch eingeschränkt. 40 Methoden, Glossar, Service MAG ELF Amt für Jugend und Familie- Gruppe Recht 1030 Wien, Rüdengasse 11 Telefon:+43-1-4000-8011 E-Mail: gr@ma11.wien.gv.at www.wien.gv.at/menschen/magelf Bewilligung und Aufsicht von institutionellen Kinderbetreuungseinrichtungen Nach dem Wiener Kindertagesheimgesetz(WKTHG) und der Wiener Kindertagesheimverordnung(WKTHVO) dürfen institutionelle Kinderbetreuungseinrichtungen (Kindertagesheime) nur mit Bewilligung der Behörde betrieben werden. Der Antrag ist bei der MAG ELF als zuständige Behörde einzubringen. Betreiber kann jede juristische oder natürliche Person sein. Erreichbarkeit: 08:00–15:30 Telefon:+43-1-4000-90739 FAX:+43-1-4000-99-90739 E-Mail: g-gra@ma11.wien.gv.at www.wien.gv.at/amtshelfer/gesellschaft-soziales/magelf/ bewilligungsverfahren/kindertagesheim.html Bewilligung und Aufsicht von Kindergruppen und Tageseltern Nach dem Wiener Tagesbetreuungsgesetz(WTBG) und der Wiener Tagesbetreuungsverordnung(WTBVO) darf Tagesbetreuung in Wien nur mit Bewilligung der Behörde durchgeführt werden. Betreiber von Kindergruppen kann jede juristische oder natürliche Person sein. Der Antrag ist bei der MAG ELF als zuständige Behörde einzubringen. Erreichbarkeit: 08:00–15:30 Telefon:+43-1-4000-90798 FAX:+43-1-4000-99-90739 E-Mail: g-gra@ma11.wien.gv.at www.wien.gv.at/amtshelfer/gesellschaft-soziales/magelf/ bewilligungsverfahren/tagesmutter-tagesvater.html www.wien.gv.at/amtshelfer/gesellschaft-soziales/magelf/ bewilligungsverfahren/kindergruppe.html Bewilligung der Essensbeitragsbefreiung in Kinderbetreuungseinrichtungen für Krippenund Kindergartenkinder Bei einem Familieneinkommen in der Höhe von netto Euro 1.100,– oder darunter wird von der MAG ELF für Kinder im Alter von 0 bis 6 Jahren mit Hauptwohnsitz in Wien ein Essensbeitrag in der Höhe von Euro 57,41 pro Monat übernommen(Mittagessen, Gabelfrühstück, Jause). Ein Ansuchen kann jederzeit bei der MAG ELF gestellt werden. Erreichbarkeit: 08:00–12:00 Telefon:+43-1-4000-90710 FAX:+43-1-4000-99-90710 E-Mail: gr-gek@ma11.wien.gv.at www.wien.gv.at/amtshelfer/gesellschaft-soziales/magelf/ finanzielles/essensbeitrag.html Kindergartenpflicht Kinder müssen nach dem Wiener Frühförderungsgesetz (WFfG) im letzten Jahr vor der Schulpflicht eine geeignete institutionelle Kinderbetreuungseinrichtung besuchen. Zum Besuch sind jene Kinder verpflichtet, die vor dem 1. September des jeweiligen Kalenderjahres das 5. Lebensjahr vollendet und ihren Hauptwohnsitz in Wien haben. Erreichbarkeit: 08:00–12:00 Telefon:+43-1-4000-90750 FAX:+43-1-4000-99-90750 E-Mail: g-gra@ma11.wien.gv.at www.wien.gv.at/amtshelfer/gesellschaftsoziales/magelf/ bewilligungsverfahren/kindergartenjahr.html Gleichstellung einer im EU-Raum erworbenen Ausbildung für Sozialpädagogik/Sozialarbeit, Kindergartenpädagogik/Hortpädagogik Ein positiver Gleichstellungsbescheid der MAG ELF ist Voraussetzung für eine Anstellung als Sozialpädagogin oder Sozialpädagoge, Sozialarbeiterin oder Sozialarbeiter, Kindergartenpädagogin oder Kindergartenpädagoge in Wien. Antragstellerinnen und Antragsteller müssen in einem EWR-Staat eine abgeschlossene Ausbildung in diesem Bereich absolviert haben. Der Antrag ist bei der MAG ELF als zuständige Behörde einzubringen. Erreichbarkeit: 08:00–15:30 Telefon:+43-1-4000-90720 FAX:+43-1-4000-99-90739 E-Mail: anita.habacht@ma11.wien.gv.at www.wien.gv.at/amtshelfer/gesellschaft-soziales/magelf/ ausbildung/gleichstellungsverfahren.html Impressum Medieninhaber, Herausgeber und Verleger Magistrat der Stadt Wien MA 5- Finanzwesen Referat Statistik und Analyse F.d.I.v.: Mag. Dr. Gustav Lebhart Redaktion Referat Statistik und Analyse Volksgartenstraße 3, A-1010 Wien Telefon:+43-1-4000-88629 statistik@ma05.wien.gv.at www.statistik.wien.at Redakteurinnen und Redakteure Redaktionsleiter Mag. Gernot Barton(MA 5) Telefon:+43-1-4000-88647 gernot.barton@wien.gv.at Gestaltung, Herstellung, Satz MEDIAPROJECTS. DI Gernot Steindorfer A-7061 Trausdorf a. d. Wulka Coverbild Michael Kempf- Fotolia.com Infografiken MEDIAPROJECTS. Druck Wograndl Druck A-7210 Mattersburg Gedruckt auf Hello Silk, PEFC-zertifiziert. Papier aus der Mustermappe„Ökologische Druckpapiere“ von ÖkoKauf Wien Gerald Ehm(MA 10) Telefon:+43-1-4000-90231 gerald.ehm@wien.gv.at Mag. a Kerstin Mühlböck(MA 10) Telefon:+43-1-4000-90268 kerstin.muehlboeck@wien.gv.at Offenlegung Statistische Analysen, welche die Stadt Wien betreffen. ISBN 978-3-901945-06-9 Gedruckt in Österreich Mag. a Michaela Krejcir(MAG ELF) Telefon:+43-1-4000-90612 michaela.krejcir@wien.gv.at Helga Trögl(MAG ELF) Telefon:+43-1-4000-90716 helga.troegl@wien.gv.at Die enthaltenen Daten, Tabellen, Grafiken, Bilder etc. sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte sind dem Referat Statistik und Analyse der MA 5- Finanzwesen vorbehalten. Nachdruck nur mit Quellenangabe. 41 ISBN 978-3-901945-06-9