STADTENT WICK LU NG Nr. 138 RUDOLF-BEDNAR-PARK Nutzungsevaluierung RUDOLF-BEDNAR-PARK Nutzungsevaluierung Werkstattbericht Wien 2013 VORWORT Der öffentliche Raum ist eines der wichtigsten Ele­ mente für die Lebensqualität unserer Stadt. Hier tref­ fen viele unterschiedliche Nutzungsbedürfnisse einer städtischen Gesellschaft aufeinander. Aus diesem Grund ist der Planung von Grün- und Freiräumen in Wien besonders hohe Aufmerksamkeit zu schenken. Wien ist die am stärksten wachsende Stadt im deutschsprachigen Raum. Deshalb ist die frühzeitige Planung und Bereitstellung neuer öffentlicher Parkan­ lagen in den Stadtentwicklungsgebieten Wiens eine zentrale Aufgabe der Stadt Wien, weshalb das auch im„Leitbild öffentlicher Raum“ berücksichtigt wurde. Diese Ansprüche wurden durch die Errichtung des Rudolf-Bednar-Parks erfüllt, der als 3,1 ha großer Stadtteilpark attraktive Aufenthalts-, Spiel- und Erho­ lungsräume im Stadtentwicklungsgebiet Nordbahnhof bietet. Auf Grundlage eines EU-weit ausgelobten Ge­ staltungswettbewerbs wurde die Parkanlage 2008 eröffnet. Im Zuge der dokumentierten Nutzungsevaluierung galt es herauszufinden, ob den im Vorfeld definier ­ ten Zielen und Anforderungen Rechnung getragen wurde. Ob die Gestaltung öffentlicher Grünräume auch funktioniert, zeigt sich letztlich erst darin, wie sie von den BewohnerInnen einer Stadt genutzt und angenommen werden. Diese kritische Auseinander­ setzung mit den Auswirkungen umgesetzter Projekte ist Teil der neuen Evaluierungskultur in der Planung und Gestaltung öffentlicher Räume, zu der sich die Stadt Wien im„Leitbild öffentlicher Raum“ ausdrück­ lich bekennt. Ziel dieser Nutzungsevaluierungen ist es, einerseits behebbare Mängel zu erkennen und in Folge zu be­ seitigen, andererseits daraus Erkenntnisse und Wissen für Folgeprojekte ableiten zu können. Grundlage der Nutzungsevaluierung sind gezielte Beobachtungen vor Ort, Gespräche mit den Parknutzerlnnen, Exper­ tlnneninterviews wie auch eine genaue Analyse des Planungsprozesses. Die im Werkstattbericht dokumentierte Nutzungs­ evaluierung war die erste einer städtischen Parkanla­ ge in Wien in dieser Form. Sie soll nicht nur die Basis für ergänzende Maßnahmen im Bereich des Rudolf­ Bednar-Parks und dessen Umfeld darstellen, sondern auch als Anregung für künftige Parkgestaltungen in Wien dienen. Ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre, Foto: Stadt Wien© Lukas Beck Mag a . Maria Vassilakou Vizebürgermeisterin und amtsführende Stadträtin für Stadtentwicklung, Verkehr, Klimaschutz, Energieplanung und Bürgerlnnenbeteiligung 3 IMPRESSUM Eigentümer und Herausgeber: Stadtentwicklung Wien Magistratsabteilung 18 – Stadtentwicklung und Stadtplanung Für den Inhalt verantwortlich: Magistratsabteilung 19 – Architektur und Stadtgestaltung Dipl.-Ing in . Clarissa Knehs www.stadtentwicklung.wien.at ProjektverfasserInnen: LAND IN SICHT Büro für Landschaftsplanung Dipl.-Ing in . Bernadette Di Centa(Projektleitung) Dipl.-Ing in . Katharina Stadler-Neugebauer BSc Bettina Polonay in Kooperation mit KON-TEXT Raumbezogenes Management& Sozialwissenschaftliche Beratung Dipl.-Ing in . Andrea Breitfuss Redaktion: LAND IN SICHT Büro für Landschaftsplanung Dipl.-Ing.Thomas Proksch Technische Koordination: Willibald Böck, Magistratsabteilung 18 Lektorat: Ernst Böck Layout: Franz Schwarz/ Schwarz& Spitzenberger OG Fotos: LAND IN SICHT Büro für Landschaftsplanung Produktion: Magistratsabteilung 21 – Referat Reprografie Copyright: 2013 Stadtentwicklung Wien Alle Rechte vorbehalten ISBN: 978-3-902576-80-4 Wien, Dezember 2013 Inhaltsverzeichnis 1 Aufgabenstellung ........................................................................................................................................... 2 2 Methodische Vorgangsweise ............................................................................................................... 4 2.1 Dokumentenanalyse zum Planungsprozess..................................................................................... 4 2.2 Teilnehmende Beobachtung................................................................................................................... 4 2.3 Aufsuchende ortsbezogene Gespräche............................................................................................. 5 3 Kurzchronologie der Entstehung des Rudolf-Bednar-Parks .................................... 5 4 Prozessdokumentation – Zielvorgaben ....................................................................................... 6 4.1 Kooperatives Verfahren zum Rudolf-Bednar-Park....................................................................... 6 4.2 Wettbewerbsauslobung........................................................................................................................... 10 4.3 Umsetzung des Siegerprojektes.......................................................................................................... 15 5 Dokumentation der Erhebungen ........................................................................................................ 17 5.1 NutzerInnen des Rudolf-Bednar-Parks............................................................................................... 17 5.2 Nutzungsaspekte – Tätigkeiten im Park.............................................................................................. 20 5.3 Pflegeaspekte............................................................................................................................................... 33 5.4 Einschätzungen des Rudolf-Bednar-Parks....................................................................................... 33 6 Analyse und Interpretation .................................................................................................................... 36 6.1 Der Rudolf-Bednar-Park gemessen an übergeordneten stadtplanerischen Ansprüchen.............................................................................................................. 36 6.2 Der Rudolf-Bednar-Park gemessen an den Wettbewerbszielen........................................... 41 7 Ausblick auf zu erwartende Entwicklungen ............................................................................. 51 8 Empfehlungen ...................................................................................................................................................... 54 Literaturverzeichnis ...................................................................................................................................... 56 Anhang ........................................................................................................................................................................ 57 1 AUFGABENSTELLUNG Lage des Rudolf-Bednar-Parks im Stadtentwicklungsgebiet Nordbahnhof „Sozialraumanalysen und teilnehmende Beobachtun­ gen im Planungsvorfeld sowie eine systematische quali­ tätssichernde Evaluierungskultur sind wichtige Voraus­ setzungen, um Planung und Gestaltung zu einem lernenden System zu machen.“ Diese Zielvorgabe aus dem„Wiener Leitbild für den öffentlichen Raum“ einzulösen, war ein wesentliches Ziel der Nutzungsevaluierung für den Rudolf-Bed­ nar-Park. Die Gestaltung des 3,1 ha großen Rudolf­ Bednar-Parks ist Ergebnis eines 2005 europaweit ausgelobten Wettbewerbes, wobei neben den Park­ planungsrichtlinien der Magistratsabteilung 42 – Wiener Stadtgärten auch seitens potenzieller ParknutzerInnen artikulierte Wünsche und Ansprü­ che der Wettbewerbsausschreibung zugrunde ge­ legt wurden. Aus dem Wettbewerbsverfahren ging einstimmig das Projekt des Schweizer Landschaftsar­ chitekten Guido Hager als Siegerprojekt hervor. Die zentrale Lage des Stadtteilparks im Stadtent­ wicklungsgebiet Nordbahnhof, das im Jahr 2025 vor­ aussichtlich 20.000 Arbeitsplätze inklusive Folgeein­ richtungen und 10.000 Wohnungen aufweisen wird, sowie der Umstand, dass das Gebiet in den nächs­ ten Jahren über neue Bahnunterführungen an mit öffentlichen Grün- und Freiräumen unterversorgte umliegende Stadtviertel(insbesondere das Volkertund Alliiertenviertel) prominent angebunden wird, lassen der Frage, wie der Park aktuell genutzt und angenommen wird und welche Nutzungspotenziale für die Zukunft gegeben sind, erhöhten Stellenwert zukommen. 2 RUDOLF-BEDNAR-PARK Aufgabenstellung Aufbauend auf den diesbezüglichen methodischen Vorgaben der Stadt Wien wie auch bereits vorliegen ­ den Erfahrungen mit Nutzungsevaluierungen(Chris­ tian-Broda-Platz u. a.) galt es, auf Basis einer Analyse der Parkgenese und der dieser zugrunde gelegten Zieldefinitionen sowie einer systematischen Erhe ­ bung der ParknutzerInnen, des aktuellen Einzugsge­ biets, der konkreten Tätigkeiten im Park und der Ein­ schätzungen der NutzerInnen zu einer Beurteilung der aktuellen Zielerfüllung des Stadtteilparks zu fin ­ den. Darauf aufbauend sollten, unter Berücksichti­ gung zu erwartender Entwicklungen, konkrete Emp­ fehlungen abgeleitet werden. Ergänzt wurden die Erhebungen durch ExpertInneninterviews sowie eine Auswertung der Ergebnisse ei­ ner BürgerInnen-Informationsveranstaltung im Zu­ sammenhang mit den Entwicklungen des Stadtent­ wicklungsgebiets und den Ergebnissen einer Umfrage der Gebietsbetreuung 2/20. Die Nutzungsevaluierung Rudolf-Bednar-Park stellt einen aktuellen„Zwischenstand“ hinsichtlich Park­ nutzung,-annahme und-funktionen dar, zumal das Bild im Stadtentwicklungsgebiet Nordbahnhof zumin­ dest noch bis 2025 durch Baukräne bestimmt sein wird und sich dadurch das Einzugsgebiet und der Kreis potenzieller ParknutzerInnen stetig erweitern wird. Rege Bautätigkeit prägt im Sommer 2012 das Bild um den Rudolf-Bednar-Park 3 Aufgabenstellung RUDOLF-BEDNAR-PARK 2 METHODISCHE VORGANGSWEISE Die Nutzungsevaluierung für den Rudolf-Bednar-Park basiert auf drei empirischen Säulen: • Dokumentenanalyse zum Planungsprozess (Zielfindung, Planungsvorgaben u. a.) • Teilnehmende Beobachtungen • Aufsuchende ortsbezogene Gespräche 2.1 Dokumentenanalyse zum Planungsprozess Im Zuge der Dokumentenanalyse wurden alle zugänglichen Aufzeichnungen und Berichte, die Zielfindung und Zielvorgaben für die Parkplanung betreffen, gesichtet und ausgewertet. Das daraus abzuleitende Zielgerüst erlaubte in Verbindung mit den Ergebnis ­ sen der empirischen Vor-Ort-Erhebungen(Beobach ­ tungen, Interviews) in Folge Aussagen zum erreichten Zielerfüllungsgrad. 2.2 Teilnehmende Beobachtungen Als Arbeitsgrundlage für die teilnehmenden Beobachtungen wurde ein Erhebungsbogen ausgearbeitet, wobei aufgrund der Größe des Parks 4 Teilbereiche bzw. Blätter des Erhebungsbogens unterschieden wurden. Blatt 1: Bereiche im Anschluss an die Wohnhausanlage „Wohnen am Park“(befestigte Vorzone zum Wohn ­ bau, Platzzone mit integrierter Generationen-AktivZone und Spielspots, eingezäunter Kleinkinderspiel­ platz) Blatt 3: Zentrale Erschließungsachse in Verlängerung der Leystraße sowie die westlich angrenzenden klei­ neren Rasenflächen(Schilfgärten, zentrale Pergola mit befestigtem Umfeld, kleine Rasenfreiheit Nord und Süd) Blatt 2: Zwischen befestigten Flächen im Osten und zentraler Erschließungsachse liegende Rasen- und Ve ­ getationsflächen(Hain Nord und Süd, zentrale Rasen ­ fläche und Quartiersgärten) Blatt 4: Dem Schulcampus im Westen vorgelagerte Sportflächen(Skatepool, Streetballfeld,Volleyballfelder, Tischtennis) und deren Umfeld sowie Hundezone 4 RUDOLF-BEDNAR-PARK Methodische Vorgangangsweise Generalisierter Übersichtsplan Ein Beobachtungsdurchgang dauerte insgesamt 180 Minuten, wobei die in einem Blatt zusammengefassten Teilbereiche jeweils zweimal(einmal für 20 und einmal für 25 Minuten) aufgesucht wurden. Da selbst die in einem Blatt zusammengefassten Teilbereiche nicht gleichzeitig überschaubar sind, pendelte die Beobach­ terin zwischen den Teilbereichen, um einen möglichst umfassenden Eindruck aller Aktivitäten innerhalb des Beobachtungszeitraumes zu erhalten. Insgesamt wurden im Zeitraum zwischen Juni und September 2012 neun Beobachtungsdurchgänge durchgeführt, und zwar jeweils drei am späten Vormit ­ tag/Mittag(10.00 – 13.00 Uhr), drei am Nachmittag (14.00 und 18.00 Uhr) sowie drei am späten Nachmit­ tag/Abend(17.00 und 21.30 Uhr), wobei jeweils zwei Durchgänge an einem Wochentag und ein Durchgang am Wochenende stattfanden. Die Beobachtungen fanden durchwegs bei relativ gu­ tem Wetter statt. Schlechtwettertage, aber auch sehr heiße Tage wurden ausgespart. Die schriftliche Dokumentation der Beobachtungen im Erhebungsbogen beinhaltet Angaben zu den Perso­ nen – Alter, Geschlecht, ob einzeln oder in Gruppen – sowie zu den beobachteten Tätigkeiten und Bezie­ hungen zu anderen Teilbereichen. 2.3 Aufsuchende ortsbezogene Gespräche Auch für die aufsuchenden ortsbezogenen Gesprä­ che wurde ein Leitfaden ausgearbeitet. Der Leitfa­ den umfasst Fragen zur Person, zu Häufigkeit und Frequenz der Besuche im Park, Nutzungsaspekten, sozialen Aspekten, Beziehungen zum Umfeld sowie zum Einzugsgebiet. Bei der Auswahl der Personen/Personengruppen für die Gespräche wurde versucht, von den im Zuge der teilnehmenden Beobachtung identifizierten Nutze ­ rInnengruppen in Abhängigkeit von ihrer Repräsen­ tanz im Park jeweils zwei bis vier stellvertretend zu befragen. PassantInnen wurden grundsätzlich nicht zum Interview angesprochen. Die Interviewpartne­ rInnen blieben anonym. Insgesamt wurden 25 Interviews geführt, in deren Rahmen 69 Personen befragt wurden. 3 KURZCHRONOLOGIE DER ENTSTEHUNG DES RUDOLF-BEDNAR-PARKS 1991 – 1994 Leitbild für Stadtentwicklungszone Nordbahnhof Das durch ein interdisziplinäres Projektteam erstell­ te und Anfang 1994 beschlossene„Städtebauliche Leitbild Nordbahnhof“ begründet die Ausgestaltung eines Stadtteilparks und definiert diesen auch räum ­ lich. 2005, Juni Beschlussfassung des Plandokumentes PD 7656, in dem die Widmung der Parkfläche als„Erholungsge ­ biet Parkanlage, Grundfläche für öffentliche Zwecke“ festgeschrieben wird. 2005, April bis Juli Kooperatives ExpertInnenverfahren: Ein Gremium aus ca. 35 Fachleuten, zusammenge­ setzt aus VertreterInnen des Magistrats, des Pla ­ nungsbereiches, lokaler Einrichtungen sowie des Bezirks erarbeitet unter der Federführung der Magis­ tratsabteilung 21 ein Anforderungsprofil an den Ru dolf-Bednar-Park, welches als Grundlage für die fol­ gende Wettbewerbsausschreibung dient. Parallel zu den ExpertInnenwerkstätten finden am 29. und 30. April sowie am 7. Juni BürgerInnen-Informa­ tionsveranstaltungen statt. Weiters werden Gesprä­ che mit lokalen ExpertInnen(Bassena Stuwerviertel, Gesundheits- und Sozialzentrum Vorgartenstraße, Integrationshaus, Geriatrisches Tageszentrum, Nach­ barschaftszentrum) geführt. 2005, August bis Dezember Vorbereitung eines landschaftsarchitektonischen Re ­ alisierungswettbewerbs auf Basis der Empfehlungen aus dem kooperativen Verfahren unter der Feder ­ führung der Magistratsabteilung 19 – Architektur und Stadtgestaltung, in Zusammenarbeit mit der Magist­ ratsabteilung 42 – Wiener Stadtgärten und der Magi­ stratsabteilung 28 – Straßenverwaltung und Straßen­ bau. 5 Kurzchronogolie Entstehung RUDOLF-BEDNAR-PARK 2005, Dezember Auslobung des EU-weiten, nicht offenen, einstufigen landschaftsarchitektonischen Realisierungswettbe­ werbs im Oberschwellenbereich – Errichtung eines Stadtteilparks„Rudolf-Bednar-Park“ durch die Stadt Wien, vertreten durch die Magistratsabteilung 19 – Architektur und Stadtgestaltung. 2006, Februar Sitzung des Preisgerichts zur Auswahl der Wettbe­ werbsteilnehmerInnen. Auf Basis der 66 eingelangten Teilnahmeanträge wer­ den 15 Büros bzw. Arbeitsgemeinschaften einstimmig ausgewählt und in Folge zur Abgabe eines Wettbe­ werbsbeitrages aufgefordert. 2006, Mai Das Preisgericht beschließt einstimmig die Zuerken­ nung des 1. Preises an das Büro Hager Landschaftsar­ chitektur AG, Zürich. 2006, Juni bis 2007, März Planungsphase 2007, Juli Baubeginn 2008, September Parkeröffnung „Fertig ist jedoch der Rudolf-Bednar-Park mit seiner Eröffnung noch lange nicht. Dieser Moment ist erst der eigentliche Beginn: Der Park erwacht zum Leben! Die Bäume, Hecken und Stauden sind noch klein. Sie beginnen nun zu wachsen, um mit der Zeit immer selbstbewusster und eigenständiger ihren Platz im Quartier einzunehmen. Sie werden sich zu­ sammen mit den neuen Bewohnerinnen und Bewohnern des entstehenden Quartiers etablieren! Den Rudolf-BednarPark auf diesem Weg zu betreuen und darauf zu achten, dass er in Schönheit altern kann, dass seine eingeschriebene Multifunktionalität aber auch immer wieder erweitert und auf den neuesten Stand gebracht werden kann, ohne dass die Parkstruktur verändert wird, ist die Herausforderung an die Zukunft.“ (HAGER/ ALTERMATT/ POSSET, 2008) 4 PROZESSDOKUMENTATION – ZIELVORGABEN 4.1 Kooperatives Verfahren zum Rudolf-Bednar-Park Wichtige AkteurInnen und ihre Funktionen Beauftragung, Finanzierung und Organisation des kooperativen Verfahrens Magistratsabteilung 21A – Stadtteilplanung und Flächennutzung Innen-West Moderation und Prozessgestaltung PlanSinn – Büro für Planung und Kommunikation TeilnehmerInnen des kooperativen Verfahrens (ExpertInnenwerkstätten) Bezirksvertretung des 2. Bezirkes Stadtbaudirektion – Leitstelle Alltags- und Frauengerechtes Planen und Bauen Magistratsabteilung 13 – Bildung und außerschulische Jugendbetreuung Ablauf des Verfahrens Magistratsabteilung 18 – Stadtentwicklung und Stadtplanung Magistratsabteilung 19 – Architektur und Stadtgestaltung Magistratsabteilung 21A – Stadtteilplanung und Flächennutzung Innen West Magistratsabteilung 22 – Umweltschutz Magistratsabteilung 28 – Straßenverwaltung und Straßenbau Magistratsabteilung 42 – Wiener Stadtgärten VertreterInnen der Wiener Jugendzentren, der zuständigen Gebietsbetreuung und des Nachbarschaftszentrums sowie geladene Landschaftspla­ nerInnen, ArchitektInnen und ein Ökologe Anfang März 2005 erging seitens der Magistratsabtei­ lung 21A die Einladung zur Teilnahme an einem ko­ operativen Verfahren zur Erstellung eines konkreten Anforderungsprofils an den Rudolf-Bednar-Park in Vorbereitung für einen Gestaltungswettbewerb. Zwi ­ schen April und Juni 2005 wurde im Rahmen von 5 ExpertInnenwerkstätten das Anforderungsprofil an den Park diskutiert und in den„Empfehlungen aus 6 RUDOLF-BEDNAR-PARK Prozessdokumentation – Zielvorgaben dem kooperativen Verfahren zum Rudolf-BednarPark“ dokumentiert. Parallel zu den ExpertInnenwerkstätten wurden auch zwei BürgerInneninformationsveranstaltungen abge­ halten. Die Informationsveranstaltungen fanden am 29. und 30. April statt und boten die Möglichkeit, sich über den Stand der Vorbereitungen zu informieren und Ideen und Vorschläge zu deponieren. Die Anregungen der TeilnehmerInnen wurden doku­ mentiert und im Rahmen der 2. ExpertInnenwerk­ statt präsentiert. Die Veranstaltung wurde im ganzen Bezirk angekün ­ digt und letztendlich von ca. 150 – 200 Menschen besucht. Weiters wurden Gespräche mit jeweils zwei Vertre ­ terinnen der Bassena Stuwerviertel und des Gesund­ heits- und Sozialzentrums in der Vorgartenstraße so ­ wie VertreterInnen des Integrationshauses in der Engerthstraße im Hinblick auf die Einschätzung der NutzerInnengruppen, der Nutzungsmöglichkeiten so­ wie Wünschen an Ausstattung und Gestaltung ge­ führt. Die Gesprächsergebnisse sind in das kooperati­ ve Verfahren eingeflossen. Empfehlungen aus dem kooperativen Verfahren Die nachfolgende Zusammenfassung der Empfehlungen beinhaltet jene Punkte, bei denen ein Konsens innerhalb der ExpertInnengruppe erzielt wurde: Allgemeine Empfehlungen für die Umgebung des Rudolf-Bednar-Parks • Ein Jugendzentrum beziehungsweise Räume für außerschulische Jugendarbeit sollten direkt an den Park angrenzen. So ist Parkbetreuung ganz­ jährig im unmittelbaren Parkumfeld möglich. • Der Park soll auch städtebaulich integriert sein, indem der Park zum Beispiel über Grünflächen und Alleen, verbindende Oberflächentypologien, einheitliche Möblierung etc. mit dem umliegenden Stadtteil vernetzt wird. • Die Straßen können in die Gestaltung miteinbezogen werden. Empfehlungen zu den Inhalten des Wettbewerbs: Gestalterische Aspekte • Entwicklung einer authentischen, ortsspezifi schen Gestaltungslösung • Nutzungsgerechte Raumbildung und-organisation: Es sind multifunktional nutzbare Räume in Bezug auf Zeiten und unterschiedliche NutzerInnen zu schaffen, wobei darauf zu achten ist, dass ver­ schiedene Gruppen unterschiedliche Rauman­ sprüche haben und auch für weniger offensive Gruppen ein gutes Raumangebot geschaffen wird. • Bewusster Einsatz der Gestaltungsmittel: nachvollziehbare Ableitung beziehungsweise Begründung der Wahl spezifischer Gestaltungsmittel • Alltagsgerechtigkeit: Aufgrund des zu erwartenden hohen NutzerInnendruckes ist eine adäquate Gebrauchsfähigkeit und Robustheit der Parkanlage erforderlich. Auch Fragen der Pflege und des Parkunterhalts sind integrativ zu berücksichtigen. • Sinnliche Erlebnisqualitäten: Auch bei klaren funktionalen Vorgaben an die Parkgestaltung gilt es zu betonen, dass sich ein städtischer Freiraum nicht zuletzt auch durch„sinnliche Erlebnisqualitäten“ auszeichnen darf und muss, soll er durch die künftigen NutzerInnen in dem angedachten Ausmaß angenommen und sozial besetzt werden. • Flexibilität: Vor dem Hintergrund immer stärker differenzierter Wohn- und Lebensstile wie auch aus heutiger Sicht nur unscharf beziehungsweise nicht abschätzbarer Entwicklungen ist eine den angesprochenen möglichen, derzeit nicht artikulierbaren Erwartungshaltungen und Bedürfnissen offen stehende, anpassungsfähige und flexible Parkkonzeption zu entwickeln. 7 Prozessdokumentation – Zielvorgaben RUDOLF-BEDNAR-PARK Soziale Aspekte • Zielpublikum: Der Rudolf-Bednar-Park soll ein Ort werden, den die neu ins Stadtviertel ziehende Bevölkerung genauso nutzt wie die umliegende ansässige Wohnbevölkerung, die einen relativ hohen Anteil an MigrantInnen und sozial benachteiligten Personen aufweist. • Gender-Mainstreaming: Die Prinzipien des GenderMainstreamings sind zu berücksichtigen – differenziert nach Lebensphasen, kulturellem und sozialem Hintergrund. Eine geschlechtssensible Parkgestal­ tung ist jedenfalls gefordert. • Angebotsdifferenzierung: Der Park soll für unterschiedliche Gruppen nutzbar sein(Geschlecht, Alter etc.), speziell aber Angebote für ältere Kinder, Jugendliche und SeniorInnen(benachbarte Sozialmeile) enthalten. Durchsetzungsschwächere Gruppen wie Mädchen und jüngere Burschen sollen dabei besonders berücksichtigt werden. • Begegnungs- und Rückzugsbereiche: Der Park braucht sowohl Begegnungs- als auch Rückzugsmöglichkeiten für die verschiedenen NutzerInnengruppen. • Vielfältige Bewegungsräume: Es sollen vielfältige Bewegungsräume für weibliche und männliche Jugendliche geschaffen werden. Auch für Kinder ist dieser Aspekt mit zu bedenken. • Angebote für Kleinkinder: Diese können quantitativ geringer ausfallen, dafür aber spezifische Qualitäten aufweisen, die sie von den zu erwartenden Standardausstattungen in den Innenhöfen unterscheiden. Ökologische Aspekte • Verbesserung des Kleinklimas: Durch die Parkgestaltung sollte eine Verbesserung des Kleinklimas angestrebt werden.(Kühle im Sommer, höhere Luft­ feuchtigkeit, Staubbindung, CO 2 -Reduktion usw.) • Geringer Versiegelungsgrad: Der Park sollte einen möglichst geringen Versiegelungsgrad aufweisen, dies kann beispielsweise durch die Verwendung von wasserdurchlässigen Belägen gewährleistet werden. Zu beachten ist allerdings die Gefahr zu starker Staubbildung. • Baumpflanzungen: Bei der Baumauswahl sollten auch großkronige Bäume verwendet werden(aufgrund des hoch anstehenden Grundwassers gute Wuchsbedingungen). • Barrierefreiheit: Der Park soll barrierefrei zugänglich und benutzbar sein(bauliche Barrierefreiheit, subjektive Sicherheit, zu jeder Tages-/Jahreszeit nutzbar). • Sicherheit: Die Nutzung des Parks soll auch in der Nacht möglich sein. Daher soll bei der Gestaltung einerseits auf Transparenz entlang der Hauptwege und andererseits auf eine Beleuchtung entlang der Wegverbindungen geachtet werden. • Identitätsbildung: Der Park soll die Identitätsbildung im Stadtviertel unterstützen. • Vermeidung von Lärmkonflikten: Durch den Park beziehungsweise seine Benutzung kann es zu Lärmkonflikten mit den AnrainerInnen kommen. Auf diese Lärmproblematik soll durch Zonierung und Textur Rücksicht genommen werden. • Gastronomieeinheit,WC: Im Park oder im Umfeld des Parks(zum Beispiel Sockelzonen in den an­ grenzenden verkehrsberuhigten Straßenräumen, Schule) ist die Einrichtung eines Cafés und eines öffentlich zugänglichen WCs vorzusehen. • Eventbereich: Optional ist ein Eventbereich(temporäre Bühne oder Ähnliches) anzudenken. • Die Hundeproblematik ist zu beachten. • Beachtung der Windverhältnisse: Auf die spezifischen Windverhältnisse(Hauptwindrichtungen, tendenziell größere Windhäufigkeit im Donauraumbereich) ist zu achten. • Wasser/ Bewässerung/ Entwässerung: Bewässerung mit Grundwasser soll vorgesehen werden. Eine Versickerung des Niederschlagwassers am Grundstück muss gewährleistet sein. Wasser soll thematisiert werden, allerdings nicht in Form einer größeren Wasserfläche. 8 RUDOLF-BEDNAR-PARK Prozessdokumentation – Zielvorgaben Wirtschaftliche Aspekte • Kostenschätzung: Seitens der WettbewerbsteilnehmerInnen ist eine Kostenschätzung auf Basis der seitens der Magistratsabteilung 42 zur Verfügung gestellten Kalkulationsgrundlagen zu erstellen. • Pflege- und Erhaltungsaufwand: Auf einen minimierten zu erwartenden Pflege- und Erhaltungsaufwand für die Parkanlage ist bereits im Zuge des Parkentwurfes zu achten. • Betriebsflächen Stadtgartenamt Wien: Die Magistratsabteilung 42 meldet für den RudolfBednar-Park Bedarf für eine ca. 300 m 2 große Flä­ che als Lagerplatz an. Empfohlene Schritte vor der Wettbewerbsauslobung(auszugsweise in Bezug auf Nutzung) • Möglichkeiten der Mehrfachnutzung der Schulsportflächen sollen mit der Schulbehörde vorab geklärt werden. • Die Möglichkeiten und Modalitäten(Öffnungszeiten) der fußläufigen Durchgängigkeit des Schulgrundstückes(wie im Leitbild vorgesehen) soll vorabgeklärt werden. Blick über das Gelände des Rudolf-Bednar-Parks vor Baubeginn, September 2005 9 Prozessdokumentation – Zielvorgaben RUDOLF-BEDNAR-PARK 4.2 Wettbewerbsauslobung Wichtige AkteurInnen und ihre Funktionen Auslobende Dienststelle der Stadt Wien Magistratsabteilung 19 – Architektur und Stadtgestaltung Kooperierende Dienststellen Magistratsabteilung 42 – Wiener Stadtgärten Stadtbaudirektion – Gruppe Behördliche Verfahren und Vergabe Magistratsabteilung 28 – Straßenverwaltung und Straßenbau Beraterin der Ausloberin/ externe Verfahrens­ organisation Büro LAND IN SICHT Preisgericht FachpreisrichterInnen: Prof. Günther Vogt, Dipl.-Ing. Susanne Burger, Dipl.-Ing. Jakob Fina, Dipl.-Ing. Brigitte Lacina, Arch. Dipl.-Ing. Andreas Lichtblau, Arch. Dipl.-Ing. Franz Denk Magistratsabteilung 19: SR Dipl.-Ing. Josef Matousek, Dipl.-Ing. Franz Kobermaier Magistratsabteilung 42: StgOAR Ing. Rainer Weisgram, StgAR Ing. Margit Grassinger Magistratsabteilung 18: SR Dipl.-Ing. Karl Glotter, Ing. Elisabeth Maschat SachpreisrichterInnen: Magistratsabteilung 21A: SR Dipl.-Ing. Klaus Vatter, Dipl.-Ing. Alexandra Madreiter SR Dipl.-Ing. Eva Kail, Dipl.-Ing. Elisabeth Irschik Bezirksvorstehung Leopoldstadt: BV Gerhard Kubik, BV-Stv Rudolf Kauba, GR Karlheinz Hora Aufgabenstellung der Wettbewerbsauslobung Die Aufgabenstellung wurde wortident den Empfeh­ lungen aus dem kooperativen Verfahren zu den In ­ halten des Wettbewerbs entnommen(siehe Pkt. 4.1) und durch folgende Punkte ergänzt: Gastronomiebereich/ WC-Anlagen In der Wettbewerbsauslobung wurde dezidiert die Ausweisung einer kleinen Gastronomieeinheit und einer öffentlich zugänglichen WC-Anlage gefordert. Hundeproblematik Zum Zeitpunkt der Wettbewerbsauslobung war vor­ gesehen, in den an den Park unmittelbar angrenzen­ den Straßenräumen auf der Höhe des Parks jeweils drei Hundeklos(1,5 x 1,5 m 2 ) zu errichten. In der Auf­ gabenstellung wurde im Park selbst eine Hundeauslaufzone mit einer Richtgröße von 200 – 300 m 2 in der Randzone zum Straßenraum gefordert. Alternati­ ve Lösungsansätze im Umgang mit der Hundeproble­ matik waren, soferne überzeugend, zugelassen. Feuerwehrzufahrt im Norden Für die erforderliche Feuerwehrzufahrt/ Aufstell­ fläche für das Projekt„Wohnen am Park“(parkan ­ liegender Gebäuderiegel im Nordosten) war die Freihaltung eines 9 m breiten Geländestreifens von jeglichen festen Hindernissen gefordert. Errichtungsbudget Budgetrahmen von maximal 4,250.000 Euro Nettoherstellungskosten 10 RUDOLF-BEDNAR-PARK Prozessdokumentation – Zielvorgaben Siegerprojekt Büro Hager Landschaftsarchitektur AG Wettbewerbsbeitrag Hager Landschaftsarchitektur AG, Übersichtslageplan (Textergänzungen durch die VerfasserInnen) Zur Erläuterung des Siegerprojektes kommen im Nachfolgenden die Verfasser des Wettbewerbsbeitrags, das Büro Hager Landschaftsarchitektur AG, über ihren Erläuterungstext selbst zu Wort: In der Leopoldstadt entsteht ein neues Stadtquartier! Die Leopoldstadt war immer – bedingt durch ihre Randlage außerhalb der Stadtmauern Wiens – eine Art städtisches„Auffangbecken”. Alles was„intra muros” nicht mehr Platz hatte, wurde hierher verlegt. Das kaiserliche Jagdrevier wurde zum„Vergnügungsviertel” und schließlich zur industriell geprägten Vorstadt des 19. Jahrhunderts und Austragungsort der Weltausstellung. Wo einst Bahnhof war, ist jetzt Stadt; wo einst Industrie war, ist jetzt Park; wo einst gejagt wurde, wird künftig gewohnt. Für die von permanenter Veränderung geprägte Leopoldstadt und in der Folge auch für den Rudolf-Bednar-Park stellt sich somit die Frage nach einer eigenständigen Identität. Die Antwort liegt in den gegebenen Besonderheiten des Ortes: die Lage an der Donau, die dynamischen Verschiebungen des Stadtgefüges und das heterogene Nebeneinander von „ländlichen” und„städtischen”,„vergangenen” und„zukünftigen” Stadtschichten. Aus diesem Potenzial wird ein räumliches Erscheinungsbild abgeleitet. Hauptelement ist ein zusammenhängender „Baumschleier”, der den Park als räumlich eigenständigen Ort im künftigen Stadtquartier verankert. Die Ausrichtung des „Baumschleiers” reagiert auf die großmaßstäbliche, durch die Donau vorgegebene und schon im Nordbahnhof-Areal aufgenommene Richtung des Stadt- beziehungsweise Landschaftsraumes. Im„Baumschleier” des Parks bleiben die Prägung des Ortes und seine Nähe zur Donau somit als städtisches Muster weiterhin räumlich ablesbar. Ein homogenes Erscheinungsbild des„Baumschleiers” aus Linden – als klassischen Parkbaum – zur„Stadtseite” hin integriert den Park auf unaufdringliche und selbstverständliche Weise in das neue Stadtquartier. Zur„Parkseite” hinge­ gen wird das homogene äußere Erscheinungsbild durch verschiedene Baumarten geprägt(Silberpappeln, Gleditschien, Rotahorn und Sumpfeichen), die dem Park eine heterogene Schicht von unterschiedlichen Orten, Atmosphären und Stimmungen hinzufügen und so ein vielfältiges„Parkleben” gewährleisten. Neben der raumbildenden Schicht des„Baumschleiers” ergeben wenige weitere vegetabile Elemente wie Strauch, Hecke und Rasen in ihrer Anordnung eine übersichtliche, robuste Struktur, welche vielfältige Nutzungen zulässt und Veränderungen gelassen entgegenblickt. Unter dem Dach des„Baumschleiers” befindet sich eine Schicht verschiedener Bereiche mit einem vielfältigen Angebot. 191 Prozessdokumentation – Zielvorgaben RUDOLF-BEDNAR-PARK Am südwestlichen Rand zur künftigen Schule findet sich eine nutzungsintensive Zone: Von Skateranlage bis zu Streetball ­ felder findet sich hier alles, was Jugendliche in einem Park erwarten. Der nordöstliche Bereich entlang des Wohnhauses an der Vorgartenstraße ist eher ruhigeren Nutzungen wie Boulespielen vorbehalten. Daneben bestimmt„Kinderspiel" das Bild. Orange eingefärbte Stelen sind mit Spielelementen bestückt. Von der Kletterstele, über einfache Schaukeln bis hin zur Hängematte findet man alles, was Jung und Alt Freude bereitet. In diesem Bereich laden die mit heckenbeschnittenen Blütensträuchern gefassten„Quartiersgärten” ein: hier ein Grillplatz, dort eine intime Laube oder ein Quartierskompost. Die Struktur ist von der Nutzung her flexibel und bietet intime Orte in der sonst offenen Struktur des Parks. Die zentralen Räume des Rudolf-Bednar-Parks sind durch weite Rasenlichtungen bestimmt. Sie fordern zum Liegen, Sonnenbaden, Tai-Chi und zum Fußballspielen auf, ohne dabei eine bestimmte Tätigkeit vorzugeben. Zwischen den großen Rasenflächen liegen die„Schilfgärten”. Als Reminiszenz an den Landschaftsraum der Donau bieten die mit Wasserbecken durchsetzten„Schilfgärten” Orte des Rückzugs und der Kontemplation. Sie können als Retentionsflächen für das anfallende Dachwasser des neuen Stadtquartiers benutzt werden. In die„Schilfgärten” integriert befindet sich an exponierter Stelle im Herzen des Parks das zweigeschossige Café, welches als transparent gestalteter Kubus wie ein blauer Kristall zwischen den Bäumen des Parks hindurchschimmert. Von der Caféterrasse aus kann in„Langer Weile” das rege Treiben im Park beobachtet und sich schließlich ganz im Sinne Georg Kreislers dem Parkleben hingeben werden:„Die Bäume sind grün und der Himmel ist blau – Geh mer Tauben vergiften im Park”. Stellungnahmen im Rahmen der Vorprüfung des Wettbewerbsbeitrags Im Rahmen der Vorprüfung langten von folgenden Magistratsdienststellen und Institutionen Stellungnahmen ein: Magistratsabteilung 21A – Stadtteilplanung und Flächennutzung Innen-West Dipl.-Ing. Elvira Pracherstorfer und Dipl.-Ing. Michael Bailer Magistratsabteilung 22 – Wiener Umweltschutzabteilung Dipl.-Ing. Bruno Domany und Ing. Barbara Doppler Magistratsabteilung 28 – Straßenverwaltung und Straßenbau Dipl.-Ing. Elisabeth Alexander Magistratsabteilung 42 – Wiener Stadtgärten Ing. Karl Ganger und Ing. Maria Jana Wölzl Stadtbaudirektion – Leitstelle Alltags- und Frauengerechtes Planen und Bauen Dipl.-Ing. Claudia Prinz-Brandenburg Verein Wiener Jugendzentren – Jugendzentrum Mex Treff Friedrich Sperk Gebietsbetreuung Leopoldstadt Dipl.-Ing. Andrea Mann Nachfolgend eine Zusammenfassung der Stellungnahmen zum Siegerprojekt, geglie­ dert nach den Aspekten gemäß Wettbewerbsauslobung, wobei einzelne Aspekte durchaus auch unterschiedlich bewertet wurden. Gestalterische Aspekte Nutzungsgerechte Raumbildung und-organisation: (+) Die differenzierte Raumbildung mit Gliederung in mehrere nutzungsoffene Freiflächen einerseits und den bandförmigen Spielzonen entlang des Wohnbaus und der Schule andererseits sowie dem Quartiersgarten und den Baumscheibenbänken als kleinteilige Rückzugsräume wird durchwegs positiv beurteilt. (+/–)Konträre Stellungnahmen gibt es in Bezug auf die Wegeführung und die Lage der Eingänge. Zum einen werden die Lage der Eingänge und die stadträumlichen Wegverbindungen durch den Park mit Querungsmöglichkeiten auf kurzem Wege als positiv und die Wegbreiten aus ausreichend beurteilt. Zum anderen 12 RUDOLF-BEDNAR-PARK Prozessdokumentation – Zielvorgaben werden fehlende diagonale Querungsmöglichkeiten sowie die Beschränkung auf nur 4 Eingänge thematisiert. Kritisch angemerkt wird weiters, dass das„Rundendrehen“ auf befestigten Flächen nur kleinräumig um das Café möglich ist, die Wegeführung dem orthogonalen Gestaltungskonzept untergeordnet ist und die Querwege zu schmal sind. In einer Stellungnahme wird die Wegeführung als wenig be­ nutzerorientiert bewertet. (–) Negativ angemerkt wird das Fehlen von Gerätespiel oder Mobiliar mit Sichtbeziehung zum Sportangebot(Ausgangspunkt für Aneignungsschritte durch Mädchen und zurückhaltendere Gruppen) sowie das Fehlen von Kinderspieleinrichtungen in der Nähe des Cafés. (–) Kritisch angemerkt wird, dass die„Schilfgärten“ nicht als Rückzugsraum angesehen werden können, da diese im Bereich der Hauptwegre­ lation zum Liegen kommen. (–) Das Fehlen topografischer Interventionen wird als nicht genützte Chance angesehen. Alltagsgerechtigkeit: (+) Der Park wird prinzipiell als alltagstauglich eingestuft. (+/–) Die Nutzungsqualität der verschiedenen Sitzmöbel wird positiv angemerkt, das Fehlen von Tischen negativ. (–) Die große Distanz zwischen Toiletten und Kinderspielbereichen wird kritisiert. Flexibilität: (+) Die nutzungsoffenen Wiesenflächen sowie der Standort für eine temporäre Bühne werden als flexibles Grundkonzept gewertet. (+/–) Ein Stromanschluss sowie die Eignung als Veranstaltungsbereich für Stadtteilfeste werden hinterfragt. Soziale Aspekte Angebotsdifferenzierung – Gender-Mainstreaming, geschlechtssensible Parkgestaltung, vielfältige Bewe­ gungs- und Rückzugsbereiche, Angebote für Kleinkinder: (+) Durchwegs positiv beurteilt wird das differenzierte Angebot: Wiesenflächen, Spielangebote zum Klettern, Schaukeln und Turnen an mehre ren Stellen zur Förderung der raumgreifenden Nutzung, Skateranlage, Streetballfelder, Boulebahn, temporäre Bühne, Wasserbecken. (+) Die Verortung der Bereiche für Gastronomie, temporäre Veranstaltungen, Spielangebote für Jugendliche(Skaten, Streetball) wird als gut geeignet eingestuft. (+/–) Im Hinblick auf die doch sehr großen nutzungsoffenen Bereiche mit geringer Raumdifferenzierung werden Bedenken bezüglich Verdrängungsmechanismen durch durchsetzungsstärkere Gruppen geäußert. (+/–)Prinzipiell positiv angemerkt wird, dass sowohl Angebote schwerpunktmäßig für Burschen und Mädchen vorhanden sind. Die Gestaltung der Randzonen des Sportbereichs werden jedoch als nicht geeignet zur Förderung von Aneig­ nungsschritten durch Mädchen beziehungsweise zurückhaltendere Gruppen angesehen. (–) Durchwegs negativ beurteilt wird das fehlende Angebot für Kleinkinder. (–) Mehrfach kritisiert wird auch das Angebot für ältere Menschen: unzureichende Möblierung, fehlende Rückzugsmöglichkeiten, schlechte Einsehbarkeit der angebotenen Bereiche (Schilfgärten, Quartiersgarten) (–) Das Fehlen wegbegleitender Spielangebote im Bereich der Eingänge und der Hauptwege sowie das Fehlen eines Volleyballplatzes werden negativ angemerkt. Barrierefreiheit: (+) Die durchgehende barrierefreie Nutzbarkeit wird positiv angemerkt. Sicherheit,Transparenz, Beleuchtung: (+) Die verstärkte soziale Kontrolle durch die Lage des Cafés an der Hauptverbindungs­ achse wird positiv hervorgehoben. 13 Prozessdokumentation – Zielvorgaben RUDOLF-BEDNAR-PARK (+/–)Eine gute Orientierungsmöglichkeit und Übersichtlichkeit wird generell als gegeben ange­ sehen. Die Sichtbeeinträchtigung durch die geschnittenen Heckenkörper der Quartiersgärten, die Eibenhecke am Südwest-Eingang und die Schilfbestände in der Haupterschließungs achse wird kritisch angemerkt. (–) Mehrfach kritisiert wird die fehlende durchgehende Beleuchtung der Haupterschließungs­ achse. Vermeidung von Lärmkonflikten: (+/–)Konträre Einschätzungen gibt es zur Verortung der Spielzonen, einerseits wird die Anordnung der lärmintensiven Bereiche als positiv für Wohnbevölkerung und Schule gesehen, andererseits werden Lärmbeeinträchtigungen der BewohnerInnen des angrenzenden Wohnhauses befürchtet. Hundeauslaufzone: (–) Die Situierung der Hundetoiletten vor dem Wohnhaus und neben dem Kinderspielbereich beziehungsweise die Situierung der Hundezone vor der Schule sowie die fehlende Einzäunung werden mehrfach beanstandet. Ökologische Aspekte (+) Der hohe Vegetationsanteil und die geringe Versiegelung werden positiv angemerkt. (+/–)Die Baumartenwahl wird als zum Teil nicht standortgerecht eingestuft. Wirtschaftliche Aspekte (+/–)Auf den hohen Erhaltungsaufwand für die Wasserbecken wird hingewiesen. Bewertung und Empfehlungen des Preisgerichts Bewertung des Preisgerichts • Gehölzmatrix/Baumschleier werden in ihrer Ausprägung gewürdigt, Baumartenwahl(Rot­ ahorn) ist teilweise zu überdenken. Die Zonie­ rung, die Raumbildung und vielfältige Nutzbarkeit, die Aneignungsmöglichkeiten des Parkraums und die Multifunktionalität weiter Parkteile werden begrüßt. Der Schilfgarten erscheint„modisch“. • Wegeführung erscheint grundsätzlich alltagstauglich, in ihrer orthogonalen Strenge so wie auch die zentrale Lage des Kaffeehauspavillons werden ambivalent beurteilt. • Identitätsbildende Vertikalelemente(Logocharakter) und richtige Situierung der Spielgeräte werden gewürdigt. • Das Projekt vermittelt durch den Baumschleier eine starke Idee, die identitätsstiftend ist. Der Raum ist nicht überfrachtet, die Nutzungsmöglichkeiten sind vielfältig, eine Einnischung ist möglich und der Entwurf erscheint robust und alltagstauglich. Generelle Empfehlung des Preisgerichts • Das Preisgericht fordert grundsätzlich, dass bei Realisierung des parkangrenzenden Schulgebäudes keine Schulaußenraumfunktionen in den Parkraum des Rudolf-Bednar-Parks ausgelagert werden. Empfehlungen des Preisgerichts zum Siegerprojekt • Bei Beibehaltung aller wesentlichen Projektcharakteristika sind sowohl Detailaspekte der Verortung und Ausgestaltung der Spiel- und Aufenthaltsbereiche sowie auch die zur Anwendung zu bringenden Vegetationstypologien in Abstimmung mit dem Bauherrn und den beigezogenen Dienststellen der Stadt Wien zu überarbeiten und zu optimieren. 14 RUDOLF-BEDNAR-PARK Prozessdokumentation – Zielvorgaben 4.3 Umsetzung des Siegerprojektes Auftraggeberin Magistratsabteilung 42 – Wiener Stadtgärten, Projektleitung Ing.Thomas Schön Planer Hager Landschaftsarchitektur, Projektleitung Patrick Altermatt, unter Mitwirkung tangierter Dienststellen der Stadt Wien Ablauf 2006 August 2006 November 2007 März 2007 Juli 2008 September Abgabe Vorentwurfsplanung Abgabe Entwurfsplanung Abgabe Ausführungsplanung Spatenstich Eröffnung „Der neue Rudolf-Bednar-Park ist ein zeitgemäßer, moderner Park – es wurden ganz neue Konzepte der Grüngestal­ tung verfolgt. Es ist sehr erfreulich, dass wir als für den Grünraum Verantwortliche als ‚Erste‘ da waren, das heißt, die Grünfläche wurde im Vorfeld der Wohnbauten gestaltet und ist nun ein zentraler Baustein des gesamten ehemaligen Nordbahnhofgeländes, das mit seinen 75 ha ein ganz neuer Stadtteil wird.“ Umweltstadträtin Ulli Sima zur Eröffnung des Rudolf-Bednar-Parks (Rathauskorrespondenz 17.9.2008) Ausführungsprojekt Die generalisierte Lageplandarstellung basiert auf der Ausführungsplanung des Büros Hager Landschaftsar­ chitektur AG und gibt die Parkzonierung und wesent­ liche Gestaltungsmittel, die dem Status quo entspre­ chen, wieder. Die Übersichtsdarstellung spricht die einzelnen Nut­ zungszonen des Rudolf-Bednar-Parks mit jenen Be­ zeichnungen an, die sich auch in der folgenden Doku­ mentation der Vor-Ort-Erhebungen finden. Generalisierter Übersichtsla­ geplan/ Ausführungsprojekt (Hager Landschaftsarchitektur AG, Bearbeitung durch die VerfasserInnen) 15 Prozessdokumentation – Zielvorgaben RUDOLF-BEDNAR-PARK Gegenüberstellung Wettbewerbsprojekt – Ausführungsprojekt Parkgrundstruktur Ausdifferenzierung der Quartiersgärten Die Grundstruktur des Parks mit dem zusammen­ hängenden Baumschleier, den Aktivitätsbändern entlang„Wohnen am Park“ und entlang des Schul­ grundstücks, der zentralen Erschließungsachse mit den Schilfgärten, den„Quartiersgärten“ im Südosten sowie den nutzungsoffenen Wiesenflächen wurde beibehalten. Das Wegenetz wurde beibehalten und durch einen Rundweg und zwei Weganbindungen im Bereich der Quartiersgärten ergänzt. Die unmittelbar an ­ grenzenden Straßenräume sind als Fußgängerzonen ausgewiesen, sie übernehmen auch gleichzeitig Er­ schließungsfunktionen für den Park und ergänzen das Parkwegenetz zu Rundwegen. Spiel- und Sportangebot – nutzungsintensive Sportzone im Anschluss an das Schulgrundstück Laut Erläuterungstext zum Wettbewerb bietet diese Zone von Skateranlage bis zu Streetballfeldern alles, was Jugendliche in einem Park erwarten. Im Lageplan des Wettbewerbsprojektes sind Streetballfelder und eine Skateranlage schematisch dargestellt. Im Ausführungsprojekt ist diese Zone mit einem Skaterpool(eingezäunt), einer Streetballanlage(mit zwei Zielbrettern), zwei Volleyballfeldern und drei Tischtennistischen ausgestattet. Die Randzonen der Spielfelder sind zum Teil möbliert, ein Sitzbereich mit Tischen und ein Trinkbrunnen ergänzen das Angebot. Bereich entlang„Wohnen am Park“ Im Wettbewerbsprojekt ist dieser Bereich für ruhige­ re Nutzungen wie Boulespielen und Kinderspiel vor­ behalten. Im Ausführungsprojekt ist im Norden ein eingezäunter Kleinkinderspielbereich verortet. Weiters ist in diese platzartig gestaltete und möblier­ te Zone eine Generationen-Aktiv-Zone mit Fitness­ geräten sowie punktuelles Kinderspiel integriert. Kinderspiel Der Erläuterungstext zum Wettbewerb beschreibt die mit formal geschnittenen Blütensträuchern ge­ fassten Quartiersgärten als„intime Orte in der sonst offenen Struktur des Parks“. Sie sind von der Nut­ zung her flexibel angelegt, beispielsweise ein Grill platz oder eine intime Laube. Der Genderplan des Wettbewerbsprojektes weist diesen Bereich älteren Menschen zu. Im Ausführungsprojekt bestehen die Quartiersgärten aus mehreren, zwischen Staudenbeeten eingebette­ ten und an einem Rundweg aufgefädelten Sitzplätzen, welche zum Teil von beschnittenen Blütensträuchern gerahmt werden. Durch die Quartiersgärten verlau ­ fen zwei parallele Wege, die die Zone vor„Wohnen am Park“ mit der Haupterschließungsachse verbin­ den. Möblierung Baumscheibenbänke und Hängematten als spezifische Möblierungselemente sind bereits im Wettbewerbs­ projekt visualisiert und im Ausführungsprojekt in den nutzungsoffenen Wiesenflächen auch umgesetzt. Die Baumscheibenbänke sind auch in den angrenzen­ den Fußgängerzonen realisiert. Beleuchtung Das Wettbewerbsprojekt sieht in den Randzonen des Parks eine durchgehende Beleuchtung vor, welche im Bereich der Haupterschließungsachse auch andeu­ tungsweise in den Park hinein gezogen wird. Die Schilfgärten, das zentrale Café und einzelne Spots im Park sind mit atmosphärischem Licht ausgestattet. Im Ausführungsprojekt sind alle Wegverbindungen einschließlich der nutzungsintensiven Sportzone so­ wie der Zone vor„Wohnen am Park“ beleuchtet. Atmosphärisches Licht ist schwerpunktmäßig in den Schilfgärten, den Quartiersgärten und bei den Baum ­ scheibenbänken vorgesehen. Orange eingefärbte Stelen als„Aufhänger“ für diver­ se Spielgeräte sind bereits im Wettbewerbsprojekt angesprochen und visualisiert, im Ausführungsprojekt sind diese vor allem wegbegleitend in die sonst nut­ zungsoffenen Rasenflächen eingebettet. 16 RUDOLF-BEDNAR-PARK Prozessdokumentation – Zielvorgaben Gastronomiebereich/ Eventbereich/ WC-Anlagen Gemäß Wettbewerbsauslobung war ein Standort für eine kleine Gastronomieeinheit auszuweisen und optional die Gestaltung eines Eventbereiches anzu­ denken. Öffentlich zugängliche WC-Anlagen waren verpflichtend vorzusehen. Im Wettbewerbsprojekt befindet sich in der Haupterschließungsachse in die Schilfgärten integriert„an exponierter Stelle im Herzen des Parks das zweige­ schossige Café“(Zitat Erläuterungstext). Der befes­ tigte Bereich vor dem Café war als Platz für eine tem­ poräre Bühne vorgesehen. Im Ausführungsprojekt befindet sich an dieser zentra ­ len Stelle eine Pergola, welche bereichsweise auch mit einem Glasdach versehen ist. In die Pergola integriert sind die öffentliche WC-Anlage sowie ein Sitzplatz mit Tischen. Hundethematik Die im Wettbewerbsprojekt verortete Hundeaus­ laufzone in der Südspitze des Parks ist an dieser Stelle als zweiteilige eingezäunte Hundezone mit einer Ge­ samtgröße von ca. 350 m 2 ausgeführt. Die in der Aus­ lobung angekündigten und im Wettbewerbsprojekt angedeuteten Hundetoiletten(Nord- und Südspitze des Parks) sind im Ausführungsprojekt nicht enthal­ ten. Baumpflanzungen Der im Wettbewerbsprojekt als Hauptelement des Parks angesprochene„Baumschleier“ ist im Ausfüh­ rungsprojekt auch umgesetzt. Änderungen gibt es in Bezug auf die Baumarten: Linde und Gleditschie sind sowohl im Wettbewerbs- als auch im Ausfüh­ rungsprojekt vorgesehen. Rotahorn, Silberpappel und Sumpfeiche sind im Ausführungsprojekt durch Urweltmammutbaum, Straßenesche und Trompe­ tenbaum ersetzt. 5 DOKUMENTATION DER ERHEBUNGEN 5.1 NutzerInnen des Rudolf-Bednar-Parks Alter, Geschlecht und Herkunft Die Erhebung von Alter und Geschlecht der Parknut­ zerInnen erfolgte anhand der Anzahl der Nennungen in den einzelnen Teilbereichen im Zuge der teilneh­ menden Beobachtungen. Im Folgenden wird die An­ zahl der Nennungen in Klammer hinter der NutzerIn­ nengruppe vermerkt. Die Summe aller Nennungen beträgt 1.596. Die am häufigsten angetroffene Nutzergruppe waren Kinder(335), gefolgt von erwachsenen Frauen(312) und Kleinkindern(307). Erwachsene Frauen waren meist Begleitpersonen von Kleinkindern und Kindern, einzelne erwachsene Frauen wurden kaum angetrof­ fen. Kleinkinder waren durchwegs in Begleitung Erwach­ sener, ganz selten in Begleitung älterer Kinder oder Jugendlicher. Kinder waren häufig in größeren Gruppen Gleichalt ­ riger oder zumindest zu zweit unterwegs. Bei der Anzahl der Nennungen ist der Umstand zu berücksichtigen, dass insbesondere die Kinder inner­ halb des Parks sehr häufig zwischen den einzelnen Teilbereichen pendeln und somit Mehrfachnennun­ gen häufiger sind als bei anderen NutzerInnengrup ­ pen. Die viertstärkste Nutzergruppe waren erwachsene Männer(249). Diese waren sowohl als Begleitperso­ nen von Kleinkindern und Kindern, aber auch als Ein­ zelpersonen oder in Gruppen, letztere insbesondere bei den Sportflächen, anzutreffen. Männliche Jugendliche(233) waren doppelt so stark vertreten wie weibliche Jungendliche(117). Dies ist vor allem auf die starke Frequentierung der Sportflä ­ chen durch männliche Jungendliche(133) zurückzu­ führen. Hier treten sie auch meist in größeren Grup­ pen auf. Weibliche Jugendliche sind vor allem in Zweier- und Dreiergruppen vertreten, seltener als Einzelpersonen oder in größeren Gruppen, bei letzteren handelt es sich meist um gemischte Gruppen. Die bei weitem am seltensten angetroffene NutzerIn­ nengruppe waren Seniorinnen(26) und Senioren(17). Aus dem geriatrischen Tageszentrum in der Vorgar ­ tenstraße besucht eine betreute SeniorInnengruppe 17 Dokumentation der Erhebungen RUDOLF-BEDNAR-PARK laut Aussage eines Betreuers mehrmals die Woche am Vormittag den Park für etwa eine Stunde. Die darüber hinaus vertretenen SeniorInnen waren zum Teil in ihrer Funktion als Oma und Opa und zum Teil einzeln oder zu zweit im Park anzutreffen. Bei ca. 40% der befragten Personen wurde Öster­ reich als Herkunftsland angegeben. Die Herkunfts­ länder der verbleibenden 60% waren breit gestreut. Kroatien, Serbien, Türkei und Afghanistan wurden zu jeweils ca. 10% genannt, sonstige vertretene Natio­ nalitäten waren Bosnien, Frankreich, Georgien, Russ­ land, Ägypten, Iran und Spanien. Hierzu ist anzumerken, dass im Rudolf-Bednar-Park ein sehr multikultureller NutzerInnenkreis anzutref­ fen ist und bei weitem nicht alle vertretenen Nationa­ litäten im Rahmen der aufsuchenden ortsbezogenen Gespräche erfasst werden konnten. Übersichtsdarstellung: Relative Verteilung der NutzerInnengruppen in den einzelnen Teilbereichen des Rudolf-Bednar-Parks 18 RUDOLF-BEDNAR-PARK Dokumentation der Erhebungen Diagramm: Prozentuelle Verteilung der NutzerInnengruppen für den gesamten Stadtteilpark Einzugsgebiet/ Erreichbarkeit/ alternativ genutzte öffentliche Freiräume Einzugsgebiet 93% der Befragten gaben den 2. Bezirk als Wohnort an. Hier wiederum liegt der Schwerpunkt im nord­ östlich beziehungsweise südöstlich angrenzenden Stadtgebiet zwischen Vorgartenstraße und Donau sowie zwischen Walcher- und Lassallestraße und im Stuwerviertel(Anzahl der Nennungen in Klammer): • Vorgartenstraße • Lassallestraße • Engerthstraße • Mexikoplatz • Ennsgasse • Wehlistraße • Elderschplatz (20) (8) (7) (7) (7) (5) (3) Handelskai, Walcherstraße, Fanny-Mintz-Gasse, Ernst-Melichor-Gasse und Wohlmutstraße mit je ei­ ner Nennung. Ein Seniorenehepaar, das mit dem Fahrrad unterwegs war, gab die Rustenschacher Allee als Wohnort an. Die verbleibenden 7% waren einerseits eine Perso­ nengruppe aus dem 10. Bezirk(Mutter mit Tochter und Großmutter), die am Weg zur serbisch-orthodo­ xen Kirche in der Engerthstraße den Park besuchte, sowie zwei jugendliche Skater, die den 22. Bezirk und Pressbaum als Wohnort angaben. Aktueller Parkeinzugsbereich, Dezember 2012 19 Dokumentation der Erhebungen RUDOLF-BEDNAR-PARK Erreichbarkeit Über 80% der Personen aus dem 2. Bezirk(54 Nen­ nungen) gaben an, zu Fuß in den Park zu kommen, 7 Personen kamen mit dem Fahrrad, 5 davon waren Kinder, die die Räder auch zum Rundendrehen im Park nutzen. Eine Gruppe Jugendlicher kam mit dem Bus (11A) vom Elderschplatz. Die Personen mit Wohnort außerhalb des 2. Bezirkes kamen mit der U1. Alternativ genutzte öffentliche Freiräume Im Zuge der aufsuchenden ortsbezogenen Gesprä­ che wurden die ParkbenutzerInnen auch nach jenen öffentlichen Freiräumen gefragt, die diese alternativ zum Rudolf-Bednar-Park fakultativ aufsuchen. Mexikoplatz/ Rosenpark(27): Mit Abstand am häufigsten genannt, sowohl von Fa ­ milien als auch von Kindern ohne Begleitpersonen. Spielen in der Wiese, insbesondere Fußball sowie eine Seilrutsche sind die bevorzugten Aktivitäten. Die Hundezone am Mexikoplatz wurde als einzige Alter­ native zur Hundezone im Rudolf-Bednar-Park dreimal erwähnt. Grüner Prater(10): Personen mit Kleinkindern besuchen die Spielplätze, Personen mit Fahrrädern bewegen sich vorzugsweise entlang der Hauptallee. Der„Wurstelprater“ wurde nur zweimal genannt. Venediger Au(8): Der„Robinsonspielplatz“ einschließlich Rutsche ist bevorzugtes Ziel, vor allem von Personen mit Klein­ kindern. Max-Winter-Platz(7): Wasserspielplatz und Fußballkäfig werden als Anlauf ­ punkte angegeben. Donauinsel(6): Generationen-übergreifend genutzt für diverse Ak­ tivitäten Allerheiligenpark(6): Ausschließlich von Kindern genannt, welche dort die Spielgeräte nutzen Donaupark(5): Bevorzugt Spielangebote genutzt(lange Rutsche, Klettermöglichkeiten, Hügel) Weitere Nennungen jeweils von einer Person/ Per­ sonengruppe: Mortarapark, Alte Donau, Innstraße und Augarten. Von jugendlichen Skatern wurden als weitere Anlauf ­ punkte Donaupark, Stadlau und Polgarstraße ange­ geben. 5.2 Nutzungsaspekte – Tätigkeiten im Park Nutzung nach Tageszeiten Der Nutzungsschwerpunkt liegt eindeutig am späten Nachmittag und Abend(ca. 17.00 bis 21.30 Uhr). In dieser Zeitspanne wurden 51,5% der insgesamt be­ obachteten Personen registriert, wobei alle NutzerInnengruppen in etwa im Verhältnis ihrer Gesamtprä ­ senz vertreten waren, mit Ausnahme der weiblichen Jugendlichen, die unterrepräsentiert waren. Nachmittags(14.00 bis 18.30 Uhr) wurden 35,5% der ParkbesucherInnen gezählt. In dieser Zeitspan­ ne waren erwachsene Männer deutlich unterdurch­ schnittlich und weibliche Jugendliche signifikant über ­ durchschnittlich im Verhältnis zu ihrer Gesamtpräsenz vertreten. Am späten Vormittag bis Mittag(ca. 10.00 bis 13.00 Uhr) wurden knapp 13% der insgesamt be­ obachteten Personen registriert. Zu dieser Tageszeit waren erwachsene Männer überdurchschnittlich prä­ sent, was einerseits an der Nutzung des Parks in der Mittagspause und andererseits an der Nutzung der Sportflächen am Wochenende liegt. Kleinkinder und Seniorinnen waren überdurchschnittlich vertreten, Jugendliche insgesamt unterrepräsentiert, wobei bei den männlichen Jugendlichen der Schwerpunkt bei der Nutzung der Sportflächen am Wochenende lag. Häufigkeit Die Hälfte der befragten Personen gab an, abhän­ gig von der Witterung, beinahe täglich den Park zu besuchen. Zu diesem„Stammpublikum“ zählten ins­ besondere Personen mit Kleinkindern und Kindern sowie Kinder ohne Begleitpersonen und Jugendliche, 20 RUDOLF-BEDNAR-PARK Dokumentation der Erhebungen die meist in Gruppen anzutreffen waren. Knapp über 20% gaben an, zwei- bis dreimal pro Woche zu kom­ men, weitere 12% etwa einmal pro Woche. Verweildauer Die Verweildauer korreliert mit der Häufigkeit der Parkbesuche. 55% der Befragten gaben an, zwischen 2 und 5 Stunden im Park zu verbringen. Es waren dies auch vielfach jene Personen, die beinahe täglich kom­ men, insbesondere Personen und Familien mit meh­ reren Kindern sowie Jugendliche und Kinder ohne Begleitpersonen. Etwa 20% der Befragten verbringen im Schnitt eine bis zwei Stunden im Park, 23% 30 bis 60 Minuten. Eine einzige Person(Hundezone) gab an, kürzer als 30 Minuten zu verweilen. Nutzung der einzelnen Bereiche Kleinkinderspielplatz Eingezäunter Bereich im Norden des Parks im Aus­ maß von ca. 470 m 2 . Zentrales Ausstattungselement ist eine großzügige, mit breiten Betonelementen ge­ fasste Sandfläche mit Matschbereich und Sonnensegel. Als Spielgeräte werden zwei Spielhäuser, Einfach­ schaukel, Nestschaukel, Wippschaukel, Drehscheibe, Balanciertau, Kletternetz und Rutsche angeboten. Tische mit Bänken, einzelne Hockerbänke und ein Trinkbrunnen komplettieren die Ausstattung. Der gesamte Boden des Spielplatzes ist mit Rundkies ausgeführt. Dieser dient im Bereich der Spielgeräte in entsprechender Höhe als Fallschutz, in den dazwi­ schen liegenden Bereichen ist nur eine dünne Kies­ schicht aufgebracht. Kleinkinderspielplatz 21 Dokumentation der Erhebungen RUDOLF-BEDNAR-PARK NutzerInnengruppen Der Kleinkinderspielplatz wurde fast ausschließlich von Kleinkindern(53,5%), Kindern(7,5%) und deren Begleitpersonen frequentiert. Aktivitäten Bevorzugte Spielbereiche waren Sandfläche und Wasserentnahmestellen. Einfachschaukel, Nestschau­ kel und Spielhäuser wurden gelegentlich frequentiert. Die Nutzung von Drehscheibe und Rutsche wurde selten beobachtet, Kletternetz und Balanciertau wur­ den nahezu nicht angenommen. Als Sitzbereich für Begleitpersonen diente neben dem angebotenen Mobiliar auch oftmals die Randein­ fassung der Sandfläche. Der Kies des Bodenbelages wurde vereinzelt zum Spielen genutzt. Platzzone im Osten Platzzone im Osten Großzügige Platzfläche parallel zum Wohnhaus ent ­ lang der Vorgartenstraße im Ausmaß von 2.550 m 2 . In die Platzfläche eingelagert sind eine„GenerationenAktiv-Zone“ mit sechs Geräten, ein Spielspot mit Ein­ fachschaukel, Nestschaukel und Wippschaukel, sowie ein Spielspot mit drei Schwingstangen. Neben dem Grundmobiliar des Parks in Form von Hockerbänken und Bänken mit Rückenlehne sind im östlichen Eingangsbereich, abgeschirmt durch eine Strauchpflanzung, zwei Tisch-Bank-Kombinationen veror tet. 22 RUDOLF-BEDNAR-PARK Dokumentation der Erhebungen NutzerInnengruppen Alle Gruppen sind in etwa im Verhältnis ihrer Ge ­ samtpräsenz im Park vertreten. Aktivitäten Die Platzzone zählt mit 13,5% der beobachteten NutzerInnen nach den Sportflächen zu den am inten ­ sivsten genutzten Bereichen. Sie fungiert als„Entree“ zum Park mit mehr oder weniger langer Verweildau ­ er. Insbesondere der Spielspot mit den Schaukeln war beinahe durchgehend besetzt. Die Platzzone im Osten war oftmals die erste Anlauf­ stelle für Personen mit Kleinkindern, bevor sie zum Kleinkinderspielplatz wechselten oder weiter in den Park gingen, aber auch Kinder und Jugendliche fre­ quentierten die Schaukeln häufig. Die Geräte der„Generationen-Aktiv-Zone“ wur­ den von allen NutzerInnengruppen, oftmals Gene­ rationen-übergreifend, Oma oder Opa, Papa oder Mama mit Kleinkindern und Kindern, aber auch von Jugendlichen genutzt. In der Regel wurden die Geräte„durchprobiert“, Jugendliche beiderlei Geschlechts nutzten sie aber auch zum„Abhängen“ und zur Kontaktaufnahme mit anderen Jugendlichen. Die neben dieser Zone verorteten Schwingstangen wurden nahezu nicht genutzt. An den Tisch-BankKombinationen im Eingangsbereich wurden fast ausschließlich Jugendliche beobachtet. Hain Nord Hain Nord Im Baumraster eingebettete Rasenfläche im Nor den an die zentrale Rasenfläche anschließend im Ausmaß von ca. 3.000 m 2 , mit drei Baumscheibenbänken und zwei Hängematten ausgestattet. 23 Dokumentation der Erhebungen RUDOLF-BEDNAR-PARK NutzerInnengruppen Alle Gruppen waren in etwa im Verhältnis ihrer Ge ­ samtpräsenz im Park vertreten. Aktivitäten Die Baumscheibenbänke dienten zum Sitzen, Liegen, Plaudern, Kleinkindern auch zum Ballspielen und Lau­ fen, Jugendlichen als Treffpunkt. Zum Teil fungierten sie auch als Stützpunkt für Aktivitäten in anderen Be­ reichen des Parks, ersichtlich durch abgestellte Fahrzeuge und abgelegtes Gepäck. In den Hängematten wurden Einzelpersonen, aber auch mehrere Perso­ nen gleichzeitig, insbesondere Erwachsene mit Klein­ kindern, beobachtet. Die Rasenfläche wurde vorzugsweise von Kleinkin ­ dern zum Laufen und Ballspielen und von männlichen Kindern und Jugendlichen in Kleingruppen von 2 bis maximal 5 Personen zum Fußballspielen genutzt. Fe­ derballspielen, ein Jugendlicher mit Slackline und La­ gern im Rasen waren Einzelbeobachtungen. Hain Süd Hain Süd Im Baumraster eingebettete Rasenfläche zwischen Jakov-Lind-Straße und Quartiersgärten im Ausmaß von 1.730 m 2 , mit zwei Baumscheibenbänken und zwei Hängematten ausgestattet. NutzerInnengruppen In diesem Bereich waren weibliche Jugendliche deutlich überrepräsentiert, Kinder hingegen wur­ den hier fast nicht angetroffen. Aktivitäten Die Baumscheibenbänke und Hängematten wurden intensiv angenommen. Sitzen, Liegen, Sonnen, Le­ sen, Tratschen, Kleinkinder füttern, Jausnen, einzeln oder in Gruppen. Häufig war ein Fahrrad unmittelbar neben Bank oder Hängematte abgestellt. Die Rasenflächen wur ­ den zum Hunde-Ausführen genutzt, vereinzelt auch zum Lagern. 24 RUDOLF-BEDNAR-PARK Dokumentation der Erhebungen Zentrale Rasenfläche Zentrale Rasenfläche Zentral gelegene Rasenfläche im Ausmaß von etwa 5.570 m 2 , in den Randbereichen mit Bänken und Hän­ gematten ausgestattet. Im Nahbereich der Platzzone im Osten und mit dem dortigen Spielspot korrespon­ dierend ist ein Spielspot mit einer Doppelschaukel er­ richtet. NutzerInnengruppen Insbesondere Kleinkinder waren deutlich unterreprä­ sentiert, aber auch Kinder waren im Verhältnis zu ihrer Gesamtpräsenz im Park weniger vertreten. Weibliche Jugendliche hingegen waren hier deutlich überreprä­ sentiert. Aktivitäten Hängematten und Doppelschaukel waren beliebte Anlaufpunkte und zu Zeiten intensiverer Parknutzung beinahe durchgehend besetzt, wobei bei den Schau­ keln verstärkt weibliche Jugendliche und Mädchen an­ zutreffen waren. Die Bänke im Osten waren etwas weniger frequentiert, aber doch immer wieder be­ setzt, oftmals auch als Stützpunkt für Aktivitäten in der unmittelbar angrenzenden Rasenfläche genutzt. Die Rasenflächen selbst wurden häufig zum Fußball ­ spielen genutzt, wobei auffällig war, dass nur kleinere Gruppen, zu zweit oder zu dritt, spielten, oftmals auch mehrere Gruppen parallel. Andere Bewegungs­ spiele wie Frisbee und Kricket oder auch das Dra­ chensteigen waren Einzelbeobachtungen. Vor allem in den Randzonen wurde auch ab und an gelagert, entweder auf Decken oder direkt auf dem Rasen. Zahlreiche PassantInnen(bei den Erhebungen nicht mitgezählt) querten immer wieder die Rasenflächen in unterschiedlichsten Relationen, Hauptrelationen im Sinne von Trampelpfaden waren jedoch nicht abzulesen. Unter diesen PassantInnen waren auch vielfach HundebesitzerInnen. In der zentralen Ra­ senfläche wurden die meisten Hunde außerhalb der Hundezone beobachtet. 25 Dokumentation der Erhebungen RUDOLF-BEDNAR-PARK Quartiersgärten Quar tiersgär ten An einen Rundweg angelagerte Sitzbereiche, wel­ che durch Heckenpflanzen teilweise abgeschirmt sind. Stauden- und Gräserpflanzungen bieten inter ­ essante Vegetationsaspekte im Jahresrhythmus. Mit Stühlen, Bänken und einem Trinkbrunnen ausge­ stattet. Gesamtfläche einschließlich der Bewegungs ­ achse ca. 2.150 m 2 . NutzerInnengruppen Erwachsene Männer, SeniorInnen und weibliche Jugendliche waren hier überdurchschnittlich vertre­ ten, Kinder und insbesondere Kleinkinder unterre­ präsentiert. Aktivitäten Die Quartiersgärten dienten vielfach Jugendlichen und erwachsenen Einzelpersonen und Kleingruppen (2–3 Personen) als Rückzugsort, etwa zum Lesen, Tratschen, Telefonieren, Rauchen oder Sonnen. Kinder nutzten diesen Bereich zum Spielen und Verstecken in den Hecken und Rundendrehen mit Kleinfahrzeugen. Der Trinkbrunnen wurde von Jung und Alt gleichermaßen besucht. Die Rasenflächen zwischen den Staudenbeeten dienten kleineren Hunden als Auslaufflächen. 26 RUDOLF-BEDNAR-PARK Dokumentation der Erhebungen Schilfgärten Schilfgär ten Flache bepflanzte Wasserbecken strukturieren in Kombination mit Sitzbänken die parkzentrale Er­ schließungsachse und kreieren ein differenziertes Er­ schließungs- und Aufenthaltsangebot auf einer Fläche von 2.565 m 2 . NutzerInnengruppen Erwachsene waren in diesem Bereich überdurch­ schnittlich vertreten, Kleinkinder waren unterreprä­ sentiert, männliche Jugendliche wurden im Beobach­ tungszeitraum hier überhaupt nicht angetroffen, ausgenommen als PassantInnen. Aktivitäten Neben der zentralen Funktion als Durchgangsraum dienten die Schilfgärten auch als Aufenthaltsraum für Einzelpersonen und kleinere Gruppen, vielfach auch als Stützpunkt für Betreuungspersonen von Kindern, letzteres vor allem im Umfeld der Lagerflächen der Parkbetreuung. Kinder nutzten die Wege zwischen den Becken zum Rundendrehen mit diversen Fahr­ zeugen und zum Ballspielen, vielfach spielten sie je­ doch auch an oder direkt in den Wasserbecken, zum Teil in Badehose. 27 Dokumentation der Erhebungen RUDOLF-BEDNAR-PARK Pergola und Umfeld Pergola und Umfeld Bereichsweise mit einer Pergola(255 m 2 ) überbaute, zentrale Platzfläche im Ausmaß von 785 m 2 . Unter der Pergola ist eine öffentliche WC-Anlage situiert. Ein Tisch mit zwei Bänken unterhalb der Pergola und ein zentraler Trinkbrunnen möblieren den Platz. NutzerInnengruppen Frauen und Kleinkinder waren in diesem Bereich sig­ nifikant unterrepräsentiert, Jugendliche und vor allem Kinder waren deutlich überrepräsentiert. Aktivitäten Der Sitzplatz mit Tisch wurde von unterschiedlichsten Gruppen genutzt, von Jugendlichen beispiels­ weise als Treffpunkt, zum Musik hören, Pizza essen, Trinken, aber auch von Gruppen Erwachsener oder von Kindern. Selten wurden hier Einzelpersonen be­ obachtet. Zum Teil verweilten die Gruppen nur kurze Zeit, zum Teil wurde der Sitzplatz für mehrere Stun­ den beansprucht. Die Platzfläche selbst wurde vor allem von Kindern zum Rundendrehen mit diversen Fahrzeugen genutzt. Mehrmals wurde auch eine Gruppe von Männern und männlichen Jugendlichen beobachtet, die quer über den Platz Kricket spielten. Der Trinkbrunnen wurde sowohl zum Trinken als auch für diverse Wasserspiele genutzt. 28 RUDOLF-BEDNAR-PARK Dokumentation der Erhebungen Kleine Rasenfreiheit Nord Kleine Rasenfreiheit Nord Zwischen Sportflächen und zentraler Erschließungs ­ achse gelegene Rasenfläche im Nordwesten im Aus ­ maß von 2.440 m 2 . An die Erschließungsachse ist ein mit Einfachschaukel, Wippschaukel, Kletternetz, Balan­ ciertau und Drehteller ausgestatteter Spielspot ange­ lagert. Als Möblierungselement findet sich im Norden eine Baumscheibenbank. NutzerInnengruppen Bedingt durch den Spielspot sind Erwachsene und Kleinkinder deutlich überrepräsentiert. Kinder und männliche Jugendliche sind hier deutlich unterreprä­ sentiert. Aktivitäten Der beliebteste Anziehungspunkt am Spielspot war die Einfachschaukel, gefolgt von Wippschaukel und Drehteller. Die Nutzung von Balanciertau und Klet­ ternetz wurde kaum beobachtet. Der Kunststoffbe­ lag diente Begleitpersonen als Sitzfläche. Die Baumscheibenbank wurde von den unter­ schiedlichsten NutzerInnengruppen angenommen. Die Rasenfläche wurde als Bewegungsraum vor al ­ lem zum Fußballspielen genutzt, sie diente daneben auch als Hundeauslauf. 29 Dokumentation der Erhebungen RUDOLF-BEDNAR-PARK Kleine Rasenfreiheit Süd Kleine Rasenfreiheit Süd Zwischen Sportflächen und zentraler Erschließungs ­ achse gelegene Rasenfläche im Südwesten im Aus ­ maß von 2.250 m 2 . An die Erschließungsachse ist ein mit Doppelschaukel, Wippschaukel, Kletternetz, Reckstangen und Rutsche ausgestatteter Spielspot angelagert. Zentrales Element in der Rasenfläche ist eine Silberpappel, der einzige vom ehemaligen Bahn­ hofsareal erhalten gebliebene Altbaum. NutzerInnengruppen Dieser Bereich wurde überwiegend von Kleinkindern und Kindern und deren Begleitpersonen genutzt. Se­ niorInnen und Jugendliche wurden hier ganz selten angetroffen. Aktivitäten Die Silberpappel bot aufgrund ihrer Größe einen be­ liebten Lager- und Schattenplatz für unterschiedlichs­ te NutzerInnengruppen. Am späten Nachmittag diente sie den Parkbe­ treuerInnen als Stützpunkt und Lagerfläche. Auf im Baumschatten ausgebreiteten Decken wurden di­ verse Spiele, Mal- und Bastelaktionen angeboten, für die Bewegungshungrigen wurden unterschiedlichste Utensilien für Bewegungsspiele zur Verfügung gestellt: Diabolo, Bälle, Springschnüre u. a. Am Spielspot wurde die Doppelschaukel am inten­ sivsten genutzt, gefolgt von der Rutsche. Wippschaukel und Reckstangen waren gelegentlich besetzt, am Kletternetz wurde niemand beobachtet. 30 RUDOLF-BEDNAR-PARK Dokumentation der Erhebungen Sportflächen Spor tflächen Die Sportflächen, ausgestattet mit Skatepool, Bas ­ ketballfeld, zwei Volleyballfeldern und drei Tischten ­ nistischen erstrecken sich im Westen parallel zum Schulcampus auf einer Fläche von ca. 2.610 m 2 . Den einzelnen Spielfeldern zugeordnete Bänke, ein Trink­ brunnen und ein zentraler, mit Tischen ausgestatteter Aufenthaltsbereich ergänzen das Angebot. NutzerInnengruppen Auf den Sportflächen dominierten die männlichen Jugendlichen, die hier mit 35% signifikant überreprä ­ sentiert waren, gefolgt von Kindern. Weibliche Ju­ gendliche und Männer waren in etwa im Verhältnis ihrer Gesamtpräsenz im Park vertreten, Frauen schon deutlich weniger, wobei der Frauenanteil von 10,5% vor allem auf eine konstant bei den Tischen angetrof­ fene Frauengruppe zurückzuführen ist. SeniorInnen wurden hier nie beobachtet, Kleinkinder nur selten. Aktivitäten Im Skatepool wurden vorwiegend Burschen und männliche Jugendliche beobachtet. Das meistgenutzte Sportgerät war der Scooter, etwas weniger benutzt wurden Fahrräder und Skateboards, Inlineskater wur­ den nur selten beobachtet. Meist bewegte sich ein Einzelner oder eine kleine Gruppe im Pool, während die anderen im Schatten der Hecken am Boden sit­ zend auf ihren Auftritt warteten. Der Basketballplatz wurde intensiv angenommen. Einzelne Spieler, Kleingruppen, zum Teil auch paral­ lel jeweils auf einen Korb, sowie größere Gruppen wurden gleichermaßen beobachtet. Mindestens so intensiv wie das Spielfeld selbst waren auch die Bän­ ke im unmittelbaren Umfeld besucht. Dieser Bereich der Sportflächen erfüllte in besonderem Ausmaß auch eine Treffpunktfunktion, sowohl für bestehen­ de Gruppen, aber auch zur Kontaktaufnahme. Eini­ ge spielten, andere kamen dazu, wechselten sich ab, ruhten sich zwischendurch auf den Bänken aus, ein­ zelne schauten nur zu, andere wiederum versuchten als Zuschauer Kontakt zu den Spielern aufzunehmen, um mitspielen zu können. Etwas weniger als das Basketballfeld, aber noch im­ mer sehr intensiv wurden die Volleyballfelder ge ­ nutzt. Neben„richtigen Volleyballmatches“ von Gruppen bis zu acht Personen war auch ein durchaus kreativer Umgang mit den vorhandenen Netzen zu beobachten, wie beispielsweise Fußballspielen über das Netz nach festgelegten Regeln oder Abschießen auf einer Spielfeldhälfte. Sobald es die Windverhältnisse zuließen, waren auch die Tischtennistische gut besucht, wobei die Spie­ lerInnen dann meist sehr lange hier verweilten. In dem mit Tischen ausgestatteten Aufenthaltsbe­ reich zwischen Basketball- und Volleyballfeldern wurde konstant eine größere Gruppe von Frauen, weiblichen Jugendlichen, Kindern und Kleinkindern beobachtet, die sich hier regelmäßig zum ausführli­ chen Picknick im Park niederließen. 31 Dokumentation der Erhebungen RUDOLF-BEDNAR-PARK Hundezone Hundezone An der Südwestspitze des Parks gelegene, zweigeteil­ te Fläche im Ausmaß von insgesamt ca. 350 m 2 , aus­ gestattet mit Bänken, Trinkbrunnen und Dogstation. NutzerInnengruppen und Nutzungshäufigkeit Vor allem von Erwachsenen und weiblichen Jugend ­ lichen mit ihren Hunden besucht. Bei 18 Beobachtungsdurchgängen wurde die Hun­ dezone insgesamt fünfmal leer angetroffen, ansons­ ten wurden hier ein oder zwei Hunde beobachtet, wobei die Verweildauer durchwegs eher kurz war. Beziehungen zwischen den Bereichen Generell war eine große Fluktuation innerhalb der Teilbereiche zu beobachten. Personen mit Klein­ kindern nutzten neben dem eingezäunten Klein­ kinderspielbereich auch die anderen angebotenen Spielspots, vorzugsweise die Schaukeln, aber auch die Rasenflächen und die darin situierten Baum ­ scheibenbänke und Hängematten. Kinder bewegten sich in der Regel(mit Ausnahme des Kleinkinderspielplatzes und der Hundezone) frei in den Rasenflächen beziehungsweise mit diversen Fahrzeugen auf den Wegen im gesamten Parkraum. Diese Beobachtungen decken sich auch mit den Auswertungen der aufsuchenden ortsbezogenen Gespräche. Zwei Drittel der Befragten gab an, bei­ nahe alle Bereiche des Parks zu nutzen. Am wenigsten flexibel waren in diesem Zusammen ­ hang die männlichen Jugendlichen, diese steuerten zu ca. 57% direkt die Sportflächen an und wechsel ­ ten kaum in andere Bereiche. 32 RUDOLF-BEDNAR-PARK Dokumentation der Erhebungen 5.3 Pflegeaspekte Bewässerung Während des Beobachtungszeitraumes wurden die Rasenflächen, abgesehen von vereinzelten nutzungs ­ bedingten Kahlstellen, in einem relativ guten Zustand vorgefunden. Ein Strauchbeet im Westen der Quartiersgärten stand über längere Zeit„unter Wasser“, sodass die dort ge­ pflanzten Amelanchier bereits teilweise abgestorben waren. Eine regelmäßige Kontrolle der Bewässerungs­ einrichtungen wäre erforderlich. Wartung der Spielgeräte Im Zuge der Befragungen vor Ort wurden nachfol­ gende Aussagen in Bezug auf die Funktionsfähigkeit von(Spiel-)Geräten getroffen: • Die Stangen der Nestschaukel bei der Platzzone im Osten wackeln stark. • Die Drehscheiben drehen sich nicht gut. • Die Geräte bei der Generationen-AktivZone gehören zum Teil geschmiert. 5.4 Einschätzungen des Rudolf-Bednar-Parks Was gefällt Ihnen am Park? Stört Sie etwas im Park? Auf diese Frage gab es einerseits generelle Einschät­ zungen und Beurteilungen, andererseits wurden spezi­ fische Ausstattungselemente angesprochen, vereinzelt fanden auch soziale Aspekte Erwähnung. Herausragend bei der Anzahl der Nennungen waren Begriffe wie„Größe“(7),„die große Wiese“(6) und „Weite“(3) sowie„Alles“(5) oder mit den Worten eines Jugendlichen„das ganze Ambiente“. „Das Grün“(3),„die Natur“(2) und„ruhig“ waren Einschätzungen, die speziell auf den Erholungswert des Parks abzielten. In Bezug auf die Parkgestaltung fielen Begriffe wie„Op ­ tik“,„Gestaltung“,„Gliederung in bewegte und ruhige Bereiche“ sowie die Aussagen, dass es„für jeden etwas gibt“,„unterschiedliche Angebote vorhanden sind“, „die Spielmöglichkeiten gut verteilt sind“ oder„nicht zu viele Geräte im Park sind“. Beziehungen zum Umfeld fanden in der Erwähnung der„Nähe zum Wohnort“(3) oder der„Umgebung“ (1) ihren Niederschlag. Von den spezifischen Ausstattungselementen wur ­ den die„Sportanlagen“ mit 7 Nennungen am öftes­ ten erwähnt, gefolgt von den„Schilfgärten“(5), den Hängematten und der Infrastruktur(WC-Anlagen, Trinkbrunnen) mit jeweils 3 Nennungen sowie den Quartiersgärten und der Hundezone mit jeweils 2 Nennungen. Baumscheibenbänke, die gelben Stelen, die Spielgeräte, die Generationen-Aktiv-Zone und die „vielen Bäume“ fanden jeweils einmal Erwähnung. Der Park als Treffpunkt, die Vorzüge der Parkbetreu ­ ung sowie die Sauberkeit im Park wurden jeweils zwei­ mal erwähnt. Diese Frage wurde von einem Drittel der Befragten mit„nein“ beantwortet. Ein weiteres Drittel vermerkte den fehlenden Schat­ ten als störend. In vier Interviews wurde das Hun­ dethema angesprochen, Hunde beziehungsweise Hundekot im Rasen und Hunde ohne Leine, die beim Fußballspielen stören. In zwei Interviews wurden die Kricketspieler thema­ tisiert. Die Personen fühlten sich durch die schnellen Bälle, die zum Teil quer über die zentrale Platzfläche bei der Pergola gespielt wurden, gefährdet. Darüber hinaus gab es Einzelmeinungen, welche im Folgenden nach Themenschwerpunkten aufgelistet werden: Aussagen zu Gestaltung/ Ausstattung • Die Umsetzung ist steril, rein funktional, ein Baukastensystem. • Die Spielplätze sind mehr Design, für Kinder weniger interessant. • Die Hundezone ist zu klein im Verhältnis zur Größe des Parks. • Der Kies im Kleinkinderspielplatz staubt sehr stark, die Kinder rutschen aus. • Hängematten sind prinzipiell gut, aber diese sind nicht bequem, sie tun weh. • Der Fußballplatz am Schulgelände ist prinzipiell gut, aber man ist auf die Öffnungszeiten angewiesen. 33 Dokumentation der Erhebungen RUDOLF-BEDNAR-PARK Aussagen zu sozialen Aspekten • Fahrradfahrer sind zu schnell unterwegs. • Wenn der Schulsportplatz offen ist, lassen „die Großen“ die Kleinen nicht spielen. • Vor allem im Sommer kommt es zu Lärmbelästigungen in der Nacht. • Es stören Erwachsene, die tagsüber beim Tisch unter der Pergola Alkohol trinken (von einer Mädchengruppe angemerkt). Fehlt Ihnen etwas im Park? 45% der Befragten beantworteten diese Frage negativ und waren mit dem vorhandenen Angebot zufrieden. 19% der Befragten, insbesondere männliche Jugendli­ che und Burschen, vermissten einen Fußballspielkäfig (beziehungsweise Fußballtore). Von 15% der Befrag ­ ten wurden fehlende Klettermöglichkeiten für Kinder und Kleinkinder angesprochen. In zwei Interviews, jeweils ein Seniorenehepaar, wur­ den fehlende Kontaktmöglichkeiten thematisiert. Darüber hinaus gab es folgende Einzelstellungnahmen: • Café oder Kiosk im Park oder Umfeld • Größere Hundezone • Boulderwand • Hügel • Große Rutsche • Sicherheitsdienst zw. 10.00 und 11.00 Uhr, vor allem im Sommer Wie gehen die Menschen im Park miteinander um? Das Miteinander im Park wird, mit den unterschied­ lichsten Begriffen zum Ausdruck gebracht, durchwegs positiv bewertet: Total nett, ganz normal, passt alles, es gibt viele nette Leute, keine negativen Erlebnisse, überraschender­ weise angenehm, gut, dürfte funktionieren. Multikulti, schon viele Leute kennengelernt, Freiraum als Kom­ munikationsplattform, viele unterschiedliche Leute, friedlich, durchschnittlich, meistens friedlich, sehr freundlich … Neben dieser positiven Grundstimmung wurden in einzelnen Interviews folgende Themen angesprochen: • Gruppenbildung/ geschlossene Gesellschaften/ Isolierung(in drei Interviews) • Pubertätsbedingte Plänkeleien zwischen Burschen und Mädchen(in zwei Interviews) • Auseinandersetzungen im Skatepool(in einem Interview) Gibt es Konflikte mit anderen ParkbesucherInnen? 76% der Befragten gaben an, noch keine Konflikte beobachtet zu haben. Die angesprochenen Konflikte, zum Teil oben bereits angeführt, betreffen folgende Aspekte: • Pubertätsbedingte Plänkeleien zwischen Burschen und Mädchen • Ab und zu Auseinandersetzungen im Fußballkäfig • Hundeproblem marginal In keinem der Fälle wurde jedoch zum Ausdruck ge­ bracht, dass es sich um schwerwiegende Konflikte handelte, sondern dass es sie einfach gibt. Die Lärmbelästigung bei Nacht, die von einem Fa­ milienvater aus der angrenzenden Wohnhausanlage „Wohnen am Park“ eingebracht wurde, dürfte für diese Familie allerdings ein gravierendes Problem dar­ stellen. Stellungnahmen durch BürgerInnen im Rahmen der Informationsveranstaltung„Aktuelle Entwicklungen und Planungen am Nordbahnhof“ am 18.1.2011 Im Folgenden sind die Anregungen der anwesenden BürgerInnen zum Thema„Grün- und Freiraum“ mit Bezug zum Rudolf-Bednar-Park stichwortartig und nach Häufigkeit sortiert aufgelistet: • Es sind zu wenig öffentliche Grün- und Freiflächen für so viele Gebäude im Gebiet vorgesehen. Die Parks sind bereits jetzt überlastet. • (Frei-)Räume beziehungsweise Aufenthaltsflächen für Jugendliche sollten angeboten werden (Jugendtreff, Jugendsportplatz, Jugendspielplatz). • Kleinkinderspielplätze sind zu errichten. 34 RUDOLF-BEDNAR-PARK Dokumentation der Erhebungen • Naturschutzfachliche Aspekte bei der Freiraumgestaltung im gesamten Gebiet sind zu berück­ sichtigen/ Umgestaltung der Wasserbecken im Bereich des Rudolf-Bednar-Parks • Der Parklärm bei Nacht wird als störend empfunden. • Es besteht der Wunsch, Gemeinschaftsgärten zu errichten. • Es sind Spielplätze zu errichten, die nicht nur schön ausschauen, sondern auch Spaß machen (Hängebrücken, Klettermöglichkeiten...). Befragungen und Anmerkungen der Gebietsbetreu­ ung für den 2. Bezirk Quelle: Interne Auswertungen der Gebietsbetreuung, Interview mit Frau Andrea Mann und Herrn Martin Kliesow, Stellungnahmen der BürgerInnen auf Flipchart im Rahmen des Nachbarschaftsfestes im Rudolf-Bed­ nar-Park am 1.6.2012 Going-Out„Rudolf-Bednar-Park“ am 9.5.2012 durch die Gebietsbetreuung Den BesucherInnen des Rudolf-Bednar-Parks wurde neben allgemeinen Fragen zum Grätzel auch die Frage gestellt:„Gefällt Ihnen der Rudolf-Bednar-Park(Auftei­ lung/ Angebot)?“ Ein Drittel der Befragten gab eine generell positive Rückmeldung. Konkret angesprochen wurden nachfol­ gende Aspekte, gereiht nach Häufigkeit der Nennun ­ gen(insgesamt 38 Nennungen): „Grün“(6)/ Angebot für Kinder(5)/ Wasserelemente (4)/ Sportanlagen(3)/ Größe(3)/ Parkbetreuung(2) / ruhige Lage(2)/ Hängematte(1)/ zentrale Lage(1) Auf die Frage, was im Grätzel nicht gefällt, wurde mit 10 Nennungen der fehlende Schatten im Rudolf-Bed­ nar-Park bei weitem am häufigsten angesprochen. Ideen/ Anmerkungen der Gebietsbetreuung zum Rudolf-Bednar-Park • Sonnensegel spannen • Grillplätze • Mehr Sitzmöglichkeiten, Mistkübel und Ascher • Möglichkeit zum Kricketspielen • Wasserspiele ähnlich Max-Winter-Park • Mehr Spielangebote für Kinder(Rutsche, Sandkiste, Klettern) • Tore in der Wiese, Fußballkäfig • Waste Watcher im Rudolf-Bednar-Park • Stärkere Kontrollen der Raucher und Hunde­ besitzer • Lokale/ Geschäfte am Rudolf-Bednar-Park eröffnen Anregungen von BürgerInnen auf Flipchart im Rah­ men eines Nachbarschaftsfestes im Rudolf-BednarPark am 1.6.2012 Neben generellen Statements wie„ein Plus für den Rudolf-Bednar-Park“,„der Park wird zu klein“ oder „Infrastruktur auf die Bedürfnisse der Bevölkerung abstimmen“ wurden folgende Themenschwerpunk­ te angesprochen: Ausstattung/ Angebot: • Fußballkäfig, mehr Fußballplätze und ganztägige Öffnung des Schulsportplatzes • Mehr Angebote für Kleinkinder(zum Klettern und Rutschen) • Klettermöglichkeiten für größere Kinder beziehungsweise unterschiedlichere Spielstationen • Schatten, Sonnenschutz Wartung/ Pflege: • Bessere Rasenpflege • Maßnahmen gegen Verschmutzung des Kleinkinderspielbereichs • Generell mehr Sauberkeit im Park Soziale Aspekte/ Infrastruktur: • Ganzjährige Parkbetreuung • Ruhe in der Nacht • Schutz vor Hunden im Park • Wunsch nach einem Park-Café 35 Dokumentation der Erhebungen RUDOLF-BEDNAR-PARK Einschätzungen durch die Parkbetreuung Quelle: Interview mit Friedl Sperk, Leiter des Jugend ­ zentrums MexTreff, und Andrea Linzer, Parkbetreu­ erin vor Ort, Abschlussberichte der Parkbetreuung „Check den Rudolf-Bednar-Park“, Ausgaben 2009, 2010, 2011 Die Parkanlage wird prinzipiell von Menschen aller Al­ tersgruppen und Herkunft genutzt, ca. 80% haben Migrationshintergrund(einschließlich der 2. Genera­ tion) und es sind alle Bildungsschichten vertreten. Die BesucherInnen zeigten sich im Allgemeinen sehr zufrieden mit der Gestaltung des Parks. Die offene Gestaltung mit den großen Rasenflächen und Sport ­ anlagen lädt zu einer aktiven Benutzung der Parkan­ lage ein. Positiv vermerkt wurde, dass sich die verschiedenen Gruppen weitgehend konfliktfrei und selbstorganisiert den Raum teilten, wobei die pädagogische Zielsetzung der Parkbetreuung unter anderem die Unterstützung dieses Prozesses war. „Durch das gemeinsame Spielen entwickelten vor allem die Kinder und Teenies intensive Kontakte untereinander, was zum Abbau von Vorurteilen, dem Entdecken von Gemeinsamkeiten und dem positiven Erleben der Unterschiedlichkeiten führte. Diversitätsmerkmale wie zum Beispiel(Mutter-)Sprache, Herkunft oder Religion waren bei größeren Kindern, Teenies und Jugendlichen auch Thema von Gesprächen untereinander und mit uns.“ (Abschlussbericht 2009, S. 15) Laut Aussage der BetreuerInnen vor Ort gab es we­ nig Konflikte beziehungsweise waren die auftretenden Konflikte leicht zu lösen. Konkret angesprochen wurde der Umstand, dass von den Sportflächen immer wieder Bälle am umzäunten Schulgelände landeten und die Rückgabe der Bälle sich manchmal als kompliziert erwies. Weiters gab es Diskussionen mit HundebesitzerInnen, wenn die Hunde nicht angeleint waren oder wild he­ rumtobten. Wünsche und Verbesserungsvorschläge, die an die Parkbetreuung herangetragen wurden: • Die Rutsche im Kleinkinderbereich ist zu steil und zu hoch für Kleinkinder. • Der Kiesboden im Kleinkinderbereich stellt ein Problem dar, kleine Kinder verschlucken die Kieselsteine und bei Stürzen kommt es leichter zu Verletzungen. • Skaterübungsplatz mit entsprechenden Obstacles auch für Anfänger. 6 ANALYSE UND INTERPRETATION 6.1 Der Rudolf-Bednar-Park gemessen an übergeordneten stadtplanerischen Ansprüchen Unmittelbar angrenzende Straßenräume Im STEP 2005 wird im Kapitel Grün- und Freiraum unter dem Aspekt der Verbesserung der Erreich ­ barkeit und des Aufenthaltskomforts der Grün- und Freiräume an erster Stelle der an Parkanlagen an­ grenzende Straßenraum angesprochen:„Zur Flä­ chenvergrößerung Einbeziehung der an Parkanlage(n) angrenzenden Straßen, Sperre oder zumindest Re­ duktion der dem MIV zur Verfügung stehenden Flä ­ chen; Schaffung von Bewegungsraum(Skaten, Laufen, Radfahren etc.).“ Dieser Aspekt wurde beim Rudolf-Bednar-Park über alle Planungsphasen hinweg konsequent verfolgt. Be­ reits das Verkehrskonzept des Städtebaulichen Leit ­ bildes Nordbahnhof(1994) weist die unmittelbar an den Park angrenzenden Straßen als Wohnstraßen ohne Stellplätze aus. In den Empfehlungen aus dem kooperativen Verfahren wurde festgehalten, dass der engere Gestaltungsraum den Park sowie die unmit­ 36 RUDOLF-BEDNAR-PARK Analyse und Interpretation telbar angrenzenden Straßenräume umfasst und die Straßen somit in die Gestaltung miteinbezogen wer­ den können. Zum Zeitpunkt der Wettbewerbsauslo­ bung stand noch nicht fest, ob die angrenzenden Stra­ ßen tatsächlich als Wohnstraßen seitens der Behörde kundgemacht werden. In den Ausschreibungsunterla­ gen wurden sie daher als verkehrsberuhigte Straßen, in denen weder die Errichtung von Pkw-Stellplätzen noch die Anordnung von Ein- und Ausfahrten vorge­ sehen ist, ausgewiesen. In Ergänzung zum„Engeren Planungsgebiet“, welches durch die Grenzen der EpkÖZ Widmung(Erholungsgebiet Parkanlage/ Grund­ fläche für öffentliche Zwecke) definiert ist, wurden die unmittelbar angrenzenden Straßenräume sowie die Anschlüsse an die Freiraumstrukturen im Bereich der umgebenden(projektierten) Bebauungsstruktu­ ren als„Erweitertes Planungsgebiet“ angesprochen. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass für den Bereich des erweiterten Planungsgebietes außerhalb der Epk-Widmung konzeptive Vorschläge zur verbes ­ serten Einbindung des Rudolf-Bednar-Parks in das umgebende Siedlungsgebiet erwartet werden(diese aber aufgrund alternativer Trägerschaften lediglich Vorschlagscharakter haben und nicht Gegenstand ei ­ ner weiterführenden Beauftragung sein können). Im Wettbewerbsbeitrag des Siegerprojektes wer­ den sowohl der als Hauptelement des räumlichen Erscheinungsbildes angesprochene Baumschleier als auch die charakteristischen exzentrischen Rundbän­ ke über die Parkgrenzen hinweg im Straßenraum etablier t. Aktuell sind die unmittelbar angrenzenden Straßenräume als Fußgängerzone gekennzeichnet, das Kon­ zept des Siegerprojektes ist umgesetzt. Jakov-Lind-Straße 37 Analyse und Interpretation RUDOLF-BEDNAR-PARK Die in den Befragungen vielfach als positiv angespro­ chene„Größe“ oder„Weite“ des Parks resultiert nicht zuletzt auch aus der Einbeziehung des Straßen­ raumes. Park und angrenzender Straßenraum sind sowohl funktional als auch optisch durch Mobiliar und Baumpflanzungen eng miteinander verflochten. Auch atmosphärisch gewinnt der Park durch die wei­ testgehende Ausschaltung des Straßenlärms. Letzte­ res kam bis dato noch nicht wirklich zum Tragen, da die Nutzung des Parks seit seiner Errichtung von teils massivem Baustellenlärm begleitet wird. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass die letztendlichen städtebaulichen Grenzen des Parks zum Zeitpunkt der Befragungen noch nicht er­ richtet waren. Der Rudolf-Bednar-Park zählt neben den Wohnbauten„Wohnen am Park“ und der„Bike City“ in der Vorgartenstraße zu den ersten realisier ­ ten Projekten des Stadtentwicklungsgebietes. Zum Zeitpunkt der Eröffnung im September 2008 waren nach Norden und Westen noch weiträumige Blickbeziehungen gegeben, seither ist die Stadt ra­ sant an den Rudolf-Bednar-Park herangewachsen. Erst mit Fertigstellung der letzten Rohbauten im Norden wird der Park in seinem tatsächlichen Aus­ maß räumlich fassbar werden. Blick entlang Parkhauptachse nach Nordwesten, März 2009 38 RUDOLF-BEDNAR-PARK Analyse und Interpretation Blick entlang Parkhauptachse nach Nordwesten, Juni 2012 Beitrag des Stadtteilparks zur Grünflächenversorgung Quantitative Aussagen zur Grün- und Freiflächen ­ versorgung im Stadtgebiet erfolgen im STEP 2005 durch die Angabe folgender Bedarfszahlen: Wohngebietsbezogene Freiflächen, urbane Park-, Spiel- und Freiflächen: Richtwert 3,0–5,0 m 2 /EW Stadtteilbezogene Grünflächen Richtwert 8,0 m 2 /EW Auch das Wiener Leitbild für den öffentlichen Raum (2009) bezieht sich auf diese Bedarfszahlen:„Die ausreichende quantitative Sicherung von öffentlichen Räumen ist Voraussetzung für eine hohe(Lebens-) Qualität – ein Defizit an Platz kann durch eine noch so gute Gestaltung nicht ausgeglichen werden.(…) Anzu­ streben ist zumindest eine Pro-Kopf-Versorgung mit jener Anzahl von Freiraum-Quadratmetern, die im Stadtentwicklungsplan 2005(STEP 05) als Richtwert angegeben werden.“ Gemessen an diesen Bedarfszahlen würde der Rudolf-Bednar-Park als Stadtteilbezogene Grünfläche/ Stadtteilpark mit einer Gesamtfläche von ca. 3,2 ha den Freiflächenbedarf von(nur) etwa 4.000 Einwoh ­ nerInnen abdecken. Die folgende Übersichtsplandarstellung weist jene Baublöcke(blau markiert) im unmittelbaren Um­ gebungsbereich des Rudolf-Bednar-Parks aus, die dem Wohnbereich von ca. 4.000 EinwohnerInnen entsprechen und deren Versorgung mit stadtteilbe ­ zogenen Grünflächen durch den neuen Stadtteilpark gemäß dem oben angegebenen Richtwert abgedeckt wird. Baublöcke parkversorgt Mehrfachnutzung der Schulsportflächen Im Ergebnisbericht aus dem kooperativen Verfahren im Vorfeld der Wettbewerbsauslobung wird unter an ­ derem unter den empfohlenen Schritten das Thema der Mehrfachnutzung angesprochen:„Möglichkeiten der Mehrfachnutzung der Schulsportflächen sollen mit der Schulbehörde vorab geklärt werden.“ Die Schulsportflächen des im Westen an den Park angrenzenden Bildungscampus„Gertrude FröhlichSandner“ umfassen ein Mehrzweckspielfeld in der Größe von 22 x 44 m sowie ein kleineres Spielfeld 39 Analyse und Interpretation RUDOLF-BEDNAR-PARK mit Basketballkörben in der Größe von 14 x 22 m und liegen, durch Ballfangzäune abgegrenzt, unmittelbar neben den Sportflächen des Parks. Der Bildungscampus wurde im Rahmen eines Public-Private-Partnership-Modells gemeinsam von der Stadt Wien und einem privaten Konsortium entwi­ ckelt und errichtet, Instandhaltung und Betrieb liegen in der Hand des privaten Partners. Zum Zeitpunkt der Eröffnung des Bildungscampus im September 2010, etwa ein Jahr nach Eröffnung des Parks, waren die Schulsportflächen ausschließlich von der Schule genutzt, das Thema der Mehrfachnutzung war dem privaten Betreiber fremd. Auf Initiative von Herrn Friedl Sperk, Leiter des Ju­ gendzentrums Mex Treff, gelang es mit Unterstüt­ zung von VertreterInnen der Stadt Wien, Frau Jutta Kleedorfer, Projektkoordinatorin für Mehrfachnut­ zung, Frau Renate Kraft, MA 13, und Herrn Stadtrat Christian Oxonitsch sowie des Bezirksvorstehers, Herrn Gerhard Kubik, eine durch das Jugendzentrum betreute Mehrfachnutzung der Schulsportflächen zu ermöglichen. Neben den rechtlich/organisatorischen Belangen wa­ ren auch technische Probleme in Verbindung mit der nachträglichen Errichtung der Zugänge von außen zu lösen sowie die Finanzierung der Umbaumaßnahmen zu klären. Ab Sommer 2011 sind die Schulsportflächen von An ­ fang Mai bis Ende Oktober von Dienstag bis Samstag von 18.00 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit unter „Aufsicht“ der ParkbetreuerInnen öffentlich zugäng­ lich. Der Verein Wiener Jugendzentren hat eine dies ­ bezügliche Vereinbarung mit der MA 56, der Verein haftet auch für Beschädigungen, Verunreinigungen und Verletzungen. Aufgrund fehlender Ressourcen seitens des Jugendzentrums können die vereinbarten Nutzungsmöglichkeiten, welche auch an Samstagen, Sonn- und Feiertagen eine betreute Nutzung ab 12.00 Uhr einräumen würden, aktuell nicht voll aus­ geschöpft werden. Mehrzweckspielfeld des Campus„Gertrude Fröhlich-Sandner“ Sowohl bei den Befragungen vor Ort als auch bei den Anregungen der BürgerInnen im Rahmen des Nach­ barschaftsfestes war Fußball ein zentrales Thema. Auf die Frage„Was fehlt im Park?” wurde noch vor Schat­ ten und Klettermöglichkeiten für(Klein-)Kinder ein Fußballkäfig am häufigsten genannt, beziehungsweise auf die Frage„Was stört im Park?” von den Jugendlichen der Umstand angesprochen, dass man auf die Öffnungszeiten des Schulsportplatzes angewiesen ist. Von einer Burschengruppe(10 – 14 Jahre) wurden auch die Verdrängungsprozesse am Schulsportplatz selbst thematisiert. Sie empfanden als störend,„dass die Großen uns nicht in den Käfig lassen“. 40 RUDOLF-BEDNAR-PARK Analyse und Interpretation Obwohl die Rasenflächen vor allem von Kindern und kleineren Gruppen zum Fußballspielen genutzt wer­ den und diese Möglichkeiten in der Befragung auch positiv hervorgehoben wurden, sollte dem verstärk­ ten Bedürfnis nach Fußballspiel in geeigneter Weise Rechnung getragen werden. Das Potenzial der vorhandenen Schulsportflächen erscheint noch nicht ausgeschöpft. Eine Öffnung der Schulsportflächen, unabhängig von einer Betreuung durch das Jugendzentrum, ab 17.00 Uhr an Schultagen sowie ganztägig an schulfreien Tagen und an Wochenenden wäre anzustreben. Die Errichtung eines Ballfangkäfigs im Park selbst würde auf Kosten der multifunktional genutzten Ra­ senflächen gehen und auch die von den NutzerInnen geschätzten und besonders hervorgehobenen räum­ lichen Qualitäten des Parks beeinträchtigen. 6.2 Der Rudolf-Bednar-Park gemessen an den Wettbewerbszielen Zielpublikum Als Zielpublikum sollte sowohl die umliegende ansässi­ ge Wohnbevölkerung als auch die neu ins Stadtviertel ziehende Bevölkerung angesprochen werden. Etwa 80% der NutzerInnen, die im Rahmen der aufsu­ chenden ortsbezogenen Gespräche den 2. Bezirk als Wohnort angaben, waren den bestehenden Wohn­ vierteln der unmittelbaren Umgebung zuzurechnen, ca. 20% dem Stadterweiterungsgebiet Nordbahnhof. Daraus ist abzuleiten, dass der Park vielfach auch De­ fizite aus den bestehenden umgebenden Wohngebie ­ ten abdeckt. Auch gilt es in diesem Zusammenhang festzuhalten, dass die großen, im 2. Bezirk liegenden oder unmittelbar angrenzenden Naherholungsgebiete (Prater, Donauraum u. a.) keinen adäquaten Ersatz für einen Stadtteilpark darstellen. Dies zeigt sich auch an der Auswertung der alternativ genutzten Freiräume. Prater, Donauinsel, Alte Donau und Donaupark wur­ den insgesamt zu 31% genannt. Dabei handelte es sich einerseits um mobilere Personengruppen(oftmals mit Fahrrad), andererseits um Familien mit Kleinkindern, die im Besonderen die Spielangebote nutzten. Von den alternativ genutzten Parks im 2. Bezirk wurde der Mexikoplatz mit 35% mit Abstand am häufigs ­ ten genannt. Andere Parks im 2. und 20. Bezirk wie Venediger Au, Max-Winter-Platz, Allerheiligenpark, Mortarapark und Augarten wurden zu insgesamt 34 % genannt. In Zusammenhang mit dem Mexikoplatz wurden auch negative Empfindungen geäußert, wie„staubig“ oder „viele Leute“ beziehungsweise negative Erlebnisse mit Kampfhunden angesprochen, sodass der Eindruck ent­ stand, dass der Rudolf-Bednar-Park vielfach eine will­ kommene und bevorzugte Alternative darstellt. An­ ders verhielt es sich bei den anderen Parks im Bezirk. Diese wurden bevorzugt wegen der Spielangebote aufgesucht, allen voran die Venediger Au wegen des Robinsonspielplatzes und der Max-Winter-Park we­ gen des Wasserspielplatzes. Auch die Tatsache, dass immerhin 78% der Befrag­ ten zu Fuß in den Park kamen, unterstreicht die Be­ deutung von wohnungsnahen, fußläufig erreichbaren Grün- und Freiräumen. Überschaubarkeit und sozia­ le Kontrolle beziehungsweise der Park als Treffpunkt stellen vor allem für Kinder relevante Aspekte bei der selbstständigen Aneignung und Nutzung des öf­ fentlichen Raumes dar. Alltagsgerechtigkeit Unter diesem Schlagwort wurde in der Auslobung eine adäquate Gebrauchsfähigkeit und Robustheit der Parkanlage, einschließlich Fragen des Parkunter­ halts, subsumiert. Sowohl in den eigenen Interviews vor Ort als auch in den Befragungen der Gebietsbetreuung für den 2. Bezirk wurde der fehlende Schatten mit Abstand als häufigster Störfaktor im Park genannt. Obwohl es sich hierbei, dank der zahlreichen Baumneupflanzun ­ gen, nur um ein temporäres Problem handelt, stellt der fehlende Schatten zumindest in den ersten fünf bis zehn Jahren eine maßgebliche Beeinträchtigung der Nutzbarkeit dar. Temporäre Beschattungsmaßnahmen in Form von Sonnensegeln stellen hier eine eher kostenintensive, nur kleinflächig wirksame und in öffentlichen Parkanlagen auch vandalismusanfällige Alternative dar. Besonders wichtig erscheint in diesem Zusammen­ hang daher der Verweis auf die dringliche Vorziehung von Bepflanzungsmaßnahmen im Zuge von Neuer ­ richtungen von Parkanlagen beziehungsweise der Er­ halt örtlicher Bestandsbäume. Obwohl bei der Errichtung des Rudolf-Bednar-Parks diesem Umstand durch die Vorziehung der zentra ­ len Parkanlage im Rahmen des Stadterweiterungs­ vorhabens in besonderem Maße Rechnung getragen wurde, sind temporäre Beeinträchtigungen aufgrund des„Zeitfaktors“ der Vegetationsentwicklung nicht zu vermeiden. 41 Analyse und Interpretation RUDOLF-BEDNAR-PARK Nutzungsgerechte Raumbildung und-organisation – Angebotsdifferenzierung – Gender-Mainstreaming – Begegnungs- und Rückzugsräume – vielfältige Bewegungsräume Diese Aspekte zielen im Wesentlichen auf die Struk­ turierung und Ausstattung des Parks ab. Sowohl die Nutzungserhebungen in den einzelnen Teilbereichen als auch die NutzerInnenstruktur lassen darauf schlie­ ßen, dass das vorhandene Angebot im Prinzip die Be­ dürfnisse der unterschiedlichsten Gruppen anspricht. In einzelnen Bewertungen der NutzerInnen wird durchaus auch angemerkt, dass„es für jeden etwas gibt“,„unterschiedliche Angebote vorhanden sind“, „eine gute Aufteilung in bewegte und ruhige Bereiche getroffen wurde“ oder generell die Gliederung und Gestaltung positiv beurteilt wird. Auffallend niedrig war mit 2,7% der Anteil an Senio­ rinnen und Senioren. Dies kann auf unterschiedliche Ursachen zurückgeführt werden. Es könnte sein, dass die„moderne“ Parkgestaltung diesen NutzerInnen­ kreis nicht anspricht. Dagegen zu halten ist allerdings die Tatsache, dass sich die im Park befragten SeniorIn­ nen durchwegs positiv über die Anlage äußerten und die Kritikpunkte sich im Wesentlichen auf die fehlen­ den Kontaktmöglichkeiten zu anderen SeniorInnen im Park bezogen. Ein weiterer Grund könnte, wie bereits oben ange­ sprochen, der fehlende Schatten sein. Insbesondere für diese weniger mobile Gruppe sind Sitzplätze im Schatten eine unabdingbare Voraussetzung. Dies be ­ stärkt auch die Aussage eines Betreuers einer Senio­ rInnengruppe aus dem geriatrischen Tageszentrum in der Vorgartenstraße. Diese Gruppe besucht mit Vor ­ liebe die Quartiersgärten, im Sommer jedoch werden die im Gebäudeschatten liegenden Baumscheiben­ bänke in der Jakov-Lind-Straße als Rastplatz bevor­ zugt. Ein weiterer Grund könnte in der geringeren Flexibilität älterer Menschen liegen, Veränderungen und neue Angebote werden in der Regel zögerlicher angenommen. Eine Ursache liegt jedenfalls in der Tatsache, dass der Anteil an älteren Menschen, die in den neuen Stadt­ teil ziehen, vergleichsweise gering ist. Es ist allerdings davon auszugehen, dass mit zunehmender Beschat­ tung durch die Bäume und zunehmendem Bekannt­ heitsgrad der Grünanlage und seiner Angebote auch der Anteil an SeniorInnen an den ParkbenutzerInnen tendenziell steigt. Die räumlichen Voraussetzungen in Form von ruhigeren Aufenthaltsbereichen, aber auch die von älteren Menschen oftmals gesuchte Möglich­ keit der(distanzierten) Beobachtung der Aktivitäten von Kindern, sind beispielsweise im Bereich der Quar ­ tiersgärten, der Schilfgärten oder auch der Platzzone im Osten durchaus gegeben. Ein weiterer signifikanter Nutzungsaspekt ist der Anteil an Jugendlichen. Männliche Jugendliche waren mit 14,6% doppelt so stark vertreten wie weibliche Jugendliche mit 7,3%. Dies ist auf die intensive Nut­ zung der Sportflächen vor allem durch männliche Ju ­ gendliche zurückzuführen. Inwieweit es sich hier um Verdrängungsprozesse handelt, kann aus den Beob ­ achtungen nicht abgeleitet werden. In diesem Zusam­ menhang sei auf eine Aussage der Parkbetreuung aus dem Abschlussbericht 2009 verwiesen, in der festge­ halten wird, dass im Skatepool deutlich mehr männli­ che Besucher anzutreffen sind als weibliche Besuche­ rinnen, was der Beobachtung der Parkbetreuung nach „nicht Folge eines Verdrängungsprozesses ist, sondern die Interessenlage widerspiegelt.“ Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Tatsache, dass von allen Bereichen in den Sportflä ­ chen zahlenmäßig noch die anteilsmäßig meisten weibliche Jugendliche angetroffen wurden. Weitere Anlaufpunkte waren vor allem die Baumscheibenbän­ ke, Hängematten und Schaukeln. Inwieweit und ob überhaupt weibliche Jugendliche durch ein ergänzendes Angebot verstärkt den Park nutzen würden, kann hier nicht beantwortet werden. Die Würdigung des Angebotes an Bewegungsflächen kommt in den Befragungen in der positiven Hervor­ hebung der„großen Wiese“ sowie der Sportflächen zum Ausdruck. Etwas differenzierter wurde das Angebot für und von Kindern bewertet. Die Mehrzahl der befragten Burschen gaben Fußballspielen auf den Rasenflächen als bevorzugte Tätigkeit an und bemängelte in diesem Zusammenhang das Fehlen eines Fußballkäfigs(bezie ­ hungsweise von Fußballtoren). Während eine Mädchengruppe(8 Personen) mit dem Angebot durchaus zufrieden war:„man hat alles“, wurde von einer anderen Gruppe„etwas Großes zum Klettern“ vermisst. Interessanterweise war letz­ tere auch jene Gruppe, welche als positiv angemerkt hatte, dass nicht zu viele Geräte und der damit oft verbundene lose Fallschutz in Form von Rindenschnit­ zeln(„braune Dinger“) im Park anzutreffen sind und großzügige Bewegungsflächen angeboten werden. Diese Dichotomie bringt die Meinung mehrerer Nut­ zerInnen zum Ausdruck, die einerseits eine intensive­ re Ausstattung in Form von Spielmöglichkeiten oder Fußballkäfig wünschen, andererseits aber die„Größe“ und„Weite“ der Anlage, die durch diese Interventi­ onen beeinträchtigt werden würde, als Qualität her ­ vorheben. 42 RUDOLF-BEDNAR-PARK Analyse und Interpretation Angebote für Kleinkinder Ausgehend von der Annahme, dass in den Innenhöfen der angrenzenden Wohnbauten die bauordnungsmä­ ßig vorgeschriebenen Kleinkinderspielplätze errichtet werden, waren in der Aufgabenstellung des Wettbe­ werbs Angebote für Kleinkinder, welche sich von den zu erwartenden Standardausstattungen in den Innen­ höfen unterscheiden sollten, gefordert. Quantitativ waren diese jedoch geringer zu gewichten. Die Tatsache, dass Kleinkinder mit 19,2% nahezu ein Fünftel der ParkbesucherInnen stellen, widerspricht der Annahme, dass diese weniger vertreten sein werden. Inwieweit die Innenhöfe der Stadterweite­ rungsquartiere ein attraktives Angebot zur Verfügung stellen, wurde in diesem Zusammenhang nicht unter­ sucht. Faktum ist, dass die oftmals räumlich beengten Innenhofsituationen die Weite und Großzügigkeit einer Parkanlage nicht ersetzen können und in den bestehenden Wohnbauten oftmals kaum adäquate Spielangebote für Kleinkinder vorhanden sind. Abendstimmung bei zentraler Pergola, Juni 2012 Ein eindrückliches Beispiel stellt in diesem Zusammen­ hang auch das unmittelbar angrenzende neu errich­ tete Wohnhaus„Wohnen am Park“ dar, auf dessen Grundfläche mittlerweile neben einer hinter Gitter und Glaswänden versperrten, ungenutzten Sandkiste keine Spielmöglichkeiten für Kleinkinder beziehungs­ weise für Kinder allgemein angeboten werden. Im realisierten Parkprojekt werden ein eingezäunter Kleinkinderspielplatz und diverse Spielspots mit An­ reizen für Kleinkinder, insbesondere Schaukeln, ange­ boten. Im Zuge der Beobachtungen stellten sich auch die Baumscheibenbänke als beliebter Tummelplatz für Kleinkinder heraus. Der Kleinkinderspielplatz war besonders in den spä­ ten Nachmittagsstunden immer wieder sehr gut be­ sucht und zum Teil sogar„ausgelastet“, wiewohl nicht alle der dort angebotenen Spielmöglichkeiten auch gleichermaßen angenommen wurden. In den Gesprächen vor Ort fand der Kleinkinderspiel­ platz unter der Rubrik„gefällt” keine Erwähnung, als störend hingegen wurde der Kies erwähnt, da dieser sehr staubig sei und die Kinder oftmals ausrutschen würden. Laut Aussage eines Vaters hat sich eine Inte ­ ressengruppe formiert, die auf die Auswechslung des Kieses drängt. 43 Analyse und Interpretation RUDOLF-BEDNAR-PARK Kritisiert wurde auch die Rutsche als zu steil und zu hoch für Kleinkinder. Obwohl die Spielspots, abgesehen von den Schau­ keln, für Kleinkinder wenig attraktiv waren, stellten diese doch intensiv genutzte Stationen dar, deren Verteilung im Park insgesamt zu einer raumgreifenden Nutzung auch durch Kleinkinder beitrug. In zwei generellen Stellungnahmen wurde negativ angemerkt, dass die Spielgeräte mehr Designobjekte und für Kinder wenig interessant seien oder, mit den Worten eines Vaters ausgedrückt:„eine funktional sterile Umsetzung im Baukastensystem“. Sicherheit/ Vermeidung von Lärmkonflikten Die zwei Themenkomplexe werden gemeinsam an­ gesprochen, da sich, in Abhängigkeit von der Beleuch­ tung, Korrelationen herauskristallisiert haben. Die Nutzungsmöglichkeit des Parks auch bei Nacht wurde in der Aufgabenstellung unter„Soziale Aspek­ te“ als dezidiertes Ziel vorgegeben. Dem nächtlichen Sicherheitsbedürfnis sollte durch entsprechende Transparenz entlang der Hauptwege sowie durch ausreichende Beleuchtung entlang der Wegverbindungen entsprochen werden. In diesem Sinne wurde das zurückhaltende Beleuchtungskon­ zept des Siegerprojektes in der Ausführungsphase überarbeitet und alle Wegverbindungen einschließ­ lich der Platzzone im Osten durchgehend beleuchtet. Während die Wegbeleuchtung über die ganze Nacht eingeschaltet bleibt, werden laut Aussage von Herrn Michael Weiss, Magistratsabteilung 33, Gruppe Neu­ bau, die sechs hohen Maste bei den Sportflächen so ­ wie ein Teil der Beleuchtung bei der Pergola aufgrund von Beschwerden wegen Lärmbelästigung um 23.00 Uhr ausgeschaltet. Eine diesbezügliche Beschilderung, in der auf die Nachtruhe zwischen 22.00 und 6.00 Uhr hingewiesen wird, findet sich mittlerweile bei den Sportflächen und beim Kleinkinderspielplatz. Im Zuge der Gespräche vor Ort wurden auch von einem Familienvater aus dem angrenzenden Wohn­ haus„Wohnen am Park“ Beschwerden über nächt­ liche Lärmbelästigung geäußert. Laut Aussage dieses Mannes hielten sich im Sommer vor allem Jungend­ liche gerne in der Platzzone im Osten und in den Quartiersgärten auf, wobei er auch anmerkte, dass die Jugendlichen nicht unbedingt extrem laut seien, aber offensichtlich aufgrund der speziellen Akustik die nächtlichen Aktivitäten für seine Familie sehr störend seien. Inwieweit sich dieses Phänomen mit zuneh­ mender Entwicklung des Baumbestandes verändert beziehungsweise durch die breite befestigte Vorzone zum Wohnhaus(Feuerwehrzufahrt) verstärkt, kann hier nicht beurteilt werden. Da das Thema der Lärmbelästigung ausschließlich in Verbindung mit nächtlichen Aktivitäten im Park zur Sprache kam, ist davon auszugehen, dass die Prob­ leme nicht durch die Zonierung geschaffen wurden, sondern dass dies eine generelle Frage der nächtli­ chen Nutzung des Parks ist. Da die Befragungen ausschließlich tagsüber und in den frühen Abend- bzw. Nachstunden durchgeführt wurden, können hier keine Aussagen zur Einschätzung der Sicherheit durch die nächtlichen NutzerInnen ge­ troffen werden. Bei einem informellen Parkbesuch in einer Sommernacht um ca. 23.00 Uhr war die gut ausgeleuchtete zentrale Erschließungsachse mit den Schilfgärten und der Pergola relativ gut frequentiert, was dem subjektiven Sicherheitsbedürfnis entgegen­ kam. Bei den Beobachtungen in den Abendstunden war, insbesondere im September, auffällig, dass sich ein­ zelne Lampen immer wieder für einige Zeit aus- und später wieder einschalteten und in einzelnen Berei­ chen, wie beim Skatepool oder dem Weg neben der Hundezone, mehrere Lampen gleichzeitig ausgefallen waren, wodurch diese Bereiche sehr finster wirkten. Dies ist, laut Aussage von Herrn Hemmelmayr, Magis­ tratsabteilung 33, zuständig für Erhaltung, ein Spezifi ­ kum des verwendeten Lampentypus, der sich, bevor die Lampe gänzlich kaputt geht, immer wieder einund ausschaltet. Laut Herrn Hemmelmayr werden (in ganz Wien) keine turnusmäßigen Kontrollen der Leuchten vorgenommen, sondern nur aufgrund von Meldungen(durch BürgerInnen) Mängel behoben. Dass die während der Beobachtungsperiode mehr­ fach ausgefallenen Lampen im Park noch nicht zu Be­ anstandungen seitens der ParkbenutzerInnen Anlass gaben, kann als Indiz dafür gewertet werden, dass das subjektive Sicherheitsgefühl im Park vergleichsweise hoch ist. 44 RUDOLF-BEDNAR-PARK Analyse und Interpretation Abendstimmung bei den Sportflächen, Juni 2012 Entwicklung einer authentischen ortsspezifischen Gestaltungslösung – Identitätsbildung – Sinnliche Er­ lebnisqualitäten Insbesondere die Schilfgärten und die zahlreichen schrägen gelben Stelen, die als Aufhänger für Spielge­ räte und als Stützen für die Pergola dienen, geben dem Park in Verbindung mit der relativ offenen Gestaltung und dem überspannenden Baumschleier einen unver­ wechselbaren Charakter. In den Einschätzungen der NutzerInnen kommt dies in Begriffen wie„Größe“ oder„Weite“, aber auch in po­ sitiven Beurteilungen wie„das ganze Ambiente“ oder „die Optik“(gefällt) oder„ist derzeit der schönste Park in Wien“ zum Ausdruck. An sinnlichen Erlebnisqualitäten bieten insbesondere die Schilfgärten und die Quartiersgärten vielfältige Aspekte wie die dynamische Vegetationsentwick ­ lung der Stauden, Ziergräser und Wasserpflanzen im Laufe einer Vegetationsperiode, das Spiel mit dem Wind, Blühaspekte und Duftwolken in den Quar ­ tiersgärten, das Feuerwerk der Herbstfärbung, aber auch das Wasser als Spielelement. 45 Analyse und Interpretation RUDOLF-BEDNAR-PARK Herbstaspekt in den Quartiersgärten, Oktober 2010 Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang auch die spezifische Lichtstimmung im Park. Durch die Si ­ tuierung des niedrigen Schulbaus im Westen sind die natürlichen Lichtverhältnisse in den späten Nachmit­ tags- und frühen Abendstunden, dem Zeitraum der intensivsten Nutzung, sehr stimmungsvoll. Gastronomieeinheit – WC – Eventbereich Die Empfehlungen aus dem kooperativen Verfahren führen als verpflichtendes Programm die Einrichtung eines Cafés, entweder im Park selbst oder in den Sockelzonen der angrenzenden verkehrsberuhigten Straßenräume an, beziehungsweise werden auch der Schulbau oder Flächen der MA 28 als potenzielle Standorte für eine derartige Einrichtung angespro­ chen. In der Aufgabenstellung der Wettbewerbsausschrei­ bung ist die Ausweisung eines Standortes für eine kleine Gastronomieeinheit(Kaffeehauspavillon mit angelagerten Sitzbereichen im Freien oder Ähnliches) sowie einer öffentlich zugänglichen WC-Anlage ge­ fordert, ein Eventbereich sollte optional angedacht werden. Im Wettbewerbsbeitrag des Siegerprojektes wird das Café„an exponierter Stelle im Herzen des Parks“ (siehe Erläuterungsbericht) verortet. Umgeben von einer nutzungsoffenen Platzfläche, die als temporä ­ re Bühne nutzbar ist, liegt es eingebettet zwischen Schilfgärten und nutzungsoffenen Rasenflächen an der Schnittstelle der Hauptwegachsen. Aktuell befindet sich an Stelle des Cafés eine Pergola, in welche die öffentliche WC-Anlage integriert ist. Während bei den Befragungen der Gebietsbetreuung in Bezug auf die Nahversorgung fehlende Infrastruk­ turen am Rudolf-Bednar-Park(Eissalon, Beisl, Bäcke­ rei) mehrmals angesprochen wurden, gab es bei den Befragungen vor Ort nur eine diesbezügliche Anmer­ kung unter der Rubrik„fehlt“. Positiv angemerkt wurden mit 3 Nennungen die vor­ handenen Infrastrukturen in Form von WC-Anlagen und Trinkbrunnen. Die Eignung des Parks für Veranstaltungen wurde seit der Eröffnung bereits mehrmals unter Beweis gestellt. Sowohl das Umfeld der Pergola als auch die zentrale Rasenfläche beziehungsweise die Rasenflächen insge ­ samt bieten diesbezüglich eine ausreichend flexible Grundstruktur. 46 RUDOLF-BEDNAR-PARK Analyse und Interpretation Frühlingsfest im Rudolf-Bednar-Park am 17. Mai 2009 Nachbarschaftsfest im Rudolf-Bednar-Park am 1. Juni 2012 47 Analyse und Interpretation RUDOLF-BEDNAR-PARK Hundeproblematik In der Wettbewerbsauslobung war eine Hundezone mit einer Richtgröße von 200 – 300 m 2 gefordert, zur Ausführung kam eine zweigeteilte Hundezone in der Randzone zum Straßenraum mit einer Gesamtgröße von ca. 350 m 2 . Im Zuge der Beobachtungen wurden im Park dop­ pelt so viele Hunde angetroffen als in der Hundezone selbst. Während die Hundezone bei fünf von insgesamt achtzehn Beobachtungsdurchgängen unbenützt war, wurden in den diversen Rasenflächen, aber auch in den Quartiersgärten, immer wieder Hunde, zum Teil auch ohne Leine, ausgeführt. Hunde sowie Hundekot in den Rasenflächen wurden bei den Befragungen vor Ort nach dem fehlenden Schatten am häufigsten als„störend“ empfunden, wobei vor allem Personen mit Kindern beziehungs­ weise die Kinder selbst dieses Thema ansprachen. Diesbezüglich ausgetragene Konflikte wurden jedoch nicht erwähnt. Auch den Beobachtungen der Parkbe­ treuerInnen zufolge haben sich die Probleme mit frei­ laufenden Hunden im Laufe dieses Jahres verschärft. In diesem Zusammenhang hat Herr Friedl Sperk, Lei­ ter des Jugendzentrums Mex Treff, in einem Interview darauf hingewiesen, dass die brachliegenden Flächen des Bahnhofsgeländes sehr gerne von Hundebesitze­ rInnen aufgesucht werden und dass mit zunehmender Bebauung dieser Flächen einerseits die Zahl der Hun­ de steigen wird und andererseits die als Hundeauslauf nutzbaren Flächen zurückgehen. Diesem Umstand ist durch entsprechende Maßnah­ men im Stadterweiterungsgebiet Rechnung zu tragen, will man vermeiden, dass die„Hundeproblematik“ im Rudolf-Bednar-Park in absehbarer Zukunft eskaliert. 48 RUDOLF-BEDNAR-PARK Analyse und Interpretation Kleine Rasenfreiheit Nord Wartung – Pflege Schilfgärten Bereits in den Stellungnahmen der Magistratsdienst­ stellen im Rahmen der Vorprüfung wurde auf den ho ­ hen Erhaltungsaufwand für die Wasserbecken hinge­ wiesen. Das Preisgericht selbst bezeichnete in seiner Bewertung die Schilfgärten als„modisch“. Im Zeitraum der Beobachtungen vor Ort von Mitte Juni bis Ende September waren die naturgemäß zu erwartenden Anreicherungen von organischem Ma­ terial und die damit verbundene Algenbildung zu be­ obachten, auch anorganisches Material(Abfall) wurde immer wieder beobachtet. Eines der Wasserbecken nördlich der Pergola war während des gesamten Be­ obachtungszeitraumes mit einem Bauzaun abgesperrt. Wie weit die vorgesehene Wasserumwälzung im Be­ trieb auch stattfindet, wurde nicht untersucht. Im Rahmen der Informationsveranstaltung zu den aktuellen Entwicklungen und Planungen am Nord­ bahnhof am 18.1.2011 wurde von anwesenden BürgerInnen aufgrund des Laichvorkommens der Wechselkröte(streng geschützte Art gemäß Wie­ ner Naturschutzverordnung) die Umgestaltung der Wasserbecken angeregt. Dem ist entgegenzuhalten, dass die in der zentra­ len Erschließungsachse gelegenen Schilfgärten ganz entscheidend das Erscheinungsbild des Rudolf-Bed­ nar-Parks prägen und dass durch die alternierende Anordnung von Wasserbecken und befestigten Flä­ chen aus der Hauptwegachse eine vielseitig nutzbare Zone entsteht. Wasserbecken 49 Analyse und Interpretation RUDOLF-BEDNAR-PARK Sowohl in den Befragungen vor Ort, als auch in der Befragung der Gebietsbetreuung wurden die Schilfgärten und Wasserelemente auf die Frage, was im Park gefällt, mehrfach dezidiert angesprochen, wo­ hingegen kritische Anmerkungen in Bezug auf die Wasserbecken nicht geäußert wurden. Die im Zuge der teilnehmenden Beobachtung erhobene, durchaus kreative Nutzung der Wasserbecken, vor allem durch Kinder, unterstreicht, allen Sicherheits- und Hygienebedenken zum Trotz, deren Stellenwert im Gesamt­ gefüge des Parks. Fehlender Schatten wurde am häufigsten als„stö ­ rend“ empfunden, wobei vor allem Personen mit Kin­ dern beziehungsweise die Kinder selbst dieses The­ ma ansprachen, diesbezüglich ausgetragene Konflikte wurden jedoch nicht erwähnt. Sauberkeit – Müll im Park Die Beurteilung der Sauberkeit im Park im Zuge der teilnehmenden Beobachtungen war stark schwan­ kend, von„sehr sauber“ über„vereinzelt Abfall“ bis „relativ viel Abfall“. Vor allem in den Randzonen, Quartiersgärten, Heckenbereichen und in den Was ­ serbecken wurden an zwei von neun Beobachtungs­ tagen größere Müllmengen vorgefunden. In den Befragungen vor Ort hatte das Thema Sauber­ keit keinen besonders hohen Stellenwert. Vereinzelt wurde die Sauberkeit im Park als positiv angemerkt oder aber auch der Abfall, vor allem in der Früh, als störend empfunden, wobei auch vermerkt wurde, dass der Abfall relativ schnell wieder beseitigt wird. Dies deckte sich auch mit den Beobachtungen vor Ort. Auffällig waren in diesem Zusammenhang die Zigaret­ tenstummel im Park. Nur beim Kleinkinderspielplatz und in der Hundezone werden Ascher angeboten. Die Nachrüstung mit Aschern in den von Rauche­ rInnen bevorzugten Bereichen, insbesondere in den Quartiersgärten, wird angeregt. Inwieweit die verstärkten Müllmengen mit spezifi ­ schen NutzerInnengruppen oder Zeiten(beispiels­ weise nächtliche Aktivitäten im Park) zusammenhän­ gen, kann hier nicht beurteilt werden. Die Anregung der Gebietsbetreuung, den Park durch WasteWat­ cher zu betreuen, erscheint überlegenswert. RadfahrerInnen im Park Das Verkehrskonzept des Städtebaulichen Leitbildes Nordbahnhof(1994) sieht in der Achse Radingerstra­ ße/Leystraße eine Radwegführung durch den Park vor. Im kooperativen Verfahren wurde vor allem im Hin ­ blick auf die Sicherheit der ParkbenutzerInnen relativ rasch ein Konsens darüber erzielt, dass übergeordne­ te Radwegverbindungen im verkehrsberuhigten Stra­ ßenraum verlaufen und nicht durch den Park geführt werden sollten. Von der Ausweisung eines Radweges durch den Park wurde abgesehen. Im Beobachtungszeitraum wurden sowohl in der be­ festigten Vorzone zum„Wohnen am Park“ als auch in der zentralen Erschließungsachse im Bereich der Schilfgärten zahlreiche RadfahrerInnen registriert. Auch direkt neben den Aufenthaltsbereichen(Bänke, Hängematten, Baumscheibenbänke) abgestellte Fahr­ räder wurden häufig beobachtet. Konflikte in Bezug auf RadfahrerInnen im Park wur ­ den nicht erwähnt, in einem Interview wurde jedoch angemerkt, dass diese zu schnell unterwegs seien. 50 RUDOLF-BEDNAR-PARK Analyse und Interpretation 7 AUSBLICK AUF ZU ERWARTENDE ENTWICKLUNGEN Mit Stand Oktober 2012 sind auf 19 Bauplätzen des Stadtentwicklungsgebietes Nordbahnhof ca. 2.300 Wohneinheiten fertiggestellt und mittlerweile bezo­ gen, daneben wurden 590 Heimeinheiten geschaffen. Geht man davon aus, dass bis 2025 voraussichtlich ins­ gesamt 10.000 Wohneinheiten und 20.000 Arbeits­ plätze inklusive Folgeeinrichtungen am Nordbahn­ hofareal geschaffen sein sollen, wird deutlich, dass sich die Zahl potenzieller NutzerInnen des Rudolf-BednarParks in den nächsten Jahren vervielfachen wird. Hinzu kommt der Umstand, dass die aktuelle„Insel­ lage“ des Stadtentwicklungsgebietes durch drei neue und eine zu öffnende bestehende Unterführung, die die aktuelle Zäsur der gebietsquerenden Bahntrasse brechen, aufgehoben wird und der neue Stadtteil an im Westen angrenzende, mit öffentlichen Grün- und Freiräumen unterversorgte Teile der Leopoldstadt (Volkert- und Alliiertenviertel) prominent angebun ­ den wird. Auch wird über die Leystraße eine hochrangige Wegachse zwischen den nördlich an das Stadterwei­ terungsgebiet angrenzenden Bezirksteilen der Brigit­ tenau und dem Rudolf-Bednar-Park in Wert gesetzt. Richtung Süden soll die Bruno-Marek-Allee das Ge­ biet besser an den Knotenpunkt Praterstern anbin­ den. Zu einer verbesserten Erreichbarkeit des neuen Stadtteils wird auch die künftige Führung einer Stra­ ßenbahnlinie in den Norden des Areals beitragen. Durch diese künftig wesentlich verbesserte Öffnung des Stadtentwicklungsgebietes zu den umliegenden Stadtbereichen wird es auch zu einer deutlichen Er­ weiterung des Einzugsbereichs des Rudolf-BednarParks kommen. Andererseits soll – gemäß den jüngsten Ergebnissen des städtebaulichen Wettbewerbs Nordbahnhof – im Norden des Stadtentwicklungsgebietes ein groß­ zügiger, mehr als 10 ha großer, naturhafter Grünbe­ reich geschaffen werden. Siegerprojekt Städtebaulicher Wettbewerb Nordbahnhof/ Axonometrie(STUDIOVLAY) 51 Ausblick auf zu erwartende Entwicklungen RUDOLF-BEDNAR-PARK Auch im Bereich des Stadtentwicklungsgebietes Nordwestbahnhof soll leitbildgemäß ein ca. 7 ha gro­ ßer öffentlicher, stadtteilbezogener Grünraum ent­ stehen, der im Osten eine prominente Anbindung Richtung Nordbahnhofareal aufweist. Die„Grüne Mitte” am Nordwestbahnhofgelände soll als quartierübergreifender Grünzug auch eine Ver ­ bindung zu den bestehenden Freiraumsystemen der Umgebung herstellen. Der unmittelbar angrenzende Augarten ist ob seiner räumlichen Nähe und seiner vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten an das Freiraum­ system der Grünen Mitte bestmöglich anzubinden. Dabei bietet sich ein keilförmiger bis zur barocken Parkanlage verlaufender Park als Querriegel zur „Grünen Mitte” an. Diese kleinräumige Parkanlage soll künftig den Nord­ bahnhof über den Nordwestbahnhof mit der histori­ schen Parkanlage verbinden. 52 RUDOLF-BEDNAR-PARK Ausblick auf zu erwartende Entwicklungen Luftbildmontage: Grüne Mitte Nordwestbahnhof (ernst niklaus fausch architekten/ Wettbe­ werbsdatenbank der Stadt Wien) Auch sollen auf Basis der vorliegenden Konzeptionen für die Zielgebiete„Prater-Krieau-Messe-Stadion“ und„Waterfront Rechtes Donauufer“ künftig wesent­ liche aufwertende Schritte im Bereich der Freiflächen am Rechten Donauufer auf Höhe des Nordbahnhofs gesetzt werden und die Erreichbarkeit der uferanlie­ genden Erholungsflächen über straßenquerende Ste ­ ge verbessert werden. Auch wird seit längerem über eine fuß- und radläufige Stegverbindung zur nahen Donauinsel diskutiert. Langfristig ist in diesem Sinn – vorausgesetzt die Um­ setzung der oben angeführten Planungsvorhaben – da­ von auszugehen, dass das Freiflächengerüst am Nord ­ bahnhofareal und damit auch der Rudolf-Bednar-Park in ein weitreichendes, großzügiges System öffentlicher Grünflächen und-korridore eingebunden wird. Einerseits wird dadurch die Erreichbarkeit des Rudolf­ Bednar-Parks wesentlich verbessert werden, anderer­ seits für mobile Teile der künftigen BewohnerInnen des Stadtentwicklungsgebietes Nordbahnhof auch die Erreichbarkeit anderer(neu zu schaffender wie beste­ hender) stadtteilbezogener Grünräume wesentlich verbesser t. In dem Sinn ist dem Szenario eines rasanten Anwach­ sens der Zahl der potenziellen NutzerInnen des Ru­ dolf-Bednar-Parks die Perspektive hochwertiger und attraktiv erreichbarer, komplementärer stadtteilbezo­ gener Grün- und Freiräume im engeren Umgebungs­ bereich gegenüberzustellen. Die folgende Luftbildmontage gibt als Ausblick auf die zu erwartenden Entwicklungen im Umfeld des Rudolf-Bednar-Parks einerseits das Wettbewerbs­ projekt für die Entwicklung des Nordwestbahnhofge­ ländes(ernst niklaus fausch architekten), andererseits das Siegerprojekt des städtebaulichen Wettbewerbs für den Nord- bzw. Westbereich des Nordbahnhofs (STUDIOVLAY) in ihrem Raumbezug zueinander und zum Rudolf-Bednar-Park wieder. Beide Projekte zeichnen sich durch großzügige öf­ fentliche Grünflächen aus, die wesentlich zu einer adäquaten Versorgung der Bevölkerung mit stadt ­ teilbezogenen Grünflächen beitragen sollen. Es gilt allerdings an dieser Stelle explizit darauf hinzuweisen, dass hier Wettbewerbsbeiträge mit dem Charakter planerischer Absichtserklärungen abgebildet wer­ den. Es gilt abzuwarten, inwiefern die ambitionierten frei- und grünraumplanerischen Zielvorstellungen im dargelegten Ausmaß schlussendlich eingelöst werden können. In Hinblick auf die dargelegten(aktuellen wie auf­ grund des Fortschreitens der Besiedlung des Nord­ bahnhofareals zu prognostizierenden) Defizite be ­ züglich der Grünflächenversorgung, die nicht durch den Rudolf-Bednar-Park abgedeckt werden können, gilt es jedenfalls eine weitestgehende Umsetzung der angesprochenen grünplanerischen Ziele einzufor­ dern. Luftbildmontage: Siegerprojekt Städtebaulicher Wettbewerb Nordbahnhof (STUDIOVLAY), Siegerprojekt Städtebaulicher Wettbewerb Nordwestbahnhof (ernst niklaus fausch architekten), Rudolf-Bednar-Park 53 Ausblick auf zu erwartende Entwicklungen RUDOLF-BEDNAR-PARK 8 EMPFEHLUNGEN In Hinblick auf die in der Planungsphase akkordierten Ziele für die Gestaltung des Stadtteilparks hat sich im Zuge der Evaluierung herausgestellt, dass der Rudolf-Bednar-Park diese aktuell weitestgehend erfüllt. Die Parkzonierung, die konkreten Nutzungsangebote und deren Verortung haben sich bis dato großteils bewährt Der Park wird von den potenziellen Nut­ zerInnengruppen bei größtenteils hoher Nutzungszu­ friedenheit gut angenommen, wobei der Parkeinzugs­ bereich sich im wesentlichen auf die anliegenden wie umliegenden Wohnquartiere beschränkt. In diesem Sinn gilt es prioritär die bestehenden Qua ­ litäten des Parks wie auch insbesondere die wichtige Tätigkeit der Parkbetreuung langfristig zu sichern. Da ein wesentliches Kriterium der hohen Zufriedenheit der NutzerInnen die Großzügigkeit der vielfältig nutzund bespielbaren Rasenflächen darstellt, erscheinen ergänzende Parkinfrastrukturen beziehungsweise die Schaffung neuer Funktionsbereiche auf Kosten dieser nutzungsoffenen Parkbereiche kontraproduktiv. • Defizite bestehen am Sektor des Angebots an Flächen für das Fußballspiel durch Jugendliche. Als kurzfristiges Ziel ist anzustreben, das aktuell noch nicht ausgeschöpfte Potenzial der„mehrfach genutzten“ Schulsportflächen besser zu nutzen. Eine Öffnung der Schulsportflächen, unabhängig von einer Betreuung durch das Jugendzentrum, ab 17.00 Uhr an Schultagen sowie ganztägig an schulfreien Tagen und an Wochenenden wäre anzustreben. • Qualitative Defizite sind am Kleinkinderspiel platz gegeben. Einerseits werden die vorhandenen Spielangebote nur zum Teil genutzt, andererseits wird die durchgehende Kiesoberfläche seitens der NutzerInnen als staubig und rutschgefährdend kritisiert. In diesem Sinn sollten mittelfristig sowohl die Oberfläche des Kleinkinderspielplatzes als auch das Spielangebot überdacht und optimiert werden. Kurzfristig ist die zu hohe und zu steile Rutsche durch eine auf die Bedürfnisse der Klein­ kinder ausgerichtete Rutsche zu ersetzen. Der Optimierung des Kleinkinderspielplatzes kommt auch aus dem Grund erhöhte Bedeutung zu, da dieser weitaus stärker als erwartet ange­ nommen wird und die wohnungs- und wohn­ gebietsbezogenen Spielangebote im Bereich der umgebenden neuen Siedlungsgebiete die Bedeutung eines adäquaten Kleinkinderspielangebots im Rudolf-Bednar-Park keineswegs in den Hinter­ grund rücken lassen. • Im Bereich der Pergola sowie bei den zwei an die Erschließungsachse(Schilfgärten) angelager­ ten Spielspots wird die Aufstellung von ergänzendem Sitzmobiliar empfohlen. • Da die hainartig gesetzten Bäume im Parkbereich bereits in einigen Jahren das Ausmaß geforder­ ter Schattenbereiche deutlich erhöhen werden, erscheinen diesbezüglich keine weiterführenden Maßnahmen zwingend erforderlich. Gegebenen­ falls zwischenzeitlich zu setzende Maßnahmen, wie etwa die Errichtung von Sonnensegeln, sind nicht nur kostenintensiv, sondern auch nur bedingt vandalismussicher und aus diesem Grund nicht zu empfehlen. • Es sollte versucht werden, durch spezifische Betreuungsangebote weibliche Jugendliche tendenziell verstärkt als Zielgruppe anzusprechen, zumal diese aktuell als Parknutzerinnen unterrepräsen­ tiert sind. • Trotz adäquater Nutzungsangebote sollte auch versucht werden, SeniorInnen als derzeit nur in geringem Ausmaß im Park vertretene NutzerInnengruppe verstärkt anzusprechen. Diesbezüg­ lich ist gegebenenfalls der Kontakt zu Senior­ Innen-Betreuungs- und Serviceeinrichtungen der Umgebung zu suchen. • Hinsichtlich des Themas Sauberkeit im Park ist die Nachrüstung von Aschern, insbesondere im Bereich der Quartiersgärten, zu empfehlen. Auch eine episodische Parkbetreuung durch WasteWatcher ist anzuregen. • Punkto nächtlicher Sicherheit ist auf aktuelle Wartungsdefizite am Sektor Parkbeleuchtung in geeigneter Form(Berichterstattung MA 33) zu reagieren. • Hinsichtlich der Wartung ist auf eine kontinuierliche Kontrolle der Bewässerungseinrichtungen zu achten. 54 RUDOLF-BEDNAR-PARK Empfehlungen Da aktuell an stark frequentierten Tagen im Bereich der Sportflächen und des Kleinkinderspielbereiches die maximal mögliche gleichzeitige NutzerInnenzahl nahezu erreicht ist, kann aufgrund der kommenden Entwicklungen und des rasant wachsenden Einzugs­ gebietes prognostiziert werden, dass die aktuell hohe Nutzungzufriedenheit und weitestgehende Konflikt ­ freiheit der Parknutzung bei deutlich höherer Nut­ zungsfrequenz nicht mehr zu gewährleisten sein wird. Einer vorgezogenen Realisierung der im Nordteil des Nordbahnhofareals geplanten mehr als 10 ha großen, ergänzenden stadtteilbezogenen parkartigen Grün­ fläche kommt aus diesem Grund zentrale Bedeutung zu. Auch die Aufwertung der nahen Freiflächen am rechten Donauufer zu hochwertigen Erholungsräu­ men und deren niveaufreie Anbindung an das Nord­ bahnhofareal stellt in diesem Zusammenhang eine wichtige Forderung dar. 55 Empfehlungen RUDOLF-BEDNAR-PARK Literaturverzeichnis GEBIETSBETREUUNG 2/20(2012): Auswertung Going-Out Rudolf-Bednar-Park. HAGER Giudo/ ALTERMATT Patrick/ POSSET Pascal(2008): Rudolf-Bednar-Park Wien/Vienna. Niggli AG, Zürich. JUGENDZENTRUM MexTreff,„Check den Rudolf-Bednar-Park“, Abschlussberichte 2009, 2010, 2011, Wien. MA 18 – Stadtentwicklung und Stadtplanung(Hg.)(2005): STEP 05, Stadtentwicklungsplan Wien 2005. Wien. MA 18 – Stadtentwicklung und Stadtplanung(Hg.)(2010): Soziale Veränderungsprozesse im Stadtraum. Werkstattbericht Nr. 104. MA 18 – Stadtentwicklung und Stadtplanung(Hg.)(2011): Christian-Broda-Platz, Prozess – AkteurInnen – Nutzung, Evaluierung einer Platzgestaltung. Werkstattbericht Nr. 113. Wien. MA 19 – Architektur und Stadtgestaltung(2005): Errichtung eines Stadtteilparks„Rudolf-Bednar-Park” am ehemaligen Nordbahn­ hofgelände, Ausschreibungstext. MA 19 – Architektur und Stadtgestaltung(Hg.)(2009): freiraumstadtraumwien, Das Wiener Leitbild für den öffentlichen Raum. Wien. MA 21A – Stadtteilplanung und Flächennutzung Innen-West(2005): Empfehlungen aus dem kooperativen Verfahren zum Rudolf-Bednar-Park, interner Bericht. MA 42 – Wiener Stadtgärten, Dezernat 5 – Neues Grün, Gruppe Planung(2011): Wiener Parkleitbild, Richtlinien der Wiener Stadtgärten für die Ausgestaltung von Grünanlagen. ExpertInneninterviews KLEEDORFER Jutta, MA 18, Projektkoordinatorin für Mehrfachnutzung, Telefonkurzinterview 19.9.2012 LINZER Andrea, Parkbetreuerin im Rudolf-Bednar-Park, 15.5.2012 MANN Andrea, KLIESOW Martin, Gebietsbetreuung 2/20, 25.5.2012 SPERK Friedl, Leiter des Jugendzentrums MexTreff, Wien, 15.5.2012, 02.10.2012 WEISS Michael, HEMMELMAYR Martin, MA 33, 26.9.2012 56 RUDOLF-BEDNAR-PARK Literaturverzeichnis Anhang • Planunterlage„Teilnehmende Beobachtung“ • Erhebungsbogen„Teilnehmende Beobachtung“ • Tagesauswertung 1.10.2012: NutzerInnenstatistik • Leitfaden„Aufsuchende ortsbezogene Gespräche“ 57 Anhang RUDOLF-BEDNAR-PARK 58 RUDOLF-BEDNAR-PARK Anhang 59 Anhang RUDOLF-BEDNAR-PARK          60 RUDOLF-BEDNAR-PARK Anhang     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Scooter dreht Runden ANMERKUNGEN Generell Ostteil stärker genutzt als Westteil im Westteil ein Wasserbecken mit Bauzaun gezäunt Passanten nicht konsequent mitgezählt, je mehr sonst zu beobachten war, desto weniger Passanten registriert Passanten:IIIII IIIII IIIII IIIII IIIII IIIII IIIII IIIII IIIII IIIII Fahrräder: IIIII I Passanten mit Skateboard, Kinderwagen, Hund …) Bei Interviews an Arbeitstag mehrere Menschen die Mittagspause machen beobachtet Anhang 65 RUDOLF-BEDNAR-PARK zw. 14.00-18.30 IIIII IIIII II II IIIII II mittag / Abend 21.30 IIIII IIIII I IIIII III III IIIII IIIII IIIII IIII IIIII IIIII II IIII III I Sm (II) Ew+K Ew Rad daneben Ew (IIII) Kinderfahrzeuge daneben Em lesen Ew+Em+KK(II) Jw(x2) tratschen Ew lesen Sw(x2) tratschen Em Ew+KK(x2) jausnen Jw(x3) tratschen HÜmachen K mit Wasser spielen, waten Ew+K(x4) mit Scooter + Räder Sm flanieren zw. Wasserbecken Em+K waten im Wasser K(x2) m. Scooter Runden drehen Ew+H trinkt aus Wasserbecken, badet K(x2) spielen im Wasserbecken in Badehose Em+Km(x2) spielen in und um Becken Wasser holen bei Tr Pergola KK(IIIII) Ball spielen K(IIII) Ball spielen Passanten: IIIII IIIII IIIII IIIII IIIII IIIII IIII Fahrräder: III Ew(x2)+KK+K KK(x2) spielen im Wasserbecken Ew+H Em+H läuft durch Wasserbecken Ew(x2)+Em(x2) sitzen stehen Ew+H läuft durch Wasserbecken tratschen Em Abendsonne genießen Ew(III) Abendsonne genießen, lesen Ew(II) Kinder im Park unterwegs Em(x3) sitzen stehen tratschen trinken Ew+Em+KK Sw Passanten: IIIII IIIII IIIII IIIII IIIII IIIII IIIII IIIII IIIII IIII Fahrräder: III Bank neben Bestandsbaum ist Stützpunkt für Mütter der Kinder bei der Parkbetreuung NUTZUNGSEVALUIERUNG RUDOLF BEDNAR PARK LEITFADEN- AUFSUCHENDE ORTSBEZOGENE GESPRÄCHE Datum:…………………………. Uhrzeit: ………………………… Angaben zur Person Wetter, Sonstiges ……………………………………………………………… InterviewerIn: ………………………………………. Interview Nr.: ………. Geschlecht Konstellation (alleine, Gruppe, bestehend aus) Häufigkeit/ Frequenz männlich weiblich Alter ca. Wie oft kommen Sie in den Park? Wie lange bleiben Sie meistens? Wann kommen Sie?(Tageszeiten) Wie kommen Sie meistens hierher? (zu Fuß, mit dem Rad, ÖV ….) Nutzungsaspekte Was machen Sie hier? Welche Bereiche nutzen Sie? Was gefällt Ihnen am Park? Stört Sie etwas im Park? Was? Fehlt Ihnen etwas im Park? Was? Soziale Aspekte Wie gehen die Menschen im Park miteinander um? Gibt es Konflikte mit anderen ParkbesucherInnen? Wenn ja, welche und mit wem? Beziehungen zum Umfeld Welche öffentlichen Plätze/ Parks besuchen Sie sonst noch? Was machen Sie dort? Einzugsgebiet Wo wohnen Sie/ Straße? Herkunftsland? 66 RUDOLF-BEDNAR-PARK Anhang Danke für das Gespräch!