STADTPLANUNC Nr. 26 P-:, , R pilotprojekt „Stadtplanung im Lokairadio" PlclllUllgXI QlllQ sechs Sendungen zu Wiener Stadtplanungsthernen II STADTPLAVUNG WIEN Martin Reishofer Andreas Zinggl planungsradio Pilotprojekt „Stadtplanung im Lokalradio"— sechs Sendungen zu Wiener Stadtplanungsthemen Durchgeführt im Auftrag der MA 53, in Zusammenarbeit mit der MA 21 A Wien, 1999 Eigentatner und Herausgeber: Stadtplanung Wien, Msgistratsabteituag 1$ Fur den Inhak vereine&ordich: Martin Reishofer, Andreas Zinggl Fachliche Betreuung: Redakteur haar Fisclunann MA S3& Dipl--hig. Thomas Technische Kooidhtation: Willibald Böck MA 1$ Madreiter MA 21 A ~ergestaltung: Atelier Utnetkircher / Jankoechek, Wien produktion & Ihuck: Msgistratsabteilung 21 B, Agens Werk Geyer & Reisssr ~ Wien 1999 ISBN: 3-902015O2O lanun sradio werkstattbericht INHALT 1. Ausgangssituation 2. planungsradio — Die Pilotphase 3. planungsradio — Radiomachen 4. planungsradio — Nachlese zu den Pilotsendungen 5. Vorschläge zur weiteren Vorgangsweise 6. Anhang Beispiel für ein Sendungs-Manuskript lanun sradio l. Ausgangssituation werkstattbericht Das Österreichische Regionalradiogesetz macht einiges möglich Nach langer Diskussion wurde im Jahre 1997 das Österreichische Regionalradiogesetz beschlossen und mit l. April 1998 wirksam. Kernpunkt dieses Gesetzes ist die gesetzliche Möglichkeit zur Betreibung privater, terrestrischer Radiostationen, die bislang nur dem ORF vorbehalten war. Unterschieden wurde in Regionalradio&equenzen mit starker erlaubter Sendeleistung und Lokalradio&equenzen mit geringerer technischer Reichweite. Pro Bundesland standen bis zu drei Regionalradiofrequenzen und ein weiteres knappes Dutzend lokaler Frequenzen zur Vergabe. Das Regionalradiogesetz ermöglicht erstmals einen Wettbewerb kommerzieller Radiostationen, der sich vor allem über Werbeeinschaltungen, efßzienter Produktion von Sendungen und entsprechende Finanzierungsreserven vor allem aus dem Hintergrund der Printmedien darstellt. Parallel zur starken Konkurrenz von Privatradios, die sich durch täuschende Ähnlichkeiten auszeichnet (Werbung-Musik-Verkehrsfunk) zeichnet sich aber auch eine zweite Tendenz ab. Ein stärkerer lokaler Bezug ist insgesamt festzustellen, das heißt, Themen der unmittelbaren Nachbarschaft werden nun vermehrt über das Medium Radio behandelt. Ein Ereignis, beispielsweise im Stadtteil Salzburg/Gnigl, wird nun eher als „sendewürdig„erachtet als noch vor Wirksamkeit des Gesetzes. Eine bundesweite Relevanz' muß nun nicht mehr gegeben sein. Der Name Gnigl kann in der Salzburger Umgebung als bekannt erachtet werden, ohne über den Äther erklären zu müssen, daß es sich hier um einen Stadtteil handelt. Im Zuge der Liberalisierung sind, wenn auch nur vereinzelt, einige nichtkommerzielle Radiosender entstanden, so zum BeispielPo (&eies Radio Oberösterreich), Radio Stephansdom oder orange 94. 0 das Peie Radio in Wien. Diese können im großen Wettbewerb der kommerziellen Privatradios zwar nicht mitspielen, stellen aber gerade weil sie in der Konkurrenz um Werbeeinnahmen nicht teilnehmen, einen wesentlichen Bestandteil in der Programmvielfalt dar. Die Diversißkation des angeboten Gesamtprogramms zeigt sich also nicht nur in Form des stärkeren Lokalbezugs, sondern generell inhaltlich. Regionalradiogesetz seit 1. April 199S wirksam Verstiirkter Lokalbezug des angebotenen Programms m5ghch Nicht-kommerzielle, private Radiosender erweitern die Programmvielfalt Die Zeit ist reif für plaeungsradio Die Aufgaben der Stadtplanung haben sich, so wie die Ansprüche der Bewohner an die Stadt auch, geändert. Stadtplanung stellt sich heute nicht mehr als Generalregulierung dar, sondern als Moderation. Die Entwicklung von Stadtgebieten erfolgt nicht mehr über kostenintensive Großprojekte, die möglichst alle Bedürfhisse in vorausschauender Weise abzudecken versuchen. Zunehmend wird versucht, ein gutes Klima für private Investoren zu schaffen und mittels der In&astruktur private Interessen mit dem Allgemeinwohl in Einklang zu bringen. Positiv ') ausgenommen der Landesebene innerhalb des ORF Programmes 02 Stadtplanung ist nicht mehr „Generalregulierung", sondern Moderation lanun sradio werkstattbericht ~eize ausgedrückt hieße das:, zur Selbstorganisation statt von A bis Z durchgeplante Beglückung der Bewohner", Kritiker behaupten, dies wäre ein, kapitulieren vor den mächtigen Akteuren der freien Marktwirtschaft". Ein wesentliches Merkmal in der Planungsphilosophie der letzten Jahre ist zweifellos und das nicht nur in Wien eine verstärkte Zuwendung der Stadtplanung an die Benutzer der Stadt. Die häufigere Verwendung des Begriffes „Soziale Stadtentwicklung" ist ein Indiz für die zunehmende direkte Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen der Bewohner. Während vor wenigen Jahren noch Maßnahmen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit oder Integration von Neuzugezogenen kein Thema der Stadtplanung war, gibt es heute derartige Ansätze, wie das Projekt Urban Wien Gürtel Plus belegt. Die Tätigkeitsfelder von Stadtplanern erweitern sich ständig. Erfolgte in der Vergangenheit die vorausschauende Planung des Lebensraumes zu einem großen Teil über Flächenwidmungspläne, die mittels höchstzulässiger Gebäudehöhe oder der entsprechenden Baulandkategorie die Nutzung und damit die Stadtentwicklung zu steuern bestimmt waren, so gesellen sich im Planungsalltag nun zunehmend andere Anforderungen hinzu. Dazu gehören unter anderem Stadtmarketing, Private-PublicPartnership und Gebietsmanagement. Die Miteinbeziehung von Bewohnern in das Planungsgeschehen wird seit Jahrzehnten eingefordert. Zweifellos hat sich auch viel bewegt. Die aktive inhaltliche Auseinandersetzung mit Themen der Stadtplanung hat aber den Kreis von Experten noch kaum verlassen. Auch seitens der Medien werden stadtplanerische Themen lokale Printmedien ausgenommen — eher selten aufgegriffen. Die Präsentation stadtplanerischer Entwürfe beschränkt sich im wesentlichen auf optisch-visuelle Mittel, insbesondere Plandarstellungen, in seltenen Fällen Videoanimationen. Für den seltenen Fall, daß Fernsehen sich stadtplanerischer Themen in inhaltlich anspruchsvoller Form annimmt, muß zumeist ein überregionaler Bezug bestehen, sowie der hohe Kostenaufwand erst einmal gerechtfertigt werden. Ohne entsprechende Thematisierung über Medien kann jedoch kein breitgeführter Diskurs entstehen. Die zunehmende direkte Intervention der Stadtplanung in die Lebensbereiche der Bewohner (Stichwort soziale Stadtentwicklung) erfordert aber auch eine entsprechende Plazierung der Thematik in den Medien. Insbesondere zwei Medien ein altes und ein neues scheinen einen breiten Zugang zu interessierten Benutzern einer Stadt zu ermöglichen, Radio und Internet. Planungsradio nutzt daher zusätzlich das Medium Internet. Zunehmende direkte Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen der Bewohner die Tätigkeitsfelder der Stadtplanung erweitern sich permanent Die zunehmende direkte Intervention der Stadtplanung in die Lebensbereiche der Bewohner erfordert entsprechende Plazierung der Thematik in den Medien lanun sradio werkstattbericht 2. planungsradio — Die Pilotphase Vorgeschichte Die Magistratsabteilung Presseund Informationsdienst der Stadt Wien (MA 53) hatte im Rahmen des nichtkommerziellen Radiosenders orange 94. 0 das freie Radio in Wien Sendezeit zur Verfügung, die ttlöglichst optimal genutzt werden sollte. Bis Ende 1998 stand vorerst wöchentlich eine Sendezeit von einer halben Stunde zur Verfügung. Die MA53 schlug vor diese Sendefläche für radiojournalistisch aufbereitete Stadtplanungsthemen zu nutzen. Diese Chance wurde von der Magistratsabteilung Stadtteilplanung und Flächennutzung Innen-West (MA21 A) aufgegriffen. Im Rahmen eines Pilotversuches von sechs Sendungen sollte in Kooperation mit der MA 53 diese unkonventionelle Möglichkeit, Themen mit für die Stadtplanung neuen Medien zu transportieren, genutzt werden. Im Falle einer Realisierung wurde von der MA 21 zusätzlich gewünscht, daß zu jeder Sendung auch Information in den Stadtplanungsseiten von WienOnline zu finden ist (Text, Bilder, und Audiodatei der jeweiligen Radiosendung). Weiters sollte ein Werkstattbericht (hier vorliegend) zur Nachlese der Sendungsinhalte sowie als eine Art Leitfaden fiir planungsradio erstellt werden. MA $3 forciert Pilotversuch planungsradio auf Radio Orange MA 21 A sieht Chance Stadtplanungsthemen via Radio und lnternetAudiodateien einer interessierten Öffentlichkeit zu vermitteln Ziele Das Ziel von planungsradio ist die Aufbereitung aktueller Wiener Stadtplanungsthemen mit radiojournalistischen Gestaltungsmitteln, um Planungsvorgänge einer interessierten Öffentlichkeit via Radio und Internet zugänglich zu machen. Mit planungsradio sollen Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie aktuelle Stadtplanungsthemen einfach und verständlich aufbereitet werden können, ohne daß sie an Inhaltstiefe verlieren. planungsradio soll einfach und verstlndlich sein, ohne Verlust an inhaltlicher Tiefe Die Sendungen sollen, inhaltlich dicht" (viel Informationsgehalt) mit einem entsprechend hohen Wortanteil gestaltet werden. Um dabei ein aufinerksames Zuhören zu ermöglichen, werden gleichzeitig mit inhaltlichen und akustischen Mitteln dramaturgische Effekte und Spannungsmomente erzeugt. Hoher Informationsgehalt, Spannung durch Dramaturgie Eine ausgewogene Mischung der verschiedenen Wortbeiträge, die ein Thema vielseitig von unterschiedlichen Blickwinkeln aus darstellen, soll Planungsvorgänge in ihrer Komplexität verständlich machen: — Interviews mit Betroffenen — Experteninterviews I — lokale Akteure mit hohem Wissensstand über den jeweiligen Planungsprozeß (z. B. Lokalbetreiber, Sozialarbeiter) — Experteninterviews II — Ebene der, P4acher„(z. B. Stadtplaner und Architekten, Projektentwickler, Förderungsverantwortliche, — Blitzumfrage am Schauplatz (Voxpop) — Moderationstexte — Zitate aus Printmedien Investoren) Ausgewogene Mischung unterschiedlichster Wortbeitrlge lanun sradio werkstattbericht Aufgrund des oft „politischen Sprengstoffes" aktueller Stadtplanungsthemen wurden in den Sendungen der Pilotphase keine Interviews mit Politikern gemacht. Parteipolitische Statements aller im Stadtrat vertretenen Parteien würden aus einer halbstündigen Sendung eine „parteipolitische Diskussion" machen. Dies war nicht Ziel von planungsradio. Vielmehr sollte eine inhaltliche Diskussion abseits von Parteipolitik unterstützt werden. Keine parteipolitischen Statements Zielpublikum Die Sendungen von planungsradio sind auf kein spezielles Zielpublikum zugeschnitten. Mit der Art der Sendungsgestaltung soll Interesse an Stadtplanungsthemen in einem möglichst breiten Spektrum bei allen potentiellen Radiohörern und Internetnutzern geweckt werden. Sowohl „unvorbereitete" zufällige orange 94. 0-Hörer oder Weh-Surfer als auch bewußt zum Sendetermin einschaltende bzw. die Internetseite aufsuchende Hörer sollen mit planungsradio angesprochen werden. Auch Experten oder Zuhörer, die Wiener Stadtplanungsprojekte anderen Medien aufmerksam verfolgen, soll durch die Art akustischen Aufbereitung ein spannender, neuartiger Zugang aktuellen Diskussion von Projekten nähergebracht werden. in der zur Kein spezielles Zielpublikum planungsradio spricht auch „spontane Zuhörer" an Neue impulse auch für interessierte Experten Raumplanung und Radiojournalismus Raumplanung oder hier speziell Stadtplanung eignet sich aufgrund der Vielschichtigkeit ihrer Themen und des sehr breiten Spektrums Betroffener hervorragend Alr radiojournalistische Zwecke. Stadtplanungsprojekte sind meist von interdisziplinären Fragestellungen begleitet, wie z. B. soziale, ökologische, ökonomische, rechtliche, ästhetische, sozioökonomische, technische oder politische Fragestellungen. Es bieten sich dementsprechend viele unterschiedliche Interviewpartner fiir eine Sammlung von O-Tönen an. Darüber hinaus Alhlt sich ein hoher Prozentsatz aller Städter auch als , experten" Alr Stadtplanungsfragen, sodaß zu Planungsthemen sehr schnell ein emotionaler Zugang gefunden wird. Ein zweifacher Vorteil für den Radiomacher: erstens bei der Interviewfiihrung (insbesondere bei Blitzumfragen auf der Straße), zweitens in der zu erwartenden Reaktion vieler Zuhörer (z. B. Erzeugen von Spannung durch Provokation). Ein Beispiel Alr das, ßxpertentum" von Laien ist die Verkehrsplanung: jeder Zusammenbruch auf der Tangente läßt spontan tausende von Verkehrsexperten entstehen, die genau wissen „wie man Stadtverkehr planen müßte ". und sollte, . . . und wer schuld ist, .. . und eine weitere Spur ... oder nein, doch eine Umfahrung im Süden, usw. Vertiefende Beiträge zu Raumund Stadtplanungsthemen wurden in Österreich bisher vor allem in Ö1 des ORF gesendet (z. B. Radiokolleg, Journal-Panorama, Diagonal) und haben daher meist gesamtösterreichischen Bezug. Planungsradio auf orange 94. 0 das Peie Radio in Wien Vielschichtigkeit und interdisziplinärer Charakter von Stadtplanungsprojekten eine hervorragende Voraussetzung für Radiojournalismus Alle sind von Raumund Stadtplanung betroffen erstmals eine Chance für kontinuierliche Radioarbeit über Planungsprojekte mit lokalem Bezug ) die Autoren des vorliegenden Wetkstattberichtes lanun sradio werkstattbericht ermöglicht erstmals kontinuierlich einen sehr lokalen Bezug zu einzelnen Stadtplanungsprojekten in Wien herzustellen. Die ersten sechs Sendungen des Pilotversuches planungsradio wurden im Auftrag der MA 53 (in Kooperation mit der MA 21 A) an Raumplaner mit radiojournalistischer Zusatzausbildung und Erfahrungen im Radiomachen (Ö 1 und Radio 1476) vergeben. Themenauswahl für Sendungen der Pilotphase In der Entwicklungsphase vor dem Start des Pilotprojektes wurden im Rahmen eines Brainstormings der Autoren des vorliegenden Werkstattberichtes nachfolgend angeführte aktuelle Themen der Wiener Stadtplanung als mögliche Sendungsbeiträge aufgegriffen (die Fett hervorgehobenen Sendungstiteln kennzeichnen dabei die im November und Dezember 1998 realisierten Pilotsendungen): ~ Was wird aus der Erdberger Mais? — Schlachthof, Gasometer und Co. ~ Der, ßahnhof Wien" 50 Jahre Zentralbahnhofplanung in Wien ~ URBAN Wien Gürtel Plus — Projekte und Initiativen in einer „Vogelschau„ ~ Die, ßleustadt" auf der Donauplatte ~ Das Wiental Grünverbindung und Verkehrsachse für, Plichtmotorisierte"? ~ Die U-Bahn als Motor der Stadtentwicklung — zum Beispiel Ottakring ~ Wien Mitte Neu — Wiens Antwort auf die „Stronachkugel"? Der Bahnhof Wien Mitte und Planungen für eine Erlebnisund Einkaufswelt ~ Die „Verkehrsinsel" Praterstern ~ Der Schwarzenbergplatz — Städtebaulicher Wettbewerb und Zukunftschancen, ein Platz zu werden ~ Das Comeback des Donaukanals — 17 Kilometer Flußlandschaft inmitten der Stadt Wiens Hochhäuser — Von Matzleinsdorf über den Wienerberg zur Donau, und die City? ~ Beserlparks: Mutationen einer Ur-Wiener Institution ~ Vom Schrebergarten zum Kleingarten zum, Äaus mit Grünstreifen" ~ Der Wiener Waldund Wiesengürtel — eine Konstante oder die Geschichte der Salamitaktik? ~ Das Museumsquartier — Baustelle mit Aussicht! ~ Investoren gesucht: das Messegelände und der Prater ~ Neues Wohnen I: Transdanubien: Weit draußen aber leistbar! ~ Neues Wohnen II: Eigengarten, ein Zauberwort auch im dicht verbauten Stadtgebiet Ermittlung einer Vielfalt möglicher Themen für pluuungsradio lanun sradio werkstattbericht ~ Urban International „Von Aalborg bis Zwickau": Urban Projekte in Europa internationale Urban Konferenz in Wien ß. ~ Die, utofreie Musterstadt" ~ Stadtplanungsvisionen der 50er und 60er Jahre — Was davon ist heute urbane Realität? ~ Schauplatz Hinterhof — ein Spektrum der Nutzungen ~ Gewerbehöfe in Wien — Wo sind sie geblieben? ~ Wohnbauförderung als Instrument der Stadtplanung? ~as ~ Neue im Alten" — der neue Universitätscampus im alten AKH ~ Dezentralisierung im Bereich der Wiener Stadtplanung — was können die Bezirke überhaupt? ~ Industriedenkmäler und Denkmalschutz ~ Immer mehr Autos zahlen Miete: Die, ß'arkpickerl-Bewegung" Wien, zäh aber doch! ~, g)ie Straße der Sieger" — die, Pleue Mariahilferstraße" ~ „Verändert die Stadt" — Porträt Wilhelm Kainrath in lanun sradio werkstattbericht 3. planungsradio Radiomachen Im folgenden Abschnitt sind wichtige Grundkenntnisse, Arbeitsmethoden und Hinweise zum technischen Know-how fur die Produktion von Radiosendungen zusammengestellt. Entscheidend für erfolgreiche Radioarbeit erscheint den Autoren dieses Werkstattberichtes aber weniger die Kenntnis theoretischen Wissens über das, ~diomachen", sondern vielmehr sogenanntes „learning by doing" sowie das Wahrnehmen und Verarbeiten eines juitischen Feedbacks" von Zuhörern, (auch ein wiederholt anhaltendes Gähnen eines sonst munteren Zuhörers ist als deutliche Kritik zu werten). Das nachfolgende alphabetisch geordnete Verzeichnis zeigt häufig verwendete Fachausdrücke bei der Radioarbeit: „learning by doing", mindestens so wichtig wie theoretisches Fachwissen Fachsprache Ablauf: Sendefahrplan, Plan einer Sendung, angefertigt von der Redaktion. der Ablauf enthält Angaben über den oder die Autoren, Beteiligte, Zeitdauer, Reihenfolge der Musiktitel und der Beiträge siehe Beis iel im Anhan Aimo: Atmosphäre — Zusammenwirken von Umgebungsgeräuschen und akustischen Eigenschaften des Aufnahmeortes. Break Unterbrechung eines Musikstückes oder einer Atmo durch Moderation oder einen Beitrag. Fade in/out: hochziehen und runterziehen, einund ausblenden einer Aufnahme, (lauter und leiser werden lassen) durch rasche oder langsame Bewegung eines Reglers. Cali-in: Telefon-Umfrage; Hörer werden aufgefordert telefonisch ihre Meinung zu sagen. Geräusche: Einzelnen Schallquellen klar vom Hörer zuzuordnende Töne, die über den Verursacher Aufschluß geben (z. B. das Einfahren einer U-Bahn in die Station, das Zuschlagen einer Türe). Davon zu unterscheiden sind Atmo und O-Ton. Kreuzblende: Zwei akustische Aufnahmen werden so gemischt, daß die eine ausgeblendet (leiser) wird, während die andere eingeblendet (lauter) wird. Mischen: Eine Sendung wird aus verschiedenen Bestandteilen, (Moderation aus dem Studio, Geräusche vom Band (bzw. Minidisc, o. a. Tonträgern); die Mischung (mix) erfolgt mittels Bandmaschinen oder mit geeigneten Computerprogrammen. Mod: Moderation(-stext); Anund Abmod: Moderation als Anbzw. Absage eines Beitrags oder O-Tons. Musikbett: Musik (vorwiegend Instrumentalmusik) als Unterlage/Hintergrund für Mod oder andere Sprachbeiträge. OTon: Orginalton; Wird vielfach als Sammelbezeichnung Air alle original aufgenommenen (also authentischen ) Tondokumente verwendet, d. h. für Wortaufnahmen, Geräusche, Armo und Musik. Bei einem präziseren Sprachgebrauch (auch im vorliegenden Werkstattbericht) wird der Begriff O-Ton nur Originalaufnahmen von Wort (z. B. Statements, Redeausschnitte, Interviews). Entscheidend ist dabei deren dokumentarischer Charakter. Sendeband: Das Air eine Ausstrahlung bestimmte, fertig geschnittene „Tonband" (heute auch vielfach Minidisc statt Band als Tonträger, z. B. bei planungsradio). lanun sradio werkstattbericht Trockene Mod: Moderation die nicht mit Geräuschen oder Musik unterlegt ist, nur die Stimme des Sprechers ist zu hören. „Trocken" heißt hier auch hallfrei, ohne Raumatmoshäre. Fake: Schwindel; gestellte Aufnahmen die als O-Töne „verkauft" werden (unseriöser Radiojournalismus; bei Planungsradio wurden selbstverständlich keine Fake 's verwendet, ehrlich). ~Unterle en: Einer Aufnahme werden bestimmte akustische „Signete" beigemischt (Geräusche oder Musik, z. B. Statements zu einer Hauptverkehrsstraße unterlegt mit Verkehrslärm). Ver ackun selemente: Kurze akustische Akzente (Geräusche oder Musik, meist mit Wortbeiträgen) kombiniert, die Programmbestandteile ankündigen, abschließen, hervorheben, wiedererkennbar machen; Verpackungselemente bilden das akustische Lay-out einer Sendung oder eines Programmes. Voice over: Übersetzung, die über einen O-Ton gelegt (geblendet, gezogen) wird. Vopo: (lat. „Stimme des Volkes" ), Blitzumfrage an nicht vorinformierte Passanten, meist mit sich immer wiederholender Fragestellung (z. B. „Wieviel kostet ein Meter U-Bahn?" ) am Schauplatz des Themas. Darstellungsund Gestaltungsformen Die Sendungen fiir die Pilotphase von planungsradio wurden aus einer Mischung folgender Darstellungsund Gestaltungsformen konzipiert: ~ Reportage ~ Feature ~ Umfrage ~ O-Ton-Collage Reportage Das Grundprinzip der Reportage ist das Berichten über Situationen und Ereignisse. Als erster Schritt wird die Struktur des Reportageverlaufes entwickelt. Markante Stellen in Sendungsverlauf, wie der Einstieg in das Thema und Ziele der Berichterstattung helfen eine Dramaturgie aufzubauen. Kriterien fur R rta e: 8'ahrhaftigkeit: gründliche Recherche und Vorbereitung Vorstellbarkeit: Szene ins Bild setzen und die Sinne aktivieren Verständlichkeit: Plastisches Sprechen, Bilder, Vergleiche, bekannte Bezugsgrößen, kurze Sätze, präzise Wortwahl, Verbalstil Struktur: Einstieg, Ziel und roter Faden Persönlichkeit: Möglichkeit der subjektiven Darstellung Atmo und Geräusche Kreativität: Wahl des Themas und Komposition der Fakten und Beobachtungen Im nachfolgenden Teil werden Elemente der Darstellungsform Reportage beschrieben, die besonders in Radiobeiträgen über Stadtplanungsthemen eine wichtige Funktion haben: Gründliche Recherche Der Reporter sollte sehr genau über das jeweilige Thema informiert sein, planungsrudio eine Mischung aus Reportage, Feature, Umfrage und O-Ton-Collage 10 laaun sradio werkstattbericht sodaß er seine Beobachtungen richtig einordnen und sprachlich umsetzen kann. Als Informationsgrundlage für planungsradio dienen Studien, Berichte und Artikeln in Fachpublikationen, Artikeln in sonstigen Printmedien und Tageszeitungen, aber auch Gespräche mit Beteiligten vor Ort und nicht verwendetes Interviewmaterial. Vorstellbarkeit Eine gelungene Reportage vermittelt den Zuhörern, ßQno im Kopf". Das Instrument, mit dem der Reporter eine Szene in Bilder umsetzt, ist die Sprache. Sein Wortschatz und die notwendige Sprachgewandtheit sollten Anregungen von allen Sinnesorganen erhalten. Verständlichkeit Plastische S rache Eine bildhafte, plastische Sprache ist wichtige Voraussetzung, um die Phantasie der Zuhörer anzuregen. Die Verwendung bekannter Bezugsgrößen, anstatt abstrakter Zahlen, spielt gerade bei Stadtplanungsthemen eine wichtige Rolle: Die Größe einer Baustelle, einer Liegenschaft oder eines Platzes wird erst durch Vergleiche gut vorstellbar. So wird beispielsweise das Flächenausmaß eines Innenhofs im Areal des alten AKH durch die Beschreibung, maat die Größe eines Fußballfeldes„ für den Zuhörer einfacher vorstellbar, als die Angabe: 7. 500 m*. Zahlen müßten im Kopf des Hörers erst wieder in Bilder umgesetzt werden. Unverzichtbare Zahlen sollten in Beziehung zueinander gesetzt werden. Wenn beispielsweise die Zahl der leerstehenden Wohnungen in einem Stadtviertel von 20 auf 100 angestiegen ist, so hat sich im Sinne der Verwendung einer plastischen Sprache „der Stand leerstehender Wohnungen verfünffacht". Struktur Die Stniktur eines Reportageverlaufes sollte klar sein. Bevor gesprochen wird sollte der Einstieg und das Ziel der Berichterstattung festgelegt werden, um eine Dramaturgie aufbauen zu können. Ein solcher roter Faden hilft den Ablauf einer Reportage zu entwickeln. (Die Sendung planungsradio, ß)ie U3 fährt nach Qttakring — U-Bahn als Motor der Stadtentwicklung" zeigt in einem reportageartigen Teil innerhalb der Sendung folgende Struktur: Einstieg durch heranfahrende U-Bahnzüge und Stationsansage, dann Aussteigen der Fahrgäste, Befragung der Fahrgäste über deren Kenntnisse zur Neubautätigkeit in der Umgebung der U-Bahnstation mit dem Ziel zum Schwerpunkt des Themas der Sendung hinzufbhren). Wichtige Kriterien der Darstellungsform Reportage: gründliche („ Recherche, Vorstellbarkeit Kino im Kopf„ ), Plastische Sprache, Struktur („roter Faden„ ) Plastische Sprache — bei Stadtplan ungsthemen statt abstrakten Zahlen besser Verwendung von allgemein bekannten BezugsgrüBen Feature Diese Gestaltungsart wird selbst unter Radiofachleuten sehr unterschiedlich definiert. Eine mögliche Defmition wäre beispielsweise: eine ästhetisch aufbereitete Darstellung der Wirkhchkeit. Wesentlich erscheint, daß beim Feature der O-Ton nicht pures Dokument, sondern (im Gegensatz zur Dokumentation), P4aterial" für eine Geschichte ist. Das Feature präsentiert also nicht nur O-Tan, sondern verarbeitet ihn, läßt ihn, aufgehen" und vermischt ihn in einem Art, ~tischen Film". Dieser Umstand wurde auch rechtlich berücksichtigt: die „Verwertungsgesellschaft Wort" der Hörfunkund Fernsehautoren hat bereits 1978 beschlossen, daß Darstellungsform Featnre entspricht einem mit Drehbuch gestalteten ~kustischen Film" (Hürbild) 11 lanun sradio werkstattbericht im Feature auch der O-Ton urheberrechtlich eine Leistung des Autors ist. Für den Autor eines Features ist die Atmo ein sehr wichtiger Bestandteil der „Geschichte". Sie ist gleichwertiges Material wie Gespräche und Interviews. Nach einem gestalterischen Kalkül werden beim Feature die gesammelten unterschiedlichen Materialien auf bestimmte, erwünschte Wirkungen hin akustisch zueinander in Beziehung gesetzt. Atmo und Geräusche sind beim Feature oft Hauptin formationsträger Bei einem Feature wird fast nie mit einer Moderation sondern mit Atmo oder O-Tönen begonnen. Die Atmo wird oft als Hauptinformation eingesetzt und Moderation dient nur als Ergänzung (z. B. Baustellenlärm ergänzt nur durch die Wörter, P4useumsquartier, Dezember 1998"). Atmo und Moderation sollten aufeinander abgestimmt werden, eine ausgewogene Abfolge von Geräuschen, Texten, O-Tönen in höchster Qualität und mit dem Inhalt in direktem Kontext stehender Musik ist wesentliches Gestaltungselement eines Features. Für ein Feature wird in der Regel ein deutlich höherer Arbeitsaufwand kalkuliert als fur eine Dokumentation oder eine einfache Reportage. Umfrage und O-Ton-Collage Um&agen werden oft zusammen mit Atmo direkt am Schauplatz aufgenommen. Bei planungsradio wurden zwei Varianten von Um&agen zur Sendungsgestaltung herangezogen: 1. Um&agen in Form von Kurzinterviews, teilweise mit variierender, auf den Interviewpartner abgestimmter Fragestellung zum gleichen Thema. Ziel ist es, in der Sendung eine dichte Abfolge von kurzen Interviews (die Interview&agen werden meist herausgeschnitten) zu einem bestimmten Thema einzubauen, um verschiedene Zugänge oder unterschiedliche Betroffenheit darzustellen und eine Meinungsvielfalt einzuholen. Der Übergang von einem Be&agten zum nächsten wird dabei mit sich wiederholenden Musikstücken, Geräuschen oder mit dazwischen hochgezogener Atmo des Schauplatzes überbrückt. In der Fachsprache wird diese Art einer geschnittenen Um&age auch O-TonCollage genannt. Bei planungsradio wurde beispielsweise in der Sendung J3as neue im Alten — der neue Universitätscampus im alten AKH" eine Umfrage unter den Geschäftsleuten in der Umgebung des neuen Campus als O-Ton Collage zusammengestellt. Ziel war dabei die unterschiedlichen Vorstellungen und Hofinungen der Geschäftsleute hinsichtlich neuer Kundschaft durch Studenten zu ermitteln und darüber hinaus darzustellen, wie sich ein städtebauliches Projekt auf die Umgebung oder sogar auf einen Stadtteil auswirken kann. & Ton-Collage: Zusammenstellung geschnittener kurzer Interviews 2. Blitzumflage an nicht vorinformierte Passanten, auch Vaxpop genannt (iat. , stimme des Volkes" ). Meistens wird die Fragestellung auch im Sendemattmial oft wiederholt, einerseits als Überbrückung zwischen den kurzen, nicht weiter dokumentierten Antworten, anderseits auch um den Zuhörer durch die Wiederholung in ein Thema einztdlihren (z. B. „Wieviel kostet ein Meter U-Bahn?", die Blitzum&age wird ebenfalls meisterrs am Schauplatz der Reportage zusammen mit Atmo aufgenommen. ) Vo~op: Blitzumfrage, meistens mit sich wiederholender, gleichlautender Fragestellung 12 lanuu sradio werkstattbencht Kosten und Fristen Selbstverständlich ist der zeitliche Ablauf ebenso wie der Kostenaufwand nicht bei jeder Sendung gleich hoch. Anhand des nachfolgenden Schemas soll ein typischer Arbeitsablauf dargestellt werden, der eine grobe Schätzung von Kosten (hier in Arbeitsstunden) und Fristen für eine halbstündige Sendung planungsradio ermöglicht. Grundlage dazu waren die Erfahrungen aus der Pilotphase, wobei anzumerken ist, daß aufgrund der eigenen Ausstattung der Produzenten (Aufnahmegeräte, PC und Software) hier keinerlei Kosten hinsichtlich Studiogebühren, Techniker und Benutzung der technischen Geräte verrechnet werden mußten, wie dies sonst üblich ist. ~ FESTLEGUNG DES THEMAS / VORGESPRÄCHE (ca. 2, 5 Stunden) ~ BRAINSTORMING / IDEENSAMLUNG (ca. 5 Stunden) ~ GRUNDLAGENRECHERCHE (ca. 10 Stunden) ~ ROHKONZEPT (ca. 5 Stunden) ~ AUSWAHL DER INTERVIEWPARTNER / VEREINBARUNG DER INTERVIEWTERMINE / ABSTIMMUNG DER INTERVIEWFRAGEN (ca. 5 Stunden) ~ INTERVIEWS (ca. 10 Stunden) ~ AUSWAHL DER O-TÖNE, GESTALTERISCHE MITTEL, TEXTKONZEPTION, MANUSKRIPT (ca. 25 Stunden) ~ SCHNEIDEN VON O-TÖNEN, ATMOS, ETC. (ca. 25 Stunden) ~ TEXTE AUFNEHMEN (ca. 5 Stunden) ~ MISCHUNG (ca. 2, 5 Stunden) ~ SCHLUSSREDAKTION / KÜRZEN, MASTERN, ETC. (ca. 2, 5 Stunden) ÜBERSPIELEN AUF TONTRÄGER UND SENDUNGSABWICKLUNG (ca. 2, 5 Stunden) Summe bzw. Kosten (in Gesamtstundenanzahl): ca. 100 Stunden 3 Wochen vor Sendeterm in 2 Wochen vor Sendetermin 1 Woche vor Sendetermin Sendemöglichkeiten Grundsätzlich eignet sich die für die Pilotphase gewählte Sendemöglichkeit ausgezeichnet für planungsradio. Zum einen weil der nicht-kommerzielle Lokalsender orange 94. 0 dasPeie Radio in lYien fDr den „Transport„der Sendungsinhalte von planungsradio geradezu prädestiniert erscheint, zum anderen weil die Sendeleiste urbn Radio, innerhalb der die Pilotsendungen ausgestrahlt wurden, bereits vor Realisierung des Projektes planungsradio ein entsprechendes (größtenteils dasselbe) Zielpublikum anzusprechen versuchte. Send ungsabvricklung 13 laaun sradio werkstattbericht Darüber hinaus gibt es weitere Sendemöglichkeiten die für planungradio geeignet erscheinen. So zum Beispiel RADIÖ1476, der Mittelwellensender der seitens des ORF gemeinsam mit dem polycollege Stöbergasse betrieben wird. Auch hier findet sich ein offener Zugang, der von planungsradio genutzt werden könnte. RADIÖ1476 ist in einem Umkreis von 800 km zu empfangen. Ein überregionaler Bezug der Sendungsinhalte ist zwar nicht Bedingung, jedoch sinnvoll. Inhaltlich und gestalterisch lehnt sich planungsradio am ehesten dem ORF Sender Öl an, zieht man die Sendemöglichkeiten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in betracht. Hier besteht allerdings kein offener Zugang, dennoch ist nicht auszuschließen, den einen oder anderen Producer Rr ein derartiges Thema begeistern zu können. Denkbar wären Beiträge für die Sendungen Radiokolleg, Diagonal, Journal-Panorama oder Dimensionen. Die Auswahl der Sendungsinhalte obliegt einzig und allein den dafiir zuständigen Mitarbeitern des ORF. Ein überregionaler Bezug ist hier unbedingt erforderlich. 14 lanun sradio werkstattbericht 4. Nachlese zu den Pilotsendungen Sendungsinh alte planun gsradio 1: „URBAN-Wien Gürtel plus" — eine akustische Vogelschau 2:, planun gsradio gas Neue im Alten" der neue Uni-Campus im alten AKH planungsradio 3. „Von Aalborg bis Zwickau" — URBAN-Projekte in Europa planungsradi o 4. „U-Bahn als Motor der Stadtentwicklung" Beispiel Ottakring planungsradi o 5. „Unter der Gürtellinie" — Wiederbelebung der Gürtelmittelzone plan ungsradio 6. , ß)as Museumsquartier wird gebaut" eine Zwischenbilanz Ablauf der Pilotphase — Sendetermine auf orange 94. 0 planungsradio planungsradio planungsradio planungsradio planungsradio planungsradio 1: Samstag, 14. 11. 1998 I 20:00 20:30 Uhr 2: Samstag, 21. 11. 1998 I 20:00 20:30 Uhr 3: Samstag, 28. 11. 1998 I 20:00 20:30 Uhr 4: Samstag, 5. 12. 1998 I 20:00 20:30 Uhr 5: Samstag, 12.12. 1998 / 20:00 20:30 Uhr 6: Samstag, 19. 12. 1998 / 20:00 20:30 Uhr Auf den nachfolgenden Seiten ist jeder Sendung eine kurze, nachlese" gewidmet. Die Nachlese zu den einzelnen Pilotsendungen faßt die wichtigsten Inhalte des „gesendeten Materials" zusammen, und bringt darüber hinaus Zahlen, Fakten und zusätzliche Informationen zum jeweilig diskutierten Thema. Vor allem als schriftliche Ergänzung zu den Pilotsendungen soll mit der Nachlese Information vermittelt werden, die mit radiojournalistischen Mitteln nicht sinnvoll an den Hörer und die Hörerin gebracht werden kann (z. B. umfangreiche Projektdaten oder vollständige Aufzählungen von Projektprogrammen sind meist zu „trocken" bzw. zu wenig „audiogen" für das Medium Radio). Nachlese zu den Pilotsendungen mit Zusatzinformation, Zahlen und Fakten, Zusammenfassung der Sendungsinhaite und Literaturhin weisen 15 lanun sradio werkstattbericht Nachlese zu planungsradio 1: „URBAN-Wien Glrtel plus" — eine akustische Vogelschau Urban. . . (lat. urbanus, städtisch"), weltgewandt und gebildet; charakteristisch für die Stadt; 8"ren. ... . Bundeshauptstadt Österreichs, 419, 9 km', 1,522 Mio. EW. (1990); Gürtel. . . ringförmiger Straßenzug, trennt von Nord bis Süd Innenund Außenbezirke Wiens, ehemals Verteidigungslinie, Plus. . . . . . (Iat. , beehr"'), zuzüglich, positiv, Additionszeichen, Vorteil, Überschuß: Urban-8ien Gürtel Plus Em innovatives Stadterneuerungsprogramm (infrastruktur. Wirtschaft, Wohnen) für das städtische Problemgebiet am West-Gürtel im Rahmen der URBAN-Gemeinschaftsinitiative der Europäischen Union Information zum Thema: URBAN-Gemeinschaftsinitiative der EU Das URBAN-Programm fur städtische Problemgebiete wird im Förderungssystem der EU als „Gemeinschaftsinitiative" bezeichnet. Das bedeutet u. a. , daß sich die Kommission während der Laufzeit ein Mitspracherecht vorbehält und den Austausch zwischen Städten der URBAN-Initiative zwingend vorschreibt. Finanziert werden URBAN-Projekte aus Mitteln des Bundes, des Landes und zweier Fonds: Europäischer Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) und Europäischer Sozialfonds (EFS). Die Vorgaben definieren das Ziel, die Mittel fur konkrete und langfristig wirksame Strukturverbesserungsmaßnahmen einzusetzen. Angestrebt wird eine Kombination aus arbeitsmarktpolitischen, wirtschaftsfördernden und intergrativen Maßnahmen. Als Zielgruppe gelten sozial Schwache in allgemeinen, MigrantInnen, AusländerInnen der zweiten und dritten Generation, und Langzeitarbeitslose im speziellen. Die zur Verfügung stehenden Förderungsmittel stellen angesichts der umfangreichen Aufgaben nur eine Initialzündung dar: es sind entscheidende Anreize um Verbesserungsvorhaben möglichst rasch zu konkretisieren und eine Dynamik zu schaffen, die den Problemgebieten auch längerfristig Impulse verleiht. Finanzieller Anreiz fördert die Entscheidung privater Unternehmen Investitionsrisiko zu übernehmen. Das Wiener URBAN-Gebiet Im gesamten nach EU-Kriterien eingegrenzten URBAN-Gebiet leben etwa 130. 000 Menschen, mehr als ein Drittel davon sind AusländerInnen. Die durchschnittliche Wohnungsgröße, als ein möglicher „Wohlstandsmesser" beträgt 58m' (Wiener Durchschitt: 68 m'). Die Ende des 19 Jhd. um den Gürtel entstandenen Arbeiterwohnquartiere mit hoher Wohnungsdichte und geringem individuellen Wohnraum, waren auch 1991 noch von einem etwa 40%igen Anteil an Substandardwohnungen (kein WC in der Wohnung) gekennzeichnet. Diese vergleichsweise billigen, kleinen Wohnungen werden vor allem von sozial Schwachen, mit meist deutlich unterdurchschnittlichem Ausbildungsniveau gemietet. Die Arbeitslosigkeit ist um mehrere Prozentpunkte höher als im Wiener Durchschitt. Für die vielen kinderreichen Familien der zugezogenen Ausländer fehlt überdies ein ausreichendes Angebot an Grünund Freiraum. Alle diese Faktoren führen im URBAN-Gebiet teilweise zu instabilen sozialen Verhältnissen und sozialen Konflikten. 16 lanun sradio werkstattbericht Das Wiener URBAN-Programm Das Wiener URBAN-Programm ist in Leitprojekte und in Subprojekte gegliedert, die jeweils einer von vier sogenannten Prioritätsachsen zuzurechnen sind. Diese Prioritätsachsen mit unterschiedlichen Schwerpunkten bilden zusammen einen umfassenden Ansatz zur wirtschaitlichen Stabilisierung des Gebietes, zur sozialen Integration seiner Bewohner und zur Schaffung eines bezirksübergreifenden, dynamischen Stadtgebietes. Um die Stadterneurung in Bewegung zu bringen, werden für das URBAN-Programm insgesamt etwa 415 Mio. öS eingesetzt (siehe auch Zahlen und Fakten). Prioritätsachse l -SA UORI: „Sanieren und Arbeit schaffen durch Qualifizieren, Organisieren und Investieren". Konkret sollen mit SAQUORI-Maßnahmen Impulse für neue wirtschaftliche Tätigkeiten und Verbesserungen der In&astrukturen und der Umwelt im URBAN-Gebiet erreicht werden. Prioritätsachse 2 NESKÖFF:, Pleue soziale und kulturelle Öffentlichkeit", gegliedert in zwei Bereiche: erstens Sicherung der Beschäftigung im URBAN-Gebiet und kulturelle Chancengleichheit für etnische Minderheiten, zweitens unterstützende und begleitende Maßnahmen zur Integration am Arbeitsmarkt und in der Gesellschaß im allgemeinen. Prioritätsachse 3 URBION: „Urban Intervention Gürtel West", öffentlichkeitswirksamste Prioritätsachse und Leitprojekt: Die Neugestaltung des Gürtelbereichs, insbesondere der Gürtelmittelzone mit den Gürtelbögen, die Verbesserung der Umwelt und der Infrastruktur sowie die Schaffung neuer Einrichtungen im Bereich Kulturund Sozialwesen. Prioritätsachse 4 PROTECH:, programmanagement, Technische Hilfe". Koordination des Programms und der Projekte, professionelle Progrunmbegleitung in Form eine Monitorings. In diesem Rahmen auch Erfahrungsaustausch mit anderen europäischen Städten. Zahlen und Fakten: Laufzeit des Programms: 1995 bis Ende 1999 URBAN-Gebiet: Teile des 12. , 15. , 16. , und 17. sowie gürtelnahe Bereiche des 6. , 7. , 8. und 9. Bezirks, Einwohner: ca. 130. 000, Wohnnutzfläche je Wohnung: ca. 58 m' (Wiener Durchschitt: ca. 68 m'), Grünfläche (Parkanlage) je Einwohner: ca. l m' (W. D. : ca. 23 m*), Wohnungen ohne WC: ca. 40% (W. D. : ca. 20%) Ausländeranteil ca. 30 % (W. D. : ca. 15 %) Finanzierung des Progriinims: 127 Mio. öS aus Mitteln der EU 83 Mio. öS aus dem Bundes-Budget 127 Mio. öS aus dem Budget des Landes Wien ca. 78 Mio öS aus privaten Quellen Insgesamt sind im Rahmen des Prognumns URBAN-lYien Gürtel Plus etwa 50 eingereichte Projekte bewilligt worden. 17 lanun sradio werkstattbericht Sendungsaufbau ~ Einführung in das Thema mit Textblock über Ziele und Inhalte von URBAN-Wien Gürtel plus. — Atmo vom Schauplatz Gürtel, StraBenmarkt im Urbangebiet Um&age (Voxpop) , sie schon vom Urban Projekt gehört?", Übergang von Straßenumfrage zu einer OTon-Collage mit Expertenmeinungen über die Situation im Urbangebiet (, ~blemat&yse„) und über Inhalte des Projektes, Textblock zum Gesamtrahmen von URBAN-Projekten (Laufzeit, europäische Dimension, etc. ), Aufzählung von Teilprogrammen und Projekten die im Rahmen URBAN-fVien Gürtel plus laufend unterlegt mit Gürtel-Atmo — Ausklang mit Statements von Experten zur „Urbanität". Interviewpartner: Klaus Vatter, Raumplaner, Stadt Wien (Leiter der MA 21A), Thomas Madreiter, Raumplaner, Stadt Wien (MA 21A), Werner Rosinak, Verkehrsplaner und Bauingenieur (Büro Rosinak & Partners), Silja Tillner, Architektin (Atelier Silja Tillner), Wolfgang Pfefferkorn, Landschaftsökologe (Büro Rosinak & Partners), Wolfgang Veit, Raumplaner, Lokalbetreiber und Vereinsobmann (Club International), Manuela Synek und Christa Preining, Sozialarbeiterinnen (, pack on Stage" ), Christoph Kurzmann, Internetcafebetreiber (rhiz) und DJ, und Menschen im Urbangebiet. weiterführende Literatur und Informationsmaterial: Broschüre „Wien Urban", Magistratsdirektion EU-Förderungen, Wien 1998 18 lanun sradio werkstattbericht Nachlese zu planungsradio 2: ~as Neue im Alten" „Das Bauwerk jedoch, in dem diese neue Institution untergebracht wurde, bestand zu diesem Zeitpunkt bereits fast zur Gänze: es wäre i» Sien nie zu einer derart schnellen . .. .. . Etablierung gekommen, wenn die entsprechende Baulichkeit nicht schon vorhanden gewesen ware. Die notwendigen Umbauten betrafen vor allem die innere ltaumaufteilung und konnten mit vergleichsweise bescheidenen Mitteln erfolgen, da der große Baukomplex bereits seit fast einem Jahrhundert ähnlichen Zwecken gedient hatte. Der Kaiser und seine Berater werden es freilich gerne gesehen haben, daß das Allgemeine Krankenhaus der Öffentlichkeit zur Gänze als Neuschöpfung präsentiert wurde". Aus: „Das Alte Allgemeine Krankenhaus in Wien Baugestalt und Baugeschichte; Historie und Geist Universitätscampus Wien", Hellmut Lorenz, Band 1; Holzhausen 1998 »Campus, geschlossenes Hochschulgelände mit sämtlichen Einrichtungen für Forschung, Lehre, Studium, Sport, Erholung, Wohnungen für Studenten und Lehrkräfte; ursprünglich in den USA; dem besseren Kontakt untereinander steht eine gewisse Isolierung der Hochschulangehörigen von der Gesamtgesellschaft gegenüber". Brockhaus-Definition Information zum Thema: Universitätscam us Wien Die Institute der geisteswissenschaftlichen Fakultät hatten bis Oktober 1998 vor allem eines gemeinsam: die weite Streuung der Institute. Irgendwo im 3. Stock des zweiten Hinterhofes einer Gasse und aufgeteilt auf verschiedene Standorte, so daß auch titutsinterne Wegzeiten bis zu einer halben Stunde keine Seltenheit waren, so präsentierte sich die Universität bis jetzt. Mit der Umsiedlung in das Gelände des Alten Allgemeinen Krankenhauses wurde dem ein Ende gesetzt. Alles unter einem Dach ist zudem auch fiir die nächsten Jahrzehnte keine Raumnot zu erwarten, wie sie sich in den letzten Jahrzehnten zugespitzt hat. Einige Institute können heute das dreifache der Fläche nutzen, die vorher zur Verfilgung standen, Synergieeffekte mit den neuen Nachbarn nicht ausgeschlossen. Nicht wie der Vorläufer in den USA, sondern ein neuer Typ Campus (lat. : Feld) ist in Wien Realität geworden. Keine Abschirmung vom restlichen Teil der Gesellschaft sondern mitten hinein in die Stadt wurde der Campus gepflanzt, zugleich Naherholungsfläche für das nähere Wohnumfeld. Eine städtebauliche Lösung, wie sie sonst fast nur nach Katastrophen möglich ist. Zur Geschichte des Alten Allgemeinen Krankenhauses Die Geschichte des Allgemeinen Krankenhauses ist eng mit Kaiser Josef II. verbunden. Er gilt in der breiten Öffentlichkeit als der Erbauer des Spitals. Tatsächlich sind die wesentlichen Bauten allerdings schon eher entstanden. Das oben angeführte Zitat gibt einen Hinweis darauf, daß sich die Aktivitäten seitens Josef II. großteils auf die organisatorische Emeuerungen beschränkten und nur wenige Umbauten erforderlich waren. Als Armenund Invalidenhaus fungierte der Gebäudekomplex schon fast hundert Jahre vor der feierlichen Eröffnung durch Josef II. Im Jahre 1784. Die Ausmaße des Geländes und der wichtigsten Bauten waren da schon im wesentlichen erreicht. 19 lanuu sradio werkstattbericht Von der Idee zum Umbau Die Idee einen Wiener Universitätscampus zu errichten ist zweifellos nicht neu. Genauer gesagt, war es bereits Rudolf IV. , dem Stifter, im Jahre 1365 ein Anliegen gewesen, im Bereich zwischen Hofburg und Schottentor einen Campus zu errichten. Einen ersten Schritt in Richtung Campus hat aber Josef II. mit der Umorganisation des Armenund Invalidenhauses in ein für damalige Verhältnisse hypermodernes Krankenhaus geschaßt. Die tatsächliche Realisierung des Campus wie er sich heute präsentiert geht auf die Schenkung des Geländes der Stadt Wien an die Universität zurück. Nach jahrelangem Tauziehen, beginnend bereits in den 60er Jahren, wurde damit der immer ernsteren Raumnot der Universität ein Ende gesetzt. Als klar wurde, daß durch die Übersiedlung in das neue AKH das Gelände vom Spitalsbetrieb geräumt wird entstanden neben der universitären Nutzung auch andere Ideen. Dabei galt es abzuwägen inwieweit nicht Wohnungen, ein Freibad oder ein Pensionistenheim als sinnvolle Nutzung in Frage kämen, wie es auch in mehreren Beiträgen zum Architektenwettbewerb zum Ausdruck gebracht wurde. Zahlen und Fakten: Fläche des Geländes: 100 000 m2 Kaufpreis der Liegenschaft (symbolisch): ATS 1 . in Worten: ein Schilling Baukosten: ca. ATS l 000 000 000 . in Worten: eine Milliarde Schilling Planungsund Bauzeit: ca. 10 Jahre Planung: ARGE Architekten Altes Allgemeines Krankenhaus Potyka, Kurrent & Zeininger, Frank, Kopper Bauträger: Fa. Edificio Bauträgergesellschaft Eröffnung: Oktober 1998 Im Universtitätscampus untergebrachte Institute: Institut ffiir Afrikanistik Institut für Anglistik und Amerikanistik Institut für Finno-Ugristik Institut für Indologie Institut für Japanologie Institut für Judaistik Institut für Kunstgeschichte Institut für Musikwissenschaft Institut ffiir Orientalistik Institut ffiir Ostund Südeuropaforschung Institut ffiür Romanistik 20 lanun sradio Institut für Sinologie Institut für Slawistik Institut für Tibetologie und Buddhismuskunde Institut für Zeitgeschichte Hirnforschungszentrum (noch in Bau) werkstattbericht Sendungsaufbau Streifzug durch verschiedene Universitätsinstitute mit Statements zum neuen Campus— Beschreibung des Riheren Situation, als die Institute weit voneinander gestreut warenkurze Beschreibung der Planungsgeschichte Feed Back der jetzigen Nutzer zur Architektur Hinterfragung des Campusbegriffes Erste Bilanz zur Belebung des Geländes Auswirkungen auf die Geschäftswelt im Umfeld. Interviewpartner: Klaus Vatter, Leiter der MA 21A, stichprobenartige Auswahl von Angestellten Geschäftsleute aus dem direkten Umfeld der Universitätsinstitute, weiterführende Literatur und Information: Historie und Geist Universitätscampus Wien (Band 1); Herausgeber: Al&ed Ebenbauer / Wolfgang Greisenegger / Kurt Mühlberger; Verlag Holzhausen, Wien 1998 Architektur als Transformation Universitätscampus Wien (Band 2); Herausgeber: Alfred Ebenbauer / Wolfgang Greisenegger / Kurt Mühlberger, Verlag Holzhausen, Wien 1998 Internet: http. //www. univie. ac. at 21 lanun sradio werkstattbericht Nachlese plunungsradto 3: „Von Aalborg bis Zwickau — URBAN-Projekte in Europa" „. .. 1995 Gemeinschaftsinitiative URBAN der Euro äischen Union: . zielt auf die .. Verbesserung der Lebensund Einkommensbedingungen in städtischen Problemvierteln: . die zuständigen Behörden sollen in ihren Bemühungen unterstützt werden, durch Bereitstellung der erforderlichen Einrichtungen wirtschaftliche Tätigkeiten anzuziehen, in der lokalen Bevölkerung ein Elima der Zuversicht zu schaffen tod sie in ein normales wirtschaftliches und soziales Leben einzugliedern". „Die 1933 Charta von Athen: meisten der von uns untersuchten Städte bieten heute ein chaotisches Bild. Sie entsprechen in keiner S'eise ihrer Bestimmung, die wichtigsten .. . biologischen und psychologischen Bedürfnisse ihrer Bewohner zu befriedigen. es ist von großer Richtigkeit, dußj ede Stadt ihr eigenes Programm entwirft und die Gesetze zu dessen .. . Verwirklichung gibt. die Stadt hat die Pflicht, auf geistigem wie materiellem Gebiet sowohl .... die Freiheit des Einzelnen als uuch die Interessen des Gemeinwohls zu sichern, an ulle .. . Dinge und Verhältnisse der Stadt ist der Meßstab des menschlichen unztdegen, Nur durch eine Zusummenurbeit der Spezialisten aller übrigen einschlägigen Gebiete können die Ergebnisse der Sissenschaft wirksam genutzt werden. Der Gang der Ereignisse wird tief . . . beeinflußt durch politische, sozjale und ökonomische Faktoren, ". Information zum Thema: Die Euro äische Umon und ihre Sthdte oder Warum EU-Fördrun en für Stad ebiete" In einer Mitteilung „Wege zur Stadtentwicklung in der Europäischen Union" hat die Kommission 1997 unter anderem folgende Herausforderung für Europas Städte defim~: Die größeren Städte bilden im Bereich der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit die Hauptquelle des Wohlstandes und tragen, gemessen an ihrem Bevölkerung santeil, unverhältnismäßig viel zum regionalen oder nationalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei. Der Anstieg des BIP hatte jedoch ofbnals keine Auswirkungen auf die Arbeitsplätze. Die Städte stehen nun vor der Herausforderung sich ständig an rasche Veränderungen in den Wirtschaftszweigen und anderen Bereichen anpassen zu müssen. Durch die gegenwärtige Entwicklung neuer chaftlicher Möglichkeiten, vor allem in der Ausweitung des Dienstleistungssektors, werden die sozialen und wirtschaftlichen Ungleichheiten zumeist noch verstärkt. Bildungsabschlüsse und der Zugang zum Arbeitsmarkt sind die Hauptfaktoren für eine „Teilung" der städtischen Bevölkerung geworden. Die räumliche Trennung (Segregation) hinsichtlich Beschäftigung, Bildung und geringer Wohnraumqualität, stellt ein soziales Problem dar, das auch die wirtschaftliche Attraktivität der gesamten Stadt beeinträchtigt. Maßnahmen zur Förderung der städtischen Entwicklung werden seitens der EU hauptsächlich durch die Strukturfonds und den Kohäsionsfond finanziert (1994 bis 1999 etwa 170 Milliarden ECU). Die Maßnahmen sollen zu allgemein besser funktionierenden Ballungsräumen beitragen, beispielsweise durch Investitionen in den Öffentlichen Nahverkehr, in die Sanierung verlassener städtischer Grundstücke oder zur Aufbereitung städtischer Abwässer. In den letzten Jahren wurden den sozioökonomischen Auswirkungen der räumlichen Trennung in den Städten im Rahmen der EU-Strukturpolitik zunehmend Betrachtung geschenkt. Zunächst wurden auf Initiative der Kommission Modellvorhaben Air innovative Ansätze in den Städten durchgeffiührt. Diese Erfahrung veranlasste die Kommission 1994, im Rahmen der Strttkturfonds die Gemeinschaftsinitiative URBAN ins Leben zu rufen. URBAN ist mit einem Budget von etwa 850 Mio ECU Air den lanua sradio werkstattbericht Zeitraum 1994 bis 1999 ausgestattet, mit dem in etwa 115 Städten Programme durchgeführt werden, auch in Wien und Graz. Die Gemeinschaftinitiative URBAN der Euro äischen Union Die an der URBAN-Initiative beteiligten Städte bzw. Stadtviertel sind von sehr ähnlichen, schwerwiegenden Problemen betroßen: mangelnde wirtschaftliche Perspektiven, unterdurchschnittliche Einkommensentwicklung und größtenteils eine generell schlechte Lebensqualität. In den Ländern der Europäischen Gemeinschaft gibt es über 100 operationelle Programme und Subprogramme, mit denen versucht wird, die Problemlage städtischer Quartiere zu verbessern. Trotz ähnlicher Ausgangsbedingungen haben die Städte zum Teil sehr unterschiedliche Strategien und Maßnahmen entwickelt, um eine nachhaltige lokale Entwicklung zu forcieren. Um die aktuellen ökonomischen Herausforderungen zu meistern, fördern die Städte im Rahmen der URBAN-Initiative vor allem kleinräumige Wirtschaftsentwicklungen, indem die lokalen ökonomischen Rahmenbedingungen verbessert werden sowie Unternehmensgründer und — gründerinnen und Qualifizierungsinitiativen unterstützt werden. In den Programmen fast aller teilnehmenden Städte spiegelt sich in neuen Nutzungskonzepten auch ein verändertes sozialpolitisches Selbstverständnis wieder: von der Beteiligung der Bürgerbzw. Betroßener bis hin zu lokalen Partnerschaften. (siehe auch als Beispiel Nachlese zu planungsradio l „URBANlabien Gürtel plus "). Internationale Konferenz in Wien und Graz: lm Rahmen des URBAN-Programms der Gemeinschaftinitiative ist auch ein aktiver Erfahrungsund Informationsaustausch zwischen den beteiligten Städten vorgeschrieben. Mit der vom Osterretchischen lYohnbund organisierten Konferenz, initiative Urban— Innovative Impulse fiir die Entwicklung der Städte" am 1. und 2. Oktober 1998 im Wiener Rathaus, wurde seitens Wien europäischen Städten mit URBAN-Programm, genauer den Leitern, Koordinatoren und Mitarbeitern der zahlreichen Projekte und Initiativen sowie Vertretern der Verwaltungen, Gelegenheit zum Informationsund Erfahrungsaustausch gegeben. Bei dieser internationalen Fachtafpng sollten vor allem die beispielhaften Initiativen der Städte hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen und sozialen Efßzienz reflektiert werden. Die Konferenz in Wien war nach folgenden drei Hauptthemen gegliedert: Economy, Empowerment und Projekt — und Ressourcen-Management. Zu jedem dieser Programmschwerpunkte gab es mehrere, paralelle Arbeitsgruppen in denen referiert und anschließend diskutiert wurde: Economy: Technologie und Gründerzentren als Instnnnente der WirtschaftsSrderung Lokale Maßnahmen und kleinräumige WirtschaftsSrderung Rahmenbedingungen zur wirtschaftlichen Belebung Empowennent: Bürgeraktivierung — vom Eigennutz zum Gemeinsinn Die neuen mutifunktionalen Zentren Qualißzierung und lokale Beschäßiymgsinitiativen 23 lanun sradio werkstattbericht Projektund Ressourcenmanagement: Formen des Projektmanagements Vernetzung und Mitteloptimierung Fragen der Bewertung und Efßzienz Abgeschlossen wurde die Wiener URBAN-Konferenz in einer Podiumsdiskussion zum Thema: „URBAN als Herausforderung für die Zukuidt". Alle Papers zu den Referaten, schriftliche Zusammenfassungen der Diskussionen in den Arbeitsgruppen und die Impulse der Teilnehmer der Podiumsdiskussion können in einem Tagungsband (Dokumentation der Internationalen Konferenz am 1. und 2. Oktober in Wien ) sowie im Internet nachgelesen werden (siehe auch weiterführende Literatur und Informationsmaterial zur Nachlese planungsradio 3). Zahlen und Fakten: Etwa 80% der Europäer leben in Stadtgebieten, 60 80% der Arbeitsplätze in Städten der EU liegen im Dienstleistungssektor, 30 40% der gesamten Mittel des Strukturund Kohäsionsfonds der EU fließen in Maßnahmen zur Stadtentwicklung, Zeitraum der Prograinme der URBAN Gemeinschaftsinitiative: 1995 1999, Gesamtbudget: 850 Mio. ECU Durchschnittliche Gebietsgröße: ca. 5, 8 km' Gesamtfläche der URBAN-Gebiete: 680 km* Durchschnittlich betroffene Wohnbevölkerung je URBAN-Gebiet: 27. 000 3ß Betroffene Wohnbevölkerung insgesamt: Mio. Bandbreite der betroffenen Wohnbevölkerung: 1. 500 (Cordoba) bis 230. 000 (Thessaloniki) Durchschnittliche Arbeitslosigkeit in URBAN-Gebiet: ca. 25 % Lokalisierung innerhalb des Stadtgebietes: 20 der Programme betreffen historische Altstadtbereiche, 43 % innerstädtische Gebiete und 37% periphere Stadtgebiete Gebietstypen: 28 % der Prograirune betreffen den Bereich Wohnen, 78 % gemischte Gebiete (Wohnen, Arbeiten, Freizeit, Handel, ... ) und 12 % Industriegebiete. d 3: ~Sd Einleitende Statements zur Bedeutung des Wortes „Urban". Sich wiederholendes , ß-aufband" mit Nennung aller Städte der EU mit URBAN-Programm:, Qalborg, Albacete, Alexandroupolis, Amiens, ... . Textblock zur Entscheidung der Kommission der EU über ein URBAN-Prograrnrn „Wien Gürtel Plus„als Beispiel für den trockenen Hintergrund der Verwaltungund Gesetzestexte. Einführung in das Thema mit Beschreibung der häufigsten Problembereiche europäischer Städte, sowie Zahlen und Fakten zum Thema Leben in den Städten, Ziele und Inhalte der URBANGemeinschaftsinitiative der EU. — Interview mit P. Brodesser: Beschreibung der Gemeinsamen Problemebereiche europäischer Städte: „Wohnsituation, öffentlicher Raum, Verkehrsproblematik. — Textblock zur Förderung. — Interview mit P. Brodesser zur Förderungsschienen der EU, zum möglichst efßzienten Mitteleinsatz, zur 24 laaun sradio werkstattbericht , P'örderphilosophie". — Textblock zum Erfahrungsund Informationsaustausch zwischen „URBAN-Städten" und Interview mit P. Brodesser zur URBAN-Konferenz in Wien. — Einleitender Textblock zur Konferenz — O-Töne von der Konferenz: Referate, Moderation, Diskussion. — Textblock und Interview mit P. Brodesser zur ß. Vielfältigkeit der URBAN-Städte. und den Spezifika einzelner Programme. Ausklang mit, aufband": Volos, Wien, Zaragoza, Zwickau. Intervie artner: Brodesser (Leiter der Magistratsdirektion EU-Förderungen Wien) weiterführende Literatur Informationsmaterial Kontaktadressen: „Community Initiative URBAN — Innovative Impulse für die Entwicklung der Städte, „ Dokumentation der Internationalen Konferenz am 1. und 2. Oktober 1998 in Wien und 3. Oktober in Graz; Hr. S. Gstottner, M. Havel, J. Schott, G. Zill; Wien 1998, ISBN 3-9500955-0-0, Bezugsadresse: Margarete Havel, Wohnbund Wien, Mariahilferstraße 89/30, Tel. 43 1 586 07 99, Fax. 43 1 586 73 50, e-mail: wohnbund@via. at, Intemet: http://ww. wohnbund. at Magistratsdirektion EU-Förderungen, Schlesingerplatz 2 — 4, 1081 Wien, Tel. 4000 82 581, Fax. 4000 99 82 581, e-mail:meu. m ien. v. at 25 lanun sradio werkstattbericht ~ Nachlese plantmgsradio 4: U-Bahn als Motor der Stadtentwicklung Beispiel Ottalaiag" , , Bauboom in Ottakring Der U-Bahn-Bau verändert das Gesicht der Stadt. So wurden durch den Bau der Ul die Eärntner Straße und die Favoritenstraße Fußgängerzonen, und dank der U6 ist die Brigittenau attraktiver geworden. Die U3 hat schon der Landstraße und der Mariahilfer Straße zu einem Modernisierungsschub verholfen. , Nun ist Ottakring an der Reihe. Vor allem rund um die neue U3 Endstelle hat sich vieles verändert". Zitat aus: Sonderheft U3, 24 Stunden für Wien, Wiener Stadtwerke, Dezember 1998. j „Offentliche Verkehrsmittel können stadtzerstö rerisch wirken, wenn sie in unmiäelbarer Nähe der Stationen enen sogenannten Standort-Vorteil schaffen, der entweder dazu führt, daß unorganische Baustrukturen als „Wucherungen„entstehen oder, falls dies im Umfeld der Haltestellen nicht zugelassen wird, die Mieten für Wohnungen soweit etqporschnellen lassen, daß diese Teile der städtischen Gebiete als Wohngebiete unerschwinglich werden. Diese so entstehenden „Eapitalwüsten„der Innenstädte sind die logische Eonsequenz aus dem Zusammenwirken der hohen Geschwindigkeit und der Leistungsfahigkeit hochwertiger öffentlicher Verkehrsmittel". Zitat aus: H. Knoflacher, Zur Harmonie von Stadt und Verkehr — Freiheit vom Zwang zum Autofahren, S. 80, 81; Böhlau Verlag, Wien 1993 Information zum Thema: U-Bahnbau und Stadtentwicklun Der Bau bzw. der Ausbau eines U-Bahnnetzes hat aufgrund der hohen Reisegeschwindigkeit der hohen Frequenz und großen BeSrderungskapazität der U-Bahn, starke Auswirkungen auf das Stadtgefüge, die Stadtentwicklung und dementsprechend auch auf Entscheidungen der Stadtplanung. Im bestehenden System, d. h. so wie heute, stadt funktioniert, bringt jede weitere U-Bahn Station (unter der Annahme einer vorausschauenden, ef5zienten Planung) für relativ viele Bewohner Vorteile hinsichtlich der schnellen Erreichbarkeit der Fahrziele. Besonders für Arbeitsund Ausbildungspendler zwischen Stadtrand und Arbeitsbzw. Ausbildungsplatz wirken sich immer schneller werdende Verkehrsmittel oberflächlich gesehen positiv aus. Ein weiterer Vorteil der Schaffung von Verkehrsmitteln mit hoher Frequenz und Beförderungskapazität liegt in der erst dadurch ermöglichten Umsetzbarkeit von Maßnahmen zur Einschränkung oder Zutückdrängung des motorisierten Individualverkehrs, wie beispielsweise in Wien Atbeitspendlern per, ß'arkpickerl" und , gone" den ÖV zu verordnen (eingeschränkt utn den gar nicht kleinen Anteil von , besitzern" privater Firmestellplätze). Je schneller aber der Stadtverkehr wird, umso gtößer wird die Unausgewogenheit zwischen den Strukturen. Der Ausbau von U-Bahnnetzen verschlingt hohe Summen an Kapital, das B''3 t~UBß ~g 3 ' 3 . 333 sinnvoller in der Finanzierung einer flächeni)aften städtischen Struktur eingesetzt sehen. (siehe auch Zitat von H. Knoflacher in der Einleitung zu Nachlese planungsradio 4). Ud d ~~3 Der Bauboom, so wie oben in der Einleitung in Form eines Zitates einer Broschüre zur Eröffnung des neuen U-Bahn-Teilstückes nach Ottakring beschrieben, war selbst für viele Experten der Stadtplanung in dieser Dimension nicht erwartet worden. Die nachfolgend angeführten Zahlen und Fakten zum Bauboom Ottakring zeichnen, unter Attnahme einer 26 lanun sradio werkstattbericht gewissen Vorstellungskraft des Lesers, ein Bild wie sich Ottakring heute rund um die neue Endstelle der U3 präsentiert. Zahlen und Fakten: U3 und U-Bahn-Bau: Gesamtstreckenlänge Ottakring Erdberg: ca 10, 5 Km, durchschittliche Stationsabstände: 652 Meter, verbundene Bezirke: 16, 14, 15, 7, 6, 1, 3 (ab 2001 auch 11), 17 Stationen, Fahrzeit insgesamt (inkl. Stationsaufenthalte) 20 Minuten, Fahrzeit Ottakring Stephansplatz (inkl. Stationsaufenthalte): 15 Minuten, mit ca. 9, 4 Km drittlängster Tunnel Österreichs, Bauzeit für Streckenverlängerung Johnstraße Ottakring (2. 064 Meter): ca. 5 Jahre, Kosten der Streckenverlängerung Johnstraße Ottakring: 3 Milliarden öS. , (ca. 1, 5 Mio. /m) Bauboom Ottakrin: „Wohnen in der Wendeanlage": 87 geförderte Mietwohnungen, Büros, Geschäftslokale, Gesundheitsund Sozialzentrum, Tiefgarage mit 190 Stellplätzen, , P'orum Thaliastraße" (Areal ehemaliger Tabakfabrik), Umbau des Hauptgebäudes zu einer HTL fiir ca. 1. 500 Schüler und 225 Lehrer, , Personalwohnturm des Krankenanstaltenverbundes", Wohnturm, 22 Stockwerke mit 380 Wohneinheiten 60 Meter hoher, ellipsenartiger weitere Wohnhausanlagen im Umfeld um die Endstelle U3 Ottakring mit insgesamt etwa 570 neue Wohneinheiten (davon etwa 360 geförderte Wohnungen), ein neues Kindertagesheim und eine neue Doppelhauptschule Job-Center Ottakring (Huttengasse 25) mit Beratungsstelle für berufliche Rehabilitation und -AMS-Versicherungsdienste (Eröflnung Frühjahr 1999) Park&Ride Ottakring: Station Kendlerstraße, 665 Stellplätze Freizeitanlage Club Danube: im Gebäude der P&R-Anlage Ottakring, 11. 000 m' mit Fitneß-Center, Gymnastik, Sauna, Badminton, Volleyball, Basketball, Fußball, Tischtennis. Sendungsaufbau Einführung in das Thema mit Textblock zur U-3 Verlängerung nach Ottakring. — U-BahnAtmo Interview bzw. O-Ton-Collage mit Planungsexperterg Blasmusik und O-Töne der EröfRungsfeierlichkeiten, Um&age am Schauplatz U-3 Endstelle (Voxpop) „warum wird hier soviel gebaut'"? und „wissen Sie wieviel 1 Meter U-Bahn kostet'"?, Weitere O-TonCollage mit Expertenmeinungen, Textblock als inhaltliche Ergänzutg U-Bahn-AtmoAusklang mit Statements von Experten zu U-Bahnbau und Stadtplanung. Interviewpartner: Klaus Vatter, Raumplaner, Stadt Wien (Leiter der MA 21A), Manfred Nehrer, Architekt, Thomas Madreiter, Raumplaner (MA 21A), Peter Wünschmann, Verkehrsplaner (MA 18), Besucher der Eröflnungveranstaltung U-Bahnteilabschnittes Johnstraße Ottakring 27 lanun sradio werkstattbericht weiterführende Literatur und Informationsmaterial: Broschüre: „Von der Johnstraße nach Ottakring„Sonderheft U3, 24 Stunden für Wien, Wiener Stadtwerke, Dezember 1998 ,$3ie Arbeiten der Architektengruppe U-Bahn„, Katalog im Ulysses-Verlag, Wien 1998 , pur Harmonie von Stadt und Verkehr — Freiheit vom Zwang zum Autofahren, H. Knoflacher, Böhlau Verlag, Wien 1993 28 lanun sradio werkstattbericht Nachlese planungsradio 5: „Unter der Gürtellinie Schritte zur Wiederbelebung der Gürtelmittelzone" „Ich besuchte fVotruba in seinem Atelier. Zwei Bögen unter dem Viadukt der Stadtbahn waren .. . ihm von der Gemeinde 8'ten als Atelier zugewiesen worden. wenn das 8'etter nicht schlecht war arbeitete er draußen. Anfangs fühlte ich mich von der Nüchternhett der Lokalität und dem Lärm der Züge abgestoßen, aber da es nichts Überflüssiges zu sehen gab, da alles, was immer hier vorhanden war, einen anzog und zählte, fand man rasch in den Ort und spürte, daß er ßas richtig war, er hätte nicht geeigneter sein können". Elias Canetti, in, Augenspiel". Information zum Thema: Entstehun s eschichte Gürtellinie und Stadtbahnbö en Mit einem Gesetz vom 6. Februar 1892 wurde der Bau der Wiener Stadtbahn beschlossen. Die Realisierungsphase gestaltete sich schwierig: Probleme traten insbesondere bei den Grundablösen und bei der Technik auf, auch Anrainerproteste machten die Umsetzung langwierig. Die Vorschläge und Konzepte der Stadtplaner und Architekten, die sich an der Wiener Generalregulierungskonkurrenz von 1892 beteiligt hatten, lieferten nur Detailanregungen. Dem Handelsminister und Kunstfreund Graf Wurmbrand ist es zuzuschreiben, daß der damalige Oberbaurat Professor Otto Wagner als künstlerischer Beirat in die Baukomission berufen wurde. Die Stadtbahn sollte auch äußerlich der Reichshauptstadt würdig sein. Alle Stationen, Brücken usw. sollten einheitlich geprägt sein. Otto Wagner versuchte mit seinem Konzept im Zuge des Baus der Gürtellinie, die bereits damals bestehende städtebauliche Barriere, den sogenannten Linienwalls, der die „Vorstadt" von den „Vororten" trennte, mit gestalterischen Mitteln durchlässig zu machen. Der damalige Zeitgeschmack fand die Bauten aber eher zu bizarr. Im Mai 1898 fand die erste Probefahrt auf der Gürtelund Wientallinie statt. 1899 fuhren bereits täglich durchschittlich etwa 16. 000 Fahrgäste auf der Gürtellinie, die Züge wurden mit Dampf angetrieben. Viele Stadtbahnbögen waren bis in die 30er Jahre offen, zahlreiche Durchgänge schufen Durchlässigkeit zwischen dem inneren und dem äußeren Gürtel und ermöglichten so eine Verbindung zwischen den Bezirken. Im Zuge der zunehmenden Motorisierung im Individualverkehr, des enormen sozialen Wohnbauprogratnms „auf der grünen Wiese" und später auch dem Drang der wohlhabenden sozialen Schichten nicht nur im Sommer am Stadtrand zu wohnen, verkam die einstige, Prachtstraße einer neuen Epoche", die, ringstraße der Proletarier", sukzessive zu einer städtischen Problemzone. Zu gemauerte, verkleisterte und verkommene Stadtbahnbögen waren eine der Folgen. Die bauliche Barriere verstärkte den linearen Durchfahrtscharakter des Verkehrsbandes Gürtel: links und rechts endlose Blechschlangen, in der Mitte die U6-Trasse wie ein Stadtwall. Nur wenige Geschäfte konnten sich in diesem Milieu halten, Investitionen gab es im Zuge des Verfalls so gut wie keine. Neben den negativen Auswirkungen des Niedergangs der Gürteizone auf die lokale wirtschaftliche Entwicklung, waren bzw. sind es vor allem soziale Probleme die dieses Gebiet kennzeichen und das negative Image (Rotlichtmilieu, Verkehrshölle, Verslumung, . .. ) noch verstärken. In den Wohnungen um den Gürtel bleiben die sogenannten, sozial Schwachen" zurück, oder anders ausgedrückt, vor allem die , P4odernisierungsverlierer" und nicht integrierte Migranten und Migrantinnen. 29 lanun sradio werkstattbericht Schritte zur Wiederbelebun der Gürtelmittelzone Im Rahmen des URBAN-Programms Wien Gürtel Plus wurde 1995 eine Initiative zur Neugestaltung der Grünflächen und der Mittelzone samt Gürtelbögen gestartet. Ziel ist es, den Gürtel in mehreren Teilabschnitten auf möglichst vielschichtige Art und Weise zu attraktivieren und ihm eine neue Bestimmung zu geben. Im Vordergrund steht die innovative Nutzung der Stadtbahnbögen, ein Ziel dabei ist die Schaffung einer Jugendund Kulturmeile zwischen Thaliaund Nußdorferstraße. Weitere ergänzende gastronomische und kulturelle Einrichtungen, sowie dazupassende Geschäftslokale sollen zur Belebung dieses jahrzehntelang vernachlässigten Gebietes sorgen. Die ursprüngliche Transparenz im Bereich der Stadtbahnbögen in der Gürtelmittelzone soll wieder hergestellt werden und als wichtiger Impuls fur konkrete Umwandlungen am Gürtel selbst und in seinen angrenzenden Bezirken wirken (siehe auch Nachlese planungsradio l, URBANfVien Gürtel Plus). Die Architektin Silja Tillner hat das städtebauliche und architektonische Konzept zur Wiederbelebung und Neugestaltung der Mittelzone des Westgürtels in Kooperation mit der Magistratsabteilung MA21A (Stadtteilplanung — Flächennutzung), der MA 19 (Architektur und Stadtgestaltung) sowie dem Bundesdenkmalant entwickelt. Dieses Konzept der „Transparenz" konzentriert sich deutlich auf die Auflösung der städtebaulichen Barriere Gürtel und manifestiert sich bereits u. a. in den beiden neuen Gürtelbögenlokalen rhiz und Bogen 72. Nach Bekanntgabe des Potentials an verfügbaren Stadtbahnbögen meldeten sich über 220 Bewerber: das außergewöhnliche Ambiente der alten Ziegelgewölbe einerseits, und die Möglichkeit sich als Promotor einer interessanten neuen Entwicklung und Imageprägung eines bisher noch undefinierten Gebietes zu betätigen, beweist Anziehungskraft. In der Folge wurde eine Kommission zur Vergabe der Stadtbahnbögen eingesetzt, bestehend aus der Architektin Silja Tillner, Vertretern der Stadtplanung Wien und der Wiener Verkehrsbetriebe/Wiener Linien, den Eigentümern dieser „längsten Immobilie Wiens". Nach dem, ß'ahrplan„mit Stand Dezember 1998 sollen bis zum Sommer 1999 zwischen 25 und 30 Stadtbahnbögen neu besiedelt sein. Unter anderem eine amerikanische Breakfastbar, eine Dampfbierbrauerei, ein persisches Kulturrestaurant, eine afghanische Bäckerei, ein Plattengeschäft und eine Barkeeper-Schule. Weitere Projekte der Neugestaltung der Mittelzone im Bereich Westgürtel betreffen vor allem die Grünflächen, Fußund Radwege und die Beleuchtung, voraussichtlich Ende 1999 bei einem Lokalaugenschein vor Ort „ablesbar". Genehmigung zum Bau einer Gürtelstraße anstelle des Linienwalls: Kaiser Franz Joseph Bau der Gürtelstraße: in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts Fertigstellung des Baus der Stadtbahn und der Gürtelbögen: 1901 Durchschnittliche Breite des Gürtels (zwischen den Häuserfronten): 1861 durch 75 Meter Durchschnittliche tägliche Verkehrsbeslastung am Westgürtel im Individualverkehr 1995 (incl. Lieferverkehr): ca. 80. 000 Fahrzeuge pro Tag Fahrspuren am Gürtel, insgesamt in beide Richtungen: 8 (Vergleich Westautobahn: 4 bis 6) 30 lauuu sradio werkstattbericht Repräsentative Umlage von Bewohnern im Gürtelbereich im Jahre 1992/93: 8 von 10 Befragten sehen den Verkehr als größtes Problem. Kosten der sogenannten „Gürtelkommission" fiir Konzepte und Wettbewerbe in den 80er Jahren: 60 Mio. (in der Folge aber keine Realisierung von vorgeschlagenen Großprojekten, etwa 17 km Untertunnelung mit Kosten von etwa 20 Milliarden öS) Budget fiir Projekte im Rahmen von URBAN Wien Gürtel Plus zur Lösung bzw. Verminderung von Problemen in der Gürtelregion: ca. 400 Mio. (davon etwa 127 Mio. aus EU-Töpfen) Im Rahmen von URBAN Wien Gürtel Plus: etwa 220 Antragsteller mit Projekten oder kommerziellen Nutzungsvorschlägen fur einen Gürtelbogen. Seuduugsaufbau Einführung in das Thema mit Textblock, geschichtlicher Rückblick", Konzept von Otto Wagner und heutige Situation am Gürtel. — Roter Faden der Sendung in Form einer Lokaltour durch die neuen Gürtelbögenlokale chelsea, rhiz und bogen 72. — Lokaltour begleitet von Gürtelarchitektin Silja Tillner (interview O-Ton zu Gürtel allgemein, zu Zielen und Inhalte von URBAN Wien Gürtel Plus, insbesondere Prioritätsachse UrbionNeugestaltung des Gürtelbereichs und der Stadtbahnbögen — dazwischen Atmo vom Schauplatz Gürtel, in den Gürtelbögenlokalen, innerer Monolog", Interviews, O-Töne einer Diskussion, Ausklang mit Kurz-Statements zum Thema Gürtel. Interviewpartner: Silja Tillner, Architektin, Atelier Silja Tillner Statements: Werner Rosinak, Verkehrsplaner, Büro Rosinak und Partner Alois Schörghuber, Schriftsteller und Journalist Kristof Kurzmann, Lokalbetreiber Martin Reishofer, Raumplaner und Radiojournalist weiterführende Literatur uad Informationsmaterial: , +er Wiener Gürtel — Wiederentdeckung einer lebendigen Prachtstraße", Madeleine Petrovic, Verlag Christian Brandstätter, Wien 1998 Broschüre „Wien Urban", Magistratsdirektion EU-Förderungen, Wien 1998 J3er Wiener Linienwall, Geschichte und Bedeutung", Bertrand Michael Buchmann, Dissertation, Wien 1974 „Unser Gürtel. morgen. heute. gestern", Robert Krapfenbauer, Rudolf Thron, Kurt Dieman, Wien 1994 , Pleue Urbanität am Gürtel Zukünftig mehr als nur Verkehrsader oder Slum", in: Europaforum Wien (Hrsg. ), Zeitschrift fiir Städtedialog, Heft '/a, Seite 10f, Wien 1996 Internet: http://www. guertel. at 31 lanun sradio werkstattbericht Nachlese zu planungsradio 6: ~as Museumsqnartier wird gebaut" fVenn nun 19N in dem 45. 000m2 großen Areal der ehemaligen Hofstallungen der Bau des „ Museumuiuartters beginnt, so wird an einem der schönsten Standorte das größte Kuiturproj ekt der Republik Österreich realisiert". Laurids Ortner ~is unabhängige Tageszeitung hat die „Krone„die Aufgabe, bei der Gestaltung, Eontrolle und Berichterstattung unseres gesamten Eulturlebens nutzuwirken. Das gilt auch für das Museumsquartier". Hans Dichand Information zum Thema: Das Museums uartier als S ie elbild Seit knapp zwei Jahrzehnten wird an der neuen Nutzung der kaiserlichen Hofstallungen getüftelt. Kaum wo in Österreich lassen sich die Entscheidungsstrukturen so gut ablesen wie am Beispiel Museumsquartier. Die ambitionierten Pläne von Architekten und Kulturschaffenden, die Rolle des Denkmalschutzes, der Einfluß von auflagenstarken Zeitungen und der komplexe Ablauf von politischer Willensbildung sind die wesentlichen Aspekte, die an der äußeren Gestaltung des Museumsquartier klar sichtbar gemacht wurden. Als Symbol dient der Leseturm. Nicht in einem Schlag umgelegt, sondern scheibchenweise auf Null reduziert, kann er nun keine städtebaulich klare Positionierung darstellen. Versteckt hinter der barocken Fassade ist es trotzdem möglich neue und alte Wege der Kunst zu beschreiten. Der langgezogene Planungsprozeß ermöglichte aber Zwischennutzungen, die ohne diesen nicht möglich gewesen wären. Im Sinne der, normativen Kraß des Faktischen„ ist es nun berechtigt zu hoffen, daß diese Zwischennutzungen irgendeinmal nicht mehr wegzudenken sind. Damit führten sich alle jene Anstrengungen ad absurdum, die den Leseturm als Symbol flir eine zeitgemäße Kulturpolitik zu Fall gebracht haben, aber nicht die Software vernichten konnten. Zweifellos wird der Bau des Museumsquartiers nach der Fertigstellung in den Jahren 2000/2001 als Erfolg gefeiert werden. Die Besucherzahlen können jetzt schon als sehr hoch eingeschätzt werden. T isch Museum uartier Die komplexe Planungsgeschichte erinnert frappant an die Entstehungsgeschichte des Gebäudekomplexes. Von der Außragserteilung an Johann Bernhard Fischer von Erlach im Jahre 1716 an, war die Entwicklung durch viele Hindernisse geprägt. Bis knapp nach seinem Tode (1723) konnte gerade die Hauptßont errichtet werden. Beschädigungen im Franzosenkrieg und 30jährige Renovierungsarbeiten, vorsichtige Erweiterungen kennzeichneten das 19. Jahrhundert des Palastes. Nach dem ersten Weltkrieg (1921) wurden die kaiserlichen Hofstallungen mit neuer Software versehen. Die Wiener Internationale Messe fügte dem Komplex ~eitere Bauten hinzu und gab dem nun zweckentfremdeten Komplex zumindest für den Großteil des 20. Jahrhunderts den Namen Messepalast. Die neuerliche Zweckent&emdung als Museumsquartier geht auf erste Initiativen im Jahre 1977 zurück. Überlegungen in Richtung Kapazitätserweiterung der Bundesmuseen lagen damals im Mittelpunkt der Überlegungen. Die Entwicklungsgeschichte der letzten beiden Jahrzehnte ist von unziihligen Verhandlungen und mehrsstufigen Wettbewerben 32 lanun sradio werkstattbericht geprägt. 1990 wird das Projekt von Ortner und Ortner prämiert und zeitgleich die erste Bürgerinitiative gegen den Bau formiert. 1995 fällt die Entscheidung Museumsquartier zu bauen ohne Leseturm. das Zahlen und Fakten: Ofmzieller Baubeginn: 2. April 1998. Fertigstellung der Neubauten: Ende 2000 Fertigstellung der Altbausanierung: Mai 2001 Eigentümer / Gesellschafter: Republik Österreich und Gemeinde Wien Architekten: Ortner und Ortner, Wehdorn, Wien Entwickler: Museumsquartier Errichtungsund Betriebsgesellschaft Fläche: 45. 000 m2 mbH D erzeit im Museumsquartier untergebrachte Einrichtungen: AICA Internationale Gesellschaft der Kunstkritiker / Sektion Österreich, Architektur Zentrum Wien, Basis Wien Kunst, Information und Archiv, BirdLife Österreich / Naturhistorisches Museum, Depot Kunst und Diskussion, Glacis-Beisl Institut fur Kulturwissenschaft / IKW-Kuratorenlehrgänge Institut für Umweltwissenschaften Karstund Höhlenkundliche Abteilung des Naturhistorischen Museums Kindermuseum ZOOM KUNSTHALLE wien im museumsquartier Leopold Museum Privatstiftung Museumsquartier Einrichtungsund Betriebsgesellschaft Österreichischer Naturschutzbund t0 Public Netbase / Media Space! SPRINGERIN hefte Air gegenwartskunst Tabakmuseum Art Cult Center Verband österreichischer Galerien moderner Kunst Verein der Museumsfreunde in Wien Wiener Kindertheater Wiener Operntheater allßl 6: Sendungsaufbau Einßihrung in das Thema durch Baustellenatmo und kurzen Statements zum (vorerst gescheiterten) Tuanlnojekt — Pressezitate zum Thema Museumsquartier Beschreibung des Bauvorhabens, der künftigen Nutzung, der Einbindung in das städtebauliche Umfeld33 lanun sradio werkstattbericht kurze Beschreibung der Planungsgeschichte dargestellt durch Aufzählung sämtlicher Minister und Bürgermeister, die mit der Agenda Museumsquartier vertraut waren und Vorteile der langen Planungsgeschichte (provisorische Nutzungen brachten lebendiges Treiben in das Quartier) Construction Sounds: Veranstaltungen während der BauzeitInformationen zur Baustelle selbst die Idee des Kindermuseums ZOOM im Museumsquartier Einforderung des Leseturms als städtebauliches Zeichen Interviewpartner: Dietmar Steiner, Leiter des Architekturzentrum Wien, Markus Wailand, Journalist, Claudia Haas, Leiterin des Kindermuseum ZOOM, Markus Spiegelfeld, Projektkoordinator bei der Museumsquartier Betriebsgesellschaft mbH Errichtungsund weiterführende Literatur und Informationsmaterial: Zur Sache MUSEUMSQUARTIER, Zeitschrift fiir Kunstund Kulturpolitik, Wien 1995 Internet: http://museumsquartier. t0. or. at lanun sradio werkstattbericht 4. Vorschläge zur weiteren Vorgangsweise Nach Abschluß der Pilotphase stellt sich die Frage, wie ein Dauerbetrieb von Planungsradio aussehen könnte. Sowohl der Sendeplatz (Samstag 20:00 Uhr) als auch die Länge der Sendungen (30 Minuten) erwiesen sich als günstig. Eine Fortsetzung, auch weiterhin mit einem wöchentlichen Rhythmus erscheint sinnvoll, insbesondere hinsichtlich einer möglichen Stammhörerschaft, die sich auf einen kontinuierlichen Sendebetrieb von planungsradio einstellen will. Überlegenswert wäre die Einbeziehung weiterer Radiomacher (z. B. aus der Öl Diagonal-Redaktion), um innerhalb von Planungsradio einen Diskurs und damit eine permanente Verbesserung von planungsradio für den Hörer zu erreichen („best practise"). Die bisherigen Erfahrungen lassen einige zusätzliche Ausbaumöglichkeiten erkennen. Die wichtigsten Punkte sind nachfolgend angeführt: (1) Real Audio über Wien-Online Die durchschnittliche technische Ausstattung von Internet-Benutzern verbessert sich in rasendem Tempo, so daß angenommen werden kann, daß in absehbarer Zeit ein Großteil der Benutzer über die Möglichkeit verfügt, vollständige Sendungen in Form von Audio-Files auf den eigenen PC zu laden. Die Voraussetzungen für ein solches Angebot über Wien-Online wurden bereits in der Pilotphase geprüft. Die Realisierung ist aus technischer Sicht möglich. (2) Gezielte Ankündi Sollte planungsradio in Dauerbetrieb weitergeführt werden, wäre es sinnvoll gezielte Ankündigungen über die geplanten Sendungsinhalte in Lokalund Fachzeitungen unterzubringen. Eine Nutzung des Recherchematerials für redaktionelle Artikel in Printmedien liegt ebenso auf der Hand. (3) inks" in Internet-Seiten Die Internet-Seiten von planungsradio könnten pinks" zu anderen, themenspezifisch verwandten Institutionen bereitstellen, sodaß interessiertes Fachpublikum beispielsweise über die HomePage eines Universitätsinstitutes zu Wien-Online gelangen kann. (4) Stad lanerische Audiothek in der lanun swerkstatt Eine Auswahl von Sendungen kann auf CD gepreßt im Rahmen der Planungswerkstatt eine stadtplanerische Audiothek bilden, die interessierten Besuchern über Hörstationen zur Verfügung gestellt wird. 35 lanun sradio werkstattbericht Anhang 36 lanun sradio A) Beispiel für ein Sendungs-Manuskript werkstattbericht Signation OT OT Text A Text A Musik Text A Text B URBAN VOGELSCHAU Sie hören jetzt Planungsradio .. . . Jingle (0'40") Zeü (ges. ) 0'00' Madreiter: „Man will hier ganz bewußt den Schlagobers . ... nach oben umzuwandeln. „ (0'15") 0 40 „(0'10") Vatter: „das ist eben der Tupfen ... stimmen die Relationen nicht. Steve Reich "City Life" [Track 4] (ca. 0'20") darüber 0'55" ] &051'l Urban Wien Gürtel Plus eine akustische Vogelschau und seine Pro'ekte rund um den Wiener Wes Ortel hoch, darüber ca. 0'10" Gestaltung: Martin Reishofer und Andreas Zinggl über das Urban Programm hoch, darüber 1 7201% I'30" 1 %401'I 1'45" Zu Beginn eine kurze Vorbemerkung. Das Projekt Urban Wien Gürtel Plus ist kein städtebauliches Großprojekt mit abschließendem Erüffnungsspektakel. Vielmehr ist Urban Wien Gürtel Plus ein Programm vieler kleiner Schritte. Ein Mosaik aus arbeitsmarktpolitischen, integrativen und sozialen Initiativen, aber auch wirtschaftsfürdernder Maßnahmen. Da ein zündender Funke, dort eine kleine Intervention um Anreize für die Stadtentwicklung zu schaffen. Ziel ist es eine nachhaltige Verbesserung des städtischen Zusammenlebens in der Gürtelzone zu erreichen. Urban Wien Gürtel Plus ist der Ausdruck eines enormen Gesinnungswandels bei den Wiener Stadtplanern. Noch vor einem Jahrzehnt versuchte man beispielsweise den Verkehrsproblemen in der Gürtelzone dadurch zu begegnen in dem man plante einen milliardenteuren Tunnel für die Autos zu errichten. Heute weiß man, daß dieses Großprojekt die Verkehrsprobleme der Stadt eher verschärft hätte. Urban Wien Gürtel Plus ist also ein Bündel verschiedenster kleiner Projekte, die vor allem die im UrbanGebiet lebende Bevölkerung in den Fokus der Bemühungen rücken. Die Gestaltung diese akustischen Vogelschau orientiert sich daher ganz im Sinne dieser Vielteiligkeit als Collage. Zu Wort kommen: Klaus Vatter, Raumplaner und Senatsrat in der Stadtplanung Wien Thomas Madreiter, ebenfalls Raumplaner in der Wiener Stadtplanung der Verkehrsplaner und Bauingenieur Werner Rosinak Wolfgang Pfefferkorn, Landschaftsükologe Silja Tlilner, Architektin Wolfgang Veit, Raumplaner und Lokalbesitzer am Yppenplatz Manuela Synek und Christa Preining, Sozialarbeiterinnen der Lokalbetreiber und DJ Christoph Kurzmann, der Architekt Manfred Nehrer sowie Menschen im Urban-Gebiet 1~55» 3'30" 37 lanua sradio werkstattbericht Text A Atmo Atmo Atmo VOXPOP OT VOXPOP OT OT VOXPOP OT VOXPOP Atmo OT Atmo OT OT OT VOXPOP OT Atmo OT Atmo OT OT OT VOXPOP OT VOXPOP Atmo die zu Wort kommenden wurden übrigens nach dem Zufallsprinzip ausgewählt. Dies entspricht auch der Gestaltungsidee dieser akustischen Vogelschau. Würden alle Beteiligten und Betroffenen Personen des Urban Projektes auch nur mit einem Satz in diese Collage vertreten sein, müßte an Stunden, vielleicht auch Tage mit dem Zuhören verbringen, bis das letzte Wort gesprochen wäre. So aber spiegelt diese Vogelschau das Wesen des Urban-Projektes wieder. [Musik weg, Atmo Verkehrslärm einblenden] Daß es sich beim Urban-Programm nicht um allseits bekannte, spektakuläre Projekte handelt, war auch bei der spontanen Befragung des großen Mannes und der roßen Frau von der Straße zu hören Verkehrslärm hoch, darüber(ca. 0'10") Straßenbahndurchsa e „Brunnen asse„ Verkehrslärm hoch ca.p'05' „Haben Sie schon von dem Urban Projekt gehört? Na hob i net . . . J . . . nicht als konkretes Pro ekt, nein„ca. p'40" „ca. „Es Pfefferkorn: hat bereits vor einigen Jahren Großprojekte gegeben .. . . . / ... die Dinge in die Tat umzusetzen. p'25" es werden immer wieder Büros eingesetzt . . .. / . . .. weil es sinnlos ist„(0'35") „Es Veit: ist dann ein Planungsprozeß abgelaufen, der wirklich sehr .. .. . / . . . auch auf dem We Freiflächen deutlich ve ßert wedren„ l '05" . Pfefferkorn:, sAlso der Yppenplatz liegt westlich des ... / ... ein nicht immer friktionsfreies litisches Klima 1'Qpse w, Ja nein, also die hygienischen Zustände ... / . . . kann man auch nichts sehen was draus 0'20" Pfefferkorn: „Ein grundsätzliches Problem ist .. . / ... speziell sich um das Verfahren ekümmert haben„p'45" .... und sunst find ich .. / . das Verkommene hat einen großen Charme . .. [Atmo reinziehen) . .. sonst schon in anderen Kulturen 0'20" Verkehrslärm aurblenden, darüber 0'l5" Veit: „Dieses Gebiet, das von der Urban-Förderung .. . . / .. . . . so daß das Milieu im wesentlichen leich eblieben ist. , l '10" Verkehrslärm / U-Bahn aur blenden, darüber 0'10" Madreiter: „Vorrangig zu nennen ist sicher einmal die Behebung .. . / ... die Sanierung des Gürtel, 1'20" „Die Tillner: Hauptaufgabe in Zusammenhang mit .... / .... um eine Verbindung zwischen den Innenund den Außenbezirken zuzulassen. l '10" „ Nehrer:, Sicherlich ist eine Beie .. . / .... sicher eine sitive Sache„p'20" Zu dem Gürtel ro'ekt ... . / .. . . sonst bin ich sehr fbr diese Gütel eschichte 0'20 . ~see lus: mit Senior Plus arheiten wir gmneinsam ... I .. da stall ich mir die Frage oh das wirklich so sinnvoll ist. l'10" „ Straßenbahndurc e Urban Loritz Platz ausblenden, darüber Tillner: „Der ganze Platz war ziemlich ein Chaos ... / .. .. angenehmes Licht über den Platz verteilen. l '20" „ Straßenbahndurch e Josefstädterstraße ausblenden, darüber „p'55" Veit: „also beim Gürtel bin ich zwispältig .. . . / . .. wo für ihr Seelenleben was gutes entsteht. be, ~hrer: „Ich glaube die grundlegenden Probleme . .. / .. . werden glaube ich nicht damit 0'15" Rosinak:, tDie Schadstoftbelastung ist nicht so ein Problem .. / ... wenn man von Wohn ebieten richtte 0'15" „Ich wohn hier, ich arbeite hier .. . / . .. vielleicht mehr P lätze. 0'10" . Rosinäk: „Mit dem Verkehr muß man halt lehen .. / .... an Umweltentlastung möglich„ 0'20" ~ie . Ja das wär eine tolle Sache .. . / . .. wird ein bissl schwieri werden laub ', 0'10" ~Rsjll+: .. Belastungen fIlr die Anrainer . / ... aber sie werdens eh schon wissen. „ Qs IQss Verkehrslärm ausblenden, darüber 4'10" 4'55" 51p5s'I 5s IP11 51 1511 5 5 5 'r s s ös 3p1 'r 7'35" 8'40" 91401 r 10 00 10'45" 11'05" 11'20" 12'30" 12'40" 14'00" 15 10 15'30" 15'50" 1 7'IQQ'r 'I 17'10" 18'30" 18'45" 19'35" 19'50" 20'05" 2Qs 15sr 20'35" 2Q145 s s 20'55" lanun sradio werkstattbericht OT Musik Text A Text B OT OT OT Abmod Ende Vatter: „ich möchte erinnern, daß ... . / .... und alle sind meiner Meinung nach zufrieden damit 1'15" Steve Reich "Ci Life" hoch, darüber Urban Wien Gürtel Plus, genauso lautet der Titel des Förderprogramms, das die Stadterneuerung und Verbesserung der Lebensbedingungen im Problemgebiet rund um den Wiener Wesgürtel zum Ziel hat. Das Programm wurde 1995 gestartet und muß bis Ende des Jahres 1999 abgeschlossen sein. Im EU Förderungsdschungel versteht sich dieses umfassende Programm als Gemeinschaftsinitiative fur städtische Problemgebiete. Derzeit laufen in mehr als 100 europäischen Städten UrbanProgramme. Städtische Problemgebiete manifestieren sich in Wien am deutlichsten in den Gründerzeitvierteln entlang des Gürtels. Besonders in den AuBenbezirken am Westgürtel ist der Anteil an Substandardwohnungen sehr hoch. Ebenfalls hoch ist die Arbeitslosenquote und dementsprechend der Anteil an sogenannten sozial Schwachen. Kaum vorhandene Grünflächen, eine hohe Bebauungsdichte, das Rotlichtmilieu, die Verkehrsbelastung und die mangelhafte Gestaltung des öffentlichen Raumes ergänzen die triste Situation. Natürlich sind andere Grätzl Wiens von Verslummungstendenzen bedroht, etwa im 2. oder im 20. Bezirk Für ein überschaubares, EU gefördertes Urban Programm muBten jedoch Grenzen gezogen werden. Dabei schienen Bezirksteile im Bereich der Gürtelrandzone als homogenes zusammenhängendes Problemgebiet am besten geeignet. Wie bereits erwähnt, das Projekt Urban Wien Gürtel Plus umfaBt eine Vielzahl von mehreren kleineren Teilprojekten. Hören Sie zum AbschluB die Überschriften einiger der zahlreichen Teil ro'ekte die die Bandbreite des Pr rammes wieders i ein. Das Internationale JugendKulturund Bildungszentrum Wien Ökologische Blocksanierung [ Atmo Verkehrslärm langsam einblenden ] Urbane Frauen Nachhaltiges Stadt aus Frauensicht Kunstmeile Gürtel Gewerbeund Solarzentrum SchmelzWohnen, Arbeiten und Leben Come Back Qualifizierung und Arbeitsmarktintegration Quartiermanagement Yppenplatz und Ypp-Aktiv Urbion Oberflächengestaltung der Gürtelmittelzone Neugestaltung und Vermietung der Stadtbahnbögen [ Musik weg, Atmo laitter ] Grätzlarbeit Wilhelmsdorf Kultur und generationsverbindende Initiativen im öffentlichen Raum Balance Integrative Freizeitpädagogische Initiative ZACK ZuschuBaktion für Kleinbetriebe in der Urban Zone SeniorPlusAktivierung und Mitsprache älterer Menschen Ethnische Ökonomie Zusammenarbeitsund Ausbildnngsstätte Wohnrechtsberatung von Ausländern Atmo hoch, we . Kurzmann:, Ich einmal wir sind ... / . . zwischen den Autos zu sitzen. „ s':, . Tillner:, Das einzi e was mir vielleicht ... / . . radikaler die Autos entfernt hätte. „ R Die Stadtiehenmachtfrei die Landluflmachtvielleich esund. „ . Sie hörten Pianun radio . / .. und der M istratsabteilun 53, Mantel ro amm oran e 94. 0 ca4 min 21'05" 22'20" 24'10" 25'25" 25'30" 25'40" 25~45» 26'00" 39