■■ Stadt , Wien Potenzialanalyse Baumpflanzungen und alternative Begrünungsmöglichkeiten im öffentlichen Straßenraum des 3. Wiener Gemeindebezirks Juni 2022 LAND.IN.SICHT Aufgabenstellung Vor dem Hintergrund der Zunahme von Hitzetagen und Tropennächten in Zusammenhang mit dem Klimawandel, der insbesondere im verdichteten Stadtraum zu Belastungen für Menschen aller Altersstufen, besonders von vulnerablen Gruppen wie alte Menschen und chronisch Kranke, sowie für wenig mobile Bevölkerungsgruppen führt, wird seitens der Stadtverwaltungen vermehrt nach Möglichkeiten zur Kleinklimamelioration von Straßenräumen gesucht. Aber auch der gesellschaftliche Trend, den Straßenraum als Lebens‐ und Aufenthaltsraum verstärkt zu nutzen und diesbezüglich Anforderungen an die Organisation und Gestaltung zu stellen, um eine lebenswerte und menschengerechte Stadt zu etablieren, lässt die Öffentliche Hand in Zusammenarbeit mit den BewohnerInnen oft auch unkonventionelle Ideen zur Straßenraumbegrünung entwickeln und umsetzen. Baumpotenzial 1030 So wird auch im 3. Wiener Gemeindebezirk der Versuch unternommen trotz der vergleichsweise beengten Stadtstruktur mit oft schmalen Gassen, Straßenraumbegrünung zu intensivieren, die bisher teils restriktiven Regeln für Gestaltungsmaßnahmen im Straßenraum zu hinterfragen und die Möglichkeit von Baumpflanzungen mit Begleitmaßnahmen und alternativen Begrünungsformen zu forcieren. Schon in Bertolt Brecht s'Geschichten vom Herrn K.' wird die Bedeutung von Bäumen im Wohnumfeld von uns Menschen literarisch eindringlich formuliert: Befragt über sein Verhältnis zur Natur, sagte Herr K.:„Ich würde gern mitunter aus dem Haus tretend ein paar Bäume sehen. Besonders da sie durch ihr der Tages‐ und Jahreszeit entsprechendes Andersaussehen einen so besonderen Grad von Realität erreichen. Auch verwirrt es uns in den Städten mit der Zeit, immer nur Gebrauchsgegenstände zu sehen, Häuser und Bahnen, die unbewohnt leer, unbenutzt sinnlos wären. Unsere eigentümliche Gesellschaftsordnung läßt uns ja auch die Menschen zu solchen Gebrauchsgegenständen zählen, und da haben Bäume wenigstens für mich, der ich kein Schreiner bin, etwas beruhigend Selbständiges, von mir Absehendes, und ich hoffe sogar, sie haben selbst für die Schreiner einiges an sich, was nicht verwertet werden kann.“„Warum fahren Sie, wenn Sie Bäume sehen wollen, nicht einfach manchmal ins Freie?“ fragte man ihn. Herr Keuner antwortete erstaunt:„Ich habe gesagt, ich möchte sie sehen aus dem Hause tretend.“ Positive Wirkungen von Bäumen im Straßenraum: Psychohygienische Funktion für Gesundheit und Wohlbefinden Gestaltungselement und Identifikationsmerkmal Treffpunkt und Kommunikationsort • Beschattung Kühlung Sauerstoffproduktion Verdunstung Transpiration Wasserrückhalt Staubfilter Windkomfort Lärmminderung und Sichtschutz Lebensraum für Pflanzen und Tiere Versickerung Lebensraum für Pflanzen und Tiere Bodenwasserspeicherung Projektgebiet Die gegenständliche Analyse hat zum Ziel, jene Standorte im öffentlichen Straßenraum des dicht verbauten, gründerzeitlich geprägten Gebietes im 3. Wiener Gemeindebezirk zu identifizieren, auf denen Baumpflanzungen unter den nachstehend definierten Rahmenbedingungen möglich sind. Folgendes Projektgebiet wird dabei betrachtet: -­ .. ■ Projektgebiet • .. •• ■ Bezirksgrenze •• Bundestheot er 'le kstiitte Baumpotenzial 1030 Jesuitenwiese P eifer/än de DD.5;GAnlegestelle arina 1/ü!n Ost ur. C ampa9nerreiter9es Amei #,s ~ ~C",1 ~ ~ 't> " ~ -~ <"~ P.,. TownTo 6-~ 't> ~<" ~.,., Erdbuger ~~ Mois TownT, CBo J'.r<" d' Unterer Prater So n Erdber Birk.~nwiese „ '­ 8226 ~~ ,f••• !'a. • ·E• G •• asometer B -s•ß• . ♦ 8rehms1,. 3 Stadtklimaanalyse Lt. Stadtklimauntersuchung Wien aus 2003 weist das Projektgebiet ein sog."Innenstadtklima" mit folgender Ausprägung auf: Innenstadtklima • Versiegelungsgrad:> 70% • Bebauungsstruktur: uneinheitlich strukturierte, aber sehr dichte Bebauung • Nutzung: Dienstleistungen, teilweise Wohnen • Emissionen: überwiegend verkehrliche Emissionen Das Innenstadtklima zeigt die stärksten Veränderungen der Klimaelemente gegenüber dem Freiland: stark erhöhte Temperaturen, sehr geringe nächtliche Abkühlung, geringe relative Feuchte und starke Einschränkung der Durchlüftung bei gleichzeitiger Böigkeit des Windes. Ursachen dafür sind die hoch verdichtete Bebauung mit einem Versiegelungsgrad > 70% und der geringe Grünflächenanteil sowie die zentrale Lage innerhalb des Stadtkörpers. Die Bebauung ist überwiegend höhergeschossig(> 3 Ge‐ schosse), zum Teil treten extreme Bauhöhenunterschiede auf und es finden sich zahlreiche Straßenschluchten. Ein weiteres wichtiges Kennzeichen ist die hohe lufthygienische Belastung, wobei als Hauptemissionsquelle der Autoverkehr zu nennen ist. Das Innenstadtklima ist insgesamt als stark belastend für den Menschen einzustufen. In den vergangenen Jahrzehnten haben sich in den Innenstädten zudem verschiedene stadtklimatologisch relevante Veränderungen ergeben. Einerseits hat sich die Emissionssituation teilweise erheblich verbessert(durch technische Verbesserungen beim Hausbrand und Reduzierung der Emissionen des Individualverkehrs). Andererseits hat sich das thermische Gefüge bzw. die Belüftungssituation teilweise verschlechtert(durch Nachverdichtung in der Stadt und baulichen Erweiterungen am Stadtrand). Baumpotenzial 1030 STADTKLIMAANALYSE WIEN 2020 KLIMAANALYSEKARTE Thllrmisct1aKompo1111me: ~"':'::"!:~~-= ,..,_~,eoi-llooli1i.lllllll' ocle,our•.---t ~ !.t~6tlil--­ _.,,,W.0.~hl-,IJ--~-~ . . . ~ .................. ~-i,c.e.~•--........ ,11:1_1___ ,.,.._ ~~ t.....,.So-,... .,-er1._ .W-(1,W~ _____ , ..... ... ,_ . , .... -., ~ =-r=--==• ~~ =~:-..=-,.~1;~-C IMo,1-"I --.,...,,_BoN.or'!l~"'sv-"i ==::.~~ ... wao~ ...__....,.,.a.,mi..., ~• uo-.11111.Jot1',11,.,,...,..a;i_...i~~r ICI•----•~ i...-,....... 11--...~•-)!i.,_Gum:,,__ ..,._,__.,.""_..._....____ _..,.. u.n1.i,o&.ohN...,_..,._,,,____ ...,._,__ nJC,..~--,,_....,... ,_______ .nl....__ .___ ....____ ___ ...,~ f'E"T_ ..... ~llq J f e~erQ. K lblg. t,;;• -\'li rvic - rnun Tr. be!.g.--!? lalldstr. G r!e,f ~ S