H T e i v t iz e k l örperverstärker Untertitel 24pt. Zeilenabstand 30pt zur Senkung der Vorlauftemperatur am Beispiel Alterlaa Studienbericht Studie von Coptimizer, IBR&I Institute of Building Research& Innovation und wohnbund:consult im Auftrag der Abteilung Energieplanung der Stadt Wien Veröffentlichung im Sinne des§ 4 IFG Zusammenfassung In Wien gibt es derzeit rund eine Million Haushalte 1 , von denen etwa die Hälfte 2 noch mit fossilen Energieträgern wie Gas oder Öl beheizt wird. Um das Ziel des Wiener Klimafahrplans zu erreichen, bis 2040 Klimaneutralität im Gebäudebereich zu erzielen, müssen diese fossilen Heizsysteme schrittweise durch klimafreundliche Alternativen ersetzt werden. Neben der Fernwärme spielen dabei vor allem Wärmepumpenanlagen eine zentrale Rolle, denn sie gewinnen Wärme aus der Umgebung, können mit erneuerbarem Strom betrieben werden und verursachen so keine direkten CO ₂ -Emissionen. Mit der Initiative„100 Projekte Raus aus Gas“ setzt die Stadt Wien gezielt Maßnahmen, um den Ausstieg aus fossilen Heizsystemen voranzutreiben. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass insbesondere in Bestandsgebäuden technische Herausforderungen bestehen – etwa beim Zusammenspiel moderner Wärmepumpen mit bestehenden Heizkörpern. Oft sind die Heizkörper für die Anwendung mit Wärmepumpen zu klein dimensioniert und müssen deshalb getauscht werden. Eine günstigere, schnellere und vor allem sauberere Alternative bieten Heizkörperverstärker, welche die Wärmeabgabe von Heizkörpern steigern und so den aufwendigeren Heizkörpertausch umgehen. Zur Erfüllung dieser Anforderungen wurde das noch in Entwicklung befindliche„ Coptimizer“ System erstmalig getestet. Dieser spezielle Heizkörperverstärker ist energieautark, kommt also ohne externe Stromquelle aus, und wurde in den letzten zwei Jahren bis zur Marktreife weiterentwickelt. Das wesentliche Ziel der Untersuchung war es herauszufinden, ob durch den Einsatz dieser technischen Innovation die Vorlauftemperatur – also die Temperatur, mit der die Heizkörper betrieben werden – um 5 Kelvin(K) 3 gesenkt werden kann, ohne dabei die thermische Behaglichkeit der Bewohner*innen zu beeinträchtigen. Darüber hinaus wurden die Auswirkungen einer Senkung der Vorlauftemperatur auf die Wärmeleistung der Heizkörper und auf die internen Verluste des Systems untersucht. Aufgrund der baulichen Gegebenheiten sowie guter Vergleichbarkeit wurden für das Projekt zwei Türme im Wohnpark Alterlaa in Wien herangezogen. Dafür wurde in einem Testturm in 85 Wohnungen und an über 350 Heizkörpern der Heizkörperverstärker installiert und die 1 Wohnen 2022 – Zahlen, Daten und Indikatoren der Wohnstatistik – Abruf am 10.08.2025 2 Energiebericht der Stadt Wien – Abruf am 10.08.2025 3 Das Kelvin(K) ist die SI-Einheit der thermodynamischen Temperatur, die Kelvin-Skala beginnt beim absoluten Nullpunkt, also bei −273,15 ° C, wo keine Wärmeenergie mehr vorhanden ist. Es wird für die Angabe von Temperaturdifferenzen anstelle von Grad Celsius verwendet, weil es eine absolute Temperaturskala ist und damit für wissenschaftliche Berechnungen und physikalische Gesetze eindeutig und universell gültig ist. Eine Temperaturdifferenz von 1 K(Kelvin) entspricht der Temperaturdifferenz von 1 ° C. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 2 von 78 Wärmeabgabe messtechnisch erfasst. Parallel dazu wurde in einem baugleichen Referenzturm die Wärmeabgabe ohne den Heizkörperverstärker ebenfalls gemessen, um einen direkten Vergleich der beiden Türme zu ermöglichen. Für die korrekte, objektive Durchführung des Projektes wurden zwei externe Partner aus der Wissenschaft eingebunden. Die messtechnische Begleitung erfasste alle relevanten Parameter zur Bestimmung der Heizleistung sowie die Veränderungen der Raumtemperaturen vor und nach Absenkung der Vorlauftemperatur. Das sozialwissenschaftliche Monitoring umfasste unter anderem Befragungen zur Wahrnehmung des Heizkörperverstärkers und zur Auswirkung der Temperaturabsenkung auf die thermische Behaglichkeit der Bewohner*innen. Der Untersuchungszeitraum erstreckte sich von Dezember 2024 bis April 2025. Im Durchschnitt konnte eine Senkung der Vorlauftemperatur um 8 K bei gleichbleibender Heizleistung gemessen werden – und das ohne spürbare Einbußen im Wohnkomfort für die Bewohner*innen. Damit konnte das gesetzte Ziel von 5 Kelvin Senkung deutlich übertroffen werden. Mit dem positiven Ergebnis des Praxistests konnte bestätigt werden, dass Heizkörperverstärker eine Alternative zum Heizkörpertausch oder zur Flächenheizung(z. B. Bodenheizung) darstellen können, da sie gezielt die Vorlauftemperatur auf ein Niveau senken, um den Einsatz von Wärmepumpen praktikabel zu machen. Pro Kelvin Temperatursenkung kann die Effizienz einer Wärmepumpe um ca. 1,7% gesteigert werden 4 . Dies hat nicht nur Auswirkungen auf den Strombedarf(=Betriebskosten) sondern auch auf die Lebensdauer einer Wärmepumpe. Somit bieten Heizkörperverstärker, vor allem wenn sie energieautark ausgeführt sind, eine Möglichkeit, in vielen Bestandsgebäuden mit geeigneten Flachheizkörpern den Umstieg von fossile auf alternative Heizsysteme zu erleichtern. Trotz abgesenkter Vorlauftemperatur kann die Raumtemperatur gehalten und somit die Bestandsradiatoren weiterbenutzt werden. Eine Änderung am Wärmeabgabesystem(WAS) ist damit obsolet. Zudem können durch die Weiterverwendung der bestehenden Heizkörper Ressourcen und CO 2 -Emissionen eingespart werden. Zum Projektabschluss wurden die Heizkörperverstärker rasch und rückstandsfrei entfernt. Damit zeigt sich, dass Nachrüstsysteme nicht nur minimalinvasiv, sondern auch temporär eingesetzt werden könnten. 4 Eigene Berechnung; siehe Kapitel 5.3: Bei Senkung der Vorlauftemperatur um 10 K erhöht sich der COP von 2,9 auf 3,4(= 17% Reduzierung des Strombedarfs pro 10 K) Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 3 von 78 Executive Summary Currently, there are around one million households in Vienna, about half of which are still heated with fossil fuels such as gas or oil. To achieve the goal of the Vienna Climate Roadmap – climate neutrality in the building sector by 2040 – these fossil-based heating systems must be gradually replaced with climate-friendly alternatives. In addition to district heating, heat pump systems play a particularly important role, as they extract heat from the surrounding environment, can be powered by renewable electricity, and therefore produce no direct CO ₂ emissions. Through the initiative„100 Projects Phasing Out Gas“, the City of Vienna is implementing targeted measures to accelerate the phase-out of fossil heating systems. In practice, however, technical challenges remain, particularly in existing buildings for example, in the interaction between modern heat pumps and existing radiators. In many cases, radiators are undersized for use with heat pumps and therefore need to be replaced. A more cost-effective, faster, and cleaner alternative is offered by radiator boosters, which enhance the heat output of radiators and can thus eliminate the need for an extensive radiator replacement. To address these requirements, the Coptimizer-System, which is still under development, was tested for the first time. This special type of radiator booster operates energy-autonomously – meaning it does not require an external power source – and has been further developed over the past two years to reach market readiness. The main objective of the study was to determine whether the use of this technological innovation allows the supply temperature – i. e., the temperature at which the radiators operate – to be reduced by 5 Kelvin(K) without compromising the thermal comfort of residents. In addition, the study examined how a reduction in supply temperature affects radiator heat output and the internal losses of the overall system. Due to the structural conditions and for the need for good comparability, two towers in the Wohnpark Alterlaa housing complex in Vienna were selected for the project. In one test tower, radiator boosters were installed in 85 apartments on more than 350 radiators, and the heat output was measured. In a second, identical reference tower, the heat output without radiator boosters was measured in parallel to enable a direct comparison between the two buildings. To ensure accurate and objective project implementation, two external scientific partners were involved. The technical monitoring recorded all relevant parameters for determining heating performance as well as changes in room temperatures before and after the reduction of the supply temperature. The social science monitoring included, among other aspects, surveys on residents’ perception of the radiator booster and the impact of the reduced supply temperature on their thermal comfort. The observation period extended from December 2024 to April 2025. On average, a reduction in supply temperature of 8 K was achieved while maintaining consistent heating performance and without any noticeable loss of comfort for residents. This means the target of a 5 K reduction was clearly exceeded. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 4 von 78 The positive results of the field test confirmed that radiator boosters can serve as an alternative to radiator replacement or surface heating systems(such as underfloor heating), as they enable a targeted reduction of supply temperatures to levels that make the use of heat pumps technically and economically feasible. For each degree of temperature reduction, heat pump efficiency can increase by approximately 1.7%. This improvement not only reduces electricity demand(and therefore operating costs) but also extends the service life of the heat pump. Radiator boosters, especially when designed as energy-autonomous systems, therefore offer a viable solution for facilitating the transition from fossil-based to alternative heating systems in many existing buildings equipped with panel radiators. Even with reduced supply temperatures, room comfort can be maintained, allowing existing radiators to continue to be used. Consequently, modifications to the heat emission system become unnecessary. Moreover, the continued use of existing radiators helps to conserve resources and reduce CO ₂ emissions. At the end of the project, the radiator boosters were quickly and cleanly removed, demonstrating that such retrofit systems can be installed in a minimally invasive manner and used on a temporary basis if required. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 5 von 78 Abkürzungen K HK HKV WP WAS kWh MWh VL RL DF Kelvin Heizkörper Heizkörperverstärker: Ein Heizkörperverstärker ist ein Zubehörteil für Heizkörper, das dessen Wärmeabgabe und Luftzirkulation im Raum verbessern soll. Wärmepumpe Wärmeabgabesystem Kilowattstunden Megawattstunden(1 MWh= 1.000 kWh) Vorlauftemperatur Rücklauftemperatur Durchfluss Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 6 von 78 Inhalt Zusammenfassung ......................................................................................................................................2 Executive Summary .....................................................................................................................................4 Abkürzungen ................................................................................................................................................6 Inhalt .............................................................................................................................................................. 7 1. Einleitung ..................................................................................................................................................9 1.1. Projektbeschreibung............................................................................................................................. 10 1.2. Ziel des Projekts..................................................................................................................................... 14 1.2.1 Umfang des Praxistests............................................................................................................. 14 1.2.2 Erreichbarkeit der Bewohner*innen....................................................................................... 16 1.3. Produktbeschreibung und Funktionsprinzip.................................................................................... 17 2. Methoden- und Quellenbeschreibung .................................................................................................20 2.1. Beschreibung der Temperatur- und Leistungsmessverfahren..................................................... 20 2.1.1 Messgerätebeschreibung mit Funktionsprinzip................................................................... 22 2.1.2 Temperatur-Logger in den Wohnungen............................................................................... 23 2.2. Beschreibung der sozialwissenschaftlichen Begleitung................................................................. 24 3. Analyse vor Senkung der Vorlauftemperatur .....................................................................................26 3.1. Messdaten vor und während Einbau des Nachrüstsystems.......................................................... 26 3.2. Erreichbarkeit der Bewohner*innen.................................................................................................. 30 3.3. Erste Befragung vor Einbau des Heizkörperverstärkers................................................................ 31 4. Ergebnisse durch Senkung der Vorlauftemperatur ...........................................................................38 Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 7 von 78 4.1. Ergebnisse der messtechnischen Untersuchung nach Einbau des Heizkörperverstärkers..... 38 4.1.1 Messphasen................................................................................................................................. 38 4.1.2 Zusammenfassung der messtechnischen Untersuchung................................................... 45 4.2. Ergebnisse der sozialwissenschaftlichen Untersuchung nach Einbau des Heizkörperverstärkers.......................................................................................................................... 46 5. Erkenntnisse aus der Vorlauftemperatursenkung mittels Heizkörperverstärker ........................60 5.1. Messtechnische Erkenntnisse............................................................................................................. 60 5.2. Erkenntnisse des sozialwissenschaftlichen Monitorings................................................................ 62 5.3. Auswirkung auf den Energieverbrauch durch den HKV................................................................ 64 5.3.1 Modellrechnungen mit Vorlauftemperaturabsenkung um 10 K....................................... 64 5.3.2 Betriebskostenvergleich bei wärmepumpenumstellung mit und ohne HKV und Heizkörpervergrößerung.......................................................................................................... 65 5.3.3 Auswirkung der Vorlauftemperaturreduzierung auf die Verteilverluste......................... 67 5.3.4 Auswirkung auf die CO 2 -Bilanz durch Vorlauftempertatursenkung mit dem nachrüstsystem........................................................................................................................... 69 6. Übertragbarkeit auf weitere Gebäude .................................................................................................70 6.1. Ableitung der technischen Machbarkeit auf die Gebäude der Stadt Wien................................ 70 6.2. Herausforderungen............................................................................................................................... 72 7. Fazit ...........................................................................................................................................................73 Literaturverzeichnis ..................................................................................................................................... 74 Abbildungsverzeichnis ................................................................................................................................ 75 Impressum ..................................................................................................................................................... 77 Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 8 von 78 1. Einleitung Alternative Heizsysteme, vor allem Wärmepumpen, sind wichtig für den Klimaschutz im Gebäudebereich. Sie können mit erneuerbarer Energie betrieben werden und verursachen dadurch keine direkten CO ₂ -Emissionen. Im Rahmen der Wiener Initiative„100 Projekte Raus aus Gas“ wird das Ziel aktiv verfolgt, Lösungen für den Ausstieg aus fossilen Heizsystemen zu finden. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass gerade in Bestandsgebäuden technische Hürden bestehen, besonders im Zusammenspiel mit bestehenden Heizkörpern. Wärmepumpensysteme arbeiten erst bei Temperaturen von etwa 55 ° C oder darunter effizient. Daher sollte die Vorlauftemperatur, also die Temperatur des Heizungswassers, das vom Wärmeerzeuger zu den Heizkörpern oder zur Fußbodenheizung geleitet wird, diesen Wert nicht überschreiten, wenn die Wärme von einer Wärmepumpe erzeugt wird. Bei solchen niedrigen Vorlauftemperaturen(VL-Temperaturen) können konventionelle Heizkörper häufig nicht ausreichend Wärme abgeben um den Raum entsprechend zu heizen. Sie wurden in der Vergangenheit für höhere Vorlauftemperaturen ausgelegt und sind damit für moderne Anwendungen oft zu klein dimensioniert. In vielen Fällen sind daher größere Heizkörper oder die Umrüstung auf Flächenheizsysteme wie Fußboden- oder Wandheizungen notwendig. Diese Maßnahmen sind oft mit hohen Investitionen und baulichem Aufwand verbunden. Bleibt eine Anpassung aus, sinkt die Effizienz der Wärmepumpe deutlich, was wiederum zu höheren Betriebskosten führt. Der damit verbundene Zeitaufwand kann zusätzlich zu längeren Sanierungsphasen und damit einer eingeschränkten Nutzung der Wohnräume führen. Werden Heizkörper getauscht(vergrößert), passen diese nicht immer zum bestehenden Innenraumkonzept. Bei sogenannten Wärmepumpenheizkörpern mit eingebauten Lüftern muss zusätzlich ein Stromanschluss in der Nähe errichtet werden. Anstatt alte Heizkörper zu ersetzen, zielt das vorliegende Konzept des Heizkörperverstärkers(HKV) darauf ab, deren Wärmeabgabe so zu verbessern, dass auch bei niedrigeren Vorlauftemperaturen eine ausreichende Wärmeabgabe im Raum erreicht wird. Somit kann der bestehende Heizkörper weiterverwendet und die Wärmepumpe effizient betrieben oder überhaupt erst sinnvoll eingesetzt werden. Eine Besonderheit der im Rahmen dieses Praxistest eingesetzten technischen Lösung liegt darin, dass das Gerät ohne externe Stromversorgung funktioniert und sich sowohl einfach als auch zeitsparend an bestehende Radiatoren montieren lässt. Die Leistungsfähigkeit wurde bereits im Labor nachgewiesen; nun wird das entwickelte Produkt„ Coptimizer“ im bewohnten Umfeld getestet und die Ergebnisse werden im folgenden Bericht präsentiert. Mit dem Test soll die Funktionalität und die technische Umsetzbarkeit von energieautarken Heizkörperverstärkern erstmalig mittels des Coptimizer-Systems bestätigt werden, um die bestehenden Herausforderungen bei der Umstellung auf eine Wärmepumpe im Gebäudebestand zu überwinden, immer mit dem Ziel die Vorlauftemperatur in vernünftigen Maßen zu senken. Daher ist die vorliegende Test-Studie relevant für jegliche technische Lösungen dieser Art. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 9 von 78 Der Zusammenbau der Coptimizer, deren Montage, deren potenzielle Demontage und der gesamte nachfolgende Produktentwicklungs-Loop, der aus den Erkenntnissen des Projektes resultiert, sind nicht Gegenstand des vorliegenden Praxistests. 1.1. Projektbeschreibung In der Wohnhausanlage Alterlaa in Wien wurde von September 2024 bis Juni 2025 ein Pilotprojekt zur Erprobung eines innovativen Lüfter-Nachrüstsystems zur Leistungssteigerung von Bestandsheizkörpern durchgeführt. Ziel war es, bestehende Heizkörper so zu verbessern, sodass eine deutliche Absenkung der Vorlauftemperaturen möglich wird und damit der effiziente Betrieb einer Wärmepumpe unterstützt bzw. erst ermöglicht werden kann. Die Entwicklung des Heizkörperverstärkers wurde von der Coptimizer GmbH gemeinsam mit ihrem Partner KE KELIT eigenfinanziert und findet in diesem Praxistest ihren Abschluss. Um ein möglichst objektives Ergebnis zu gewährleisten, wurden externe Projektpartner eingebunden: Das Institute of Building Research& Innovation(IBR&I) übernahm die messtechnische Aufbereitung und Auswertung der Daten, während wohnbund:consult die sozialwissenschaftliche Evaluation anhand von Bewohner*innenbefragungen durchführte. Das Projekt„ Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur am Beispiel Alterlaa“ wird in Kooperation mit der GESIBA als Gebäudeeigentümerin umgesetzt und zudem im Rahmen der Initiative„100 Projekte Raus aus Gas“ von der Stadt Wien unterstützt und wurde von der Urban Innovation Vienna GmbH(UIV) beauftragt. Mit der erfolgreichen Senkung der Vorlauftemperatur könnte der Heizkörperverstärker eine konkrete Lösung bieten, um im großvolumigen Wohnbau rasch und unkompliziert CO ₂ -Emissionen zu reduzieren und damit künftig einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung des Wiener Klimafahrplans zu leisten. BESCHREIBUNG DER AUSGANGSSITUATION IN ALTERLAA Die Wohnhausanlage Alterlaa im 23. Wiener Gemeindebezirk zählt mit über 3.200 Wohnungen zu den größten Wohnanlagen Österreichs und ist ein markantes Beispiel des großvolumigen sozialen Wohnbaus der 1970er-Jahre(Abbildung 1). Die zentrale Wärmeversorgung erfolgt derzeit über Gaskessel, was zu erheblichen gebäudebezogenen CO ₂ -Emissionen führt. Angesichts der Wiener Klimaziele und des geplanten Ausstiegs aus fossilen Energieträgern ist eine Umstellung auf erneuerbare Heizsysteme notwendig, jedoch im Bestand technisch und wirtschaftlich herausfordernd. Besonders problematisch ist, dass bestehende Radiatoren oft nicht für die niedrigen Vorlauftemperaturen geeignet sind. Der vorliegende Praxistest mit einem Nachrüstsystem für Radiatoren zur Leistungssteigerung setzt hier an und soll zeigen, wie durch gezielte Nachrüstung die Wärmeabgabe vorhandener Heizkörper verbessert werden kann und dies ohne umfassende bauliche Eingriffe. Für diesen Test wurden zwei Wohntürme gewählt, wobei in beiden im Testzeitraum permanent die Heizleistung gemessen wurde. In einem der beiden Türme wurde der Heizkörperverstärker eingebaut. Der andere Turm gilt als Vergleich ohne Verstärkersystem. Der Praxistest soll bestätigen, ob mit einer Nachrüstung eines Lüfter-Systems Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 10 von 78 eine Senkung der VL-Temperaturen an bestehenden Heizkörpern ermöglicht werden kann, und welche Auswirkung diese Senkung in der Wohnhausanlage sowohl energietechnisch als auch sozialwissenschaftlich bewirkt. Abbildung 1: Orientierungsplan des Wohnparks Alterlaa[1] Die Energieversorgung der 3 Blöcke A, B und C in Alterlaa wird über jeweils eine Heizzentrale am Dach für die Stockwerke 12-23 sowie eine Heizzentrale im 6. Stock für die darunterliegenden Stockwerke in den einzelnen Türmen gewährleistet. Versorgt wird aktuell mit Gas. BESTEHENDE BAUPHYSIK UND ZUSTAND DER GEBÄUDE Der Wohnpark Alterlaa ist eines der bekanntesten und bedeutendsten Projekte des geförderten Wohnbaus in Österreich. Mit über 3.000 Wohneinheiten auf einer Bruttogrundfläche von rund 350.000 m ² bietet die Anlage Wohnraum für mehr als 9.000 Menschen. Errichtet wurde der Komplex zwischen 1973 und 1985. Die Gebäude bestehen aus drei langen Zeilen mit bis zu 27 Stockwerken. Die städtebauliche Struktur basiert auf dem Prinzip des„gestapelten Einfamilienhauses“: Jede Wohnung verfügt über großzügige Freibereiche( Loggien oder Terrassen) und es gibt zahlreiche Gemeinschaftseinrichtungen wie Hallenbäder, Spielplätze, Einkaufsmöglichkeiten, Arztpraxen und mehr. Architektonisch ist die Anlage ein Symbol für ein sozial durchmischtes, urbanes und dennoch naturnahes Leben. Die Lebenszufriedenheit der Bewohner*innen ist überdurchschnittlich, die Bindung an den Wohnort hoch. Dennoch stellt sich heute die Frage nach einer umfassenden energetischen und baulichen Erneuerung. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 11 von 78 Die ursprüngliche Gebäudehülle entspricht den technischen Standards der 1970er- und frühen 1980er-Jahre. Damals galten deutlich geringere Anforderungen an Wärmedämmung und Energieeffizienz. Dementsprechend besteht ein erheblicher Handlungsbedarf, um den Gebäudebestand energetisch zu ertüchtigen. ENERGIEVERBRAUCH Der gesamte Endenergieverbrauch für Raumwärme und Warmwasser beläuft sich auf ca. 44 Gigawattstunden(GWh) pro Jahr, bei einem weiteren Stromverbrauch von 10 GWh pro Jahr. Die gesamte Heizlast beträgt aktuell 11,3 Megawatt(MW). Die bauphysikalischen Gegebenheiten des Wohnparks Alterlaa sind typisch für den Geschoßwohnbau der 1970er- und 1980er-Jahre: robust, aber thermisch veraltet. Während Struktur, Statik und Grundrissqualität als sehr gut einzustufen sind, besteht ein Handlungsbedarf bei der thermischen Gebäudehülle sowie bei der Umstellung der aktuellen fossilen Heizungsanlage. ÜBERGEORDNETES DEKARBONISIERUNGSPROJEKT IN ALTERLAA Das Projekt„ Dekarbonisierungsprojekt“ in Alterlaa ist eine umfassende Initiative zur energetischen und thermischen Transformation des gesamten Wohnparks. Als übergeordnetes Forschungs- und Umsetzungsvorhaben bündelt es technische, bauliche, soziale und kommunikative Maßnahmen mit dem Ziel, den Wohnpark vollständig von fossilen Energieträgern zu entkoppeln. Der besondere Stellenwert ergibt sich aus der Dimension und Strahlkraft der Anlage: Als eine der größten gemeinnützigen Wohnanlagen Europas dient Alterlaa als exemplarischer Modellfall für urbane Dekarbonisierung im Bestand. Das Dekarbonisierungsprojekt setzt sich folgende Ziele, unter der strengen Voraussetzung der Bewahrung des architektonischen Charakters der Anlage: • Reduktion des Endenergieverbrauchs um 77% • Reduktion der CO ₂ -Emissionen 5 von 11.150 t/a auf 1.625 t/a beziehungsweise auf 0 t/a bei 100 % erneuerbarem Strommix • Komplette Substitution von Erdgas durch erneuerbare Energiequellen • Signifikante Reduktion der Heizlast von 11,3 MW auf 9 MW • Erhöhung des sommerlichen Komforts in den Wohnungen 5 CO ₂ -Äquivalent(CO ₂ e): Maßeinheit zur Vergleichbarkeit der Klimawirkung verschiedener Treibhausgase, ausgedrückt als die Menge an Kohlendioxid, die über einen definierten Zeitraum(in der Regel 100 Jahre) dieselbe Erwärmungswirkung verursacht. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 12 von 78 Um diese Ziele zu erreichen, wird folgendes Maßnahmenpaket umgesetzt: • Gebäudehülle: o Thermische Ertüchtigung ausgewählter Außenwände o Architektonisch abgestimmter Fenstertausch o Dämmung der Kellerdecken • Heizungssystem: o Umstellung von Gaszentralheizungen auf eine wärmepumpenbasierte Versorgung o Einsatz von Erdwärme mit ca. 840 Tiefensonden o Nutzung von Abwärme aus der Abluft und dem Abwasser o Absenkung der Vorlauftemperaturen auf ca. 55 K • Energiemanagement: o Effizienzsteigerung bei der Wärmeverteilung Die Wärmeversorgung ist in zwei Druckzonen unterteilt: Die Wärmequellen der unteren Druckzone(0.-12. OG) sind Geothermie und Abwasserwärmerückgewinnung. Die Wärme wird zu einer neu errichteten Heizzentrale, im Raum einer ehemaligen Zuluftzentrale im 3. OG, geführt und dient der Bereitstellung eines Temperaturniveaus von bis zu 60 °C für die Raumheizung. Von dort aus erfolgt die Versorgung der bestehenden unteren Heizzentralen und der Wohnungen mit Wärme. Für die Erzeugung des Warmwassers stehen in den unteren Heizzentralen Booster-Wärmepumpen bereit, welche das benötigte, höhere Temperaturniveau bereitstellen. Die Versorgung der oberen Druckzone(13.-27. OG) wird über eine Kombination aus Luftwärmepumpen und Abluftwärmetauschern gewährleistet. Auf den ungenutzten Dachflächen der Türme werden jeweils vier Luftwärmepumpen aufgestellt. Diese dienen primär der Bereitstellung der Raumheizung und werden in den Sommermonaten zur Regeneration des Erdsondenfelds genutzt. Abluftwärmetauscher entziehen der ganzjährig kontinuierlich anfallenden Wohnungsabluft Wärme und nutzen diese für die Warmwasserbereitung sowie für die Dachbäder. Im Sommer werden sie für die Regeneration der Sondenfelder eingesetzt. Die zugehörigen Wärmepumpen werden in den bestehenden, oberen Heizzentralen aufgestellt. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 13 von 78 1.2. Ziel des Projekts Das Projekt verfolgt folgende zentrale Thesen, welche belegt werden sollen: 1. Senkung der Vorlauftemperatur mit Heizkörperverstärker Es soll die Frage beantwortet werden, wie weit die Vorlauftemperatur mit dem CoptimizerSystem reduziert werden kann, ohne die Behaglichkeit der Bewohner*innen in ihren Wohnungen zu beeinflussen. Das erklärte Ziel ist die Senkung der Vorlauftemperatur um 5 K. 2. Verbesserte Wärmeverteilung Temperaturverteilung im Raum könnte aufgrund erhöhter Konvektion mit den Lüftern insgesamt verbessert werden, wodurch die Behaglichkeit steigt oder weniger geheizt werden muss. Dies kann ebenfalls zu Energieeinsparungen führen. Des Weiteren soll nach positiven Belegen der Thesen abgeleitet werden, wie hoch das Einsatzpotenzial von Heizkörperverstärkern für die Gebäude der Stadt Wien ist und welche Kosteneinsparungen sich daraus ergeben. Außerdem soll das Potenzial zur Dekarbonisierung von Gebäuden erhoben werden. Es wird erwartet, dass Heizkörperverstärker durch die Erhöhung der Wärmeleistung vorhandener Heizkörper eine spürbare Senkung der notwendigen Vorlauftemperaturen ermöglichen und damit eine zentrale Voraussetzung für den effizienten Einsatz von Wärmepumpen schaffen. Zentrales Ziel ist es, eine Reduktion von mindestens 5 K zu erreichen, ohne dass der Wohnkomfort bzw. die erforderliche Raumtemperatur darunter leiden. Jedes K weniger Vorlauftemperatur erhöht die Effizienz einer Wärmepumpe und hat positive Auswirkung auf deren Lebensdauer. Gleichzeitig wird geprüft, ob eine gleichmäßige und stabile Wärmeversorgung unter realen Wohnbedingungen sichergestellt werden kann. Ergänzend liefert die sozialwissenschaftliche Begleitung wertvolle Einblicke in das Verhalten der Bewohner*innen, ihre Interaktion mit dem System und mögliche Hemmnisse in der Anwendung. Die praktischen Erfahrungen aus Alterlaa sollen helfen, technische Anforderungen, Rahmenbedingungen und geeignete Einsatzbereiche für eine skalierbare Nachrüstung zu identifizieren. Dabei steht die Übertragbarkeit auf ähnliche Gebäudetypen im Vordergrund. 1.2.1 UMFANG DES PRAXISTESTS Ausgangsbasis für den Praxistest sind zwei Türme, welche folgend als Testturm sowie Referenzturm bezeichnet werden. Die Installation der Heizkörperverstärker erfolgte im Testturm(Stockwerke 1223), wodurch insgesamt 124 Wohneinheiten zum Aufbau der Heizungsverstärker zur Verfügung stehen(siehe Abbildung 2, blau). Insgesamt sind das ca. 700 Heizkörper. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 14 von 78 Zur Durchführung einer kontrollierten Vergleichsmessung wird der nahezu baugleiche Referenzturm(siehe Abbildung 2, gelb) herangezogen, in denen keine HeizkörperverstärkerSysteme eingebaut werden. Beide Türme weisen hinsichtlich Bauweise, Ausrichtung, Wind- und Sonnenexposition nahezu identische Bedingungen auf, wodurch valide Rückschlüsse auf die Wirkung des Systems unter Praxisbedingungen möglich sind. Abbildung 2: Darstellung Test- und Referenzturm Alterlaa([2],[3]) In beiden Heizzentralen am Dach der Türme werden Messgeräte angebracht um permanent die Vorlauf- und Rücklauftemperatur sowie den Durchfluss zu messen. Damit kann die Wärmeleistung der beiden Türme zu jedem Zeitpunkt ermittelt werden. Die Wärmeabgabe in den Wohnungen erfolgt weitgehend über die Bestandsradiatoren. Diese sind Flachheizkörper des Typs 10 oder 20(Abbildung 3): • Ein Heizkörpertyp 10 verfügt über eine einzelne Heizplatte ohne Konvektionsbleche. Er ist dadurch sehr flach, hat jedoch eine vergleichsweise geringe Heizleistung. • Ein Heizkörpertyp 20 besitzt zwei parallel angeordnete Heizplatten, ebenfalls ohne Konvektionsbleche. Durch die größere Oberfläche kann er eine deutlich höhere Heizleistung erbringen, ist jedoch baulich tiefer als Typ 10. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 15 von 78 Abbildung 3:Typenbezeichnungen von Flachheizkörpern[4] Bei einer Vorlauftemperatur von 55 ° C können, je nach Größe und Typ, je Radiator zwischen ca. 400 und 775 W abgegeben werden, bei 65 ° C bereits zwischen ca. 550 und 1100 W. Im Rahmen der Heizungsumstellung im Wohnpark werden die Radiatoren nicht ausgetauscht. Die gewählte Projektgröße mit den ausgewählten Wohneinheiten stellt einen Kompromiss zwischen wissenschaftlicher Aussagekraft und ökonomischer Umsetzbarkeit dar. Die Kombination aus präziser Messdatenerhebung und qualitativen Rückmeldungen der Nutzer*innen soll die Auswirkung der Senkung der Vorlauftemperatur erfassen. 1.2.2 ERREICHBARKEIT DER BEWOHNER*INNEN Ein wesentlicher Einflussfaktor für die erfolgreiche Umsetzung des Projekts war die zeitgerechte und verlässliche Erreichbarkeit der Bewohner*innen der betroffenen 124 Wohneinheiten. Unterschiedliche Tagesrhythmen, berufliche Abwesenheiten, sprachliche Barrieren sowie ein heterogenes Informationsverhalten erschwerten mitunter die Kontaktaufnahme. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, wurde ein mehrstufiges Informations- und Kommunikationskonzept entwickelt. Neben schriftlichen Ankündigungen durch Aushänge und Briefe kamen auch telefonische Kontaktversuche sowie persönliche Ansprache durch die Mitarbeiter*innen von Coptimizer zum Einsatz. Ergänzend wurde ein Zeitfenster für Interventionen als„Tag der offenen Tür“ angeboten, um Aufklärung zu gewährleisten. Ziel dieser Maßnahmen war es, die Akzeptanz des Projekts zu fördern, damit die maximale Anzahl von Wohnungen in diesem freiwilligen Projekt erreicht werden konnte. Wichtig war überdies die Wahrung der Privatsphäre der Bewohner*innen zu jedem Zeitpunkt sicherzustellen. Die Kombination aus diesen verschiedenen Maßnahmen führte zu einer Gesamteinbauquote von 70% aller Wohnungen im Testturm. Dies bedeutet, dass 85 von insgesamt 124 Wohnungen mit Heizkörperverstärkern ausgestattet wurden. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 16 von 78 1.3. Produktbeschreibung und Funktionsprinzip Um Räume zu heizen, nutzen Heizkörper das physikalische Prinzip der Konvektion. Diese funktioniert durch die Erwärmung der Luft in unmittelbarer Umgebung des Heizkörpers. Dieser wird mit warmem Wasser durchströmt, wodurch seine Oberfläche wärmer wird. Die Luft direkt an der Oberfläche des Heizkörpers erwärmt sich, wird leichter und steigt nach oben. Kältere Luft strömt gleichzeitig von unten nach, wird ebenfalls erwärmt und steigt auf. Dadurch entsteht eine natürliche Luftzirkulation, die als freie Konvektion bezeichnet wird. Durch diesen ständigen Luftstrom wird die warme Luft im Raum verteilt, wodurch sich die Raumtemperatur allmählich erhöht. Heizkörper mit Lamellen oder Rippen vergrößern die Oberfläche und fördern so die Konvektion. Das Coptimizer System ist ein Aufsatz auf bestehende Heizkörper und setzt sich aus einer Energieeinheit im oberen und einer Lüftereinheit im unteren Bereich des Radiators zusammen. Die beiden Komponenten können einfach und ohne Eingriffe in die bauliche Substanz„Plug and Play“ montiert werden. Der Coptimizer funktioniert energieautark, da die Energie, die notwendig ist, um die Lüfter zu betreiben, in der Energieeinheit gewonnen wird. Dabei kommt ein thermoelektrischer Generator(TEG) zum Einsatz, welcher den Seebeck-Effekt nutzt, um die Wärme des Heizkörpers in elektrische Energie umzuwandeln. Es ist somit kein eigener Stromanschluss oder ein Akku für das Gerät notwendig. Ein wesentlicher Vorteil liegt zudem in der einfachen, werkzeuglosen Montage des Coptimizers. Für den Einbau sind weder bauliche Maßnahmen noch elektrotechnische Kenntnisse erforderlich. Somit stellt das System eine günstige und dadurch wirtschaftlich attraktive Lösung dar, insbesondere für Haushalte, die keine umfassenden Umbauten vornehmen möchten oder können. Seebeck- Effekt: Der Seebeck-Effekt beschreibt die Entstehung einer elektrischen Spannung, wenn zwei unterschiedliche Metalle oder Halbleiter an ihren Enden miteinander verbunden sind und zwischen den Verbindungsstellen eine Temperaturdifferenz besteht. Diese Temperaturdifferenz erzeugt eine Bewegung von Ladungsträgern(Elektronen oder Löcher), wodurch eine messbare Spannung entsteht. Der Seebeck-Effekt ist die physikalische Grundlage für Thermoelemente, die zur Temperaturmessung oder in thermo-elektrischen Generatoren zur Stromerzeugung genutzt werden. In Abbildung 4 wird das grundlegende Funktionsprinzip des Coptimizer-Systems veranschaulicht. Das linke Bild zeigt einen Heizkörper mit Coptimizer Aufbau von vorne, welcher mittels heißem Wasser auf Temperatur gebracht wird(=Vorlauftemperatur, z. B. 55 ° C). Die Wärme des Heizkörpers wird mit einer Wärmeverteilplatte gleichmäßig über die gesamte Heizkörperlänge verteilt. Sieht man sich nun die obere Energieeinheit in der Schnittdarstellung an(Abbildung 4, rechts), erkennt man die Thermogeneratoren(gelb) die auf der Wärmeverteilplatte sitzen. Durch diese fließt der Wärmestrom, welcher mit Hilfe eines Kühlkörpers an der Außenseite abkühlt. Diese Temperaturdifferenz zwischen Heiz- und Kühlkörper verursacht eine elektrische Spannung in jedem einzelnen TEG. Die TEGs werden mittels Leiterplatten und einem Stecksystem elektrisch miteinander verbunden und mittels eines Kabels zu den Lüftern geführt, um diese anzutreiben. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 17 von 78 Abbildung 4: Funktionsprinzip Coptimizer[3] Die Lüfter saugen Raumluft an und blasen diese durch den Heizkörper. Somit wird die zuvor erwähnte Konvektion erhöht. Der Praxistest soll beweisen, dass im bewohnten Umfeld die Wärmeabgabe der Heizkörper gesteigert und somit die Vorlauftemperatur gesenkt werden kann. Weiters soll untersucht werden, ob durch die gleichmäßigere Verteilung der Wärme ein angenehmeres Raumklima erzielt wird. In der praktischen Anwendung ist die Anpassung an unterschiedliche Heizkörpertypen erforderlich. Abbildung 5 veranschaulicht einen typischen Einbau des Coptimizer-Systems: Bei einem Heizkörper mit einer Breite von 800 mm werden insgesamt acht Thermogeneratoren und Kühlkörper sowie zwei Lüfter mit je 400 mm Breite eingesetzt. Die Lüfter sind auch in Varianten mit 300 mm und 200 mm Breite verfügbar, wodurch eine flexible Anpassung an nahezu alle Heizkörpertypen möglich ist. Abbildung 5: Einbaubeispiel des Coptimizers im Projekt[3] Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 18 von 78 Die Vorteile des Coptimizer-Systems können somit in folgenden Punkten zusammengefasst werden: • Sanierung von bestehenden Heizkörpersystemen ohne baulichen Eingriff in die Substanz= minimalinvasiv • Reduktion der Vorlauftemperaturen auf das förderbare Temperaturniveau der Wärmepumpe am Bestandsheizkörper • Energieautark → keine externe Stromquelle erforderlich • Kostengünstiger gegenüber alternativen Systemen wie Heizkörpertausch oder Wärmepumpenheizkörper • Einfache Montage und Inbetriebnahme → Plug-and-Play-System • Passend für alle gängigen Flachheizkörper • Keine Stemm-, Maler- oder Elektroarbeiten • Möglichkeit zu kühlen(befindet sich in Entwicklung) • Weiternutzung eines Bestandsheizkörpers und damit einhergehend CO 2 -Einsparungen • Rückstandsloser Ab- und Rückbau Durch die eigenständige Energieversorgung und die einfache Handhabung kann der Coptimizer sehr einfach und schnell montiert werden. Dies unterscheidet ihn deutlich von anderen Lösungen am Markt und stellt eine Weiterentwicklung des technischen Stands dar. Die technische Innovation des Systems besteht darin, mit minimalem Aufwand die bestehende Heizungsinfrastruktur effizient nutzbar zu machen, was einen entscheidenden Vorteil im Kontext kosteneffizienter Sanierungsstrategien im Wohnbereich darstellt. Die Lüfter saugen kühlere Luft vom Boden an und blasen diese durch den Heizkörper durch. Durch die erhöhte Luftbewegung kann mehr Wärme aus dem Heizkörper entnommen werden und somit dessen Wärmeabgabeleistung gesteigert werden. Der Heizköper wird effizienter. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 19 von 78 2. Methoden- und Quellenbeschreibung Dieses Kapitel stellt die methodischen Grundlagen des Projekts dar und beschreibt die eingesetzten technischen sowie sozialwissenschaftlichen Verfahren. Dabei liegt der Fokus auf einer transparenten Darstellung der Messmethoden und der begleitenden Erhebungen als Basis für die spätere Analyse und Projekterkenntnisse. Dieser Abschnitt beschreibt, wie die Temperatur- und Leistungswerte der HKV gemessen wurden. Es wird erklärt, welche Messgeräte verwendet, an welchen Stellen die Messungen durchgeführt und wie oft gemessen wurde. Zudem wird dargestellt, wie die gesammelten Daten ausgewertet wurden. 2.1. Beschreibung der Temperatur- und Leistungsmessverfahren Die Heizzentralen des Test- und Referenzturms befinden sich jeweils am Dach des Gebäudes(siehe Abbildung 6). Beide Türme sind von der Energieversorgung her ähnlich aufgebaut. Sie stellen die Versorgung mit Warmwasser und Heizung für die Geschosse 12-23 sicher. Abbildung 6 zeigt mit einem vereinfachten Übersichtsschema, wie die Wohnungen mit Heizwasser versorgt werden und wo die Messpunkte für Vorlauf, Rücklauf und Durchfluss lokalisiert sind. Ein Gaskessel ist die zentrale Komponente der Gasheizung, die für die Verbrennung des Gases sorgt. Er erzeugt eine kontrollierte Flamme, deren Wärme anschließend über einen Wärmetauscher an das Wasser für das Heizungs- und Brauchwasser übertragen wird. Abbildung 6: Übersichtsschema Heizzentrale mit Messpunkten[3] Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 20 von 78 Von den Gaskesseln aus wird der Verteiler über eine hydraulische Weiche mit Energie versorgt. Am Verteiler befinden sich die Pumpengruppen und Ventile für die Regelung der Heizkreise und Warmwasserbereitung(Abbildung 7). Die Vorlauftemperaturregelung der Heizkreise erfolgt über eine Einspritzschaltung des Rücklaufs, da die Kesseltemperatur für die Warmwasserbereitung konstant erfolgt. Dort befinden sich auch die Thermometer zur Messung der Vorlauf- und Rücklauftemperatur sowie der Durchflussmesser. Von der Verteilergruppe werden die Heizkörper mit der eingestellten Vorlauftemperatur in den Wohnungen mit Wasser versorgt, um die Räume zu wärmen. Das nun abgekühlte Wasser(Rücklauftemperatur) wird zurück in den Gaskessel befördert, um erneut erwärmt zu werden. Abbildung 7: Energieverteiler mit Pumpengruppen[3] Des Weiteren befinden sich in dieser Heizzentrale die Boiler zur Brauchwassererwärmung und die Druckhaltung. Die Regelung der Heizkreise übernimmt eine im Schaltschrank eingebaute Regelung. Diese steuert anhand der Außentemperatur über eine einstellbare Heizkurve die Vorlauftemperatur der Heizkreise(siehe Abbildung 8). Begriff Heizkurve: Die Heizkurve beschreibt den Zusammenhang zwischen der Außentemperatur und der Vorlauftemperatur einer Heizungsanlage. Je kälter es draußen ist, desto höher wird die Temperatur des Heizwassers eingestellt, um die gewünschte Raumtemperatur zu halten. Bei einer witterungsgeführten Steuerung misst ein Außentemperaturfühler kontinuierlich die aktuelle Temperatur. Auf dieser Grundlage passt die Heizungsregelung die Vorlauftemperatur automatisch an die eingestellte Heizkurve an. Die Heizkurve lässt sich über zwei Parameter beeinflussen: Die Steigung bestimmt, wie stark die Vorlauftemperatur auf sinkende Außentemperaturen reagiert, während das Niveau die gesamte Kurve nach oben oder unten verschiebt, um die allgemeine Raumtemperatur zu korrigieren. Eine richtig eingestellte Heizkurve sorgt für einen energieeffizienten Betrieb, gleichmäßige Raumtemperaturen und eine längere Lebensdauer der Heizungsanlage. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 21 von 78 Abbildung 8: Regelung Heizkessel inkl. Witterungskurve[3] Die Zeitsteuerung ist über die Funktion„Sonne – nur Heizbetrieb“ deaktiviert, d. h. es wird von 0-24 Uhr durchgeheizt. Die Heizkurve kann mit Hilfe des roten Lineals für die Punkte 15 ° C Außentemperatur(linker Schieber) und-5 ° C Außentemperatur(rechter Schieber) verändert werden. Die Vorlauftemperaturen werden damit linear für jede Außentemperatur automatisch eingestellt. Mit Hilfe des Einstellrädchens kann zusätzlich die Vorlauftemperatur feinjustiert werden. 2.1.1 MESSGERÄTEBESCHREIBUNG MIT FUNKTIONSPRINZIP Die Energiemessung in den zwei Türmen wurde mit einem mobilen Ultraschall-Durchflussmesser „pFlow Model: D116“ durchgeführt(Abbildung 9). Abbildung 9: Funktionsprinzip – pFlow Ultrasonic Flowmeter D116[3] Das pFlow P116 ist ein tragbarer Ultraschall-Durchflussmesser, der strömungsbasierten Messungen ohne Eingriff in den Rohrleitungsquerschnitt ermöglicht(Clamp ‑ On ‑ Prinzip, siehe Abbildung 10 links). Zwei au ß en am Rohr angebrachte Mess-Sender senden Ultraschall Impulse durch das Medium von einem Sensor zum anderen. Die Messung erfolgt nach dem Transit ‑ Time ‑ Verfahren: Ultraschall-Impulse, die stromaufwärts gesendet werden, erreichen den Empfänger langsamer als die stromabwärts gerichteten Impulse. Die Differenz der Laufzeiten ist proportional zur Strömungsgeschwindigkeit der Flüssigkeit und ermöglicht damit die Berechnung des Volumenstroms. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 22 von 78 Als Messpunkt für die Temperaturen wurde jeweils der Vorlauf bzw. Rücklauf der Heizkreise gemessen(siehe Abbildung 10 Mitte und rechts). Die Messung der Wassermenge/ des Volumenstroms erfolgte jeweils am Rücklauf der Heizkreise. Mit der Formel 𝑄̇= 𝑉̇ ∗ 𝜌 ∗ 𝑐 ∗ ∆𝜗 lässt sich damit der Wärmestrom und damit die Leistung der Anlage berechnen. Wobei • 𝑄̇ = Wärmestrom[Wh/h] • 𝑉̇ = Volumenstrom[kg/h] • c= spezifische Wärmekapazität des Wassers 1,163[Wh/ kgK] • 𝜌= 𝐷𝑖𝑐ℎ𝑡𝑒 𝑊𝑎𝑠𝑠𝑒𝑟 997[ 𝑚 3 𝑘𝑔 ] • ∆𝜗 = Temperaturdifferenz von(Vorlauf ϑ V- Rücklauf ϑ R) in K Einbausituation der Messsensoren in den Türmen: Abbildung 10: Links: Ultraschall Sensoren nach Clamp-On-Prinzip[3] Mitte: Temperatur Sensor Vorlauf[3] Rechts: Temperatur Sensor Rücklauf[3] Die Auswertung der Daten erfolgte über einen Messkoffer, welcher die erforderlichen Messdaten aufzeichnete. Diese wurden zunächst zu einem Gesamtdokument zusammengefügt(ca. 300.000 Datensätze). Anschließend wurden die Daten aufbereitet, um sie verständlich und übersichtlich darstellen zu können. 2.1.2 TEMPERATUR-LOGGER IN DEN WOHNUNGEN Im Rahmen der Temperatur- und Leistungsaufzeichnungen in der Energiezentrale, wurden parallel insgesamt 18 Wohnungen mit Messgeräten(Datenloggern) ausgestattet. Ein Datenlogger ist ein Gerät, das mithilfe integrierter Sensoren die jeweiligen Werte in definierten Zeitabständen aufzeichnet. Die erfassten Daten werden im internen Speicher gesichert und können anschließend über eine Schnittstelle(z. B. USB oder Funk) ausgelesen und ausgewertet werden. Auf diese Weise lassen sich Temperatur- und Feuchteverläufe über längere Zeiträume darstellen. Dies ermöglicht Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 23 von 78 eine objektive Beurteilung des Raumklimas und liefert wichtige Hinweise zu Energieeffizienz und Komfort. Die Datenlogger fungieren als Ergänzung zur zentralen Messaufzeichnung und unterstützen die Analyse des thermischen Komforts in bewohnten Wohnungen unter den realen Bedingungen. 11 Geräte davon wurden im Testturm und 7 Geräte im Referenzturm installiert. Zum Einsatz kommt das Modell LogTH32 der Firma DOSTMANN electronic GmbH mit folgenden messtechnischen Spezifikationen: Temperatur: ±0,5 K(-10 bis+40 ° C); sonst ±1,0 K Feuchtigkeit: ±3% relative Feuchte(40 bis 60%); ±3,5% relative Feuchte(20 bis 40%; 60 bis 80%); sonst ±5% relative Feuchte Die Datenlogger zeichnen alle 10 Minuten die Temperatur und Luftfeuchtigkeit auf, verfügen jedoch über kein Display. Dadurch wird vermieden, dass Bewohner*innen ihr Verhalten in Reaktion auf angezeigte Messwerte bewusst oder unbewusst anpassen. Weiters wurde bewusst auf eine Vernetzung oder Fernübertragung der Daten verzichtet, stattdessen erfolgte die Datenauslesung manuell erst nach Ende der Messperiode. Die Logger wurden wieder eingesammelt und anschließend mittels USB-Schnittstelle an einem Computer angeschlossen und dort ausgelesen. Im Zuge dessen konnten 17 der 18 eingesetzten Datenlogger wieder einer Auswertung zugeführt werden. Ein Datenlogger wurde nicht ordnungsgemäß eingeschaltet und konnte so leider keine Daten liefern. Bei der Montage der Messgeräte wurde besonders darauf geachtet, sie möglichst neutral im Raum zu positionieren. Die Logger befinden sich außerhalb direkter Einflüsse durch Fensterlüftung, Heizkörper oder Außenwände. Ein typischer Montageort ist in der Mitte der Raumtiefe an einer Innenwand, seitlich versetzt neben einer Zimmertür und in etwa in Höhe eines Lichtschalters. 2.2. Beschreibung der sozialwissenschaftlichen Begleitung Die sozialwissenschaftliche Begleitung des vorliegenden Praxistests hatte das Ziel, die Effektivität des Coptimizers unter realen Bedingungen zu prüfen und ein umfangreiches Feedback von den Nutzer*innen einzuholen. Darüber hinaus ging es darum, die Teilnehmenden über das Produkt zu informieren, Vertrauen für eine erfolgreiche Testphase aufzubauen und die Akzeptanz für das Produkt zu erhöhen. Ein weiteres, zentrales Anliegen bestand darin, Erkenntnisse für die weitere Produktentwicklung zu gewinnen: Welche Vorbehalte bestehen? Wie kann ihnen begegnet werden? Wie kommt der Coptimizer bei der Mieterschaft an und stimmen die im Labor getesteten Werte mit der subjektiven Wahrnehmung der Mieter*innen überein? Das sozialwissenschaftliche Monitoring von wohnbund:consult umfasste folgende Leistungen: a) In der Vorbereitungsphase wurden Informationsmaterialien – bestehend aus Texten und Grafiken – mit klarer Kommunikationshaltung entwickelt, die Hintergrund, Funktionsweise Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 24 von 78 sowie Nutzen des Coptimizers vermittelten. Die Infos wurden als per Post an die betroffenen Haushalte verteilt sowie ein Artikel in der„Wohnpark Alterlaa Zeitung“(WAZ) verfasst. Zudem wurde ein Befragungsdesign für zwei Online-Befragungen erstellt, um das Nutzungsverhalten, die allgemeine Behaglichkeit oder die Zufriedenheit mit dem Coptimizer zu erfassen. Ergänzend dazu wurde ein Konzept für leitfadengestützte Interviews entwickelt. Zeitraum: 10/2024- 12/2024 b) In der Umsetzungsphase wurden die Informationen an die Bewohner*innen weitergegeben und Schulungsmaterial für die Einbauphase(Anleitung zur Gesprächsführung) erstellt. Die Online-Befragungen wurden in zwei Wellen durchgeführt – einmal vor und einmal nach der Testphase – wobei die Möglichkeit bestand, sich für ein vertieftes Datenmonitoring zur Verfügung zu stellen. Zusätzlich wurden gegen Ende der Umsetzungsphase vertiefende Interviews mit Nutzer*innen in deren Wohnungen sowie ergänzende Expert*innen Interviews mit dem Team von Coptimizer durchgeführt. Zeitraum: 12/2024- 04/2025 c) Die Auswertungsphase umfasste die Zusammenführung und Analyse der Befragungs- und Interviewergebnisse sowie die Verknüpfung mit den Messergebnissen. Ableitend wurden Empfehlungen für die weitere Produktentwicklung und-kommunikation zusammengestellt. Zeitraum: 04/2025- 06/2025 Die Ergebnisse des sozialwissenschaftlichen Monitorings werden im Folgenden anhand der durchgeführten Befragungen und der Interviews mit ausgewählten Bewohner*innen von Alterlaa und Mitarbeiter*innen von Coptimizer dargestellt. Der Zeitplan kann anhand der folgenden Grafik (Abbildung 11) nachvollzogen werden. Abbildung 11: Zeitplan der sozialwissenschaftlichen Untersuchung[3] Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 25 von 78 3. Analyse vor Senkung der Vorlauftemperatur In diesem Kapitel wird die Ausgangslage vor der Senkung der Vorlauftemperatur analysiert. Im ersten Schritt werden alle notwendigen Daten und Informationen vor Einbau des Heizungsverstärkers aufgenommen. Dies umfasst sowohl die Leistungsdaten in den Heizzentralen als auch die aktuellen Erfahrungen der Bewohner*innen mit dem Heizsystem. In einer weiteren Phase werden die Heizkörperverstärker in den Wohnungen verbaut und die Änderungen in der Heizzentrale aufgezeichnet. Die Analyse bildet die Grundlage für die spätere Bewertung der Auswirkungen und ermöglicht eine nachvollziehbare Einordnung und einen Vergleich der Ergebnisse nach dem Einbau der HKV und Senkung der Vorlauftemperatur. 3.1. Messdaten vor und während Einbau des Nachrüstsystems PHASE 0 – VOR DEM EINBAU Die Aufzeichnung der Systemparameter hat bereits am 4. Dezember 2024, noch vor Installation des Nachrüstsystem im Testturm, in beiden Heizzentralen begonnen. Ziel dieser„Phase 0“ war es, den Ist-Zustand in den beiden Türmen zu messen, die Systeme abzugleichen und die Ausgangslage bewerten zu können. Aufgrund des bereits fixierten Einbaus und straffen Zeitplans blieb für diese Einregulierungsphase lediglich der Zeitraum zwischen 4. und 10. Dezember. Abbildung 12 beschreibt die abgegebene Heizleistungen für den Test und den Referenzturm in dieser Phase 0(linke Seite des Diagrammes). Jeweils in Blau sind die Werte des Referenzturmes („ Referenz“) angezeigt, jene des Testturmes(„ Coptimizer“) in Rot. Bei genauerer Betrachtung der Leistungen der beiden Türme, lässt sich erkennen, dass die Leistung im Referenzturm(rund 190 kW) im Schnitt 30 kW niedriger ausfällt als jene im Testturm(220 kW) vor Installation der Heizleistungsverstärker. Das allgemeine Schwungverhalten der beiden Türme ist aber weitgehend miteinander vergleichbar. Dieser Leistungsunterschied ist auf geringfügig höhere Volumenströme (34 m ³ /h verglichen mit 32 m ³ /h) gepaart mit einer etwas niedrigeren Spreizung im Testturm zurückzuführen. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 26 von 78 Abbildung 12: Heizleistungen vor und während des Einbaus(Phase 0 und 1)(Quelle: eigene Darstellung) Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 27 von 78 Die Vorlauftemperaturen der beiden Türme verhielten sich mit 52 ° C im Test- und 54 ° C im Referenzturm ebenfalls sehr ähnlich(Abbildung 13). Abbildung 13: Vorlauftemperaturen(Phase 0 und I)(Quelle: eigene Darstellung) Allgemein lässt sich damit sagen, dass das Verhalten der beiden Türme innerhalb dieser Phase 0 gut miteinander vergleichbar ist, obwohl es geringfügige Unterschiede bei den Temperaturen, Volumenströmen und damit auch den Leistungen gibt. Dies stellt dennoch eine gute Ausgangslage für den künftigen Vergleich der Systemparameter nach Einbau des HKV dar. PHASE I – WÄHREND DES EINBAUS Anschließend wurde mit der Installation der Heizkörperverstärker begonnen und erste Auswirkungen auf die Systemparameter identifiziert. Der Einbau begann am 10. Dezember 2024 und endete mit 21. Dezember 2024, mit vereinzelten zusätzlichen Aufbauten im Jänner 2025 nach den Weihnachtsfeiertagen. Insgesamt wurden in diesem Zeitraum 70% der Wohnungen erreicht und im Testturm mit Heizkörperverstärker ausgestattet. In dieser Phase ist deutlich zu erkennen, dass die Systemparameter auf die Installationen reagieren. Mit Zunahme der installierten Geräte, steigt auch die Spreizung zwischen Vor- und Rücklauf des Testturmes an(Abbildung 14). Gekoppelt daran steigt auch die abgegebene Leistung wie in Abbildung 12 zu sehen ist, sodass mit Ende dieser Phase I(rechte Seite des Diagrammes) rund 80 kW Leistungsdifferenz zwischen den beiden Türmen vorherrscht. Damit ist die Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 28 von 78 Heizleistungsdifferenz deutlich höher als zu Beginn der Messungen, als es noch rund 30 kW waren. Ein erstes Zeichen dafür, dass das erwartete Verhalten, der Leistungssteigerung mittels Heizkörperverstärker, auch eintritt. Abbildung 14: Temperaturspreizung Vorlauf-Rücklauf vor und während Einbau(Phase 0 und 1)(Quelle: eigene Darstellung) Die weiteren Phasen/Messdaten der Anwendung des Heizkörperverstärkers werden im nachfolgenden Kapitel 4.1.1 beschrieben. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 29 von 78 3.2. Erreichbarkeit der Bewohner*innen Über mehrere Wochen hinweg wurden intensive telefonische Kontaktaufnahmen mit den Bewohner*innen in Alterlaa durchgeführt, um Termine für den Einbau des Coptimizers zu koordinieren. Diese Phase war durch eine Vielzahl an Gesprächen geprägt, die sowohl herausfordernde als auch angenehme Situationen umfassten, insgesamt jedoch als aufschlussreich einzustufen sind. Die Rückmeldungen der kontaktierten Personen fielen unterschiedlich aus. Insgesamt überwogen jedoch freundliche und interessierte Reaktionen. Ein großer Teil der Bewohner*innen zeigte sich engagiert, stellte gezielte Fragen und äußerte Interesse an näheren Informationen zur Funktionsweise und zu den Vorteilen des Coptimizers. Einzelne Personen reagierten zuerst mit Skepsis oder Zurückhaltung. Die teilweise vorhandenen Vorurteile konnten aber durch intensive Gespräche mit den Bewohner*innen fast vollständig ausgeräumt werden. Ein häufiger geäußerter Wunsch bestand darin, sich zunächst selbst ein Bild vom Gerät zu machen – etwa hinsichtlich Optik, Funktionsweise und Nutzen –, bevor eine verbindliche Terminvereinbarung getroffen wurde. Daraufhin wurde ein„Tag-der- offenen Tür“ ve ranstaltet, welcher auch von zahlreichen Bewohner*innen besucht wurde. Mit Hilfe eines Demonstrators wurde die Optik des Gerätes an einem Testheizkörper nähergebracht sowie die Funktionsweise näher erklärt. Somit konnten noch einige Zweifel ausgeräumt und noch weitere Bewohner*innen für den Versuch gewonnen werden. Die Kontaktphase erwies sich insgesamt als intensiv, zugleich jedoch als sehr lehrreich. Sie ermöglichte nicht nur wertvolle Einblicke in die Haltung der Bewohner*innen gegenüber technologischen Neuerungen, sondern trug auch zur Weiterentwicklung kommunikativer Kompetenzen bei. Insgesamt konnten rund 70% der betroffenen Wohnungen bzw. deren Bewohner*innen im Testturm für die Teilnahme gewonnen werden, sodass der Heizkörperverstärker dort erfolgreich eingebaut werden konnte. Mit 70% der Wohnungen kann somit fast das ganze Gebäude abgedeckt werden. Weiters ist eine gute Durchmischung aller Wohnungstypen in Bezug auf Etage, Orientierung, Größe und Heizkörpertyp vorhanden. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 30 von 78 3.3. Erste Befragung vor Einbau des Heizkörperverstärkers Die erste Online-Befragung wurde im Zeitraum 12/2024 bis 01/2025 parallel zum Einbau des Coptimizers durchgeführt. Vorbereitend wurden Informationen per Postwurfsendungen an die teilnehmenden Haushalte verteilt sowie ein Artikel in der„Wohnpark Alterlaa Zeitung“(WAZ) verfasst. Bei der Befragung haben 26 Haushalte teilgenommen, ausgehend von einer Grundgesamtheit von 124 Haushalten. Damit erreichte die Befragung eine Rücklaufquote von 21 Prozent und liefert Hinweise und Tendenzen, auch wenn die Ergebnisse aufgrund der begrenzten Teilnahme nicht repräsentativ für die gesamte Anwohnerschaft sind. Verteilung der Befragten im Haus: • 12.- 16. Stock: 30% • 16.- 20. Stock: 35% • 20.- 24. Stock: 35% Wohnungstyp der Befragten: • 1-Zimmer: 16% • 2-Zimmer: 32% • 3-Zimmer: 32% • 4-Zimmer: 21% Die Befragung diente vor allem dazu, einen Überblick über den Status Quo der teilnehmenden Mieter*innen, das subjektive Wohlbefinden und das Nutzungsverhalten in Bezug auf Heizen und Kühlen zu bekommen. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 31 von 78 Abbildung 15 zeigt die Ergebnisse der Befragung zur Wahrnehmung der Wohnzimmer-Temperatur in der kalten Jahreszeit. Die meisten Befragten(zwölf Personen) empfinden die Temperatur als „angenehm“. Sechs Personen finden es„kühl“, drei Personen empfinden es als„warm“, jeweils keine Person gab„sehr warm“ oder„sehr kühl“ an. Eine Person machte keine Angabe. Abbildung 15: Befragung vor Einbau – Temperatur im Wohnzimmer(Quelle: eigene Darstellung) Ein Großteil der Befragten ist mit der Temperatur der Wohnung in der kalten Jahreszeit zufrieden. Es scheint weder zu warm noch zu kalt für die Bewohner*innen zu sein. Die subjektive Wohlfühltemperatur schwankt jedoch von 21 bis 25 Grad Celsius. Die Befragung zur Regulierung der Raumtemperatur zeigt, dass die meisten Personen den Heizkörper rauf- oder runterdrehen(Abbildung 16). Dies gaben elf Befragte an. Fast ebenso viele, nämlich zehn Personen, regulieren die Temperatur durch Öffnen oder Schließen des Fensters. Neun Personen passen ihre Kleidung entsprechend an. Zwei Befragte nannten sonstige Maßnahmen. Niemand gab an, keine besonderen Maßnahmen zu setzen. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 32 von 78 Abbildung 16: Befragung vor Einbau – Temperaturregulierung(Quelle: eigene Darstellung) Bei der Regulierung der Wohnungstemperatur zeigt sich ein sehr heterogenes Heizungsverhalten, welches sich auch bei Wohnungsbesichtigungen widerspiegelt: • Fenster werden für die gewünschte Temperatur geöffnet oder geschlossen, zum Teil auch gekippt; einzelne Heizkörper werden ein- und ausgeschaltet, die Funktionsweise des Thermostatventils ist nicht allen Mieter*innen bekannt; • einige Personen erwähnen die Anpassung der Kleidung; • zudem kommen auch elektrische Thermostatköpfe zur Steuerung sowie Klimaanlagen für das Heizen zum Einsatz. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 33 von 78 Die Befragung zur Einstellung des Heizkörperventils(ausgeführt als Thermostatventil) im Wohnzimmer während der kalten Jahreszeit zeigt, dass die Mehrheit die Ventile deutlich aufdreht (Abbildung 17). Acht Befragte gaben an, die Ventile hoch aufgedreht zu haben, und sieben Befragte stellten sie auf eine mittlere Position. Drei Personen gaben an, die Heizkörper wenig aufgedreht zu haben. Nur eine Person ließ den Heizkörper abgedreht, und ebenfalls eine Person machte keine Angabe. Abbildung 17: Befragung vor Einbau – Heizkörperventilstellung(Thermostatventile)(Quelle: eigene Darstellung) Die Thermostatventile werden in der kalten Jahreszeit sehr unterschiedlich genutzt: Die Nutzung variiert stark nach Anzahl der genutzten Heizkörper, der Lage der Wohnung, dem Zustand der Fenster sowie der subjektiven Wohlfühltemperatur. Zudem ist sie auch von äußeren Faktoren wie der Außentemperatur, der Windstärke und der Windrichtung anhängig. Es konnte festgestellt werden, dass in vielen Wohnungen eine unkontrollierte Wärmeabgabe über den Fußboden durch nicht oder schlecht isolierte Verteil- und Anbindeleitungen geschieht. Damit ist eine Regelung der Raumtemperatur schwieriger, da sich diese Wärmeverluste nicht steuern lassen und von der eingestellten Vorlauftemperatur des Heizsystems abhängig sind. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 34 von 78 Die Befragung zur Frage, ob es in den Wohnungen während der kalten Jahreszeit Bereiche gibt, die kühler sind als andere, zeigt folgendes Bild: Elf Befragte gaben an, dass die Temperatur in der gesamten Wohnung überall ähnlich ist. Sechs Personen berichteten, dass es einen bestimmten Bereich gibt, der kühler ist, und drei Personen nannten mehrere kühlere Bereiche(Abbildung 18). Abbildung 18: Befragung vor Einbau – Wärmeverteilung(Quelle: eigene Darstellung) Die Wärmeverteilung ist nicht bei allen Wohnungen gleich gegeben. Betroffene berichten von kälteren Zonen im Bereich der Fenster oder auch generell bei Außenwänden. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 35 von 78 Die Befragung zur Frage, ob es in den Wohnungen Zugluft oder trockene Luft gibt, zeigt deutliche Ergebnisse(siehe Abbildung 19). Fünfzehn Befragte berichteten, dass sie sowohl Zugluft als auch trockene Luft wahrnehmen. Eine Person gab an, nur Zugluft zu bemerken, während zwei Personen nur trockene Luft angaben. Ebenfalls zwei Befragte erklärten, dass keines von beidem auftritt. Eine Person machte keine Angabe. Abbildung 19: Befragung vor Einbau – Zugluft oder Trockene Luft(Quelle: eigene Darstellung) Ein Großteil der Befragten gibt an, Unbehaglichkeit durch Zugluft oder trockene Luft in der Wohnung zu verspüren, was sich vor allem in den Gesprächen zeigte. Ursache sind hauptsächlich undichte Fenster oder Türen, aber auch durchlässige Stellen zwischen Boden und Mauerwerk. Die Befragung zur Wahrnehmung der gefühlten Innenraumtemperatur im Sommer zeigt ein sehr eindeutiges Bild(Abbildung 20). Achtzehn Befragte gaben an, die Raumtemperatur als sehr warm zu empfinden. Drei Personen bezeichneten die Temperatur als angenehm. Niemand gab an, dass es lediglich warm, kühl oder sehr kühl sei, und auch unter„Sonstiges“ wurden keine Angaben gemacht. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 36 von 78 Abbildung 20: Befragung vor Einbau – Wahrnehmung der Innenraumtemperatur im Sommer(Quelle: eigene Darstellung) Abhilfe wird sich unter anderen durch Sonnenschutz sowie vermehrt durch Klimageräte geschafft. Diese Erkenntnis konnte aus den Wohnungsbesuchen nach Einbau des Heizkörperverstärkers gewonnen werden. FAZIT ERSTE BEFRAGUNG Die Ergebnisse der ersten Befragung zeigen, dass die Mehrheit der teilnehmenden Mieter*innen grundsätzlich mit der Raumtemperatur in der kalten Jahreszeit zufrieden ist, auch wenn individuelle Wohlfühlgrenzen stark variieren. Die Nutzungsweisen der Heizkörper sind sehr unterschiedlich und hängen von vielen Faktoren ab – von der Wohnlage bis hin zur persönlichen Gewohnheit oder Unkenntnis über die Funktionsweise der Thermostatventile. Ein zentrales Ergebnis ist, dass Zugluft und trockene Luft als häufige Probleme wahrgenommen werden – meist durch undichte Fenster. Diese beeinträchtigen das subjektive Wohlbefinden deutlich, insbesondere im Winter. In den Sommermonaten wird die Situation zum Teil als belastend erlebt: Überhitzte Wohnungen führen häufig zum Rückgriff auf Klimageräte. Insgesamt unterstreicht die Erhebung die Bedeutung einer individuellen, nutzerfreundlichen Temperaturregulierung, besserer thermischer Dämmung sowie gezielter Information und Bewusstseinsbildung über vorhandene oder zukünftige Heiz- und Kühloptionen. Für eine klarere Aussage wäre jedoch eine Befragung mit höherer Beteiligung notwendig. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 37 von 78 4. Ergebnisse durch Senkung der Vorlauftemperatur In den beiden nachfolgenden Kapiteln werden die Ergebnisse der messtechnischen Untersuchung und der sozialwissenschaftlichen Befragung beschrieben, die sich nach Einbau des Nachrüstsystems und der darauffolgenden Senkung der Vorlauftemperatur im Testturm ergeben. 4.1. Ergebnisse der messtechnischen Untersuchung nach Einbau des Heizkörperverstärkers Zwischen Dezember 2024 und April 2025, nach dem Einbau von Coptimizer, wurden Messungen in den Heizzentralen durchgeführt. Dabei wurden Informationen über den Betrieb des Gebäudes gesammelt und ausgewertet. Dazu zählen unter anderem die Systemtemperaturen in der Zentrale(Heizungsvorlauf und rücklauf, Volumenstrom) sowie daraus errechnete Parameter(Spreizung, Heizleistung, etc.). Nachfolgend werden die Messergebnisse grafisch dargestellt und beschrieben. 4.1.1 MESSPHASEN Die gesamte Messperiode lässt sich in insgesamt fünf Phasen, plus Phase 0 vor Einbau der Coptimizer, unterteilen, in denen anhand der Regelung unterschiedliche Szenarien abgebildet wurden. Konkret sind das folgende: PHASE 0 – EINREGULIERUNG(SIEHE AUCH KAPITEL 3) Während dieser Phase war das Ziel den Referenzturm und den Testturm(siehe Kapitel 1.2.1) möglichst ident zu betreiben und damit eine vergleichbare Ausgangslage in den Betriebsbedingungen zu schaffen. Diese beziehen sich auf die in der Heizzentrale einstellbaren Vorlauftemperatur und den Volumenstrom, die Rücklauftemperatur ergibt sich unter anderem aus diesen beiden Parametern. Aus ihnen lässt sich schlussendlich die im Gebäude abgegebene Heizleistung errechnen. Diese Phase ging vom 4. Dezember 2024 bis zum 9. Dezember 2024. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 38 von 78 PHASE 1 – EINBAU COPTIMIZER(SIEHE AUCH KAPITEL 3) In Phase 1 wurden im Zeitraum von 10. bis 22. Dezember im Testturm die Heizleistungsverstärker eingebaut. Über die Dauer nahm die Anzahl der ausgestatteten Wohnung zu. Die zentral regelbaren Betriebsbedingungen(Vorlauftemperatur und Volumenstrom) wurden während dieser Phase nicht verändert. Während dieser Phase zeigten sich vergleichbare Vorlauftemperaturverläufe in beiden Türmen. Durch den Einbau der Heizleistungsverstärker sank die Rücklauftemperatur im Testturm weiter ab als im Vergleichsturm. Diese Änderung in der Temperaturpaarung(Vorlauf-& Rücklauftemperatur), auch als Spreizung bezeichnet, deutet bereits auf eine höhere Wärmeabgabe in den Wohnungen mit Heizleistungsverstärker hin. Im mit Coptimizer ausgestatteten Testturm ergab sich gegen Ende dieser Phase 1 zwischen Vorund Rücklauf eine Temperaturdifferenz von rund 6 K bis 7 K. Im Vergleichsturm lag diese im Verlauf konstant bei rund 5 K und damit bis zu 30% niedriger – einem deutlichen Unterschied, da dies auch ein Zeichen für eine erhöhte Wärmeabgabe in den Wohnungen ist. PHASE 2 – TESTPHASE I Nach Abschluss des Einbaus wurde in Phase 2, zwischen 22. Dezember und 22. Jänner, die bisherigen Messergebnisse analysiert und erste Änderungen an den Betriebsbedingungen im Testturm durchgeführt. Die erhöhte Wärmeabgabe in den Wohnungen durch den Einbau der HKV konnte bestätigt werden. Bei annähernd identen Vorlauftemperaturen in beiden Türmen war die Rücklauftemperatur im Testturm um durchschnittlich 2 K niedriger als die Referenz. Die abgegebene Heizleistung proportional dazu höher. Unter der Annahme, dass beide Türme annähernd gleich viel Wärmeleistung benötigen(vgl. Ergebnisse Phase 0) müssen, konnte nun darauf reagiert werden. Testweise wurden somit die Sollwerte der Vorlauftemperatur im Testturm reduziert. Die Temperaturen und die Heizleistung entsprechend beobachtet. PHASE 3 – COOLDOWN-PHASE In dieser Phase 3 wurde auf erste Rückmeldungen der Nutzer*innen aus der vorherigen Phase eingegangen. Während keine weiteren Anpassungen der regelbaren Systemparameter vorgenommen wurden, konnten Betriebsprobleme einzelner Wohnungen behoben werden. Durch das Absenken der zentral geregelten Vorlauftemperatur wurde in wenigen Wohnungen von zu niedrigen Temperaturen berichtet. Diese konnten jedoch durch Hinweise zur korrekten Bedienung der Heizkörper und geringfügige Erhöhungen der Durchflussmengen innerhalb der Wohnung behoben werden. Dieser Beobachtungszeitraum ging von 22. Jänner bis 17. Februar. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 39 von 78 PHASE 4 – TESTPHASE II In der zweiten Testphase(Phase 4) vom 17. Februar bis 6. März wurden die Einstellungen des Heizsystems erneut angepasst. Dabei wurde die Vorlauftemperatur im Testturm auf Basis der bisherigen Messergebnisse um 2 K abgesenkt. PHASE 5- ÜBERGANGSPHASE In der letzten Phase(Phase 5) vom 6. März bis zum 21. April wurden weiterhin Daten aus dem Testturm und dem Vergleichsturm aufgezeichnet. Es wurden aber keine weiteren Veränderungen mehr vorgenommen. Abbildung 21 zeigt die Tagestiefpunkte(blau) und die Tageshochpunkte(rot) der Außentemperatur am Standort. Hierbei zeigt sich, dass in der Heizsaison 2024/2025 durchaus Minusgrade erreicht wurden und somit die Leistungsfähigkeit des Systems auch bei niedrigen Außentemperaturen beobachtet werden konnte. Am 18.02. wurde eine Tagestiefsttemperatur von-10 ° C gemessen. AUßENTEMPERATUREN WÄHREND DER UNTERSUCHUNG Ein wesentlicher Parameter ist die Außentemperatur. Sie bestimmt mitunter wie viel Wärmeleistung ein Gebäude benötigt, um die gewünschten Innenraumtemperaturen sicherzustellen. Genauere Erklärungen können aus Kapitel 2 –„Heizkurve“ entnommen werden. Wie in Abbildung 21 zu sehen ist, lagen während der Einbauphase im Dezember die Außentemperatur zwischen 1 ° C und rund 7 ° C, mit Ausnahme weniger wärmerer Tage. Nach einer kurzen warmen Phase Ende Jänner ergab sich Mitte Februar eine Woche mit recht niedrigen Außentemperaturen. Am kältesten Tag lag die Temperatur zwischen-10 ° C und+3 ° C untertags. Dieser Zeitraum war für die Bewertung der Wirkung von Coptimizer besonders relevant. Anfang März folgte bereits die erste warme Phase des Jahres mit Tageshöchstwerten von deutlich über 15 ° C. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 40 von 78 Abbildung 21: Außentemperaturverlauf über Messperiode(Quelle: eigene Darstellung) TEMPERATURMESSUNGEN IN EXEMPLARISCHEN WOHNEINHEITEN Parallel zu den Messungen in den Heizzentralen wurden zusätzliche Temperaturmessungen in zufällig ausgewählten Wohneinheiten durchgeführt. Die Bewohner*innen konnten sich für die Messung der Raumtemperatur dafür freiwillig melden. Es konnten während der gesamten Messphase keine maßgeblichen Unterschiede festgestellt werden. Die Temperaturen sowohl in den Test- als auch Referenzwohnungen lagen deutlich über der Behaglichkeitsuntergrenze von 20 ° C bis 22 ° C. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 41 von 78 AUSWERTUNG GESAMTER MESSZEITRAUM Wesentlich für das Verständnis der Auswertung sind die drei folgenden Diagramme wichtig, da sie die Heizsysteme der beiden Türme miteinander vergleichen: 1. Abbildung 22: Heizleistungsverlauf über Messperiode beschreibt die abgegebene Heizleistung in kW in beiden Türmen, gemessen in den jeweiligen Heizzentralen(siehe Abbildung 6) über den gesamten Messzeitraum. 2. In Abbildung 23 erkennt man die dazugehörigen Vorlauftemperaturen der zwei Heizsysteme gemessen im selben Zeitraum. Eine geringere Vorlauftemperatur bei gleicher Heizleistung deutet auf ein effizienteres Gesamtsystem hin. 3. Abbildung 24 zeigt die sogenannte Spreizung in beiden Türmen, eine gerechnete Größe. Sie gibt die Differenz zwischen Vorlauf- und Rücklauftemperatur an. Eine größere Spreizung im System ist ein Hinweis auf eine größere Wärmeabgabe der Heizkörper(=höhere Heizleistung). Zu Beginn des Messzeitraumes verhielten sich die Heizleistung(Abbildung 22: Heizleistungsverlauf über Messperiode), die Vorlauftemperaturen(Abbildung 23) und die Spreizung zwischen Vor- und Rücklauftemperatur(Abbildung 24) sehr ähnlich. Besonders bei den Vorlauftemperaturen ist bis Anfang Jänner kaum ein Unterschied zu erkennen – hier wurden auch noch keine Änderungen vorgenommen. Im Gegensatz dazu nimmt mit zunehmender Anzahl verbauter Coptimizer die Spreizung und damit auch die in den Wohnungen abgegebene Heizleistung zu. Typischerweise wird ein System so betrieben, dass sich eine Spreizung zwischen Vor- und Rücklauf von 5 bis 7 K einstellt (vgl. Anfang Dezember 2024). Zu Spitzenzeiten lag die Spreizung im Testturm mehr als 2 K über jener des Referenzturmes. Der Unterschied in den Heizleistungen der beiden Türme stieg auf bis zu 100 kW an und damit deutlich mehr, als am Standort eigentlich benötigt werden würde. Ab 8. Jänner wurde die Regelung der Vorlauftemperatur des Testturmes verändert. Im Testturm wurde die Heizkurve gesenkt. Damit sollten sich die Temperaturen der beiden Türme wieder besser angleichen. Auch die abgegebene Heizleistung entspricht damit wieder stärker der Ausgangslage von Anfang Dezember, zu sehen in Abbildung 22. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 42 von 78 Ab Beginn der Testphase II(17. Februar) liegen die Spreizungen(Abbildung 24) der beiden Türme und auch die abgegebenen Heizleistungen wieder sehr nahe beisammen(rund 1 K) und damit in einem vergleichbaren Zustand wie zu Beginn der Messungen. Einziger Unterschied ist, dass die Vorlauftemperatur im Testturm zu diesem Zeitpunkt bereits um rund 7 K bis 8 K unter jener des Referenzturmes liegt. Die Überhöhung der Heizleistung des Testturmes liegt in dieser Phase im Bereich der anfänglichen rund 30 kW. Damit zeigt sich, dass durch die Installation des HKV die Heizleistung im Testturm trotz der Absenkung der Vorlauftemperatur nahezu konstant geblieben ist. Abbildung 22: Heizleistungsverlauf über Messperiode(Quelle: eigene Darstellung) Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 43 von 78 Nach anfänglich symmetrisch verlaufenden Vorlauftemperaturen kommt es über den gesamten Messzeitraum mehrmals zu größeren Veränderungen. Dies sind gewünschte Effekte, die bewusst in den Einstellungen der Heizzentralen vorgenommen wurden, um die Differenzen der Heizleistung zwischen den beiden Türmen bestmöglich auszugleichen. Allgemein schwingen die Vorlauftemperaturen über die Messzeitraum gleichförmig, jedoch in Abhängigkeit von der Phase der Studie in unterschiedlicher absoluter Höhe(vgl. Abbildung 23). Abbildung 23: Verlauf der Vorlauftemperaturen über Messperiode(Quelle: eigene Darstellung) Die abgegebene Heizleistung hängt direkt mit der Spreizung, also der Temperaturdifferenz zwischen Vor- und Rücklauf im Turm zusammen. In Abbildung 24 ist zu sehen, dass sich diese über den Messzeitraum im Referenzturm und dem Testturm stark unterscheiden. Anfänglich(während Phase 0 der Einregulierung) sind die Spreizungen beider Türme noch gut miteinander vergleichbar, deren Unterschiede sind gering. Mit steigender Anzahl an HKV, eingebaut in den Wohnungen, steigt die Spreizung in Turm schließlich überproportional an. Durch die bewussten Senkungen der Vorlauftemperatur in der Zentrale wird das Ziel verfolgt, die anfänglich geringen Unterschiede in den Spreizungen wieder zu erreichen – mit Erfolg. Während der letzten Phasen sind beide Türme wieder gut miteinander vergleichbar und die Spreizung auf einem ähnlichen Niveau. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 44 von 78 Abbildung 24: Temperaturspreizung Vorlauf/Rücklauf über Messperiode(Quelle: eigene Darstellung) 4.1.2 ZUSAMMENFASSUNG DER MESSTECHNISCHEN UNTERSUCHUNG Die Messungen an den beiden Türmen haben gezeigt: Mit Einbau der Heizkörperverstärker wird mehr Wärme abgegeben. Dadurch wird das Wasser kühler zurückgeführt, und der Unterschied zwischen Vorlauf- und Rücklauftemperatur wird größer. Da beide Türme fast gleich viel Wärme brauchen(wie schon in Phase 0- Einregulierung festgestellt), konnten die Systemparameter angepasst werden, um der Erhöhung der Wärmeabgabe entgegenzuwirken. Im Testturm reichte zum Schluss eine um etwa 8 K niedrigere Vorlauftemperatur, um weiterhin genug Wärme abzugeben. Am Ende der Testreihe konnte dank des Einsatzes des HKV ein für die Bewohner*innen zufriedenstellender Betrieb trotz dieser reduzierten Temperaturen erreicht werden. Es kam am Ende zu keinen Beschwerden aufgrund unzureichender Wärmeabgabe. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 45 von 78 4.2. Ergebnisse der sozialwissenschaftlichen Untersuchung nach Einbau des Heizkörperverstärkers Die zweite Online-Befragung wurde im Zeitraum März bis April 2025 durchgeführt. Vorbereitend wurden Informationen per Postwurfsendungen an die teilnehmenden 90 Haushalte verteilt. Bei der Befragung haben 33 Haushalte teilgenommen. Das entspricht einer Rücklaufquote von 37%. Verteilung der Befragten im Haus: • 12.- 16. Stock: 26% • 16.- 20. Stock: 48% • 20.- 24. Stock: 26% Wohnungstyp der Befragten: • 1-Zimmer: 12% • 2-Zimmer: 37% • 3-Zimmer: 32% • 4-Zimmer: 19% Im Rahmen des Pilotprojekts hatten die teilnehmenden Mieter*innen die Möglichkeit, den Coptimizer unter Alltagsbedingungen zu nutzen und die Wahrnehmung möglicher Veränderungen im Raumklima im Rahmen der daran anschließenden Online-Befragung sowie ergänzender Interviews mitzuteilen. Diese diente dazu, subjektive Eindrücke systematisch zu erfassen. Die Rückmeldungen liefern wichtige Anhaltspunkte für die Weiterentwicklung des Produkts und ermöglichen eine Einschätzung seines Potenzials zur Steigerung des Wohnkomforts in der Wohnhausanlage Alterlaa. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 46 von 78 Zu Beginn wurde gefragt, ob seit dem Einbau des Coptimizers Veränderungen in der Wohnung wahrgenommen worden sind. Die Ergebnisse sind in Abbildung 25 zusammengefasst. Die Bewohner*innen wurden nicht über die Senkung der Vorlauftemperatur informiert, um möglichst unvoreingenommene Antworten zu erhalten. Abbildung 25: Befragung nach Einbau HKV – Veränderungen im Raum/ Zugluft(Quelle: eigene Darstellung) Diese Befragung zeigt, dass die große Mehrheit der Befragten keine Veränderung wahrgenommen hat. Sechsundzwanzig Personen gaben an, dass sich die Situation nicht verändert hat. Vier Befragte berichteten von einer Zunahme der Zugluft, während eine Person eine Abnahme feststellte. Fünf Personen machten keine Angabe. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 47 von 78 Abbildung 26: Befragung nach Einbau HKV – Veränderungen im Raum/ Trockene Luft(Quelle: eigene Darstellung) Hinsichtlich der Veränderungen im Raum in Bezug auf trockene Luft zeigt, dass die Mehrheit keine Veränderung festgestellt hat. Zweiundzwanzig Befragte gaben an, dass sich die Situation nicht verändert hat. Fünf Personen berichteten von einer Zunahme trockener Luft, während ebenfalls fünf Befragte eine Abnahme wahrnahmen. Weitere fünf Personen machten keine Angabe. Insgesamt dominiert jedoch die Wahrnehmung, dass sich die Situation hinsichtlich trockener Luft nicht verändert hat(Abbildung 26). Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 48 von 78 Abbildung 27: Befragung nach Einbau HKV – Veränderungen im Raum/ Wärmeverteilung(Quelle: eigene Darstellung) Die Wärmeverteilung(Abbildung 27) beschreibt, wie gleichmäßig oder ungleichmäßig sich die Wärme im Raum verteilt. Dabei zeigt sich bei 10 Personen eine gefühlte Zunahme der Wärmeverteilung im Raum(kalte Jahreszeit). In Gesprächen wird dies bekräftigt und als sehr positiv eingeschätzt. 16 Personen sehen die Wärmeverteilung als unverändert. Aus den Erkenntnissen der vertiefenden Interviews wird deutlich, dass dies auf unzureichende Wahrnehmung und Sensibilisierung zurückgeführt werden kann. Eine unveränderte Wärmeverteilung bei zum Beispiel 10 K weniger Vorlauf, bedeutet, dass Coptimizer funktioniert und die Behaglichkeit im Raum trotz Senkung der Vorlauftemperatur gleichbleibt(wenn nicht sogar steigt). Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 49 von 78 Abbildung 28: Befragung nach Einbau HKV – Veränderungen im Raum/ Temperatur(Quelle: eigene Darstellung) Die Raumtemperatur beschreibt, wie warm oder kalt es in den Wohnungen ist. Das subjektive Empfinden der Raumtemperatur in den untersuchten Wohnungen zeigt ein heterogenes Bild (Abbildung 28) – es wurde sowohl eine Abnahme(13 Nennungen) als auch eine Zunahme(7 Nennungen) der Temperatur wahrgenommen. Für 11 Wohnungen hat sich an der Raumtemperatur nichts geändert. Dazu sind die bereits oben beschriebenen Faktoren wie Anzahl der genutzten Heizkörper, die Lage der Wohnung, der Zustand der Fenster sowie die äußeren Faktoren wie Außentemperatur, Windstärke und-richtung zu berücksichtigen. Zudem ist zu beachten, dass eine geringere Raumtemperatur nicht zwangsläufig negativ bewertet wird. In den vertiefenden Interviews äußerten viele Bewohner*innen Zufriedenheit darüber, da sie erstmals seit Langem die Raumtemperatur wieder gezielt über die Heizkörper regulieren konnten – anstatt unkontrolliert durch die Wärmeabgabe des Bodens beheizt oder durch Fensteröffnen kühlen zu müssen. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 50 von 78 Abbildung 29: Befragung nach Einbau HKV – Veränderungen im Raum/ Geräuschentwicklung(Quelle: eigene Darstellung) Ein klares Bild zeigt die Geräuschentwicklung: Viele Personen berichten von wahrnehmbarem „Klackern“ der Lüfter, was auch ein Grund für das Abschalten einzelner Coptimizer war. Die Geräuschentwicklung konnte durch den Tausch einzelner Lüfter behoben werden(Abbildung 29). Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 51 von 78 Abbildung 30: Befragung nach Einbau HKV – Veränderungen im Wohnalltag(Quelle: eigene Darstellung) Knapp die Hälfte der Befragten gibt an, durch den Coptimizer Veränderungen im Wohnalltag beobachtet zu haben(Abbildung 30). Im Detail sehen die Veränderungen wie folgt aus: • Wärmeverteilung: Verbesserte Wärmeverteilung „ Verbesserte Wärmeverteilung und Wärme auch in Bodennähe“ „ Bessere Temperatur im Raum und keine Luftbefeuchter notwendig“ • Geräuschentwicklung: Geräusche durch Lüfter „ Leider gab es ein Klackern, was störend war- aber sonst find ich die Idee sehr gut und nachhaltig!“ • Reinigung: Schwierigkeit beim Reinigen „...darunter schwer bis gar nicht zu reinigen“ • Optik: Gerät optisch unattraktiv „Der Coptimizer sieht nicht schön aus“ Wichtig ist dabei zu betonen, dass eine Veränderung im Wohnalltag sowohl positiv als auch negativ beurteilt werden kann. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 52 von 78 Abbildung 31: Befragung – Einstellung Thermostatkopf vor und nach Coptimizer(Quelle: eigene Darstellung) Ein Großteil der befragten Haushalte beließen ihre Thermostate nach dem Einbau des Coptimizers unverändert(Abbildung 31). Trotz der im Testzeitraum reduzierten Vorlauftemperatur stellten die Bewohner*innen keine spürbare Veränderung der Raumtemperatur fest. Dies zeigt, dass der Coptimizer die Absenkung der Vorlauftemperatur effektiv ausgleichen konnte. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 53 von 78 Abbildung 32: Befragung – Zufriedenheit Coptimizer(Quelle: eigene Darstellung) Knapp ein Drittel der Testhaushalte ist eher zufrieden und ein gutes Drittel ist eher unzufrieden mit dem Coptimizer-System(Abbildung 32). Interessant sind hierbei die Gründe, welche wie folgt aussehen und Großteils bereits beschrieben worden sind: • Keine oder kaum spürbare Verbesserung o “Wir sehen oder fühlen keine Veränderung.” o „ Gefühlsmäßig herrscht eine angenehme Temperatur.“ • Verbesserte Wärmeverteilung und Raumklima o „ Wärme auch in Bodennähe und bessere Wärmeverteilung.“ o „ Ich empfinde es als angenehmer.“ • Geräuschentwicklung und Optik o " Alles super, nur die Lautstärke Ventilatoren stört manchmal.“ o " Das Aussehen der Geräte könnte dezenter sein.“ Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 54 von 78 Abbildung 33: Befragung – Verbesserungsmöglichkeiten Coptimizer(Quelle: eigene Darstellung) Diese Frage zielt vorrangig darauf ab, Optimierungspotenziale zu identifizieren. Die Mehrheit der befragten Personen äußerten keine Verbesserungsmöglichkeiten des Systems(Abbildung 33). Auf die Frage, ob es etwas gibt, das in Bezug auf das Raumklima(u. a. Luftqualität, Wärmeverteilung, Wohlbefinden) verbesserungswürdig sei, wurden folgende Aspekte von den Befragten angeführt: • Raumklima o Unzureichende Wärmeverteilung und Zugluft o Geringere Raumtemperatur und fehlende Wärme bei niedrigem Vorlauf • Luftzirkulation o Lüfter verwirbeln kalte Luft und haben Anlaufprobleme o Lamellenanpassung zur besseren Luftverteilung o Verdunster könnten gegen trockene Luft helfen • Geräusch- und Komfortprobleme o Störende Geräusche o Optimierungsbedarf bei Lüfter Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 55 von 78 Abbildung 34: Befragung – Gibt es Heizkörper, die nie aufgedreht werden?(Quelle: eigene Darstellung) Wie bereits beschrieben gibt es in fast jeder Wohnung Heizkörper, die nie aufgedreht werden. Die ist zum einen auf das Nutzungsverhalten zurückzuführen(Beispiel: Im Wohnzimmer läuft ein Heizkörper auf Hochtouren, der zweite ist abgeschaltet), zum anderen auf die vorhandene Wärme in der Wohnung(u.a. durch unkontrollierte Wärmeabgabe über den Fußboden) oder auch Schlafräume, in denen die Temperatur nicht so hoch sein muss(Abbildung 34). Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 56 von 78 Abbildung 35: Befragung – In welchem Zimmer werden die Heizkörper nie aufgedreht?(Quelle: eigene Darstellung) In den besichtigten Wohnungen zeigt sich fast überall, dass die innenliegenden Badezimmer kaum beheizt werden, ebenso die Schlafzimmer und zum Teil die Kinderzimmer bzw. Arbeitszimmer (Abbildung 35). Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 57 von 78 Abbildung 36: Befragung – optisches Erscheinungsbild Coptimizer(Quelle: eigene Darstellung) Auf die Frage nach dem optischen Erscheinungsbild zeigt sich, wie aus den vorangegangenen Beschreibungen bereits erkennbar, ein Potenzial bei der Verbesserung des Designs des CoptimizerSystems(Abbildung 36). Laut Aussagen der Befragten Personen könnten unter anderen das optisches Erscheinungsbild, die Kabelführung und die Größe des Systems verbessert werden. Weiters gab es Kritik in Bezug auf die Symmetrie und Anordnung der Lüfter, deren Steghöhe und anzahl sowie die Abdeckung. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 58 von 78 FAZIT ZWEITE BEFRAGUNG Die Erfahrungen mit dem Coptimizer zeigen ein gemischtes Bild: Einige Nutzer*innen berichten von einer verbesserten Wärmeverteilung auch bei abgesenkter Vorlauftemperatur. Weitere Aspekte stoßen auf Kritik, vor allem das störende Klackern der Lüfter und die als unattraktiv empfundene optische Gestaltung werden häufig negativ erwähnt. Die Zugluft und Luftfeuchtigkeit wurden mehrheitlich als unverändert wahrgenommen. Das deutet daraufhin, dass das System Coptimizer kaum Einfluss auf den thermischen Wohnkomfort hat. Trotz vereinzelter Verbesserungen im Komfort ist bei vielen Nutzer*innen keine klare Veränderung im Wohnalltag spürbar geworden, was im Zusammenhang mit der nicht kommunizierten Senkung der Vorlauftemperatur durchaus als positiv zu interpretieren ist. Die Rückmeldungen deuten darauf hin, dass Optimierungsbedarf insbesondere in Bezug auf Lautstärke, Design und die Feinabstimmung der Luftführung besteht. Zudem wäre eine längere Testphase notwendig, um definitive Aussagen und Veränderungen wahrnehmen zu können. Aus den Antworten und Interviews zeigt sich auch, dass es noch Wissens- und Bewusstseinslücken im Umgang mit dem bestehenden Heizsystem gibt. Die richtige Nutzung mit dem Heizkörperverstärker sollte daher bei der Umstellung auf klar kommuniziert werden. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 59 von 78 5. Erkenntnisse aus der Vorlauftemperatursenkung mittels Heizkörperverstärker Im folgenden Kapitel werden die zentralen Erkenntnisse, die sich aufgrund der gesenkten Vorlauftemperaturen ergeben, aus messtechnischer als auch als sozialwissenschaftlicher Sicht beschrieben. 5.1. Messtechnische Erkenntnisse Die messtechnische Untersuchung im Test- und Referenzturm hat gezeigt, dass der Heizkörperverstärker die gewünschte Wirkung entfaltet. Durch die Ausstattung der Wohnungen mit dem HKV konnte die Vorlauftemperatur im Testturm gesenkt, jedoch dieselbe Wärmeabgabe an den Heizkörpern in den Wohnungen messtechnisch erfasst werden. In der untenstehenden Abbildung 37: Differenz der Vorlauftemperaturen in beiden Türmen ist die Differenz der Vorlauftemperatur der beiden Türme über den gesamten Messzeitraum in Rot aufgetragen. Ergänzend sind in grau die Tagestiefsttemperaturen hinterlegt. Während die beiden Türme anfänglich noch sehr ähnlich mit einer Differenz von weniger als 2 K betrieben wurden, änderte sich dies ab Anfang Jänner mit der Anpassung der Vorlauftemperatur im Testturm. In der kältesten Phase rund um den 18. Februar 2025 erreichte die Vorlauftemperaturdifferenz der beiden Türme ihren Höhepunkt bei über 10 K; bei milderen Außentemperaturen sank sie auf 6 bis 8 K. Es ist hervorzuheben, dass der zugrunde liegende Test auf freiwilliger Teilnahme basierte. Dadurch konnten lediglich rund 70 Prozent der Wohnungen mit HKV ausgestattet werden. Einige Bewohner*innen standen der neuen Technologie skeptisch gegenüber und wollten sich nicht beteiligen. Bei einer Vorlauftemperatursenkung von etwa 8 K zeigte sich bereits, dass in mehreren Wohnungen ohne HKV durch wohnungsbedingte Durchflusserhöhungen oder den zeitweisen Einsatz elektrischer Heizgeräte nachgeholfen werden musste. Eine weitere Absenkung hätte sich daher nachteilig auf den Gesamterfolg des Projekts ausgewirkt. Wären jedoch alle Wohnungen einbezogen gewesen, wäre voraussichtlich eine Reduzierung der Vorlauftemperatur um bis zu 10 K permanent möglich gewesen. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 60 von 78 Abbildung 37: Differenz der Vorlauftemperaturen in beiden Türmen(Quelle: eigene Darstellung) Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 61 von 78 5.2. Erkenntnisse des sozialwissenschaftlichen Monitorings Als im Rahmen des Projekts die Vorlauftemperatur im Testturm schrittweise gesenkt wurde, geschah dies bewusst ohne vorherige Ankündigungen. Die Bewohner*innen sollten ganz unvoreingenommen ihre Wohnsituation bewerten, d. h. frei von Erwartungen oder Vorwissen. Tatsächlich bemerkte kaum jemand einen Unterschied. Die Räume blieben warm, der Wohnkomfort unverändert. In den Fragebögen spiegelte sich genau das wider. Viele beschrieben, dass sich nichts verändert habe. Für einige wirkte das System dadurch wenig relevant, vielleicht sogar überflüssig. Doch genau darin liegt der eigentliche Erfolg. Dass eine technische Umstellung im Hintergrund läuft, ohne dass die Bewohner*innen Einschränkungen spüren, ist ein starkes Zeichen für eine gelungene Umsetzung des Projektes und ein großes Potenzial von lüfterbetriebenen Heizungsverstärkern. Die Vorlauftemperatur wurde gesenkt und das ohne messbaren Komfortverlust. Folgende zentrale Erkenntnisse lassen sich aus sozialwissenschaftlicher Sicht zusätzlich ableiten: • Heterogenes Heizverhalten& Wissen Bewohner*innen regulieren die Raumtemperatur auf sehr unterschiedliche Weise – sei es durch das Verstellen des Thermostats, das Öffnen von Fenstern, die Wahl der Kleidung oder den Einsatz von Klimaanlagen. Dabei zeigt sich, dass viele Menschen die genaue Funktionsweise ihrer Heizkörper, insbesondere der Thermostatventile, nicht kennen. Dies deutet auf ein Informationsdefizit und notwenige Bewusstseinsbildung zum richtigen Heizen (und Kühlen) hin, um die Heizungseffektivität gesamt zu erhöhen, ohne die Behaglichkeit zu verschlechtern. Wenn technische Veränderungen keine spürbare Auswirkung auf das Raumgefühl haben, wird ihr Nutzen von den Bewohner*innen häufig nicht wahrgenommen. In solchen Fällen fehlt das subjektive Erleben eines Effekts, obwohl objektiv eine Verbesserung stattgefunden hat(z. B. keine wahrgenommenen Veränderungen im Raumklima trotz abgesenkter Vorlauftemperatur). Eine klare, verständliche und niedrigschwellige Information über die Funktionsweise des Nachrüstsystems ist entscheidend für die richtige Nutzung. Ebenso wichtig ist es, Vertrauen in technische Innovationen aufzubauen, um die Akzeptanz und richtige Anwendung zu fördern. Dies erfordert Zeit und begleitendes Monitoring. • Design& Geräusch als Akzeptanzfaktoren Die Geräuschentwicklung wird von vielen Mieter*innen als Störfaktor wahrgenommen. Störende Geräusche führen häufig dazu, dass das Gerät abgeschaltet oder nicht genutzt wird. Solche Eindrücke beeinflussen die Wahrnehmung der Technologie maßgeblich und können deren Nutzung einschränken. Wird ein Produkt als unästhetisch oder unpassend wahrgenommen, sinkt nicht nur die Zufriedenheit der Nutzer*innen, sondern auch die Bereitschaft, es weiterzuempfehlen. Die visuelle Integration in das Wohnumfeld spielt dabei eine entscheidende Rolle. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 62 von 78 Die Akzeptanz technischer Lösungen ist daher nicht allein von ihrer funktionalen Leistung abhängig, sondern auch stark von ästhetischem und akustischem Komfort geprägt. Eine Optimierung, d.h. eine optische Überarbeitung sowie eine technische Verbesserung des Lüfters, ist daher ebenso wichtig für die richtige Nutzung und die energetische Effizienz. Interessant war auch der Unterschied zwischen schriftlichen Befragungen und persönlichen Gesprächen. Während die Antworten auf Papier oft skeptisch ausfielen, zeigten sich viele Bewohner*innen im direkten Gespräch offen und interessiert. Einige äußerten sogar Freude über den Einbau des Coptimizers und begrüßten, dass moderne Technik zur Verbesserung der Energieeffizienz beiträgt. Technische Verbesserungen entfalten ihre Wirkung oft gerade dann am stärksten, wenn sie kaum wahrgenommen werden. Somit ist manchmal gerade das Ausbleiben von Beschwerden der größte Beweis dafür, dass etwas gut funktioniert. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 63 von 78 5.3. Auswirkung auf den Energieverbrauch durch den HKV Derzeit werden in Alterlaa etwa 18.000 Megawattstunden(MWh) Gasenergie pro Jahr für die Beheizung der Wohnungen verbraucht. Durch die Umstellung auf eine Wärmepumpe könnte dieser Energiebedarf deutlich gesenkt auf etwa 6.200 MWh Stromenergie gesenkt werden. Und mit zusätzlicher Optimierung durch den HKV sogar auf rund 5.300 MWh. Der Grund: Wärmepumpen nutzen einen großen Teil der benötigten Energie direkt aus der Umwelt – etwa aus der Luft oder dem Erdreich. Nur ein kleinerer Teil muss in Form von Strom zugeführt werden. Wie viel Strom tatsächlich gebraucht wird, hängt unter anderem von der Vorlauftemperatur ab, also der Temperatur, mit der das Heizsystem betrieben wird. Je niedriger diese Temperatur ist, desto effizienter arbeitet die Wärmepumpe. Dieser Wirkungsgrad wird mit dem sogenannten COP beschrieben. Als Faustregel haben sich in der Wissenschaft 2-3% weniger Stromverbrauch pro K Vorlauftemperatur durchgesetzt. COP und COP M : Der COP(„Coefficient of Performance“, deutsch: Leistungszahl) beschreibt das Verhältnis von erzeugter Wärme zu eingesetztem Strom bei einer Wärmepumpe. Ein COP von 4 bedeutet, dass mit einer Kilowattstunde Strom vier Kilowattstunden Wärme erzeugt werden. Je höher der COP, desto effizienter arbeitet das System. Ein wichtiger Faktor ist die Vorlauftemperatur, also die Temperatur des Heizwassers. Je niedriger sie ist, desto weniger Energie muss die Wärmepumpe aufbringen – das erhöht den COP. In der vorliegenden Berechnung wird ein mittlerer COP(COP ₘ ) verwendet. Dieser ergibt sich aus der täglichen Berechnung einzelner COP-Werte auf Basis der Außentemperaturen eines bestimmten Gebiets(z. B. Wien). Am Ende der Heizsaison wird daraus ein Durchschnittswert gebildet, der eine realitätsnahe Einschätzung der Jahresleistung ermöglicht. Wichtig dabei ist, dass der effiziente Betrieb der Wärmepumpe in Bestandsgebäuden z. B. mit einer Vorlauftemperatur von< 55 ° C oft erst mit zusätzlichen Maßnahmen erreicht werden kann. Diese wären z. B. eine thermische Sanierung, Flächenheizung, Heizkörpertausch oder eben ein Heizkörperverstärker. Alle diese Maßnahmen senken die Vorlauftemperatur und erhöhen somit den COP: die Wärmepumpe arbeitet effizienter und benötigt daher weniger Strom. 5.3.1 MODELLRECHNUNGEN MIT VORLAUFTEMPERATURABSENKUNG UM 10 K Das nachfolgende Kapitel präsentiert Modellrechnungen mit einer theoretischen Vorlauftemperaturabsenkung um 10 K, die bei einer Vollausstattung der Wohnungen mit HKV erreichbar gewesen wäre. Abbildung 38 zeigt am Beispiel Alterlaa, wie sich der COPM mit einem HKV verbessert und somit der Energie- bzw. Stromverbrauch reduziert werden kann. Im untenstehenden Beispiel wird eine Luft-Wasser WP mit 65 ° C VL betrieben und verbraucht 6.247 MWh/a an elektrischer Leistung bei einem COPM von 2,9. Wird ein HKV installiert und die Vorlauftemperatur um 10 K auf 55 ° C Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 64 von 78 gesenkt, reduziert sich der Stromverbrauch um ca. 15% auf 5.328 MWh/a. Der COPM verbessert sich hier auf 3,4. Abbildung 38: Energieverbräuche mit WP bei unterschiedlichen VL-Temperaturen in Alterlaa(nur Heizung) (Quelle: eigene Darstellung) 5.3.2 BETRIEBSKOSTENVERGLEICH BEI WÄRMEPUMPENUMSTELLUNG MIT UND OHNE HKV UND HEIZKÖRPERVERGRÖßERUNG Das folgende Diagramm zeigt einen Vergleich der jährlichen Betriebskosten verschiedener Heizsysteme. Dabei wird angenommen, dass ein bestehendes fossiles Heizsystem durch eine moderne Luft-Wasser-Wärmepumpe ersetzt wird. Im aktuellen Zustand des Gebäudes in Alterlaa ist ein Betrieb dieser Wärmepumpe mit einer Vorlauftemperatur von 65 ° C möglich. Wird zusätzlich Coptimizer installiert oder ein Heizkörpertausch durchgeführt, kann diese Temperatur auf etwa 55 ° C gesenkt werden(Ergebnisse Praxistests Alterlaa, bei vollständigem Tausch aller Heizkörper). Für den Vergleich wird ein Heizkörper vom Typ 22 mit einer Breite von 1000 mm verwendet. Heizkörper dieses Typs bestehen aus zwei Heizplatten und zwei dazwischenliegenden Konvektionsblechen. Sie gelten als gängiger Standard und sind weit verbreitet. Im nachfolgenden Diagramm(Abbildung 39) werden die Betriebskosten für diesen Heizkörper jährlich aufsummiert und über mehrere Jahre dargestellt, um die langfristigen Unterschiede zwischen den Systemen sichtbar zu machen. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 65 von 78 Abbildung 39: Betriebskostenvergleich eines Heizkörpers(Quelle: eigene Darstellung) Folgende Annahmen wurden für die Berechnung getroffen: 1. Senkung der VL-Temp. mit Coptimizer um 10 K 2. Kosten Coptimizer inkl. Einbau: 500€ 3. Kosten Heizkörpertausch: 850€ 4. Wärmepumpen COP M : a.@65 ° C Vorlauftemperatur ohne Coptimizer: 2,9 b.@55 ° C Vorlauftemperatur mit Coptimizer oder Heizkörpertausch: 3,4 5. Stromkostenannahme über Laufzeit: 0,3€/kWh Aus dem Diagramm wird ersichtlich, dass die Betriebskosten durch die Kombination aus Coptimizer und Heizkörpertausch dank des besseren Wirkungsgrads(COP) der Wärmepumpe deutlich sinken. Dadurch rechnet sich die Investition in das Coptimizer-System bereits nach rund zehn Jahren, da im Vergleich zur Ausgangssituation ohne Maßnahmen etwa 15 % Strom eingespart werden können. Dabei ist zu beachten, dass mögliche zusätzliche Einsparungen – etwa durch geringere Wärmeverluste in den Leitungen infolge niedrigerer Vorlauftemperaturen – in dieser Berechnung nicht berücksichtigt wurden. Auch wurde ein gleichbleibender Strompreis angenommen. Sollten in Zukunft die Strompreise steigen oder CO ₂ -Kosten eingeführt werden, könnte sich die Investition sogar noch schneller lohnen. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 66 von 78 Im Vergleich dazu amortisiert sich ein reiner Heizkörpertausch erst nach etwa 15 Jahren, da die Investitionskosten hier deutlich höher ausfallen als für ein Nachrüstsystem für Bestandsheizkörper. 5.3.3 AUSWIRKUNG DER VORLAUFTEMPERATURREDUZIERUNG AUF DIE VERTEILVERLUSTE Im Rahmen der Projektarbeiten wurde festgestellt, dass in vielen Wohnungen eine unkontrollierte Wärmeabgabe über den Fußboden erfolgt. Ursache hierfür sind nicht oder unzureichend gedämmte Verteil- und Anbindeleitungen. Diese Wärmeverluste treten sowohl in beheizten (konditionierten) als auch in unbeheizten(unkonditionierten) Gebäudebereichen auf. In konditionierten Bereichen führen die Wärmeverluste aufgrund dieser Tatsache zu einer unkontrollierten Wärmeabgabe, die die Regelbarkeit der Raumtemperatur erschwert. Dies kann dazu führen, dass einzelne Räume nicht effizient beheizt oder unbeabsichtigt überheizt werden. In unkonditionierten Bereichen oder Bereichen, die nicht bewusst beheizt werden sollen(zum Beispiel Technikräume, Garagen, Kellerräume), verursachen unzureichend gedämmte Rohrleitungen hohe Wärmeverluste. Eine allgemeine Aussage zu treffen, wie weit die Verteilverluste eines Heizungssystems durch den Einbau des Coptimizers in einem Gebäude reduziert werden können, lässt sich aus dem Projekt nicht ableiten. Der thermische Verlust von Rohrleitungen(auch Wärmeverlust genannt) hängt von mehreren Variablen ab, die zwischen einzelnen Gebäuden, sowie auch innerhalb eines Gebäudes stark variieren können. Folgende Faktoren haben einen Einfluss auf den Wärmeverlust von Heizungsrohren: • Temperaturunterschied( Δ T): Der Wärmeverlust hängt stark davon ab, wie groß der Unterschied zwischen der Temperatur im Rohr und der Umgebung ist. Je wärmer das Heizwasser im Vergleich zur Umgebungsluft ist, desto mehr Wärme geht verloren. • Wärmedämmung: Eine gute Dämmung verhindert, dass zu viel Wärme nach außen abgegeben wird. Je besser das Dämmmaterial(niedrige Wärmeleitfähigkeit), desto weniger Wärme geht verloren. Je dicker die Dämmschicht, desto besser ist der Schutz. Schon eine kleine Verbesserung der Dämmung kann den Wärmeverlust deutlich verringern. • Rohrdurchmesser und Geometrie: Größere Rohrdurchmesser verursachen aufgrund der größeren Außenfläche größere Wärmeabstrahlfläche. Der Wärmeverlust steigt mit zunehmender Oberfläche. • Rohrlänge: Je länger die Leitung bzw. das Verteilsystem ausgeführt ist, desto mehr Wärme wird insgesamt verloren. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 67 von 78 • Umgebungseinflüsse: Bewegte Luft, etwa durch Wind oder Ventilation, kann Wärme schneller abführen. Dadurch steigen die Verluste, vor allem bei ungeschützten oder schlecht gedämmten Leitungen. • Verlegeart der Rohrleitung o Freiverlegt: Mehr Verlust durch freie Konvektion. o Erdverlegt: Geringerer Verlust, aber abhängig von Bodenmaterial und Feuchtigkeit. o Gebäudeinstallation: Verlust kann teilweise zur Raumheizung beitragen. In den Bestandsgebäuden in Alterlaa konnten die Verteilverluste nicht messtechnisch erfasst werden. Grund dafür sind die komplexen Leitungsführungen sowie der erhebliche bauliche Aufwand, der für eine präzise Erhebung erforderlich gewesen wäre. Wie schon weiter oben beschrieben, ist eine generelle Aussage zu Verteilverlusten schwer zu treffen, da zu viele Einflussfaktoren miteinfließen. Beckmann[5] beschreibt in seiner Arbeit Verteilverluste zwischen 30-35%(teilweise auch deutlich höher) und eine Einsparung der Verluste bei 5 K Vorlauftemperatursenkung um ca. 16%. Ausgehend von diesen Annahmen und Anpassung an die Gebäudestruktur in Alterlaa, wird geschätzt, dass etwa 30 % des Heizenergiebedarfs ü ber Verteilverluste verloren gehen. Bei einer Absenkung der Vorlauftemperatur um 8 K ließen sich diese Verluste voraussichtlich, um rund ca. 20% zu reduzieren. Daraus ergibt sich eine geschätzte potenzielle Einsparung von etwa 6 % des gesamten Heizenergiebedarfs allein durch die Temperaturabsenkung im Bereich der Verteilung. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 68 von 78 5.3.4 AUSWIRKUNG AUF DIE CO 2 -BILANZ DURCH VORLAUFTEMPERTATURSENKUNG MIT DEM NACHRÜSTSYSTEM Ein zukunftsweisender Schritt ist die geplante Umstellung auf eine moderne Wärmepumpentechnologie in Alterlaa. Durch diese Maßnahme und ohne weitere Sanierung, ausgehend vom aktuellen österreichischen Strommix, könnte der CO ₂ -Ausstoß schon deutlich auf unter 1.000 Tonnen pro Jahr reduziert werden. Der Einbau eines Heizkörperverstärkers bringt zusätzliches Einsparpotenzial. Wird die Vorlauftemperatur von 65 ° C auf 55 ° C abgesenkt(bei gleichbleibender Spreizung), können weitere 150 Tonnen CO ₂ jährlich vermieden werden. Der Ausstoß reduziert sich, ähnlich wie beim Stromverbrauch, um 15% von 974 auf 831 tCO 2 eq (Abbildung 40). Abbildung 40: Treibhausgasemissionen Alterlaa pro Jahr mit Wärmepumpe mit und ohne HKV(Quelle: eigene Darstellung) Auch wenn diese 150 Tonnen zunächst gering erscheinen mögen, hat der HKV eine entscheidende Funktion. Erst durch die Absenkung der Vorlauftemperatur auf ein effizient nutzbares Niveau wird der Einsatz der Wärmepumpe technisch erst sinnvoll möglich. Damit ist der HKV nicht nur eine Ergänzung, sondern oft eine notwendige Voraussetzung für die klimafreundliche Heizungsumstellung. Zudem verursacht der energieautarke HKV in der Herstellung rund 25% weniger CO ₂ als ein konventioneller Heizkörpertausch – ein weiterer Vorteil im Sinne der Nachhaltigkeit. Diese Maßnahmen leisten einen bedeutenden Beitrag zur Reduktion von Treibhausgasemissionen im Gebäudebereich und veranschaulichen, wie sich ökologische Verantwortung mit wirtschaftlicher Effizienz verbinden lässt. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 69 von 78 6. Übertragbarkeit auf weitere Gebäude Die erzielten Ergebnisse zeigen, dass Heizkörperverstärker nachweislich die Vorlauftemperatur senken können. Große Wohnanlagen bieten sich zur Nachrüstung mit dem System am besten an, da die Terminkoordination und der Einbau effizienter sind. Das benötigte Material kann zentral an einem Ort angeliefert und zwischengelagert werden. Auch die Baustellenkoordination ist flexibler, wenn z.B. ein Mieter nicht zu Hause ist können andere Termine vorgezogen werden. Natürlich ist der Einbau aber auch in kleinen Anlagen bis hin zu Einfamilienhäusern möglich. Das folgende Kapitel beschreibt detaillierter, in welchen Gebäuden der Stadt Wien ein Einbau eines Heizkörperverstärkers möglich ist und welche Herausforderungen damit verbunden sein können. 6.1. Ableitung der technischen Machbarkeit auf die Gebäude der Stadt Wien Heizkörperverstärker bieten große Potenziale für die energetische Sanierung von Gebäuden im urbanen Raum. Besonders geeignet ist das System für Objekte, die im Zuge einer Umstellung auf Wärmepumpenlösungen modernisiert werden sollen und keine weiteren Maßnahmen z. B. eine thermische Sanierung geplant ist. Für das Coptimizer-System ist zu beachten, dass diese Gebäude bereits mit Flachheizkörpern ausgestattet sind. Gusseiserne Heizkörper, die bis ca. in die 1960 Jahre verbaut worden sind, sind aufgrund Ihrer Bauform aktuell nicht nachrüstbar. Abbildung 41 zeigt einen optischen Vergleich zwischen einem Gusseisen- und einem Flachheizkörper zur Nachrüstung mit dem Nachrüstsystem. Es ist ersichtlich, dass beim Gusseisenheizkörper die flache front an der Oberseite des Heizkörpers zur Energiegewinnung fehlt. Auch die Montage der Lüftereinheiten ist aktuell nicht möglich. Dieser Heizkörpertyp besitzt im Inneren auch keinen Hohlraum, durch welchen die Luft geblasen werden kann. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 70 von 78 Abbildung 41: Vergleich eines Gusseisenradiators(links) mit einem moderneren Flachheizkörper(rechts)[6] In Wien gibt es derzeit rund eine Million Haushalte 6 , von denen etwa 570.000(rund 60 %) 7 mit fossilen Energieträgern wie Gas oder Öl beheizt werden. Schätzungsweise 75% aller dieser Haushalte besitzen bereits Flachheizkörper als WAS aufgrund Sanierung oder moderneren Gebäuden nach 1960. Daraus ergibt sich ein theoretisches Einsatzpotenzial für den Coptimizer in rund 427.500 Haushalten. Wie Abbildung 3 zeigt, zeichnet sich das Coptimizer-System durch hohe Flexibilität im Hinblick auf unterschiedliche Heizkörpertypen aus. Das modulare Konzept, bestehend aus verschieden breiten Energieeinheiten und Lüftern, ermöglicht eine vielseitige Nachrüstung, unabhängig von den baulichen Abmessungen des Heizkörpers. Sowohl verschiedene Breiten als auch Höhen können problemlos mit dem System ausgestattet werden. Bei Flachheizkörpern mit Mittelanschluss(Zulauf in der Mitte) sind lediglich kleinere Anpassungen mit schmaleren Lüftern erforderlich. Diese Eigenschaften machen das System besonders geeignet für den Einsatz in Wohngebäuden, Verwaltungsbauten sowie öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten oder Amtsgebäuden. Durch die modulare Bauweise lässt sich eine Sanierung rasch und mit minimalinvasiven Eingriffen umsetzen. Der geringe Planungs- und Montageaufwand sowie die damit verbundenen reduzierten Kosten machen den HKV zu einer attraktiven Lösung für größere Gebäudebestände, insbesondere im kommunalen Bereich. Für Gemeindebauten der Stadt Wien stellt es somit eine effiziente Option im Rahmen der Dekarbonisierungsstrategie dar. 6 Wohnen 2022- Zahlen, Daten und Indikatoren der Wohnstatistik – Abruf am 10.08.2025 7 Energiebericht der Stadt Wien – Abruf am 10.08.2025 Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 71 von 78 Darüber hinaus ist ein HKV-System auch in jenen Gebieten von Interesse, in denen die Fernwärmeversorgung auf eine Reduktion der Vorlauftemperaturen hinarbeitet. Die Fähigkeit des Systems, die Vorlauftemperaturen deutlich zu senken, unterstützt dieses Ziel auf technischer Ebene. Nicht zielführend erscheint der Einsatz des Coptimizers in Fällen, in denen eine umfangreiche Generalsanierung unter Berücksichtigung von Flächenheizsystemen oder speziellen Wärmepumpenheizkörpern geplant ist. In solchen Fällen sind umfassendere Lösungen sinnvoll, die das gesamte Energiekonzept des Gebäudes berücksichtigen. Auch im Hinblick auf die Umweltwirkungen der eingesetzten Komponenten weist der Coptimizer Vorteile gegenüber herkömmlichen Heizkörpern auf. Wie in der Betriebskostenanalyse(Kapitel 5.3.2) dargelegt, ist er nicht nur kostentechnisch dem Heizkörpertausch zu bevorzugen, sondern verursacht in der Herstellung rund 25 % weniger CO ₂ -Emissionen als ein solcher, ein weiteres Argument für seine bevorzugte Verwendung in klimafreundlichen Sanierungsstrategien. 6.2. Herausforderungen Für eine erfolgreiche Nachrüstung von Heizkörperverstärkern im großen Maßstab sind verschiedene organisatorische und technische Rahmenbedingungen zu berücksichtigen. Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist die Einbindung des Fachpersonals. Da der Einbau durch externe Installateurbetriebe erfolgt, ist es wesentlich, diese über die Vorteile des Systems zu informieren. Etwa über die einfache Montage, die kurze Einbauzeit und die Betriebssicherheit. Gleiches gilt für Planer*innen und Ausschreibungsverantwortliche, die durch gezielte Informationen und praxisnahe Beispiele überzeugt werden müssen, das System in ihre Projekte aufzunehmen. Auch auf technischer Ebene können Einschränkungen auftreten. Besonders bei Altbauten sind teilweise Heizkörpertypen im Einsatz wie etwa gusseiserne Modelle, die nicht mit dem HKVs kompatibel sind. In solchen Fällen sind individuelle Lösungen oder alternative Maßnahmen erforderlich. Ein weiterer zentraler Aspekt betrifft die Logistik: Die termingerechte Lieferung großer Bauteilmengen an verschiedene Standorte stellt im städtischen Raum eine Herausforderung dar. Ein Problem könnten begrenzte Lagerkapazitäten und eingeschränkte Zufahrtsmöglichkeiten sein. Hinzu kommen gebäudespezifische Unterschiede, etwa in Bauweise, Zugänglichkeit und Eigentümerstruktur. Die Koordination der Montagezeiten in Abstimmung mit Hausverwaltungen und Bewohner*innen erfordert daher eine umfassende Planung im Voraus. Nicht zuletzt ist auch die Information der Bewohner*innen entscheidend. Wie in diesem Projekt ersichtlich, tragen eine klare Kommunikation und einfache Abläufe wesentlich zur Akzeptanz und erfolgreichen Umsetzung des Vorhabens bei. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 72 von 78 7. Fazit Die Erfahrungen mit dem HKV in Alterlaa zeigen, welches Potenzial in dieser Technologie steckt. In einem groß angelegten Feldtest konnte eine durchschnittliche Reduktion der Vorlauftemperatur im Testturm um 8 K messtechnisch nachgewiesen werden. Und dies, ohne den Wohnkomfort der Bewohner*innen maßgeblich zu beeinflussen. Da nur ca. 70% der Wohnungen mit dem System ausgestattet wurden, wäre bei Vollausstattung eine noch höhere Reduktion möglich gewesen. Das im Projekt gesetzte Ziel von 5 K Senkung wurde jedenfalls erreicht und konnte sogar übertroffen werden. Trotz gesenkter Vorlauftemperatur wurde eine bessere Wärmeverteilung im Raum von einigen Personen in den Interviews bestätigt. Da es sich hierbei um subjektives Empfinden handelt und nicht 100% messtechnisch erfasst werden konnte, bleibt diese Hypothese noch offen und muss in einem vertieften Test noch weiter behandelt werden. Die signifikante Temperaturabsenkung im Praxistest hat gezeigt, dass ein(autarker) Heizkörperverstärker in vielen Gebäuden die Voraussetzung für den Wechsel zu nachhaltigen Heizsystemen bieten kann. Im Vergleich zum aufwändigeren Heizkörpertausch bietet er eine einfache, kostengünstige und technisch schlanke Lösung, die dennoch große Wirkung zeigt. Die Vorteile sind dabei nicht nur ökologischer Natur: Eine dauerhaft abgesenkte Vorlauftemperatur reduziert die Betriebskosten und spart gleichzeitig eine erhebliche Menge an CO ₂ : ein doppelter Gewinn für Haushalte und Umwelt. Doch auch soziale Aspekte spielen eine Rolle: Viele Bewohner*innen verfügen nicht über das notwendige Wissen, um ihr Heizverhalten energieeffizient zu gestalten. Natürlich bleibt bei aller Innovation Raum für Verbesserung. Insbesondere bei dieser CoptimizerGeneration zeigten sich noch Optimierungsbedarfe im Design sowie bei den Lautstärkeemissionen. Diese Herausforderungen wurden inzwischen adressiert, die nächste Produktgeneration wurde entsprechend angepasst und verbessert. Nach Projektende wurde der HKV rückstandsfrei in allen Wohnungen wieder demontiert. Auf- und Abbau sind minimalinvasiv, was auch eine temporäre Nutzung des Systems zulässt und somit als ein weiterer positiver Effekt des Systems zu bewerten ist. Der untersuchte energieautarke Heizkörperverstärker verdeutlicht beispielhaft, wie sich technologische Innovation, Klimaschutz und praktische Anwendungsfreundlichkeit zu einer pragmatischen, effizienten und zukunftsorientierten Lösung verbinden lassen. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 73 von 78 Literaturverzeichnis [1] AEAG,„Alt- Erlaa.at,“ 01 07 2025.[Online]. Available: https://www.alt-erlaa.at/lageplan/. [2] Google Earth, 2025.[Online]. [3]©Coptimizer GmbH, Wien, 2025. [4] H. Kerp,„Heizsparer,“ 14 Februar 2025.[Online]. Available: https://www.heizsparer.de/heizung/heizkorper/die-wichtigsten-heizkoerper-typen-imueberblick.[Zugriff am 8 September 2025]. [5] Beckmann,„Analyse und Reduktion von Verteilverlusten in der Wärmeversorgung,“ TH Köln, 2020. [6] Vogel&Noot,„Profilheizkörper,“[Online]. Available: https://www.vogelundnoot.com/de/produkte/modernisierungsprogrammflachheizkoerpern.htm.[Zugriff am 05 09 2025]. [7] K. Schöber,„Wohnen 2022; Zahlen, Daten und Indikatoren der Wohnstatistik,“ Statistik Austria, Wien, 2022. [8] I. U. H. Simone Stich MSc,„Energiebericht der Stadt Wien,“ Stadt Wien, Wien, 2024. [9] Österreichisches Institut für Bautechnik,„OIB Richtline 6,“ Österreichisches Institut für Bautechnik, Wien, 2023. [10] IBR&I Institute of Building Research& Innovation ZT GmbH,„Decarb Alt Erlaa Transformation des Wohnparks Alt Erlaa zu einem klimaneutralen Quartier,“ Juni 2024. [Online]. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 74 von 78 Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Orientierungsplan des Wohnparks Alterlaa[1]...................................................................... 11 Abbildung 2: Darstellung Test- und Referenzturm Alterlaa([2],[3]).......................................................15 Abbildung 3:Typenbezeichnungen von Flachheizkörpern[4].................................................................. 16 Abbildung 4: Funktionsprinzip Coptimizer[3].............................................................................................. 18 Abbildung 5: Einbaubeispiel des Coptimizers im Projekt[3]..................................................................... 18 Abbildung 6: Übersichtsschema Heizzentrale mit Messpunkten[3].......................................................20 Abbildung 7: Energieverteiler mit Pumpengruppen[3]..............................................................................21 Abbildung 8: Regelung Heizkessel inkl. Witterungskurve[3]....................................................................22 Abbildung 9: Funktionsprinzip – pFlow Ultrasonic Flowmeter D116[3].................................................. 22 Abbildung 10: Links: Ultraschall Sensoren nach Clamp-On-Prinzip[3] Mitte: Temperatur Sensor Vorlauf[3] Rechts: Temperatur Sensor Rücklauf[3]................................................................................... 23 Abbildung 13: Zeitplan der sozialwissenschaftlichen Untersuchung[3]..................................................25 Abbildung 14: Heizleistungen vor und während des Einbaus(Phase 0 und 1)(Quelle: eigene Darstellung)......................................................................................................................................................... 27 Abbildung 15: Vorlauftemperaturen(Phase 0 und I)(Quelle: eigene Darstellung)................................28 Abbildung 16: Temperaturspreizung Vorlauf-Rücklauf vor und während Einbau(Phase 0 und 1) (Quelle: eigene Darstellung).............................................................................................................................29 Abbildung 17: Befragung vor Einbau – Temperatur im Wohnzimmer(Quelle: eigene Darstellung).. 32 Abbildung 18: Befragung vor Einbau – Temperaturregulierung(Quelle: eigene Darstellung)............33 Abbildung 19: Befragung vor Einbau – Heizkörperventilstellung(Thermostatventile)(Quelle: eigene Darstellung).........................................................................................................................................................34 Abbildung 20: Befragung vor Einbau – Wärmeverteilung(Quelle: eigene Darstellung)......................35 Abbildung 21: Befragung vor Einbau – Zugluft oder Trockene Luft(Quelle: eigene Darstellung)......36 Abbildung 22: Befragung vor Einbau – Wahrnehmung der Innenraumtemperatur im Sommer (Quelle: eigene Darstellung)............................................................................................................................. 37 Abbildung 23: Außentemperaturverlauf über Messperiode(Quelle: eigene Darstellung).................. 41 Abbildung 24: Heizleistungsverlauf über Messperiode(Quelle: eigene Darstellung)..........................43 Abbildung 25: Verlauf der Vorlauftemperaturen über Messperiode(Quelle: eigene Darstellung)....44 Abbildung 26: Temperaturspreizung Vorlauf/Rücklauf über Messperiode(Quelle: eigene Darstellung).........................................................................................................................................................45 Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 75 von 78 Abbildung 27: Befragung nach Einbau HKV – Veränderungen im Raum/ Zugluft(Quelle: eigene Darstellung).........................................................................................................................................................47 Abbildung 28: Befragung nach Einbau HKV – Veränderungen im Raum/ Trockene Luft(Quelle: eigene Darstellung)............................................................................................................................................48 Abbildung 29: Befragung nach Einbau HKV – Veränderungen im Raum/ Wärmeverteilung(Quelle: eigene Darstellung)............................................................................................................................................49 Abbildung 30: Befragung nach Einbau HKV – Veränderungen im Raum/ Temperatur(Quelle: eigene Darstellung)............................................................................................................................................50 Abbildung 31: Befragung nach Einbau HKV – Veränderungen im Raum/ Geräuschentwicklung (Quelle: eigene Darstellung)..............................................................................................................................51 Abbildung 32: Befragung nach Einbau HKV – Veränderungen im Wohnalltag(Quelle: eigene Darstellung)......................................................................................................................................................... 52 Abbildung 33: Befragung – Einstellung Thermostatkopf vor und nach Coptimizer(Quelle: eigene Darstellung)......................................................................................................................................................... 53 Abbildung 34: Befragung – Zufriedenheit Coptimizer(Quelle: eigene Darstellung)............................54 Abbildung 35: Befragung – Verbesserungsmöglichkeiten Coptimizer(Quelle: eigene Darstellung) 55 Abbildung 36: Befragung – Gibt es Heizkörper, die nie aufgedreht werden?(Quelle: eigene Darstellung).........................................................................................................................................................56 Abbildung 37: Befragung – In welchem Zimmer werden die Heizkörper nie aufgedreht?(Quelle: eigene Darstellung)............................................................................................................................................ 57 Abbildung 38: Befragung – optisches Erscheinungsbild Coptimizer(Quelle: eigene Darstellung)....58 Abbildung 39: Differenz der Vorlauftemperaturen in beiden Türmen(Quelle: eigene Darstellung). 61 Abbildung 40: Energieverbräuche mit WP bei unterschiedlichen VL-Temperaturen in Alterlaa(nur Heizung)...............................................................................................................................................................65 Abbildung 41: Betriebskostenvergleich eines Heizkörpers(Quelle: eigene Darstellung).....................66 Abbildung 42: Treibhausgasemissionen Alterlaa pro Jahr mit Wärmepumpe mit und ohne HKV (Quelle: eigene Darstellung).............................................................................................................................69 Abbildung 43: Vergleich eines Gusseisenradiators(links) mit einem moderneren Flachheizkörper (rechts)[6]............................................................................................................................................................71 Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 76 von 78 Impressum Medieninhaberin und Herausgeberin: Stadt Wien – Energieplanung 1120 Wien, Wilhelmstraße 68 Strategische Gesamtkoordination und Redaktion: Stadt Wien – Energieplanung Erstellung: Coptimizer GmbH Institute of Building Research& Innovation wohnbund:consult Betreuung: UIV Urban Innovation Vienna GmbH Rechtlicher Hinweis und Haftungsausschluss: Die enthaltenen Daten, Tabellen, Grafiken und Bilder sind urheberrechtlich geschützt. Wir übernehmen keine Haftung für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität des Inhalts. Die Verbreitung ist nur mit Quellenangabe gestattet. Um vorherige Information der Medieninhaberin wird gebeten. Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 77 von 78 Heizkörperverstärker zur Senkung der Vorlauftemperatur 10. Dezember 2025 Seite 78 von 78