Berg, Alban: Brief an Anton von Webern. Auen am Wörthersee, 1933.12.°°
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Frau natürlich. Ich kann [...]
Der schönste Moment unsere[...]
als dieses klassische Meister [...]
wie schön spielten es die Kolischs [...]
(es konnte nicht anders sein:) immens;
mindestens 5 mal so lang applaudiert als nach
Kreneks Variationen.
Zwei Tage darauf wollte ich mir des Spasses halber
den 80 - 100 jährigen Wagnerheldentenor Knote
anhören. Als die Arie mit Müh u. Not vorüber
gegangen war: „Sie hören jetzt die Schuberttänze von
Webern” (Es war in Breslau Leipzig etc) Welche
Überraschung! Trotz konventioneller Gestaltung,
waren sie so gebracht, daß sie gefallen mußten. -
Dann unser gemeinsames Konzert. Infolge der
Nachmittagsstunde, keine sehr gute Übertragung.
Trotzdem merkte ich, wie gut die Galimirs Deine
„Bagatellen” spielten. Die sind ja womöglich
noch schöner als „Quartett”. Kein ganz reiner
Genuß war die Herlinger. Aber mit Pisk am
Klavier hätte auch Caruso versagt.
Und schließlich Dein Arbeitersymphoniekonzert: das
Schicksalslied war unbeschreiblich schön! Wie
schad, daß mir die VII. Schubert versagt blieb.