Berg, Alban: Brief an Erich Kleiber. Wien, 8.12.1928
unentwegte Stütze und nie ein Hindernis hättest.
Was Dir die Direktionsgeschäfte bedeutend er-
leichtern würde. Denn den hiezu nötigen kühlen,
fast nüchternen Blick kann man von einem wirk-
lich genialen Dirigenten nicht erwarten.
Alle diese Mitteilungen bitte ich Dich höchst
diskret zu behandeln! Vielleicht denkst Du gar
nicht daran, jetzt nach Wien zu gehen; dann ist
dieser ganze Brief ja hinfällig. Verstehen wirst
Du meine Absicht gewiß und sie als einen puren
Akt meiner Freundschaft und Schätzung deuten....
Leb wohl, mein Lieber ! Sei Du und Deine liebe
Frau auf das Herzlichste von uns beiden gegrüßt!
Dein
Alban Berg
Kommt der Wozzeck wieder dran ? Wenn sich niemand
anderer findet, der die Marie studiert, so lass´
halt doch die Johannsen wieder dran glauben !
8/12. 28 vm.
Wien, XIII,Trauttmansdorffgasse 27