Decsey, Ernst: Brief an Adele Strauß. o.O., 24.4.1921
Dr. Ernst Decsey
Graz, Normalschulgasse 1
24. April
[1921]
Liebe gnädige Frau !
Erst heute, drei Tage später gelange ich dazu, den vor
stehenden Brief abzurunden und abzusenden. Jch danke
Jhne n noch für die Zusendung des Partes, das sich
offenbar auf die Witwe von Eduard Strauss bezieht.
Bitte, nehmen Sie hiemit den Ausdruck meines Beileids
entgegen und übermitteln Sie ihn auch, wenn notwendig,
an die nach Jhnen in Betracht kommende Persönlichkeit
der Familie. Das Parte machte auf mich, der ich eben
wieder Eduards Memoiren studirte , den Eindruck eines
histor. Dokuments, weshalb ich es auch dem Buch einge-
fügt habe.
Jst die oben erwähnte Hanslick-Anekdote von Jetti, der
der Meister seine Memoiren dictiren wollte, glaub-
würdig ? Bei Hanslick weiss man nie....
Weinberger hüllt sich nach wie vor in den Nebel des
Stillschweigens, trotz höfl. Urgenz. Wie einen die
Leute zappeln lassen , wenn man was zu fordern hat !Und
wie schnell sie da sind, wenns umgekehrt ist ! Kann
sich der Mann nicht vorstellen, dass man heute jeden