Berg, Alban: Brief an Anton von Webern. Auen am Wörthersee, 17.5.1934
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    Dank Dir für Deinen ausführlichen Bericht
    über die Hertzka Gedächtnisfeier. Bin sehr froh,
    daß alles so u wie es gekommen ist.
    Aber ganz glücklich gemacht hat mich
    Deine Mitteilung von der Fusionierung Deines
    Chors u. der Typographie unter Deiner Lei-
    tung. Ich finde das geradezu großartig
    u. beglückwünsche Dich - und die Deinen -
    -- u. Wien dazu! Ich kann mir das
    nur ganz grandios ausmalen. So wie Du
    jetzt das Deutsche Requiem von Brahms vorbe-
    reitest, wird es mit der Zeit zu allen gro=
    ßen Chorwerken: Passionen, Oratorien u.
    Messen kommen können - selbst wenn der
    liebe Gott dabei vorkommt. Und wenn Du dadurch
    auch fürs Erste weniger zum Dirigieren
    von reiner Orchestermusik kommst, so werden
    diese Chorkonzerte, da sie ja jetzt geradezu
    von den - Tonangebenden auch gesellschaftlich goutiert werden
    werden, weitere En-
    gagements zeitigen, wo Du aber dann
    auch Deine andern Gestaltungswünsche be-
    friedigen kannst -- u. damit unsere!
    Auch Schönberg wird das richtig freuen.
    Sein Brief ist ein - ich muß es nochmals sagen:
    kostbares Dokument eines, nein: - des Künstlerschicksals,