Hanak, Anton: Brief an Helene Koenig. Wien, Pavillon des Amateurs, 31.10.1918
Im Falle Deine Vernunft siegt und Du Dich
entschliessest erst Montag zu kommen so
würde ich Nachmittag aus der Stadt nicht
mehr in den Prater fahren sondern gleich
nach Hause. Aber wie Du weisst bin ich
ganz Deines Willens und werde falls Du k
kommen willst bestimmt im Prater s
sein (drei Uhr Nachmittags. Jetzt ist es f
fünf Uhr und ich habe auch kaum mehr
die Zeit ein trockenes Stück Brot zu essen.
Den Thee werde ich träumen und mit Dir
trinken. In diesen wirren Tagen klam-
mere ich mich umso fester an die Einsam-
keit und ich glaube dass sie die einzige Zu
Zuflucht des Schaffenden ist. Schmolle a
ber nicht über diesen Satz und erinnere
Dich meiner näheren Aufklärungen die
ich nicht schriftlich festhalten will. He
Heute bin ich wieder angerempelt worden
und ich glaube jetzt schon ernstlich daran
das ich meinen Barth und meine Haare
der Revolution opfern werde müssen ~
sonst werde ich noch niedergeschlagen
weil man mich für einen galizischen
Juden hällt. Es ist nicht zu glauben und
doch fürchte ich mich. Soll ich nicht lie-
ber sagen: Was mir bestimmt ist den w
werde ich nicht entrinnen. Nun ist d
die Zeit an der Schneide, ich muss zur B
Bahn. Herzlichten Gruss, auch an das
besorgte Schwesterchen.

AH
Wien 31 Oktober 1918
Pavillon des Amateurs