Hanak, Anton: Brief an Helene Koenig. Winkelsdorf, 3.9.1918
Lange schon bin ich ohne jeder Nachricht ~
soll ich auch die Worte schreiben: Ist das Lie=
be? Herz das Du so weit von mir weilest, mir
gleich eine Kur gebraucht ! War es nothwen
dig für mich wie Dich? Scheint mir die Sonne?
Willst Du noch schöner sein? Sind wir nicht ver=
rückt da wir uns so trennen? Noch zehn Tage
und dan bin ich dorten wo ich hingehöhre. Ein
Arzt hat mich wieder untersucht und mir eine
Menge guten Rath gegeben. Keinen Wein, kein
Bier, keinen Kaffe, nicht rauchen, das Herz
schonen. Sich nicht aufregen
Aufregungen
die nicht zu vermeiden waren auftheilen
jeden Tag nur einen Kaffeelöffel davon ~
dem Weibe aus dem Wege gehen. Wie das Al
les klingt da man die Flammen aus den Augen
herausschlagen fühlt da das Herz nach Ar=
beit lechzt und sich so verzehrt da es sich
sehnet im goldenen Antlitz zu verbrennen ~.
Aber lasset mich nicht wild werden. Ich will
dan rasen und nicht mehr aufhöhren Alles s
stürzen was mir den Weg verstellt. Auch das
goldene Antlitz
ich will es besiegen ~ be
zwingen es soll mir ein Weib werden ~
mir Kinder gebären, es soll untergehen im g
göttlichen Klang der tödtenden Liebe ~.
Ein Narr bin ich ein ausgelassener der frisch
eingefangen werden muss
dem neue Ket=
ten angelegt werden sollen. Du hast sie be
reit Du goldenes Antlitz Du hast sie ge
schmiedet in unserem Feuer. Oh ich fühle
sie wie sie mir noch glühend umgelegt wer
den wie ich verbrenne. Aber besiegen will ich
Dich Du glühendes Bild besiegen und
muss selbst das Haupt beugen damit Du
es vom Leibe trennest. Verbrennen
Verbren=
nen! Verbrennen!
AH
3.IX.1918
Winkelsdorf

Verbrennen!
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