Hanak, Anton: Brief an Helene Koenig. Wien, Pavillon des Amateurs, 24.12.1918
Wie weit wir noch zu gehen haben wird
des Schicksals heilige Kraft bestimmen
ich will niemals das Ziel entdecken d
das unserem Streben das Ende setzen s
soll. Deiner Jugend wird es gelingen ü
ber den irdischen Kampf zu siegen ~
Du gleichst dem irrenden Traum der
ergeben die irdischen Lasten tragt und
niemals an der Zeit verzweifelt. Ein=
mal muss ein Morgen kommen wie d
damals zu Beginn und dan sollst Du
nicht allein dem letzten Gipfel zu
streben. Und die Sonne wird einen gol
denen Schein um Dein Haupt bauen
zum Dank dass Du Deine Sendung so
ganz erfüllt, da Du nun meiner K
Kraft die höchste Weihe gegeben.
Noch kreisen schweere Wolken am
Firmament, drohen die Gewitter ~
noch stellen die Gespenster ihre Posten
auf um uns zu trennen. Ein schöner
Kampf ist es geworden, hier auf Er=
den wo wir ringen müssen, Du hast ihn
erhebend gestaltet und führst ihn un=
sichtbar da ich diene. Jetzt verklärst
Du dem Giganten die Welt die er mei-
den wollte die er ohne Deiner Jugend
niemals erfassen könnte. Bist gleich
geblieben auch jetzt da ich Dich erken=
nen wollte, bist das unerreichbare gol=
dene Antlitz.

Wien, 24. XII. 1918
Pavillon des Amateurs.
AH