Hanak, Anton: Brief an Helene Koenig. Wien, Cottage Sanatorium, 13.7.1918
Wir können nicht vorbei ~ das Ziel
ist mächtiger als die ganze Welt. Wo=
her die Stürme auch kommen

wohin sie wehen
~ wir können sie
durchqueren, wen wir müssen. N
Nachher fühlen wir oft die vernich
tende Wirkung sehen das Le=
ben gebrochen, aber wir können
nicht zur Besinnung gelangen da
wir das Ende verfolgen. Haben wir
die Stimme Gottes gehört
die ers=
te Warnung? Es stirbt leichter je
ner der auf dem Wege zum Ziele v
verunglückt ~ als der ängstlich
mit der grossen Richtung gezogene.
Sein Sturz
~ sein Anprall ist
kraftvoller seine Entschlossen=
heit gründlicher. Zumeist verlas
sen wir Alles was uns an die breite
Menge bindet, wir ziehen um frei
zu erreichen
frei zu sterben.
Unsere Wege sind überall, wo wir
sie suchen kommen sie uns entgegen.
Ohne Groll und Rachelust kehren ~
wir oft um wen das Ziel uns selbst
den Wink dazu giebt wir wäh=
len dan einen anderen Weg und
versuchen es aufs Neue. Wir been=
den diese Irrfahrt schnell

uns bleibt keine Zeit zum Sterben.
Wien, 13. Juli 1918
Cottage Sanatorium. AH