Hanak, Anton: Brief an Helene Koenig. Wien, Pavillon des Amateurs, 27.11.1918
Es ist wieder ein Morgen geworden ich d
darf Dich wieder suchen und kann es nicht
fassen dass wir gestern soweit auseinand=
der gekommen. Oder soll dies nur ein lei=
ser Traum gewesen sein. Herzchen? W
Warum liegt zwischen uns immer wieder
die furchtbare Nacht? Stillgestanden ist
wieder einmal das Leben dass wir d
durch uns so wundervoll kreist und wir
waren beide so machtlos und verloren ~.
Die göttlichen Funken haben nicht zu uns
gefunden, unsere Flammen blieben er=
stickt. Du bist die Mächtige Lillith, wa=
rum bliebst auch Du ergeben? Vergesse
nicht dass Alles in Deiner Macht liegt ~
der Morgen wie die Nacht und wen Du
noch am Tag in die wüste Welt treibst
dass Du es selbst bist, die mich zurück=
ruft und mich wieder verjüngt erstehen,
erwachen lässt. Bist einmal stumm
geworden da ich Dich sprechen fühlen
wollte, bist selbst verzweifelt geworden
und hättest mich aufrichten sollen. K
Was sollst Du nicht in diesem Leben da
Du Dich zu einem Verirrten geflüchtet.
Oder bist Du einem Ziele nachgestrebt?
Dan will ich nicht mehr mit dem Schick=
sal hadern ~ ergeben den heiligen K
Kampf führen der uns beiden gilt

Bist du nun wach da ich dies bekenne?

Wien, 27. November 1918
Pavillon des Amateurs AH
½8h Morgens.