Hanak, Anton: Brief an Helene Koenig. Wien, Pavillon des Amateurs, 29.10.1918
Du musst mir nicht Briefe schreiben
die mich so unruhig stimmen, die mir
die Thränen in die Augen pressen. Herz!
Denke nicht an Gespenster die Dich verd=
drängen könnten, denke nicht an Gest=
stalten die heller scheinen als Dein Le=
ben. Hast sie selbst mitgeschaffen, Dich
ihres Entstehens gefreut - hast mich selbst
angespornt sie zu vollenden. Manch=
mal soll ich Deiner gedenken schreibst
Du, und nicht zu schlecht, und so weiter.
Was soll ich Dir darauf mittheilen grosses
Kind? Du bist krank, liegst im Fieber und
kämpfst gegen die Fesseln die das Schick=
sal Dir angelegt. Alles wird wieder vor=
über gehen und Du kannst die Welt wie=
der regieren. So wie Du es gewollt und ge=
than, so wie es für die Zukunft erspriess=
lich ist. Ich bin ja nur ein Schatten auf
dieser Erde und lebe durch Euch die Ihr so
viel Schönes besitzt, die Ihr wollt dass ich
es in Form kleide. Du bist auserwählt
und hast den Muth gehabt neben mir
zu gehen, manchmal den Weg selbst
zu weisen; Du hast Dein Leben seitwärts
gestellt um das meine zu hüten und zu
verwahren. Richte Dich auf und wisse dass
Du es bist. Bange und zweifle nicht, freu D
Dich des Morgens da wir uns wiedersehen.
AH
Wien, 29. Oktober 1918.
Pavillon des Amateurs
*** 12h Mittags.