Hanak, Anton: Brief an Helene Koenig. Winkelsdorf, Landhaus Primavesi, 15.8.1918
Es hat Tage der Schmerzen gegeben, jetzt
bricht die Sonne durch und erwärmt die
sterbende Hoffnung. Die Strassen sind n
nicht mehr so steinig, dafür schwindet
die stürmende Kraft. Alles drängt zum
Ausgleich ~ ich will nicht. Seit Du
mir scheinest goldenes Antlitz drängt
es mich auf die früher gemiedenen
Wege
~ Du gehst voran (besser er=
kannt) Du führst gerade aus dorthin
wo vielleicht der schönere Todt das
sichere Plätzchen hergerichtet. Aber ich
habe es ja selbst gewollt ~ so wie ich
manches selbst nicht so will. Was will
ich nicht da Du so mächtig führst und
lenkst? Alles
! Den es ist mir das Le=
ben so neu wie zu Beginn, so voll von
der ewigen Jugend. Das lästige Gespenst
die Krankheit muss langsamm weichen,
Deine Strahlen werden es verdrängen.
Was offenbart mir nicht Dein Wille, Dei=
ne göttliche Sendung ~ was vermagst
Du nicht zu vollbringen? Habe es se
selbst immer so gewollt ~ habe Dich
vom Schicksal erbeten, Du gehst jetzt
voran. Unser Schaffen verantwortet un=
sere Fehler wir müssen vieles durchleben
um das Schone festzuhalten. Wir wissen
nichts und können niemand fragen ~
niemand kann uns den wahren Rath
geben. Wir holen uns selbst das Urtheil
und müssen vorwärts gehen.
AH~~
Winkelsdorf 15. August 1918
Landhaus Primavesi.