Hawel, Rudolf: Brief an Moritz Necker. Wien, 13.6.1914
Rudolf Hawel
Wien
XVIII/1, Gentzgasse 55
Wien, 13. Juni 1914
Verehrter Herr Dr Necker!
Vergangenen Montag mußt ich mich, vom Fieber
geschüttelt, zu Bette legen. Das Fieber war das Vor=
zeichen einer monumentalen Angina, die mir Tage
lang die quälendsten Schmerzen und die schlaflosesten
Nächte verursachte. Heute ist mir etwas leichter
und ich benützte diesen Schimmer von Besserung
sofort um Ihnen innigsten Dank für die so
lieben, unverdient schönen freundlichen Worte
zu sagen, die Sie meinem neuem Werke „Der
reiche Ähnl" gewidmet haben. Diese Worte
klangen mir im Ohr wie ein fröhlicher Segens=
spruch auf meine fernere Zukunft.
Gerne möchte ich einmal mit Ihnen irgend wo
ein Stündchen verplaudern, entweder bei mir, oder
bei Ihnen, oder sonst wo an einem dritten
Orte. Würden Sie das vielleicht in übernächster
Woche möglich machen konnen? Diese Woche
will ich zu meinem Bruder Karl nach Ruprechts=
hofen fahren. Die Stille und Ruhe und das so
wunderbar truglos gleitende Leben dort übt