Jellinek, Oskar: Brief an Ernst Lissauer. Wien, 2.3.1933
Wien, am 2./3. 33
Lieber Herr Lissauer,
da Sie mir mitteilen, daß Ihnen
die Zeitung nur einen beschränkten
Raum zur Verfügung gestellt hat,
erlaube ich mir – ganz unmaßgeblich –
die Frage aufzuwerfen, ob es nicht ökono-
misch wäre, meine früher erschienenen
Novellen bloß kursorisch, sozusagen als
„Vorakten“, durchzunehmen, und den Haupt-
teil für die jüngst erschienene zu ver-
wenden. Denn alle diese vorher publi-
zierten Werke haben in dieser Zeitung
und in den allermeisten großen
Blättern bereits wärmste Würdigung
erfahren, man hat auf den volksballa-
desken Charakter einiger von ihnen hin-
gewiesen, und insbesondere, nicht zuletzt
hinsichtlich der Novelle „Valnocha, der Koch“,
aber auch bei „Hankas Hochzeit“, hervor-
gehoben, daß hier ganze Schicksalstragö-
dien gestaltet sind. Res judicata, sozusagen.
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