DR RUDOLF · JUNK · WIEN
XIII. Penzingerstraße 82
Hoch verehrter Herr Doktor,
in Beantwortung Ihres von mir
längst mit Bangen erwarteten Mahnbriefes muss ich leider
mitteilen, dass ich mit der Arbeit, deren Umfang mir wie Sie
wissen erst mitten im Werke klar wurde, noch nicht fertig bin &
dass es mir auch ausgeschlossen scheint, vor 3 Wochen oder mehr, eher
mehr, alles fertig abliefern zu können. Es ist das erstemal, dass
ich mich einer wesentlichen Terminüberschreitung schuldig mache, aber
ich bin ausserstande gewesen alles zu bewältigen. Wegen der Gas-
beschränkung ist mir jede Nachtarbeit unmöglich geworden, sonst
hätte ich ja alles in Ordnung gebracht, da mir Aucassin schöne Auf-
träge verlegt, die jetzt auf mich niederregnen. Aber wenn ich um 4 Uhr Schluß
machen muss, kann freilich keine Berechnung stimmen, wo ich sonst leicht
bis 2 Uhr nachts saß. Also darüber ist ja jetzt meinerseits nichts zu sagen
& an Ihnen liegt es, wie Sie mich dafür verantwortlich machen werden.
Dass Rosenbaum mit dem Satze ganz fertig ist, wundert mich,
da er mir wiederholt versprach je einen Abzug der Gedichte zum Ein-
kleben in die Orientierungsabzüge zu schicken - das Einzige, was ich
gesehen habe war so schlecht, dass ich bedauert habe, mit der Aufklärung
bei ihm vor der Drucklegung Tageslicht versäumt zu haben - es war für
die Katz - Also was machen wir? Wollen Sie den Schwarzdruck beginnen
lassen oder wie ich dringend bitte noch zuwarten bis alles fertig vorliegt?
Ich glaube nicht, dass ein Mann in Wien mehr arbeitet als ich, auch
unser Staatskanzler nicht, aber die Beleuchtungsnot, zu der für mich noch andre
Erschwernisse kamen - Spitalsbesuche, Kindstaufe etc. - ist mächtiger. - Wenn es
angeht, bitte ich bei Herrn Brüll etwas Verzeihung für mich zu erbitten & mir das
Missgeschick nicht persönlich nachzutragen.
In vorzügl. [Wert]schatzung grüßt [Sie bestens] Ihr erg
Junk – 18. 1. 19.
XIII. Penzingerstraße 82
Hoch verehrter Herr Doktor,
in Beantwortung Ihres von mir
längst mit Bangen erwarteten Mahnbriefes muss ich leider
mitteilen, dass ich mit der Arbeit, deren Umfang mir wie Sie
wissen erst mitten im Werke klar wurde, noch nicht fertig bin &
dass es mir auch ausgeschlossen scheint, vor 3 Wochen oder mehr, eher
mehr, alles fertig abliefern zu können. Es ist das erstemal, dass
ich mich einer wesentlichen Terminüberschreitung schuldig mache, aber
ich bin ausserstande gewesen alles zu bewältigen. Wegen der Gas-
beschränkung ist mir jede Nachtarbeit unmöglich geworden, sonst
hätte ich ja alles in Ordnung gebracht, da mir Aucassin schöne Auf-
träge verlegt, die jetzt auf mich niederregnen. Aber wenn ich um 4 Uhr Schluß
machen muss, kann freilich keine Berechnung stimmen, wo ich sonst leicht
bis 2 Uhr nachts saß. Also darüber ist ja jetzt meinerseits nichts zu sagen
& an Ihnen liegt es, wie Sie mich dafür verantwortlich machen werden.
Dass Rosenbaum mit dem Satze ganz fertig ist, wundert mich,
da er mir wiederholt versprach je einen Abzug der Gedichte zum Ein-
kleben in die Orientierungsabzüge zu schicken - das Einzige, was ich
gesehen habe war so schlecht, dass ich bedauert habe, mit der Aufklärung
bei ihm vor der Drucklegung Tageslicht versäumt zu haben - es war für
die Katz - Also was machen wir? Wollen Sie den Schwarzdruck beginnen
lassen oder wie ich dringend bitte noch zuwarten bis alles fertig vorliegt?
Ich glaube nicht, dass ein Mann in Wien mehr arbeitet als ich, auch
unser Staatskanzler nicht, aber die Beleuchtungsnot, zu der für mich noch andre
Erschwernisse kamen - Spitalsbesuche, Kindstaufe etc. - ist mächtiger. - Wenn es
angeht, bitte ich bei Herrn Brüll etwas Verzeihung für mich zu erbitten & mir das
Missgeschick nicht persönlich nachzutragen.
In vorzügl. [Wert]schatzung grüßt [Sie bestens] Ihr erg
Junk – 18. 1. 19.