Kienzl, Hermann: Brief an Wilhelm Kienzl. Wilmersdorf bei Berlin, 19.9.1923
Berlin-Wilmersdf Berlinerstr. 10
19. Sept. 1923.
Liebster Gulian! Henny schreibt mir mit lieben
Zeilen, daß die Filmbande Dich noch immer belästigt
u. Du in großer Nervosität bist. Ich verstehe weder
die fortgesetzten Drangsalierungen noch - auf Deiner
Seite - den Mangel heiterer Ruhe, bei so voll=
kommener Klarheit der Sachlage! Hennys Wunsch
entsprechend, sende ich Dir - trotz der scheußlichen
Gebühren: eingeschrieben, weil der Verlust außer=
ordentlich schlimm wäre! - den im Original von Dir und
mir unterschriebenen Vertrag, d.h. eine von
der Firma Hirschfeld gezeichnete Kopie. Du ersiehst
aus dem Wortlaut neuerdings, daß von der
Berechtigung der Firma, Deine Musik ohne
weiteres zu verwenden, selbstverständlich keine
Rede ist. Ebenso selbstverständlich ist zwischen
der Vereinbarung, die die Gesellschaft der Autoren
u. Komponisten hinsichtlich der Aufführungstantième
mit der Firma Hirschfeld getroffen hat, und
den von mir (zum Überfluß bei den Verhand=
lungen ausdrücklich gewahrten!) Ansprüchen des
Verlags Bote u. Bock auf den Musikalienverkauf
zu unterscheiden. Also wozu da sich aufregen?
Den Vertrag mußt Du mir baldigst (eingeschrieben!)
zurückschicken, denn an jedem Tag kann sich auch
für mich die Notwendigkeit ergeben, ihn
geltend zu machen. Die Bock'schen Interessen solltest