Klein, Franz: Kartenbrief an Margarete Jodl. Wien, 17.11.1917
Wien, 17/II 1917.
Verehrte gnädige Frau!
Es war mir eine freudige Überraschung,
als ich vor einiger Zeit durch Ihre Güte die
Ästhetik Ihres Gatten zugesendet erhielt und
ich bitte dafür meinen wärmsten Dank ent-
gegenzunehmen. Bewundernd stehe ich, dieses
neue Werk neben die Schriften Ihres Gatten
stellend, die ich schon kenne, vor der grossartigen
Spannweite des Denkens und tiefen Verstehens
und vor der unvergleichlichen Anmut, beides
dem Leser mitzuteilen. Es war ein Raub des
Schicksals, dass es Ihrem Gatten die stolze
Genugtuung versagte, selber seine Lebensarbeit
zu veröffentlichen und sich ihrer Wirkungen zu
erfreuen. Für Sie, verehrte gnädige Frau, ist
das leider kein Trost, sondern neu aufbrechen-
der trauernder Schmerz . . . . In Verehrung
ergebenst
Dr Fr Klein