Kosel, Hermann Clemens: Brief an Franz Karl Ginzkey. Wien, 27.6.1933
RAT HERM. CL. KOSEL
WIEN I., URANIASTRASSE 2
WIEN, 27. Juni 1933.
U 15-4-25
Hochverehrter, lieber Herr Doktor.
Eine große Umwandlung in meinem Beruf, dürfte
veranlassen, daß ich zu Beginn 1934 Europa verlasse.
In Südamerika hat man meine „Markenkunst“ ent=
deckt, die dortige Regierung will mich a[l]s Generaldirektor
der Sta[a]tsdruckerei verpflichten mit so hohem Einkommen
daß es für mich verlockend erscheint. Es hängt nun
von meinen Augen ab, ob ich dem ehrenhaften Ruf
folge oder nicht, ob mein Glaukom konstant bleibt,
oder ob ich operiert werden muß.
Ich möchte für alle Fälle alle meine Verpflichtungen
hier erfüllen und auch Ihren „Gaukler von Bologna“
kompositionsreif gestalten. In groben Wurf habe
ich die Komödie für Musik nun fertig und möchte
Ihre Meinung, Kritik und Änderungsvorschläge hören.
Darf ich Ihnen das Manuskript schicken, oder
kommen Sie bald nach Wien? Es ist ein überaus
abwechslungs=bilderreiches Stück geworden: alles auf
Komik aufgebaut, überhaupt die Situationen - und Personen,
bis auf Betisia u. Lorenzo. Die dramatische Lösung ist
nur glaube ich im musikalischen Sinn gelungen. Wenn
da ein Komponist das seine leistet, kann der Erfolg
nicht ausbleiben. Nun, Sie werden ja selbst urteilen.
In der „Wipa“ Ausstellung im Künstlerhaus-Sezession
habe ich großen Erfolg aufzuweisen, bis auf den Neid