Lucka, Emil: Brief an Franz Servaes. Wien, 17.5.1915
[andere Hand:] 49
WIEN
IX/1 ROSSAUERGASSE 4.
17/5. 1915
Lieber Franz!
Dank für Deine ausführliche Karte! Es scheint
ja, dass Du Dich wieder in Berlin eingewöhnst, gestern war
ich in Weidlingau und hörte mit wenig erbauten Gefühlen, dass
Du sogar an eine endgültige Übersiedlung denkst. Hoffentlich
wird doch nichts daraus. Also zuerst: ich wollte schon längst hinaus-
fahren, aber Du kennst ja meine unüberwindliche Indolenz,
ich brauche immer einen energischen Stoß. Deine Frau und Beate
sehen sehr gesund aus und machen sich auch, wie es scheint,
nicht zuviel aus den Unbequemlichkeiten wegen der Vermietung,
die Euch ja freilich einen Teil Eures schönen Hauses raubt. Der
Garten blüht so schön, dass es jammerschade wäre, wenn die
Einquartierung nicht bald wieder zum Teufel ginge! Komm
jedenfalls nicht zurück, ehe Du wieder Autokrat in Deinem
Hause bist, denn so wird es Dir wenig passen. Ich hörte
also von den Deinigen nur Gutes und sah ebensoviel, die beiden
haben die mich sehr erfreuende Absicht, einmal nach Grinzing
zu kommen.
Wegen des N. Wr. Tagbl. habe ich mit der Bewußten