Lucka, Emil: Brief an Franz Servaes. Wien, 20.12.1915
[andere Hand:] „Elfriede“!
[andere Hand:] 51
WIEN
IX/1 ROSSAUERGASSE 4.
20/12 1915
Lieber Franz!
Dein Brief ist so freundschaftlich, dass
ich von ihm wahrhaft ergriffen bin. Ich danke Dir für
Dein Vertrauen und freue mich von ganzem Herzen,
dass Dir so was Schönes und Großes zustößt. Du
bist ja ein Jüngling geworden und ich könnte
Dich beneiden um Deine herrliche Seelenverfassung,
bin ich doch zu so was längst verdorben. Ich glaube,
Deine „Eifersucht“ wäre auch dann nicht begründet,
wenn ich jene mythische Elfriede kennte. Ich bin
durch mancherlei Verführungen gegangen und habe
eigentlich nie etwas Stärkeres empfunden. Schon
seit vielen Jahren. Es ist wunderbar, dass Du Dich
so vergnügen kannst, und das hast Du mit
Goethe gemein, der Ähnliches allerdings noch später,
viel später erlebt hat: so blüht Dir eine Aussichts-
reiche Zukunft!