Lux, Joseph August: Brief an Emmerich Prettenhofer. Anif-Salzburg, 14.2.1934
Anif-Salzburg 14. 2. 34.
Verehrter Herr Hofrat!
Ich schrieb Ihnen vor einiger Zeit und hoffe Sie im Besitze
meines Briefes. Inzwischen hat Gottes Finger wieder Oesterreich
und Wien berührt und begnadet. Binnen drei Tagen Wien
vom roten Joch befreit - das ist für uns und wohl für alle
Gutgesinnten eine unsagbare Freude. Ich sehe wieder Zukunft für
uns! Für Wien! Gott sei Lob und Dank!
Noch habe ich Ihnen nicht gesagt, was hier geschehen ist.
Am Lichtmesstag haben wir einen Nazisturm auf unser Haus
aushalten müssen. Schon vorher wurden, u. zw. am 16. Jänner
als ich in Wien war, ein Papierböller in der Nähe des Hauses zur
Explosion gebracht und am 30. Jänner nachts ein solcher über die
Hecke ans Haus geworfen, so daß im Parterre die Fenster zertrümmert
waren. Am 2. Februar wurden 2 Leute von Anif, Naziführer,
darunter der Wirt, an diesem Anlass nach Wöllersdorf gebracht.
Für diesen Fall war ein regelrechter Aufruhr schon geplant und
vorbereitet. Als man morgens die Leute wegführen wollte, organisierte
sich de Widerstand. Die Kirchenglocken wurden von den Anführern zum
Sturm geläutet, die Anhänger aus den Nachbarorten liefen herbei
und machten vor der Post, wo die Gendarmerie einquartiert ist,
Demonstration. Die drei Gendarmen waren zu schwach und riefen