Madjera, Wolfgang: Brief an Friedrich Schreyvogl. Wien, 27.11.1922
Wien 27. 11. 1922.
Lieber Doktor!
Ich nehme mir ernstlich vor, heute abends
den Vortrag Jeremiae des Propheten zu be=
suchen. Aber da ich mit meiner Kehle fortwährend
gegen einen drohenden Katarrh anzukämpfen
und Samstag an meinem dramatischen Leseabend
kräftig mitzuwirken habe, muß ich bei so stürmischem
Wetter, wie es jetzt herrscht, meine Ausgänge auf
das Notwendigste beschränken, und ich bin daher
nicht gewiß, ob ich‘s werde wagen können, heute
aus dem Hause zu gehen.
Für alle Fälle lege ich also das folgende,
das mir sehr am Herzen liegt, auch schriftlich nie=
der. –
Ich habe in der „Reichspost“ (beim „Sekre=
tär“, Dr Funder war nicht zugegen) vorgesprochen.
Man ist dort gerne bereit, einen ausführlicheren
Bericht über den Leseabend zu bringen und einen
Berichterstatter zu entsenden. Auch wäre man sehr
einverstanden, wenn Sie die Berichterstattung
übernehmen würden. Aber man bedauert un=
gemein, daß Sie nie bei der Schriftleitung
vorsprechen, und daß man daher mit Ihnen