Madjera, Wolfgang: Porträtpostkarte an Friedrich Schreyvogl. o.O., 23.6.1918
Lieber, junger Kunstgenosse!
Da Sie zu meinem Bedauern dem Fest=
abende der „Schubertkneipe” nicht anwohnen
konnten, haben Sie schöne und herzliche Wor=
te an die Tafelrunde gerichtet; ich fühle mich ge=
drängt, Ihnen zu sagen, daß mich diese Worte,
soweit sie mich betroffen haben, mit freudiger Rüh=
rung erfüllten. Denn gerade daß unsere Ju=
gend und daß einer der weitaus Hoffnungsvoll=
sten unter den Jungen mir zugetan ist, gibt
mir die frohe und erwünschte Gewähr, daß der
künstlerischen Richtung, der ich in früheren Jahr=
zehnten einsam und unbeachtet, mehr angefein=
det, als geschätzt, gedient habe, nun ein kräftig in
die Halme schießender Nachwuchs ersteht, dem es
hoffentlich gelingen wird, durchzusetzen, was ich wollte
und begann: Kraft, Gesundheit, Schönheit zum Siege
zu führen über frech geschminkte Unfähigkeit,
volksfremde Perversität und marktschreierischen
Mißbrauch der Formen der Kunst. Auf der alten,
bodenständigen, von herrlichen Meistern geschaffenen
und veredelten Kultur mit offenem Blick für die
Forderungen der Gegenwart weiterbauen - das sei
unser Ziel! Mit dem warmen Wunsche, auch
Sie in diesem Sinne wirken zu sehen, grüßt von
Herzen ˑ/ˑ