Röbbeling, Hermann: Brief an Maia von Kralik. Wien, 5.2.1934
DIREKTION
DES BURGTHEATERS
Wien, 5.II.1934.
Ihrer Hochwolgeboren
Frau Maja von Kralik,
Wien.
Sehr verehrte gnädige Frau,
in tiefster Erschütterung vernehmen wir die traurige Nachricht
vom Hinscheiden Ihres verehrten Herrn Gemahls, dieses grossen
Repräsentanten geistiger, literarischer und musikalischer öster=
reichischer Kultur.
Ich weiss, wie er immer um die Sendung der Bühne als
einer „moralischen Anstalt” im Sinne Schillers gerungen hat und
wieviel er dazu beitrug, das Gefühl und die Erkenntnis dafür zu
vertiefen und zu verbreiten. Ich freue mich, daß es uns vergönnt
gewesen, wenigstens eine kleine, wahrhaft volkstümliche Probe
seines grossen Werkes unserem Publikum vor kurzem vorzuführen
und damit die Teilnahme wie den Beifall eines verständigen Kreises
zu finden. Und ich möchte mit der Bekundung unserer tiefen Trauer
der Versicherung Ausdruck geben, daß das Burgtheater den idealen
Zielen und der hohen künstlerischen Auffassung des Verewigten stets
treu bleiben werde.
Genehmigen Sie, sehr verehrte gnädige Frau, die Übermitt=
lung unseres herzlichsten Beileids und unserer innigsten Teilnahme.
In aufrichtigster Eertschätzung
Ihr sehr ergebener
HRöbbeling