Schnabel, Artur: Brief an Ernst Krenek. Charlottenburg, 24.10.1927
14 Wielandstrasse
Charlottenburg
24. Oktober 1927
Werter und lieber Herr Křenek,
am liebsten hätte ich Ihren
Brief sofort beantwortet, aber ich habe viel mehr
Arbeit als Zeit (die ich – übrigens – auch nicht einzuteilen
verstehe), und muss darum manche Pflicht versäumen,
manchen Wunsch unerfüllt lassen, der erfüllbar wäre.
Also: entschuldigen Sie die Verspätung meiner Antwort,
die schon eine ganze Woche hinaus will. –
Ich habe die Berliner „Johnny″ Wiedergabe gehört:
Ihr Werk hat mir trotzdem starken Eindruck gemacht.
Als ich es eindringlich und ernst las, hat es mich
allerdings noch mehr bewegt. Ich hatte meine ungestörte
Vorstellung. Die berliner Vorführung berechtigt Sie
zweifellos zu Ihrem Zorn. Sie ist musikalisch nicht
beschwingt geführt, der Darsteller des Max ist wohl
sehr unergiebig, und was gar Herr Karl Heinz Martin (der
sich offenbar: Smartin sprechen möchte) auf der Bühne
anordnete, bestätigte peinlich die Befürchtungen, die bei
mir entstanden, als ich erfuhr, ihm sei die Spielleitung
anvertraut worden. Ich habe nämlich im vorigen Jahr