Furtwängler, Wilhelm: Brief an Erich Wolfgang Korngold. Mannheim, 6.10.1918
Mannheim, 6. X 1918
Rennershofstr. 13
Sehr geehrter Herr Korngold,
Auf Nikisch's neuen Berliner Programmen
steht, wie ich höre, in einem der ersten Konzerte eine
Schauspiel-Ouverture von Ihnen. Sollte das das neue
Werk sein, so würde ich sehr bedauern, daß Sie mir auf
meine letzten Zeilen nicht geantwortet haben. Ich hätte
das Werk so sehr gern in meine diesjährigen Programme
aufgenommen. - Was Ihre Opern betrifft, so wird der
„Ring d. Polykrates“ - der Vertreter des Wilhelm ist
inzwischen gestorben - z. T. neu studiert. Doch kann das erst
+ nach Weihnachten geschehen. Das Sextett soll Rosé Anfang
nächsten Jahres im Philharmon. Verein spielen, deshalb ist man
davon, es durch Wendling spielen zu lassen, wie ich Ihnen
seinerzeit schrieb, wieder zurückgekommen. Sicher ist für den
ersten Eindruck Rosé doch‚ der besser geeignete!
Mit den besten Empfehlungen
stets
Ihr ergebener
Wilhelm Furtwängler
Meine projektierten Wiener Konzerte sind der
Kriegsverhältnisse wegen in die Brüche gegangen. Schade!
[seitlich:] + Der betr. ist erst dann für das Studium
frei.