Werfel, Franz: Brief an Andreas Thom. Breitenstein, 16.4.1928
Ich schreibe einen kleinen Roman um, d.h. ich schreibe
ihn neu, – und muss ein Manuskript von immerhin
250 Seiten in 8 Tagen fertig haben, weil ich es so
versprochen habe. – Es ist ein Schachmattspiel,
hat aber seine Vorzüge wie jede „hohe Bean=
spruchung“ in der Technik.
Dies ist der erste u. einzige Brief, den ich schreiben
kann ...
Schade, daß Sie nicht hier gewesen sind. Jetzt ists
etwas spät, denn am Donnerstag, Freitag dürfte [es]
schon fertig sein. Hoffentlich kann ich Sie in Wien
vor meiner Abreise nach Venedig (1. Mai) sehn
Kommen Sie doch zu mir in die Elisabethstr., lieber
Thom. Gegen 5 Uhr bin ich täglich zu Hause.
Hoffentlich ist es Ihnen recht, daß ich das
Manuskript der Sternschnuppe Zs. gegeben
habe ...
Grüßen Sie vielmals Ihre liebe Frau!
Herzlichst wie immer der Ihre
Werfel
Bis Freitags abend[s] erreicht mich jeder Brief
hier. Höchstwahrscheinlich auch Samstag noch