Bolin, Wilhelm: Brief an Wilhelm Börner. o.O., 31.1.1919
Ihnen wird nicht entgangen sein, in welcher Aufregung das
soeben abgelegte Geständniss geschrieben ward. In
meinem Leben habe ich keine solche Folter durchlebt, wie die
Wochen, bis die Wohnungsfrage erledigt war. Ich war
es meiner Beruhigung schuldig, die mir gestellten
Bedingungen anzunehmen. Uebrigens gehörten meine
Reisen den Zeiten im Jahre an, wo der Aufenthalt
hier besonders angenehm, während die abscheulichen
Wintermonate hierorts zu verbringen sind. Auch
habe ich zu bedenken, dass der Verzicht, von dem
ich betroffen worden, ein Glück ist im Ver=
gleich mit dem, was in meinem hohen Alter
leicht hätte eintreten können: Lähmung
durch einen Schlaganfall. So habe ich mich
einer leidlichen Gesundheit zu erfreuen, die
mir hoffentl. nicht entrissen wird .... Eine an=
dere Heimsuchung möge mir auch fernbleiben.
Ich bin zum tägl. Gedeihen ganz & gar auf eine
alte treue Dienerin angewiesen, die um 2 Jahre
älter ist als ich und bisher nur gelegentlichem