Döhler, Ottilie: Brief an Marie von Ebner-Eschenbach. Gmunden, 30.3.1915
wovon die Hälfte ganz mittellos ist,
und wir haben hier 1.400 Verwundete,
das sagt Alles! -
Eine große Woltäterin hat das Notreser=
vespital an der Fürstin Wrede, die
fast täglich kömmt und Gaben austeilt,
aber schießlich, alle immer zu beteilen ist
auch ihr unmöglich.
Der Fall der Festung Przemysl, hat mich ganz
niedergeschmettert, die Nachricht traf hier
am Abend des 21/3. ein, gerade am jenem
Tage, wo wir Schwestern und Ärzte total
erschöpft waren und diese Unglücksbot=
schaft, raubte uns den letzten Rest von
Faßung!
Wenn man die Verwundeten erzälen
hört von den Erlebnißen in den Kar=
pathen, wie groß die Heeresmacht der
Russen ist, wie erbarmungslos sie
vorgehen, wie ganze Regimenter
von uns, bis auf den letzten Mann