Haus, Anton von: Brief an Lucia von Fries-Skene. o.O., 23.9.1916 - 27.9.1916
Willst Du mir senden einen Strahl
Licht aus Deiner Seele, die meine zu
erhellen?“ Auch das Weitere möch=
te ich am liebsten wörtlich aus Ihrem
Briefe abschreiben, denn es ent=
spricht vollkommen meiner Stim=
mung u. so schön könnte ich es an=
derst nicht sagen.
27. IX. Sieben Stunden habe ich mit Schreiben
an das Armee-Oberkommando verloren!
Wie verhaßt mir der Schreibtisch früher
(bis Ende Juli) war, wissen Sie wohl nicht;
u. ebensowenig, wie lieb er mir seither
geworden. Nur bangt mir seit etwa
einer Woche, ob ich mit meinem letzten
Brief mit den so prahlerisch herausgestri=
chenen 6000 Worten nicht ein Unheil angerich=
tet habe. Haben Sie nicht entsetzt ausgeru=
fen: „Die Geister, die ich bannte, werd' ich
nun nicht los!“ Wird nicht unsere so jun=
ge u. wie eine Palme aufgeschossene
Freundschaft noch in Tinte ertrinken?
Solche Monstrebriefe, wie mein letzter
sind etwas ganz Neues in meinem Le=
ben. Mit den Freunden, die ich hatte, habe
ich nur wenig korrespondiert u. nur
über Ereignisse u. Tatsachen der Außen=
welt geschrieben. Wissen Sie, daß alle
meine Freunde, ebenso die Gönner ganz
auffallend von Unglück aller Art ver=
folgt waren? Zwei leben überhaupt noch.
Vor 7 Jahren schloß mich in Smyrna der al=
te Marschall Kiasim Paschah ganz beson=
ders in sein Herz. Von einem deutschen
Paschah, der seit 15 Jahren in der Türkei