ben, und dass sein böser Wille unmittelbar dadurch bewiesen ist,
dass er Baron Thienens richtigen Argumenten kein Gehör schenkte,
weil ein Pater - wohl sein Beichtvater - den Aufsatz gut fand, und
er einem persönlichen Freund von mir später direkt zugab, in ge-
reizter Stimmung geschrieben zu haben. Wer behauptet, „religiös“ zu
sein, der gibt Stimmungen in solchen Zusammenhängen nicht nach.
Ihnen bleibe ich nach wie vor freundschaftlich verbunden,
ich bitte aber auf den Fall Thun nie wieder mir gegenüber zurück-
zukommen. Wahrscheinlich werde ich ihn einmal als Schulbeispiel
öffentlich behandeln.
Dieser Brief ist natürlich nur für Sie geschrieben.
Meinerseits besteht nicht die Ab-
sicht, Thun irgend etwas von mir aus wieder zur Kenntnis zu ge-
ben, so wie ich von Hause aus ablehne, dank dem was ich denke mit
dem Grafen Thun in persönliche Auseinandersetzung zu geraten. Was
ich Ihnen geschrieben habe, geschah von mir aus also vertraulich. Um
einem möglichen Missverständnis vorzubeugen, sage ich noch schnell,
dass ich gegen die sachlichen Bedenken am Schluss des Aufsatzes
nicht das mindeste einzuwenden hätte. Es spricht einfach persön-
liche Rachsucht aus dem Ganzen u. für Hässliches kenne ich keine Entschuldigung. Wahrscheinlich ist Graf Thun sich
dessen unbewusst. Aber es ändert dies am Tatbestande nichts. An
ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.
Mit herzlichen Grüssen
stets Ihr
Hermann Keyserling
dass er Baron Thienens richtigen Argumenten kein Gehör schenkte,
weil ein Pater - wohl sein Beichtvater - den Aufsatz gut fand, und
er einem persönlichen Freund von mir später direkt zugab, in ge-
reizter Stimmung geschrieben zu haben. Wer behauptet, „religiös“ zu
sein, der gibt Stimmungen in solchen Zusammenhängen nicht nach.
Ihnen bleibe ich nach wie vor freundschaftlich verbunden,
ich bitte aber auf den Fall Thun nie wieder mir gegenüber zurück-
zukommen. Wahrscheinlich werde ich ihn einmal als Schulbeispiel
öffentlich behandeln.
Dieser Brief ist natürlich nur für Sie geschrieben.
Meinerseits besteht nicht die Ab-
sicht, Thun irgend etwas von mir aus wieder zur Kenntnis zu ge-
ben, so wie ich von Hause aus ablehne, dank dem was ich denke mit
dem Grafen Thun in persönliche Auseinandersetzung zu geraten. Was
ich Ihnen geschrieben habe, geschah von mir aus also vertraulich. Um
einem möglichen Missverständnis vorzubeugen, sage ich noch schnell,
dass ich gegen die sachlichen Bedenken am Schluss des Aufsatzes
nicht das mindeste einzuwenden hätte. Es spricht einfach persön-
liche Rachsucht aus dem Ganzen u. für Hässliches kenne ich keine Entschuldigung. Wahrscheinlich ist Graf Thun sich
dessen unbewusst. Aber es ändert dies am Tatbestande nichts. An
ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.
Mit herzlichen Grüssen
stets Ihr
Hermann Keyserling