Wien 15. 7. 16 Verehrter Freund! Sie waren vor kurzem so
freundlich, mir eine Karte des Hofrats Prof. Klein aus Prag an Sie mit-
zuteilen. Ich bekomme manchmal solche Briefe, z. B. eben jetzt von
Gymnasialdirektor a.D. J. Gaßner dzt. Innsbruck, der sich sehr begeistert
äußert, meine Artikel als Festtagsfreude noch öfters sehen wollte usw.
Seitdem hat mich auch Hofrat Klein hier besucht und mir gesagt,
daß Sie mich ihm gegenüber als einen „bescheidenen Autor” bezeich-
neten. Mich freut das sehr, daß ich nach außen hin nicht den Eindruck
eines unbescheidenen Menschen mache. Ich glaube dies Lob insoferne
zu verdienen, als ich keine Redaktion, keinen Kritiker, keinen
Freund drangsaliere, mich zu loben, zu besprechen, von mir zu reden,
für mich Reklame zu machen. Ich halte mich aber doch im
Gewissen verpflichtet, zu gestehen, daß ich selber von meinen Arbeiten
und Bemühungen in meinem Innern nicht so bescheiden denke,
als es vielleicht nach außen scheint. Darum möchte ich Ihnen
wenigstens einmal, und nicht wieder, berichten, daß ich gegenwärtig
keinen Lyriker, Epiker, Dramatiker, Prosaisten, Philosophen,
Historiker kenne, dem ich den Vorrang vor mir einräumen
könnte, womit ich aber nicht sagen will, daß ich alle meine
Zeitgenossen in allem übertreffe. Wohl aber glaube ich,
freundlich, mir eine Karte des Hofrats Prof. Klein aus Prag an Sie mit-
zuteilen. Ich bekomme manchmal solche Briefe, z. B. eben jetzt von
Gymnasialdirektor a.D. J. Gaßner dzt. Innsbruck, der sich sehr begeistert
äußert, meine Artikel als Festtagsfreude noch öfters sehen wollte usw.
Seitdem hat mich auch Hofrat Klein hier besucht und mir gesagt,
daß Sie mich ihm gegenüber als einen „bescheidenen Autor” bezeich-
neten. Mich freut das sehr, daß ich nach außen hin nicht den Eindruck
eines unbescheidenen Menschen mache. Ich glaube dies Lob insoferne
zu verdienen, als ich keine Redaktion, keinen Kritiker, keinen
Freund drangsaliere, mich zu loben, zu besprechen, von mir zu reden,
für mich Reklame zu machen. Ich halte mich aber doch im
Gewissen verpflichtet, zu gestehen, daß ich selber von meinen Arbeiten
und Bemühungen in meinem Innern nicht so bescheiden denke,
als es vielleicht nach außen scheint. Darum möchte ich Ihnen
wenigstens einmal, und nicht wieder, berichten, daß ich gegenwärtig
keinen Lyriker, Epiker, Dramatiker, Prosaisten, Philosophen,
Historiker kenne, dem ich den Vorrang vor mir einräumen
könnte, womit ich aber nicht sagen will, daß ich alle meine
Zeitgenossen in allem übertreffe. Wohl aber glaube ich,