Kralik, Richard: Brief an Richard Schmitz. o.O., 31.12.1928
Absatz mitgeteilt, aus denen sich allerdings ergab, daß dieser
fast null war. Das steht mit den ehemaligen Zusicherungen
des Herrn Dr. Kindermann in so starkem Gegensatz, daß ich es
wage, das Bundesministerium hierin anzurufen, da ja vom Mini-
sterium mein ganzes Verhältnis zum Bundesverlag ausgeht.
Es ist wahrscheinlich, daß in meinem Fall der Verlag die von Dr. Kinder-
mann in Aussicht gestellte Propaganda für den Absatz nicht
ganz so ausgenützt hat, wie es doch wohl bei Werken anderer Autoren
geschehen mochte.
Tatsache ist, daß die für Österreich
so wichtige Institution des Bundesverlags
ganz in die Hände der Großdeutschen Partei übergeben
ist. Meine Spiele haben aber im Wesen nichts an sich, was sie dieser uns ver-
bündeten Partei unsympathisch machen könnten; sie pflegen ohne jede
konfessionelle oder christlichsoziale Färbung (wenn ich auch
der christlichsozialen Partei zugetan bin) lediglich die Heimat=
liebe und die Kenntnis heimatlicher Sage und Geschichte
des deutschen Österreichs. Es dürfte also nicht unberechtigt
sein, den Bundesverlag auf diesem Wege an die Erfüllung
seiner Verpflichtung mir gegenüber zu erinnern. In dieser Beziehung wage ich
auf Ihr mir oft bewiesenes Wohlwollen, hochverehrtester Herr Bundesminister, zu appellieren. Ein ähnliches Memorandum schicke ich
gleichzeitig an den Bundesverlag ab, damit es nicht scheine, als ob ich etwas Feindseliges gegen ihn unternehmen wolle, da es mir
doch nur um
eine endliche
Regelung des
so lange im Un-
gewissen schwe-
benden Verhält-
nisses zu tun ist
doch wage ich es, zu bitten, das Unterrichtsministerium
möge die Aufführung dieser patriotischen Spiele
in den Schulen empfehlen.
Mit dem Ausdruck hochachtungsvoller Verehrung
und treulicher Ergebenheit
Dr. Richard Kralik
Wien 31. 12. 28