Lucka, Emil: Brief an Franz Servaes. o.O., 10.2.1920
zu sprechen, wenn Du erst hier bist. Bleibt es
also bei Mai? Die Übersiedlung wird schwierig
sein! Eine neue Zeitung „Österr. Staatszeitung“
wird schon wieder gegründet, ob sie viel taugen
wird, weiß ich nicht.
Ich lebe recht und schlecht – mehr
letzteres teils wegen der ökonomischen und
politischen Verhältnisse, teils wegen des vielen
persönlichen Ärgers. Ich sehe die Zukunft Deutschlands
und Österreichs sehr trübe vor mir. Weiß der Himmel,
was aus dieser neuen französischen Tücke mit dem
Begehren der Auslieferung aller Generale werden wird.
Man kann es nicht tun, das versteht sich ja von
selbst, und ist doch ganz in der Hand des Feindes. –
Der „Friede“ war wohl der größte Hereinfall der Welt=
geschichte.
Ich sehe wenig Menschen. Felix Braun hat für
den Herbst eine Lehrerstellung im Odenwald angenommen
und verlässt uns also. Ich möchte wie immer gerne
fort, kann aber nicht. Wie sind Deine Pläne für
die Zukunft? Was gedenkst Du eigentlich in Wien
anzufangen?
Ich hoffe, dass Ihr alle gesund seid! Lass
einmal hören und grüße die Deinigen!
Dein treuer
Emil Lucka