Manowarda, Josef von: Brief an Anna und Wilhelm Klitsch. o.O., 5.11.1928
Der neue Faustdarsteller wurde absolut nicht
himmelstürmend kritisiert, so viel ich nämlich
gelesen habe und eine Zeitung erwähnt seine
äusserliche Ahnlichkeit mit Hartmann. Ich sah
Bilder von ihm schön ist er nicht so gebläte
Nüstern, eine Riechnase (Heuchlernase). Nicht sympatisch.
Prof. Bernardi war im Oktober am 1. 4. u. 8.
sonst nicht mehr.
Meine Furtwängler Eindrücke waren die
schönsten, die Ihr Euch nur vorstellen könnt, abgesehen
davon, dass er mir beim Verbeugen vor dem Vorhang
ostentativ vor dem Publikum die Hand geschüttelt
hat, gratulierte er mir noch hinter dem Vorhang
herzlich und auch bei einer grossen Versammlung
der G. der Musikfreunde äusserte er sich, dass die
Leistung meines Rheingoldwotans grossartig war
seines Wissens von den jetzigen Vertretern nicht zu über-
treffen. Aber sonst dieser Mensch als Dirigent, dieses
Wort möchte ich gar nicht sagen, sondern ein
Führer wunderbarster Art ein reproduzierender
Dirigent allererster Ordnung ohne etwas anderes zu
machen als in der Partitur steht mit einem
Wort grosses übermenschlich einfaches Hirn und
in dieser Eigenschaft ungeheuer.