Friedell, Egon: Brief von Egon Friedell an Hans Sassmann. [München], 1929
1.
Lieber Freund,
hier ist es fabelhaft: Gebirgsluft, Gebirgstrotteln und,
wenn man in Schwabing wohnt, kein einziger Bekannter.
Im inneren Höllenkreis, der immerhin einen halben Kilometer
von Schwabing entfernt ist, tun sich grauenhafte Dinge, von
denen Grüße bis hierher dringen: Reinhardt probiert bis
5 Uhr früh und Thomas Mann liest Bruchstücke vor.
Da sich beim Barockmenschen die Technik auf Telepathie
beschränkt, so traf ich natürlich sofort Barnowsky in München,
der mir sagte: ja haben Sie denn meinen Brief nicht erhalten?
Ich erwarte Sie am 1. September in Berlin. Als ich darauf