Kienzl, Hermann: Brief an Wilhelm Kienzl. Wilmersdorf bei Berlin, 15.1.1925
großen Rebbachs opfern. Ob es heute, so spät, noch
gienge, eine hiesige Vereinigung einzuspannen, weiß
ich nicht. Doch würde ich, falls Du mir bestimmte
Weisungen u. Adressen an die Hand gäbest, da oder
dort anklopfen. Du solltest Berlin nicht end=
giltig verloren gehen lassen! Zwar regieren
hier jetzt andere Sterne; doch gerade das
Übermaß an Futurismus könnte die Stimmung
für - - Musik bei manchen vorbereitet haben.
Schreib mir nur bald, ob wir uns
mit Sicherheit auf Euer Kommen freuen dürfen!
Selbstverständlich wohnt Ihr bei mir. Ihr
werdet Euch ja mit einem Zimmer gerne
bescheiden. - Das Ninerl, das schon alles
spricht, sehr lebhaft und intelligent ist, will
seine Leute auch mal kennen lernen!
Nach der Hassan=Aufführung, also in der
März=Nummer, wäre ein Aufsatz über Wilhelm
Kienzl in meiner Monatschrift besonders
„aktuell”. Er müßte indessen nicht vorwiegend
der neuen Oper gewidmet sein, vielmehr Dich
besonders als Schöpfer der österreichischen Volks=
oper charakterisieren. (Zu dem hab ich Dich,
nebenbei, vor kurzem ernannt - in einem allgemeinen
Essay, das ich für Prof. Rohrbachs Zeitschrift
„Der deutsche Gedanke” schrieb.) Der Windhund
Decsey hat mir auch auf die zweite Aufforderung,
diesen Aufsatz zu schreiben, keine Antwort gegeben.